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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mi.05.02.03, 12:45 Countdown im Irak-Konflikt.
Mi.05.02.03 - US-Außenminister Colin Powell will heute (Mittwoch) in New
York Beweise vorlegen, dass Irak nach Massenvernichtungswaffen strebt. Sein
deutscher Kollege Joschka Fischer (Grüne) leitet die Sitzung. Kurz vorher treffen die
Minister zu einem bilateralen viertelstündigen Gespräch zusammen.
Das Material werde "einfach, nüchtern und überzeugend" sein, kündigte Powell an.
Das Ziel ist es, Verbündete für einen als immer wahrscheinlicher geltenden Krieg zu
gewinnen.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte die deutsche Position
jüngst bei einem Wahlkampfauftritt in Goslar festgelegt. Demnach wird Deutschland
einer Resolution für einen Irak-Angriff nicht zustimmen. Frankreich hat sein
Abstimmungsverhalten noch offen gelassen. Fischer hatte am Montag im
Grünen-Parteirat darauf hingewiesen, dass seine diplomatischen Spielräume für
eine friedliche Lösung des Irak-Konflikts sehr eng seien.
Deutschland ist seit Januar für zwei Jahre Mitglied des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen (UNO) und hat im Februar den Vorsitz. Diese Aufgabe rotiert
nach dem Alphabet. Der Vorsitzende leitet die Sitzung und hat Einfluss auf
Termine, Tagesordnung und Rednerliste.
Kurz vor einer entscheidenden Sitzung des UN-Sicherheitsrates zeigen sich seine Mitglieder
im Irak-Konflikt weiter gespalten. Während Frankreich auf intensivere und längere Waffenkontrollen
dringt, sieht Großbritannien die Chance auf eine friedliche Lösung schwinden: "Wir dürfen nicht zulassen,
dass aus endlosen Forderungen nach mehr Zeit ein Rückzieher wird", schrieb Außenminister Jack Straw in
der "Times".
Der französische Außenminister Dominique de Villepin wolle sich in der Sitzung für
eine Ausweitung der Inspektionen einsetzen, verlautete aus der Delegation in New
York. Selbst neue "Beweise" für irakische Rüstungsverstöße dürften nicht zu einer
"neuen Logik" führen, die zu einem Krieg führten, sagten französische Diplomaten.
Stattdessen müsse die gültige UN-Resolution 1441 aktiver umgesetzt werden.
Die Perspektive für eine friedliche Lösung schwinde "jeden Tag ohne irakische
Antwort auf die offenen Fragen der Inspektoren", schrieb Straw in der britischen
"Times". Forderungen nach mehr Zeit für die UN-Kontrolleure seien "nutzlos", solange Bagdad nicht kooperiere.
Der britische Sender BBC meldete unterdessen, die Geheimdienste hätten keine
eindeutigen Hinweise auf Verbindungen zwischen dem Irak und dem Terrornetzwerk
al-Kaida. Anfängliche Kontakte zwischen al-Kaida und dem Regime in Bagdad seien
an Misstrauen und unvereinbaren Ideologien gescheitert, hiess es bei BBC unter Berufung
auf ein Geheimdokument am Mittwoch weiter. BBC habe das Papier einsehen können. Das
Dokument sei von einem Stab des militärischen Nachrichtendienstes vor drei Wochen geschrieben
worden. Der Bericht sei als "Top Secret" eingestuft worden und dem britischen Premierminister
Blair zugesandt worden.
In dem Dokument heisse es, die Ansichten des Al-Kaida-Führers Usama bin Ladin und der im Irak
regierenden Baath-Partei stünden im Gegensatz zu den religiösen Ansichten Bin Ladins. Für den
Terroristenführer sei es ein "abtrünniges Regime". Bin Ladins Ziele stünden in einem ideologischen
Widerspruch zum heutigen Irak.
Der amerikanische Präsident Bush hatte erklärt, es gebe
Belege für eine Verbindung zwischen dem Irak und
al-Kaida, die die USA für die Anschläge vom 11.September
2001 verantwortlich machen. Der Irak hat dies wiederholt
zurückgewiesen.
US-Regierungskreise geben inzwischen zu, nur über
bruchstückhafte Hinweise über Verbindungen Iraks zur
Extremisten-Organisation El Kaida zu verfügen.
Die Informationen seien fragmentarisch und könnten unterschiedlich ausgelegt
werden, verlautete am Dienstag aus US-Regierungskreisen. Aus diesem Grund
würden die Hinweise auch nur einen geringen Teil der Rede von US-Außenminister
Colin Powell vor dem UNO-Sicherheitsrat ausmachen.
Die USA beziehen sich in ihrer Argumentation einerseits auf das mutmaßliche
El-Kaida-Mitglied Abu Musab Sarkawi. Er gilt als enger Vertrauter des
El-Kaida-Anführers Osama bin Laden und soll sich im vergangenen Sommer in der
irakischen Hauptstadt Bagdad einer medizinischen Untersuchung unterzogen
haben. Beweise, dass Sarkawi auch mit Mitgliedern der irakischen Regierung in
Kontakt stehe, gebe es jedoch nicht, verlautete aus US-Regierungskreisen. Powell
werde deshalb in seiner Rede auf die Verbindungen Sarkawis zu terroristischen
Gruppen unter anderem in Europa Stellung nehmen.
