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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Do.13.03.03, 12:15 Offener Bruch zwischen USA und Großbritannien in Irak-Krise
Do.13.03.03 - In der Irak-Krise ist es zu einem offenen Bruch zwischen den USA und Großbritannien
gekommen. Die UN- Botschafter beider Länder vertraten in der Nacht zum Donnerstag im UN-Sicherheitsrat
erstmals ganz offen völlig gegensätzliche Position zu einem Ultimatum an Bagdad. Zugleich wurde deutlich,
dass es für den gemeinsamen Antrag der USA, Großbritanniens und Spaniens für eine Kriegsresolution, der
vor den neuen britischen Vorschlägen eingereicht worden war, keine Mehrheit im Sicherheitsrat gibt.
Das Gremium, das bis in die Nacht über den konkretisierenden britischen Forderungskatalog verhandelt
hatte, vertagte sich ohne Ergebnis auf Donnerstagnachmittag
Londons UN-Botschafter Sir Jeremy Greenstock erklärte, mit den am Mittwoch von
Premierminister Tony Blair unterbreiteten Vorschlägen zu weiteren Forderungen an
die Regierung Iraks sei ein Ultimatum bis zum 17. März "weggenommen" worden.
Die Briten hatten einen Katalog von sechs konkreten Forderungen vorgelegt, die
Bagdad erfüllen müsse, um einen Angriff zu vermeiden. Dazu gehörte, dass
Saddam Hussein in einer Fernsehansprache die totale Abrüstung erklärt.
US-Botschafter John Negroponte sagte dagegen, Washington bestehe auf einem
Ultimatum. Das Datum 17. März sei weiterhin auf dem Tisch. Allerdings könnte eine
geringfügige Verzögerung um eine "sehr, sehr kurze Zeit" an diesem Donnerstag
ausgehandelt werden. Die USA würden sehr bald eine Abstimmung verlangen. Sie
seien aber bis dahin zu Gesprächen über die "gut gemeinten" Vorschläge der
Briten bereit. UN- Diplomaten erklärten, die USA hätten intern eine Abstimmung bis spätestens Freitag angekündigt.
Deutschlands UN-Botschafter Gunter Pleuger sagte, der jüngste britische Vorschlag werfe sehr viele Fragen auf, über
die diskutiert werden müsste. Frankreichs Botschafter Jean-Marc de La Sablière wies die Vorschläge der Briten
ebenso wie den gemeinsamen Entwurf einer Irak-Resolution der USA, Großbritanniens und Spaniens zurück. Der
russische Botschafter Sergej Lawrow sagte, Moskau bleibe bei der Ablehnung "jedes Ultimatums".
Innenpolitischen steht Blair wegen seines Irak-Kurses massiv unter Druck. Nach dem Scheitern von zwei Entwürfen
für eine neue Kriegsresolution gegen den Irak will London nun mit diesem Vorstoß doch noch die nötigen Stimmen im
höchsten UN-Gremium gewinnen. Bundeskanzler Gerhard Schröder setzt nach wie vor auf ein friedliches Ende der
Irak-Krise.
Am Rande eines Treffens mit Blair am Mittwochabend in London antwortete Schröder auf die Frage, ob ein Krieg
gegen den Irak noch zu vermeiden sei: "Ich hoffe das, daran wird gearbeitet." Der Kanzler unterstrich das trotz der
unterschiedlichen Positionen zur Irak-Frage weiterhin gute bilaterale Verhältnis. Ein Kompromiss zeichnete sich bei
dem Treffen nicht ab. "Wir werden uns sicher in dieser Frage nicht gegenseitig überzeugen können", sagte Schröder.
Ungeachtet der anhaltenden Spannungen im Weltsicherheitsrat zeigte sich Washington weiter zuversichtlich, ausreichend
Rückendeckung für seinen Resolutionsentwurf zu bekommen. "Ich würde nicht dementieren, dass wir Fortschritte machen", sagte der
Sprecher des Aussenministeriums, Richard Boucher. Bei der Abstimmung setzen die USA offenbar auf die
Zustimmung der drei afrikanischen Mitglieder. Es gebe deutliche Anzeichen, dass Kamerun, Guinea und Angola sich
auf die Seite der USA stellen würden, verlautete aus Regierungskreisen in Washington.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP, die auf öffentlichen Äusserungen und privaten Gesprächen mit
Regierungsvertretern beruhten, zeichnete sich eine Zustimmung Kameruns, Pakistans und Mexikos ab, während
Angola und Guinea noch unschlüssig schienen. Grossbritannien, Spanien und Bulgarien haben ihre Unterstützung
bereits erklärt. Für eine Verabschiedung der Resolution müssen neun der 15 Mitglieder mit Ja stimmen, keines der
ständigen Mitglieder darf Veto einlegen.
(Quellen: dpa, ap)
US-Truppenaufmarsch am Golf überschreitet Viertelmillionen-Marke
Do.13.03.03 - Die Vereinigten Staaten haben für einen Krieg gegen Irak mittlerweile mehr
als 250.000 Soldaten in der Golfregion stationiert. Allein 140.000 der Einsatzkräfte
aller Truppenteile seien in Kuwait zusammengezogen, teilten Beamte des
US-Verteidigungsministeriums am Mittwoch (Ortszeit) in Washington mit.
Gemeinsam mit den nicht für einen Irak-Krieg vorgesehenen Truppen in Afghanistan
und anderen zentralasiatischen Staaten befänden sich nun rund 270.000
US-Soldaten im Einflussbereich des für die Region zuständigen Zentralkommandos
(Centcom).
