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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Di.11.02.03, 12:45 Paris, Berlin und Moskau gemeinsam für friedliche Irak-Lösung.
Di.11.02.03 - Frankreich, Deutschland und Russland haben sich in einem
gemeinsamen Vorstoß für eine friedliche Lösung im Irak-Konflikt und eine
Verstärkung der UN-Kontrollen eingesetzt. "Es gibt noch eine Alternative zum Krieg,
davon sind wir überzeugt", sagte Chirac am Montagabend in Paris. Er stellte
zusammen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eine Irak-Erklärung vor,
auf die sich Paris, Berlin und Moskau zuvor geeinigt hatten. Putin warnte vor
"schweren Konsequenzen im Falle eines Militärschlags" im Irak.
Die Abrüstung des Iraks bleibe das gemeinsam Ziel im Rahmen der
UN-Resolutionen, betonte Putin. "Die Anwendung von Gewalt könnte nur ein letztes
Mittel sein", heißt es in der Erklärung der drei Länder.
Die UN-Waffenkontrollen im Irak hätten bereits Ergebnisse gezeigt. Deshalb sollten
die UN-Inspekteure ihre Kontrolle fortsetzen. Zudem sollten sie Verstärkung auch in
technischer Hinsicht erhalten, wird in der Erklärung gefordert. Sie basiert im
wesentlichen auf Vorschlägen Frankreichs, die Außenminister Dominique de Villepin
in der vergangenen Woche vor dem UN-Sicherheitsrat vorgetragen hatte.
"Die Möglichkeiten der UN-Resolutionen sind längst nicht ausgeschöpft", erklärte Chirac. Die UN-Resolution Nr. 1441
biete den angemessenen Rahmen für verstärkte UN-Inspektionen. Eine zeitliche Begrenzung für die UN-Kontrollen
nannten Chirac und Putin nicht. Auf Fragen der Presse nach einem angeblichen deutschen-französischen Plan, der
eine Beteiligung von UN-Blauhelmen einschließt, erklärte Chirac: "Ich weiß nicht, was sie mit einem
deutsch-französischen Plan meinen."
"Russland, Deutschland und Frankreich sind entschlossen, sämtliche Möglichkeiten zur friedvollen Abrüstung des
Iraks zu ergreifen", heißt es in der Erklärung. Mit Blick auf die Spannungen mit den zum Militärschlag bereiten USA
wird dazu aufgerufen, "die Debatte in Freundschaft und Respekt zu führen, die unsere Beziehungen zu den USA und
anderen Ländern charakterisieren". Paris, Berlin und Moskau betonen in ihrem Aufruf, "dass ihre Position von einer
großen Zahl der 15 Länder im Weltsicherheitsrat geteilt wird".
Putin schlug in Paris vor, dass russische Luftstreitkräfte die UN-Inspekteure unterstützen könnten. In seinem Umfeld
hieß es, die Flugzeuge könnten für Beobachtungsflüge und zur Überwachung der Flugverbotszonen im Irak eingesetzt
werden. Der Irak hat am Montag der UN-Forderung nach U-2-Spionageflügen zugestimmt.
Französische Diplomaten sagten am Montag zur Dreier-Erklärung: "Sie lässt den Weg frei für Inspektionen, aber auch
die Möglichkeit eines Krieges zu." Ein Kriegsbeginn dürfte sich damit aber weiter verzögern. (Quelle: dpa)
Bush unterstreicht Entschlossenheit zum Krieg.
Di.11.02.03 - US-Präsident George W. Bush hat seine Entschlossenheit unterstrichen,
den Irak notfalls gewaltsam zu entwaffnen. Er legte sich allerdings bei einer Rede in Nashville
(US- Bundesstaat Tennessee) am Montag nicht auf einen Zeitplan zur endgültigen
Entscheidung über einen Krieg gegen den Irak fest. Die jüngste NATO-Krise in der Frage der
Türkeihilfe erwähnte er nicht.
Bush warf dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein fortgesetzte Verachtung
der Weltmeinung vor. Es habe bislang keine Anzeichen zum Abrüstungswillen
gezeigt. "Saddam ist eine Bedrohung für die USA und einige unserer engsten
Freunde und Verbündeten", sagte Bush. "Diese Bedrohung akzeptieren wir nicht."
Saddam nehme die Gefährdung der irakischen Bevölkerung bewusst in Kauf, indem
er militärische Einrichtungen in Wohngegenden verstecke, sagte Bush. Die USA
täten dennoch alles, um im Falle eines Krieges zivile Opfer zu vermeiden. "Wenn
der Konflikt stattfindet, werden wir den Irakern Nahrungsmittel, Medikamente und vor
allem Freiheit bringen" sagte Bush. "Wir sind aufgerufen, unsere Nation zu
verteidigen und die Welt zum Frieden zu führen." (Quelle: dpa)
Pentagon: Bereits 133.000 US-Soldaten in der Golfregion.
Di.11.02.03 - Zur Vorbereitung eines möglichen Irak-Krieges haben die USA bereits mehr
133.000 Soldaten in die Golfregion entsandt. Wie ein Vertreter des
US-Verteidigungsministeriums am Montag mitteilte, sind inzwischen mehr als
55.000 Soldaten in Kuwait stationiert. 35.000 weitere Soldaten sind an Bord der
US-Militärschiffe in der Golfregion. Andere US-Truppen sind unter anderem in
Bahrain, Katar und Saudi-Arabien stationiert. Das Pentagon hatte am Wochenende
47 Linienflugzeuge gechartert, um den Truppentransport an den Golf zu
beschleunigen. (Quelle: afp)
US-Flugblätter warnen Iraker vor Fluchthilfe für Saddam.
Di.11.02.03 - Das US-Militär hat ein Flugblatt zum Abwurf über Irak drucken
lassen, dass die Iraker davor war warnt, Präsident Saddam Hussein zur Flucht zu
verhelfen.
Militärkreise bestätigten am Montag die Existenz eines solchen geheimen
Flugblatts, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Darauf wird Schiffsbesitzern
in arabischer Sprache angedroht, ihre Schiffe würden konfisziert, wenn sie Saddam
oder einem anderen Mitglied der irakischen Führung Fluchthilfe leisteten. Auf der
anderen Seite des Pamphlets von der Größe einer Banknote ist ein Kriegsschiff
abgebildet. Darunter stehen die Worte: "Helfen sie nicht dem irakischen Militär oder
Anführern des Regimes zu fliehen". Iraker, die eine solche Flucht beobachten,
sollten die USA oder Großbritannien informieren, heißt es dort weiter.
Keiner dieser Zettel sei bislang über Irak abgeworfen worden, hieß es in den
Kreisen. Die Armee produziere viele Flugblätter, die niemals zum Einsatz kämen.
Britische und US-Kriegsflugzeuge haben in den vergangenen Wochen
hunderttausende Pamphlete über den Flugverbotszonen im Norden und Süden Iraks
abgeworfen. Unter anderem sollten die Iraker damit auf Frequenzen von
US-Armeesendern hingewiesen werden, in denen der irakische Präsident scharf
kritisiert wird. Die Flugzeuge patrouillieren regelmäßig über den Zonen, die nach
dem Golfkrieg 1991 eingerichtet wurden. Irak erkennt die Zonen nicht an. (Quelle: rtr)
Portugal schließt Botschaft in Bagdad.