Auch die Islamisten-Gruppe Ansar El Islam, die vom nordirakischen Kurdengebiet
aus operiert, steht im Verdacht, Beziehungen zu El Kaida zu unterhalten. Unklar ist
jedoch, ob der irakische Präsident Saddam Hussein die Gruppe kontrolliert.
Abgesehen von Ansar El Islam und Sarkawi "gibt es nur hier und da
Informationsschnipsel" über Verbindungen von El Kaida und der irakischen Regierung, hieß es in
US-Regierungskreisen. Der US-Geheimdienst hat bislang auch noch keine Beweise für Gerüchte vorgelegt, wonach
sich einer der Attentäter vom 11. September, Mohamed Atta, vor den Anschlägen mit einem irakischen
Geheimdienstvertreter in Prag getroffen haben soll.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld dämpfte inzwischen die Erwartungen
an Powells Rede vor dem Sicherheitsrat: Es gehe in diesem Fall nicht um den einwandfreien
Schuldnachweis, sondern um den "Schutz des Lebens unserer Bürger". (Quellen: rtr, nzz, afp)
Ob es zum Irak-Krieg kommt, liegt nicht in der Macht des Sicherheitsrates.
Mi.05.02.03 - Ist für einen Militärschlag gegen Irak eine zweite
UN-Resolution völkerrechtlich unabdingbar? Erforderlich ist
ein Entscheid des Sicherheitsrats, aber nicht zwingend in Form
einer Resolution. Ein einfacher Beschluss würde genügen.
Dieser kann im Unterschied zur Resolution hinter
geschlossenen Türen gefasst werden. Er würde nicht schriftlich
festgehalten, und es gäbe keine langen Verhandlungen in der
Öffentlichkeit und keine formale Abstimmung. Regierungen,
die bei der Zustimmung zu militärischen Maßnahmen
innenpolitisch unter Druck kämen, könnten einen einfachen
Beschluss bevorzugen.
Wann würden die USA gegen Völkerrecht verstoßen? Ein
Angriff auf den Irak ist völkerrechtlich illegal, wenn der
Sicherheitsrat ihn nicht autorisiert. Für einen einfachen
Beschluss braucht es einen Konsens der 15 Staaten, für eine
Resolution mindestens neun Ja-Stimmen und keines der fünf
ständigen Mitglieder USA, Großbritannien, Frankreich,
Russland und China darf das Veto ergreifen.
Die Mehrheitsverhältnisse im Rat haben
sich letzte Woche zu Gunsten einer Invasion verschoben:
USA, Großbritannien, Bulgarien, Spanien, Kamerun, Guinea,
Angola und Chile dürften für einen Angriff stimmen. Damit
fehlt nur ein Staat für die nötige qualifizierte Mehrheit von neun
Stimmen. Mexiko oder Pakistan, beide noch unentschieden,
würden unter Druck der USA wohl das Lager wechseln.
Deutschland und Syrien spielen dann für das
Abstimmungsresultat keine Rolle mehr. Der Vetostaat China
ist ein Meister der Stimmenthaltung. Es verbleiben Russland
und Frankreich, die sich den USA lange in den Weg gestellt
haben, sich aber im Unterschied zu Deutschland alle Optionen
offen hielten. Beide sind es gewohnt, zu Gunsten des eigenen
Einflusses Kompromisse einzugehen. (Quelle: blz) Mehr unter:
UN-Inspektoren über Taktik der USA befremdet.
Mi.05.02.03 - Mitglieder des Waffeninspektorenteams zeigen sich nicht nur über die Taktik
der USA befremdet, sie fühlen sich dadurch auch in ihrem Misstrauen bestärkt, was Sinn und
Zweck ihre Mission angeht. "Es ist völlig unerheblich, was wir hier inspizieren und dass wir
bisher nichts gefunden haben", sagt einer von ihnen sehr offen. "Die USA wollen diesen
Krieg, und sie werden ihn auch beginnen."
Sie bestätigen, dass die Iraker sehr gut mit ihnen kooperieren
würden. Außerdem verweisen sie darauf, dass der
Inspektorenbericht von 1999 die weitgehende Abrüstung Iraks
festgestellt hatte. Selbst bei Umgehung des Embargos wäre
Irak ihrer Ansicht nach nicht in der Lage gewesen, in der
seither vergangenen Zeit sich wieder in den Besitz von
Massenvernichtungswaffen zu bringen. "Das Unglück Iraks ist,
dass das Land zu viel Öl hat", ist einer der Inspektoren
überzeugt. Nordkorea, so fährt er fort, entwickle
erklärtermaßen Nuklearwaffen, diesem Land passiere jedoch
nichts Vergleichbares wie Irak. (Quelle: blz) Mehr unter:
"In den Sicherheitsapparaten der Amerikaner und der Briten ist das
Zutrauen in die Suche der Kontrolleure (...) gering, weil
diesmal die Geheimdienste nicht mit von der Partie sind. Das war
früher anders. Unter den etwa 1000 Waffeninspektoren, die
zwischen 1991 und 1998 im Irak weit reichende Raketen sowie
atomare, biologische und chemische Waffen zerstören sollten, hatten
sich etliche Mitarbeiter westlicher Geheimdienste befunden. Der
Bundesnachrichtendienst (BND) war in der Kommission, die den
Namen Unscom trug, ebenso vertreten wie der britische MI6 oder
die US-Geheimdienste CIA, DIA und NSA. Die
Nachrichtendienstler waren sachkundig und kannten Saddams
dunkle Kanäle zum Einkauf hochsensibler Rüstungsgüter. Alle hatten
sie sich verpflichtet, nach den Vorschriften der UN zu arbeiten. Die
USA stellten zudem ein U2-Spionageflugzeug zur Verfügung.
