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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ So.02.03.03, 13:00 Türkei lehnt US-Truppenstationierung ab
So.02.03.03 - Die Führung der in der Türkei regierenden Partei für Gerechtigkeit
und Entwicklung (AKP) will am Sonntag in Ankara nach der parlamentarischen
Niederlage um die Stationierung von US-Truppen im Land das weitere Vorgehen
beraten.
Ministerpräsident Abdullah Gül sprach am Samstag von einer kritischen Periode,
die vor dem Land liege. Die Regierung werde alle notwendigen wirtschaftlichen
und politischen Maßnahmen erörtern. Ob die Regierung erneut einen Antrag zur
Stationierung von US-Truppen einbringen werde, sagte Gül nicht. Die USA haben die
Türkei um Klarstellung gebeten. In Kreisen des US-Verteidigungsministeriums
hieß es, man könne die militärischen Pläne schnell ändern.
Die Regierung hatte im Parlament, das in nicht-öffentlicher Sitzung tagte, die absolute
Mehrheit zur Stationierung von 62.000 US-Soldaten knapp verfehlt. Damit sind Pläne der USA,
an der Grenze zu Nord-Irak gegebenenfalls eine weitere Front aufzumachen, stark eingeschränkt worden. Vor der
Südküste der Türkei liegen bereits US-Schiffe mit Soldaten und militärischer Ausrüstung an Bord. Zugleich droht der
Türkei aber der Verlust eines 30 Milliarden Dollar schweren Hilfsprogramms der USA, das der Türkei im Gegenzug zu
der Truppenstationierung zugesagt worden war.
Der einflussreiche AKP-Chef Tayyip Erdogan bezeichnete das Votum der Abgeordneten als absolut demokratisch.
Über seine weiteren Pläne sagte er nichts. Seine Äußerungen könnten aber darauf hindeuten, dass er das Ergebnis
möglicherweise akzeptieren wird. "Was wollen Sie mehr", sagte Erdogan der Nachrichtenagentur Anatolien zufolge.
"Es ist ein völlig demokratisches Ergebnis. Mag es zum Besten sein."
Der Antrag der türkischen Regierung sah auch die Verlegung eigener Truppen nach Nordirak im Falle eines Krieges
vor. Sie sollten nach offizieller Darstellung eine Flüchtlingskatastrophe ebenso verhindern wie die Bildung eines
Kurdenstaates im Norden Iraks. Die Türkei befürchtet andernfalls ein Wiederaufflammen des Konflikts mit den Kurden
im Südosten der Türkei.
Eine Sprecherin des US-Außenministeriums sagte in Washington, die USA wünschten eine Klarstellung und warteten
ab, wie die Entscheidung des Parlamentes aussehe. Die USA hatten nach monatelangen Verhandlungen dem
NATO-Mitglied Türkei im Gegenzug für die Stationierung Kredite und Bürgschaften in Milliardenhöhe zugesichert.
Diese Mittel könnte die in einer Wirtschaftskrise steckende Türkei gut gebrauchen, ohne US-Stationierung dürften sie
aber verloren sein.
(Quelle: rtr)
20.000 türkische Demonstranten fordern Nein zu Irak-Krieg
So.02.03.03 - Die Mehrheit der türkischen Bevölkerung lehnt einen Irak-Krieg ab. Rund 20.000 Demonstranten forderten am
Samstag die Abgeordneten auf, die Nutzung des Landes als Aufmarschgebiet für US-Soldaten gegen Irak zu
untersagen. "Nein zum Krieg!" und "Lasst keine Menschen sterben!", lauteten die Losungen der Demonstranten auf
der ersten großen Kundgebung in der Türkei gegen den drohenden Irak-Krieg. Organisiert wurde die Kundgebung von
den Gewerkschaften.
Hunderte Bereitschaftspolizisten mit gepanzerten Fahrzeugen sperrten die Straßen
zum Parlamentsgebäude ab, wo am Nachmittag der Antrag der
Regierung, die Stationierung von rund 62.000 US-Soldaten in der
Türkei für den Aufbau einer Nordfront gegen Irak zuzulassen,
von den Abgeordenten abgelehnt wurde. (Quelle: rtr)
UN bestätigen Zerstörung erster Raketen in Irak.
So.02.03.03 - Die Vereinten Nationen haben am Samstag bestätigt, dass Irak
mit der Zerstörung von Kurzstreckenraketen vom Typ El Samud 2 begonnen
habe. UN-Sprecher Hiro Ueki sagte am Samstag in Bagdad, die Prozedur habe
unter UN-Aufsicht begonnen. Der stellvertretende Chefinspekteur Demetrius
Perricos sagte, die Zerstörung der Raketen sei eine Sache
von ein paar Tagen oder sehr weniger Wochen. Am Samstag seien nach dreiwöchiger
Pause auch mehrere Interviews mit irakischen Wissenschaftlern geführt worden.
Indes verlautete aus dem Weißen Haus, das nur ein Rücktritt Saddam Husseins einen
Krieg noch verhindern könne.
Der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, Ari Fleischer, sagte am Freitagabend, Bedingung für die
Abwendung eines Militärschlages sei "Entwaffnung und Regimewechsel". Am Samstag bezeichnete eine Sprecherin
des Weißen Hauses, Merci Viana, die irakischen Maßnahmen als unzureichend. "Resolution 1441" verlangt die
vollständige, totale und unverzügliche Abrüstung. Sie verlangt nicht Teile von Abrüstung."