Di.11.02.03 - Portugal hat nach eigenen Angaben aus Sicherheitsgründen
seine Botschaft in der irakischen Hauptstadt Bagdad geschlossen.
"Der Botschafter hat beschlossen, dass es zu gefährlich ist und die Botschaft
wurde geschlossen", sagte ein Sprecher des portugiesischen Außenministeriums
am Montag. Die Regierung habe ende Januar dem Botschafter selbst die
Entscheidung überlassen, wann sie abziehen wollten. Aus Furcht vor einem
Irak-Krieg haben in den vergangenen Tagen China, Pakistan, Malaysia, Tschechien
und Polen ihr Personal reduziert. (Quelle:rtr)
UN stellen sich im Kriegsfall auf Massenelend ein.
Di.11.02.03 - Die Vereinten Nationen bereiten sich für den Fall eines Krieges gegen den
Irak auf humanitäre Nothilfeoperationen für hundert Tausende Menschen vor. Die erforderliche
Hilfe will UN- Generalsekretär Kofi Annan am Donnerstag mit den Botschaftern
der 15 Mitgliedsländer des Weltsicherheitsrates erörtern.
Wie Ratsmitglieder am Montag mitteilten, ließ Annan seine Bitte
um das Treffen über den deutschen UN-Botschafter Gunter Pleuger
ausrichten, der gegenwärtig Präsident des Rates ist. Dem
Generalsekretär liegen Berichte von UN-Unterorganisationen vor,
die für den Kriegsfall Not und Elend für weite Teile der irakischen Bevölkerung
voraussagen.
So geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davon aus, dass bis zu eine
halben Million Iraker verletzt werden könnten und dringend medizinisch versorgt
werden müssten. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR rechnet damit, dass etwa 600000 Iraker
über die Grenzen in Nachbarländer fliehen würden. Hunderttausende
andere könnten zu Flüchtlingen im eigenen Land werden.
UNHCR bezifferte den zusätzlichen Finanzbedarf zur Versorgung irakischer
Flüchtlinge auf 37 Millionen Dollar (etwa 35 Mio Euro). Die USA hatten der
Organisation in der vergangenen Woche 15 Millionen Dollar zugesagt.
Nach Angaben von UN-Diplomaten bedeutet Annans Vorstoß «nicht, dass er sich bereits mit der Unabwendbarkeit
eines Krieges abgefunden hat». Der UN-Generalsekretär sei weiterhin bemüht, eine friedliche Lösung des
Irak-Konflikts auf diplomatischem Wege zu fördern. Er wolle sich allerdings auch nicht vorwerfen lassen, keine
Vorbereitungen für die im Kriegsfall erforderliche humanitäre Hilfe getroffen zu haben.
Einen Tag nach der Beratung Annans mit den Ratsmitgliedern zur humanitären Problematik eines Krieges sollen die
Chefwaffeninspekteure Hans Blix und Mohammed el Baradei dem Gremium berichten, ob der Irak endlich alle
Forderungen nach aktiver Zusammenarbeit mit den UN erfüllt oder nicht. (Quelle: dpa)
Stabilitätspakt der EU könnte bei Irak-Krieg aufgeweicht werden.
Di.11.02.03 - Der EU-Stabilitätspakt könnte nach einem Pressebericht im Fall eines
Irak-Kriegs vorübergehend außer Kraft gesetzt werden. Die deutsche Regierung
verhandele darüber mit Frankreich und Großbritannien, berichtete die "Financial
Times Deutschland" am Dienstag unter Berufung auf Teilnehmer an der
SPD-Vorstandssitzung in Berlin am Montag. Das habe Bundeskanzler Gerhard
Schröder erläutert. Laut EU-Stabilitätspakt darf die Neuverschuldung der
Mitgliedstaaten nicht die Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP)
überschreiten. Bei "außergewöhnlichen Umständen" kann jedoch eine Ausnahme
gemacht werden. (Quelle: afp)
Verwirrung um deutsche Irak-Pläne.
Di.11.02.03 - Die deutschen Bemühungen um mehr Einfluss im Irak-Konflikt haben bereits
im frühen Stadium für Verwirrung gesorgt und sind international auf Ablehnung gestoßen.
Sprecher der Bundesregierung versuchten am Montag, ein abgestimmtes deutsch-französisches
Vorgehen herunterzuspielen. Dementiert wurde die Existenz eines Geheimplans zum
Irak. Die Rede war lediglich von "Überlegungen" und "Ideen". Trotz der Blockade von
NATO-Planungen für einen Irak-Krieg auch durch die Bundesregierung wird die
Türkei deutsche Patriot-Raketen bekommen.
Unklar blieb, wie weit die deutsch-französischen Überlegungen zum Irak innerhalb
der Bundesregierung abgestimmt waren. Die zuständigen Sprecher bestritten einen
angeblichen lautstarken Krach zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
und Außenminister Joschka Fischer (Grüne) wegen dieses Themas.
Deutschland und Frankreich haben Regierungssprecher Bela Anda zufolge keine
gemeinsame Initiative zur friedlichen Entwaffnung des Irak gestartet, sondern
stimmen derzeit "gemeinsame Ideen" ab. Grundlage seien die Vorschläge von
Frankreichs Außenminister Dominique de Villepin in der vergangenen Woche im
UN-Sicherheitsrat. Ziel sei nicht ein deutsch-französisches Vorgehen, sondern dass
diese Ideen allen Mitgliedern des Sicherheitsrates offen stehen.
Fischer habe die Überlegungen von Villepin als "sehr interessant" bezeichnet, sagte Außenamts-Sprecher Walter
Lindner. Sie sollten weiterverfolgt werden, parallel zu den Überlegungen, die auch Deutschland habe. Gemeinsam sei
beiden Ländern das Ziel einer friedlichen Entwaffnung des Irak.
Detaillierte Gespräche mit den USA über die Irak-Überlegungen wurden offenbar bislang nicht geführt. Bei der Initiative
handelt es sich nach den Worten von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) noch nicht um einen ausgereiften
Plan. "Insofern ist es noch nicht so weit, dass man den Amerikanern eine absolut ausgereifte und mit allen
Einzelheiten belegte Konzeption vorlegen könnte", sagte er im Deutschlandfunk.
Anda nannte Überlegungen zu einem Einsatz von UN-Blauhelmsoldaten im Irak sowie eine mögliche deutsche
Beteiligung daran theoretisch. Für konkrete Vorstellungen zu einem so genannten robusten Mandat sei es noch zu
früh. Solche Vorschläge müssten auch von den UN-Chefinspekteuren kommen. Es sei aber bereits seit längerem im
Gespräch, die Inspekteure durch Blauhelm-Soldaten zu schützen.
Einen lautstarken Krach zwischen Schröder und Fischer in der Irak-Politik bestritten Anda wie auch
Außenamtssprecher Lindner. Der "Bild"-Zeitung zufolge waren ohne Fischers Wissen Berichte über den angeblichen
deutsch-französischen Plan an die Öffentlichkeit gespielt worden. Lindner nannte den Bericht "Unfug". Anda sagte:
"Das Verhältnis zwischen dem Außenminister und dem Bundeskanzler ist gut, war gut und wird auch in Zukunft gut
bleiben und vertrauensvoll".
