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+++ Fr.14.02.03, 12:45        zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Bundeskanzler Schröder verteidigt seine Irak-Politik.
Fünf-Punkte-Plan zur Vermeidung eines Irak-Krieges vorgelegt +++
Opposition wirft dem deutschen Kanzler subtilen Anti-Amerikanismus vor.

Fr.14.02.03 - In leidenschaftlicher Form hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zur Verhinderung eines Irak-Kriegs aufgerufen. "Es ist nicht zu spät, die Entwaffnung des irakischen Regimes friedlich zu erreichen», beschwor Schröder am Donnerstag den Bundestag. Die Inspektionen müssten fortgesetzt und ausgeweitet werden, sagte er einen Tag vor der wichtigen Sitzung des UN-Sicherheitsrates in New York in einer Regierungserklärung.

Die Opposition hat mit scharfen Attacken auf die Rede Schröders reagiert. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel warf Schröder einen subtilen Anti-Amerikanismus vor. Der Kanzler habe sich mit seiner Aussenpolitik in eine Sackgasse manövriert und mit seinen Äusserungen den Druck auf Saddam Hussein geschwächt. Damit sei das Risiko eines Krieges durch Schröder wahrscheinlicher gemacht habe. Mehr zur Regierungserklärung des Bundeskanzlers und der anschließenden Debatte im Bundestag unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0302150.htm#03021327
http://www.nzz.ch/2003/02/13/al/page-newzzDC4HAO5H-12.html
http://www.berlinonline.de/aktuelles/berliner_zeitung/politik/218290.html

Schröder präsentierte am Donnerstag im Bundestag einen Fünf-Punkte-Plan der Bundesregierung zur friedlichen Entwaffnung Iraks. Mehr unter:
http://www.nzz.ch/2003/02/13/al/page-newzzDC4RJUHT-12.html

Die Union ist im Bundestag mit zwei Anträgen zur Irakpolitik gescheitert. Mit rot-grüner Mehrheit lehnte das Parlament eine Entschließung ab, in der die Außenpolitik der Regierung scharf kritisiert wurde. Auch der Vorstoß, der Bundestag solle sich die proamerikanische Erklärung der acht europäischen Staats- und Regierungschefs zu Eigen machen, war nicht erfolgreich. Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/02/14/a0195.nf/text
 


 

Grünen-Politiker Nachtwei warnt vor Isolation Deutschlands.
Die Europäische Integration würde zurückgeworfen, zentrifugale Kräfte würden gestärkt und der politische Einfluss Deutschlands würde gravierend vermindert werden.

Fr.14.02.03 - Der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei hat laut einem Bericht der "Passauer Neuen Presse" vor einer Isolation Deutschlands in EU und NATO gewarnt und indirekt Bundeskanzler Gerhard Schröder kritisiert. Deutschland müsse selbstverständlich eigene Positionen beziehen, "aber keinen 'deutschen Weg' und keinen Alleingang, kein absolutes 'ohne mich'", schreibt Nachtwei der Zeitung zufolge in einem internen Positionspapier. Es sei falsch, in Reaktion auf die Polemik der Opposition die Gefahr einer Isolation zu leugnen.

"Eine Isolation Deutschlands in EU und NATO würde die europäische Integration zurückwerfen und zentrifugale Kräfte stärken, politischen Einfluss der Bundesrepublik gravierend mindern und grundlegende deutsche Interessen beschädigen", schreibt der stellvertretende Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion demnach. Er fordere "Bewegungsfreiheiten" für den "für die Umsetzung von Friedenspolitik verantwortlichen Außenminister". "Deshalb sind detaillierte Festlegungen künftigen Verhaltens angesichts der vielen Unbekannten nicht sinnvoll", heiße es in dem grünen Strategiepapier weiter.

Zum Wahlkampf sage Nachtweih, dort sei zwar mit "kategorischen Botschaften" Massenwirkung erzielt worden. "Sie beschränkten aber zugleich die diplomatische Handlungsfähigkeit der Bundesrepublik, insbesondere im Hinblick auf eine gemeinsame europäische Position." Erst mit dieser Uneinigkeit sei der US-Politik das Feld überlassen worden.

Nachtwei warf den USA der Zeitung zufolge vor, sie übten Druck auf Sicherheitsratsmitglieder, Verbündete und Anrainerstaaten des Irak aus, um deren Unterstützung für einen Irak-Krieg zu erreichen. Dabei würde Staaten, die auf Wirtschafts- und Militärhilfe Washingtons angewiesen seien, mit dem Entzug der Unterstützung gedroht. "Andere werden gekauft", so Nachtwei. Im Falle der Bundesrepublik werde von den USA "politisch ein Disziplinierungs-Exempel statuiert - zur Warnung an alle potenziellen Abweichler", so der Vorwurf des Grünen-Verteidigungsexperten. (Quelle: ap)
 


 

Weizsäcker: Im Streit mit den USA keine blinde Unterwerfung.
Warnung, von deutschem Sonderweg zu sprechen.