Blix hatte Irak ein Ultimatum bis zum (heutigen) Samstag gestellt, mit der Zerstörung der El-Samud-2 zu beginnen,
weil sie in Tests weiter als die von den UN erlaubten 150 Kilometer flogen. Er begrüßte Bagdads Einlenken am Freitag
als "sehr bedeutenden Teil wirklicher Abrüstung". Der französische Außenminister Dominique de Villepin nannte es
einen "wichtigen Schritt für die friedliche Abrüstung". Der stellvertretende russische Außenminister Juri Fedotow
sagte nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Itar-Tass am Samstag, eine Entscheidung über einen Krieg gegen
Irak stünde "in scharfem Gegensatz zur aktiven Kooperation Bagdads mit den Waffeninspekteuren". Der britische
Außenminister Jack Straw sprach dagegen von einem "bekannten Muster" allmählichen Kleinbeigeben Saddam
Husseins, das zur Abwendung einer Militäraktion nicht ausreichen werde.
Von der tatsächlichen Verschrottung dürfte es abhängen, ob eine Mehrheit der Mitglieder im Sicherheitsrat für weitere
Inspektionen oder einen Militäreinsatz stimmt. In einem 13-seitigen Bericht, den Blix dem Sicherheitsrat am Freitag
vorlegte, machte er klar, dass die El-Samud-Raketen nur eines von vielen ungeklärten Problemen seien. Blix wird dem
Sicherheitsrat am 7. März erneut Bericht erstatten.
UN-Sprecher Ueki sagte, Freitagabend seien ein irakischer Biowaffenexperte und ein Raketenwissenschaftler befragt
worden, auch dies hatte Blix gefordert. Die Gespräche seien nicht aufgezeichnet worden. Die meisten
Wissenschaftler verweigerten zuvor Gespräche ohne Aufzeichnungen. (Quelle: ap)
UN-Sicherheitsrat: Resolution 1441
Die UN-Resolution 1441 zwischen Krieg und Frieden.
Graefrath lehrte Völkerrecht an der Humboldt-Universität zu Berlin
USA wollen laut Powell Inspektionen mehr Zeit geben
So.02.03.03 - Die USA wollen nach den Worten von US-Außenminister Colin
Powell den UN-Rüstungsinspektoren mehr Zeit geben und wollen auch nicht sofort
über eine Resolution im Sicherheitsrat abstimmen lassen, die den Weg für ein
militärisches Vorgehen ebnen würde. Russland begrüßte umgehend Powells
Äußerungen; der stellvertretende russische Außenminister Juri Fedotow
sagte, dies schaffe den verschiedenen Sicherheitsratsmitgliedern eine notwendige
Atempause in dem Bemühen, "ihre Positionen zur Lösung des Irak-Konflikts anzunähern".
Powell sagte zuvor in einem am Samstag ausgestrahlten Interview des Senders RFI:
"Wir haben noch nicht um eine Abstimmung (über eine zweite Resolution) gebeten,
weil wir noch immer nach einer friedlichen Lösung suchen." Den Inspektionen werde,
wie von vielen gefordert, mehr Zeit eingeräumt, sagte Powell weiter. Sehr lange dürfe
dieser Prozess allerdings nicht mehr andauern, fügte er hinzu. In der Resolution 1441
werde nur ein Ziel verfolgt: Die Abrüstung Iraks. "Ich muss aber dennoch sagen, dass,
wenn wir Irak nicht dazu zwingen können, seinen Verpflichtungen nachzukommen, ein
militärisches Vorgehen erforderlich wird, um dieses Regime zu stürzen und
Massenvernichtungswaffen zu zerstören."
Fedotow sagte nach Meldungen der russischen Nachrichtenagenturen Interfax und ITAR-Tass, Russland werde alles
in seiner Kraft stehende tun, um die Kluft im Sicherheitsrat zu überbrücken. Zum von Bagdad gemeldeten Beginn der
Zerstörung von El-Samud-Raketen sagte er, dies würde eine "positive Wirkung auf die Debatte im Sicherheitsrat
haben". Zum jetzigen Zeitpunkt einen Krieg zu beginnen würde in scharfem Widerspruch "zur wirklichen Lage und
Bagdads aktiver Kooperation mit den UN-Inspektoren stehen", sagte Fedotow laut ITAR-Tass. In einer Botschaft an
die Teilnehmer des Gipfeltreffens der Arabischen Liga hatte der russische Präsident Wladimir Putin zuvor erklärt, es
sei unmöglich, "nicht die Bereitschaft der irakischen Seite zur konstruktiven Zusammenarbeit mit den internationalen
Inspektoren zu bemerken". Die Inspektionen sollten daher fortgesetzt und, wenn nötig, ausgeweitet und verstärkt
werden.
Die USA haben zusammen mit Großbritannien und Spanien einen Resolutionsentwurf im Sicherheitsrat eingebracht,
nach dem Irak nicht zur Abrüstung bereit ist. Diese Feststellung würde einen Krieg gegen Irak ermöglichen.
Frankreich, Deutschland und Russland werben dagegen für eine Fortsetzung der Inspektionen. (Quelle: ap)
Der Entwurf für eine neue UN-Resolution (Wortlautauszüge)
Kapitel VII der UN-Charta
Das Memorandum (Übersetzung die Kernpunkte)
Bush bekräftigt Kriegsentschlossenheit der Vereinigten Staaten.
So.02.03.03 - US-Präsident George W. Bush spricht, als sei ein Krieg gegen
den Irak schon beschlossene Sache: In seiner wöchentlichen Radioansprache
sagte er: "Die USA werden die Führung bei der Zerstörung der chemischen und
biologischen Waffen übernehmen". Er bekräftige die Entschlossenheit
Washingtons, für die vollständige Entwaffnung des Irak zu sorgen. Nach drei
Jahrzehnten Diktatur und Krieg sei es aber wahrscheinlich nicht einfach, dem Irak
zur Freiheit zu verhelfen. (Quelle: dpa)
Papst schickt Sonderbotschafter nach Washington
So.02.03.03 - Papst Johannes Paul II. wird einen Sonderbotschafter nach Washington
entsenden, um die USA von einem Krieg gegen den Irak ohne Zustimmung der UN
abzubringen. Kurienkardinal Pio Laghi werde in den kommenden Tagen
US-Präsident George W. Bush eine Botschaft des Papstes überbringen, teilte
Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls am Samstag mit. Dies solle zur Abrüstung
und zum Frieden beitragen, fügte er hinzu. Nach Angaben italienischer Medien soll
Laghi bereits am Montag in die USA reisen.