Der legendäre UN-Inspektor Scott Ritter, ein früherer
Marine-Infanterist und Spezialist für Sprengstoffe, hatte ein so
genanntes Funkaufklärungsprogramm entwickelt. Nach seiner
Darstellung wurde das Programm schließlich von der CIA zur
Planung von Luftangriffen auf irakische Ziele 'missbraucht'.
Zudem hätten Geheimdienstmitarbeiter 1998 versucht, die Iraker zu
provozieren. Ein paar Tage vor der neuerlichen Bombardierung
durch die US- Luftwaffe setzten sich die letzten Unscom-Mitarbeiter
im Herbst 1998 aus dem Irak ab. (...) (Süddeutsche Zeitung, 05.02.03)
Kuwait erklärt Norden des Landes zum militärischen Sperrgebiet.
Mi.05.02.03 - Die kuwaitische Regierung hat den an Irak angrenzenden Norden des Landes
zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Die Anordnung gelte ab 15. Februar, meldete
die amtliche Nachrichtenagentur Kuna am Dienstag unter Berufung auf die Armee.
Demnach ist ab diesem Datum das Betreten der Zone nur mit Genehmigung des
Militärs erlaubt. In Vorbereitung eines möglichen Angriffs auf Irak haben die USA
bereits 35.000 Soldaten in dem Emirat zusammengezogen. Im November
vergangenen Jahres hatte Kuwait den Norden des Landes bereits vorübergehend
wegen gemeinsamer Manöver mit der US-Armee abgeriegelt. (Quelle: afp)
Deutscher UN-Botschafter Pleuger: Berlin schließt militärisches Vorgehen gegen Irak nicht aus.
Mi.05.02.03 - Deutschland schließt nach den Worten von UN-Botschafter Gunter Pleuger
ein militärisches Vorgehen gegen Irak nicht grundsätzlich aus. "Wir haben niemals
gesagt, dass eine Militäraktion in einer politischen Strategie ausgeschlossen
werden könnte", sagte Pleuger am Dienstag vor Journalisten in New York.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe lediglich gesagt, dass er eine
deutsche Beteiligung an einem möglichen Irak-Krieg ausschließe. Nach Ansicht der
Bundesregierung überwiegen die Risiken eines Krieges bei weitem die möglichen
Vorteile, wie Pleuger weiter sagte. (Quelle: afp)
NATO-Entscheidung zu Irak verzögert sich weiter.
Mi.05.02.03 - Die Entscheidung der NATO über eine US-Anfrage um Unterstützung
im Fall eines Irak-Kriegs verzögert sich weiter. Auch bei der Sitzung der 19
Botschafter am Mittwoch werde es noch keinen Beschluss geben,
verlautete am Dienstag aus Kreisen der Allianz im Brüsseler Hauptquartier.
Zunächst müsse der Vortrag von US-Aussenminister Colin Powell vor dem
UN-Sicherheitsrat abgewartet werden. Bislang hatten Deutschland, Frankreich,
Belgien und Luxemburg eine Entscheidung der NATO zum jetzigen Zeitpunkt als
verfrüht erachtet und deshalb einen Beschluss der Allianz blockiert.
Bei der NATO hiess es, möglicherweise komme der NATO-Rat der
Botschafter am Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammen. Generalsekretär
George Robertson habe eine für Donnerstag geplante Reise nach Bulgarien
vorsorglich abgesagt.
Die USA haben die NATO darum gebeten, im Kriegsfall den Schutz des
Bündnispartners Türkei zu garantieren. Die Regierung in Ankara hat diesen Wunsch
in bilateralen Gesprächen mit den Bündnispartnern mittlerweile ebenfalls geäussert.
Dazu sollen AWACS-Aufklärungsflugzeuge und Patriot-Abwehrraketen eingesetzt
werden. Zudem soll der Einsatz der NATO-Flotte im Mittelmeer verstärkt werden.
(Quelle: ap)
Konflikt in Spanien über Haltung der Regierung zum Irak-Krieg.
