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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Sa.22.03.03, --:-- +++ E I L M E L D U N G +++ Sa.22.03.03 - 20:00 Uhr +++
Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Die US-Streitkräfte haben die Angriffe
auf die irakische Hauptstadt mit unverminderter Härte fortgesetzt. Nachdem bereits
den ganzen Tag über geschossen wurde, begann nach kurzer Pause am Abend
eine neue Angriffswelle. Es waren wieder zahlreiche Einschläge und Explosionen zu
hören. Angaben über Opfer, Schäden und Ziele liegen noch nicht vor. +++
Die irakische Armee hatte am Nachmittag damit
begonnen, Öl in Gräben rund um Bagdad anzuzünden. Die schwarzen Rauchwolken
sind als Verteidigung gegen die Luftangriffe gedacht. +++
Die alliierten Streitkräfte haben nach eigenen
Angaben bisher keine Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt +++ (Quellen: dpa, br)
+++ Sa.22.03.03, 14:00
Massive Luftoffensive gegen Irak hat begonnen
Sa.22.03.03 - Die USA und Großbritannien haben den erwarteten groß angelegten
Luftkrieg gegen Irak eingeleitet.
Raketen trafen am Freitagabend einen Palastkomplex des irakischen Präsidenten Saddam
Hussein in Bagdad am Ufer des Tigris und weitere Regierungsgebäude. "Die Erde
bebt in Bagdad", sagte Reuters-Reporter Khaled Oweis, der von der anderen Seite des
Flusses aus die Lage beobachtete. Auch in den nordirakischen Städten Mosul und Kirkuk gab es
Explosionen.
Riesige Rauchsäulen stiegen über Bagdad auf. Der getroffene Präsidentenpalast
stand in Flammen. Die Angriffe richteten sich offenbar gegen die Republikanischen
Garden - eine Eliteeinheit der irakischen Armee - und andere Symbole der Herrschaft
Saddams, berichtete Reuters-Korrespondentin Samia Nakhoul.
Zwei Stunden nach dem Angriff auf das Zentrum Bagdads wurde die Stadt am späten
Abend von einer zweiten Angriffswelle getroffen. Es seien mindestens sechs Raketen
oder Bomben im Osten der Stadt eingeschlagen, sagte Reuters-Reporter Nadim Ladki.
Tief fliegende Flugzeuge seien zu hören gewesen. Die US-Marine teilte mit, von
US-Kriegsschiffen seien am Freitag rund 320 Marschflugkörper vom Typ "Tomahawk"
auf Ziele in der Umgebung von Bagdad abgefeuert worden.
Die USA haben am Samstagmorgen mit weiteren Angriffswellen ihre massive
Luftoffensive gegen Irak fortgesetzt.
Reuters-Korrespondenten berichteten von Luftangriffen in
den Außenbezirken von Bagdad sowie im Osten der
irakischen Hauptstadt. Im Morgengrauen wurde das
Zentrum der Stadt von mehreren starken Explosionen
erschüttert. Auch in Mosul und Kirkuk im Norden des
Landes gab es Detonationen, die auf neue Angriffe hindeuteten.
Noch fehlen verlässliche Informationen über die
Zahl der Opfer unter der irakischen Bevölkerung.
. US-Generalstabschef Richard Myers hatte am Freitag angekündigt, in
den kommenden 24 Stunden würden noch mehrere hundert militärische Ziele
angegriffen. Im Süden setzten die britischen und US-Truppen ihre Bodenoffensive
fort, bei der bislang zwei US-Marineinfanteristen getötet wurden. Den US-Einheiten
stellte sich angeblich der Kommandeur einer irakischen Division.
Die US-Marine teilte mit, von US-Kriegsschiffen seien am Freitag rund 320 Marschflugkörper
vom Typ "Tomahawk" auf Ziele in der Umgebung von Bagdad abgefeuert worden.
US-Verteidigungskreise hatten im Vorfeld des Krieges eine als "Shock and Awe" (etwa: Angst und Schrecken)
bezeichnete Großoffensive aus der Luft angekündigt. Dabei könnten bis zu 3000 satellitengesteuerte Bomben
aus der Luft und Marschflugkörper von See abgefeuert werden, hieß es.
