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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mi.19.03.03,12:45 Die Welt stellt sich auf einen Irak-Krieg ein
Di.18.03.03 - Nach einem Ultimatum von US-Präsident George W. Bush an Irak hat sich die
internationale Gemeinschaft am Dienstag auf einen Kriegsbeginn innerhalb weniger Tage
eingestellt. Bush forderte den irakischen Staatschef Saddam Hussein auf, bis Donnerstag
früh das Land zu verlassen. Danach würden die USA einen Militärschlag einleiten, sagte Bush.
Die irakische Führung wies die Forderung umgehend zurück. Das Weiße Haus schloss anschließend auch
einen Angriff vor Ablauf der Frist nicht aus.
Die USA wollen laut Bush mit 250.000 Soldaten in Irak einmarschieren, wenn
Saddam Hussein und seine Söhne nicht bis zum Ende der Frist am Donnerstag
02.00 Uhr MEZ ins Exil gehen. US-Außenminister Colin Powell erklärte am
Dienstag, der "Koalition der Willigen" für einen Krieg hätten sich 30 Staaten
angeschlossen, 15 weitere hätten stillschweigend ihre Unterstützung bekundet.
Die 30 Staaten, die zur "Koalition der Willigen" zählen, sind laut
US-Außenministerium Äthiopien, Afghanistan, Albanien, Aserbaidschan, Australien,
Bulgarien, Dänemark, El Salvador, Eritrea, Estland, Georgien, Großbritannien,
Italien, Japan (nach einem Konflikt), Kolumbien, Korea, Lettland, Litauen, Mazedonien, Nicaragua, die Niederlande,
die Philippinen, Polen, Rumänien, die Slowakei, Spanien, Tschechien, die Türkei, Ungarn und Usbekistan.
Als Gründe für einen Krieg nannte Bush in einer Fernsehansprache eine Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen,
die die irakische Führung mit Terroristen teilen könnte. Den Vereinten Nationen warf er vor, ihrer Verantwortung nicht
gerecht geworden zu sein. Im Golfemirat Katar bereitete der designierte Oberbefehlshaber eines Irak-Krieges, General
Tommy Franks, letzte Details einer Militäroffensive vor. Insgesamt sind 280.000 Soldaten aus den USA und Großbritannien im
kuwaitischen Hinterland stationiert.
Der irakische Revolutionäre Kommandorat, die höchste Exekutivgewalt des Landes, wies Bushs Ultimatum
entschieden zurück. Bagdad rief zu landesweiten Protesten auf. In der Hauptstadt versammelten sich wenige Stunden
später rund 5.000 Demonstranten.
Angesichts des sich abzeichnenden Kriegs zogen die UN ihre Waffenkontrolleure und humanitären Mitarbeiter aus
Irak ab. Auch nahezu alle ausländischen Diplomaten verließen Bagdad. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz
kündigte hingegen an, seine Mission in Irak auch im Kriegsfall fortsetzen zu wollen.
Als engster Verbündeter der USA hat Großbritannien rund 45.000 Soldaten in der Krisenregion stationiert. Spanien
und die Niederlande stellten sich hinter eine Offensive, wollten aber keine Soldaten entsenden. Die Türkei wollte am
(heutigen) Dienstagabend erneut über eine mögliche Erlaubnis zur Stationierung von US-Truppen auf türkischem
Staatsgebiet beraten.
Frankreich, Deutschland, China, Russland sowie der Vatikan äußerten Unverständnis und Empörung über das
Kriegsultimatum. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte, für Tausende unschuldiger Kinder, Frauen und Männer
werde der Krieg den sicheren Tod bringen. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac nannte Bushs
Ankündigung eine schwerwiegende Entscheidung, mit der der US-Präsident große Verantwortung auf sich lade. Der
französische Botschafter in Washington, Jean-David Levitte, deutete später allerdings an, dass Frankreich die USA
militärisch unterstützen könne, falls Irak biologische oder chemische Waffen einsetze. (Quellen: ap, rtr)
Grundlagen von Kriegen in der jüngeren Geschichte
Mi.19.03.03 - Die USA haben sich in der Vergangenheit bei Militärschlägen und
Kriegen mehrfach auf ein ausdrückliches Mandat oder zumindest eine Billigung der
Vereinten Nationen berufen können. Einige unter wesentlicher US-Beteiligung
geführte Kriege:
KOREA (1950-53): Multinationale UN-Truppen unter Federführung der USA schlagen
Verbände des kommunistischen Nord-Korea zurück, die in den Süden der
westlich orientierten Republik Südkorea eingedrungen waren. Der UN-Sicherheitsrat
hatte die Mission am 27. Juni 1950 beschlossen. Die Sowjetunion hatte die Sitzung
des Rats boykottiert. Es war der erste große Konflikt nach dem Zweiten Weltkrieg.
VIETNAM (1964-1973): Weil der kommunistische Norden im Golf von Tongking
angeblich amerikanische Zerstörer beschossen hatte ("Tongking-Zwischenfall"), greifen
die USA massiv in den Krieg zwischen Nord- und Südvietnam ein. US-Präsident Lyndon B. Johnson lässt sich vom
Kongress umfassende Vollmachten für "alle notwendigen Maßnahmen" und eine Ausweitung des Krieges erteilen.
Der von der Weltöffentlichkeit heftig kritisierte Feldzug von bis zu 500 000 GIs endet mit einer Niederlage der
Amerikaner und dem Fall Südvietnams.
KUWAIT/IRAK (1990/1991): Im Golfkrieg von 1991 vertreibt eine alliierte Streitmacht unter US-Kommando mit Billigung
der Vereinten Nationen irakische Besatzer aus dem Öl-Emirat Kuwait. Die «Operation Wüstensturm» beginnt am 17.
Januar 1991 nach dem Ablauf eines Ultimatums der Vereinten Nationen und der USA an den Irak. Zunächst verurteilen
die UN die Annexion vom August 1990, verlangen vom Irak den sofortigen und bedingungslosen Rückzug und eröffnen
Ende November 1990 mit der Resolution 678 der Anti-Irak-Koalition indirekt die Möglichkeit zu dem insbesondere von
den USA vorangetrieben militärischen Eingreifen.
JUGOSLAWIEN (1999): Die NATO führt ohne UN-Mandat einen Luftkrieg gegen Jugoslawien, um die systematische
Vertreibung und den Völkermord serbischer Sicherheitskräfte an Kosovo-Albanern zu beenden. 13 Länder sind
beteiligt, die USA tragen die Hauptlast des 78-tägigen Krieges. Die ausdrückliche Legitimation des Angriffs durch den
UN-Sicherheitsrat war am Widerstand Russlands gescheitert. Die NATO beruft sich bei ihrer Intervention auf Notwehr,
um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern.
AFGHANISTAN (2001): Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 geht rund einen Monat später eine
britisch- amerikanische Streitmacht mit einem Krieg in Afghanistan gegen die El-Kaida-Terrororganisation vor.
US-Präsident George W. Bush nimmt dabei das Recht auf Selbstverteidigung gemäß der UN-Charta für sich in
Anspruch. Der Sicherheitsrat hatte ihm dies zuvor einstimmig zugebilligt. Die NATO erklärt erstmals den Bündnisfall.
(Quelle: dpa)
Saddam weist Ultimatum Bushs zurück
Mi.19.03.03 - Iraks Präsident Saddam Hussein hat die
Aufforderung der USA zu einem Machtverzicht am Dienstag
zurückgewiesen. US-Truppen würden auch dann nach Irak einmarschieren,
wenn Saddam Hussein sich dem Ultimatum beugen
sollte, erklärte das Weiße Haus.
Bush hatte Saddam und dessen Söhne in der Nacht zum Dienstag
aufgefordert, das Land bis Donnerstagmorgen zu verlassen.
Andernfalls würden die USA und ihre Verbündeten angreifen.
Im Laufe des Tages verließen außer den UNO-Waffeninspektoren zahlreiche
Ausländer Irak.
