|
k0303060
Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Do.06.03.03, 12:45 «Kriegsrat» im Weißen Haus
Do.06.03.03 - Die USA schließen offensichtlich ihre Vorbereitungen für einen Krieg gegen
den Irak ab. Präsident George W. Bush traf am Mittwoch im Weißen Haus mit seinen obersten
zusammen. Nach Angaben von Generalstabschef Richard Myers soll der Irak schon in den ersten
Stunden mit einem Bomben- und Raketenhagel zur Aufgabe gezwungen werden.
Bei dem "Kriegsrat" mit Bush sei es unter anderem um die Frage gegangen, ob
dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein ein Ultimatum zum Verlassen des
Landes gestellt werden solle, verlautete aus Regierungskreisen. UN-Mitarbeiter und
Ausländer im Irak sollten möglicherweise eine 72-Stunden-Frist zur Ausreise
bekommen, wenn Bush den Angriff befehle.
Die UN-Waffeninspekteure sind nach den Worten ihres Chefs Hans Blix darauf
eingestellt, den Irak bei einer amerikanischen Angriffswarnung sofort zu verlassen.
Die 250 UN-Mitarbeiter bräuchten dafür nicht mehr als ein oder zwei Tage.
An dem Treffen bei Bush nahmen unter anderem General
Tommy Franks, der im Falle eines Irak-Kriegs die Truppen
befehligen soll, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und
Generalstabchef Myers teil. Ziel sei ein kurzer Konflikt, sagte
Myers im Gespräch mit Reportern. "Um das zu erreichen, wäre
es das Beste, einen solchen Schock für das (irakische)
System zu verursachen, dass das irakische Regime früh zu
dem Schluss kommt, dass das Ende unvermeidbar ist." Nach
einem Bericht der "New York Times" sollen in den ersten 48
Stunden des Krieges bis zu 3000 präzisionsgesteuerte Bomben
und Raketen abgefeuert werden.
Blair sagte im britischen Unterhaus, Saddam könne einen Krieg noch immer verhindern, wenn er ins Exil gehe oder
hundertprozentig mit den UN-Waffeninspekteuren kooperiere. Die Vernichtung der Al-Samoud-2- Raketen reiche nicht
aus. Vielmehr müsse Saddam Rechenschaft darüber ablegen, was mit den "Tausenden von Litern Anthrax" und
seinem restlichen Arsenal an biologischen und chemischen Waffen geschehen sei.
US-Außenminister Colin Powell beschuldigte den Irak in Washington, Maschinen zur Herstellung verbotener Raketen
zu verstecken. Den USA lägen Informationen darüber vor, dass mit diesen Maschinen Triebwerke zum Antrieb der
Al-Samoud-2-Raketen gebaut werden können, mit deren Verschrottung Bagdad am Samstag begonnen hat. Powell
warf Saddam vor, er setze "seine Aktivitäten fort, mehr Raketen zu bauen". Das Saddam- Regime habe illegale
Waffen im ganzen Land "verstreut".
Bei einem Sondergipfel der Islamischen Konferenz-Organisation (OIC) in Doha (Katar) sprachen sich die 57
Mitgliedstaaten für eine friedliche Lösung des Irak-Konflikts aus und lobten Bagdads Zusammenarbeit mit den
UN-Waffeninspekteuren. Zum Eklat kam es, als der kuwaitische Außenminister Scheich Sabah el Ahmed el Sabah
forderte, die irakische Führung solle "ein großes Opfer bringen" und zurücktreten, um der Region einen
zerstörerischen Krieg zu ersparen. Der Leiter der irakischen Delegation, der stellvertretende Vorsitzende des
Revolutionären Kommandorates, Isset Ibrahim, beschimpfte in seiner Erwiderung die Kuwaiter als "Verräter".
In mehreren Ländern der Welt fanden wieder Demonstrationen gegen einen Irak-Krieg statt. Allein in Kairo gingen
500 000 Menschen auf die Straße. Bagdad setzte unterdessen die Zerstörung seiner Al- Samoud-2-Raketen fort.
(Quelle: dpa)
Moskau und Paris drohen mit Veto gegen Irak-Krieg
Do.06.03.03 - Russland und Frankreich haben unverhohlen mit einem Doppel-Veto
gegen einen Irak-Krieg gedroht. Die Länder würden "keine Resolution durchgehen lassen,
die einen Einsatz von Gewalt rechtfertigen würde", sagte der französische Außenminister
Dominique de Villepin nach einem Gespräch mit seinen deutschen und russischen
Kollegen, Joschka Fischer und Igor Iwanow, in Paris. In ihrer gemeinsamen
Erklärung bekundeten Paris, Moskau und Berlin ihren Widerstand gegen eine
zweite Irak-Resolution. Die US-Regierung spielte die Andeutungen Frankreichs und
Russlands zu einem möglichem Veto herunter.
Bei ihrem erneuten Schulterschluss verwiesen Paris, Berlin und Moskau auf die
Fortschritte bei der Entwaffnung Iraks. "In diesem Zusammenhang werden wir
keinen Resolutionsentwurf passieren lassen, der eine Gewaltanwendung
genehmigen würde", hieß es in der Erklärung. Russland und Frankreich würden
hierbei als ständige Ratsmitglieder "ihre volle Verantwortung wahrnehmen".
Die Sitzung des Sicherheitsrates am Freitag, an der die Außenminister der drei
Länder teilnehmen wollen, sei eine "wichtige Etappe" auf dem Wege einer
Abrüstungs Iraks. Der Gewalteinsatz müsse das letzte Mittel bleiben, betonte
Fischer. Chefinspektor Hans Blix will dem höchsten UN-Gremium am Freitag den
Fortgang der Abrüstung in Irak erläutern.
Washington zeigte sich von den Veto-Andeutungen Russlands und Frankreichs
unbeeindruckt. Es werde immer wieder "verschiedene Erklärungen von
verschiedenen Personen" geben, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari
Fleischer.
US-Außenminister Colin Powell sagte dem russischen Fernsehsender ORT, die USA würden notfalls auch ohne ein
Mandat der UNO einen Krieg führen. Wenn eine friedliche Abrüstung nicht möglich sei, würden die USA mit einer
"Koalition der Willigen" Irak mit Gewalt entwaffnen - "mit oder ohne Unterstützung der UNO".
