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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Fr.21.02.03, 12:45 US-Streitkräfte am Golf sind kriegsbereit
Fr.21.02.03 - Die US-Streitkräfte am Persischen Golf sind nach Worten von
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld für eine Invasion des Irak einsatzbereit. Wie
Rumsfeld in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen US-Sender PBS am
Donnerstagabend sagte, man sei an einem Punkt angekommen, wo eine
Entscheidung von Präsident George W. Bush umgesetzt werden könne. Das
Verteidigungsministerium sei bereit. Potenzial und Strategie für einen Militärschlag
seien vorhanden.
Zur Zahl der am Golf aufmarschierten US-Truppen wollte sich Rumsfeld nicht näher
äußern. Nach Schätzungen befinden sich in der Region mehr als 150.000 britische
und amerikanische Soldaten. Bis zum Ende des Monats könnten es mehr als 200.000 Soldaten sein.
Unterdessen verzögert sich die von den USA geplante neue UN- Resolution zum Irak. Außerdem wird sie nach
Erwartung des amerikanischen Außenministers Colin Powell keine ultimative Frist für den Irak enthalten. Powell ließ
am Donnerstag offen, wann die USA eine neue Irak-Resolution im UN-Sicherheitsrat einbringen werden. Er sagte
lediglich, das werde in "sehr naher Zukunft" geschehen. Nach Angaben der "Los Angeles Times" gibt es Hinweise
darauf, dass die USA ihre diplomatischen Bemühungen im Irak-Konflikt bis Mitte März fortsetzen könnten. Der
Zeitpunkt und auch die genaue Formulierung des Resolutionsentwurfes hingen vom Ablauf der Beratungen mit anderen
Ländern ab, sagte Powell. "Ich erwarte nicht, dass die Resolution eine Frist enthält. Aber die Zeit läuft ab", meinte
Powell außerdem in einem Interview mit mehreren Fernsehsendern.
Russland verschärfte unterdessen seine Kritik an der amerikanischen Irak-Politik. Außenminister Igor Iwanow
kritisierte die Ausübung "größten Drucks" auf die UN-Waffeninspekteure im Irak und verwies auf das Vetorecht seines
Landes im UN-Sicherheitsrat. Die Inspekteure sollten anscheinend entweder zu einer vorzeitigen Abreise aus dem Irak
gezwungen werden oder zu Berichten, die einen Militärschlag erlauben, sagte Iwanow. Er vermied es jedoch, die USA
als Verursacher des Drucks zu nennen.
Der kanadische Ministerpräsident Jean Chrétien legte nach Medienberichten einen Kompromissvorschlag vor, um
zwischen den zerstrittenen Lagern des UN-Sicherheitsrats zu vermitteln. Bagdad solle zur Erfüllung aller noch offenen
Forderungen der UN- Waffeninspekteure ein Ultimatum bis Mitte April gestellt werden. Chrétien hoffe, mit dem
Vorstoß eine Brücke zwischen den Anhängern für "Jetzt Bombardieren" und "Inspektionen ohne Ende" zu bauen,
berichtete die Zeitung "Globe and Mail" (Donnerstagausgabe). Chrétien habe über diesen Vorschlag auch mit
Bundeskanzler Gerhard Schröder und weiteren Regierungschefs gesprochen. Kanada ist derzeit nicht Mitglied des
Weltsicherheitsrats. (Quelle: rtr)
Umfrage: Mehrheit der Amerikaner für zweite Irak-Resolution
Fr.21.02.03 - Fast 60 Prozent der Amerikaner sind der Meinung, dass die USA
derzeit nicht ausreichend internationale Unterstützung für einen Krieg gegen Irak
haben. Das geht aus einer Studie des Pew Research Center hervor, deren
Ergebnisse am Donnerstag veröffentlicht wurden. 57 Prozent der Befragten
erklärten, vor einem Angriff auf Irak solle es eine zweite Resolution des
UN-Sicherheitsrates geben.
Grundlegende Zustimmung zu einem Militärschlag äußerten zwei Drittel - doch die
Zahl der Befürworter sinkt, wenn es um einen Krieg ohne Unterstützung der
Verbündeten geht. Sechs von zehn Befragten waren der Meinung, die
UN-Inspektionen hätten gezeigt, dass Irak nicht friedlich entwaffnet werden könne.
An der Umfrage Mitte Februar nahmnen 1.254 erwachsene Amerikaner teil. Die
Fehlerquote wurde mit drei Prozent angegeben. (Quelle: ap)
Link-Auswahl zum Thema Irak-Konflikt:
USA schwört afrikanische Sicherheitsratsländer auf Irak-Linie ein
Fr.21.02.03 - Im Werben um die Unterstützung des Sicherheitsrats für ihre Irak-Politik
setzen die USA verstärkt auf die drei afrikanischen Mitglieder des höchsten
UN-Gremiums. Zum Auftakt einer Reise nach Angola, Kamerun und Guinea traf der
Leiter der Afrika-Abteilung im US-Außenministerium, Walter Kansteiner, am
Donnerstag den angolanischen Präsidenten José Eduardo dos Santos, wie
Außenamtssprecher Richard Boucher in Washington mitteilte. Kansteiner habe in
dem Gespräch klar gemacht, "welche Maßnahmen der Sicherheitsrat ergreifen
muss, um sich zu behaupten". Der Sprecher wies Presseberichte zurück, wonach
sich Washington die Zustimmung der drei afrikanischen Ratsmitglieder erkaufen
wolle: "Wir bieten keinen Kuhhandel an." (Quelle: afp)
Fr.21.02.03 - Vertreter der 114 blockfreien Staaten begannen am
Donnerstag mit ihren Beratungen über die Irak-Krise und die
Auswirkungen der Globalisierung. Zum Auftakt des Treffens in
der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur erklärte der
malaysische Außenminister Syed Hamid Albar, die westlichen
Industriestaaten hielten einerseits den Entwicklungs- und
Schwellenländern »Vorträge über
Menschenrechtsverletzungen«, andererseits habe
ausgerechnet der Antiterrorkampf die »schlimmsten
rassistischen Regungen zu Tage gefördert«. Diese fänden
inzwischen auch Widerhall in der offiziellen »Antiterror«-Politik
vieler westlicher Staaten. Die Bewegung der Blockfreien müsse
sich dem entgegenstemmen. Das Ministertreffen bereitet den
am Montag beginnenden Gipfel der Blockfreien vor. Nach dem
Willen Malaysias soll er am Dienstag mit einer gemeinsamen
Erklärung gegen einen Irak-Krieg enden. (Quelle: jw)
USA fordern rasche türkische Entscheidung zu US-Truppen
Fr.21.02.03 - Bei den Verhandlungen über die Stationierung von US-Truppen in der
Türkei zum Aufbau einer Nordfront gegen Irak haben die USA nach eigenen Angaben ein
letztes Angebot vorgelegt und die Türkei zu einer umgehenden Antwort gedrängt.