Im Süden Iraks besetzten die von den USA geführten Truppen nach Militärangaben
wichtige Anlagen der Ölindustrie, britische Truppen rückten zur Hafenstadt Basra vor. Nach britischen Angaben
brannten im Südirak sieben Ölfelder. Irak bestritt jedoch, Ölfelder in Brand gesetzt zu haben. Einheiten der US-Marine
verhinderten nach einem Bericht des US-Senders Fox die Sprengung zweier Öl-Verladestationen vor der irakischen
Südküste und damit eine Umweltkatastrophe. Die irakische Mannschaft habe die Terminals bereits mit Sprengsätze
versehen gehabt, hieß es.
Nach Angaben des britischen Verteidigungsministers Geoff Hoon wurde die Halbinsel Faw im Südosten Iraks besetzt.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, US-Einheiten hätten die südlichen Hafenstadt Umm Kasr
eingenommen. Die irakische Führung wies die Berichte als falsch zurück.
Ein Sprecher der britischen Truppen sagte am Freitag, die Soldaten könnten in drei bis vier Tagen Bagdad erreichen.
Der britische Premierminister Tony Blair warnte jedoch vor Hoffnungen auf einen allzu raschen Sieg. "Ich möchte aber
darauf hinweisen, dass unsere Streitkräfte auf Widerstand treffen werden, und dass wir mit unserem Feldzug natürlich
nicht alle Ziele über Nacht erreichen werden." Auch die US-Regierung erklärte, der Krieg könne lang und gefährlich
werden.
Rumsfeld sagte, die irakische Regierung beginne, die Kontrolle über das Land zu verlieren. "Ihre Möglichkeiten
schwinden zu verfolgen, was auf dem Schlachtfeld passiert, mit ihren Streitkräften zu kommunizieren, und das Land
zu kontrollieren", fügte der Minister hinzu.
Aus US-Verteidigungskreisen verlautete, am Freitag habe sich der Kommandeur der 51. Division der irakischen Armee
den US-Truppen in Südirak gestellt. Die "New York Times" hatte zuvor berichtet, neben dem Kommandeur habe sich
auch sein Stellvertreter ergeben. Ihre Division sei buchstäblich "weggeschmolzen", weil die meisten der Soldaten
desertiert seien. Die Zahl der desertierten Soldaten wurde zunächst nicht bekannt. (Quelle: rtr)
Wall Street deutlich stärker
Sa.22.03.03 - In Erwartung eines schnellen Endes des Golfkriegs hat der New
Yorker Aktienmarkt am Freitag deutlich fester geschlossen. Der Beginn der
Großoffensive gegen Irak am Abend stärkte nach Ansicht von Analysten die
Zuversicht der Investoren, dass die Militäroffensive ihr Ziel schnell erreichen könne.
Es war der größte Wochenanstieg seit rund zwei Jahrzehnten. Der
Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte stieg am Freitag um 235,02 Punkte oder 2,8
Prozent auf 8.521,62. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte um 18,40
Punkte oder 1,3 Prozent auf 1.421,17 Zähler zu. Mit Gewinn gehandelte Aktien
überwogen mit Verlust gehandelte im Verhältnis von fünf zu zwei. (Quelle: ap)
Erste Flüchtlingswelle aus dem Irak
Sa.22.03.03 - Die sich steigernden Kampfhandlungen im Irak
haben am Freitag eine erste Flüchtlingswelle ausgelöst. In
Richtung Jordanien gibt es seit Freitagmorgen einen
"anhaltenden Strom" von Ausreisenden besonders von
sudanesischen, ägyptischen oder somalischen
Staatsangehörigen, die im Irak gearbeitet haben. Bisher seien
etwa 500 Menschen von der jordanischen Grenze in Lager
gebracht worden, sagte Niurka Pineiro von der Organisation für
Migration (IOM).
Dagegen kann der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks
UNHCR, Kris Janowski, noch keine größeren Flüchtlingsbewegungen melden. Vor
allem gebe es keine Berichte, wie es im Inneren des Irak aussehe und ob sich
Menschen dort schon auf der Flucht befänden.
Janowski widersprach zudem Informationen des Kinderhilfswerks UNICEF, nach
denen rund 3000 Menschen am Morgen die Grenzen zum Iran überquert hätten.
UNICEF-Sprecherin Wivina Belmonte hatte sich in Genf auf Angaben der iranischen
Regierung bezogen. Janowski sagte, es handele sich dabei um eine Gruppe von
Menschen, die sich noch im Irak aufhielten, aber bisher keine Absicht zeigten, in
den Iran zu gehen. "Das haben wir überprüft, und es stimmt wohl."
