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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ So.16.03.03,12:45 Zeichen für bevorstehenden Krieg gegen Irak nehmen zu
So.16.03.03 - Die Zeichen für einen kurz bevorstehenden Irak-Krieg nehmen immer mehr zu.
Vor dem Irak-Gipfel der USA, Großbritanniens und Spaniens auf den Azoren stimmte
US-Präsident George W. Bush am Samstag die Amerikaner in einer Rundfunkansprache auf den
wahrscheinlichen Krieg ein.
Bush sagte, vor der Welt lägen entscheidende Tage. Der britische Außenminister
Jack Straw sagte: "Die Aussicht auf eine militärische Aktion ist jetzt viel
wahrscheinlicher, und ich bedauere dies zutiefst."
Bush wies darauf hin, dass die diplomatische Bemühungen zur Lösung des
Konflikts andauerten. Es gebe indessen wenig Grund für die Hoffnung, dass Iraks
Präsident Saddam Hussein freiwillig abrüste. Der Staatssekretär im britischen
Verteidigungsministerium, Adam Ingram, deutete auf einer Konferenz der
EU-Verteidigungsminister in Athen an, dass die Zeitspanne bis zu einem
Militärschlag nur noch eine Frage von Tagen sein könne.
Bush, der britische Premierminister Tony Blair und der spanische Regierungschef
José María Aznar, die für ein hartes Vorgehen gegen das
Regime von Saddam Hussein eintreten, wollen an diesem
Sonntagnachmittag auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Lajes auf
der Insel Terceira über ihr weiteres Vorgehen beraten.
Der EU-Beauftragte für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, sagte in Athen, er wünsche
sich, dass ein Krieg vermieden werden könne, doch wisse er nicht, ob dies in Erfüllung gehe. Der griechische
Verteidigungsminister und Vorsitzende des Ministerrates, Giannos Papantoniou, erklärte man könne nicht
optimistisch sein. Es sollten jedoch alle diplomatischen Möglichkeiten noch genutzt werden.
Bundesverteidigungsminister Peter Struck sprach auch nur von einer Hoffnung, dass der Krieg vermieden werde, den
er als "falschen Weg" bezeichnete. Ähnlich hatte sich zur Bundeskanzler Gerhard Schröder geäußert. "Ich habe
meine Zweifel, ob das noch gelingen kann", sagte er am Freitagabend in der ARD. Zugleich unterstrich er seinen
Willen, doch noch zu einer diplomatischen Lösung beizutragen.
Von dem Gipfeltreffen auf den Azoren wird auch eine Entscheidung darüber erwartet, ob es in den nächsten Tagen
im UN-Sicherheitsrat zur Abstimmung über eine Kriegsresolution kommt oder ob die USA, Großbritannien und
Spanien ihren entsprechenden Entschließungsentwurf zurückziehen. Bush sagte in seiner Rede, es zeige sich nun,
ob es sich bei den erklärten Verpflichtungen von Regierungen hinsichtlich Freiheit und Sicherheit nur um
Lippenbekenntnisse gehandelt habe oder um Überzeugungen, "auf deren Grundlange man zum Handeln bereit ist".
Für die Regierung der Vereinigten Staaten und "der Koalition, die wir führen", gebe es keinen Zweifel: "Wir werden
uns einer wachsenden Gefahr stellen, um uns zu schützen, einen Beschützer des Terrorismus zu entfernen und um
den Frieden auf der Welt zu wahren."
Zu den zunehmenden Zeichen des bevorstehenden Krieges gehören auch zunächst nicht offiziell bestätigte Berichte
aus Kuwait, dass die zivilen Flugverbindungen nach Kuwait in den kommenden zwei Tagen eingestellt würden. In
Kuwait warten rund 150 000 amerikanische und britische Soldaten auf ihren Einsatz.
Die UN-Waffeninspekteure im Irak sind angesichts der Kriegsgefahr auf ihre Ausreise eingestellt. Alle Vorbereitungen
dafür seien getroffen worden, sagte der Sprecher der Irak-Inspektionskommission, Ewen Buchanan, am Freitagabend
(Ortszeit). Er betonte aber, dass bislang kein Evakuierungsplan für die etwa 150 Mitarbeiter in Kraft gesetzt worden
sei. (Quelle: dpa)
Ende der Fahnenstange?
Die allgemeine Erwartung geht dahin, dass der Gipfel der Kriegsbefürworter
auf den Azoren zwar keine offizielle Kriegserklärung, aber die letzte Weichenstellung
für den Militärschlag gegen den Irak bringen werde.
Nach Ansicht vieler politischer Beobachter ist sich das Dreigestirn Bush, Blair und Aznar endgültig darüber im Klaren,
dass - ganz abgesehen vom angedrohten Veto Frankreichs - nicht einmal eine Mehrheit für die Resolution im
Weltsicherheitsrat zu Stande käme. Damit bliebe das Trio auch ohne das, was nach US-Lesart zumindest ein
symbolischer Sieg und eine moralische Rückenstärkung wäre. «Es ist ganz klar schwerer, (mit einem Krieg) vorwärts
zu gehen, wenn man ein Votum gegen sich hat, als wenn man überhaupt keines hat», zitierte die «Washington Post»
am Samstag einen hohen US- Regierungsbeamten.
Auch die Tatsache, dass die Gruppe der so genannten sechs «Unentschlossenen» im UN-Sicherheitsrat nicht auf die
Azoren eingeladen wurde, zeigt nach Ansicht von Beobachtern, dass das Ende der «diplomatischen Fahnenstange»
auf der Seite der USA erreicht ist. Washington sehe offensichtlich keine Chance für Kompromissformulierungen im
Resolutionsentwurf mehr, die eine Mehrheit garantieren würden, ohne die US-Position zu «verbiegen».
