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+++ Sa.08.03.03, 13:45        zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

USA und Großbritannien wollen Irak-Entscheidung bis Dienstag
Neue Resolution soll Irak letzte Frist von 10 Tagen setzten. Sollte Irak das Ultimatum bis zum 17. März verstreichen lassen, werde es zum Krieg kommen. +++ Sicherheitsrat «mehrheitlich für friedliche Irak-Lösung» +++ Blix bescheinigt Irak substanzielle Fortschritte bei der Abrüstung +++ Die USA und Großbritannien haben inzwischen rund 280 000 Soldaten in der Umgebung des Persischen Golfs zusammengezogen.

Sa.08.03.03 - Die USA und Großbritannien machen Druck: Sie haben den UN-Sicherheitsrat aufgefordert, bis spätestens Dienstag über eine weitere Irak-Resolution zu entscheiden. Damit soll Bagdad eine Frist bis zum 17. März gesetzt werden. Dann müsse der Irak seine bedingungslose Bereitschaft zur Abrüstung zeigen, heißt es in dem Vorschlag. Sollte Irak das Ultimatum verstreichen lassen, werde es zum Krieg kommen. Der Vorschlag einer Frist entspricht einem britischen Kompromissvorschlag für eine weitere UN-Resolution.

Bundesaußenminister Joschka Fischer hat den Kompromissvorschlag abgelehnt. Das darin enthaltende kurzfristige Ultimatum sei faktisch ein kriegsauslösendes Element, sagte er. Solch eine Resolution werde keine Mehrheit im Sicherheitsrat bekommen, so Fischer. Das sieht nicht der deutsche Außenminister so, sondern auch sein Amtskollege aus Guinea, Francois Lonseny Fall. Der Sicherheitsrat sei "mehrheitlich für friedliche Irak-Lösung", sagte er. Guinea hat im März die Präsidentschaft im Sicherheitsrat. Auch Frankreich lehnte den Vorschlag ab. Der stellvertretende russische Außenminister Georgi Mamedow deutete demgegenüber eine mögliche Zustimmung an. Vor allem die Außenminister der Vetomächte Frankreich, Russland und China machten im Weltsicherheitsrat deutlich, dass die Waffeninspektionen fortgesetzt und intensiviert werden sollten.

Dagegen forderten die USA den Sicherheitsrat auf, angesichts der ihrer Meinung nach anhaltenden irakischen Verweigerung echter Abrüstung endlich zu handeln. Zuvor hatte sich UN-Chefwaffeninspekteur Hans Blix so eindeutig wie noch nie für eine Fortsetzung der Inspektionen eingesetzt. Seit Ende Januar habe der Irak seine Initiativen zur Kooperation "beschleunigt". Noch gebe es bei der Abrüstung zwar viele Fragezeichen, sie komme aber voran. Mit der Vernichtung von Al- Samoud-Raketen habe der Irak eine "substanzielle Abrüstung" begonnen. Sinnvolle Inspektionen würden selbst bei fortgesetzter aktiver Kooperation Bagdads noch mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Baradei, bezeichnete vor dem UN-Gremium Vorwürfe als "falsch", wonach Irak versucht haben soll, in Niger Uran zu kaufen. Keine der Inspektionen habe bislang Hinweise auf verbotene nukleartechnische Aktivitäten erbracht. Dies gelte auch für von Irak importierte Aluminiumröhren, die nach Mutmaßung der USA für ein geheimes Nuklearprogramm verwendet wurden.

US-Präsident Bush hatte in der Nacht zum Freitag erneut betont, die USA würden notfalls auch ohne Zustimmung der UN in den Krieg ziehen. "Wenn es um unsere Sicherheit geht, brauchen wir wirklich von niemandem eine Erlaubnis." Bush machte zudem deutlich, dass die USA auf jeden Fall eine Abstimmung über eine weitere Irak-Resolution anstreben. "Es ist Zeit, dass jeder seine Karten offen legt und die Welt wissen lässt, wo er gegenüber Saddam steht." Bush warf Bagdad erneut vor, nicht abzurüsten, sondern die Welt zu täuschen. Er beschuldigte den Irak, die USA direkt zu bedrohen. Der Irak habe Massenvernichtungswaffen und beherberge Terroristen. Die Zerstörung der irakischen Raketen - bislang wurden 34 von 120 vernichtet - sei nicht ausreichend.

Die USA und Großbritannien haben inzwischen nach Schätzungen rund 280 000 Mann in der Umgebung des Persischen Golfs zusammengezogen, weitere 60 000 Mann haben den Marschbefehl erhalten. Das US-Militär setzte am Freitag seine logistischen Vorbereitungen für den Aufbau einer Nordfront gegen den Irak auf türkischem Boden fort. In Kuwait begannen US-Soldaten, zur Vorbereitung eines Angriffs auf den Irak Teile eines Elektrozauns im kuwaitischen Grenzgebiet zu zerstören.