Fr.14.02.03 - Nach Ansicht des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker muss Deutschland im Streit mit den USA seine abweichende Haltung in der Irak-Politik selbstbewusst vertreten. Nötig sei eine Freundschaft des offenen Wortes, nicht blinde Unterwerfung, sagte er in einem Arte-Fernsehinterview. "Ein offenes Gespräch zwischen Deutschland und Amerika ist etwas, an das man sich gewöhnen muss und gewöhnen wird." Gleichzeitig warnte er davor, angesichts der gegenwärtigen nervösen, gespannten, schwer zu lösenden internationalen Lage von einem deutschen Sonderweg zu sprechen. Dieser Begriff sei aus einer langen Geschichte zu Recht negativ besetzt. (Quelle: blz/afp) Mehr unter:
http://www.berlinonline.de/aktuelles/berliner_zeitung/politik/218342.html
 


 

Irak-Position der CDU stößt bei Bevölkerung auf Ablehnung.

Fr.14.02.03 - Die neue Position der Unionsparteien zum Irak-Konflikt stößt bei fast zwei Dritteln der Bevölkerung auf Ablehnung. Wie eine am Freitag veröffentlichte infratest-Umfrage im Auftrag des WDR ergab, lehnen 62 Prozent der 1.000 Befragten einen Krieg ab, falls die friedliche Entwaffnung Iraks fehlschlägt. Nur 32 Prozent unterstützen die Position von CDU/CSU, mit der sich die beiden Parteien eher auf die Seite der Amerikaner stellen. (Quelle: ap)
 


 

Paul Spiegel zeigt Verständnis für Kriegskurs der USA.

Fr.14.02.03 - Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, verurteilte in der Tageszeitung "Die Welt" die nach seiner Auffassung unangebrachte Kritik an den USA. Wenn man nicht weiter mit der Bedrohung durch den irakischen Präsidenten Saddam Hussein leben wolle, sei ein Angriff auf ihn kein Präventivschlag, sondern ein Verteidigungskrieg.

Wegen des besonderen Verhältnisses zu Israel, das von Irak akut bedroht werde, habe er ein anderes Verhältnis zum möglichen Krieg als die christlichen Kirchen, sagte Spiegel. Er kritisierte, das es in Deutschland bislang keine Demonstrationen gegen das menschenverachtende System Iraks gebe. Kaum jemand spreche davon, dass die Amerikaner und Briten das irakische Volk vom Diktator befreien wolle. Es sei daher nicht nachvollziehbar, dass man die USA bei Demonstrationen als Verbrecher darstelle, sagte der Zentralratspräsident. (Quelle: fr)
 


 

Mehr als 10.000 Menschen demonstrieren gegen Irak-Krieg.
Berliner Verwaltungsgericht verbietet für Samstag geplante Friedenskundgebung vor dem Reichstag. Der neu angelegte
Rasen könne beschädigt werden.

Fr.14.02.03 - Auch am Donnerstag haben wieder mehr als 10.000 Menschen in Deutschland gegen den drohenden Irak-Krieg demonstriert. In Bremen zogen tausende Schüler vormittags in einem Sternmarsch zum Marktplatz. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 6.000 bis 7.000, die Bremer Schülervertretung sprach von 8.000 Demonstranten. Auf Transparenten war unter anderem zu lesen: "Umdenken statt umlegen!" und "Bush ist die Terrorgefahr".

In Hamburg versammelten sich am Abend mehrere tausend Menschen mit Kerzen und Fackeln zu einer Lichterkette an der Binnenalster. Sie folgten dem Aufruf eines Privatradiosenders. Die Veranstalter sprachen von rund 4.000 Teilnehmern, die Polizei machte zunächst keine Angaben. In Würzburg demonstrierten am Nachmittag nach Angaben der Polizei rund 3.500 Menschen unter dem Motto "Wir sagen Nein zum Krieg gegen den Irak". Veranstalter war das Würzburger Friedensbündnis.

In Dresden wandten sich Überlebende und Zeitzeugen der Bombenangriffe am 58. Jahrestag der Zerstörung der sächsischen Landeshauptstadt in einem gemeinsamen Aufruf gegen einen Irak-Krieg. "Fordert eine friedliche Lösung", hieß es in dem Aufruf. Anlass waren die Gedenkfeiern zum Jahrestag der Bombardierung im Februar 1945. "Wir Überlebenden der Bombenangriffe senden einen Ruf in die Welt: Helft, neues Leid, neue Zerstörung und neuen Tod zu verhindern", heißt es in dem Friedensappell. Man wisse sich eins mit der großen Mehrheit der Menschen der Welt in der Ablehnung eines Krieges in Irak.

Das Berliner Verwaltungsgericht verbot unterdessen die für Samstag geplante Abschlusskundgebung der Großdemonstration gegen einen Irak-Krieg vor dem Reichstag. Wie die Pressestelle des Gerichts mitteilte, befürchtet das Berliner Polizeipräsidium, dass die Demonstranten die neu angelegten Grünanlagen vor dem Parlament beschädigen. Die Abschlusskundgebung soll nun vor dem Brandenburger Tor stattfinden. Zu den Demonstration "Nein zum Krieg gegen Irak" am Samstag erwarten die Veranstalter weit mehr als 80.000 Teilnehmer, darunter auch der Theologen Friedrich Schorlemmer und die Liedermacher Reinhard Mey und Konstantin Wecker.

