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+++ Sa.01.03.03, 14:30        zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Blix: Irak bei Abrüstung derzeit sehr aktiv
Frankreich: Von Bagdad angekündigte Zerstörung der El-Samud-2-Raketen sei Zeichen dafür, dass die Waffenkontrollen funktionierten und nicht unterbrochen werden dürften +++ Raketenzerstörung für USA nicht ausreichend +++ Blair ist zuversichtlich, für die US-britische Position eine Mehrheit zu finden.

Sa.01.03.03 - UNO-Chefwaffeninspektor Hans Blix hat Irak eine starke Aktivität bei der Abrüstung bescheinigt. Blix sagte am Freitag weiter, die angekündigte Zerstörung der El-Samud-2-Raketen sei ein wichtiger Abrüstungsschritt.

"Die Iraker sind derzeit sehr aktiv", sagte Blix. "Es ist ein bisschen zu früh, um zu sagen, was das Ergebnis sein wird, aber es gibt eine starke Aktivität." Die USA bekräftigten, mit einer Zerstörung der El-Samud-Raketen habe Irak die UNO-Forderungen längst nicht erfüllt. Dagegen wertete Frankreich das Einlenken Iraks als Zeichen dafür, dass die Waffenkontrollen funktionierten und nicht unterbrochen werden dürften.

Er habe der irakischen Seite am Vorabend einen Brief geschickt und darum gebeten, die Pläne zur Raketenzerstörung zu klären, sagte Blix. Sein Brief sei die Antwort auf ein Schreiben Amer el Saadis, einem Berater des irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Darin hatte sich Irak nach Angaben aus UNO-Kreisen prinzipiell bereit erklärt, die Raketen zu zerstören.

Vertreter Iraks und der UNO trafen sich nach Angaben beider Seiten in dem Golf-Staat, um über die Zerstörung der Raketen zu beraten. Ein Sprecher der UNO-Inspektoren kündigte in Bagdad an, am Samstagmorgen würden Gespräche über technische Details stattfinden und anschließend könne die Zerstörung der Raketen beginnen. Blix hat Irak dafür bis Samstag Zeit gegeben. Die Raketen überschreiten nach UNO-Angaben die Reichweite von 150 Kilometern, die Irak nach dem Golfkrieg 1991 zugestanden wurde.

Die USA und Großbritannien zeigten sich von der Ankündigung Iraks unbeeindruckt. US-Präsident George W. Bush sagte der Zeitung "USA Today", wenn Saddam je die Absicht gehabt hätte abzurüsten, dann hätte er es längst getan. "Wir werden ihn jetzt abrüsten", sagte Bush. Sein Sprecher Ari Fleischer sagte, wenn die USA Krieg führten, dann deshalb, weil Irak weiterhin 26.000 Liter Milzbranderreger, 38.000 Liter des Nervengifts Botulin, 1,5 Tonnen Nervenkampfstoff und 6.500 Chemiebomben besitze.

Der britische Premierminister Tony Blair warf Irak vor, die Welt mit Spielchen hinzuhalten. "Dies ist nicht die Zeit für Spielchen. Er (Saddam) weiß genau, was er tun muss."

Dagegen sah der französische Außenminister Dominique de Villepin in einer Zerstörung der Raketen einen wichtigen Schritt in der Abrüstung Iraks. "Es gibt keinen Grund, die friedliche Entwaffnung Iraks nicht fortzusetzen."

Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte in Brüssel, die Inspektoren müssten nun die Umsetzung der irakischen Ankündigung kontrollieren. Blix müsse seinen Arbeitsplan vorlegen, in dem sehr konkret formuliert werden solle, wie die einzelnen Abrüstungsschritte vorzunehmen seien. Einen solchen Arbeitsplan hatten Frankreich, Deutschland und Russland in einem Memorandum vorgeschlagen, das die Verlängerung der Inspektionen vorsieht.

Die Mehrheit des UNO-Sicherheitsrates lehne es ab, den USA und Großbritannien zu folgen und eine Resolution zum Einsatz von Gewalt gegen Irak zu beschließen, sagte Villepin. "Eine zweite Resolution heute wäre der erste Schritt zum Krieg. Das ist nicht das, was wir wollen und was wir heute brauchen."

Dagegen sagte Blair, er sei zuversichtlich, für die US-britische Position eine Mehrheit zu finden. Bei der Vorlage des Entwurfs am Montag, hatten die USA und Großbritannien erklärt, für die Entscheidung sei zwei Wochen Zeit. Die USA und Großbritannien wollen notfalls auch ohne ein UNO-Mandat Irak mit einem Militärschlag entwaffnen. Sie werfen dem Land vor, gegen die UNO-Abrüstungsauflagen zu verstoßen. Irak bestreitet dies.
(Quelle: rtr)
 


 

Offiziell: Irak beginnt noch am Morgen mit Raketenzerstörung

Sa.01.03.03 - Irak will noch am Samstagmorgen mit der von der UNO geforderten Zerstörung seiner Kurzstreckenraketen vom Typ El Samud 2 beginnen. Die Verschrottung werde nach technischen Beratungen mit den UN-Experten unverzüglich aufgenommen, bestätigte der irakische UN-Verbindungsoffizier, Hossam Mohammad Amin, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. (Quelle: afp)


 

 

Kronzeuge Hussein Kamal, Schwiegersohn von Saddam Hussein

Kamal war zehn Jahre Industrieminister in Bagdad und Chef der irakischen Rüstungsindustrie. Er dient als wichtige Quelle für Vorwürfe gegen den Irak. Kamal hatte nach seiner Flucht nach Jordanien 1995 vor UN-Inspektoren ausgesagt. Über Waffenprogramme, doch auch, dass alle verbotenen Waffen vernichtet worden seien. Dies belegt ein Gesprächsprotokoll, das die "tageszeitung" auszugsweise veröffentlichte. Seine Aussagen werden von den USA und Großbritannien nur einseitig zitiert. Kamal wurde nach seiner Rückkehr in den Irak ermordet.

Sa.01.03.03 - Er war der wichtigste Kronzeuge für die Existenz von Massenvernichtungswaffen, ballistischen Raketen sowie entsprechenden Rüstungsprogrammen im Irak bis zum Golfkrieg von 1991: General Hussein Kamal, Schwiegersohn von Saddam Hussein, von 1985 bis Mitte 1995 Industrieminister in Bagdad und zugleich oberster Chef der irakischen Rüstungsindustrie. Am 7. August 1995 setzte sich Kamal zusammen mit seinem Bruder, Hauptmann Saddam Kamal, nach Jordanien ab. Fünfzehn Tage später packte er in Amman vor den damaligen Chefinspektoren der UNO-Sonderkommission im Irak (Unscom) und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) aus Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/03/01/a0087.nf/text

Kamal bestätigte den Inspektoren, dass Irak bis zum Golfkrieg ein Programm zur Entwicklung von Anthrax und anderen biologischen Waffen betrieb. Bagdad hatte diese Tatsache bis dato gegenüber der Unscom immer hartnäckig bestritten. Mit den Aussagen Kamals konfrontiert, führte die irakische Regierung die Inspektoren wenige Tage später auf eine Hühnerfarm, auf der Dokumente und Belege für das B-Waffenprogramm versteckt waren.

