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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ So.19.01.03, 12:00 Kriegsvorbereitungen in Golfregion auf Hochtouren.
So.19.01.03 - Die USA haben die Verstärkung ihrer Truppen in der
Golfregion mit der Entsendung von sieben Kriegsschiffen
fortgesetzt. Das Geschwader mit insgesamt 10.000 Marine-Soldaten
an Bord startete von der kalifornischen US-Basis San Diego aus. Für den
Fall eines Krieges gegen Irak will Großbritannien einem Pressebericht zufolge
seine Truppen am Golf um weitere 14.000 Soldaten verstärken.
Zu den in San Diego in See gestochenen Schiffen gehören auch die auf einen
Amphibien-Einsatz spezialisierten Transportschiffe "USS Cleveland" und "USS
Dubuque" sowie der Mini-Flugzeugträger "USS Bonhomme Richard". Die USA
wollen in Kürze 150.000 Soldaten in der Golfregion einsatzbereit haben.
Wie die britische Zeitung "The Sun" unter Berufung auf Ministeriumsvertreter
berichtet, sollen mindestens 7000 Soldaten und 150 Panzer von der in Deutschland
stationierten 1. Panzerdivision abkommandiert werden. Zusätzlich sollen 7000
Elitesoldaten von der 16. Sturmbrigade an den Persischen Golf verlegt werden.
Damit erhöhe sich die Truppenstärke der Briten in der Region auf insgesamt 25.000 Soldaten,
berichtet "The Sun".
Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon hält einen Krieg gegen
Bagdad nach einem Pressebericht auch ohne Vorlage handfester Beweise für die
Existenz von irakischen Massenvernichtungswaffen möglich. Für eine Militäraktion
müssten die UN-Inspektoren nicht auf den so genannten "rauchenden Colt"
(englisch: "smoking gun") stoßen, sagte Hoon der britischen Sonntagszeitung
"Sunday Telegraph". Notwendig seien vielmehr "überzeugende" Beweise für
irakische Massenvernichtungswaffen. Als Beispiele nannte Hoon "Granaten",
"Raketen" oder "Dokumente", die auf "eindeutig verbotene" Rüstungsaktivitäten
Iraks hinwiesen. In jedem Fall strebe Großbritannien vor einer möglichen
Militäraktion eine zweite UN-Resolution an, sagte der Minister. (Quelle: afp)
So.19.01.03 - Ein Cousin von Saddam Hussein, Hassan el Madschid, hat Gerüchte um ein mögliches Exil für den
irakischen Machthaber als "Dummheiten" bezeichnet.
Berichte über ein mögliches Exil für Saddam Hussein seien "eine der Methoden der psychologischen Kriegsführung",
sagte Hassan dem katarischen Fernsehsender El Dschasira. Bagdad hatte in der Vergangenheit mehrmals Stellung
gegen Gerüchte über geheime Verhandlungen über ein Exil für den Staatschef bezogen. Nach Angaben arabischer
Diplomaten arbeitet die türkische Regierung zusammen mit anderen arabischen Ländern an solchen Plänen. El
Madschid ist Mitglied des Revolutionären Kommandorats, der höchsten politischen Instanz in Irak. (Quelle: afp)
Weltweit demonstrieren Hunderttausende gegen Irak-Krieg.
So.19.01.03 - Weltweiter Protest gegen möglichen Irak-Krieg - Allein in
Washington versammelten sich rund eine halbe Million Amerikaner, um gegen einen
Militärschlag zu demonstrieren, meldete die Nachrichtenagentur DPA am Samstag (18.01.03, 23:21 Uhr).
Auch in anderen Städten der USA haben zehntausende Amerikaner
gegen einen von ihrer Regierung angedrohten Irak-Krieg demonstriert.
In Portland, Oregon, demonstrierten mindestens 20.000 Menschen gegen den Krieg, und auch in
San Francisco machten sich mehrere zehntausend die Sache der Kriegsgegner zu eigen.
"Wir erleben heute eine neue Generation von Antikriegsaktivisten", sagte in
Washington Peta Lindsay von der Organisation International Answer. Die
Demonstranten trugen Plakate mit Parolen wie "Schurkenstaat Amerika" oder
"Entwaffnet Bush". Bürgerrechtsaktivist Jesse Jackson erklärte, der Protest richte
sich auch gegen Rassismus, Antisemitismus und Vorurteile gegenüber Arabern.
