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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mi.22.01.03, 12:45 USA erklären Bereitschaft zu baldigem Krieg gegen Irak.
Mi.22.01.03 - Ungeachtet der Forderungen mehrerer europäischer Staaten nach mehr Zeit für
UNO-Waffeninspektionen haben die USA ihre Bereitschaft für einen baldigen Krieg gegen Irak erklärt.
Nach den Worten des demokratischen US-Senators Edward Kennedy sind
Nordkorea und der internationale Terrorismus größere Bedrohungen für die USA als
Irak.
US-Vizeaußenminister Richard Armitage sagte am Dienstag, die Alternativen zu einem Militäreinsatz
seien "nahezu erschöpft". Dem irakischen Präsdenten Saddam Hussein bleibe nur noch "sehr wenig Zeit",
die Abrüstungsbestimmungen der UNO zu erfüllen. US-Präsident George W. Bush sagte in Washington,
"mir ist jetzt klar, dass er (Saddam) nicht abrüstet".
Armitage sagte in einer Rede vor dem Friedensinstitut in Washington, es gebe
keine Anzeichen, dass Irak die Auflagen der UNO in vollem Umfang zu erfüllen
beabsichtige. US-Präsident Bush hatte zuvor gesagt, "er (Saddam) zögert hinaus.
Er täuscht. Er spielt mit den Inspektoren ein Versteckspiel."
Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed ElBaradei erwartete nach eigenen Worten die
Unterstützung des UNO-Sicherheitsrats für eine fortgesetzte Arbeit der Kontrolleure. Die Bedingung dafür sei aus
seiner Sicht, dass Irak kooperiere und die Kontrolleure Fortschritte machten, sagte ElBaradei in Wien. Der IAEA-Chef
sprach von einigen Monaten, die die Inspektoren noch für ihre Arbeit benötigten.
Die Sicherheitsratsmitglieder Frankreich und Russland unterstützten die Forderungen der Inspektoren nach mehr Zeit.
Beide haben als ständige Mitglieder ein Veto-Recht im Rat. Russlands Außenminister Igor Iwanow sagte in Moskau,
"die meisten Länder im Sicherheitsrat (...) glauben, dass es wichtig ist sowohl politische als auch diplomatische
Anstrengungen zu verfolgen". Die Möglichkeiten für eine friedliche Lösung seien noch lange nicht ausgeschöpft.
US-Senator Edward Kennedy sagte, er sei weiterhin der Überzeugung, dass ein Krieg gegen Irak ein schlechter Krieg
zur schlechten Zeit sei. Von Irak gehe keine akute Bedrohung aus, ein Konflikt lenke die USA von den anderen, viel konkreteren,
Gefahren ab, sagte der Senator aus dem US-Bundesstaat Massachussetts weiter. Er bezeichnete es als das
"wahrscheinlichste Szenario", dass ein US-geführter Krieg gegen Irak ohne breite Unterstützung durch die
Verbündeten die Bemühungen im Kampf gegen das Terrornetzwerk El Kaida lähmen und die internationale Koalition
im Anti-Terrorkampf schwächen könnten.
Kennedy sprach sich dafür aus, den UN-Waffeninspekteuren in Irak so viel Zeit wie nötig zu geben. "Wenn ihr Ziel die
Entwaffung ist, erhalten wir wahrscheinlich mehr Informationen durch die Inspekteure als durch den Krieg", sagte
Kennedy.
(Quellen: rtr, afp)
Dollar nach Bushs Irak-Äußerungen auf Tiefständen.
Mi.22.01.03 - Der Dollar ist am Dienstag zum Euro und Schweizer Franken
auf neue Tiefstände gefallen, nachdem jüngste Äußerungen von US-Präsident
George W. Bush Händlern zufolge einen baldigen Irak-Krieg wahrscheinlicher
gemacht haben.
"Diese Kursentwicklung zeigt erneut, wie sehr dieser Markt von den Nachrichten zu
Irak getrieben wird", sagte Devisenanalyst Ron Simpson von MMS International.
Der Euro erreichte angesichts der wachsenden Spekulationen über einen baldigen
Krieg in Irak ein neues Drei-Jahres-Hoch über 1,07 Dollar. Auch zum Schweizer
Franken, der in Krisenzeiten als sicherer Anlagehafen gilt, fiel der Dollar auf ein
neues Vier-Jahres-Tief. Der Ölpreis stieg nur leicht an. Der maßgebliche Preis für
ein Barrel (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent zur Lieferung im März stieg in
London bis zum Handelsschluss um neun Cent und lag damit weiter über 30
Dollar.
Die Spannungen in Irak sprächen für weitere Verluste der US-Währung, sagten
Devisenhändler. Auch gebe es Unsicherheiten über die weitere Gewinnentwicklung
der US-Unternehmen. (Quelle: rtr)
Deutscher Bundeskanzler: Kein "Ja" zu UN-Resolution für Irak-Krieg.
