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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Sa.01.03.03, 14:30 Blix: Irak bei Abrüstung derzeit sehr aktiv
Sa.01.03.03 - UNO-Chefwaffeninspektor Hans Blix hat Irak eine starke Aktivität bei
der Abrüstung bescheinigt. Blix sagte am Freitag weiter, die angekündigte Zerstörung
der El-Samud-2-Raketen sei ein wichtiger Abrüstungsschritt.
"Die Iraker sind derzeit sehr aktiv", sagte Blix. "Es ist ein bisschen zu früh, um zu
sagen, was das Ergebnis sein wird, aber es gibt eine starke Aktivität." Die USA
bekräftigten, mit einer Zerstörung der El-Samud-Raketen habe Irak die
UNO-Forderungen längst nicht erfüllt. Dagegen wertete Frankreich das Einlenken
Iraks als Zeichen dafür, dass die Waffenkontrollen funktionierten und nicht
unterbrochen werden dürften.
Er habe der irakischen Seite am Vorabend einen Brief geschickt und darum
gebeten, die Pläne zur Raketenzerstörung zu klären, sagte Blix. Sein Brief sei die
Antwort auf ein Schreiben Amer el Saadis, einem Berater des irakischen
Präsidenten Saddam Hussein. Darin hatte sich Irak nach Angaben aus
UNO-Kreisen prinzipiell bereit erklärt, die Raketen zu zerstören.
Vertreter Iraks und der UNO trafen sich nach Angaben beider Seiten in dem
Golf-Staat, um über die Zerstörung der Raketen zu beraten. Ein Sprecher der
UNO-Inspektoren kündigte in Bagdad an, am Samstagmorgen würden Gespräche
über technische Details stattfinden und anschließend könne die Zerstörung der
Raketen beginnen. Blix hat Irak dafür bis Samstag Zeit gegeben. Die Raketen
überschreiten nach UNO-Angaben die Reichweite von 150 Kilometern, die Irak
nach dem Golfkrieg 1991 zugestanden wurde.
Die USA und Großbritannien zeigten sich von der Ankündigung Iraks unbeeindruckt. US-Präsident George W. Bush
sagte der Zeitung "USA Today", wenn Saddam je die Absicht gehabt hätte abzurüsten, dann hätte er es längst getan.
"Wir werden ihn jetzt abrüsten", sagte Bush. Sein Sprecher Ari Fleischer sagte, wenn die USA Krieg führten, dann
deshalb, weil Irak weiterhin 26.000 Liter Milzbranderreger, 38.000 Liter des Nervengifts Botulin, 1,5 Tonnen
Nervenkampfstoff und 6.500 Chemiebomben besitze.
Der britische Premierminister Tony Blair warf Irak vor, die Welt mit Spielchen hinzuhalten. "Dies ist nicht die Zeit für
Spielchen. Er (Saddam) weiß genau, was er tun muss."
Dagegen sah der französische Außenminister Dominique de Villepin in einer Zerstörung der Raketen einen wichtigen
Schritt in der Abrüstung Iraks. "Es gibt keinen Grund, die friedliche Entwaffnung Iraks nicht fortzusetzen."
Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte in Brüssel, die Inspektoren müssten nun die Umsetzung der irakischen
Ankündigung kontrollieren. Blix müsse seinen Arbeitsplan vorlegen, in dem sehr konkret formuliert werden solle, wie
die einzelnen Abrüstungsschritte vorzunehmen seien. Einen solchen Arbeitsplan hatten Frankreich, Deutschland und
Russland in einem Memorandum vorgeschlagen, das die Verlängerung der Inspektionen vorsieht.
Die Mehrheit des UNO-Sicherheitsrates lehne es ab, den USA und Großbritannien zu folgen und eine Resolution zum
Einsatz von Gewalt gegen Irak zu beschließen, sagte Villepin. "Eine zweite Resolution heute wäre der erste Schritt
zum Krieg. Das ist nicht das, was wir wollen und was wir heute brauchen."
Dagegen sagte Blair, er sei zuversichtlich, für die US-britische Position eine Mehrheit zu finden. Bei der Vorlage des
Entwurfs am Montag, hatten die USA und Großbritannien erklärt, für die Entscheidung sei zwei Wochen Zeit. Die
USA und Großbritannien wollen notfalls auch ohne ein UNO-Mandat Irak mit einem Militärschlag entwaffnen. Sie
werfen dem Land vor, gegen die UNO-Abrüstungsauflagen zu verstoßen. Irak bestreitet dies.
Offiziell: Irak beginnt noch am Morgen mit Raketenzerstörung
Sa.01.03.03 - Irak will noch am Samstagmorgen mit der von der UNO geforderten
Zerstörung seiner Kurzstreckenraketen vom Typ El Samud 2 beginnen. Die
Verschrottung werde nach technischen Beratungen mit den UN-Experten
unverzüglich aufgenommen, bestätigte der irakische UN-Verbindungsoffizier,
Hossam Mohammad Amin, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. (Quelle: afp)
Kronzeuge Hussein Kamal, Schwiegersohn von Saddam Hussein
Kamal war zehn Jahre Industrieminister in Bagdad und Chef der irakischen Rüstungsindustrie.
Er dient als wichtige Quelle für Vorwürfe gegen den Irak.
Kamal hatte nach seiner Flucht nach Jordanien 1995 vor UN-Inspektoren ausgesagt.
Über Waffenprogramme, doch auch, dass alle verbotenen Waffen vernichtet worden seien.
Dies belegt ein Gesprächsprotokoll, das die "tageszeitung" auszugsweise veröffentlichte.
Seine Aussagen werden von den USA und Großbritannien nur einseitig zitiert.
Kamal wurde nach seiner Rückkehr in den Irak ermordet.
Sa.01.03.03 - Er war der wichtigste Kronzeuge für die Existenz von
Massenvernichtungswaffen, ballistischen Raketen sowie
entsprechenden Rüstungsprogrammen im Irak bis zum Golfkrieg
von 1991: General Hussein Kamal, Schwiegersohn von Saddam
Hussein, von 1985 bis Mitte 1995 Industrieminister in Bagdad und
zugleich oberster Chef der irakischen Rüstungsindustrie. Am 7.
August 1995 setzte sich Kamal zusammen mit seinem Bruder,
Hauptmann Saddam Kamal, nach Jordanien ab. Fünfzehn Tage
später packte er in Amman vor den damaligen Chefinspektoren der
UNO-Sonderkommission im Irak (Unscom) und der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEO) aus Mehr unter:
Kamal bestätigte den Inspektoren, dass Irak bis zum Golfkrieg ein
Programm zur Entwicklung von Anthrax und anderen biologischen
Waffen betrieb. Bagdad hatte diese Tatsache bis dato gegenüber
der Unscom immer hartnäckig bestritten. Mit den Aussagen
Kamals konfrontiert, führte die irakische Regierung die Inspektoren
wenige Tage später auf eine Hühnerfarm, auf der Dokumente und
Belege für das B-Waffenprogramm versteckt waren.
