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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Sa.25.01.03 USA zeigen sich zu Krieg gegen Irak entschlossen.
Sa.25.01.03 - Präsident George W. Bush wird die US-Bürger in der
kommenden Woche auf einen möglichen Krieg gegen den Irak vorbereiten. Der
Kommunikationsdirektor des Weißen Haues, Dan Bartlett, sagte, der Präsident
werde bei seiner Rede zur Lage der Nation am Dienstag erklären, dass die
US-Streitkräfte zu einer Invasion des Iraks bereit stünden. Der US-Sender CBS
berichtet indes, nach Plänen des Pentagon könnten Luftwaffe und US-Marine an
einem Tag im März bis zu 400 Marschflugkörper auf den Irak abschießen.
Bereits nach dem Bericht der UN-Kontrolleure vor dem Sicherheitsrat am Montag
könnte US-Außenminister Colin Powell laut der britischen Tageszeitung "The
Guardian" Belege für den irakischen Verstoß gegen UN-Resolutionen vorlegen, um
damit einen Angriff zu rechtfertigen. Der Befehl zum Angriff sei beschlossene
Sache, berichtete das Blatt unter Berufung auf Quellen in Washington.
"Der Präsident hält die irakische Weigerung, irakischen Wissenschaftlern
vertrauliche Gespräche mit den UN-Inspekteuren zu erlauben, für inakzeptabel",
sagte Fleischer. "Darüber kann nicht verhandelt werden. Es gibt nichts zu
debattieren. Saddam Hussein hat keine andere Wahl. Um den Frieden zu erhalten,
muss der Irak die Wissenschaftler zu den vertraulichen Gesprächen anhalten, und
zwar ohne Verzögerung und ohne Debatten", sagte Präsidentensprecher Ari Fleischer.
Mit seinem Verhalten sorge der irakische Präsident Saddam
Hussein dafür, dass "das Ende der Fahnenstange" noch näher rücke, warnte
Fleischer.
Nach der UN-Resolution 1441 können die Inspekteure irakische Wissenschaftler
befragen, die mit der Entwicklung biologischer, chemischer, atomarer oder
ballistischer Waffen befasst waren. Dazu können die Wissenschaftler auch außer
Landes gebracht werden.
Die Waffenkontrolleure der Vereinten Nationen deckten gerade "eindeutige Beweise"
dafür auf, dass der irakische Machthaber Saddam Hussein "die UNO immer noch
anlügt", sagte NATO-Generalsekretär George Robertson. Falls der irakische
Präsident seinen Kurs nicht "vollständig" ändere, müsse die internationale
Gemeinschaft "handeln", um ihr Gesicht nicht zu verlieren.
Unterdessen planen die USA einem Fernsehbericht zufolge zum Auftakt eines Irak-Kriegs den Abschuss von 300 bis
400 Marschflugkörpern an einem Tag, mehr als während des gesamten Golfkriegs 1991 abgefeuert wurden. Der
US-Fernsehsender CBS berichtete unter Berufung auf Verteidigungskreise von einem entsprechenden Angriffsplan mit
dem Titel "shock and awe" (etwa: Schockieren und Ehrfurcht einflößen). Der Plan konzentriere sich auf die
psychologische Zerstörung des Kampfwillens des Feindes, weniger auf die physische Zerstörung seiner Armee. Das
US-Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme ab.
(Quellen: dpa, afp, rtr)
US-Amerikaner müssen mit spontaner Evakuierung rechnen.
Sa.25.01.03 - US-Amerikaner im Ausland müssen damit rechnen, dass
Washington sie spontan evakuiert. Das US-Außenministerium hat eine
entsprechende Meldung an alle US-Botschaften verschickt. Darin heißt es, die
Amerikaner müssten vorbereitet sein, beispielsweise bei Terrorattacken oder
politischen Unruhen schnell das Land verlassen zu können. Es sei stets
angebracht, sich für solche Notfälle zu wappnen. Die Reisedokumente sollen immer
bei der Hand sein. (Quelle: afp)
Amerikanische Börsen schließen schwächer - Kriegsängste belasten.
Sa.25.01.03 - Die zunehmende Angst vor einem Militärschlag der USA gegen Irak
sowie Einbußen bei Energie- und Versicherungsaktien haben am Freitag für
deutliche Kursverluste an der Wall Street gesorgt. Die maßgeblichen Indizes für die
Standardwerte und den breiten Markt fielen zeitweise so tief wie seit drei Monaten
nicht mehr.
Der Dow-Jones-Index verlor am Freitag zum Handelsschluss 2,85
Prozent auf rund 8131 Zähler. Die US-Technologiebörse Nasdaq (NASDAQ:
Nachrichten) gab 3,32 Prozent auf rund 1342 Punkte nach, und der breiter gefasste
S&P-500-Index sank um 2,92 Prozent auf rund 861 Zähler.
Angesichts der anhaltenden Kriegsängste seien die Investoren nervös und nähmen
Gewinne mit. "Gerüchte rasen wild durcheinander und Kriegsängste tragen zu der
Unsicherheit bei, weil die Investoren nervös werden", sagte Alan Ackerman,
Chefmarktstratege bei Fahnestock & Co. Die Preise für Gold und Öl stiegen am
Freitag kräftig. Die Investoren suchten nach Händlerangaben Sicherheit durch
Anlagen in Staatsanleihen.
Die Angst vor einem Krieg gegen Irak nimmt Händlern zufolge am Markt zu, seitdem
die USA ihre militärische Präsenz in der Golfregion verstärken. Die USA haben Irak
am Freitag erneut den Besitz von Massenvernichtungswaffen vorgeworfen. Am
nächsten Montag werden UNO-Chefinspekteur Hans Blix und der Chef der
Internationalen Atomenergiebehörde, Mohamed ElBaradei, dem UNO-Sicherheitsrat
einen umfassenden Bericht über die Waffenkontrollen im Irak vorlegen. Dieser gilt
als entscheidend für die weitere Entwicklung der Krise. Außerdem will US-Präsident
George W. Bush in der kommenden Woche eine Rede an die Nation halten.
Nach Händlerangaben belasteten außerdem Kursverluste bei Energie- und Versicherungstiteln den Markt. Der
Aktienkurs von CMS Energy (NYSE: CMS - Nachrichten) fiel rund 28,9 Prozent auf 6,07 Dollar. Das Unternehmen
hatte mitgeteilt, für das Geschäftsjahr 2002 seien wegen Abschreibungen auf Vermögenswerte hohe Verluste zu
erwarten. Die Papiere von American Electric Power gaben rund 4,6 Prozent auf 25,65 Dollar nach. Das Unternehmen
war im vierten Quartal in die Verlustzone gerutscht. Die Titel des Versicherungskonzerns AIG verloren rund acht
Prozent auf 56,04 Dollar. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hatte ihre Bewertung für den gesamten
Sachversicherungssektor gesenkt und dies unter anderem mit der anhaltend schwachen US-Konjunktur begründet.