(Quelle: afp)
China sieht keine Notwendigkeit für weitere UN-Resolution
Do.06.03.03 - China sieht nach den Worten von Außenminister Tang Jiaxuan in der
Irak-Krise derzeit keine Notwendigkeit für eine weitere UN-Resolution. Stattdessen
sollte die Arbeit der UN-Waffeninspekteure gestärkt werden. "Die Irak-Frage ist jetzt
an dem kritischen Punkt angelangt, an dem es sich entscheidet, ob es eine
politische oder eine militärische Lösung gibt", erklärte Tang am Donnerstag. Die
letzte UN-Resolution zur Irak-Frage, die Resolution 1441, habe sich als wirksam
erwiesen. "Sie hat ihre Ziele aber noch nicht erreicht."
"Wir arbeiten hart an einer politischen Lösung und versuchen, einen Krieg zu
vermeiden. Im Moment ist es absolut unnötig, die Resolution 1441 beiseite zu legen
und eine neue Resolution einzubringen",sagte Tang. Im Moment sei es noch zu
früh, sich mit der Frage zu befassen, ob China gegen eine neue UN-Resolution sein
Veto einlegen werde. (Quelle: ap)
London erwägt offenbar Kompromissvorschlag im Sicherheitsrat
Do.06.03.03 - Zur Überwindung der tiefen Kluft im UN-Sicherheitsrat in der
Irak-Frage prüft Grossbritannien nach Angaben von Diplomaten die Möglichkeit,
Staatschef Saddam Hussein eine letzte kurze Frist zur völligen Abrüstung zu
gewähren. Diplomaten im Sicherheitsrat erklärten, Grossbritannien habe am
Mittwoch einen solchen Vorstoss erstmals erwähnt.
An dem von den USA, Grossbritannien und Spanien eingebrachten
Resolutionsentwurf werde festgehalten, erklärten die Diplomaten, die nicht genannt
werden wollten. Darin soll festgestellt werden, dass Irak seine
Abrüstungsverpflichtungen nicht erfüllt hat und deshalb mit militärischen
Konsequenzen rechnen muss. Möglicherweise werde aber ein Zusatz angefügt, der
Irak einen letzten kurzen Zeitraum zur Abrüstung lasse.
Ob eine solche Möglichkeit für die USA akzeptabel wäre, war zunächst nicht
bekannt. Auch von Frankreich, Russland und Deutschland, die sich gemeinsam für
eine friedliche Lösung der Krise einsetzen und eine zweite UN-Resolution ablehnen,
lag zunächst keine Reaktion vor. Die Diplomaten wiesen aber darauf hin, dass
mehrere bislang unentschiedene Staaten, darunter Chile und Pakistan, Interesse an
einem solchen Kompromiss geäussert hätten.
(Quelle: ap)
Daily Express: Tag X für britische Golf-Truppen der 17.März
Do.06.03.03 - Die in der Golf-Region für einen Militärschlag gegen Irak
bereitgestellten britischen Truppen haben nach einem Bericht des "Daily Express"
den 17. März als Invasions-Termin genannt bekommen. Unter Berufung auf
Regierungskreise berichtete die Zeitung am Donnerstag, britischen Offizieren in
Kuwait sei mitgeteilt worden, sich auf einen Einmarsch zu diesem Termin bereit zu
halten. Der Invasion würde ein "kurzer und heftiger" Luftangriff ab dem 13. März
vorangehen.
Eine Sprecherin des britischen Verteidigungsministeriums sagte, sie habe zu
diesem Bericht keine Stellungnahme. (Quelle: rtr)
Blix - Iraks Kooperation zur Abrüstung hat zugenommen
Do.06.03.03 - Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit Iraks mit den Vereinten
Nationen (UNO) hat nach Aussage von UNO-Chef-Waffeninspekteur Hans Blix
zuletzt eindeutig zugenommen. US-Aussenminister Colin Powell sagte in einer Rede
am Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington, die Inspektionen
brächten nichts.
Die Gesten Iraks seien nicht ausreichend und kämen zu spät. Sie sollten die
internationale Gemeinschaft täuschen und deren Handeln hinauszögern, erklärte
Powell. Der irakische Staatschef wolle die Mitglieder des Weltsicherheitsrats in
«zwei streitende Fraktionen» teilen. Ende Januar habe Irak chemische und
biologische Substanzen in weit von Bagdad entfernte Regionen gebracht, in die
Nähe der Grenzen zu Syrien und der Türkei, um sie zu verstecken. Mitte Februar
habe Irak aus Furcht vor den Überwachungsflügen der U-2-Aufklärungsflugzeuge
verbotenes Material in arme Wohnviertel nahe der Hauptstadt transportiert.
Blix sagte dagegen am Mittwoch vor der Presse in New York, dies liege an der
amerikanischen Drohung eines Militärschlags gegen Irak. "Es gibt jetzt deutlich
mehr Kooperation und die Drohung hat sicherlich hier dazu beigetragen." Blix will
am Freitag den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) einen weiteren
Zwischenbericht über die Ende November vergangenen Jahres aufgenommenen
Waffeninspektionen geben. Zugleich kündigte er an, dabei auch eine Liste offener
Fragen präsentieren zu wollen.
Blix, der Irak ultimativ aufgefordert hatte, mit der Zerstörung von El-Samud-Raketen
zu beginnen, sagte zum Erfolg dieser Aktion: "Hier werden in ziemlich großem
Umfang Waffen zerstört, die in einem Krieg eingesetzt werden könnten." Irak hat am
Mittwoch nach eigenen Angaben neun weitere Raketen des Typs El Samud 2
zerstört. Damit stieg die Zahl der verschrotteten Raketen auf 28. Die UNO hat die
Zerstörung aller rund 120 Raketen dieses Typs angeordnet, weil sie die erlaubte
Reichweite von 150 Kilometern überschreiten sollen.
Die USA haben erklärt, den Bericht der Waffeninspektoren abwarten zu wollen,
bevor sie darüber entscheiden, wann ein amerikanisch-britischer Resolutionsentwurf
im Rat zur Abstimmung gestellt wird. Die auch von Spanien und Bulgarien unterstützte
Resolution soll die rechtliche Grundlage für eine Invasion Iraks bilden. Gegen eine solche
Resolution haben sich Frankreich, Russland und Deutschland ausgesprochen.
Der Ausbruch eines Irak-Krieges könnte nach Einschätzung des UNO-Chefinspektors ein genereller Rückschlag für
Inspektionen als Mittel der Abrüstung darstellen. "Wenn ein Krieg ausbricht, dann wäre das nach meiner Meinung ein
schwerer Rückschlag für Inspektionen als Mittel zur Abrüstung."