Weiter bestätigte Kamal den Inspektoren auch zahlreiche
Einzelheiten über die irakischen Rüstungsprogramme für atomare
und chemische Waffen sowie für ballistische Raketen. Wie groß
die Bedeutung der Aussagen Kamals für die Arbeit der
UNO-Inspektoren war, geht aus ihrem Abschlussbericht an den
UNO-Sicherheitsrat vom 25. Januar 1999 hervor. Dort heißt es
wörtlich: "Die gesamte Periode der Unscom-Mission von Mai 1991
bis Dezember 1998 gliedert sich in zwei Teile: die Zeit vor der
Flucht von General Hussein Kamal im August 1995 und die Zeit
danach."
Von den Regierungen der USA und Großbritanniens wird Kamal
seit seiner Flucht aus dem Irak und insbesondere in den letzten
Monaten immer wieder als wichtigster und glaubwürdiger Zeuge
angeführt dafür, dass angeblich bis heute verbotene Waffen und
Rüstungsprogramme im Irak existieren. Die IAEO und der
Unscom-Nachfolger Unmovic haben dieser Darstellung bislang nie
widersprochen.
Dabei verschweigen alle Beteiligten bis heute wesentliche
Aussagen, die Kamal im Sommer 1995 ebenfalls gemacht hat.
Laut dem Protokoll seiner Unterredung mit den Chefinspekteuren
von Unscom und IAEO, das der Tageszeitung (taz) vollständig vorliegt,
erklärte Kamal mehrfach ausdrücklich, auf seine Anweisung hin seien
sämtliche Rüstungsprogramme, die dem Irak seit Ende des
Golfkriegs verboten sind, spätestens 1991 eingestellt und alle bis
dato existierenden Waffen und Grundsubstanzen zerstört worden.
Die Regierung habe allerdings Baupläne für diverse Waffen,
Computerprogramme und Gussformen für Raketen sowie
Raketenabschussrampen an geheimen Orten versteckt, um
Rüstungsprogramme später wieder aufnehmen zu können.
Mitglieder von Unscom, IAEO und Unmovic liefern auf Nachfrage
zwei Erklärungen, warum diese Aussagen Kamals bis heute
geheim gehalten wurden: Zum einen sollte Saddam Hussein
damals nicht alles erfahren, was Kamal verraten hatte. Man habe
gehofft, das Regime so zur Offenlegung weiterer Informationen
verleiten zu können. Zum anderen fehlten in vielen Fällen die
Dokumentenbelege für die von Kamal behauptete Einstellung von
Rüstungsprogrammen und die Zerstörung von Waffen. Der
Kronzeuge Kamal kann nicht mehr befragt werden. Einige Monate
nach seiner Flucht kehrte er - nach einer Amnestiezusage seines
Schwiegervaters - gemeinsam mit seinem Bruder in den Irak
zurück. Einen Tag nach ihrer Heimkehr wurden die beiden Männer
auf Befehl des Regimes ermordet. Nach der in Bagdad verbreiteten
offiziellen Version "durch aufgebrachte Mitglieder ihrer eigenen
Familie". (Quelle: taz)
Weitere Landungstruppen in Marsch gesetzt
Sa.01.03.03 - Die USA setzen weitere Kampftruppen in Richtung Persischer
Golf in Marsch. Wie die US-Armee mitteilte, haben die 2.300 Soldaten der 26.
Expeditionseinheit der Marineinfanterie ihren Marschbefehl erhalten. Die Soldaten
sind auf schnelle Landungsoperationen mit Hubschraubern spezialisiert. Am Freitag
brachen auch Soldaten der 101. Luftlandedivision in Richtung Golf auf. Die Division
verfügt über rund 22.000 Soldaten. 275 Kampfhubschrauber und tausende
Fahrzeuge wurden schon auf Schiffe verladen. (Quelle: ap)
US-Liste mit «menschlichen» Zielen für den Angriff auf Irak
Sa.01.03.03 - Laut einem Bericht der New York Times, der Mitte der Woche
erschien, sind die "menschlichen Ziele" bei einem Angriff auf
Irak bereits festgelegt. US-Geheimdienste haben mehr als
2000 Mitglieder der irakischen Elite in drei Kategorien
aufgeteilt. Die erste Kategorie umfaßt Personen aus dem
Umfeld Saddam Husseins und seiner Regierung. Dazu gehören
auch alle Iraker, die "terroristische Handlungen und Gruppen
unterstützen", wozu die USA in erster Linie die
palästinensischen Gruppen zählen, die mit Terrorangriffen auf
den Gewaltkurs der israelischen Regierung in den besetzten
Gebieten antworten. Des weiteren werden alle
Personengruppen im Irak zur ersten Kategorie gezählt, von
denen die US-Geheimdienste erwarten, daß sie nach dem Krieg
eine von Washington installierte Regierung bekämpfen
könnten. Vielen aus dieser Gruppe könnte wegen
"Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit"
der Prozeß gemacht werden, heißt es in der NYT, die sich auf
einen hohen Regierungsbeamten in Washington beruft.
In "Kategorie zwei" befinden sich alle, die entweder mit
Saddam Husseins Regierung in der Vergangenheit kooperiert
haben oder sich weigern könnten, mit der von den USA
installierten Nachfolgeregierung Iraks zusammenzuarbeiten. In
der dritten Gruppe schließlich sind Personen aufgelistet, die
nach Einschätzung Washingtons bereit sind, mit den USA
zusammenzuarbeiten und deren Wissen für das Funktionieren
des Staates nach dem Krieg lebenswichtig ist, egal wie eng sie
zuvor mit Saddam zusammengearbeitet haben. (Quellen: jw, sz)
Kanadischer Premier greift USA wegen Umsturzplänen in Irak an
Sa.01.03.03 - Der kanadische Premierminister Jean Chrétien hat die USA wegen ihrer
Pläne zu einem Regierungswechsel in Irak scharf angegriffen. Dies sei ein neues
Ziel und entspreche nicht der offiziellen Politik, die vor den Vereinten Nationen
verhandelt werde, sagte Chrétien am Freitag (Ortszeit) in einem Fernsehinterview in
Mexiko, das in Kanada ausgestrahlt wurde. Er sei "sehr überrascht", dass
Washington nun auf einmal den irakischen Präsidenten Saddam Hussein stürzen
wolle. Das Ziel eines Regierungswechsel zu verfolgen, habe seiner Auffassung nach
"sehr schwere Folgen". "Wer wird der nächste sein?", fragte er. (Quelle: afp)
Nation-Building: US-Pläne für den «Tag danach» :
USA wollen Iraker über Nachfolger von Saddam Hussein bestimmen lassen
Sa.01.03.03 - Die US-Regierung will das irakische Volk über den Nachfolger von
Machthaber Saddam Hussein bestimmen lassen. Diese Entscheidung werde nach
einem Irak-Krieg nicht von den USA, sondern den Irakern getroffen, sagte
Präsidentensprecher Ari Fleischer am Freitag in Washington. Der nächste irakische
Staatschef müsse im Zuge eines Prozesses innerhalb und außerhalb Iraks, nicht
nur an einem Ort, bestimmt werden. Der Sprecher von US-Präsident George W.
