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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Do.20.03.03, 12:45 Krieg gegen Irak hat begonnen
Do.20.03.03 - Knapp zwei Stunden nach Ablauf des Ultimatums an den
irakischen Staatschef Hussein hat die US-Armee mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen.
Dort waren Explosionen und Flugabwehrfeuer zu hören. Nach
Informationen des Nachrichtensenders CNN wurden
Einrichtungen der irakischen Führung mit etwa 40 Raketen
beschossen. Ferner seien Tarnkappenbomber eingesetzt
worden.
US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr
Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische
Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt.
Bush erklärte in einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur
Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe
angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei
der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte
ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als
manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen.
Sprecher der britischen und amerikanischen Armee erklärten,
Landstreitkräfte hätten noch keinen Befehl erhalten, von Kuweit
aus in den Irak vorzurücken. In der Region haben die USA und
Großbritannien rund 280.000 Mann zusammengezogen. Nach
Angaben der kuweitischen Behörden sind mehrere irakische
Soldaten übergelaufen.
Die Bundesregierung appellierte an die Kriegsparteien im
Irak, auf den Einsatz von Massenvernichtungswaffen zu
verzichten.
In einer
Erklärung der Bundesregierung heißt es zugleich, es
müsse alles getan werden, damit es zu möglichst wenig zivilen
Opfern komme. Deutschland sei bereit, die Vereinten Nationen
bei der Leistung humanitärer Hilfe zu unterstützen.
Im Laufe des Tages will Bundeskanzler Schröder mit dem
sogenannten Sicherheitskabinett in Berlin die Lage am Golf
erörtern und sich im Fernsehen zu dem Konflikt äußern. - In
Brüssel wollen die NATO-Gremien über den Kriegsausbruch
beraten.
Mit Beginn des Irak-Krieges sind die
Sicherheitsvorkehrungen in Berlin weiter intensiviert
worden.
Wie die Polizei mitteilte, wurde der Schutz der diplomatischen
Einrichtungen der an dem Krieg beteiligten Länder verstärkt. Es
seien zusätzliche Kräfte zum Dienst gerufen worden. Die Lage in
der Hauptstadt sei ruhig. Im Laufe des Tages sollen in Berlin
zahlreiche Demonstrationen stattfinden.
In New York hatte sich gestern noch einmal der
UNO-Sicherheitsrat mit dem Irak-Konflikt befaßt.
Bundesaußenminister Fischer sagte anschließend, es sei ein
wichtiges Treffen gewesen. Im Sicherheitsrat habe sich erneut
gezeigt, daß eine Mehrheit der Mitglieder gegen einen Krieg sei.
UNO-Generalsekretär Annan sprach von einem traurigen Tag für
die Welt-Organisation und appellierte an die USA und
Großbritannien, ihrer Verantwortung zum Schutz der irakischen
Zivilbevölkerung gerecht zu werden.
Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union
kommen heute in Brüssel zu ihrem Frühjahrsgipfel
zusammen.
Neben Wirtschaftsfragen dürfte vor allem der Irak-Konflikt
erörtert werden. Die EU-Mitglieder Großbritannien und Spanien
unterstützen den Kriegskurs der USA, Deutschland und
Frankreich lehnen ihn ab. Voraussichtlich wird die Union jedoch
humanitäre Hilfe zur Bewältigung der Kriegsfolgen anbieten.
Der US-Botschafter in Deutschland, Coats, hat die
Bundesregierung wegen ihres Verhaltens in der Irak-Frage
erneut kritisiert.
Er sagte der "Bild"-Zeitung, Deutschland habe von den USA
erwartet, daß sie im Irak-Konflikt mit dem Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen zusammenarbeiteten. Dann jedoch habe
Bundeskanzler Schröder erklärt, daß die Bundesrepublik sich
auch dann nicht an einem Militärschlag gegen Bagdad beteiligen
werde, wenn es eine Zustimmung der UNO geben sollte. Die
Amerikaner hätten einfach nur einen Freund gebeten, ihnen bei
einer Bedrohung zur Seite zu stehen, nie aber um Teilnahme an
einem Krieg nachgesucht, betonte Coats. Der Botschafter fügte
hinzu, das bilaterale Verhältnis sei derzeit beschädigt. Die USA
seien enttäuscht, schließlich bestehe seit langem eine
Partnerschaft. (Quelle: dr 6:00)
Aktionstermine der Friedensbewegung unter:
Link-Auswahl zum Thema Irak-Konflikt:
«Wir werden kein Ergebnis außer dem Sieg akzeptieren...
Do.20.03.03 - US-Präsident George W. Bush hat in einer kurzen Rede
den Kriegsbeginn bestätigt (4:15 MEZ ) und das amerikanische Volk auf die
Auseinandersetzung eingeschworen. Im Folgenden eine Reuters-Übersetzung der
Ansprache:
"Meine Landsleute, in dieser Stunde sind Truppen Amerikas und der Koalition in
den ersten Stadien von Militäroperationen, um Irak zu entwaffnen, sein Volk zu
befreien und die Welt gegen ernsthafte Gefahr zu verteidigen.
Auf meinen Befehl haben Koalitionstruppen ausgewählte Ziele von militärischer
Bedeutung angegriffen, um Saddam Husseins Möglichkeiten zu untergraben, Krieg
zu führen. Dies sind die Anfangsstadien dessen, was eine breite und konzertierte
Kampagne sein wird.
Mehr als 35 Länder geben entscheidende Unterstützung, von der Nutzung von
Marine- und Luftwaffenbasen bis zu Hilfe mit Geheimdiensten und Logistik, bis zur
Stationierung von Kampfeinheiten. Jede Nation in dieser Koalition hat sich dafür
entschieden, die Pflicht auf sich zu nehmen und die Ehre zu teilen, in unserer
gemeinsamen Verteidigung zu dienen.
An alle Männer und Frauen der Streitkräfte der Vereinigten Staaten jetzt im Nahen Osten, der Frieden einer
beunruhigten Welt und die Hoffnungen eines unterdrückten Volkes ruhen jetzt auf Ihnen. Dieses Vertrauen ist
gerechtfertigt. Die Feinde, die Sie stellen, werden Ihr Geschick und Ihre Tapferkeit kennenlernen. Das Volk, das Sie
befreien, wird Zeuge des ehrenhaften und anständigen Geistes des amerikanischen Militärs.
(...)
In diesem Konflikt sieht sich Amerika einem Feind gegenüber, der keinen Sinn für Konventionen des Krieges oder
Regeln der Moral hat. Saddam Hussein hat irakische Truppen und Ausrüstung in zivilen Gebieten platziert, um
unschuldige Männer, Frauen und Kinder als Schutzschilde für sein eigenes Militär zu gebrauchen; eine letzte
Greueltat gegen sein Volk.
Ich will Amerikaner und die ganze Welt wissen lassen, dass die Koalitionstruppen jeden Versuch unternehmen
werden, unschuldige Zivilisten vor Schaden zu bewahren. Eine Kampagne auf dem rauhen Gebiet einer Nation so groß
wie Kalifornien könnte länger und schwieriger sein, als manche vorhersagen. Und den Irakern zu helfen, ein vereintes,
stabiles und freies Land zu schaffen, wird unseren nachhaltigen Einsatz erfordern.
Wir kommen nach Irak mit Respekt für seine Bürger, für seine große Zivilisation und für die Glaubenbekenntnisse, die
sie praktizieren. Wir haben kein Ziel in Irak, außer eine Bedrohung zu beseitigen und die Kontrolle dieses Landes
durch sein eigenes Volk wiederherzustellen.