Das staatliche irakische Fernsehen zeigte Saddam in Militäruniform auf einer Kabinettssitzung. Dazu wurde eine
Erklärung verlesen, laut der alle Söhne Iraks bereit sind, zu kämpfen und den Aggressor zurückzuschlagen. "Irak
wählt seinen Weg nicht auf Befehl eines Ausländers und wählt seine Führer nicht auf der Grundlage einer Anordnung
Washingtons, Londons oder Tel Avis", hieß es. Der Sohn Saddams, Udai Hussein, drohte den USA im Falle eines
Angriffs zudem mit einer blutigen Schlacht. "Die Ehefrauen und Mütter der Amerikaner, die gegen uns kämpfen,
werden Blut weinen, nicht Tränen", sagte er.
US-geführte Truppen würden auch das Land besetzen, falls die Herrscherfamilie ins
Exil gehe, sagte der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, Ari Fleischer, in
Washington. Aufgabe der Soldaten sei es, nach Massenvernichtungswaffen zu
suchen. Fleischer äußerte sich im Anschluss an einen "Kriegsrat", an dem neben
Bush auch Vize-Präsident Dick Cheney, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und
Generalstabschef Richard Myers teilnahmen. Bei dem Treffen sei ein "möglicher
Krieg" vorbereitet worden, sagte Fleischer. Nach Angaben des Pentagon sind inzwischen
255.000 US-Soldaten in der Krisenregion stationiert.
(Quellen: rtr, afp)
Der Irak stellt sich auf Krieg ein
Mi.19.03.03 - Die Schützengräben in Grünflächen vor
öffentlichen Gebäuden, in Parks und entlang des Tigris
sind in der irakischen Hauptstadt Bagdad untrügliche
Zeichen für die sinkende Hoffnung auf Frieden. Nun setzte
der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Präsident Saddam
Hussein am Wochende auch noch eine Kriegsverwaltung
ein, die das Land in vier Militärregionen unterteilt.
An ihrer Spitze stehen enge Vertraute des 65-jährigen
Machthabers und führende Mitglieder der regierenden Baath-Partei. Die Struktur der
Verteidigungsbereiche ähnelt der von 1991, als eine US-geführte Koalition die
irakischen Streitkräfte aus Kuwait vertrieb.
Saddam selbst behält sich das Kommando über die Luftwaffe, Luftabwehr und über
sämtliche Boden-Boden-Raketen vor. Im sunnitischen Kernland, sowie Bagdad und
Tikrit, wo er seine Machtbasis hat, setzte der Staatschef seinen zweitgeborener
Sohn Kusai als Kommandeur ein. Dieser befehligt bereits die als absolut loyal
geltenden Republikanischen Garden und ihre speziellen Einheiten.
Die Region Mittel-Euphrat, in der die Schiiten-Hochburgen Kerbela und Nadschaf liegen,
steht unter der Leitung eines im Ausland wenig bekannten Mitglieds des Kommandorats. Der
Zuständige für die Region Süd mit dem Zentrum Basra, die möglicherweise von
amerikanischen Truppen als erste ins Visier genommen wird, hat sich dagegen weltweit einen
üblen Ruf erworben. Ali Hassan el Madschid, ein Cousin Saddams, soll Kampfgas gegen die
kurdische Zivilbevölkerung im Norden eingesetzt haben und trägt deshalb den
Spitznamen "Chemical Ali". Am 16. März jährte sich zum 15. Mal der Überfall auf die Stadt
Halabdscha, bei dem mehrere Tausend Menschen ums Leben kamen. Er sorgte auch für die
Trockenlegung des Marschlandes im schiitischen Süden und entzog damit in diesem traditionellen
Oppositionsgebiet vielen Menschen die Lebensgrundlage. Schließlich herrschte er als Gouverneur
von Kuwait während der irakischen Okkupation des Nachbarlandes 1990/91.
Die Region Nord, die die ölreichen Provinzen Mosul und Kirkuk einschließt, befehligt Isset Ibrahim, der stellvertretende
Chef des Revolutionären Kommandorates und zugleich ein langjähriger Kampfgefährte Saddams.
1991 hatte Saddam während des Krieges den Beschuss Israels mit konventionell bestückten Mittelstreckenraketen
angeordnet. Darüber, welche Strategie er nun verfolgen könnte, wenn er angegriffen wird, können Beobachter in
Bagdad nur spekulieren. Sie halten es für möglich, dass er Restbestände von biologischen oder chemischen
Kampfstoffen einsetzen könnte. Die Hauptstadt schwirrt derweil von Gerüchten. Dazu gehört, das in
Bewässerungsgräben rund um Bagdad Rohöl geleitet werde, um eine Rauch- und Feuerwand um die Hauptstadt zu
entzünden. Einer Delegation der russischen Duma soll Saddam jedenfalls gesagt haben, er werde sich "mit allen
Mittel" verteidigen.
(Quelle: dpa)
Europäische Aktienmärkte erwarten kurzen Krieg - Kurse steigen.
Mi.19.03.03 - Die europäischen Aktienmärkte haben mit Kursgewinnen auf Bushs Ultimatum reagiert. Der Dollar stieg bei allerdings
nur geringen Umsätzen zum Euro ein Zwei-Monats-Hoch. Parallel dazu fielen die Rohölpreise deutlich. "Der Markt
spekuliert offenbar auf einen Krieg, der einen schnellen Sieg und nur wenig Probleme bringt", sagte Michael Wilson,
Chief Investment Officer bei Ausbil Dexia in Sydney. Die Angst vor Anschlägen als Vergeltung für den US-Angriff auf
Irak und trübe US-Konjunkturaussichten dämpften jedoch den Optimismus vieler Anleger, sagten Börsianer weiter.
(Quelle: rtr)
Nikkei-Index fällt auf 20-Jahres-Tief
Mi.19.03.03 - An der Aktienbörse in Tokio ist der
Nikkei-Index am Mittwochvormittag angesichts des
drohenden Irak-Krieges auf den tiefsten Stand seit 20
Jahren gesunken. Der Index für 225 führende Aktienwerte
notierte zur Handelsmitte einen deutlichen Verlust von
92,77 Punkten oder 1,17 Prozent beim Zwischenstand
von 7861,69 Punkten. Der breit angelegte TOPIX fiel um
5,44 Punkte oder 0,69 Prozent und notierte beim
Zwischenstand von 778,12 Punkten.
Am Devisenmarkt notierte der Dollar um 11.00 Uhr Ortszeit fester mit 118,65-68
Yen nach 118,56-60 Yen am späten Vortag. Der Euro wurde im frühen Geschäft
zum Dollar fester mit 1,0645-48 Dollar nach 1,0640-43 Dollar am späten Vortag
gehandelt. Zum Yen tendierte der Euro fester mit 126,27-31 Yen nach 126,17-21
Yen am späten Dienstag. (Quelle: dpa)
Überwiegend Kritik an Kriegsdrohung Bushs gegen den Irak
Mi.19.03.03 - Die Kriegsdrohung von US-Präsident George W. Bush gegen den Irak
hat weltweit überwiegend scharfe Kritik ausgelöst, bekam aber auch Zustimmung.
Die ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates Frankreich, Russland und China
beharrten am Dienstag auf einer friedlichen Entwaffnung des Irak und verurteilten
den Kriegskurs. Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach den USA jede Rechtfertigung
für einen Krieg ab.
Die Arabische Liga warf Bush vor, sich außerhalb internationalen Rechts zu stellen.
Dagegen bekräftigten unter anderen Australien, Polen, Italien und Japan ihre
Unterstützung eines Krieges auch ohne UN-Mandat. Frankreich wies das Ultimatum
Bushs an Iraks Machthaber Saddam Hussein als Alleingang gegen den Willen der
Vereinten Nationen (UN) zurück. "Es gibt für eine einseitige Entscheidung, einen
Krieg zu beginnen, keine Rechtfertigung" sagte Präsident Jacques Chirac. Bush
hatte Saddam in der Nacht zu Dienstag unter Androhung eines US- Angriffs
aufgefordert, den Irak in 48 Stunden zu verlassen.
Wie Frankreich drangen die Veto-Mächte Russland und China weiter auf eine friedliche
Abrüstung des Irak. "Moskau sieht nach wie vor keinen Grund zu erklären, dass die Zeit
der Diplomatie vorbei sei", sagte ein Sprecher des russischen Außenministeriums. Chinas neuer
Ministerpräsident Wen Jiabao betonte: "Jede Anstrengung sollte gemacht werden, um einen
Krieg zu vermeiden."