"Ich erwarte, bis zum Ende des Tages eine Rückmeldung von
ihnen (der Türkei) zu bekommen", sagte US-Außenminister
Colin Powell am Donnerstag in Washington. Der türkische
Außenminister Yasar Yakis sagte jedoch, zahlreiche
Verhandlungspunkte seien noch offen. Die Türkei habe ihre
Position dargelegt und warte ihrerseits auf eine Antwort von den USA, sagte Yakis
der Nachrichtenagentur Reuters. Der türkische Ministerpräsident Abdullah Gül
kündigte für Freitag eine Stellungnahme zu den jüngsten Entwicklungen der
Verhandlungen mit den USA an.
Aus US-Regierungskreisen verlautete, Powells Äußerungen seien kein Ultimatum
gewesen. Mit dem jüngsten Angebot der USA über Ausgleichszahlungen für
Kriegsschäden sei die Höchstgrenze erreicht, sagte Powell weiter, fügte aber hinzu:
"Es könnte andere kreative Dinge geben, die wir (für die Türkei) tun können."
Aus Kreisen war verlautet, das Angebot umfasse Zahlungen in Höhe von sechs Milliarden Dollar (rund 5,6 Milliarden
Euro) sowie Kreditgarantien über 20 Milliarden Dollar (rund 18,6 Milliarden Euro). Die Türkei hatte Kreisen zufolge
mehr als 30 Milliarden Dollar an Hilfe gefordert. Schäden in dieser Höhe hat nach Regierungsangaben bereits der
Golfkrieg 1991 in der Türkei verursacht, etwa im Tourismussektor und beim Handel.
Als Nachbarland Iraks kommt der Türkei eine wichtige strategische Bedeutung für den Aufbau einer zweiten Front in
einem Irak-Krieg zu. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte jedoch, es gebe Alternativpläne für einen Krieg
ohne Unterstützung der Türkei.
"Unsere Gespräche (mit den USA) gehen bei vielen Punkten noch weiter. Wir haben den Amerikanern unsere Position
zu vielen dieser Punkte dargelegt, wir wollen eine Antwort von ihnen", sagte Yakis.
Der Chef der türkischen Regierungspartei AKP, Tayyip Erdogan, forderte einem Bericht der Zeitung "Yeni Saffak"
zufolge zudem schriftliche Garantien über die Ausgleichszahlungen. Zudem fordert die Türkei Garantien dafür, dass
die USA nach einem Irak-Krieg die Schaffung eines separaten kurdischen Staates im Norden Iraks nicht zulassen
werden. Die Regierung fürchtet Unruhen in der eigenen kurdischen Bevölkerung.
Eine abschließende Entscheidung der Türkei werde nicht unmittelbar erwartet, hieß es in US-Kreisen. Hochrangige
Vertreter des Verteidigungsministeriums sagte, die US-Regierung habe der Türkei jedoch mitgeteilt, sie müsse bis
Ende der Woche wissen, ob sie die Soldaten in der Türkei stationieren und türkische Stützpunkte nutzen könne. Die
religiös-konservative AKP erklärte aber, am Freitag werde es keine Parlamentsabstimmung über die Truppenverlegung
geben. (Quelle: rtr)
NATO beginnt nächste Woche mit AWACS-Einsatz in der Türkei
Fr.21.02.03 - Die NATO will kommende Woche mit der Überwachung des türkischen
Luftraums beginnen. Die ersten zwei AWACS-Radarflugzeuge würden nächsten
Donnerstag eingesetzt, teilte ein NATO-Sprecher am Donnerstag in Mons mit.
Später solle ihre Zahl auf mindestens vier erhöht werden. Die NATO hatte am
Mittwoch die Bereitstellung militärischer Hilfe für die Türkei im Falle eines
Irak-Krieges beschlossen. Der Verteidigungsplanungs-Ausschuss bewilligte auch
Patriot-Flugabwehrsysteme sowie Sondereinheiten zum Schutz vor biologischen
und chemischen Waffen. Zuvor hatten Belgien, Frankreich und Deutschland den
Beginn militärischer Planungen mit dem Argument blockiert, dies wäre das "falsche
Signal", da die friedlichen Mittel im Irak-Konflikt noch nicht ausgeschöpft seien.
(Quelle: afp)
Kurden-Organisation Kadek ruft zu Widerstandsaktionen
Schiitische Kämpfer sollen bereits in Irak sein.