Der Vatikan hat sich wiederholt gegen ein militärisches Vorgehen gegen
den Irak ohne Zustimmung der UN ausgesprochen. Das Weiße Haus hatte zuletzt
jedoch betont, Bush werde sich in der Irak-Frage nicht vom Papst beeinflussen
lassen.
Vor zwei Wochen hatte der französische Kardinal Roger Etchegaray dem irakischen
Präsidenten Saddam Hussein eine Botschaft des Papstes überbracht, in der
Bagdad zur vollen Zusammenarbeit mit den UN aufgefordert wurde. Gleichzeitig
besuchte der irakische Vizepremier Tarik Asis das Oberhaupt der katholischen
Kirche. Im Zuge seiner Friedensbemühungen hat der 82-jährige Johannes Paul II.
auch den britischen Premier Tony Blair, den spanischen Ministerpräsidenten
Josemaria Aznar, UN-Generalsekretär Kofi Annan und Bundesaußenminister
Joschka Fischer im Vatikan empfangen. (Quelle: dpa)
Völkerrechtler warnt vor Präventivschlag
Sa.01.03.03 - Hartmut Schiedermair, Professor für Völkerrecht an der Universität Köln,
hat vor einem eigenmächtigen Vorgehen der USA gegen den Irak gewarnt.
In einem Interview mit sueddeutsche.de sagte Scheidermair: "Wenn die USA
auf Basis ihrer Hegemonie einen Alleingang machen würden, würde das
politisch zu einer Schwächung der UN führen." Ein Präventivschlag
ohne entsprechenden Beschluss des UN-Sicherheitsrates wäre ein klarer
Verstoß gegen das Gewaltverbot und somit gegen das Völkerrecht.
Auch ein Präventivschlag müsse vom Sicherheitsrat autorisiert werden.
Dazu müsse ein irakischer Angriff unmittelbar bevorstehen. Dies sei
nicht der Fall. (Quelle: sz) Der Wortlaut des Interviews unter:
Bush (oder Cheney) Doktrin
Ist der Neoliberalismus die Software und die
Attac-Vizepräsidentin Susan George: "Natürlich, das sind zwei Seiten einer Medaille. Der
Chef der Kriegsplanungsabteilung im Pentagon schrieb 1997 oder
1998 in der Armee-Zeitschrift Parameter: "Die Welt muss offen
bleiben für unsere ökonomische Penetration und unseren
kulturellen Vorstoß. Für diese Ziele sollten wir einen hübschen
Tötungsbeitrag leisten." Dieser Mann wusste, worüber er sprach.
Es geht also auch darum, die Mentalität der Leute zu verändern. (...)
Die Leute rund um Präsident Bush haben ein sehr ideologisches
Programm. Sie wollen den Irak auch ideologisch und psychologisch
"umdrehen". Aber was sie sagen, ist total verrückt. Es ist
unmöglich, ein Land per Besatzungsmacht die Demokratie
aufzudrücken. Dennoch: Die kulturelle Penetration ist der
Bush-Regierung genauso wichtig wie die ökonomische. Es ist
kurzsichtig und kindisch zu behaupten, dieser Krieg würde nur ums
Öl geführt. Diese Imperialismustheorie aus dem 19.Jahrhundert
kann die heutige Realität nicht mehr erklären. (...)"
Auf der einen Seite steht die Supermacht USA, die ihre
Hegemonie mit Krieg durchzusetzen droht, auf der anderen
Seite die globalisierungskritische Bewegung. Erleben wir
einen Machtkampf auf globaler Ebene, vielleicht sogar einen
historischen Wendepunkt?
Susan George : "Ich denke schon, aber das alles ist sehr gruselig. Vielleicht werde
ich langsam alt, aber ich habe das Gefühl, einen Alptraum zu
erleben, die andere Seite scheint sich definitiv durchzusetzen. Ich
will damit nicht sagen, dass damit die Geschichte zu Ende geht.
Aber wenn es nach dem Willen der US-Regierung geht, dann
werden wir 'endlosen Krieg' erleben, wie ihr Vizepräsident Dick
Cheney gerne sagt...."
(Aus einem Taz-Interview vom 27.02.2003)
Ruf der USA nach Regimewechsel in Irak stößt in Berlin auf Widerspruch
So.02.03.03 - Die Forderung der USA, der irakische Staatschef Saddam
Hussein müsse nicht nur abrüsten, sondern auch sein Amt zur Verfügung stellen,
findet in Kreisen der Berliner Regierungsparteien keine Unterstützung. Führende
Politiker von SPD und Grünen sowie der Sprecher von Bundesaußenminister
Joschka Fischer wiesen die vom Washingtoner Präsidentensprecher Ari Fleischer
genannte zusätzliche Bedingung für den Verzicht auf einen Krieg im Gespräch mit
der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zurück.
Der Sprecher von US-Präsident George Bush hatte in Washington erklärt, ein Krieg
in Irak sei nur vermeidbar, wenn Irak sofort vollständig abrüste und es zu einem
Regimewechsel komme. Beide Bedingungen müssten erfüllt werden. Der Sprecher
des Auswärtigen Amts in Berlin, Walter Lindner, sagte dazu nach Angaben der
Zeitung, in der UN-Resolution 1441 stehe "nichts drin von Regimewechsel". Dort
gehe es nur um Abrüstung.