Bundeskanzler Schröder verurteilte in einer Fernsehansprache die US-Kriegsdrohung. "Der Irak ist
heute ein Land, das von der UNO umfassend kontrolliert wird. Deshalb gibt es keinen Grund,
diesen Abrüstungsprozess jetzt abzubrechen", sagte Schröder. Auch Mexiko - wie Deutschland
derzeit nicht-ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat - sieht weiter Möglichkeiten zur friedlichen
Lösung. Gegen einen Krieg wandte sich zudem das Sicherheitsratsmitglied Pakistan.
Unterdessen bekräftigten Australien (2000 Soldaten) und Rumänien (278) ihre Unterstützung eines Militärschlags.
"Wir haben uns nun einmal für eine Sache engagiert und nun verfolgen wir konsequent diese Linie", sagte der
rumänische Staatspräsident Ion Iliescu. Auch Dänemark und Polen wollen die von den USA geführte "Koalition der
Willigen" militärisch unterstützen. Kopenhagen will Marineeinheiten bereitstellen, Warschau gab grünes Licht für den
Einsatz von 200 Spezialisten. "Dies sind Momente, in denen Politiker nicht auf die öffentliche Meinung achten,
sondern entscheiden müssen", sagte Polens Präsident Aleksander Kwasniewski.
Italien kündigte am Dienstag an, dass die USA italienische Militärstützpunkte benutzen und das Land überfliegen
dürften. Das Sicherheitsratsmitglied Bulgarien sagte ebenfalls logistische Unterstützung zu. Politische Unterstützung
erhielt Bush am Dienstag von Japan und den Niederlanden. Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi sagte: "Ich
denke, die Entscheidung war unvermeidlich. Japan unterstützt die USA."
Dagegen kritisierten die griechische EU-Ratspräsidentschaft und die Arabische Liga den US-Kriegskurs. "Die
Resolutionen des Sicherheitsrats, die das internationale Recht ausdrücken, geben weder einen Freibrief für eine
Militäraktion noch nennen sie eine Frist (für den Rücktritt Saddam Husseins oder die Entwaffnung des Irak)", sagte
der Generalsekretär der Liga, Amre Mussa. Schwedens Regierungschef Göran Persson warf den USA vor, mit ihren
Angriffsplänen ohne UN-Mandat das Völkerrecht zu brechen. Auch Belgien, Neuseeland und Indonesien reihten sich
in die Gruppe der Kriegsgegner ein. (Quelle: dpa)
Blair erhält grünes Licht für Irak-Krieg ohne UN-Mandat
Mi.19.03.03 - Angesichts des bevorstehenden Irak-Krieges hat der
britische Premierminister Tony Blair vom Parlament
grünes Licht für einen Angriff ohne ausdrückliches
UN-Mandat bekommen: In einer Sondersitzung zur
Irak-Krise stimmte das Londoner Unterhaus mehrheitlich
für einen Antrag der Labour-Regierung, nach dem zur
Entwaffnung Iraks "alle notwendigen Mittel" eingesetzt
werden dürfen.
Nach knapp zehnstündiger Sitzung stimmten 412 britische Abgeordnete für den
Regierungsantrag, 149 dagegen. Zuvor hatte das Unterhaus einen Antrag der
Kriegsgegner in der regierenden Labour-Partei abgelehnt, die keinen ausreichenden
Grund für einen Krieg sehen. Der Antrag wurde allerdings von 138 Abgeordneten der
Labour-Partei unterstützt. Das Votum gilt als neuer Rückschlag für Blair und seine
Irak-Politik.
Stunden vor der Unterhaus-Abstimmung trat mit John Denham
ein dritter Labour-Abgeordneter von seinem Regierungsamt zurück. Er war
Staatsminister im Innenministerium. Denham erklärte, er könne den Kriegskurs von
Premier Tony Blair nicht mittragen. Am Montag war Fraktionschef Robin Cook
zurückgetreten, gestern außerdem Gesundheits-Staatssekretär Philip Hu.
eine unverantwortliche Politik zu verfolgen.
In einer kämpferischen Rede warb Blair vor dem Unterhaus für seine Irak-Politik und
deutete für den Fall einer Abstimmungsniederlage einen Rücktritt an. Vor dem
Parlamentsgebäude und auf der Besuchertribüne bekundeten Kriegsgegner ihre
Ablehnung eines Militäreinsatzes. London hatte sich zuletzt vergeblich bemüht, im
UN-Sicherheitsrat eine Mehrheit für eine neue, den Krieg billigende Resolution
zusammenzubekommen.
Eine der schärfsten Kritikerinnen der Irak-Politik des britischen Premierministers Tony Blair ist
am Dienstag entgegen früherer Drohungen nicht von ihrem Ministerposten zurückgetreten.
Entwicklungshilfeministerin Clare Short werde im Amt
bleiben, teilte ihr Büro mit. Short hatte Blair zuvor
vorgeworfen, mit seinem Irak-Kurs an der Seite der USA
Unter Londons Schülern hat Blair schon verloren
Seit der Großdemonstration vom 15. Februar, an der fast zwei Millionen Menschen teilnahmen,
brechen in Großbritannien die Proteste, Demonstrationen und Kundgebungen
nicht ab. Ein Gradmesser für die Stärke einer Bewegung ist
immer die Teilnahme der Jugend. Und die mischt in England an
vorderster Stelle mit. Mehr unter:
Irak-Krieg soll anders werden als 1991
Mi.19.03.03 - Die Zeitung "Gulf News" aus Dubai verkündete dieser Tage
optimistisch: "Saddams Armee wird nicht kämpfen", hieß es da in großen Lettern.
Viel zu ausgelaugt seien die irakischen Truppen, ungleich schwächer als noch beim
Golfkrieg 1991 - und die wenigsten Soldaten seien bereit, für den Diktator aus
Bagdad tatsächlich ihr Leben aufs Spiel zu setzen. "In Wirklichkeit existiert die
irakische Armee nur auf dem Papier".
Solche Meinungen korrespondieren mit der Siegesgewissheit, die amerikanische
Militärs derzeit in Umlauf setzen. Sie streuen Strategiepläne, wonach US-Panzer
bereits innerhalb von 72 Stunden nach Kriegsausbruch bis nach Bagdad rollen - am
besten unter dem Jubel der "befreiten" irakischen Bevölkerung. Dass es auch ganz
anders kommen könnte, davon spricht niemand, zumindest nicht öffentlich.
Fest steht bislang nur eins: Diesmal soll der Waffengang ganz anders werden als
die "Operation Wüstensturm" 1991: "Viel schneller, viel härter und viel präziser",
wie ein Soldaten in der "vorgeschobenen Kommandozentrale" im Golfstaat Katar
andeutet. 39 Tage Luftangriffe plus 100 Stunden Bodenoffensive waren damals
notwendig, um Saddam in die Knie zu zwingen. Diesmal wollen die US- Militärs,
wenn alles gut geht, schon in der ersten Woche drei Viertel des Iraks einnehmen,
allein in den ersten 48 Stunden sollen 3000 "Präzisionsbomben" im Irak
einschlagen. "Wie ein Schock" soll das Unheil über Saddam kommen, drückt es ein US-General martialisch aus.
Allemal gilt: Tarnen und Täuschen gehört zum Kriegshandwerk. 1991 gingen Fernsehbilder vermeintlicher
amerikanischer "chirurgischer Eingriffe" um die Welt. Wie ein Videospiel mutete es an, wenn die Fadenkreuze der
Kampfjets das Ziel ins Visier nahmen und sich Sekunden später die "feindlichen Objekte" in Rauch auflösten. Doch
in Wahrheit waren damals gerade mal ein Zehntel der US-Waffen so genannte intelligente Bomben.
Der Rest war "Schmutzarbeit", Bombenteppiche, die die Iraker demoralisieren sollten. Wie viele Iraker starben, wurde
nie bekannt. "Nebel des Krieges", nannte das damals General Norman Schwarzkopf. Diesmal lassen die US-Militärs
verlauten, 80 Prozent aller Bomben würden "punktgenau" per Laser ins Ziel geführt. Die Bilder der Bombenabwürfe
werden erneut die US-Militärs liefern - wie schon vor 12 Jahren.