15.Februar - Internationaler Aktionstag gegen Irak-Krieg:
http://www.taz.de/pt/2003/02/13/a0075.nf/text
http://www.15februar.de
 


 

Israelischer Botschafter Stein vermisst deutsche Proteste gegen Hussein.

Fr.14.02.03 - Der israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, hat von den Deutschen Demonstrationen gegen Saddam Hussein gefordert. Es müsse "nicht nur im Bundestag, sondern auch auf den Straßen Deutschlands deutlich werden, dass Saddam keine Unterstützung erfährt", sagte Stein der "Sächsischen Zeitung" (Freitagausgabe). Mit Blick auf die Großdemonstration gegen den Irak-Krieg am Samstag sagte Stein, er vermisse "Demonstrationen gegen Saddam Hussein, gegen die Menschenrechtsverletzungen im Irak und in Saudi-Arabien, gegen die Unterstützung des Terrors durch den Iran, durch Syrien, durch Saudi-Arabien". In der arabischen Welt werde es missverstanden, wenn gegen die USA, aber nicht gegen Saddam Hussein demonstriert werde. "Saddam wird das als Sympathie für seine Haltung missinterpretieren", erklärte Stein. (Quelle: ap)
 


 

Frankreich: Chiracs Irak-Politik findet breite öffentliche Zustimmung.
Verhaltene öffentliche Debatte.

Fr.14.02.03 - Präsident Chirac findet mit seiner Opposition gegen eine Militäraktion zum jetzigen Zeitpunkt gegen den Irak breite Zustimmung in der Öffentlichkeit. Die Antworten auf die Frage, wie weit Frankreich die Konfrontation mit den USA ohne Schaden für sich und die transatlantischen Beziehungen führen kann, zeugen von einiger Ratlosigkeit. Mehr unter:
http://www.nzz.ch/2003/02/14/al/page-article8OFEV.html


 

"Plötzlich" seien "alle gegen Krieg", Monsieur Chirak zum Beispiel. Jetzt fordere dieser Chirac, "dass alles sein Recht haben muss", während ihm das Recht in Jugoslawien "völlig egal" gewesen sei. Wer in Jugoslawien seinen "Blutdurst" gestillt habe ("vor allem Deutschland hatte da ja einen gewissen Nachholbedarf"), dem ist nicht zu trauen, wenn er "plötzlich" für den Frieden sei.

(Zitiert aus einem Interview das Peter Handke der österreichischen Zeitschrift "news" gegeben hat. Quelle: Frankfurter Rundschau vom 14.02.03)
 


 

Neuer Irak-Bericht im Weltsicherheitsrat mit Spannung erwartet.
USA und Großbritannien halten Zeit für ein militärisches Eingreifen in Irak für gekommen +++ Mehrheit des Sicherheitsrats lehnt einen Krieg als verfrüht ab +++ Bush fordert UNO zu Mut und Entschlossenheit auf +++ Kontroverse Debatte über die Problematik der Reichweiten irakischer Raketen.

Fr.14.02.03 - Die UN-Chefwaffeninspekteure, Hans Blix und Mohammed el Baradei, legen dem Weltsicherheitsrat heute ihren mit Spannung erwarteten und möglicherweise entscheidenden Irak-Bericht vor. Die Sitzung wird von Bundesaußenminister Joschka Fischer geleitet. Deutschland hat in diesem Monat die Präsidentschaft des Gremiums inne. Außer Fischer werden auch die Außenminister der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Russlands, Chinas, Chiles und Spaniens die Ergebnisse der Inspektionen kommentieren.

Die USA und Großbritannien werfen dem Irak vor, insgeheim noch immer Massenvernichtungswaffen zu produzieren, und halten die Zeit für ein militärisches Eingreifen für gekommen. Die Mehrheit des Rates lehnt einen Krieg als verfrüht ab und hofft, das Regime von Saddam Hussein noch friedlich entwaffnen zu können. Die Amerikaner und Briten wollen nach dem Bericht der Inspekteure und den Reaktionen der anderen Ratsmitglieder entscheiden, ob sie dem Rat in den nächsten Tagen den Entwurf für eine Resolution vorlegen, die militärische Maßnahmen gegen Bagdad autorisieren würde.

US-Präsident George W. Bush rief die Vereinten Nationen auf, im Irak-Konflikt Mut und Rückgrat zu zeigen. Bush bekräftigte vor Soldaten auf einem Marine-Stützpunkt in Jacksonville (Florida) die Entschlossenheit der USA, notfalls militärisch gegen den Irak vorzugehen. "Militärische Gewalt ist stets unsere letzte Option." Aber wenn Gewaltanwendung nötig sei, um den Frieden und die Sicherheit der USA und deren Verbündeter zu gewährleisten, "dann werden die USA besonnen handeln, entschlossen handeln und siegreich handeln", sagte der Präsident.

Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice forderte den Sicherheitsrat zur "Verteidigung seiner eigenen Resolutionen" auf. Das Regime in Bagdad verstoße fortgesetzt gegen die Auflagen der UN, sagte Rice der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitag-Ausgabe). "Der Sicherheitsrat wird seine Glaubwürdigkeit einbüßen, wenn er nicht bereit ist, seine Resolutionen zu verteidigen."