Auch die Parteivorsitzenden der Grünen, Angelika Beer und Reinhard Bütikofer
widersprachen laut Vorabmeldung der Zeitung dieser Forderung. Beer wies die neue
"Konditionierung" für eine friedliche Lösung zurück und fügte hinzu, diese
Bedingung Washingtons zeige, dass das Interesse der Amerikaner an einer
völkerrechtlich gedeckten Vorgehensweise gering sei. Bütikofer kritisierte, bisher
habe Washington nur ständig wechselnde Begründungen für das eine Ziel, Krieg zu
führen vorgelegt. "Ich frage mich, woran man erkennen kann, dass eine Bedingung, die
Washington stellt, morgen noch dieselbe sein wird".
Der für Außenpolitik zuständige stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Gernot Erler verwies ebenfalls darauf, dass
es keinen UN-Beschluss zum jetzt geforderten Regimewechsel gebe. Wenn der Sprecher von Präsident Bush das
dennoch verlange, stelle er sich damit "außerhalb der Beschlussfassung der Vereinten Nationen". (Quelle: ap)
Struck: Keine Hilfe bei Irak-Krieg durch ABC-Truppen in Kuwait.
So.02.03.03 - Die in Kuwait stationierten ABC-Schutztruppen der Bundeswehr stehen im
Falle eines Krieges nicht zum Schutz von US-Truppen in Irak zur Verfügung.
Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) sagte der "Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung", die deutschen Soldaten "bleiben in Kuwait, denn der
Schutzauftrag bezieht sich auf das Land, dessen Bürger und die dort stationierten
Amerikaner". "Den Schutz vorrückender amerikanischer Einheiten auf irakischem
Territorium" müsse die US-Armee selbst übernehmen. Das sehe auch das
Bundestagsmandat für die in Kuwait stationierten Soldaten und sechs
"Fuchs"-Spürpanzer gegen atomare, biologische und chemische Waffen vor
(Quelle: afp)
Iraks Außenminister Sabri: Europäer verteidigen im Irak eigene Interessen
So.02.03.03 - Deutschland, Frankreich und andere europäische Gegner eines Irak-Kriegs
verteidigen mit dieser Haltung nach Ansicht von Iraks Außenminister Nadschi Sabri vor
allem ihre eigenen Interessen. "Sie haben große Sorge, dass die USA den Zugang zum Öl
der Region kontrollieren wollen", sagte Sabri Freitagnacht vor Beginn des Gipfels der Arabischen
Liga in Scharm el Scheich in einem dpa-Gespräch.
Die Europäer müssten in diesem Konflikt ihre eigenen politischen
und wirtschaftlichen Interessen wahren. "Auch die arabischen
Völker sehen die Gefährlichkeit dessen, was die Amerikaner
vorhaben und ich hoffe, dass auch die arabischen Führer diese Gefahr erkennen
werden", fügte er hinzu.
Wenn sich die arabischen Staaten gegen die Kriegspläne der Amerikaner stellen
wollten, dann seien sie keineswegs machtlos. "Sie können das schon", betonte er.
"Der Wille ist stärker als eine B-52", sagte Sabri. Genau wie Saladin die Kreuzritter
aus Jerusalem vertrieben habe, so könnten sich auch die Araber gegen die Pläne
Washingtons auflehnen.
Wenn US-Außenminister Colin Powell davon spreche, die "politische Landkarte der
(arabischen) Region neu zu ordnen", dann bedeute dies, dass er den Status quo
von Grund auf ändern wolle. "Das Ziel ist es eine Reihe kleiner schwacher Staaten
zu schaffen, die alle unter der Kontrolle Israels stehen", sagte der Außenminister. (Quelle: dpa)
Wie Washington die Unterstützung für seinen
Sa.01.03.03 - Wenige Wochen vor dem wahrscheinlichen Angriff der US-Streitkräfte auf den
Ölstaat Irak hat Washington den Druck auf die Mitglieder des Sicherheitsrates
der Vereinten Nationen massiv erhöht. Erreicht werden soll eine Zustimmung von
zumindest neun der fünfzehn Mitglieder des Gremiums.
Die Vorbereitungen der USA auf den Irak-Krieg sind ein selten klares Beispiel dafür, wie
wirtschaftliche Abhängigkeit für die Politik der US-Großmacht verwandt wird.
USA verletzen ungarischen Luftraum
So.02.03.03 - Die USA haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in
Budapest im vergangenen Monat den ungarischen Luftraum verletzt. Sechs
Hubschrauber und ein Militärflugzeug hätten Ungarn am 20. Februar auf dem Weg
zu einem Stützpunkt in Rumänien überflogen, erklärte Verteidigungsminister Ferenc
Juhasz am Samstag bei einer Sondersitzung des Verteidigungsausschusses im
Parlament. Ungarn hat den USA die Nutzung seines Luftraums lediglich im
Zusammenhang mit der Operation Enduring Freedom in Afghanistan eingeräumt.
Die Flüge im Februar hätten aber einem anderen, nicht näher erläuterten Zweck
gedient. Juhasz sagte, die USA hätten ihn am Freitag informiert, dass es eine
Verwechslung gegeben habe und die sieben Fluggeräte nicht nach Afghanistan
geflogen seien. Die USA hätten sich für den Vorfall entschuldigt, sagte der Minister.
Die Regierung habe Washington eine scharf formulierte Reaktion übermittelt und die
USA aufgefordert, dafür zu sorgen, dass sich ein ähnlicher Vorfall nicht wiederhole.
(Quelle: ap)
Bosnier demonstrieren gegen Irak-Krieg
So.02.03.03 - Unter dem Eindruck der Zerstörungen im Bosnien-Krieg sind am
Samstag rund 2.000 Demonstranten in der bosnischen Stadt Tuzla gegen eine
Militäroffensive in Irak auf die Straße gegangen. "Stoppt Bush und rettet die Welt"
oder "Kein Blut für Öl" stand auf Transparenten zu lesen. Schulkinder ließen
Friedenstauben in den Himmel aufsteigen.
