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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mo.17.02.03, 12:45 NATO einigt sich über Türkei-Hilfe in Irak-Krise
Mo.17.02.03 - Die NATO hat nach tagelangem Tauziehen Vorbereitungen für eine
militärische Unterstützung der Türkei im Irak-Konflikt beschlossen. Die Maßnahmen
dienten einzig der Verteidigung und legten keine weiteren militärischen
Entscheidungen fest, betonten die NATO-Staaten in ihrem Beschluss in der Nacht
zum Montag. NATO-Generalsekretär George Robertson betonte: "Dies ist kein
Schritt in Richtung auf einen Krieg."
Die Einigung nehme künftige Beschlüsse des UN-Sicherheitsrates nicht vorweg,
betonten die 18 im Verteidigungsplanungsausschuss vertretenen NATO-Staaten.
Frankreich gehört wegen seines besonderen Status nicht dazu. "Wir unterstützen
weiter die Bemühungen der Vereinten Nationen auf der Suche nach einer friedlichen
Lösung der Krise", heißt es in dem Beschluss. Auf einer Erwähnung der Vereinten
Nationen hatte Belgien bestanden. Robertson betonte, der Beschluss sei von allen
18 Staaten einvernehmlich getroffen worden. Er stehe in vollem Einklang mit dem
Vorgehen der Vereinten Nationen.
Der Beschluss sieht vorbereitende NATO-Planungen für die Entsendung von
AWACS-Aufklärungsflugzeugen, Raketenabwehrsystemen sowie Einheiten zur
Verteidigung gegen biologische und chemische Angriffe vor. "Ich hoffe, dass dies
ein Frage von wenigen Tagen ist", sagte der Vorsitzende des
NATO-Militärausschusses und deutsche General Harald Kujat. Generalsekretär
Robertson sagte, für die Türkei stelle die gegenwärtige Lage eine Bedrohung dar.
Die angefragten Waffensysteme seien rein defensiv: "Sie sind für die Verteidigung
gebaut", sagte der NATO-Chef.
Robertson bedauerte, dass die Entscheidung nicht im NATO-Rat mit der
Zustimmung Frankreichs gefallen sei. "Wir hätten eine Entscheidung im Rat mit
seinen 19 Mitgliedern vorgezogen", sagte der Generalsekretär. Nichtsdestotrotz sei
die Entscheidung des Verteidigungsplanungsausschusses gültig und bindend,
erläuterten NATO-Sprecher. Frankreich, Deutschland und Belgien hatten einen
Beschluss abgelehnt, der Entscheidungen der Vereinten Nationen vorgreift. Andere
Länder hatten sich gegen ein Junktim gesperrt, was die NATO in die tiefste Krise
ihrer Geschichte stürzte.
In einer gemeinsamen Erklärung von Deutschland, Frankreich und Belgien heißt es,
der Einsatz von Gewalt könne nur das letzte Mittel sein. Noch seien nicht alle in der
Resolution 1441 vorgesehenen Möglichkeiten zur vollständigen und wirksamen Entwaffnung
Iraks ausgeschöpft. Der NATO-Beschluss habe keinen vorentscheidenden Charakter für die
Bemühungen der drei Länder, den Irak-Konflikt friedlich beizulegen.
(Quelle: dpa)
Nato-Generalsekretär George Robertson zeigte sich
glücklich. Die Nato feierte das Ende ihrer "inneren
Blockade". Die türkische Regierung äußerte sich zufrieden.
Auch die Deutschen sonnten sich am Tag danach in
Prinzipienfestigkeit. Doch die Planungsfreigabe für
Militärhilfe an die Türkei kann in den nächsten Tagen neuen
Druck auf das rot-grüne Berlin erzeugen. (...)
In dem (...) Aufgabenkatalog (des NATO-Beschlusses) stehen
drei Punkte, bei denen Berlin erste Adresse sein wird: Zum einen geht
es um die Verlegung der Awacs-Aufklärungsflugzeuge in die Türkei zur
Sicherung des Luftraums. In den Maschinen, die der Nato
direkt unterstehen, sitzen auch deutsche Spezialisten. Berlin
könnte eine Zustimmung dadurch erleichtert werden, dass die
"Awacs" ausdrücklich nur zu Verteidigungszwecken eingesetzt
werden dürfen. Zum Zweiten geht es um Raketenabwehr, also
die Stationierung von "Patriot"- Systemen, über die die
Bundeswehr verfügt. Zum Dritten werden sich die Planer
Gedanken machen, wie die Türkei gegen Angriffe mit
chemischen oder biologischen Waffen geschützt werden kann.
Da kommen deutsche "Fuchs"-Spürpanzer ins Gespräch.
Weitere "Patriots" für die Türkei, vor allem mit
Bedienungspersonal, aber auch die Spürpanzer wären heikel.
Der Bundestag müsste dies beschließen. (...)
Türkei will nicht direkt an einem Irak-Krieg teilnehmen
Mo.17.02.03 - Die Türkei will sich nach Worten ihres stellvertretenden
Ministerpräsidenten Ertugrul Yalcinbayir nicht direkt an einem möglichen, von den
USA geführten Krieg gegen Irak beteiligen. Sie bereite aber Massnahmen zur
Selbstverteidigung vor und setze dabei auch auf die Unterstützung der NATO, sagte
Yalcinbayir am Montag bei einem Besuch in Tokio. Er sei davon überzeugt, dass
auch Deutschland, Belgien und Frankreich zu ihren Verpflichtungen zu ihrem
Verbündeten stehen würden.