UN-Waffeninspekteure mit irakischer Kooperation nicht zufrieden
Fr.21.02.03 - Ein Sprecher von UN-Chefinspekteur Hans Blix hat Mängel in der
Zusammenarbeit Iraks mit den Waffenkontrolleuren der Vereinten Nationen beklagt.
Irak müsse besser kooperieren, insbesondere in "ungelösten Abrüstungsfragen",
sagte Ewen Buchanan am Donnerstag.
Der irakische UN-Botschafter Mohammed el Duri bekräftigte, seine Regierung tue
"das Äusserste", um umfassend mit den UN-Inspekteuren zu kooperieren. Zum
zweiten Mal in dieser Woche überflog am Donnerstag ein amerikanisches
Aufklärungsflugzeug vom Typ U-2 irakisches Territorium. Bagdad hatte diesen
Aufklärungsflügen erst vergangene Woche zugestimmt. El Duri sagte, die irakische
Regierung habe Briefe an Blix geschickt, um zu erfahren, wann die
Überwachungsflüge der französischen Mirage-Jets und der russischen Antonows
beginnen sollten.
Ausserdem übergab Irak den UN-Waffeninspekteuren Listen mit den Namen von
Personen, die an der Zerstörung von biologischen Waffen und Raketen beteiligt
gewesen sein sollen. Diese Listen würden geprüft, sagte Blix' Sprecher Buchanan
am Donnerstag.
UN-Chefinspekteur Hans Blix will vom Irak wahrscheinlich mehr als nur die Zerstörung seiner Al-Samoud-2-Raketen
fordern. In Kreisen seiner UN-Waffenkommission UNMOVIC in New York hieß es am späten Donnerstag, Blix erwäge,
von Bagdad auch die Demontage der Fabrikationsanlagen für diesen Raketentyp zu verlangen. Darüber hinaus seien
weitere, nicht näher spezifizierte Auflagen im Gespräch, die möglicherweise noch in der Nacht schriftlich an die
irakische Führung übermittelt werden sollten.
Westliche Diplomaten am UN-Hauptsitz in New York sehen in der Zerstörung der Raketen und Raketenanlagen einen
entscheidenden Test für die Kooperationsbereitschaft der Iraker. Blix habe sich für die härteste aller möglichen
Varianten entschieden. Statt auf Zerstörung hätte er alternativ auch nur auf der Zerlegung der Raketen bestehen
können oder darauf, die Reichweite der gut 350 irakischen Al Samoud 2 durch mechanische Veränderung auf 150
Kilometer zu reduzieren. (Quellen: ap, afp)
US-Finanzminister Snow: Irak-Frage beeinflusst Weltwirtschaft negativ
Fr.21.02.03 - Die Unsicherheit über die Entwicklung im
Irak-Konflikt beeinflusst nach den Worten von US-Finanzminister John Snow die
Weltwirtschaft eindeutig negativ.
Bei dem Treffen der sieben führenden Industrieländer (G7) am Wochenende in
Paris werde das Thema Irak nicht auf der offiziellen Tagesordnung stehen, sagte Snow am Donnerstag vor
Journalisten in London. Es sei aber sehr wahrscheinlich, dass das Thema angesprochen werde, fügte Snow hinzu.
"Die ganze Situation mit Irak hat einen deutlich negativen Effekt auf die wirtschaftliche Aktivität." Darüber hinaus hoffe
er, auf die Zustimmung seiner Kollegen in Bezug auf die Notwendigkeit der Ankurbelung des weltweiten
Wirtschaftswachstums zu treffen, sagte Snow, der vor wenigen Wochen offiziell sein Amt angetreten hatte. Es sei
zwar "unangemessen" von ihm, bei seiner ersten Teilnahme eines G7-Treffens "zu deutlich" darauf hinzuweisen, was
andere Länder wie Deutschland zu tun hätten. Aber er werde die Notwendigkeit eines schnelleren Wachstums
hervorheben, von dem sowohl reiche als auch arme Länder profitieren würden.
Nach Informationen aus Kreisen des Bundesfinanzministeriums vom Mittwoch gelte dem ersten Auftreten des neuen
US-Finanzministers am Wochenende ein besonderes Interesse der Finanzminister. Gleichzeitig dürften neben dem
weltweit unverändert schleppenden Wachstumstempo die zunehmenden weltwirtschaftlichen Risiken im
Zusammenhang mit der Irak-Krise die Diskussionen bestimmen. Es gebe bislang aber keinerlei Hinweise, dass sich
die deutsch-amerikanischen oder auch amerikanisch-französischen Differenzen über die Irak-Politik auf die
Wirtschafts- und Finanzpolitik auswirkten. (Quelle: rtr)
Schwache Konjunkturdaten und Irakkonflikt belasten US-Börsen
Fr.21.02.03 - Unerwartet schwache US-Konjunkturdaten und die zunehmende Unsicherheit
der Anleger wegen eines möglichen Krieges in Irak haben die US-Börsen am Donnerstag
belastet.
Der Dow-Jones-Index verlor zum Handelsschluss 1,1 Prozent auf rund 7915 Zähler,
und der Nasdaq (NASDAQ: Nachrichten) -Index gab 0,2 Prozent auf 1331 Zähler
nach. Der breiter gefasste S&P-500-Index büßte ein Prozent auf 837 Punkte ein.
"Die Kurse sind wegen der schwachen Konjunkturdaten abgebröckelt", sagte Peter
Cardillo, Chefstratege bei Global Partners Securities. "Der Markt konzentriert sich
auch wieder stärker auf die weltpolitische Lage. Solange wir uns nicht einer Lösung
nähern, wird der Markt weiter so dahindümpeln." Andrew Baker, Nasdaq-Händler bei
der Investmentbank Wedbush Morgan in Los Angeles, sagte: "Die Anleger wollen
keine großen Positionen aufbauen angesichts der anhaltenden Spannungen mit Irak
und dem Rest der Welt."
