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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mi.19.02.03, 12:45 Irak-Countdown im Sicherheitsrat läuft
Mi.19.02.03 - Der Irak-Countdown im Weltsicherheitsrat läuft. Die USA und
Großbritannien wollen dem höchsten UNO-Gremium noch in dieser Woche den
Entwurf für eine zweite Resolution vorlegen. Zunächst soll noch die aktuelle
Irak-Debatte im Sicherheitsrat abgewartet werden, bei der sich alle UN-Mitglieder zu
Wort melden dürfen. Aus den USA hieß es, man gebe der Diplomatie noch zwei
Wochen Zeit. Der US-Kommandeur in Kuwait, David McKiernan, sagte auf CNN,
seine rund 100 000 Soldaten seien jederzeit zum Angriff bereit.
Die "Washington Post" berichtete, dass US-Präsident George W. Bush bereit
sei, "der Diplomatie noch wenigstens zwei Wochen einzuräumen, bevor er seine
Entscheidung über einen Militärschlag gegen den Irak trifft." Die
Sicherheitsberaterin von Bush, Condoleezza Rice, spricht ebenfalls von einem
"zweiwöchigen Fenster für diplomatische Bemühungen".
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sieht dagegen in der Irak- Krise derzeit
"keinen Grund für eine neue UN-Resolution". Das machte der Kanzler am
Dienstagabend in den ARD-"Tagesthemen" deutlich. In der ZDF-Sendung
"heute-journal" bekräftigte der Kanzler, er sehe weiterhin seinen Auftrag darin,
einen Krieg im Irak zu verhindern. Er glaube fest an die Möglichkeit, die Entwaffnung
des Irak friedlich zu erreichen.
Unterdessen erklärte der Kommandeur der Koalitionsstreitkräfte in Kuwait,
Generalleutnant David McKiernan, die mehr als 100 000 US- Soldaten in Kuwait seien jederzeit zum Angriff bereit.
Dem Nachrichtensender CNN sagte er, der hohe Grad der Einsatzbereitschaft der Truppe könne so lange wie nötig
aufrechterhalten werden. Hitze stelle für die Kriegsführung kein Problem da, auch wenn das Material darunter leiden
könnte, betonte McKiernan, der bei einer Invasion die britischen und amerikanischen Landstreitkräfte befehligen wird.
Die neue Resolution dürfte dem Irak "Hausaufgaben" stellen und damit seine Kooperationsbereitschaft testen.
Vermutlich werde der Entwurf die Forderung an Bagdad enthalten, den Waffeninspekteuren endlich zu Dutzenden von
vertraulichen Gesprächen mit Forschern - ohne irakischen Augenzeugen oder Tonband - zu verhelfen. An diese
Auflage wolle Washington jetzt eine Frist knüpfen. Das gleiche gelte auch für die Zerstörung von Bagdads
unzulässigen 350 Samoud-2-Raketen und für mehr Einsätze der amerikanischen Aufklärungsflugzeuge U2, hieß es in
New York.
Die UN-Waffeninspekteure im Irak haben "Dutzende" von Kurzstreckenraketen des Typs Al-Samoud-2 verplombt.
Dies erklärte der Sprecher der UN-Abrüstungskommission für den Irak (UNMOVIC), Hiro Ueki, am Dienstag auf einer
Pressekonferenz in Bagdad. Es handele sich um einen "laufenden Prozess", an dessen Ende alle Raketen dieser Art
verplombt sein würden, fügte er hinzu. Die 380 Triebwerke für diesen Raketentyp, die der Irak besitzt, seien bereits
alle verplombt.
Die Al-Samoud-2 war von Chefwaffeninspekteur Hans Blix in seinem Bericht vor dem Weltsicherheitsrat am Freitag als
"unerlaubtes Rüstungsgut" bezeichnet worden. Der Irak darf nach den UN-Auflagen nur Raketen mit einer Reichweite
von bis zu 150 Kilometern besitzen. Die Al-Samoud-2, eine vom Irak entwickelte Kurzversion der sowjetischen
SCUD-B, kam bei einigen Tests auf Reichweiten von bis zu 183 Kilometern. Über das endgültige Schicksal der
verplombten Raketen würden "weitere Instruktionen aus dem UNMOVIC-Hauptquartier" in New York entscheiden,
sagte der Sprecher.
Zum ersten Mal wurde jetzt ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug vom Typ U-2 zur Unterstützung der Arbeit der
UN-Kontrolleure eingesetzt. Die Genehmigung von Aufklärungsflügen mit diesem Flugzeugtyp war vom Irak erst kurz
vor dem letzten Blix-Bericht genehmigt worden. Die Regelung des Einsatzes anderer Luftaufklärungsmittel, darunter
die deutsche "Luna"-Drohne, werde "bald beendet" sein, sagte Ueki.
Wenig Fortschritte gab es offenbar bei den für die Inspekteure wesentlichen Befragungen von irakischen
Wissenschaftlern, die an früheren Programmen zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen mitgewirkt haben.