Die CDU wertete das Wirrwarr um die angebliche deutsch-französische Initiative in der Irak-Frage als schwere
Niederlage für den Kanzler. Nach Ansicht der FDP ist die Bundesregierung außenpolitisch nicht mehr handlungsfähig.
Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, es bleibe dabei, dass Deutschland Ende der Woche
Patriot-Raketen liefern werde - allerdings an die Niederlande. Die Regierung in Den Haag habe um die Waffen für ihre
Patriot-Batterien und Bedienungsmannschaften gebeten, die sie dann der Türkei zur Verfügung stellten. Die
Bundesregierung lehnt eine militärische Beteiligung an einem Irak-Krieg ab.
Die Bundesregierung unterstütze das Veto Frankreichs und Belgiens gegen die Irak-Planungen der NATO, sagte ein
AA-Sprecher. Allerdings legte Deutschland selbst formal kein Veto ein. Die vorsorglichen Planungen der NATO in
Bezug auf den Irak seien in der jetzigen Situation ein falsches Signal, sagte Anda. (Quelle: dpa)
Bush: Blockadehaltung in der NATO beschädigt das Bündnis.
Di.11.02.03 - Die USA haben Frankreich, Belgien und Deutschland vorgeworfen,
mit ihrem Widerstand gegen NATO-Planungen zum Schutz der Türkei für den Fall
eines Irak-Krieges das Bündnis zu beschädigen.
Vor allem ein Riss in den US-Beziehungen zu Frankreich wurde sichtbar, als Präsident George
W. Bush am Montag die französische Entscheidung kurzsichtig nannte und Präsident Jacques
Chirac aufforderte, diese nochmals zu überdenken. Zuvor hatte Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld die drei Länder als isoliert bezeichnet und erklärt: "Falls nötig wird die Planung außerhalb
der NATO laufen." NATO-Generalsekretär George Robertson soll am Dienstag im NATO-Rat einen
Kompromissvorschlag unterbreiten. Frankreich, Deutschland und Belgien haben ihr
Veto damit begründet, dass mit offiziellen Planungsbeginn ein Irak-Krieg unausweichlich
erscheinen könnte. In Deutschland kritisierte die Opposition die Haltung der Bundesregierung.
"Ich bin enttäuscht, dass Frankreich Vorbereitungen der NATO zur Hilfe für ein Land
wie die Türkei blockiert", sagte Bush nach einem Treffen mit dem australischen
Ministerpräsidenten John Howard in Washington, der ein enger Verbündeter der
USA im Irak-Konflikt ist. "Ich verstehe diese Entscheidung nicht. Sie wirkt sich in
einer negativen Art und Weise auf das Bündnis aus", sagte Bush und fügte hinzu:
"Frankreich ist seit langer Zeit ein Freund der Vereinigten Staaten. Wir haben vieles
gemeinsam. Aber ich denke, diese Entscheidung bei der NATO war kurzsichtig."
Die Entscheidung Frankreichs könnte auch auf einen Riss im Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen (UNO) hindeuten. Dort hat Frankreich neben den übrigen
ständigen Mitgliedern USA, Großbritannien, Russland und China ein Veto-Recht.
Es könnte damit eine von den USA und Großbritannien angestrebte neue Resolution
blockieren, die zum Einsatz militärischer Gewalt gegen Irak ermächtigt, sollte die Regierung
in Bagdad die Abrüstungsforderungen der Vereinten Nationen (UNO) nicht erfüllen. Der russische
Präsident Wladimir Putin erklärte am Montag in Paris, Russland werde sich mit Frankreich und
Deutschland für eine Verstärkung der UNO-Waffeninspektoren in Irak einsetzen, um den
Konflikt friedlich zu lösen.
Rumsfeld warf Deutschland, Frankreich und Belgien vor, die NATO zu blockieren. "Die drei Länder hindern die NATO
daran, ihre Pflichten zu erfüllen", sagte er. Sie seien in der 19 Mitglieder starken Allianz isoliert. "Es steht 16 zu drei."
Die Meinungsverschiedenheiten in der NATO haben das Militärbündnis in eine schwere Krise gestürzt. Die Türkei
berief sich auf den Bedrohungsartikel des NATO-Vertrages und forderte neue Beratungen. Dieser nach Robertsons
Einschätzung bislang einmalige Schritt erhöht Diplomaten zufolge den Druck auf Deutschland, Frankreich und
Belgien, ihre Position zu ändern, könnte ihnen allerdings auch eine Brücke bauen. Vor allem Frankreich wolle aber
keine Entscheidung vor dem erneuten Bericht der UNO-Waffeninspektoren im Sicherheitsrat am Freitag, hieß es in
NATO-Kreisen. Deutschland, Frankreich und Belgien bekannten sich allerdings zur Bündnistreue zur Türkei.
Einem Vorabbericht der "Bild"-Zeitung (Dienstagausgabe) besprach der deutsche Botschafter in Ankara, Rudolf
Schmidt, mit der türkischen Regierung die Haltung der Bundesregierung. Beide Seiten hätten das Gespräch als
freundlich bezeichnet, hieß es.
In Deutschland warnte der CDU-Außenpolitiker Volker Rühe vor einem Auseinanderbrechen der NATO. Diese Gefahr
bestehe durchaus, sagte Rühe in einem Vorabbericht der "Bild"-Zeitung (Dienstagausgabe). "Wenn sich ein
Bündnispartner wie die Türkei bedroht fühlt und in der NATO die Planung für Schutzmaßnahmen verweigert wird, steht
der Kern einer Militärallianz in Frage", sagte Rühe, der Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages
ist und früher Bundesverteidigungsminister war. FDP-Chef Guido Westerwelle warnte vor einer Isolierung
Deutschlands. "Wir brauchen eine deutsche Abrüstung der Worte im Bündnis, denn sonst werden wir international
völlig abgemeldet", sagte Westerwelle am Montagabend im NDR-Fernsehen. Mit Blick auf die Außenpolitik der
rot-grünen Bundesregierung sagte er: "Es wird Jahre dauern bis dieser Scherbenhaufen auch nur annähernd
abgetragen werden kann." (Quelle:rtr)
Müntefering verteidigt Kurs der Bundesregierung in Irak-Krise.
Di.11.02.03 - Mit massiver Kritik an den USA hat der Vorsitzende der
SPD-Bundestagsfraktion, Franz Müntefering, am Dienstag den Kurs der
Bundesregierung in der Irak-Krise verteidigt.
Die USA versuchten, die Verbündeten machtpolitisch auf ihren Kurs zu bringen,
sagte Müntefering im Deutschlandfunk. "Wir glauben, dass man nicht alles auf
einen Krieg im Irak ausrichten muss", fügte der SPD-Fraktionschef hinzu.
Deutschland sei in dieser Frage nicht isoliert. "Insofern hat unser Verhalten da eine
Logik." Ein Krieg im Nahen Osten müsse vermieden werden. SPD-Vorstand und
-Bundestagsfraktion hatten dem Anti-Kriegs-Kurs von Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) am Vorabend unterstützt.
Müntefering sagte, die Bundesregierung versuche alles, um einen Krieg gegen Irak
zu vermeiden. Schröder habe dafür die volle Unterstützung von Partei und Fraktion.
"Einen Krieg zu vermeiden ist doch nicht etwas, wofür man sich schämen muss."
