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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Di.14.01.03, 12:30 Blix sieht Waffeninspektoren durch Truppenaufmarsch unter Druck.
Di.14.01.03 - Durch den Aufmarsch der amerikanischen und britischen
Truppen in der Golfregion sehen sich die UN- Waffeninspektoren im Irak zunehmend
unter Zeitdruck. Das sagte der Chef der UN-Inspektoren, Hans Blix, am Montag in
einem Interview mit der britischen BBC.
Er sei nicht sicher, ob ihm genug Zeit gegeben werde, seine Arbeit zu beenden,
sagte Blix, obwohl den Inspektoren mittlerweile auch Hinweise westlicher
Geheimdienste auf mögliche Massenvernichtungswaffen im Irak vorliegen. "Es kann
sein, dass es eines Tages heißt, 'Geht zur Seite Jungs, wir kommen jetzt rein'", sagte
Blix mit Blick auf die ständig größer werdende Zahl an amerikanischen und britischen
Soldaten in der Golfregion.
Er glaube aber, dass die allermeisten Menschen und die meisten Regierungen lieber
eine friedliche Entwaffnung des Irak sehen würden, sagte Blix. Zuvor hatte bereits der Chef der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEO), Mohammed el Baradei, in Paris betont, dass die Waffeninspekteure im Irak noch "einige
Monate" bräuchten, um ihre Arbeit erfolgreich beenden zu können. Nach einem Gespräch mit dem französischen
Außenminister Dominique de Villepin sagte el Baradei, bislang nehme der Irak "eine passive Haltung ein, wir
wünschten uns eine aktive Zusammenarbeit".
IAEO-Sprecher Mark Gwozdecky sagte der BBC, die Waffeninspekteure benötigten etwa ein Jahr für eine
"zuverlässige" Untersuchung der irakischen Waffenprogramme. In vielen Fällen müssten Einrichtungen mehrfach
durchsucht werden. Er äußerte sich dennoch zuversichtlich, dass die Experten vor Ort jedes verbotene
Nuklearprogramm entdecken könnten. Angesichts der bisher guten Kooperation der Iraker sei dies möglich. "Ist es
nicht ein Jahr wert, um eine nachhaltige, überprüfbare Lösung diese Problems zu bekommen?"
(Quelle: dpa)
Der Papst redet Klartext:
Di.14.01.03 - Allzuhäufig werden bei Neujahrempfängen für Diplomaten nicht viel mehr
als Nettigkeiten gesagt, bestenfalls Allgemeinplätze, immer schön verpackt - diplomatisch eben.
Beim Papst ist das anders. Der alte Mann redet Klartext wie nie zuvor in der gegenwärtigen Irak- Krise.
"Non à la guerre!" - das klingt selbst in der Diplomatensprache Französisch hart und kompromisslos.
"Kein anderer Staatsmann von Format wagt es heute noch, so eindeutig gegen den Krieg zu wettern
wie der Papst", kommentiert ein Vatikankenner nach dem Empfang am Montag. Während viele
kriegskritische Politiker und Parteien mit ihrer Meinung derzeit hinterm Berg halten, wird der Mann im
Vatikan zunehmend deutlicher.
Darauf, dass der Kirchenführer es ernst meint, deutet auch der Bericht eines
italienischen Vatikankenners hin. Demnach plant Johannes Paul II. eine eigene
Friedensmission des Vatikans. Ein oder mehrere Kurienvertreter sollen, falls sich
die Kriegsgefahr weiter zuspitzt, nach Bagdad und Washington reisen und dort mit
den Präsidenten George W. Bush und Saddam Hussein sprechen. Allein schon die
Art und Weise, wie der Vatikan hier beide Konfliktparteien formal gleich behandelt,
dürfte geeignet sein, in Washington Ärger auszulösen.
"Krieg ist nicht einfach ein anderes Mittel, das man anwenden kann, um Konflikte
zwischen Nationen zu regeln." So harte Worte hatte der Papst bislang vermieden.
Dann erinnert er auch noch an die Leiden des irakischen Volkes unter dem UN-Embargo.
"Krieg ist immer eine Niederlage für die Menschheit."
Aber was will der Papst wirklich? "An wen richtet er sich?", fragte die römische Zeitung "La Repubblica" am Montag.
"An die Katholiken, an die Christen und an alle Menschen guten Willens. Aber vor allem an die Europäer", meint das
Blatt. Mit Sorge, mit Misstrauen und durchaus mit Ärger verfolgen Kardinäle und Prälaten in Rom derzeit das
Schweigen der Europäer zur Drohkulisse, die Washington Zug um Zug aufbaut.
Das Blatt meint sogar, hinter den Worten des Papstes stünde der Wunsch nach Taten: Die Europäer sollten einem
Angreifer des Iraks Truppen, Überflugsrechte und finanzielle Unterstützung verweigern. Angeblich gebe es innerhalb
der italienischen Kirche sogar den Wunsch, die Ablehnung eines Krieges mit Friedensmärschen und Gebetswachen
zu unterstreichen. "Der Papst macht Druck..."
Fest steht, dass unter vielen Kirchenmännern eine Anti- Kriegsstimmung herrscht. "Wenn die UN-Waffeninspekteure
nichts finden, hoffe ich, dass die UN-Sanktionen gegen den Irak fallen: So viele arme Leute leiden darunter", meint
etwa der neue Präsident des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Erbischof Renato Martino. Er verurteilt
jeden Versuch der USA, sich als "Weltpolizist" zu begreifen. "Die Vereinten Nationen dürfen keine Organisation der
Kriegshetze werden. Sie sind eine Institution des Friedens." (Quelle: dpa)
US-Armee entsendet Ende Januar bis zu 1000 Strategen nach Katar.