Mi.05.02.03 - Die überwiegende Mehrheit der Bürger und die Opposition ist gegen den
Kurs der konservativen Regierung, die überdies EU-weit für die höchste Arbeitslosenquote
verantwortlich ist
In einem Geheimtreffen ist die spanische Regierung beim Versuch abgeblitzt, die
Opposition für den Krieg zu gewinnen. Eine scharfe Polemik und Zensurvorwürfe
sind nach Anti-Kriegsprotesten von Künstlern zur Filmpreisverleihung entbrannt. Mehr unter:
Rechenmodell Irak-Krieg:
Mi.05.02.03 - Wie die Deutsche Bank jetzt berichtete, haben sich Fachleute
aus den USA und Europa auf Einladung des US-amerikanischen
Center for Strategic and International Studies (CSIS)
Gedanken über die wirtschaftlichen Auswirkungen eines
Angriffs auf den Irak gemacht. Von deutscher Seite nahmen
Ökonomen der Forschungsabteilung der Bank an dem
Workshop teil. Mehr unter:
Friedensappell an US-Präsident George W. Bush.
Mi.05.02.03 - Vier Nobelpreisträger und rund 40 Pazifisten aus der ganzen Welt
haben in einem offenen Brief an US-Präsident George W. Bush gegen einen
möglichen Krieg in Irak protestiert. Ein Krieg sei immer ein Rückschritt, eine
Niederlage für Demokratie und Entwicklung, hieß es in dem Brief, der in Barcelona
von dem ehemaligen Direktor der UNESCO, Frederico Mayor Zaragoza, vorgestellt
wurde. Der Brief wurde an das Weiße Haus und die US-Botschaft in Spanien
geschickt.
Die kriegerische Haltung der USA gegenüber Irak gefährde die Grundfesten des
Zusammenlebens auf der Welt und das internationale Recht, hieß es in dem Brief
weiter. Ein Krieg gegen Bagdad werde einem unterdrückten Volk noch mehr Tod,
Leid und Verzweiflung bringen. Der Brief wurde unter anderen unterzeichnet von dem
amerikanischen Linguisten Noam Chomsky und den Friedensnobelpreisträgern
Rigoberta Menchu, Joseph Rotblat, Adolfo Perez Esquivel sowie dem
Literaturnobelpreisträger Jose Saramago. Die Aktion wurde koordiniert von der
Organisation Ubunto Weltforum [http://www.ubuntu.org]. (Quelle: ap)
Carter und Mandela wollen Irak besuchen.
Mi.05.02.03 - Die Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter und Nelson Mandela
wollen in Kürze nach Bagdad reisen. Das berichtet die "Berliner Morgenpost". Sie
wollen vom irakischen Staatschef Saddam Hussein Zugeständnisse einfordern, um
einen Krieg noch zu verhindern. Zur Vorbereitung der Initiative sei der frühere Leiter
des UN- Hilfsprogramms für den Irak, Hans Graf von Sponeck, bis zum Montag in
Bagdad gewesen, so das Blatt. Ziel sei auch eine ständige
Menschenrechts-Kontrolle im Irak, hieß es. (Quelle: dpa)
Kirchen suchen gemeinsame Position gegen Irak-Krieg
Mi.05.02.03 - Kirchenvertreter aus Europa, den USA und dem Nahen Osten
kommen heute in Berlin zusammen. Sie suchen eine gemeinsame Antwort auf den
drohenden Krieg im Irak. Die Würdenträger sind auf Initiative der Evangelischen
Kirche in Deutschland nach Berlin gekommen. Sie treffen auch mit Bundeskanzler
Gerhard Schröder zusammen. Der EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock hatte zuletzt
massive Angriffe gegen die Irak-Politik der USA gerichtet. (Quelle: dpa)
Unions-Parteien verschärfen Kritik an Schröders Irak-Politik.
Mi.05.02.03 - Während sich in der Innenpolitik Regierung und
Opposition in Berlin ihrer Kooperationsbereitschaft
versichern, wird der Ton in der aussenpolitischen
Auseinandersetzung schärfer. Der Sprecher für
aussenpolitische Angelegenheiten der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Pflüger, warf Bundeskanzler
Schröder am Dienstag vor, als erster bundesdeutscher
Kanzler antiamerikanische und antiisraelische
Ressentiments zu schüren. Die Motive der amerikanischen
Irakpolitik würden zumeist falsch dargestellt. Die USA
treibe nicht die Gier nach Öl, sondern die berechtigte
Sorge vor einem zweiten "11. September" - diesmal
allerdings mit Massenvernichtungswaffen. Zugleich warf der
Christlichdemokrat der Bundesregierung vor, das Regime
Saddam Husseins zu verharmlosen, obwohl Berlin
genügend Informationen über das Vorhandensein von
Massenvernichtungswaffen im Irak besitze. Schröder habe
mit seiner einseitigen Festlegung verschuldet, dass
Deutschland in der internationalen Krisendiplomatie keine
Rolle spiele und keinen Einfluss auf die weitere
Entwicklung habe.
Die CDU-Vorsitzende Merkel erklärte, ihre Partei werde die
transatlantischen Beziehungen zu einem vordringlichen
Thema in den nächsten Monaten machen. Merkel sagte
auch, sie würde es befürworten, wenn Deutschland
gemeinsam mit den europäischen Partnern und den USA
für eine zweite Uno-Resolution stimme, um den Druck auf
Bagdad zu erhöhen. Mit diesen Wortmeldungen haben die
Christlichdemokraten klarer als in der Vergangenheit
Stellung bezogen. Im Bundestagswahlkampf hatte sich ihr
Kanzlerkandidat Stoiber um eine präzise Position in der
Irak-Frage gedrückt, weil ein Antikriegskurs die
Zustimmung eines Grossteils der Bevölkerung findet. Wie
die Regierung lehnt die CDU jedoch die Teilnahme
deutscher Truppen an einer Militäroperation gegen den
Irak ab. (Quelle: nzz)
USA erhöhen im Streit mit Nordkorea Militärpräsenz in Ostasien.