Janowski verwies darauf, dass es auch im Golfkrieg 1991 während der
Kampfhandlungen kaum große Flüchtlingsbewegungen gegeben habe. Dies sei erst
später losgegangen. Auf die Frage, ob die Grenzen der sechs Nachbarstaaten für
Flüchtlinge offen seien, sagte Janowski: "Wir haben bisher keine Neins gehört." Es
sei aber wenig wahrscheinlich, dass es Fluchtmöglichkeiten etwa nach Kuwait oder
(Quelle: dpa)
Internet-Plattform ruft zur Spende für irakische Flüchtlinge auf
Sa.22.03.03 - HelpDirect.org,
nach eigenen Angaben Europas größte Spendenplattform im Internet, ruft anlässlich des Irak-Kriegs
zur Spende für die notleidende Bevölkerung auf. Partnerorganisationen für den Spendenaufruf sind unter anderem Ärzte der
Welt, Care, Help, Johanniter, World Vision, Malteser, Deutsche Welthungerhilfe, Humedica und die Kriegskindernothilfe.
Im Irak würden bis zu 2 Millionen Flüchtlinge erwartet, die aus den umkämpften Großstädten flüchten, teilt HelpDirect.org mit.
Weitere 600.000 bis 1,4 Millionen Menschen würden laut UN-Flüchtlingswerk an den Grenzen des Irak zu versorgen sein.
Nur ein Teil dieser Hilfskapazitäten seien bisher tatsächlich in der Region vorhanden. Amnesty International teilt mit, einem
vertraulichen UN-Szenario zufolge seien 1,3 Millionen irakische Kinder unter fünf Jahren vom Tod durch Unterernährung
bedroht. Insgesamt schätze die UN, dass der Krieg über fünf Millionen Menschen in Hunger, Unterernährung und Epidemien
stürzen wird. (Quelle: heise)
Erneut weltweit Proteste gegen Irak-Krieg
Sa.22.03.03 - Hunderttausende von Menschen sind am Freitag erneut weltweit gegen
den Krieg im Irak auf die Straße gegangen. Bei Ausschreitungen am Rande einer
Demonstration in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa kamen drei Menschen ums Leben.
Auch in mehreren anderen arabischen Staaten sowie in der Türkei kam es
zu gewaltsamen Protesten.
In Athen, Rom, Brüssel, New York und Toronto fanden
Friedensmärsche statt. Auch aus Australien, Vietnam, China und Indonesien
wurden Proteste gemeldet. Für Samstag sind in Paris und London weitere
Großkundgebungen geplant. Auch in Deutschland hielten die Proteste gegen den
Militärschlag am zweiten Tag des Krieges an.
Bei den Toten in Sanaa handelte es sich nach Angaben von Augenzeugen und
medizinischem Personal um zwei Jugendliche sowie einen Polizisten. Dutzende
Menschen seien verletzt worden. Mehr als 10 000 Jemeniten hatten in der Nähe der
US-Vertretung demonstriert. Mit Wasserwerfern, Tränengas und Warnschüssen
verhinderte die Polizei in letzter Minute einen Sturm auf das Botschaftsgelände. Die
Demonstranten hatten zuvor einige Sicherheitsbarrieren durchbrochen. Aufgebrachte
Jemeniten bewarfen die Polizei mit Steinen und verbrannten amerikanische,
britische und israelische Fahnen.
In Kairo kam es nach dem Freitagsgebet ebenfalls zu Zusammenstößen zwischen
Kriegsgegnern und der Polizei. Die Ausschreitungen begannen, als rund 10 000 Gläubige nach
dem Freitagsgebet Slogans gegen die USA und den Irak-Krieg riefen und die Polizei sie am
Verlassen der Al- Azhar- Moschee hinderte. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Schlagstöcke
ein. 20 Personen wurden festgenommen. Es gab 40 Verletzte.
In Beirut zogen 500 Libanesen und Palästinenser in die Nähe
der US-Botschaft. "Tod für Amerika" riefen sie. Sie versuchten,
die Absperrungen zu durchbrechen. Die Polizei setzte Tränengas ein.
Demonstriert wurde auch im Südlibanon.
Zu Palästinenser-Protesten kam es auch in einem Flüchtlingslager in Syrien sowie im Gazastreifen und im
Westjordanland. Der Großmufti von Syrien, Ahmed Kiftaro, warnte, der Krieg werde zu noch mehr Hass und Gewalt
führen. In Pakistan protestierten Tausende von Anhänger des islamistischen Parteienbündnisses MMA im ganzen
Land gegen den Irak-Krieg.
