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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Fr.28.02.03, 12:45 Weltsicherheitsrat bleibt in Irak-Frage tief zerstritten
Fr.28.02.03 - Der Weltsicherheitsrat bleibt in der Frage des weiteren Vorgehens
gegen Irak tief zerstritten. Das Gremium vertagte sich am Donnerstag in New York
nach vierstündigen Beratungen hinter verschlossenen Türen ohne Einigung.
Diplomaten beschrieben die Atmosphäre als furchtbar.
Der UN-Sicherheitsrat ist gespalten zwischen den Befürwortern des harten Kurses
von US-Präsident George W. Bush und den Mitgliedern unter Führung Frankreichs,
die eine Ausweitung und Verlängerung der Waffeninspektionen fordern. Der
französische UN-Botschafter Jean-Marc de La Sabliere sagte, die Mehrheit des
Gremiums lehne nach wie vor den von den USA, Grossbritannien und Spanien
eingebrachten Entschliessungsantrag ab. Darin soll festgestellt werden, dass sich
Irak nicht an die Resolution 1441 vom 8. November hält.
Neben diesem Entwurf beriet der der Sicherheitsrat auch über die Initiative
Frankreichs, Deutschlands und Russlands, die Rüstungsinspektionen der von Hans
Blix geleiteten UNMOVIC-Mission noch mindestens bis 1. Juli fortzusetzen.
Der amerikanische Botschafter John Negroponte äusserte sich nach der Sitzung
nicht vor Journalisten. Andere Botschafter, die namentlich nicht genannt werden
wollten, erklärten, die USA seien offenbar nicht zu einem Kompromiss bereit, um
eine einheitliche Haltung im Sicherheitsrat herbeizuführen. "Dies war eine der
deprimierendsten Sitzungen, die ich je erlebt habe", sagte einer der Diplomaten.
Ein anderer beschrieb die Stimmung als bitter und unangenehm. (Quelle:ap)
Der Entwurf für eine neue UN-Resolution (Wortlautauszüge)
Kapitel VII der UN-Charta
Das Memorandum (Übersetzung die Kernpunkte)
Chile und Mexiko: Keine zweite Resolution ohne Einigung
Fr.28.02.03 - Chile und Mexiko haben eine neue UN-Resolution zur Irak-Krise abgelehnt.
Beide Länder wollten keine neue Entschließung, solange es keine
Übereinstimmung im UN-Sicherheitsrat gebe, sagte der chilenische UN-Botschafter,
Gabriel Valdés, am Donnerstag in New York. Sein mexikanischer Kollege, Adolfo
Aguilar Zinser, betonte, die Entwaffnung Iraks sei das Hauptziel, für das die
UN-Inspektoren mehr Zeit benötigten. Valdés hatte zuvor beklagt, dass die fünf
Veto-Staaten im UN-Sicherheitsrat die Entscheidung über Krieg oder Frieden in Irak
durch ihre unversöhnlichen Positionen den zehn anderen Mitgliedern überließen.
(Quelle: afp)
Aufatmen in Berlin - Kein Irak-Votum unter deutschem Vorsitz
Fr.28.02.03 - Gleich nach Germany kommt Guinea. Die UN-Geschäftsordnung schreibt
das so vor. Nach 28 Tagen räumt Botschafter Gunter Pleuger an diesem Freitag den
Präsidentenstuhl des Weltsicherheitsrates für Mamady Traore,
seinen Kollegen aus Westafrika. Berlin kann aufatmen. Der
"deutsche Monat" im Sicherheitsrat ist vorbei. Und der rot-grünen Koalition, die sich
so kompromisslos gegen einen Irak-Krieg festgelegt hat, blieb es erspart, dass der
Sicherheitsrat ausgerechnet unter deutschem Vorsitz eben diesen Krieg besiegelt.
Anfangs hatte das anders ausgesehen. Die Amerikaner verschärften gerade ihr
Säbelrasseln. Ohne sich mit der unliebsamen deutschen Ratspräsidentschaft zu
konsultieren, legten sie den 5. Februar als den Tag fest, an dem Außenminister
Colin Powell der Welt Beweise dafür vorlegen sollte, dass der Irak
Massenvernichtungswaffen versteckt.
Für Joschka Fischer wurde der Tag zu einer Premiere. Kanzler Gerhard Schröder
hatte entschieden, dass der Außenminister die Sitzung am East River leitet, um
dem deutschen Auftreten mehr Gewicht zu verleihen. So saß Fischer an jenem 5.
Februar zum ersten Mal am halbrunden Tisch des Rates hinter dem Schildchen
"President" und erteilte Powell das Wort.
Weithin war erwartet worden, dass die angekündigten Beweise gegen den Irak ähnlich schlagend sein würden, wie die
eindeutigen Fotos russischer Raketenstellungen auf Kuba 1962. Doch Powells Multimedia- Schau erwies sich als
wenig beeindruckende Sammlung von Indizien. An der mehrheitlichen Zurückhaltung im Sicherheitsrat gegenüber
einer Militärinvasion änderte sie nichts.
Die deutsche Regierung erschien plötzlich in der Irak-Frage gar nicht so isoliert, wie die Opposition das dargestellt
hat. Das nächste Mal jettete Fischer über den Atlantik, um die Sitzung zur Vorlage des Zwischenberichtes der
Waffeninspekteure am 14. Februar zu leiten. Sie hatten wieder keinen "rauchenden Colt" vorzuweisen. Frankreichs
und Rußland machten klar, dass diese beiden Veto-Mächte noch keinen Grund für einen Krieg sehen.