Mi.05.02.03 - Zur Abschreckung Nordkoreas im Fall eines Irak-Krieges
werden die USA nach Angaben aus Verteidigungskreisen möglicherweise Bomber,
Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe in die Nähe der koreanischen Halbinsel
entsenden.
Die Truppen seien für eine Verlegung in Alarmbereitschaft versetzt worden,
verlautete am Montag aus den Kreisen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld
habe die Verlegung jedoch noch nicht angeordnet. Angesichts des Atomstreits mit
Nordkorea hatte der Befehlshaber der US-Truppen im Pazifik-Raum, Admiral
Thomas Fargo, eine Verstärkung der Truppen gefordert.
Wie aus den Kreisen weiter verlautete, würden im Rahmen der Verlegung keine
zusätzlichen US-Bodentruppen nach Südkorea geschickt. Dort sind derzeit rund
37.000 US-Soldaten stationiert. Den Angaben zufolge könnten F-16-Kampfflugzeuge
von den USA auf Stützpunkten in Japan stationiert werden. B-1 oder B-52-Bomber
könnten auf die US-Pazifikinsel Guam verlegt werden. Sollte der Flugzeugträger
"USS Kitty Hawk" vom West-Pazifik in die Golf-Region entsandt werden, könnte
dessen Position der gegenwärtig vor Hawaii liegende Flugzeugträger "USS Carl Vinson" einnehmen, hieß es.
In den vergangenen Monaten hatte sich das Verhältnis zwischen den USA und dem kommunistischen Nordkorea
stark verschlechtert. Anlass war, dass Nordkorea nach US-Angaben entgegen einem Abkommen von 1994 sein
Atomprogramm fortgesetzt hat. Die USA stellten daraufhin ihre in dem Abkommen zugesagten Heizöllieferungen an
das Land ein. Nordkorea trat anschließend aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Am Montag hatte Nordkorea erklärt,
die Armee des Landes sei für den Fall eines US-Angriffs kampfbereit. Die USA haben Vorwürfe Nordkoreas
zurückgewiesen, einen Angriff auf das Land zu planen. (Quelle: rtr)
Neuer Staat Serbien-Montenegro löst Jugoslawien ab.
Mi.05.02.03 - Das jugoslawische Parlament hat am Dienstag mit der Zustimmung zu einer
neuen Verfassung die Bundesrepublik Jugoslawien aufgelöst und den Staat
Serbien-Montenegro proklamiert. In der Bürgerkammer des Parlaments stimmten 84 von 138
Abgeordneten für die von der Europäischen Union vermittelte Staatengemeinschaft,
die den Weg für eine weitere Annäherung an die EU freimachen soll. Damit
verschwindet Jugoslawien nach 84 Jahren von den Landkarten. Noch am Abend
riefen die politischen Führer beider Republiken den neuen Staat feierlich aus.
Nach der neuen Verfassung sollen beide Mitgliedstaaten künftig einen losen
Staatenbund bilden. Belgrad soll mit dem Sitz des Parlaments und des
Ministerrates das administrative Zentrum bleiben. Es gibt fünf Ministerien:
Außenpolitik, Verteidigung, Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland,
Wirtschaftsbeziehungen im Binnenbereich sowie Menschen- und
Minderheitenrechte. Nach der Proklamation des Staates muss sich binnen 15 Tagen das neue Parlament
konstituieren, das den Staatspräsidenten und die Minister wählt.
Nach monatelangen politischen Auseinandersetzungen um das künftige Staatssystem sagte Parlamentsvorsitzende
Dragoljub Micunovic: "Die Eröffnung einer europäischen Perspektive für die Bürger war unser Ziel." Ein in der
Verfassung vorgesehenes Referendum in drei Jahren über die die Auflösung der Union werde dann vergessen sein. Er
sagte: "Unsere Bürger werden in Europa leben wollen."
Oppositionsparteien kritisierten, Jugoslawien werde auf undemokratische Weise und unter Bruch der bestehenden
Verfassung zu Grabe getragen. "Wir haben hier zwei einzelne Wirtschaftssysteme, keine gemeinsame
Wirtschaftspolitik und keine Zentralbank, keinen Haushalt, keine Finanzierungsquellen und keine gemeinsame
Währung", sagte der Fraktionsvorsitzende der Serbischen Sozialisten (SPS), Oskar Kovac.
Jugoslawien wurde 1918 als "Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen" gegründet. Das Nachkriegs-Jugoslawien
war eine Schöpfung des Sozialisten Josip Broz Tito. Seit dem Ende des Sozialismus fiel der Vielvölkerstaat in
mehreren Kriegen auseinander. Vier von sechs Teilrepubliken hatten sich Anfang der 90er Jahre selbstständig
gemacht: Slowenien, Kroatien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina. Die Provinz Kosovo steht seit 1999 unter
Verwaltung des Vereinten Nationen. (Quelle: dpa)
EU-Arbeitsmarkt verdüstert sich.