In Istanbul gab es nach dem Freitagsgebet ebenfalls Ausschreitungen. Wie die Agentur Anadolu meldete, ging die
Polizei mit Tränengas und Schlagstöcken gegen gewalttätige Demonstranten vor.
Die größte Kundgebung wurde aus Griechenland gemeldet, wo mehr als eine halbe Million Menschen auf die Straße
gingen. Allein in Athen waren es nach Polizeischätzungen 300 000 Menschen. Die nationalen Medien sprachen
übereinstimmend von den größten Demonstrationen der vergangenen 30 Jahre. An der größten italienischen
Kundgebung in Rom nahmen 200 000 Menschen teil. Proteste wurden auch aus anderen Städten des Landes
gemeldet.
Mit Rufen wie "Bush Mörder" oder "Bush raus aus dem Irak, er gehört Dir nicht" demonstrierten mehrere tausend
Kriegsgegner vor der schwer bewachten US-Botschaft in Paris. Einer der zumeist jugendlichen Demonstranten warf
nach Angaben der Polizei eine Rauchbombe auf einen vorbeifahrenden Ausflugsbus - zum Schrecken der darin
sitzenden amerikanischen Touristen. In Lyon protestierten bis zu 5000 Gewerkschafter. In Brüssel zogen nach
Angaben der Veranstalter mehr als 30 000 Menschen durch die Stadt, die Polizei sprach von 17 000 Teilnehmern.
In Stuttgart löste die Polizei eine Blockade von 50 Kriegsgegnern vor der Zufahrt zur Kommandozentrale der
US-Streitkräfte in Europa auf. In Frankfurt am Main gingen rund 7000 Menschen auf die Straße, in Halle
demonstrierten mehrere tausend Schüler.
Kriegsgegner und Polizei haben sich am Freitagabend in der
spanischen Hauptstadt Madrid eine Straßenschlacht geliefert. Die Polizei schoss
mit Gummigeschossen auf die Menge. Die Demonstranten setzten Abfalleimer in
Brand und warfen Steine auf die Beamten. Nach einem Bericht der spanischen
Nachrichtenagentur Efe wurde eine Frau von einem Gummigeschoss am Bein
verletzt. Die Straßenkämpfe dauerten mehrere Stunden.
Begonnen hatten die Auseinandersetzungen mit einer Demonstration mehrerer
tausend Menschen, die vor der US-Botschaft gegen den Golfkrieg der USA und
gegen die spanische Unterstützung für Washington protestierten.
Auch in Barcelona gab es eine Antikriegs-Demonstration, an der sich etwa 5.000
Menschen beteiligten. Die Menge warf Eier und Flaschen auf die Polizisten.
In New York protestierten am Donnerstagabend (Ortszeit) Tausende bei strömenden Regen am Times Square. Die
"New York Post" sprach am Freitag von 5000 Teilnehmern. Nach Polizeiangaben wurden elf Demonstranten
festgenommen. Auch in Kanada versammelten sich tausende von Menschen zu Friedensmärschen. Proteste vor
US-Botschaften gab es auch in Hanoi in Vietnam, wo sich 200 Menschen versammelten. (Quelle: dpa)
Proteste gegen Golfkrieg in Nord- und Südamerika
Sa.22.03.03 - Die weltweiten Proteste gegen den US-Angriff auf Irak sind am
Freitagabend auch auf dem amerikanischen Kontinent fortgesetzt worden. In Sao
Paulo nahmen mehr als 2.000 Menschen an einem Demonstrationszug teil, auch in
den USA selbst bekundeten Kriegsgegner ihrem Unmut über die Militäraktion am
Golf.
Die Demonstranten in Sao Paulo zogen vor das US-Konsulat in der brasilianischen Metropole,
verbrannten eine amerikanische Flagge und warfen mit rosaroter Farbe gefüllte Luftballons auf das
Gelände. In Sprechchören wurde US-Präsident George W. Bush scharf attackiert und zum Teil auch mit Adolf
Hitler verglichen. Kleinere Demonstrationen fanden auch in Rio de Janeiro und weiteren brasilianischen
Städten statt.
In San Francisco kündigten Kriegsgegner einen zweiten Tag der Blockade des
öffentlichen Lebens an. Schon am Morgen (Ortszeit) wurden etwa 100
Demonstranten festgenommen, die das Finanzzentrum der kalifornischen Metropole
lahm legen wollten. Bei Massenprotesten am Donnerstagabend hatte es rund 1.400
Festnahmen gegeben.