Di.14.01.03 - Die US-Armee will Ende Januar Planungsoffiziere in ihre künftige
Kommandozentrale in Katar entsenden. Zwischen 800 und 1000 Strategen aller
Dienstgrade und Sektoren der US-Armee sollten in die Zentrale auf dem
Militärstützpunkt Es Sailijah südlich von Doha abbeordert werden, sagte ein
Vertreter des US-Militärs am Montag in Doha. Sie würden bis zum Ende des
Monats erwartet. Im Dezember hatte die US-Armee in Es Salijah mit rund 800
Soldaten das Großmanöver "Internal Look" (Innenansicht) abgehalten. Das Manöver
galt international als Testlauf für einen Irak-Krieg. Derzeit sind rund 4500
US-Soldaten in Katar stationiert; die meisten von ihnen auf der Militärbasis El Udeid
südwestlich von Doha. (Quelle: afp)
Bagdad: Sechs Zivilisten bei britischen und US-Angriffen verletzt
Di.14.01.03 - Bei Luftangriffen Großbritanniens und der USA in Irak sind nach Angaben aus
Bagdad sechs Zivilisten verletzt worden. Die Bomben seien am Montag auf zivile
Einrichtungen in der südlichen Provinz Basra abgefeuert worden, meldete die
irakische Nachrichtenagentur Ina unter Berufung auf einen Regierungssprecher.
Dagegen teilte das US-Zentralkommando mit, britische und US-Kampfflugzeuge
hätten eine irakische Raketenabschussbasis bombardiert. Die Anlage in der Nähe
von Basra sei eine Gefahr für Marinetruppen der Koalition gewesen, die im
nördlichen Golf stationiert seien. Die Armee ermittle derzeit, ob die Anlage zerstört
worden sei.
Tschechien stimmt Beteiligung an Irak-Krieg unter Vorbehalt zu.
Di.14.01.03 - Die tschechische Regierung hat am Montag einer
Beteiligung des Landes an einem möglichen Krieg gegen den
Irak unter Vorbehalt zugestimmt. Prag werde sich nur
beteiligen, wenn ein entsprechendes UN-Mandat vorliegt oder
der Irak von sich aus Massenvernichtungswaffen einsetzt. Die
endgültige Entscheidung über eine mögliche Entsendung von
Truppen muss jedoch in den nächsten Tagen das Parlament in
Prag treffen. Hier zeichnete sich am Montag nach dem
Regierungsbeschluss, dem sich Präsident Vaclav Havel
anschloss, eine Zustimmung ab.
Die USA hatten das NATO-Mitglied Tschechien um Antwort bis zum 20. Januar
gebeten, ob sie im Fall eines Irak-Krieges insbesondere mit der Verwendung einer
tschechischen ABC-Waffen-Abwehreinheit rechnen können. Außerdem baten die
USA um die befristete Stationierung von US-Truppen in Tschechien, eine
Überflugerlaubnis sowie die mögliche Entsendung von tschechischen Soldaten nach
Afghanistan. Diese sollen gegebenenfalls US-Einheiten ablösen, die für einen
Einsatz gegen den Irak gebraucht würden.
Das sozialliberale Kabinett stimmte der Bitte aus Washington am Montag
einstimmig in vollem Umfang zu. "Ich glaube, dass das Parlament die Situation
genauso sehen und zustimmen wird", sagte Havel nach der Sondersitzung der
Regierung. (Quelle: dpa)
Jordaniens König gegen einen Irak-Feldzug.
Di.14.01.03 - In einem Gespräch mit der jordanischen Agentur Petra hat
König Abdallah am Sonntag erneut einen Irak-Krieg abgelehnt und
besonders vor sekundären Auswirkungen gewarnt. "Falls ein Krieg
ausbrechen muss - und Gott verhüte es -, so ist das an sich ein grosses
Problem. Doch ein noch grösseres liegt darin, dass ein Krieg zu massiv
verschärften Schwierigkeiten in der palästinensischen Sache führen
kann, wo die Umstände an sich schon vollkommen unerträglich sind.
Weiter gibt uns die Lage nach einem Krieg zu denken, denn das Ausmass
der Leiden, die dieser für das irakische Volk und die ganze Region
bringen muss, ist unabsehbar." (Quelle: nzz) Mehr unter:
Ein Krieg gegen den Irak könnte das Land zerreißen.
Blair bekommt in der Irak-Krise zunehmend Gegenwind.
Di.14.01.03 - In der Labour-Partei gärt es: Je mehr Zeit vergeht, desto lauter wird die Kritik am Irak-Kurs
von Premierminister Tony Blair. Die Ankündigung von Chef-Waffeninspekteur Hans Blix, er habe bisher
im Irak keine "Smoking Guns", gefunden, gab den Kriegsgegnern in den Reihen von Labour Auftrieb.
Außenminister Jack Straw ließ sogar wissen, dass er die Chancen eines Krieges gegenwärtig mit 40:60 einschätze.
Damit, so urteilte der konservative "Daily Telegraph" (Montagausgabe), habe Straw die "pazifistischen Tendenzen in
der Partei ermutigt".
Was den Altlinken Straw dazu bewogen haben mag, zu so relativ später Stunde
seine Abneigung gegen einen Waffengang deutlich zu machen, bleibt umstritten.
Der Minister, so sagen seine Anhänger, habe nur betonen wollen, dass nach seiner
Ansicht die Konfliktlösung über die Vereinten Nationen vielversprechend sei. Andere
aber werfen ihm vor, der Regierung mit seiner Äußerung geschadet zu haben.