Ihren Resolutionsentwurf zur Legitimierung eines Krieges brachten die USA am letzten Montag dennoch in den Rat
ein. Aber zugleich legten Frankreich, Deutschland und Russland ihr Memorandum vor, in dem sie intensivere
Inspektionen verlangten. Damit war klar: Das Tauziehen im Rat wird noch eine Weile anhalten, eine Entscheidung
über Krieg oder Frieden fällt nicht in die Zeit der deutschen Ratspräsidentschaft.
Dennoch bleibt Berlin das Dilemma der Festlegung Schröders auf einen "Ohne uns"-Kurs nicht erspart. Nachdem
Bush am Mittwoch seine Vision für einen "demokratischen Irak" nach Saddam Husseins Sturz ausbreitete und sich
der britische Premierminister Tony Blair im Parlament durchsetzte, dürften die USA Pleugers Nachfolger demnächst
auffordern, über die neue Irak-Resolution abstimmen zu lassen.
"Washington zieht sämtliche Register, um wenigstens eine knappe Mehrheit zusammen zu trommeln", sagt ein
hochrangiger westlicher UN- Diplomat. Das Nein einer Veto-Macht könnte zwar jede Resolution verhindern. Aber die
USA sind nach Einschätzung von Beobachtern bereit, den Text der Resolution in Verhandlungen so weitgehend zu
verwässern, dass Peking, Moskau und auch Paris sich ohne großen Gesichtsverlust der Stimme enthalten könnten.
Die "Koalition der Widerspenstigen", wie Frankreich, Deutschland und Russland in den UN-Fluren genannt werden,
hätte sich dann erledigt. Und Berlin stünde vor der Frage, ob es bei einem Nein bleibt oder sich zu einem "Jein"
entschließt. Das Ergebnis der Abstimmung dürfte wohl noch im März der UN-Botschafter Guineas bekannt geben.
Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel für Irak-Krieg
Fr.28.02.03 - Der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel hat die ablehnende
Haltung der Bundesregierung zu einer Militäraktion gegen Irak
kritisiert. Der Holocaust-Überlebende sagte nach einem Treffen
mit US-Präsident George W. Bush in Washington, die
Deutschen müssten noch lernen, eine auf moralischen Werten
gegründete Außenpolitik zu betreiben. Die jungen Menschen in
Deutschland hätten "den Wert des Friedens gelernt, und ich
zolle ihnen dafür Beifall. Sie müssen auch den Wert der Moral,
Moral in außenpolitischen Angelegenheiten lernen."
Wiesel plädierte für eine Militärintervention in Irak, da "das Böse gestoppt werden
muss, bevor es zu mächtig wird". Als warnendes Beispiel verwies der Schriftsteller
auf die fehlgeschlagene Appeasement-Politik gegenüber Adolf Hitler: "Ich hätte
bestimmte Erfahrungen nicht durchgemacht, wenn die Welt, wenn Großbritannien
und Frankreich damals die Politik und Philosophie der Intervention angwendet
hätten." Wiesel hatte 1968 den Friedensnobelpreis für die Schilderung seiner
Erlebnisse in den Konzentrationslagern der Nazis erhalten. Der Schriftsteller wurde
1928 in Rumänien geboren und nahm 1963 die US-Staatsbürgerschaft an.
(Quelle: afp)
Bush: Wir werden ihn jetzt entwaffnen
Fr.28.02.03 - US-Präsident George W. Bush hat dem irakischen
Präsidenten Saddam Hussein erneut die Bereitschaft zum Abrüsten abgesprochen.
"Wir sind noch immer ein Schlachtfeld", fuhr Bush fort, indem er darauf verwies,
dass er Saddam für eine Bedrohung der Vereinigten Staaten von Amerika und der
Welt halte. "Ein Teil dieses Krieges ist der Umgang mit einem Diktator, der als
Arsenal und - oder - als Trainingsbasis für terroristische Netzwerke dienen kann",
sagte Bush.