(Quelle: rtr)
USA wollen Irak-Krieg zum Schutz der Ölquellen schnell beenden.
Sa.25.01.03 - Die USA wollen einen möglichen Krieg in Irak schnell beenden, um Schaden
von den Ölfeldern des Landes abzuwenden. Nach Angaben eines hochrangigen
US-Militärs aus dem US-Zentralkommando fürchtet Washington, dass der irakische
Machthaber Saddam Hussein angesichts einer Niederlage die Ölquellen zerstören
könnte. Deshalb würden bereits entsprechende Pläne erarbeitet, um die Ölfelder zu
schützen, sagte der US-Vertreter, der nicht genannt werden wollte. Experten aus
der Ölindustrie erarbeiteten gleichzeitig Pläne, wie mögliche Schäden schnell
behoben werden könnten. (Quelle: afp)
Ein Krieg um Öl? Aber ja!
"Natürlich ist es ein Reflex, dieses
"Es-geht-in-Wirklichkeit-um-Öl-und-deshalb-sind-wir-dagegen".
Und natürlich ist das zu einfach, denn es geht ja nicht nur
um Öl, sondern auch um Militärpräsenz, die Sicherheit
Israels, das Zurückdrängen des wahabitischen militanten
Islams aus Saudi-Arabien mit seinen Verbindungen ins
saudische Herrschaftssystem hinein, die strategische
Neuordnung von Freund und Feind unter Kontrolle der USA.
Und vielleicht ein bisschen um mögliche
Massenvernichtungswaffen, denn noch sind die USA und Israel in
der Region die Einzigen, die über solche verfügen, und diese
Vormachtstellung gilt es aufrecht zu erhalten. All das sind
verständliche Ziele der US-Regierung. Nur: Mit Ausnahme der
berechtigten Sorge um Giftgas oder Biowaffen in den Händen von
Diktatoren, Terroristen oder Verrückten gibt es wenig Anlass,
diese Ziele zu teilen." (taz-Redakteur Bernd Pickert, taz - 24.01.03)
Ja, aber ..."Natürlich geht es im Irak um Öl - auch um Öl. Aber das
allein ist noch kein Argument gegen einen neuen Golfkrieg.
In der internationalen Politik ist es legitim, dass jeder Staat
sein wohlverstandenes Eigeninteresse vertritt. Wer diese
Interessen vernachlässigt, handelt verantwortungslos.
Kaum ist die Debatte über einen möglichen Irakkrieg in ihre heiße
Phase eingetreten, tauchen die alten Argumente wieder auf. Vom
Nobelpreisträger Günter Grass bis zu den Redakteuren des
Spiegel entdeckten plötzlich weite Teile der deutschen
Öffentlichkeit, die USA wollten 'Blut für Öl' fließen lassen. Die
vermeintliche Enthüllung wirkte in doppelter Weise naiv: Erstens
war ohnehin jedem Kundigen längst klar, dass es zumindest auch
um Öl geht, wann immer es am Golf kriselt. Und zweitens sagt
diese Feststellung noch überhaupt nichts darüber aus, ob ein
Angriff auf den Irak zu rechtfertigen ist oder nicht.
Eine verantwortungsvolle Politik für den Nahen und Mittleren Osten
lässt sich nicht betreiben, ohne den Faktor Öl ins Kalkül zu
ziehen. Das gilt schon deshalb, weil die Öleinnahmen seit
Jahrzehnten die überkommenen Herrschaftsstrukturen der Region
künstlich stabilisieren und jede wirkliche Modernisierung
verhindern.
Vieles spricht dafür, dass dieses System zumindest in
Saudi-Arabien nicht mehr lange funktioniert. Die USA haben das
lange, zu lange ignoriert. Erst der 11. September hat der
Regierung in Washington klar gemacht, dass sie auf das
Königreich nicht länger bauen kann. Also sucht sie nach anderen
Mitteln und Wegen, die Region zu stabilisieren - und damit, warum
nicht, auch die Ölversorgung des Westens sicherzustellen. Sie
glaubt, diesen Weg in einem erzwungenen Regimewechsel im Irak
gefunden zu haben." (taz-Redakteur Ralph Bollmann, taz - 24.01.03)
360.000 Flugblätter über Irak abgeworfen.
Sa.25.01.03 - Amerikanische und britische Flugzeuge haben am Freitag rund
360.000 Flugblätter über der südlichen Flugverbotszone in Irak abgeworfen. Wie das
US-Zentralkommando erklärte, wurden die Iraker darin aufgefordert, amerikanische
Radioübertragungen einzuschalten. Ausserdem wurden irakische Soldaten gewarnt,
nicht an Flugabwehreinrichtungen zu arbeiten, da diese unter Feuer geraten
könnten.
Die Flugblätter wurden auf der Halbinsel El Faw und nahe der Ortschaft An
Nadschaf abgeworden, rund 140 Kilometer südöstlich von Bagdad. Auf den Zetteln
wurden Radiofrequenzen angegeben, auf denen die amerikanischen und britischen
Streitkräfte in der Nacht Programme in arabischer Sprache senden. In den
Programmen geht es um die laufenden UN-Waffenkontrollen in Irak und die
Menschenrechtsverstösse des Regimes. Die Signale werden von Militärflugzeugen
aus der Luft übertragen und sollen die Unterstützung für Staatschef Saddam
Hussein in der Bevölkerung schwächen. (Quelle: ap)
U.S.Central Command: Leaflets Dropped Over Iraq 24 January 2003:
US-Kriegsverbrechen:
Sa.25.01.03 - Namhafte US-Anwälte haben Washington vor möglicher Strafverfolgung
hochrangiger Regierungsvertreter wegen Kriegsverbrechen bei einem Angriff auf Irak
gewarnt. Menschenrechtsverstöße der US-Truppe und ihrer Alliierten während des
Golfkriegs 1991, des Kosovokriegs und in Afghanistan seien "ausführlich belegt",
hieß es in einem am Freitag veröffentlichten Brief an US-Präsident George W.
