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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Di.28.01.03, 12:45 Nach Zwischenbericht der UN-Inspekteure wächst das Kriegsrisiko.
Di.28.01.03 - Die Trennlinie zwischen Krieg und Frieden im Irak verläuft mitten durch das
höchste UN-Entscheidungsgremium. Die fünf Veto-Mächte sind in zwei Lager gespalten, mit den USA
und Großbritannien auf der einen und Frankreich, Russland und China auf der anderen Seite.
Bereits kurz bevor die beiden obersten Waffenkontrolleure, Hans Blix und
Mohammed el Baradei, darlegen konnten, warum sie mehr Zeit für die Erledigung
ihres Auftrages brauchen, machten die USA noch einmal klar, dass sich die
Inspektionen für sie längst erledigt haben. Washingtons UN-Botschafter John
Negroponte trat ans Mikrofon vor dem Saal des Sicherheitsrates, um "vorab schon
mal zu sagen, dass der Irak nicht mit den UN kooperiert hat". CNN berichtete
parallel dazu aus gut informierten Kreisen, dass in Washington der Entwurf für eine
weitere UN-Resolution so gut wie fertig sei, mit der das "Aus" für die Waffenkontrollen besiegelt werden solle.
Wenn sie damit mangels Mehrheit im Rat nicht durchkommen, sind die USA offensichtlich entschlossen, ihre neue
Doktrin des Präventivkrieges im Irak auszuprobieren. Ein Jahr nachdem US-Präsident George W. Bush Bagdad zum
Bestandteil der "Achse des Böse" gezählt habe, seien die USA nun bereit, "ihre Doktrin vorbeugender Angriffe gegen
feindliche Staaten und Terroristen in die Tat umzusetzen", schrieb die "New York Times". Diese Doktrin ist allerdings
nach Überzeugung von Völkerrechtsexperten im UN-Hauptquartier mit der Gründungscharta der Vereinten Nationen
kaum vereinbar. Nur bei einem nachweislich unmittelbar bevorstehenden feindlichen Angriff sieht sie einen solchen
Präventivschlag als legal an.
Eine Gnadenfrist soll der Frieden nach dem Willen des Weißen Hauses zwar noch bekommen. Aber nur für die paar
Wochen, die noch gebraucht werden bis die US-Streitkräfte am Golf ihre volle Einsatzbereitschaft erreicht haben. Auf
wesentlich mehr Zeit hatten die Waffeninspekteure gehofft. Immer wieder hatte Blix schon in den Wochen vor seinem
Bericht darauf aufmerksam gemacht, dass der neuen Irak-Inspektionskommission UNMOVIC bei ihrer Schaffung
durch die Resolution 1284 des Sicherheitsrates vom 17. Dezember 1999 ein ganz erheblich größerer Zeitrahmen
vorgegeben war. Die Resolution 1441 vom 8. November 2002 hat diesen Zeitplan nach Überzeugung von Blix nicht
ausgehebelt, wie dessen Sprecher Ewan Buchanan gegenüber der Nachrichtenagentur dpa bekräftigte.
Blix gehe davon aus, dass beide Resolutionen gültig und im Zusammenhang zu sehen seien. "Es sei denn, er
bekommt vom Sicherheitsrat andere Weisungen." Dafür gibt es in dem Gremium aber bislang keine Mehrheit. Trotz
ihrer klaren Kritik, dass Bagdad immer noch Informationen zurückhalte und wesentliche Fragen nach dem Verbleib
von größeren Beständen des Nervengases VX und des Milzbranderregers Anthrax und von tausenden
Raketensprengköpfen sowie nach geheimen Dokumenten nicht beantwortet habe, wollen Blix und El Baradei
weitermachen.
Ihre Inspektionsteams hätten die Aufträge des Sicherheitsrates in kürzerer Zeit erfüllt, als ursprünglich gedacht
worden war, machten sie geltend. Vor allem aber verwiesen sie in den Konsultationen hinter den Kulissen darauf,
dass die ersten 60 Tage der neuen Waffensuche noch nicht einmal ausreichen konnten, um die volle
Operationsfähigkeit der Kontrolleure zu erreichen.
Für Insider ist dies absolut nicht verwunderlich. Erst zum 25. März - so der bisherige Auftrag nach Resolution 1284 -
sollten sie überhaupt erst einen vollständigen Arbeitsplan vorlegen. Und erst seit wenigen Tagen verfügen die
UN-Experten im Irak über Hubschrauber, mit denen sie überraschend an verdächtigen Orten auftauchen können. Auch
Laboreinrichtungen zur sofortigen Analyse von verdächtigen Materialien sind noch nicht lange arbeitsfähig und
müssten weiter vervollständigt werden. Mehr als 60 Experten befinden sich derzeit in Wien noch in der Ausbildung für
den Irak-Einsatz.
Dass effektive Kontrollen, mindestens bis zum Ende Jahr andauern müssten, um zu eindeutigen Aussagen zu führen,
hatten die Inspekteure bereits gleich nach Verabschiedung der Resolution 1441 Ende vergangenen Jahres deutlich
gesagt. "Doch effektive Kontrollen würden nicht nur den Irak an weiterer Aufrüstung hindern", sagt ein hochrangiger
westlicher UN-Diplomat. "Sie könnten auch zeigen, dass ein Präventivkrieg jeder vernünftigen Grundlage entbehrt.
Das weiß man wohl auch in Washington." (Quelle: dpa)
UN-Sicherheitsrat: Resolution 1441 vom 8. November 2002 im Wortlaut:
Die UN-Resolution 1441 zwischen Krieg und Frieden.
Der Autor lehrte Völkerrecht an der Humboldt-Universität zu Berlin und war von 1986
bis 1991 Mitglied der Völkerrechtskommission der UNO.
Hans Blix, Vorsitzender der UNMOVIC-Inspektoren, versicherte in seinem -
ausdrücklich mehrmals so benannten - Update [http://www.un.org/apps/news/infocusnewsiraq.asp?NewsID=354&sID=6],
der Irak habe bis auf einige Fälle
zufriedenstellend kooperiert. Kritisiert wird allerdings die Ablehnung von Drohnen durch
den Irak, vor allem aber werden Mängel im vorgelegten Waffen-Dossier moniert, das
nichts über den Verbleib oder die Vernichtung von chemischen und biologischen Waffen
angibt. So sei es durchaus wahrscheinlich, dass der Irak mehr waffenfähiges Anthrax
produziert habe, als seiner Zeit angegeben wurde. Ohne aktive Mitarbeit der irakischen
Regierung werde man nicht endgültig sagen können, ob der Irak tatsächlich keine
Massenvernichtungswaffen mehr besitzt. Dazu würden auch Gespräche mit
Wissenschaftlern ohne Beisein von Regierungsmitgliedern gehören. Gerügt wird von Blix
auch die fehlende Bereitschaft, weitere Dokumente zur Einsicht vorzulegen. Jeder weitere
Fund solcher relevanten Dokumente wie diejenigen, die im Haus eines irakischen
Wissenschaftlers kürzlich entdeckt wurden, sei als sehr ernst zu bewerten. Blix betonte
allerdings in seinem Zwischenbericht, dass nun erst die Waffeninspektionen in vollem
Umfang durchgeführt werden könnten, was als Forderung zu sehen ist, dass die
Inspektionen fortgesetzt werden sollten, da weder ein schwerwiegender Bruch der
Resolution vorliegt, noch die Vernichtung aller Massenvernichtungswaffen und der Stopp
aller entsprechenden Rüstungsprogramme nachgewiesen werden konnte.