Über die Abstimmung im Sicherheitsrat, dem die USA und Großbritannien eine
neue Resolution zur Legitimierung eines Krieges vorgelegt haben, mache er sich
keine großen Gedanken. Dass überhaupt eine zweite Resolution im Rat vorgelegt
worden sei, sei der "Verpflichtung gegenüber unseren Freunden und Alliierten"
geschuldet. Aber unabhängig vom Ausgang der Debatte - entscheidend sei für ihn
die Entwaffnung Saddams. (Quelle: rtr)
Bush verteidigt Entscheidung seines Vaters im Golfkrieg 1991
Fr.28.02.03 - US-Präsident George W. Bush hat am Donnerstag die
Entscheidung seines Vaters und Amtsvorgängers verteidigt, im Golfkrieg 1991 den
irakischen Staatschef Saddam Hussein nicht gestürzt zu haben. "Dies war 1991
nicht der Auftrag", sagte Bush am Rande eines Treffens mit dem afghanischen
Präsidenten Hamid Karsai im Weißen Haus. Das Kriegsziel damals sei die
Befreiung des von Irak zuvor besetzten Emirats Kuwait gewesen, sagte Bush. Der
Vater des Präsidenten, George Bush, schmiedete 1991 eine internationale
Koalition, die mit einem Mandat der Vereinten Nationen Kuwait mit einem Krieg von
der irakischen Besatzung befreite. Der Krieg wurde nach dem Rückzug Iraks aus
dem Emirat beendet, ohne dass die Truppen der Alliierten nach Bagdad
vormarschierten. (Quelle:ap)
Stimmung in den USA für oder gegen Krieg unsicher
Fr.28.02.03 - Die Stimmung in USA hinsichtlich eines möglichen Kriegs gegen
Irak ist derzeit offenbar leicht zu beeinflussen, wie eine am Donnerstag
veröffentlichte Umfrage des Gallup-Instituts für den Sender CNN und die Zeitung
"USA Today" andeutet. Sollte Saddam Hussein die Raketen wie von
UN-Chefinspekteur Hans Blix gefordert zerstören, so würde die Unterstützung in den
USA für eine Invasion auf rund 33 Prozent sinken, während 60 Prozent gegen einen
Krieg wären. Wenn Irak die Raketen nicht zerstört, wären 71 Prozent der US-Bürger
für einen Krieg und nur 22 Prozent dagegen. Insgesamt erklärten 59 Prozent der
Befragten, sie seien für einen Krieg. Davon war sich aber die Hälfte nicht sicher,
sondern erklärte, diese Meinung könne sich auch wieder ändern. (Quelle: ap)
US-Gewerkschaftsverband gegen Irak-Krieg
Fr.28.02.03 - Der amerikanische Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO hat sich
am Donnerstag gegen einen Irak-Krieg zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. In
einer zum Abschluss eines viertätigen Kongresses in Hollywood im US-Staat
Florida einmütig verabschiedeten Resolution des Exekutivrates hiess es,
US-Präsident George W. Bush habe keinen Grund für einen Angriff auf Irak ohne
breite Unterstützung der Verbündeten nennen können. Zugleich wird aber auch
betont, dass Irak entwaffnet werden müsse. Dem grössten Gewerkschaftsverband
der USA gehören 65 Einzelgewerkschaften an. (Quelle: ap)
US-Diplomat reicht wegen Kriegskurs seiner Regierung Rücktritt ein
Fr.28.02.03 - Aus Protest gegen den Kriegskurs der US-Regierung gegen Irak hat ein langjähriger
US-Diplomat sein Rücktrittsgesuch aus dem diplomatischen Dienst eingereicht. Der zurzeit in
Griechenland tätige John Kiesling habe sein Amt "aus persönlichen Gründen wegen unserer Irak-Politik"
aufgegeben, bestätigte am Donnerstag ein Vertreter des US-Außenministeriums in Washington. Der
Diplomat habe sich in einem Brief direkt an US-Außenminister Colin Powell gewandt. Darin habe er sich
darüber beklagt, dass Washington offenbar unbedingt gegen Irak Krieg führen wolle. Kiesling war seit 20
Jahren im diplomatischen Korps der USA tätig; vor seinem Posten in Griechenland hatte er die USA im
Nahen Osten und im Kaukasus vertreten. (Quelle: info.partisan.net
USA haben 200.000 Soldaten am Golf zusammengezogen
Fr.28.02.03 - Während der Sicherheitsrat in der Irak-Frage weiter tief zerstritten ist,
setzen die USA ihren Truppenaufmarsch am Persischen Golf fort. Sie haben inzwischen 200.000 Soldaten
für einen Angriff auf Irak zusammengezogen. Die US-Marine teilte am Donnerstag
mit, dass mit der "USS Nimitz" am Montag der sechste von zwölf Flugzeugträgern
in Marsch gesetzt werde. Auch die so genannten Tarnkappenbomber vom Typ B-2
werden von ihrem Stützpunkt in Missouri näher an Irak heran verlegt: nach
Grossbritannien und auf die Insel Diego Garcia im Indischen Ozean. Das Pentagon
erklärte, in der gesamten Region seien jetzt 225.000 US-Soldaten stationiert, davon
16.000 in Afghanistan und am Horn von Afrika zum Kampf gegen die
Terrororganisation von Osama bin Laden.
Irak hat unterdessen offenbar Teile der Republikanischen Garde, der Elitetruppen
der Armee, aus dem Norden des Landes nach Süden zu den verlegt, in die Nähe
von Saddam Husseins Heimatstadt Tikrit und nach Bagdad. Im Norden verbleibe
praktisch nur noch eine Division der Republikanischen Graden zusammen mit
einigen schlechter ausgerüsteten normalen Heeresdivisionen, die sich bei einem
Krieg den über die Türkei und das Kurdengebiet in Nordirak vorrückenden
US-Truppen entgegen stellen könnten, hiess es in Washington. Zu anderen
Verteidigungsmassnahmen gehörten das Ausheben von Gräben, die mit Öl gefüllt
und angezündet werden könnten, damit der Qualm Luftangriffe erschwert. Ein
solcher Graben sei jüngst getestet worden. (Quelle: ap)
Luftlandedivision hat mit Entsendung von Soldaten begonnen
Fr.28.02.03 - Die US-Armee hat in dieser Woche mit der Entsendung
von Soldaten der 101. Luftlandedivision an einen nicht näher genannten Ort in
Südwestasien begonnen. Dies erklärte ein Sprecher der Division am Donnerstag in
Fort Campbell im US-Staat Kentucky. Wann die Entsendung abgeschlossen sein
wird, wollte Sprecher Major Car Purvis nicht sagen. Südwestasien und der
Persische Golf liegen im Zuständigkeitsbereich des US-Oberkommandos Mitte. Die
Luftlandedivision kann Soldaten binnen 36 Stunden an jeden Ort der Erde
entsenden. Die drei in Fort Campbell stationierten Brigaden werden zum ersten Mal
seit dem Golfkrieg 1991 nach Übersee entsandt. Mit Schüssen von Soldaten dieser
Division begann damals der Golfkrieg. (Quelle: ap)
SPD-Experte: Irak-Krieg könnte Mitte März beginnen
Fr.28.02.03 - Der US-geführte Krieg gegen Irak könnte nach Einschätzung des
SPD-Verteidigungsexperten Reinhold Robbe bereits in zwei Wochen beginnen. Der
Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses sagte zum Abschluss von
zweitägigen Gesprächen in Washington, Mitte März müsse mit dem Beginn der
Militäraktion gerechnet werden. Aufgrund seiner Gespräche halte er die
Chance, einen Waffengang noch zu vermeiden, für "außerordentlich reduziert".