Wozu dann überhaupt dieser Gipfel? Wer sich immer noch ein Quentchen Optimismus bewahrt hat, argumentiert,
dass es angesichts der ungeheuren Tragweite einer Kriegsentscheidung ohne UN- Rückendeckung vielleicht doch
noch einen letzten diplomatischen Vorstoß geben könnte. Die meisten Experten meinen dagegen, dass der Gipfel
hauptsächlich dem Ziel diene, der Welt zu zeigen, dass man bis zur letzten Minute alles, aber auch alles getan habe,
um eine friedliche Lösung zu erreichen. Außerdem solle das Treffen den Kriegsbefürwortern die Möglichkeit geben,
Gemeinsamkeit zu demonstrieren und als «Koalition» vor der Welt zu erscheinen.
«Und sicher geht es dabei auch um interne Aufmunterung», meinte ein US-Regierungsbeamter hinter vorgehaltener
Hand. «In diesen schweren Stunden der Entscheidung tut es gut, sich gegenseitig moralisch aufzurüsten.»
(Quelle: dpa)
Neue Irak-Initiative aus Berlin, Paris und Moskau
So.16.03.03 - Mit einem neuen diplomatischen Vorstoß wollen Deutschland, Frankreich
und Russland einen Irak-Krieg in letzter Minute verhindern. In einer am Samstag
vom Berliner Auswärtigen Amt veröffentlichten gemeinsamen Erklärung forderten die
drei Staaten eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates am Montag auf Ministerebene.
Das Arbeitsprogramm der UN-Kontrollmission UNMOVIC müsse am Montag dem
Sicherheitsrat vorgelegt werden. Auf dieser Grundlage schlagen Berlin, Paris und
Moskau vor, "sofort danach auf Ministerebene" zusammenzukommen, um die
vorrangigen Abrüstungsaufgaben zu billigen und einen Zeitplan zur Implementierung
festzulegen". (Quelle: ap)
Iraks Führung versetzt Land in Kriegszustand
So.16.03.03 - Angesichts eines drohenden Militärschlags der USA und
Großbritanniens hat der irakische Präsident Saddam Hussein sein Land in den
Kriegszustand versetzt und in vier Militärbezirke aufgeteilt.
Wie die amtliche Nachrichtenagentur INA am Samstag meldete, ernannte der
Revolutionäre Kommandorat vier Bezirkskommandeure und unterstellte sie dem
Oberbefehl Saddams. Zu den Kommandeuren gehört auch Saddams ältester
Sohn Kusai. Diesem seien der Bezirk Bagdad und andere Gebiete in Zentral-Irak
unterstellt. Kusai ist der Befehlshaber der Eltitetruppe Republikanische Garde. Mit
Bagdad und auch der Stadt Tikrit unterstehen ihm zwei Städte, die als Machtbasis
der Regierung gelten. Die Maßnahmen dienten dazu, eine ausländische Aggression
abzuwehren, meldete INA.
Wie INA weiter meldete, unterstehen jedem Bezirkskommandeur mehrere Divisionen der Armee sowie Milizeinheiten
der regierenden Baath Partei. Die Kommandeure seien für die Verteidigung ihres Bezirks und die innere Sicherheit
zuständig. Dem Dekret zufolge behält Saddam das direkte Kommando über die Luftwaffe, die Luftabwehr und die
Einheiten für Boden-Boden-Raketen.
Die Entscheidung fiel einen Tag vor dem für Sonntag geplanten Treffen von US-Präsident George W. Bush, dem
britischen Premierminister Tony Blair und dessen spanischem Amtskollegen Jose Maria Aznar auf den Azoren.
Die drei Staaten befürworten ungeachtet des Widerstands im
UNO-Sicherheitsrat einen Krieg gegen Irak, sollte das Land die UNO-Abrüstungsforderungen nicht in Kürze erfüllen.
(Quelle: rtr)
Studie: Mehrheit der US-Bürger gegen Alleingang Washingtons
So.16.03.03 - Die überwältigende Mehrheit der US-Bürger ist einer Umfrage zufolge gegen
einen Alleingang ihrer Regierung. 78 Prozent der Befragten gaben in der am
Sonntag veröffentlichten Umfrage für das US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" an,
dass die USA in ihrer Außenpolitik mit starken Verbündeten und internationalen
Organisationen zusammenarbeiten sollten. Nicht einmal jeder Fünfte hielt es
demnach für angebracht, dass Washington alleine vorgeht. 79 Prozent sind laut der
Befragung dafür, dass die US-Regierung bei außenpolitischen Entscheidungen die
Meinung ihrer Verbündeten berücksichtigen soll. Nur jeder Dritte gab in der Umfrage
an, dass die USA als mächtigstes Land der Welt ihre Außenpolitik nicht von der
Zustimmung anderer Staaten abhängig machen bräuchten. (Quelle: afp)
FBI prüft gefälschte Beweise gegen den Irak
So.16.03.03 - Die Enthüllung von al-Baradei war eindrucksvoll. Dokumente,
die beweisen sollten, dass der Irak in den letzten Jahren versucht
habe, illegal Uran in Niger zu erwerben, so erklärte der Direktor der
Internationalen Atomenergie- Behörde (IAEA) in der letzten Woche,
hätten sich als plumpe Fälschungen erwiesen. Sie waren den Inspektoren
nach der Prüfung durch US-Nachrichtendienste vom britischen Geheimdienst
übergeben worden.
Die FBI-Untersuchung soll nun in erster Linie Antworten auf zwei Fragen finden: Wer hat
die gefälschten Papiere hergestellt, und was war seine Absicht. Zum ersten Punkt
gibt es anscheinend noch keine Erkenntnisse. Die Dokumente sind über den britischen
Geheimdienst an die Inspektoren gelangt. Sie hatten den Amerikanern jedoch vorher
zur Einsicht vorgelegen. "Wir sind darauf hereingefallen", wird ein Beamter in der Presse
zitiert. Der Geheimdienst CIA hatte allerdings von Anfang an Zweifel an ihrer Qualität
und hat sie nicht in seine Akte über irakische Beschaffungsmassnahmen aufgenommen.