Die USA wollen den Irak nach dem Ende eines Krieges in drei Zonen aufteilen. Wie der Nachrichtensender CNN berichtete, sollen der nördliche und der südliche Sektor von ehemaligen US-Offizieren verwaltet werden. Bagdad solle vorübergehend von der früheren US- Botschafterin im Jemen, Barbara Bodine, verwaltet werden.
(Quellen: dpa, afp, ap)


 

 

Dokumentation: Blix-Rede

Sa.08.03.03 - In der Rede von UN-Chefwaffeninspekteur Hans Blix heißt es in Wortlautauszügen (dpa-Übersetzung):

ZUSAMMENARBEIT MIT DEN WAFFENINSPEKTEUREN:
«Man kommt nicht umhin, festzustellen, dass es von irakischer Seite nach einer Zeit der zögerlichen Zusammenarbeit seit Ende Januar eine Beschleunigung von Initiativen gegeben hat. Das ist willkommen, aber die Bedeutung dieser Maßnahmen muss nüchtern daran gemessen werden, wie viele Fragezeichen tatsächlich ausgeräumt worden sind. Das ist noch nicht klar.»

DOKUMENTE:
«Der Irak ... sollte in der Lage sein, mehr Dokumentenbeweise über seine verbotenen Waffenprogramme vorzulegen. Nur einige wenige dieser Dokumente sind bisher ans Licht gekommen.»

BEFRAGUNGEN VON EXPERTEN:
«Im letzten Monat hat der Irak uns mit Namen von vielen Personen versorgt, die als Informationsquelle dienen könnten.... Seitdem wir die Befragungen verlangt haben, sind 38 Personen zu vertraulichen Gesprächen aufgefordert worden. Zehn haben zu unseren Bedingungen angenommen, sieben von diesen in der letzten Woche.»

MOBILE PRODUKTIONSANLAGEN:
«Geheimdienste haben behauptet, dass Massenvernichtungswaffen auf Lastwagen durch den Irak gefahren werden und im Besonderen, dass es mobile Produktionsanlagen für biologische Waffen gibt.... Bisher sind keine Beweise für verbotene Aktivitäten gefunden worden.»

AL-SAMOUD-2-RAKETEN:
«Die Zerstörung stellt ein substanzielles Maß an Abrüstung dar - in der Tat ist es das erste seit Mitte der 90er Jahre.... Bis heute sind 34 Al-Samoud-2-Raketen zerstört.»

BIOLOGISCHE UND CHEMISCHE WAFFEN:
«Es gibt bedeutende irakische Anstrengungen, eine größere Quelle von Unsicherheit über die Mengen von biologischen und chemischen Waffen aufzuklären, die einseitig im Jahr 1991 zerstört wurden.... Bis heute hat der Irak acht vollständige Bomben einschließlich zwei flüssig gefüllte R-400 Bomben und sechs weitere vollständige Bomben ausgegraben.»

ZEIT FÜR WEITERE INSPEKTIONEN:
«Wie viel Zeit ist erforderlich?.... Selbst mit einer weiter verbesserten irakischen Haltung, die durch andauernden äußeren Druck erreicht wird, würde es einige Zeit brauchen, Anlagen und Objekte zu verifizieren, Dokumente zu analysieren, wichtige Personen zu befragen und Schlussfolgerungen zu ziehen. Dafür wären nicht Jahre, noch Wochen, sondern Monate erforderlich.»
 


 

Wortlautauszüge: US-Präsident Bush vor der Presse

Sa.08.03.03 - US-Präsident George W. Bush sagte auf seiner Pressekonferenz in der Nacht zum Freitag unter anderem (nach einer dpa- Übersetzung):

«Der Irak versteckt weiterhin biologische und chemische Kampfstoffe, um zu verhindern, dass die Inspekteure sie entdecken.... So handelt kein Regime, das abrüstet. So handelt ein Regime, das bewusst täuscht. So handelt ein Regime, das systematisch und bewusst die Welt zurückweist.»

«Saddam Hussein rüstet nicht ab, das ist Tatsache, das kann nicht bestritten werden.... Saddam Hussein und seine Waffen sind eine direkte Bedrohung unseres Landes, unserer Bevölkerung und aller freien Menschen. Wenn die Welt der Gefahr durch das irakische Regime nicht widersteht, weil sie Gewalt auch als letztes Mittel ablehnt, dann nehmen die freien Länder unannehmbare Risiken auf sich.»

«Die Angriffe vom 11. September 2001 zeigen, was die Feinde Amerikas mit vier Flugzeugen anrichten konnten. Wir werden nicht warten, um herauszufinden, was sie mit Massenvernichtungswaffen anrichten können. Wir sind entschlossen, der Gefahr zu begegnen, wo immer sie entsteht. Ich werde das amerikanische Volk nicht der Gnade des irakischen Diktators und seiner Waffen anvertrauen.»

«Wir sind noch in der letzten Phase der Diplomatie. Ich verbringe viel Zeit am Telefon und spreche mit befreundeten Regierungschefs darüber, wie notwendig es ist, dass der UN-Sicherheitsrat erklärt, dass Saddam Hussein nicht abgerüstet hat.»

«Der Irak ist Teil des Kriegs gegen den Terrorismus. Der Irak hat Verbindungen zum Terrorismus, er besitzt Reichtümer, bildet Terroristen aus. Er ist ein Land, das Terroristen bewaffnen könnte.»

«Der Preis, nichts zu tun, übersteigt den Preis etwas zu tun.»