"Nebel des Krieges", das heißt aber auch: Unvorhersehbare Wendungen und Tricks des Gegners müssen stets
einkalkuliert werden. Damals gab es reihenweise Überraschungen: Den US-Kampfpiloten gelang es trotz intensiver
Suche nicht, die Abschussrampen für die Scud- Raketen auszuschalten. Auch die US-Patriot-Raketen versagten
häufig dabei, die Scuds wie versprochen vom Himmel zu holen. Und dann schafften die Iraker gar einen kurzen
Panzereinbruch über die saudische Grenze - zur Täuschung hatten die Iraker ihre Panzerrohre nach hinten gerichtet,
als wollten sie sich ergeben.
Üble Überraschungen auch diesmal? Amerikanische Militärs streuen, Bagdad habe angeordnet, tausende Uniformen
anzufertigen, die bis aufs Haar den US-Uniformen gleichen. Verkleidet könnten Saddams treueste Kämpfer versuchen,
vor laufenden Kameras irakische Zivilisten zu ermorden. Die Öffentlichkeit in den USA und in der Welt könnte den
wahren Sachverhalt nicht merken und wäre empört. Weitere Unwägbarkeit: Die Iraker könnten wie 1991 in Kuwait
Ölquellen im eigenen Land in Brand setzen. Hinzu kommt, ganz anders als 1991, der Unsicherheitsfaktor an der
"Heimatfront": Damals standen die allermeisten Regierungen der Welt hinter den USA - diesmal ist der große Teil der
Weltmeinung gegen einen Krieg. (Quelle: dpa)
Weißes Haus bereitet Bevölkerung auf Kriegstote vor
Mi.19.03.03 - Wenige Stunden vor Ablauf seines Ultimatums
an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein hat das Weiße
Haus die amerikanische Öffentlichkeit auf den Verlust von
Menschenleben in einem Krieg vorbereitet. "Auf der Schwelle
zum Krieg gegen Irak sollten die Amerikaner wissen, dass wir
hoffen, einen so präzisen und kurzen Konflikt als möglich haben
werden", sagte Präsidentensprecher Ari Fleischer am
Mittwoch in Washington. "Es gibt aber viele Unbekannte,
und es könnte auch eine Angelegenheit von einiger
Dauer werden", sagte er weiter. "Amerikaner müssen auf den
Verlust von Menschenleben vorbereitet sein."
(Quelle: ap)
Britische und US-Truppen rücken in entmilitarisierte Zone ein
Mi.19.03.03 - Wenige Stunden vor Ablauf des Ultimatums an den irakischen Machthaber Saddam
Hussein hat sich am Mittwoch die amerikanisch-britische Militärmaschinerie in Bewegung gesetzt.
Truppen beider Staaten verließen ihre Lager im Norden Kuwaits und rückten in Bereitstellungsräume
in der entmilitarisierten Zone zum Irak ein. . Die entmilitarisierte Zone zwischen Kuwait und dem Irak
ist 15 Kilometer breit. (Quelle: dpa)
Irakische Kurden zum Kampf unter US-Kommando bereit
Mi.19.03.03 - Die irakischen Kurden stellen ihre Kämpfer im Kriegsfall unter das
Kommando der US-Streitkräfte. Die kurdischen Truppen hätten sich zur
vollständigen Zusammenarbeit mit den USA und deren Verbündeten bereit erklärt,
sagte der Sondergesandte des Weißen Hauses, Zalmay Khalilzad, am Dienstag in
Ankara. Dort war er mit dem Führer der Patriotischen Union Kurdistans (PUK),
Dschalal Talabani, sowie Netschirvan Barsani von der Demokratischen Partei
Kurdistans (KDP) zusammengetroffen. Auch Vertreter der türkischen Regierung
nahmen an der Sitzung teil.
Offen blieb, welche Rolle die irakisch-kurdischen Truppen bei einem Angriff auf Irak
spielen würden. Aus KDP-Kreisen verlautete, ihre Zahl liege bei 70.000 Mann. Der
bei der KDP für Beziehungen zum Ausland zuständige Hoschjar Sebari bestätigte,
dass sich die kurdischen Parteien grundsätzlich darauf verständigt hätten, «alle
Truppen in Irak unter das Kommando der USA zu stellen». Die Vereinbarung sei
bereits vor einiger Zeit getroffen worden. «Alle Truppen, die sich dem Kommando
nicht unterstellen, werden als feindliche Truppen betrachtet», sagte Sebari. Dies
gelte auch für ausländische Streitkräfte. Die Türkei hat erklärt, eigene Truppen nach
Nordirak entsenden zu wollen. Sie befürchtet eine Stärkung kurdischer
Unabhängigkeitsbestrebungen. (Quelle: ap)
Italienische Gewerkschaften rufen bei Irak-Krieg zu Streiks auf
Mi.19.03.03 - Die größten italienischen Gewerkschaften haben im Falle eines
Irak-Krieges Streikmaßnahmen und Großdemonstrationen angekündigt. "Sollte der
Krieg beginnen, werden CGIL, CISL und UIL in ganz Italien zu
Arbeitsniederlegungen und in jeder Stadt zu Demonstrationen aufrufen", erklärten
die Führer der drei größten Gewerkschaften am Dienstag. Die
Arbeitnehmervertretungen erachten das Ultimatum der USA an Irak für
unrechtmäßig und verurteilten die Umgehung der Vereinten Nationen scharf.
Die Gewerkschaftsführer baten Ministerpräsident Silvio Berlusconi um ein
Sondertreffen. Darin wollten sie ihn auffordern, dass die italienische Regierung den
USA keine "Menschen, militärischen Strukturen und logistische Infrastruktur" zur
Verfügung stelle. (Quelle: ap)
Außenminister der EU können Differenzen wegen Irak nicht überbrücken
Mi.19.03.03 - Ohne ein greifbares Ergebnis ist am späten Dienstagabend eine
Sitzung der EU-Außenminister zur Irak-Krise in Brüssel zu Ende gegangen. Der
griechische Chefdiplomat und amtierende Ratspräsident Giorgos Papandreou sagte,
die Differenzen zwischen den EU-Staaten ließen sich nicht übertünchen.
Es sei allen Beteiligten klar, dass weitere Diskussionen über den Umgang mit
derartigen Krisen, mit der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen
und mit dem Terrorismus erforderlich sind. Dies gelte auch im Verhältnis zwischen
der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten.
Einig waren sich die Minister darin, dass die EU im Irak humanitäre Hilfe leisten
werde, sobald dies erforderlich und möglich ist. Die EU-Kommission habe die
Vorbereitungen getroffen, sagte der zuständige Kommissar
Chris Patten. Nach Papandreous Worten bestand auch darüber
Einigkeit, dass die Lösung des Konflikts zwischen Israel und
den Palästinensern gerade vor dem Hintergrund der Irak-Krise
(Quelle: dpa)
Ifo-Institut: Wiederaufbau-Beteiligung in Irak kostet Wachstum
Mi.19.03.03 - Eine Beteiligung Deutschlands an einem Wiederaufbau in Irak
würde nach den Worten des Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner
Sinn, hier zu Lande zu Wachstumseinbußen führen.
Allerdings könnte sich Deutschland zur Finanzierung solcher Zahlungen auf die
Ausnahmeregelung des europäischen Wachstums- und Stabilitätspaktes berufen
und die Schuldenfinanzierung wählen, schrieb Sinn in einem Gastbeitrag für das
"Handelsblatt" (Dienstagausgabe). Er gehe davon aus, dass der Wiederaufbau des
Landes nach einem Krieg 25 bis 100 Milliarden US-Dollar kosten werde. Die
Besatzungskosten dürften mit bis zu 500 Milliarden US-Dollar zu Buche schlagen,
sagte der Wirtschaftsforscher.
Die Bundesregierung hat nach Angaben der Vorsitzenden des Finanzausschusses
im Bundestag, Christine Scheel (Grüne), in ihren aktuellen Haushaltsplanungen
bisher keinerlei Hilfen für den Wiederaufbau in Irak nach einem Krieg eingestellt.