Mi.22.01.03 - Deutschland wird einem Krieg gegen Irak im
UN-Sicherheitsrat nicht zustimmen. Bundeskanzler Gerhard Schröder legte sich am
Dienstagabend bei einer SPD- Wahlkampfveranstaltung in Goslar erstmals öffentlich
darauf fest und sagte, es werde in dem Gremium kein deutsches Ja zu einer den
Krieg legitimierenden UN-Resolution im Sicherheitsrat geben. Eine deutsche
Beteiligung an einer Militäraktion schloss er erneut aus.
Mit Schröders Festlegung könnte die Bundesrepublik im Falle einer Abstimmung im
Sicherheitsrat sich nur noch enthalten oder eine Gegenstimme abgegeben.
Allerdings erklärte Schröder auch, dass der Irak entwaffnet werden müsse, wenn er
Massenvernichtungswaffen besitze. Er sei aber davon überzeugt, dass dies mit
friedlichen Mitteln möglich sei. Dafür werde er kämpfen, sagte der Kanzler.
Der britische Premier Blair sagte vor Abgeordneten in London, er behalte sich einen Alleingang mit den USA vor,
falls der Sicherheitsrat einem Militärschlag nicht zustimmen sollte, wenn sich erweisen sollte, dass Irak in der Frage
der Massenvernichtungswaffen gelogen habe. Er sei sicher, dass Irak solche Waffen besitze, sagte Blair.
Großbritannien und die USA haben Irak mit einem Militärschlag gedroht, sollte das Land die Abrüstungsauflagen der
UNO-Resolution nicht erfüllen.
Frankreich erklärte, es wolle die Europäische Union mobilisieren, um einen Krieg gegen Irak zu verhindern.
Der französische Außenminister Dominique de Villepin sagte in Brüssel, es sei wichtig, dass Europa in dieser Frage
mit einer Stimme spreche. "Wir glauben, dass Krieg vermieden werden kann", sagte de Villepin nach einem Gespräch
mit seinem belgischen Kollegen Louis Michel am Rande einer Sitzung des Reformkonvents der EU. De Villepin sagte,
er wolle sich beim Treffen der EU-Außenminister am Montag in Brüssel um eine gemeinsame europäische Position in
der Irak-Frage bemühen.
Die Außenminister der Türkei, Syriens, Jordaniens, Ägyptens, Saudi-Arabiens und Irans wollen am Donnerstag in Istanbul
über einen Regionalgipfel zum Irak-Konflikt beraten. Am selben Tag wird Bundesaußenminister Joschka Fischer zu
Gesprächen mit der türkischen Regierung in Ankara erwartet. (Quellen: dpa, rtr)
USA und Großbritannien forcieren Truppenaufmarsch am Golf.
Mi.22.01.03 - Die USA und Großbritannien stocken ihre Truppen am Golf
weiter auf. Medienberichten zufolge sollen 37 000 weitere US- Soldaten in Marsch
gesetzt werden. 125 000 Amerikaner hätten damit binnen vier Wochen den Einsatzbefehl
erhalten, hieß es. Vor Weihnachten waren nach inoffiziellen Angaben bereits knapp 50 000
US-Soldaten in der Region. Nach US-Medienberichten soll der Aufmarsch bis zu einer
Gesamtstärke von 250 000 Mann weitergehen.
Großbritannien hat die Entsendung von 26 000 Mann Bodentruppen angekündigt.
Zusammen mit den etwa 1000 Soldaten, die bereits in Kuwait sind, und den über
4000 auf britischen Kriegsschiffen, die in der Vorwoche ausgelaufen sind, werden es
insgesamt weit über 30 000 Soldaten sein. Der britische Flottenverband, der im
Mittelmeer zusammengezogen wird, ist mit 15 Kriegsschiffen und einem U-Boot der
größte seit dem Falklandkrieg vor 20 Jahren. (Quelle: dpa, )
Britische Zeitung führt Petition gegen Irak-Krieg durch.
Mi.22.01.03 - Die der Labour-Partei nahestehende Zeitung "Daily Mirror"
fordert auf der Titelseite zur Beteiligung an einer Petition gegen einen Krieg
ohne eine neue Resolution des Sicherheitsrats auf.
Der Mirror braucht nicht damit zu rechnen, für die Petition gegen den Krieg mit großen
Lesereinbußen zu rechnen. Nach einer aktuellen Umfrage der Zeitung Guardian sind
über 81 Prozent der Briten gegen einen Krieg, wenn er nicht durch eine neue Resolution des
Sicherheitsrats legitimiert wird. Insgesamt sprechen sich nur 30 Prozent überhaupt für einen Krieg
aus, 47Prozent sind dagegen. Auch in Großbritannien gingen am Wochenende Tausende von
Menschen auf die Straße und beteiligten sich an Antikriegsdemonstrationen. Gegen den
Krieg wenden sich neben Gewerkschaften und Kirchen auch viele aus der regierenden
Labour Partei. (Quelle: telepolis)
Irak rechnet fest mit Angriff der USA und Grossbritanniens.