Im Südosten der Türkei landeten derweil 500 US-Militärs, nach Angaben des türkischen Nachrichtensenders
CNN-Türk Mitglieder einer Pioniereinheit. Die Soldaten sollen demnach bei Instandsetzungsarbeiten auf Flughäfen der
Region helfen, die später als Luftdrehkreuze für einen US-Militäreinsatz gegen Irak genutzt werden könnten.
(Quellen: ap, afp)
EU sucht nach gemeinsamer Haltung zur Irak-Frage
Mo.17.02.03 - Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU)
kommen heute (Montag, 18.00 Uhr MEZ) zu einem Sonder-Gipfel in Brüssel
zusammen, um nach einer gemeinsamen Haltung zur Irak-Frage zu suchen. Am
Vormittag (11.00 Uhr MEZ) treffen sich bereits die 15 EU-Außenminister.
Die Gemeinschaft ist gespalten zwischen den Befürwortern der harten US-Haltung
und den Gegnern eines baldigen Militärschlags. EU-Diplomaten zufolge hat der eher
gemischte Bericht der UNO- Waffeninspektoren und die Mehrheit im
UNO-Sicherheitsrat für eine Fortsetzung der Inspektionen der Diplomatie zu mehr
Zeit verholfen. Griechenlands Ministerpräsident Kostas Simitis, der als
Ratspräsident den Gipfel einberufen hat, hatte in der vergangenen Woche vor einer
schweren Krise der EU gewarnt, sollte sie sich nicht auf eine gemeinsame Haltung
einigen.
Frankreich und Deutschland haben sich am deutlichsten gegen einen Krieg
ausgesprochen. Sie werden in einem mehr oder weniger starken Maß von
Österreich, Belgien, Schweden, Finnland, Luxemburg und Griechenland unterstützt.
Auf der Gegenseite unterstützen Großbritannien und Spanien sowie Italien,
Dänemark, Portugal und die zehn Beitrittsländer die Haltung der USA. "Wir müssen
sicherstellen, dass Europa seine Identität und Prinzipien geltend machen kann",
sagte Frankreichs Außenminister Dominique de Villepin am Sonntag. "Das ist das,
was bei dem Europäischen Gipfel auf dem Spiel steht."
Griechenlands Außenminister Georgios Papandreou war am Sonntag in Kairo mit
seinem irakischen Kollegen Nadschi Sabri zusammengetroffen. Er dürfte in Brüssel
über das Gespräch informieren. Während des Gipfels sollen sich auch der türkische
Ministerpräsident Abdullah Gül und Außenminister Yasar Yakis in der Stadt
aufhalten, wo sie bilaterale Gespräche mit EU-Ländern abhalten könnten.
UNO-Generalsekretär Kofi Annan nimmt als Gast an den Gesprächen am Abend teil.
(Quelle: rtr)
Solana sieht Chancen für gemeinsame Position der EU in Irak-Konflikt
Mo.17.02.03 - Vor Beginn des EU-Sondergipfels zum Irak-Konflikt hat sich
EU-Chefdiplomat Javier Solana optimistisch gezeigt, dass sich die Staats- und
Regierungschefs der Europäischen Union auf eine gemeinsame Position einigen
können. "Ich bin sicher, dass wir eine gemeinsame Lösung finden können, und
dann können wir diese auch im UN-Sicherheitsrat einbringen", sagte der
außenpolitische Vertreter der EU am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Die Europäer
würden nur dann gehört, wenn sie mit einer gemeinsamen Stimme sprächen, sagte
Solana.
Ein Krieg müsse das letzte Mittel sein, zudem müssten die UN in der Krise die
entscheidende Rolle spielen. Auf diese Positionen könnten sich seiner
Einschätzung nach alle EU-Mitgliedstaaten einigen. "Wir haben immer eine
gemeinsame Position gefunden, auch wenn es manchmal etwas länger dauert",
sagte der Chefdiplomat. Niemand wolle eine Kluft zwischen der EU und den USA
schaffen. (Quelle: ap)
Die Grundsätze des EU-Vertrages verbieten die Beteiligung an Angriffskriegen
Heute treffen sich die EU-Mitgliedstaaten auf einem Sondergipfel,
um doch noch eine gemeinsame Position in der Irakfrage zu
erringen. Dies scheint nahezu aussichtslos - zu sehr sind die
Standpunkte der Länder des "alten" Europa von denen des "neuen"
entfernt. Frankreich und Deutschland auf der einen, Großbritannien,
Spanien, Italien, Dänemark und Portugal auf der anderen Seite - mit
der Zustimmung der Beitrittsländer Polen und Ungarn im Rücken.
Doch ist der rechtliche Handlungsspielraum dieser
kriegsbefürwortenden Staaten geringer, als die derzeitige Debatte
erkennen lässt. Das europäische Verfassungsrecht setzt nämlich
schon heute - auch ohne geschriebene europäische Verfassung -
der Außen- und Sicherheitspolitik der derzeitigen und zukünftigen
EU-Mitgliedstaaten Grenzen, die bei einer Beteiligung an einem
völkerrechtswidrigen Krieg gegen Irak überschritten würden.