Ganz ähnlich argumentierte auch Mohammed el Baradei [http://www.un.org/News/dh/iraq/elbaradei27jan03.htm],
Chef der Internationalen
Atomenergie-Behörde IAEA. Bislang habe man keine Hinweise auf ein irakisches
Atomwaffenprogramm finden können. Mit den jetzt zur Verfügung stehenden
Verifikationsmitteln und mit einer aktiven Kooperation des Irak werden man innerhalb
einiger Monate feststellen können, ob dies auch wirklich zutrifft. Die paar Monate, die
noch erforderlichen seien, wären sehr wichtig, um möglicherweise einen Krieg vermeiden
zu können. (telepolis, 28.01.03)
Rede des UN-Chefwaffeninspekteurs Hans Blix vor dem Sicherheitsrat
In der Rede des UN-Chefwaffeninspekteurs Hans Blix vor dem
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (am 27.01.03) heißt es unter anderem:
Zusammenarbeit mit dem Irak: «Der Irak hat im Großen und Ganzen bisher ziemlich
gut mit der UNMOVIC auf diesem Gebiet zusammengearbeitet. Das Wichtigste ist
es, dass Zugang zu allen Einrichtungen gewährt wurde, die wir inspizieren wollten.
(...)
Nach Paragraf 9 der Resolution 1441 soll die Zusammenarbeit "aktiv" sein. Es reicht
nicht, Türen zu öffnen. Inspektionen sind kein Spiel ohne Regeln. Sie sind
stattdessen ein Prozess der Überprüfung mit dem Ziel, Vertrauen zu schaffen.» (...)
Zu Chemiewaffen: «Über die Entdeckung einer Anzahl von 122-mm
Chemiewaffen-Sprengköpfen in einem Bunker auf einem Lagergelände 170 Kilometer
südwestlich von Bagdad ist umfassend berichtet worden. (...) Sie könnten die Spitze
eines Eisbergs sein. Der Fund einiger weniger Raketen löst nicht das Problem,
sondern verweist auf die Frage, dass der Verbleib von mehreren Tausend
chemischen Raketen ungeklärt ist.»
Zu Anthrax: «Der Irak hat erklärt, dass er rund 8500 Liter dieses biologischen Kampfstoffes produziert hat. Nach
seinen Angaben hat er sie von sich aus im Sommer 1991 vernichtet. Der Irak hat wenig Beweise für diese Produktion
und keine überzeugenden Beweise für ihre Zerstörung vorgelegt. Es gibt deutliche Hinweise, dass der Irak mehr
Anthrax hergestellt hat, als er zugibt.»
Zur Suche nach Dokumenten: «Der jüngste Fund einer Kiste mit 3000 Dokumentenseiten in der Privatwohnung eines
Wissenschaftlers (...) nährt eine seit langem gehegte Sorge, dass Unterlagen in den Häusern von Privatleuten
deponiert wurden. (...) Was uns betrifft, so können wir nicht umhin anzunehmen, dass dies kein Einzelfall ist und dass
die Verteilung von Dokumenten absichtlich erfolgte, um die Entdeckung zu erschweren.»
Befragung von Wissenschaftlern: «Bislang sind 11 Personen zu Befragungen in Bagdad aufgefordert worden. Die
Antworten lauteten stets, dass die Personen nur in der irakischen Überwachungsbehörde oder in jedem Fall nur im
Besein eines irakischen Beamten aussagen würden. Wir hoffen jedoch, dass mit der Ermutigung durch die Behörden
informierte Personen Befragungen unter vier Augen in Bagdad oder im Ausland zustimmen werden.»
"Blix konstatiert, dass die Iraker zwar mit den Waffeninspekteuren
zusammenarbeiten. Gleichzeitig unterstreicht er aber, dass sie wichtige
Informationen zurückhielten und Spuren weiterverfolgt werden müssten.
Im gleichen Sinn äußert sich auch El Baradei. Der Irak kann nicht glaubhaft
machen, dass er die Forderungen der Resolution 1441 erfüllt. Dies ist die
einzig mögliche Schlussfolgerung aus dem Bericht. Und damit wächst das
Kriegsrisiko", warnt "Sydsvenska Dagbladet" aus Malmö (28.01.03)
Weißes Haus nennt Bericht "Furcht erregend".
Di.28.01.03 - Die US-Regierung hat nach dem Irak-Bericht der
UN-Waffeninspekteure im Weltsicherheitsrat klar gemacht, dass sie keine
Änderung des irakischen Verhaltens mehr erwartet. Die Inspekteure würden an der
Nase herumgeführt, und mehr Zeit für sie bedeute, dass sie noch länger an der
Nase herumgeführt werden könnten, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari
Fleischer, am Montag. US-Präsident George W. Bush will laut
"Washington Post" in Kürze neue Beweise gegen den irakischen Machthaber
Saddam Hussein vorlegen.
Der Bericht der Inspekteure halte in "Furcht erregender" Weise vor Augen, dass der
Irak Massenvernichtungswaffen besitze. Diese Waffen könnten der zivilisierten Welt
"unsäglichen Schrecken" bringen, sagte Fleischer [http://www.whitehouse.gov/news/releases/2003/01/20030127-2.html]. Präsident George W. Bush
hoffe immer noch, dass Saddam einlenke, aber es gebe dafür keine Anzeichen.
Verhöre mit Gefangenen in Guatanamo hätten überdies
ergeben, dass der Irak in Verbindung mit al-Qaida stünde und der Gruppe vermutlich auch
chemische Waffen gegeben habe. Nebenbei schloss Fleischer auch nicht aus, dass die
USA Atomwaffen im Irak einsetzen könnten.