Ich weiß, dass die Familien unseres Militärs beten, dass all jene, die im Einsatz sind, sicher und bald zurückkehren.
Millionen von Amerikanern beten mit Ihnen für die Sicherheit Ihrer geliebten Angehörigen und für den Schutz der
Unschuldigen. Für Ihr Opfer haben Sie den Dank und Respekt des amerikanischen Volkes, und Sie sollen wissen,
dass unsere Kräfte heimkommen, sobald ihre Arbeit getan ist.
Unsere Nation tritt in diesen Konflikt zögernd ein, doch unsere Absicht ist klar. Das Volk der Vereinigten Staaten und
unsere Freunde und Alliierten werden nicht in der Gewalt eines geächteten Regimes leben, das den Frieden mit
Waffen des Massenmords bedroht.
Wir werden der Bedrohung jetzt mit unserem Heer, mit Luftwaffe, Marine, Küstenwache und Marine-Infanteristen
begegnen, damit wir ihr nicht später mit Armeen von Feuerwehrleute und Polizisten und Ärzten auf den Straßen
unserer Städte begegnen müssen.
Jetzt, da der Konflikt da ist, ist der einzige Weg, seine Dauer zu beschränken, entschiedene Gewalt anzuwenden.
Und ich versichere Ihnen, dies wird keine Kampagne der Halbheiten, und wir werden kein Ergebnis außer dem Sieg
akzeptieren.
Meine Landsleute, die Gefahren für unser Land und die Welt werden überwunden werden. Wir werden durch diese Zeit
der Gefahr gehen und die Arbeit des Friedens fortsetzen. Wir werden unsere Freiheit verteidigen. Wir werden Anderen
Frieden bringen. Und wir werden uns durchsetzen.
Möge Gott unser Land segnen und alle, die es verteidigen."
President Bush Addresses the Nation The Oval Office
Welt reagiert gespalten auf Kriegsbeginn
Do.19.03.03 - Der Beginn des Golfkriegs ist international mit Bestürzung und
Enttäuschung, aber auch mit Zustimmung aufgenommen worden. China kritisierte
die Militäroffensive der USA und ihrer Verbündeten als "Verletzung internationaler
Normen" und forderte ein sofortiges Ende der Angriffe. Die Bundesregierung zeigte
sich besorgt und betroffen angesichts des Abbruchs der diplomatischen
Bemühungen und der zu erwartenden Folgen für die Bevölkerung. Japan und
Australien stellten sich hingegen hinter das Vorgehen Washingtons.
Die Entscheidung zum Krieg zeige den mangelnden Respekt der "Koalition der
Willigen" vor dem Widerstand der internationalen Gemeinschaft, erklärte am
Donnerstag der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Kong Quan. Die
Regierung in Peking sei nach wie vor der Überzeugung, das die Irak-Krise friedlich
gelöst werden könne. "Wir fordern die betreffenden Staaten auf, auf den Einsatz von
Gewalt zu verzichten", sagte Kong an die Alliierten gerichtet. Das Thema Irak
müsse wieder auf die diplomatische Tagesordnung der Vereinten Nationen gesetzt
werden. China sei tief besorgt über die möglichen weltweiten Auswirkungen des
Kriegs und werde sich weiter für Frieden einsetzen.
Die Bundesregierung in Berlin bedauerte, dass der Weg der friedlichen Entwaffnung
nicht zu Ende gegangen wurde. Sie hoffe nun auf ein möglichst schnelles Ende der
Kampfhandlungen, hieß es in einer am frühen Morgen verbreiteten Erklärung des
Bundespresseamtes. Berlin erwarte auch, "dass die Krieg führenden Parteien alles
daran setzen, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden". Die Bundesregierung
erklärte ihre Bereitschaft, die Vereinten Nationen und deren Sonderorganisationen
bei der humanitären Hilfe zu unterstützen.
Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi bekräftigte hingegen seine
Unterstützung für die US-Offensive. "Irak hat die Resolutionen der Vereinten
Nationen ignoriert und sich nicht aufrichtig gezeigt", sagte er bei einer
Pressekonferenz in Tokio. "Daher verstehe und unterstütze ich das amerikanische Vorgehen zur Entwaffnung Iraks."
Koizumi kündigte Hilfe beim Wiederaufbau nach dem Krieg an. Truppen für die US-Koalition stellt Japan nicht zur
Verfügung; dies ist aufgrund der pazifistischen Verfassung nicht möglich.
Australien, das mit rund 2.000 Soldaten am Einsatz gegen Irak beteiligt ist, bekräftigte am Donnerstag seine Hoffnung
auf ein schnelles Ende des Krieges. Ministerpräsident John Howard betete bei einem Gottesdienstbesuch für die
sichere Heimkehr der australischen Truppen. Auch die Philippinen bekundeten ihre Unterstützung der amerikanischen
Kriegsentscheidung. "Die Philippinen gehören der 'Koalition der Willigen' an", betonte Ministerpräsidentin Gloria
Macapagal Arroyo.
In der Hauptstadt Manila gingen jedoch schon am Morgen hunderte Kriegsgegner auf die Straße. Auch in Tokio
demonstrierten hunderte Menschen gegen den Krieg. In Australien verließen Schüler ihre Schulen und Universitäten,
um gegen die Beteiligung ihrer Regierung zu protestieren. Weltweit wurden für Donnerstag zahlreiche
Protestkundgebungen erwartet.
Aus Angst vor einem irakischen Gegenangriff flüchteten unterdessen tausende Israelis aus dem Großraum Tel Aviv.
Dort schlugen im letzten Golfkrieg die meisten der 39 von Irak auf Israel abgefeuerten Scud-Raketen ein. Die
israelische Regierung, die nach eigenen Angaben von Washington vorab über den Beginn des neuen Krieges
informiert wurde, hat wiederholt ihre Verteidigungsabsicht im Falle eines irakischen Angriffs betont. Auf Druck der
USA hatte Israel 1991 nicht auf den irakischen Beschuss reagiert. (Quelle: ap)
Auslandspresse kommentiert Kriegsbeginn überwiegend USA-kritisch
Do.19.03.03 - Überwiegend USA-kritisch kommentierten Zeitungen im
Ausland am Donnerstag den Beginn der Angriffe auf den Irak.
EL PAÍS (Spanien): «Dieser Krieg hätte niemals beginnen dürfen. Die öffentliche
Meinung der ganzen Welt war dagegen.»
IL MESSAGGERO (Italien): «Jetzt müssen die Soldaten in der Wüste mit Waffen und Blut die
internationale diplomatische Niederlage der USA ins Gegenteil verkehren.»
THE TIMES (Großbritannien): «Nun, nachdem der Krieg begonnen hat, muss jeder
normale Mensch hoffen, dass er nach wenigen Wochen, wenn nicht Tagen enden wird (...).»
LIBÉRATION (Frankreich): «Man wünscht, dass die UN in einem befreiten
Irak das Kommando von Amerika übernehmen.»
NEW YORK TIMES (USA/Onlineausgabe): «Von allen Gründen für diesen Einsatz ist der unausgesprochene, tiefste
und aussichtsloseste, den 11. September (2001) in unseren Herzen auszulöschen.»
KOMMERSANT (Russland): «Warum sollte nur die Supermacht (USA) am Irak verdienen? (...) So wurde eine
"Koalition der toten Seelen" geboren von billigen Verbündeten, die sich für die Propaganda des amerikanischen
Vorgehens im Irak hergeben.»