Es sei auch zu befürchten, dass die USA ohne das grüne Licht der UNO in den
Krieg ziehen wollten, wenn keine neue Irak-Resolution zustande komme.
Robbe hatte in Washington mit Vertretern des Verteidigungsministeriums,
des Nationalen Sicherheitsrats sowie des Kongresses gesprochen. Dabei ging es
vor allem auch um die Irritationen im deutsch-amerikanischen Verhältnis als Folge
der Irak-Kontroverse. Er sei in seinen Gesprächen auf "Ressentiments und Vorbehalte"
gestoßen, teilte der SPD-Politiker mit. Trotz der Meinungsverschiedenheiten dürfe der
Dialog zwischen beiden Ländern aber nicht abreißen, fügte er hinzu. Robbe kündigte
an, dass er im Mai zusammen mit einer Delegation des Verteidigungsausschusses erneut
nach Washington reisen wolle.
(Quelle: afp)
Irak stimmt Raketen-Zerstörung zu
Fr.28.02.03 - Irak hat am Donnerstag grundsätzlich der Zerstörung seiner El-Samud-2-Raketen
zugestimmt. UN-Chefinspekteur Hans Blix hatte noch kurz zuvor die irakischen Abrüstungsbemühungen
als "bislang sehr begrenzt" eingestuft. Für die USA bleibt das Einlenken Bagdads
allerdings bedeutungslos. In einer ersten Reaktion sagte Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld, das sei alles nur Taktik. Bagdad weigere sich immer erst zu
kooperieren, zögere dann eine Entscheidung hinaus und handle schließlich in
letzter Minute unter Druck.
Blix hat Irak Zeit bis Samstag gegeben, um mit der Zerstörung der Raketen zu
beginnen. Ihre Reichweite liegt über den von den UN genehmigten 150 Kilometern.
Wie ein Diplomat der Nachrichtenagentur AP sagte, erklärte Irak seine "prinzipielle
Bereitschaft" in einem Schreiben an Blix. In ihm wird die Entsendung von
Technikern gefordert, um Einzelheiten und Zeitrahmen festzulegen. Blix'
Stellvertreter ist aber bereits schon Bagdad, um die Zerstörung zu überwachen.
(Quellen: ap, dpa)
Ankara vertagt Votum über US-Truppenstationierung
Fr.28.02.03 - Das türkische Parlament hat die Abstimmung über die innenpolitisch umstrittene
Stationierung zehntausender US-Soldaten im Land erneut verschoben. Die Debatte
finde nun am Samstag statt, sagte der Vize-Fraktionschef der Regierungspartei AKP, Salih Kapusuz.
Eine offizielle Begründung dafür lag zunächst nicht vor. AKP-Abgeordnete sprachen von ernsten
Meinungsverschiedenheiten in der Fraktion. Washington und Ankara erzielten einen
Durchbruch bei den Verhandlungen über das Stationierungsabkommen.
Im Parlament in Ankara hieß es, viele Abgeordnete einschließlich des
Parlamentspräsidenten seien nicht damit einverstanden, das Votum über die von der
Regierung vorgeschlagene Stationierung von 62.000 US-Soldaten bereits vor
Verabschiedung einer neuen Irak-Resolution im UN-Sicherheitsrat abzuhalten. Es
seien weitere Verhandlungen mit den Abgeordneten nötig. Zudem wolle das
Parlament die für Freitag geplante Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats abwarten.
Das Abkommen über die militärischen Apekte der Stationierung sei unter Dach und
Fach, sagte der türkische Verteidigungsminister Vecdi Gönül. Der türkische
Nachrichtensender NTV meldete, die USA und die Türkei hätten unter anderem die Entwaffnung der Kurdenparteien in
Nordirak nach einem Krieg vereinbart. Nach Angaben von US-Diplomaten gab es weiter Verhandlungen über die
politischen und wirtschaftlichen Aspekte der Vereinbarung. Die Regierung in Ankara war am Dienstag der Bitte
Washingtons nachgekommen und hatte der Stationierung von 62.000 US-Soldaten zugestimmt. Die endgültige
Entscheidung liegt aber beim Parlament.
Unterdessen warnten sich die türkische Regierung und die Kurden in Nordirak gegenseitig. Ankara hoffe, dass die
Kurden in der Region "keine provozierenden Stellungnahmen" etwa in Form einer Unabhängigkeitserklärung abgäben,
sagte ein Sprecher von Präsident Ahmet Necdet Sezer. Mehrere im nordirakischen Salaheddin versammelte
Oppositionsgruppen drohten der Türkei "schwere Konsequenzen" an, sollte sie - wie geplant - im Kriegsfall 20.000
Soldaten über die Grenze nach Irak zu schicken. Die Türkei fürchtet, dass die in Nordirak lebenden Kurden einen
Krieg zur Gründung eines eigenen Staates nutzen und damit die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden im
Südosten der Türkei verstärken könnten.