Bush äußerte sich zur Entscheidung der seit Mittwoch im nordirakischen
Kurdengebiet versammelten irakischen Opposition, eine sechsköpfige kollektive
Führung als Kern einer künftigen Regierung für Irak ins Leben zu rufen. "Ich werde
nicht sagen, wen wir unterstützen", fügte Fleischer hinzu. (Quelle: afp)
Oppositionskonferenz bestimmt Führungsrat für Irak nach Saddam
Sa.01.03.03 - Die irakische Opposition rüstet sich für die Zeit nach einem Sturz
Saddam Husseins. Zum Abschluss einer Konferenz im Nordirak haben Vertreter der
Opposition einen Führungsrat bestimmt, der das Land bis zu freien und
demokratischen Wahlen regieren soll. Der Vorsitzende der Patriotischen Union
Kurdistans, Dschalal Talabani, sagte, der Führungsrat sollte jedoch nicht als
Übergangsregierung betrachtet werden. (dpa)
Kurden fürchten US-Deal mit Ankara
Treffen der irakischen Opposition in Nordirak
Wie Washington Befürchtungen von Türken und Kurden zerstreuen will.
Sondergesandter trifft Oppositionelle in Nordirak
Fr.28.02.03 - Die US-Regierung von George W. Bush hat der im Norden
Iraks versammelten irakischen Opposition versprochen, ihre
Vertreter schon bald nach dem Krieg an der Macht zu
beteiligen. Auch beruhigte der US-Sondergesandte Zalmay
Khalilzad die kurdischen Führer, die USA werde keine
"unilateralen" Manöver türkischer Truppen zulassen.
Gleichzeitig versicherte Washington der Türkei, dass es
keine einseitige Autonomie-Erklärung der irakischen Kurden
hinnehmen werde.
Zwei Tage hatten der US-Sondergesandte Zalmay Khalilzad
mit seinen Sicherheitsbeamten und
rund 300 Journalisten an der Grenze
zu Irak warten müssen, ehe ihnen die
türkische Armee die Ausreise zur
ersten Oppositions-Konferenz seit elf
Jahren auf irakisch-kurdisches
Territorium erlaubte. Dann versuchte
der Sondergesandte von George W.
Bush in Salahuddin am Mittwoch die
Vertreter der Exil-Opposition zu
beruhigen. Selbstverständlich solle die irakische Opposition
nach einem erfolgreichen Krieg gegen Saddam Hussein "sobald
wie möglich" ihre eigenen Angelegenheiten regeln. Und
natürlich würden die - "in Koodination" mit den US-Truppen
nach Nordirak einrückenden - türkischen Soldaten das heute
von den beiden kurdischen Parteien KDP und PUK selbst
verwaltete Gebiet mit den GIs auch wieder verlassen. Die
Angst vor einer türkischen Invasion, so erklärte Khalilzad dem
Führer der Kurdischen Demokratischen Partei, Massud Barsani,
sei "überzogen".
Zuvor hatten sich führende Mitglieder des Irakischen
Nationalkongresses (INC) enttäuscht über die in der vorigen
Woche bekannt gewordenen Nachkriegsszenarien der
Regierung Bush geäußert. Vor allem die Pläne für eine auf den
Strukturen der regierenden Baath-Partei aufbauende
US-Militärregierung hatten irakische Demokraten verbittert. Am
Mittwoch sagte Khalilzad dagegen, Washington werde auf
einer "De-Baathifizierung" des Landes bestehen. Mit Vertretern
der Opposition besetzte Arbeitsgruppen sollen nach dem Sturz
von Bagdads Diktator Saddam Hussein mit der
US-Militärregierung auf ihre Machtübernahme hinarbeiten.
"Keiner von uns will Saddamismus ohne Saddam", sagte
Khalilzad unter dem Applaus der 50 Oppositionellen.
"Es gibt eine neue Betonung der Demokratisierung", lobte der
zuvor kritische Kanan Makiya vom INC den Auftritt des
Bush-Emissärs in Salahuddin. Was Khalilzads Worte für die
Kurden Wert sind, dürfte aber erst die Nachkriegsrealität
zeigen. Denn wie die Washington Post am Donnerstag
berichtete, haben die USA gleichzeitig der Türkei versprochen,
dass sie nur eine von allen Irakern beschlossene Föderation
zulassen werden, aber keine von den irakischen Kurden
einseitig ausgerufene Autonomie. Letztere aber wäre der
Kurden einzige Möglichkeit, ihre gegenwärtige
Selbstverwaltung zu retten, falls eine politische Einigung
zwischen irakischen Sunniten, Schiiten und Kurden in Bagdad
scheitern sollte. In jedem Fall werden die Kurden eine
Entwaffnung ihrer Milizen verweigern, bis alle türkischen
Einheiten aus Irak abgezogen sind. Dagegen scheint die
Regierung Bush ausgerechnet den türkischen Truppen die
Aufsicht über die Auflösung der kurdischen "Peschmergas"
zuweisen zu wollen.
Kirkuk und der Kampf ums mesopotamische Öl -
Die Türkei will verhindern, daß Kirkuk zur
Hauptstadt eines unabhängigen oder föderalen
kurdischen Staates im Nordirak wird
Sa.01.03.03 - Eine der blutigsten Schlachten des drohenden Golfkrieges
könnte um die Stadt Kirkuk im Nordirak geführt werden. Das
250 Kilometer nördlich von Bagdad noch außerhalb der
kurdischen Autonomiezone in der Nähe des Zagros-Gebirges
liegende Kirkuk mit rund 900 000 Einwohnern bildet das
Zentrum der irakischen Ölindustrie. Die Ölfelder von Kirkuk
verfügen über mindestens zehn Milliarden nachgewiesene
Barrel Öl. Täglich werden bis zu einer Million Tonnen gefördert.
Das ist die Hälfte der gesamten irakischen Ausfuhrmenge. Mehr unter:
Angeblich keine weitere Nato-Hilfe für die Türkei
Sa.01.03.03 - Auf der Truppenstellerkonferenz im belgischen Mons will offenbar
kein einziges NATO-Land von sich aus der Türkei Militärhilfe
anbieten. Das berichtet die "Frankfurter Rundschau" unter
Berufung auf Militärkreise. Vize-Regierungssprecher Hans
Langguth bekräftigte die Absage der Bundesregierung an weitere
Hilfsleistungen. Der frühere Vorsitzende des
NATO-Militärausschusses, Klaus Naumann, hält die Lieferung
zusätzlicher Patriot-Raketen an die Türkei dagegen für kaum
vermeidbar.
Deutschland hatte bereits die Lieferung von 46 Patriot-Raketen und den Einsatz von
Bundeswehr-Soldaten in AWACS-Radarflugzeugen zum Schutz des türkischen
Luftraums zugesagt. Die Regierung sei der Auffassung, dass damit ein
angemessener Beitrag zur Sicherung der Türkei im Rahmen der NATO geleistet
wurde, sagte Langguth. Die Raketen wurden auf bilateraler Ebene den Niederlanden
zu Verfügung gestellt und gemeinsam mit drei niederländischen
Patriot-Abwehrsystemen in die Türkei gebracht.
Im militärischen Hauptquartier der NATO in Mons werden am Montag hochrangige
Militärvertreter der Bündnispartner zusammenkommen und den Beitrag der NATO
zum militärischen Schutz der Türkei festlegen.
Die offizielle NATO-Anfrage war am Mittwoch im Bundesverteidigungsministerium
eingegangen. Die vom NATO-Oberkommandierenden Europa, US-General James
Jones, vorgelegte Anfrageliste an die Mitgliedsstaaten enthält nach
"FR"-Informationen die Anforderung von insgesamt neun Luftabwehrsystemen vom
Typ "Patriot". Dies werde den Fokus während der Truppenstellerkonferenz
automatisch wieder auf die Deutschen lenken, die über insgesamt 30 komplette
Abwehrsysteme verfügten. Außer Deutschland seien lediglich die USA,
Griechenland sowie die Niederlande noch imstande, Patriot-Systeme zu liefern.