Zwar führten in den letzten Tagen zwei Wissenschaftler derartige Gespräche ohne Anwesenheit eines
regierungsamtlichen Begleiters mit Experten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), womit sich insgesamt
fünf Atomwissenschaftler solchen vertraulichen Befragungen unterzogen haben. (Quelle: dpa)
UN-Sitzung offenbart tiefe Spaltung der Weltorganisation in der Irak-Politik.
Mi.19.02.03 - Die Sitzung der UN-Mitglieder hat erneut die tiefe Spaltung der Weltorganisation
in der Irak-Politik offenbart. Der griechische UN-Botschafter Adamantios Vassilakis warb in New York
im Namen der Europäischen Union für die gemeinsame Linie der 15 EU-Staaten: "Ein Krieg ist
immer noch zu verhindern." Der UN-Botschafter der USA, John Negroponte, forderte nach der Sitzung
die rasche Verabschiedung einer neuen Resolution, die einen Krieg gegen Irak autorisiert. US-Diplomaten
kündigten die Vorlage eines "sehr harten" Entwurf für diese oder kommende Woche an.
Griechenlands Vertreter Vassilakis, dessen Land derzeit die Ratspräsidentschaft
der EU inne hat, forderte vor dem UN-Gremium, den Inspekteuren müssten "die Zeit
und die Mittel gegeben werden, die der Sicherheitsrat für notwendig erachtet".
Gewalt dürfe lediglich als "letztes Mittel" angewendet werden. Die Inspektionen
würden aber nicht unbefristet verlängert, sollte Irak nicht vollständig mit den
UN-Experten zusammenarbeiten. Die Sitzung unter der Leitung des deutschen
UN-Botschafters Gunter Pleuger war für die Vertreter jener Länder einberufen
worden, die nicht dem Sicherheitsrat angehören.
In der stundenlangen Diskussion der UNO-Mitglieder ohne Sitz im Sicherheitsrat
unterstützten Australien, Japan, Peru und Argentinien die harte Haltung der USA.
Die 23 weiteren Staaten, die sich zu Wort meldeten, äußerten sich dagegen kritisch
gegenüber der Androhung eines Militärschlages und forderten wie Frankreich im
Sicherheitsrat eine Verlängerung der UNO-Waffeninspektionen, um die Abrüstung
Iraks sicher zu stellen.
Zu den 23 Staaten gehörten unter anderem Südafrika, Brasilien, Neuseeland, die
Ukraine, Griechenland, Indien und die Staaten des Nahen Ostens von Iran bis
Algerien. Weitere 29 Staaten werden am Mittwoch, dem zweiten Tag der Debatte,
Stellung nehmen.
"Mit Ausnahme Israels fordern alle Länder der Region, einen Krieg gegen Irak zu
verhindern", sagte der UNO-Vertreter der Arabischen Liga, Jaja Mahmassani.
Kuwait, das 1991 von Irak überfallen worden war, dämpfte seine Anti-Kriegs-Haltung
mit Vorwürfen an den Irak, den Abrüstungsauflagen des Sicherheitsrats nicht nachgekommen zu sein.
Der irakische Botschafter Duri warnte, ein Krieg gegen Irak würde zu einem
"Scheitern des internationalen Systems" führen. Irak arbeite "vollständig" und "aktiv"
mit den UN-Experten zusammen. Der iranische UN-Botschafter Javad Zarif
bezeichnete einen möglichen Irak-Krieg als "Albtraumszenario von Tod und
Zerstörung".
Die Debatte war von Südafrika beantragt worden, das der 115 Mitglieder starken Gruppe der blockfreien Staaten
vorsitzt. Den Staaten ohne Sitz in dem 15 Mitglieder starken Sicherheitsrat sollte Gelegenheit gegeben werden, zur
Irak-Krise Stellung zu nehmen.
Der UNO-Botschafter der USA, John Negroponte, sagte am Rande der Debatte vor Journalisten, er verfolge die
internationale Meinung aufmerksam und höre genau zu, was jede Nation zu sagen habe. "Am Ende, denke ich
jedoch, dass unser Verhalten von unseren Sorgen wegen der Abrüstung Iraks bestimmt wird und von den
Überlegungen unseres eigenen Landes zur internationalen Sicherheit und der Sicherheit anderer", sagte er.
Die USA und ihr engster Verbündeter Großbritannien bemühen sich derzeit um eine weitere Resolution des
Sicherheitsrats, die einen Militärschlag befürworten soll. Sie werfen Irak vor, alle Chancen zu einer Kooperation mit der
UNO nicht ergriffen zu haben und weiter nach Massenvernichtungswaffen zu streben. Gegen eine zweite Resolution
haben sich bereits das ständige Ratsmitglied mit Veto-Recht Frankreich und Deutschland als derzeit nicht-ständiges
Mitglied ausgesprochen.
Zum Auftakt der Debatte forderte der südafrikanische UNO-Botschafter Dumisani Kumalo eine Intensivierung der
UNO-Waffeninspektionen in Irak. Der Einsatz von Gewalt stelle ein Versagen der UNO bei ihrer Aufgabe da, für
internationalen Frieden und Sicherheit zu sorgen, sagte er. Zuvor müssten alle anderen Möglichkeiten voll und ganz
ausgeschöpft werden.