Auf den Vorwurf von Journalisten, dass die
USA selbst Hussein geholfen hätten, sich mit Massenvernichtungswaffen aufzurüsten,
wollte Fleischer nicht direkt antworten, weil dies zu allgemein sei und er nur auf konkrete
Beschuldigungen Bezug nehmen könne. Bekanntlich wurden auch chemische und
biologische Substanzen Ende der 80er Jahre, als Hussein Verbündeter der USA war, in
den Irak geliefert, obgleich bekannt war, dass der Irak chemische Waffen gegen den Iran
und gegen Kurden eingesetzt hatte. Unterhändler der USA war damals Donald Rumsfeld
(Mehr unter: http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/13432/1.html)
Der Sprecher betonte weiter, es gebe keinen Zeitplan, wie lange die Inspektionen
noch andauern sollten. Die USA würden gemäß ihrem Versprechen Konsultationen
mit den UN, mit Freunden und den Verbündeten führen. Aber es sei klar, dass die
Zeit für den Irak auslaufe. Die Lage werde sich weiterentwickeln und der Schluss
von Saddams Verhalten bestimmt. "Eines Tages, früher oder später, wird er
entweder abrüsten oder wird abgerüstet."
Auch ein hoher Beamter des US-Außenministeriums sagte: "Der Irak hat die
Chance, die ihm gegeben wurde, nicht genutzt." So habe Bagdad keinerlei
Angaben über den Verbleib von Resten früherer Chemie- und Biowaffenprogramme
gemacht und Tausende von Dokumenten im Privathaus eines Wissenschaftler
versteckt. "Nichts weist bislang darauf hin, dass der Irak kooperiert."
US-Außenminister Colin Powell sagte in Washington in einer Stellungnahme zum
Bericht der UN-Waffenkontrolleure, die Frage sei nicht, "wieviel Zeit die Inspektoren noch
brauchen, um im Dunkel zu suchen", sondern wieviel Zeit Irak noch erhalten solle,
"um das Licht anzumachen".
Powell zufolge haben die USA über ihre nächsten Schritte im Irak-Konflikt noch
nicht entschieden. Präsident Bush werde dies nach den Konsultationen der
nächsten Tage im UN-Sicherheitsrat und mit den Alliierten tun. Der
US-Außenminister verwies darauf, dass die im vergangenen November vom
UN-Sicherheitsrat verabschiedete Resolution 1441 Irak mit "ernsthaften
Konsequenzen" droht, falls die Regierung in Bagdad die UN-Abrüstungsauflagen
nicht erfülle. Powell erneuerte zugleich seinen Vorwurf, dass die irakische
Regierung Verbindungen zum El-Kaida-Netzwerk von Osama bin Laden unterhalte.
Der UN-Sicherheitsrat schloss seine nicht-öffentlichen Beratungen über den Zwischenbericht der Waffenkontrolleure
nach eineinhalb Stunden ab. Ein UN-Diplomat sagte im Anschluss, der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde
(IAEA), Mohamed el Baradei, habe während der Sitzung die Bedeutung der etwa 3000 Seiten umfassenden
Dokumente, die bei einem irakischen Wisenschaftler gefunden worden waren, heruntergespielt. Der französische
Präsident Jacques Chirac und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprachen sich unterdessen für eine
Verlängerung der Waffeninspektionen in Irak aus.
Auf der Webseite der "Washington Post" hieß es unter Berufung auf Regierungsbeamte, Bush werde möglicherweise
kommende Woche Geheimdienstinformationen freigeben, denen zufolge Irak Waffen vor den
UN-Rüstungskontrolleuren versteckt hat. (Quellen: dpa, afp, telepolis)
"Die Berichte der UNO-Experten sind weit davon entfernt, die von
US-Präsident George Bush und Premierminister Tony Blair aufgestellten Behauptungen
zu bestätigen. Wenn die USA und Großbritannien tatsächlich Beweise über Iraks
Waffenarsenal haben, dann ist es jetzt an der Zeit, sie herauszurücken", findet die
britische "Financel Times" aus London (28.01.03).
"Auch die USA kooperieren nicht ausreichend mit den UNO-Inspekteuren", so
"El Mundo" aus Madrid. "Bislang lieferte Washington keine Information darüber,
wo sich die verbotenen Waffen im Irak befinden könnten. Ein Krieg gegen den Irak
ist nur gerechtfertigt, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind. Erstens müssen die
Inspekteure eindeutige Beweise dafür vorlegen, dass Saddam Hussein über jene
Waffen verfügt, deren Besitz er leugnet. Zweitens muss der Diktator sich weigern,
die verbotenen Waffen abzugeben oder zu zerstören. Aber so weit sind wir noch
längst nicht", mahnt die spanische Zeitung "El Mundo" (28.01.03)
"Aus Sicht der Regierung Bush ist mit den Waffenberichten an
die Vereinten Nationen genau der Fall eingetreten, den
Washington immer befürchtet hat: Die USA sitzen in der
'Inspektionsfalle'. So jedenfalls beschreibt der ehemalige
Clinton-Berater Kenneth Pollack den aktuellen
Vorkriegszustand. 'Und unsere französischen und deutschen
Verbündeten werden uns dort festhalten.'
Börsen reagieren mit Kursverlusten auf Irak-Bericht.
Di.28.01.03 - Mit deutlichen Kursverlusten haben die Aktienmärkte auf den
Irak-Bericht von UN-Chefinspekteur Hans Blix reagiert. Der amerikanische Finanzier
George Soros warnte in Davos vor den Gefahren eines Alleingangs der USA.
Gestiegene Sorgen vor
einem Irakkrieg ließen den DAX zum Börsenschluss rund drei Prozent auf 2.643
Zähler sacken, nachdem er im Tagesverlauf nervös zwischen Verlusten und
Gewinnen gependelt hatte hatte. In New York fiel der Dow-Jones-Index für 30
Industriewerte erstmals seit drei Monaten wieder unter die Marke von 8.000
Punkten. Bis 20.00 Uhr MEZ übersprang er dann jedoch wieder die 8.000er-Marke.
Und auch in Paris und London ging es an den Börsen abwärts.
Der Euro übersprang dagegen zeitweise 1,09 Dollar und stieg damit auf den
höchsten Stand seit Oktober 1999. Der Referenzkurs wurde am Nachmittag mit
1,0870 Dollar festgesetzt.
Für den amerikanischen Spekulanten George Soros macht die US-
Regierung mit ihrer Irak-Politik einen Fehler. Ein Krieg werde
negative Auswirkungen auf die Weltkonjunktur haben und nur, wenn
es nicht zur Zerstörung von Ölfeldern komme, werde der Ölpreis
schnell wieder fallen. "Ich würde die US-Regierung gern bitten, eine
andere Politik zu machen", sagte der 72-Jährige beim
Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Lösung des Irak-Problems sei
nur in internationaler Zusammenarbeit möglich. Die drohende
Kriegsgefahr setze die Weltbörsen unter Druck, der immer größer
werde. "So, wie wir es jetzt machen, schaden wir uns selbst", sagte
Soros.