«Frankreich und Deutschland haben ihre Überzeugungen kund getan. Wir stimmen nicht überein, wie man am besten mit Saddam Hussein umgeht. Sie sind immer noch Freunde und wir haben eine Menge gemeinsamer Interessen. Unsere transatlantischen Beziehungen sind sehr wichtig.»

«Ich mag keinen Krieg. Ich bete für den Frieden.»
 


 


 

US-Kongress: Irak-Krieg kostet im ersten Monat 24 Milliarden Dollar

Sa.08.03.03 - Auf die USA und ihre Verbündeten kämen nach Berechnungen des US-Kongresses in den ersten vier Wochen nach einem Angriff auf Irak zusätzliche Kosten in Höhe von 24 Milliarden Dollar zu. Allein für die Invasion der derzeit in der Region aufmarschierten Bodentruppen in Irak müssten voraussichtlich 14 Milliarden Dollar aufgewendet werden, heißt es in einem Gutachten der Budget-Abteilung des US-Parlaments vom Freitag. Der erste Kriegsmonat würde mit weiteren zehn Milliarden Dollar zu Buche schlagen. In den nächsten Monaten würden sich die Kosten der Militäraktion demnach auf monatlich acht Milliarden Dollar verringern. (afp)
 


 

Sicherheitslücke in E-Mail-Programm macht USA vor Irakkrieg nervös

Sa.08.03.03 - Eine Sicherheitslücke in einem E-Mail-Programm macht die US-Behörden angesichts eines möglichen Kriegs gegen den Irak nervös. Sie befürchten, dass Hacker die Lücke ausnutzen könnten, um die Infrastruktur des Internets in den USA anzugreifen. So könnten Terroristen die Kontrolle über Zehntausende Computer übernehmen und über sie mit einer Flut von E-Mails das Web überschwemmen. Das Programm Sendmail läuft auf mindestens zwei Millionen Rechnern, die Linux oder Unix als Betriebssystem benutzen.
 


 

USA und IEA: Setzen im Kriegsfall strategische Ölreserven ein
Allerdings teilt der Energieinformationsdienst der US-Regierung mit: Im Fall eines Irak-Krieges gebe es wenig Möglichkeiten, ausfallende Ölexporte zu kompensieren.

Sa.08.03.03 - Die USA und die Internationale Energieagentur (IEA) sind bereit, im Falle eines Kriegs gegen Irak die strategischen Ölreserven einzusetzen, sollte es zu Förderausfällen kommen.

Die Vereinigten Staaten und die IEA stimmten überein in Kernpunkten, die die weltweite Ölversorgung und die Umgehung kurzfristiger Lieferunterbrechungen beträfen, hieß es einer gemeinsamen Mitteilung am Freitag. Mitglieder der IEA sind unter anderem die USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Japan.

Gleichzeitig hieß es in einem Bericht des Londoner Consultingunternehmens Petrologistics vom Freitag, die Mitgliedstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) bereiteten sich darauf vor, ihre Fördermenge im Kriegsfall ab Mitte März um insgesamt 1,3 Millionen Barrel je Tag (bpd; 1 Barrel = rund 159 Liter) auszuweiten. Saudi Arabien werde seine Fördermenge um zusätzliche 590.000 bpd auf 9,57 Millionen bpd steigern. Venezuela, dessen Ölförderung noch bis vor wenigen Wochen auf Grund des anhaltenden Generalstreiks eingebrochen war, werde die Fördermenge auf 2,25 Millionen bpd von 1,75 Millionen im Februar ausweiten, hieß es weiter. <

Der Bericht legt zu Grunde, dass die Fördermenge Iraks bei einem Krieg auf 1,25 Millionen bpd von 2,624 Millionen bpd im Februar gedrosselt werde. Insgesamt werde sich die gesamte Opec-Leistung einschließlich der irakischen Lieferungen im März auf 27,79 Millionen bpd von 27,806 Millionen bpd im Februar verringern.

Der Energieinformationsdienst der US-Regierung EIA hatte allerdings am Donnerstag mitgeteilt, dass es im Fall eines Irak-Krieges wenig Möglichkeiten gebe, ausfallende Ölexporte zu kompensieren. Irak und Venezuela nicht mitgerechnet betrügen die noch ungenutzten Förderkapazitäten weltweit möglicherweise nur 1,5 Millionen Barrel pro Tag. Die OPEC-Staaten hätten bereits im Februar ihre Kapazitäten fast vollständig ausgeschöpft, um Produktionsausfälle durch den Streik in Venezuela auszugleichen und Vorsorge für einen irakischen Produktionsausfall zu schaffen, hatte es in dem monatlichen Bericht der EIA geheißen. Es könnte noch Monate dauern, bis die Ölförderung in Venezuela wieder ihren normalen Stand erreicht habe. (Quelle: rtr)
 


 

(Vor-)Kriegsberichterstattung ist ein männliches Geschäft

Sa.08.03.03 - Frauen verschwinden sowohl als Nachrichtenmacherinnen als auch als -subjekte zunehmend aus der Presse. Waren es 2002 noch 18,3 Prozent Frauen, die mit Namen und/oder Bild auf den vorderen Seiten von Tageszeitungen erschienen, betrug ihr Anteil am Stichtag 2003 nur 13,4 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die diesjährige Erhebung des Journalistinnenbundes, die am 31. Januar 2003 durchgeführt wurde. Ausgewertet wurden dabei dreizehn überregionale und große regionale Tageszeitungen sowie fünfzehn Online-Versionen von Tageszeitungen. Einen Grund für diese negative Entwicklung sieht der Journalistinnenbund in der massiven (Vor-)Kriegsberichterstattung, die nach wie vor ein männliches Geschäft ist.
(Quelle: taz)
 


 

BBC will in ihrer Berichterstattung Kriegsgegner angemessen berücksichtigen.