Die Erfahrung des Krieges 1992 bis 1995 nehme Bosnien in die moralische Pflicht,
sich den weltweiten Rufen nach Frieden anzuschließen, erklärte einer der
Organisatoren des Protests, der Journalist Sinan Alic. "Bosnien muss nun
aufschreien." Er betonte zugleich, dass der Protest gegen "die Kriegsmaschine
Bushs" und nicht gegen die USA gerichtet sei. Die bosnische Regierung hat sich
gegen einen Militärschlag gestellt und wiederholt erklärt, sie setzte auf eine
diplomatische Lösung des Konflikts. (Quelle: ap)
Hüllenloser Protest gegen Irak-Krieg in Chile
So.02.03.03 - Aus Protest gegen eine Irak-Krieg sind am
Samstag in der chilenischen Hauptstadt Santiago mehrere
hundert Menschen nackt auf die Straße gegangen. Als einige
der Demonstranten vom Versammlungsort, einem Park in der
Innenstadt, Richtung Präsidentenpalast zogen, schritt die Polizei
ein. Eine Erlaubnis des hüllenlosen Protests habe nur für den
Park vorgelegen, erklärte ein Sprecher. Etwa ein Dutzend
Demonstranten wurden festgenommen. (Quelle: ap)
Deutsch-französischer Anit-Kriegs-Protest
So.02.03.03 - Mehrere tausend Deutsche und Franzosen haben auf der
Europabrücke zwischen Straßburg und Kehl gemeinsam
gegen einen Irak-Krieg demonstriert. Die Demonstranten
forderten auf Transparenten "Nein zum Krieg" und trafen
sich symbolisch in der Mitte der Brücke, die beide Länder
verbindet. Zu der Protestaktion hatten deutsche und
französische Gewerkschaften sowie Friedensgruppen und die
Anti-Globalisierungsbewegung Attac aufgerufen.
"Der drohende Krieg wird dramatisch sein für das irakische Volk. Deshalb rufen wir
die französische und die deutsche Regierung auf, alles zu tun, um diesen Krieg zu
verhindern", sagte der Attac-Verantwortliche von Straßburg, Marc Danon, der die
Demonstranten im "alten Europa" willkommen hieß.
Nach Angaben der Veranstalter nahmen rund 4000 Menschen an der Demonstration
teil, laut Polizei waren es 2000. Drei Viertel der Demonstranten waren Deutsche. (Quelle: afp)
150 Kriegsgegner nach Zugblockierung in Belgien festgenommen.
So.02.03.03 - Die Polizei hat in Belgien 150 Kriegsgegner vorläufig festgenommen.
Die Demonstranten wollten einen Zug mit US- Militärmaterial blockieren. Zu der
eigentlichen Blockade sei es nicht gekommen, da die Beamten vorher eingegriffen
hätten, berichtet die Nachrichtenagentur Belga. Die US-Armee transportiert derzeit
Material durch Belgien zum Hafen von Antwerpen und weiter per Schiff in die
Golfregion. (Quelle: dpa)
Aktionen der Friedensbewegung unter:
Hintergrundtexte der Informationsstelle Militarisierung (IMI)
Link-Auswahl zum Thema Irak-Konflikt:
US-Berufungsgericht bei Streit um Fahneneid in Konfrontation mit Bush
So.02.03.03 - Ein US-Berufungsgericht hat den an US-Schulen geleisteten Treueschwur erneut für
verfassungswidrig erklärt und damit eine Eingabe der Regierung von Präsident
George W. Bush abgelehnt. Der Eid bringe Schüler in "die unhaltbare Lage", sich
zwischen der Teilnahme an einem religiösen Akt oder dem Protest dagegen
entscheiden zu müssen, begründete das Berufungsgericht von San Francisco im
Bundesstaat Kalifornien am Freitag sein Urteil. In der Schule stünden die Kinder
schon wegen ihres Alters und ihrer Beeinflussbarkeit in einer Zwangssituation. Der
Streit um den täglich von Millionen Schülern geleisteten Treueschwur könnte nun vor
dem Obersten Gericht in Washington weitergehen.
Im Juni vergangenen Jahres hatte das Berufungsgericht von San Francisco den 110
Jahre alten Treueschwur für verfassungswidrig erklärt und damit bei der Regierung in
Washington einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. US-Präsident George W. Bush
nannte die Entscheidung "lächerlich". Die Richter hatten erklärt, die Schwurformel
"eine Nation unter Gott" verstoße gegen die in der Verfassung verankerte Trennung
zwischen Kirche und Staat. Sie gaben damit einem Atheisten Recht, der dagegen
geklagt hatte, dass seine Tochter jeden Morgen an der Schwur-Zeremonie in ihrer
Schule teilnehmen muss.
In neun westlichen US-Bundesstaaten leisten jeden Tag Millionen Schüler zwischen fünf und elf Jahren vor der
gehissten Fahne den Eid: "Ich schwöre Treue auf die Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik, für
die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle." Dabei legen die Kinder die Hand
aufs Herz. Der Baptistenprediger Francis Bellamy hatte den Schwur auf die Flagge 1892 zum 400. Jahrestag der
Entdeckung Amerikas durch Christopher Columbus an Schulen verfasst. Die Formulierung "Nation unter Gott" wurde
1954 vom Kongress hinzugefügt. (Quelle: afp)
Angeblich führendes El-Kaida-Mitglied in Pakistan festgenommen
So.02.03.03 - Mutmaßlicher Topterrorist in Pakistan gefasst: Chalid Scheich Mohammed ist
nach Angaben des Weißen Hauses in Washington einer von Osama bin Ladens
bedeutendsten Stellvertretern und ein Drahtzieher der Anschläge vom 11.