Weiter bestätigte Kamal den Inspektoren auch zahlreiche Einzelheiten über die irakischen Rüstungsprogramme für atomare und chemische Waffen sowie für ballistische Raketen. Wie groß die Bedeutung der Aussagen Kamals für die Arbeit der UNO-Inspektoren war, geht aus ihrem Abschlussbericht an den UNO-Sicherheitsrat vom 25. Januar 1999 hervor. Dort heißt es wörtlich: "Die gesamte Periode der Unscom-Mission von Mai 1991 bis Dezember 1998 gliedert sich in zwei Teile: die Zeit vor der Flucht von General Hussein Kamal im August 1995 und die Zeit danach."

Von den Regierungen der USA und Großbritanniens wird Kamal seit seiner Flucht aus dem Irak und insbesondere in den letzten Monaten immer wieder als wichtigster und glaubwürdiger Zeuge angeführt dafür, dass angeblich bis heute verbotene Waffen und Rüstungsprogramme im Irak existieren. Die IAEO und der Unscom-Nachfolger Unmovic haben dieser Darstellung bislang nie widersprochen.

Dabei verschweigen alle Beteiligten bis heute wesentliche Aussagen, die Kamal im Sommer 1995 ebenfalls gemacht hat. Laut dem Protokoll seiner Unterredung mit den Chefinspekteuren von Unscom und IAEO, das der Tageszeitung (taz) vollständig vorliegt, erklärte Kamal mehrfach ausdrücklich, auf seine Anweisung hin seien sämtliche Rüstungsprogramme, die dem Irak seit Ende des Golfkriegs verboten sind, spätestens 1991 eingestellt und alle bis dato existierenden Waffen und Grundsubstanzen zerstört worden. Die Regierung habe allerdings Baupläne für diverse Waffen, Computerprogramme und Gussformen für Raketen sowie Raketenabschussrampen an geheimen Orten versteckt, um Rüstungsprogramme später wieder aufnehmen zu können.

Mitglieder von Unscom, IAEO und Unmovic liefern auf Nachfrage zwei Erklärungen, warum diese Aussagen Kamals bis heute geheim gehalten wurden: Zum einen sollte Saddam Hussein damals nicht alles erfahren, was Kamal verraten hatte. Man habe gehofft, das Regime so zur Offenlegung weiterer Informationen verleiten zu können. Zum anderen fehlten in vielen Fällen die Dokumentenbelege für die von Kamal behauptete Einstellung von Rüstungsprogrammen und die Zerstörung von Waffen. Der Kronzeuge Kamal kann nicht mehr befragt werden. Einige Monate nach seiner Flucht kehrte er - nach einer Amnestiezusage seines Schwiegervaters - gemeinsam mit seinem Bruder in den Irak zurück. Einen Tag nach ihrer Heimkehr wurden die beiden Männer auf Befehl des Regimes ermordet. Nach der in Bagdad verbreiteten offiziellen Version "durch aufgebrachte Mitglieder ihrer eigenen Familie". (Quelle: taz)
http://www.taz.de/pt/2003/03/01/a0085.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/03/01/a0086.nf/text

 


 


 

Weitere Landungstruppen in Marsch gesetzt

Sa.01.03.03 - Die USA setzen weitere Kampftruppen in Richtung Persischer Golf in Marsch. Wie die US-Armee mitteilte, haben die 2.300 Soldaten der 26. Expeditionseinheit der Marineinfanterie ihren Marschbefehl erhalten. Die Soldaten sind auf schnelle Landungsoperationen mit Hubschraubern spezialisiert. Am Freitag brachen auch Soldaten der 101. Luftlandedivision in Richtung Golf auf. Die Division verfügt über rund 22.000 Soldaten. 275 Kampfhubschrauber und tausende Fahrzeuge wurden schon auf Schiffe verladen. (Quelle: ap)
 


 

US-Liste mit «menschlichen» Zielen für den Angriff auf Irak
Mehr als 2000 Namen umfasst die Liste führender Iraker aus Militär, Geheimdienst, Staatssicherheitsdiensten, Regierung und Familie Saddam Husseins.. Sie wurde von US-Behörden zusammengestellt, darunter der Geheimdienst CIA sowie das Verteidigungs- und Justizministerium.

Sa.01.03.03 - Laut einem Bericht der New York Times, der Mitte der Woche erschien, sind die "menschlichen Ziele" bei einem Angriff auf Irak bereits festgelegt. US-Geheimdienste haben mehr als 2000 Mitglieder der irakischen Elite in drei Kategorien aufgeteilt. Die erste Kategorie umfaßt Personen aus dem Umfeld Saddam Husseins und seiner Regierung. Dazu gehören auch alle Iraker, die "terroristische Handlungen und Gruppen unterstützen", wozu die USA in erster Linie die palästinensischen Gruppen zählen, die mit Terrorangriffen auf den Gewaltkurs der israelischen Regierung in den besetzten Gebieten antworten. Des weiteren werden alle Personengruppen im Irak zur ersten Kategorie gezählt, von denen die US-Geheimdienste erwarten, daß sie nach dem Krieg eine von Washington installierte Regierung bekämpfen könnten. Vielen aus dieser Gruppe könnte wegen "Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit" der Prozeß gemacht werden, heißt es in der NYT, die sich auf einen hohen Regierungsbeamten in Washington beruft.

In "Kategorie zwei" befinden sich alle, die entweder mit Saddam Husseins Regierung in der Vergangenheit kooperiert haben oder sich weigern könnten, mit der von den USA installierten Nachfolgeregierung Iraks zusammenzuarbeiten. In der dritten Gruppe schließlich sind Personen aufgelistet, die nach Einschätzung Washingtons bereit sind, mit den USA zusammenzuarbeiten und deren Wissen für das Funktionieren des Staates nach dem Krieg lebenswichtig ist, egal wie eng sie zuvor mit Saddam zusammengearbeitet haben. (Quellen: jw, sz)
 


 

Kanadischer Premier greift USA wegen Umsturzplänen in Irak an

Sa.01.03.03 - Der kanadische Premierminister Jean Chrétien hat die USA wegen ihrer Pläne zu einem Regierungswechsel in Irak scharf angegriffen. Dies sei ein neues Ziel und entspreche nicht der offiziellen Politik, die vor den Vereinten Nationen verhandelt werde, sagte Chrétien am Freitag (Ortszeit) in einem Fernsehinterview in Mexiko, das in Kanada ausgestrahlt wurde. Er sei "sehr überrascht", dass Washington nun auf einmal den irakischen Präsidenten Saddam Hussein stürzen wolle. Das Ziel eines Regierungswechsel zu verfolgen, habe seiner Auffassung nach "sehr schwere Folgen". "Wer wird der nächste sein?", fragte er. (Quelle: afp)


 

 

Nation-Building: US-Pläne für den «Tag danach» :
Sie ähneln der Nachkriegsordnung in Deutschland.
Exiliraker sollen keine Rolle spielen.
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0302222.htm#03022206
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USA wollen Iraker über Nachfolger von Saddam Hussein bestimmen lassen

Sa.01.03.03 - Die US-Regierung will das irakische Volk über den Nachfolger von Machthaber Saddam Hussein bestimmen lassen. Diese Entscheidung werde nach einem Irak-Krieg nicht von den USA, sondern den Irakern getroffen, sagte Präsidentensprecher Ari Fleischer am Freitag in Washington. Der nächste irakische Staatschef müsse im Zuge eines Prozesses innerhalb und außerhalb Iraks, nicht nur an einem Ort, bestimmt werden. Der Sprecher von US-Präsident George W. Bush äußerte sich zur Entscheidung der seit Mittwoch im nordirakischen Kurdengebiet versammelten irakischen Opposition, eine sechsköpfige kollektive Führung als Kern einer künftigen Regierung für Irak ins Leben zu rufen. "Ich werde nicht sagen, wen wir unterstützen", fügte Fleischer hinzu. (Quelle: afp)
 