Mi.22.01.03 - Die USA und Grossbritannien sind nach den Worten des
irakischen Vizepräsidenten Taha Jassin Ramadan fest zum Angriff sein Land
entschlossen. Daran werde auch die Bereitschaft Iraks, seine Kooperation mit den
Vereinten Nationen auszuweiten, nichts ändern. Die Nachbarländer Iraks wollen am
Donnerstag in Istanbul über Möglichkeiten beraten, einen Krieg doch noch zu
verhindern. Um einen Rücktritt von Präsident Saddam Hussein gehe es dabei aber
nicht, erklärten Saudi-Arabien und Ägypten.
Ramadan erklärte, die USA wollten als Begründung für einen Angriff den Eindruck
erwecken, dass Irak nicht mit den UN-Inspekteuren zusammenarbeite. Bagdad
rechne trotz der Anwesenheit von derzeit rund 100 Waffenkontrolleuren jederzeit mit
einem Angriff, sagte Ramadan in Bagdad. Durch die Verbesserung der Beziehungen
zu den Vereinten Nationen solle deutlich gemacht werden, dass es sich allein um
eine amerikanisch-zionistische Aggression handele.
Irak war den UN zuletzt in Gesprächen mit Chef-Inspekteur Hans Blix und dem
Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed ElBaradei,
entgegengekommen und hatte unter anderem bei der Befragung von
Wissenschaftlern durch UN-Mitarbeiter Zugeständnisse gemacht. Überflugrechte für
US-Spionageflugzeuge vom Typ U2 lehnt Irak unter Verweis auf den
Truppenaufmarsch an seinen Grenzen aber weiter ab. (Quelle: ap)
Australien verlegt erste Soldaten in Golfregion.
Mi.22.01.03 - Australien entsendet in den kommenden Tagen Truppen zur Vorbereitung
auf einen möglichen Krieg gegen Irak in die Golfregion. Die ersten Soldaten sollten am Donnerstag
von Sydney aus nach Nahost verlegt werden, teilte Verteidigungsminister Robert Hill mit.
Das erste Kontingent werde von einem Hubschrauber vom Typ Sea King begleitet
und verfüge über ein Landungsboot, teilte der australische Verteidigungsminister
weiter mit. Elitesoldaten der SAS-Truppen seien nicht darunter; 150 Soldaten der
australischen Spezialtruppen stehen jedoch in Perth in Westaustralien
abmarschbereit. Hill betonte, dass die Regierung noch nicht über einen
Einsatzbefehl entschieden habe; die Verlegung der Soldaten helfe jedoch, die
Drohkulisse gegen Irak zu verstärken. (Quelle: afp)
Keine Einigung mit Türkei über US-Nutzung von Stützpunkten.
Mi.22.01.03 - Die Türkei hat einen Zeitungsbericht zurückgewiesen, wonach sie den USA
im Falle eines Irak-Krieges die Nutzung ihrer Militärstützpunkte zugesagt haben soll.
"Ich habe lediglich gesagt, ... die Regierung hat dem Generalstab
die Erlaubnis erteilt, diese Frage mit ihren Kollegen auf
technischer Ebene zu erörtern", sagte der türkische
Außenminister Yasar Yakis am Dienstag in Ankara. Der
US-Generalstabschef Richard Myers hält sich in dieser Woche zu
Gesprächen mit türkischen Armeevertretern in der Türkei auf.
Die "New York Times" hatte am Dienstag unter Berufung auf ein Gespräch mit
Yakis berichtet, die Türkei wolle der Stationierung einer großen US-Truppe im Land
zustimmen. Die Regierung rechne aber damit, dass beim Umfang der Truppen
Rücksicht auf die öffentliche Meinung im Land genommen werden müsse. Umfragen
zeigten, dass ein Großteil der türkischen Bevölkerung gegen einen Militärschlag
gegen das Nachbarland sei. Die türkische Regierung habe das Militär des Landes
angewiesen, einen Plan auszuarbeiten, der es den USA erlaube, eine große Truppe
an der türkisch-irakischen Grenze zu stationieren und die irakische Armee damit im
Norden des Landes in Schach zu halten, hieß es in dem Zeitungsbericht weiter.
Die Stationierung ausländischer Truppen in der Türkei müsste vom Parlament genehmigt werden. Das NATO-Mitglied
Türkei wäre für die USA eine wichtige logistische Basis in einem Irak-Krieg. Die türkische Regierung hat wiederholt vor
den wirtschaftlichen Auswirkungen eines Irak-Krieges gewarnt und fordert für diesen Fall von den USA
Entschädigungszahlungen. (Quelle: rtr)
Rechercheplattform mit über 200 Links zum Irakkonflikt.