Während die diplomatischen Bemühungen der Vereinten Nationen
noch laufen und die USA weiter auf internationale Rückendeckung für einen
Militärschlag warten, bereiten die amerikanischen und britischen Kommandeure ihre
Truppen schon auf einen Schlacht in der glühend heissen Wüste vor. "Es wird immer schlimmer", sagte
Oberstleutnant Philip deCamp. Auch wenn die wirklich sengende Hitze sich erst in etwa sechs Wochen über die
Region senkt, so zeigt das Thermometer am Persischen Golf bereits jetzt 30 Grad Celsius. Im Juli oder August ist mit
rund 50 Grad zu rechnen.
Aber auch die momentanen Temperaturen reichen schon aus, um die Truppenfahrzeuge in Öfen zu verwandeln.
"Meist ist es innen um zehn Grad wärmer", sagt Timothy Hodgson aus Penacook im US-Staat New Hampshire. Ihre
Fahrzeuge können die Soldaten mit Planen abdecken, um sie vor der Sonne zu schützen. Planen helfen ihnen aber
nicht weiter, wenn sie marschieren müssen: Die Soldaten schleppen Dutzende Kilogramm schwere Rucksäcke und
müssen oft in mit mit Aktivkohle gefütterten Kampfanzügen schwitzen.
Die britischen Truppen haben erklärt, sie hätten ihre Lektion aus einem Manöver in der Wüste von Oman im Oktober
2001 gelernt. So seien die Fahrzeuge zum Beispiel mit feinmaschigeren Filtern ausgestattet worden.
Doch die Soldaten sehen auch einen Vorteil in den ungünstigen Wetterverhältnissen: Die alliierten Truppen seien
schliesslich besser gegen widrige Witterung gerüstet als die Iraker.
Technologische Fortschritte wie Nachtsichtgeräte machen es den US-Soldaten
möglich, in der Kühle der Nacht zu kämpfen. Die satelliten-gesteuerten Raketen und
Bomben können auch bei ungünstigem Wetter abgefeuert werden. Laser-gesteuerte
Waffen und Artillerie-Zielsystem sind aber nach wie vor anfällig gegenüber Sand und Staub, die auch Motoren,
Triebwerken und Hubschraubern zusetzen. Die Zahl der Sandstürme einer Saison ist ebenso wenig voraussagbar wie
die Dauer eines solchen Unwetters. Sandstürme können ein paar Stunden,aber auch bis zu zwei Tagen wüten.
(Quellen: afp, ap)
CNN: «Kapitulationsverhandlungen» mit irakischen Militärs
Do.13.03.03 - Die USA führen nach einem Bericht des US-Senders CNN
"geheime Kapitulationsverhandlungen" mit Vertretern des irakischen Militärs. Das
US-Außenministerium wies dies zurück.
Wie CNN am Mittwoch unter Berufung auf US-Kreise berichtete, erhoffen sich die
USA von den Verhandlungen, dass einige irakische Armee-Einheiten im Kriegsfall
nicht kämpfen werden. Mit den Verhandlungen sei nicht das
US-Verteidigungsministerium betraut, sondern andere "Elemente" der
US-Regierung. "Das macht überhaupt keinen Sinn", wies eine Sprecherin des
US-Außenministeriums den Bericht zurück. CNN zufolge haben nach Angaben
ranghoher US-Vertreter einige Elemente des irakischen Militärs bereits zugestimmt,
im Fall einer US-geführten Invasion nicht zu den Waffen zu greifen.
(Quelle: rtr)
Radikale Islamisten, die «Helfer des Islam», bilden eine Bedrohung für
die irakischen Kurden. Angeblich planen die
USA einen Angriff auf ihren Stützpunkt, dagegen drohen die
Radikalen mit Anschlägen. Aus Furcht vor der Eskalation
sind die ersten Dorfbewohner bereits auf der Flucht.
Mehr unter:
UNO will 900.000 Flüchtlinge im Kriegsfall versorgen
Do.13.03.03 - Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen will
32.000 Tonnen Nahrungsmittel zur Versorgung von bis zu 900.000 Flüchtlingen für den
Fall eines Irak-Krieges in die Golfregion bringen.
"Wir können nicht die Augen davor schließen, dass es einen Krieg in Irak geben könnte",
sagte ein WFP-Sprecher am Mittwoch in einem Nahrungsmittellager im jordanischen Sahab,
wo Weizen, Reis, Kichererbsen und Speiseöl angeliefert wurden. Deshalb bereite sich die
Organisation mit der Aufstockung von Vorratslagern darauf vor, bis zu 900.000
Menschen rund zweieinhalb Monate lang mit Lebensmitteln zu versorgen. So viele
Menschen könnten nach Schätzungen im Kriegsfall in Iraks Nachbarländer fliehen.
Es sei aber sehr schwierig, die notwendigen Gelder für die Hilfe
zusammenzubringen, sagte der Sprecher. Bislang habe das WFP erst ein Drittel
der benötigten 23 Millionen Dollar (rund 21 Millionen Euro) erhalten. (Quelle: rtr)
Pro Asyl fordert EU-Staaten zum Schutz von Irak-Flüchtlingen auf
Do.13.03.03 - Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hat an die
Regierungschefs der Europäischen Union appelliert, angesichts des drohenden
Irak-Krieges konkrete Maßnahmen zum Schutz von Flüchtlingen zu ergreifen.
Angesichts von nach UN-Schätzungen potenziell rund 600.000 Flüchtlingen müsse
ein Präventivkonzept entwickelt werden, sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter
Burkhardt am Mittwoch in Frankfurt am Main.
Die EU sei vor allem deshalb gefragt, weil Kuwait und Saudi-Arabien bereits
öffentlich erklärt hätten, keine Flüchtlinge aufnehmen zu wollen, argumentierte
Burkhardt. Die Türkei habe zudem ihre Grenze zum Irak durch Truppen abgeriegelt.