 

Oppositionskonferenz bestimmt Führungsrat für Irak nach Saddam

Sa.01.03.03 - Die irakische Opposition rüstet sich für die Zeit nach einem Sturz Saddam Husseins. Zum Abschluss einer Konferenz im Nordirak haben Vertreter der Opposition einen Führungsrat bestimmt, der das Land bis zu freien und demokratischen Wahlen regieren soll. Der Vorsitzende der Patriotischen Union Kurdistans, Dschalal Talabani, sagte, der Führungsrat sollte jedoch nicht als Übergangsregierung betrachtet werden. (dpa)


 

 

Kurden fürchten US-Deal mit Ankara
Sa.01.03.03 - Beim ersten Treffen der gesamten irakischen Opposition im Nordirak werden kaum Fortschritte erzielt. Die Vorstellungen für einen föderalen Irak treten angesichts der türkischen Pläne zur Besetzung des Nordiraks völlig in den Hintergrund. Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/03/01/a0065.nf/text

Treffen der irakischen Opposition in Nordirak
Tiefe Skepsis gegenüber amerikanischen Plänen für eventuelle Nachkriegsordnung in Irak. Eine Amerikanische Besetzung werde nicht funktionieren. Es werde Rebellion geben. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0302230.htm#03022309
 
 

Wie Washington Befürchtungen von Türken und Kurden zerstreuen will. Sondergesandter trifft Oppositionelle in Nordirak

Fr.28.02.03 - Die US-Regierung von George W. Bush hat der im Norden Iraks versammelten irakischen Opposition versprochen, ihre Vertreter schon bald nach dem Krieg an der Macht zu beteiligen. Auch beruhigte der US-Sondergesandte Zalmay Khalilzad die kurdischen Führer, die USA werde keine "unilateralen" Manöver türkischer Truppen zulassen. Gleichzeitig versicherte Washington der Türkei, dass es keine einseitige Autonomie-Erklärung der irakischen Kurden hinnehmen werde.

Zwei Tage hatten der US-Sondergesandte Zalmay Khalilzad mit seinen Sicherheitsbeamten und rund 300 Journalisten an der Grenze zu Irak warten müssen, ehe ihnen die türkische Armee die Ausreise zur ersten Oppositions-Konferenz seit elf Jahren auf irakisch-kurdisches Territorium erlaubte. Dann versuchte der Sondergesandte von George W. Bush in Salahuddin am Mittwoch die Vertreter der Exil-Opposition zu beruhigen. Selbstverständlich solle die irakische Opposition nach einem erfolgreichen Krieg gegen Saddam Hussein "sobald wie möglich" ihre eigenen Angelegenheiten regeln. Und natürlich würden die - "in Koodination" mit den US-Truppen nach Nordirak einrückenden - türkischen Soldaten das heute von den beiden kurdischen Parteien KDP und PUK selbst verwaltete Gebiet mit den GIs auch wieder verlassen. Die Angst vor einer türkischen Invasion, so erklärte Khalilzad dem Führer der Kurdischen Demokratischen Partei, Massud Barsani, sei "überzogen".

Zuvor hatten sich führende Mitglieder des Irakischen Nationalkongresses (INC) enttäuscht über die in der vorigen Woche bekannt gewordenen Nachkriegsszenarien der Regierung Bush geäußert. Vor allem die Pläne für eine auf den Strukturen der regierenden Baath-Partei aufbauende US-Militärregierung hatten irakische Demokraten verbittert. Am Mittwoch sagte Khalilzad dagegen, Washington werde auf einer "De-Baathifizierung" des Landes bestehen. Mit Vertretern der Opposition besetzte Arbeitsgruppen sollen nach dem Sturz von Bagdads Diktator Saddam Hussein mit der US-Militärregierung auf ihre Machtübernahme hinarbeiten. "Keiner von uns will Saddamismus ohne Saddam", sagte Khalilzad unter dem Applaus der 50 Oppositionellen.

"Es gibt eine neue Betonung der Demokratisierung", lobte der zuvor kritische Kanan Makiya vom INC den Auftritt des Bush-Emissärs in Salahuddin. Was Khalilzads Worte für die Kurden Wert sind, dürfte aber erst die Nachkriegsrealität zeigen. Denn wie die Washington Post am Donnerstag berichtete, haben die USA gleichzeitig der Türkei versprochen, dass sie nur eine von allen Irakern beschlossene Föderation zulassen werden, aber keine von den irakischen Kurden einseitig ausgerufene Autonomie. Letztere aber wäre der Kurden einzige Möglichkeit, ihre gegenwärtige Selbstverwaltung zu retten, falls eine politische Einigung zwischen irakischen Sunniten, Schiiten und Kurden in Bagdad scheitern sollte. In jedem Fall werden die Kurden eine Entwaffnung ihrer Milizen verweigern, bis alle türkischen Einheiten aus Irak abgezogen sind. Dagegen scheint die Regierung Bush ausgerechnet den türkischen Truppen die Aufsicht über die Auflösung der kurdischen "Peschmergas" zuweisen zu wollen.
(Frankfurter Rundschau vom 28:02.03)
 
 

Kirkuk und der Kampf ums mesopotamische Öl - Die Türkei will verhindern, daß Kirkuk zur Hauptstadt eines unabhängigen oder föderalen kurdischen Staates im Nordirak wird

Sa.01.03.03 - Eine der blutigsten Schlachten des drohenden Golfkrieges könnte um die Stadt Kirkuk im Nordirak geführt werden. Das 250 Kilometer nördlich von Bagdad noch außerhalb der kurdischen Autonomiezone in der Nähe des Zagros-Gebirges liegende Kirkuk mit rund 900 000 Einwohnern bildet das Zentrum der irakischen Ölindustrie. Die Ölfelder von Kirkuk verfügen über mindestens zehn Milliarden nachgewiesene Barrel Öl. Täglich werden bis zu einer Million Tonnen gefördert. Das ist die Hälfte der gesamten irakischen Ausfuhrmenge. Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/03-01/003.php

 


 


 

Angeblich keine weitere Nato-Hilfe für die Türkei

Sa.01.03.03 - Auf der Truppenstellerkonferenz im belgischen Mons will offenbar kein einziges NATO-Land von sich aus der Türkei Militärhilfe anbieten. Das berichtet die "Frankfurter Rundschau" unter Berufung auf Militärkreise. Vize-Regierungssprecher Hans Langguth bekräftigte die Absage der Bundesregierung an weitere Hilfsleistungen. Der frühere Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, Klaus Naumann, hält die Lieferung zusätzlicher Patriot-Raketen an die Türkei dagegen für kaum vermeidbar.

Deutschland hatte bereits die Lieferung von 46 Patriot-Raketen und den Einsatz von Bundeswehr-Soldaten in AWACS-Radarflugzeugen zum Schutz des türkischen Luftraums zugesagt. Die Regierung sei der Auffassung, dass damit ein angemessener Beitrag zur Sicherung der Türkei im Rahmen der NATO geleistet wurde, sagte Langguth. Die Raketen wurden auf bilateraler Ebene den Niederlanden zu Verfügung gestellt und gemeinsam mit drei niederländischen Patriot-Abwehrsystemen in die Türkei gebracht.

Im militärischen Hauptquartier der NATO in Mons werden am Montag hochrangige Militärvertreter der Bündnispartner zusammenkommen und den Beitrag der NATO zum militärischen Schutz der Türkei festlegen.