Mi.22.01.03 - Angesichts des drohenden Krieges im Irak haben
die Journalistenportale journalismus.com und jourweb.com eine
Kooperation "zu ungehinderter Information für Journalisten"
gestartet. Damit Journalisten der schnelle und ungehinderte Zugang
zu Informationen möglich ist, bieten die Portale ab sofort online
eine Rechercheplattform mit über 200 Links zum Irakkonflikt an.
"Der Krieg zwischen den USA und dem Irak ist längst in vollem
Gange. Schauplätze sind die Fernsehschirme und Zeitungsspalten,
die Radiokanäle und das Internet. Gekämpft wird in diesen virtuellen
Schlachten nicht mit Bomben und Raketen, sondern mit
Informationen und Desinformationen, mit Bildern, Zahlen und
Gefühlen", heißt es bei den Initiatoren. Angeboten wird eine
umfassende und ständig aktualisierte Link-Sammlung von
deutscher, amerikanischer, irakischer und anderer Seite. Das
Angebot umfasst auch Links zu amtlichen Quellen. Neben Richard
Cheneys "Veteranen"-Rede, einer "Länderkunde Irak" sowie einem
Artikel zu "Bushs Golf War Syndrome" gibt es aber auch arabische
Nachrichten. (Quelle: taz)
UNO sieht keine Verbindungen zwischen Irak und El Kaida.
Mi.22.01.03 - Die Vereinten Nationen haben trotz strenger Kontrollen bislang keine
Hinweise auf Verbindungen zwischen Irak und dem Terrornetzwerk El Kaida
gefunden. "Wir haben nichts bisher", sagte der Vorsitzende des zuständigen
UN-Komitees, Michael Chandler, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Er
widersprach damit dem britischen Premierminister Tony Blair, der vor dem
Parlament in London von "geheimdienstlichen Erkenntnissen" über Verbindungen
zwischen El-Kaida-Mitgliedern und Kontaktleuten in Irak gesprochen hatte.
Der irakische Machthaber Saddam Hussein könne unter den derzeitigen Umständen kein
Interesse an Verbindungen mit dem Terrornetzwerk von Osama bin Laden haben,
sagte Chandler. Irak sei zudem "weltlich" ausgerichtet und damit sehr verschieden
von einem islamischen Gottesstaat, wie bin Laden ihn wolle. (Quelle: afp)
"Offenbar können Amerikaner und Engländer darauf vertrauen,
dass die Weltöffentlichkeit dieses Spiel des Verdachts mitspielt und sich von ihren
dosiert verabreichten Halbnachrichten hysterisieren lässt. Aber Saddams Waffen sind
unsichtbar; die Geheimdienstberichte, die das Gegenteil beweisen, sind der Öffentlichkeit
nicht bekannt; das Dossier, in dem Irak seine Bestände offenlegt, ist geheim. Wenn die
Papiere Faleh Hassans, die eben entdeckt wurden, in dem Dossier der Irak-Regierung
nicht erwähnt sein sollen, kann das niemand nachprüfen. Niemand weiß, was darin steht.
Auch der Bericht der Inspekteure wird geheim bleiben. Sollten die Amerikaner Irak
angreifen, dann wird bald auch Saddam in jener Unsichtbarkeit verschwinden, wo
seine Waffen sind.
Während der Weltöffentlichkeit suggeriert wird, dass das Ergebnis des
Indizienprozesses noch offen ist, haben amerikanische Fernsehsender bereits
ihre eigenen hochgerüsteten TV-Leute in Stellung gebracht. Die Werbeagenturen
lauern, um ihre Spots zwischen die Irak-Berichte zu platzieren, die Kommentatoren
stehen auf Abruf: Medienstrategisch sind die Kriegsvorbereitungen abgeschlossen.
Aber was diese Medien uns zeigen werden, das droht die Fortsetzung eines
Täuschungsspiels zu werden, wie es bislang seinesgleichen sucht. Doch ehe
ein Krieg von dem Weltforum der UNO gerechtfertigt werden kann, müssen
alle Tatsachen aus den Datenbanken ohne jede Einschränkung veröffentlicht werden.
Sonst würden die Amerikaner das Recht in der Weise missbrauchen, dass sie Staatsanwalt,
Richter und Henker in einem zu sein beanspruchen." (Frankfurter Rundschau, 21.01.03)
Bundeswehr hilft UN mit Aufklärungsdrohnen.
Mi.22.01.03 - Die Bundeswehr will die UN-Inspekteure, die in Irak nach
Massenvernichtungswaffen suchen, mit unbemannten Aufklärungsflugzeugen
(Drohnen) und rund 20 Soldaten unterstützen. Eine Entscheidung über die
Entsendung stehe bevor, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am
Dienstag.