Bush. Es gebe daher Grund zu der Annahme, dass es auch bei einem erneuten
Irak-Krieg wieder zu Rechtsbrüchen kommen würde. In diesem Fall könnten auch
Mitarbeiter der US-Regierung angeklagt werden, schrieben die Experten weiter. Der
Brief ist von mehr als einhundert Jura-Professoren und nicht-staatliche
Organisationen unterzeichnet. (Quelle: afp)
Bei einem Massaker am Ende des Afghanistankrieg
sind fast 1000 gefangene Taliban- Soldaten von einem der engsten Verbündeten der
Amerikaner abgeschlachtet worden. Und, noch schlimmer: US-Spezialtruppen sollen
an Folter und Massenmord beteiligt gewesen oder dem Massaker zumindest tatenlos
zugeschaut haben.
Ereignet haben soll sich das Massaker in der Nähe der nordafghanischen Stadt
Masar-i-Scharif, im Herrschaftsgebiet des berüchtigten Usbeken-Generals
Abdul-Raschid Dostum. Ende 2001 seien Hunderte Männer in der Wüste Dasht-i- Leili
erschossen worden. Andere seien erstickt in Stahlcontainern, die verschlossen in der
prallen Sonne abgestellt worden seien. Mehr unter:
Superministerium für Heimatschutz in USA nimmt Arbeit auf.
Sa.25.01.03 - Die neue US-Heimatschutzbehörde hat in Washington ihre Arbeit
aufgenommen. Ihr Leiter, der ehemalige Gouverneur von Pennsylvania, Tom Ridge,
wurde am Freitag im Weißen Haus vereidigt. Präsident George W. Bush sprach mit Blick auf
die Terroranschläge vom 11. September von einer "vitalen Mission" für das neue
Ministerium. Die USA hätten erfahren, dass auch große Ozeane das Land nicht
mehr vor Terroranschlägen schützen.
Die Heimatschutzbehörde wurde als
Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September gegründet und soll die Arbeit
von 22 sicherheitsrelevanten US-Bundesbehörden mit 170.000 Bediensteten
koordinieren. Die eigentliche Arbeit beginnt für sie nach einer Übergangszeit von fünf
Wochen am 1. März.
Mit einem ersten Jahresbudget von 33 Milliarden Dollar unterhält die Behörde unter
anderem eine eigene Analyseabteilung, die Informationen des Geheimdienstes CIA
und der Bundespolizei FBI auswertet. Ebenfalls in die Zuständigkeit der
Heimatschutzbehörde (Department of Homeland Security) fällt die Koordinierung von
zwei Millionen Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungssanitätern im ganzen Land.
Die Schaffung der Behörde ist die größte Verwaltungsreorganisation in den USA
seit Schaffung des Verteidigungsministeriums 1947. (Quellen: dpa, ap)
FBI befragt 50.000 in USA lebende Iraker.
Sa.25.01.03 - Auf der Suche nach möglichen Terrorzellen oder Spionen befragt
die US-Bundeskriminalpolizei bis zu 50.000 in den USA lebende Iraker. Wie ein
ranghoher Regierungsbeamter am Freitag der Nachrichtenagentur AP sagte,
begannen die Befragungen bereits vor sechs Wochen und werden sich über mehrere
Monate hinziehen. Die Regierung will den Angaben zufolge mit der
Massenbefragung Personen aufspüren, die den USA schaden wollen. Das FBI
sucht aber auch nach Leuten, die daran interessiert sind, der US-Regierung beim
Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein zu helfen. Nach Angaben des
Irakisch-Amerikanischen Rates leben in den USA etwa 300.000 Menschen
irakischer Herkunft. (Quelle: ap)
Daten ausländischer Studenten von Universitätsrechner gestohlen.
Sa.25.01.03 - Unbekannte Hacker haben von einem Rechner der Universität von
Kansas Daten ausländischer Studenten gestohlen, die die Hochschule
entsprechend einer Anordnung der US-Regierung gesammelt hatte. Nach Angaben
von Experten könnten damit Ausweise und Dokumente gefälscht werden. Ermittler
der US-Bundespolizei versuchten am Freitag, den oder die Urheber des Angriffs
festzustellen. Sie waren in der vergangenen Woche mehrere Male in den
Universitätsrechner eingedrungen. Gestohlen wurden die Daten von 1.450
Studenten, darunter Sozialversicherungs- und Ausweisnummern, Herkunftsländer
und Studiengebiete. Das US-Heimatschutzministerium hatte die Sammlung der
Daten angeordnet, um die Bewegungen von Ausländern in den USA besser
verfolgen zu können. (Quelle: ap)
EU-Chefdiplomat Solana fordert mehr Zeit für Waffeninspektoren
Sa.25.01.03 - Kurz vor der Vorstellung des Berichts von UN-Chefinspektor Hans Blix am
Montag im Weltsicherheitsrat hat EU-Chefdiplomat Javier Solana mehr Zeit für die
Kontrolleure im Irak gefordert. Den Inspektoren müssten "alle Instrumente und die
Zeit gegeben werden, die sie benötigen, um ihre Kontrollen gründlich
durchzuführen", sagte Solana der "Bild am Sonntag". Dabei sei es "unbedingt
erforderlich, dass Saddam Hussein besser mitarbeitet als in der Vergangenheit",
mahnte der EU-Politiker. Der irakische Staatschef müsse nachweisen, dass er über
keine Massenvernichtungswaffen mehr verfügt. Zugleich machte Solana deutlich,
dass er vor einem möglichen Angriff auf den Irak eine weitere Resolution des
UN-Sicherheitsrats für erforderlich hält: "Dies hat der Sicherheitsrat zu entscheiden.
Aber ich bin der Meinung, dass es das Beste wäre, wenn wir eine zweite Resolution
hätten."
USA kritisieren Rufe nach mehr Zeit für Irak-Waffeninspektionen.
Sa.25.01.03 - Die USA haben Kritik an Forderungen nach mehr Zeit für Inspektionen
in Irak geübt.
"Mehr Zeit wofür? Damit die Inspektoren was tun können? Was werden wir in zwei
bis drei Monaten wissen, angesichts des höchstwahrscheinlich unkooperativen
Verhaltens des Irak?" sagte US-Außenminister Colin Powell in einem am Samstag
veröffentlichten Interview der britischen "Financial Times" mit Blick auf Forderungen,
wie sie etwa Deutschland und Frankreich erheben. In ihrem am Montag fälligen
Bericht an den Sicherheitsrat werden die Inspektoren einem Sprecher zufolge
voraussichtlich erklären, dass die Zusammenarbeit Iraks mit den Inspektoren
ausreichend, aber deutlich verbesserungsfähig sei.