Die offizielle NATO-Anfrage war am Mittwoch im Bundesverteidigungsministerium eingegangen. Die vom NATO-Oberkommandierenden Europa, US-General James Jones, vorgelegte Anfrageliste an die Mitgliedsstaaten enthält nach "FR"-Informationen die Anforderung von insgesamt neun Luftabwehrsystemen vom Typ "Patriot". Dies werde den Fokus während der Truppenstellerkonferenz automatisch wieder auf die Deutschen lenken, die über insgesamt 30 komplette Abwehrsysteme verfügten. Außer Deutschland seien lediglich die USA, Griechenland sowie die Niederlande noch imstande, Patriot-Systeme zu liefern.

Auch der frühere Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, Naumann, verwies darauf, dass vor allem Deutschland als Lieferant von weiteren Patriot-Systemen in Frage komme.

Nach türkischen Behördenangaben wurden die drei niederländischen Abwehrsysteme entlang der irakischen Grenze stationiert. Außerdem trafen 300 niederländische Soldaten zur Bedienung der Anlagen in der Türkei ein. (Quelle: afp)
 


 

Protestaktion gegen Krieg: Hungerstreik unter der Weltzeituhr

Sa.01.03.03 - Maik Neuendorf, Annina Burger und Felix Pahl harren Tag und Nacht unter der Weltzeituhr am Berliner Alexanderplatz aus. Seit dem 17. Februar protestieren die drei Kriegsgegner mit einem Hungerstreik gegen den drohenden Angriff auf den Irak. Betreut von Ärzten und Freunden nehmen sie nur Getränke zu sich und sammeln Unterschriften für den Frieden. "Wir wollen mit dieser Aktion öffentlich Druck auf die Bundesregierung machen. Die indirekte Unterstützung des Irak-Kriegs durch AWACS-Flüge und deutsche Spürpanzer muß ein Ende haben", erklärte gegenüber jW der 25jährige Neuendorf. "Die Passanten unterstützen uns mit Spenden und sprechen uns Mut zu." P>Die Aktivisten setzen mit ihrer Aktion die Proteste von zwei mecklenburgischen Schülern fort, die vor der Großdemonstration vom 15.Februar für eine Woche in den Hungerstreik getreten waren. (Quelle: jw)
 


 

Umfrage: 70 Prozent der Franzosen für Veto gegen Irak-Krieg

Sa.01.03.03 - In Frankreich wollen 70 Prozent der Bevölkerung einer Umfrage zufolge, dass ihr Land eine UN-Resolution für einen Krieg gegen Irak per Veto im UN-Sicherheitsrat blockiert. Der Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes CSA für die Tageszeitung "Le Parisien" vom Samstag zufolge waren nur 22 Prozent der telefonisch befragten 1002 Erwachsenen in Frankreich gegen einen Einsatz des französischen Veto-Rechts. 60 Prozent fürchteten demnach, ein möglicher Irak-Krieg werde Terroranschläge in Frankreich nach sich ziehen. (Quelle: afp)


 

 

Kriegskurs der USA spaltet Sicherheitsrat

Sa.01.03.03 - Was Amerikaner von den Gegnern eines Irak-Krieges halten sollten, machte die Boulevardzeitung "New York Post" mit einer Balkenüberschrift klar. "Axis of Weasel" stand auf Seite eins über einem Foto von Gerhard Schröder und Jacques Chirac, die "Achse der Wiesel". Mit dem Namen des kleinsten aller Raubmarder bezeichnet man in Amerika heimtückische Typen, denen niemand über den Weg trauen sollte.

Der Ärger des rechten Blattes ist verständlich. Im Weltsicherheitsrat am New Yorker East River proben "Wiesel" den Aufstand. Frankreich, Deutschland, Russland und China verweigern dem amerikanischen Begehren nach einer Resolution, die einen Krieg gegen den Irak völkerrechtlich legitimieren soll, die Zustimmung.

Tiefer war der Sicherheitsrat nur in Zeiten des Kalten Krieges gespalten, als Nikita Chruschtschow es schaffte, aus Protest mit dem Schuh auf den Tisch zu klopfen. Die Stimmung bei der Irak-Debatte erinnerte am Donnerstag so manchen an die Ausfälle des sowjetischen Parteichefs in den 60er Jahren. Nur dass die Wut sich diesmal auf amerikanischer und britischer Seite staute.

Londons UN-Botschafter Sir Jeremy Greenstock fiel später vor Reportern diplomatische Zurückhaltung sichtlich schwer. Es sei an der Zeit zu begreifen, dass Inspektionen im Irak keinen Sinn hätten. US- Botschafter John Negroponte wischte Reporterfragen mit einer Handbewegung weg und überließ den "Wieseln" das Feld für Erklärungen.

Frankreichs Botschafter Jean-Marc de La Sablière machte den Ernst der Lage klar: Der Sicherheitsrat befinde sich am Scheideweg. Er habe die Frage zu beantworten, ob es wirklich keine Alternative zu einer Militäraktion gegen den Irak gebe. Frankreich, Deutschland und Russland hätten allerdings mit ihrem Memorandum einen friedlichen Weg aufgezeigt.

Besonders an einer Forderung aus dieser gemeinsamen Willenserklärung, auf der auch der deutsche Botschafter Gunter Pleuger beharrte, entzündete sich der Streit: Die UN-Inspekteure sollen sobald wie möglich ein umfassendes und konkretes Arbeitsprogramm für die weitere Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak in den nächsten Wochen und Monaten vorlegen.

Das passt den Befürwortern eines Krieges absolut nicht ins Konzept. Sie gehen davon aus, dass die Inspekteure demnächst abzuziehen sind, damit bis Ende März der Wüstensturm in Richtung Bagdad ohne UN-Behinderung beginnen kann.

Greenstock versuchte die Forderung nach einem Arbeitsprogramm mit dem Hinweis zu blockieren, das Memorandum der Franzosen, Deutschen und Russen sei eine Denkschrift und kein offizieller Antrag. Da meldete sich Wang Jingfan, Pekings Botschafter im Sicherheitsrat, und erklärte, er stelle diesen Antrag nunmehr offiziell im Namen Chinas. Am besten sei es, wenn das Programm zusammen mit dem jüngsten Bericht der Waffeninspekteure vom Rat erörtert werden könne, legte die Memorandum-Seite nach. "Da kam Unruhe auf", sagt ein Teilnehmer der Sitzung.

Obendrein ließ UN-Chefinspekteur Hans Blix wissen, er könne ein detailliertes Programm für die weitere Waffensuche etwa ab dem 6. März vorlegen. Am 7. März sollte nach den bisherigen US-Vorstellungen der neue Blix-Bericht im Sicherheitsrat erörtert werden. Er enthält zwar wiederum deutliche Kritik an Bagdad, bescheinigt dem Irak aber auch, dass er sich langsam in die richtige Richtung bewegt.

Auftrieb bekamen die "Wiesel" durch die Nachricht, dass Bagdad der Zerstörung seiner Al-Samoud-Raketen im Prinzip zugestimmt habe. Die USA wiesen das zwar umgehend als nicht mehr relevant zurück, aber das hatte auch kaum jemand von Washington anders erwartet.

Eine schlechte Nachricht für die Kriegsbefürworter hatten schließlich auch die UN-Botschafter Mexikos und Chiles, Adolfo Aguilar Zinser und Gabriel Valdes, zu verkünden. Ihr Länder würden künftig in enger Abstimmung die Suche nach einer friedlichen Lösung unterstützen. Damit schien sich die Mehrheit - zumindest am ersten Tag der offiziellen Konsultationen über die neue Irak-Resolution - im Lager der "Wiesel" zu befinden. (Quelle: dpa)
 


 


 

Mexikos Stimme im Weltsicherheitsrat ist hart umkämpft

Sa.01.03.03 - Präsident Fox will eigentlich gegen den Irakkrieg sein, doch
Mexikos Zukunft hängt an den Beziehungen zu den USA.