Marschbefehl für weitere 28.000 US-Soldaten an den Golf
Mi.19.02.03 - Das US-Verteidigungsministerium hat nach offiziellen
US-Angaben vom Dienstag weitere 28.000 Soldaten in die Golf-Region beordert.
Den Angaben zufolge gehören zu denen, die den Marschbefehl in den vergangenen
Tagen erhalten haben, auch die rund 5200 Soldaten des Panzer-Grenadierregiments
aus Fort Carson im US- Bundesstaat Colorado. Das Regiment, das unter anderem
über 300 Panzer vom Typ M1A1-Abrams und gepanzerte Fahrzeuge vom Typ
M3A2-Bradley sowie Kampfflugzeuge und -Hubschrauber verfügt, war im Golf-Krieg
von 1991 maßgeblich an dem rund 300 Kilometer tief von den US-Streitkräften in
den Irak hinein vorgetragenen Angriff beteiligt, mit dem ein Großteil der
Republikaner-Garde von Präsident Saddam Hussein damals aufgerieben wurde.
Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums haben die USA für den Fall, dass
Präsident George W. Bush einen Einsatz gegen Irak befiehlt, inzwischen 182.000
Mann in der Golf-Region und in deren Nähe stationiert. Weitere Truppentransporte
von mehreren zehntausend Mann werden in den kommenden Wochen erwartet.
Britische Luftlandetruppen zur Golfregion aufgebrochen
Mi.19.02.03 - Eine Schnelle Eingreiftruppe der britischen Luftwaffe ist am Mittwoch in
die Golfregion aufgebrochen. Zu der rund 1.000 Mann starken 16. Luftlandebrigade
gehören Fallschirmjäger, Infanterie und Nachschubabteilungen. Sie verstärken die
bereits 40.000 in der Golfregion stationierten britischen Soldaten. Großbritannien
hat ein Viertel seines Heers und den größten Marine-Kampfverband seit 20 Jahren
in der Konfrontation mit Irak um Rüstungsinspektionen in der Golfregion in Stellung
gebracht. (Quelle: ap)
Kampfflugzeuge der Alliierten greifen erneut Ziele in Südirak an
Mi.19.02.03 - Kampfflugzeuge der Streitmacht der USA und
Großbritanniens in der Golfregion haben nach offiziellen Angaben erneut Ziele im
Südirak angegriffen.
Wie das zuständige Central Command der US-Armee am späten Dienstag mitteilte,
feuerten Kampfflugzeuge Lenkwaffen auf ein mobiles Radar der irakischen
Luftabwehr und ein mobiles Raketensystem in der südlichen Flugverbotszone. Die
Ziele nahe Rutbah, rund 400 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Bagdad, seien
angegriffen worden, nachdem die Anlagen in die südliche Flugverbotszone verlegt
worden seien. In der Region sei erst am Montag ein Frühwarnsystem der irakischen
Luftabwehr angegriffen worden.
Die USA und Großbritannien haben in den vergangenen Monaten ihre Angriffe auf
irakische Ziele in zwei Zonen im Norden und Süden des Irak verstärkt, in denen sie
ein Flugverbot für irakische Maschinen verhängt haben. (Quelle: rtr)
Iraker sollen Aufbau nach Krieg zum Teil selbst bezahlen
Mi.19.02.03 - Nach vorläufigen Planungen des Weißen Hauses sollen die Iraker den
Wiederaufbau ihres Landes nach einem Krieg zu einem beträchtlichen Teil selbst
finanzieren. Die Bewohner Iraks könnten "viel von der Last der Wiederaufbaus selbst
schultern", sagte der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, Ari Fleischer,
am Dienstag in Washington. "Irak ist ein ziemlich reiches Land. Es hat Rohstoffe,
die dem irakischen Volk gehören." Dies unterscheide Irak von Afghanistan. Nach
einem Sturz der jetzigen Regierung in Bagdad würden die Sanktionen aufgehoben,
so dass Irak wieder uneingeschränkt am Welthandel teilnehmen könne. (Quelle: afp)
Arthur Miller: Unterstützung in USA für Irak-Krieg schwindet rapide
Mi.19.02.03 - Der US-Dramatiker Arthur Miller sieht die Unterstützung seiner Landsleute für
einen Krieg gegen Irak rapide schwinden. Im Angesicht des drohenden Krieges
werde den Amerikanern allmählich klar, was ein Waffengang bedeuten würde: "Ich
glaube nicht, dass sie bislang dachten, die Sache sei wirklich. Ich glaube nicht,
dass sie wirklich dachten, wir starten einen Angriff", sagte Miller am Dienstag im
britischen BBC-Fernsehen. Nun sei indes der Punkt erreicht, wo die Kriegsgefahr
"real" erscheine. Miller, der mit Theaterstücken wie "Tod eines Handelsreisenden"
weltberühmt wurde, reihte sich in die Schar der Gegner der Irak-Politik von
US-Präsident George W. Bush ein: "Die Unterstützung für Bush nimmt dramatisch
ab. Je länger wir warten, desto eher ist eine friedliche Beilegung möglich." (Quelle: afp)
USA drängen Türkei zu rascher Entscheidung über Stationierung
Mi.19.02.03 - Die USA haben die Türkei am Dienstag zu einer raschen
Entscheidung über die Stationierung von US-Truppen zur Vorbereitung eines
Irak-Krieges gedrängt.