Auch eine Reihe schwacher US-Konjunkturdaten trübten nach Angaben von
Händlern die Stimmung an der Wall Street. Das Außenhandelsdefizit der USA hatte
sich im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent auf ein Rekordniveau von 435,2
Milliarden Dollar ausgeweitet. Auch die Lage am US-Arbeitsmarkt bleibt weiter
angespannt. Die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe stieg in der vergangenen Woche überraschend stark
knapp über die Marke von 400.000. Weitere schlechte Nachrichten kamen erneut aus dem Verarbeitenden Gewerbe.
Der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia sank im Februar unerwartet stark auf 2,3 von 11,2
Zählern im Vormonat. "Die heutigen Konjunkturdaten helfen uns nicht. Die Erzeugerpreise waren höher als erwartet
und die Zahlen von der Philadelphia Federal Reserve sind auch nicht günstig", sagte Tim Anderson von Salomon
Smith Barney in New York. (Quelle: rtr)
Damit die Menschen in den USA sich auf alle Eventualitäten vorbereiten können, wurde
neben Anzeigen in Zeitungen oder Fernsehspots auch gleich eine entsprechende Website
Ready [http://www.ready.gov] eingerichtet. Weil Terroristen sich "biologische, chemische, nukleare und
radioaktive Waffen" besorgen wollen und "die Gefahr eines Anschlags sehr real" ist, sollen
sich nicht nur die Behörden, sondern auch alle Familien und Einzelpersonen auf mögliche
Anschläge vorbereiten: "Der Terrorismus zwingt uns, eine Entscheidung zu treffen. Habt
keine Angst .... seid vorbereitet."
Und da kommt einige Arbeit auf die sich zum Krieg rüstenden amerikanischen Bürger zu.
Die sollen nicht nur lesen, wie sie handeln sollen, sondern sich schon einmal ein
Notfallpaket schnüren. Dazu gehören Lebens- und Trinkwasservorräte für mindestens drei
Tage, Nasen- und Mundschutz, aber eben auch Plastikbahnen, Klebeband und Scheren,
dazu einen tragbaren Luftfilter wenn gefährlicher "junk" oder biologische Krankheitserreger
in der Luft sind, natürlich einen reichlich ausgestatteten Erste-Hilfe-Kasten. Schaden
können auch Taschenlampen, Handys, ein Radio mit Batterien, Toilettenpapier, Schlafsack
oder eine Trillerpfeife nicht. Das aber lässt sich beliebig durch Messer, Kompass,
Feuerlöscher, Streichhölzer, Papier, Bargeld oder Reiseschecks ergänzen. Mehr unter:
Merkel kritisiert in US-Zeitung Schröders Irak-Politik
Fr.21.02.03 - Wenige Tage vor ihrer USA-Reise hat die
CDU-Vorsitzende Angela Merkel in einer US-Zeitung die Irak-Politik und den
Anti-Kriegs-Kurs der Bundesregierung scharf kritisiert. In einem Kommentar in der
"Washington Post" (Donnerstag) unter dem Titel "Schröder spricht nicht für alle
Deutschen" warf Merkel dem Kanzler vor, einen Sonderweg beschritten zu haben.
Damit habe er die "wichtigste Lehre der deutschen Politik" aus Wahlkampfmotiven
beiseite gewischt.
SPD und Grüne reagierten empört und warfen Merkel vor, die eigene Regierung im
Ausland zu diffamieren und damit gegen demokratische Grundregeln zu verstoßen.
Bundespräsident Johannes Rau teilte die Skepsis der Bundesregierung angesichts
eines Irak-Krieges. "Die Argumente gegen den Krieg bleiben dieselben", sagte Rau
in einem Interview der "Frankfurter Rundschau" (Freitag). "Ich kann auch keinen
deutschen Sonderweg erkennen. Solche Anspielungen sind nicht sehr historisch."
Rau räumte ein, dass es eine «Differenz» zwischen Schröder und US-Präsident
George W. Bush gebe. "Das weiß man, das kann man beklagen und man kann
auch versuchen, die Dinge wieder auf einen besseren Weg zu bringen. Das werden
die beiden ja sicher auch tun." Ebenso klar sei, dass die Deutschen den
Amerikanern unendlich viel zu verdanken hätten. Von den Amerikanern hätten die
Deutschen aber auch gelernt, was in der Demokratie der aufrechte Gang ist.
Merkel verteidigte in ihrem Gastkommentar einen Krieg "als letztes Mittel". Die
gemeinsame EU-Erklärung zum Irak, in der die Anwendung von Gewalt als letztes
Mittel eingeschlossen wird, habe die Bundesregierung zu einem Kurswechsel
gezwungen. Merkel äußerte Zweifel, dass sich Deutschland auch im
UN-Sicherheitsrat im Einklang mit dem EU-Beschluss verhalten werde.
Es sei richtig, dass Krieg niemals ein gleichsam normales Mittel in der Politik
werden dürfe, schrieb Merkel weiter. Aber die deutsche Geschichte im 20.
Jahrhundert lehre, dass militärische Gewalt auch nie "als letztes Mittel gegenüber
Diktatoren ausgeschlossen oder auch nur in Frage gestellt werden darf, wie dies die
Bundesregierung getan hat". Damit werde die Drohkulisse gegen Diktatoren wie
Iraks Präsidenten Saddam Hussein geschwächt.
Merkel betonte, für die CDU seien Partnerschaft und Freundschaft mit den USA von ebenso fundamentaler Bedeutung
wie die europäische Integration. Die Partei- und Unions-Fraktionschefin wird in der kommenden Woche mit
verschiedenen Vertretern der US-Regierung zusammentreffen. Kritik an dem Beitrag wies sie zurück. Der Artikel sei
"wohl überlegt", sagte sie der Zeitung "Die Welt" (Freitag).