"Ich habe noch nichts von meinen europäischen Kollegen vernommen, wann sie mit Blick auf die Inspektionen
zufrieden wären", sagte Powell der Zeitung weiter. Es gehe nicht um die Inspektoren. Irak sei das Problem. Die USA
hatten Irak am Freitag erneut vorgeworfen, das Land sei im Besitz von Massenvernichtungswaffen und widersetze sich
vorsätzlich den UNO-Inspektionen. Etliche Mitglieder des Sicherheitsrats befürchten, die USA könnten den am
Montag fälligen Bericht der Waffeninspektoren als Grund für einen Krieg gegen Irak nehmen.
"Die irakische Regierung bekommt die Note zwei", sagte der Internationalen Atomenergiebehörde
Mark Gwozdecky der Nachrichtenagentur AP in Wien. Demnach erhielten die
Kontrolleure, die irakische Rüstungsanlagen auf etwaige Atomwaffen überprüfen
wollten, in der Regel ungehindert Zugang zu den Orten ihrer Wahl. Deshalb habe
das IAEA-Team grosse Fortschritte erzielt. Für einen erfolgreichen Abschluss der
Arbeit würden aber noch mehrere Monate benötigt. Dies werde IAEA-Generaldirektor
Mohamed ElBaradei dem Weltsicherheitsrat mitteilten.
Blix erklärte in New York, seine Inspekteure würden zwar nicht behindert, doch
kooperiere Bagdad nicht vollständig mit den UN. Er kritisierte, dass Irak den
Rüstungskontrolleuren Flüge mit Aufklärungsmaschinen vom Typ U2 verweigere. Der
irakische Generalleutnant Hossam Mohammed Amin erklärte dazu, diese Flugzeuge
seien in der Vergangenheit zur Spionage für den US-Geheimdienst CIA missbraucht
worden.
Zwei der fünf ständigen Ratsmitglieder mit Vetorecht, Frankreich und Russland, haben sich gegen einen übereilten
Irak-Krieg ausgesprochen. China, ebenfalls ständiges Ratsmitglied, hatte am Donnerstag erklärt, seine Position sei
der französischen extrem nahe. Auch Deutschland, das seit Januar nichtständiges Mitglied des Sicherheitsrates ist,
lehnt einen Irak-Krieg ab. Die übrigen ständigen Ratsmitglieder USA und Großbritannien haben erklärt, Irak notfalls
auch ohne ausdrückliches UNO-Mandat angreifen zu wollen. (Quellen: rtr, ap)
US-Abgeordnete fordern Achtung der Arbeit der UN-Inspekteure.
Sa.25.01.03 - Mehr als 120 demokratische Abgeordnete haben am Freitag in
einem offenen Brief an an Präsident George W. Bush appelliert, Irak nicht
anzugreifen, bis die Inspekteure der Vereinten Nationen ihre Arbeit beendet hätten.
Die UN-Inspekteure wollen am Montag im Sicherheitsrat einen ersten Bericht über
ihre Arbeit in Irak vorlegen, sie haben aber schon angedeutet, dass die ganze
Untersuchung zu möglicherweise in Irak versteckten Massenvernichtungswaffen ein
Jahr dauern könne.
"Wir sind der Ansicht, dass die USA alles versuchen sollten, um Irak über
diplomatische Mittel und mit der vollen Unterstützung unserer Verbündeten zu
entwaffnen", heisst es in dem Schreiben. Angesichts des US-Truppenaufmarschs
sind wird aber vielfach mit einem Angriff in den kommenden Wochen gerechnet. Das
stimme aber nicht mit der Haltung der meisten Amerikaner überein, erklärte der
Abgeordnete Sherrod Brown aus Ohio. Auch für sie sei der Krieg nur das letzte
Mittel. (Quelle: ap)
Irak-Streit zwischen USA und Europa auch in Davos entbrannt.
Sa.25.01.03 - Der Streit zwischen den USA und europäischen Verbündeten über
einen Irak-Krieg ist auch beim Weltwirtschaftsforum [http://www.weforum.org] in Davos entbrannt.
Der Leiter der Abteilung für politische Planung im US- Außenministerium, Richard
Haass, sagte am Freitag während einer öffentlichen Debatte, die USA hätten die
Öffentlichkeit noch nicht von ihrem Standpunkt überzeugen können. Haass gab auf
Fragen von europäischen und arabischen Teilnehmern keine Zusicherung, dass die
USA sich vor einem Irak-Krieg um eine neue Resolution im UNO-Sicherheitsrat
bemühen würden. Der Präsident des EU-Parlaments, Pat Cox, sagte, die
Öffentlichkeit müsse überzeugt werden. "Wir brauchen mehr klare Beweise."
Die USA werfen Irak den Besitz von Massenvernichtungswaffen vor, haben aber
dafür öffentlich keine Beweise vorgelegt. Die USA haben Irak mit einem
Militärschlag gedroht, sollte das Land die Forderungen in der UNO-Resolution 1441
nach Abrüstung nicht erfüllen.
"Ich sitze hier und verstehe nur zu gut, dass wir die Welt von unserem Standpunkt
überzeugen müssen", sagte Haass. Ein Krieg sei noch nicht unausweichlich. Der
ehemalige israelische Außenminister Schimon Peres sagte der Nachrichtenagentur
Reuters, Deutschland und Frankreich sollten ihre eigene Strategie zum Kampf gegen den Terrorismus vorlegen, statt
über die US-Politik zu nörgeln. "Man kann nicht herkommen und die US-Politik kritisieren, ohne eine sehr ernste
Alternative zu haben", sagte er. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, sagte, der Bericht der
UNO-Inspektoren am Montag könne nicht Auslöser eines Kriegs sein. "Wir sind nicht überzeugt. Wo ist die
Rechtfertigung für einen Krieg?", fragte er.
Politische Experten in Davos sagten, die Beziehungen zwischen Europa und den USA seien so schlecht wie seit
Jahrzehnten nicht mehr. Es gehe über den Irak-Streit in dieser Woche hinaus: Unterschiedliche Ansichten über
Wertefragen wie Abtreibung, die Todesstrafe und das Waffenrecht hätten dem Anti-Amerikanismus in Europa Auftrieb
gegeben. Auch Wirtschaftsexperten zeigten sich besorgt. "Obwohl der Markt unglücklich über einen möglichen
Irak-Krieg war, ist er sogar noch weniger glücklich über die Vorstellung größerer Differenzen zwischen Europa und der
USA in dieser Frage", sagte Shahab Jalinoos von UBS Warburg. (Quelle: rtr)
Streit im westlichen Lager: Verabredetes Theater mit verteilten Rollen?