Die Weltgemeinschaft müsse daran mitwirken, dass der Konflikt um die Abrüstung
Iraks mit friedlichen Mitteln gelöst werde. Die USA werfen Irak den Besitz von
Massenvernichtungswaffen vor und haben dem arabischen Land mit einem
Militärschlag gedroht, sollte es nicht wie von den Vereinten Nationen (UNO)
gefordert abrüsten.
Zugleich verteidigte Müntefering die Entscheidung Deutschlands, im NATO-Rat
zusammen mit Frankreich und Belgien ein Veto gegen Planungen zum Schutz der
Türkei vor einem möglichen irakischen Angriff einzulegen. Damit sei das Bündnis
nicht aufs Spiel gesetzt worden. Die Kritiker der deutschen Entscheidung täten so,
als ob es unvermeidlich zu einem Konflikt kommen werde. Bei einer Bedrohung
werde Deutschland der Türkei beistehen. (rtr)
NATO-Rat berät Gefährdungslage der Türkei.
Di.11.02.03 - Die NATO-Staaten wollen heute in Brüssel über die Bedrohung der
Türkei vor dem Hintergrund der Irak-Krise diskutieren. Anlass sind
die von Ankara beantragten Konsultationen der Alliierten. Als
Grundlage der Beratungen dient der Bericht, den General Harald
Kujat als Vorsitzender des Militärausschusses vorgelegt hatte.
Kujat machte dabei keine abschließende Beurteilung der
Gefährdungssituation.
Frankreich, Belgien und Deutschland hatten sich gegen eine umgehende
NATO-Zusage der von den USA erbetenen Unterstützung für einen möglichen
Irak-Krieg ausgesprochen. Damit wurde zunächst auch die Lieferung von
Patriot-Luftabwehrraketen blockiert, die in der Türkei als Nachbarstaat des Irak
stationiert werden sollen. Die Regierungen in Paris, Brüssel und Berlin verhinderten
die NATO-Unterstützung, zu der auch AWACS-Überwachungsflugzeuge und
Spezialeinheiten für den Einsatz gegen chemische und biologische Kampfstoffe
gehören, weil sie noch nicht über Kriegsplanungen entscheiden wollten, solange
noch die Bemühungen um eine friedliche Lösung der Irak-Krise andauern. Die Türkei
als möglicher "Frontstaat" fürchtet bei einem Krieg Angriffe des Irak. (Quelle: afp)
Irak akzeptiert U-2-Spionageflüge und kündigt Zugeständnisse an.
Di.11.02.03 - Der Irak hat die UN-Forderung nach U-2-Spionageflügen über
seinem Territorium akzeptiert. In einem Brief an die UN-Inspektionskommission
UNMOVIC erklärte sich die Regierung in Bagdad am Montag auch zu weiteren
Zugeständnissen bereit. So werde erwogen, der Forderung nach einem gesetzlichen
Verbot sämtlicher Massenvernichtungswaffen auf irakischem Territorium
nachzukommen.
Das Schreiben wurde vom irakischen UN-Botschafter Mohamed el Douri übergeben.
Die Zulassung der Spionageflüge einer U-2 mit amerikanischer Besatzung unter der
Flagge der UN war eine der wesentlichen Forderungen der Chefwaffeninspekteure
Hans Blix und Mohammed el Baradei bei ihrem am Montag beendeten Gesprächen
in Bagdad. Sie hatten die Bekanntgabe der Erfüllung der irakischen Seite
überlassen.
Irak hatte zuvor die Flüge mit der Begründung
abgelehnt, es könne nicht für die Sicherheit der Flugzeuge in den von den USA und
Großbritannien patrouillierten Flugverbotszonen im Norden und Süden des Landes
garantieren.
Blix und El Baradei müssen am kommenden Freitag dem Weltsicherheitsrat
berichten, ob der Irak inzwischen die Forderungen nach uneingeschränkter
Kooperation mit den UN-Inspekteuren erfüllt oder weiterhin nur
organisatorisch-technische Zugeständnisse macht. Davon hängt maßgeblich ab, ob
sich im Sicherheitsrat eine Mehrheit für die amerikanischen Pläne zum militärischen
Sturz des Regimes Saddam Husseins findet. (Quelle: dpa)
Hoffnung auf friedliche Lösung nimmt Druck vom Ölpreis.
Di.11.02.03 - Die Hoffnung auf eine friedliche Lösung im Irak-Konflikt hat zu einer
deutlichen Entspannung bei den Ölpreisen geführt. An der New Yorker
Rohstoffbörse wurde ein Barrel Rohöl (das Fass zu 159 Litern) mit dem
Auslieferungstermin März am Montag mit 34,48 Dollar gehandelt, das sind 64 Cent
weniger als zuvor. Im Londoner Handel fiel der Preis für Nordsee-Öl der Marke Brent
um 64 Cent auf 31,70 Dollar. Mit den jüngsten Zugeständnissen zu Forderungen der
Vereinten Nationen sei Irak am Abgrund zum Krieg offenbar einen Schritt zurück
getreten, sagte Tim Evans von der Marktforschungsfirma IFR Pegasus in New York.
(Quelle: ap)
Bush unbeeindruckt von Iraks Zustimmung für Luftaufklärung.
Di.11.02.03 - US-Präsident George W. Bush hat sich unbeeindruckt von der irakischen
Zusage gezeigt, die von den UNO-Waffeninspektoren geforderten Aufklärungsflüge
bedingungslos zu genehmigen.
"Irak muss abrüsten", sagte Bush am Montag. Aber diese Flüge seien nötig, weil Irak sich
weigere, abzurüsten. Iraks Präsidenten Saddam Hussein warf er erneut vor, auf Zeit spielen
zu wollen. "Er spielt ein diplomatisches Spiel", sagte Bush.
Bush warf Saddam zudem vor, Zivilsten als menschliche Schutzschilde zu
missbrauchen. "In Verletzung der Genfer Konvention bringt Saddam Hussein seine
Streitkräfte zwischen der Zivilbevölkerung in Stellung, um sein Militär zu schützen
und die Koalitionsstreitkräfte für zivile Opfer verantwortlich zu machen, die er
verschuldet hat", sagte Bush. (Quelle: rtr)
Großbritannien: Verhalten Iraks entscheidend, nicht Inspektionen.
Di.11.02.03 - Gegen internationale Bemühungen um eine Verstärkung der
UNO-Waffenkontrollen in Irak will Großbritannien am Dienstag die Bringschuld Iraks
bekräftigen.
Auch Tausende von Inspektoren könnten eine Abrüstung des Landes nicht
gewährleisten, solange Irak die Auflagen der Vereinten Nationen (UNO) nicht erfüllen
wolle, heißt es Regierungskreisen zufolge in einer Rede des britischen
Außenministers Jack Straw, die dieser am Dienstag am Internationalen Institut für
Internationale Studien in London halten wird.
"Ohne die irakische Zusammenarbeit, werden wir selbst durch eine tausendfache
Verstärkung der (UNO-Waffeninspektionen der) UNMOVIC nicht mit Sicherheit
sagen können, dass Irak abgerüstet hat", heißt es in der Rede den Angaben zufolge
weiter. "Wenn er (der irakische Präsident Saddam Hussein) sich weiter weigert, die
UNO-Forderungen zu erfüllen und umgehend zu kooperieren, was soll dann eine
höhere Zahl (an Inspektoren) bringen?"