UNO-Generalsekretär Kofi Annan hatte zuletzt den UNO-Sicherheitsrat zu einem Kompromiss aufgefordert. Kanada
hat Vorschläge ins Spiel gebracht, die Lösung noch offener Fragen mit festen Fristen zu versehen, in denen Irak diese
abzuarbeiten habe. Hier könnte die von Blix angekündigte Liste einen Anstoß geben.
(Quellen: rtr, ap)
Überwachungsflüge in südlicher Flugverbotszone verstärkt
Do.06.03.03 - Die USA und Grossbritannien haben ihre Patrouillenflüge in der
Flugverbotszone über Südirak in dieser Woche mehr als verdoppelt. Dies erklärte
ein ranghoher Beamter des Verteidigungsministeriums in Washington am Mittwoch.
Mehrere hundert Einsätze würden nun täglich geflogen. Daran seien Maschinen vom
Typ F-16 und andere Kampfflugzeuge beteiligt, aber auch Tank- und weitere
Flugzeuge. Dies habe zum Ziel, den Beginn eines Krieges für die irakischen
Verteidiger zu verschleiern und den Überraschungsmoment zu wahren, sagte der
Beamte, der nicht genannt werden wollte, weiter.
Amerikanische und britische Kampfflugzeuge kontrollieren seit 1991 die Einhaltung
des Flugverbots im Norden und Süden Iraks, das dem Schutz oppositioneller
Kurden und Schiiten dienen soll. Irak betrachtet die ohne UN-Mandat eingerichteten
Flugverbotszonen als Verletzung seiner Souveränität.
(Quelle: ap)
Türkischer Generalstabschef für Stationierung von US-Truppen
Do.06.03.03 - Der türkische Generalstabschef Hilmi Özkök hat sich am Mittwoch für die
Stationierung der US-Truppen in der Türkei zur Vorbereitung eines möglichen Angriffs
auf Irak ausgesprochen. Er respektiere die Entscheidung des Parlaments, dass die Stationierung
von 62.000 amerikanischen Soldaten am Samstag abgelehnt hatte, betonte Özkök. Bei einem
Krieg könne aber eine weitere Front in Nordirak zur Verkürzung des Krieges beitragen. Dies nütze
auch der Türkei.
Die Türkei sei von sich aus nicht in der Lage, einen Krieg zu verhindern, sagte
Özkök. "Wir haben nur die Wahl zwischen zwei Übeln." Der Chef der türkischen
Regierungspartei AKP, Recep Tayyip Erdogan, hatte am Dienstag angedeutet, dass
er sich noch einmal um die Zustimmung des Parlaments zur Stationierung der
US-Truppen bemühen will. Erdogan sagte, die Parlamentarier müssten jetzt die
Interessen des Landes vor ihre persönliche Gefühle stellen. Auch mehr als 90
AKP-Abgeordnete stimmten gegen den Vorschlag.
Die Türkei und die USA hatten wochenlang über ein Hilfspaket verhandelt, mit dem die Türkei für die wirtschaftlichen
Schäden eines möglichen Krieges im Irak entschädigt werden soll. Aus US-Regierungskreisen verlautete, Washington
gehe davon aus, dass man sich auf das Hilfspaket in Höhe von 15 Milliarden Dollar geeinigt habe. Daher seien weitere
Verhandlungen nicht nötig.
(Quelle: ap)
Irakische Opposition trifft sich in Teheran
Do.06.03.03 - Schiitische irakische Oppositionelle kommen heute in Teheran zusammen, um über
die Zukunft der Volksgruppe in Irak zu beraten. Für das Treffen in der iranischen
Hauptstadt werden bis zu 200 Vertreter erwartet. Die Schiiten in Irak sind über die
Frage der Ablösung von Machthaber Saddam Hussein zerstritten. In Iran leben die
meisten schiitischen Gegner des irakischen Staatschefs.
(Quelle: afp)
Robertson: NATO zu uneins für Mitwirkung an Lösung der Irak-Krise
Do.06.03.03 - Die NATO ist aus Sicht ihres Generalsekretärs George Robertson zu
gespalten, um in der Irak-Krise entscheidenden Einfluss ausüben zu können. Für
eine Mitwirkung des Bündnisses "an der Lösung der Krise" wäre ein Konsens seiner
19 Mitgliedsstaaten notwendig, sagte Robertson am Mittwoch laut der slowenischen
Nachrichtenagentur STA. Diese Übereinstimmung gebe es jedoch nicht. "Bislang
haben wir es nur geschafft, eine Einigung zum Schutz der Türkei zu erzielen", sagte
der NATO-Generalsekretär weiter. (Quelle: afp)
UN bestätigt «Analyse» für die Zeit nach dem Sturz von Saddam
Do.06.03.03 - Die Vereinten Nationen haben in einer "systematischen Analyse"
Überlegungen für die Zeit nach einem gewaltsamen Sturz des irakischen
Präsidenten Saddam Hussein angestellt. Das bestätigte UN-Sprecherin Hoa Jiang
am Mittwoch in New York. Nach ihren Angaben hat UN-Generalsekretär Kofi Annan eine
Arbeitsgruppe unter Rafeeuddin Ahmed damit beauftragt, "Probleme zu identifizieren, die
in einem solchen Szenario aufkommen könnten, und entsprechende
Lösungsvorschläge zu Papier zu bringen".
Die britische Tageszeitung "The Times" hatte am Mittwoch berichtet, dass die
Vereinten Nationen bereits geheime Pläne für die Zeit nach Saddam schmieden.
Dem Blatt zufolge wollen die UN den Irak beim Aufbau einer Regierung
unterstützen. UN-Sprecherin Jiang widersprach dieser Auslegung und betonte, dass
die UN "nicht davon ausgehen, dass es überhaupt zu einem Krieg im Irak kommt".
Das von Ahmed erstellte Dokument sei auch kein geheimer Plan, sondern nur eine
Sammlung von "Ideen".
Jiang stellte klar, dass nur der Weltsicherheitsrat darüber entscheiden könne, ob die Vereinten Nationen im Falle
eines Irak-Krieges Aufgaben übernehmen, die über humanitäre Hilfe hinausgehen würden. "Der Sicherheitsrat müsste
den Vereinten Nationen in diesem Fall ein Mandat erteilen", sagte die Sprecherin.