Ein "Nein" kann sich das Land jedoch kaum leisten. Keine Volkswirtschaft ist derart abhängig von den USA, mit denen Mexiko über 80 Prozent seines Außenhandels abwickelt. "Es gibt viele Knöpfe, die Washington drücken kann, um uns zum Schreien zu bringen", schreibt die Analystin Soledad Loeza. Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/03/01/a0064.nf/text


 

 

Mit Geld, Versprechungen und Erpressungen kann die Bush-Regierung bestenfalls einen kurzfristigen Erfolg in der Irak-Frage feiern, ansonsten hinterlässt ihre Politik schon jetzt einen explosiven Scherbenhaufen.

Mehr unter:
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/14290/1.html

 


 


 

Blair betont eigene Rolle im Bündnis mit USA in Irak-Krise
Er bekräftigte seine harte Haltung im Irak-Konflikt und betonte, dass er sich nicht von tagespolitischen Erwägungen leiten lassen wolle: Es gehe darum, sich dem Urteil der Geschichte zu stellen.

Sa.01.03.03 - Der britische Premierminister Tony Blair hat seine harte Haltung im Abrüstungsstreit mit Irak bekräftigt und dabei seine Eigenständigkeit im Bündnis mit den USA betont.

In einem Interview mit dem britischen Blatt "The Guardian" (Samstagausgabe) sagte Blair , er habe sich der Abrüstung Iraks "wahrhaftig verschrieben", unabhängig von der Position der USA. "Falls die Amerikaner das nicht tun würden, würde ich sie zum Handeln drängen", fügte Blair hinzu. Gegen Blairs harte Haltung im Abrüstungskonflikt mit Irak regt sich unter Kriegsskeptikern in dessen eigener Labour-Partei Widerstand. Zudem lehnt die britische Bevölkerung laut Umfragen einen von den USA erwogenen Krieg gegen Irak ohne UNO-Mandat mehrheitlich ab.

Blair sagte vor diesem Hintergrund, er wolle sich bei seinen Entscheidungen nicht von tagespolitischen Erwägungen leiten lassen. Vielmehr gehe es darum, sich dem Urteil der Geschichte zu stellen: "Ich habe niemals behauptet, ich hätte ein Monopol auf die Wahrheit. Aber wenn ich eines auf diesem Posten gelernt habe, dann, dass man immer das Richtige tun sollte und nicht das Einfache", fügte der Premierminister hinzu.

Mit Blick auf die von Deutschland, Russland und Frankreich geforderte Verlängerung der UNO-Inspektionen sagte Blair: "Es ist ja sehr gut zu sagen, lasst uns mehr Inspektionen machen. Aber das führt doch zu nichts."

Die USA und Großbritannien wollen notfalls auch ohne UNO-Mandat Irak mit einem Krieg zur Abrüstung zwingen. Sie werfen dem Land vor, gegen die UNO-Abrüstungsauflagen zu verstoßen. Die beiden Verbündeten streben eine baldige Resolution an, die den Einsatz von Gewalt zur Abrüstung Iraks rechtfertigen soll. (Quelle: rtr)


 

 

Massenmeuterei gegen Blair

Zehntausende verlassen die Labour Party aus Protest gegen Kriegskurs

Fr.28.02.03 - Der britischen Labour Party laufen die Mitglieder davon. Der Irak-Krieg, dem ihr Vorsitzender und Regierungschef Tony Blair zustrebt, treibt Zehntausende dazu, die Parteibücher zurückzugeben. Im Unterhaus haben bereits 122 Labour-Abgeordnete gegen Blairs Irak-Politik rebelliert. Auch im Kabinett mehren sich Anzeichen wachsender Absetzung.

Die Entscheidung Blairs, mit US-Präsident George W. Bush das Tempo für einen Angriff auf Irak zu forcieren, kommt die britische Regierungspartei teuer zu stehen. Die spektakuläre Rebellion vom Mittwoch, bei der knapp ein Drittel der Fraktion dem Premier die Gefolgschaft versagte, war der bisher deutlichste Ausdruck der Krise, in die Labour geraten ist. Fahle Ministergesichter zeugten vom Überraschungseffekt des parlamentarischen Aufstands gegen Blair - eine so eindrucksvolle kollektive Unmutsäußerung hatte im Regierungslager keiner erwartet.

Am Donnerstag versuchten Blair-Gefolgsleute die Signalwirkung der massivsten Unterhaus-Rebellion seit Jahrzehnten zu relativieren. Die Zahl der Rebellen, meinten sie, sei nur deshalb so hoch ausgefallen, weil Labour über eine ungewöhnlich starke Fraktion (412 Abgeordnete) verfüge; die Betreffenden hätten sich zur Rebellion verleiten lassen, weil sie wussten, dass die konservative Opposition eh für Blairs Version stimmen würde, dass die Beweise für einen Krieg gegen Irak ausreichten; und insgesamt habe der Premier mit 434 Stimmen immer noch eine gewaltige Mehrheit für seine Position erhalten.

Doch derlei Erklärungen verdecken kaum die Nervosität, die die Labour-Führung ergriffen hat. Erstmals seit Blairs Amtsantritt 1997 ging am Mittwochabend der Kreis der Rebellen weit über das Lager der Parteilinken und eingefleischten Kriegsgegner hinaus. Dutzende von Abgeordneten, die bislang loyal zu Blair standen, verweigerten ihm die Gefolgschaft. Zahlreiche ihrer Kollegen stimmten nur für Blair, da sie die weitere Entwicklung abwarten wollen und eine erneuten Abstimmung vor Kriegsbeginn erwarten.

Von ihren Mitgliedern in den einzelnen Wahlkreisen jedenfalls, mit denen sie in engem Kontakt stehen, sind die Abgeordneten schon kräftig ins Gebet genommen worden. Die Parteibasis stellt sich, wie alle Umfragen belegen, vehement gegen ein britisch-amerikanisches "Privatunternehmen" am Golf. Zehntausende haben bereits aus Protest die Parteimitgliedschaft aufgekündigt, Ungezählte weitere wollen im Falle eines britischen Kriegseintritts die Partei verlassen. Abgeordneten ist angedroht worden, dass sie nicht mit erneuter Aufstellung für die nächste Unterhaus-Wahl rechnen können, so sie den Willen der Basis ignorieren.