Auch seien in den letzten Jahren große Teile der Grenze zum Iran vermint worden.
Vor diesem Hintergrund könne insbesondere der nördliche Irak zur Todesfalle für
Flüchtlinge werden. Die EU dürfe deshalb der sich abzeichnenden menschlichen
Katastrophe nicht untätig entgegensehen und müsse selbst bereit sein, Flüchtlinge
aufzunehmen. (Quelle: ap)
Türkei stellt sich bei Irak-Krieg auf 275 000 Flüchtlinge ein
Do.13.03.03 - Die Türkei stellt sich bei einem Krieg im Nachbarland Irak auf
maximal 275 000 Flüchtlinge ein. Entsprechend seien die Vorbereitungen getroffen
worden, sagte der stellvertretende türkische Ministerpräsident Mehmet Ali Sahin
nach einem Treffen mit einem Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in
Ankara. Beim Golfkrieg 1991 hatten mehr als 500 000 Menschen aus dem Irak in
einer völlig unvorbereiteten Türkei Zuflucht gesucht.(Quelle: dpa)
Proteste gegen US-Truppentransporte in der Türkei
Do.13.03.03 - Türkische Sicherheitskräfte haben sich bei einer
Protestkundgebung gegen die anhaltenden US-Militärtransporte im Hafen von
Iskenderun heftige Auseinandersetzungen mit etwa 300 Demonstranten
geliefert. Mit Warnschüssen in die Luft hinderten Polizisten und Soldaten eine
Gruppe von Demonstranten daran, die Absperrungen des Hafens zu überwinden.
Mehrere Menschen wurden festgenommen. Nach Angaben des türkischen
Botschafters in Washington, Faruk Logoglu, haben beide Länder unterdessen
Sondierungsgespräche über die Nutzung des türkischen Luftraums durch die
US-Luftwaffe im Falle eines Irak-Krieges aufgenommen.
Im südtürkischen Hafen von Iskenderun legen seit Tagen verstärkt Transportschiffe
mit US-Kriegsmaterial an, ungeachtet eines türkischen Parlamentsbeschlusses
vom 1. März, der die Stationierung von mehr als 60.000 US-Soldaten für einen Krieg
gegen Irak ablehnt. In kilometerlangen Konvois wird das Material zu den
Stützpunkten im Südosten des Landes nahe der irakischen Grenze gebracht.
Offiziell dient es zur Modernisierung von Flughäfen und Militärbasen. Die türkische
Opposition forderte eine parlamentarische Untersuchung des nach ihrer Ansicht
verdeckten Truppenaufmarsches.
Logoglu sagte, bisher habe Washington noch keinen offiziellen Antrag zur Nutzung des türkischen Luftraums im Falle
eines Irak-Krieges gestellt. Über die Überflugsrechte müsse das Parlament entscheiden.
(Quelle: afp)
EU: Wiederaufbauhilfe bei Irak-Krieg ohne UNO-Mandat fraglich
Do.13.03.03 - Die Europäische Union (EU) könnte im Fall eines Irak-Kriegs ohne
UNO-Mandat finanzielle Hilfen für den Wiederaufbau des Landes zurückhalten.
Diese Möglichkeit deutete der Kommissar für die Außenpolitik der Europäischen
Union (EU), Chris Patten, am Mittwoch an.
"Es wird so viel schwieriger für die EU, im großen Umgang voll zu kooperieren,
auch was den längerfristigen Wiederaufbau- Prozess betrifft, wenn die Ereignisse
ohne echte UNO-Deckung geschehen und wenn die (EU-) Mitgliedsstaaten uneinig
bleiben sollten", sagte Patten im Europa-Parlament in Straßburg.
Ein Irak-Krieg ohne Billigung der Vereinten Nationen (UNO) werde sowohl der UNO
als auch der NATO und den transatlantischen Beziehungen beträchtlichen Schaden
zufügen, warnte Patten.
Der EU-Kommissar stellte die Argumentation von US-Präsident George W. Bush in
Frage, der erklärt hatte, ein Krieg zum Sturz des irakischen Präsidenten Saddam
Hussein sei ein Beitrag zur Bekämpfung des Terrorismus und der Verbreitung von
Demokratie im Nahen Osten. Es sei viel wahrscheinlicher, dass durch Kriege mehr
Terroristen mobilisiert als abgeschreckt würden, sagte er.
(Quelle: rtr)
Vor drei Tagen wurde bekannt, dass die US-Regierung bereits damit beginnt,
Aufträge für den Wiederaufbau des Irak zu vergeben. Interessant für die
amerikanischen und britischen Unternehmen, die dann bevorzugt zum Zug
kommen werden, ist etwa die Wiederherstellung und Modernisierung der Anlagen
für die Erdöl-Förderung und -Verarbeitung. Zufälligerweise hat Dick Cheney just
ein amerikanisches Unternehmen bis zu seiner Ernennung als US-Vizepräsident
geleitet, das davon besonders profitieren könnte. (telepolis)
Mehr unter:
New Yorker Stadtrat gegen voreiligen Krieg der USA gegen Irak
Do.13.03.03 - Der Stadtrat der von den Anschlägen des 11. September 2001
getroffenen Stadt New York hat die US-Regierung vor einem voreiligen Krieg gegen
Irak gewarnt.
Ein Krieg dürfe nur die Antwort auf eine "wirkliche und unmittelbare" Bedrohung
sein, hieß es in einer am Mittwoch mit 32 zu 17 Stimmen verabschiedeten
Erklärung. Darin wurde die Regierung aufgefordert, nicht ohne Unterstützung der
Vereinten Nationen (UNO) gegen Irak loszuschlagen. Die USA drängen im
UNO-Sicherheitsrat derzeit auf eine Resolution, die einen Krieg gegen Irak rechtfertigen
soll, treffen dabei jedoch auf starken Widerstand. Der Erklärung des New Yorker
Stadtrats waren ähnliche von 139 weiteren Städten der USA vorhergegangen.