(Quelle: dpa)
US-Schriftsteller protestieren mit Gedichten gegen Kriegspläne
Do.06.03.03 - Mit einem eindrucksvollen Konvolut von 13.000 Gedichten aus aller Welt
haben US-Schriftsteller Stellung gegen die Kriegspläne ihrer Regierung bezogen.
Bekannte Poeten wie der Pulitzer-Preisträger William Merville erschienen am
Mittwoch im Kongress in Washington, wo sie die pazifistischen Reime
präsentierten. Unterstützung erhielten die Dichter von mehreren Abgeordneten,
darunter dem demokratischen Anwärter für die Präsidentschaftswahlen 2004,
Dennis Kucinich. (Quelle: afp)
Poets Against the War:
Studenten und Schüler demonstrieren gegen Irak-Krieg
Do.06.03.03 - An Protesten gegen einen möglichen Irak-Krieg haben sich in den
USA landesweit tausende Studenten beteiligt. An der kalifornischen
Stanford-Universität unterstützten Professoren die Aktion am Mittwoch, indem sie
Seminare absagten. In Madison im Staat Wisconsin demonstrierten nach Angaben
der Organisatoren 5.000 Studenten, die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf
2.000. Studenten an mehr als 350 Schulen und Hochschulen in den USA hatten
ihre Teilnahme an den Protesten angekündigt. Über die landesweite Beteiligung
lagen indes keine Angaben vor.
Am Mittwoch demonstrierten auch Schüler und Studenten in Frankreich, Schweden,
Spanien, Australien, der Schweiz, Bangladesch und Senegal gegen einen
Irak-Krieg. In Ägypten folgte eine halbe Million Menschen dem Aufruf der Regierung
von Präsident Husni Mubarak und gingen für den Frieden auf die Strasse.
Mehrere tausend vor allem junge Menschen haben am Mittwochabend in
Paris gegen einen Irak-Krieg demonstriert. "Nein zum Irak-Krieg, für den Frieden im
Nahen Osten", stand auf dem Spruchband am Anfang des Demonstrationszugs, der
durch die südlichen Bezirke der Pariser Hauptstadt zog. "Denen, die die Welt
bombardieren wollen, antwortet die Welt: 'Widerstand'", skandierten die
Demonstranten. Dutzende von Parteien und Verbänden hatten zu der Demonstration
aufgerufen. Am 15. Februar hatten in Paris nach Polizeiangaben 100.000 Menschen
demonstriert. Die Veranstalter hatten bis zu 250.000 Teilnehmer angegeben.
(Quelle: ap)
Im Internet: «Images against war»
Während die Medien dem Verhandlungs-Schauspiel zwischen Bagdad,
UN-Sicherheitsrat in New York und dem Weißen Haus in Washington immer
neue wahnwitzige Nuancen abgewinnen, bilden sich verschiedenste Protestformen
auch im Internet gegen den absehbaren Kriegskurs der USA und ihrer
Verbündeten aus.
Der neueste Golf-Krieg wird uns voraussichtlich nur die Bilder in die Wohnzimmer bringen,
die der letzten Supermacht genehm sind. Gegen diese Unterschlagung von
Kriegswirklichkeit agiert die Kampagne "Images against war, Bilder gegen Krieg", bei der
professionelle Fotografen aus aller Welt, unzensiert ihre Bilder ins Netz stellen können.
Dabei stehen Meinungsfreiheit und Streitkultur im Vordergrund, werden aber per
Bild und nicht durch Wort ausgetragen. Das gemeinsame Credo: Nur ein Bilderstreit kann
Zensur und Krieg verhindern. (Quelle: telepolis) Mehr unter:
Images against war
Das Bild des vietnamesischen Mädchen Phan Thi Phuc,
das vor den Napalm-Bomben der US-Armee um ihr Leben rennt,
wurde am 8.Juni 1972 geschossen. Es ging um die Welt und half mit,
den Vietnamkrieg zu beenden.
Dieses einzelne Bild fasste zusammen, wie der antikommunistische Kampf
der USA in Vietnam im Detail aussah. Es war ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung,
grausam und sinnlos. (Quelle: sz)
USA verlegen Bomber zur Abschreckung Nordkoreas nach Guam
Do.06.03.03 - Die USA haben nach Angaben von Militärvertretern mit der Verlegung von B-52-
Langstreckenbombern zur Pazifikinsel Guam begonnen, um Nordkorea bei einem Irak-Krieg von
Kriegsakten abzuschrecken.
Die ersten von zwölf B-52-Bombern, die eine Reichweite von mehreren tausend
Kilometern haben, seien am Dienstag von dem Luftwaffenstützpunkt Barksdale im
US-Bundesstaat Louisiana abgeflogen, sagten Militärvertreter am Mittwoch. Auch
zwölf B-1-Bomber sollten entsandt werden, hieß es. Guam liegt rund 3400
Kilometer von der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang entfernt.
Die Entsendung der Kampfflugzeuge stehe nicht in Verbindung mit dem jüngsten
Luftzwischenfall, hieß es. Vier nordkoreanische MiG-Kampfflugzeuge hatten
US-Angaben zufolge am Sonntag ein US-Aufklärungsflugzeug im internationalen
Luftraum vor der nordkoreanischen Küste abgefangen.
Die USA haben Nordkorea gemeinsam mit Irak und Irak als "Achse des Bösen"
bezeichnet und werfen den Ländern vor, nach Massenvernichtungswaffen zu
streben. Nordkorea hat in diesem Jahr seinen Austritt aus dem
Atomwaffensperrvertrag erklärt und will nach eigenen Angaben wegen
Energiemangels einen Atomanlage wieder anfahren, in dem Experten zufolge
Plutonium für Atomwaffen gewonnen werden kann.
(Quelle: rtr)
Mindestens 15 Tote bei Selbstmordanschlag in Israel
Do.06.03.03 - Beim ersten Selbstmordanschlag unter der neuen
israelischen Regierung sind in der Hafenstadt Haifa
mindestens 15 Menschen getötet worden. Wie das
israelische Fernsehen berichtete, wurden bei dem
Bombenattentat auf einen Linienbus etwa 40 Menschen
verletzt, zehn von ihnen schwer. Regierungssprecher Avi
Pasner kündigte "noch entschiedenere Maßnahmen gegen Terror-Organisationen"
an. Die Autonomiebehörde verurteilte die Tötung israelischer und palästinensischer
Zivilisten durch das Attentat.