Zu der zweiten Frage scheint es gegenwärtig nur Spekulationen zu geben. So sagte der
erwähnte Beamte, es werde geprüft, ob die Fälschungen den Zweck hatten, die amerikanische
Politik zu beeinflussen, oder von einer ausländischen Regierung in Umlauf gebracht wurden
in der Absicht, Desinformation zu verbreiten. Daneben wird aber auch erörtert, ob die Fälscher
beabsichtigt haben, dass ihre Fälschungen identifiziert werden, um die anglo-amerikanischen
Geheimdienste und die von ihnen vorgelegten Dokumente zu diskreditieren.
Für diese Vermutung spricht, dass die Fälschungen sehr schlecht und deswegen, wie Baradei
erklärte, leicht zu erkennen waren. Im Einzelnen handelte es sich um eine Reihe von Briefen
zwischen Beamten des Iraks und des Nigers, in denen Bagdad Interesse am Erwerb von
Uran und anderen Ausrüstungen zur Herstellung von Atomwaffen zeige. Dabei hätten die
Fälscher Briefbögen einer Behörde verwendet, die inzwischen einen anderen Namen
erhalten hatte. Überdies wären die verwendeten Daten nicht schlüssig gewesen. Mehr als
Vermutungen scheint es zurzeit aber nicht zu geben.
In den achtziger Jahren hatte der Irak aktiv an dem Aufbau eines Atomwaffenprogramms
gearbeitet. Im Golfkrieg von 1991 war die nukleare Infrastruktur des Landes aber schwer
beschädigt worden. Im Anschluss daran waren die aufgefundenen Rohstoffe und
Ausrüstungen von den Inspektoren bis 1998 beseitigt oder vernichtet worden. Allerdings
hat Bagdad den Inspektoren nie seine Planungsunterlagen übergeben und die beteiligten
Wissenschafter weiter beschäftigt. (Quelle: nzz)
Rückblende: Sa.08.02.03 +++ Großbritannien +++ Angebliches Geimdienst-Dossier zum Irak teilweise Plagiat +++
Von veralteter Arbeit eines Studenten abgeschrieben +++ Dossier war von Powell vor dem Sicherheitsrat besonders gewürdigt worden.
Mehr unter:
Alliierte Marine-Kommandeure treffen letzte Abstimmungen
So.16.03.03 - Die Kommandeure britischer und US-amerikanischer Marine-Einheiten
haben am Samstag an Bord des britischen Flugzeugträgers "Ark Royal" letzte Abstimmungen
für den Fall eines Angriffbefehls auf Irak getroffen.
US-Konteradmiral Barry Costello sagte zu Journalisten an Bord des britischen
Flaggschiffs: "Heute ist eine unserer letzten Planungstreffen, das wir haben
werden." Die Planungen seien jetzt vollständig. ""Die Ausführung folgt als nächstes
und wir stehen bereit."
Großbritannien hat neben der "Ark Royal" noch den Hubschraubträger "Ocean" im
Einsatz, auf denen 1500 Elitesoldaten der Marine zusammengezogen sind. Dem
Verband gehören zudem mehrere Begleitschiffe an. (Quelle: rtr)
«Schaltpult des Krieges»
So.16.03.03 - Der amerikanische Offizier nennt das Ganze einfach «the brain» - das Gehirn.
Gemeint ist die «vorgeschobene Kommandozentrale» der US-Armee, mitten im Wüstensand
es Golfstaates Katar gelegen. «Von hier geht der militärische Befehl zum ersten Schuss
im Irak-Krieg aus», meint der junge Mann, dessen Name nicht genannt werden darf.
«Und von hier wird der Befehl zur Feuereinstellung ausgehen.»
«US Central Command Forward Headquarters» ist der offizielle
Name des Stützpunkts - vorgeschobenes Hauptquartier der
amerikanischen Kommandozentrale. Auf den ersten Blick
handelt es sich um gut 20 klimatisierte Lagerhallen, 20
Kilometer vor der Hauptstadt Doha gelegen - eiligst errichtet,
mit Dutzenden Computerbildschirmen für den High-Tech-Krieg
bestückt. Von hier aus soll Vier-Sterne-General Tommy Franks (57) den
Krieg steuern.
Herzstück des Stützpunktes ist das «Schaltpult des Krieges», ein Computerraum, von dem Flugzeugeinsätze,
Panzeroffensiven und Truppenvorstöße tief im Feindesland gesteuert werden können. «Eigentlich sieht das aus wie
ein Internet-Café», berichtet der Offizier. «Normalerweise erscheinen auf den Computer ganze Truppeneinheiten. Dies
ist die Ebene, auf der die Kommandos laufen. Es ist aber auch möglich, in einem Gefecht einzelne Panzer auf dem
Bildschirm auszumachen.» Auch irakische Panzer seien von hier auf den Bildschirmen zu orten.
Fünf große Schirme stehen in einem Presseraum, über die Journalisten mit Bildern vom Krieg versorgt werden sollen.
Zwei kleine Stehpulte sind daneben gestellt. Wenn die ersten Bomben einmal gefallen sind, will Franks oder ein
Stellvertreter hier täglich Lageberichte geben. Erstaunlich allerdings: Über 1000 Journalisten haben sich bereits bei
den Amerikanern in Katar angemeldet, doch der Presseraum hat Platz für höchstens 100 Leute. «Alles andere würde
unsere Kapazitäten übersteigen», meint einer der Soldaten.
Die von den US-Armee gelieferten und freigegebenen Bilder sollen von speziellen «Combat-Camera»-Einheiten
aufgenommen werden. Noch ist unklar, ob dies ähnliche Bilder von vermeintlich «sauberen
Präzisionsbomben-Einschlägen» sein werden, wie sie beim Golfkrieg 1991 geliefert wurden. ARD-Korrespondent Peter
Puhlmann hat zumindest schwere Zweifel, ob das wirkliche Kriegsgeschehen an der Front dabei zu Tage kommt. «Ich
weigere mich, einfach die Sichtweise der Amerikaner zu übernehmen. Wir sind doch die ersten, die in einem Krieg
angelogen werden.»