Frankreich, Deutschland und Russland haben mehr Zeit und eine Verstärkung der
UNO-Inspektionen gefordert, um den Konflikt friedlich zu lösen. Großbritannien und
die USA haben Irak mit einem Militärschlag gedroht, sollte es die Auflagen der UNO
nicht erfüllen und Massenvernichtungswaffen besitzen.(Quelle: rtr)
Link-Auswahl zum Thema Irak-Konflikt:
Mehrheit der Briten und US-Amerikaner angeblich für Krieg.
Di.11.02.03 - Die Mehrheit der Bürger in den USA und in
Großbritannien ist Umfragen zufolge für einen Krieg gegen Irak, auch ohne ein
Mandat der Vereinten Nationen (UNO).
In am Dienstag und Montag veröffentlichten Umfragen sprachen sich in beiden
Ländern mehr als 55 Prozent der Befragten für einen Militärschlag im Konflikt um
die Abrüstung Iraks aus, selbst wenn es dafür nicht die Unterstützung der UNO
gebe. In den USA waren es einer Umfrage der Zeitung "Washington Post"
und der TV-Nachrichtensendung "ABC News" zufolge 57
Prozent von tausend Befragten, in Großbritannien rund 62 Prozent.
In den USA sagten 63 und 65 Prozent der in zwei Umfragen befragten Bürger, die
Regierung von Präsident George W. Bush habe überzeugende Gründe für einen
Krieg gegen Irak dargelegt. Das ist ein neuer Hochstand. Vor zwei Wochen lagen
die Werte bei 48 und 49 Prozent. Das Meinungsforschungsinstitut Gallup befragte
im Auftrag des US-Nachrichtensenders CNN und der Zeitung "USA Today"
ebenfalls tausend Bürger. Beide Umfragen haben eine Fehlerquote von drei
Prozent.
In Großbritannien unterstützten in einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage
zufolge 62 Prozent einen Krieg, auch wenn ein oder zwei Mitglieder des
UNO-Sicherheitsrats ein UNO-Mandat durch ein Veto verhindern sollten. Es
genüge, dass die meisten Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats dafür seien, sagte
das Meinungsforschungsinstitut YouGov, das seine Umfrage im Auftrag der
Nachrichtensendung "Channel 4 News" gemacht hatte.
59 Prozent der US-Bürger gaben in der Umfrage für "Washington Post" und "ABC
News" an, es sei wichtiger, die internationale Unterstützung für einen Krieg zu
sichern, als schnell zuzuschlagen. Fast zwei Drittel der Befragten waren den
Angaben zufolge aber dafür, den UNO-Waffeninspektoren für ihre Kontrollen der
irakischen Abrüstung noch einige Wochen und nicht Monate Zeit zu geben.
In beiden Staaten zeigten sich die Mehrheiten der Befragten auch davon überzeugt,
dass Irak biologische und chemische Massenvernichtungswaffen besitzt. In
Großbritannien bejahten diese Einschätzung drei Viertel der Befragten, in den USA
mehr als die Hälfte.
Zugleich hält jedoch eine Mehrheit der Briten die USA für die größte Bedrohung für
den Weltfrieden. 32 Prozent der Befragten kreuzten auf einer Liste unter der
entsprechenden Frage die USA an, 27 Prozent Irak und ebenfalls 27 Prozent
Nordkorea. Im November war Irak noch von 40 Prozent der Befragten als größte
Bedrohung eingeschätzt worden, die USA von 27 Prozent. (Quelle: rtr)
Terror-Abwehr: Totalüberwachung der Londoner Innenstadt.
Di.11.02.03 - 800 Kameras erfassen in der Innenstadt Londons nicht nur Autodaten sondern
auch die Gesichter der Fahrer. Die Fotos werden mit den Datenbanken
von Polizei und Geheimdienst abgeglichen. Mehr unter:
Britische und amerikanische Geheimdienste unzufrieden:
Di.11.02.03 - Die britischen und amerikanischen Geheimdienste scheinen mit der
Politik ihrer Regierungen und der Konstruktion von Beweisen für einen
Irak-Krieg nicht mehr einverstanden zu sein
Die US-Regierung hat, seitdem Bush erklärte, dass das Spiel aus sei, also der
Krieg vor der Türe steht, das Angriffsrisiko auf die
zweithöchste Stufe heraufgesetzt. Angeblich gebe es Hinweise auf mögliche
Anschläge mit biologischen und chemischen Waffen. In Wirklichkeit zeigt sich
daran, wie der Krieg gegen den Terrorismus, dessen nächstes Ziel der Irak ist,
die Gefahren, die er bekämpfen will, nur weiter anschürt. Selbst ehemalige
CIA-Angestellte warnen nun die US-Regierung vor den wahrscheinlichen Folgen
ihres kurzsichtigen Tuns.
Es ist wahrscheinlich schon eine gewisse Premiere, dass Geheimdienste sich ihren
kriegswilligen Regierungen mehr oder weniger offen entgegen setzen. In Großbritannien
hat, sonst ein Vorrecht eher der politischen Instanzen, der Geheimdienst der BBC ein
Dokument des Defence Intelligence Staff (DIS) zukommen lassen, in dem bekräftigt wird,
dass es keine nachweisbaren Verbindungen zwischen dem Irak-Regime und al-Qaida
gebe und solche auch aus ideologischen oder religiösen Gründen nahezu auszuschließen
seien. Offenbar widersetzt man sich dem Ansinnen der Regierung, Fakten zu erfinden, um
den Krieg gegen den Irak mit dem Krieg gegen den Terrorismus zu verbinden. (Quelle: telepolis) Mehr unter:
Hollywood-Prominenz kritisiert bei UNICEF-Gala USA wegen Irak.
Di.11.02.03 - Unter dem Motto "Cinema for Peace" fanden sich am Rande der Berlinale rund 600
Gäste aus Film, Kultur, Wirtschaft und Politik zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung
zu Gunsten des UNICEF-Projekts "Kinder in Kriegsregionen" ein. Prominente aus
den USA, Großbritannien und Deutschland nutzen den Abend zugleich zu einem
eindringlichen Plädoyer gegen einen Irak-Krieg.
Nachdenkliche Momente leitete US-Schauspieler Dustin Hoffman ein, der angeregt
durch zahlreiche Fragen von Journalisten zur aktuellen Situation im Irak-Konflikt
spontan ein Plädoyer für den Frieden wagte: Mit zitternder Stimme kritisierte er, die
US-Regierung habe den Irak und die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan
früher massiv unterstützt, um eigene Interessen durchzusetzen. Nun nutze sie die
Trauer um den 11. September 2001 im eigenen Land, um die amerikanische
Bevölkerung zu manipulieren. In seiner Rede, auf die minutenlange stehende
Ovationen folgten, ermutigte er alle Kriegsgegner: "Die Regierung wissen zu lassen,
was die Menschen wollen, kann sie ins Stocken bringen." Krieg sei nie die Lösung
für Konflikte.
Auch Roger Moore, der als britischer Geheimagent James Bond in seinen Filmen
oft die Welt vor gefährlichen Schurken gerettet hat, sprach sich gegen einen Krieg
aus: "In den letzten 24 Stunden durften wir Hoffnung schöpfen, dass der Krieg doch
noch vermeidbar ist." Es müsse genau abgewogen werden, bevor militärische
Schritte eingeleitet würden, warnte der britische Schauspieler.