"Wir haben in Deutschland, was Aufbauhilfe anbelangt, was den Irak betrifft, im
Haushalt keinerlei Planungen vorgenommen", sagte sie im ZDF. Auf die Frage, ob
für solche Hilfen Geld bereit stehe, sagte Scheel: "Nein, das ist überhaupt nicht der
Fall." Deutschland leiste seinen Beitrag zum Wiederaufbau in zahlreichen
internationalen Konfliktherden wie in Afghanistan und in Mazedonien.
Zur Frage, ob Deutschland überhaupt bereit sei, sich an Aufbauhilfen für Irak zu
beteiligen, sagte Scheel, das werde mit den Vereinten Nationen zu bereden sein.
"Die Europäer müssen hier auch eine einheitliche Linie wieder finden, und erst dann ist es so weit, darüber zu
sprechen, was von europäischer Seite aus getan wird."
(Quelle: rtr)
Schröder spricht USA Kriegs-Gründe ab
Mi.19.03.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat den USA jegliche
Rechtfertigung für einen Irak-Krieg abgesprochen.
Seine Antwort auf die Frage, ob das Ausmaß der Bedrohung den sicheren Tod
von Tausenden von unschuldigen Kindern, Frauen und Männern rechtfertige,
laute Nein, sagte der Kanzler am Dienstag in einer Fernsehansprache zum Ultimatum
des US-Präsidenten George W. Bush an Irak. "Meine Antwort in diesem Fall war und ist:
Nein!" In der rund vierminütigen Ansprache, die die ARD übertrug, wandte sich Schröder
aus dem Kanzleramt in erstem Ton an die Bevölkerung. Er versicherte, die Bundesregierung
werde alles unternehmen, um die Sicherheit in Deutschland zu gewährleisten.
SPD-Fraktionsvize Gernot Erler warf Bush vor, er habe von Beginn einen
Regierungswechsel in Irak geplant.
Schröder betonte, er sehe sich mit seiner Ablehnung eines
Kriegs einig mit der Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland
und der Welt: "Mich berührt tief, dass ich mich mit dieser
Haltung einig weiß mit der übergroßen Mehrheit unseres
Volkes, aber auch mit der Mehrheit im Weltsicherheitsrat und
den Völkern dieser Welt. Ich habe Zweifel, ob der Frieden in
den nächsten Stunden noch eine Chance bekommt." Schröder bekräftigte sein Engagement für eine friedliche Lösung:
"Was immer in den nächsten Tagen oder gar Wochen geschieht: Sie können sich darauf verlassen, dass meine
Regierung unbeirrt jede noch so kleine Chance für den Frieden in der Welt nutzen wird." Er sagte: "Ich ... vertraue auf
Ihren Friedenswillen und auf Ihre Unterstützung."
Schröder versicherte weiter, die Regierung werde alles unternehmen, "um jedes erdenkliche Maß an Sicherheit in
unserm Land zu gewährleisten." Sicherheitsexperten rechnen bei einem Krieg mit einer erhöhten Gefahr von
Anschlägen in westlichen Ländern und auf ihre Truppen und Einrichtungen im Ausland.
SPD-Fraktionsvize Erler kritisierte Bush in mehreren Interviews scharf, da dieser die Bemühungen der UNO um ein
gemeinsames Vorgehen zur Entwaffnung Iraks nur als Vorwand benutzt habe: "Wir müssen jetzt feststellen, das war
von Anfang an nicht das Ziel der amerikanischen Politik, diese Entwaffnung zu erreichen. Sie haben das gar nicht
ernst genommen, was da passierte, es ging um den Wechsel der Regierung in Bagdad", sagte Erler im ZDF. Auch
Grünen-Chefin Angelika Beer kritisierte, ein Krieg sei nicht ausreichend begründet. Beer und Erler sagten, ein Krieg
könne durch diplomatische Bemühungen in letzter Minute noch verhindert werden.
Auch Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU) wertete einen Irak-Krieg der USA ohne klares UNO-Mandat als
Verstoß gegen das Völkerrecht. "Der Krieg darf ohne UNO-Mandat nicht geführt werden", sagte er der "Rheinischen
Post". "Wenn die Amerikaner das machen, brechen sie das Völkerrecht."
Auch die FDP bekräftigte ihre Ablehnung eines Kriegs ohne UNO-Mandat: "Ein möglicher bevorstehender militärischer
Konflikt ohne klare Legitimation durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kann nicht die Billigung der FDP
finden", hieß es in einer Erklärung von Parteichef Guido Westerwelle und Fraktionschef Wolfgang Gerhardt. Sie
bekräftigten die Forderung, der Einsatz deutscher Soldaten in AWACS-Aufklärungsflugzeugen in der Türkei erfordere
ein Bundestagsmandat. Die Bundesregierung hält ein solches Mandat nicht für erforderlich und sieht auch in der
Gewährung von Überflugrechten für die USA in einem Krieg ohne UNO-Mandat keine grundgesetzwidrige
Unterstützung eines Angriffskriegs. (Quelle: rtr)
«Meine Antwort war und ist: Nein!»
«Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
Der Irak ist heute ein Land, das von der UNO umfassend kontrolliert wird. Was der
Weltsicherheitsrat an Abrüstungsschritten verlangt hat, wird mehr und mehr
erfüllt. Deshalb gibt es keinen Grund, diesen Abrüstungsprozess jetzt abzubrechen.
Meine Regierung hat zusammen mit unseren Partnern für den immer größer werdenden Erfolg von Hans Blix und
seinen Mitarbeitern hart gearbeitet. Wir haben das stets als unseren Beitrag für den Frieden in der Welt verstanden.
Das entspricht den Grundwerten, denen wir uns verpflichtet fühlen. Mich berührt tief, dass ich mich mit dieser Haltung
einig weiß mit der übergroßen Mehrheit unseres Volkes, aber auch mit der Mehrheit im Weltsicherheitsrat und den
Völkern dieser Welt. Ich habe Zweifel, ob der Frieden in den nächsten Stunden noch eine Chance bekommt. So
wünschenswert es auch ist, dass der Diktator sein Amt verliert, das Ziel der Resolution 1441 ist die Entwaffnung des
Irak von Massenvernichtungswaffen.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, was immer in den nächsten Tagen oder gar Wochen geschieht: Sie können sich
darauf verlassen, dass meine Regierung unbeirrt jede noch so kleine Chance für den Frieden in der Welt nutzen wird.
Die Vereinten Nationen bleiben der Rahmen dafür. Und Sie können darauf vertrauen, dass wir alles unternehmen
werden, um jedes erdenkliche Maß an Sicherheit in unserem Land zu gewährleisten.
Ich habe geschworen, den Nutzen unseres Volkes zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden. Das gilt vor allem in
Zeiten des Krieges. Ich werde mich daran halten und vertraue auf Ihren Friedenswillen und Ihre Unterstützung.»
(Quelle: dpa)
Beim Thema Völkerrecht kneift die Bundesregierung
Mi.19.03.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder hält den Krieg gegen Irak nicht für gerechtfertigt.
Ob dieser Krieg auch völkerrechtswidrig ist, ließen seine Sprecher am Dienstag offen. Regierungssprecher
Béla Anda meinte, es wäre "unseriös", die Frage mit Ja oder Nein zu beantworten. Die USA sehen ein
militärisches Vorgehen durch die Resolution 1441 des Weltsicherheitsrats gedeckt.
Außenamtssprecher Walter Lindner verwies darauf, dass der Bundeskanzler schon
im vergangenen November auf zwei Aspekte hingewiesen habe, zwischen denen
sich die Bundesregierung bewege: Einerseits beteilige sich Deutschland auf keinen
Fall an einer Militäraktion gegen Irak. Andererseits halte sie ihre Bündnispflichten
ein. "Die Rechtslage war geprüft worden", versicherte Lindner.
Würde die Regierung einen US-Angriff auf Irak heute als völkerrechtswidrig
bewerten, hätte dies Konsequenzen für die Zusagen Schröders: Für den Fall eines
Kriegs hatte er den Amerikanern Überflugrechte eingeräumt, den reibungslosen
Truppentransit garantiert, die Nutzung militärischer Einrichtungen in Deutschland
sowie den Schutz dieser Stützpunkte zugesagt. "Es bleibt bei den Zusagen, die der
Bundeskanzler schon im November gegeben hat", versicherte aber Anda.