"Unsere Stimmen sollten gehört werden" forderte die 69-jährige Joyce Townsend,
die mit ihrer Kirchengemeinde im Bus von Detroit nach Washington fuhr. Kleinere
Demonstrationen gab es in den USA auch in Des Moines (Iowa), Tampa (Florida),
Montpelier (Vermont), Houston (Texas), Lansing (Michigan), Albuquerque (New
Mexico), Indianapolis (Indiana), Richmond (Kentucky) und Las Vegas (Nevada).
In Deutschland gingen die Menschen gleich in
mehreren Städten auf die Straße - so zum Beispiel in Rostock und Tübingen.
Zehntausende demonstrierten in Großbritannien, Irland und Frankreich. Auch in
Tokio zogen Tausende mit ihren Protestplakaten durch die Stadt.
In Rostock nahmen nach einer Schätzung der Polizei rund 3000
Menschen an einer Anti-Kriegs-Veranstaltung teil, in Tübingen 3000-3500. In
Heidelberg kamen zu einem Protestmarsch zum Hauptquartier der US-Streitkräfte
1000 Menschen.
In anderen Städten dagegen blieb die Beteiligung hinter den Erwartungen der Veranstalter
zurück. In Köln beispielsweise nahmen nur knapp 300 Personen an einem Marsch
durch die Innenstadt teil.
In Wien zogen bereits in der Nacht zum Samstag etwa tausend Menschen vor die
US-Botschaft. Unter Rufen wie "Stoppt den Krieg" und "Keine europäische
Beteiligung" wurde eine US-Flagge verbrannt.
In Paris gingen rund 6.000 Kriegsgegner auf die Straße, in Göteborg versammelten
sich etwa 5.000 Demonstranten.
In der niederländischen Stadt Uden nahm die Polizei 90 Aktivisten fest, die versucht
hatten, in einen Luftwaffenstützpunkt zu gelangen, auf dem auch US-Soldaten stationiert sind.
Vor der amerikanischen Botschaft in Moskau versammelten sich mehrere hundert Menschen
und riefen "Hände weg von Irak".
In Belgien und Spanien rief die Friedensbewegung für Sonntag zu Kundgebungen auf.
In der syrischen Hauptstadt Damaskus zogen mehr als 15.000 Menschen in einem
Protestzug vor das Parlament. In Japan demonstrierten tausende Menschen in mehr
als zehn Städten gegen einen Krieg und eine Beteiligung ihres Landes daran. In mehreren pakistanischen
Großstädten beteiligten sich ebenfalls Tausende an Protesten gegen den Krieg.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Bush würdigt nach Anti-Kriegs-Demos Bedeutung von Meinungsfreiheit.
So.19.01.03 - US-Präsident George W. Bush hat angesichts der mehrerer Kundgebungen
seiner Landsleute gegen einen drohenden Irak-Krieg auf die Bedeutung der
Meinungsfreiheit für die US-Demokratie hingewiesen. Der Präsident würdige die
Tatsache, "dass wir in einer Demokratie leben und die Menschen in den Vereinigten
Staaten anders als in Irak die Freiheit haben, zu protestieren und sich Gehör zu
verschaffen", sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses am Samstag. Das Prinzip
der Meinungsfreiheit sei "Teil der Tradition der USA und eine Stärke unserer
Demokratie". (Quelle: afp)
Mehrheit der Amerikaner gegen vorschnellen Irak-Krieg.
So.19.01.03 - Die Mehrheit der Amerikaner ist nach einer am Samstag
veröffentlichten Meinungsumfrage gegen einen vorschnellen Krieg gegen Irak. Laut
der Umfrage des Nachrichtenmagazins "Newsweek" sind 60 Prozent der Befragten
der Ansicht, die Regierung von Präsident George W. Bush sollte der Suche nach
einer friedlichen Lösung des Konflikts mehr Zeit einräumen. Nur 35 Prozent
befürworten dagegen ein rasches Handeln.
Eine breite Zustimmung für einen Krieg (81 Prozent) gibt es der Erhebung zufolge
für den Fall, dass die USA mit voller Unterstützung der Verbündeten und des
Sicherheitsrates der Vereinten Nationen handeln. Eine Mehrheit der Befragten lehnt
jedoch einen Krieg ohne Zustimmung der UN und lediglich mit Unterstützung eines
Verbündeten ab. Für die Erhebung befragte "Newsweek" am 16. und 17. Januar
1.002 Erwachsene. Die mögliche Fehlerquote wurde mit drei Prozent angegeben.
(Quelle: ap)
"No War On Iraq. Wie können wir den Krieg stoppen?"