Sa.08.03.03 - Die BBC hat ihre MitarbeiterInnen offiziell angewiesen, Stimmen gegen den drohenden Krieg im Irak angemessen bei der Berichterstattung zu berücksichtigen. "Wir müssen die deutliche Opposition gegen den militärischen Konflikt in Großbritannien einbeziehen und dafür sorgen, dass die Argumente der Kriegsgegner gehört und diskutiert werden können", zitiert der Guardian den für die redaktionelle Ausrichtung aller BBC-Kanäle zuständigen Controller of Editorial Policy, Stephen Whittle. Zu den Anweisungen gehört auch, die Zuverlässigkeit von Regierungs-Presseerklärungen zu überprüfen. (Quelle: taz)


 

 

Was tun am Tag X?
Die Tageszeitung "Junge Welt" dokumentiert Anregungen aus der Friedensbewegung:
http://www.jungewelt.de/2003/03-08/010.php

 


 


 

DGB ruft bundesweit zu fünfminütiger Arbeitsniederlegung auf

Sa.08.03.03 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat alle Arbeitnehmer aufgerufen, angesichts der drohenden Gefahr eines Irak-Krieges am Freitag nächster Woche für fünf Minuten die Arbeit ruhen zu lassen. Wie der DGB am Freitag in Berlin erklärte, sollen die Beschäftigten in allen Unternehmen und Betrieben durch die um 12.00 Uhr beginnende Arbeitsruhe ihrem Willen nach einer friedlichen Lösung des Konflikts Ausdruck verleihen.

Die deutschen Gewerkschaften unterstützten alle friedlichen Mittel, die geeignet seien, die Situation der Menschen in Irak zu verbessern, und die dazu beitrügen, die Bedrohung in der krisengeschüttelten Region zu beseitigen, heißt es in der Erklärung. Der DGB wende sich abermals entschieden dagegen, diese Ziele mit militärischer Gewalt durchzusetzen. Die weltweite Auseinandersetzung mit dem Terrorismus und mit den Massenvernichtungspotenzialen insbesondere in Händen von Diktaturen sei Sache der Völkergemeinschaft und nicht eines einzelnen Landes, auch wenn es sich um die derzeit einzige Supermacht handele. (Quelle: ap)


 

 

Aktionen der Friedensbewegung unter:
http://www.friedenskooperative.de
http://www.is-koeln.de/friedensforum
http://resistthewar.de/sitzblockade.html

Hintergrundtexte der Informationsstelle Militarisierung (IMI)
http://www.jungewelt.de/infos/imi.php

Link-Auswahl zum Thema Irak-Konflikt:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
n0207010.htm#030131_z
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Friedensappell zum Weltfrauentag
UNICEF: Frauen und Kinder machten im 21. Jahrhundert
die Mehrheit der Kriegsopfer aus.

Sa.08.03.03 - Der drohende Irak-Krieg beherrscht den Internationalen Frauentag: Mit einem Friedensappell drangen die sieben Ministerinnen des Bundeskabinetts am Freitag auf eine gewaltlose Entschärfung der Krise und warnten vor den "fürchterlichen Folgen" eines Krieges für die Zivilbevölkerung. Frauen und Kinder seien am schlimmsten betroffen, mahnte auch UNICEF-Direktorin Carol Bellamy. Sie machten im 21. Jahrhundert die Mehrheit der Kriegsopfer aus.

Auch im Namen der SPD-Frauen stellte Familienministerin Renate Schmidt auf einer Veranstaltung mit Bellamy zum Weltfrauentag am (morgigen) 8. März die Friedenssicherung an oberste Stelle. Saddam Hussein sei ein fürchterlicher Diktator, doch gelte es andere Möglichkeiten als Krieg zu finden, um ihn loszuwerden, sagte die Sozialdemokratin.

"Krieg darf kein Mittel der Politik sein", betonte sie in einer gemeinsamen Erklärung mit den Ministerinnen Edelgard Bulmahn (Bildung), Renate Künast (Verbraucher), Ulla Schmidt (Gesundheit), Heidemarie Wieczorek-Zeul (Entwicklung), Brigitte Zypries (Justiz) und Staatsministerin Christina Weiss (Kultur). Sie forderten alles zu tun, um die Krise friedlich zu lösen und Irak mit nicht-militärischen Mitteln dauerhaft zu entwaffnen. "Es besteht die Gefahr, dass es vor allem Frauen sein werden, die mit ihren Kindern den Bomben und Granaten ausgeliefert sind, die als lebende Schutzschilder für einen verbrecherischen Diktator missbraucht werden, die um das Überleben ihrer Familien ringen", warnten sie.