In der Nähe des Weißen Hauses in Washington versammelten sich rund 100 Demonstranten, die sich mit roter Farbe
als Symbol für das Blutvergießen im Krieg beschmiert hatten. In Baltimore legten sich etwa 70 Menschen vor dem
Bundesgerichtshof auf die Straße, um auf die zu erwartenden Kriegstoten hinzuweisen. Protestaktionen wurden auch
in Chicago und Minneapolis eingeleitet. Überall schritt die Polizei ein und nahm zahlreiche Aktivisten in Gewahrsam.
(Quelle: ap)
Anti-Kriegsproteste in ganz Italien
Sa.22.03.03 - Zu massiven Protesten kam es im ganzen Land
sofort nach Bekanntwerden der Nachricht vom Kriegsbeginn.
Schon am Donnerstagmorgen wurden zahlreiche Schulen und Betriebe
bestreikt, fanden überall spontane Demonstrationen statt. In Mailand
folgten etwa 150.000 Menschen dem Aufruf der Gewerkschaften und der
Friedensbewegung. Ihr Demonstrationszug vereinte sich auf dem
Domplatz mit zehntausenden Schülern.
Ähnliche Zahlen wurden aus Turin gemeldet, wo die Arbeiter der
Fiat-Werke sofort in den Ausstand getreten waren. Protestierer
besetzten den Bahnhof und brachten den Zugverkehr zum Erliegen.
Am Abend dann trafen sich laut Polizei über 100.000 Menschen zu
einem Fackelzug. In Genua brach der Verkehr zusammen, da
schon vormittags zehntausende Menschen im Zentrum
zusammenströmten. (Quelle: taz) Mehr unter:
«Ungerecht und illegal» - Kritische Stimmen von Prominenten und Friedensaktivisten
aus aller Welt zum Irak-Krieg:
Pressestimmen zum Ausbruch des Irak-Krieges:
WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU:
STUTTGARTER ZEITUNG:
BADISCHE ZEITUNG:
FRANKFURTER RUNDSCHAU
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
DIE WELT
WESTFALEN-BLATT
AACHENER ZEITUNG
SCHWARZWÄLDER BOTEN
Auslandspresse
POLITIKA (Belgrad)
THIS DAY (Lagos, Nigeria)
NEW YORK TIMES
BUENOS AIRES HERALD
HÜRRIYET (Türkei)
UPSALA NYA TIDNING (Schweden)
DIE PRESSE (Wien)
HOUSTON CHRONICLE (Texas, USA)
JERUSALEM POST
STRAITS TIMES (Singapur)
THE JORDAN TIMES (Ammam, Jordanien)
GULF NEWS (Dubai, Vereinigte Arabische Emirate)
US-Kongress fast geschlossen hinter Bush
Sa.22.03.03 - Nach dem Senat hat sich am Freitag auch
das Repräsentantenhaus mit einer Resolution hinter
US-Präsident George W. Bush gestellt. Mit 392 zu 11 Stimmen
drückten die Abgeordneten Bush als Oberkommandierendem
ihre uneingeschränkte Unterstützung aus und lobten dessen
"starke Führung und das entschiedene Handeln". Am
Donnerstag hatte sich bereits der Senat geschlossen hinter
Bush gestellt.
Den Resolutionen war eine teils turbulente Debatte
vorausgegangen. Auch Demokraten, die Bush zunächst
Versagen bei dem diplomatischen Bemühen um internationale Unterstützung für
den Krieg vorgeworfen hatten, stimmten zu. "Wir mögen unterschiedliche
Auffassungen darüber gehabt haben, wie es so weit kommen konnte, aber der
Präsident ist der Oberkommandierende, und wir stehen einig hinter ihm", sagte
Minderheitenführer Tom Daschle. (Quelle: dpa)
Dokumentation: Acht-Punkte-Plan zum Irak-Krieg
Sa.22.03.03 - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat am Freitag einen
Acht-Punkte-Plan zum Irak-Krieg vorgelegt. Ziel sei es, das amerikanische Volk
zu verteidigen, die irakischen Massenvernichtungswaffen zu vernichten und
das irakische Volk zu befreien. Die von Rumsfeld aufgezählten «spezifischen Ziele» (in einer
dpa-Übersetzung):
«1. Das Regime von Saddam Hussein durch den Einsatz
von Militärmacht mit einer Stärke und von einem Umfang auszuschalten, die den
Irakern klar machen, dass Saddam und sein Regime am Ende sind.