SPD-Fraktionschef Franz Müntefering erklärte, Merkel bereite ihre USA-Reise "mit einer Diffamierung der eigenen
Regierung und einem Bückling gegenüber der US-Administration vor". Merkel und die Union seien ohne Rückgrat in
der Irak-Frage. "Ihr seid schöne Patrioten", hieß es in einer Mitteilung Münteferings. SPD-Generalsekretär Olaf
Scholz sagte, Merkel schade dem Ansehen Deutschlands und verstoße gegen die Grundregel, die eigene Regierung
im Ausland "nicht madig zu machen".
Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte der "Märkischen Allgemeinen" (Freitag): "Diese Anbiederei
Frau Merkels ist nicht nur geschmacklos, sie fügt dem Ansehen Deutschlands auch schweren Schaden zu. Die
Vorsitzende der größten Oppositionspartei sollte sich besser im Griff haben." Der Parlamentarische Geschäftsführer
der Grünen, Volker Beck, sprach von einer beispiellosen Peinlichkeit und "Ausdruck einer liebedienerischen Haltung".
Ohne die USA ausdrücklich zu erwähnen sagte Bundespräsident Rau in dem "FR"-Interview: "Ich gehöre zu denen,
die das Jesuswort 'Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich' als Jesuswort ernst nehmen. Ich halte es aber für
verhängnisvoll, wenn ein Staat oder eine Regierung dieses Wort zum Programm macht." (Quelle: dpa)
Zeitung: Regierung und Finanzwirtschaft arbeiten an Notfallplan
Fr.21.02.03 - Bundesregierung und Finanzwirtschaft arbeiten nach einem
Bericht des "Handelsblatts" an einem Plan zur Reaktion auf Krisen.
Die Zeitung schreibt am Freitag, es gehe um eine konzertierte Aktion zur Stärkung
des Finanzsektors gegen externe Schocks. Das hätten hochrangige Bankmanager
und regierungsnahe Kreise bestätigt. Das Konzept solle laufend der Entwicklung
an den Märkten und der geopolitischen Lage angepaßt werden. Als Beispiele für
Risiken seien ein Irak-Krieg und Terroranschläge genannt worden. Die Notfallpläne
sollten jedoch auch gegen externe Schocks wie beispielsweise die Kampagne
gegen die Commerzbank im vergangenen Herbst dienen. In den Bankkreisen habe es
geheißen, auf solche Fälle müssten sich Banken vorbereiten, beispielsweise durch zusätzliche
Liquidität.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sich am vergangenen Sonntagabend
mit Spitzenmanagern der deutschen Finanzbranche getroffen. Der Kanzler wolle
sich in solchen Gesprächen über die Lage an nationalen und internationalen
Finanzmärkten informieren, hatte Regierungssprecher Bela Anda gesagt, ohne
Details zu nennen. In einem Magazinbericht hieß es, danach hätten Bundesbank
und Finanzministerium den Auftrag erhalten, Notfallpläne für Bankenpleiten zu
erstellen. Eichels Sprecher Jörg Müller hatte jedoch gesagt, er kenne weder einen
Notfallplan noch einen entsprechenden Arbeitsauftrag an den Finanzminister. Auch
Bundesbank-Vorstandsmitglied Edgar Meister sieht keinen Anlass für einen
Notfallplan. "Es gibt auch keinen Auftrag an die Bundesbank für eine konkrete
Notfallplanung", sagte Meister in einem Reuters-Interview.
Die Zeitung berichtete weiter, nach Angaben aus Regierungskreisen gelte es, Pläne für ein koordiniertes Vorgehen im
Krisenfall zu entwerfen. Dazu gehörten Notfallrechenzentren in Banken, Kommunikationspläne und Vorkehrungen für
die Aufrechterhaltung der Liquidität. Mit Blick auf den starken Druck auf das internationale Finanzsystem unmittelbar
nach den Attentaten vom 11. September 2001 hieß es in den Kreisen, damals sei niemand darauf vorbereitet
gewesen, berichtet die Zeitung.
Berlin fürchtet bei Irak-Krieg um deutsche Soldaten in Afghanistan
Fr.21.02.03 - Die Bundesregierung fürchtet für den Fall eines Irak-Kriegs um die Sicherheit
der deutschen Soldaten in Afghanistan. Bei einem Krieg könnte die "Sympathie für
terroristische Gruppen" in der afghanischen Bevölkerung steigen, so dass mit
"intensiveren bewaffneten Aktionen terroristischer Gruppen" gegen die internationale
Schutztruppe ISAF zu rechnen sei, heißt es nach Angaben der "Financial Times"
(Freitagsausgabe) in einem vertraulichen Schreiben, das in dieser Woche dem
Bundestag vorgelegt worden sei. In dem Papier warne die Regierung, dass sogar
unter den afghanischen Sicherheits- und Streitkräften eine "Aversion gegenüber der
Führungsrolle westlicher Staaten" herrsche. (Quelle: afp)
«Menschliche Schutzschilde» wollen im Irak bald Stellung beziehen
Fr.21.02.03 - Freiwillige aus Großbritannien, Spanien, Italien und der Türkei wollen
am Sonntag eine erste Position als «menschliche Schutzschilde» in Bagdad
beziehen. Sie kündigten an, sich in der Nähe eines Elektrizitätswerks aufzustellen,
um das Areal vor Bombenangriffen zu schützen. Die Menschenrechtsorganisation
Human Rights Watch warnte die US-Regierung, Ziele anzugreifen, die durch
«menschliche Schilde» geschützt seien. (Quelle: dpa)
Greenpeace blockiert Militärtransport
Fr.21.02.03 - Greenpeace-Aktivisten haben am
Donnerstag mit einer Blockade im Hafen von Rotterdam
mehrere Stunden lang das Auslaufen des Frachtschiffes
"NDS Progress" mit Militärausrüstung für die US-Truppen
am Golf verhindert. Die US-Militärpolizei ging mit
Wasserwerfern gegen sie vor. Mindestens elf
Demonstranten wurden festgenommen. (Quelle: dpa)
Wolfgang Lohbeck, Greenpeace-Abteilungsleiter für Sonderprojekte,
leitet das Friedensengagement historisch her, schließlich sei es
Greenpeace seit der Gründung im Jahre 1971 in erster Linie um
Gewaltfreiheit gegangen: "Es war niemals nur eine Sache von:
Rettet die Umwelt." Ende der 80er Jahre etwa, erinnert er sich,
habe die "Rainbow Warrior" vor dem damaligen Leningrad
geankert, um 100.000 weiße Luftballons mit Friedenstaube über
der Stadt schweben zu lassen. "Ein Zeichen gegen das Wettrüsten."