"Es ist Zeit für eine Entscheidung", sagte ein Sprecher des US-Präsidialamts in
Washington. Die USA wollen zehntausende ihrer Soldaten in der Türkei
stationieren, um eine Nordfront für einen Irak-Krieg aufzubauen. Über die
Stationierung werde "in der einen oder anderen Weise bald" entschieden, sagte der
Sprecher weiter.
Am Vortag hatte die türkische Regierung eine Entscheidung über die US-Anfrage
von einer Einigung über US-Finanzhilfen für die Türkei abhängig gemacht. Die USA
haben der Türkei Kompensationszahlungen in Höhe von 6 Milliarden Dollar (rund 5,6
Milliarden Euro) sowie Garantien über Darlehen in Höhe von 20 Milliarden Dollar
(rund 18,6 Milliarden Euro) als Ausgleich für die Folgekosten eines Krieges
angeboten. Die Türkei fordert jedoch einen Betrag in doppelter Höhe.
Eine Abstimmung im Parlament über die Stationierung von US-Soldaten war
zunächst für Dienstag angekündigt worden. Ministerpräsident Abdullah Gül hatte am Vortag jedoch erklärt, wegen
noch offener politischer, militärischer und wirtschaftlicher Fragen werde es an diesem Tag nicht zu einer Abstimmung
kommen. Vor einigen Tagen hatte das Parlament Ingenieuren der US-Armee die Erlaubnis erteilt, Häfen und
Stützpunkte in der Türkei zu stationieren.
Der Chef der türkischen Regierungspartei AKP, Tayyip Erdogan, warnte die USA davor, die Unterstützung der Türkei
als selbstverständlich zu betrachten. "Unsere amerikanischen Freunde sollten die Entscheidung des Parlaments über
die Modernisierung von Stützpunkten und Häfen nicht so verstehen, dass damit eine Entwicklung eingeleitet wurde,
die nicht mehr rückgängig zu machen ist", sagte Erdogan in Ankara vor Parteimitgliedern.
Die Dämonisierung und die Verdrängung begannen bereits mit dem
letzten Golfkrieg. Präsident George Bush sen. verglich Saddam
Hussein mit Adolf Hitler. Auch der deutsche Intellektuelle Hans
Magnus Enzensberger malte den Diktator vom Tigris in einem
Spiegel-Essay als "Hitlers Wiedergänger".
Richtig ist: Saddam Hussein ist ein blutrünstiger Diktator und
verantwortlich für die fürchterlichsten Menschenrechtsverletzungen,
die unter internationalen Normen definiert sind. Ob sein Regime nun
das schlimmste auf Erden ist, wie in den letzten Monaten manche
behaupten, die auf Krieg drängen, oder eines der schlimmsten, ist
müßig und wahrscheinlich auch kaum zu verifizieren. Entscheidend
ist: Saddam Husseins Charakter und seine Gräueltaten waren nie
ein Geheimnis. Seit seinem Aufstieg zur Macht in Bagdad konnte
und musste jeder, der ihn politisch unterstützte, mit ihm Geschäfte
machte oder ihm Waffen verkaufte, genau wissen, mit wem er zu
tun hatte. Und besonders enge Kontakte und Beziehungen hatte
Saddam Hussein seit Mitte der 60er-Jahre zu Geheimdienstlern,
Politikern, Diplomaten und Militärs aus den USA. Als sich Saddam
Hussein 1979 mit kräftiger Unterstützung der CIA an die Spitze des
Regimes geputscht hatte, kabelte der Stationschef des
Geheimdienstes in der Bagdader US-Botschaft diese
Erfolgsmeldung an die CIA-Zentrale in Langley, Virginia: "Ich weiß,
Saddam Hussein ist ein Hundesohn, aber er ist unser Hundesohn."
(Aus: Andreas Zumach - "Der Hundesohn. Unser Hundesohn.", tageszeitung vom 19.02.03) Mehr unter:
Nach EU-Kompromiss: Neuer Streit um deutsche Irak-Politik
Mi.19.02.03 - Nach dem EU-Kompromiss zum Irak-Konflikt fordert die
Opposition eine Korrektur der deutschen Haltung im UNO-Sicherheitsrat.
CDU/CSU und FDP werteten die EU-Erklärung, die erstmals einen Krieg gegen Irak
als letztes Mittel nicht ausschließt, am Dienstag als überfälligen Kurswechsel von
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Er müsse nun seine Aussage
zurücknehmen, dass Deutschland einer UNO-Resolution für einen kriegerischen
Einsatz nicht zustimmen würde. Schröder widersprach: "Die deutsche Position hat
sich in keiner Weise verändert, und das wird auch nicht der Fall sein." Die
Gewaltandrohung in der EU-Erklärung bezeichnete er als abstrakt. SPD und Grüne
wollten ebenfalls keinen Kurswechsel erkennen und hoben das in dem Kompromiss
betonte Ziel einer friedlichen Lösung hervor. In Berlin wurde Ägyptens Präsident
Hosni Mubarak erwartet, der auch für eine friedliche Lösung eintritt.