So.19.01.03 - Mit einer zweiwöchigen Friedenstour will das globalisierungskritische
Netzwerk Attac gegen einen drohenden Irak-Krieg demonstrieren. Der Startschuss für
die Aktion fiel am Samstag auf dem bundesweiten Kongress in Göttingen. Das Netzwerk will in 15
deutschen Städten für die Antikriegsdemonstration am 15. Februar in Berlin werben.
Bei der Auftaktkundgebung unter dem Motto "No War On Iraq. Wie können wir den
Krieg stoppen?" verurteilten mehrere Redner die Kriegsvorbereitungen der USA. Der
ehemalige PDS-Bundestagsabgeordnete Winfried Wolf äußerte sich überzeugt,
dass der Krieg gegen Irak in zwei bis vier Wochen beginnen werde.
Wolf sprach von einem "Schmierentheater" bei den Vereinten Nationen. Die
Resolution 1441, die Bagdad bei Verstoß gegen die UN-Auflagen mit ernsten
Konsequenzen droht, sei quasi ein Freibrief für einen Angriff. Wolf rief zu Protesten
vor amerikanischen und Bundeswehr-Kasernen auf. Hintergrund des Krieges sei
lediglich das Interesse der US-Wirtschaft an den irakischen Ölvorräten, so Wolf.
Die britische Journalistin Yvonne Ridley, die 2001 während des Afghanistan-Krieges
von den Taliban gefangen genommen wurde, warf der US-Regierung vor, die
internationale Gemeinschaft zu missachten. Die USA strebten den Krieg gegen Irak
nur deshalb an, um die zweitgrößten Ölvorräte der Erde unter ihre Kontrolle zu bekommen, sagte Ridley.
US-Präsident George W. Bush warf sie Doppelmoral vor. Dieser betreibe den Sturz des irakischen Staatschefs
Saddam Hussein, unterstütze jedoch gleichzeitig die israelische Besatzungspolitik in den palästinensischen
Gebieten, betonte Ridley. Sie warnte im Falle eines Krieges vor einer unkontrollierbaren Eskalation in der arabischen
Welt.
Nach Angaben der Veranstalter erschienen etwa 500 Teilnehmer zu der dreitägigen Konferenz, die am Freitag begann
und am Sonntag endet.
Deutschlands katholische Bischöfe planen derweil nach einem "Spiegel"-Bericht
eine gemeinsame Erklärung gegen den drohenden Irak-Krieg. Der Vorsitzende der
Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, wolle seine
Amtskollegen dazu bewegen, berichtete das Nachrichtenmagazin. "Ein Angriffskrieg
jeder Art ist sittlich verwerflich", zitierte das Magazin den Kardinal. (Quellen: ap, afp)
Krieg, um die Wirtschaft anzukurbeln?
"Heute stagniert die Wirtschaft. Der einzige Ausweg, den die USA im Moment sehen, ist der Krieg. Das ist die offizielle
Position der Regierung in den USA.
Im Moment geben (...) die Cheney-Leute in der Regierung den Ton an, die Extremisten der Republikaner. Sie sind absolut einig,
dass der Krieg notwendig ist, um die Wirtschaft anzukurbeln. Da die Wirtschaftskrise als lange Phase betrachtet wird, sagt Bush:
Es wird ein langer Krieg sein. Solange das Öl eine Frage ist, wird dieser Krieg weitergehen.
Wenn das Privatkapital nicht mehr investiert, ist die keynesianische Idee, dass der Staat investieren soll. Das tut der Staat jetzt.
Während Europa noch vom Neoliberalismus redet, ist man in den USA schon lange wieder beim Keynesianismus angekommen.
Nur gehen die Investitionen allein ins Militär. Das ist amerikanischer Keynesianismus. Gleichzeitig wollen sie billiges Öl haben.
Das wird die Wirtschaft auch ankurbeln. Dass Russlands Ökonomie bei einem billigen Ölpreis kaputtgehen wird, weil sie nicht
konkurrieren kann - eine solche Katastrophe in Kauf zu nehmen sind sie bereit. Es wird sich als Delle in der US-Konjunktur
bemerkbar machen, aber das ist langfristig egal. Wie es dem Rest der Welt geht, das ist ihnen vollständig egal."