Seien früher 90 Prozent aller Getöteten und Verwundeten Soldaten gewesen, habe sich die Opferbilanz inzwischen zu Lasten der Zivilbevölkerung, der Frauen und Kinder umgekehrt. Dazu würden Vergewaltigung, Zwangsprostitution und sexuelle Misshandlung von Frauen als "strategische Waffen" eingesetzt, erklärten die Ministerinnen.

"Vertreibung, Minen, sexuelle Gewalt gegen Frauen und Aids sind nur einige der direkten Kriegsfolgen", sagte die Vorsitzende der Deutschen Welthungerhilfe, Ingeborg Schäuble. Heute seien 80 von 100 Flüchtlingen weltweit Frauen und Kinder. Schäuble befürchtete, dass sich ein ähnliches Szenario im Fall eines Angriffs auch in Irak wiederholen könne. Gerade weil Frauen unter schwierigsten Bedingungen die Versorgung von Kindern, Alten und Kranken aufrecht erhielten, seien sie stärker als Männer daran interessiert, friedliche Konfliktlösungen zu suchen. Um diesen «Überlebenskämpferinnen und Friedensaktivistinnen» mehr Gewicht zu verleihen, stelle die Welthungerhilfe deren Alltag unter dem Motto "Überleben: Frauensache" in den Mittelpunkt.

Im Kriegsfall macht dem in Irak tätigen UN-Kinderhilfswerk die Lebensmittelversorgung und die Gesundheitslage die größten Sorgen. 40 Prozent des Wassers würden durch Aufbereitung gewonnen, erklärte Bellamy. Eine Beschädigung oder Zerstörung der Strom- und Wasserversorgung könne sehr ernste Folgen haben.

Zum Frauentag rief UNICEF dazu auf, Mädchen besser vor Diskriminierung, Gewalt und Ausbeutung zu schützen. Bellamy stellte eine Initiative vor mit dem Ziel, mehr Mädchen den Schulbesuch zu ermöglichen, der mehr als 60 Millionen weltweit versagt wird. "Nur wenn Mädchen und Frauen Zugang zu Bildung haben, sind sie in der Lage, sich gegen die Verletzung ihrer Menschenrechte zu wehren." (Quelle: ap)


 

 

Der endlose Weg zur Gleichberechtigung

Als sich am 19. März 1911 in Berlin 45.000 Frauen zum ersten Internationalen Frauentag versammelten, traute so mancher brave Bürger seinen Augen nicht. Als Blaustrümpfe, Flintenweiber und pflichtvergessen beschimpfte die bürgerliche Presse die Aufbegehrenden, die damals nicht einmal das Wahlrecht besaßen. Das Wort «Gleichberechtigung» stand auf den überwiegend roten Fahnen, doch sollte es Jahrzehnte dauern, bis die Forderung Gesetz wurde. Was nichts daran änderte, dass noch heute meist die Männer das Sagen haben.

Es waren zunächst vor allem Sozialdemokratinnen und Sozialistinnen, die für die Gleichstellung ihres Geschlechts eintraten, an ihrer Spitze Clara Zetkin. Sie hatten Erfolg. 1918 wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt. Und nach Rückschlägen in der Nazi-Zeit heißt es seit 1949 im Grundgesetz des Bundesrepublik Deutschland: «Männer und Frauen sind gleichberechtigt.»

Mehr als 50 Jahre danach und oberflächlich betrachtet erscheint der Internationale Frauentag mit Blick auf Deutschland als verdienstvolles, aber überflüssiges Relikt längst vergangener Zeiten: Politiker aller Parteien brüsten sich mit Errungenschaften wie Mutterschutz, Kinder- und Erziehungsgeld, legalem Schwangerschaftsabbruch und Anerkennung von Erziehungszeiten bei der Rente, Frauenministerien und Bestrafung der Vergewaltigung in der Ehe. Es wurden Frauenquoten eingeführt, immerhin fast 31 Prozent der Bundestagsabgeordneten sind weiblich, und an manchen Hochschulen sind die Männer unter den Studierenden schon in der Minderzahl.

Frauen, gewerkschaftlich organisierte zumal, haben freilich eine umfassendere Sicht der Dinge - und das quer durch die Parteien. Bei allen Gleichstellungs- und Schutzmaßnahmen vermissen sie immer noch das Wichtigste - die volle gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung ihrer tatsächlichen Leistungen: Nach wie vor werden Frauen ohne Ausbildung weit schlechter bezahlt als ungelernte Männer, wie früher werden hoch qualifizierte Frauen von Führungspositionen weitgehend ausgeschlossen, nach wie vor sind Familie und Beruf schwer miteinander zu vereinbaren, und wie gehabt verrichten Frauen zwei Drittel der unbezahlten Arbeit im Land, sei es bei der Kindererziehung, im Haushalt oder im Ehrenamt.