Wenige Stunden nach dem jüngsten Selbstmordanschlag in Haifa beschloss das
israelische Sicherheitskabinett eine Abriegelung von Westjordanland und
Gazastreifen. Sie gelte bis auf weiteres, erklärte die Armee am Donnerstag.
Palästinenser dürfen damit nicht mehr nach Israel einreisen.
Polizeiangaben zufolge explodierte der Sprengsatz am frühen Nachmittag in einem
Bus, der das Wohngebiet Carmel mit der Universität von Haifa verbindet. Der
Attentäter trug den Berichten zufolge einen mit mehreren Dutzend Kilogramm
Sprengstoff und Nägeln gefüllten Gürtel, um ein großtmögliches Blutbad
anzurichten. Der Bus wurde von der Wucht der Detonation in der Mitte
hochgeschleudert und sein Dach aufgerissen. "Die Szene ist grauenhaft. Überall
verbogenes Metall, ein schrecklicher Anblick", sagte ein Augenzeuge.
Vertreter der radikalislamischen Palästinenserorganisationen Hamas und
Islamischer Dschihad erklärten, das Attentat sei die Antwort auf die tödlichen Militäreinsätze der vergangenen
Wochen. Sie bekannten sich jedoch nicht ausdrücklich zu dem Anschlag.
Allein am Montag und Dienstag hatten israelische Soldaten neun Palästinenser getötet, unter ihnen eine schwangere
Frau, ein 13-jähriges Kind und einen 85-jährigen Schafhirt. Solange die weit rechts stehende Regierung unter
Ministerpräsident Ariel Scharon mit ihrer "aggressiven Politik" fortfahre, werde auch der Widerstand fortgesetzt.
Scharons rechtskonservative Regierung nahm vergangenen Freitag ihre Amtsgeschäfte auf.
US-Präsident George W. Bush verurteilte den Anschlag "auf das Schärfste", wie sein Sprecher Ari Fleischer mitteilte.
Der Präsident stehe "fest an der Seite des israelischen Volkes". Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana sagte, in
den vergangenen Tagen und Wochen seien "zu viele Zivilisten" getötet worden. Dies müsse endlich aufhören.
Der französische Außenminister Dominique de Villepin forderte alle Beteiligten auf, die Gewalt zu beenden. Der
britische Außenminister Jack Straw erklärte, der "brutale Anschlag auf unschuldige Zivilisten" schade der Sache der
Palästinenser.
(Quelle: afp)
«Die Selbstmordattentäter sind keine Märtyrer, sie sind Kriegsverbrecher, und
so auch die Leute, die solche Anschläge im Hintergrund planen.»
Ein 170 Seiten starker Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW)
beschäftigt sich als erster mit der individuellen kriminellen Verantwortung von
Selbstmordattentaten auf Zivilisten in Israel und in den besetzten Gebieten, beschreibt aber
auch Selbstmordattentate, die von der Hamas, dem islamischen Dschihad, der
Märtyrerbrigade der al-Aksa und der Popular Front for the Liberation of Palestine
(PFLP) geplant wurden.
Angesichts der israelischen Propaganda, die Arafat als
"Chef der Terroristen" darstellt, kommt der HRW-Bericht
nicht umhin, die Verantwortung der palästinensischen
Autonomiebehörde zu untersuchen. HRW hat keine
Beweise gefunden, dass Arafat und die Autonomiebehörde
Selbstmordattentate geplant, befohlen oder ausgeführt
haben.
Mehr unter:
Ein Bericht von
Amnesty International (AI) zu den israelischen
Militäroperationen in Jenin und Nablus im Frühjahr 2002
stellt unzweideutig fest,
dass die israelische Armee gegen die Menschenrechte und
das humanitäre Völkerrecht verstossen hat und einige
ihrer Aktionen Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen
die Menschlichkeit darstellen. In ihrem Bericht
dokumentiert AI die gezielte Erschiessung von
Palästinensern, unter ihnen zahlreiche Frauen und Kinder,
den Missbrauch von Zivilpersonen durch Soldaten als
menschliche Schutzschilde, die Folterung von Gefangenen,
die Verhinderung medizinischer Hilfe und die Zerstörung
von Wohnhäusern und von ziviler Infrastruktur durch die
israelische Armee. Mehr unter:
Terror und das Recht auf Selbstverteidigung
Das internationale Recht unterscheidet zwischen Terror
und dem Recht auf Selbstverteidigung. Mit Bezug auf Palästina und andere heißt es in der
Genfer Terrorismus-Deklaration:
"Peoples who are fighting against colonial domination and alien occupation and against
racist regimes in the exercise of their right of self-determination have the right to use
force to accomplish their objectives within the framework of international humanitarian
law. Such lawful uses of force must not be confused with acts of international terrorism."
(Quelle: telepolis)
"Selbstmordattentäter sind ein Phänomen auf institutioneller Ebene.
Organisationen und deren charismatische Führer haben größeren Einfluss als
Bildungsweg, sozio-ökonomischer Status oder das Wesen der Persönlichkeit.
Der einzig wirksame Schutz besteht darin zu verhindern, dass junge Menschen
zu Terroristen werden."
Mit diesen Sätzen umreißt Scott Atran vom Institute for Social Research an der
University of Michigan und dem CNRS-Institut Jean Nicod in Paris seine
"Genesis of Suicide Terrorism" in Science.
Die Art des Widerstandes ist nicht neu: Die jüdische Sekte der Zealoten (Sicari) benutzten
eben diese Waffe gegen die Römer in Judäa, und später die Ismailiten (die Hashashin oder
Assassinen) gegen die Christen zur Zeit der Kreuzzüge. (Quelle: telepolis)
Mehr unter:
Weltbankbericht: Sechzig Prozent der Palästinenser
Dreißig Monate nach Beginn der Intifada leben nach
Informationen der Weltbank heute 60 Prozent der
palästinensischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze und
müssen mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen.
Der einzige Ausweg, die palästinensischen Lebensumstände zu
verbessern, "ist politischer Art", meint der UNO-Sonderbeauftragte
für den Friedensprozess im Nahen Osten Terje Roed-Larsen . "Selbst
wenn die internationale Hilfe verdoppelt würde, hätte das nur marginalen
Einfluss auf die Lage." Die Palästinenser bräuchten einen Zugang
zu den Märkten und vor allem zueinander. Larsen appelliert an die
israelische Regierung, die massiven Reisesperren zu erleichtern.