Bei ihrem Sondergipfel in Brüssel hatten die Staats- und Regierungschefs der
Europäischen Union (EU) am Montagabend eine gemeinsame Erklärung
beschlossen, die zwar eine friedliche Lösung anmahnt, aber auch festhält: "Gewalt
sollte nur als letztes Mittel genutzt werden."
Schröder bestritt vor Journalisten einen Kurswechsel, ging aber nicht direkt auf das
Abstimmungsverhalten Deutschlands im UNO-Sicherheitsrat ein. Angesichts der
unterschiedlichen Positionen der EU-Länder zum Irak habe man die deutsche
Auffassung nicht in Reinkultur durchsetzen können. Im ZDF sagte er zu der
EU-Erklärung: "Das ist eine Aussage ... die abstrakt ist und die generell ist und
generell auch gilt." Weiter sagte er zum Einsatz von Gewalt: "Wenn es Gründe gibt,
die unausweichlich sind - und die müssen völlig unausweichlich sein - dann kann,
dann muss man auch zu diesem Mittel greifen. Bezogen auf den Irak ist das nicht
der Fall.". Jetzt sollte alle Kraft darauf verwandt werden, den Irak-Konflikt friedlich zu
lösen.
Schröder sagte ferner vor Journalisten, die in einer ursprünglichen Fassung der EU-Erklärung vorgesehene Befristung
des Einsatzes der UNO-Waffeninspektoren sei auf Bestreben unter anderem von Deutschland und Frankreich
gestrichen worden. Die Äußerungen aus der CDU und CSU, wonach die Bundesregierung ihren Kurs korrigiert habe,
bezeichnete er als parteitaktisch motiviert.
Auch Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte, er sehe keinen Widerspruch zwischen der EU-Erklärung und der
Festlegung, Deutschland werde keine den Krieg legitimierende Resolution billigen. "Für uns ist der Einsatz letzter
Mittel nur denkbar, wenn alle Mittel erschöpft sind und die Verhältnismäßigkeit gewahrt ist." Dies sei nicht der Fall.
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz bekräftigte noch einmal ausdrücklich die deutsche Position: "Wir werden uns nicht
an einem Krieg im Irak beteiligen und einer den Krieg legitimierenden UNO-Resolution nicht zustimmen."
Grünen-Chefin Angelika Beer begrüßte den europäischen Konsens, dem UNO-Sicherheitsrat die vorrangige
Verantwortung für die Abrüstung Iraks zu übertragen. Dass militärische Gewalt als letztes Mittel grundsätzlich nicht
ausgeschlossen werden könne, seien "Lehren aus dem Kosovo-Konflikt und der Bekämpfung des internationalen
Terrorismus". Auch vom linken Flügel der Grünen kam Zustimmung. Der dezidierte Kriegsgegner Christian Ströbele
etwa sagte über den Passus der Gewalt als letztem Mittel: "Dieser Satz ist noch gerade eben tolerabel."
CDU-Chefin Angela Merkel nannte den Kompromiss dagegen einen "entschlossenen Schritt in die richtige Richtung".
Schröder habe einen Kurswechsel vollzogen. Seine "verantwortungslose Äußerung" im niedersächsischen
Wahlkampf, Deutschland stimme einer einen Krieg legitimierenden Resolution nicht zu, gelte nicht mehr. FDP-Chef
Guido Westerwelle erklärte, Schröders Einlenken biete eine Grundlage, um Deutschland aus der außenpolitischen
Isolation zu führen.
Schröder hatte Ende Januar auf einer Wahlkampfveranstaltung in Goslar gesagt: "Rechnet nicht damit, dass
Deutschland einer den Krieg legitimierenden Resolution zustimmen wird." (Quelle: rtr)
Osteuropäer schliessen sich gemeinsamer EU-Linie an
Mi.19.02.03 - Ungeachtet der scharfen Kritik Frankreichs an ihrer
Haltung in der Irak-Krise haben sich die 13 EU-Anwärter
der Erklärung des Irak-Sondergipfels angeschlossen. Die
10 zukünftigen EU-Mitglieder und die drei
Beitrittskandidaten stimmten der Erklärung am Dienstag
bei einem Treffen mit der griechischen Ratspräsidentschaft
in Brüssel zu. Aus Verärgerung über die Massregelung
durch Chirac haben die Staatschefs von Polen und den drei
baltischen Ländern jedoch daran nicht teilgenommen.
Der französische Präsident Chirac hatte im Anschluss an
den Sondergipfel der EU in der Nacht auf Dienstag in
Brüssel die osteuropäischen Beitrittskandidaten heftig
kritisiert. Indem sie ihre Unterstützung für die Irak-Strategie
der USA bekundet haben, hätten sie eine gute Gelegenheit
verpasst, den Mund zu halten.