September. Er steht zudem auf der US-Liste der 22 meist gesuchten Terroristen.
Nach US-Medienberichten hat Scheich Mohammed Pakistan bereits verlassen.
Unklar ist noch, ob er direkt in die USA oder in ein Drittland ausgeliefert werden soll.
In den USA liegt eine Anklage gegen ihn vor.(Quelle: dpa)
Libeskind-Bau an Stelle des World Trade Center in New York
So.02.03.03 - An der Stelle des am 11. September 2001 durch einen Anschlag zerstörten
World Trade Centers in New York soll ein Bau des Architekten Daniel Libeskind
entstehen. Dessen Entwurf hat sich gegen einen Vorschlag von zwei US-Architekten
durchgesetzt.
Libeskinds Konzept sieht den Bau mehrerer Hochhäuser vor, die eine Gedenkstätte
umgeben sollen. Mit 541 Metern würde der größte Turm eines der höchsten
Gebäude der Welt sein. Die Höhe entspricht 1776 Fuß - eine symbolische Zahl, die
an das Jahr der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung erinnern soll.
Libeskind gehört zu den weltweit erfolgreichsten Architekten. Eines seiner
berühmtesten Gebäude ist das Jüdische Museum in Berlin.
Libeskind will die unterirdischen Grundmauern des World Trade Centers, die nach
Abtragen des Schutts übrig geblieben sind, stehen lassen. Ein Rundweg soll den
Besuchern den Blick auf die "Ground Zero" genannte Stelle gestatten, auf der einst
das World Trade Center stand und wo nun eine Stätte zum Gedenken an die rund 2800 Todesopfer des Anschlags
entstehen soll. Über deren Gestaltung soll ein weiterer Wettbewerb entscheiden. Die umgebenden
Geschäftshochhäuser sollen einen asymmetrischen und kantigen Charakter haben.
Die in der Endausscheidung unterlegenen New Yorker Architekten Rafael Vinoly und Frederic Schwartz hatten einen
aus Gittern konstruierten Doppelturm vorgeschlagen. Nach Einschätzung von Peter Cachola Schmal, Kurator des
Deutschen Architektur Museums in Frankfurt am Main, wurde Libeskinds Vorschlag ausgewählt, weil sich der
Architekt schon früher mit Entwürfen für Gedenkstätten hervorgetan habe. Es gebe aber Kritik an dem Konzept, weil
Gegner die asymmetrische Form der Gebäude als zu aggressiv empfänden, sagte Cachola Schmal der
Nachrichtenagentur Reuters. Das Architektur Museum zeigt derzeit 60 Entwürfe, die Architekten für die Bebauung von
"Ground Zero" eingereicht haben. Für einen zentralen Ort der Erinnerung haben sich vor allem die Angehörigen der
Opfer eingesetzt.
In der Spitze des 541 Meter hohen Turms sollen weithin sichtbare, hängende Gärten entstehen. Libeskind nannte
seinen gesamten Entwurf "Die Gärten der Welt" und begründete dies damit, "dass Gärten ein immer währendes Ja
zum Leben" darstellten. Allerdings könnte der tatsächliche Bau von dem bisher bekannten Entwurf abweichen, sagte
Cachola Schmal. Bereits in den vergangenen Wochen hätten die Auftraggeber zahlreiche Veränderungswünsche an
die Finalisten herangetragen.
Offiziellen Angaben zufolge wird mit einem Baubeginn in New York frühestens 2005 gerechnet. Die Kosten für
Libeskinds Bau werden auf 330 Millionen Dollar (rund 306 Millionen Euro) veranschlagt.
PLO berät ab 8. März über Palästinenser-Premier
So.02.03.03 - Palästinenserpräsident Jassir Arafat hat für kommenden Samstag
eine Sondersitzung des PLO-Zentralrats zur Frage des neuen
palästinensischen Ministerpräsidenten einberufen. Wie Arafats
Berater Nabil Abu Rudeina mitteilte, tagt im Anschluss an die für
den 8. bis 12. März geplante Sitzung des Zentralrats das
palästinensische Parlament. Arafat werde die Ernennung eines
Regierungschefs vorschlagen. Abu Rudeina appellierte an Israel,
die beiden Treffen in Ramallah nicht zu behindern.
Der israelische Rundfunk hatte zuvor unter Berufung auf die Regierung berichtet,
lediglich Delegierten, die "in den Terrorismus verwickelt" seien, werde die Einreise
nach Ramallah verwehrt. Die israelische Reisegenehmigung für das PLO-Treffen und
die anschließende Parlamentssitzung ist erforderlich, weil die Armee fast das
gesamte Westjordanland besetzt hält und den Gazastreifen abgeriegelt hat.
Arafat hatte Mitte Februar unter internationalem Druck der Beschneidung seiner
Macht zugestimmt. Die Reform gilt als entscheidend für die Fortsetzung von
Friedensgesprächen mit der israelischen Regierung, die Arafats Einfluss reduzieren
will. Als Kandidaten für das neue Amt werden die Nummer zwei der PLO, Mahmud
Abbas, Innenminister Hani el Hassan sowie Finanzminister Salam Fajad gehandelt,
der als Favorit der USA gilt.
(Quelle: afp)
EU findet keine Einigung über Auslieferungsabkommen mit USA
So.02.03.03 - Die EU-Justizminister haben sich wegen französischen
Widerstands erneut nicht auf ein Auslieferungs- und Rechtshilfeabkommen mit den
USA einigen können.
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries sagte nach den Beratungen am Freitag in
Brüssel, trotz "enormer Fortschritte" hätten Portugal und Frankreich weiterhin
Probleme mit dem von der griechischen Ratspräsidentschaft mit den USA
ausgehandelten Entwurf. Ob die eigentlich abgeschlossenen Verhandlungen mit den
USA nun wieder aufgenommen werden müssten, sei offen. Deutschland hätte dem
Abkommen zustimmen können, sagte Zypries.