Tatsache ist jedoch, dass nicht nur der Rückhalt in der Labour- Partei, sondern
auch die öffentliche Unterstützung für eine militärische Beteiligung der Briten ohne
ausdrückliches UN-Mandat täglich zurückgeht. Nach einer am Montag veröffentlichten
Umfrage sind nur 13 Prozent der Briten für einen Alleingang mit den USA, 53 Prozent würden
zustimmen, wenn die Vereinten Nationen eine Militäraktion ausdrücklich unterstützen. 58 Prozent
halten Saddam Hussein für "nicht gefährlich" genug, um in einen neuen Golfkrieg zu ziehen.
An diesem Mittwoch muss Blair seiner Fraktion Rede und Antwort stehen. Die Abgeordneten
wollen von dem Premier die Versicherung hören, dass er nicht ohne explizite UN-Zustimmung
in den Krieg zieht. Auch wollen sie wissen, wie angesichts des rasanten Truppenaufbaus in der Region
eine "militärische Eigendynamik" verhindert werden kann.
Labour-Kreise beziffern die Zahl der Rebellen unter den 410 Abgeordneten auf etwa 100. Offen warnen
"Kabinettstauben" wie Entwicklungshilfeministerin Clare Short und andere vor der "größten Revolte" seit Blairs
Wahlsieg 1997. Der Altlinke Tony Benn meinte sogar, Blair könne seinen Job verlieren, falls er nicht auf seine
Abgeordneten hört. Immer lauter wird auch die Frage gestellt, welches Interesse Großbritannien als ein "europäisches
Land" an einer blinden Unterstützung der USA haben kann.
Die Auffassung, dass Blair nicht nur mäßigend auf Bush einwirken und die US-Regierung auf "UN-Kurs" halten soll,
macht zunehmend der radikaleren Forderung Platz, die USA von der "Sinnlosigkeit" eines Militärschlags zu
überzeugen. "Blair ist dazu in einer einzigartigen Lage", sagte am Montag der linke Abgeordnete George Galloway.
(Quelle: dpa)
Irak-Krieg überschattet deutsch-französisches Verhältnis.
Di.14.01.03 - Der mögliche Irak-Krieg überschattet offenkundig auch die
deutsch-französischen Beziehungen. Der zuständige Koordinator im Auswärtigen
Amt, Rudolf von Thadden, sagte nach einem Bericht des "Handelsblatts"
(Montagausgabe), wenn beide Länder im Sicherheitsrat nicht gemeinsam
abstimmten, werde es schwierig in den kommenden Jahren, eine gemeinsame
Außenpolitik zu betreiben.
Thadden wurde mit den Worten zitiert: "Irak wird zur Nagelprobe für den Anspruch,
privilegierte Beziehungen zwischen beiden Ländern zu pflegen." Das Problem spielt
offenbar auch bei den Vorbereitungen zu den Feiern des 40. Jahrestages des deutsch-französischen
Elysée-Vertrages beim deutsch-französischen Gipfel am 22. Januar in Versailles eine Rolle, zu denen eine
politische Erklärung vorbereitet wird. Darin sind auch Passagen zum gemeinsamen politischen Vorgehen vorgesehen.
(Quelle: ap)
Irak-Kriegsgegner rufen Deutschland zu Initiativen in den UN auf.
Di.14.01.03 - Amerikanische Irak-Kriegsgegner haben Deutschland am Montag
aufgerufen, sich im Weltsicherheitsrat gegen eine US- Militäraktion einzusetzen.
Die Bundesrepublik müsse ihrer Friedensverantwortung gerecht werden, wenn sie
im Februar die Präsidentschaft im Sicherheitsrat übernehme, erklärten Sprecher der
Kampagne "Kein Blut für Öl" bei einer kleinen Kundgebung vor der deutschen
UN-Mission.
In einem Schreiben rief die Anti-Kriegskoalition, die von einer Reihe von Intellektuellen
und Künstlern unterstützt wird, die Vertreter Deutschlands bei den Vereinten Nationen auf,
"die Sache des Friedens zu verteidigen". Sie sollten sich unter anderem während der
turnusmäßigen deutschen Präsidentschaft im Sicherheitsrat dafür einsetzen, dass die von den
USA und Großbritannien ohne UN-Mandat geschaffenen Flugverbotszonen im Norden und Süden
des Iraks aufgehoben werden.
Diese "No-Fly-Zones", die offiziell zum Schutz der kurdischen sowie der schiitischen Bevölkerung vor Luftangriffen der
irakischen Armee geschaffen wurden, provozieren nach Ansicht der Friedensaktivisten "gefährliche Konfrontationen".
Seitens der deutschen UN-Mission gab es zunächst keine Stellungnahme. Sprecher von "Kein Blut für Öl" erklärten,
ein politischer Mitarbeiter der deutschen UN-Vertretung habe sich zur Entgegennahme des Schreibens bereit erklärt.
(Quelle: dpa)
Friedensinitiativen bereiten europaweit Demos gegen Irak-Krieg vor.
Di.14.01.03 - Für den 15. Februar seien in Berlin und
zwölf weiteren europäischen Hauptstädten Massenkundgebungen
geplant, teilte der Bundesausschuss Friedensratschlag gestern
mit. Mit einer Friedenstour durch 16 deutsche Städte wollen die
Globalisierungsgegner von Attac für eine rege Beteiligung an der
Anti-Kriegs-Demo in Berlin werben. "Nur ein breiter
gesellschaftlicher Konsens kann den Krieg noch stoppen", hieß es
von Attac.
Vor "unkalkulierbaren Risiken" eines Irakkriegs hat der DGB
gewarnt. Eine militärische Intervention könne zu einer
Destabilisierung des gesamten Nahen Ostens führen. Zudem trage
die "ohnehin leidgeprüfte Zivilbevölkerung" die Hauptlast eines
Krieges. Die Auseinandersetzung mit Terrorismus und
Massenvernichtungswaffen sei "Sache der Völkergemeinschaft".