Der Ministeriumssprecher in Berlin sagte, man stehe einer Anfrage der Vereinten
Nationen wegen des Aufklärungssystems Luna positiv gegenüber. Es gebe
genügend Soldaten, die sich freiwillig für die Dauer des Einsatzes in Irak freistellen
lassen und in ein Vertragsverhältnis mit den UN eintreten würden. Eine vorherige
Schulung sei notwendig. Die Dauer der Entsendung war noch unklar.
Für ein vollständiges Luna-System mit zwölf unbemannten Kleinflugzeugen würden
rund 40 Soldaten benötigt, hieß es. Voraussichtlich komme man aber mit weniger Fluggeräten und Soldaten aus. Die
Aufklärungsdrohnen machen Luftaufnahmen. Die Soldaten müssen die Maschinen vom Computer aus fernsteuern und
die über Funk übermittelten Bilder auswerten. Im Kosovo wird Luna seit Anfang 2000 für Aufklärungsaufträge
eingesetzt. (Quelle: ap)
Deutsche Friedensaktivisten bilanzieren Irak-Besuch:
Mi.22.01.03 - Knapp eine Woche lang besuchte eine neunköpfige
Friedensdelegation aus Deutschland das belagerte
Zweistromland Irak. Die Teilnehmer wollten sich "selbst ein
Bild von der Lage der Bevölkerung machen", sagte
Delegationsleiter Bernd Klagge am Dienstag vor der Presse in
Bagdad. Die Gruppe besuchte Einrichtungen der irakischen
Frauenföderation, Kinderkrankenhäuser in Bagdad und Basra
sowie eine psychiatrische Klinik. Der Besuch von
Krankenhäusern sei "erschütternd" gewesen, so Klagge. Der
Zustand der Einrichtungen sei "katastrophal".
Angelika Claussen, Vorsitzende der deutschen Sektion von
IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des
Atomkriegs), sagte, sie sei es "leid gewesen, immer nur
Äußerungen der Herren Blix, Blair, ElBaradei oder Bush im
Fernsehen zu hören", aber nichts über die Menschen im Irak
zu erfahren. Claussen zeigte sich "schockiert" und sagte, "so
schlimm habe ich es mir nicht vorgestellt." (Quelle: jw) Mehr unter:
Aktionen gegen drohenden Irak-Krieg.
Mi.22.01.03 - In ihrer heutigen Ausgabe veröffentlicht die Tageszeitung "junge Welt"
eine Übersicht über Proteste und Veranstaltungen:
Bush unterzeichnet Dekret zu "Büro für globale Kommunikation".
Mi.22.01.03 - US-Präsident George W. Bush hat am Dienstag ein Dekret zur Schaffung
eines "Büros für globale Kommunikation" unterzeichnet, das die Sicht der
US-Regierung in der Welt verbreiten soll. Aufgabe des Büros ist dem Dekret zufolge
die Beratung des Präsidenten über die Verwendung der wirksamsten Mittel zur
Förderung der US-Interessen und zur Vermeidung von Missverständnissen im
Ausland. Das Office of Global Communications solle zu diesem Zweck Botschaften
formulieren und redigieren und die Aktivitäten der unterschiedlichen Ministerien und
Behörden in diesem Bereich koordinieren. (Quelle: afp)
US-Gericht weist Klagen ehemaliger Zwangsarbeiter zurück.
Mi.22.01.03 - Ein US-Bundesberufungsgericht hat am Dienstag die Klagen
mehrerer tausend ehemaliger Gefangenen aus dem Zweiten Weltkrieg gegen
japanische und deutsche Firmen zurückgewiesen, für die sie als Zwangsarbeiter
tätig waren. In der einstimmig ergangenen Richterentscheidung erklärte das Gericht
in San Francisco unter Hinweis auf von Washington unterzeichnete Verträge, es
würde den Interessen der US-Außenpolitik zuwiderlaufen, wenn amerikanische
Gerichte für die Durchsetzung von Wiedergutmachungsansprüchen benutzt würden.
Das Urteil des US-Gerichts erklärte ein Gesetz des Staates Kalifornien aus dem
Jahr 1999 für ungültig. Ein Anwalt, der mehrere Kläger vertritt, kündigte an, den Fall
möglicherweise vor den Obersten Gerichtshof der USA nach Washington zu
bringen. (Quelle: ap)
Bin Laden konnte angeblich mit einfacher List entkommen.
Mi.22.01.03 - Eine recht einfache List soll Bin Ladin während der Belagerung von Tora Bora
zur Flucht verholfen haben, berichtete die Washington Post [http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A19238-2003Jan20.html]
Als ihm US-Truppen in der afghanischen Bergregion Tora Bora
immer näher rückten, habe er sein Satellitentelefon seinem
marokkanischen Leibwächter Abdallah Tabarak gegeben, berichtete
die Washington Post gestern. Der Leibwächter habe das Telefon -
wohl wissend, dass es von US-Satelliten geortet werden konnte -
weiter benutzt und damit die Verfolger auf die falsche Fährte
gelockt. In der Zwischenzeit sei Ussama Bin Laden in einer
anderen Richtung verschwunden. Der Leibwächter wurde später
gefasst und soll sich nun in dem US-Gefangenenlager Guantánamo
auf Kuba befinden. Dort soll er von seinen Mitgefangenen für seine
Rolle hoch geschätzt werden, berichtete die Washington Post. Sie
beruft sich in ihrem Bericht auf marokkanische Beamte, die
Tabarak verhört haben. (Quelle: taz/dpa) Mehr unter:
Oberster Richter in Afghanistan schließt Fernsehsender.