Der Zorn Chiracs hatte sich nicht nur gegen die drei
Länder Polen, Ungarn, und Tschechien gerichtet, die
sich Ende Januar der Solidaritätsadresse von fünf
EU-Mitgliedern angeschlossen hatten, sondern auch gegen
die drei baltischen Staaten, sowie gegen Slowenien, die
Slowakei, Bulgarien und Rumänien, die sich seiner
Meinung nach zu amerikafreundlich gebärdeten.
Er schloss seiner Tirade auch noch kaum versteckte
Drohungen an. Die Erweiterung sei in den 15
Mitgliedsstaaten ja noch nicht ratifiziert. Besonders
Rumänien und Bulgarien, die sich noch in den
Verhandlungen für einen Beitritt befinden, seien in einer
heiklen Situation. Wenn sie ihre Chancen für einen
Aufnahme in der Gemeinschaft vermindern wollten, dann
hätten sie dafür das beste Mittel gefunden, fügte er an.
Der Erweiterungskommissar Verheugen versicherte jedoch
am Morgen, die Haltung in der Irak-Frage werde keinen
Einfluss auf die Aufnahme in die EU haben.
Die Philippika des französischen Präsidenten Chirac ist in
Ostmitteleuropa auf erbitterten Widerspruch gestossen.
Gewiss habe Frankreich ein Recht auf seine Meinung,
sagte der stellvertretende polnische Aussenminister Adam
Rotfeld am Dienstag in Warschau. Doch ebenso habe
Polen das Recht, selber zu entscheiden, was gut für das
Land sei. Chirac hätte sich höflicher ausdrücken können.
Der slowakische Aussenminister Eduard Kukan sagte am
Radio in Bratislava, er verstehe nicht, wieso Chirac nicht
auch Italien, Spanien und Portugal kritisiert habe, Länder,
welche die Ansicht der Ostmitteleuropäer teilten. Eine
Benotung, wie sie Chirac vorgenommen habe, sei unfair.
Ein von der Nachrichtenagentur Reuters zitierter
ostmitteleuropäischer Diplomat sagte, Chirac habe in
einem Ton gesprochen, den zu verwenden sich nicht
einmal die Sowjetunion zu Zeiten des Warschaupakts
getraut hätte.
Nicht in der Stimmung für Entschuldigungen befand sich
am Dienstag die französische Verteidigungsministerin
Alliot-Marie, die zu Besuch in Warschau weilte. Sie
sekundierte Chirac. Ein Recht, sich über
europäische Angelegenheiten zu äussern, hätten die
Kandidatenländer erst, wenn sie Vollmitglieder der EU
seien; im Übrigen wende sich die öffentliche Meinung in
den gegenwärtigen Mitgliedstaaten zusehends gegen die
Osterweiterung. Mit dieser Bemerkung repetierte
Alliot-Marie die nur notdürftig bemäntelte Drohung Chiracs,
die Kandidatenländer könnten für ihre Unbotmässigkeit
mit einer Verzögerung der Aufnahmeprozedur bestraft
werden. (Quelle: nzz)
Irak-Konflikt: Blair erläutert Öffentlichkeit Preis der Untätigkeit
Mi.19.02.03 - Der britische Premierminister Blair hat am Dienstag einen
erneuten Versuch unternommen, die
öffentliche Meinung von der Überlegenheit seiner
Argumente in der Irak-Frage zu überzeugen. Im Verlaufe
einer beinahe anderthalbstündigen Pressekonferenz bat
Tony Blair die Demonstranten des vergangenen Samstags,
weniger einseitig zu denken: Der Sorge um die
humanitären Konsequenzen eines Krieges müsse klar der
Preis der Untätigkeit gegenübergestellt werden. Blair
zeichnete ein düsteres Bild des irakischen Regimes,
zitierte die Ängste und Wünsche von vier Millionen
Exil-Irakern und die hohe, vermeidbare
Kindersterblichkeit.
Verständnislos wandte sich der britische Regierungschef
gegen den seiner Ansicht nach unverhältnismässigen
Antiamerikanismus der Kriegsgegner, die sich giftiger über
Präsident Bush äusserten als über Saddam Hussein.
Schliesslich handle es sich um einen Verbündeten, fügte er
sichtlich entgeistert hinzu und bezeichnete die Absicht,
Amerika und Europa zu spalten, als hoch gefährlich für die
Sicherheit der Welt. (Quelle: nzz)
Mehr unter:
Link-Auswahl zum Thema Irak-Konflikt:
Friedenskooperative weist Vorwurf antisemitischer
Mi.19.02.03 - Das Netzwerk Friedenskooperative (NF) aus Bonn hat am
Dienstag die "pauschale Kritik" an der Friedensbewegung und
den "verstaubten Vorwurf des 'Antiamerikanismus'"
zurückgewiesen. In einem "Offenen Brief an die
Friedensbewegung" hatten unter anderen Ralph Giordano,
Leo Rosh, Jakob Schulze-Rohr und das Bündnis gegen
Antisemitismus die Demonstration "Kein Krieg gegen den Irak"
vom vergangenen Wochenende kritisiert. Diese sei durch eine
"gefährliche Mischung aus Antiamerikanismus und politischer
Naivität" geprägt gewesen. Die parteilose Europaabgeordnete
Ilka Schröder gehört ebenfalls zu den Unterzeichnern. In einer
Pressemitteilung vom Dienstag, in der sie unter anderem den
Offenen Brief wiedergibt, distanziert sie sich von der – wie sie
schreibt – "sogenannten Friedensbewegung" und setzt das
Wort an anderer Stelle in Anführungszeichen.