Die USA waren der EU zuvor vor allem mit Garantien entgegen gekommen, dass die
Hilfe der EU-Justiz nicht zu Hinrichtungen in den USA führen könnte. Das
Abkommen ist Teil der Zusage der EU-Staaten, den USA beim Kampf gegen
Terrorismus zu helfen. Deutschland unterhält mit den USA zwar ein Auslieferungs-,
aber kein Rechtshilfeabkommen.
Zypries sagte, die Zusagen der USA etwa gegen die Vollstreckung der Todesstrafe
entsprächen den Zusicherungen im bilateralen deutschen Abkommen, das zudem
weiter gelten würde. Diplomaten zufolge sieht der Abkommensentwurf vor, dass von
EU-Staaten ausgelieferte Personen in den USA nicht hingerichtet werden dürfen.
Anders als Deutschland sah Frankreich nach Angaben von Diplomaten in dem
Abkommensentwurf noch keine ausreichenden Garantien, dass in die USA
ausgelieferte Menschen auch einen fairen Prozess erhielten. Frankreich habe auch
Bedenken dagegen angemeldet, dass die USA gleichberechtigt mit EU-Staaten die
Auslieferung eines Beschuldigten verlangen könnten. Dies könnte aus französischer
Sicht die Zusammenarbeit der EU-Justizbehörden behindern. (Quelle: rtr)
Unter Berufung auf den Anti-Terror-Kampf
etabliert die US-Regierung eine Parallel-Justiz. Deren Prinzip ist Willkür.
Do.05.12.02 - Nach dem Willen Washingtons sollen Personen, US-Bürger wie
Ausländer, die terroristischer Aktivitäten verdächtigt werden,
überwacht, unbefristet gefangengesetzt, ausgefragt, angeklagt,
bestraft oder deportiert werden können, ohne dass die
Grundgarantien eines Rechtsstaats – rechtliches Gehör, anwaltlicher
Beistand, ordentliches Gericht, Unschuldsvermutung,
Berufungsmöglichkeit et cetera – eingehalten werden.
Ja, es bedarf noch nicht einmal des Verdachts einer Täterschaft oder
Beihilfe des Terrorismus, es genügt die Vermutung, der Betroffene
könne ein "material witness", ein wichtiger Zeuge sein. Selbst diesem
also kann es passieren, dass er gefangengehalten wird, bis der
"Krieg gegen den Terrorismus" beendet ist – was bekanntlich, auch
nach realistischer Einschätzung der amerikanischen
Sicherheitsorgane, nicht vor dem St. Nimmer leinstag der Fall sein
dürfte: "That task, that never ends". (Quellen: bls, sz) Mehr unter:
Stichwort: Rechtshilfe und Auslieferungsverfahren
Die Auslieferung ist die wichtigste Form der
internationalen Rechtshilfe in Strafsachen. Voraussetzung
für die Auslieferung eines mutmaßlichen Straftäters an ein
anderes Land sind ein Haftbefehl und ein
Auslieferungsersuchen. Die Tat muss in beiden Staaten
strafbar sein und darf noch nicht verjährt sein.
Nach dem Völkerrecht existiert eine Auslieferungspflicht
nur, wenn es einen entsprechenden völkerrechtlichen Vertrag zwischen beiden
Staaten gibt. Besteht kein Vertrag, richtet sich das Verfahren nach dem Gesetz
über die Internationale Rechtshilfe in Strafsachen. Die USA haben mit Deutschland
ein offizielles bilaterales Abkommen über die Auslieferung von Straftätern, der
Jemen nicht.
Ob Deutschland einen mutmaßlichen Straftäter ausliefert, hängt davon ab, ob in
dem jeweiligen Land ein rechtsstaatliches Verfahren garantiert ist. Innerhalb der
Europäischen Union gilt zudem, dass niemand ausgeliefert wird, wenn ihm in dem
betreffenden Land die Todesstrafe droht.
Dies hatte in der Vergangenheit immer wieder die Rechtshilfe erschwert. So hatte
sich Deutschland erst nach langen Verhandlungen im November 2002 bereit erklärt,
den USA Beweismittel gegen den mutmaßlichen El-Kaida-Terroristen Zacarias Moussaoui zu liefern. Washington
hatte zuvor zugesagt, die Beweismittel nicht für einen Antrag auf Todesstrafe zu nutzen. Moussaoui war wenige Tage
vor den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA festgenommen worden. Die US-Behörden glauben, dass er
als 20. Flugzeugentführer vorgesehen war. Moussaoui hat sich selbst als Mitglied der El Kaida bezeichnet, will mit
den Anschlägen jedoch nichts zu tun gehabt haben.