Mehrere der 50 Mitglieder des
New Yorker Stadtrates warfen der Regierung von US-Präsident George W. Bush vor,
keine Beweise für ihre Behauptungen vorgelegt zu haben, Irak verfüge über
Verbindungen zur El-Kaida-Organisation des moslemischen Extremisten Osama bin Laden. "Sie können nicht länger
den 11. September als Entschuldigung für einen Krieg benutzen. Es gibt keine Verbindung zwischen (dem irakischen
Präsidenten) Saddam Hussein und dem 11. September", sagte Charles Barron von den Demokraten. Seine Partei
dominiert den Rat mit 47 Vertretern. Die USA machen El Kaida für die Flugzeug-Anschläge am 11. September 2001
verantwortlich, bei denen in den Trümmern des New Yorker World Trade Centers rund 2800 Menschen ums Leben
kamen.
New York gilt in den USA als eine Hochburg der Gegner eines Irak-Krieges. In Umfragen sprachen sich 75 Prozent
der Bewohner gegen einen Angriff auf Irak ohne UNO-Mandat aus. Vor einem Monat demonstrierten nahe dem
UNO-Gebäude in Manhattan hunderttausende Kriegsgegner für eine friedliche Lösung des Irak-Konflikts.
(Quelle: rtr)
Es sind nicht mehr die Gegen- und Subkulturen, die
gegen den Krieg protestieren, sondern Mainstream, Kanon und
Breitenpop. Nicht nur in den USA. Weltweit.
(... ) Anne-Sophie Mutter und André Previn spielten in Barcelona für den
Frieden. Die spanische Schauspielerelite nutzte die Verleihung der
Goya- Filmpreise für eine Proklamation. In London drehte George
Michael für MTV Europe ein Video zu Don McLeans
Antikriegssong "The Grave" und selbst Cat Stevens ging ins Studio,
um zwei Friedenshymnen aufzunehmen. In Australien veröffentlichte
die Organisation "Peace Not War" eine CD mit Protestliedern von
Gruppen wie Massive Attack, Public Enemy und Chumbawamba.
Senegals Superstar Youssou N'Dour hat aus Protest seine
US-Tournee abgesagt.
In Deutschland haben mehr als 400 Intellektuelle, Künstler und
Politiker den Berliner Appell unterschrieben. Die
deutsch-französische "Aktion für mehr Demokratie" unterstützen
unter anderem Günter Grass, Christa Wolf oder Peter Härtling.
Nach dem letzten Künstlertreff im Kanzleramt unterzeichneten Ingo
Schulze, Martin Walser, Peter Sloterdijk und Marius
Müller-Westernhagen eine Erklärung, mit der sie die
Antikriegshaltung der Bundesregierung unterstützten. Und im Namen
der Bayerischen Akademie der Schönen Künste sprachen sich zum
Beispiel Rolf Boysen, Dieter Dorn und Uwe Timm gegen den Krieg
aus.
In den USA wurde die Organisation "United To Win Without
War"gegründet, welche die Bevölkerung zu E-Mail- und
Fax-Protest aufrief. David Byrne und Rapmogul Russell Simmons
organisierten die Musikindustrie in der Gruppe "Musicians United To
Win Without War", deren Anzeigen unter anderem Busta Rhymes,
Lou Reed, Missy Elliott, Brian Eno, Jay-Z, die Mitglieder des
Kronos Quartet oder von Massive Attack unterschrieben. In New
York solidarisierten sich rund hundert Bühnen als "Theatre Against
War".
Doch es sind ja nicht nur die Stars. Eine Aufzählung der
Theateraufführungen, Kunstausstellungen, Filmprojekte,
Demonstrationen, Protestaktionen, Konzerte, Lesungen und
Vorträge gegen den Krieg der letzten Wochen würde eine ganze
Zeitungsseite einnehmen. Viele der Aktionen finden auf
internationaler Ebene statt. Am Montag letzter Woche wurde in
mehr als tausend Städten rund um die Welt Aristophanes' antikes
Antikriegsstück "Lysistrata" gelesen.
Sogar die akademische Welt vereinigt sich gegen den Krieg. Fast
jede Fakultät hat schon ihre prominentesten Mitglieder an die
Friedensfront geschickt – Architekten, Historiker und Mediziner
protestierten mit Anzeigen gegen die Kriegspläne. Im Januar
veröffentlichten 41 Wissenschafts- und Wirtschafts-Nobelpreisträger
eine Friedenserklärung.
Die schiere Größe dieser Bewegung gegen einen Krieg, der noch gar
nicht begonnen hat, ist ziemlich beeindruckend. Aber die
Wirksamkeit ihrer Friedensappelle lässt sich nur sehr schwer
ermessen – sind das doch nur prominente Stimmen in einem
weltweiten Protest der Massen. Auch in den USA ist die Stimmung
längst umgeschlagen. Da bemühen sich die Umfrageinstitute im
Auftrag der großen Fernsehsender zwar noch redlich, eine breite
Unterstützung der Kriegspläne im Volk herbeizurechnen. Doch
genau betrachtet steht nur noch ein rundes Drittel aller Amerikaner
wirklich hinter einem Angriff auf den Irak.