(Quelle: afp)
USA warnen Türkei vor Verzögerungen bei Irak-Entscheidung
Fr.28.02.03 - Die USA haben die Türkei zu einer baldigen Entscheidung über
die Stationierung amerikanischer Truppen für einen möglichen Irak-Krieg gedrängt.
Der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, sagte, die Zeit sei
entscheidend. Es sei wichtig, die Situation rechtzeitig zu klären, andernfalls würden
die USA andere Pläne umsetzen. Das türkische Parlament hatte sein Votum über
die Stationierung von US-Truppen erneut verschoben. Jetzt soll am Samstag
abgestimmt werden. (Quelle: dpa)
»Ärzte gegen den Atomkrieg« warnen erneut vor Irak-Feldzug
Fr.28.02.03 - Mit einer Serie von Pressekonferenzen unter dem Titel »Not in
our name - Nicht in unserem Namen« versuchen die
»Internationalen Ärzte gegen den Atomkrieg« (IPPNW)
gegenwärtig, die Öffentlichkeit gegen den drohenden
Irak-Krieg zu mobilisieren. Am Donnerstag luden sie in Berlin zu
einer fünften Runde ein, auf der Experten zum Verhältnis von
westlicher und islamischer Welt zu Wort kamen. Professor
Thomas Meyer (Dortmund) warnte dabei vor der "Selektivität
des Vorgehens der USA" gegen islamische Länder: Krieg für
die einen, Wirtschafts- und Militärhilfe für andere. Der
Politikwissenschaftler wies auf die religiöse Rhetorik des
US-Präsidenten und darauf hin, daß sich durch einen Krieg "die
Fundamentalismen gegenseitig hochschaukeln und
bestätigen" würden.
IPPNW-Vertreter Dr. Jens-Peter Steffen verwies darauf, daß
selbst bei einem kurzen Krieg gegen den Irak bis zu 250 000
Tote zu erwarten seien. Bei einem folgenden Bürgerkrieg oder
z. B. beim Einsatz neuartiger Atomwaffen zum Aufbrechen
unterirdischer Anlagen werde die Zahl rasch in die Millionen
gehen. (Quelle: jw)
Mehr unter:
Wieczorek-Zeul: Entwicklungsländer wären die Verlierer eines Irak-Krieges
Fr.28.02.03 - Die Länder der Dritten Welt wären die großen Verlierer eines möglichen
Irak-Krieges, warnt Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD)
in einem Interview der Berliner Zeitung. Die weltweite Armutsbekämpfung wäre
gefährdet, betont die Ministerin. Mehr unter:
Aktionen der Friedensbewegung unter:
Hintergrundtexte der Informationsstelle Militarisierung (IMI)
Link-Auswahl zum Thema Irak-Konflikt:
Weltbevölkerung wächst weniger wegen Aids
Fr.28.02.03 - Die Weltbevölkerung wird
wegen der Ausbreitung von Aids deutlich langsamer wachsen als
bislang angenommen: Die UN-Bevölkerungsabteilung korrigierte
ihre Prognose für die Zahl der Menschen im Jahr 2050 um 400
Millionen auf 8,9 Milliarden herunter, wie Direktor Joseph Chamie
am Mittwoch in New York sagte. Allein im laufenden Jahrzehnt
würden in den 53 am schlimmsten von Aids heimgesuchten
Ländern 46 Millionen Menschen an dem Virus sterben. Bis zur
Mitte des Jahrhunderts werden es demnach 278 Millionen
Menschen sein. Das Welternährungsprogramm (WFP) warnte
davor, rund elf Millionen Aids-Waisen in Afrika zu vergessen. Eine
verheerende Begleiterscheinung der Immunschwächekrankheit sei
eine Hungerkatastrophe, sagte WFP-Chef James Morris. (Quelle: taz/afp)
Neue israelische Regierung vom Parlament bestätigt
Fr.28.02.03 - Das israelische Parlament hat in der Nacht zum Freitag die Regierung von
Ministerpräsident Ariel Scharon bestätigt. Nach israelischen Medienangaben stimmten 66
Abgeordnete der Knesset dafür und 48 dagegen. Nach der
Abstimmung wurde Scharon vereidigt. Außerdem leisteten auch
die meisten Minister ihrem Amtseid. Die anderen Minister werden
am Montag vereidigt. Die Regierung besteht aus einer Koalition
aus Scharons Likudpartei, der Nationalreligiösen Partei, der
bürgerlichen Schinui und der ultrarechten Nationalen Union.
Scharon hatte nach heftigem Tauziehen um die Verteilung der
Ministerposten am Donnerstag sein neues Kabinett dem Parlament vorgestellt. Erst
in letzter Minute willigte der bisherige Außenminister Benjamin Netanjahu (53) ein,
das als besonders schwierig geltende Finanzministerium zu übernehmen. Er
tauschte den Posten mit dem international praktisch unbekannten Silwan Schalom
(44), der Israel künftig im Ausland vertreten soll.
Zuvor hatte Scharon betont, die wichtigste Aufgabe der neuen Regierung werde die
Sanierung der Wirtschaft sein. Dabei müssten auch "harte Entscheidungen" gefällt
werden. Scharon bekräftigte während seiner Ansprache seinen Willen zu einer
Friedenslösung mit den Palästinensern. Er habe sich mit US-Präsident George W.
Bush auf eine stufenweise Lösung des Nahost-Konflikts geeinigt. Gleichzeitig
wiederholte Scharon jedoch seine Forderung nach einem Stopp der Anschläge und
einer Ablösung der gegenwärtigen Palästinenserführung vor neuen Verhandlungen.