Mi.05.02.03 - Die Lage am Arbeitsmarkt in der EU hat sich
zum Jahresende 2002 verdüstert. Die saisonbereinigte
Arbeitslosenquote in allen 15 Ländern der EU stieg im Dezember
um 0,1 Prozentpunkte auf 7,8 Prozent, so die EU-Statistikbehörde
Eurostat gestern. In der Eurozone mit zwölf Ländern wurde wie
bereits im November eine Arbeitslosenquote von 8,5 Prozent
verzeichnet. Für Deutschland ermittelte Eurostat ebenfalls einen
Wert von 8,5 Prozent. Die EU-Statistiker berechnen diese Quote
allerdings nach anderen Kriterien als die Bundesanstalt für Arbeit,
die für Dezember den Wert von 10,1 Prozent ermittelt hatte. Die
niedrigsten Arbeitslosenquoten verzeichneten Luxemburg mit 2,7
Prozent und die Niederlande mit 2,9 Prozent.(Quelle: dpa)
Arbeitslosenzahl in Deutschland steigt auf 4,623 Millionen.
Mi.05.02.03 - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar nach
Angaben aus informierten Kreisen unerwartet drastisch um rund 398.000 auf 4,623
Millionen gestiegen. Dies ist der höchste Januar-Wert seit fünf Jahren.
Die Arbeitslosenquote sei im vergangenen Monat bundesweit auf 11,1 Prozent von
10,1 Prozent im Dezember gestiegen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am
Dienstagabend aus informierten Kreisen, die sich auf Zahlen der Bundesanstalt für
Arbeit beriefen. Auch saisonbereinigt stieg die Zahl der Erwerbslosen den Angaben
zufolge unerwartet deutlich um 62.000. Die Bundesanstalt gibt die
Arbeitslosenzahlen am Mittwoch bekannt.
Der Anstieg der Arbeitslosigkeit fiel weitaus höher aus als von Experten erwartet.
Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt einen saisonbereinigten
Anstieg um 29.600 Arbeitslose erwartet. Bei der unbereinigten Zahl hatten Experten
lediglich mit einem Anstieg auf über 4,5 Millionen gerechnet.
Vor allem im Osten Deutschlands stieg die Arbeitslosigkeit den Angaben zufolge im
Januar sprunghaft an. Dort waren den Angaben zufolge rund 1,725 Millionen
Arbeitslose (Quote: 19,5 Prozent) registriert, nahezu 280.000 mehr als im
Dezember. Im Westen nahm die Zahl den Angaben zufolge um etwa 118.000 auf
2,898 Millionen Arbeitslose (Quote: 8,8 Prozent) zu.
Erstmals seit März 1998 wurde damit bundesweit wieder die Marke von 4,5
Millionen Arbeitslosen überschritten. Damals hatte die Zahl der Arbeitslosen
ebenfalls bei 4,623 Millionen gelegen. Die höchste Arbeitslosigkeit in der
Bundesrepublik überhaupt war im Januar 1998 mit 4,823 Millionen Erwerbslosen registriert worden.
(Quelle: rtr)
Kanzler zeigt sich bei Kündigungsschutz flexibel.
Mi.05.02.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist grundsätzlich
bereit, über eine Lockerung des Kündigungsschutzes zu
verhandeln. "Wenn die Arbeitgeber bereit sind zu
garantieren, dass es zusätzliche Einstellungen in
erheblichem Maße gibt, dann muss man über die
Flexibilisierung auch dieses Bereichs reden", sagte
Schröder in der ZDF-Sendung "Was nun, Herr
Schröder?".
Angestoßen worden war die Debatte um den Kündigungsschutz innerhalb der
Regierung von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD). Er war damit auf
erbitterten Widerstand der Gewerkschaften gestoßen. Schröder sagte, angesichts
hoher Arbeitslosenzahlen dürfe die Regierung den Kündigungsschutz "nicht total
aufgeben". Die Gewerkschaften seien "wichtig, aber sie sind eine Gruppe in der
Gesellschaft, genau wie die Arbeitgeber eine Gruppe sind. Unsere Aufgabe ist es,
dass Gemeinwohl zu definieren." (Quelle: afp)
Bundes-SPD erreicht bei Sonntags-Umfrage nur noch 27 Prozent.
Mi.05.02.03 - Das Debakel der SPD bei den Wahlen in Niedersachsen und
Hessen hat den Abwärtstrend der Bundespartei laut einer Forsa-Umfrage weiter
verschärft. Bei der "Sonntagsfrage" zur Bundestagswahl erreichten die
Sozialdemokraten nur noch 27 Prozent, teilte das Hamburger Magazins "Stern" am
Dienstag mit. Dies seien vier Prozentpunkte weniger als vor den Landtagswahlen.
Die Union dagegen konnte ihr Ergebnis im Vergleich zur Vorwoche um zwei Punkte
auf 49 Prozent erhöhen. Die Grünen kämen auf elf Prozent (plus 1), die FDP auf
sieben Prozent (plus 1) und die PDS auf drei Prozent (minus 1), wenn an diesem
Sonntag Bundestagswahl wäre.