Auch der frühere Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, Naumann, verwies
darauf, dass vor allem Deutschland als Lieferant von weiteren Patriot-Systemen in
Frage komme.
Nach türkischen Behördenangaben wurden die drei niederländischen Abwehrsysteme entlang der irakischen Grenze
stationiert. Außerdem trafen 300 niederländische Soldaten zur Bedienung der Anlagen in der Türkei ein.
(Quelle: afp)
Protestaktion gegen Krieg: Hungerstreik unter der Weltzeituhr
Sa.01.03.03 - Maik Neuendorf, Annina Burger und Felix Pahl harren Tag und
Nacht unter der Weltzeituhr am Berliner Alexanderplatz aus.
Seit dem 17. Februar protestieren die drei Kriegsgegner mit
einem Hungerstreik gegen den drohenden Angriff auf den Irak.
Betreut von Ärzten und Freunden nehmen sie nur Getränke zu
sich und sammeln Unterschriften für den Frieden. "Wir wollen
mit dieser Aktion öffentlich Druck auf die Bundesregierung
machen. Die indirekte Unterstützung des Irak-Kriegs durch
AWACS-Flüge und deutsche Spürpanzer muß ein Ende haben",
erklärte gegenüber jW der 25jährige Neuendorf. "Die
Passanten unterstützen uns mit Spenden und sprechen uns
Mut zu."
P>Die Aktivisten setzen mit ihrer Aktion die Proteste von zwei
mecklenburgischen Schülern fort, die vor der
Großdemonstration vom 15.Februar für eine Woche in
den Hungerstreik getreten waren. (Quelle: jw)
Umfrage: 70 Prozent der Franzosen für Veto gegen Irak-Krieg
Sa.01.03.03 - In Frankreich wollen 70 Prozent der Bevölkerung einer Umfrage zufolge, dass
ihr Land eine UN-Resolution für einen Krieg gegen Irak per Veto im
UN-Sicherheitsrat blockiert. Der Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes CSA für
die Tageszeitung "Le Parisien" vom Samstag zufolge waren nur 22 Prozent der
telefonisch befragten 1002 Erwachsenen in Frankreich gegen einen Einsatz des
französischen Veto-Rechts. 60 Prozent fürchteten demnach, ein möglicher
Irak-Krieg werde Terroranschläge in Frankreich nach sich ziehen. (Quelle: afp)
Kriegskurs der USA spaltet Sicherheitsrat
Sa.01.03.03 - Was Amerikaner von den Gegnern eines Irak-Krieges halten sollten,
machte die Boulevardzeitung "New York Post" mit einer Balkenüberschrift klar. "Axis
of Weasel" stand auf Seite eins über einem Foto von Gerhard Schröder und Jacques
Chirac, die "Achse der Wiesel". Mit dem Namen des kleinsten aller Raubmarder
bezeichnet man in Amerika heimtückische Typen, denen niemand über den Weg trauen sollte.
Der Ärger des rechten Blattes ist verständlich. Im Weltsicherheitsrat am New
Yorker East River proben "Wiesel" den Aufstand. Frankreich, Deutschland,
Russland und China verweigern dem amerikanischen Begehren nach einer
Resolution, die einen Krieg gegen den Irak völkerrechtlich legitimieren soll, die
Zustimmung.
Tiefer war der Sicherheitsrat nur in Zeiten des Kalten Krieges gespalten, als Nikita
Chruschtschow es schaffte, aus Protest mit dem Schuh auf den Tisch zu klopfen.
Die Stimmung bei der Irak-Debatte erinnerte am Donnerstag so manchen an die
Ausfälle des sowjetischen Parteichefs in den 60er Jahren. Nur dass die Wut sich
diesmal auf amerikanischer und britischer Seite staute.
Londons UN-Botschafter Sir Jeremy Greenstock fiel später vor Reportern
diplomatische Zurückhaltung sichtlich schwer. Es sei an der Zeit zu begreifen, dass Inspektionen im Irak keinen Sinn
hätten. US- Botschafter John Negroponte wischte Reporterfragen mit einer Handbewegung weg und überließ den
"Wieseln" das Feld für Erklärungen.
Frankreichs Botschafter Jean-Marc de La Sablière machte den Ernst der Lage klar: Der Sicherheitsrat befinde sich
am Scheideweg. Er habe die Frage zu beantworten, ob es wirklich keine Alternative zu einer Militäraktion gegen den
Irak gebe. Frankreich, Deutschland und Russland hätten allerdings mit ihrem Memorandum einen friedlichen Weg
aufgezeigt.
Besonders an einer Forderung aus dieser gemeinsamen Willenserklärung, auf der auch der deutsche Botschafter
Gunter Pleuger beharrte, entzündete sich der Streit: Die UN-Inspekteure sollen sobald wie möglich ein umfassendes
und konkretes Arbeitsprogramm für die weitere Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak in den nächsten
Wochen und Monaten vorlegen.
Das passt den Befürwortern eines Krieges absolut nicht ins Konzept. Sie gehen davon aus, dass die Inspekteure
demnächst abzuziehen sind, damit bis Ende März der Wüstensturm in Richtung Bagdad ohne UN-Behinderung
beginnen kann.
Greenstock versuchte die Forderung nach einem Arbeitsprogramm mit dem Hinweis zu blockieren, das Memorandum
der Franzosen, Deutschen und Russen sei eine Denkschrift und kein offizieller Antrag. Da meldete sich Wang Jingfan,
Pekings Botschafter im Sicherheitsrat, und erklärte, er stelle diesen Antrag nunmehr offiziell im Namen Chinas. Am
besten sei es, wenn das Programm zusammen mit dem jüngsten Bericht der Waffeninspekteure vom Rat erörtert
werden könne, legte die Memorandum-Seite nach. "Da kam Unruhe auf", sagt ein Teilnehmer der Sitzung.
Obendrein ließ UN-Chefinspekteur Hans Blix wissen, er könne ein detailliertes Programm für die weitere Waffensuche
etwa ab dem 6. März vorlegen. Am 7. März sollte nach den bisherigen US-Vorstellungen der neue Blix-Bericht im
Sicherheitsrat erörtert werden. Er enthält zwar wiederum deutliche Kritik an Bagdad, bescheinigt dem Irak aber auch,
dass er sich langsam in die richtige Richtung bewegt.
Auftrieb bekamen die "Wiesel" durch die Nachricht, dass Bagdad der Zerstörung seiner Al-Samoud-Raketen im
Prinzip zugestimmt habe. Die USA wiesen das zwar umgehend als nicht mehr relevant zurück, aber das hatte auch
kaum jemand von Washington anders erwartet.