2. Die irakischen Massenvernichtungswaffen, deren Trägersysteme und
Produktionsstätten zu finden, zu isolieren und zu zerstören.
3. Terroristen, die im Irak Zuflucht gefunden haben, zu suchen, gefangen zu nehmen
und zu vertreiben.
4. Informationen über Terrornetzwerke im Irak und anderswo zu sammeln.
5. Informationen über das globale Netzwerk illegaler Aktivitäten mit
Massenvernichtungswaffen zu sammeln.
6. Die Sanktionen zu beenden und umgehend humanitäre Hilfe, Nahrungs- und
Arzneimittel an die Vertriebenen und die irakische Bevölkerung zu liefern.
7. Die irakischen Ölfelder und Naturressourcen zu sichern, die dem Volk gehören, und die das Volk braucht, um das
Land nach Jahrzehnten der Vernachlässigung durch das irakische Regime wieder aufzubauen.
8. Den Irakern zu helfen, die Bedingungen für einen raschen Übergang zu einer repräsentativen Regierung zu schaffen,
die die Nachbarn nicht bedroht und die territoriale Integrität des Landes sicherstellt.»
USA: Irak-Krieg könnte sich hinziehen
Sa.22.03.03 - Trotz des begonnenen Vormarsches in Irak gehen die
USA nach eigenen Angaben weiterhin davon aus, dass sich der Krieg
hinziehen könnte.
"Es ist wichtig für das amerikanische Volk, sich zu
vergegenwärtigen, dass dies nach wie vor ein langer,
langwieriger und gefährlicher Einsatz sein kann", sagte
US-Präsidialamtssprecher Ari Fleischer am Freitag in
Washington. Es handele sich derzeit um die Eröffnungsphase des Krieges. "Egal
wie die Leute es sehen, dies ist echt, dies ist ein Krieg, dies ist ist gefährlich, es
liegen noch viele Gefahren vor uns", sagte Fleischer. (Quelle: rtr)
Zuerst bekam sie nur Hautausschlag. Später Polypen im Magen.
Dann Nierensteine. Da war US-Exfeldwebel Erin Cole Mitte zwanzig. Und ein Jahr
zurück aus der Wüste zwischen Saudi-Arabien und dem Irak.
Anfangs war sie nur irritiert. "Ich war doch jung und bislang
kerngesund." Einen Zusammenhang mit dem Krieg sah sie nicht.
Erst als sie Ende 1992 einen Brief vom Pentagon mit der
Aufforderung erhielt, sich registrieren und untersuchen zu lassen,
wurde sie hellhörig. Freie medizinische Behandlung in
Militärhospitälern wurde ihr angeboten für alle Symptome, die Ärzte
bis zum Zeitpunkt dieser Untersuchung fanden. Erst später, als
sich die Puzzlesteine zusammenfügten, wurde auch ihr
bescheinigt, an der mysteriösen Krankheit zu leiden, die mangels
stichhaltiger Erklärungen "Golfkriegssyndrom" genannt wurde. (...)
"Wie unser Militär mit den betroffenen Menschen
umgeht, das wäre für zivile Unternehmen nie akzeptabel."
Entscheidende Informationen seien den Soldaten nach 1991 lange
verheimlicht worden. "Das Pentagon spielte mit Menschenleben."
Besonders unfair sei, dass die Beweislast dafür, ob man am
"Golfkriegssyndrom" leidet, nun bei den Betroffenen liegt.
Dabei könne der Beweis kaum erdrückender sein. Rund 145.000
von insgesamt 500.000 Soldaten, die 1991 an der Operation
"Wüstensturm" beteiligt waren, ließen sich mit Symptomen wie
Gelenkschmerzen, Infektionen, Hautausschlägen und chronischer
Müdigkeit registrieren. Das Pentagon habe Millionen Dollar in die
Erforschung der Ursachen gesteckt, ohne jedoch zu klaren
Ergebnissen zu kommen. Wie viele ehemalige Soldaten glaubt
auch Cole, dass eine Kombination verschiedener Faktoren das
Syndrom auslöste: freigesetzte Gifte aus irakischen Waffenlagern,
die Impfmischung gegen Milzbrand und andere biochemische
Waffen sowie Munition mit abgereichertem Uran, die von
US-Streitkräften eingesetzt wurde. "Was auch immer es war, es
hat seine Ursachen im Krieg. Vor der Stationierung sind wir alle
gesund gewesen, und ein Drittel kehrte krank heim." (Quelle: taz)
Rumsfeld warnt Türkei vor Militärintervention in Nordirak
Sa.22.03.03 - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat Ankara vor dem Einmarsch
türkischer Truppen in Nordirak gewarnt. Die US-Regierung habe die türkische
Regierung und Armee darüber informiert, dass es "nicht hilfreich" sei, wenn
türkische Soldaten in großer Zahl in Nordirak einmarschierten, sagte Rumsfeld am
Freitag vor Journalisten im Pentagon. "Wir haben Spezialkräfte und -einheiten, die
mit kurdischen Kämpfern in Nordirak in Verbindung stehen", betonte Rumsfeld.