Im Rückblick auf den ersten Irak-Krieg von 1991 und zu entsprechenden Vorwürfen, zu sehr
auf US-Quellen vertraut zu haben, sagt ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender: «Wir haben aus den Fehlern von 1991
gelernt.» Mit einer möglichst großen Vielfalt von Quellen und noch mehr eigenen Korrespondenten soll der Gefahr
einseitiger Information vorgebeugt werden. Zu diesen Quellen gehört beim ZDF auch der arabische Sender El
Dschasira in Katar.
Bei jeder Meldung müsse die Quellenlage genau überprüft werden, betont Brender: «Keine Meldung ist so
offensichtlich, dass sie auch noch wahr sein muss.» (Quelle: dpa)
(Quelle: dpa)
Internet: ZDF-Berichterstattung zur Irak-Krise
Berlin offenbar an Irak-Wiederaufbau interessiert
So.16.03.03 - Deutschland will sich nach einem Bericht des "Spiegel"
ungeachtet seines Neins zu einem Irak-Krieg an einem
möglichen Wiederaufbau des Landes beteiligen. In der
rot-grünen Koalition sei "intern" bereits von einem
Hilfsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau sowie
dem Einsatz von bis zu 1000 Soldaten für eine
Friedenstruppe die Rede. Allerdings wolle die Koalition
den Eindruck vermeiden, als habe sie sich mit einem Krieg unter US-Führung
bereits abgefunden und alle Hoffnung auf eine friedliche Lösung aufgegeben.
Nach Angaben des "Spiegels" kommt es für Berlin jedoch maßgeblich darauf an,
wer um Hilfe bittet. Würden die Vereinten Nationen ein entsprechendes Ersuchen
stellen, könne sich Deutschland dem "schwerlich entziehen", habe ein
Kabinettsmitglied zu bedenken gegeben. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD)
stellte unterdessen klar, dass sich Deutschland nicht mit Mitteln aus dem
Verteidigungshaushalt am Wiederaufbau oder an Friedenstruppen beteiligen werde.
"Wir geben im Jahr knapp zwei Milliarden Euro für Auslandseinsätze aus. Für
weitere zusätzliche Auslandseinsätze hat der Verteidigungshaushalt keinen
Spielraum", sagte er der "Welt am Sonntag".
Struck bot an, im Falle eines Irak-Kriegs verwundete US-Soldaten oder Iraker aus Kuwait auszufliegen. "Wenn
medizinische Hilfe angefordert wird, um verletzte amerikanische Soldaten oder verletzte geflohene Iraker aus Kuwait
auszufliegen und zu versorgen, werden wir dem entsprechen." Es blieben auch die deutschen Spürpanzer vom Typ
'Fuchs' mit Besatzung, um entsprechend dem Mandat des Bundestages in Kuwait der Bevölkerung oder auch
amerikanischen Soldaten zu helfen. Sie gingen aber nicht nach Irak. Dafür hätten die USA selbst genügend
Spürpanzer. (Quelle: afp)
Weltweite Demonstrationen gegen Irak-Krieg
So.16.03.03 - Vor dem Irak-Sondergipfel der Verbündeten USA,
Großbritannien und Spanien haben Menschen weltweit gegen
einen Krieg demonstriert. Hunderttausende gingen allein in den
europäischen Großstädten Mailand, Paris und Madrid auf die
Straße. Allein in der norditalienischen Metropole protestierten
nach Polizeiangaben mindestens 400.000, nach Angaben der
Organisatoren sogar 700.000 Kriegsgegner. Zu der Kundgebung
hatte die größte italienische Gewerkschaft CGIL aufgerufen.
Auch in Deutschland demonstrierten mehr als 10.000 Menschen
gegen einen Krieg.
Auf dem Pariser Place de la Nation versammelten sich nach Angaben der Präfektur
etwa 55.000 Menschen. Zu der Kundgebung aufgerufen hatte ein Bündnis von etwa
100 Initiativen, Linksparteien und Gewerkschaften. Im belgischen Brüssel nahmen
nach Polizeiangaben knapp 30.000 Menschen an einem Friedensmarsch teil.
Auch in den spanischen Großstädten Madrid und Barcelona versammelten sich
nach Angaben der Polizei 150.000 Menschen aus Protest gegen einen Krieg. In
Sevilla im Süden der iberischen Halbinsel nahmen etwa 15.000 Menschen an einem
Protestmarsch zu dem US-spanischen Militärstützpunkt Rota teil.
Im schwedischen Stockholm folgten tausende dem Aufruf von
Kriegsgegnern zu einer Demonstration. In London zogen 2000
Anhänger einer friedlichen Lösung der Irak-Krise durch die
Stadt.
Auch in Jemen zogen Hunderttausende durch die Straßen von
Sanaa und anderer Städte. In den Palästinensergebieten
beteiligten sich mehr als 8000 Palästinenser an
Anti-Kriegsdemonstrationen. Die rund 4000 Teilnehmer einer
Kundgebung in Chan Junis im Gazastreifen führten Bilder von
Palästinenserpräsident Jassir Arafat und dem irakischen Staatschef Saddam Hussein mit sich. Sie verbrannten
Fahnen der USA, Großbritaniens und Israels sowie Puppen von US-Präsident George W. Bush und dem israelischen
Regierungschef Ariel Scharon. In Irak selbst demonstrierten zehntausende Menschen in Bagdad und anderen Städten
gegen den Krieg.
Zehntausende waren auch in Asien auf der Straße. In der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi folgten mehrere tausend
Menschen einem Aufruf der regierenden Kommunistischen Partei. In der Stadt Naha auf der Insel Okinawa, dem
Hauptstandort der US-Armee in Japan, protestierten mehr als 5000 Menschwen gegen den Krieg. In Sydney,
Melbourne, Brisbane und anderen australischen Städten waren ebenfalls tausende Menschen auf den Straßen.