(tageszeitung vom 17.02.03) Mehr unter:
USA fordern weiter zweite UN-Resolution zu Irak
Mo.17.02.03 - Im Irak-Konflikt haben sich die USA erneut für eine zweite Resolution des
UN-Sicherheitsrates ausgesprochen. Frankreichs Präsident Jacques Chirac stellte sich hingegen
gegen eine solche Resolution. Der Konflikt müsse im Rahmen der verabschiedeten Resolution 1441
gelöst werden, sagte Chirac dem US-Magazin "Time". Nach Einschätzung der US-Sicherheitsberaterin
Condoleezza Rice ist eine gewaltfreie Beilegung der Irak-Krise immer noch möglich
Im Ziel seien sich die USA und Frankreich einig, sagte Chirac: Die irakischen
Massenvernichtungswaffen müssten zerstört werden. Sollten die UN-Inspektionen
zu einem Erfolg führen, könnten die USA dies als ihren Sieg betrachten. Die Arbeit
der Waffenkontrolleure in Irak sei "zum großen Teil der Anwesenheit der
amerikanischen Streitmacht" zu verdanken.
"Wir müssen den Inspektoren mehr Zeit geben", sagte Chirac dem Magazin "Time".
Sein Land vertraue den Waffeninspektoren. Wenn diese jedoch berichteten, dass sie
ihre Arbeit nicht fortführen könnten oder dass Irak die Auflagen nicht erfülle, müsse
der Sicherheitsrat eine Entscheidung treffen. "Und in dem Fall schließt Frankreich
natürlich keine Option aus." Er betonte, dass sein Land auch zu einem Krieg bereit
sei: "Frankreich ist kein pazifistisches Land", sagte er. Gegenwärtig würde ein
Militärschlag jedoch nur den Terrorismus fördern und "eine große Zahl von kleinen
(Osama) Bin Ladens hervorbringen."
Die USA unterstützten nach wie vor eine zweite Resolution des UN-Sicherheitsrats
zu Irak, bekräftigte Bushs Sicherheitsberaterin Rice.
Zu den Chancen einer gewaltfreien Lösung sagte sie dem US-Fernsehsender NBC :
"Wir sind im Moment in einem diplomatischen Zeitfenster, das aber nicht mehr sehr lange offen ist."
Es werde Zeit "dass das endet." Rice äußerte sich skeptisch zu einer Verlängerung der Waffeninspektionen,
wie sie von Frankreich und Deutschland befürwortet wird. Wer dies fordere, mache
den Eindruck, sich am Fortgang des Versteckspiels beteiligen zu wollen. Sie forderte vom
Sicherheitsrat, Entschlossenheit zu zeigen. "Der UNO-Sicherheitsrat wird leider dafür bekannt,
nicht reagieren zu können."
Die USA arbeiteten im Rat daran, Unterstützung für eine neue Resolution zu erhalten, die einen Militärschlag
ausdrücklich einschließen würde.
Aus Kreisen der britischen Regierung verlautete: "Wenn das noch ein paar Wochen
dauert, dann wird diese Zeit halt gefunden werden müssen." Die Forderung Frankreichs nach einem weiteren Bericht
der Inspektoren am 14. März sei nur akzeptabel, wenn daraus eine klare Entscheidung hervorgehe. "Aber nicht, wenn
es nur darum geht, weitere vier Wochen Zeit zu schinden." (Quellen: afp, rtr)
Kampfflugzeuge greifen erneut irakische Ziele an.
Mo.17.02.03 - Britische und US-Kampfflugzeuge haben am Sonntag erneut Ziele im Süden Iraks
bombardiert. Dabei seien Luftabwehrstellungen zwischen den Städten El Kut und
An Nasirijah sowie zwischen El Kut und Basra angegriffen worden, teilte das
Zentralkommando der US-Streitkräfte mit. Die Bombardierungen seien die Reaktion
auf die Präsenz irakischer Militärflugzeuge in der von den USA und Großbritannien
verhängten Flugverbotszone in Südirak gewesen, hieß es. Ein irakischer
Armeesprecher hatte zuvor mitgeteilt, die Flugzeuge hätten zivile Einrichtungen in
der südlichen Provinz Si-Kar angegriffen.
Britische und US-Maschinen fliegen regelmäßig Patrouillen in den seit dem
Golfkrieg von Washington und London 1991 verhängten Flugverbotszonen im Süden
und Norden des Landes. Dabei kommt es immer wieder zu Zwischenfällen mit der
irakischen Armee.
Irak erkennt die durch keine UN-Resolution gedeckten Zonen,
durch die laut USA die schiitische und kurdische Bevölkerung geschützt werden
sollen, nicht an. In den vergangenen Wochen verstärkten die US- und britische
Luftwaffe ihre Patrouillenflüge; seitdem sind die militärischen Auseinandersetzungen
fast an der Tagesordnung.
Meist richten sich die allierten Luftangriffe gegen Fernmeldeeinrichtungen
in Irak. Allein im Januar wurden im Südosten Dutzend dieser Objekte bombardiert.