Die Debatte über Bagdads Raketen vom Typ El Samoud II droht unterdessen den Graben zwischen Washington und London auf der einen Seite und Paris, Berlin, Moskau sowie Peking auf der anderen Seite noch zu vertiefen. Der britische Premierminister Tony Blair nannte die Feststellung, dass diese Rakete die dem Irak erlaubte Reichweite von 150 Kilometern überschreiten, ein Zeichen für einen "erheblichen Verstoß" gegen UN-Resolutionen.

Dagegen bezeichneten russische Diplomaten am Hauptsitz der Vereinten Nationen sie in der Nacht zum Freitag als Beweis für die Kooperation der Iraker. Aus der Tatsache, dass Bagdad die UN- Waffeninspekteure selbst auf die Al-Samoud-II-Raketen aufmerksam gemacht hat, ließe sich ableiten, dass die Abrüstungskontrollen funktionieren und zum gewünschten Ergebnis führen, sagten die Diplomaten.

Irakische Tests hatten zuvor ergeben, dass die Raketen 33 beziehungsweise 11 Kilometer über die erlaubte Weite von 150 Kilometern hinausgeflogen waren. Die Testberichte waren Bestandteil der im Dezember vom Irak vorgelegten Rüstungsdeklaration. Bagdad hatte erklärt, dass die tatsächliche "endgültige Reichweite" unterhalb der Grenze von 150 Kilometern liegen würde.

Nach Angaben des stellvertretenden irakischen Ministerpräsidenten Tarik Asis verfügt Bagdad nicht über Raketen mit unerlaubt großer Reichweite. Die Größe der Raketen liege «in den Grenzen der von den UN festgelegten Reichweite». Asis sagte am Donnerstag in Rom weiter, die irakischen Raketen hätten keinen Steuerungsmechanismus und seien daher nicht treffsicher. Zugleich forderte er nach politischen Gesprächen in Rom mehr Zeit für die UN-Waffeninspekteure.

Dem höchsten UN-Entscheidungsgremium liegt seit Dienstag ein Entwurf Frankreichs vor, in dem unter anderem eine Verdoppelung oder gar Verdreifachung der Zahl der Inspekteure und eine erhebliche Intensivierung der Kontrollen als Alternative zu einem Krieg angeregt werden. Die USA haben dies bereits abgelehnt.

Nach Angaben amerikanischer UN-Diplomaten erwartet Washington von Blix und el Baradei, dass sie in einem "harten und offenen Bericht ganz klar auf Verstöße des Iraks gegen UN-Resolutionen" hinweisen. Vor der Beratung gab es Hinweise darauf, dass die USA und Großbritannien die von ihnen bereits mehrfach erklärte "erhebliche Verletzung" der UN-Auflagen durch Bagdad nun an der Problematik der Reichweiten irakischer Raketen festmachen. (Quelle: dpa)
 


 

Unabhängige Experten bestätigen: Irakische Raketenreichweiten zu groß.
Irakische Angaben haben die Inspektoren auf diese Problematik aufmerksam gemacht +++ Laut Blair hat sich Bagdad möglicherweise einer bedeutenden Verletzung der UN-Resolution 1441 schuldig gemacht.

Fr.14.02.03 - Eine Gruppe unabhängiger Experten hat den UN-Waffeninspekteuren bestätigt, dass die Reichweite irakischer Raketen vom Typ Al Samoud 2 höher ist als erlaubt. Sie bezeichneten bei einer Beratung mit UN-Chefinspekteur Hans Blix entsprechende bekannte UN-Erkenntnisse und irakische Angaben als zutreffend. Bei einem zweiten, ebenfalls vom Irak deklarierten Raketentyp seien noch weitere Untersuchungen nötig, hieß es am Donnerstag in Kreisen des Beraterstabes von Blix.

Der britische Premierminister Tony Blair hält es für möglich, dass der Irak damit eine «bedeutende Verletzung» der UN-Resolution 1441 begangen hat. Dieser Fall wäre nach den Worten Blairs gegeben, wenn die Untersuchung einer irakischen Rakete durch UN-Waffenexperten in der Tat ergeben haben sollte, dass ihre Reichweite gegen UN-Resolutionen verstößt. Demgegenüber hieß es in UN-Kreisen, dass die Überschreitung der Reichweitenlimits von zwei irakischen Raketentypen von Bagdad selbst in Übereinstimmung mit der UN-Resolution 1441 in seiner 12 000 Seiten umfassenden Rüstungsdeklaration bekannt gemacht worden war.

Chefinspekteur Blix will den Weltsicherheitsrat an diesem Freitag in seinem nächsten Bericht auch über die neuesten Erkenntnisse zur Problematik der Raketenreichweiten unterrichten. Er hatte bereits in seinem Bericht am 27. Januar erklärt, dass die Raketentypen Al Samoud 2 und Al Fatah "offensichtlich" eine etwas höhere als die erlaubte Reichweite haben. Tests hätten ergeben, dass Al Samoud 2 statt der erlaubten 150 Kilometer 183 Kilometer flogen, während Raketen vom Typ Al Fatah 11 Kilometer über dem erlaubten Grenzwert lagen.