Der Chefvolkswirt der britischen Barclays Capital Bank, Thorsten Polleit, nannte den
Höhenflug des Euros eine für Krisenzeiten symptomatische Entwicklung. "Die
Bandbreite gegenüber dem Dollar wird zwischen 1,10 bis 1,15 Euro liegen", sagte
Polleit dem Deutsche Welle-TV. Der Euro werde bald die Marke von 1,10 zum Dollar
testen, aber auch bei anhaltenden Kriegsängsten nicht höher als 1,15 steigen.
Längerfristig werde es auf die realen Renditeerwartungen in den verschiedenen
Währungsräumen ankommen. Diese seien in den USA besser. Der Finanzexperte glaubt weder an eine
Dollar-Abwertung größeren Ausmaßes noch daran, dass sich der Euro langfristig auf diesem Niveau gegenüber dem
Dollar halten werde.
Deutschen Unternehmen scheint der anhaltende Euro-Anstieg jedoch zunehmend Sorgen zu bereiten. So zeigte sich
der Pharma- und Chemiekonzern Altana nach Rekordzahlen 2002 für dieses Jahr vorsichtig. Altana werde zwar auch
2003 trotz der schwierigen Verfassung der Weltwirtschaft seinen Wachstumskurs fortsetzen. "Ob sich die Zuwächse
im ein- oder zweistelligen Bereich bewegen werden, hängt ganz entscheidend von der Währungsentwicklung
Dollar-Euro ab", erklärte das Unternehmen.
Bereits jetzt leidet die deutsche Wirtschaft unter dem Irak-Konflikt:
"Die seit Herbst wachsende Unsicherheit, der steigende Ölpreis und
der Wertzuwachs des Euro belasten die Konjunktur", sagte
Klaus-Jürgen Gern, Leiter der Forschungsabteilung Internationale
Konjunktur beim Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Bei seiner
bisherigen Wachstumsprognose für Deutschland von einem Prozent
2003 ging das IfW noch von einer friedlichen Lösung des Irak-
Konfliktes aus und legte einen durchschnittlichen Euro-Kurs von
etwas mehr als einem Dollar zugrunde. Ein um zehn Prozent höherer
Eurokurs, also etwa bei 1, 10 Dollar, könne Deutschland rund einen
halben Prozentpunkt Wachstum kosten. Zwar könne ein zeitlich und
regional begrenzter Krieg der Weltwirtschaft und den Finanzmärkten
positive Impulse verleihen, wenn dadurch die Unsicherheit wegfalle.
"Doch man muss mit einem längeren Krieg rechnen. Damit sind der
Spekulation über die wirtschaftlichen Folgen Tür und Tor geöffnet",
sagte Gern. Der britische Managerverband Institute of Directors
kommt in einer Studie gar zu dem Schluss, ein kurzer Krieg sei
wirtschaftlich betrachtet besser als kein Krieg und kein
Regime-Wechsel, da in letzterem Szenario die Unsicherheit bestehen
bleibe. (Quellen: ap, sz)
USA laut CNN zwischen Mitte und Ende Februar kriegsbereit.
Di.28.01.03 - Die USA sind nach CNN-Angaben zwischen Mitte und Ende
Februar für einen Krieg gegen den Irak bereit. Der Nachrichtensender beruft sich
dabei auf das Verteidigungsministerium in Washington. Mit Spannung wird nun in
der kommenden Nacht die Rede von US-Präsident George W. Bush zur Lage der
Nation erwartet. Beobachter vermuten, dass er die Bevölkerung auf einen Krieg auch
ohne UNO-Zustimmung vorbereiten könnte. (Quelle: dpa)
"Auf der einen Seite erklärt die Regierung, sie
warte ab, ob die UN-Inspekteure Massenvernichtungswaffen
entdecken. Auf der anderen Seite erklärt sie, dass sie
keineswegs wartet, dass 'die Zeit abläuft' und dass sie aus
genau dem Grund zur Tat schreiten will, dass man dem Irak
nicht vertrauen könne, dass er die Informationen aufdecken
wird, nach denen die UN-Inspekteure suchen. Das heißt, ob
nun Waffen gefunden werden oder nicht, halten sich die USA
für berechtigt, von sich aus (unilateral) Krieg zu erklären.
Welche Bedeutung haben die UN dabei für die USA? Einerseits
drängen die USA die UN, die Waffenarsenale im Irak strenger
zu kontrollieren, um so die nötigen Beweise für ihre
Überzeugung zu finden, dass der Irak solche Waffen besitzt
und somit eine Bedrohung für den Weltfrieden darstellt.
Andererseits machen die USA klar, dass sie Krieg erklären
wollen, ganz gleich, ob der Sicherheitsrat einen solchen Krieg
für legitim erklären wird oder nicht.
Die UN sind also eine Art Mittel, mit dessen Hilfe die USA
Beweise finden und präsentieren wollen; aber die USA fühlen
sich selbst nicht an die Vorgaben der UN gebunden. Auf diese
Weise stellen die USA ihr eigenes Recht als Souverän über das
internationale Recht und über internationale Abkommen,
genau wie sie sich bereits bei der Behandlung der Gefangenen
von Guantanamo Bay über die Genfer Konvention
hinweggesetzt haben; diese Gefangenen haben immer noch
nicht von ihrem Recht auf einen Anwalt und Rechtshilfe
Gebrauch machen können und leben unter unmenschlichen
Bedingungen, wie Menschenrechtsorganisationen - unter
anderem das Rote Kreuz und Human Rights Watch - kritisieren.
Auch als die USA zu Beginn von Bushs Regierungszeit vom
Anti-Raketenabwehr-Vertrag zurückgetreten sind, zeigten sie
ihre Bereitschaft, nicht nur auf ihrer eigenen Souveränität,
sondern auch auf ihrem Recht zu bestehen, internationalen
Abkommen zuwider zu handeln. (...)
Die USA bestehen auf ihrem imperialen Recht zu entscheiden,
wann und wo ein Regime wechseln soll, ihr Recht, diesen
Wechsel herbeizuführen, und ihr Recht, dies im Namen einer
"Demokratie" zu tun, die sie allein definieren. Das Konzept
"Demokratie" bezieht sich nicht länger auf freie Wahlen oder
auf das Recht zur politischen Partizipation derer, die von dem
jeweiligen Regime regiert werden. Vielmehr wird ein Regime
von außen eingesetzt, und die schlichte Tatsache, dass es von
den USA eingesetzt wird, wird zum Zeichen dafür, dass es
"demokratisch" ist. So, wie die USA ihre gesetzesfreie
Herrschaft ausüben, taucht Selbstbestimmung als
Voraussetzung für eine Demokratie in Ländern wie Afghanistan
oder jetzt auch Irak nicht mehr auf."