Deutschland: Behörde verbietet Irak-Proteste von Kommunalparlamenten
Do.13.03.03 - Das Regierungspräsidium Dessau in Sachsen-Anhalt hat
Gemeinderäten und Kreistagen verboten, Resolutionen zur Irak-Krise zu
veröffentlichen. "Allgemeinpolitische Feststellungen oder Aussagen ohne örtlichen
Bezug" überschritten die in der Landesverfassung eingeräumten Befugnisse der
Kommunen, heißt es in dem Papier. Der Europaabgeordnete Ulrich Stockmann
(SPD) bezeichnete das Schreiben am Mittwoch als "Maulkorberlass".
Stockmann forderte Innenminister Klaus Jeziorsky (CDU) auf, für Klarheit zu sorgen.
Es bestehe kein höherwertiges Rechtsgut als das Recht auf Freiheit der Meinung
und der Rede.
Protest kam auch von PDS und Jusos. Wulf Gallert, Parlamentarischer
Geschäftsführer der PDS-Fraktion im Magdeburger Landtag, forderte die
christlich-liberale Landesregierung auf, "Kompetenzüberschreitungen des
Regierungspräsidiums gegen die Kommunen zu verhindern". Ansonsten dränge
sich der Eindruck auf, politisch unliebsamer Protest aus kommunalen Parlamenten
solle abgewürgt werden. Zudem wäre jede Kommune von "einem Irak-Krieg
substanziell betroffen". Juso-Landesvorsitzender Tobias Münch pochte darauf,
"auch die Kommunen des Landes haben ein Recht auf politische
Willensbekundungen". (Quelle: ap)
Gewerkschaften rufen europaweit zu Protest gegen Irak-Krieg auf
Do.13.03.03 - Aus Protest gegen einen Irak-Krieg sollen nach dem Willen des
Bundes europäischer Gewerkschaften am Freitag europaweit 60 Millionen Arbeiter
und Angestellte ihre Arbeit für einige Minuten niederlegen.
Der Gewerkschaftsbund forderte seine Mitglieder am Donnerstag auf, ihre Arbeit am
Freitag um 12.00 Uhr für zehn oder 15 Minuten niederzulegen. "Wir werden auf die
Straße gehen, einigen Lärm machen und erklären, warum wir auf die Straße
gegangen sind", sagte ein Sprecher des in Brüssel ansässigen
Gewerkschaftsbundes. Auf der Webiste des Gewerkschaftsbundes sind Aktionen in
Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Dänemark und Belgien angekündigt.
Der Gewerkschaftsbund hatte in der vergangenen Woche dazu aufgerufen, dass die
Abrüstung Iraks auf friedlichen Wegen durchgesetzt werden müsse. Die USA und
Großbritannien haben mit einem Militärschlag gedroht, sollte Irak die
Abrüstungsauflagen der Vereinten Nationen (UNO) nicht erfüllen. (Quelle: rtr)
15. März - Weltweiter Anti-Kriegs-Tag
Während der drohende US-Feldzug gegen den Irak immer
näher zu rücken scheint, stehen die Zeichen weltweit auf
Widerstand.
Einen Monat nach dem ersten internationalen
Aktionstag gegen den Krieg am 15. Februar, an dem Millionen
Menschen gegen die Aggressionspolitik der US-Administration
rund um den Globus demonstrierten, macht die internationale
Friedensbewegung auch für das kommende Wochenende
mobil. Insbesondere in den Ländern, deren Staatsmänner den
Kriegskurs von US-Präsident George W. Bush aktiv
unterstützen, wird mit ähnlich machtvollen Manifestationen für
den Frieden gerechnet wie im Februar. Allen voran in den USA
und Großbritannien werden am 15. März wieder Millionen
Menschen gegen die Kriegspolitik ihrer Regierungen
protestieren. Mehr unter:
Friedensbewegung ist bereit für den «Tag X»
Mehr unter:
Aktionen der Friedensbewegung unter:
Hintergrundtexte der Informationsstelle Militarisierung (IMI)
Link-Auswahl zum Thema Irak-Konflikt:
Europaweiter Aktionstag gegen WTO-Dienstleistungsabkommen GATS
Do.13.03.03 - In ganz Europa rufen für den heutigen Donnerstag
Umweltgruppen, Globalisierungskritiker und Gewerkschaften
zu einem dezentralen Aktionstag auf. Stein des Anstoßes: Das
GATS (Allgemeines Abkommen über Handel mit
Dienstleistungen), das derzeit neu verhandelt wird. Die Kritiker
befürchten eine neue Welle von Liberalisierungen und
Privatisierungen im Dienstleistungsbereich. Auf die
gemeinsame Aktion hatte man sich im November auf dem
Europäischen Sozialforum in Florenz geeinigt. Das Ziel ist, die
Bevölkerung über die weitreichenden Auswirkungen der
Verhandlungen zu informieren.
Das GATS-Abkommen wird seit Anfang 2000 in Rahmen der
Welthandelsorganisation WTO neu verhandelt. Nachdem die
Mitgliedsstaaten einander ihre Forderungen präsentiert haben,
läuft noch bis Ende März die Frist, in der die sogenannten
Marktöffnungsangebote gemacht werden müssen. Danach
treten die Verhandlungen in eine entscheidende Phase.