Gretchen Dutschke in einem taz-Interview (taz-Magazin vom 18.01.03):
Die Witwe des charismatischen Rudi Dutschke lebt heute wieder im Land ihrer Herkunft: In Oak Park bei Chicago:
CDU-Vorsitzende Merkel schließt deutsche Beteiligung an Irak-Krieg nicht aus:
So.19.01.03 - CDU-Chefin Angela Merkel hat eine deutsche Beteiligung an einem
möglichen Irak-Krieg nicht ausgeschlossen. "Wenn aber die Sicherheit und Freiheit
bedroht sind, dann kann Krieg in bestimmten Fällen die ultima ratio sein", sagte
Merkel am Samstag in Berlin bei der Aufzeichnung der ZDF-Sendung "halb 12 -
Eser und Gäste". Wer dieses Mittel aufgebe, der gebe Diktatoren freien Raum und
nehme jedes Bedrohungsszenario.
Merkel betonte, es sei Aufgabe der Politik, alles Mögliche zu tun, um Kriege zu
verhindern. Es sei für sie unvorstellbar, dass Deutschland bei der Abstimmung über
eine mögliche zweite UN-Resolution über einen militärischen Einsatz anders als die
Verbündeten England, Frankreich und USA stimme. Deutschland müsse mit seinen
Freunden zusammen stehen. "Meine Meinung ist, dass sich Deutschland in einer
unionsgeführten Bundesregierung mit seinen Verbündeten abstimmen würde."
Merkel sagte in der Aufzeichnung, sie halte eine zweite UN-Resolution für
wünschenswert. Man könne davon ausgehen, dass es eine solche geben werde,
weil diese Meinung inzwischen von einer "Reihe von Ländern" vertreten werde. Sie
glaube nicht, dass eine zweite Resolution von den Amerikanern ignoriert würde, da
diese immer Verbündete gesucht hätten. Einen amerikanischen Alleingang lehnte
sie ab.
Auf die Frage, ob den UN-Waffeninspektoren in Irak mehr Zeit eingeräumt werden müsse, antwortete Merkel, man
müsse die Meinung von deren Chef Hans Blix ernst nehmen. Dieser vertrete genau diese Ansicht. (Quelle: ap )
Struck bietet USA bei Irak-Krieg humanitäre Hilfe an.
So.19.01.03 - Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) ist im
Fall eines Irak-Kriegs grundsätzlich zu humanitärer Hilfe bereit. Er könne
sich vorstellen, "verletzte US-Soldaten zum Beispiel aus Saudi-Arabien nach
Deutschland zu fliegen", sagte Struck dem "Handelsblatt". Darüber müsse
aber im Einzelfall entschieden werden. Struck schloss auch den Einsatz des "fliegende
Lazaretts" Medivac nicht aus, "aber sicher nicht im Irak".
Entschieden wandte sich Struck gegen den möglichen Vorwurf, in Hilfen für verletzte
US-Soldaten bereits eine Beteiligung an einem Krieg zu sehen. "Ich möchte den
Deutschen sehen, der es ablehnt, verletzte US-Soldaten nach Frankfurt zu fliegen",
betonte der Verteidigungsminister. Er machte auch deutlich, dass die in Kuwait
stationierten ABC-Spürpanzer zum Einsatz kommen könnten, wenn amerikanische
oder kuwaitische Einrichtungen durch ABC-Waffen bedroht würden.
Auf Deutschlands Abstimmungsverhalten im UN-Sicherheitsrat zum Irak-Konflikt
wollte sich Struck nicht definitiv festlegen. Diese Frage werde erst beantwortet,
wenn eine Entscheidung anstehe. Er fügte aber hinzu, dass er sich eine
Zustimmung Deutschlands zu einem Irak-Krieg "schwer vorstellen" könne.
Laut einem "Spiegel"-Bericht wird die Bundesrepublik bei einer möglichen zweiten
UN-Resolution zu einem Angriff auf Irak definitiv nicht mit "Ja" votieren. Der
Spielraum für eine Zustimmung sei nach Informationen hoher Regierungskreise nicht
mehr gegeben. Ein Regierungssprecher wollte sich dazu nicht äußern. (Quelle: afp)
Atompapiere bei Wissenschaftler in Bagdad entdeckt.