(Quelle: afp)
Rund 100.000 Menschen bei Lichterkette gegen Irak-Krieg in Berlin
So.16.03.03 - Mit einer Lichterkette quer durch Berlin haben am Samstagabend nach
Polizeiangaben 100.000 Menschen gegen den drohenden Irak-Krieg protestiert. Die
Teilnehmer reihten sich mit Taschenlampen und Kerzen an einer 35 Kilometer
langen Strecke zwischen dem Bezirk Spandau im Westen und Hellersdorf im Osten
auf, um ihrem Protest gegen einen Angriff gegen Irak zum Ausdruck zu bringen. Die
Polizei teilte mit, dass es vor allem in der Innenstadt eine rege Beteiligung gab und
die Kette "geschlossen" wurde. "Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass es so
viele werden", sagte Mitorganisatorin Laura von Wimmersperg. (Quelle: afp)
Sitzblockade vor US-Airbase aufgelöst
So.16.03.03 - Die Polizei hat am Samstagabend eine friedliche Sitzblockade vor der
US-Luftwaffenbasis in Frankfurt am Main aufgelöst. Vor der Hauptzufahrt hatten
sich seit Nachmittag rund 200 Demonstranten niedergelassen, um gegen einen
drohenden Irak-Krieg zu demonstrieren. Bis 18.40 Uhr hatten die Beamten alle
verbliebenen Personen weggetragen. Die Aktion verlief von beiden Seiten völlig
friedlich. Die Polizei bezifferte die Zahl der Demonstranten auf ingesamt 900, die Veranstalter
sprachen von 1.500.
Grund für die Räumung war laut Polizei, dass die gerichtliche Genehmigung für die
Kundgebung nur einen angrenzenden Parkplatz umfasste. Ab etwa 16.00 Uhr
wurden daher bereits einzelne Demonstranten weggetragen. Um 18.30 begann dann
die forcierte Räumung, die binnen zehn Minuten beendet war. Ursprünglich hatten
die Veranstalter von der Kampagne «resist» angekündigt, die Zufahrt zu der Airbase
24 Stunden lang zu blockieren.
Zuvor hatte "resist"-Sprecher Christoph Bautz betont, man wolle keine Gewalt und
keine Eskalation. Die Frankfurter US-Airbase ist nach Ansicht von "resist" eine
wichtige Drehscheibe für den Truppenaufmarsch der Amerikaner und den Transport
von Nachschubmaterial in Richtung Irak.
In Nürnberg bildeten rund 4.000 Demonstranten einen "Friedensring" um die
Altstadt. Die Menschenkette formierte sich laut Polizei gegen 13.00 Uhr. Anschließend zogen zwei große Gruppen
entgegengesetzt um den Altstadtring zur Abschlusskundgebung auf den Kornmarkt. Die Versammlung verlief laut
Polizei friedlich und ohne Störungen. In Münster beteiligten sich laut Polizei etwa 800 Kriegsgegner an einem
friedlichen Protestmarsch durch die Stadt.
resist:
Tausende Kriegsgegner ziehen vor das Weiße Haus in Washington
So.16.03.03 - In Washington sind am Samstag tausende Gegner eines
Krieges gegen den Irak vor das Weiße Haus gezogen und haben für eine friedliche
Lösung des Konflikts demonstriert.
Die Demonstranten aus mehr als 100 Städten forderten vor dem Amtssitz von
Präsident George W. Bush, Irak nicht wie gedroht anzugreifen. "Präsident Bush, hör
auf dein Volk - das amerikanische Volk steht heute vor dir und sagt: 'Kein
Krieg in Irak'", rief eine Demonstrantin bei der Kundgebung der jubelnden
Menge zu. "Das irakische Volk ist nicht unser Feind -sie sind unsere Schwestern
und Brüder", rief eine weitere Demonstrantin. Die Teilnehmer stammten aus einem
breiten politischen Spektrum und waren aus allen Landesteilen in die US-Hauptstadt
gekommen. Auf Transparenten forderten sie: "Schickt unsere Truppen nach Hause" und "Kein Blut für Öl".
Bush weilte zu dieser Zeit nicht in Washington, sondern auf
seinem Landsitz Camp David.
In der Golfregion stehen schätzungweise 270.000 Soldaten der USA und Großbritanniens für einen Angriff auf Irak bereit.
(Quelle: rtr)
Friedensbewegung ist bereit für den «Tag X»
Mehr unter:
Aktionen der Friedensbewegung unter:
Hintergrundtexte der Informationsstelle Militarisierung (IMI)
Greenpeace-Friedenslinks:
Link-Auswahl zum Thema Irak-Konflikt:
Polen unterzeichnet Kaufvertrag über US-Kampfflugzeuge
So.16.03.03 - Polen hat am Samstag einen Vertrag über den Kauf von
US-Kampfflugzeugen im Wert von 3,5 Milliarden Dollar (3,3 Milliarden Euro)
unterzeichnet. Die 48 Maschinen der US-Rüstungsfirma Lockheed Martin sollen die
polnische Luftwaffe auf den allgemeinen Standard der NATO bringen, der Polen
1999 beitrat. Der Vertrag tritt aber erst in Kraft, wenn eine Zusatzvereinbarung über
US-Investitionen in Polen abgeschlossen ist. Es geht um mindestens sechs
Milliarden Dollar, die Lockheed Martin in die polnische Wirtschaft investieren soll.
Über die genauen Bedingungen wird noch verhandelt.
Warschau hatte sich im Dezember für die F-16-Kampfflugzeuge und damit gegen
zwei europäische Konkurrenzmodelle entschieden: den Kampfjet Gripen, der von
Saab und BAE Systems gebaut wird, und die Mirage 2000 von Dassault Aviation
aus Frankreich. (Quelle: ap)
USA heben Sanktionen gegen Sicherheitsratsmitglied Pakistan auf
So.16.03.03 - Die USA haben Sanktionen gegen Pakistan
aufgehoben, die 1999 nach dem Putsch des jetzigen Präsidenten Pervez Musharraf
verhängt worden waren.