"Wer sich mit der Irak-Krise befasst, sollte sich bewusst machen, dass die "Wahrheit"
möglicherweise längst vernebelt ist. Und dass hinter dem Streit im westlichen Lager ein
verabredetes Theater mit verteilten Rollen stecken könnte. Die USA und Großbritannien –
Cowboys und Robin Hood – spielen die unerschrockenen Kämpfer, die Saddam Hussein
jagen, notfalls auch jenseits des Völkerrechts; Deutschland und Frankreich markieren die
Hüter des Gesetzes, wodurch sie den diplomatischen Kanal offen halten. So kann der irakische
Diktator bis zuletzt schlecht einschätzen, wie seine Aktien stehen. Und so hält sich der Druck
der Straße in Grenzen, wie die verhaltenen Friedensdemostrationen in Deutschland zeigen.
Aber wenn es doch zum Krieg kommt? Dann wird ein Weg da sein, die beiden Züge der
transatlantischen Verbündeten in kürzester Zeit wieder zusammenzukoppeln. Zum Beispiel
über "neue" Beweise aus Geheimdienstquellen. Und mit schnellen militärischen Erfolgen
wird die öffentliche Meinung ohne großes Zutun willig folgen." (Deister und Weserzeitung, 26.01.03)
Deutsch-amerikanische Schadensbegrenzung nach Eklat wegen Irak.
Sa.25.01.03 - Nach dem Schlagabtausch in der Irak-Frage haben sich die USA
und Deutschland am Freitag um Schadensbegrenzung bemüht. Unterdessen
betonte nun auch Russland Gemeinsamkeiten mit der deutsch-französischen
Ablehnung eines Irak-Kriegs.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zeigte sich von der Kritik des
US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld an der Haltung Deutschlands und
Frankreichs unbeeindruckt. "In einer Auseinandersetzung soll man nicht jedes
Wort auf die Goldwaage legen. Ich tue das nicht", sagte Schröder dem Sender
RTL. In der ARD sagte US-Botschafter Daniel Coats zur Äußerung Rumsfelds: "Ich
meine, dass das ein Ausrutscher war." Das russische Präsidialamt und die
Bundesregierung teilten fast zeitgleich mit, die Position beider Länder sei es, in der
Irak-Krise zwingend alle politischen Mittel auszuschöpfen. Dem Bericht der
UNO-Waffeninspektoren am Montag komme große Bedeutung zu.
Chefwaffeninspekteur Hans Blix wird am 5. Februar mit Schröder in Berlin
zusammentreffen. Am Freitag begann die Bundeswehr mit der Bewachung von
US-Stützpunkten in Deutschland. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums
werden bis zu 2600 Soldaten eingesetzt, darunter auch Wehrpflichtige.
Rumsfeld hatte die Haltung Frankreichs und Deutschlands als Problem bezeichnet.
Beide Länder repräsentierten nicht das "neue Europa", sondern das "alte Europa".
Dazu sagte Schröder, es handle sich um eine "polemische Auseinandersetzung",
in der er sachlich argumentieren wolle. Er sehe in Europa wachsende Zustimmung
für die deutsch-französische Haltung und hoffe auf eine gemeinsame Position beim
EU-Außenministertreffen am Montag. Die Auseinandersetzung werde das gute
deutsch-amerikanische Verhältnis nicht zerstören. Mit Blick auf die
Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen Anfang Februar sagte Schröder in
Gießen, der Kurs der Bundesregierung brauche Unterstützung.
US-Botschafter Coats sagte, Rumsfeld sei ein sehr offener Mensch,
und Diplomaten hätten sich vielleicht anders ausgedrückt als der Minister. Von Deutschland hätten die USA keine
Zustimmung zu einem Irak-Krieg mehr erwartet. "Deutschland ist nicht relevant bei dieser Frage. Wir kannten die
Antwort. Die Antwort war nein. Das gefällt uns nicht. Und wir akzeptieren sie", sagte Coats. Dagegen habe man sich
von Frankreich mehr Unterstützung versprochen.
Coats fügte aber hinzu, die Meinungsverschiedenheiten hätten zweifellos eine negative Wirkung auf die
deutsch-amerikanischen Beziehungen. "Es macht es schwerer. Es gibt viele Punkte, an denen wir zusammenarbeiten
- noch." Von einer Entscheidung auf deutscher Seite "in Richtung Schadensbehebung" könne er derzeit nichts
erkennen, sagte Coats.
Schröder hatte eine Zustimmung Deutschlands zu einem Irak-Krieg im UNO-Sicherheitsrat ausgeschlossen, während
sich Frankreich nicht festgelegt hat, aber ebenfalls einen Krieg vermeiden will. Frankreich hat im Sicherheitsrat
Vetorecht.
Schärfer als Schröder äußerte sich der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller:
"Das junge Amerika übt die alte Inquisition." Rumsfeld zeichne sich nicht durch Vernunft, sondern "ideologische
Verklemmung" aus. "Im Kern geht es um die Herrschaft über die ölreichste Region der Welt, nicht nur um den Irak.
Die USA sind von billigem Öl so abhängig wie der Junkie von der Nadel."
Der stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Hans-Ulrich Klose (SPD),
kritisierte Schröders Festlegung im Deutschlandfunk als verfrüht. Ähnlich äußerte sich CDU-Chefin Angela Merkel.
Wie die Regierung sei sie aber der Meinung, dass den Inspektoren mehr Zeit gegeben werden müsse.
Nach Angaben von Regierungssprecher Bela Anda erörterten Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin am
Freitag die Irak-Frage telefonisch. Das russische Präsidialamt teilte mit, beide hätten die Bedeutung einer politischen
Lösung betont. (Quelle: rtr)
Powell kündigt bessere Darstellung der Irak-Politik Washingtons an.
Sa.25.01.03 - Angesichts zunehmender Kritik der europäischen Verbündeten an der
Irak-Politik der USA hat US-Außenminister Colin Powell Versäumnisse bei der
Darstellung der Haltung Washingtons eingeräumt. Die USA würden ihre Politik nun
"vollständiger" vertreten und mehr Wert auf die Aufklärung der Partner legen,
kündigte Powell in einem Interview mit der britischen "Financial Times"
(Samstagsausgabe) an. (Quelle: afp)
Schröder erklärt Landtagswahlen zur Abstimmung über Irak-Kurs.