Der Kanzler selbst hatte zuvor in seiner Ansprache die für das Völkerrecht
entscheidende Frage gestellt: "Rechtfertigt das Ausmaß der Bedrohung, die von
dem irakischen Diktator ausgeht, den Einsatz des Krieges, der tausenden von
unschuldigen Kindern, Frauen und Männern den sicheren Tod bringen wird?"
Schröder beantwortete die Frage mit Nein.
US-Präsident George W. Bush dagegen sah dies in der Nacht zuvor in seiner
Fernsehansprache anders: "Die Gefahr ist eindeutig: Durch den Einsatz
chemischer, biologischer oder eines Tages auch nuklearer Waffen, in deren Besitz
sie mit Hilfe des Iraks gelangten, könnten Terroristen ihre erklärten Ziele erreichen
und tausende oder hunderttausende unschuldiger Menschen in unserem oder jedem anderen Land töten."
Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Gert Weisskirchen, erklärte, wenn man ganz hart am
Text der UNO-Charta argumentiere, sei mindestens fraglich, ob ein Krieg gegen Irak völkerrechtlich gedeckt sei.
Weisskirchen sagte im Deutschlandfunk: "Wenn Sie sich den Wortlaut von Artikel 51 (in Kapitel VII) der UNO-Charta
ansehen, dann
gilt das Recht auf Selbstverteidigung nur dann, wenn ein konkreter Angriff gegen einen Staat vorliegt."
Für den PDS-Europaabgeordneten André Brie ist nach Bushs Erklärung klar: «Mit dem Angriffsbeschluss gegen den
Irak haben die USA Völkerrechtsbruch, Aggression und Staatsterrorismus zur offiziellen Politik erhoben.» Das
Truppenstationierungsabkommen müsse gekündigt und der Überflug von US-Militärflugzeugen untersagt werden.
Deutsche Soldaten an Bord von AWACS-Flugzeugen sowie die ABC-Spürpanzer in Kuwait müssten zurückbeordert
werden. Bries PDS-Kollege Wolfgang Gehrcke meinte sogar: "US-Präsident Bush ist zum ersten Fall des
Internationalen Strafgerichtshofs geworden."
Außenamtssprecher Lindner beteiligte sich nicht an Spekulationen über das Völkerrecht. Trotz des Ultimatums von
Bush, Saddam Hussein müsse Irak innerhalb von 48 Stunden verlassen oder es gebe Krieg, wollte sich
Außenminister Joschka Fischer "bis zur letzten Sekunde" für eine friedliche Alternative einsetzen. Lindner erinnerte
an das Zitat mit der Extra-Meile, die noch gegangen werden müsse, und sagte: "Wir sind immer dafür, die extra
Millimeter noch zu gehen, um eine friedvolle Lösung zu bekommen." (Quelle: ap)
Deutsche US-Stützpunkte spielen
Sollte es zum Krieg gegen Irak kommen, dürften auch
Militärstützpunkte der USA und der NATO in Deutschland zum Tragen kommen.
Eingesetzt werden könnten etwa die 17 Aufklärungsflugzeuge des Typs Awacs, die
die NATO in Geilenkirchen in Nordrhein-Westfalen stationiert hat. In
Südwestdeutschland liegen zudem die Kommandozentralen der US-Streitkräfte für
Einsätze in Europa, dem Nahen Osten und Teilen Afrikas und damit einige der
wichtigsten US-Stützpunkte außerhalb der USA. Bereits in früheren Konflikten war
vor allem der Fliegerhorst im pfälzischen Ramstein Drehscheibe für den Transport
von Soldaten und Material und die erste Versorgung Verwundeter.
Einsatzzentrale für sämtliche US-Truppen in Europa ist das US European
Command (Eucom) in Stuttgart-Vaihingen, das in einem Krieg gegen Irak eine
kritische Rolle vor allem in der Logistik spielen dürfte. Von Stuttgart aus wurde
früher bereits der Einsatz im Kosovo, Bosnien und Mazedonien gesteuert. Auch
die Fäden für die Überwachung der Flugverbotszone über Nordirak laufen hier
zusammen. Dem Oberkommando in Stuttgart unter dem früheren Kommandanten
des Marine Corps, General James Jones, unterstehen nach dem weitgehenden
Abzug der US-Truppen aus Europa im Laufe der 90er-Jahre noch knapp 120.000
Soldaten, darunter knapp 70.000 beim Heer, rund 30.000 bei der Luftwaffe, 12.000
bei der Marine und 3300 bei der Marineinfanterie. Dazu kommen 1500
Elite-Soldaten des Special Operations Command, die bei Heer, Luftwaffe und
Marine dienen.
In Ramstein bei Kaiserslautern liegt der größte US-Stützpunkt außerhalb der USA.
Auf ihm leben und arbeiten rund 38.000 Soldaten und US-Zivilisten. In Ramstein
hat auch das Hauptquartier der US-Luftwaffe in Europa seinen Sitz, das zuständig
ist für die Verbände zwischen Grönland und Kapstadt, darunter in Mildenhall und
Lakenheath (Großbritannien), Aviano (Italien), Incirlik (Türkei) und Spangdahlem in
Deutschland. Unterstellt sind dem Kommando Maschinen zur Luftunterstützung und Luftverteidigung, Abfangjäger,
Tankflugzeuge, Lang- und Kurzstreckentransporter. Soldaten des Kommandos wurden in der Vergangenheit unter
anderem an den Persischen Golf, ins frühere Jugoslawien, nach Somalia und Ruanda entsandt.
Unmittelbar in Ramstein sind keine Kampfverbände mehr stationiert, sondern hauptsächlich Versorgungseinheiten.
Auf dem pfälzischen Stützpunkt stehen Transporter des Typs C 130 "Hercules (NYSE: HPC - Nachrichten) " sowie
Krankentransporter, fliegende Kliniken und eine Flugbereitschaft für höhere Offiziere bereit. Standortkommandant ist
Brigadegeneral Erwin Lessel.
US-Kampfjets sind in Deutschland lediglich auf der Basis Spangdahlem in der Eifel stationiert, die größte
Kampfeinheit der US-Luftwaffe in Europa. Es handelt sich dabei um Maschinen der Typen F-16 "Fighting Falcon" und
die auch als Warzenschweine bezeichneten A-10 "Thunderbolt", die gegen Panzer und zur Bodenunterstützung
eingesetzt werden. Während des Kosovo-Krieges wurden Tarnkappenbomber des Typs F-117 aus Neu-Mexiko nach
Spangdahlem verlegt und starteten von dort aus zu ihren Einsätzen.
Im bayerischen Grafenwöhr liegt der mit 21.000 Hektar größte Truppenübungsplatz der US-Streitkräfte in Europa.
Derzeit sind dort nach Militärangaben rund 1000 Soldaten stationiert, 3500 weitere sollen hinzukommen.
Weitere logistische Einheiten der US-Streitkräfte sind auf der Rhein Main Air Base am Frankfurter Flughafen
stationiert. Der Flughafen selbst diente in vergangenen Konflikten immer wieder als Drehscheibe für das US-Militär in
Europa. Von hier starteten Flüge zur Versorgung anderer Stützpunkte und zur Unterstützung militärischer Einsätze.
Zuletzt war dies im Kosovo-Krieg der Fall.
In Geilenkirchen sind unter dem Kommando der NATO 17 Aufklärungsflugzeuge des Typs E-3A Awacs stationiert, die
für die luftgestützte Überwachung großer Gebiete zum Einsatz kommen. Über die Awacs-Flugzeuge als
Feuerleitstellen kann auch der Angriff von Kampfjets gesteuert werden. Die umgebauten Boeings 707 sind unbewaffnet
und können mit einer Mannschaft von 17 Soldaten aus einer Höhe von rund 10.000 Metern ein Areal von über 300.000
Quadratkilometern Größe überwachen. Deutschland stellt rund ein Viertel der Besatzungen der Awacs-Flugzeuge.