Aus Judith Butler -"Demokratie zu verschenken", Frankfurter Rundschau vom 28.01.03.
Butler ist Professorin für Rhetorik und vergleichende Literaturwissenschaften an der
University of California, Berkeley.
FR-Dossier "Krieg gegen Irak?":
Irak sagt engere Kooperation mit Waffeninspektoren zu.
Di.28.01.03 - Nach der Kritik der UNO-Waffeninspektoren an Irak hat der
stellvertretende Ministerpräsident des Landes, Tarek Asis, eine engere
Zusammenarbeit zugesagt.
"Sie (die Inspektoren) verlangen von Irak mehr Kooperation. OK, lass sie das
sagen. Wir machen das.", sagte Asis am Montag dem kanadischen
Fernsehsender CBC. Zugleich verschärfte Asis den Ton gegenüber den USA.
US-Soldaten würden im Falle eines Angriffs "mit Gewehrkugeln, nicht mit Blumen"
begrüßt und müssten mit großen Verlusten rechnen, sagte Asis.
Asis sagte in dem in Bagdad aufgezeichneten Interview, es gebe lediglich in zwei
Punkten Meinungsverschiedenheiten mit den UNO-Inspektoren. Dabei handele es
sich um den Einsatz von Spionageflugzeugen des Typs U-2 und die Bedingungen,
unter denen die Inspektoren irakische Wissenschaftler befragen könnten. "Alle
anderen Aspekte der Zusammenarbeit sind erfüllt worden", sagte Asis. Er fügte
hinzu, Irak werde den Inspektoren in Zukunft weiter entgegen kommen, um deren
Anforderungen zu erfüllen.
Der stellvertretende Ministerpräsident schloss einen Militärschlag gegen Kuwait
nicht aus, sollten die dort stationierten US-Soldaten nach Irak vorrücken. Irak
werde Vergeltung gegenüber US-Truppen üben, "von wo auch immer sie ihre
Aggression starten". Direkte Angriffe in den USA werde es jedoch nicht geben.
Dazu habe Irak nicht die Mittel, erklärte Asis.
Asis wies Äußerungen Powells zurück, Irak habe etwa seine Vorräte an Milzbranderregern nicht vollständig zerstört.
"Dies ist eine Manipulation von Fakten", sagte Asis. Irak habe all seine Bestände an biologischen Waffen bereits 1991
zerstört.
Am Mittwoch berät der UNO-Sicherheitsrat über das weitere Vorgehen. Blix und ElBaradei wollen
dem Sicherheitsrat am 14. Februar einen weiteren Bericht über ihre Arbeit vorlegen. (Quelle: rtr)
US-Nobelpreisträger gegen Präventivangriff auf Irak.
Di.28.01.03 - 40 Nobelpreisträger aus den USA haben eine Erklärung gegen
einen Irak-Krieg unterzeichnet. Ein einseitiger Präventivangriff seitens US-Truppen
untergrabe die Sicherheit und das weltweite Ansehen des Landes, erklärten die
Unterzeichner. Die Erklärung sollte am Dienstag am Wohnsitz eines der
Chemienobelpreisträger von 1998, Walter Kohn, im kalifornischen Santa Barbara
veröffentlicht werden.
Ein Angriff ohne Mandat der Vereinten Nationen könne zwar scheinbar schnell zum
Sieg führen, die langfristigen Konsequenzen könnten für die USA aber schädlich
sein. Die "medizinischen, wirtschaftlichen, die Umwelt betreffenden, moralischen,
geistlichen, politischen und rechtlichen Folgen eines amerikanischen
Präventivangriffs auf Irak würden Sicherheit und Ansehen der USA in der Welt
untergraben, nicht schützen", heisst es in der 74 Wörter umfassenden Erklärung.
Zu den Unterzeichnern zählt unter anderen Hans Bethe, der Träger des Preises für
Physik 1967, der als Mitglied des Manhattan-Projekts am Bau der ersten
Atombombe beteiligt war. Der Friedensnobelpreisträger von 2002, Expräsident
Jimmy Carter, hat seine Unterschrift bislang nicht unter die Erklärung gesetzt. Kohn
erklärte, Carter sei kontaktiert worden, und weitere Nobelpreisträger könnten sich
der Erklärung anschliessen. (Quelle: ap) Mehr unter:
"Kürzlich haben wir in den USA den Martin
Luther King-Tag gefeiert, und im ganzen Land wurden die
Kinder gebeten aufzuschreiben, was sie sich für ihr Land
wünschten; und mit überwältigender Mehrheit schrieben sie:
'Frieden'." Judith Butler
EU auf gemeinsamer Linie für Fortsetzung der Inspektionen.
Di.28.01.03 - Ungeachtet ihrer unterschiedlichen Positionen in der Irak-Krise setzen sich
die EU-Staaten gemeinsam für eine Weiterführung der UN-Waffeninspektionen ein. In
einer am Montag von den Außenministern in Brüssel verabschiedeten Erklärung
sichert die EU den Kontrolleuren unter Chefinspekteur Hans Blix ihre volle Unterstützung
zu. Sie begrüßten "deren Absicht, ihre Arbeit fortzusetzen und zu intensivieren".
Vom Irak fordert die EU weiterhin die uneingeschränkte Zusammenarbeit mit den
UN-Kontrolleuren und die Beseitigung aller Massenvernichtungswaffen. Ziel sei die
volle Entwaffnung des Irak und eine friedliche Lösung, "die immer noch möglich
erscheint", sagte der griechische Außenminister und amtierende Ratsvorsitzende
Giorgos Papandreou nach der Sitzung. Die Minister hatten sich getroffen, noch
bevor Blix im UN-Sicherheitsrat seinen Bericht zum bisherigen Verlauf der
Inspektionen vorlegte.
Die gemeinsame Erklärung der 15 EU-Außenminister [http://www.eu2003.gr/en/articles/2003/1/27/1697/]
kam nach einer Initiative jener
vier EU-Staaten zu Stande, die zur Zeit dem UN- Sicherheitsrat angehören:
Frankreich und Großbritannien als ständige sowie Deutschland und Spanien als
zeitweilige Mitglieder. Bundesaußenminister Joschka Fischer und Papandreou
hoben hervor, es sei das erste Mal gewesen, dass sich die EU-Mitglieder des
Weltsicherheitsrats abgesprochen hätten. Nach den Worten Fischers bedeutet der
EU-Vorschlag, dass die UN-Inspekteure "die notwendige Zeit bekommen, die sie
brauchen".