Ein "globales Gewaltmonopol als Ultima Ratio" dürfe nur von den
UN beansprucht werden. Rot-Grün müsse im UN-Sicherheitsrat für
eine friedliche Lösung werben. (Quelle: taz)
Mehr zu den geplanten Aktionen der Friedensbewegung unter:
Grüne wollen "Speerspitze der Friedensbewegung" sein.
Di.14.01.03 - Die Grünen wollen einen Irak-Krieg um jeden Preis verhindern. Der
Parteirat der Grünen verabschiedete am Montag einstimmig eine Resolution, in der
es heißt: "Wir lehnen den Krieg ab, und Deutschland wird sich daran nicht
beteiligen." Es dürfe keinen Automatismus durch den Militäraufmarsch am Golf
geben. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer sagte: "Wir betrachten uns als die
Speerspitze der Friedensbewegung."
Deutschland als nichtständigem Mitglied des UN-Sicherheitsrates, das am
1. Februar auch den Vorsitz übernimmt, komme eine besondere Verantwortung bei
den Entscheidungen in der Irak-Krise zu, heißt es in der Resolution. Die Grünen
stimmten UN-Generalsekretär Kofi Annan zu, der die Fortsetzung der Waffeninspektionen
in Irak über den 27. Januar - dem Abgabetermin für den Abschlussbericht - hinaus fordert, sagte
Bütikofer. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer, die in den
vergangenen Tagen ihre Ablehnung eines Irak-Krieges bekräftigt haben, sprachen
die Grünen ihre Rückendeckung aus. Fischer stimmte ebenfalls im Parteirat für die
Resolution.
Ein neuer Irak-Krieg hätte verheerende Folgen, erklärte der Parteirat. Er würde die
internationale Koalition gegen den Terrorismus sprengen und die Situation in Nahost
weiter destabilisieren. Das Interesse an Ressourcen rechtfertige einen solchen
Krieg erst recht nicht. In der Erklärung wurde auch auf die Meinung der Bevölkerung
verwiesen, die einen Krieg ablehne.
"Es gibt erkennbar bisher keinen Grund für ein militärisches Vorgehen in dem
Konflikt", betonte Bütikofer. Mit den UN-Inspektoren im Land sei der Irak schon
lange nicht mehr so gut unter Kontrolle gewesen wie jetzt. Die Bilder vom
Aufmarsch vom Golf dürften keinen Automatismus suggerieren. Die Bundesregierung
müsse sich darum bemühen, die ich mehrenden Stimmen in Europa und den USA gegen
einen Krieg zu verstärken.
Offen ließ Bütikofer das Verhalten Deutschlands bei einer möglichen zweiten Resolution des UN-Sicherheitsrates.
Ko-Chefin Angelika Beer machte deutlich, dass im Falle einer von den USA eingebrachten Kriegs-Resolution eine
deutsche Zustimmung schwer vorstellbar sei. Bütikofer sagte, zuvor müsse die Chance genutzt werden, einen
Richtungswechsel in der internationalen Politik einzuleiten. (Quelle: ap)
"Daß ein großer Teil der grünen Basis die Friedensbewegung
unterstützt, steht (...) außer Frage. Will das grüne
Establishment aber zur Speerspitze der Bewegung werden,
müßte sie den grünen Speer erst einmal umdrehen. Denn der
war bei den Kriegen gegen Jugoslawien und Afghanistan noch
gegen die Opfer imperialistischer Gewaltpolitik gerichtet.
Innenpolitisch müßte die Fischer-Partei Schröders Politik die
Gefolgschaft verweigern und gegebenenfalls auch die
Koalitionsfrage stellen. Doch dazu müßte die Partei wohl
Fischer die Gefolgschaft verweigern.
Den Beweis für die Aufrichtigkeit seiner Ansage, sich an die
Spitze der Friedensbewegung stellen zu wollen, könnte
Reinhard Bütikofer in seiner Heimatstadt Heidelberg liefern, wo
am kommenden Freitag und Samstag eine Belagerung des
Hauptquartiers der US-Truppen stattfinden wird. Welch
seltenes Gefühl er dort den Blockierern doch vermitteln
könnte: daß der Vorsitzende einer Regierungspartei auf der
Seite agiert, wo nicht regiert wird. Doch ist eher zu erwarten,
daß der Grünen-Chef seine Führungsrolle in der
Friedensbewegung darauf beschränken wird, mit verbalen
Speerspitzen zu brillieren.", schreibt die "junge welt" in ihrer
heutigen Ausgabe.
Mittlerer Osten und Zentralasien:
US-Armee bereitet seit Jahren langfristigen Einsatz in diesen Regionen vor.
Di.14.01.03 - Für die weltweiten Einsätze der US-Armee hat das Pentagon
fünf regionale Kommandos geschaffen. Im nordamerikanischen
Bereich ist das Joint-Forces-Kommando (USJFCOM) zuständig,
für das militärische Engagement in Mittel- und Südamerika
zeichnet das Southern Command (USSOUTHCOM)
verantwortlich. Das Pacific Command (USPACOM) ist in Asien
und Ozeanien aktiv, Europa wurde mit dem European
Command (USEUCOM) bedacht. Neben diesen vier
strategischen Einheiten kommt dem Central Command
(USCENTCOM) eine besondere Rolle zu. Das mag an seinem
Einsatzbereich liegen: Afrika, die arabische Halbinsel, der
Persische Golf und Zentralasien.