Vor einer Lösung müssten die Palästinenser die Forderung nach einem Recht auf
Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat aufgeben. Er werde ebenfalls einer Teilung
Jerusalems nicht zustimmen, betonte Scharon.
Diese Forderungen dürften für die Palästinenser inakzeptabel sein. Die palästinensische Führung geht davon aus,
dass es mit der neuen Regierung Scharons keinen Friedensprozess geben wird. Sie erwartet nach eigenen Angaben
mehr Siedlungsaktivitäten, mehr Militäroperationen und eine weitere Eskalation der Lage.
Die Verhandlungen um die Verteilung der Ministerposten dauerten bis zum frühen Donnerstagnachmittag an.
Netanjahu hatte das angebotene Finanzministerium am Mittwoch zunächst abgelehnt. In zähen Verhandlungen über
die genauen Konditionen konnten beide Seiten sich jedoch erst im letzten Moment einigen. Netanjahu verzichtete
dabei auf seine Forderung, stellvertretender Ministerpräsident zu werden.
Die Position erhält der ehemalige Jerusalemer Bürgermeister Ehud Olmert, dem das Finanzministerium zunächst in
Aussicht gestellt worden war. Olmert wird Handelsminister und auch Mitglied des so genannten Sicherheitskabinetts
und des Verhandlungsteams bei Gesprächen mit den Palästinensern. Schaul Mofas wird den Posten des
Verteidigungsministers behalten.
Heftige Proteste der Opposition löste die Ernennung des Likud- Abgeordneten Zachi Hanegbi zum Polizeiminister aus.
Die Polizei hatte vor einigen Jahren wegen Korruptionsvorwürfen gegen den damaligen Transportminister Hanegbi
ermittelt und eine Anklage empfohlen. Die Staatsanwaltschaft stellte die Untersuchungen jedoch wegen mangelnder
Aussicht auf eine Anklage ein.
(Quelle: dpa)
UNO-Tribunal verhängt elf Jahre Haft gegen Plavsic
Fr.28.02.03 - In einem seiner bedeutendsten Prozesse seit zehn Jahren hat das
UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag die ehemalige Präsidentin der bosnischen
Serben, Biljana Plavsic, am Donnerstag zu elf Jahren Haft wegen Verbrechens gegen
die Menschlichkeit in einem Fall verurteilt.
Die Anklage hatten für Verbrechen im Bosnien-Krieg eine
Haftstrafe zwischen 15 und 25 Jahren gefordert. Die
72-jährige Plavsic ist die ranghöchste Politikerin, die sich vor dem Tribunal für das
frühere Jugoslawien schuldig bekannt hat. In Bosnien reagierten Opfer des Krieges
mit Unverständnis auf das nach ihrer Ansicht zu milde Urteil.
"Frau Plavsic ignorierte Berichte über weit verbreitete ethnische Säuberungen und
rationalisierte und rechtfertigte diese öffentlich. Kein Urteil, das die Prozesskammer
verhängt, kann das Entsetzen darüber, was passiert ist, vollständig wiedergeben",
sagte der vorsitzende Richter Richard May. Die Richter hätten mildernd in ihr Urteil
einfließen lassen, dass Plavsic bei der Umsetzung des Friedensvertrags von Dayton
von 1995 zu Frieden und Versöhnung beigetragen habe und dass sie Reue
gezeigt, sich schuldig bekannt und sich dem Gericht freiwillig gestellt
habe, sagte May weiter.
Eine Vertreterin der Opfer von der Koalition für Internationale Gerechtigkeit sagte, "ich
gehe davon aus, dass viele Opfer entrüstet sein werden und glauben, dass es (das Urteil)
nicht ausreichend ist". Eine Frau, deren Ehemann und Kinder in dem Krieg getötet wurden,
sagte "Ich bin sprachlos. Ich kann gar nicht reden. Ich bin total erschüttert".
Plavsic hatte ihre Verantwortung für Gräueltaten gegen
Moslems und Kroaten im Bosnienkrieg anerkannt, durch die nach Schätzungen rund 200.000 Menschen getötet
wurden oder noch vermisst werden. Nach ihrem Geständnis hatte das Gericht alle weiteren Anklagepunkte gegen
Plavsic fallen gelassen. So blieb ihr eine Verhandlung über ihre Taten erspart.
Während des Bosnien-Krieges war Plavsic die Stellvertreterin des Serbenführers Radovan Karadzic, eine der vom
UNO-Tribunal meistgesuchten Personen. 1996 übernahm Plavsic Karadzics Posten und wurde Präsidentin der
Republik Serbien. (Quelle: rtr)
US-Repräsentantenhaus stimmt für Klonverbot
Fr.28.02.03 - Das US-Repräsentantenhaus hat sich erneut für ein
vollständiges Verbot des menschlichen Klonens ausgesprochen.
Bei der
Abstimmung über einen entsprechenden Gesetzesentwurf fiel die Entscheidung mit 241
zu 155 Stimmen. Das geplante Verbot stellt das Verwenden wie auch den Import von geklonten
Embryonen oder daraus entwickelten Produkten unter Strafe. Verstöße sollen laut
Vorlage mit einer Geldstrafe von einer Million Dollar sowie mit zehn Jahren Haft
geahndet werden.
Das von den US-Repubikanern dominierte Repräsentantenhaus hatte
sich bereits in der vorangegangenen Legislaturperiode für ein Klonverbot ausgesprochen.
Dieses scheiterte aber zunächst im Senat, wo bis zum vergangenen
November die Demokraten die Mehrheit stellten. Im Senat wird ein weiterer Entwurf
debattiert, der der Klonen zu wissenschaftlichen und therapeutischen Zwecken
erlauben würde.