TAGES-ANZEIGER (Schweiz): «Das moderne Völkerrecht existiert und lässt sich nicht mehr so leicht vom Tisch
wischen, auch wenn die "Koalition der Willigen" dieses Recht jetzt verletzt.»
NEPSZABADSAG (Ungarn): «Das Wesentliche der Bush-Doktrin ist nicht nur der Präventivkrieg, sondern auch, dass
internationale Fragen nicht Verhandlungssache sind.»
ADEVARUL (Rumänien): «Das Verschwinden der direkten Gefahr des Kommunismus hat, so scheint es, auch die
reflexartigen Bestrebungen (des Westens) zerstört, in einem multilateralen Rahmen zu handeln.»
POLITIKA (Serbien): «Wie vor vier Jahren, als unsere Tragödie begann, wurde auch jetzt der Weltsicherheitsrat
umgangen. (...) Der größte Unterschied (...) ist, dass wir (Jugoslawien) damals vielleicht die einzigen waren, die im
ganzem Umfang die Stärke der amerikanischen Arroganz gespürt haben. Heute fühlen es selbst die engsten
amerikanischen Verbündeten und Partner.» (Quelle: dpa)
«Die internationale Politik hat versagt»
Mit dem Beginn der Luftangriffe auf Bagdad ist eine
Vorkriegszeit zu Ende gegangen, die die internationalen Beziehungen so heftig
durcheinander gewirbelt hat wie keine andere Entwicklung seit der
Wiedervereinigung Deutschlands. Schon der Weg in den Krieg hat zahlreiche Opfer
hinterlassen: Die deutsch-amerikanischen Beziehungen am Boden, die EU weiter
von einer gemeinsamen Außenpolitik entfernt denn je, die NATO nahezu
bedeutungslos, die Vereinten Nationen düpiert.
«Das ist die denkbar düsterste Bilanz internationalen Handelns», sagt der
Münchener Politikwissenschaftler Werner Weidenfeld im Gespräch mit der
Nachrichtenagentur AP. «Die internationale Politik hat versagt.» Der langjährige
außenpolitische Berater sieht dafür zwei Ursachen:
1) Alle Beteiligten haben sich viel zu früh festgelegt. «Dabei gehört es doch zum
normalen diplomatischen Handwerk, sich Handlungsmargen offen zu halten.»
Niemand habe die Phantasie aufgebracht, alternative Konzepte zu entwerfen.
2) Zwischen Europa und Amerika gibt es ein Auseinanderdriften der
politisch-kulturellen Weltbilder. «Die Amerikaner haben eine völlig andere
Risiko-Analyse als viele europäische Staaten.»
Von einer «neuen Weltordnung» sprach der damalige US-Präsident George Bush
am 6. März 1991 im Kongress, unmittelbar nach dem Ende seines Krieges gegen
Irak. Der Vater des amtierenden US-Präsidenten stellte damals eine Welt in
Aussicht, «in der die Vereinten Nationen, befreit vom Patt des Kalten Krieges, dazu
bestimmt sind, die historische Vision ihrer Gründer zu erfüllen; eine Welt, in der
Freiheit und die Achtung der Menschenrechte eine Heimstatt unter allen Nationen
finden».
Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist daraus eine Welt
geworden, in der es nur noch eine Supermacht gibt, die ihre Interessen notfalls auch
gegen die Vereinten Nationen durchsetzt. «Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist seiner Verantwortung nicht
gerecht geworden.» Mit diesem scharfen Urteil Bushs in seiner Kriegsankündigung vom Montag machte der
US-Präsident deutlich, dass er seine Außenpolitik unabhängig von der internationalen Staatengemeinschaft führen
will. Der völlige Bruch soll aber vermieden werden. «Wir glauben an die Mission der Vereinten Nationen», versicherte
Bush. Spätestens beim Wiederaufbau Iraks sollen die UN wieder eine tragende Rolle spielen.
Weidenfeld, Direktor des Centrums für Angewandte Politikforschung (CAP), betrachtet die Vereinten Nationen denn
auch nicht als Hauptverlierer auf dem Weg zum Krieg. «Sie haben dem amerikanischen Vorgehen keine Legitimation
gegeben. Das ist ein ganz wichtiger Schritt, weil sie ihre Glaubwürdigkeit bewahrt haben.»
Bis 1989 wurden die internationalen Beziehungen vom Blockdenken zwischen Ost und West dominiert. Jetzt prägt die
Unterscheidung zwischen Multilateralismus und Unilateralismus die Weltpolitik. Darunter versteht man eine
partnerschaftliche Gestaltung der Weltpolitik auf der einen und eine einseitige Großmachtpolitik auf der anderen Seite.
Mit dem Weg in den Irak-Krieg haben die USA die Tendenz zu einer unilateralistischen Außenpolitik auf einen
Höhepunkt getrieben. Den grundsätzlichen Strategiestreit in der US-Außenpolitik haben die beiden Protagonisten des
unilateralistischen Lagers für sich entschieden: Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vizepräsident Dick
Cheney. Zu den Verlierern gehört Außenminister Colin Powell, der stets die internationalen Organisationen
einbeziehen wollte.
Dabei hat der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel Huntington schon vor den Terroranschlägen vom 11.
September vor dem Streben nach einem «globalen Unilateralismus» gewarnt. Denn bei einer Absage an Kooperation
und Diplomatie könnten sich die USA zur «einsamen Supermacht» entwickeln, die mehr verlieren als gewinnen
könne. Weidenfeld sieht die USA faktisch dort bereits angekommen, erwartet aber eine Kurskorrektur, denn: «Keine
Supermacht ist so stark, dass sie sich global in der Einsamkeit entfalten kann.» (Quelle: ap)
Keine Niederlage der UNO
Das Kriegsultimatum, mit dem die Bush-Administration
Anfang der Woche den Sicherheitsrat und den UN-Generalsekretär
zur Aufgabe aller Bemühungen um eine friedliche Abrüstung Iraks
sowie zum Rückzug aller Waffeninspektoren genötigt haben, ist ein
Vorgang ohne Beispiel in der 94-jährigen Geschichte der UNO und
ihres Vorgängers Völkerbund. Doch dies demonstriert nicht die
Stärke der einzig verbliebenen Weltmacht, sondern ihre Schwäche
und Isolation. Es war den USA vor diesem erpresserischen Kraftakt
nicht gelungen, im Sicherheitsrat eine Mehrheit für ihren Entwurf
einer Kriegsermächtigungsresolution zu organisieren. Zu keinem
Zeitpunkt der letzten Wochen hätte es bei einer Abstimmung über
den Entwurf mehr als vier Jastimmen gegeben. Alle anders
lautenden Behauptungen aus der Bush-Administration waren Lügen
und Propaganda.
Die USA haben ein diplomatisches Waterloo erlebt. Selbst mit
wochenlangem massivem politischem und wirtschaftlichem Druck
insbesondere auf die von Wirtschaftshilfe, Handelspräferenzen und
Investitionen der USA ganz besonders abhängigen Mitgliedstaaten
des Sicherheitsrates ist es der Bush-Administration nicht gelungen,
das höchste UN-Gremium auf Kriegskurs zu bringen. Dass
Kamerun, Guinea, Angola sowie Chile, Mexiko und Pakistan dem
brutalen Nötigungsdruck aus Washington standgehalten haben und
sich nicht zu einer Jastimme für den Krieg zwingen ließen, das war
ein Sieg des Sicherheitsrates und der Institution UNO über ihr
mächtigstes Mitglied. ("tageszeitung" vom 20.03.03)
Rechtsexperten streiten heftig über die Frage, ob der nun ausgebrochene Krieg rechtmäßig
ist. In einem offenen Brief zweifelten sechzehn britische Jura-Professoren die Legitimität
dieses Krieges auf der Basis der UN-Resolution 1441 an. Nach der Meinung der
Experten wäre dieser Krieg nur gerechtfertigt, wenn er der Selbstverteidigung gegen einen
bewaffneten Angriff dient oder wenn eine neue Resolution des Sicherheitsrats dazu
ermächtigt.