Die Unterzeichner des Offenen Briefes wollten "einige kritische
Anmerkungen zum Zustand der Friedensbewegung" machen.
Ihrer Ansicht nach könne man über das "Für und Wider eines
großangelegten Militärschlages" "unterschiedlicher Auffassung
sein". Ihre Stellungnahme sei jedoch kein Beitrag zu jener
Diskussion. Sie kritisieren statt dessen, daß auf der
Demonstration am Sonnabend, "neben Deutschlandfahnen
und geschichtsrevisionistischen Plakaten unter anderem
israelfeindliche Sprechchöre zu hören" waren. Auch die
Analogisierung der Politik der Amerikaner mit dem deutschen
Vernichtungskrieg – wie sie von ihnen während der Demo auf
Plakaten und Spruchbändern ausgemacht wurde – lehnen sie
ab. Den "diffusen Friedensbegriff" der derzeitigen Bewegung
gegen einen möglichen Irak-Krieg in Verbindung mit
antiamerikanischen Feindbildern machen sie dafür
verantwortlich, "daß sich rechtsradikale Gruppierungen zu der
Demonstration im Vorfeld eingeladen fühlen dürften."
Der Geschäftsführer des "Netzwerk Friedenskooperative" ,
Manfred Stenner, hielt dagegen:
"Die Diffamierung der Friedensdemonstranten – egal von
welcher Seite – ist in dieser heiklen Situation ein Beitrag zur
Kriegslogik." Die Friedensbewegung in der Bundesrepublik sei
immer schon auch eine Bewegung gegen Ausländerfeindlichkeit,
Rassismus und Antisemitismus gewesen. Die Friedensmarschierer
seien "um die Menschen in Irak wie um den möglichen - auch
Israels Sicherheit bedrohenden - Flächenbrand im Nahen Osten"
besorgt, betonte Stenner. Als erstes Signal hin zu friedlicher
Konfliktbearbeitung sei eine politische Lösung des Palästinenser-
Konflikts nötig. "zu der die USA den Schlüssel in der Hand halten".
Den Vorwurf des Antiamerikanismus nannte Stenner "verstaubt.
Bereits vor den Demonstrationen vom Samstag hatten die
Organisationen entsprechende Anwürfe zurückgewiesen.
"Wir sind solidarisch mir der amerikanischen Friedensbewegung
und mit dem friedliebenden amerikanischen Volk", sagte Peter
Strutynski vom Kasseler Friedensratschlag. Kristian Golla von
der Friedenskooperative ergänzte: "Wir wenden uns gegen
amerikanische Regierungspolitik, wenn sie falsch ist."
Nachdem die SPD die Großdemonstrationen vom Wochenende
als Unterstützung ihrer Politik bewertet hatte, verschärfte
Stenner die Kritik an Rot-Grün. Mit ihrer Zustimmung zur
Erklärung der Europäischen Union am Montag sei sie "ein
weiteres Stück vom Nein abgerückt". Dies zeige, dass sie "mehr
Druck von unten" brauche. Stenner gehört zu den Initiatoren
des Aufrufs, am kommenden Samstag die Rhein-Main-Airbase der
US-Luftwaffe zu blockieren. Die Friedensbewegung werde
"weiterhin auf die nicht nur rhetorische, sondern faktische
Verweigerung der Kriegsbeteiligung drängen", betonte Stenner.
(Quellen: jw, fr)
Vehement plädieren die Autoren der Studie dafür, die bisherige
Trennung von innerer und äußerer Sicherheit »national,
regional sowie im internationalen Rahmen neu zu
strukturieren«. In diesem Zusammenhang sollte die
Landesverteidigung »schnellstmöglich auf Heimatverteidigung
in einem umfassenden Sinne« ausgelegt werden. Zur
Rüstungspolitik, die durchaus als Wettrüsten mit den USA
begriffen wird, heißt es, offenbar nach dem Motto »Überholen
ohne einzuholen«: Das niedrige Niveau der deutschen
Streitkräfte im Vergleich zu den USA solle nicht mehr über ein
»Hinterherrüsten« verringert werden. Besser sei es, »eine
technologische Generation zu überspringen und mit neuen
Konzepten Anschluß an amerikanische Fähigkeiten bei der
Erfüllung globaler Aufgaben zu gewinnen.«
Deutlich wird in der Studie auch eine Erhöhung der deutschen
Militärausgaben eingefordert, »um gegenüber den neuen
Akteuren überlegen und damit abschreckungsfähig zu sein«.