Auch jetzt, da erneut ein Krieg in Irak droht, organisieren die
Umweltschützer zu Lande, zu Wasser und in der Luft.
In Hongkong etwa versuchten mehrere als George W.Bush verkleidete
Greenpeace-Mitglieder, Attrappen von Massenvernichtungswaffen
durch die Hintertür in die US-amerikanische Botschaft zu schmuggeln.
Und in Wien ist der US-Präsident Gassi geführt worden - an der Leine
von drei Esso-Tigern. Bush, sagt Lohbeck, habe es auf das Öl
abgesehen und führe die Welt mit einem völkerrechtswidrigen Krieg
zurück ins "Mittelalter, wo das Recht des Stärkeren zählte". Er fürchtet
"die Anarchie der Staatenwelt durch den Größenwahn einer Macht".
Greenpeace hegt noch andere, sozusagen ureigene Ängste: die
Zerstörung der Umwelt. Greenpeace-Untersuchungen zufolge
sind nach dem Golf-Krieg 1991 mehr als eine Million Tonnen Öl
ins Meer geflossen, 700 Ölquellen brannten und vergifteten Menschen
und Umwelt im Umkreis von 1000 Quadratkilometern. Mit radioaktivem
Uran gehärtet Munition verstrahlte ganze Regionen. 100.000 Bomben
zerstörten Chemiedepots, Düngemittelfabriken, Elektrizitätswerke und
Pipelines. Giftgase, deren Folgeschäden ungeklärt sind, traten aus.
Wasserwerke und Kläranlagen wurden vernichtet, fast alle Wasservorräte
verseucht.
Greenpeace malt für einen neuerlichen Krieg ein ähnliches
Schreckensszenario. "Wenn Krieg normal wird, wenn sich
diese Brutalität fortsetzt", sagt Lohbeck, "dann wird Umweltschutz
sinnlos." (Quelle: Frankfurter Rundschau vom 21.02.03)
USA fordern internationale Bemühungen im Nordkorea-Konflikt
Fr.21.02.03 - Ungeachtet der Forderung Nordkoreas nach bilateralen Gesprächen mit den USA
drängen diese weiter auf eine Lösung des Atomstreits unter der Beteiligung weiterer Staaten.
"Weil andere Nationen wegen Nordkoreas gefährlichen Handlungen viel zu verlieren haben,
betrifft uns alle die Gefährdung des regionalen und globalen Friedens und der
Stabilität", sagte am Freitag der US-Botschafter in Südkorea, Thomas Hubbard.
Mehrere betroffene Staaten müssten gemeinsam der Gefahr durch das
nordkoreanische Atomprogramm begegnen. Hubbard versicherte zugleich, dass die
USA den Konflikt friedlich lösen wollten schloss jedoch wie die US-Regierung den
Einsatz von Gewalt nicht grundsätzlich aus.
In diesem Punkt gibt es Differenzen zwischen den USA und Südkorea, wo rund
37.000 US-Soldaten stationiert sind. Im Gegensatz zu den USA schließt der
designierte südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun den Einsatz von Gewalt
gegen Nordkorea aus. Seit Ende des Korea-Krieges 1953 gilt zwischen Nord- und Südkorea lediglich ein
Waffenstillstand. Ein Friedensabkommen wurde nie geschlossen. Roh wird Anfang der kommenden Woche mit
US-Außenminister Colin Powell zusammenkommen, der zuvor am Samstag in Japan und Sonntag in China erwartet
wird.
In den vergangenen Monaten hatte sich das Verhältnis Nordkoreas zum Süden und zu den USA drastisch
verschlechtert. Am Dienstag hatte die kommunistische Führung in Pjöngjang gedroht, das
Waffenstillstandsabkommen zu kündigen, sollten wegen des Atomstreits Sanktionen gegen das Land verhängt
werden. Nordkorea hatte nach US-Angaben im Oktober eingeräumt, entgegen einem Abkommen von 1994 sein
Atomprogramm fortgesetzt zu haben. Die USA stellten daraufhin ihre Heizöllieferungen an das auf internationale Hilfen
angewiesene Land ein. Nordkorea kündigte danach unter anderem seinen Rückzug aus dem Atomwaffensperrvertrag
an. Die USA lehnen Forderungen Nordkoreas nach direkten Verhandlungen und einem Nichtangriffspakt ab. (Quelle: rtr)
Chirac eröffnet Afrika-Gipfel in Paris
Fr.21.02.03 - Mit der Aussage "Die Zeit der Straflosigkeit ist
vorbei" warnte Frankreichs Präsident Chirac
Diktatoren vor Menschenrechtsverletzungen.