Mi.22.01.03 - Wegen des Vorwurfs unislamischer Berichterstattung hat
der Präsident des Obersten Gerichts Afghanistans fünf Fernsehsender schließen
lassen. Die Programme von Deutsche Welle TV waren davon nicht betroffen. Zudem
kritisierte der Oberste Richter den gemeinsamen Schulunterricht für Mädchen und
Jungen, der gegen das islamische Recht verstoße.
"Leute, die Beschwerden beim Obersten Gericht (gegen die Sender) eingelegt
haben, sagten, sie hätten halb-nackte Sänger und obszöne Szenen aus Spielfilmen
gezeigt", sagte Maulawi Fasl Hadi Schinwari am Dienstag der Nachrichtenagentur
Reuters. Dies verstoße gegen den Islam und gegen die Moral. Deshalb habe er am
Vortag Schließungsverfügungen erlassen, sagte Schinwari.
Die Betreiber der betroffenen Sender verwiesen auf ihre von der Regierung
ausgegebenen Lizenzen. "Sie wussten, welche Art von Programmen wir
ausstrahlen, als wir die Lizenz für den Sendebetrieb erhielten", hieß es aus
Sender-Kreisen. Aus den Kreisen verlautete weiter, die Schließung der Sender sei
Teil eines Machtkampfes zwischen radikal-islamischen und westlich orientierten
Mitgliedern der Regierung von Präsident Hamid Karsai. Ihr gehören sowohl in
westlichen Ländern ausgebildete Politiker als auch ehemalige Mudschahedin an,
die in den 80er Jahren gegen die sowjetischen Besatzungstruppen und später
gegen die Herrschaft der radikal-islamischen Taliban gekämpft hatten.
Schinwari sagte ferner, gemeinsamer Unterricht für Mädchen und Jungen sei im Islam nicht gestattet, "und ich will,
dass das Recht des Islam umgesetzt wird". Es komme nun auf die Regierung und das Bildungsministerium an, ob sie
dem Gesetz folgten. Die Taliban-Regierung hatte Frauen jegliche Ausbildung verboten. Erst nach ihrem Sturz im
Dezember 2001 waren Hundertausende Mädchen wieder zum Schulunterricht erschienen. (Quelle: rtr)
Machtkampf in Venezuela spitzt sich zu.
Mi.22.01.03 - Angesichts der schleichenden Zuspitzung des
venezolanischen Machtkampfes nehmen
internationale Vermittlungsbemühungen zu. Der
Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter hat in
Caracas zwei Vorschläge unterbreitet. Es ist
anzunehmen, dass dies in Absprache mit der neu
gebildeten Gruppe der "Freunde Venezuelas"
geschah.
Die beiden Lager im Kampf um die Macht in Venezuela
stehen einander weiter unversöhnlich gegenüber. Streik
und ziviler Widerstand der ausserparlamentarischen
Opposition dauern seit 51 Tagen ohne Unterbruch. Mehr unter:
Mexikos Bauern gegen Freihandelsvertrag NAFTA.
Mi.22.01.03 - Als wütende Landwirte am 10. Dezember des vergangenen
Jahres Absperrungen zum mexikanischen Abgeordnetenhaus
niederrissen und mit Pferden ins Parlament einritten, war die
Entrüstung einiger Mandatsträger und der Regierung groß.
Möglicherweise müssen sie sich in den kommenden Monaten
auf weitaus heftigere Proteste einrichten. Immer mehr
mexikanische Bauern laufen Sturm gegen die Agrarpolitik ihrer
Regierung. Unter anderem fordern sie eine Neuverhandlung
des Agrarkapitels im Nordamerikanischen Freihandelsvertrag
NAFTA zwischen Mexiko, Kanada und den USA. Mit den am
Montag begonnenen nationalen Aktionstagen zur Rettung der
Landwirtschaft lief eine neue Mobilisierungswelle der
verschiedenen Bauernorganisationen an. Eine Doppelstrategie
aus Verhandlungen und Proteste soll Präsident Vicente Fox
und sein Kabinett zu Zugeständnissen zwingen. (Quelle: jw) Mehr unter:
In Italien eskaliert Streit zwischen Berlusconi und der Justiz.