Blix hatte bestätigt, dass die Inspekteure darauf durch die irakischen Angaben aufmerksam geworden waren. Zudem hatte er bereits in seinem Bericht am 27. Januar erklärt, dass der Irak den Durchmesser der Al-Samoud-Rakete beim Nachfolgemodell auf 76 Zentimeter erweitert hatte. Dies sei geschehen, obwohl die damalige UN-Kontrollkommission UNSCOM 1994 den Irak in einem Brief aufgefordert habe, Raketendurchmesser auf höchstens 60 Zentimeter zu begrenzen.

Blair sagte am Donnerstag in London: «Wenn die Nachricht stimmt, dann ist das eine bedeutende Verletzung von (Resolution) 1441.» Dies würde zeigen, dass es nutzlos sei, den Waffeninspekteuren immer noch mehr Zeit zu geben, da der Irak doch nicht gewillt sei, mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Der stellvertretende irakische Ministerpräsident Tarik Asis dementierte dies in Rom. «Unsere Raketen sind nicht gefährlich», sagte er. Die Größe der Raketen liege «in den Grenzen der von den UN festgelegten Reichweite». Allerdings hätten die Raketen keinen Steuerungsmechanismus und seien daher auch nicht treffsicher. Asis sagte, man solle «diese Frage aber nicht übermäßig betonen».

UN-Diplomaten gehen nun davon aus, dass bei dem Treffen des Sicherheitsrates an diesem Freitag an den Irak die Forderung gestellt werden könnte, seine bislang als erlaubt angesehenen Raketen den UN-Inspekteuren auszuhändigen. "Saddam Hussein dürfte dazu allerdings angesichts der bevorstehenden amerikanischen Angriffe kaum bereit sein", sagte ein hochrangiger westlicher Diplomat. "Die zu erwartende Weigerung ließe sich dann gegen ihn verwenden." (Quelle: dpa)
 


 

Blair: EU darf Militäreinsatz gegen Irak nicht ausschließen.

Fr.14.02.03 - Vor dem EU-Sondergipfel zu Irak am kommenden Montag hat Großbritannien die übrigen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu einer gemeinsamen Haltung gedrängt, die den Einsatz von Gewalt nicht ausschließen dürfe. In einem Brief an die griechische EU-Ratspräsidentschaft und alle weiteren 13 EU-Staaten betonte der britische Premierminister Tony Blair EU-Diplomaten zufolge, dass Bagdad sich bereits einer "erheblichen Verletzung" der UN-Auflagen schuldig gemacht habe. Eine zweite Resolution müsse schnell beschlossen werden, sollte Irak weiter nicht umfassend und unverzüglich kooperieren. Auch wenn eine Militäreinsatz von allen EU-Staaten als letztes Mittel angesehen werde, dürfe kein EU-Staat Gewalt zur Wahrung der Autorität des UN-Sicherheitsrats ausschließen, heißt es in dem Brief weiter. (Quelle: afp)
 


 

EU-Kommissar Patten warnt vor Zerfall des Irak.

Fr.14.02.03 - Der Irak droht nach Ansicht von EU-Kommissar Chris Patten nach einem Sturz Saddam Husseins zu zerfallen. Komme es zum Krieg, müsse sich auch Europa anschließend darauf einstellen, lange Zeit im Irak bleiben müssen, um das Land zusammenzuhalten, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Der EU-Kommissar für Außenpolitik forderte die USA auf, eine Militär-Intervention gegen Bagdad nur mit Zustimmung der UN zu machen. Dann wäre es für die Partner Washingtons in Europa leichter, den Wiederaufbau des Irak zu finanzieren. (Quelle: dpa)
 


 

USA rechnen mit längerer Besetzungszeit nach Irak-Krieg.
Powell will US-Militärverwalter in Irak einsetzen. US-General als Prokonsul.

Fr.14.02.03 - Ein US-General soll im Fall des Sturzes von Saddam Hussein im Zuge eines Irak-Krieges die Geschicke des Landes vorübergehend lenken. Das teilte US-Außenminister Colin Powell in einer Kongressanhörung am Mittwoch (Ortszeit) in Washington mit. Der General solle für mindestens zwei Jahre an der Spitze des Landes stehen und dabei die Infrastruktur der gegenwärtigen Regierung nutzen. Den US-Plänen zufolge würde ein Rat unter Einschluss erfahrener irakischer Politiker dem General zur Seite stehen und beim Übergang zu einer mehr repräsentativen Form von Regierung helfen.

"Die Pläne, die wir in Betracht ziehen, sehen vor, die vorhandenen irakischen Institutionen zu nutzen", sagte Powell. "Es gibt dort eine Nation. Was verrottet ist, ist die Führung."

Powell ist der bisher ranghöchste US-Politiker, der sich öffentlich zu den teilweise bereits vor Wochen durchgesickerten amerikanischen Plänen für einen Nachkriegs-Irak geäußert hat. Danach wollen die USA die Kontrolle des Irak in den Händen der sunnitischen Minderheit lassen und die Stationierung türkischer Truppen im Norden des Irak ungeachtet von Protesten der dort lebenden Kurden erlauben. Nach Angaben von USA Today halten irakische Oppositionsgruppen die US-Strategie in vielen Details für Besorgnis erregend. Vertreter der Gruppen seien kürzlich in der Türkei über die Pläne informiert worden. (blz/dpa)
http://www.nzz.ch/2003/02/13/al/page-article8OFGK.html
 


 

US-Soldaten klagen wegen möglichem Krieg gegen Bush.
Per einstweiliger Verfügung sollen Bush und Rumsfeld
daran gehindert werden, den Kriegsfall gegen Irak zu erklären.