Wer sich als Staatschef der Gewalt bediene, müsse von nun an
fürchten, vom Internationalen Strafgerichtshof zur
Rechenschaft gezogen zu werden, mahnte Chirac.
Unter den Staatschefs am 22.
Frankreich-Afrika-Gipfel in Paris befand sich mit
Sondergenehmigung der simbabwische Herrscher
Mugabe. Chirac dürfte das Treffen auch nutzen,
um die im Sicherheitsrat vertretenen
afrikanischen Länder in der Irak-Frage auf seine
Seite zu ziehen. (Quelle: nzz) Mehr unter:
Bundestag für generelles Klonverbot weltweit
Fr.21.02.03 - Der Bundestag hat sich für ein weltweites Verbot des
menschlichen Klonens ausgesprochen. SPD, CDU/CSU und
Grüne forderten gemeinsam die Regierung dazu auf, sich für
die internationale Ächtung sowohl des reproduktiven als auch
des therapeutischen Klonens einzusetzen. Die
Fraktionsvizechefin der Union, Maria Böhmer, sagte, damit
werde "ein deutliches Signal" gesetzt "für den Schutz des
menschlichen Lebens und für die unbedingte Wahrung der
Menschenwürde". Die FDP forderte dagegen, das
Forschungsklonen zuzulassen. Der Bundestag setzte zugleich eine neue
Enquête-Kommission "Recht und Ethik in der modernen Medizin" ein.
Grünen-Fraktionsvize Reinhard Loske betonte, Klonen verletze in jedem Fall
"elementar die Menschenwürde". Beim so genannten therapeutischen Klonen, von
dem sich Mediziner neue Behandlungsmöglichkeiten versprechen, werde
"menschliches Leben verfügbar gemacht". Embryonen würden bei dieser Methode
"als medizinischer Rohstoff benutzt". Es wären hunderttausende Eizellen nötig,
wodurch Frauen "auf die Rolle einer Rohstofflieferantin reduziert" würden. Vor allem
für Entwicklungsländer bestehe die Gefahr, dass sich "ein schwungvoller Handel mit
der Ware Eizellen" entwickele. Statt des Forschungsklonens sollten eher Projekte
wie die Forschung an adulten Stammzellen gefördert werden.
Böhmer warnte, es sei höchst bedenklich, dass durch den Begriff "therapeutisches
Klonen" etwas suggeriert werde, das nicht einlösbar sei. Die Politik müsse einen
Weg beschreiben, "der nicht Utopien und falsche Heilserwartungen bedient",
sondern das ethisch Verantwortliche und medizinisch Machbare vereine.
Die FDP-Bildungsexpertin Ulrike Flach kritisierte dagegen, die internationalen
Verhandlungen zum Klonverbot würden durch das Thema des therapeutischen
Klonens übermäßig überlastet. Eine Beschränkung auf ein Verbot des reproduktiven
Klonens habe größere Aussichten auf Erfolg.
Der Bundestag setzte zugleich eine neue Enquête-Kommission "Recht und Ethik in
der modernen Medizin" ein. SPD-Vize-Fraktionschefin Gudrun Schaich-Walch
sagte, die neue Kommission solle vor allem neue therapeutische Ansätze und die Frage des Organhandels
diskutieren. (Quelle: afp)
Mehr zum Thema Klonen unter:
Enquete-Kommissionen des Bundestages haben geringe Wirkung
Fr.21.02.03 - Die vom Deutschen Bundestag zur Erforschung bestimmter
Fragestellungen eingesetzten Expertengremien haben nur geringe politische
Wirkung. "Die Waagschale für das Instrument der Enquete-Kommission senkt sich
eher in Richtung stumpfe politische Waffe", lautet das Ergebnis einer Studie des
Politikwissenschaftlers Ralf Altenhof, wie die Universität Chemnitz am Donnerstag
mitteilte. Altenhof legte den Angaben zufolge erstmals eine Gesamtbilanz aller
bisher eingerichteten Enquete-Kommissionen vor.
Altenhof weise in seiner Studie nach, dass Kommissionsberichte, die die
Gesetzgebungsarbeit unterstützen sollten, vom Parlament meist lediglich zur
Kenntnis genommen und in die politischen Ausschüsse verwiesen würden. Dort, so
Altendorf, beginne der Diskussionsprozess häufig von vorne. Einige der in den
letzten dreißig Jahren vom Bundestag eingesetzten Expertenrunden seien zudem
auf Grund parteipolitischer Differenzen schon an der Aufgabenstellung gescheitert.
Erfolgreich umgesetzt würden Vorschläge der Kommissionen oft nur dann, wenn
diese ohnehin zur Diskussion stünden. Hinzu komme, dass sich mittlerweile manche Enquete-Kommission zum
wahren Forschungsunternehmen entwickelt habe. Das zeige der Anteil der daraus entstehenden wissenschaftlichen
Veröffentlichungen. Nach Altenhof könne dies nicht im Interesse wirkungsvoller politischer Arbeit sein.
Positiv vermerke Altenhof, dass manche der Kommissionen ihrer Zeit voraus gewesen seien und das öffentliche
Bewusstsein erheblich geschärft hätten, hieß es. Als Beispiel wurde die Enquete-Kommission zur
Atomenergie-Politik genannt, die ein bedeutendes Forum für Gegner der Atomenergie geboten habe.
Als Fazit empfahl der Politikwissenschaftler den Angaben der Universität zufolge eine umfassende Forschung zur
Beurteilung der Arbeit der Kommissionen. "Gerade das Parlament müsste doch großes Interesse daran haben zu
erfahren, ob Empfehlungen der Parlamentsgremien umgesetzt werden und welche Folgen damit verbunden sind",
meinte Altendorf. (Quelle: ap)
Experten laut Zeitung: 4,66 Mio Arbeitslose im Februar
Fr.21.02.03 - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland beträgt einer Zeitung
zufolge im Februar 4,66 Millionen.