Eine schlechte Nachricht für die Kriegsbefürworter hatten schließlich auch die UN-Botschafter Mexikos und Chiles,
Adolfo Aguilar Zinser und Gabriel Valdes, zu verkünden. Ihr Länder würden künftig in enger Abstimmung die Suche
nach einer friedlichen Lösung unterstützen. Damit schien sich die Mehrheit - zumindest am ersten Tag der offiziellen
Konsultationen über die neue Irak-Resolution - im Lager der "Wiesel" zu befinden. (Quelle: dpa)
Mexikos Stimme im Weltsicherheitsrat ist hart umkämpft
Sa.01.03.03 - Präsident Fox will eigentlich gegen den Irakkrieg sein, doch
Ein "Nein" kann sich das Land jedoch kaum leisten. Keine
Volkswirtschaft ist derart abhängig von den USA, mit denen Mexiko
über 80 Prozent seines Außenhandels abwickelt. "Es gibt viele
Knöpfe, die Washington drücken kann, um uns zum Schreien zu
bringen", schreibt die Analystin Soledad Loeza.
Mehr unter:
Mit Geld, Versprechungen und Erpressungen kann die Bush-Regierung
bestenfalls einen kurzfristigen Erfolg in der Irak-Frage feiern, ansonsten
hinterlässt ihre Politik schon jetzt einen explosiven Scherbenhaufen.
Mehr unter:
Blair betont eigene Rolle im Bündnis mit USA in Irak-Krise
Sa.01.03.03 - Der britische Premierminister Tony Blair hat seine harte Haltung
im Abrüstungsstreit mit Irak bekräftigt und dabei seine Eigenständigkeit im
Bündnis mit den USA betont.
In einem Interview mit dem britischen Blatt "The Guardian" (Samstagausgabe)
sagte Blair , er habe sich der Abrüstung Iraks "wahrhaftig
verschrieben", unabhängig von der Position der USA. "Falls die Amerikaner das
nicht tun würden, würde ich sie zum Handeln drängen", fügte Blair hinzu. Gegen
Blairs harte Haltung im Abrüstungskonflikt mit Irak regt sich unter Kriegsskeptikern
in dessen eigener Labour-Partei Widerstand. Zudem lehnt die britische
Bevölkerung laut Umfragen einen von den USA erwogenen Krieg gegen Irak ohne
UNO-Mandat mehrheitlich ab.
Blair sagte vor diesem Hintergrund, er wolle sich bei seinen Entscheidungen nicht
von tagespolitischen Erwägungen leiten lassen. Vielmehr gehe es darum, sich dem
Urteil der Geschichte zu stellen: "Ich habe niemals behauptet, ich hätte ein
Monopol auf die Wahrheit. Aber wenn ich eines auf diesem Posten gelernt habe,
dann, dass man immer das Richtige tun sollte und nicht das Einfache", fügte der
Premierminister hinzu.
Mit Blick auf die von Deutschland, Russland und Frankreich geforderte
Verlängerung der UNO-Inspektionen sagte Blair: "Es ist ja sehr gut zu sagen, lasst
uns mehr Inspektionen machen. Aber das führt doch zu nichts."
Die USA und Großbritannien wollen notfalls auch ohne UNO-Mandat Irak mit einem
Krieg zur Abrüstung zwingen. Sie werfen dem Land vor, gegen die
UNO-Abrüstungsauflagen zu verstoßen. Die beiden Verbündeten streben eine
baldige Resolution an, die den Einsatz von Gewalt zur Abrüstung Iraks
rechtfertigen soll. (Quelle: rtr)
Massenmeuterei gegen Blair
Zehntausende verlassen die Labour Party aus Protest gegen Kriegskurs
Fr.28.02.03 - Der britischen Labour Party laufen die Mitglieder davon. Der
Irak-Krieg, dem ihr Vorsitzender und Regierungschef Tony
Blair zustrebt, treibt Zehntausende dazu, die Parteibücher
zurückzugeben. Im Unterhaus haben bereits 122
Labour-Abgeordnete gegen Blairs Irak-Politik rebelliert.
Auch im Kabinett mehren sich Anzeichen wachsender
Absetzung.
Die Entscheidung Blairs, mit US-Präsident George W. Bush das
Tempo für einen Angriff auf Irak zu forcieren, kommt die
britische Regierungspartei teuer zu stehen. Die spektakuläre
Rebellion vom Mittwoch, bei der knapp ein Drittel der Fraktion
dem Premier die Gefolgschaft versagte, war der bisher
deutlichste Ausdruck der Krise, in die Labour geraten ist. Fahle
Ministergesichter zeugten vom Überraschungseffekt des
parlamentarischen Aufstands gegen Blair - eine so
eindrucksvolle kollektive Unmutsäußerung hatte im
Regierungslager keiner erwartet.
Am Donnerstag versuchten Blair-Gefolgsleute die
Signalwirkung der massivsten Unterhaus-Rebellion seit
Jahrzehnten zu relativieren. Die Zahl der Rebellen, meinten sie,
sei nur deshalb so hoch ausgefallen, weil Labour über eine
ungewöhnlich starke Fraktion (412 Abgeordnete) verfüge; die
Betreffenden hätten sich zur Rebellion verleiten lassen, weil sie
wussten, dass die konservative Opposition eh für Blairs
Version stimmen würde, dass die Beweise für einen Krieg
gegen Irak ausreichten; und insgesamt habe der Premier mit
434 Stimmen immer noch eine gewaltige Mehrheit für seine
Position erhalten.
Doch derlei Erklärungen verdecken kaum die Nervosität, die die
Labour-Führung ergriffen hat. Erstmals seit Blairs Amtsantritt
1997 ging am Mittwochabend der Kreis der Rebellen weit über
das Lager der Parteilinken und eingefleischten Kriegsgegner
hinaus. Dutzende von Abgeordneten, die bislang loyal zu Blair
standen, verweigerten ihm die Gefolgschaft. Zahlreiche ihrer
Kollegen stimmten nur für Blair, da sie die weitere Entwicklung
abwarten wollen und eine erneuten Abstimmung vor
Kriegsbeginn erwarten.
Von ihren Mitgliedern in den einzelnen Wahlkreisen jedenfalls,
mit denen sie in engem Kontakt stehen, sind die Abgeordneten
schon kräftig ins Gebet genommen worden. Die Parteibasis
stellt sich, wie alle Umfragen belegen, vehement gegen ein
britisch-amerikanisches "Privatunternehmen" am Golf.
Zehntausende haben bereits aus Protest die
Parteimitgliedschaft aufgekündigt, Ungezählte weitere wollen
im Falle eines britischen Kriegseintritts die Partei verlassen.
Abgeordneten ist angedroht worden, dass sie nicht mit
erneuter Aufstellung für die nächste Unterhaus-Wahl rechnen
können, so sie den Willen der Basis ignorieren.
Bis hinein ins Kabinett reichen indes die Spannungen, die
Labour in wachsendem Maße zu schaffen machen. Nur ein
neues UN-Mandat, mahnen Minister, könne den Zusammenhalt
der Regierung und der Partei garantieren. Einige
Kabinettsmitglieder wie Entwicklungsministerin Clare Short und
Parlamentsminister Robin Cook haben angeblich schon
Rücktrittsabsichten geäußert, falls London Washington in einen
Krieg ohne zweite UN-Resolution folgen würde.