Öffentliche Güter wie Bildung, Kultur, Gesundheit und
Wasserversorgung sollen nahezu uneingeschränkt dem
Wettbewerb geöffnet werden. Von den USA ist zum Beispiel
bekannt, daß dort ansässige Unternehmen auf die Öffnung des
Bildungswesens in der EU für den privaten Wettbewerb
drängen. Europäische Konzerne sind andererseits sehr aktiv,
in aller Welt die Wasserversorgung aufzukaufen. Trotz der für
die Bürger besonders wichtigen Themen finden die
Verhandlungen unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Vor
einigen Wochen sickerte allerdings eine geheime Liste der
Liberalisierungsangebote sowie der Marktöffnungsforderungen
der EU durch, welche die schlimmsten Befürchtungen
bestätigte. Das Dokument belegt konkrete Forderungen der
Europäer an zahlreiche Staaten, sensible Bereiche wie
Wasser- und Energieversorgung zu öffnen. Bei ATTAC spricht
man von einer neoliberalen Entwicklung, die unbedingt
aufgehalten werde müsse. (Quelle: jw) Mehr unter:
Gefangene von Guantanamo haben laut US-Gericht keine Rechte
Do.13.03.03 - Die auf dem US-Stützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba inhaftierten Taliban
und mutmaßlichen El-Kaida-Mitglieder stehen nach einem Urteil der US-Justiz nicht
unter dem Schutz der US-Verfassung. Das US-Berufungsgericht in Washington
bestätigte am Dienstag (Ortszeit) die Entscheidung eines Bundesgerichts, das die
Anträge mehrerer Gefangener abgewiesen hatte. Die Gefangenen könnten nicht
unter Berufung auf eine Verletzung der Verfassung oder US-Recht freigelassen
werden, hieß es. Das Gericht machte geltend, dass die Gefangenen nicht auf
Territorium mit US-Hoheit festgehalten würden. Guantánamo Bay ist seit 1903
US-Stützpunkt. Die Vereinigten Staaten haben das Gelände von Kuba (Quelle: afp)
Human Rights Watch fordert Freilassung der Häftlinge von Guantanamo
Die Gefangenen von Guantanamo
Unter Berufung auf den Anti-Terror-Kampf
etabliert die US-Regierung eine Parallel-Justiz. Deren Prinzip ist Willkür.
Do.05.12.02 - Nach dem Willen Washingtons sollen Personen, US-Bürger wie
Ausländer, die terroristischer Aktivitäten verdächtigt werden,
überwacht, unbefristet gefangengesetzt, ausgefragt, angeklagt,
bestraft oder deportiert werden können, ohne dass die
Grundgarantien eines Rechtsstaats – rechtliches Gehör, anwaltlicher
Beistand, ordentliches Gericht, Unschuldsvermutung,
Berufungsmöglichkeit et cetera – eingehalten werden.
Ja, es bedarf noch nicht einmal des Verdachts einer Täterschaft oder
Beihilfe des Terrorismus, es genügt die Vermutung, der Betroffene
könne ein "material witness", ein wichtiger Zeuge sein. Selbst diesem
also kann es passieren, dass er gefangengehalten wird, bis der
"Krieg gegen den Terrorismus" beendet ist – was bekanntlich, auch
nach realistischer Einschätzung der amerikanischen
Sicherheitsorgane, nicht vor dem St. Nimmer leinstag der Fall sein
dürfte: "That task, that never ends". (Quellen: bls, sz) Mehr zum Thema unter:
Schily sorgt sich um Status der Guantanamo-Gefangenen
Do.13.03.03 - Bundesinnenminister Otto Schily macht sich Sorgen um den Status
der gefangenen mutmaßlichen Terroristen im US-Stützpunkt Gunatánamo Bay. Die
USA hätten das Problem "pragmatisch gelöst, indem sie die Gefangenen in einen
rechtsfreien Raum schaffen", erklärte Schily in einem Interview der Hamburger
Wochenzeitung "Die Zeit". Das sei auf Dauer nicht durchzuhalten. "In der Tat
stoßen wir hier auf wirklich große rechtliche Schwierigkeiten, die gelöst werden
müssen", sagte er.
Schily sprach sich dafür aus, den Gefangenen nach einer angemessenen Zeit den
Status eines Beschuldigten im Strafverfahren zu geben. "Würden wir Osama bin
Laden in Deutschland festnehmen und aus irgendeinem Grund nicht an Amerika
ausliefern, dann käme er hier vor Gericht und könnte alle Rechte eines
Beschuldigten oder Angeklagten in Anspruch nehmen", sagte der Innenminister.
"Das wäre auch richtig.»"
Schily erklärte weiter: "Die Gesprächsbereitschaft Amerikas ist an dieser Stelle nicht
sehr weit entwickelt." Das müsse man aber verstehen: "Sie waren und sind
Zielscheibe der El-Kaida-Terroristen, sie sehen sich im Kriegszustanden mit diesem
verbrecherischen Netzwerk."
Amnesty wirft afghanischer Polizei Folter vor
Do.13.03.03 - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat
Afghanistans Polizei Foltermethoden vorgeworfen und eine umfassende Reform der
Sicherheitskräfte gefordert.
"Die Polizei ist nicht fähig, den Schutz der Menschenrechte zu garantieren. Einige
Polizisten verstoßen sogar selbst dagegen", sagte ein Amnesty-Sprecher am
Mittwoch in Kabul. Amnesty habe Beweise dafür, dass Polizisten bei Vernehmungen
Foltermethoden wie zum Beispiel Elektro-Schocks einsetzen würden. Gleichzeitig forderte
Amnesty die internationale Gemeinschaft auf, die Reform der Polizei technisch
und finanziell zu unterstützen.
Deutschland fördert die Formierung neuer Polizeikräfte in Afghanistan seit einem Jahr. Der
Prozess geht nur sehr langsam voran, da die Bezahlung schlecht ist und es selbst an den nötigsten Dingen wie
Papier und Stiften fehlt.
Viele der rund 50.000 Polizisten in Afghanistan sind ehemalige Milizionäre, die kaum oder gar keine Polizeiausbildung
erhalten haben. Noch immer halten viele ihren früheren regionalen Befehlshabern die Treue, mit denen sie gegen das
frühere Taliban-Regime gekämpft haben. (Quelle: rtr)
Kein fairer Prozess für PKK-Chef Öcalan
Do.13.03.03 - Der PKK-Führer habe nach seiner Festnahme im Februar 1999
kein faires Verfahren bekommen, urteilte der Europäische Gerichtshof
für Menschenrechte in Straßburg am Mittwoch. Zudem beanstandeten
die Richter die Todesstrafe,die zunächst gegen Öcalan verhängt worden war.