Das Interesse an dieser Region ist keineswegs neu. Schon
inmitten des Kalten Krieges Ende der siebziger und Anfang der
achtziger Jahre hatte sich für den Mittleren Osten und
Zentralasien in Washington der Terminus des "arc of crisis",
"Bogen der Krise", durchgesetzt. Dazu hatte vor allem die
Revolution im Irak 1978/1979 und der Vormarsch der
sowjetischen Truppen im Kampf gegen die Mudschaheddin in
Afghanistan beigetragen. Die sicherheitspolitischen Strategen
Washingtons entwickelten damals das heute unter dem
Namen Carter-Doktrin bekannte Papier. Dessen Quintessenz
könnte wie folgt formuliert werden: Jede Handlung einer nicht
befreundeten Macht, die ihre Kontrolle in der Golfregion, in
erster Linie also auf die energetischen Ressourcen
auszudehnen versucht, wird als Bedrohung für die vitalen
Interessen der USA betrachtet und als solche bekämpft; wenn
nötig mit militärischen Mitteln. Mehr unter:
Notenbanken sehen langsames Wachstum - Risiko Irak-Krieg.
Di.14.01.03 - Die Notenbanken der Länder der Zehnergruppe (G10)
rechnen für 2003 mit einem langsamen Wachstum der Weltwirtschaft. Die
Zentralbanken seien wegen der Möglichkeit eines Irak-Krieges allerdings zu
grösster Wachsamkeit aufgerufen, sagte der britische Notenbankchef Edward
George am Montag in Basel im Anschluss an die monatliche Sitzung der
Zentralbankvertreter bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).
Im Verlaufe des Jahres sollte sich das Wachstum unter normalen Bedingungen
beschleunigen, sagte George weiter, der derzeit als Vorsitzender des
G10-Notenbanken-Ausschusses amtiert. Dabei dürfte das Wachstum in der Euro-Zone
moderater ausfallen als in den USA. Japan werde wohl nur eine Rate erzielen, die George als
"recht bescheiden" beschrieb.
Die Lage sei wegen eines mögliche Irak-Krieges extrem
unsicher. Die Notenbanken könnten aber im Vorfeld nicht viel
tun, liess George erkennen. "Wir müssen extrem wachsam
sein und bereit zu reagieren, wenn sich die Risiken
herauszukristallisieren beginnen", sagte der britische
Notenbanker weiter.
Im Moment gehen die Notenbanken weiter von den im
September verbreiteten Prognosen aus, die für die USA ein
Wirtschaftswachstum von etwa drei und für Europa von zwei
Prozent vorsehen.
Währungsfragen und die Entwicklung auf dem Ölmarkt seien auf der Sitzung
nicht weiter diskutiert worden, sagte George weiter. (Quelle: rtr)
Konjunkturkrise reißt neues Milliardenloch in den Staatshaushalt.
Di.14.01.03 - Knapp zwei Monate nach dem Kabinettsbeschluss über den
Bundeshaushalt 2003 ist die Planung faktisch schon wieder Makulatur. Die
Konjunkturschwäche und die Dauerkrise am Arbeitsmarkt reißen ein neues
Milliardenloch in die Staatskasse. Das Finanzministerium schloss am Montag eine
Ausweitung der Neuverschuldung nicht aus. Es hält zudem einen weiteren Verstoß
gegen die Euro-Stabilitätskriterien für möglich. Bereits 2002 hatte Deutschland die
Maastricht-Vorgaben klar verfehlt.
Nach internen rot-grünen Berechnungen droht Bund, Ländern und Gemeinden
dieses Jahr eine zusätzliche Finanzierungslücke von bis zu zehn Milliarden Euro, wie
aus Koalitionskreisen verlautete. Die Haushaltssprecherin der Grünen, Antje Hermenau,
hielt diese Schätzung für übertrieben. Ihren Angaben zufolge beträgt der
zusätzliche Finanzbedarf beim Bund 2003 etwa zwei Milliarden
Euro. "Kein Frage: Das ist noch mal ein Hammer", sagte sie.
Finanzminister Hans Eichel hatte die Neuverschuldung schon
bei der Überarbeitung des Etats 2003 nach der Bundestagswahl von 15,5 auf 18,9 Milliarden Euro angehoben. Eine
weiteren Aufschlag will die Koalition nach Worten Hermenaus verhindern oder zumindest auf wenige hundert Millionen
Euro beschränken. CSU-Chef Edmund Stoiber und FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle warnten vor immer mehr
Schulden auf Kosten künftiger Generationen.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) findet eine leichte Ausweitung der Kreditaufnahme akzeptabel. "Ein
bisschen höhere Neuverschuldung kann man in Kauf nehmen, wenn die Situation es gebietet", sagte er in der ARD.
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz nannte dies eine Option. Die Grünen würden die Maßnahme nach Worten ihres
Vorsitzenden Reinhard Bütikofer mittragen, "um die lahmende Konjunktur nicht völlig abzuwürgen". Clement, Eichel
und weitere rot-grüne Spitzenpolitiker schlossen definitiv aus, die Finanzierungslücke durch Anhebung der
Mehrwertsteuer auszugleichen.
Hermenau erwartet, dass der neue Fehlbetrag weitgehend durch Einsparungen und zusätzliche Einnahmen
abgefangen werden kann. Sie gestand jedoch ein, dass ein Scheitern des Sparpakets im Bundesrat weitere Lücken
im Etat reißen würde. Zudem müsse die Koalition eine globale Minderausgabe von 1,3 Milliarden Euro bewältigen.
Eichels Sprecher Jörg Müller räumte ein, dass entsprechend einer internationalen Faustformel 0,5 Prozentpunkte
weniger Wirtschaftswachstum das Staatsdefizit um 0,25 Prozentpunkte steigern würde. 2002 lag das deutsche Defizit
klar über den im Maastricht-Vertrag erlaubten drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für dieses Jahr rechnet Eichel
mit 2,75 Prozent - aber nur für den Fall, dass sein Sparpaket durch den Bundesrat kommt. Nach AP-Informationen
aus der Koalition erwägt Clement, seine Konjunkturprognose für 2003 von 1,5 auf ein Prozent zu senken.