Deutsche Stars unterstützten die Haltung ihrer amerikanischen Kollegen. Elsner sagte: "Dustin Hoffman hat uns aus
der Seele gesprochen. Keiner hier will den Krieg." Ferres gab zu Bedenken: "Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass
eine friedliche Lösung für den Irak-Konflikt möglich ist. Das ist für mich der Anlass, heute hier zu sein."
Vor der Gala hatte der irische Musiker Bob Geldof durch die Filmpremiere der Kriegssatire "No Man's Land" des
bosnischen Regisseurs Danis Tanovic geführt. Muskelmann Moeller hatte die "Weltfriedens-Flamme", ein
internationales Symbol für das Bemühen um Frieden, am Brandenburger Tor in Empfang genommen und diese, einen
"Friedens-Gang" durch Berlin anführend, zum Gendarmenmarkt gebracht. (Quelle: rtr)
Über 10.000 Menschen demonstrieren in Leipzig für Frieden
Di.11.02.03 - Mehr als 10.000 Menschen haben am
Montagabend in Leipzig erneut für Frieden und gegen
den drohenden Irak-Krieg demonstriert. Die Teilnehmer
des Protestmarsches zogen im Anschluss an das
traditionelle Friedensgebet in der Nikolaikirche durch die
Leipziger City und über den Innenstadtring. Bereits am
letzten Montag hatten sich mehrere tausend Menschen
an einer Friedensdemonstration in Leipzig beteiligt.
Der Pfarrer der Nikolaikirche, Christian Führer, zeigte sich vor Beginn des
Protestmarsches zufrieden darüber, dass "die Front der Kriegsbefürworter immer
weiter bröckelt", während die Zahl der Kriegsgegner stetig größer werde.
Insbesondere die Kirchen machten sich "konfessionsübergreifend und auf allen
Erdteilen" gegen den Krieg stark.
Bei der Abschlusskundgebung an der Thomaskirche kündigte ein Sprecher des
"Arbeitskreises Frieden" für den kommenden Montag eine weitere Demonstration
an. "Dann ändern wir unsere Route und gehen wieder so, wie wir im Herbst 1989
schon gelaufen sind", sagte er. Wegen der ständig steigenden Teilnehmerzahl
werde man sich zur Kundgebung auf dem Augustusplatz versammeln. (Quelle: ap)
Aufruf zur Fahnenflucht:
Di.11.02.03 - Die Münchner Polizei will den Liedermacher
Konstantin Wecker anzeigen. Er hatte bei der Demo gegen die
Sicherheitskonferenz gesagt: "Ich rufe die Soldatinnen und
Soldaten der Bundeswehr, die demnächst ihren Dienst in
Awacs-Flugzeugen tun müssen, dazu auf, diesen Kriegsdienst zu
verweigern oder zu desertieren." Er bat die Menge, das
nachzusprechen. Die Polizei ermittelt wegen Aufrufs zu einer
Straftat, erklärte eine Präsidiumssprecherin.
Weckers Büro bestätigte gestern das Zitat. Den Angaben zufolge
hatte der Liedermacher bei der Abschlusskundgebung den Aufruf
wiederholt, den Tobias Pflüger von der Tübinger Informationsstelle
Militarisierung am Samstag bei seiner Ansprache auf dem
Marienplatz an die Soldaten gerichtet hatte. Pflüger sei daraufhin von
der Polizei abgeführt worden. In anderen Medienberichten heißt es,
Wecker habe nach der Polizeiaktion gegen Pflüger bei der
Schlusskundgebung überdies gesagt: "Jetzt wollen wir mal sehen, ob
die Polizei uns alle hier auch festnimmt." Bei einer Verurteilung muss
Wecker nach den Angaben einer Polizeisprecherin mit einer
Geldbuße oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.
Plüger zur taz: "Ich rechne mit einem Freispruch."
Soldaten dürften Befehle, die wie ein Angriffskrieg auf den Irak eine
Straftat darstellten, verweigern. " (Quellen: taz, sz)
8 500 Soldaten der Bundeswehr bei sechs Missionen im Einsatz.
Di.11.02.03 - Bei den deutsch-französischen
Bemühungen um eine friedliche Lösung des Irak-Konflikts
wird nach Angaben der Bundesregierung der Einsatz von
Blauhelmsoldaten in Irak nicht völlig ausgeschlossen. Damit
rückt auch eine mögliche Beteiligung von Bundeswehrsoldaten
ins Blickfeld. Jetzt schon ist die Bundesrepublik nach den
USA der weltweit größte Truppensteller. Derzeit ist die
Bundeswehr an sechs internationalen Missionen beteiligt; rund
8 500 deutsche Soldaten sind auf drei Kontinenten im Einsatz.
Die derzeit größte Aufgabe der Bundeswehr ist das
Kommando der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan,
Isaf. Bislang sind dort 1 700 deutsche Soldaten im Einsatz,
das Kontingent soll aber auf bis zu 2 500 Soldaten erhöht
werden.
An dem Anti-Terror-Einsatz Enduring Freedom beteiligen sich
derzeit rund 1 200 Soldaten der Bundeswehr. Sie sind bei der
nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gestarteten
Mission unter anderem am Horn von Afrika, in Kuwait und in
Afghanistan im Einsatz.
Beim Kfor-Einsatz im Kosovo sind etwa 3 700 Soldaten vor
Ort. Die Bundeswehr führt in Prizren eine multinationale
Brigade an, der elf Länder unterstehen. Die Kfor soll den
Aufbau eines demokratischen Systems mit autonomer
Selbstverwaltung in der südserbischen Provinz militärisch
absichern.
Am Sfor-Einsatz in Bosnien beteiligen sich etwa 1 600
Soldaten. Der Auftrag der Friedenstruppe ist es,
Auseinandersetzungen unter den unterschiedlichen ethnischen
Gruppen zu verhindern.
An der Allied-Harmony-Mission in Mazedonien nehmen 200
deutsche Soldaten teil, das Kontingent soll aber auf 70
verkleinert werden. Die internationale Mission war auf Bitte
der mazedonischen Führung gestartet worden. Sie soll ein
erneutes Aufflammen von Kämpfen unter den Volksgruppen
verhindern.
Das kleinste deutsche Kontingent beteiligt sich an der
Unimog-Mission der Uno in Georgien. Seit 1994 stellt die
Bundesrepublik für die Beobachtermission die medizinische
Versorgung sicher. Zurzeit sind elf Mann vor Ort. (Quelle: blz/afp)
Energiewende als Strategie zur Kriegsvermeidung.
Di.11.02.03 - Kein Öl für Krieg - Die deutschen Ökoverbände können von der
Umweltbewegung der USA lernen: Die Energiewende ist
eine Strategie zur Kriegsvermeidung. Öl muss ein knappes
Gut werden
(...) Noch nie zuvor war so offensichtlich, dass Amerikas (sehr ungleich
verteilter) Wohlstand auf der Verschwendung knapper fossiler
Ressourcen basiert. Diese sind derzeit aber zu großen Teilen dem
Zugriff der US-amerikanischen Energiekonzerne entzogen, und
dieser Zugriff soll jetzt mit militärischer Gewalt erzwungen werden.