Mi.22.01.03 - Der Konflikt zwischen der italienischen Regierung
und dem Richterstand eskaliert. Justizminister
Roberto Castelli kündigte am Montagabend
Disziplinarverfahren gegen politisch aktive
Richter an. Mehr unter:
Demonstrationen gegen das Weltwirtschaftsforum in Davos.
Mi.22.01.03 - Seit heute demonstrieren Globalisierungskritiker
gegen das Spitzentreffen der Weltwirtschaft in Davos
"Noch nie dagewesene Sicherheitsmaßnahmen", "so
viele Polizisten wie noch nie" - vor dem morgen in Davos
beginnenden World Economic Forum (WEF) stehen die
diesjährigen Superlative der Veranstaltung schon fest. Für die
Sicherheit der etwa 2.000 Spitzenvertreter aus Wirtschaft und
Politik in Davos - unter ihnen US-Außenminister Colin Powell und
der neue brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva - werden
fast 15 Millionen Franken (etwa 10 Millionen Euro) ausgegeben. (Quelle: taz) Mehr unter:
Europa: Kritik im Konvent an der EU-Doppelspitze.
Mi.22.01.03 - Der deutsch-französische Vorschlag für die künftige europäische Verfassung ist auch vom
EU-Konventspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing kritisiert worden. Die vorgeschlagene Wahl des
EU-Kommissionspräsidenten durch das Parlament "könnte zu einer Politisierung der Kommission führen",
sagte Giscard der Pariser Tageszeitung "Le Figaro". In einem solchen Umfeld werde es für den Kommissionspräsidenten
schwierig sein, "das gemeinsame europäische Wohl zu verkörpern". Bundesaußenminister Joschka
Fischer und sein französischer Kollege Dominique de Villepin verteidigten am
zweiten Tag der Konventsdebatte in Brüssel den Vorschlag ihrer Regierungen.
Wichtiger als die Wahl des Präsidenten durch die Kommission wäre nach Giscards
Worten ein Überdenken des Verfahrens zur Kandidatensuche. Der Vorschlag, neben
dem EU-Kommissionspräsidenten einen auf Jahre gewählten EU-Ratspräsidenten zu installieren, wurde von Giscard
im Kern befürwortet.
Vor allem aus den kleinen EU-Staaten hagelte es Kritik. Was die EU jetzt nicht brauche, sei ein neuer Präsident,
sagte der niederländische Vertreter im Reformkonvent, Gijs de Vries. Das institutionelle Gleichgewicht würde schwer
beschädigt werden, fügte der belgische Außenminister Louis Michel hinzu.
Fischer verteidigte den vergangene Woche von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und dem französischen
Präsidenten Jacques Chirac vorgelegten Reformvorschlag. Ziel sei es, die Stellung der Kommission und des
EU-Parlaments zu stärken. De Villepin sagte, Deutschland und Frankreich wollten eine Brücke zwischen den kleinen
und den großen Mitgliedstaaten bauen. Eine Konkurrenz werde es nicht geben, da beide Präsidenten unterschiedliche
Aufgaben hätten.
Der EU-Reformkonvent soll in einem halben Jahr eine Verfassung für die Europäische Union vorlegen. Die 105
Mitglieder tagen regelmäßig seit fast einem Jahr. Sie wollen die Verfassung bis Ende des Jahres im Rahmen einer
Regierungskonferenz verabschieden. (Quelle: afp) Mehr unter:
EU einigt sich auf Kompromiss zur Zinsbesteuerung.
Mi.22.01.03 - Die EU-Finanzminister haben sich auf einen lang erwarteten Kompromiss über die
grenzüberschreitende Besteuerung von Zinseinkünften geeinigt.
"Wir machen Schluss mit Steuerhinterziehung in Europa und darüber hinaus", sagte Bundesfinanzminister Hans
Eichel (SPD) in Brüssel nach der Sitzung am Dienstag. Österreich, Luxemburg und Belgien sollten ab 2010 eine
Quellensteuer von 35 Prozent auf Zinserträge von
Ausländern erheben. Die übrigen zwölf EU-Staaten sollen ab 2004 Informationen
über Geldanlagen von EU-Bürgern austauschen. Österreichs Finanzminister
Karl-Heinz Grasser sagte, er sei zuversichtlich, dass Österreich sein
Bankgeheimnis damit auch über 2010 hinaus gesichert habe.
Vor allem Differenzen zwischen Österreich, Luxemburg und Belgien einerseits und
Großbritannien und Deutschland andererseits hatten lange eine Einigung verhindert.