Die türkische Regierung kündigte Berufung gegen das Urteil an.
Die Verteidiger Öcalans sahen in der Festnahme und Verurteilung ihres Mandanten gleich elf Verstöße gegen die
Europäische Konvention für Menschenrechte. In fünf Fällen gaben ihnen die Straßburger Richter Recht. So sei Öcalan
nach seiner Festnahme im Februar 1999 nicht unmittelbar einem Richter vorgeführt, ein Haftbefehl sei nicht
zeitgemäß ausgestellt worden. Zudem seien Öcalans Anwälte nicht rechtzeitig zu ihrem Mandanten vorgelassen
worden, so dass sich dieser in Aussagen ohne juristischen Beistand selbst belastet habe.
Das Staatssicherheitsgericht, vor dem der Prozess schließlich geführt wurde, sei nicht unabhängig und unparteiisch
gewesen, hieß es in dem Urteil weiter. Öcalans Recht auf einen fairen Prozess sei nicht erfüllt worden. Schließlich
verstoße auch die verhängte Todesstrafe gegen die Menschenrechtskonvention. Öcalans Anwälte bekamen von dem
Gericht 100.000 Euro für die Prozesskosten zugesprochen.
Gegen das Urteil können beide Seiten binnen drei Monaten Berufung einlegen. Wenn der Entscheid von der Großen
Kammer bestätigt werden sollte, dürfte sich der Druck auf die Türkei weiter erhöhen, das Verfahren neu aufzurollen.
Rechtlich bindend ist das Urteil allerdings nicht.
Das Außenministerium in Ankara erklärte, die Begründung der Entscheidung mache keinen Sinn. Außenminister
Yasar Yakis sagte dem türkischen Fernsehsender NTV, selbst wenn Öcalan erneut vor Gericht müsse, würde das
Urteil dasselbe bleiben. Richter Türgut Okyay, der den Prozess damals führte, wies die Anschuldigungen des
Straßburger Gerichts zurück. "Unser Gewissen ist rein", sagte er der Nachrichtenagentur Anatolia. "Der Europäische
Gerichtshof für Menschenrechte hat wieder einmal gezeigt, dass er bei der Türkei doppelte Standards anlegt."
Einer von Öcalans Anwälten, Ercan Kanar, begrüßte das Urteil dagegen. Die Entscheidung der Straßburger Richter
zeige, dass die Rechte der Verteidigung verletzt worden seien und dass Druck auf die Anwälte ausgeübt worden sei.
Öcalan war von dem türkischen Gericht im Juni 1999 zunächst zum Tode verurteilt worden. Er soll den 15-jährigen
Aufstand der Kurden gegen die Türkei angeführt haben, der rund 37.000 Menschen das Leben kostete. Die Strafe war
im vergangenen Jahr in lebenslange Haft ungewandelt worden, nachdem die Türkei die Todesstrafe abgeschafft hatte.
Derzeit ist Öcalan der einzige Häftling auf der Gefängnisinsel Imrali.
Der frühere Chef der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) war nach einer monatelangen Flucht durch mehrere Länder
schließlich von türkischen Sicherheitskräften in Kenia festgenommen und in die Türkei gebracht worden. Darin sah der
Straßburger Gerichtshof keinen Verstoß gegen die Menschenrechtskonvention. (Quelle: ap)
Menschenrechte sind inzwischen auch in den westlichen
Demokratien bedroht. Seit dem 11. September ist der
Ausnahmezustand dort Normalität - fast alles scheint erlaubt
Mehr unter:
Amnesty international veröffentlicht
Mehr unter:
Anti-Folter-Komitee wirft deutscher Polizei Brutalität vor
Do.13.03.03 - Das Anti-Folter-Komitee des Europarats hat deutschen Polizisten und Beamten
des Bundesgrenzschutzes (BGS) Brutalitäten vorgeworfen. Bei Abschiebungen von
Ausländern und Festnahmen werde häufig unnötig Gewalt angewandt, heißt es in einem in
Straßburg veröffentlichten Bericht. Er betrifft eine Inspektionsreise, bei der eine
Delegation des Komitees im Dezember 2000 Polizeistationen, Gefängnisse, Abschiebezellen an
Flughäfen und geschlossene psychiatrische Anstalten in mehreren Bundesländern überprüft hatte.
Der Bericht wurde jetzt veröffentlicht, nachdem Berlin die notwendige Einwilligung gegeben hatte.
Die Delegation verweist auf eine Nigerianerin, die am Flughafen Berlin-Schönefeld
mit Händen und Füßen auf einer Holzbank festgeschnallt und so ins Flugzeug
getragen wurde. Dabei habe ihr BGS-Beamter einen Finger auf die Nase und einen
auf den Hinterkopf gedrückt.
Dieser "Kopfhaltegriff" werde vom BGS als "übliche Methode" bezeichnet. Den Angaben zufolge weigerte sich der Kapitän,
die Frau unter diesen Umständen zu transportieren. Daraufhin sei sie aus dem Flugzeug geholt und unter Schlägen
wieder in die Abschiebzelle gebracht worden.
Am Stuttgarter Flughafen wurden dem Komitee zufolge Ausländer vor der Abschiebung gegen ihren Willen mit
Medikamenten betäubt und in einem Fall geschlagen. Kritik äußerten die Experten auch an der oft äußerst dürftigen
Ausstattungen von Zellen in Polizeikommissariaten. So fehle es mancherorts noch immer an Matratzen und Decken,
was bereits bei einer Visite vor neun Jahren beanstandet worden sei.