So.19.01.03 - Die UN-Waffeninspekteure werten verdächtige Unterlagen aus dem
Irak aus. Sie haben die insgesamt rund 3000 Seiten starken Dokumente im Haus
eines Wissenschaftlers gefunden. Er gibt an, dass es sich um private Papiere
handelt. Wie der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohammed el
Baradei sagt, geht es in den Unterlagen um die Anreicherung von Uran. Allerdings
glaubt er nicht, dass der Irak tatsächlich in der Lage, Atomraketen zu entwickeln.
Der irakische Wissenschaftler, bei dem die UN-Waffenkontrolleure brisantes
Material mit Hinweisen zur Herstellung von Atomwaffen gefunden haben, hat eine
Verbindung der Papiere mit dem ehemaligen irakischen Atomprogramm
"kategorisch" zurückgewiesen. Die UN-Inspektoren hätten "persönliche Dokumente"
in die Hände bekommen, die mit dem damaligen Atomprogramm Bagdads "nichts
zu tun" hätten, sagte Faleh Hassan Hamsa am Samstag vor Journalisten in
Bagdad. "Unglücklicherweise" habe der Leiter der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed el Baradei, "voreilige Erklärungen"
abgegeben.
Der 55-jährige Wissenschaftler wirft den Rüstungskontrolleuren Mafia-Methoden vor.
Sie hätten die Krankheit seiner Frau dazu nutzen wollen, ihn ausser Landes
zu locken, sagte Faleh Hassan am Samstag. (Quellen: ap, dpa, afp)
UNO-Chefinspektor: Irak kooperiert nicht ausreichend.
So.19.01.03 - Vor seiner Reise nach Bagdad hat der Chef der UNO-Waffeninspektoren, Hans
Blix, Irak am Samstag erneut eine mangelnde Zusammenarbeit vorgeworfen.
Blix sagte in der zyprischen Hauptstadt Nikosia, Irak habe bei der Suche nach
Massenvernichtungswaffen nicht ausreichend und aufrichtig mit den Inspektoren
kooperiert. Darauf werde er am Sonntag bei seinem Besuch in Bagdad die irakische
Führung hinweisen. US-Außenminister Colin Powell hatte zuvor erklärt, die USA würden
bis Ende des Monats Beweise dafür vorlegen, dass Irak nicht wie von der UNO gefordert,
mit den Waffeninspektoren kooperiere.
Irak hat Vorwürfe der USA und Großbritanniens zurückgewiesen, über
Massenvernichtungswaffen zu verfügen. Powell sagte der "Süddeutschen Zeitung":
"Wir glauben, dass am Ende des Monats überzeugend bewiesen sein wird, dass
der Irak nicht kooperiert." Die weitere Arbeit der UNO-Waffeninspektoren machte
Powell von deren Bericht am 27. Januar abhängig. Er bekräftigte, dass die USA
keine zweite UNO-Resolution benötigten, um gegen Irak vorzugehen. (Quelle: rtr)
Weltbank sagt Türkei Hilfen bei Irak-Krieg zu.
So.19.01.03 - Die Weltbank will die Türkei im Falle eines alliierten Angriffs auf Irak
wirtschaftlich unterstützen. Der für Europa und Mittelasien zuständige
Weltbank-Vizepräsident Johannes Linn bestätigte am Samstag bei einer
Pressekonferenz in Ankara entsprechende Überlegungen seiner Organisation. In
internationalen Bankenkreisen wird damit gerechnet, dass der Türkei bei einem
Irak-Krieg wirtschaftliche Verluste im Umfang von zehn Milliarden Dollar entstehen
könnten.
Amerikanische Delegierte erörterten mit türkischen Politikern ein Hilfspaket, das auf
vier bis 15 Milliarden Dollar geschätzt wird. Offensichtlich erhoffen sich die USA
davon eine größere Bereitschaft der Türkei, Militäraktionen gegen Irak von ihrem
Territorium aus starten zu lassen. Die türkische Konjunktur durchläuft dank eines
rigorosen Spar- und Reformprogramms zurzeit gerade eine Erholungsphase. Ein
Irak-Krieg könnte indessen neue Rückschläge bringen. (Quelle: ap)
Kongress islamischer Rechtsgelehrter in Katar:
So.19.01.03 - Auf einem Kongress islamischer Rechtsgelehrter
in Katar hat eine Mehrheit die palästinensischen
Selbstmordangriffe gutgeheissen; eine förmliche
Erklärung zugunsten der "Märtyrer-Operationen" wurde aber
unterdrückt. Die Konferenz verurteilte den
Terrorismus in aller Schärfe und diskutierte
Strategien gegen die Globalisierung. Mehr unter:
Deutschland: Politiker wollen Zahl der Bundesländer vermindern.