Die Alternative zu dieser zutiefst zynischen Logik ist offensichtlich:
Die USA können in ihrer Energiepolitik umsteuern und eine radikale
Energiewende in Richtung Energieeffizienz und erneuerbarer
Energien einleiten. "Wenn wir unsere Abhängigkeit vom Öl
reduzieren, dann erhöhen wir nicht nur die Sicherheit der
Vereinigten Staaten. Wir verringern damit die Gefahr eines Krieges,
und wir begrenzen damit den Ausstoß von Treibhausgasen und die
daraus folgende Erderwärmung", erläuterte Larry Fahn,
Vizepräsidentin des Sierra Club* Journalisten die Motivation, sich
der "Win Without War"-Koalition* anzuschließen.
* Mit seinen 700.000 Mitgliedern ist der Sierra Club eine
der größten und zugleich eine der ältesten und etabliertesten
Umweltorganisationen der USA. Die "Win Without War"-Koalition
ist ein Zusammenschluss von Organisationen
aus der Bürgerrechts-, Frauen-, Gewerkschafts- und Umweltbewegung.
Was dem Sierra Club in den USA möglich ist, sollte den
Umweltverbänden in Deutschland ein Leichtes sein. Denn
unabhängig davon, ob sich Deutschland letztlich aktiv am Krieg
beteiligen wird oder nicht, ob es einen Angriff im UN-Sicherheitsrat
absegnet oder nicht, es wird - wie andere westliche
Industrienationen auch - Nutznießer dieses Krieges sein, wenn das
Kalkül der US-Regierung aufgehen sollte. Denn auch wir profitieren
von diesem perversen Kollektivgut - einem mittelfristig stabilen
Ölpreis auf niedrigem Niveau, jeder einzelne Autofahrer ebenso wie
unsere gesamte Ökonomie. Aus dieser Komplizenschaft leitet sich
auch eine moralische Verpflichtung zu mehr als dem bloßen
Widerstand gegen den Krieg ab. Unsere Abhängigkeit vom Öl
drastisch zu reduzieren muss Kern jeder kriegsvermeidenden
Strategie sein. (...) (Quelle: Rasmus Grobe / Felix Kolb - "Kein Öl für Krieg",
Taz vom 11.02.03)
USA verdächtigen Iran der Atomwaffen-Produktion.
Di.11.02.03 - Die USA haben Iran erneut vorgeworfen, ein geheimes
Nuklearwaffen-Programm aufbauen zu wollen. Anlass für
die Besorgnis Washingtons ist eine Erklärung der Führung
in Teheran, wonach Iran bereits Uran abbaut. "Wir haben
weiterhin starke Bedenken, dass Iran sein angeblich
friedliches Nuklearprogramm als Vorwand benutzt, um ein
Nuklearwaffenprogramm voranzutreiben", sagte
Außenamtssprecher Richard Boucher in Washington.
Russland habe Iran zugesagt, das Land mit den für den Betrieb seines
Atomreaktors Buschehr notwendigen Brennstäben zu versorgen. Wenn Teheran
selbst Uran abbaue, ergebe das nur im Zusammenhang mit einem Waffenprogramm
Sinn.
In Buschehr im Süden Irans entsteht zurzeit die bislang einzige Nuklearanlage des
Landes mit russischer Hilfe. Sie soll einem russisch-iranischen Abkommen zufolge
mit russischen Brennstäben beliefert werden. Washington verdächtigt Teheran,
Buschehr für die Produktion von Nuklearwaffen nutzen zu wollen. (Quelle: afp)
Südkorea will EU-Unterstützung im Atomstreit mit Nordkorea.
Di.11.02.03 - Die Europäische Union kann nach Ansicht des südkoreanischen
Präsidenten Kim Dae Jung bei der Beilegung des Atomstreits mit Nordkorea eine
hilfreiche Rolle spielen. Falls eine hochrangige EU-Delegation Pjöngjang besuche,
würde dies zu einer baldigen Lösung der Nuklearfrage beitragen, wurde Kim am
Dienstag vom Präsidialamt in Seoul nach einem Treffen mit dem außenpolitischen
Beauftragten der EU, Javier Solana, zitiert.
Kim habe Solana gesagt, dass der Schlüssel für die Lösung des Konflikts um das
nordkoreanische Atomprogramm in Gesprächen zwischen Pjöngjang und
Washington liege, sagte ein Sprecher des Präsidialamts. Die EU könne helfen,
einen Dialog zwischen Nordkorea und den USA in Gang zu bringen. Südkorea hat
sich bislang im Atomstreit für eine Vermittlerrolle zwischen dem kommunistischen
Nachbarstaat und den USA eingesetzt.
Solana habe Kim zugesagt, dass die EU die Botschaft Kims bei einem Besuch in
Nordkorea übermitteln werde, sagte der Sprecher. Über den Zeitpunkt eines
geplanten Besuchs in Pjöngjang habe sich Solana jedoch nicht geäußert. Ein
ursprünglich für diese Woche vorgesehener Besuch einer EU-Delegation in
Nordkorea war zuvor auf unbestimmte Zeit verschoben worden.
Während seines dreitägigen Besuchs in Seoul will Solana noch mit Kims
gewähltem Nachfolger Roh Moon Hyun sowie Außenminister Choi Sung Hong
zusammentreffen.(Quelle: dpa)
Israel riegelt Palästinensergebiete vollständig ab.
Di.11.02.03 - Aus Furcht vor Anschlägen hat Israel eine totale
Ausgangssperre über die Palästinensergebiete verhängt. Als
Begründung nannte Verteidigungsminister Schaul Mofas laut
Militärrundfunk vermehrte Terrorwarnungen. Die urspünglich für
das beginnende moslemische Opferfest angekündigten
Lockerungen wurden damit rückgängig gemacht.
Die Zeitung "Jediot Achronot" berichtete auf ihrer Internetseite
unter Berufung auf Militärkreise, dass es "einen ständigen Fluss von Hinweisen auf
gewaltätige Angriffe" gebe. Die Anschlagsvorbereitungen seien durch die
vorgesehenen Erleicherungen für die palästinensische Bevölkerung begünstigt
worden. Eine Armeesprecherin wollte die Angaben nicht kommentieren. Die Polizei
in Jerusalem wurde bereits am Sonntagabend in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.
Das Opferfest dauert bis Freitag.
Unterdessen hat die andauernde Gewalt in Nahost gestern wieder
drei Todesopfer gefordert. Im Gaza-Streifen erschossen israelische
Soldaten einen bewaffneten Palästinenser. Im Westjordanland
starben zwei Palästinenser an Verletzungen, die sie bei
Zusammenstößen mit Soldaten erlitten. Drei Männer, die
Selbstmordanschläge in Israel planten, wurden festgenommen. (Quellen: afp, taz)
Palästinenser für schnelle Autonomie.
Di.11.02.03 - Die palästinensische Autonomiebehörde will
bereits in den kommenden Tagen wieder die Verantwortung für
einige der israelisch besetzten Städte im Westjordanland
übernehmen. Der israelischen Zeitung Haaretz zufolge will die
Behörde versuchen, zunächst in der Verwaltungsstadt Ramallah die
Ordnung mit neuen Polizeikräften wiederherzustellen.