Fr.14.02.03 - Eine Gruppe US-Soldaten, Eltern von Soldaten und sechs Kongressabgeordnete haben am Donnerstag in Boston Klage gegen Präsident George W. Bush eingereicht. Darin wird eine einstweilige Verfügung gegen Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gefordert, die diese daran hindert, Irak anzugreifen. Zur Begründung erklärten die Kläger, eine im Oktober vom Kongress verabschiedete Resolution habe nicht ausdrücklich den Kriegsfall erklärt und überlasse die Entscheidung unrechtmäßig Bush.

Der zu den Klägern zählende Abgeordnete John Conyers, ein Demokrat aus Michigan, zitierte aus Artikel 1, Absatz 8 der US-Verfassung: "Der Kongress hat das Recht, Krieg zu erklären". "Verstanden? Nur der Kongress", sagte Conyers in einer Pressekonferenz in Washington. Der Bostoner Rechtsanwalt John Bonifaz, der die Klage einreichte, erklärte, Bush eile in einen Krieg, ohne sich um die Zustimmung oder auch nur um eine Debatte im Kongress zu bemühen. "Wir haben heute eine Botschaft für Präsident Bush - lesen Sie die Verfassung", sagte Bonifaz.

Eine der Klägerinnen erklärte, die Menschen, die den Krieg planten, liefen nicht Gefahr, Angehörige bei den Kämpfen zu verlieren. "Wir würden George Bush gerne auffordern, eine seiner Zwillingstöchter in den Krieg zu schicken. Dann könnten wir darüber diskutieren, ob wir einen Krieg führen sollten oder nicht", sagte Klägerin Nancy Lessin.

Der Kongress hat seit dem Zweiten Weltkrieg keinem Land offiziell den Krieg den erklärt. Eine ähnliche Klage von 54 Kongressmitgliedern vor dem vergangenen Golfkrieg gegen Bushs Vater, dem damaligen Präsidenten George Bush, wurde im Dezember 1990 von einem Bundesrichter abgewiesen. (Quelle: ap)
 


 

Terrorängste in den USA.

Fr.14.02.03 - Die Warnung der amerikanischen Regierung vor Terrorakten hat in der Bevölkerung neue Verunsicherung ausgelöst. Viele Amerikaner deckten sich mit Notvorräten und Schutzmaterial ein. In Washington und anderen Städten wurden die Sicherheitsvorkehrungen massiv verstärkt. Befürchtungen löste auch der neue Aufruf al-Kaidas aus. Mehr unter:
http://www.nzz.ch/2003/02/14/al/page-article8OIJS.html
 


 

Informant führt USA mit Terrorhinweis in die Irre.
Herabsetzung der Terrorwarnung sei jedoch nicht geplant +++ New Yorker Bürgermeister warnt vor Panikmache +++ Angeblich Festnahme von bis zu tausend mutmaßlichen Sympathisanten des El-Kaida-Chefs Osama bin Laden in den USA geplant.

Fr.14.02.03 - Ein Informant der Terrororganisation El Kaida hat offenbar die US-Behörden mit einer Terrorwarnung in die Irre geführt. Wie der US-Fernsehsender ABC unter Berufung auf hochrangige Strafvollzugsbeamte berichtete, berichtete der Informant über einen drohenden Anschlag mit einer "schmutzigen Bombe" und löste damit vergangene Woche in den USA die Erhöhung der Terrorwarnung auf die zweithöchste Stufe aus. Laut ABC kam die Falschaussage mit Hilfe eines Lügendetektors ans Licht. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg warnte unterdessen die US-Behörden vor Panikmache.

Eine Herabsetzung der Terrorwarnung sei jedoch nicht geplant, da Geheimdienstinformationen über andere Anschlagsdrohungen vorlägen, berichtete ABC. Wie der TV-Sender NBC berichtete, planen die US-Behörden die Festnahme von bis zu tausend mutmaßlichen Sympathisanten des El-Kaida-Chefs Osama bin Laden in rund 30 Städten der USA. Nur 40 von ihnen hätten enge Verbindungen zu dem Terrornetzwerk und würden mit Anführern im Ausland in Verbindung stehen, berichtete NBC unter Berufung auf die US-Bundespolizei FBI.

Es sei zwar eine "traurige Realität", dass eine Metropole wie New York immer ein herausragendes Ziel für Anschläge sei, räumte Bloomberg ein. Gleichzeitig könne sich die Stadt aber nicht erlauben, "sich von der Angst lähmen zu lassen". Die New Yorker dürften nicht zulassen, "dass wir ohne einen einzigen Schuss zerstört werden", mahnte der Bürgermeister. Er forderte die Bewohner der Stadt auf, ihren alltäglichen Geschäften nachzugehen.
 


 

Luftabwehr-Raketen zum Schutz Washingtons stationiert.

Fr.14.02.03 - Zum Schutz gegen Anschläge hat das US-Militär mobile Luftabwehr-Raketen um die Hauptstadt Washington stationiert.