Fischer sprach von einem sehr guten Beschluss. "Die Position der EU ist heute klar gestellt worden", sagte er.
Differenzen zwischen den EU-Staaten in der Irak-Frage seien nicht zu bestreiten. Entscheidend sei aber die
gemeinsame Unterstützung für die Waffeninspekteure. Papandreou sagte: "Wir haben eine solide Grundlage für ein
konstruktives und ernsthaftes Handeln." Fischer hatte vor der Sitzung verlangt, es müsse alles getan werden, um eine
Lösung des Konflikts ohne den Einsatz militärischer Gewalt zu erreichen.
Papandreou sagte, es sei noch zu früh, über eine mögliche zweite Resolution des Weltsicherheitsrates zu sprechen.
"Soweit sind wir noch nicht." Eine zweite Entschließung werde hoffentlich die geforderte Zusammenarbeit des Irak
bestätigen können. Papandreou schloss eine diplomatische Reise der EU in den Irak ausdrücklich nicht aus. Dies
werde aber nur unter außerordentlichen Umständen geschehen.
Fischer ging nicht auf Fragen danach ein, wie lange die Kontrollen noch fortgesetzt werden sollen. Die Entscheidung
darüber obliege allein dem UN-Sicherheitsrat, betonte er. Der Außenminister betonte, dass es auch in den
UN-Resolutionen keinerlei Fristen für die Arbeit der Inspekteure gebe.
Auch der französische Außenminister Dominique de Villepin äußerte sich sehr zufrieden über die EU-Erklärung. "Wir
haben eine gemeinsame Linie gefunden", betonte er. Wie Fischer wollte auch er sich nicht zu einem möglichen
Zeitrahmen äußern. Falls es Schwierigkeiten geben sollte, würden die Waffenkontrolleure dieses mitteilen, sagte
Villepin. "Der Weltsicherheitsrat wird dann die Konsequenzen ziehen." Frankreich als ständiges Mitglied des
UN-Sicherheitsrates spricht sich seit Wochen gegen einen Alleingang der USA aus und befürwortet eine friedliche
Lösung, während Deutschland ausdrücklich jede Zustimmung zu einer Militäraktion ablehnt.
Noch vor der Sitzung hatte vor allem der britische Außenminister Jack Straw, dessen Regierung die US-Position im
Irak-Konflikt weitgehend teilt, andere Töne angeschlagen. Straw warnte den Irak, dass die Geduld zu Ende gehe und
die Zeit ablaufe. Es sei sicher, dass der Irak noch über tausende Tonnen chemischer Kampfstoffe verfüge. Dabei habe
Saddam Hussein 12 Jahre Zeit gehabt, die UN- Forderungen nach Abrüstung zu erfüllen, sagte Straw mit Bezug auf
den letzten Krieg gegen den Irak 1991. (Quelle: dpa)
"Angeblich hat, wie die Financial Times berichtete, die US-Regierung in Gesprächen mit
EU-Politikern versucht, Einfluss auf die gemeinsame Haltung zum Irak-Konflikt zu
nehmen. Es bestehe auf Seiten der Amerikaner die Angst, dass die von Deutschland und
Frankreich vertretene Position zu einer stärkeren und unabhängigeren EU-Politik führen
könne. Washington scheint auch Bedenken zu haben, dass die EU stärker eine
gemeinsame Verteidigungs- und Rüstungspolitik betreiben will, was dazu führen könnte,
dass weniger Waffen in den USA gekauft werden. Zudem würde man es nicht gerne
sehen, wenn die EU-Außenpolitik mit einer qualifizierten Mehrheit entschieden werden
könne, wodurch das Veto-Recht einzelner Länder wegfiele und so die
Einflussmöglichkeiten der USA auf die EU sinken würden. " (telepolis, 28.01.03)
Proteste gegen möglichen Irak-Krieg gehen weiter.
Di.28.01.03 - Unter anderem in Dresden,
Frankfurt am Main und Berlin gingen am Montag insgesamt mehrere tausend Menschen auf
die Straße, um friedlich gegen eine militärische Intervention zu protestieren. In Frankfurt
zogen nach Polizeiangaben rund 3.000 Menschen zum US-Generalkonsulat. In der Innenstadt von
Dresden nahmen nach Mitteilung des Veranstalters 1.500 Menschen an einer Kundgebung teil. In
Berlin versammelten sich nach Polizeiangaben 500 Kriegsgegner vor dem Brandenburger Tor.
Vertreter von über 40 bundesweit aktiven Friedens- und Menschenrechtsorganisationen haben sich in
Berlin zu einem Trägerkreis zusammengeschlossen, um eine für den 15. Februar geplante
Großdemonstration vorzubereiten. "Wir erwarten einen großen Zulauf nach Berlin", erklärte ein
Sprecher des Trägerkreises, dem nach eigenen Angaben unter anderem die Bewegung Attac sowie
kirchliche und gewerkschaftliche Gruppen angehören. Der 15. Februar ist europaweit zum Aktionstag
gegen einen möglichen Irak-Krieg ausgerufen worden. Für Deutschland findet die zentrale
Kundgebung in Berlin statt.
Bei Protesten gegen einen Krieg in Irak sind am Montag vor dem UN-Gebäude in New York
fünf Demonstranten festgenommen worden. Insgesamt etwa 200 Menschen hatten mit Parolen
wie "Lasst die Inspektoren arbeiten" oder "Wir wollen Frieden" vor dem Sitz der Vereinten Nationen
demonstriert, während dem UN-Sicherheitsrat ein Bericht der Waffenkontrolleure vorgelegt wurde. Fünf
Demonstranten durchbrachen mit einem Schild mit der Aufschrift "Kein Krieg in Irak" eine
Polizeiabsperrung und wollten die Straße vor dem streng bewachten UN-Sitz blockieren.
Sicherheitsbeamte zerrten sie unverzüglich in einen Kleintransporter. (Quelle: info.partisan.net)
Unter dem Nicknamen "Salam Pax" Weblog direkt aus Bagdad.
Di.28.01.03 - Seit September des Vorjahres führt jemand unter dem Nickname "Salam
Pax" einen Weblog direkt aus Bagdad - und ist damit mittlerweile der letzte,
wie eine umfangreiche Websuche ergeben hat.
Was ihn derzeit am meisten irritiere, seien Kriegstouristen und Friedensaktivisten, die
derzeit gehäuft anzutreffen sind. "Seid meine Gäste, tauschen wir Platz - denn wenn es für
euch um 'die Sache' geht, geht es für mich um mein Leben."