Pakistan ist eines von zehn nichtständigen Mitgliedern im UNO-Sicherheitsrat, in
dem die USA derzeit eine Mehrheit für eine neue Irak-Resolution erreichen wollen.
Die Aufhebung der Sanktionen sei wichtig im Kampf der USA gegen den internationalen
Terrorismus, hieß es in der am Freitag veröffentlichten schriftlichen Erklärung von
US-Präsident George W. Bush. Zudem werde damit der Übergang Pakistans zu einer
Demokratie gefördert. Nach Angaben aus US-Parlamentskreisen wird damit der Weg für rund 250
Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe freigemacht, die der Kongress in diesem Jahr bewilligt hatte.
In Islamabad begrüßte Informationsminister Sheikh Rashid Ahmed die US-Entscheidung. "Wir glauben, das war seit
ein paar Monaten überfällig", sagte er zu Journalisten. "Dies hätte im Oktober passieren sollen, als Pakistan zur
Demokratie zurückkehrte." Im Oktober vergangenen Jahres war im Zuge der Parlamentswahlen wieder eine zivile
Regierung gebildet worden. Gleichwohl hält Musharraf die wichtigsten Entscheidungen in seinen Händen.
In einer diplomatischen Offensive haben die USA in den vergangenen Tagen bei allen Mitgliedern des Sicherheitsrats
der Vereinten Nationen (UNO) intensiv um die Zustimmung für eine neue Irak-Resolution geworben. Diese soll zu
einem Krieg gegen Irak ermächtigen. Bislang zeichnet sich aber keine Mehrheit für die Resolution ab.
Als Nachbarland Afghanistans ist Pakistan zudem ein strategischer Partner der USA im Kampf gegen die
Extremistenorganisation El Kaida, die für die Anschläge am 11. September in den USA verantwortlich gemacht wird.
Die USA hatten mit einem Feldzug Ende 2001 zum Sturz der Taliban-Regierung in Afghanistan beigetragen, da diese
der El Kaida Unterschlupf gewehrt hatte. Anfang des Monats war in Pakistan der mutmaßliche Drahtzieher der
Anschläge, Chalid Scheich Mohammed, verhaftet worden. (Quelle: rtr)
Israel begrüßt geplante Veröffentlichung des Nahost-Fahrplans
So.16.03.03 - Nach den Palästinensern hat auch die israelische Regierung die
von US-Präsident George W. Bush angekündigte Veröffentlichung des so genannten
Nahost-Fahrplans vorsichtig begrüßt.
Ein Sprecher des Außenministeriums sagte nach Angaben des israelischen
Rundfunks vom Samstag, Israel stimme mit den USA vollständig überein. Man teile
die Meinung von US-Präsident George W. Bush, dass Verhandlungen über ein dauerhaftes
Friedensabkommen mit den Palästinensern erst nach der Einsetzung eines handlungsfähigen
palästinensischen Ministerpräsidenten möglich seien.
Bush hatte am Freitag überraschend angekündigt, Washington
werde den Friedensplan, der ein endgültiges
Friedensabkommen und einen unabhängigen
Palästinenserstaat bis zum Jahr 2005 vorsieht, nach der für
kommende Woche erwartete Ernennung von Machmud Abbas
zum ersten palästinensischen Ministerpräsidenten vorlegen.
Sprecher der Autonomiebehörden hatten die Ankündigung begrüßt.
Gleichzeitig forderten alle palästinensischen Sprecher jedoch die sofortige Verwirklichung des Stufenplans, der die
Beendigung der palästinensischen Angriffe auf Israelis zur Voraussetzung eines militärischen Rückzugs Israels aus
den seit fast einem Jahr besetzten Städten macht.
Die israelische Regierung hat nach übereinstimmenden Presseberichten zahlreiche Einwände gegen den
"Nahost-Fahrplan". So wolle sich Ministerpräsident Ariel Scharon nicht auf einen Zeitplan für dessen Umsetzung
festlegen lassen. Scharon ist weiterhin auch strikt gegen eine internationale Überwachung der Durchsetzung des
Plans in den Palästinensergebieten, wie er von den Europäern vorgeschlagen wurde. Die Tageszeitung "Haaretz"
berichtete, von Scharon eingesetzte Experten wollten in Washington ursprünglich bis zu 100 Änderungen an dem
Friedensplan erreichen. (Quelle: dpa)
haArez-Ticker -Aktuelle Agentur- und Pressemeldungen:
Israels Atompolitik - Ein ungelöstes Problem, das zum
gefährlichen Wettrüsten im Nahen Osten
beiträgt und auch Bestandteil des Irak-Konflikts ist.
Ein Fahrplan zur Lösung der Krise im Nahen Osten wird sich, wenn es auch um die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen geht, nicht allein auf den Konflikt zwischen
Israel und Palästina richten können, sondern auch auf den israelischen Besitz von
Atomwaffen. Solange darüber nicht offen geredet wird, werden die Anrainerstaaten
auch aus Abschreckungsgründen wie der Iran und auch der Irak gleichfalls immer
wieder versucht sein, Atomwaffen in ihren Besitz zu bringen. Und ohne darüber zu
sprechen, wird man keiner US-Regierung in der arabischen Welt glauben, ernsthaft an
einer friedlichen Lösung des Nahost-Konflikts oder gar an einer Abrüstungspolitik
interessiert zu sein, wie das jetzt angeblich das wichtigste Anliegen gegenüber dem Irak
sein soll. (telepolis am 15.03.03)
Mehr unter:
Klagen gegen Schröders Reformen angekündigt
So.16.03.03 - Der DGB und der Sozialverband Deutschland
wollen den von Bundeskanzler Gerhard Schröder angekündigten
Abbau von Sozialleistungen notfalls mit Klagen verhindern. Der
Präsident des Sozialverbands, Peter Vetter, nannte die
angekündigten Kürzungen beim Kranken- und Arbeitslosengeld
am Samstag einen massiven Eingriff in Eigentumsrechte von
Arbeitnehmern. Er werde notfalls bis vor das
Bundesverfassungsgericht ziehen. Auch DGB-Chef Michael
Sommer schloss eine Klage nicht aus.