Bis hinein ins Kabinett reichen indes die Spannungen, die Labour in wachsendem Maße zu schaffen machen. Nur ein neues UN-Mandat, mahnen Minister, könne den Zusammenhalt der Regierung und der Partei garantieren. Einige Kabinettsmitglieder wie Entwicklungsministerin Clare Short und Parlamentsminister Robin Cook haben angeblich schon Rücktrittsabsichten geäußert, falls London Washington in einen Krieg ohne zweite UN-Resolution folgen würde.
(Frankfurter Rundschau vom 28.02.03)

 


 


 

Studenten aus Irak und den USA in Live-Diskussion

Sa.01.03.03 - Eine Premiere der besonderen Art bescherte der populäre arabische Satellitensender Al Dschasira vor wenigen Tagen den Studierenden der Bagdad-Universität. In einer Live-Schaltung mit der George- Mason-Universität in Washington D.C. konnten die jungen Leute 90 Minuten lang mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Zentrum für Globale Erziehung in Washington diskutieren. Die US-Fernsehgesellschaften CNN und BBC hatten nach Bitte um Organisatoren die Anfrage auf eine Live-Übertragung abgelehnt. Themen der bisher für den Irak einmaligen Veranstaltung waren der drohende Krieg, die unterschiedlichen politischen Systeme sowie die Frage, ob es Wege gibt, sich jenseits der großen Politik einander anzunähern. (Quelle: jw) Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/03-01/004.php
 


 

Araber einigen sich auf «Anti-Kriegsresolution»

Sa.01.03.03 - Die arabischen Außenminister haben sich kurz vor Beginn des Gipfels der Arabischen Liga auf eine Resolution gegen einen Irak- Krieg geeinigt. "Der Beschluss ist einstimmig gefallen und wird den Staatschefs vorgelegt", sagte der Generalsekretär der Liga, Amre Mussa, im ägyptischen Scharm el Scheich. Die arabischen Staaten wollen den Irak heute bei ihrem Gipfel auffordern, einen Angriff durch eine umfassende Kooperation mit den UN-Waffeninspekteuren zu verhindern. (Quelle: dpa)


 

 

Immer mehr Internet-Seiten parodieren die amerikanische Regierung. Mehr unter:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/222899.html
http://whitehouse.org


 


 


 

US-Regierung drängt Zyprer zu Annahme von UN-Friedensplan

Sa.01.03.03 - Die US-Regierung hat die Führer der beiden Volksgruppen auf Zypern zur Annahme des UN-Friedensplans gedrängt. Die Demonstrationen türkischer Zyprer für die Wiedervereinigung zeigten, dass "viele Zyprer inbrünstig" eine Lösung wollten, sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher am Freitag. "Eine solche Gelegenheit kommt vielleicht nicht wieder." Der UN-Plan sei eine "gerechte, verlässliche und dauerhafte Lösung" für die 29 Jahre währende Teilung der Mittelmeerinsel. Der türkische Volksgruppenführer Rauf Denktasch hatte sich zuvor gegen den vorliegenden Friedensplan ausgesprochen. (Quelle: afp)


 

 

Mehr zum Thema Zypern-Frage unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/k0211210.htm#zypernfrage

 


 


 

EU-Konvent in der Krise

Sa.01.03.03 - 1087 Änderungsanträge haben die Mitglieder des Konvents zu den 16 Verfassungsartikeln eingebracht, die bisher von Giscard dEstaing vorgelegt wurden. Wie man damit umgehen soll, weiß keiner. Und auch eine Antwort auf die Forderung der Osteuropäer nach mehr Mitsprache fehlt bisher. Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/03/01/a0094.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/03/01/a0099.nf/text


 

 

Die ersten 16 Artikel der geplanten EU-Verfassung beschreiben die Werte und Ziele der Union, machen die am Gipfel von Nizza bloss proklamierte Grundrechte-Charta zum integralen Bestandteil der Verfassung, definieren die Unionsbürgerschaft und benennen die Zuständigkeiten der Union. Unterschieden wird zwischen ausschliesslichen Kompetenzen der Union und solchen, die sie mit den Mitgliedstaaten teilt. Schliesslich kann die Union dort, wo nur die Mitgliedstaaten kompetent sind, koordinierend, ergänzend oder unterstützend tätig werden.

Nach dem Entwurf verfügt die Union über "die Zuständigkeit für die Erarbeitung und Verwirklichung einer gemeinsamen Aussen- und Sicherheitspolitik (Gasp) einschliesslich der schrittweise zu erfolgenden Festlegung einer gemeinsamen Verteidigungspolitik". Die Mitgliedstaaten, hält der Entwurf fest, unterstützen die Gasp "aktiv und vorbehaltlos im Geiste der Loyalität und der gegenseitigen Solidarität. Sie enthalten sich jeder Handlung, die den Interessen der Union zuwiderläuft oder ihrer Wirksamkeit schaden könnte". Der vorgeschlagene Text geht nicht über das hinaus, was schon seit "Maastricht" (1992) im Vertrag über die Europäische Union steht. Das nicht erst im Irak-Konflikt beobachtete, aber hier besonders eklatante Unvermögen der EU, geschlossen aufzutreten, stellte der Konventspräsident Giscard d'Estaing Anfang Februar fest, sei eben nicht auf einen Mangel an Zuständigkeiten der EU zurückzuführen. Vielmehr fehle es bei den verantwortlichen Politikern am politischen Willen, ihre nationalen Reflexe einem gemeinschaftlichen Ansatz zu unterordnen. Allein zuständig ist die Union wie bisher für die Gewährleistung des freien Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs, für die Wettbewerbs- und die Währungspolitik und für die Zollunion. Nach den Vorstellungen des Präsidiums soll die exklusive Unionsverantwortung für die Handelspolitik neu auch die Dienstleistungen erfassen. Bis jetzt hatte insbesondere Frankreich bei den kulturellen und audiovisuellen Dienstleistungen wegen der von ihm beanspruchten "exception culturelle" kompromisslos auf der gemischten Zuständigkeit der Gemeinschaft und ihrer Mitgliedstaaten beharrt.

An den übrigen bisher gemeinsam ausgeübten Zuständigkeiten, wie Binnenmarkt-, Agrar- oder Umweltpolitik und Fragen des grenzüberschreitenden Verkehrs ändert der Entwurf nichts. Neu in diese Kategorie wird aber die bisher national geregelte Energiepolitik aufgenommen, wobei die Zuordnung der Nuklearenergie noch unklar ist. Überall, wo die EU nicht allein zuständig ist, hat sie strikt das Subsidiaritätsprinzip zu beachten. Künftig können nationale Parlamente schon während des Rechtsetzungsverfahrens eingreifen, wenn sie der Ansicht sind, Brüssel trage dem Prinzip nicht Rechnung. Eine Flexibilitätsklausel ermöglicht die Übertragung neuer Zuständigkeiten an die Union, sofern die Mitgliedstaaten einen Antrag der Kommission einstimmig gutheissen. (Quelle: nzz)
 

CHARTA DER GRUNDRECHTE DER EUROPÄISCHEN UNION
proklamiert in Nizza am 07. Dezember 2000 (2000/C 364/01).
http://www.datenschutz-berlin.de/recht/eu/ggebung/charta.htm
 

EUROPÄISCHE MENSCHENRECHTSKONVENTION
Rome, 4 of November 1950
http://enterprise.rz.uni-potsdam.de/u/mrz/coe/emrk.htm

 


 


 

Schüssel regiert in Österreich wieder mit rechter FPÖ
Erweiterung der Europäischen Union eines der wichtigsten Themen der
neuen Regierung. Steuersenkungen und Entlastungen niedriger Einkommen
in Aussicht gestellt.

Sa.01.03.03 - In Österreich hat die Mitte-Rechts-Regierung von ÖVP und FPÖ am Freitag ihre zweite Amtszeit angetreten.

Nach der Niederlage bei der Wahl vor drei Monaten stellt die rechtspopulistische FPÖ im neuen Kabinett von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel weniger Minister als zuvor. Die zweite Auflage der ÖVP-FPÖ-Regierung hat auch im Parlament eine knappere Mehrheit, nachdem die FPÖ bei der Wahl fast zwei Drittel ihrer Stimmen verloren hatte. Ihre Mehrheit ist nur durch fünf Mandate abgesichert.

Am gleichen Tag, an dem sich die Parteien über den Koalitionspakt geeinigt hatten, wurde das neue Kabinett von Bundespräsident Thomas Klestil vereidigt. Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (ÖVP) blieben im Amt.