(Quelle: afp)
Türkei marschiert trotz US-Widerstands in Irak ein
Sa.22.03.03 - Zwei Tage nach Beginn des Irak-Kriegs sind trotz des Widerstands
der USA offenbar erste türkische Armee-Einheiten in Nordirak einmarschiert. Rund
tausend Soldaten seien in der Nacht zum Samstag auf irakisches Territorium vorgedrungen,
berichtete der Nachrichtensender CNN-Türk. Wenige Stunden zuvor hatte Ankara
auf massiven Druck der USA seinen Luftraum für US-Kampfflugzeuge freigegeben. Als
Reaktion auf den türkischen Einmarsch will die Bundesregierung einem Zeitungsbericht zufolge
möglicherweise die deutschen Soldaten aus den AWACS-Aufklärungsflugzeugen in
der Türkei zurückziehen.
"Alle Probleme mit den USA sind gelöst. Türkische Soldaten werden nach Nordirak
gehen", sagte der türkische Außenminister Abdullah Gül. Washington hatte bis
zuletzt einen Vormarsch türkischer Truppen in den von Kurden bewohnten Nordirak
abgelehnt. Ankara hingegen verlangte grünes Licht im Gegenzug für die am
Donnerstag den USA gewährten Überflugrechte. Offiziell will die Türkei eine
Massenflucht der Kurden auf ihr Territorium vermeiden. Vor allem aber will Ankara die
Gründung eines unabhängigen Kurdenstaats in Nordirak in Folge des Irak-Krieges verhindern,
da dies kurdische Unabängigkeitsbestrebungen im Südwesten der Türkei
wiederbeleben könnte. Außerdem will Ankara verhindern, dass Kämpfer der kurdischen
Arbeiterpartei PKK die Wirren des Krieges zu Vorstößen in die Türkei ausnutzen.
Die türkischen Soldaten seien von Cukurca aus im äußersten
Südosten der Türkei nach Irak einmarschiert, berichtete
CNN-Türk. Ihre Aufgabe sei es, die Ankunft weiterer Einheiten
vorzubereiten, die gegen die Kämpfer der kurdischen
Arbeiterpartei PKK vorgehen sollten. Der türkische Generalstab
wollte die Angaben auf Anfrage nicht bestätigen. Die Türkei hat in Nordirak, der sich seit 1991 der Kontrolle Bagdads
entzieht, bereits mehrere tausend Soldaten stationiert. Die türkischen Planungen für den Kriegsfall sahen den
Einmarsch zehntausender Soldaten vor.
Sobald die Türkei aktiv ins Kriegsgeschehen eingreife, solle die deutsche Beteiligung am AWACS-Einsatz im Rahmen
der NATO geprüft werden, berichtete die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf Koalitionskreise. Dann seien die
Grundlagen der ursprünglichen türkischen Anfrage möglicherweise nicht mehr gegeben. Ein Regierungssprecher hatte
sich am Freitag auf eine entsprechende Frage nicht festlegen wollen. Generalbundesanwalt Kay Nehm stellte klar,
dass die NATO ihre Hilfestellung überprüfen müsse, wenn türkische Truppen die Grenze zu Irak tatsächlich
überschreiten sollten.