Sa.25.01.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die Landtagswahlen
in Hessen und Niedersachsen zur Abstimmung über den Kurs Deutschlands im
Irak-Konflikt erklärt.
Die SPD habe stets die Balance zwischen den Bündnisverpflichtungen und der
Entscheidungsfreiheit in der Politik gegenüber anderen gewahrt, sagte Schröder auf
einer Wahlkampfveranstaltung am Freitag im hessischen Gießen. Er habe aber
Zweifel, ob die Opposition in ihrer Anpassungsbereitschaft dies auch so könne.
"Deshalb brauchen wir Unterstützung für diesen Kurs", sagte Schröder mit Blick auf
die Wahlen Anfang Februar.
Zugleich bekräftigte Schröder, dass Deutschland einer Resolution für einen
Irak-Krieg im UNO-Sicherheitsrat nicht zustimmen werde. Die Legitimation eines
Krieges sei von Deutschland nicht zu haben, sagte Schröder. Wenn die
Waffeninspektoren im Irak mehr Zeit als bis zum 27. Januar brauchten, dann
müssten sie diese haben. Ohne realistische Kenntnisse über die Lage vor Ort dürfe
es kein militärisches Eingreifen geben. An dieser Haltung der SPD werde sich auch
nach den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen am 2. Februar nichts
ändern.
"Wir dürfen nicht zulassen, dass Krieg ein normales Mittel der Politik wird", betonte
Schröder. Er sei besorgt über die derzeitige Debatte um einen Krieg. Immerhin gebe
es momentan kaum ein Land, das so stark kontrolliert werde wie Irak. Krieg könne
immer nur ein letztes Mittel sein, wenn überhaupt keine andere Möglichkeit mehr
bestehe. Er berufe sich dabei auf die Wertvorstellungen, die Europa stark gemacht
hätten - wie die Französische Revolution und die Aufklärung. (Quelle: rtr)
Ex-Generalinspekteur Naumann greift Schröders Irak-Politik an.
Sa.25.01.03 - Der langjährige Bundeswehr-Generalinspekteur Klaus Naumann hat die
Irak-Politik von Bundeskanzler Gerhard Schröderals "verantwortungslos" und
"töricht" kritisiert. Wegen "weltpolitischer Nebensächlichkeiten wie Landtagswahlen"
werde "wieder Anti-Amerikanismus geschürt", schrieb Naumann in einem vorab
veröffentlichten Beitrag für die "Welt am Sonntag". Schröders Festlegung auf die
Ablehnung eines Irak-Kriegs im UN-Sicherheitsrat sei "ebenso töricht wie unnötig"
gewesen. Verweigerung zu einem Zeitpunkt, da im Sicherheitsrat noch um
Lösungen gerungen werde, komme "einem deutschen Verzicht gleich, dieses
Ringen um Frieden noch zu beeinflussen". (Quelle: afp)
Theologen rufen zu Demonstrationen gegen möglichen Irak-Krieg auf
Sa.25.01.03 - Mehr als 200 evangelische und katholische
Theologieprofessoren aus Deutschland und Österreich haben zu
Friedensdemonstrationen aufgerufen und an die Vereinigten Staaten
appelliert, die Kriegsvorbereitungen gegen den Irak zu stoppen.
"Uns als christliche Theologinnen und Theologen kann die
bedrohliche Situation nicht gleichgültig lassen; sie fordert uns
vielmehr in für unserem Glauben grundlegenden Überzeugungen
heraus", schreiben die Wissenschaftler. Zu den Erstunterzeichnern
gehört der 80-jährige Münchner katholische Theologe Eugen Biser,
den eine Freundschaft mit den Unions-Politikern Helmut Kohl und
Theo Waigel verbindet. Weitere Unterstützer sind Hans Küng
(Tübingen), Michael Langer und Norbert Mette (beide Dortmund).
Eine Abrüstung des Iraks lasse sich nur durch konsequenten
"diplomatischen Druck und nicht durch militärisches Eingreifen
erreichen", argumentieren die Theologen; es drohe ein
"Flächenbrand in der vorderasiatischen Region", für eine
demokratische Neuordnung des Iraks existierten keine "klar
angebbaren Vorstellungen". Man habe den Eindruck, "dass neben
den offiziell ausgegebenen Gründen für einen Krieg auch massive
geopolitische Eigeninteressen der USA und ihrer Verbündeten" eine
Rolle spielten, heißt es in dem Appell. Nun müsse „alles darangesetzt
werden", die Vereinten Nationen "wieder zum entscheidenden
Gremium für die Lösung internationaler Konflikte" zu machen.
"Krieg ist immer eine Niederlage für die Menschheit", zitieren die
Wissenschaftler Papst Johannes Paul II. Von der "Option für die
Armen sowie von Jesus Christus, dem Gekreuzigten her" verbinde
sie "eine besondere Mitleidenschaft und Solidarität mit allen, über die
willkürlich Not und Leid verhängt werden". Dazu gehöre "aufgrund
des über den Irak verhängten Embargos die leidgeprüfte
Zivilbevölkerung" im Irak. "Mit Betroffenheit" denke man "an die
unermessliche Zahl von Menschenleben, die ein solcher Krieg
verschlingen würde" Die Unterzeichner zeigen sich beunruhigt über
Versuche, die Öffentlichkeit daran zu gewöhnen, "dass Kriege
wieder als Mittel der Politik betrachtet und eingesetzt werden
können". Sie rufen dazu auf, sich an Demonstrationen christlicher
Friedensgruppen zu beteiligen, um "den Friedensworten ihrer
Kirchenleitungen durch Gebet und Aktion Nachdruck zu verleihen".
Am Montag hatten die katholischen Bischöfe sich gegen einen
Irak-Krieg ausgesprochen; er wäre ein sittlich unzulässiger
Angriffskrieg. (Quelle: sz)
Pax Christi ruft zur Blockade des NATO-Flughafens Geilenkirchen auf.