"Wir bekommen eine Art Vorsprung", erklärt ein Militärexperte des Lexinghton-Instituts
in Washington, Loren Thompson. "Wir nutzen die Lage dazu, damit wir die volle
Wucht unserer Streitkräfte einsetzen können, wenn der Krieg kommt. (Quellen: afp, fr)
Keine Einigung bei Arabischer Liga über Irak-Politik
Mo.17.02.03 - Die Außenminister der Arabischen Liga haben sich am Sonntag bei
einer chaotischen Sitzung in Kairo nicht auf die Einberufung eines Sondergipfels
zum Irak-Konflikt einigen können. Generalsekretär Amre Mussa erklärte am Abend
vor der Presse, die Minister hätten ihn und die ägyptische Regierung, die zu dem
Gipfel in der letzten Februarwoche eingeladen hatte, beauftragt, in den nächsten
Tagen doch noch eine Einigung mit den anderen arabischen Staaten zu suchen.
Kuwait weigerte sich am Sonntag außerdem, einer gemeinsamen Schlusserklärung
der Minister zuzustimmen, die eine deutliche Ablehnung der amerikanischen
Kriegsdrohungen gegen den Irak beinhaltet und Bagdad für seine Kooperation mit
den UN- Waffeninspekteuren lobt.
Bei der Abschluss-Pressekonferenz kochten die Emotionen hoch. Ein Journalist
des ägyptischen Fernsehens fragte Mussa: "Wann wird die Haltung der Araber
endlich so weit sein wie die der Europäer, sowohl auf offizieller Ebene wie auf der
Ebene der Bevölkerung?" Die Diskussionen der Außenminister seien sehr ernst
gewesen, sagte Mussa. Er bestritt, dass einige Delegationen die Sitzung in Kairo
aus Protest vorzeitig verlassen hätten.
Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hatte, nachdem dies von mehreren
Mitgliedstaaten gefordert worden war, für die letzte Februarwoche zu einem
Sondergipfel ins ägyptische Scharm el Scheich eingeladen. Der ursprüngliche
Termin für den alljährlichen Gipfel der Liga war der 24. März in Bahrain. Schon
im Golfkrieg von 1991 hatten sich die 22 Mitgliedstaaten der Arabischen Liga nicht
auf eine gemeinsame Linie einigen können. (Quelle: dpa)
Der Angriff auf den Irak wird in Israel in allernächster Zeit erwartet
Mo.17.02.03 - Das Pendel schwinge hin und her zwischen echter Panik und hysterischer Ruhe.
So beschrieb der Ha'aretz-Kommentator die psychische Verfassung der
israelischen Bevölkerung (..) Obschon die Armeeführung, allen voran ihr Kommandeur,
General Mosche Ya'alon, in den letzten Tagen mehrfach darauf verwies, dass kein Grund zur Panik
vorliege. Israel sei dieses Mal weitaus besser für einen etwaigen Raketenangriff aus dem
Irak gerüstet als vor 12 Jahren; die Angst, wie es Umfragen bestätigen, vor
terroristischen Angriffen seitens der Palästinenser sei spürbar größer als vor
Saddam's verbliebenen Scuds. Trotz der vielen Stimmungsberichte und
Umfrageergebnisse, wonach mehr als ein Drittel der Israelis keine Gasmasken
aufsetzen und keine Schutzräume aufsuchen wollen, flackert zwischen den "No
Panic"-Statements immer wieder Unsicherheit auf. Und die zeigt sich schon bei
der momentan heissesten Frage nach dem Kriegsbeginn. (Quelle: telepolis) Mehr unter:
Experte befürchtet bei Krieg Weltwirtschaftskrise.
Mo.17.02.03 - Der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Wiegard, hat vor einer
Weltwirtschaftskrise im Falle eines Irak-Krieges gewarnt. Im schlimmsten Falle drohe eine
weltweite Rezession. Bei einem Flächenbrand im Mittleren Osten und terroristischen
Vergeltungsanschlägen könne der Ölpreis kurzfristig auf 100 Dollar pro Barrel steigen, erklärte
der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.
Dies hätte fatale Folgen für die Konkunktur, weil die Konsum- und
Investitionstätigkeit weiter gedämpft würden und die Exporte einbrechen könnten.
In diesem Fall lasse sich eine weltweite Rezession kaum mehr vermeiden, warnte
Wiegard in der "Welt". Die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Militäreinsatzes
gegen Irak hingen von der Dauer und Intensität eines Krieges ab. Wiegard erwartet,
dass die Einhaltung der Maastricht-Defizitgrenze von drei Prozent für die
Bundesrepublik kaum noch möglich sein werde. Sollte sich die konjunkturelle
Situation noch weiter und erheblich verschlechtern, sei die Defizitgrenze "realistisch
betrachtet wohl kaum noch zu halten". Wenn der Ölpreis sich vier Quartale lang um
die 35 Dollar bewege, sei zwei Jahre lang mit Wachstumseinbußen von 0,3 Prozentpunkten des
Bruttoinlandsproduktes zu rechnen. (Quelle: afp)
Genfer Irak-Konferenz der Hilfsorganisationen beendet.
Mo.17.02.03 - Das Treffen von Hilfsorganisationen und mehreren Ländern zu den
Vorkehrungen für einen möglichen Irak-Krieg am Wochenende in Genf zeigte
ernüchternde Fakten: Die Lage der irakischen Bevölkerung sei prekärer als erwartet,
für die Hilfe fehle zurzeit das Geld.