(Quelle: rtr)
Völkerrechtler nennt deutsche AWACS-Einsätze rechtswidrig
Mi.19.03.03 - Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Volkerrecht, Michael
Bothe, hat einen Bundestagsbeschluss über den Einsatz von Bundeswehr-Soldaten
in AWACS-Flugzeugen gefordert. Die AWACS-Flugzeuge würden an einem
"kriegerischen Unternehmen" teilnehmen, sagte Bothe der "Berliner Zeitung"
(Mittwochausgabe). Damit gehe es um einen Bundeswehreinsatz, "der viel
weittragender ist als etwa die Beobachtung der Flugverbotszonen im
Jugoslawienkrieg, von der das Bundesverfassungsgericht gesagt hat, sie sei
zustimmungsbedürftig", zitierte das Blatt den Völkerrechtler. Bothe lehnte auch die
Gewährung von Transit- und Überflugrechten für die US-Streitkräfte in Deutschland
ab. Solche Genehmigungen "wären wohl Unterstützungshandlungen für
völkerrechtswidrige Gewalt und damit selbst völkerrechtswidrig", sagte er nach
Angaben der Zeitung. (Quelle: ap)
Zahlreiche Staaten und Völkerrechtler (...)
bewerten die bevorstehende Militäraktion als
völkerrechtswidrigen Akt der Aggression mit weit reichenden
Folgen für daran beteiligte Länder.
Polen etwa will 200
Elitesoldaten in den Kampf schicken. Damit verstoße die
Regierung in Warschau gegen die Aufnahmekriterien der
Europäischen Union, sagt der Augsburger Völkerrechtler
Christoph Vedder. "Polen dürfte jetzt nicht Mitglied der EU
werden."
Ausgangspunkt aller rechtlicher Überlegungen ist das Herzstück
des modernen Völkerrechts – das absolute Gewaltverbot, wie es
in Artikel 2 AbsatzIV der UN-Charta niedergelegt ist. Darin heißt
es: "Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen
Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die
politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete . ..
Androhung oder Anwendung von Gewalt." Ausnahmen gibt es
laut Charta nur zwei: das Selbstverteidigungsrecht und die
Befugnis des Sicherheitsrats, den Weltfrieden auch mit
militärischer Gewalt wiederherzustellen.
Das Selbstverteidigungsrecht setzt einen laufenden bewaffneten
Angriff voraus. Viele Völkerrechtler wollen Abwehrmaßnahmen
aber schon dann erlauben, wenn ein Angriff unmittelbar
bevorsteht. So wurde das Losschlagen Israels gegen seine
aufmarschierenden Nachbarn im Sechstagekrieg teilweise als
rechtmäßig bewertet. Die US-Regierung geht nun noch
wesentlich weiter. Sie beansprucht ein Recht auf "präventive" Selbstverteidigung
und will sogar schon dann gewaltsam
eingreifen dürfen, wenn sie einen Staat als grundsätzlich
gefährlich einstuft.
Die Mehrheit der Völkerrechtler lehnt ein solches Recht ab.
Anderenfalls werde das Gewaltverbot ausgehöhlt und zur
Disposition einzelner Staaten gestellt, argumentiert der Direktor
am Heidelberger Max-Planck- Institut für Völkerrecht, Rüdiger
Wolfrum, in einer Studie zum Irak-Konflikt. Er weist darauf hin,
dass der Sicherheitsrat 1981 das Bombardement des irakischen
Atomreaktors Osirak durch Israel einstimmig verurteilt hat – mit
der Stimme der USA.
Amerika sieht sich bei seinem bevorstehenden Feldzug auch
durch alte Sicherheitsrats-Resolutionen gerechtfertigt. So
ermächtigte Resolution 678
vom November 1990 dazu, die
irakischen Truppen aus Kuwait zu vertreiben. Resolution 687
vom
April 1991 legte einen Waffenstillstand fest und verpflichtete den
Irak zu Abrüstung und Rüstungskontrollen. Die anhaltenden
Verstöße gegen diese Pflichten ließen nun das Gewaltmandat
aus Resolution 678 wieder aufleben, argumentiert Washington.
Juraprofessor Vedder hält dagegen, Ziel der Resolution sei es
gewesen, Kuwait zu befreien. Dies sei erreicht worden. "Damit
bietet die Resolution keinen Grund mehr, heute militärisch zu
intervenieren."
Anders könnte es mit Resolution 1441 vom November 2002
aussehen. Sie präzisiert die Abrüstungspflichten des Irak,
verschärft das Inspektionssystem und droht Bagdad mit "ernsten
Konsequenzen", falls es nicht vollständig kooperiert. Auch sie
enthält aber nach Meinung der meisten Völkerrechtler kein
Gewalt-Mandat. Dafür sei der Text zu unbestimmt, meint
Wolfrum. Sein Kollege Vedder gibt zu bedenken, letztlich habe
der Sicherheitsrat seine Beschlüsse auszulegen. Die Mehrheit der
Rats-Staaten habe aber klargestellt, dass Resolution 1441 kein
Mandat zum Krieg enthält. Hierfür spricht auch, dass sich
Washington und London selbst um eine weitere Resolution
bemüht haben.
"Ein Angriff auf den Irak ist daher eine klare Aggression", sagt
Vedder. Bagdad dürfe sich gegen teilnehmende Staaten
verteidigen. Dies gelte auch gegenüber der Türkei, wenn sie sich
an der Aggression beteilige. Ein irakischer Abwehrschlag löse
dann nicht den Bündnisfall in der Nato aus. Ähnlich sieht das der
UN-Spezialist Claus Kreß von der Universität Köln. Die
Verpflichtungen aus dem Nato-Vertrag seien so auszulegen,
"dass nicht gegen das vorrangige Recht der Vereinten Nationen
verstoßen wird". Eine Berufung auf den Nato-Vertrag entbinde
Staaten, die etwa Überflugsrechte gewähren oder
Awacs-Aufklärungsflugzeuge entsenden wollen, nicht von den
Pflichten der UN- Charta. Auf die Bundesregierung sieht Kreß
daher große Schwierigkeiten zukommen.
Heikel könnte die Lage auch für EU-Kandidaten wie Polen
werden, die sich an dem US-Angriff beteiligen. Ein EU-Gipfel 1997
hat es zur Aufnahme- Voraussetzung gemacht, dass
Regierungen die Grundsätze des Völkerrechts achten und
Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln austragen. Diese
Verpflichtungen waren auf die Türkei gemünzt, sie würden aber
für alle gelten, sagt Vedder. (Süddeutsche Zeitung vom 19.03.03, Links: boa)
Merkel unterstützt Ultimatum Bushs einschließlich der Konsequenzen
Mi.19.03.03 - Das Vorgehen von US-Präsident George W.Bush gegen Irak droht die
Unionsparteien zu spalten. Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber ging am Dienstag
auf vorsichtige Distanz zum pro-amerikanischen Kurs von CDU-Chefin Angela
Merkel. Während Merkel in Berlin im Namen von CDU und CSU das
Bush-Ultimatum an die Adresse Saddam Husseins mitsamt den militärischen
Konsequenzen ausdrücklich begrüßte, veröffentlichte Stoiber eine ähnlich lautende
Stellungnahme ohne diese Passage.
Merkel erklärte nach einer Sondersitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zur
Irak-Krise, CDU und CSU unterstützten die Aufforderung an Saddam Hussein, Irak
binnen 48 Stunden zu verlassen. «Wenn wir das Ultimatum unterstützen, impliziert
das alle Folgen, die sich aus einem solchen Ultimatum ergeben», fügte sie auf
Fragen hinzu.
Stoiber erklärte entsprechend der auch von Merkel vorgetragenen Stellungnahme, er
bedaure, dass die Anwendung militärischer Gewalt wahrscheinlicher geworden sei.
Es sei ein schwerer Rückschlag für die Weltgemeinschaft, dass der Sicherheitsrat
keine geschlossene Haltung in der Frage der Entwaffnung des Irak gewahrt habe.
Das Ultimatum biete Saddam Hussein eine letzte Chance zur Wahrung des
Friedens. Auf die im Fraktionsbeschluss enthaltene ausdrückliche Unterstützung
des Ultimatums verzichtete der CSU-Chef.