Die auf Wärme reagierenden "Stinger"-Raketen befänden sich in Jeeps, verlautete aus Verteidigungskreisen am Mittwoch. Wo und wie viele Einheiten stationiert wurden, wurde nicht bekannt. Einige würden jedoch zum Schutz des US-Verteidigungsministeriums eingesetzt. Das Pentagon war ein Ziel der Anschläge mit entführten Flugzeugen vom 11. September 2001, bei denen rund 3000 Menschen ums Leben kamen. Die Raketen-Abwehrsysteme sind Teil eines Schutzsystems für die US-Hauptstadt, zu dem auch Patrouillenflüge von F-16-Kampfflugzeugen rund um die Uhr gehören. (Quelle: rtr)
 


 

Terrorwarnungen im Großraum London.
Flugverkehr für Stunden eingestellt.

Fr.14.02.03 - Nach Terrorwarnungen haben die britischen Behörden am Donnerstag die Sicherheitsvorkehrungen massiv ausgeweitet. Der "Guardian" schrieb unter Berufung auf Geheimdienstinformationen, islamische Extremisten hätten Flugabwehr-Raketen für mögliche Anschläge nach Großbritannien geschmuggelt. Nach dem Fund einer offenbar scharfen Granate im Gepäck eines Venezolaners wurde ein Terminal des Flughafens Gatwick evakuiert, der Flugverkehr wurde ab dem Nachmittag für Stunden eingestellt. Insgesamt drei Männer wurden festgenommen. Die Regierung äußerte sich nicht näher zu den mutmaßlichen Terrordrohungen. (Quelle: ap)
 


 

EU-Kommission bereitet humanitären Einsatz im Irak vor.

Fr.14.02.03 - Man redet ungern darüber bei der EU-Kommission: Ein paar Dutzend Beamte bereiten in Brüssel den humanitären Einsatz der EU im Irak vor. Denn wenn der Krieg beginnt, so viel ist klar, muss die Hilfe schnell kommen. Sobald die ersten US-Bomben fallen, wird es Flüchtlingstrecks an die Grenzen zur Türkei, zu Jordanien, Syrien und Kuwait geben. Zeltstädte müssen gebaut werden, Ernährung und ärztliche Versorgung für die erschöpften Menschen muss organisiert werden.

Als einige Europa-Abgeordnete jüngst bei der Uno in New York ein vertrauliches Planungspapier zu sehen bekamen, waren sie geschockt von der Detailgenauigkeit: "Die rechnen schon die Zahl der Särge aus." Mit 10 Millionen Hilfsbedürftigen rechnet die Uno, von denen anfangs 4,9 Millionen versorgt werden können, später dann 9,6 Millionen. Zwischen 600 000 und 1 450 000 Menschen werden demnach in den Nachbarländern Asyl suchen, wofür die Uno 460 000 Tonnen Lebensmittel pro Monat organisieren will. Eine halbe Million Menschen werden Kriegsverletzungen haben, 910 000 Menschen an Unterernährung leiden.

Die Berechnung basiert auf der Annahme, dass der Krieg nach 2 bis 3 Monaten zu Ende ist. Bei einem länger anhaltenden Konflikt, so ein hoher UN-Beamter, seien die USA nach der Genfer Konvention ohnehin verpflichtet, als Besatzungsmacht für die Versorgung der irakischen Bevölkerung aufzukommen. Bisher hätte sich Washington immerhin bereit erklärt, 25 Millionen Dollar für die humanitäre Hilfe beizusteuern. In Brüssel stellt man sich darauf ein, dass die Europäer wie üblich auch beim Irak die Hauptlast der Hilfe tragen werden. (Quelle: nzz)
http://www.berlinonline.de/aktuelles/berliner_zeitung/politik/217913.html
 


 

Noch immer keine NATO-Entscheidung zu Türkei-Hilfe.
Struck: NATO-Entscheidung zu Türkei Samstag oder danach

Fr.14.02.03 - Im NATO-Streit über militärische Hilfe für die Türkei im Falle eines Irak-Krieges ist keine Lösung in Sicht. Eine für gestern angesetzte Sitzung des Nordatlantikrates wurde abgesagt. Einen neuen Termin gibt es nicht.

Der Nato-Rat werde "am Samstag oder danach" eine Entscheidung über den Schutz für die Türkei zu treffen haben, sagte Verteidigungsminister Struck am Donnerstagabend im ZDF. Er betonte aber zugleich: "Der Bündnispartner Türkei bekommt die Unterstützung, die nach unserem Bündnisvertrag notwendig ist." Struck hatte am Donnerstagmorgen im Bundestag gesagt, der NATO-Rat werde bis spätestens Samstag entscheiden. Deutschland blockiert zusammen mit Frankreich und Belgien seit Wochen einen Beschluss der Allianz, Planungen zum Schutz der Türkei im Falle eines Irak-Krieges zu beginnen. (Quellen: dpa, rtr)
 


 

Alter Machtapparat bestimmt türkische Außenpolitik.