Mehr unter:
Auch Norman Paech, Verfassungs- und Völkerrechtler an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik,
vetritt in einem Interview mit der "junge Welt" (Ausgabe vom 20.03.03) die Auffassung, dass Washington das Völkerrecht breche. Mehr unter:
Mehr zum völkerrechtlichen Aspekt der Militäraktion gegen Irak unter::
Iraks Präsident Saddam ruft zu Heiligem Krieg auf
Do.19.03.03 - Nach Beginn des Irak-Krieges hat der irakische Präsident
Saddam Hussein sein Volk zum Widerstand aufgerufen.
In einer Fernsehansprache erklärte er am Morgen, Irak
werde über die USA und ihre Verbündeten den Sieg davon
tragen. Der irakische Präsident trug bei der Rede seine
Uniform und sein schwarzes Barett. "Ihr werdet siegreich
gegen Eure Feinde sein", sagte er.
"Lang lebe der Heilige Krieg und Irak", sagte Saddam
im Fernsehen. Das Land werde die Invasoren bekämpfen, bis
sie ihre Geduld verloren hätten. In Anspielung auf den
Vater von US-Präsident George W. Bush, der 1991 Krieg
gegen Irak geführt hatte, sagte Saddam: "Der kriminelle kleine Bush hat ein
Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen." (Quellen: rtr, afp)
Stichwort: Irak
Do.20.03.03 - In der Republik Irak leben etwa 22,6 Millionen Menschen, davon
allein ein Viertel in der Hauptstadt Bagdad. Mit 438.317 Quadratkilometer ist Irak
größer als das vereinte Deutschland und kleiner als Frankreich. Die Bevölkerung
setzt sich zusammen aus knapp 80 Prozent Arabern, über 15 Prozent Kurden als
bedeutendster ethnischer Minderheit sowie kleineren Volksgruppen. Amtssprache
ist Arabisch. 95 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Muslime, davon zwei Drittel
Schiiten und ein Drittel Sunniten. Chaldäische Christen und Juden bilden
kleine Minderheiten.
In seinen heutigen Grenzen ist Irak im vergangenen Jahrhundert entstanden. Nach
dem Ende des Osmanischen Reichs 1918 übertrug die Konferenz von San Remo
1921 Großbritannien ein Völkerbundmandat für das neue Staatsgebilde Irak, dessen
Kerngebiet an Euphrat und Tigris die uralte Kulturlandschaft der Sumerer und
Assyrer umfasst. Nach einer Volksabstimmung wurde im folgenden Jahr König
Feisal I. als Landesherrscher eingesetzt. 1932 endete das britische Mandat, Irak
wurde in den Völkerbund aufgenommen. 1947 zogen die britischen Truppen
endgültig ab, ein Bündnisvertrag mit Großbritannien blieb jedoch bis 1958 in Kraft.
Im selben Jahr wurde die Monarchie mit einem blutigen Militärputsch gestürzt; Irak wurde Republik unter dem
Militärmachthaber A.K. Kassem, der 1963 ermordet wurde. 1968 putschte sich die Arabische Sozialistische
Baath-Partei an die Macht. Nach dem Rücktritt des langjährigen Staatschefs Hassan el Bakr trat 1979 Saddam
Hussein dessen Nachfolge an. Er begann bereits im Jahr darauf den opferreichen Krieg gegen das Nachbarland Iran,
der 1988 mit einem Waffenstillstand beendet wurde. Nach Beginn des irakisch-iranischen Krieges modernisierte und
verstärkte Saddam Hussein seine Armee sowohl mit westlicher als auch mit östlicher Hilfe. Nach der Beendigung des
Kriegs setzten irakische Truppen 1988 bei einer Großoffensive gegen Kurden im Norden des Landes auch Giftgas ein.
Zwei Jahre später, am 2. August 1990, besetzte Irak nach Auseinandersetzungen um die Erdölförderung im
Grenzgebiet Kuwait und erklärte das Emirat zur 19. Provinz. Saddam Husseins Weigerung, sich trotz internationaler
Sanktionen und einer ultimativen Resolution des Sicherheitsrates nicht aus Kuwait zurückzuziehen, führte am 17.
Januar 1991 zum zweiten Golfkrieg. Alliierte Streitkräfte unter Führung der USA brachten Irak eine schwere Niederlage
bei. Der Krieg endete nach 43 Tagen. Die irakischen Truppen zogen sich aus Kuwait zurück. Außerdem wurde Irak
bis zur Erfüllung aller UN-Auflagen, darunter die vollständige Abrüstung seiner Massenvernichtungswaffen, mit
Sanktionen belegt.
Erdöl, das in Irak seit 1927 gefördert wird, bildet die wichtigste Grundlage der irakischen Wirtschaft. Das Land verfügt
über die zweitgrößten Ölreserven der Welt und ist Gründungsmitglied der Organisation Erdöl exportierender Länder
(OPEC). Seit 1987 befindet sich die gesamte Ölindustrie unter staatlicher Kontrolle. In Folge des irakisch-iranischen
Kriegs und der internationalen Wirtschaftssanktionen nach dem Einmarsch in Kuwait kam es es zu einem
drastischen Rückgang der Öleinnahmen. Das Land ist dadurch in seiner Entwicklung etwa auf den Stand von 1970
zurückgefallen. (Quelle: ap)
Stichwort: Bagdad
Durch Bagdad fließt der Tigris breit wie der Main in Frankfurt. In
ausladenden Kurven schlängelt er sich von Nordwesten her in die Siedlungen der
irakischen Hauptstadt mit ihren insgesamt vier Millionen Einwohnern. Das Ufer ist
zumeist unbefestigt. Der Pegel des Tigris sei in den vergangenen Jahren dramatisch
gesunken, erklärt Aziz Alkazas, Generalsekretär der Deutsch-Irakischen
Gesellschaft und Geschäftsführer des Deutschen Orient-Instituts.
Der Tigris entspringt in der Südtürkei. Er passiert Mossul im bergigen Kurdengebiet
und Tikrit im Landesinneren, die Geburtsstadt von Saddam Hussein. Auf Höhe des
34. Breitengrades liegt Bagdad - das ist der gleiche Breitengrad wie Los Angeles.
In einem runden Bogen ließ Kalif Mansur die Stadtmauer 762 am östlichen
Tigrisufer hoch ziehen. Babylon lag 80 Kilometer südlich am Euphrat-Ufer. Der Tigris
gab den Ausschlag für die Gründung Bagdads: Er sollte die Hauptstadt des
Abbassidenreiches mit fernen Ländern wie China verbinden, das Meer erschließen,
den Handel mit den Nachbarländern zur Blüte treiben. Nur Konstantinopel war
Bagdad - der «Runden Stadt» - Ende des ersten Jahrtausends ebenbürtig. Um das
Jahr 1000 war sie das intellektuelle Zentrum der Welt.
Auf Höhe der historischen Altstadt gleitet der Tigris durch ein hässliches Betonbett.
Einzelne Kähne transportieren Zement oder Datteln, Kräne baggern das
verschlammende Bett aus. Das Wasser ist stark verschmutzt. 1991 zerstörten die
Bomben der Alliierten das Wasserversorgungssystem der Stadt, die Einwohner
holten ihr Trinkwasser drei Wochen lang mit Eimern aus dem verseuchten Tigris.