"Wir hatten eine ehrliche und sehr substanzielle Diskussion", sagte der
Direktor der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), Walter Fust.
Das Treffen habe gezeigt, dass die Situation der Zivilbevölkerung in Irak schlimmer sei als
erwartet. Sollte in einem Kriegsfall das "Öl für Lebensmittel"-Programm
zusammenbrechen, sei die Versorgung von 60 Prozent der irakischen Bevölkerung
gefährdet. Weiter sei deutlich geworden, wie ungenügend die Finanzierung der Hilfe
noch sei. "Auf dem Papier ist vieles bereit, in der Realität aber nicht", sagte Fust.
Die Nachbarländer Iraks hätten sich bereit gezeigt, mit der internationalen
Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, erklärte Fust weiter. Er zeigte sich überzeugt,
dass Resultate der Diskussionen in die einzelnen Hilfsprojekte und Vorbereitungen
einfließen und so zur Verbesserung der humanitären Hilfe beitragen werden.
Positiv äußerte sich auch die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey. "Es ist der Schweiz gelungen, die
humanitäre Situation der irakischen Zivilbevölkerung in den Vordergrund zu stellen", schrieb sie in einer Erklärung.
Calmy-Rey hatte das zweitägige Treffen am Samstag in Anwesenheit des Präsidenten des Internationalen Komitees
vom Roten Kreuz (IKRK), Jakob Kellenberger, und dem UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Ruud Lubbers, eröffnet.
Was das Treffen über den Informationsaustausch hinaus bringen wird, blieb am Sonntag offen. Die Schweiz erklärte
sich bereit, eine informelle Diskussionsgruppe zu schaffen, die den Dialog weiterführen soll. Zudem will sie sich aktiv
um eine rasche Verbesserung der Finanzierung bemühen. Eine offizielle Fortsetzung des Treffens ist nicht geplant.
Die frühere finnische Verteidigungsministerin Elisabeth Rehn sagte: "Geredet wurde genug, jetzt müssen Taten
folgen."
Der Einladung nach Genf waren 21 Organisationen und 29 Staaten gefolgt, darunter vier der fünf Vetomächte des
UN-Sicherheitsrats. Als einziger Staat sagten die USA ab. Frankreich beschränkte sich auf eine Beobachterrolle. Irak
wurde nicht eingeladen. (Quelle: ap)
«No a la guerra» : Rund vier Millionen Spanier demonstrierten für Frieden.
Mo.17.02.03 - In keinem anderen Land der Welt haben so viele Menschen gegen einen Krieg
im Irak demonstriert wie in Spanien. Fast vier Millionen Spanier zogen unter dem Slogan
"No a la guerra" (Nein zum Krieg) durch die Straßen. Das ganze Land scheint sich in eine einzige
Friedensbewegung verwandelt zu haben, und die Proteste stürzen Ministerpräsident José María Aznar
mit seiner pro-amerikanischen Linie in die größte Bredouille seiner bisher siebenjährigen Amtszeit.
"Wenn der Regierungschef sich jetzt in seiner Position verschanzt und die
Demonstrationen ignoriert, wäre dies das Schlechteste, was er tun könnte",
schreibt die Zeitung "El Mundo" am Sonntag. "Man kann nicht gegen den Willen
der Bevölkerung regieren." Das konservative Blatt "ABC" sieht Aznar in einem
"Labyrinth" verfangen.
Zwischen Bilbao und Teneriffa demonstrierten am Samstag Kriegsgegner in
praktisch allen Städten. Barcelona erlebte mit 1,3 Millionen Teilnehmern die größte
Kundgebung seiner Geschichte. Der Protestmarsch war stundenlang blockiert, weil
der Andrang der Demonstranten alle Erwartungen übertroffen und das riesige
Menschenmeer die Straßen der katalanischen Metropole verstopft hatte. In Madrid,
wo eine Million Menschen zusammenkamen, musste der Marsch durch Nebenstraßen
umgeleitet werden, damit er sein Ziel an der "Puerta del Sol" im Herzen der Hauptstadt
überhaupt erreichte.
Die Diskrepanz zwischen den Massenkundgebungen auf der einen und der pro-amerikanischen Haltung der Regierung
auf der anderen Seite könnte kaum größer sein. Während Millionen von Spaniern gegen einen Krieg demonstrieren,
bezieht die Regierung in der Irak-Frage eine Position, die die der USA oder Großbritanniens an Härte noch zu
übertreffen scheint. Außenministerin Ana Palacio bezeichnete die UN- Waffeninspektionen im Irak als eine
"Zeitverschwendung", der man möglichst rasch Einhalt gebieten müsse. Kommentatoren verglichen ihre Rede im
UN-Sicherheitsrat mit einem "Kanonendonner".