So.19.01.03 - Mehrere Politiker haben sich für eine Neuordnung Deutschlands
ausgesprochen. FDP-Vize Walter Döring sagte der "Bild am Sonntag", neun
Länder seien genug. Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen
sollen unangetastet bleiben. Bremen soll in Niedersachsen aufgehen,
Schleswig-Holstein mit Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg verschmelzen und
Berlin sich mit Brandenburg vereinigen. Das Saarland könne Teil von
Rheinland-Pfalz werden und Sachsen könne mit Thüringen und Sachsen-Anhalt ein
Bundesland bilden, so Döring. (Quelle: dpa)
Bundesaußenminister Fischer: Kein Spielraum für Steuersenkungen bis 2006.
So.19.01.03 - Bundesaußenminister Joschka Fischer sieht bis zum Jahr 2006 keinen
Spielraum für zusätzliche Steuersenkungen. Die Finanzlage erlaube lediglich die für
die Jahre 2004 und 2005 beschlossenen Erleichterungen, "oder aber wir müssten
Leistungskürzungen über das hinaus beschließen, was bereits im Gesetz steht",
sagte der Grünen-Politiker dem Berliner "Tagesspiegel" (Samstagausgabe). "Ich
will auch keine Steuersenkungen auf Pump finanzieren", betonte Fischer. Im
Übrigen stimme die Rechnung nicht, dass Steuersenkungen zur
Konjunkturbelebung beitrügen und der Staat dann mehr Geld habe.
Fischer plädierte zudem für eine Reform der sozialen Sicherungssysteme,
insbesondere der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Leistungskatalog müsse
gründlich überprüft werden. "Man könnte sich das bei Risikosportarten durchaus
vorstellen." Auch seien Belohnungen für gesundheitsbewusstes Verhalten zu
begrüßen, wie etwa Joggen und eine ausgewogene Ernährung, sagte der
passionierte Jogger. "Eine Neujustierung, bei der nicht mehr alles Wünschenswerte
bezahlt wird wie in Zeiten des Überflusses, die halte ich für äußerst vernünftig."
Berücksichtigen müsse man dabei, dass es nach 50 Jahren Frieden in Deutschland
eine Vermögensbildung in Deutschland gebe, "an der auch breite mittlere und
teilweise untere Schichten teilhaben". "Deshalb kann die Frage, welchen Anteil die
Menschen zu ihrer sozialen Sicherung beitragen, anders gestellt werden als noch in
den 70er oder 80er Jahren", sagte der Grünen-Politiker. Man habe nun eine
Generation von Erben. "Da entstehen auch andere Verantwortlichkeiten."
Zur Diskussion über eine Lockerung des Kündigungsschutzes sagte Fischer, die
Regelung sei "nicht heilig". In der Koalition rede man "sehr ernsthaft darüber, wie
man hier mehr Beweglichkeit schaffen könnte". Er sei aber entschieden dagegen,
den Kündigungsschutz über Bord zu schmeißen, sagte Fischer. "Dass man zum Beispiel
beim Stellenabbau zuerst darauf schaut, wer Familie hat, weil da viele von einem Einkommen
abhängen, finde ich richtig." (Quelle: ap)
SPD, Grüne und Union für weltweites Klonverbot.
So.19.01.03 - Eine große Mehrheit im Bundestag will ein weltweites
Klonverbot von Menschen durchsetzen. Die Fraktionen
von SPD, Grünen und Union präsentierten eine
gemeinsame Initative, die darauf abzielt, sowohl das
reproduktive als auch das therapeutische Klonen
international zu verbieten. Dabei wollen die
Parlamentarier auch die Unterstützung Frankreichs gewinnen. Unionsfraktionsvize
Maria Böhmer äußerte die Hoffnung, bis zum Herbst eine UN-Konvention zum
Klonverbot zu erreichen. Von Expertenseite gab es widersprüchliche Reaktionen.