Noch sind Spuren der einstigen Blüte sichtbar. Doch neben den Ruinen des Palasts
der Abbassiden im nordwestlichen Zipfel der Altstadt hat Saddam Hussein das Verteidigungsministerium bauen
lassen. Es war im ersten Golfkrieg eines der ersten Ziele. Ihren Charme hat die zauberhafte Stadt aus «Tausend und
eine Nacht» ohnehin verloren. In der Altstadt stehen flache, zweigeschossige Häuser aus Beton oder gelben Ziegeln
Wand an Wand. Gegenüber dem arabischen Markt Schordscha (Shorja)
zwischen Raschid- und Chulafastraße stehen drei christliche Kirchen. In Bagdad leben Schiiten, Sunniten und die
christliche Minderheit friedlich zusammen.
An der Raschid-Straße gibt es noch ein paar Gebäude aus der britischen Kolonialzeit zwischen den Weltkriegen.
Säulen an der Straßenfront stützen die oberen Etagen.
Im Süden grenzt der Bezirk Saadun an die historische Stadtmauer. An der Abi-Nuwas-Straße parallel zum Tigris
liegen zahlreiche Galerien, sie sind ein beliebter Treffpunkt. Am Fluss in Saadun residieren die «guten» Abteilungen
der Vereinten Nationen, das Entwicklungswerk und das Büro des Programms Öl für Nahrungsmittel.
Drei Kilometer südlich der Runden Stadt macht der Tigris einen scharfen Knick nach Westen, um nach etwa sechs
Kilometern wieder umzuscheren und auf Höhe der ersten Kurve auf den alten Kurs einzuschwenken; weiter nach
Süden Richtung Golf. Auf der so gebildeten Halbinsel liegen die Ortsteile Karada und Jadrija mit der Universität.
Moderne Einfamilienhäuser mit gepflegten Gärten und Palmenhainen, hier ist die bürgerliche Oberschicht zu Hause.
Die Jaima-Straße, die in die Charada-Straße übergeht, ist eine stattliche Einkaufsmeile mit Mode-Boutiquen. Am
Anfang der Halbinsel liegt das Botschaftsviertel, wo auch die beiden deutschen Diplomaten sitzen. In der
Nachbarschaft haben sich Teams deutscher Fernsehsender einquartiert, nicht zuletzt, um notfalls im Bunker des
Botschaftsgebäudes Schutz zu finden.
Das Stadtgebiet östlich des Tigris rund ums historische Zentrum heißt Rusafah. Das moderne Zentrum Bagdads liegt
am Westufer, Karch genannt. Elf Brücken verbinden beide Seiten, alle wurden nach der Bombardierung im ersten
Golfkrieg wieder aufgebaut.
In Karch, inmitten von Wohnblocks mit mehr als zehn Stockwerken, liegen die meisten Ministerien und der
Zentralbahnhof. Einen Kilometer vom Informationsministerium entfernt steht das Raschid-Hotel, das beste der Stadt.
Von dort aus meldete das CNN-Team am 17. Januar 1991 um 02.30 Uhr den Beginn des ersten Golfkriegs der USA.
Künden die Ruinen des Abbassidenpalastes von einer großen Zeit, könnten die Ruinen von Saddam Husseins
Regierungszentrale in Karch später Zeugnis über ein düsteres Kapitel in der Geschichte des Zweistromlandes geben.
Über eine Strecke von mehr als fünf Kilometern schmiegt sich die Palastanlage ans westliche Flussufer, dort, wo der
Tigris seinen ersten Knick macht. Das Hauptportal ließ Saddam Hussein dem Felsendom in Jerusalem nachbauen.
Auf dem Areal liegen das Gebäude des Ministerrats sowie die Zentralen der Rüstungsindustrie und der Baath-Partei.
In ganz Bagdad entstanden in den vergangenen Jahren neue Moscheen und Denkmäler. Neue zivile Luftschutzbunker
wurden nach Schätzung von Diplomaten nicht angelegt, sie gibt es allenfalls unter Hotels oder offiziellen Gebäuden.
«Ein Araber glaubt, wem die Stunde schlägt, dem schlägt sie, weil Allah das will», erklärt Alkazaz. Selbst bei
modernen Wohngebäuden wurde nicht an robuste Keller gedacht, schon gar nicht bei den einfachen zwei oder
dreigeschossigen Plattenbauten, in denen die meisten Bagdader wohnen. Das Misstrauen vor zivilen
Luftschutzbunkern schürten die Amerikaner. Bei der Bombardierung des Amirijja-Bunkers im ersten Golfkrieg
verbrannten mehrere hundert Kinder und Frauen.
Am anderen Ende der Millionenstadt, jenseits des überbauten Armee-Kanals Kanatal Jaisch, liegt der lang gezogene
Slum Saddam City. Dort wohnt die Hälfte der Bagdader, zwei Millionen Menschen. Die schnurgeraden Straßen sind
von armseligen, farblosen, zweigeschossigen Betonhäusern gesäumt. Weil es kein fließendes Wasser gibt, haben
sich viele in Saddam City Wassertanks auf die Flachdächer montiert. Geheizt wird mit Kerosin. Esel ziehen
Kerosintanks durch die verdreckten Straßen, so werden die Einwohner beliefert. Auf schmalen Grünflächen halten sie
Pferde, Ziegen, Hühner. Zur Vorbereitung auf die Bomben haben die Menschen in Saddam City Löcher gegraben und
mit Brettern abgedeckt. (Quelle: ap)
Kirchen: Krieg gegen Irak nicht gerechtfertigt
Do.19.03.03 - Die Vertreter der deutschen Kirchen haben den Krieg
gegen Irak scharf verurteilt. Es gebe "keine ethische oder
völkerrechtliche Rechtfertigung für ihn", teilten der
Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal
Karl Lehmann, der Vorsitzende des Rates der
Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Manfred
Kock, und der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft
Christlicher Kirchen (ACK), Bischof Walter Klaiber, in einer gemeinsamen Erklärung
mit.
"Bei allem Verständnis für das Unrecht, das den Vereinigten Staaten durch die
Terroranschläge des 11. September 2001 zugefügt wurde, und für die Verletzung
ihres Sicherheitsgefühls bedauern wir in unserem Land zutiefst die Entscheidung,
mit Waffengewalt anzugreifen", heißt es in dem Text.
Der Krieg sei Ausdruck des Scheiterns der Politik sowie "eine Niederlage der
Menschheit", hieß es in der Erklärung weiter. Die Kirchenvertreter erinnerten zudem
daran, dass der Krieg kein rechtsfreier Raum sei. "Die Konfliktparteien stehen in der
Pflicht, die Zivilbevölkerung während der Kampfhandlungen soweit wie nur irgend
möglich zu schonen. Eine humanitäre Katastrophe muss vermieden werden. Auch
müssen alle Mittel der Politik ausgeschöpft werden, dem Krieg ein rasches Ende zu
bereiten." (Quelle: afp)
Die Erklärung der Bundesregierung zum Kriegsausbruch in Irak
Do.20.03.03 - Knapp zwei Stunden nach Beginn des Irak-Kriegs hat die
Bundesregierung sich in einer Stellungnahme dazu geäußert. In dem von
Regierungssprecher Bela Anda am Donnerstagmorgen verbreiteten Schreiben heißt
es:
"Die Nachricht vom Beginn des Krieges gegen den Irak hat in der Bundesregierung
große Sorge und Betroffenheit ausgelöst. Die Bundesregierung hat, gemeinsam mit Frankreich,
Russland und anderen Partnern, große Anstrengungen unternommen, um eine friedliche Abrüstung
des Irak zu ermöglichen und so den Krieg zu verhindern. Zu ihrem Bedauern sind die Bemühungen um eine
friedliche Konfliktlösung gescheitert. Leider wurde der Weg der durchaus erfolgreichen Entwaffnung des
Irak durch die Waffeninspekteure der Vereinten Nationen nicht zu Ende gegangen.