Schließlich nehmen engagierte Frauenrechtlerinnen, halb resigniert, halb wütend zur Kenntnis, dass sich das Rollenbild, das sich «mann» vom Weibe macht, nur quälend langsam zu wandeln beginnt. Ihnen geht es schlicht auf den Geist, welcher Typ Frau von den Medien als anstrebenswert vermittelt, wie «frau» als Sexualobjekt vorgeführt und wie subtil Frauen im Opfer-Täter-Verhältnis von manchem Presseorgan in die Verwerflichkeit abgedrängt werden.

«Wir lassen jetzt nicht locker», hieß es am Mittwoch trotzig im Aufruf hessischer Gewerkschaftsfrauen. Wenn es nach ihnen geht, wird der Internationale Frauentag, der seit 1921 am 8. März stattfindet, noch lange seine Berechtigung haben. «Nicht zuletzt auch deshalb, weil Deutschland nicht die Welt ist und in vielen Ländern Frauen millionenfach weit mehr zu leiden haben als hier zu Lande», heißt es beim DGB. (Quelle: ap)

8. März - Weltfrauentag
Heute wird der 92. Internationale Frauentag begangen.

Er geht auf eine Initiative der deutschen Feministin und Sozialistin Clara Zetkin beim internationalen sozialistischen Kongress im August 1910 in Kopenhagen zurück. In Deutschland war der Frauentag von Anfang an ein Tag der sozialistischen Frauenorganisationen. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303070.htm#030307_w
 


 

Afghanistan war gestern - seine Retalibanisierung interessiert die Antiterrorkoalition nicht mehr. Den Preis dafür zahlen Frauen mit dem Verlust gerade erworbener Rechte

"Nach dem 11. September 2001 wurde die brutale Unterdrückung der Frauen Afghanistans genutzt, um den Krieg gegen das Talibanregime zu legitimieren. Damit wurde eine menschenrechtliche Problematik instrumentalisiert (...) Jetzt (...) droht eine zweite Instrumentalisierung: Die fundamentalistischen Hardliner sollen auf Modernisierungskurs gebracht werden - um den Preis, dass Frauen grundlegende Rechte verwehrt bleiben. Die westliche Gebergemeinschaft lässt zu, dass die afghanische Gesellschaft auf Kosten der Frauen befriedet wird", schreibt Christa Nickels in einem Beitrag für die Tageszeitung vom 04.03.03

Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/03/04/a0116.nf/text

UNICEF: Frauen in Afghanistan leiden unter extremer Gewalt

Berlin - Fr.07.03.03 - : Wenige Stunden vor dem Weltfrauentag hat das UN-Kinderhilfswerk UNICEF auf die verzweifelte Lage von Frauen und Mädchen in Afghanistan hingewiesen. Nach Erkenntnissen von UNICEF sind die Frauenrechte auch nach dem Sturz der Taliban weiter stark eingeschränkt. Wie es heißt, sind mittlerweile 30 Prozent der Schüler Mädchen, aber Schülerinnen und Lehrerinnen werden häufig bedroht und am Schulbesuch gehindert. Aus diesem Grund startet UNICEF ein Bildungsprogramm in Afghanistan, um den Mädchen ein eigenständiges Leben zu ermöglichen. Das Bildungsprogramm soll außerdem in 24 weiteren Ländern der Welt die Situation von Mädchen verbessern. Ziel ist es unter anderem, die Eltern zu überzeugen ihre Töchter zur Schule zu schicken. (Quelle: br)

Amnesty macht mobil gegen Gewalt an Frauen in Russland
An häuslicher Gewalt sterbe in Russland alle 40 Minuten eine Frau. Gewalt gegen Frauen gehöre zu den häufigsten Menschenrechtsverletzungen. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303070.htm#03030722

 


 


 

Blutvergießen im Nahen Osten nimmt kein Ende
Insgesamt hat die eskalierende Gewalt allein seit Mittwoch
40 Israelis und Palästinensern das Leben gekostet.

Sa.08.03.03 - Bei neuer Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern sind am Freitag im Westjordanland und im Gaza-Streifen neun Menschen getötet worden.

Zwei bewaffnete Palästinenser hätten die jüdische Siedlung Kirjat Arba nahe Hebron im Westjordanland überfallen und ein Siedlerehepaar getötet, hieß es in israelischen Armeekreisen. Die beiden Palästinenser seien getötet worden. Kurz zuvor hätten zwei andere militante Palästinenser versucht, die benachbarte Siedlung Negohot zu überfallen und seien von Soldaten erschossen worden. Im Gaza-Streifen tötete die Armee nach eigenen Angaben drei Palästinenser, die auf einen Siedler-Konvoi geschossen hatten. Zuvor hatte die Armee ein Gebiet im nördlichen Gaza-Streifen auf unbestimmte Zeit besetzt.

In Kirjat Arba seien die Palästinenser in einen Raum eingedrungen, in dem sich die Siedler zum Gebet zum Beginn des Sabbats versammelt hätten, hieß es in den Armeekreisen. Die beiden Attentäter hätten sich in dem Gebäude verschanzt, bevor sie von Soldaten getötet worden seien. Zwei Siedler und ein Soldat seien verletzt worden. Bei einem der Palästinenser sei ein Sprengstoffgürtel gefunden worden, der nicht explodiert sei, teilte die Armee mit. Die Siedlung war seit Beginn des Palästinenser-Aufstands im September 2000 immer wieder Ziel palästinensischer Überfälle.