In einer psychiatrischen Anstalt für Häftlinge im badischen Wiesloch wurden Patienten oft monatelang in Gummizellen
isoliert. Für eine solche "unmenschliche und entwürdigende Behandlung" gebe es keine medizinische Rechtfertigung.
In einem Jugendgefängnis in Halle wurde ein Häftling nach einem Selbstmordversuch 36 Stunden gefesselt und allein
gelassen. Solche Methoden hätten kaum einen "positiven Effekt auf den Zustand eines potenziellen Selbstmörders",
rügten die Experten. Sie forderten die Bundesregierung auf, Missstände dieser Art "unverzüglich abzuschaffen". Auch
müsse Berlin endlich sicherstellen, dass Festgenommene unverzüglich mit Angehörigen und einem Anwalt Kontakt
aufnehmen können. Dies sei trotz früherer Ermahnungen noch immer nicht der Fall. (Quelle: afp)
Bundesverfassungsgericht: Polizei darf Telefone von Journalisten überwachen
Do.13.03.03 - Die Polizei darf zur Aufklärung schwerer Straftaten Telefone von Journalisten
überwachen. Die Presse- und Rundfunkfreiheit verbiete nicht grundsätzlich
den Zugriff auf die Verbindungsdaten der Handys und Festnetzanschlüsse von
Medienvertretern, entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe am Mittwoch.
Mit den Daten kann zum Beispiel der Aufenthaltsort der
Telefonierenden ermittelt werden. Um das Abhören von
Gesprächen ging es in dem Verfahren nicht. (Aktenzeichen: 1 BvR 330/96 u. 348/99
vom 12. März 2003) Die Entscheidung stieß bei den Verbänden von Verlegern und
Journalisten sowie dem Deutschen Presserat auf Kritik.
Das Gericht wies die Verfassungsbeschwerden zweier Journalisten zurück, deren
Telefondaten zur Fahndung nach dem Ex-Terroristen Hans- Joachim Klein sowie
nach dem Baulöwen Jürgen Schneider genutzt worden waren. Mit Hilfe der Daten war Klein, der in Kontakt mit einer
"Stern"-Journalistin stand, nach 22 Jahren Flucht in Frankreich festgenommen worden. Der wegen Kreditbetrugs in
Milliardenhöhe gesuchte Schneider, der sich in die USA
abgesetzt hatte, stand mit ZDF-Reportern in Verbindung.
Nach den Worten des Gerichts liegt sowohl die Strafverfolgung
als auch die Medienberichterstattung im öffentlichen Interesse.
Die Medien seien bei der Recherche zwar grundsätzlich
geschützt, auch vor der Enttarnung ihrer Informationsquellen.
Das Grundgesetz schreibe jedoch keine "umfassende
Privilegierung" von Journalisten vor. Wie jeder Staatsbürger
müssten sie prinzipiell Ermittlungsmaßnahmen bei der
Fahndung nach Straftätern hinnehmen.
Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger wertete das
Urteil als einen klaren Auftrag an den Gesetzgeber, den
Informantenschutz zu stärken. In das verfassungsrechtlich
geschützte Vertrauensverhältnis zwischen Presse und
Informanten dürfe nur in absoluten Ausnahmefällen eingegriffen
werden, die gesetzlich exakt definiert werden müssten. Auch der
Deutsche Presserat forderte, den Schutz von
Journalisten vor Überwachungsaktionen zu verbessern.
Auf Kritik stieß das Urteil auch beim Deutschen Journalistenverband. Die Vertraulichkeit von Recherchegesprächen
sei gefährdet. "Jeder Informant wird es sich drei Mal überlegen, ob er mit einem Journalisten telefoniert, wenn er
befürchten muss, dass die Strafverfolger seine Handy-Nummer speichern", sagte der Vorsitzende Rolf Lautenbach.
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) sieht dagegen keinen Handlungsbedarf. Die Arbeit von Journalisten sei
nicht erschwert worden, sagte sie in Karlsruhe.
Der Erste Senat unter Vorsitz des Gerichtspräsidenten Hans-Jürgen Papier räumte ein, dass durch Auskünfte über
die massenhaft erhobenen Verbindungsdaten, die seit Einführung der Digitaltechnik anfallen, schwer wiegend in das
Fernmeldegeheimnis eingegriffen werde. Die Ermittler könnten sich so bei den Telefongesellschaften ein detailliertes
Bild über Telefonate und damit über Aufenthaltsort und soziales Umfeld der Betroffenen verschaffen.
Voraussetzung für solche Maßnahmen sei deshalb ein konkreter Tatverdacht auf gravierende Straftaten. Da Klein
wegen dreifachen Mordes im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Wiener OPEC-Konferenz 1975 gesucht wurde
und Schneider eine der größten Wirtschaftsstraftaten der deutschen Geschichte vorgeworfen wurde, erachtete das
Gericht die Aktion als rechtmäßig. Möglicherweise müssten aber Sicherungen eingebaut werden, etwa eine
nachträgliche Kontrolle der Überwachung durch Datenschutzbeauftragte oder parlamentarische Gremien.
Zudem dürften die dafür zuständigen Richter solche Anordnungen nicht einfach pauschal unterschreiben, sondern
müssten sich nach sorgfältiger Prüfung eigenverantwortlich ein Urteil bilden, mahnten die Karlsruher Richter. Sie
nahmen damit offenkundig Bezug auf eine jüngst veröffentlichte Studie der Universität Bielefeld, wonach die Richter
Abhörgenehmigungen häufig ohne eingehende Prüfung erteilen. (Quelle: dpa)
Bundesverfassungsgericht:
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