Dieser Tage wird "Salam Pax" sarkastischer denn sonst. "Mein neues
Hobby ist, Sites zu archivieren, auf die ich nicht mehr zugreifen kann." Auf
Grund der chaotischen Organisation seines Providers ist es unklar, ob
Webfilter oder schlechtes Routing immer mehr Sites blockieren.
Gerade die Ereignisse, die letztlich zu dem drohenden Irak-Krieg führten,
haben Weblogs populärer gemacht denn je. Vor allem der Begierde der
Netzgemeinde, unabhängig von herkömmlichen Medien Informationen
zu erhalten und auszutauschen, kamen und kommen Blogs sehr entgegen.
Weblogs sind bekannt geworden als persönliche Sites, die eine Liste von
kommentierten Links zu anderen Sites oder auch Berichte über selbst Erlebtes
enthalten. Sie selektieren damit Lesenswertes für andere.
Kurz nach den Anschlägen vom 11. September wurde das "We can fact-check your ass!"
von Ken Layne zum Schlachtruf vieler Blogger. Nachrichten aus erster Hand und individuelle
Betrachtungsweisen sind der Stoff Hunderttausender Weblogs - auch der des Blogs aus Bagdad.
Dem Bericht von "Salam Pax"zufolge ist das irakische Internet nicht
gekappt - es entscheidet nur der Geldbeutel, ob man Netzzugang hat oder nicht.
Selbst dann muss man sich als Iraker mit Stromausfällen und inkompetenten Providern
herumschlagen. Bagdad ist angeblich offline. (Quelle: futurezone)
"Salam Pax" bloggt unter: http://dear_raed.blogspot.com/
Große Abschlussdemonstration in Porto Alegre.
Di.28.01.03 - Rund 30.000 Menschen haben zum symbolischen Abschluss des
Weltsozialforums im brasilianischen Porto Alegre am Montagabend gegen einen
möglichen Irakkrieg und die geplante gesamtamerikanische Freihandelszone
(FTAA) demonstriert. Die FTAA erlaube multinationalen Konzernen die Ausbeutung
Lateinamerikas, erklärten Aktivisten. Später würden Umwelt- und
Arbeitsschutzgesetze auch in den USA aufgeweicht.
Der amerikanische Schauspieler Danny Glover forderte die Abschaffung des
Weltwährungsfonds (IWF), der Weltbank und der Welthandelsorganisation (WTO).
Der amerikanische Linguist und Philosoph Noam Chomsky erklärte, der
Neoliberalismus sei "ein neuer Weg der Öffentlichkeitskontrolle, die früher mit
Militärputschen mit US-Unterstützung und Diktaturen erreicht wurde".
Demonstrationsteilnehmer aus der Türkei kritisierten Zusagen der USA über
Milliardenhilfen für die angeschlagene türkische Wirtschaft im Gegenzug für die
Zusage, türkisches Gebiet für einen Angriff auf Irak nutzen zu dürfen.
Das Weltsozialforum ist der Gipfel der Globalisierungskritiker, eine
Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Das sechstägige Forum,
an dem rund 100.000 Menschen teilnahmen, sollte am (heutigen) Dienstag offiziell
zu Ende gehen. (Quelle: ap)
Weltsozialforum in Porto Allegre:
Die französische und die brasilianische Redaktion von Le Monde diplomatique
Neue Spannungen zwischen Indien und Pakistan.
Di.28.01.03 - Nach der Drohung des indischen Verteidigungsministers, Pakistan
werde nach einem Atomwaffenangriff Islamabads "von der Weltkarte ausradiert",
kam es am Montag zu Schießereien an der Grenze in Kaschmir. Nach pakistanischen
Angaben wurden dabei fünf indische Soldaten getötet. (Quelle: ap)
Anfang Januar hat Indien seine offizielle
Nuklearstrategie bekanntgegeben. Zwar wird
weiterhin einer allgemeinen Abrüstung das Wort
geredet, doch die zentrale Verpflichtung,
Nuklearwaffen nicht als erster Staat einzusetzen,
wird trotz gegenteiligen verbalen Versicherungen
aufgeweicht. Mehr unter
Tübinger Theologe Hans Küng: Der alte Kapitalismus hat ausgedient.
Di.28.01.03 - Der Tübinger Theologe Hans Küng hat sich für eine Regulierung der
internationalen Kapitalströme ausgesprochen. Es könne nicht sein, dass Kapital ein
Land überschwemme und sich plötzlich zurückziehe, sagte Küng der
"Süddeutschen Zeitung" (Dienstagausgabe) am Rande des Weltwirtschaftsgipfels in
Davos. Dabei müsse auch über eine Tobin-Steuer, die den internationalen
Kapitalfluss begrenze, nachgedacht werden: "Das Modell der sozialen
Marktwirtschaft im Sinne von Ludwig Erhard muss in die globalen Dimensionen
eingepasst werden."
Nach Ansicht des Theologen haben in Zukunft nur Unternehmen eine Chance, die
nach ethischen Prinzipien geführt werden. "Der alte Kapitalismus, der nur auf
Gewinnerzielung aus ist, hat ausgedient." Die Grenze liege dort, wo ethische
Standards verletzt würden, betonte Küng. Dies sei im Bereich der Biotechnologie
zwar häufig schwer zu bestimmen. "Aber es gibt Dinge, die leicht zu beachten sind:
Nicht lügen und nicht stehlen". Auch Managergehälter, die sich auf "das
Hundertfache vom Lohn des einfachen Arbeiters" beliefen, seien nicht mehr zu
rechtfertigen. Nötig sei vielmehr eine Marktwirtschaft, "die sozial und umweltverträglich
ist, forderte Küng. "Dazu gibt es keine Alternative." (Quelle: ap) Mehr unter:
Viele Kommunen am Rand des Ruins.
Di.28.01.03 - Viele Städte in Deutschland stehen nach Angaben des Deutschen
Städtetages vor Defiziten in bislang nicht gekanntem Umfang.
"Unsere Haushaltslage ist katastrophal und trotz des harten Sparkurses stehen wir
vor völlig unvorstellbaren Rekorddefiziten", sagte die Präsidentin des Städtetages,
Petra Roth, am Montag in Berlin. Der Städtetag gehe 2003 von einer Verschuldung
in Höhe von 9,9 Milliarden Euro aus. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass das
Defizit auf einen deutlich zweistelligen Milliardenbetrag anwachse. In ihrer Forderung
nach Soforthilfe durch Bund und Länder erhielt Roth Unterstützung vom Deutschen
Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und vom Bundesverband der Deutschen
Industrie (BDI). Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Joachim Poß
erklärte, die rot-grüne Koalition ergreife mit der geplanten Zusammenführung von
Arbeitslosen- und Sozialhilfe erste Maßnahmen gegen die Finanznot der
Kommunen.