US-Präsident George W. Bush und sein Verbündeter Aznar haben nach Ansicht der Zeitung "El País" im Irak-Konflikt
die erste Schlacht verloren, bevor auch nur ein Schuss abgefeuert wurde: "Nun ist klar, dass der Kampf um die
öffentliche Meinung auf weltweiter Ebene verloren ist. So große Proteste wie am Samstag gab es seit dem
Vietnam-Krieg nicht." (Quelle: dpa)
Dem Krieg eine Absage erteilt: Rund eine Million protestierten in Rom
Mo.17.02.03 - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, bisher ein erklärter Befürworter der
US-Säbelrasselns gegenüber dem Irak, scheint ins Grübeln geraten zu sein. Denn er steht im eigenen Land
zunehmend isoliert da. Jüngsten Umfragen zufolge sind 80 Prozent der Italiener gegen einen Gewalteinsatz, 70
Prozent würden nicht einmal einen Krieg mit dem Segen der UN gutheißen.
Am Samstag zogen rund eine Million Italiener durch Rom, um dem Krieg eine
Absage zu erteilen. Kaum ein Haus, an dem keine Friedensfahne in den
Regenbogenfarben zu sehen war. Im ganzen Land widersetzten sich zudem
Bürgermeister der Anordnung Berlusconis, keine Friedensfahnen an öffentlichen
Gebäuden zu hissen.
Zu den Protesten gegen einen Irak-Krieg vom Wochenende hat sich der italienische
Ministerpräsident Silvio Berlusconi zunächst nicht geäußert. Er überließ es dem
stellvertretenden Regierungschef Gianfranco Fini, den Sinn der Massenproteste in
Zweifel zu ziehen. Bereits in den vorangegangenen Tagen war Berlusconi in der
Irak-Frage auf Tauchstation gegangen. Er sei verunsichert, spekulieren italienische
Medien. "Berlusconi steckt im Dilemma, er würde sich jetzt wohl am liebsten vom
Falken in eine Taube verwandeln", analysierte etwa die linksliberale Tageszeitung
"La Repubblica".
Zuletzt habe Berlusconi versucht, mäßigend auf US-Präsident Bush einzuwirken, heißt
es in Rom. Die von ihm angedachte Einschaltung des libyschen Machthaber Muammar el Gaddafi,
einem weiteren Erzfeind der USA, als Vermittler mit Saddam Hussein rief in Washington allerdings
keine Begeisterung hervor. Berlusconi soll jetzt auf der Suche nach einem "dritten Weg" sein, der
die EU und USA wieder näher bringen soll.
Denn Berlusconi weiß, dass die Irak-Frage auch innenpolitische Folgen für ihn haben dürfte. "Sie
attackieren die USA, um dann mich zu attackieren", soll Berlusconi gegenüber Regierungsmitgliedern
seine Besorgnis zum Ausdruck gebracht haben. Die US-Unterstützung hätte eigentlich sein
Ansehen als Staatsmann im In- und Ausland steigern sollen, doch die Rechnung scheint nicht aufzugehen.
Die mediale Wirkung seiner Besuche in Washington, London und Moskau ist rasch verpufft.
Zudem hat er die in Italien einflussreiche katholische Kirche gegen sich aufgebracht. Papst Johannes Paul II. ist ohne
wenn und aber gegen einen Krieg. "Der Vatikan macht seine Außenpolitik, wir unsere", hat Verteidigungsminister
Antonio Martino lakonisch erklärt, der erst am Freitag den USA die Benützung aller italienischen Verkehrswege
zugesagt hat. (Quelle: dpa)
Über eine Million Anti-Kriegs-Demonstranten in London
Mo.17.02.03 - Der britische Premierminister hat sich durch die beispiellosen
Demonstrationen seiner Landsleute gegen einen möglichen Krieg gegen den
Irak nicht beirren lassen. Unmittelbar bevor sich am Samstagnachmittag nach
übereinstimmenden Schätzungen mehr als eine Million Menschen im Londoner
Hyde Park versammelten, teilte Tony Blair seinen Parteigenossen in Glasgow - wo
ebenfalls eine Kundgebung stattfand - mit, es wäre"«unmenschlich", Saddam Hussein
im Amt zu belassen.
Die britischen Medien bezeichneten die Kundgebungen in
London, Glasgow und Belfast einmütig als die grössten
Massenproteste der britischen Geschichte.
Unaufhaltsam wie eine Flutwelle ergoss sich am Samstag in die
Londoner Innenstadt eine gewaltige Masse Mensch, die vereint war
in ihrer Forderung: Kein Krieg dem Irak. Anarchisten waren da und
brave Bürger, Kriegsveteranen und Pazifisten, Grüne und Linke,
Berühmtheiten und graue Mäuse, Städter und Landbewohner –
verschmolzen zu einem einzigen großen Ozean des Protests gegen
den Kriegskurs der Herren Bush und Blair.
Sie kamen mit Plakaten, mit den alten Symbolen der
Friedensbewegung, aber auch mit neuen Slogans: "Make tea, not
war" – und dazu ein Tony Blair mit Maschinengewehr in der Hand
und Teetasse auf dem Kopf. Der alte Tony Benn und der uralte
Michael Foot, Ikonen der Labour Party gehörten zu den Rednern
ebenso wie der immer noch feurige US- Bürgerrechtler Jesse Jackson,
Bürgermeister Ken Livingstone und Mo Mowlam. Die war mal der Star in
Tony Blairs Regierungskabinett – heute ist sie gegen ihn.
Auch in der irischen Hauptstadt Dublin marschierten schätzungsweise
100 000 Kriegsgegner.