< >Nun muss alles getan werden, um eine humanitäre Katastrophe für die irakische Zivilbevölkerung abzuwenden. Die
Bundesregierung hofft, dass die Kampfhandlungen möglichst rasch zum Abschluss kommen. Sie erwartet, dass die
kriegführenden Parteien alles daran setzen, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden. Dazu gehört insbesondere
der Verzicht auf die Anwendung von Massenvernichtungswaffen. Zur Linderung der Not der irakischen Bevölkerung ist
die Bundesregierung bereit, die Vereinten Nationen und deren Sonderorganisationen bei der Leistung humanitärer Hilfe
zu unterstützen.
Die Vereinten Nationen und der Sicherheitsrat müssen die zentrale Rolle bei der Wiederherstellung des Friedens im
Irak spielen: Das Ziel muss jetzt sein, die Integrität des Irak zu erhalten und das irakische Volk so schnell wie
möglich in die Lage zu versetzen, einen von Massenvernichtungswaffen freien Irak wieder zu einem angesehenen und
prosperierenden Mitglied der Völkerfamilie zu machen. Deutschland wird dazu unter der Ägide der Vereinten Nationen
einen angemessenen Beitrag leisten." (Quelle: rtr)
SPD bekräftigt Bündnistreue zu den USA
Do.19.03.03 - Nach dem Beginn des Irak-Kriegs hat die SPD bekräftigt, dass
Deutschland den USA Überflugrechte gewährt und deutsche Soldaten auch bei
Flügen von Awacs-Aufklärungsflugzeugen der NATO über der Türkei eingesetzt
werden.
"Wir sind gegen diesen Krieg (...), aber dazu gehört nicht, dass wir die Freundschaft
zu den Vereinigten Staaten von Amerika aufkündigen (...)", sagte
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz am Donnerstagmorgen im ZDF-"Morgenmagazin".
Zu dem Einwand, der Krieg sei völkerrechtlich nicht gedeckt, sagte Scholz: "Wir
beteiligen uns nicht an einem Krieg gegen Irak und die Erfüllung von
Bündnisverpflichtungen ist etwas ganz anderes." Zu der Bemerkung, auch
NATO-Einsätze müssten dem Völkerrecht entsprechen, sagte der SPD-Politiker:
"Da sind viele Juristendiskussionen zulässig, die jetzt alle stattfinden und sehr
spannend sind, ich glaube aber, dass wir in dieser Frage sehr politisch unseren
Standpunkt festlegen sollten."
Scholz geht nicht davon aus, dass mit dem von der UNO nicht gedeckten Angriff der
USA und deren Verbündeter die Vereinten Nationen an Bedeutung verlieren werden:
"Es wird viel dringlicher klar werden, wie wichtig die Vereinten Nationen sind." Man
solle nicht vorschnell sagen, dass die UNO jetzt bedeutungslos geworden sei. "Das
wird nicht der Fall sein." Abschließend sagte er, der Kriegsbeginn bedrücke ihn
sehr: "Schließlich ist es ganz sicher, dass viele Menschen sterben werden." (Quelle: rtr)
Heftiger Streit um deutsche Irak-Position im Bundestag
Do.19.03.03 - Regierung und Opposition haben sich am Mittwoch im Bundestag gegenseitig
vorgeworfen, den anstehenden Irak-Krieg mit heraufbeschworen zu haben.
Bundespräsident Johannes Rau forderte die politischen Kontrahenten
auf, im Fall eines Waffengangs am Golf zusammenzustehen. "Niemand von uns
hier in Deutschland hat diesen Krieg gewollt", sagte er nach einem Treffen mit den
Partei- und Fraktionsspitzen. "Es liegt jetzt in der Verantwortung aller, dass dem
deutschen Volk kein Schaden aus einem Krieg erwächst".
In der Generalaussprache des Parlaments über den Haushalt 2003 lieferten sich
Regierung und Opposition eine harte Auseinandersetzung über die deutsche
Haltung zu dem drohenden Militärschlag. CDU-Chefin Angela Merkel warf
Bundeskanzler Gerhard Schröder und seiner Regierung vor, durch ihre frühe
Ablehnung eines Angriffs auf Irak zur Spaltung der internationalen Gemeinschaft
beigetragen und damit den Krieg "wahrscheinlicher und nicht unwahrscheinlicher"
gemacht zu haben.
Die Koalition reagierte empört. Der Grünen-Außenexperte Ludger Volmer betonte,
bei einem Krieg werde es Tausende von Toten und Millionen von Flüchtlingen geben.
«Das sind Konsequenzen, Frau Merkel, die sie mit implizieren.»
Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer erinnerte die Abgeordneten daran, «dass
der Krieg nicht in diesem Raume stattfindet, auch nicht in Worten».
Schröder bekräftigte seine Absage an einen Krieg. Allerdings blieb er bei seinen
Zusagen an die USA. Vor dem Hintergrund der Bündnisverpflichtungen würden den
Amerikanern Überflugrechte, die Nutzung ihrer Militärbasen und der Schutz von
US-Einrichtungen gewährt.
In der Innenpolitik diskutierte der Bundestag vor allem Schröders Reformkonzept "Agenda 2010". Schröder warnte die
politischen Lager vor einer "Selbstblockade". Er sehe die Gefahr, dass sich «die unterschiedlichen Kräfte
gegeneinander aufheben. Das wäre fatal». Wenn jeder Maximalforderungen durchsetzen wolle, bestehe das Risiko,
"dass am Ende weniger herauskommt, als unser Land braucht".
Der Kanzler bekräftigte, sein Reformkonzept trotz des Widerstands der Gewerkschaften und des linken SPD-Flügels
zu verwirklichen. "Das werden wir Punkt für Punkt umsetzen - so schwierig die Lage auch ist."
Die Union bot der Regierung Zusammenarbeit an. Wenn die Reformvorschläge «einigermaßen erträglich» seien,
würden CDU und CSU zustimmen, sagte Fraktionschefin Angela Merkel. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos
forderte Schröder zum Rücktritt auf. "Neuwahlen wären die sauberste Lösung."
(Quelle: ap)
Struck will deutsches Kontingent in Kuwait verdoppeln
Do.19.03.03 - Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) will das
Bundeswehr-Kontingent in Kuwait mehr als verdoppeln.
Die Zahl der ABC-Abwehrkräfte solle so bald wie möglich auf 200 bis 250 Mann von
derzeit knapp 100 aufgestockt werden, sagte Struck am Mittwochabend im
Bundestag. Dazu sei ein Befehl zur Vorbereitung ergangen. Nach Angaben des
Ministeriums sollen die zusätzlichen Bundeswehr-Soldaten unter anderem für die
Sicherheit ihrer Kameraden sorgen. Bisher hätten US-Soldaten diese Aufgabe
wahrgenommen. Diese müssten aber angesichts des bevorstehenden Irak-Krieges
voraussichtlich andere Aufgaben übernehmen.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte zuvor im Bundestag bekräftigt, die
deutschen Besatzungen der in Kuwait stationierten "Fuchs"-ABC-Spürpanzer
würden nicht an Einsätzen gegen Irak beteiligt. Humanitäre Hilfe in Kuwait sei aber
vom Bundestagsmandat für die Operation "Enduring Freedom" gedeckt. Die
ABC-Spürpanzer vom Typ "Fuchs", die gegen atomare und chemische Angriffe
eingesetzt werden können, waren auf Wunsch der USA im Nachbarland zu Irak
stationiert worden.