Vizekanzler der neuen Regierung wurde FPÖ-Parteichef Herbert Haupt, der weiter das Sozialminiterium leitet. Neu im Kabinett ist die Schwester des früheren FPÖ-Chefs Jörg Haider, Ursula Haubner, die Haupt als Staatssekretärin in sein Ministerium holte. Der Kärntner Haupt gilt als enger Vertrauter Haiders.

Die erste Regierung von ÖVP und FPÖ war im vergangenen September ein Jahr vor dem Ende der Legislaturperiode geplatzt, nachdem die damalige Vizekanzlerin Susanne Ries-Passer (FPÖ) nach einem Machtkampf mit Haider zurückgetreten war.

Die konservative ÖVP entsendet acht Minister in die Regierung, und dazu Grasser, der aus der FPÖ austrat und in Schüssels Team wechselte. Grasser ist aber nicht ÖVP-Mitglied. Das Verteidigungsministerium, das zuvor ein FPÖ-Politiker geleitet hatte, übernahm die ÖVP. Vertreter der FPÖ erhielten drei Ministerien. Von ÖVP und FPÖ wurden jeweils drei Staatssekretäre nominiert.

Kanzler Schüssel nannte die Erweiterung der Europäischen Union (EU) als eines der wichtigsten Themen der neuen Regierung. "Das ist eine historische Chance für Österreich, die wir nutzen wollen und nutzen können", sagte er. Für die Jahre 2004 und 2005 stellte er Steuersenkungen in Aussicht. Dabei solle mit der Entlastung niedriger Einkommen begonnen werden. Österreich hat mit 46 Prozent die höchste Steuer- und Abgabenquote in der EU.

Die Einigung über ein neues Regierungsbündnis gelang mehr als drei Monate nach der Parlamentswahl. Es war die drittlängste Regierungsbildung seit 1945. Nur 1963 und nach der Parlamentswahl im Jahre 1999 war mehr Zeit zwischen der Wahl und dem Amtsantritt der Regierung vergangen.

Die Wahlsiegerin ÖVP hatte am 24. November mehr als 42 Prozent der Stimmen erhalten und verhandelte zunächst mit den Sozialdemokraten (SPÖ) und den Grünen über eine Koalition. Mit der FPÖ gelang der Abschluss des Koalitionspaktes in weniger als einer Woche. (Quelle:rtr)


 

 

Schwarz-Blau statt Blau-Schwarz? Mehr unter:
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/14295/1.html

 


 


 

Deutschland: Angeblich Konjunkturprogramm von zehn Milliarden geplant
Das Geld soll Städten und Gemeinden zweckgebunden für Vorhaben wie
den Bau von Wohnungen oder Kinderkrippen zu Verfügung stehen.

Sa.01.03.03 - Die Bundesregierung will nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" im Frühjahr ein Konjunkturprogramm für die Kommunen und den Mittelstand von bis zu zehn Milliarden Euro auflegen.

Unter Berufung auf Regierungskreise berichtete die Zeitung am Freitag vorab, das Geld werde voraussichtlich über die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau auf dem Kapitalmarkt aufgenommen. Der Bund würde nur für die Zinsen aufkommen. Städte und Gemeinden müssten das Geld zweckgebunden für Vorhaben wie den Bau von Wohnungen oder Kinderkrippen ausgeben. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe sich mit Finanzminister Hans Eichel (SPD) und den zuständigen Fachministern über die Grundzüge des Programms verständigt und werde Details möglicherweise in seiner Regierungserklärung am 14. März bekannt geben. Ein Regierungssprecher bekräftigte dazu auf Anfrage, die Gespräche zwischen den Ressorts liefen noch. Festlegungen über Umfang und Instrumente für die Hilfen gebe es weiterhin nicht.

Nach Angaben aus Regierungskreisen ließ sich Schröder jüngst von Eichel über den Stand der Diskussionen berichten. Weitere Gespräche Schröders mit anderen Beteiligten stünden an, hieß es.

Die Bundesregierung prüft derzeit zusätzliche Hilfen an die Kommunen, um diesen mehr Investitionen zu ermöglichen. Davon erhofft sich die Regierung auch zusätzliche Impulse für die schwache Konjunktur und damit für die Beschäftigung. Die Diskussionen laufen schwerpunktmäßig in und zwischen den Ministerien für Finanzen, Bau und Verkehr sowie Wirtschaft und Arbeit.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hatte ein Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro genannt, um ein solches Programm, das mit Strukturreformen verbunden werden sollte, wirksam zu machen. Von Gewerkschaftsseite war sogar ein Sofortprogramm von 20 Milliarden Euro gefordert worden. "Alle Beträge, die Sie derzeit lesen, gehen an der Sache vorbei", sagte dazu ein Regierungsvertreter.

Die Regierung wolle weder die verbliebenen Mittel aus dem Fluthilfefonds noch die kalkulierten Einnahmen aus den umstrittenen Steuergesetzen und der Amnestie für Schwarzgeldsünder einsetzen, hieß es in der "Süddeutschen Zeitung" weiter.

In Regierungkreisen hieß es, die Instrumente einer solchen Hilfe, mit der die kommunalen Investitionen verstetigt werden sollten, seien noch offen. Möglich seien Zinsverbilligungen, um Kommunen mehr Investitionen zu erlauben, aber auch die Streichung oder Kürzung der den Gemeinden abverlangten Mitfinanzierungsanteile bei Investitionen und schließlich auch direkte Hilfen. (Quelle: rtr)
 


 

Westerwelle fordert Entmachtung von Gewerkschaftsfunktionären
Der FDP-Chef fordert Thatcherismus für Deutschland.

Sa.01.03.03 -FDP-Chef Guido Westerwelle hat eine Entmachtung der Gewerkschaften nach dem Beispiel Großbritanniens gefordert. "Wir müssen uns bei der Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher zum Vorbild nehmen", sagte Westerwelle der "Bild am Sonntag". Auch die als "Eiserne Lady" berüchtigte Regierungschefin habe "sicherlich" Fehler gemacht. Ihre große Leistung sei aber gewesen, den damaligen britischen Gewerkschaftsführer Arthur Scargill "auf seine reale Bedeutung zurechtzustutzen", sagte Westerwelle. "Das war die Voraussetzung für den enormen Wohlstandszuwachs und die Halbierung der Arbeitslosigkeit in Großbritannien." (Quelle: afp)
 


 

Industrie verlangt längere Arbeitszeiten
BDI-Päsident Michael Rogowski verlangt Beseitigung des Flächentarifvertrags. Arbeitnehmer sollten künftig auf tarifliche Ansprüche verzichten können. Recht auf Teilzeit solle gestrichen werden.