Fr.14.02.03 - Nordzypern bleibt unter der Herrschaft Ankaras, statt in die EU aufgenommen zu werden. US-Soldaten dürfen über die Türkei in den Irak einmarschieren, was die neue, islamisch geprägte Regierung gegenüber ihrem Wahlvolk in Verlegenheit bringt. Die alte Führungsschicht im Staat und in der Armee definiert weiterhin die nationale Souveränität und bestimmt die regionale Machtpolitik. Der EU-Perspektive stehen die kemalistischen Traditionalisten mit großer Skepsis gegenüber. Denn die erforderlichen Reformen würden ihre Macht bedrohen und sie zwingen, das Primat des Militärischen über das Politische aufzugeben. Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/02/14/a0053.nf/text
 


 

Kurden-Organisation Kadek ruft zu Widerstandsaktionen gegen Türkei auf.
Die Türkei nutze die drohende Irak-Intervention als Gelegenheit für Schlag gegen kurdische Freiheitsbewegung.

Fr.14.02.03 - Während um den geplanten Irak-Krieg am Donnerstag auf parlamentarischer und diplomatischer Ebene zum Teil heftig gestritten wurde, deutete sich beim NATO-Mitglied Türkei eine Zuspitzung der innenpolitischen Situation an. KADEK, der aus der PKK hervorgegangene "Kongreß für Freiheit und Demokratie Kurdistans", beendete nach vier Jahren einen einseitig erklärten "Friedensprozeß" und rief die kurdische Bevölkerung zu einem "Verteidigungskrieg" auf. Ab dem 15. Februar soll es demnach zu Widerstandsaktionen in "allen vier Teilen Kurdistans" kommen.

Die KADEK-Erklärung kam nicht unerwartet. Vor dem Hintergrund einer Isolierung Abdullah Öcalans im militärischen Sperrgebiet der Gefängnisinsel Imrali seit dem 27. November 2002 hatte die Organisation vor acht Wochen dem türkischen Staat ein "Ultimatum" gestellt. Bis zum 15.Februar sollten demnach praktische Schritte zur Lösung der kurdischen Frage eingeleitet werden. Das sei aus Sicht von KADEK nicht nur nicht geschehen, im Gegenteil versuche die Türkei, die drohende "Irak-Intervention als eine günstige Gelegenheit" zu nutzen für einen Schlag gegen "die kurdische Befreiungsbewegung". (Quelle: jw)
http://www.jungewelt.de/2003/02-14/001.php
 


 

USA wollen derzeit keine UN-Sanktionen gegen Nordkorea fordern.

Fr.14.02.03 - Im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm wollen die USA derzeit keine UN-Sanktionen gegen Pjöngjang fordern. Das erklärte der stellvertretende amerikanische UN-Botschafter Richard Williamson am Donnerstag am Sitz der Vereinten Nationen in New York. Präsident George W. Bush strebe nach wie vor eine diplomatische Lösung an, sagte der Diplomat. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte am Mittwoch entschieden, den Konflikt vor den Weltsicherheitsrat zu bringen.

Die IAEA setzte damit einen Prozess in Gang, der zur Verhängung wirtschaftlicher und politischer Sanktionen gegen Nordkorea führen könnte. Williamson sagte, die USA würden sich mit den übrigen 14 Mitgliedern des Sicherheitsrats absprechen, wann das Thema auf die Tagesordnung gesetzt werden solle. Auf die Frage von Journalisten nach der Möglichkeit von Sanktionen gegen Nordkorea, sagte er: "Das ist zurzeit kein Thema." Die USA wollten den Streit auf diplomatischem Weg beilegen. Die nordkoreanische Regierung hat wiederholt erklärt, sie betrachte Sanktionen als Kriegserklärung. (Quelle: ap)


 

«Pjöngjang liegt nicht am Tigris»
Die Krise auf der koreanischen Halbinsel kann nur auf dem Verhandlungswege beigelegt werden. Zwar hat Nordkorea die Spannungen durch seinen Rückzug vom Atomwaffensperrvertrag angeheizt, aber das Regime Kim Jong Il dürfte damit vor allem die Absicht verfolgen, sich gegen einen militärischen Erstschlag zu schützen. Dieser Schutz wurde Pjöngjang in einer Geheimklausel des Abkommens von 1994 mit der Clinton-Regierung zugesichert, durch die neue Militärdoktrin der Bush-Regierung aber praktisch widerrufen. Doch eine militärische Aktion der USA gegen Nordkorea würde die ganze Region in einen Krieg stürzen. Deshalb hält die Regierung Roh Moo Hyun in Südkorea an der Politik der Aussöhnung mit dem Norden fest. Und auch Japan hält nichts von einer zu harten Haltung der USA gegenüber Nordkorea. (Quelle: Le Monde diplomatique vom 14.2.2003) Mehr unter:

http://www.taz.de/pt/2003/02/14/a0055.nf/text
 


 

Ungelöste Statusfrage Kosovos sorgt für Spannungen in Südserbien.

Fr.14.02.03 - Im südserbischen Presevo-Tal hat die Verhaftung albanischer Aktivisten Befürchtungen über ein Aufflammen des ethnischen Konflikts geweckt. Gleichzeitig sorgte der Vorstoss des serbischen Regierungschefs Djindjic in der Frage des Status von Kosovo für einige Nervosität in der von der Uno verwalteten ehemaligen serbischen Provinz. Mehr unter:
http://www.nzz.ch/2003/02/14/al/page-article8OIAV.html

Vier Jahre nach dem Kosovokrieg - der Solana-Staat zerfällt. Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/02/14/a0002.nf/text
 
 
 
 

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