Auch die SPD-Linke macht gegen das Reformprogramm von
Parteichef Schröder mobil. Die Sprecherin des linken Parteiflügels, Andrea Nahles,
kritisierte die Pläne als sozial unausgewogen und kündigte Widerstand an.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) versprach, die Neuregelung beim
Krankengeld werde für die Arbeitnehmer insgesamt günstiger als jetzt. In der Union
wurde Kritik am Gegenkonzept von CSU-Chef Edmund Stoiber laut, der sich für eine
Kürzung der Sozialhilfe ausgesprochen hatte.
Vetter sagte, Arbeitnehmer hätten "zum Teil jahrzehntelang Beiträge gezahlt" für die
Risiken Krankheit und Arbeitslosigkeit. Deshalb werde seine Organisation
"Musterklagen vor den Sozialgerichten anstreben und notfalls
bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen", sagte er der
"Bild am Sonntag".
DGB-Chef Sommer nannte die von Schröder angekündigten
Kürzungen "unmoralisch". Der "Bild am Sonntag" sagte er:
"Wir werden jetzt alles tun, um die Vorschläge im
Gesetzgebungsverfahren aufzuhalten." Nahles forderte
Schröder auf, Unternehmen und Vermögende stärker in die
Pflicht zu nehmen. Sie verlangte eine Mindestbesteuerung für
Unternehmen und die Wiedereinführung der Vermögensteuer.
Schröder hatte am Freitag in seiner Regierungserklärung dafür
plädiert, dass Patienten das Krankengeld künftig privat
versichern und auch für die Arztkosten zuzahlen sollen. Bisher
zahlen die Kassen das Krankengeld in der Regel von der
siebten Krankheitswoche an. Sie sollen nun von
versicherungsfremden Leistungen befreit werden. Schröder sagte, dadurch sollen die Krankenkassenbeiträge von
heute 14,3 auf unter 13 Prozent sinken. Das Arbeitslosengeld soll - je nach Alter - nur nur 12 oder 18 Monate lang
gezahlt werden.
Ministerin Ulla Schmidt sicherte zu, die künftige individuelle Krankengeld-Versicherung "preiswert" zu gestalten. "Die
durchschnittliche Beitragabsenkung in der gesetzlichen Krankenversicherung bis deutlich unter 13 Prozent macht in
Euro und Cent mehr aus als die Belastung durch die neue Versicherung", sagte Schmidt der "Sächsischen Zeitung".
In der SPD schlägt sich die Unzufriedenheit mit der Politik des Kanzlers in einem deutlichen Mitgliederrückgang
nieder: Allein im größten Landesverband Nordrhein-Westfalen gaben in den ersten zwei Monaten dieses Jahres rund
4000 Mitglieder ihr Parteibuch zurück, ergab eine dpa-Umfrage. (Quelle: dpa)
Die Reformrede des Kanzlers
Kanzler Schröder verteidigt Reformkurs
So.16.03.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat seinen Reformkurs gegen Kritik
aus den eigenen Reihen verteidigt. Es gehe darum, den Sozialstaat zu retten,
indem man ihn reformiere, sagte Schröder im Deutschlandradio. Trotz abweichender
Meinungen in der Fraktion sei eine neue Vertrauensfrage nicht nötig: "Davon gehe
ich ganz fest aus", erklärte der SPD-Vorsitzende.
Er wolle mit Einschnitten ins soziale Netz die "Substanz von Sozialstaatlichkeit
retten". "Aber angesichts der veränderten wirtschaftlichen Bedingungen heißt das, es
kann nicht alles so bleiben, wie es ist, denn sonst wird es schlimmer", sagte Schröder
dem Sender.
Die Kritik an seinen Vorschlägen nannte er moderat. Es sei auch in den
Verbänden der Wirtschaft begriffen worden, dass weit reichende Reformmaßnahmen
in Gang gesetzt worden sind. "Das wird jetzt umgesetzt, was beschlossen worden
ist", bekräftigte er.
Sein Investitionsprogramm für die finanziell klammen Gemeinden sei kein Strohfeuerprogramm, sondern solide
finanziert. Die 15 Milliarden Euro für das Bau- und das Baunebengewerbe sei "gut angelegtes Geld".
(Quelle: ap)
Unions-Kritik an Stoibers Vorgehen bei Schröder-Rede
So.16.03.03 - Die Reformvorschläge und die Strategie von CSU-Chef Edmund Stoiber
sind in der Union umstritten. Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer
hielt Stoiber am Wochenende vor, der Öffentlichkeit Vorschläge präsentiert zu
haben, die in den eigenen Reihen nicht abgestimmt gewesen seien. Der
saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) bemängelte,
einige Ideen aus Stoibers Programm seien bundesweit nicht übertragbar. Sein
hessischer Kollege Roland Koch (CDU) verteidigte dagegen Stoibers Vorgehen.
Stoiber hatte am Freitag in seiner Eigenschaft als bayerischer Ministerpräsident
im Bundestag gesprochen und seinen "Sanierungsplan für Deutschland" den
Reformvorschlägen von Bundeskanzler Gerhard Schröder entgegen gestellt.
Der Chef der CDU-Sozialausschüsse, Hermann Josef Arentz,
forderte Stoiber auf, seine Position beim Kündigungsschutz zurückzunehmen. Die Idee des CSU-Vorsitzenden, das
Gesetz erst in Betrieben ab 20 Mitarbeitern anzuwenden, "würde schlagartig acht Millionen Arbeitnehmern in
Deutschland den Kündigungsschutz nehmen", sagte Arentz nach Angaben der "Welt am Sonntag". Das könne eine
Volkspartei nicht wollen. Arentz riet Stoiber, sich der Position der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag anzuschließen,
neu eingestellten Arbeitnehmern ein Wahlrecht zwischen Kündigungsschutz und einer Abfindung einzuräumen.