Um das möglich zu machen, sei die Umsetzung der "Roadmap",
der jüngsten amerikanischen Friedensinitiative, notwendig, darunter
die Ernennung eines palästinensischen Premierministers und
Reformen innerhalb der palästinensischen Verwaltung. "Ohne einen
glaubwürdigen Partner kann es keinen Friedensprozess geben",
meinte Larsen. (Quelle: taz)
Mehr unter:
Man stelle sich vor: Israel unterzeichnet mit den Palästinensern und all seinen
Nachbarn einen Friedensvertrag, die Normalisierung der Verhältnisse wird
gegenseitig garantiert, der Konflikt ist beendet. Ist dann alles anders?
Dieses Szenario wurde einem Buch vorangestellt, das kürzlich in Israel erschienen ist
[http://www.haaretzdaily.com] -
"The Morning After: the Era of Peace - Not Utopia". Die Verfasser, alles neue Namen,
junge Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen, zwischen 30 und 40 Jahre alt,
darunter viele Doktoranten, zeichnen ein eher pessimistisches Bild, eins, das zumindest
nicht die hochgesteckten Erwartungen erfüllt, die man sich in manchen Teilen der
israelischen Gemeinschaft von einem friedlichen Zusammenleben zwischen Israelis und
Palästinensern verspricht. Mehr unter:
"Zwei Staaten, Israel und Palästina, Seite an Seite innerhalb sicherer und anerkannter
Grenzen" / "Two States, Israel and Palestine, live side by side within secure and recognized
borders"
Mindestens 13 Tote bei israelischer Militäraktion im Gazastreifen
Do.06.03.03 - Bei einer israelischen Militäraktion im Flüchtlingslager Dschabalja im
Gazastreifen sind nach Angaben palästinensischer Krankenhausmitarbeiter
mindestens 13 Palästinenser getötet und mehr als 100 verletzt worden. Am frühen
Donnerstagmorgen feuerten israelische Hubschrauber drei Raketen auf ein Ziel in
dem Flüchtlingslager nahe der Stadt Gaza ab. Gleichzeitig rückten am frühen
Donnerstagmorgen rund 50 Panzer in die Stadt und das Lager ein, wie
Augenzeugen berichteten. In den Straßen kam es zu Schießereien.
Mindestens elf Palästinenser wurden nach Augenzeugenberichten getötet, als sie
Feuerwehrleuten beim Löschen eines Brandes in Dschabalja zusahen. Die Zeugen
machten unterschiedliche Angaben darüber, ob die Menge von Panzergranaten oder
Raketen getroffen wurde. Die Menge wurde aber übereinstimmend als unbewaffnet
beschrieben. Der Leiter des Notdienstes im Schifa-Krankenhaus in Gaza erklärte,
unter den mehr als 100 Verletzten befänden sich 30 in kritischem Zustand. Von der
Armee lag zu dem Zwischnfall zunächst keine Stellungnahme vor.
Soldaten zerstörten nach Armeeangaben in Dschabalja zwei Häuser. Eines habe
einem Aktivisten der Untergrundorganisation Hamas gehört, der festgenommen
worden sei. In dem Haus seien Waffen und Sprengstoff gefunden worden. Bei dem
anderen Gebäude habe es sich um eine "Fabrik zum Bombenbau" gehandelt. In der
Erklärung der Armee hieß es weiter, die Aktion habe bei Tagesanbruch angedauert.
Augenzeugen berichteten, dass Panzer auch bei der Ortschaft Beit Lahija im Norden
des Gazastreifens neben dem Flüchtlingslager Dschabalija aufgefahren seien.
Islamisten beeinflussen Verfassungsprozess in Afghanistan
Do.06.03.03 - Die Bundesregierung ist besorgt, dass Afghanistan in einen islamischen
Fundamentalismus zurückfallen könnte. Die Arbeiten an der Verfassung ließen
vermuten, dass der Entwurf weniger demokratisch und modern ausfallen könnte als
erwartet, hieß es am Mittwoch im Auswärtigen Amt. Den Verfassungsprozess, den
Aufbau der Polizei sowie den Wiederaufbau in einzelnen Provinzstädten will
Bundesaußenminister Joschka Fischer am (morgigen) Donnerstag mit seinem
afghanischen Kollegen Abdullah in Berlin besprechen.
Der Verfassungsentwurf, der in einigen Monaten vorliegen soll, könnte hinter die
Verfassung von 1964, als Afghanistan noch Monarchie war, zurückfallen, hieß es im
Auswärtigen Amt. Islamistische Gruppierungen erwiesen sich bei der Diskussion
über den Text in der Verfassungskommission als sehr einflussreich. Die
Bundesregierung bemühe sich, Afghanistan moderne Verfassungen islamischer
Staaten als Alternative zur Prüfung zu empfehlen. Die internationale Gemeinschaft
dürfe sich aber nicht zu sehr einmischen. Der Weg zu einem modernen
Staatswesen mit möglichst viel Partizipation sei Sache der Afghanen.
Neben dem Verfassungsentwurf böte auch die Sicherheitslage den größten Anlass
zur Sorge, hieß es. Einem schwachen Staat stünden starke Subgesellschaften
gegenüber. Es gebe immer noch Reste der Taliban und von El Kaida. Auch die Warlords seien noch nicht so
geschwächt wie erhofft. Sie finanzierten sich zunehmend aus der Besteuerung des Opiumanbaus. Von 2002 bis 2003
habe sich der Opiumanbau von 3.400 auf 4.000 Tonnen erhöht. Afghanistan sei inzwischen wieder der größte
Opiumproduzent der Welt.
Angesichts der schleppenden Wirtschaftsentwicklung auf dem Land spricht sich die Bundesregierung auch dafür aus,
dass die internationale Gemeinschaft allmählich in die Provinzen geht und den Wiederaufbau dort ähnlich wie in Kabul
fördert. In den Städten, die von der militärischen Lage her sicher seien, müsse ein "Dach" geschaffen werden können,
unter denen die Nichtregierungsorganisationen arbeiten könnten, hieß es. Eine Ausdehnung des Mandats der
internationalen Schutztruppe ISAF über Kabul hinaus lehnt die Bundesregierung jedoch ab, wie sie immer wieder
betont.
(Quelle: ap)
Deutschland: Krankenkassendefizit 2002 bei rund drei Milliarden Euro
Do.06.03.03 - Das Defizit der gesetzlichen Krankenkassen ist im Jahr 2002 auf
2,96 Milliarden Euro gestiegen und damit deutlich höher ausgefallen als erwartet.