Nach einer Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstituts dimap erwartet etwa jeder
vierte Deutsche, dass die SPD-Wahlniederlagen in Niedersachsen und Hessen zu
einem Ende der rot-grünen Bundesregierung führen werden. Dieser Ansicht seien 24
Prozent der Befragten, teilte "MDR aktuell" als Auftraggeber der Umfrage am
Dienstag mit. 59 Prozent sind allerdings der Meinung, dass Rot-Grün bis zum Ende
der Amtszeit weiter regieren kann. 16 Prozent haben sich keine Meinung zu der
Frage gebildet. (Quelle: dpa)
Schröder kündigt Reformkurs auch gegen Kritik in SPD an.
Mi.05.02.03 - Schröder sagte am Dienstag in der ZDF-Sendung "Was nun?", er werde der Kritik
aus den eigenen Reihen nicht nachgeben, sondern wie in den vergangenen Jahren
seine Meinung in der SPD durchsetzen. Die Sprecherin der SPD-Linken, Andrea
Nahles, kritisierte, Schröder habe keine neuen Impulse geliefert. Am kommenden
Montag wollen die Linken ihre Kritik in einem Eckpunkte-Papier im SPD-Vorstand
einbringen. Juso-Chef Niels Annen distanzierte sich von einer Erklärung aus den
Reihen seiner Organisation, mit der Schröder zum Rücktritt von seinem Posten als
SPD-Chef aufgefordert wird.
Schröder sagte: "Es ist mir in den letzten vier Jahren immer gelungen, wenn es
Spitz auf Knopf kam, was ich für richtig und vernünftig halte, durchzusetzen. Das wir
auch jetzt wieder so sein." Kritik an der Regierung sei nach verlorenen
Landtagswahlen verständlich. "Aber ich kann dem nicht nachgeben. Und ich werde
dem nicht nachgeben."
Vor allem auf dem linken Parteiflügel gibt es erhebliche Vorbehalte gegen den von
Schröder angekündigten strikten Modernisierungskurs. Gefordert wird von diesem SPD-Flügel unter anderem, den
strengen Sparkurs von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) aufzugeben. Breite Kritik hat in der Partei die
Überlegung von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) ausgelöst, den Kündigungsschutz zu lockern.
Schröder sagte, eine solche Flexibilisierung sei möglich, wenn die Arbeitgeber Zusagen für Arbeitsplätze gäben. Auf
der Parteilinken wurde mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass in der Erklärung des SPD-Präsidiums eine Reform
des Kündigungsschutzes nicht angekündigt wird.
Die SPD hatte am Sonntag bei den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen schwere Niederlagen erlitten.
Schröder hatte daraufhin einen strikten Modernisierungskurs angekündigt.
Juso-Chef Niels Annen sagte Reuters: "Die Debatte über die politischen Konsequenzen aus den Wahlniederlagen ist
noch nicht zu Ende." Die Linke werde ihre Vorschläge am kommenden Montag in der Sitzung des SPD-Vorstands
vorlegen. Linken-Chefin Nahles sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwochausgabe), Schröders
Äußerungen und die damit verbundene Erklärung des SPD-Präsidiums seien Ausdruck eines "plumpen Weiter-So".
Zur Rücktrittsforderung der SPD-Jungsozialisten (Jusos) Hessen-Süd sagte Annen: "Das ist nicht die Position der
Bundes-Jusos." Die Jusos Hessen-Süd hatten erklärt: "Um eine völlige Depression der SPD zu verhindern muss
Schröder den Parteivorsitz der SPD niederlegen. Der Bundeskanzler hat das Vertrauen der Partei verspielt."
Schröders Positionen seien in der Partei nicht mehr mehrheitsfähig. Nur durch eine Doppelspitze aus Bundeskanzler
und Parteichef sei die SPD in der Lage, ihr Profil zu schärfen. (Quelle: rtr)
Gewerkschafter für Rückkehr Lafontaines in Bundespolitik.
Mi.05.02.03 - In den Gewerkschaften wird der Ruf nach einer Rückkehr des
früheren SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine in die Bundespolitik immer lauter.
"Lafontaine steht für eine klare, sozial ausgewogene Politik", sagte das
Vorstandsmitglied der IG BAU, Dietmar Schäfers, der "Bild"-Zeitung
(Mittwochausgabe). Er begründete sein Eintreten für ein politisches Comeback
Lafontaines mit dem Hinweis, die Menschen "wollen wissen, worin sich die SPD
von der Union unterscheidet".
Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Margret Mönig-Raane betonte, es sei "richtig,
wenn Lafontaine eine neue Chance erhält". Auch der nordrhein-westfälische
ver.di-Chef Hartmut Limbeck sprach sich für eine Rückkehr des ehemaligen
Bundesfinanzministers aus: "Es ist richtig, wenn aus der SPD wieder andere
Stimmen zu hören sind als diejenigen, die vor allem soziale Einschnitte und
Steuersenkungen für Großverdiener fordern." (Quelle: ap)
Mi.05.02.03 - Mit einem Antikriegskongreß und einer internationalen Großdemonstration
am 8. Februar, 12 Uhr (Marienplatz) soll gegen die "Internationale Konferenz für
Sicherheitspolitik" in München protestiert werden. Organisert wird der Protestmarsch
von einer Koalition aus der Bewegung Attac, dem Münchner Friedensbündnis und
anderen Gruppen.