Weniger als zwei Stunden vor dem Überfall auf Kirjat Arba versuchten zwei Palästinenser, in Negohot einzudringen. Sie seien bei einem Schusswechsel mit Soldaten getötet worden, sagte ein Armeesprecher. Einer der beiden Palästinenser habe einen Sprengstoffgürtel am Leib getragen und gezündet.

Zu den Überfällen auf die Siedlungen bekannte sich die radikal-islamische Gruppe Hamas. In Flugblättern, die in der Region um die zwischen Palästinensern und Israelis geteilte Stadt Hebron verteilt wurden, hieß es, dies sei "die Rache für Massaker an Palästinensern, besonders im Gaza-Streifen".

Dort hatte die israelische Armee wenige Stunden zuvor im Norden ein Gebiet besetzt. "Wir werden so lange bleiben, wie es notwendig ist. Und wenn wir beschließen, an diesem Gebiet für eine lange Zeit festzuhalten, werden wir das tun", sagte der Kommandeur der nördlichen Gaza-Brigade, Joel Strick, im Armee-Rundfunk. Ziel sei es zu verhindern, dass palästinensische Extremisten Raketen auf israelisches Gebiet abfeuerten, teilte die Armee mit. Am Vortag waren drei Raketen in der israelischen Stadt Sderot eingeschlagen. Unterstützt von Kampfhubschraubern drang die Armee bis an den Rand des Flüchtlingslagers Dschabalja vor, wo beim Einmarsch israelischer Soldaten am Donnerstag elf Palästinenser getötet worden waren.

Zu dem Angriff auf einen israelischen Siedler-Konvoi im Zentrum des Gaza-Streifens bekannte sich die militante Gruppe Islamischer Dschihad.

Die meisten Palästinenser betrachten die jüdischen Siedlungen in ihren Gebieten als Provokation und als legitimes Ziel für Angriffe während des Aufstandes für einen unabhängigen Palästinenser-Staat. In der internationalen Gemeinschaft werden die Siedlungen mehrheitlich als illegal angesehen. Israel weist dies zurück. In dem Palästinenser-Aufstand, der Intifada, wurden mindestens 1913 Palästinenser und 722 Israelis getötet. (Quelle: rtr)
 


 

Human Rights Watch fordert Freilassung der Häftlinge von Guantanamo
Rund 650 Gefangene werden dort ohne Anklage oder Rechtsvertretung festgehalten

Sa.08.03.03 - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in einem Brief zur Freilassung der auf dem Militärstützpunkt Guantanamo auf Kuba festgehaltenen Terrorverdächtigen aufgefordert. Die rund 650 Gefangenen werden dort seit mehr als einem Jahr ohne Anklage oder Rechtsvertretung festgehalten. Die Organisation mit Sitz in New York erklärte unter Berufung auf die Genfer Konventionen, die USA dürften Kriegsgefangene während der Dauer des Konflikts ohne Anklage festhalten. Wenn der Krieg - wie in Afghanistan - vorüber sei, müssten die Betroffenen aber freigelassen werden.

"Die Vereinigten Staaten können die Gefangenen nicht einfach so lange festhalten, wie sie wollen", erklärte der Direktor der Organisation, Kenneth Roth. In dem am Freitag veröffentlichten Schreiben an Rumsfeld vom Vortag zitierte Human Rights Watch aus den Genfer Konventionen, wonach solche Gefangene vor Gerichte gestellt werden müssten, die internationalen Rechtsstandards genügten. Das Pentagon erwägt die Einrichtung von Militärtribunalen. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Sergio Vieira de Mello, traf am Donnerstag zu einem Gespräch über die Gefangenen auf Guantanamo mit US-Präsident George W. Bush zusammen.

Der Kommandeur der Mission, Generalmajor Geoffrey Miller, erklärte am Donnerstag, er habe die Entlassung einiger der Gefangenen in ihre Heimatländer empfohlen. Zahlen nannte er nicht. Die Entscheidung darüber werde jedoch auf höchster Ebene gefällt. "Sie könnten noch Wochen oder Monate hier sein", sagte Miller. Die Verhöre brächten noch immer Informationen, "die uns den weltweiten Krieg gegen den Terrorismus gewinnen helfen". Verhöre würden an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr durchgeführt. "Wir sind sehr gründlich, denn es ist eine unserer Pflichten sicherzustellen, dass die Feinde Amerikas unser Land nicht mehr angreifen." Den Häftlingen werden Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida oder zur afghanischen Taliban-Miliz vorgeworfen. (Quelle: ap)


 

 

Unter Berufung auf den Anti-Terror-Kampf etabliert die US-Regierung eine Parallel-Justiz. Deren Prinzip ist Willkür.

Do.05.12.02 - Nach dem Willen Washingtons sollen Personen, US-Bürger wie Ausländer, die terroristischer Aktivitäten verdächtigt werden, überwacht, unbefristet gefangengesetzt, ausgefragt, angeklagt, bestraft oder deportiert werden können, ohne dass die Grundgarantien eines Rechtsstaats – rechtliches Gehör, anwaltlicher Beistand, ordentliches Gericht, Unschuldsvermutung, Berufungsmöglichkeit et cetera – eingehalten werden.