US-Präsident George W. Bush begrüßte das Abstimmungsergebnis. Es zeige die
allgemeinen Bedenken zu den "weitreichenden moralischen und sozialen Folgen"
des menschlichen Klonens, sagte Bush in Washington. Er halte das menschliche
Klonen "wie der Großteil der Amerikaner" für zutiefst beunruhigend.
(Quellen: afp,rtr)
Bundestag für generelles Klonverbot weltweit
Das Klonen geht auf eine 50-jährige Forschungsgeschichte zurück. Mehr unter:
Telepolis- Klonen-Spezial:
Mehr zum Thema Klonen unter:
Vor 50 Jahren entdeckten James Watson und Francis Crick die Struktur der Erbsubstanz. Mehr unter:
Von der DNA-Helix bis zum Bauplan des Menschen (Chronologie):
Mit Mendel fing es an - Entdeckungen vor der Helix-Ära (Chronologie:
EU-Wunschliste für die Liberalisierung von Dienstleistungen liegt vor
Fr.28.02.03 - Allmählich werden die WTO-Verhandlungen
transparenter. Letzte Woche war durchgesickert, in welchen
Bereichen die Europäische Union freien Handel mit
Dienstleistungen in Europa anbieten will. Jetzt steht die detaillierte
Liste der EU-Forderungen im Internet. Daraus geht hervor, dass die
EU von 109 Mitgliedern der Welthandelsorganisation (WTO)
Liberalisierungen verlangt.
Liberalisierung bedeutet, dass private Unternehmen künftig auch
dort zugelassen werden müssen, wo Dienstleistungen bisher bei
den Kommunen lagen. Theoretisch würden dann alle Bieter gleich
behandelt: Die ausschreibende Kommune müsste den Zuschlag
nach rein wirtschaftlichen Kriterien vergeben. Subventionen, die
bisher öffentlichen Einrichtungen wie Theatern und Schulen
vorbehalten waren, müssten auf alle verteilt werden. Mehr unter:
Liste der EU-Forderungen für die Liberalisierung von Dienstleistungen:
Folter in Spanien
Fr.28.02.03 - "Sie haben uns wie Ratten behandelt", erklärte der
Chefredakteur des Euskaldunon Egunkaria, Martxelo
Otamendi, am Mittwoch im baskischen Anoain vor den Toren
seiner einer Woche zuvor geschlossenen Baskischen
Tageszeitung. Vier der zehn bei der Schließung verhafteten
Journalisten wurden auf Kaution freigelassen. Nach eigenen
Aussagen wurden sie von der spanischen Guardia Civil
während der Kontaktsperre gefoltert. Ihr Sprecher Martxelo
Otamendi berichtete: "Ich wurde geschlagen und mehrfach
wurde bei mir die Tüte angewendet". Dem mitinhaftierten Juan
Mari Torrealdei, ein 60jähriger Jesuitenpfarrer und
Radiojournalist bei Herri Irratia, sei es noch schlimmer
ergangen. Drei Tage lang sei dieser fast "zu Brei" geschlagen
worden. Es müsse"Schluß mit einer Situation" gemacht
werden "wie im Chile unter Pinochet", sagte Otamendi und
dankte den 100 000 Demonstranten, die am vergangenen
Samstag gegen die Schließung seiner Zeitung protestiert
hatten.
Zehntausende Menschen haben vergangenen Samstag (22.02.03)
gegen die von der spanischen Justiz verfügte Schließung der baskischen
Zeitung "Euskaldunon Egunkaria" protestiert. Auf einer Kundgebung
in San Sebastian bezeichneten sie die Maßnahme als eine
Verletzung der Pressefreiheit und einen Angriff des spanischen
Zentralstaates auf die baskische Kultur. Mehr unter
Mehr zur Schliessung der baskischen Tageszeitung "Euskaldunon Egunkaria" unter:
Offenbar weitere Kostenexplosion im Gesundheitswesen
Fr.28.02.03 - Die Kosten im Gesundheitswesen sind trotz der derzeitigen
Sparbemühungen offenbar ungebremst gestiegen. Nach einer internen Berechnung
aus dem Bundesgesundheitsministerium, die der "Leipziger Volkszeitung"
(Freitagausgabe) vorliegt, nahm allein im Januar die Zahl der Arzneiverordnungen um
mehr als fünf Prozentpunkte zu. Bereits 2002 waren die Arzneimittelkosten um 2,2
Milliarden Euro in die Höhe geschossen.
Angesichts dieser Ergebnisse habe Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt
(SPD) den Arzneimittel-Großhandel aufgefordert, die in der
Arzneimittel-Preisverordnung festgelegten Handelsspannen stärker als bisher an die
Apotheken weiterzugeben, schreibt das Blatt. Allein der Großhandel habe
nachweisbar rund 1,2 Milliarden Euro pro Jahr mehr an Handelsspanne erhalten, als
er tatsächlich benötige. Die Kosten hierfür hätten die Endverbraucher, also die
Patientinnen und Patienten, zu tragen.
Mit der vereinbarten gesetzlichen Kürzung der Großhandelsspanne würden von
dieser überhöhten Handelsspanne nunmehr 660 Millionen Euro zur Entlastung der
Beiträge der Krankenversicherung abgeschöpft. Ihr Haus, so die Ministerin, gehe
davon aus, "dass der Großhandel bei der Anpassung der Lieferkonditionen für die
Apotheken in substanziellem Umfang einen eigenen Beitrag leisten wird".