Nicht, dass der Ausbruch von so viel Friedensbewegtheit eine
Überraschung gewesen wäre. Wie die Leute fühlen, weiß man aus
vielen Meinungsumfragen, deren Trend nicht nur eindeutig ist,
sondern sich zu verhärten scheint. Im September hatte noch jeder
Dritte keine Bedenken gegen einen Krieg – auch ohne ein
eindeutiges Mandat der Vereinten Nationen. Inzwischen ist diese
Gruppe auf neun Prozent zusammengeschmolzen. Und selbst im
Falle eines klaren UN-Auftrags wäre die Zahl der Kriegsgegner
immer noch größer als die der Befürworter. So etwas hat es in der
jüngeren britischen Geschichte noch nicht gegeben – eine
bemerkenswerte Entwicklung, und das Ausrufezeichen dahinter war
der Friedensmarsch vom Samstag.
Für den britischen Premier steht
indessen viel auf dem Spiel, darin war sich die
britische Presse einig. Titelseiten forderten den
Regierungschef auf, seinem Volk zuzuhören, in den
Kommentaren der seriösen Sonntagszeitungen wurden die
politischen Gefahren für den scheinbar einsamen
Premierminister genüsslich umrissen. Die herkömmlichen
sonntäglichen Fernsehinterviews mit Spitzenpolitikern
waren deshalb dominiert von Ministern und anderen
Granden der Labourpartei, die sich bedingungslos hinter
Blair stellten. Sein Stellvertreter Prescott benutzte seine
Rede vor dem kleinen Parteitag in Glasgow für einen
leidenschaftlichen Aufruf zum Schulterschluss mit der
Regierungsspitze.
Blair spricht in diesen Tagen ganz offen über seine
"Unpopularität" und sagt, das sei nun mal der Preis für Führungskraft
und starke Überzeugung. Er weiß, dass er mit seinem Kurs "alles
riskiert" – zumal dann, wenn Bush die Geduld verlieren und Blair ihm
auch ohne zweite UN- Resolution in den Krieg folgen sollte. Das
könnte die Partei spalten und Blair das Amt kosten – und nach der
Stimmung am Samstag zu urteilen, wird es viele geben, die zumindest
das Letztere nicht bedauern. (Quellen: nzz, sz)
Große Antikriegskundgebung in New York legt Manhatten lahm
Mo.17.02.03 - In Städten auf der ganzen Welt gab es am Samstag Demonstrationen.
Aber nicht in New York City. Auf den Rat seines Polizeichefs hin hatte New Yorks
Bürgermeister Michael Bloomberg die Demonstration verboten, da die
Polizei nicht in der Lage sei, die Sicherheit zu garantieren.
Die Veranstalter hatten geplan, die First Avenue entlang am Gebäude der Vereinten Nationen
vorbeizuziehen. Als Kompromiss genehmigte die Stadt dann eine Kundgebung auf der First Avenue.
Am Sonnabend jedoch hatte die Polizei die ganze East Side von Manhattan weiträumig mit Metallbarrikaden
abgesperrt und ließ nur eine begrenzte Anzahl von Demonstranten durch.
Polizisten auf Pferden nahmen Protestierende fest und schlugen auf Demonstranten ein.
Man schätzt, dass sich trotz dieser Schikanen bis zu einer Million Menschen nicht davon abhalten ließen,
am Samstag in New York von Polizeisperre zu Polizeisperrezu ziehen, um so gegen den von der
US-Regierung geplanten Krieg im Irak zu protestieren. Bis in die Nacht hinein legten Ströme von Menschen
Manhatten lahm. (Quellen: blz, telepolis) Mehr unter:
Über 100.000 Menschen demonstrieren in San Francisco
Mo.17.02.03 - In der kalifornischen Metropole San Francisco haben am Sonntag
nach Polizeiangaben mehr als 100.000 Menschen gegen einen
drohenden Irak-Krieg protestiert. Bereits am Samstag hatte es in
zahlreichen anderen Städten der USA Kundgebungen gegen den Krieg gegeben.
Allein in New York gingen dabei nach Angaben der Veranstalter in der Nähe des
UN-Hauptquartiers bis zu 250.000 Demonstranten auf die Straße, unter ihnen auch
Familien der Opfer vom 11. September 2001.
Die Demonstration in San Francisco war auf Sonntag verlegt worden, weil am
Samstag bereits Kundgebungen aus Anlass des chinesische Neujahrsfestes
gefeiert worden waren. (Quelle:afp)
Deutsche Friedensbewegung in Berlin neu erwacht.
Mo.17.02.03 - Die deutsche Friedensbewegung ist nach Jahren des Schweigens zu neuem Leben
erwacht. Die Angst vor einem Krieg im Irak brachte am Samstag eine halbe Million Menschen aus allen
Teilen der Bundesrepublik auf Berlins Straßen. Trotz bitterer Kälte formierte sich die Demonstration für
eine friedliche Lösung des Konflikts zu einer der größten Friedenskundgebungen der Nachkriegsgeschichte.
Erinnerungen an die Proteste gegen die Nachrüstung Anfang der 80er Jahre in Bonn wurden wach. Berlin
hatte ähnliche Menschenmassen zuletzt im November 1989 bei der ersten freien Massendemonstration in der
DDR auf dem Alexanderplatz gesehen. Ganze Familien kamen, Alte, viele junge Leute, bunt geschminkt einige,
gegen die Kälte dick eingepackt alle. Auch Turbane und muslimische Kopfbedeckungen wurden im
Gedränge gesichtet.