Der jetzt erzielte Kompromiss ist auch Grundlage für Abkommen mit Drittstaaten,
allen voran der Schweiz. Die Dreiergruppe hatte Nachteile für ihre Banken
befürchtet, falls sie strengeren Regeln unterworfen würden als Institute anderer
Finanzplätze außerhalb der EU. (Quelle: rtr) Mehr unter:
40 Jahre deutsch-französischer Freundschaft.
Mi.22.01.03 - Deutschland und Frankreich unterstreichen ihre Jahrzehnte
andauernde Freundschaft heute mit einem Festakt zum 40. Jahrestag des
Elysée-Vertrages. Im Schloss Versailles treffen sich die etwa 900 Volksvertreter
beider Parlamente zu einer gemeinsamen Sitzung. Präsident Jacques Chirac und
Bundeskanzler Gerhard Schröder wollen zum Auftakt eine gemeinsame Erklärung
zur Vertiefung der Zusammenarbeit beider Länder vorstellen. Die Feiern zum
Elysée- Vertrag gehen morgen in Berlin weiter. (Quelle: dpa) Mehr unter:
Deutschland: Gerangel um neues Arbeitsmarkt-Bündnis.
Mi.22.01.03 - Der Streit über ein neues Bündnis für Arbeit hält
trotz der grundsätzlichen Bereitschaft von Arbeitgebern und
Gewerkschaften an. Industriepräsident Michael Rogowski wies
die Gewerkschaftsforderung zurück, die Unternehmen sollten als
"Nagelprobe" für die Bündnisgespräche mehr Ausbildungsplätze
zur Verfügung stellen. DGB-Chef Michael Sommer hatte am
Dienstag Sanktionen verlangt, falls die Wirtschaft diese
"Selbstverpflichtung" nicht einhalte.
Einer Bündnisrunde stimmte er nach einem Gespräch mit
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und den Vorsitzenden
der Einzelgewerkschaften jedoch zu. Ein Termin wurde nicht vereinbart. Rogowski
betonte, gesetzliche Sanktionen seien der falsche Geist für Bündnisgespräche.
"Wenn es um Verpflichtungen geht, dann sollen sich die Gewerkschaften auch zu
einer höheren Flexibilisierung der Arbeitszeiten verpflichten", sagte er im
Deutschlandradio Berlin. Das Bündnis müsse dafür da sein, sich über Grundlinien
der Arbeitsmarkt-, Steuer-, Finanz- und Tarifpolitik zu verständigen, um Deutschland
auf einen neuen Weg zu bringen. (Quelle: dpa)
Gewerkschaften weiter gegen Kündigungsschutz-Abbau.
Mi.22.01.03 - Im Streit um den Abbau des Kündigungsschutzes haben die
Gewerkschaften auch nach dem Treffen mit Bundeskanzler
Gerhard Schröder (SPD) kein Einlenken signalisiert. "Für ein
Bündnis für Sozialabbau stehen wir nicht zu Verfügung", sagte
Gewerkschaftschef Michael Sommer in Berlin.
In der Pressekonferenz vermied Schröder eine klare Festlegung.
Er betonte aber, dass er den Clement-Vorstoß im Grundsatz unterstütze.
Clement hatte vergangene Woche ins Gespräch gebracht, in kleinen
Betrieben den vollen Kündigungsschutz erst ab einer Schwelle von
zehn Beschäftigten statt wie bisher fünf Beschäftigten gelten zu lassen.
Der Kanzler zeigte Verständnis dafür, dass der Kündigungsschutz für die
Gewerkschaften ein "außerordentlich schwieriges Thema" sei.
Es sei klar, dass die Gewerkschaften da zurückhaltender als er
und sein Wirtschaftsminister Wolfgang Clement seien. (Quellen: afp, fr)
Stichwort: Kündigungsschutz:
"Ich-AG" ist Unwort des Jahres 2002.
Mi.22.01.03 - Die "Ich-AG" ist das Unwort des Jahres 2002. Der Begriff
aus dem Hartz-Papier leide bereits "sachlich unter
lächerlicher Unlogik, da ein Individuum keine
Aktiengesellschaft sein kann", begründete die Jury um den
Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser in Frankfurt
am Main ihre Entscheidung. Auf Platz zwei und drei
landeten die Bezeichnung "Ausreisezentrum" für
Sammellager, aus denen abgewiesene Asylbewerber abgeschoben werden, und das
Wort "Zellhaufen" für einen menschlichen Embryo im Frühstadium. Zur Auswahl
standen in diesem Jahr 806 Vorschläge.
Ausschlaggebend für die Wahl der Wortbildung "Ich-AG" zum Unwort des Jahres
war der Jury zufolge die "Herabstufung von menschlichen Schicksalen auf ein
sprachliches Börsenniveau". Das Wort sei selbst als "ironisches Bild" nicht
hinzunehmen, da sich die aktuelle Arbeitslosigkeit mit solcher Art von Humor kaum
noch vertrage. Mit der "Ich-AG" will die Bundesregierung erreichen, dass
Schwarzarbeiter in den legalen Arbeitsmarkt zurückkehren, indem sie mit finanzieller
Unterstützung des Arbeitsamtes, einer sozialen Absicherung und
Steuererleichterungen Kleinstunternehmen gründen. (Quellen: afp,sz)
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