Behauptungen der Apotheker, sie müssten in vollem Umfang die Belastung aus der
gekürzten Großhandelsspanne tragen, seien falsch.
(Quelle: ap)
Überalterung muss Gesundheitswesen nicht bedrohen
Fr.28.02.03 - Die steigende Lebenserwartung und die Überalterung der
Gesellschaft müssen nicht zwangsläufig zum Kollaps des Gesundheitswesens
führen. Der Gerontologe Andreas Kruse sagte am Donnerstag in Stuttgart, viele
chronische Krankheiten, die vor allem im Alter aufträten und das
Gesundheitssystem finanziell erheblich belasteten, könnten durch gezielte
Vorbeugung zeitlich hinausgezögert oder gar verhindert werden. Derzeit leben in
Deutschland 18,8 Millionen Menschen, die 60 Jahre oder älter sind. Das entspricht
23 Prozent der Bevölkerung.
Kruse sagte, eine verbesserte Vorbeugung könne die Ausgabensteigerung im
Gesundheitssystem deutlich beeinflussen. "Dass die Zahl alter und sehr alter
Menschen in unserer Gesellschaft wächst, heißt noch lange nicht, dass auch die
Zahl der chronisch kranken, hilfe- und pflegebedürftiger Menschen in gleichem
Umfang steigt", betonte der Wissenschaftler, der im Auftrag der AOK
Baden-Württemberg ein Gutachten zu diesem Problem erstellt hatte.
Momentan fallen bei älteren Menschen deutlich höhere Gesundheitskosten pro Kopf
an als bei jungen Personen: So sind der Studie zufolge die jährlichen
Behandlungskosten für Menschen über 80 Jahre fast sechs Mal so hoch wie für Kinder bis 14 Jahren, etwa 50
Prozent höher als für 65- bis 69-Jährige und etwa 25 Prozent höher als für 70- bis 74-Jährige. Unabhängig vom Alter
entstehen den Angaben zufolge aber die meisten Gesundheitskosten in den beiden letzten Lebensjahren eines
Menschen.
Diese Ausgaben für Sterbende lägen über den Ausgaben für andere Menschen des gleichen Alters, erklärte Kruse.
Mit wachsendem Lebensalter sinken nach seinen Angaben aber die so genannten Sterbekosten. Die im hohen Alter
notwendigen Gesundheitsausgaben gehen laut Kruse zu einem großen Teil auf chronische Erkrankungen wie
Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes mellitus zurück. Rauchen, zu viel Alkohol, falsche
Ernährung, zu viel Stress und zu wenig Bewegung begünstigten solche Leiden.
Der baden-württembergische AOK-Vorstandschef Roland Sing kündigte vor diesem Hintergrund mehr
Präventionsangebote speziell für ältere Versicherte an: "Unser aller Ziel muss es sein, gesund zu altern."
(Quelle: ap) Mehr unter:
Rürup-Kommission will Pflegeversicherung kippen
Fr.28.02.03 - Die Rürup-Kommission zur Reform der Sozialsysteme will nach einem
Bericht des "Handelsblatts" die gesetzliche Pflegeversicherung abschaffen. So
könne "der Faktor Arbeit um 1,7 Prozentpunkte entlastet" werden, heiße es in
einem Konzept der früheren hessischen Sozialministerin Barbara Stolterfoht (SPD),
die in der Kommission für den Bereich Pflege verantwortlich ist. Der Plan finde in
dem Gremium breite Unterstützung, wie das "Handelsblatt" aus Teilnehmerkreisen
erfahren haben will.
Vor allem Kommissionschef Bert Rürup und arbeitgebernahe Mitglieder
unterstützten das Stolterfoht-Konzept. Die Union prüfe diese Variante
"ergebnisoffen", sagte CDU-Sozialexperte Andreas Storm der Zeitung.
Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) wollte dagegen dazu keine Stellungnahme
abgeben, bevor die Regierungskommission ihre Ergebnisse vorgelegt habe.
Die gesetzliche Pflegeversicherung war 1995 vom damaligen Bundesarbeitsminister
Norbert Blüm (CDU) als fünfte Säule der Sozialversicherung geschaffen worden.
Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen dafür zusammen 1,7 Prozent der Löhne als
Beitrag. Nach Angaben des Sozialministeriums erhalten knapp zwei Millionen
Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Die Lücke zwischen Ausgaben
und Einnahmen steigt von Jahr zu Jahr.
Anstelle der Pflegeversicherung soll nach den Plänen Stolterfohts künftig
grundsätzlich private Vorsorge treten, berichtet das Blatt. Dabei prüft die
Kommission auch die Einführung einer kapitalgedeckten Pflichtversicherung.
Pflegeleistungen aus öffentlichen Kassen soll es aber nur noch für Bedürftige geben.
(Quelle: dpa)
Mehrheit der Deutschen gegen Sparvorschläge für das Gesundheitswesen
Fr.28.02.03 - Die Deutschen wollen nicht mehr als bisher für ihre ärztliche
Versorgung bezahlen. Die meisten Bürger lehnten fast alle zur Zeit diskutierten
Sparvorschläge für das Gesundheitswesen ab. Das ergab eine Umfrage des Instituts
Inra für die "Financial Times Deutschland". Fast einhellige Zustimmung gab es nur
für zwei Reformvorschläge: Über 80 Prozent befürworteten Beitrags-Rabatte für
regelmäßige Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen. Auch sind sie dafür, dass der
Arzt dem Patienten abgerechnete Leistungen quittieren muss. (Quelle: dpa)
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