Sa.25.01.03 - Die katholische Friedensbewegung Pax Christi hat aus Protest
gegen den drohenden Irak-Krieg für heute zur Blockade des NATO-Flugplatzes
Geilenkirchen aufgerufen. Mit einer einstündigen Sitzblockade vor dem Haupttor des
Flugplatzes werde vor allem gegen eine mögliche Beteiligung von
Bundeswehrsoldaten als Besatzung der Radar- und Beobachtungsflugzeuge vom
Typ AWACS demonstriert, teilte Pax Christi mit. In Geilenkirchen ist die
AWACS-Flotte mit 17 Aufklärungsmaschinen stationiert. (Quelle: dpa)
Staatsministerin: Regierung und Friedensbewegung
Sa.25.01.03 - Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller (Grüne), sieht die
Bundesregierung und die deutsche Friedensbewegung in der Ablehnung eines
Irak-Krieges als Verbündete. "Wir marschieren in der Irak-Frage im wahrsten Sinne
des Wortes in die gleiche Richtung", sagte Müller der "Berliner Zeitung"
(Samstagausgabe). Es gebe keine Differenzen mit der Friedensbewegung, wie es
etwa zu Zeiten des Kosovo-Konflikts oder bei der Intervention in Afghanistan der Fall
gewesen sei. Vorwürfe aus den Reihen der Friedensbewegung, dass die
Bundesregierung sich etwa mit der Gewährung von Überflugrechten für
US-Flugzeuge aktiv an Kriegsvorbereitungen beteilige, wies Müller zurück. "Wir
werden zu unseren Bündnisverpflichtungen stehen. Aber wir werden nichts tun, was
Beteiligung an einer Militäraktion im Irak bedeuten würde", betonte die
Grünen-Politikerin. (Quelle: afp)
"Die Bundesregierung hat versprochen, sich nicht an diesem Krieg zu beteiligen.
Die aktuellen Handlungen lassen hingegen Zweifel daran aufkommen." So steht
es schwarz auf weiß in dem Aufruf der Friedensbewegung zur Demonstration am
15.Februar [http://www.15februar.de]. "Natürlich begrüßen wir die ablehnende Haltung der Bundesregierung.
Und natürlich werden unsere Proteste der Regierung international den Rücken
stärken", konzediert Peter Strutynski vom Friedensratschlag: "Aber einen
Frieden zwischen Regierung und der Friedensbewegung kann und wird es
nicht geben.
Balkaneinsatz, Kosovokrieg, Afghanistan - zu lang ist vielen Pazifisten das
rot-grüne "Sündenregister" geworden, als dass aus der vorsichtigen Annäherung
ein Schulterschluss werden könnte. Zu wankelmütig klangen einigen auch des
Kanzlers und des Außenministers Worte in den vergangenen Wochen, und zu
unüberbrückbar sind weiterhin die politischen Differenzen. Die machen sie vor
allem an der Frage der Bündnisverpflichtungen fest. Logistische Unterstützung
für die Nato-Partner, Überflugrechte für die Amerikaner, deutsche Awacs-Piloten
in der Türkei, uniformierter Schutz für US-Kasernen - für die organisierte
Friedensbewegung ist an diesen Punkten die Grenze zur deutschen
Kriegbeteiligung schon überschritten. (Frankfurter Rundschau, 24.01.03)
Großdemonstrationen in Europa am 15. Februar gegen Irak-Krieg. Mehr unter:
Fehde unter Friedensfreunden : Sa.25.01.03 - Zwei Wochen vor der Münchner Sicherheitskonferenz (7. bis 9. Februar) ordnen sich die Züge
der Anti-Kriegs-Demonstranten - unter heftigen gegenseitigen Angriffen.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat beschlossen, seinen
eigenen Zug aufzumachen. Für den achten Februar also, 11Uhr, ruft
jetzt auch der DGB zur Anti-Kriegs-Demo auf den Odeonsplatz –
wohl wissend, dass wer sich hier versammelt, nicht eine Stunde
später auf dem Münchner Marienplatz demonstrieren kann. Dort will eine
Koalition aus der Bewegung Attac, dem Münchner Friedensbündnis
und anderen Gruppen ihren Protestmarsch starten – nicht nur gegen
den Krieg, sondern auch gegen die Sicherheitskonferenz [http://www.securityconference.de], zu der sich
Politiker und Militärs aus aller Welt eben dann im Bayerischen Hof
versammeln.
Genau das aber ist der Punkt. "Wir sind gegen einen Krieg, nicht
gegen die Sicherheitskonferenz", begründet Bayerns DGB-Chef
Fritz Schösser, warum seine Gewerkschafter nun ihre eigene Demo
aufmachen. Unter den Bannern und Aufrufen, die Mitveranstalter der
Anti-Sicherheitskonferenz verfasst haben, "können wir wirklich nicht
mitmarschieren", erklärt Schösser. Tatsächlich: Wider die Nato („no
Nato!") geht es da und gegen die rot-grüne Bundesregierung, die
doch, wundert sich der SPD-Mann Schösser, "sich international
einzigartig gegen den Krieg engagiert".
Der Münchner SPD-Chef Franz Maget
wirbt für die Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes, dessen Aufruf
"gegen einen Angriffskrieg die übergroße Mehrheit der Münchner Bevölkerung"
repräsentiere. Die DGB-Kundgebung wird von der katholischen wie der
evangelischen Kirch unterstützt, dazu von der SPD, ebenfalls von Verdi und
GEW sowie den bayerischen Spitzen-Grünen Hep Monatzeder und Jerzy
Montag. Auch OB Ude wird an ihr teilnehmen.
Gegner der Sicherheitskonferenz [http://www.no-nato.de]kritisieren dagegen die DGB-Kundgebung
als "Versuch, die Antikriegsbewegung zu spalten". Diese lasse sich "nicht
auseinander dividieren", sagt ihr Sprecher Claus Schreer, "wer gegen einen
Irak-Krieg ist, muss auch gegen die Nato protestieren. Es sei "unsere Pflicht
als Kriegsgegner gegen die Sicherheitskonferenz zu demonstrieren", wandte
sich Attac-Sprecherin Sarah Seeßlein gegen Versuche von DGB-Landeschef
Schösser, ihre Organisation für seine Kundgebung anzuwerben.
(Quelle: sz)
Demonstration der Gegner der Sicherheitskonferenz:
DGB-Kundgebung "gegen einen Angriffskrieg " in Irak:
Palästinenser wollen weiter gegen israelische Besatzung kämpfen.
Sa.25.01.03 - Die Führer mehrerer militanter palästinensischer Gruppen haben zum
Auftakt mehrtägiger Beratungen in Ägypten ihre Entschlossenheit bekräftigt, weiter
gegen die israelische Besatzung kämpfen zu wollen. Um das Ende der Besatzung
zu erreichen, müsse auch der Dialog der Gruppen untereinander und mit der
Autonomiebehörde verbessert werden, hieß es am Freitag. Es ist das größte
derartige Treffen palästinensischer Gruppen seit 20 Jahren.