Merkels Stellvertreter Michael Glos (CSU) verlangte ein Bundestagsmandat für den
Einsatz der deutschen AWACS-Besatzungen über der Türkei. Eine Unterstützung
des Militärschlags gegen Irak müsse auf einer verfassungsmäßig korrekten Grundlage stehen, sagte er.
Zuvor hatte bereits Ex-Verteidigungsminister Volker Rühe Bundeskanzler Gerhard Schröder vorgeworfen, in seiner
Ansprache nicht gesagt zu haben, ob er die von Bush dargelegten Rechtsgrundlagen für den Militärschlag für
ausreichend halte. Dies aber sei er den deutschen Soldaten in den AWACS-Aufklärern und den Rekruten vor den
US-Kasernen in Deutschland schuldig.
Auf Distanz zu Merkels Irak-Kurs gingen auch das CDU-Präsidiumsmitglied Peter Müller und der
menschenrechtspolitische Fraktionssprecher Hermann Gröhe. Müller, Ministerpräsident des Saarlandes, sagte der
"Rheinischen Post" (Dienstagausgabe): "Der Krieg darf ohne UN-Mandat nicht geführt werden. Wenn die Amerikaner
das machen, brechen sie das Völkerrecht." Die Position "Egal, was passiert, wir stehen an der Seite von Amerika",
sei nicht seine Haltung. Gröhe sagte derselben Zeitung (Mittwochausgabe), die Begrüßung des Ultimatums in der
Fraktionserklärung könne er nicht mittragen.
Der bayerische Innenminister Günther Beckstein nannte es im ZDF-Morgenmagazin bedauerlich, dass "die
Amerikaner ohne Zustimmung des Weltsicherheitsrates tätig werden". Der Sicherheitsrat sei das zuständige
Gremium. "Jeder, auch die Amerikaner, müssen sich daran halten und dürfen nicht einseitige Maßnahmen
durchführen", betonte er.
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz erklärte, Merkel spreche mit der Erklärung nicht für die Deutschen. Die wollten
keinen Militär-Einsatz ohne UN-Mandat. Auch der parlamentarische Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck
meinte, die Union begebe sich in Opposition zur großen Mehrheit der Deutschen. (Quelle: ap)
Bloggen statt Schwärzen
Mi.19.03.03 - Auf die Meinungsfreiheit in ihrem Land sind die Amerikaner
besonders stolz. Bereits im ersten Verfassungszusatz haben sie die Meinungs- und
Pressefreiheit verankert. Doch in Zeiten eines bevorstehenden Krieges mehren sich
in den USA die Stimmen, die den ihrer Ansicht nach zu regierungskonform
berichtenden Medien den Kampf ansagen.
"Die Blogger wollen kein passives Publikum sein, sondern an der Meinungsbildung
mitwirken", schreibt Bloggerin Rebecca Blood auf ihrer Webseite und definiert damit
das Anliegen dieser seit 1999 rapide wachsenden Community im Netz.
Blogger, deren Name sich vom amerikanischen "web-log", dem Einstellen kurzer
Kommentare, Tagebucheinträge und Fotos ableitet, widmen sich allen möglichen
Themen - von der Verbannung homosexueller Jugendlicher aus Pfandfinderlagern bis
hin zum neuesten Hollywood- Klatsch. Nach dem Bush-Ultimatum an Saddam
Hussein ist allerdings auf den Seiten ein Thema vorherrschend: der bevorstehende
Krieg und die Information der amerikanischen Bevölkerung.
"In Zeiten, in denen die Pressekonferenzen im Weißen Haus mit einem Drehbuch
ablaufen und der Präsident sogar die Kardinalregel verletzt, die amerikanische
Journalistenikone Helen Thomas die erste Frage stellen zu lassen, sind diese
tatsächlich freien und kritischen Meinungsäußerungen im Netz bitter nötig",
befindet ein Blogger auf der Seite http://www.disinfopedia.org
. Sie ist als "Enzyklopädie der
Propaganda" ins Netz gestellt worden, auf der mutmaßliche Irreführungen und
Falschmeldungen der US-Regierung aufgelistet werden sollen.
Das Interesse an alternativer Information zu den großen US- Networks, die sich
nicht selten den kommerziellen Interessen ihrer Mutterkonzerne unterordnen
müssen, ist offenbar groß. Der disinfopedia.org-Server war am Montag so überlastet, dass stundenlang nur
Fehlermeldungen erschienen. Nun liegt die Seite des nicht- kommerziellen "Zentrums für Medien und Demokratie" auf
einem schnelleren Server.
Wer an den Diskussionen im Netz teilnehmen möchte, muss kein Experte im Programmieren von Webseiten sein.
Sie meisten Blogger bedienen sich des Angebots von blogger.com, das im Internet kostenlos bereitsteht. In einem
Schreibfeld werden die Beiträge auf den Bildschirm gebracht, per Mausklick auf der Bloggerseite eingeordnet und ins
Netz gestellt.
Der deutsche Chaos Computer Club (CCC) sieht diese Seiten als wichtige Beiträge zur weltweiten schrankenlosen
Informationsfreiheit. "Es ist immer gut, wenn man zunächst mehrere Wahrheiten vergleichen und sich dann eine
Meinung bilden kann", betont CCC-Sprecher Lars Weiler. Auch wenn es in den USA generell eine umfassende
Meinungsfreiheit gebe, sei es in der aktuellen Irak-Krise positiv, wenn US-Bürger sich zusätzlich selbst Informationen
holen könnten.
Statt sich dem allgemeinen Tenor der amerikanischen Berichterstattung unterzuordnen, frönen die Blogger ihrer
Leidenschaft. "Sie bringen mehr Fakten ins Netz und tragen zur Interpretation der Nachrichten bei, mit denen wir
täglich gefüttert werden", so Bloggerin Blood. "Mit ihrem Sarkasmus und der unerschrockener Kommentierung
erinnern sie uns daran, dass wir Meldungen hinterfragen müssen." Mit dieser Einstellung schaffen die Blogger einen
lebhaften Gegenpol zu den großen TV-Networks. "Die Meinung eines jeden gewährt neue Eindrücke und ist somit
wichtig."
Doch nicht nur regierungskritische Einträge und Seiten sind im Netz zu finden. Auf hunderten Domains machen sich
Blogger für den amerikanischen Oberbefehlshaber und seinen politischen Kurs stark. So befindet ein Blogger auf der
Seite instapundit.com, die jüngste Bush- Rede sei eine der besten seiner Amtszeit gewesen - und erntet viel
Unterstützung von Gleichgesinnten. (Quelle: dpa)
Internationales Weblog zum Irak-Konflikt:
Internet-«Lexikon der Propaganda» ist wieder im Netz.
Deutsche Kriegsgegner organisieren Protest im Internet
Mi.19.03.03 - Im Internet formiert sich Widerstand für den so genannten Tag X, den
Angriff der USA auf den Irak. Auf zahlreichen Webseiten rufen deutsche
Kriegsgegner zu spontanen Protestaktionen für diesen Tag auf. «Sollten die
US-Regierung und ihre Verbündeten ihre Drohungen wahr machen, sollte es zu
einem Tag X kommen, dann werden auch die Proteste ihren Gipfel erreichen», heißt
es etwa auf der Internetseite «http://www.tag-x.de», die sich als Forum zur Organisation
von Protesten versteht und bundesweit über Veranstaltungen der Friedensbewegung
informieren will.
Die in Bonn ansässige Friedenskooperative (http://www.friedenskooperative.de/tag-x.htm)
hat online bisher mehr als 100 Protest-Veranstaltungen zusammengetragen. Für
den Tag eines möglichen Angriffs werden in der Zeit von 17 bis 19 Uhr «im ganzen
Land dezentrale Aktionen» angekündigt. Auch für den Tag nach dem Einmarsch -
«Tag X+1» - haben sich Kriegsgegner schon im Netz verabredet. Neben großen
Internetforen rufen zahlreiche kleinere linke Gruppierungen, aber auch Schüler,
Studenten und lokale Parteiverbände im Internet zu Widerstand für den Fall eines
Kriegsbeginns auf. (Quelle: dpa)
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