Claus Schreer, Sprecher des "Demonstrationsbündnisses gegen die
Nato-Sicherheitskonferenz"erwartet mindestens 10000 Teilnehmer,
von denen viele aus anderen deutschen Städten oder dem benachbarten
Ausland anreisen. Weil die Stadt keine Unterkünfte zur Verfügung stellt, ruft das
Demonstrationsbündnis die Münchner auf, den auswärtigen
Kriegsgegnern Übernachtungsmöglichkeiten zu bieten. Die
Schlafplatzbörse ist unter der Telefonnummer 0163/5089406 zu
erreichen.
Schreer hat die Warnung des bayerischen
Innenministers Günther Beckstein vor "Gewaltexzessen" während
der Demonstration am kommenden Wochenende als haltlos
zurückgewiesen. "Beckstein versucht in letzter Minute, das Märchen
vom vergangenen Jahr aufzuwärmen, gewaltbereite Chaoten seien in
Anmarsch auf München", sagte Schreer bei einer Pressekonferenz
gestern Mittag. Als "ebenso schwachsinnig" wie Becksteins
Befürchtungen bezeichnete Schreer die Warnung des
US-Außenministeriums, amerikanische Touristen sollten am
Wochenende die Münchner Innenstadt meiden: "Die einzigen
Gewalttäter werden am Wochenende die potenziellen
Kriegsverbrecher im Bayerischen Hof sein, die dort über einen
völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak beraten."
Schreers Bündnis will auch gegen die Bundesregierung demonstrieren,
die es zulasse, dass "Deutschland die Drehscheibe für die Truppentransporte ist".
Vor diesem Hintergrund müsse sich Münchens Oberbürgermeister Ude bei
Bundeskanzler Gerhard Schröder dafür einsetzen, dass er sich nicht an
Kriegsvorbereitungen beteilige. "Anti-Kriegs-Rhetorik allein genügt nicht", sagte Schreer.
Mit Plakaten in der ganzen Stadt sowie Aufrufen in der
Lokalpresse mobilisieren inzwischen Oberbürgermeister
Christian Ude, die Münchner SPD und der bayerische DGB zu
einer eigenen Antikriegskundgebung am Samstag um 11 Uhr
auf dem Odeonsplatz. "Unsere Kundgebung mit
Oberbürgermeister Ude und den beiden Kirchen richtet sich
gegen den drohenden Irak-Krieg und nicht gegen die
Sicherheitskonferenz. Wer gegen die NATO und die
Sicherheitskonferenz hetzt, legt sich politisch einseitig fest und
kann kein breites Bündnis gegen den Krieg mobilisieren",
begründet der bayerische DGB-Vorsitzende Fritz Schösser die
angebliche Notwendigkeit einer Konkurrenzveranstaltung.
Während die Gewerkschaft ver.di dazu aufruft, zuerst zur
Kundgebung des DGB und anschließend um 12 Uhr zur
Kundgebung gegen die NATO-Sicherheitskonfernz auf dem
Marienplatz zu kommen, kritisieren viele Friedensaktivisten,
daß so viele Münchner von der Teilnahme an einer
Friedenskonferenz am Vormittag abgehalten würden. "Da soll
uns das Wasser abgegraben werden", vermutet Inge Ammon
von den pazifistischen "Christen in der Region München".
Schösser hat auch die globalisierungskritische Organisation
ATTAC, die dem Demonstrationsbündnis gegen die
NATO-Sicherheitskonferenz angehört, zur Teilnahme an seiner
Kundgebung aufgerufen. Zwar begrüße man, daß auch die
Spitzen der Gewerkschaft gegen den drohenden Krieg Stellung
beziehen. "Aus der Sicht von ATTAC sind jedoch ein Einsatz im
Irak, NATO-Politik und Sicherheitskonferenz untrennbar
miteinander verknüpft", wehrte sich die Organisation in einem
offenen Brief gegen diesen Abwerbeversuch.
Während auf der DGB-Kundgebung Prominente wie OB Ude,
DGB-Chef Schösser und Weihbischof Engelbert Siebler als
Redner angekündigt werden, möchte das Bündnis gegen die
NATO-Sicherheitskonferenz vor allem Aktivisten der
Antikriegsbewegung zu Wort kommen lassen.
Auf einer von Freitag bis Sonntag, 7. bis 9. Februar, gleichzeitig
mit der Sicherheitskonferenz stattfindenden
Friedenskonferenz, werden auf einer Podiumsdiskussion und in
mehreren Foren unter anderem der Friedensforscher Johann
Galtung, die Attac-Mitbegründerin Susan George und der
taz-Korrespondent bei den Vereinten Nationen, Andreas Zumach,
sprechen. (Quellen: jw, sz, taz)
Mehr Information unter:
Tausende Polizisten sollen Sicherheitskonferenz schützen.
Offizielle Homepage der Münchner Sicherheitskonferenz:
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