Das Bundessozialministerium begründete am Mittwoch in Berlin das Finanzloch vor
allem mit den gestiegenen Ausgaben für Arzneimittel sowie den geringen
Lohnzuwächsen. Noch im Dezember hatte Bundessozialministerin Ulla Schmidt
(SPD) gesagt, sie gehe für 2002 von einem Minus von 2,5 Milliarden Euro aus.
Insgesamt haben die Kassen nach vorläufigen Berechnungen 139,65 Milliarden Euro
eingenommen und 142,61 Milliarden Euro ausgegeben. Der Staatssekretär im
Sozialministerium, Klaus Theo Schröder, wollte nicht ausschließen, dass die
Beitragssätze in die gesetzlichen Kassen im laufenden Jahr weiter klettern. Derzeit
liegen sie bei 14,3 Prozent. Die Union sagte voraus, dass sie bis Ende des Jahres
auf 14,8 Prozent ansteigen werden. Nach Angaben der Pharmaindustrie ist die
Ausgabensteigerung bei Arzneimitteln auf die verstärkte Verschreibung neuer und
höherpreisiger Medikamente zurückzuführen.
Mit fast drei Milliarden Euro lag der Verlust der Kassen auch über dem des Jahres
2001, als die Kassen mit einem Minus von 2,8 Milliarden Euro erstmals seit fünf
Jahren wieder ein Defizit verzeichnet hatten. Vor einem Jahr hatte Schmidt gesagt,
sie gehe für 2002 von einem ausgeglichenen Ergebnis der Kassen aus. Das bislang
größte Finanzloch bei den Krankenkassen hatte mit rund fünf Milliarden Euro im
Jahr 1992 geklafft.
Das Sozialministerium wollte nicht ausschließen, dass gesetzlich Versicherte in
Deutschland auch in diesem Jahr durch höhere Beiträge belastet werden. Zwar habe
die Regierung durch ihre Spargesetze die Kassen um rund 3,5 Milliarden Euro
entlastet, sagte Staatssekretär Schröder. Ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit
könne aber erneut zu höheren Beitragen führen. Auch für das Defizit der
Krankenkassen in diesem Jahr könne keine eindeutige Prognose abgegeben
werden.
Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Horst Seehofer (CSU) sagte
voraus, dass sich trotz der Spargesetze der Regierung das Finanzloch der
gesetzlichen Kassen in diesem Jahr nicht schließen wird. "Das Defizit wird sich
ein bisschen abschwächen, aber es wird nicht verschwinden", sagte er Reuters.
Seehofer bekräftigte seine Voraussage, dass sich der durchschnittliche
Beitragssatz der gesetzlichen Kassen zum Jahreswechsel 2003/2004 auf 14,7
oder 14,8 Prozent belaufen wird.
Die unerwartet hohe Finanzlücke bei den Kassen geht nach Angaben des Sozialministeriums zu zwei Dritteln auf die
gestiegenen Kosten bei den Arzneimitteln zurück. Allein die Ausgaben in diesem Bereich seien um 4,8 Prozent
angestiegen. Negativ auf die Einnahmen der Kassen hätten sich die geringen Lohnzuwächse im vergangenen Jahr
ausgewirkt.
In einer Stellungnahme des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie hieß es, der Ausgabenanstieg sei auf
die verstärkte Verschreibung neuer und teurerer Medikamenten zurückzuführen: "Wer Fortschritte in der
pharmazeutischen Therapie will, muss dies in Kauf nehmen." Zur Lösung der Finanzprobleme der Krankenkassen
trage einer Arbeitsmarktreform eher bei, als die ständigen dirigistischen Eingriffe in das Gesundheitssystem, hieß es.
Diese schadeten dem Pharmastandort Deutschland.
Das Sozialministerium will im Mai einen Gesetzentwurf für eine umfassende Gesundheitsreform vorstellen. Ministerin
Schmidt hat bereits angekündigt, dass mit der Neuregelung der Beitragssatz auf deutlich unter 13 Prozent gesenkt
werden soll. Seehofer sagte, die Konsenschancen bei den anstehenden Verhandlungen mit der Regierung schätze er
auf 50 Prozent ein. Die Aufhebung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehefrauen, wie sie von der Spitze der Grünen
angeregt wurde, lehnte er strikt ab: "Die Familienversicherung ist für uns tabu."
(Quelle: rtr)
Regierung bestätigt Pläne zur Absenkung der Arbeitslosenhilfe
Do.06.03.03 - Ein großer Teil der Langzeitarbeitslosen, die bisher Arbeitslosenhilfe beziehen,
könnten künftig nur noch Leistungen in Höhe der Sozialhilfe oder knapp darüber erhalten.
Entsprechende Pläne würden bei der Regierungserklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) am 14. März eine Rolle spielen, berichtete das "Handelsblatt". Ein Sprecher des
Wirtschaftsministeriums sagte, dass es entsprechende Überlegungen gebe. Es werde darüber
aber noch beraten. Gegen die Pläne, die deutlich von den Vorstellungen der
Gewerkschaften abweichen, drohe auch aus der SPD-Fraktion Widerstand, heißt es
dem Bericht zufolge.
Laut "Handelsblatt" sollen die Einschnitte für Langzeitarbeitslose im Zuge der
geplanten Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe am 1. Januar 2004 in
Kraft treten. Nach den Plänen des Wirtschaftsministeriums soll das neue
Arbeitslosengeld II, das die bisherige Arbeitslosenhilfe ersetzen solle, nur noch für
Personen gelten, die als erwerbsfähig eingestuft würden.
Das Arbeitslosengeld II soll dem Bericht zufolge zehn Prozent über dem derzeitigen
durchschnittlichen Sozialhilfe-Satz liegen. Langjährige Arbeitslosenhilfebezieher
sollten nicht unter diese Kategorie fallen, da sie kaum noch vermittelbar seien. Sie
sollten nur noch ein Sozialgeld in Höhe der Sozialhilfe bekommen. Die
Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe war bereits im Hartz-Konzept
vom vergangenen Jahr enthalten.