(Quelle: ap)
Wirtschaftsweisen uneins über höhere Neuverschuldung.
Di.14.01.03 - Führende Wirtschaftsexperten haben sich einem Zeitungsbericht
zufolge uneinig darüber gezeigt, ob die Bundesregierung 2003 aufgrund der
schwachen Wirtschaftslage mehr Schulden als bislang geplant machen sollte.
Die "Berliner Zeitung" zitierte in einem Vorabbericht am Montag den
Wirtschaftsweisen Horst Siebert mit der Aussage, die Bundesregierung dürfe nicht
nachlassen, die Grenze bei der Neuverschuldung von 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 2003
nicht zu überschreiten und bei den Ausgaben zu sparen. Der Experte Wolfgang Wiegard sagte der Zeitung,
allenfalls kurzfristig dürfe eine höhere Neuverschuldung in Kauf genommen werden.
Der Wirtschaftsexperte Jürgen Kromphardt, wie Wiegard und Siebert Mitglied des Sachverständigenrates
zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, wurde indes mit der Aussage zitiert, die Regierung
solle 2003 eine höhere Neuverschuldung in Kauf nehmen, wenn damit konjunkturbedingte Mindereinnahmen und
höhere Ausgaben abgedeckt würden. In diesem Falle sollten SPD und Grüne den Sparkurs nicht noch weiter
verstärken, da sonst die Konjunktur noch weiter geschwächt werde. (Quelle: rtr)
Bundesbank kritisiert Steuerpläne der Regierung.
Di.14.01.03 - Die Bundesbank hat die Steuerpläne der
Regierung deutlich kritisiert. In einer Stellungnahme zur
Anhörung über das sogenannte
Steuervergünstigungsabbaugesetz am Mittwoch im
Finanzausschuss des Bundestages erklärte die Bundesbank, der
Entwurf der Regierung führe zusammen mit der Erhöhung der
Sozialbeiträge "zu einem deutlichen Anstieg der
Abgabenbelastung". Die notwendige Konsolidierung des
Bundeshaushalts müsse dagegen in erster Linie erreicht werden,
indem der Staat seine konsumptiven Ausgaben verringere. (Quelle: blz)
Mehr unter:
"Das Kapital ist unzufrieden mit der Wirtschaftspolitik - und das ganz grundsätzlich",
schreibt die "tageszeitung" in ihrer Ausgabe vom Dienstag (14.01.03) und
führt weiter aus:
"Nur scheinbar sorgt sich der Bundesverband deutscher Banken
(BdB) dabei vor allem um die Werktätigen: "Die hohe
Arbeitslosigkeit bleibt das zentrale Problem", die Hartz-Reform
schaffe keine neuen Jobs, heißt es. Hinter dieser sozialen Fassade
geht es aber richtig zur Sache: Die neoliberale Offensive will die
Steuerlast radikal abbauen, die Sozialsysteme zerstören, den
Arbeitsmarkt enthemmen und den Staat klein hacken.
An erster Stelle der "Reformagenda für die Legislaturperiode
2002-2006" hat der Bankenverband die Steuerpolitik gestellt.
Schließlich wollen die meisten Unternehmer nur das eine: mehr
Profit. Die Steuerpolitik habe einen "entscheidenden Einfluss" auf
die Wettbewerbsfähigkeit und darum müssten die Steuersätze
nochmals "deutlich" gesenkt werden. Und Verbandspräsident Rolf
Breuer unterstreicht: Man sei "nicht verteidigungslos". Wenn die
Bundesregierung nicht reagiere, fliehe das Kapital eben ins
Ausland.
Wie erfolgreich solche Drohungen sind, zeigt ein Blick auf die
durchaus wirtschaftsfreundliche Steuerpolitik der Bundesregierung.
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) rühmt sich, den
Höchststeuersatz von rund 50 auf 42 Prozent zu senken, und der
Körperschaftsteuersatz steht mit 25 Prozent ebenfalls auf dem
niedrigsten Stand seit Menschengedenken.
Solche Dumpingsteuern reichen den Wirtschaftsverbänden jedoch
nicht aus. Sie wollen beide Steuersätze angleichen. Bruttogewinne
sollen also - soweit nicht durch Abschreibungen, Rückstellung oder
Aktivierung früherer Verluste ohnehin steuerfrei - höchstens noch
mit 25 Prozent versteuert werden.
Gute Gewinne sind heute nicht mehr gut genug, Ziel ist es, Profite
wie in einigen anderen Ländern zu erzielen. So erwirtschaftet in
Deutschland ein Unternehmer für 1 Euro Lohn 4,29 Euro. In
Großbritannien sind es 4,70, in Frankreich 5,83 und in Portugal
sogar 8,89 Euro. Damit das hiesige Großkapital dahin kommt,
müssen Arbeitnehmer und Verbraucher zahlen.
Die erwünschten Steuersenkungen würden den Staat in die Pleite
treiben. Die Antwort der Konzerne ist ein verkleinerter Staat, der
sich nur noch um seine Kernkompetenzen kümmert: Justiz, innere
Ordnung und Außenpolitik. Die Steuerausfälle sollen so durch
geringere Staatsausgaben mehr als ausgeglichen werden. Da aber
bislang mit einem Großteil der Staatsausgaben die Sozialsysteme
finanziert werden, laufen die Wirtschaftsforderungen auf einen
sozialen Kahlschlag für die untere Hälfte der Bevölkerung hinaus.