Seehofer lobte Schröders Ausführungen. "Ich bin sehr zufrieden mit den Aussagen von Schröder zur Sozialpolitik",
sagte Seehofer laut "Focus". In der Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik habe Schröder Ansichten geäußert, "die
auch ich schon seit Jahren vertrete".
Seehofer kritisierte aber Stoibers Auftritt. "Bei den Kollegen in der Fraktion herrscht großer Unmut", sagte Seehofer
nach "Focus"-Angaben. "Vor Wochen haben wir uns in einer Klausurtagung zusammengerauft. Jetzt hat Stoiber in
der Rentenpolitik, beim Arbeitslosengeld oder beim Kündigungsschutz Positionen vertreten, die nicht abgestimmt
waren."
Müller betonte im ZDF, Stoibers Vorschläge zur Kürzung der Sozialhilfe seien bundesweit nicht anwendbar.
Bundesländer mit hoher Arbeitslosigkeit hätten kaum Spielräume. Diese Frage beurteile ein Land mit fünf Prozent
Arbeitslosigkeit anders als eins mit einer Arbeitslosenquote von mehr als 20 Prozent. In den Grundlinien seien sich
CDU und CSU einig. Einiges sei aber nur «für die bayerische Situation verständlich». Schröders Regierungserklärung
sei ein «Sammelsurium» statt ein wirkliches Konzept.
Koch betonte in der "Bild am Sonntag", Stoibers Aktionsprogramm sei der Beweis, dass es konkrete Alternativen zu
Schröders Ankündigungen gebe. "Eine Idee wie die Kürzung der Sozialhilfe für Arbeitsfähige auf 75 Prozent kann ich
nur begrüßen." Er sei nicht überrascht, dass solch ein Vorschlag "hier und da auf Widerspruch stoßen". CDU und
CSU seien selbstständige Parteien. "Mal geht der eine ein Stück voran, mal der andere." Stoiber habe den Druck auf
Schröder verstärkt. "Die Zeit, sich mit Zusehen und Moderieren durchzuwursteln, ist angesichts der dramatischen
Lage vorbei."
(Quelle: ap)
Laut «Focus» mehr Geld für Straßen als für Schienen
So.16.03.03 - Das Bundesverkehrsministerium will nach einem "Focus"-Bericht in
den nächsten zwölf Jahren mehr Geld für den Straßenbau als für den Ausbau des
Schienennetzes ausgeben. Von den knapp 150 Milliarden Euro, die im Entwurf des
Bundesverkehrswegeplans bis 2015 vorgesehen seien, sollten 76 Milliarden Euro in
den Straßenverkehr und rund 64 Milliarden Euro in den Schienenverkehr fließen,
meldete das Nachrichtenmagazin am Samstag vorab.
Das Bundesverkehrsministerium wollte den Bericht nicht kommentieren. Der
Referentenentwurf werde in der zweiten Wochenhälfte vorgestellt, erklärte eine Sprecherin.
"Focus" berichtete, in dem fast 80-seitigen Konzept, das
Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe dann präsentieren
werde, sei neben den genannten 150 Milliarden Euro noch eine
"Planungsreserve" von rund 15 Milliarden Euro für die spätere Weiterführung wichtiger Bauvorhaben genannt. Die
Wasserwege sollen dem Blatt zufolge 7,5 Milliarden Euro erhalten.
Wichtigstes Schienen-Vorhaben sei die Neubaustrecke von Frankfurt nach Mannheim für 1,8 Milliarden Euro.
Gestrichen worden seien 92 von den Ländern angemeldete Straßenprojekte parallel zu Autobahnen, dafür seien 100
Straßenbauten für 1,4 Milliarden Euro in strukturschwachen Regionen vor allem in Ostdeutschland vorgezogen
worden. Der zwischen Rot und Grün umstrittene Elbe-Ausbau tauche nicht mehr auf, der Saale-Ausbau werde
dagegen weiter betrieben. (Quelle: ap)
Knapp 300 Festnahmen bei Demonstrationen von Rechtsextremen in Köln
So.16.03.03 - Bei zwei Demonstrationen von Rechtsextremen und Gegenkundgebungen
hat die Polizei in Köln am Samstag insgemsamt 292 Personen festgenommen.
Dennoch sprachen die Sicherheitskräfte von einem insgesamt friedlichen Protest.
Bei den vorübergehend in Gewahrsam genommenen Personen handelte es sich
offenbar überwiegend um Gegendemonstranten. Laut Polizei beteiligten sich jeweils etwa
120 Personen an den Kundgebungen der Rechtsextremen in den Stadtteilen Mühlheim und
Chorweiler. Die Gegenkundgebungen hatten demnach jeweils mehr als
1.000 Teilnehmer.
Am Nachmittag kesselten die Beamten vorübergehend eine
Gruppe von Gegendemonstranten ein, die den Aufzug in
Mühlheim blockieren wollten. Vereinzelt hätten Demonstranten
Steine geworfen, wobei jedoch den Angaben zufolge niemand
verletzt wurde. Am Vormittag hatte die Polizei auf einmal rund
80 Personen in Gewahrsam genommen, die auf dem Weg nach
Chorweiler einen S-Bahn-Zug gestoppt und die Gleise
blockiert hatten. Einige der Gegendemonstranten leisteten
erheblichen Widerstand, hieß es. Insgesamt waren über
den ganzen Tag etwa 1.600 Polizisten in der Domstadt Einsatz.
Auslöser der Proteste waren die Kundgebungen der als rechtsextrem eingeschätzten "Bürgerbewegung pro Köln", die
beide Male gegen den Bau einer Moschee demonstrieren wollten. (Quelle: ap)
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