Anschließend wolle man die eigenen Sicherheitskräfte unter
anderem in den besetzten Städten Tulkarem und Dschenin neu
organisieren, so das Blatt unter Berufung auf führende
palästinensische Kreise. Die Arafat-Behörde habe bereits neue
Gebäude für die Polizeikräfte ausgesucht, weil die israelische
Armee in den vergangenen zehn Monaten nahezu alle
Polizeigebäude im Westjordanland zerstört hat. (Quelle: taz)
Drastisches Sparprogramm in Brasilien.
Di.11.02.03 - Die neue sozialistische Regierung in Brasilien hat ein drastisches
Finanzsanierungsprogramm bekannt gegeben. Im Etat des laufenden Jahres seien
zusätzliche Ausgabenkürzungen in Höhe von 14 Milliarden Real (gut vier Mrd Euro)
beschlossen worden, teilte ein Regierungssprecher am Montag in Brasilia mit. Die
Sozialprogramme sollten allerdings von den Sparmaßnahmen nicht betroffen
werden.
Bereits am Freitag hatte die Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva die
Sparabsichten verraten, als sie das Ziel für den primären Haushaltsüberschuss (vor
Zinszahlungen) um einen halben Punkt auf 4,25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
erhöhte. Damit soll ein Einnahmen-Überschuss von rund 70 Milliarden Real oder
knapp 20 Millionen Euro zur Zahlung der Schuldverpflichtungen erzielt werden.
"Die politisch wichtigste Entscheidung ist, dass es keine Kürzungen der
Sozialausgaben geben wird", versicherte Regierungssprecher Andre Singer. In
welchen Ressorts gespart werden soll, verriet Singer jedoch nicht. Das würden die
zuständigen Minister in den nächsten Tagen tun.
Kritik gegen das Sparprogramm seitens der Gewerkschaften und sogar von
Abgeordneten von Lulas "Partei der Arbeiter" (PT) wies Finanzminister Antonio
Palocci zurück. Die beschlossenen Maßnahmen seien nötig, um die von einem
Anstieg der Inflation und von einer Währungsabwertung angeschlagene Wirtschaft
zu stabilisieren. Brasilien müsse sich zudem vor einer möglichen Abschwächung
der internationalen Investitionskapitalflüsse sowie den Folgen des erwarteten Kriegs
im Irak schützen.
Die brasilianische Regierung gab außerdem am Montag nach einer Kabinettssitzung ein 14-Punkte-Program zur
Erhöhung des Kreditvolumens für Kleinunternehmen und für landwirtschaftliche Familienbetriebe sowie zur
Ankurbelung der Wirtschaft bekannt. Zur Wiederbelung der Agrarreform - so Singer - wolle Lula schon nächste Woche
per Dekret Besitzer von unproduktiven Ländereien mit einer Gesamtfläche von 203 000 Hektar in 17 Bundesländern
enteignen. Dort sollten 5000 Familien von landlosen Bauern angesiedelt werden. (Quelle: dpa)
Deutschland: Union will Rot-Grün tiefe soziale Einschnitte abverlangen.
Di.11.02.03 - Mit der Vorlage neuer weit reichender Reformkonzepte für Gesundheit
und Arbeitsmarkt hat die Union ihren Kurs für mögliche Verhandlungen mit Rot-Grün
abgesteckt. Der CDU/CSU-Fraktionsspitze verabschiedete nach zweitägiger
Klausurtagung am Montag Vorschläge, die über das Wahlprogramm der Union und
die bisherigen Reformansätze von Rot-Grün hinausgehen.
Bei der geplanten Gesundheitsreform will die Union auf tiefe Einschnitte dringen. So
wollen CDU und CSU Patienten eine höhere Selbstbeteilung zumuten und den
Beitrag der Arbeitgeber zur Krankenkasse einfrieren. Dann würden die Beiträge
nicht mehr wie bisher je zur Hälfte von beiden Seiten bezahlt.
Im Arbeitsrecht will die Union erstmals so genannte betriebliche Bündnisse für
Arbeit zulassen, mit denen von Tarifverträgen abgewichen werden kann. Auch der
Kündigungsschutz soll so flexiblisiert werden, dass Neueinstellungen erleichtert
werden. CDU-Partei- und Fraktionschefin Angela Merkel sieht Deutschland sowohl
innen- als auch außenpolitisch "am Scheideweg". Das Land brauche eine
"nationale Kraftanstrengung", um die Abwärtsspirale zu beenden. Die Union wolle
dabei ihre Verantwortung wahrnehmen.
Lob kam von den Arbeitgebern, die der Union grundsätzliche Unterstützung
zusicherten. Der DGB warf CDU und CSU hingegen vor, eine "fundamentale
Kehrtwende gegenüber ihrem Wahlversprechen" vorgenommen zu haben. DGB-Chef
Michael Sommer meinte, die Vorschläge würden das Lohnniveau in Deutschland auf
breiter Front sinken lassen.
Merkel lehnte "Kungelrunden" für eine Einigung mit Rot-Grün ab. Die Gespräche
mit SPD und Grünen würden in den Gremien von Bundestag und Bundesrat geführt,
betonte sie. Rot-Grün braucht die Zustimmung der Unions-Länder im Bundesrat, um die Reformen durchsetzen.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte nach dem SPD-Wahldebakel in Niedersachsen und Hessen der Union
Konsensgespräche angeboten.
Bei der Gesundheitsreform soll dem Unions-Konzept zufolge geprüft werden, ob die Zahnbehandlung schrittweise aus
dem Kassenkatalog gestrichen wird. Ziel der Unions-Vorschläge ist es, den durchschnittlichen Kassenbeitrag von
heute 14,4 auf 13 Prozent senken. Die Union schlägt einen "sozial gestaffelten Selbstbehalt" vor. Dabei müssten
Patienten - je nach Einkommen - Kosten bis zu einer bestimmten Höchstgrenze im Jahr selbst zahlen. Für
Einkommensschwache und Kinder soll es Schutzklauseln geben. Genaue Zahlen sollen noch vorgelegt werden.
Mit ihren Vorschlägen dürfte die Union vor allem bei SPD-Linken und Gewerkschaften auf erbitterten Widerstand
stoßen. Die Gewerkschaften haben bereits erklärt, dass sie eine Ausstieg aus der paritätischen Finanzierung der
Sozialbeiträge durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht hinnehmen werden. Das gilt auch für die
Arbeitsrechts-Vorschläge.
Die von Betriebsrat und Unternehmensführung vereinbarte Abweichung vom Tarifvertrag soll nach Unions-Vorstellungen
dann zulässig sein, wenn damit "Beschäftigungsaussichten" verbessert würden. Die Gewerkschaften sollen entgegen
den bisherigen Beschlusslage kein generelles Vetorecht erhalten. Sie und die Arbeitgebervertretungen sollen nur dann
Nein sagen dürfen, wenn die betrieblichen Abmachungen über die Laufzeit des geltenden Tarifvertrags hinausreichen.
Neu eingestellte Arbeitnehmer sollen sich künftig für feste Abfindungsregelungen entscheiden können, statt den
bestehenden Kündigungsschutz in Anspruch zu nehmen. Dies soll die Einstellung Arbeitsloser erleichtern. Mit dem
Beschluss, der weiter als das Wahlprogramm geht, setzte sich Fraktionsvize Friedrich Merz (CDU) gegen Bedenken
des Sozialflügels durch. (Quelle: rtr)
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