So fordert der Industrieverband BDI in seinem auf das Jahr 2010
ausgerichteten Programm "Für ein attraktives Deutschland", den
Staatskonsum - also auch Zuschüsse für Renten- oder
Arbeitslosenversicherung - zu senken und bei allen Sozialsystemen
Leistungen zu kürzen. Die Handelskammer Hamburg will sogar den
vollständigen Wegfall der Arbeitslosenversicherung. Die Menschen
sollen stattdessen "soziale Selbstverantwortung" übernehmen und
Lücken durch private Versicherungen und private Altersvorsorge
schließen.
Wenn die Profite praktisch steuerfrei sind und die
Produktionskosten dank sinkender Lohnnebenkosten fallen, ärgert
sich die Wirtschaft trotzdem noch über den Faktor Arbeit. Hierzu
fordern Unternehmerverbände eine "drastische Flexibilisierung" mit
Eingriffen in die Tarifpolitik und Kündigungsschutz.
Dieses politische Programm brächte den Verlierern Stundenlöhne
von 3 Euro, Kündigungsfristen wie im Wilden Westen und null
Arbeitslosenschutz, die Sieger dürften sich über volle Kassen in
einer anderen Republik freuen."
Regierung will offenbar Familienmitversicherung streichen.
Di.14.01.03 - Die Bundesregierung denkt nach Informationen des Berliner
"Tagesspiegel" an eine Streichung der beitragsfreien Familienmitversicherung aus
dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Einen
entsprechenden Prüfauftrag habe die Kommission zur Reform der sozialen
Sicherungssysteme erhalten, schreibt die Zeitung in ihrer Dienstagausgabe. Ein
Wegfall oder eine Steuerfinanzierung der Mitversicherung, des Mutterschafts- und des
Sterbegeldes hätte demnach Einsparungen bis zu fünf Milliarden Euro zur Folge.
Wenn die GKV zudem nicht mehr die Zuzahlungen bei Medikamenten für soziale
Härtefälle übernehmen müsse, ließen sich weitere 1,3 Milliarden Euro einsparen.
Das Ergebnis des entsprechenden Prüfauftrages sei aber noch offen. Der Zeitung
zufolge will die Regierung noch in diesem Herbst einen Teil der Vorschläge der
Rürup-Kommission als Gesetzentwurf in den Bundestag einbringen. Aus
Regierungskreisen heiße es, die Reform des Gesundheitswesens habe Vorrang vor
den anderen Sozialreformen. Zum Jahreswechsel oder Anfang 2004 könnten dann
die Rürup-Gesetze in Kraft treten. (Quelle: ap)
Studie: "Armutsfalle" gibt es nicht.
Di.14.01.03 - Die These wird immer wieder von Politikern und
Wirtschaftsexperten heruntergebetet: Die Sozialhilfe in Deutschland
ist zu hoch, deshalb nehmen viele Stützeempfänger keine niedrig
bezahlte Arbeit an. Was an dieser Behauptung von der
"Armutsfalle" dran ist, versuchten jetzt Wissenschaftler in einer
Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung
herauszufinden. Ihr Ergebnis: Die Armutsfalle gibt es so nicht.
In ihrer Untersuchung anhand von Armutsstudien, der
Datensammlung des Sozioökonomischen Panels und Interviews
kamen die Forscher zu dem Schluss, dass die Entscheidungen,
warum Sozialhilfeempfänger Jobs annehmen, von sehr vielen
persönlichen Faktoren abhängig seien. Keineswegs aber hingen sie
in erster Linie von der Frage ab, ob sie mit einer Arbeit sehr viel
mehr Geld verdienen würden, als die "Stütze" beträgt.
So stellten die Forscher fest, dass ausgerechnet
Sozialhilfeempfänger aus großen Haushalten, für die die finanzielle
Anreizsituation eher nachteilig ist, relativ schnell wieder in Arbeit
wechseln. Sie tun das, obwohl sie mit ihrem Arbeitslohn mitunter
nicht viel mehr verdienen, als sie Sozialhilfe bekämen. "Die
empirisch erhobenen Verweildauern in Sozialhilfebezug sind
ausgerechnet bei Alleinverdienern mit mehreren Kindern am
kürzesten", resümieren die Forscher. (Quelle: taz)
SPD wehrt sich gegen EU-Zuwanderungsrichtlinie.
Di.14.01.03 - Der innenpolitische Sprecher der SPD im Bundestag,
Dieter Wiefelspütz, hat Widerstand gegen den
Richtlinienentwurf der EU-Kommission zur Zuwanderung
angekündigt. "Es wird keine europäische
Zuwanderungspolitik gegen die Interessen Deutschlands
geben", sagte Wiefelspütz der "Rheinischen Post". "Wir
wollen in den kommenden Jahren keine Zuwanderung und
werden uns nicht vorschreiben lassen, wie wir unsere nationalen Regelungen
schaffen."
Die SPD wolle ein flexibles Instrument, um nach deutschen Interessen
Zuwanderung zu kontrollieren und zu gestalten, sagte Wiefelspütz. "Das heißt
konkret: Hoch- und Höchstqualifizierte können gerne kommen in den nächsten
Jahren. Aber keine Zuwanderung bei mittlerer und geringer Qualifikation", fügte der
Innenexperte hinzu. "Niemand wird uns daran hindern, unser nationales Interesse da
durchzusetzen." In den nächsten Jahren komme es darauf an, die Arbeitslosen in
Deutschland zu versorgen - "bevor wir auch nur beginnen zu diskutieren, ob wir in
größerem Umfang Zuwanderung ermöglichen sollen". (Quelle: afp)
Hauptsächlich auf Grund der Einwanderung ist die Bevölkerung in der
Europäischen Union im vergangenen Jahr um 1,34 Millionen Menschen auf 378,5
Millionen gewachsen. Mehr unter:
Die Innenminister der SPD-regierten Länder haben sich
geschlossen dafür ausgesprochen, das rot-grüne Zuwanderungsgesetz im
Bundesrat zu ändern. Bei einem Treffen in Hannover unterstützen sie am
Donnerstag einen Vorschlag Niedersachsens zur stärkeren Begrenzung des Zuzugs
von Aussiedlern. Mehr unter:
Die Union will in der Zuwanderungspolitik hart bleiben und ihre
Forderungen durchsetzen. Laut einem Positionspapier der CSU sollen
Migranten weniger Sozialleistungen erhalten und "christlich-abendländische" Werte akzeptieren.