Dies sei der höchste Stand seit Amtsantritt von Bundeskanzler Gerhard Schröder
im September 1998, berichtete "Die Welt" (Freitagausgabe) vorab unter Berufung
auf Arbeitsmarktexperten. Gegenüber dem Vormonat sei die Arbeitslosenzahl aus
saisonalen Gründen um 40.000 gestiegen, im Vergleich zum Februar 2002 um
370.000. Nach Aussage der Experten sei dafür die anhaltende Konjunkturkrise
verantwortlich. (Quelle: rtr)
Reform des Kündigungsschutzes spaltet Regierungskoalition
Fr.21.02.03 - Der Streit um die Reform des
Kündigungsschutzes spaltet die Regierungskoalition und die
Gewerkschaften. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Franz
Müntefering sagte der Berliner Zeitung, der Kündigungsschutz
dürfe nicht zerschlagen werden. Mit den Reformen des
vergangenen Jahres, beispielsweise der Erleichterung der
Leiharbeit, habe Rot-Grün bereits sehr viel für die Flexibilisierung
des Arbeitsmarktes getan. Der Kündigungsschutz habe sich
bewährt. "Es macht keinen Sinn, die Qualität einer Reform an
deren Rigorismus zu messen", sagte Müntefering. "Sonst würde
es ja genügen, alles zu zerdeppern."
Für Veränderungen sprach sich dagegen die
Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt aus. Ihre Partei
wolle mehr Flexibilität für kleine Unternehmen erreichen, sagte
sie dieser Zeitung. "Es sollte aber allen klar sein, dass
Veränderungen beim Kündigungsschutz nicht massenhaft neue
Jobs bringen werden." Göring-Eckardt sagte auch, eine Reform
des Kündigungsschutzes dürfe nicht zu einem Verlust von sozialer
Sicherheit führen. "Der Kündigungsschutz ist ein emotional hoch
aufgeladenes Symbolthema", fügte sie hinzu. "Das gilt für
Gewerkschaften und Unternehmer gleichermaßen."
Tatsächlich ist auch in den Gewerkschaften die Debatte voll
entbrannt. Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft
Verdi, Frank Bsirske, zeigte sich offen für eine Änderung der
Sozialauswahl bei betriebsbedingten Kündigungen. "Es muss
darüber nachgedacht werden, inwieweit hier dem Gesichtspunkt
einer ausgewogenen Altersstruktur der betroffenen Unternehmen
Rechnung getragen werden kann", sagte Bsirske dem
Handelsblatt. Arbeitgeber hatten kritisiert, dass sich
Unternehmen in einer Krise zuerst von den jüngeren Mitarbeitern
trennen müssten, die für den Betrieb jedoch wertvoller als ältere
Kollegen sein könnten. (Quelle: blz)
Grüne fordern Abkehr von Sozialauswahl bei Kündigungen
DGB-Chef Sommer: Abwehrfront bei Kündigungsschutz bröckelt nicht
Fr.21.02.03 - DGB-Chef Michael Sommer hat sich strikt gegen jegliche Flexibilisierung
beim Kündigungsschutz ausgesprochen. Er widersprach damit dem Eindruck, dass
durch den Vorstoß von ver.di- Chef Frank Bsirske die Abwehrfront der Gewerkschaften
beim Thema Kündigungsschutz bröckele.
"Wir denken gar nicht daran, den Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor
willkürlicher Kündigung zur Disposition zu stellen», sagte Sommer der
"Berliner Zeitung". Bsirske hatte sich als erster führender
Gewerkschafter offen für Änderungen in der Abfindungspraxis und der Sozialauswahl
im Falle betrieblicher Kündigungen gezeigt.
Unterdessen erneuerte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK)
seine Forderung nach weniger Kündigungsschutz. Wie die Zeitung «Die Welt»
berichtete, ist diese Teil eines Fünf-Punkte- Programms für den Kampf gegen die
Arbeitslosigkeit. Danach soll der Kündigungsschutz künftig nur noch in Firmen mit
mehr als 20 Beschäftigten und bei zweijähriger Betriebszugehörigkeit gelten.
DGB-Chef Sommer sagte, es gehe beim Streit um den Kündigungsschutz "nicht um marginale Änderungen". Wer
wie Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt eine Aufweichung dieses wichtigen Rechts fordere, "will in Wahrheit die
Arbeitsbedingungen insgesamt verschlechtern. Und er will auf breiter Front die Löhne der Beschäftigten senken". Zwar
seien die Gewerkschaften bereit, "vorurteilsfrei über alles zu reden". Wenn die Arbeitgeber aber den
Kündigungsschutz einschränken wollten, "müssten sie allerdings auch beweisen, dass das tatsächlich neue Jobs
bringt".
Das DIHK-Programm sieht außer der Lockerung des Kündigungsschutzes noch betriebliche Bündnisse, drastische
Kürzungen bei der Arbeitslosenhilfe, niedrigere Lohnnebenkosten und neue Wege bei der Ausbildung vor.
Der DGB will beim Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und den Spitzen der Wirtschaftsverbände am
3. März auf eine soziale Absicherung für so genannte neue Selbstständige dringen. DGB-Sprecher Hilmar Höhn sagte
der "Saarbrücker Zeitung", bei diesen Personen handele es sich um "abhängig Beschäftigte", die auf "freiberuflicher
Basis arbeiten". Diese müssten die Lebensrisiken Arbeitslosigkeit, Krankheit und Alter bisher selbst schultern und
seien "schutzlos dem Markt ausgeliefert". Hier gebe es "erheblichen Änderungsbedarf". (Quelle: dpa)
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