Somit soll in den neuen VPR offenbar konkretisiert werden,
was seit 1992 ohnehin Leitlinie deutscher Militärpolitik ist: Die
»Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des
ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller
Welt«. (Junge Welt vom 19.02.03)
Pläne für Präventivschläge
Israel Singer ist besorgt über Antisemitismus in Deutschland
Mi.19.02.03 - Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses
(WJC), Israel Singer, sieht Anzeichen für einen wachsenden
Antisemitismus in Westeuropa und vor allem auch in Deutschland. "Der
Antisemitismus von heute taucht in der Maske des Antizionismus auf",
sagte Singer der Berliner Zeitung. "Politiker, Journalisten, Künstler - alle
kritisieren Israel, meinen damit aber die Juden allgemein. So etwas kommt
an in der Öffentlichkeit, das bringt Sympathien ein." Noch vor kurzem
habe er, Singer, eine solche Tendenz in Deutschland nicht feststellen
können. "Deutschland war immer unsere größte Stütze in Europa. Wenn
es in der EU um eine politische Position gegen Israel ging, dann waren
stets 14 Regierungen dafür, nur eine stellte sich dem entgegen, und das
war die deutsche." Heute aber verhalte sich die Bundesrepublik in solchen
Fällen nur noch neutral.
Als Wendepunkt in der deutschen Haltung zu Israel und den Juden sieht
Singer die Affäre um den FDP-Politiker Jürgen Möllemann. "Wenn eine
so einflussreiche Partei wie die FDP, die jahrzehntelang
Regierungsverantwortung in der Bundesrepublik trug, den judenfeindlichen
Kurs eines ihrer Spitzenpolitiker unterstützt, dann ist das ein Signal für die
ganze Gesellschaft." (Quelle: blz) Mehr unter:
Datenschützerin kritisiert wachsende Überwachung der Bevölkerung
Mi.19.02.03 - Die nordrhein-westfälische Datenschutzbeauftragte Bettina Sokol hat einen deutlichen Abbau von Persönlichkeits- und
Freiheitsrechten kritisiert. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 seien die Möglichkeiten zur Überwachung der
Bevölkerung ausgebaut worden, sagte Sokol bei der Vorlage des 16. Datenschutz- und 1. Informationsfreiheitsberichtes 2003.
Die Nachrichtendienste könnten jetzt personenbezogene Auskünfte bei Banken, Fluggesellschaften sowie Post- und
Telekommunikationsunternehmen einholen.
Auch bei der Telefonüberwachung seien die Befugnisse der Strafverfolgungs- und Verfassungsschutzbehörden erweitert
worden, kritisierte die Datenschutzbeauftragte, und führte dabei auch die Genehmigung zur Nutzung von IMSI-Catchern an.
Sokol, die in Nordrhein-Westfalen auch dafür zuständig ist, die Einhaltung der Bestimmungen im Informationsfreiheitsgesetz zu
überwachen, befürchtet, dass durch diese Entwicklungen notwendigerweise immer auch eine Vielzahl völlig unbeteiligter
Personen von solchen Maßnahmen betroffen seien. "Sehr stark kann auch in die Rechte von Ausländerinnen und Ausländern
eingegriffen werden," betonte Sokol, da etwa die Ausländerbehörden zum verlängerten Arm des Verfassungsschutzes gemacht
werden sollten.
Sokol warnte ausdrücklich vor einer Ausweitung der Video-Überwachung. Die Zahl der auf Straßen und Plätzen, in Banken,
Tankstellen und Kaufhäusern sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln installierten Kameras sei erschreckend.
"Video-Überwachung ist kein Allheilmittel", sagte Sokol. Sie kritisierte vor allem, dass die Rechte der Polizei zum Einsatz von
Überwachungskameras erweitert werden sollen. Bisher darf die Polizei Videokameras nur bei erheblichen Straftaten einsetzen.
Ein Gesetzentwurf der Landesregierung sieht vor, dass diese Einschränkung künftig weitgehend fällt. (Quelle: heise)
Grüne fordern Abkehr von Sozialauswahl bei Kündigungen
Mi.19.02.03 - Die Grünen-Politikerin Thea Dückert hat sich für eine Abkehr von der
bisher üblichen Sozialauswahl bei Kündigungen ausgesprochen. Unternehmen
müssten auch in der Krise die Möglichkeit haben, Leistungsträger zu behalten,
sagte die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der "Financial Times
Deutschland". In Unternehmen mit sechs bis 20 Mitarbeitern solle zudem eine
Gleitzone für flexiblen Kündigungsschutz eingeführt werden. Alle Arbeiter und
Angestellten sollten künftig die Wahl haben, ob sie lieber den klassischen
Kündigungsschutz oder eine Abfindung in Anspruch nähmen.
Die Grünen-Politikerin forderte zudem eine Öffnung der Flächentarifverträge für mehr
betriebliche Bündnisse. "Dafür müssen Öffnungsklauseln und Lohnkorridore in den
Tarifverträgen entwickelt werden", sagte Dückert. Künftig sollten Unternehmer und
Betriebsräte für Firmen in der Krise Löhne vereinbaren können, die befristet niedriger
lägen als vom Flächentarifvertrag vorgesehen. "Die Gewerkschaften müssen hier
mehr Mut zeigen", betonte die stellvertretende Fraktionschefin. (Quelle: ap)
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