Fast wie bei einem Volksfest war die Stimmung, heiter und friedlich. Grüne
Luftballons stiegen in den Winterhimmel. Die Menschenmenge rund um die
Siegessäule wurde schnell unüberschaubar. Auf selbstgemalten Transparenten
hatten die Kriegsgegner formuliert: "Krieg bringt keine Lösung - Lasst den
Waffeninspekteuren mehr Zeit" oder "Hinter jedem Bush steckt ein Terrorist". Ein
paar Demonstranten verteilten Speiseöl, um gegen einen Krieg für Öl zu
demonstrieren.
"Ich habe Enkelkinder, und ich will nicht noch einmal durchmachen, was ich im
Zweiten Weltkrieg erlebt habe", sagte die 68-jährige Berlinerin Eveline Lukas unter Tränen. Sie ist nicht sicher, ob das
Nein der Bundesregierung zu einer militärischen Beteiligung Deutschlands hundertprozentig sicher sei. Der 44-jährige
Harald Schultz sagte: "Ich bin gekommen, weil es an der Zeit ist, dass die Leute auf der ganzen Welt endlich wach
werden."
Die Grünen-Bundesministerin Renate Künast, die entgegen einer Bitte von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zu
dem Protest kam, brachte nach der Sitzung des Weltsicherheitsrates am Freitag in New York die Stimmung vieler im
Zug auf den Punkt: "Jetzt haben alle mehr Hoffnung". Ob Schauspieler, palästinensische Dichterin oder ver.di-Chef
Frank Bsirske, die bei der Abschlusskundgebung sprachen - sie waren sich einig, dass der Konflikt nicht mit
militärischer Gewalt gelöst werden soll.
P>Selbst die Veranstalter vom Aktionsbündnis "15. Februar" hatten mit einer solchen Resonanz nicht gerechnet. "Die
Menschen zeigen damit ihren Regierungen deutlich, dass sie keinen Krieg wollen", freute sich Organisator Jens-Peter
Steffen.
Der evangelische Landesbischof Wolfgang Huber warnte bei einem Friedensgebet im voll besetzten Berliner Dom
zugleich vor anti- amerikanischen Tönen. Die Diktatur des Saddam Hussein sei nicht zu rechtfertigen und habe
tausende Menschen das Leben gekostet. Doch müsse die Menschheit jetzt festhalten am Geist der Besonnenheit
und Liebe. "Zum Krieg gibt es immer eine Alternative." (Quelle: dpa)
«Wir müssen die Botschaft senden, dass Geschichte nicht mit Blut geschrieben
werden darf, sondern mit Vernunft, Mitgefühl und Gerechtigkeit.»
(Scheich Salim Rafie, ein Oberhaupt der muslimischen Gemeinde Berlins)
Antikriegsdemonstration in Berlin (15.02.03) - Redeauszüge:
Weltweit protestieren Millionen Menschen gegen drohenden Irak-Krieg
Antikriegsbewegung: Quo vadis? Nach der Großdemonstration vom Wochenende stellt sich die Frage nach
der Perspektive der neuen Antikriegsbewegung in Deutschland. Mehr unter:
USA bereiten Sanktionen gegen Nordkorea vor
Mo.17.02.03 - Die USA bereiten in der Atomkrise mit Nordkorea offenbar
Sanktionen vor. Sollte Pjöngjang nicht sein umstrittenes
Atomprogramm fallen lassen, werde die US-Regierung im
Laufe der nächsten beiden Wochen im UN-Sicherheitsrat
auf eine Verurteilung der nordkoreanischen Führung
dringen, berichtete die "New York Times" unter Berufung
auf US-Regierungsvertreter. Als mögliche Strafmaßnahmen
kämen das Einfrieren von Auslandsüberweisungen und das
Aufbringen von Waffenschiffen in Frage. Nordkorea hatte
bereits angekündigt, derartige Sanktionen als "Kriegserklärung" zu verstehen.
Mit Japan vereinbarte die US-Regierung gemeinsame Raketenabfangtests auf
Hawaii. Angesichts der wachsenden Bedrohung durch Nordkorea solle die
Zerstörung ballistischer Raketen vom Boden und von Schiffen aus geübt werden,
berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai". Die auf zwei Jahre
angelegten Tests sollten im April nächsten Jahres beginnen.
In Südkorea stehen umfangreiche gemeinsame Manöver der US-Streitkräfte mit
südkoreanischen Soldaten bevor. Die jährliche Militärübung finde vom 4. März bis 2.
April statt, erklärte das US-Militär in Seoul. Nordkorea verurteilte diese Manöver in
der Vergangenheit. Den USA zufolge handelt es sich dabei aber um rein defensive
Maßnahmen. Zudem sei die Zahl der Soldaten in diesem Jahr reduziert, weil sie in
anderen Krisenregionen gebraucht würden, zitierte die Nachrichtenagentur Yonhap
einen US-Vertreter. Demnach werden die 37.000 regulär in Südkorea stationierten
US-Soldaten für das Manöver durch weitere 5000 aus den USA verstärkt.
(Quelle: afp)
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