Studenten aus Irak und den USA in Live-Diskussion
Sa.01.03.03 - Eine Premiere der besonderen Art bescherte der populäre
arabische Satellitensender Al Dschasira vor wenigen Tagen
den Studierenden der Bagdad-Universität. In einer
Live-Schaltung mit der George- Mason-Universität in
Washington D.C. konnten die jungen Leute 90 Minuten lang
mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Zentrum für Globale
Erziehung in Washington diskutieren. Die
US-Fernsehgesellschaften CNN und BBC hatten nach Bitte um
Organisatoren die Anfrage auf eine Live-Übertragung
abgelehnt. Themen der bisher für den Irak einmaligen
Veranstaltung waren der drohende Krieg, die
unterschiedlichen politischen Systeme sowie die Frage, ob es
Wege gibt, sich jenseits der großen Politik einander
anzunähern. (Quelle: jw) Mehr unter:
Araber einigen sich auf «Anti-Kriegsresolution»
Sa.01.03.03 - Die arabischen Außenminister haben sich kurz vor
Beginn des Gipfels der Arabischen Liga auf eine Resolution gegen einen Irak- Krieg
geeinigt. "Der Beschluss ist einstimmig gefallen und wird den Staatschefs
vorgelegt", sagte der Generalsekretär der Liga, Amre Mussa, im ägyptischen
Scharm el Scheich. Die arabischen Staaten wollen den Irak heute bei ihrem Gipfel
auffordern, einen Angriff durch eine umfassende Kooperation mit den
UN-Waffeninspekteuren zu verhindern. (Quelle: dpa)
Immer mehr Internet-Seiten parodieren die amerikanische Regierung. Mehr unter:
US-Regierung drängt Zyprer zu Annahme von UN-Friedensplan
Sa.01.03.03 - Die US-Regierung hat die Führer der beiden Volksgruppen auf Zypern zur
Annahme des UN-Friedensplans gedrängt. Die Demonstrationen türkischer Zyprer
für die Wiedervereinigung zeigten, dass "viele Zyprer inbrünstig" eine Lösung
wollten, sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher am Freitag. "Eine solche
Gelegenheit kommt vielleicht nicht wieder." Der UN-Plan sei eine "gerechte,
verlässliche und dauerhafte Lösung" für die 29 Jahre währende Teilung der
Mittelmeerinsel. Der türkische Volksgruppenführer Rauf Denktasch hatte sich zuvor
gegen den vorliegenden Friedensplan ausgesprochen. (Quelle: afp)
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EU-Konvent in der Krise
Sa.01.03.03 - 1087 Änderungsanträge haben die Mitglieder des
Konvents zu den 16 Verfassungsartikeln eingebracht, die
bisher von Giscard dEstaing vorgelegt wurden. Wie man
damit umgehen soll, weiß keiner. Und auch eine Antwort
auf die Forderung der Osteuropäer nach mehr Mitsprache
fehlt bisher. Mehr unter:
Die ersten 16 Artikel der geplanten EU-Verfassung
beschreiben die Werte und Ziele der Union, machen
die am Gipfel von Nizza bloss proklamierte
Grundrechte-Charta zum integralen Bestandteil der
Verfassung, definieren die Unionsbürgerschaft und
benennen die Zuständigkeiten der Union. Unterschieden
wird zwischen ausschliesslichen Kompetenzen der Union
und solchen, die sie mit den Mitgliedstaaten teilt.
Schliesslich kann die Union dort, wo nur die
Mitgliedstaaten kompetent sind, koordinierend, ergänzend
oder unterstützend tätig werden.
Nach dem Entwurf verfügt die Union über "die
Zuständigkeit für die Erarbeitung und Verwirklichung einer
gemeinsamen Aussen- und Sicherheitspolitik (Gasp)
einschliesslich der schrittweise zu erfolgenden Festlegung
einer gemeinsamen Verteidigungspolitik". Die
Mitgliedstaaten, hält der Entwurf fest, unterstützen die
Gasp "aktiv und vorbehaltlos im Geiste der Loyalität und
der gegenseitigen Solidarität. Sie enthalten sich jeder
Handlung, die den Interessen der Union zuwiderläuft oder
ihrer Wirksamkeit schaden könnte". Der vorgeschlagene
Text geht nicht über das hinaus, was schon seit
"Maastricht" (1992) im Vertrag über die Europäische Union
steht. Das nicht erst im Irak-Konflikt beobachtete, aber
hier besonders eklatante Unvermögen der EU,
geschlossen aufzutreten, stellte der Konventspräsident
Giscard d'Estaing Anfang Februar fest, sei eben nicht auf einen
Mangel an Zuständigkeiten der EU zurückzuführen.
Vielmehr fehle es bei den verantwortlichen Politikern am
politischen Willen, ihre nationalen Reflexe einem
gemeinschaftlichen Ansatz zu unterordnen. Allein
zuständig ist die Union wie bisher für die Gewährleistung
des freien Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und
Kapitalverkehrs, für die Wettbewerbs- und die
Währungspolitik und für die Zollunion. Nach den
Vorstellungen des Präsidiums soll die exklusive
Unionsverantwortung für die Handelspolitik neu auch die
Dienstleistungen erfassen. Bis jetzt hatte insbesondere
Frankreich bei den kulturellen und audiovisuellen
Dienstleistungen wegen der von ihm beanspruchten
"exception culturelle" kompromisslos auf der gemischten
Zuständigkeit der Gemeinschaft und ihrer Mitgliedstaaten
beharrt.
An den übrigen bisher gemeinsam ausgeübten
Zuständigkeiten, wie Binnenmarkt-, Agrar- oder
Umweltpolitik und Fragen des grenzüberschreitenden
Verkehrs ändert der Entwurf nichts. Neu in diese Kategorie
wird aber die bisher national geregelte Energiepolitik
aufgenommen, wobei die Zuordnung der Nuklearenergie
noch unklar ist. Überall, wo die EU nicht allein zuständig
ist, hat sie strikt das Subsidiaritätsprinzip zu beachten.
Künftig können nationale Parlamente schon während des
Rechtsetzungsverfahrens eingreifen, wenn sie der Ansicht
sind, Brüssel trage dem Prinzip nicht Rechnung. Eine
Flexibilitätsklausel ermöglicht die Übertragung neuer
Zuständigkeiten an die Union, sofern die Mitgliedstaaten
einen Antrag der Kommission einstimmig gutheissen. (Quelle: nzz)
CHARTA DER GRUNDRECHTE DER EUROPÄISCHEN UNION
EUROPÄISCHE MENSCHENRECHTSKONVENTION
Schüssel regiert in Österreich wieder mit rechter FPÖ
Sa.01.03.03 - In Österreich hat die Mitte-Rechts-Regierung von
ÖVP und FPÖ am Freitag ihre zweite Amtszeit angetreten.
Nach der Niederlage bei der Wahl vor drei Monaten stellt die
rechtspopulistische FPÖ im neuen Kabinett von Bundeskanzler
Wolfgang Schüssel weniger Minister als zuvor. Die zweite Auflage
der ÖVP-FPÖ-Regierung hat auch im Parlament eine knappere
Mehrheit, nachdem die FPÖ bei der Wahl fast zwei Drittel ihrer
Stimmen verloren hatte. Ihre Mehrheit ist nur durch fünf Mandate
abgesichert.
Am gleichen Tag, an dem sich die Parteien über den Koalitionspakt geeinigt hatten,
wurde das neue Kabinett von Bundespräsident Thomas Klestil vereidigt.
Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Außenministerin Benita Ferrero-Waldner
(ÖVP) blieben im Amt.