Sa.01.03.03 - Zwei Tage vor dem Spitzentreffen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit Vertretern der Wirtschaft und der Gewerkschaften über Reformen und Wege aus der Beschäftigungsmisere hat BDI-Päsident Michael Rogowski drastische Reformen am Arbeitsmarkt verlangt. "Die Regulierungsdichte ist viel zu stark, diese Fesseln müssen gesprengt werden", sagte er im Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Rogowski sprach sich dafür aus, zur Verbesserung der Wettbewerbssituation deutscher Firmen die Arbeitszeiten zu verlängern. Betriebliche Arbeits-Bündnisse zur Sicherung von Stellen sollten erleichtert werden. Dazu gehöre die "Beseitigung des Monopols vom Flächentarifvertrag". Arbeitnehmer sollten künftig auf tarifliche Ansprüche verzichten können, wenn der Erhalt des Arbeitsplatzes garantiert werde. Das Recht auf Teilzeit solle ersatzlos gestrichen werden, so Rogowski. (Quelle: blz)
 


 

Studie: Arme Kinder haben kaum Chancen auf Aufstieg
Arbeiterwohlfahrt stellte Studie zur Kinderarmut. Situation der beobachteten Kinder und Familien habe sich bis auf wenige Ausnahmen weiter verschärft

Sa.01.03.03 - Kinder, die heute in Armut leben, bleiben arm, und auch ihre Kinder werden arm sein. Das geht aus der neuesten Studie der Arbeiterwohlfahrt (AWO) über Kinderarmut in Deutschland hervor. Aus dem Kreislauf von Armut durch Einkommensbenachteiligung und verminderten Bildungschancen für die Nachkommen ist demnach nur schwer zu entkommen. "Armut wächst mit", erklärte AWO-Bundesvorsitzender Manfred Ragati bei der Vorstellung der Studie mit dem Titel "Armut im frühen Grundschulalter" am Donnerstag in Berlin. Die Situation der beobachteten Kinder und Familien habe sich bis auf wenige Ausnahmen weiter verschärft, aus den Einzelgängern, die arme Kinder häufig bereits im Kindergarten waren, seien in der Grundschule soziale Außenseiter geworden: "Sie können mit Gleichaltrigen nicht ins Kino oder Schwimmbad gehen und werden seltener zu Hause besucht". Generell seien auch die Bildungschancen armer Kinder schlechter, was in der PISA-Studie belegt worden sei, sagte Ragati.

Bereits in einer ersten repräsentativen Untersuchung im Jahr 2000 hatte das Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik im Auftrag der AWO belegt, daß Kinderarmut in Deutschland eine Massenerscheinung ist. In der jetzt veröffentlichten Vertiefungsstudie wurden benachteiligte Familien und deren Kinder über einen Zeitraum von drei Jahren beobachtet, befragt und bis ins Vorschulalter begleitet.

Zwei Untersuchungsergebnisse seien besonders auffällig: "Kinder aus fortgesetzt armen Familien haben nicht nur größere Schulprobleme, sie werden zum Teil auch später eingeschult. Die Bildungskrise in Deutschland ist zuallererst ein sozialpolitischer Skandal", erklärte Ragati. Benachteiligte Kinder seien auch in höherem Maße gesundheitlich beeinträchtigt. "Allein diese Feststellung erscheint noch einmal in einem besonderen Licht im Zusammenhang mit der Debatte um höhere Eigenanteile der Krankenversicherten", so der AWO-Bundesvorsitzende. "Weitere Eigenbeteiligungen bedeuten auch, armen Kindern mehr gesundheitliche Risiken aufzubürden".

Als Konsequenz des Berichts fordert die AWO unter anderem die Akzeptanz realistischer Familienmodelle. Die Vielzahl von Familienformen heute habe mit der bürgerlichen "Maßfamilie" des 19. Jahrhunderts nur noch wenig zu tun. Gleichwohl seien Steuerrecht und staatliche Hilfestrukturen nach wie vor daran ausgerichtet. Zudem fehle es an flexibleren Beschäftigungsangeboten besonders für Alleinerziehende. Dort, wo Alleinerziehenden der Wiedereinstieg in den Beruf geglückt ist, habe sich auch die Lebenssituation der Kinder verbessert. Dies müsse durch ausreichende Angebote der Kinderbetreuung ergänzt werden. Nötig seien ferner spezielle Förderangebote gerade für schulisch benachteiligte arme Kinder. Des weiteren fordert die AWO die Entlastung von Familien mit Kindern bei der Sozialversicherung sowie eine Grundsicherung durch eine stärker einkommensabhängige Kinder- und Familienförderung. (Quelle: jw/ots)
 


 

Halberstadt: Aufführung von Cages.Orgelwerk «As slow as possible»
Gestern Abend wurde der erste Akkord angestimmt.

Sa.01.03.03 - Gestern wurde in der St.-Buchardi-Kirche zu Halberstadt der erste Ton der experimentellen Komposition "As slow as possible" ("So langsam wie möglich") angeschlagen. Das Werk des 1992 verstorbenen Ambient-Komponisten John Cage nimmt den Titel wörtlich: Seit am 5. September 2001 Motor und Blasebalg der Kirchenorgel eingeschaltet wurden, war Stille. Dem ersten E-Dur-Akkord lauschten unter anderem Christina Weiss, Staatsministerin für Kultur und Medien, der Biologe Jens Reich und der Schriftsteller und Regisseur Alexander Kluge.

Die ehrgeizige Aufführung kommt auf Betreiben der in Halberstadt ansässigen John-Cage-Orgelstiftung, wo auch eine Cage-Akademie geplant ist, zustande. Sie wurde gestern von Performances und Lesungen begleitet. (Quelle: taz)
http://www.taz.de/pt/2003/03/01/a0008.nf/text


 

 

Organ2/ASLSP

Orgelmusik für 639 Jahre: Das Cage-Projekt von Halberstadt

639 Jahre lang wird eine im September begonnene Aufführung der Orgelkomposition "Organ2/ASLSP" von John Cage dauern - auf einer noch zu bauenden Orgel. 639 Jahre für ein ursprünglich 20-minütiges Klavierstück. Eine Projektgruppe "John Cage in Halberstadt" bestehend aus Musikwissenschaftlern, Musikern und einem Orgelbauer, hat diese Zahl festgelegt: So lange muss - nichts anderes verbirgt sich hinter ASLSP (as slow as possible: so langsam wie möglich) - das Stück in der Halberstädter Variante dauern.

Die Zahl 639 ist das Ergebnis einer historischen Addition: Im Jahre 1361 wurde im Halberstädter Dom eine der berühmtesten Blockwerksorgeln Deutschlands aufgestellt. Die Orgel existiert nicht mehr, aber die Erinnerung daran.

Und so zählte man von 1361 bis heute 639 Jahre und beschloss im September 1998 die Aufführungsdauer von "So lange wie möglich" an dieser Summe auszurichten.

Als am 5. September, dem 88. Geburtstag des 1992 verstorbenen John Cage, mit dem Bau der eigens für dieses Werk vorgesehen Orgel begonnen wurde, gehörte dies schon zur Aufführung des Werkes "Organ2/ASLSP". Ganz im Sinne des Komponisten werden die Bau- und Umgebungsgeräusche die nun beginnende Ton-Pause - eine zweijährige, gewissermassen auftaktige Stille, in der die Orgel gebaut wird - dennoch mit Klang füllen. Fein säuberlich wird von diesem Tag an die Partitur John Cages millimeter genau ausgemessen und nach diesen Messungen gespielt.

Der erste Akkord (müsste) folgerichtig am 5. Septmber 2002 auf der bis dahin existierenden Orgel angeschlagen (werden). Mit Gewichten belastet werden die drei Tasten lange Zeit niedergehalten bleiben. Nach genauen Berechnungen gesellen sich etwa eineinhalb Jahre nach dem ersten Erklingen zwei Töne einer Oktave hinzu. Und so fort. "So langsam wie möglich, ist so langsam man denken kann", sagt Daniela Philippi aus der Projektgruppe.Und sie zieht zum Vergleich das Erlebnis des Bauens einer Kirche heran: "Die Menschen haben auch über Jahrhunderte kein Ergebnis gesehen und trotzdem am Bau teilgenommen."

Quelle: SZ v. 09.09.2000

John Cage in Halberstadt.
Ein Kunst-Projekt ORGAN2/ASLSP von John Cage
in St. Burchardi zu Halberstadt. Mehr unter:
http://www.john-cage.halberstadt.de/

 


 
 
 
 

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