Das zuständige Oberlandesgericht (OLG) prüft die Zulässigkeit des Rechtshilfeersuchens. Hält es die Rechtshilfe
nicht für zulässig, darf sie auch nicht gewährt werden. Wird das Ersuchen vom OLG dagegen als zulässig
eingeschätzt, entscheidet die Bundesregierung - hier das Bundesjustizministerium - ob die Rechtshilfe tatsächlich
gewährt wird. (Quelle: dpa)
Deutschland: Luftwaffe soll künftig Polizei bei Terrorabwehr unterstützen
So.02.03.03 - Die Luftwaffe soll nach dem Willen der Regierung künftig die Polizei
bei der Abwehr von Terroranschlägen im zivilen Luftraum unterstützen. Das
Grundgesetz soll dafür nicht geändert werden. Über einen entsprechenden Entwurf
des von Innenminister Otto Schily vorgeschlagenen Polizeigesetzes herrsche
weitgehend Einigkeit, hieß es aus der Regierung. Nach einer Forsa-Umfrage
befürworten 61 Prozent der Bürger die Forderung der Union nach einer generellen
Möglichkeit für einen Bundeswehreinsatz auch im Inland. (Quelle: dpa)
DGB-Chef erteilt neuem Bündnis für Arbeit eine Absage
So.02.03.03 - Kurz vor dem Spitzentreffen mit den
Arbeitgebern im Kanzleramt sieht der Chef des
Deutschen Gewerkschaftsbunds, Sommer, keine Chance
mehr für ein neues Bündnis für Arbeit. In einem
Interview der "Bild am Sonntag" sagte Sommer wörtlich:
"Das Bündnis für Arbeit ist tot!" Er warf den
Arbeitgebern vor, die Gewerkschaften und die
Beschäftigten über den Tisch zu ziehen. Faire
Vereinbarungen zum Abbau der Arbeitslosigkeit können
nach Sommers Worten mit den Unternehmern nicht
getroffen werden. Der DGB-Chef ging auf das Thema
Kündigungsschutz ein und zeigte sich grundsätzlich zu
einer Modernisierung bereit. Eine allgemeine Lockerung
lehnte er aber ab. Morgen empfängt Bundeskanzler
Schröder in Berlin die acht Spitzenvertreter der
Wirtschaftsverbände und der Gewerkschaften. (Quelle: br)
Industrie verlangt längere Arbeitszeiten
Westerwelle fordert Entmachtung
Streit zwischen FDP-Chef und den Gewerkschaften eskaliert
So.02.03.03 - Der Streit zwischen FDP-Chef Guido Westerwelle und den
Gewerkschaften eskaliert. Nach heftiger Kritik Westerwelles an den
Gewerkschaften will DGB-Chef Michael Sommer ein für Mitte März geplantes
Gespräch mit dem FDP-Vorsitzenden absagen. Ein vernünftiges Gespräch sei unter
diesen Umständen nicht möglich, sagte Sommer am Samstag in einem
dpa-Gespräch.
"Mit dem Vorwurf der Untreue gegen die DGB-Gewerkschaften hat der
FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle ganz bewusst endgültig die Grenzen des
politischen Anstands verletzt", sagte Sommer.
Westerwelle hatte in einem Interview die Entmachtung von
Gewerkschaftsfunktionären gefordert. Diese würden "Politik gegen ihre Mitglieder"
machen. "Mit aberwitzigen Protestaktionen gegen Steuersenkungen veruntreuen sie
zu allem Überfluss auch noch die Beiträge ihrer Mitglieder."
"Insbesondere wegen des Vorwurfs der Veruntreuung von Mitgliedsbeiträgen der
Gewerkschaftsmitglieder werde ich rechtliche Schritte gegen Herrn Westerwelle
prüfen lassen", kündigte Sommer an. "Er isoliert sich mit dieser Tonart nicht nur
weiter in seiner Partei. Er hat sich auch mit dem schon wiederholt gescheiterten
Versuch der üblen Nachrede an den äußersten Rand des politischen Spektrums bewegt."
Der Deutsche Gewerkschaftsbund habe ein Wirtschaftsprogramm entworfen, das einen Ausweg aus der derzeitigen
Krise aufzeige, sagte Sommer. "Von Herrn Westerwelle fehlen solche Beiträge in der wirtschaftspolitischen Debatte."
Statt vernünftige Vorschläge zu machen, glaube Westerwelle, "sich als Nachfolger von Maggie Thatcher empfehlen zu
müssen."
Der FDP-Vorsitzende hatte gesagt, "wir müssen uns bei der Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft die frühere
britische Premierministerin Margaret Thatcher zum Vorbild nehmen." Sie habe die britische Gewerkschaftsführung auf
ihre reale Bedeutung zurechtgestutzt. Dies sei die Voraussetzung für den "enormen Wohlstandszuwachs und die
Halbierung der Arbeitslosigkeit in Großbritannien" gewesen.
"Im Klartext heißt das: Guido Westerwelle will Arbeitnehmer, Arbeitnehmerinnen, Erwerbslose und ihre Familien
enteignen", sagte Sommer. Der FDP-Chef wolle ganz offenkundig die Axt bei Löhnen und sozialen
Sicherungssystemen ansetzen. "Herr Westerwelle predigt den Klassenkampf. Damit kündigt er den Grundkonsens
der sozialen Marktwirtschaft auf." (Quelle: dpa)
IG-Metall-Vize Peters weist Kritik an Gewerkschaften zurück
So.02.03.03 - Der stellvertretende Vorsitzende der IG Metall,
Jürgen Peters, hat die Kritik von Union und FDP an den Gewerkschaften
zurückgewiesen. Politiker wie Guido Westerwelle und Friedrich Merz
hätten offenbar begriffen, dass die Gewerkschaften "als stabile Bank
die einzigen sind, die noch Widerstand leisten können", sagte Peters
dem in Berlin erscheinenden "Tagesspiegel am Sonntag". Der Versuch,
Gewerkschaftsmitglieder und -funktionäre zu spalten, werde aber
scheitern. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel am Sonntag rechnete
Peters aber auch scharf mit der rot-grünen Bundesregierung ab. Er sei
"zum Teil sehr enttäuscht und verblüfft darüber, wie sich die
neoliberale Denke auch in der Sozialdemokratie durchfrisst", sagte
Peters. Die Arbeitnehmer wollten 1998 mit der Wahl von Rot-Grün einen
Politikwechsel, mehr soziale Gerechtigkeit. Inzwischen aber habe
jeder das ungute Gefühl, dass er nur Benachteiligungen in Kauf nehmen
müsse, während sich Bundeskanzler Gerhard Schröder auf eine
"unverbindliche Moderation" zurückgezogen habe und sich "von
Industrie und Wirtschaft auf der Nase herumtanzen lässt". (ots)
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