Struck warnte vor Anschlägen auf deutsche Soldaten der internationalen
Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) im Falle eines Irak-Krieges. "Es ist überhaupt
nicht auszuschließen, dass als Gegenreaktion auf einen Krieg im Irak diejenigen
Kräfte in Afghanistan, die ohnehin die Präsens der Schutztruppe ablehnen, dies zu
einem Anlass nehmen, verschärft gegen die ISAF-Truppe vorzugehen." (Quelle: rtr)
KARLSRUHE dpa Kanzler Gerhard Schröder und weitere
Mitglieder der Bundesregierung sind wegen Verdachts der
Vorbereitung eines Angriffskriegs bei der Bundesanwaltschaft
angezeigt worden. Eine Sprecherin bestätigte gestern in Karlsruhe,
es lägen mehrere Anzeigen vor. Die PDS teilte mit, auch sie habe
Anzeige gegen Schröder erstattet. Der Kanzler habe sich strafbar
gemacht, indem er den USA Überflugrechte gewähre und deutsche
Soldaten an Awacs-Einsätzen beteilige. Der außenpolitische
PDS-Sprecher Wolfgang Gehrke wollte so auf die "völkerrechtliche
Problematik" aufmerksam machen. Weitere Kläger sind
Bürgergruppen.
Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland erhöht
Do.19.03.03 - In Deutschland sind nach dem Beginn des Krieges gegen den
Irak die Schutzmaßnahmen an besonders sensiblen oder gefährdeten Orten erhöht
worden.
In Berlin verstärkte die Polizei am Donnerstagmorgen die Sicherheitsmaßnahmen
vor den Botschaften der USA, Großbritanniens und Spaniens. Die Absperrungen
vor den Gebäuden seien erweitert und die Zahl der dort eingesetzten Beamten
erhöht worden, sagte ein Sprecher des Lagedienstes der Berliner Polizei.
Ansonsten gelte in der Hauptstadt weiterhin der sehr hohe Sicherheitsstandard. In
mehreren Bundesländern wurden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht, der Schutz
insbesondere amerikanischer und israelischer Einrichtungen wurde verstärkt. Auch
am Frankfurter Flughafen wurden die Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren.
Polizei und Bundesgrenzschutz hätten ihre Streifen verstärkt, es seien mehr
Beamte als bisher im Einsatz, sagte der Verkehrsleiter vom Dienst.
In einigen Bundesländern wie Hessen und Rheinland-Pfalz wurden die
Sicherheitsvorkehrungen noch in der Nacht erhöht. "Die Sicherheitslage hat sich
mit Kriegsbeginn verschärft", sagte ein Sprecher des Lagezentrums in
Rheinland-Pfalz, wo sich mit dem Fliegerhorst Ramstein und dem Lazarett in
Landstuhl einige der größten US-Stützpunkte in Europa befinden. Die Bewachung
der amerikanischen Stützpunkte, anderer amerikanischer sowie jüdischer und
israelischer Einrichtungen sei verstärkt worden. Auch in Hessen wurde nach
offiziellen Angaben der Schutz amerikanischer und jüdischer Einrichtungen erhöht
und mehr Beamte eingesetzt.
Im Frankfurter Flughafen wurden nach Angaben des Verkehrsleiters die
Fluggesellschaften zusätzlich Qantas aus Australien sowie Iberia
und Futura aus Spanien unter besonderen Schutz gestellt.
Eventuell werde es auch für Flugverbindungen in die Vereinigten Arabischen
Emirate gesonderte Kontrollen geben. Bisher waren auf dem Frankfurter Flughafen
lediglich Passagiere auf Flügen und bei Fluggesellschaften aus den USA und
Großbritannien doppelt kontrolliert worden.
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hatte bereits am Mittwoch angekündigt,
die Gefahr von Anschlägen in Deutschland könne sich je nach Verlauf des Krieges
erhöhen. Er warnte vor so genannten Spontantätern aus dem Bereich des
extremistischen fundamentalistischen Islamismus.
AusländerInnen aus "Problemstaaten" werden in Bayern
nach US-Vorbild gecheckt. Wer nicht antwortet, fliegt raus.
In Bayern müssen sich seit September letzten
Jahres alle Personen aus so genannten Problemstaaten einer
Befragung unterziehen, die der "Klärung von Sicherheitsbedenken"
dienen soll. Der Test ist für alle vorgeschrieben, die einen
Aufenthalt beantragen oder verlängern, ohne dass ein konkreter
Verdacht vorliegen muss. Die Liste der "Problemstaaten" und der
Fragebögen selbst: geheime Verschlusssache. (Quelle: taz) Mehr unter:
In den USA gilt wieder "Code Orange".
Muslimische Asylbewerber sollen sofort verhaftet werden.
Die zweithöchste Terroralarmstufe wurde unmittelbar nach der
Kriegsankündigung von Präsident George W. Bush am Montag in
Kraft gesetzt. Aus Furcht vor Anschlägen vor und während eines
Irakkrieges will das neue US-Ministerium für Heimatschutz das
Land gegen Terroristen jedoch zusätzlich rüsten. Sein Chef Tom
Ridge rief dazu die "Operation Liberty Shield" aus. Der
"Schutzschild für die Freiheit" beinhaltet die bislang schärfsten
Sicherheitsmaßnahmen nach dem 11. September 2001.
Was als Schutz der Freiheit verkauft wird, verkehrt sich für
manche Menschen in Freiheitsberaubung. Das Sicherheitspaket
enthält eine Anordnung, nach der künftig Asylsuchende in den USA
in Gewahrsam genommen werden sollen, sofern sie aus
bestimmten muslimischen Länder einreisen, die auf einer geheimen
Liste stehen. Die als zeitlich befristet deklarierte Anordnung wurde
am Dienstag in Kraft gesetzt.
Diese Bestimmung nehme den Opfern von
Menschenrechtsverletzungen genau die Freiheit, die sie in den
USA suchten, sagt William F. Schulz, Geschäftsführer von
amnesty international USA: "Eine Operation, die Asylsuchenden
die Freiheit verweigert, ,Freiheitsschild' zu nennen, trägt Orwellsche
Züge." Scharfe Kritik äußerte auch der demokratische Senator
Edward M. Kennedy aus Massachusetts. "Programme, die
bestimmte Bevölkerungsgruppen nach Religion, Volkszugehörigkeit
oder nationaler Abstammung aussondern, sind falsch, kurzsichtig
und gaukeln nur eine Illusion von Sicherheit vor."
Auf der geheimen Liste stehen nach Informationen der Los Angeles
Times 33 Nationen, darunter der Irak, die Palästinensergebiete
Gaza-Streifen und Westjordanland sowie fast alle überwiegend
muslimischen Länder. Asylsuchende aus diesen Ländern können
ab sofort so lange festgehalten werden, bis ihr Fall geklärt ist. Zur
Begründung sagte Ridge, er wolle sichergehen, dass der Irak keine
als Asylbewerber getarnten Spione ins Land schleust, die
Terroranschläge begehen könnten. Ursprünglich hatte die
Einwanderungsbehörde mitgeteilt, die neue Anweisung gelte nur für
Asylsuchende mit gefälschten Visa. Doch das
Heimatschutzministerium bestätigte daraufhin, dass alle
Flüchtlinge sofort inhaftiert werden sollten. (Aus der "tageszeitung" vom 20.03.03)
Militärexperten bezweifeln einen schnellen Krieg
Nicht alle Militärexperten teilen die vom Weißen Haus
ausgegebene Einschätzung von einem schnellen und
»sauberen« Krieg. Nach diesem würde durch Einsatz einer
überwältigenden Militärmaschinerie der irakische Wille zum
Widerstand bereits in wenigen Tagen gebrochen werden, die
US-Armee zöge siegreich und von der einheimischen
Bevölkerung umjubelt in Bagdad ein.