Gastgeber Ägypten hofft, eine Vereinbarung erreichen zu können, dass für ein Jahr
alle Angriffe auf israelische Zivilisten eingestellt werden. Damit soll dem
Nahost-Friedensprozess wieder eine Chance gegeben werden. An den Beratungen,
die noch bis Sonntag dauern sollen, nehmen unter anderem Vertreter der Hamas,
des Islamischen Dschihad, der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) von
Jassir Arafat und die von Syrien unterstützten Gruppen Volksfront für die Befreiung
Palästinas-Generalkommando und Saaka-Fraktion teil. (Quelle: ap)
IWF bewilligt Argentinien Milliarden-Kredite.
Sa.25.01.03 - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Argentinien am
Freitag Kredite in Höhe von mehr als sechs Milliarden Dollar gewährt. In einer
Stellungnahme des IWF hieß es, die Unterstützung laufe übergangsweise bis zum
31. August dieses Jahres. Danach sollten langfristige Kredite ausgehandelt werden,
die dem Land bei der Bewältigung der schwersten Wirtschaftskrise in der
Geschichte helfen sollten.
Der IWF bewilligte die Kredite von 6,78 Milliarden Dollar, obwohl beide Seiten sich
zuvor nicht über einen Plan zu Lösung der wirtschaftlichen Probleme des Landes
geeinigt hatten. Normalerweise stimmt der IWF Krediten nicht zu, solange ein
solches Abkommen nicht geschlossen wurde. Die Regierung des argentinischen
Präsidenten Eduardo Duhalde hatte einige Forderung des Währungsfonds als zu
strikt zurückgewiesen. Sie drohte, in diesem Monat fällige Rückzahlungen von
Krediten an den IWF nicht zu leisten, wenn nicht gleichzeitig neue Finanzhilfen
zugesagt würden.
In Argentinien wird Ende April ein neuer Präsident gewählt, der im Mai das Amt
übernimmt. Der IWF hofft, dass die neue Regierung genügend politische
Unterstützung erhält, um Wirtschaftsreformen umzusetzen, und will danach erneut
über Kredite verhandeln. (Quelle: ap)
Ungenügender Minderheitenschutz in Deutschland.
Sa.25.01.03 - Deutschland hätte schlechte Chancen, wenn es
sich heute um die Aufnahme in die EU bewerben würde. Zu diesem
harten Urteil kam jetzt eine internationale Expertengruppe, die im
Zuge der EU-Osterweiterung die Einhaltung der "Kopenhagener
Kriterien" von 1993 überprüft. Was den Schutz von Minderheiten
betrifft, erfülle Deutschland nicht die Voraussetzungen für
potenzielle Beitrittsländer. In den "Kopenhagener Kriterien" von
1993 hatte der Europäische Rat von den Kandidaten unter anderem
eine Garantie für "die Achtung und den Schutz von Minderheiten"
verlangt.
Für die große Mehrheit der Sinti und Roma in Deutschland jedoch
sei Diskriminierung und Ausgrenzung weiterhin "eine tägliche
Realität", heißt es in einer Studie des "EU Accession Monitoring
Programs" zur Lage der Sinti und Roma in Deutschland, die
gestern in Berlin vorgestellt wurde. Zwar werde die abwertende
Bezeichnung "Zigeuner" in der Öffentlichkeit kaum noch verwendet.
Die Vorurteile gegenüber Sinti und Roma seien damit aber ebenso
wenig verschwunden wie die Benachteiligung im gesellschaftlichen
Leben. (Quelle: taz) Mehr unter:
Dresden: Kinder von Arbeitslosen vom Kinderkrippenbesuch ausgeschlossen.
Sa.25.01.03 - Dresden hält nach der zustimmenden
Entscheidung des Regierungspräsidiums an der Neuregelung fest,
wonach arbeitslose Eltern ihre unter drei Jahre alten Kinder nicht
mehr in eine Kindertagesstätte schicken dürfen. Wie der Sprecher
der Stadtverwaltung, Kai Schulz, gestern mitteilte, wird der
entsprechende Beschluss des Stadtrats aus dem vergangenen Jahr
nicht geändert. Er gelte zunächst für ein Jahr. Danach sind Jungen
und Mädchen bis zum dritten Lebensjahr vom Besuch einer
Kinderkrippe ausgeschlossen, wenn ihre Eltern erwerbslos sind.
Begründet hat die Stadt ihr Vorgehen mit den hohen
Betreuungskosten, die überwiegend von der Kommune selbst
bezahlt werden müssen. (Quelle: taz/ap)
Durch Kriegsgefahr verunsicherte Finanzmärkte treiben den Euro.
Sa.25.01.03 - Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat vor
negativen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft durch einen weiter steigenden
Euro gewarnt.
"Wenn der Euro weiter steigt, werden die deutschen Exporteure mit ihren Preisen
stark unter Druck geraten. Sie werden schließlich Marktanteile verlieren", sagte der
BDI-Währungsexperte Reinhard Kudiß der "Berliner Zeitung" vom Freitag. Es lasse
sich nicht leugnen, dass die deutsche Industrie mittlerweile unter dem starken Euro
leide, wenn sie auch bislang noch nicht Marktanteile in nennenswertem Umfang
verloren habe. Dies sei bis jetzt jedoch nur durch hohe Preiszugeständnisse
gelungen. Am Freitag stieg der Euro im asiatischen Handel auf ein Drei-Jahres-Hoch
von 1,0779 Dollar, der höchste Stand seit Oktober 1999.
Kudiß sagte weiter, die Hersteller kämen nicht nur beim Wettbewerb im Ausland,
sondern auch im Inland unter Druck: "Im Textil- und Bekleidungsbereich, aber auch
in der Automobilbranche führen die niedrigen Importpreise dazu, dass heimische
Produzenten sich schwer tun, preislich mitzuhalten." Entlastend wirke sich dagegen der Euro beim Ölpreis aus,
dessen starker Anstieg abgefedert worden sei.
Kudiß sagte, der starke Euro sei unter anderem auf die durch den drohenden Irak-Krieg verunsicherten Finanzmärkte
zurückzuführen. "Der Auftrieb des Euro ist jedenfalls nicht auf die wirtschaftliche Stärke des Euro-Raumes
zurückzuführen." Er sprach sich dagegen aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) durch Stützungskäufe den
Dollar stärkt: "In einer solchen Phase wäre das rausgeschmissenes Geld. Wenn der Euro nach oben will, dann läßt er
sich durch solche Maßnahmen nicht bremsen." Sinn könnte jedoch bei einer dramatischen Entwicklung eine
koordinierte Aktion der EZB und der US-Notenbank machen.
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