Vizekanzler der neuen Regierung wurde FPÖ-Parteichef Herbert Haupt, der weiter das Sozialminiterium leitet. Neu im
Kabinett ist die Schwester des früheren FPÖ-Chefs Jörg Haider, Ursula Haubner, die Haupt als Staatssekretärin in
sein Ministerium holte. Der Kärntner Haupt gilt als enger Vertrauter Haiders.
Die erste Regierung von ÖVP und FPÖ war im vergangenen September ein Jahr vor dem Ende der Legislaturperiode
geplatzt, nachdem die damalige Vizekanzlerin Susanne Ries-Passer (FPÖ) nach einem Machtkampf mit Haider
zurückgetreten war.
Die konservative ÖVP entsendet acht Minister in die Regierung, und dazu Grasser, der aus der FPÖ austrat und in
Schüssels Team wechselte. Grasser ist aber nicht ÖVP-Mitglied. Das Verteidigungsministerium, das zuvor ein
FPÖ-Politiker geleitet hatte, übernahm die ÖVP. Vertreter der FPÖ erhielten drei Ministerien. Von ÖVP und FPÖ
wurden jeweils drei Staatssekretäre nominiert.
Kanzler Schüssel nannte die Erweiterung der Europäischen Union (EU) als eines der wichtigsten Themen der neuen
Regierung. "Das ist eine historische Chance für Österreich, die wir nutzen wollen und nutzen können", sagte er. Für
die Jahre 2004 und 2005 stellte er Steuersenkungen in Aussicht. Dabei solle mit der Entlastung niedriger Einkommen
begonnen werden. Österreich hat mit 46 Prozent die höchste Steuer- und Abgabenquote in der EU.
Die Einigung über ein neues Regierungsbündnis gelang mehr als drei Monate nach der Parlamentswahl. Es war die
drittlängste Regierungsbildung seit 1945. Nur 1963 und nach der Parlamentswahl im Jahre 1999 war mehr Zeit
zwischen der Wahl und dem Amtsantritt der Regierung vergangen.
Die Wahlsiegerin ÖVP hatte am 24. November mehr als 42 Prozent der Stimmen erhalten und verhandelte zunächst
mit den Sozialdemokraten (SPÖ) und den Grünen über eine Koalition. Mit der FPÖ gelang der Abschluss des
Koalitionspaktes in weniger als einer Woche. (Quelle:rtr)
Schwarz-Blau statt Blau-Schwarz? Mehr unter:
Deutschland: Angeblich Konjunkturprogramm von zehn Milliarden geplant
Sa.01.03.03 - Die Bundesregierung will nach einem Bericht der "Süddeutschen
Zeitung" im Frühjahr ein Konjunkturprogramm für die Kommunen und den
Mittelstand von bis zu zehn Milliarden Euro auflegen.
Unter Berufung auf Regierungskreise berichtete die Zeitung am Freitag vorab, das
Geld werde voraussichtlich über die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau
auf dem Kapitalmarkt aufgenommen. Der Bund würde nur für die Zinsen
aufkommen. Städte und Gemeinden müssten das Geld zweckgebunden für
Vorhaben wie den Bau von Wohnungen oder Kinderkrippen ausgeben.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe sich mit Finanzminister Hans
Eichel (SPD) und den zuständigen Fachministern über die Grundzüge des
Programms verständigt und werde Details möglicherweise in seiner Regierungserklärung
am 14. März bekannt geben. Ein Regierungssprecher bekräftigte dazu auf Anfrage, die Gespräche zwischen den
Ressorts liefen noch. Festlegungen über Umfang und Instrumente für die Hilfen gebe es weiterhin nicht.
Nach Angaben aus Regierungskreisen ließ sich Schröder jüngst von Eichel über den Stand der Diskussionen
berichten. Weitere Gespräche Schröders mit anderen Beteiligten stünden an, hieß es.
Die Bundesregierung prüft derzeit zusätzliche Hilfen an die Kommunen, um diesen mehr Investitionen zu ermöglichen.
Davon erhofft sich die Regierung auch zusätzliche Impulse für die schwache Konjunktur und damit für die
Beschäftigung. Die Diskussionen laufen schwerpunktmäßig in und zwischen den Ministerien für Finanzen, Bau und
Verkehr sowie Wirtschaft und Arbeit.
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hatte ein Volumen von bis
zu zehn Milliarden Euro genannt, um ein solches Programm, das mit Strukturreformen verbunden werden sollte,
wirksam zu machen. Von Gewerkschaftsseite war sogar ein Sofortprogramm von 20 Milliarden Euro gefordert worden.
"Alle Beträge, die Sie derzeit lesen, gehen an der Sache vorbei", sagte dazu ein Regierungsvertreter.
Die Regierung wolle weder die verbliebenen Mittel aus dem Fluthilfefonds noch die kalkulierten Einnahmen aus den
umstrittenen Steuergesetzen und der Amnestie für Schwarzgeldsünder einsetzen, hieß es in der "Süddeutschen
Zeitung" weiter.
In Regierungkreisen hieß es, die Instrumente einer solchen Hilfe, mit der die kommunalen Investitionen verstetigt
werden sollten, seien noch offen. Möglich seien Zinsverbilligungen, um Kommunen mehr Investitionen zu erlauben,
aber auch die Streichung oder Kürzung der den Gemeinden abverlangten Mitfinanzierungsanteile bei Investitionen und
schließlich auch direkte Hilfen. (Quelle: rtr)
Westerwelle fordert Entmachtung von Gewerkschaftsfunktionären
Sa.01.03.03 -FDP-Chef Guido Westerwelle hat eine Entmachtung der Gewerkschaften
nach dem Beispiel Großbritanniens gefordert. "Wir müssen uns bei der Erneuerung
der sozialen Marktwirtschaft die frühere britische Premierministerin Margaret
Thatcher zum Vorbild nehmen", sagte Westerwelle der "Bild am Sonntag". Auch die
als "Eiserne Lady" berüchtigte Regierungschefin habe "sicherlich" Fehler gemacht.
Ihre große Leistung sei aber gewesen, den damaligen britischen
Gewerkschaftsführer Arthur Scargill "auf seine reale Bedeutung zurechtzustutzen",
sagte Westerwelle. "Das war die Voraussetzung für den enormen
Wohlstandszuwachs und die Halbierung der Arbeitslosigkeit in Großbritannien." (Quelle: afp)
Industrie verlangt längere Arbeitszeiten
Sa.01.03.03 - Zwei Tage vor dem Spitzentreffen von
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit Vertretern der
Wirtschaft und der Gewerkschaften über Reformen und Wege
aus der Beschäftigungsmisere hat BDI-Päsident Michael Rogowski
drastische Reformen am Arbeitsmarkt verlangt. "Die Regulierungsdichte
ist viel zu stark, diese Fesseln müssen gesprengt werden", sagte er im
Gespräch mit der Berliner Zeitung.
Rogowski sprach sich dafür aus, zur Verbesserung der
Wettbewerbssituation deutscher Firmen die Arbeitszeiten
zu verlängern. Betriebliche Arbeits-Bündnisse zur Sicherung
von Stellen sollten erleichtert werden. Dazu gehöre die
"Beseitigung des Monopols vom Flächentarifvertrag".