Professor Immanuel Wallerstein, der Strategie an der
renommierten amerikanischen Yale Universität lehrt, räumt
dem Wunschszenario der Bush-Regierung lediglich eine
Chance von zwanzig zu eins ein. Wallerstein gesteht einem
zweiten Szenario größte Wahrscheinlichkeit zu, nach dem die
USA erst nach einem langen und aufreibenden Krieg siegen
würden. Diese Variante wäre begleitet von massiven Verlusten
an Menschenleben auf beiden Seiten und der vollkommenen
Zerstörung des Irak. In ihrer Folge würde eine weit über die
Grenzen des Irak hinweg destabilisierte Region entstehen.
STRATFOR, der private US-Nachrichtendienst für
Großunternehmen, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Auch
in seinen Einschätzungen heißt es, daß eine amerikanische
Invasion »in aller Wahrscheinlichkeit viele Iraker dazu
veranlaßt, sich um Hussein zu scharen, was statt einer
einfachen Lösung einen großen schmutzigen Krieg verspricht,
in dem die USA mit ihrer ganzen Macht auf einer Seite und
Millionen von Irakern auf der anderen Seite stehen«.
Die Militärbewegungen der Iraker deuten derzeit darauf hin,
daß die irakische Armee das gegen eine Luftüberlegenheit nur
schwer zu verteidigende flache und meist baumlose Land
zwischen der kuwaitischen Grenze und Bagdad weitgehend
kampflos den vormarschierenden US-Truppen überlassen
könnte. Die kampfstärksten Kräfte würden demnach auf die
Verteidigung der großen Städte konzentriert. Dort könnte – so
warnte jetzt ein US-Militärexperte – auf die US-Soldaten eine
ähnlich blutige Lektion warten, wie sie den Russen bei ihrer
Eroberung der tschetschenischen Hauptstadt Grosny zuteil
wurde. (Quelle: jw 20.03.03)
US-Armee startet Großoffensive in Afghanistan
Do.19.03.03 - Die US-Armee hat im Süden Afghanistans eine
Großoffensive gegen mutmaßliche Extremisten gestartet.
Kurz nach Tagesanbruch begannen Truppen und
Kampfflugzeuge in der Grenzregion zu Pakistan mit ihren
Angriffen, wie das Militärkommando auf dem
US-Luftwaffenstützpunkt Bagram mitteilte. Die Operation
"Tapferer Schlag" laufe östlich von Kandahar. (Quelle: afp)
Menschenrechtslage in Tschetschenien spitzt sich offenbar zu
Do.19.03.03 - In Tschetschenien verschwinden nach einem Bericht der
"Frankfurter Rundschau" immer häufiger Menschen. Nach dem Geiseldrama im
Moskauer Musical-Theater "Nordost" im Oktober vergangenen Jahres sei die Zahl
der Vermissten deutlich gestiegen, berichtete die Zeitung am Dienstag unter Bezug
auf gemeinsame Recherchen mit der "Süddeutsche Zeitung".
Allein im tschetschenischen Bezirk Schali seien seit
Dezember 2002 mindestens 48 Menschen entführt
worden, berichtetet das Blatt unter Berufung auf einen
hohen Polizeioffizier. Acht davon seien ermordet
aufgefunden worden, hieß es. Von den übrigen fehle
jede Spur. Keiner der 48 sei ein Rebell gewesen.
Außerdem ermordeten Spezialeinheiten der russischen Polizei
und Greiftrupps des Moskauer Innenministeriums "straflos Zivilisten", zitierte das Blatt den Offizier weiter. Eine
solche Gesetzlosigkeit habe es in Tschetschenien selbst in den schlimmsten Jahren unter der Rebellenregierung
nicht gegeben. Die Angaben des Mannes deckten sich mit Erkenntnissen des Europarats und der
Menschenrechtsorganisation Memorial, hieß es.
Dem Blatt zufolge berichtete der Leiter der Vermisstenabteilung der tschetschenischen Verwaltung, Scheich Achmed
Abdurachmanow, von mehr als 40 Massengräbern. Memorial zufolge benutzen die russischen Todesschwadronen
Sprengstoff oder trennen Köpfe ab, um die Identifizierung der Opfer zu erschweren oder unmöglich zu machen, hieß
es.
Unterdessen haben 60 prominente russische Kulturschaffende öffentlich die Aufnahme von Verhandlungen zur
Beendigung des Tschetschenien-Konflikts gefordert. In dem unter anderen von Schachgroßmeister Garry Kasparow,
Filmregisseur Piotr Todorowsky und dem Schriftsteller Wladimir Woinowich unterzeichneten Appell heißt es, der Tod
tausender russischer Soldaten und zehntausender Zivilisten könne weder mit übergeordneten Staatsinteressen noch
mit der Bedrohung durch den weltweiten Terrorismus gerechtfertigt werden. (Quelle: ap)
Atomenergie soll für über 65 Millionen Tote verantwortlich sein
Do.19.03.03 - Eine neue Studie der Europäischen Kommission für Strahlenrisiken (ECRR)
kommt zu dem Schluss, dass die gegenwärtig zu beobachtende Krebsepidemie
eine Folge der Atombombentests in den Jahren 1959 bis 1963 ist, die die globale
Atmosphäre mit radioaktivem Fallout verpesteten. Die ECRR geht davon aus, dass die Abgabe
von Radioisotopen in die Umwelt im Rahmen ziviler Atomkraftnutzung in den letzten
Jahren bald für einen weiteren Anstieg von Krebs und anderen Krankheiten sorgen wird.
Allein zwischen 1945 und 1989 sollen laut ECRR 61,7 Millionen Menschen aufgrund radioaktiver
Einflüsse gestorben sein. (Quelle: telepolis) Mehr unter:
+++ Mi.19.03.03 / Do.20.03.03, 6:00:
+++ E I L M E L D U N G +++ Do.19.03.03 - 6:00 +++ Krieg gegen Irak hat begonnen +++
Knapp zwei Stunden nach Ablauf des Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein hat die US-Armee mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Informationen des Nachrichtensenders CNN wurden
Einrichtungen der irakischen Führung mit etwa 40 Raketen beschossen. Ferner seien Tarnkappenbomber eingesetzt
worden. +++ Bush erklärte in einer Fernsehansprache, die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden.
Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion.
Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre
Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen.
In der Golfregion haben die USA und Großbritannien rund 280.000 Mann zusammengezogen.
Die Bundesregierung appellierte an die Kriegsparteien im Irak, auf den Einsatz von Massenvernichtungswaffen zu
verzichten. Im Laufe des Tages will Bundeskanzler Schröder mit dem sogenannten Sicherheitskabinett in Berlin die Lage am Golf
erörtern und sich im Fernsehen zu dem Konflikt äußern. - In Brüssel wollen die NATO-Gremien über den Kriegsausbruch
beraten.
Aktionstermine der Friedensbewegung unter:
Link-Auswahl zum Thema Irak-Konflikt:
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