Roth sagte, die Kommunen hätten sowohl bei den Einnahmen und - trotz des seit
Jahren scharfen Sparkurses - bei den Ausgaben ein Problem. Die Gewerbesteuer breche weiter weg, die
Sozialausgaben stiegen weiter an. Der hohe Tarifabschluss im öffentlichen Dienst tue sein übriges. Dadurch würden
die Investitionen weiter sinken, was in ersten Städten bereits deutlich sichtbar werde. So würden immer mehr
Schwimmbäder und Bibliotheken geschlossen. Immer mehr Städte könnten ihre Haushalte nicht ausgleichen. Weil
die Einnahmen nicht mehr ausreichten, müssten sie immer mehr laufende Ausgaben etwa für die Sozialhilfe dauerhaft
über Kassenkredite finanzieren: "Viele Städte stehen am Rande des Ruins."
"Das Schicksalsjahr 2003 hat begonnen und wir sind noch nicht auf dem Höhepunkt der Finanzkrise der Städte",
sagte Roth. "Ohne rasches Handeln von Bund und Ländern können wir die kommunale Selbstverwaltung in
Deutschland bald zu Grabe tragen." Die Reform der Gemeindefinanzen werde erst im Verlauf des Jahres 2004 in
Gesetze umgesetzt. Jedoch helfe sie in der aktuellen Not nicht. Notwendig sei vielmehr eine Soforthilfe des Bundes.
So müsse die Höhe der Gewerbesteuereinnahmen, die Städte und Gemeinden an Bund und Länder abgeben
müssten, wieder auf ein Niveau von 20 Prozent gesenkt werden: "Ein solcher Schritt würde rund 2,3 Milliarden Euro
frisches Geld für die Kommunen bedeuten." Dieses könne dann in dringend notwendige Maßnahmen etwa bei der
Infrastruktur verwendet werden. Die Kommunen sind innerhalb der öffentlichen Hand der größte Träger von
Investitionen.
Nach Aussagen des Städtetag-Hauptgeschäftsführers Stephan Articus gehen die kommunalen Investitionen jedoch im
laufenden Jahr voraussichtlich um rund 10,8 Prozent im Vergleich zu Vorjahr zurück. Im Jahr 2002 hätten die
Kommunen nur noch 23,6 Milliarden Euro investiert. Im Zeitraum von 1992 bis 2002 seien die Investitionen damit
insgesamt um rund 30 Prozent oder zehn Milliarden Euro eingebrochen.
Die Präsidenten des DIHK und des BDI, Ludwig Georg Braun und Michael Rogowski, erklärten in einer gemeinsamen
Stellungnahme, eine Sofortmaßnahme in Form einer Absenkung der Gewerbesteuerumlage verschaffe den
Kommunen Luft und gebe der Kommission zur Reform der Gemeindefinanzen Zeit. Ansonsten bestehe nämlich die
Gefahr, dass der notwendige Befreiungsschlag unter Zeit- und Lösungsdruck nicht gelinge. (Quelle: rtr)
Bundesverband des Groß- und Außenhandels für Aussetzen des Kündigungsschutzes.
Di.28.01.03 - Durch eine Aussetzung des Kündigungsschutzes könnten
nach Einschätzung des Bundesverbandes des Groß- und Außenhandels (BGA) in
Deutschland schnell viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
BGA-Verbandspräsident Anton Börner sagte der "Bild"-Zeitung (Dienstagausgabe)
durch eine solche Maßnahme könnten allein im Handel in kürzester Zeit bis zu
175.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Börner sagte: "Viele Firmen würden sofort
neue Jobs schaffen, wenn sie Mitarbeiter auch schneller wieder loswerden könnten."
Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte die Debatte
um eine Lockerung des Kündigungsschutzes bei Kleinbetrieben mit mehr als fünf
Mitarbeitern angestoßen. (Quelle: rtr)
Staatsvertrag mit Zentralrat der Juden unterzeichnet.
Di.28.01.03 - Anlässlich des Holocaust-Gedenktages haben der Bund und der Zentralrat der
Juden in Deutschland ihre Zusammenarbeit erstmals auf eine offizielle Grundlage gestellt:
Bundeskanzler Gerhard Schröder und Zentralratspräsident Paul Spiegel unterzeichneten den
gemeinsamen Staatsvertrag, in dem sich beide Seiten zur kontinuierlichen und partnerschaftlichen
Zusammenarbeit bekennen. Bei der Feierstunde des Bundestages zum Holocaust-Gedenktag rief
der frühere spanische Kulturminister Jorge Semprún die Deutschen dazu auf, die Gräueltaten des
NS-Regimes auch künftig in Erinnerung zu halten.
Schröder nannte den bereits im vergangenen Jahr ausgehandelten Staatsvertrag
eine "neue, solide Grundlage" für die Zusammenarbeit zwischen Bund und
Zentralrat. Der Vertrag sei ein Signal für die Entwicklung von kulturellem und religiösem jüdischem Leben in
Deutschland.
Spiegel sprach von einem "historischen Tag" für die in Deutschland lebenden Juden. Er verwies darauf, dass die
jüdische Gemeinschaft in Deutschland mit rund 100.000 Mitgliedern die drittgrößte in Westeuropa sei. "Das ist nicht
nur ein Vertrauensbeweis, sondern ein Ausdruck der Hoffnung." Spiegel verwies zugleich auf einen "immer offeneren
und hemmungsloseren Antisemitismus", der in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens zu beobachten sei.
Semprún sagte bei der Feier im Bundestag: "Jede Generation muss sich mit der Geschichte des eigenen Landes neu
auseinandersetzen." Dabei könne sich die äußere Form des Gedenkens durchaus den Bedürfnissen der neuen
Generation anpassen. "Aber der tiefere, zu Grunde liegende Sinn, kann sich nicht ändern - es sei denn, man wollte
das historische Projekt einer deutschen Nation aufgeben." Bundestagspräsident Wolfgang Thierse forderte mehr
Zivilcourage. Er forderte einen bewussten Umgang mit der Vergangenheit auch in der Sprache.
Der Staatsvertrag sieht eine "kontinuierliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit" beider Seiten vor. Der Bund
bekennt sich dazu, zur Erhaltung und Pflege des deutsch-jüdischen Kulturerbes und zum Aufbau einer jüdischen
Gemeinschaft beizutragen. Dafür stellt er einen jährlichen Betrag von drei Millionen Euro zur Verfügung, was einer
Verdreifachung der bisherigen staatlichen Mittel entspricht. (Quelle: afp)
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