Der Begriff "therapeutisches Klonen" wecke Hoffnungen, die nach gegenwärtigem
Stand der Forschung nicht gerechtfertigt seien, sagte der
Grünen-Vize-Fraktionschef Reinhard Loske. Während beim reproduktiven Klonen
der Embryo in die Gebärmutter eingesetzt werde, müsste dieser beim
therapeutischen Klonen im frühen Stadium zerstört werden, um dann mit den
Stammzellen weiter zu arbeiten. Beide Verfahren seien nicht klar zu trennen.
Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Gudrun Schaich-Walch sagte, die
Fraktionen nutzten unter anderem die internationale Diskussion um die angebliche
Geburt zweier Klonbabys für ihren gemeinsamen Vorstoß. Anlass für den
gemeinsamen Antrag waren laut Böhmer allerdings die im November gescheiterten
UN-Verhandlungen über ein Klonverbot. Diese sollen nun einen neuen Impuls
bekommen.
Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) begrüßte die
parteiübergreifende Einigung. Da in Deutschland alle Formen des Klonens
menschlicher Embryonen verboten sei, gehe es nun darum, auf internationaler
Ebene schnell ein wirksames, möglichst umfassendes und von allen Staaten getragenes Verbot zu erreichen.
Bei der Bundesärztekammer sieht man für das "therapeutische
Klonen" derzeit keinen Bedarf. "Wir plädieren für ein umfassendes
Klonverbot, das auch das so genannte therapeutische Klonen
einschließt", so Ärztekammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe: "Sollte
zunächst nur ein Verbot des reproduktiven Klonens auf Ebene der
Vereinten Nationen durchsetzbar sein, so wäre dies nur die
zweitbeste Lösung, aber ein beachtlicher Fortschritt."
Auch der Präsident der Deutschen Forschungsmeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, hat sich wiederholt
gegen das therapeutische Klonen ausgesprochen. Dagegen kritisierte der Wissenschaftliche Direktor des
Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin, Detlev Ganten, den Vorstoß der Parteien mit deutlichen Worten: "Ich halte das für
eine schiere Katastrophe!" Niemand könne derzeit einschätzen, welche Möglichkeiten das therapeutische Klonen
einmal eröffnen werde.
Die FDP-Fraktion distanzierte sich von dem parteiübergreifenden Antrag. Die FDP-Abgeordnete Ursula Flach erklärte,
ihre Partei halte ein kategorisches Verbot international nicht für durchsetzbar. Außerdem müsse das therapeutische
Klonen differenziert betrachtet werden. (Quellen: afp, sz)
Erneut Rückschlag für Gentherapie.
So.19.01.03 - Wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen bei Frankfurt am Main
und die Bundesärztekammer bekannt gaben, ist bei einem zweiten
gentherapeutisch behandelten Patienten in Frankreich eine
Leukämie-ähnliche Erkrankung aufgetreten. Für die Gentherapie
unter Verwendung retroviral modifizierter Blutstammzellen sei das
ein ernsthafter Rückschlag, sagte PEI-Vizepräsident Klaus
Cichutek. In Deutschland wurden letztes Jahr nach einem ersten
Leukämiefall in Frankreich sechzehn registrierte klinische
Erprobungen an Patienten unterbrochen, bei denen lebende,
retroviral veränderte Zellen verwendet wurden. Die Leukämie war bei
einem von zehn Kindern aufgetreten, die in Paris mit gentechnisch
präparierten Stammzellen behandelt worden waren. (Quelle: taz/ap)
Reproduktionsmediziner drängen auf Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID.
So.19.01.03 - Reproduktionsmediziner drängen auf die Zulassung der
Embryonenselektion im Reagenzglas. Eine Eingrenzung auf
wenige Risikopaare sei nicht möglich, warnen Kritiker.
Nächste Woche will der Nationale Ethikrat eine
Stellungnahme vorlegen.
Vordergründig soll die
Präimplantationsdiagnostik (PID) Paaren, die Träger einer
Erbkrankheit sind, zu gesunden Kindern verhelfen. Ob dies
Versprechen eingehalten werden kann, darf bezweifelt werden.
Denn diese Genuntersuchung im Frühstadium der menschlichen
Entwicklung ist nur mit Methoden der künstlichen Befruchtung
möglich. Dies allein bedeutet vorprogrammierte Probleme. Mehr unter
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