Ja, es bedarf noch nicht einmal des Verdachts einer Täterschaft oder Beihilfe des Terrorismus, es genügt die Vermutung, der Betroffene könne ein "material witness", ein wichtiger Zeuge sein. Selbst diesem also kann es passieren, dass er gefangengehalten wird, bis der "Krieg gegen den Terrorismus" beendet ist – was bekanntlich, auch nach realistischer Einschätzung der amerikanischen Sicherheitsorgane, nicht vor dem St. Nimmer leinstag der Fall sein dürfte: "That task, that never ends". (Quellen: bls, sz) Mehr zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/a0303020.htm#top

 


 


 

Die USA ratifizieren Vertrag über atomare Abrüstung
Kritiker bemängeln, dass der Vertrag eher eine Absichtserklärung sei als ein glaubwürdiger Abrüstungsschritt.

Sa.08.03.03 - Der amerikanische Senat hat den vor zehn Monaten in Moskau unterzeichneten Vertrag mit Russland über die beidseitige Verringerung der strategischen Waffen am Donnerstag einstimmig ratifiziert. Die Zustimmung des russischen Parlaments steht noch aus, wird jedoch erwartet. Der Vertrag sieht vor, dass beide Länder die Zahl ihrer einsatzbereiten strategischen Atomwaffen bis zum Jahr 2012 auf maximal 2200 senken müssen. Derzeit besitzen Russland und die USA noch je ungefähr 6000 Nuklearsprengköpfe. Die überschüssigen Sprengköpfe müssen dabei nicht zerstört werden, sondern können eingelagert und notfalls nach einer relativ kurzen Kündigungsfrist wieder für einen Einsatz mit Interkontinentalraketen oder Langstreckenbombern vorbereitet werden. Anders als frühere Rüstungskontrollabkommen ist der Moskauer Vertrag mit nur drei Seiten extrem knapp abgefasst und enthält keinerlei Bestimmungen zu seiner Überprüfung.

Kritiker bemängeln deshalb, dass der Vertrag eher eine Absichtserklärung sei als ein glaubwürdiger Abrüstungsschritt. Tatsächlich bleibt vorerst abzuwarten, ob der Vertrag zu einer nennenswerten Reduktion der weiterhin riesigen Arsenale und zu höherer Sicherheit beitragen wird. Beide Seiten hatten schon vor der Unterzeichnung angekündigt, unabhängig voneinander die Zahl der Atombomben zu verringern. Genau betrachtet, werden die Vertragsbestimmungen nur an einem einzigen Tag gültig sein, am 31. Dezember 2012. Was bis dahin geschieht, unterliegt keinerlei Kontrolle, und am Tag danach hat das Papier seine Gültigkeit verloren, sofern sich die beiden Seiten nicht auf eine Verlängerung einigen.

Trotz den offensichtlichen Mängeln überwog im Senat die Ansicht, dass der Vertrag besser als nichts sei und eine zügige Ratifikation die russische Seite im derzeitigen Tauziehen in der Irak- Frage günstig stimmen könne. Die eigentlichen Knackpunkte bei der Abrüstung harren aber auch nach einer Ratifikation einer Lösung. Beispielsweise haben die USA und andere Staaten grösstes Interesse daran, dass Russland seine Atombomben nicht einfach in schlecht gesicherten Anlagen einlagert, sondern auch tatsächlich vernichtet. Dies erfordert eine grosszügigere Finanzhilfe, als die USA im Rahmen des sogenannten Nunn- Lugar-Programms bisher zu leisten bereit waren. (Quelle: nzz)
 


 

Deutschland: Juristin hält Riester-Rente für verfassungswidrig
Die private Zusatzversicherung diskriminiere in ihrer derzeitigen Ausgestaltung die Frauen.

Sa.08.03.03 - Die Verfassungsrechtlerin Ute Sacksofsky hält die Riester-Rente wegen unterschiedlicher Tarife für Männer und Frauen für verfassungswidrig. So, wie die private Zusatzversorgung derzeit ausgestaltet sei, diskriminiere sie Frauen, sagte sie der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe). "Wenn eine Frau und ein Mann jeweils gleich lange und gleich viel einzahlen, erhält die Frau dennoch im Alter eine geringere monatliche Rente als der Mann", wird sie zitiert.

Zwar hätten die Versicherer diese unterschiedlichen Tarife eingeführt, der Staat zertifiziere sie aber und fördere sie mit Zulagen. Er dürfte nur solche Produkte zertifizieren, die gleiche Tarife für Männer und Frauen anböten, forderte Sacksofsky.

Das Argument der Versicherungsunternehmen, Frauen hätten eine höhere Lebenserwartung als Männer und würden länger Rente beziehen, wies sie zurück. Die Einteilung der Gruppen nach Geschlechtern sei beliebig, sagte sie. "Denkbar wäre auch, ganz andere Gruppen auf ihre unterschiedliche Sterblichkeit zu untersuchen, zum Beispiel Verheiratete gegenüber Nichtverheirateten oder nach ihrer Religionszugehörigkeit." (Quelle: ap)
 
 
 
 

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