In einer Arbeitsgruppe werde versucht, eine "einvernehmliche Lösung" hinzubekommen, sagte der Sprecher des
Wirtschaftsministeriums. SPD-Generalsekretär Olaf Scholz wollte den "Handelsblatt"-Bericht im ZDF nicht näher
kommentieren. Er verwies aber darauf, dass schon vor langer Zeit entschieden worden sei, Arbeitslosen- und
Sozialhilfe zusammenzulegen. Die "Angleichung der Leistungen" sei auch im SPD-Wahlprogramm enthalten
gewesen. Was Schröder am Freitag in einer Woche vorstellen werde, werde ein "zutiefst sozialdemokratisches
Programm sein", kündigte Scholz an.
DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer erklärte in Berlin, mit den Plänen der Bundesregierung drohe eine "neue Armutsfalle".
Dieses Vorhaben sei "unverantwortlich, unsozial und kurzsichtig". Bei der Verwirklichung solcher Pläne würde die
"soziale Polarisierung" in Deutschland massiv verschärft. (Quelle: afp)
Zahl der Arbeitslosen steigt auf über 4,7 Millionen
Do.06.03.03 - Die schlechte Konjunktur hat die Arbeitslosigkeit in Deutschland im
Februar unerwartet deutlich auf über 4,7 Millionen Erwerbslose lassen. Damit erreichte
die Zahl der Menschen ohne Arbeit den dritthöchsten Stand seit der Wiedervereinigung.
Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) sprach von einer überaus ernsten Lage und
warnte, dass der nötige weitere Reformkurs auch Verzicht auf einiges
Altgewohnte bedeuten werde. Wie die Bundesanstalt für Arbeit (BA) am
Donnerstag mitteilte, waren im Februar rund 4,706 Millionen Arbeitslose registriert.
Dies waren 83.100 Arbeitslose mehr als im Januar und 410.100 mehr als im
Februar 2002.
Banken-Volkswirte äußerten sich überrascht von dem unerwartet hohen Anstieg
auch der saisonbereinigten Zahl um 67.000 Erwerbslose. Ursache seien das
schwache Wachstum und die Perspektivlosigkeit für die Unternehmen, die wenig
Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung hätten. Der Vorstandschef der
Bundesanstalt, Florian Gerster, äußerte die Hoffnung, dass sich die Lage im
zweiten Halbjahr deutlich verbessern werde.
Nur im Januar und Februar 1998 lag die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik mit
dem damaligen Allzeithoch von 4,823 Millionen Arbeitslosen noch höher als im
vergangenen Monat. Die Arbeitslosenquote stieg im Februar im Vergleich zum
Januar um 0,2 Prozentpunkte auf bundesweit 11,3 Prozent. Im Osten lag sie mit
19,9 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im Westen (9,0 Prozent). Ein leichter
Anstieg der registrierten Arbeitslosen entspricht im Februar der Jahreszeit, bevor
im März normalerweise die Frühjahrsbelebung einsetzt. Allerdings fiel die Zunahme
stärker aus als für den Februar üblich.
Arbeitsminister Clement sagte in Berlin, die Zeit des Diskutierens in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik müsse
zu Ende gehen. "Jetzt muss gehandelt werden." Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) werde sich in seiner
Regierungserklärung am 14. März über den Weg zu einem modernen Arbeitsmarkt äußern. Dieser Weg werde "kein
Spaziergang werden und wird auch bedeuten, Abschied zu nehmen von einigem, was zur Gewohnheit geworden war",
erklärte Clement. Details nannte er nicht. Erwartet wird, das Schröder unter anderem eine Änderung des
Kündigungsschutzrechts und Einschnitte bei der Arbeitslosenhilfe ankündigen wird.
BA-Vorstandschef Gerster sagte bei der Bekanntgabe der Zahlen in Nürnberg, der Arbeitsmarkt könne sich nicht
erholen, solange die Wirtschaft stagniere. Ohne Arbeitsmarktinstrumente wie die Umsetzung des Job-Aktiv-Gesetzes
und der Vermittlungsoffensive der Arbeitsämter wäre die Arbeitslosigkeit nach seinen Worten aus konjunkturellen
Gründen noch gravierender gestiegen. Er hoffe auf eine deutliche Besserung am Arbeitsmarkt im zweiten Halbjahr.
"Das ist eine Mischung aus Hoffnung und Wahrscheinlichkeit", sagte Gerster. Auch Clement sagte: "Wir haben jetzt
den Scheitelpunkt der Arbeitslosigkeit in diesem Winter erreicht."
Aufschlussreicher als die Zahl der registrierten Arbeitslosen ist aber die saisonbereinigte Entwicklung, bei der
wiederkehrende jahreszeitliche Einflüsse wie das Winterwetter herausgerechnet werden. Hier erwarten Experten keine
baldige Verbesserung. "Eine Trendwende erwarten wir in diesem Jahr nicht, allenfalls eine Stabilisierung, falls die
Konjunktur tatsächlich im zweiten Halbjahr anziehen sollte", sagte Manuela Preuschl von der Deutschen Bank (Xetra:
514000.DE - Nachrichten - Forum) . Daniela Etschberger von der Dresdner Kleinwort Wasserstein sagte, die
Bundesregierung werde ihre Wachstumsprognose von 1,0 Prozent für das laufende Jahr bald nach unten korrigieren
müssen.
Der saisonbereinigte Anstieg um 67.000 im Februar (nach revidiert 68.000 im Januar) auf bereinigt 4,355 Millionen
Arbeitslose überraschte auch Experten. Analysten hatten im Schnitt mit einer Zunahme um 33.700 Erwerbslose
gerechnet. Auch die Zahl der Erwerbstätigen sank nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im
Dezember um saisonbereinigt 29.000 auf bereinigt 38,484 Millionen. Im vergangenen Jahr habe sich die Zahl der
Erwerbstätigen damit saisonbereinigt um 380.000 Beschäftigte verringert.
Die Opposition warf der Bundesregierung Versagen vor. "Über 4,7 Millionen Arbeitslose sind die bittere Konsequenz
einer rot-grünen Wirtschaftspolitik, der es an allen Ecken und Enden an Sachverstand und Kompetenz fehlt", erklärte
der CDU-Arbeitsmarktexperte Karl-Josef Laumann. FDP-Experte Dirk Niebel forderte, restriktive Vorschriften im
Arbeits- und Tarifrecht zu lockern und die Lohnnebenkosten zu senken. (Quelle: rtr)
|
|
|
| home | home(no frame) |
B.O.A.-Künstlerkooperative
Gabelsbergerstr.17, D-80333 München, Telefon/Fax
: 089- 280621,
boa-kuenstlerkooperative@t-online.de