Mehr unter:
Die CDU-Politikerin Rita Süssmuth hat scharf kritisiert, dass
aus den Reihen der Union Ängste vor einem angeblich
drohenden Ansturm von Einwanderern geschürt würden. Dies
sei "unverantwortlich" und ein solcher Umgang mit dem Thema
Zuwanderung "widerspricht allen Daten und Fakten", sagte
Süssmuth. Mehr unter:
Diskussion um Zuwanderung:
Innenminister Schily:
Di.14.01.03 - Der Vorstoß von Verteidigungsminister Peter Struck, die
Einsatzmöglichkeiten der Bundeswehr im Inland durch eine
Änderung des Grundgesetzes zu erweitern, war offenbar nicht mit
Kabinettskollegen abgestimmt. Darauf deutet eine Erklärung hin,
der zufolge das Bundesinnenministerium eine derartige
Verfassungsänderung nicht unbedingt für notwendig hält.
Die öffentliche Diskussion geht unterdessen weiter. Mehr unter:
Stichwort: Notstandsverfassung / Notstandsgesetze
Am 30. Mai 1968 beschloss der Deutsche Bundestag in Bonn die Notstandsgesetze.
Es stimmten 46 Abgeordnete der FDP - damals die einzige parlamentarische Opposition -
dagegen, doch mehr Nein-Voten - genau 54 - kamen von Abgeordneten der Regierungsparteien
CDU/CSU und SPD.
Die Notstandsverfassung kann in drei Krisenfällen in Kraft gesetzt werden: im Verteidigungsfall
(das Wort "Krieg" vermied man sorgsam), bei inneren Unruhen und bei Naturkatastrophen.
Der Bund kann dann den Ländern Weisungen erteilen; Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis
können eingeschränkt werden, Bundeswehr und Bundesgrenzschutz - bei Unruhen - im
Inneren eingesetzt werden.
Bundesamt für Strahlenschutz lässt Krebsvorwürfe untersuchen.
Di.14.01.03 - Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat eine umfassende Studie
zur Untersuchung eines möglichen Zusammenhangs zwischen Krebs bei Kindern
und der Strahlung von Atomkraftwerken in Auftrag gegeben. Wegen der komplexen
Thematik sei mit ersten Ergebnissen nicht vor Anfang nächsten Jahres zu rechnen,
sagte BfS-Sprecher Dirk Daiber der Berliner "tageszeitung". Das Endergebnis
werde für 2005 erwartet.
Wie die "taz" in ihrer Dienstag-Ausgabe berichtet, wird die Studie vom
"Kinderkrebsregister" an der Universität Mainz durchgeführt. Hintergrund seien
immer wieder auftauchende Berichte über ein erhöhtes Leukämierisiko für Kinder,
die in der Nähe von Atomkraftwerken aufwachsen. Man nehme die Bedenken in der
Bevölkerung ausgesprochen ernst, sagte der Sprecher des Bundesamtes für
Strahlenschutz der "taz". Daher habe man die Fallkontrollstudie in Auftrag
gegeben. (Quelle: ap)
Das größte deutsche Atomkraftwerk Gundremmingen ist zum
Strahlen-Spitzenreiter unter allen deutschen AKWs
aufgestiegen. Bürger fordern Studie zu Kinderkrebs.
Betreiber und Umweltministerium sehen weder
Zusammenhang noch Gefahr. Mehr unter:
Polizei veranstaltet Razzia gegen Projektwerkstatt Sassen.
Di.14.01.03 - Die Projektwerkstatt Sassen in der Nähe von Gießen
stand immer wieder im Visier von Polizei und
Staatsschutz. Den letzten Besuch der Staatsmacht aber
bezeichnet Bewohner Jörg Bergstedt als "technische Liquidierung"
des linken Umweltprojekts. Am Freitag beschlagnahmte die Polizei
sämtliche Computer, Laptops, Monitore, Tastaturen und Mäuse, die
in der Projektwerkstatt zu finden waren. Dabei habe sie weder
einen Durchsuchungsbefehl vorgezeigt noch eine Liste der
beschlagnahmten Gegenstände hinterlassen, sagte
Sassen-Bewohner Patrick Neuhaus der "taz".
Neuhaus selbst hatte von der Razzia auf der Polizeiwache erfahren.
Er war mit einem weiteren Mitarbeiter der Projektwerkstatt am
Donnerstag in Grünberg festgenommen worden, als er Flugblätter in
der Nähe einer CDU-Wahlveranstaltung mit dem hessischen
Ministerpräsidenten Roland Koch verteilen wollte. Erst nach 24
Stunden wurden beide freigelassen. Auf der Polizeiwache waren
ihnen sämtliche Antiwahlaktionen in der Region zur Last gelegt
worden. Unter anderem sollten sie ein Plakat gefälscht haben, auf
dem unter dem Logo der CDU die Verschiebung der
Wahlveranstaltung gemeldet wurde.
Zur Beweissicherung wurden die Computer beschlagnahmt.
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