Arbeitnehmer sollten künftig auf tarifliche Ansprüche
verzichten können, wenn der Erhalt des Arbeitsplatzes
garantiert werde. Das Recht auf Teilzeit solle ersatzlos
gestrichen werden, so Rogowski. (Quelle: blz)
Studie: Arme Kinder haben kaum Chancen auf Aufstieg
Sa.01.03.03 - Kinder, die heute in Armut leben, bleiben arm, und auch ihre
Kinder werden arm sein. Das geht aus der neuesten Studie
der Arbeiterwohlfahrt (AWO) über Kinderarmut in Deutschland
hervor. Aus dem Kreislauf von Armut durch
Einkommensbenachteiligung und verminderten
Bildungschancen für die Nachkommen ist demnach nur schwer
zu entkommen. "Armut wächst mit", erklärte
AWO-Bundesvorsitzender Manfred Ragati bei der Vorstellung
der Studie mit dem Titel "Armut im frühen Grundschulalter" am
Donnerstag in Berlin. Die Situation der beobachteten Kinder
und Familien habe sich bis auf wenige Ausnahmen weiter
verschärft, aus den Einzelgängern, die arme Kinder häufig
bereits im Kindergarten waren, seien in der Grundschule
soziale Außenseiter geworden: "Sie können mit Gleichaltrigen
nicht ins Kino oder Schwimmbad gehen und werden seltener
zu Hause besucht". Generell seien auch die Bildungschancen
armer Kinder schlechter, was in der PISA-Studie belegt worden
sei, sagte Ragati.
Bereits in einer ersten repräsentativen Untersuchung im Jahr
2000 hatte das Frankfurter Institut für Sozialarbeit und
Sozialpädagogik im Auftrag der AWO belegt, daß Kinderarmut
in Deutschland eine Massenerscheinung ist. In der jetzt
veröffentlichten Vertiefungsstudie wurden benachteiligte
Familien und deren Kinder über einen Zeitraum von drei Jahren
beobachtet, befragt und bis ins Vorschulalter begleitet.
Zwei Untersuchungsergebnisse seien besonders auffällig:
"Kinder aus fortgesetzt armen Familien haben nicht nur
größere Schulprobleme, sie werden zum Teil auch später
eingeschult. Die Bildungskrise in Deutschland ist zuallererst ein
sozialpolitischer Skandal", erklärte Ragati. Benachteiligte
Kinder seien auch in höherem Maße gesundheitlich
beeinträchtigt. "Allein diese Feststellung erscheint noch einmal
in einem besonderen Licht im Zusammenhang mit der Debatte
um höhere Eigenanteile der Krankenversicherten", so der
AWO-Bundesvorsitzende. "Weitere Eigenbeteiligungen
bedeuten auch, armen Kindern mehr gesundheitliche Risiken
aufzubürden".
Als Konsequenz des Berichts fordert die AWO unter anderem
die Akzeptanz realistischer Familienmodelle. Die Vielzahl von
Familienformen heute habe mit der bürgerlichen "Maßfamilie"
des 19. Jahrhunderts nur noch wenig zu tun. Gleichwohl seien
Steuerrecht und staatliche Hilfestrukturen nach wie vor daran
ausgerichtet. Zudem fehle es an flexibleren
Beschäftigungsangeboten besonders für Alleinerziehende.
Dort, wo Alleinerziehenden der Wiedereinstieg in den Beruf
geglückt ist, habe sich auch die Lebenssituation der Kinder
verbessert. Dies müsse durch ausreichende Angebote der
Kinderbetreuung ergänzt werden. Nötig seien ferner spezielle
Förderangebote gerade für schulisch benachteiligte arme
Kinder. Des weiteren fordert die AWO die Entlastung von
Familien mit Kindern bei der Sozialversicherung sowie eine
Grundsicherung durch eine stärker einkommensabhängige
Kinder- und Familienförderung. (Quelle: jw/ots)
Halberstadt: Aufführung von Cages.Orgelwerk «As slow as possible»
Sa.01.03.03 - Gestern wurde in der St.-Buchardi-Kirche zu
Halberstadt der erste Ton der experimentellen Komposition "As
slow as possible" ("So langsam wie möglich") angeschlagen. Das
Werk des 1992 verstorbenen Ambient-Komponisten John Cage
nimmt den Titel wörtlich: Seit am 5. September 2001 Motor und
Blasebalg der Kirchenorgel eingeschaltet wurden, war Stille. Dem
ersten E-Dur-Akkord lauschten unter anderem Christina Weiss,
Staatsministerin für Kultur und Medien, der Biologe Jens Reich und
der Schriftsteller und Regisseur Alexander Kluge.
Die ehrgeizige Aufführung kommt auf Betreiben der in Halberstadt
ansässigen John-Cage-Orgelstiftung, wo auch eine Cage-Akademie
geplant ist, zustande. Sie wurde gestern von Performances und
Lesungen begleitet. (Quelle: taz)
Organ2/ASLSP
Orgelmusik für 639 Jahre: Das Cage-Projekt von Halberstadt
639 Jahre lang wird eine im September begonnene
Aufführung der Orgelkomposition "Organ2/ASLSP" von
John Cage dauern - auf einer noch zu bauenden Orgel.
639 Jahre für ein ursprünglich 20-minütiges Klavierstück.
Eine Projektgruppe "John Cage in Halberstadt" bestehend
aus Musikwissenschaftlern, Musikern und einem
Orgelbauer, hat diese Zahl festgelegt: So lange muss -
nichts anderes verbirgt sich hinter ASLSP (as slow as
possible: so langsam wie möglich) - das Stück in der
Halberstädter Variante dauern.
Die Zahl 639 ist das Ergebnis einer historischen Addition:
Im Jahre 1361 wurde im Halberstädter Dom eine
der berühmtesten Blockwerksorgeln Deutschlands
aufgestellt. Die Orgel existiert nicht mehr, aber
die Erinnerung daran.
Und so zählte man von 1361 bis heute 639 Jahre
und beschloss im September 1998 die Aufführungsdauer
von "So lange wie möglich" an dieser Summe auszurichten.
Als am 5. September, dem 88. Geburtstag des 1992
verstorbenen John Cage, mit dem Bau der eigens für
dieses Werk vorgesehen Orgel begonnen wurde,
gehörte dies schon zur Aufführung des Werkes
"Organ2/ASLSP". Ganz im Sinne des Komponisten
werden die Bau- und Umgebungsgeräusche die nun
beginnende Ton-Pause - eine zweijährige, gewissermassen
auftaktige Stille, in der die Orgel gebaut wird - dennoch
mit Klang füllen. Fein säuberlich wird von diesem
Tag an die Partitur John Cages millimeter genau
ausgemessen und nach diesen Messungen gespielt.
Der erste Akkord (müsste) folgerichtig am 5. Septmber 2002
auf der bis dahin existierenden Orgel angeschlagen (werden).
Mit Gewichten belastet werden die drei Tasten lange Zeit
niedergehalten bleiben. Nach genauen Berechnungen
gesellen sich etwa eineinhalb Jahre nach dem ersten Erklingen
zwei Töne einer Oktave hinzu. Und so fort. "So langsam
wie möglich, ist so langsam man denken kann", sagt Daniela
Philippi aus der Projektgruppe.Und sie zieht zum Vergleich
das Erlebnis des Bauens einer Kirche heran: "Die Menschen
haben auch über Jahrhunderte kein Ergebnis gesehen
und trotzdem am Bau teilgenommen."
Quelle: SZ v. 09.09.2000
John Cage in Halberstadt.
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