Die betroffenen Bundeswehrsoldaten verlangen laut "Welt am Sonntag" eine klare Entscheidung des Bundestages zu
den AWACS-Einsätzen. Hauptmann Klaus Rennings schrieb als Vorsitzender der Truppenkameradschaft der
deutschen AWACS-Besatzung den Abgeordneten, durch die direkte Unterstellung des Verbandes unter
NATO-Kommando befänden sich "die deutschen Soldaten ohne Parlamentsbeschluss kurzfristig in einem
Kriegseinsatz, ohne dass die verfassungsmäßige Grundlage eingehalten und damit die rechtliche Absicherung
gegeben wäre." (Quelle: afp)
Vom US-Partner zum Sorgenkind: die Türkei
Sa.22.03.03 - Das künftige Vorgehen des
NATO-Partners Türkei im kurdischen Nordirak wird in Washington an höchster
Stelle und mit großem Misstrauen verfolgt. Der Sprecher des
US-Außenministeriums, Richard Boucher, warnte Ankara vor
«Eigenmächtigkeiten». Jeder Militäreinsatz müsse mit der von den USA geführten
Militärkoalition koordiniert werden. Warnende Töne kamen auch aus Brüssel. Die
Nachbarländer des Irak sollten alles vermeiden, was die Stabilität in der Region
gefährden könnte, verlautete beim EU-Gipfeltreffen.
Manövriert sich die Türkei, die ihren Aufmarsch an der irakischen Grenze mit
«Sicherheitsinteressen» begründet, gegenüber Amerika und Europa gleichermaßen
ins politische Abseits? In der türkischen Öffentlichkeit wurde aufmerksam registriert,
dass Washington die türkische Führung diesmal nicht im Voraus über den
Angriffszeitpunkt informiert hat - anders als vor dem Golfkrieg 1991. Staatspräsident, Ministerpräsident und
Außenminister hätten vom Beginn des Krieges erst aus dem Fernsehen erfahren, schrieb das Massenblatt «Sabah».
In der Irak-Politik sind die Interessen der USA und der Türkei tatsächlich nur schwer auf einen Nenner zu bringen.
«Die USA haben ihre Probleme mit der irakischen Führung, die Türkei mit der irakischen Opposition», schrieb der
«Milliyet»-Kommentator Fikret Bila. «Washington möchte Bagdad kontrollieren, Ankara den Nordirak.» (Quelle: )
Kirkuk und der Kampf ums mesopotamische Öl -
Die Türkei will verhindern, daß Kirkuk zur
Hauptstadt eines unabhängigen oder föderalen
kurdischen Staates im Nordirak wird
Das 250 Kilometer nördlich von Bagdad noch außerhalb der
kurdischen Autonomiezone in der Nähe des Zagros-Gebirges
liegende Kirkuk mit rund 900 000 Einwohnern bildet das
Zentrum der irakischen Ölindustrie. Die Ölfelder von Kirkuk
verfügen über mindestens zehn Milliarden nachgewiesene
Barrel Öl. Täglich werden bis zu einer Million Tonnen gefördert.
Das ist die Hälfte der gesamten irakischen Ausfuhrmenge. Mehr unter:
Neuer Streit um Irak-Politik der EU droht
Sa.22.03.03 - In der EU bahnt sich ein neuer Streit über den Wiederaufbau Iraks
nach dem Golfkrieg an. Trotz ernsthafter Bemühungen um einen Konsens beim
EU-Gipfel in Brüssel am Freitag prallten der britische Premierminister Tony Blair und
der französische Präsident Jacques Chirac mit ihren Vorstellungen aufeinander.
Während Blair ein UN-Mandat für eine Nachkriegsverwaltung Iraks forderte, lehnte
Chirac ein solches Mandat ab, das "die Militärintervention rechtfertigen würde".
Die Staats- und Regierungschefs verständigten sich grundsätzlich darauf, ihren
alten Streit über die Notwendigkeit eines Golfkriegs auszublenden und stattdessen
eine gemeinsame Haltung für die Zukunft zu suchen. Bundeskanzler Gerhard
Schröder sagte, nun gehe es darum, "Perspektiven zu
entwickeln". Auch Blair schlug versöhnliche Töne an und drang auf eine zentrale
Rolle der Europäischen Union beim Wiederaufbau Iraks. Chirac sagte, Europa sei
bislang an seinen Krisen immer gewachsen und habe nie Rückschritte gemacht.
Chirac lehnte aber deutlich den von Blair eingebrachten Vorschlag ab, für die
Verwaltung Iraks in der Zeit nach Saddam Husseins ein UN-Mandat einzuholen. Der
französische Präsident sagte: "Frankreich würde eine solche Resolution nicht
akzeptieren, die die Militäraktion legitimieren und den Kriegsparteien das Mandat
zur Verwaltung Iraks geben würde."
Die bestehenden alten Differenzen wurden nicht weiter verfolgt. Es sei angesichts der höchst unterschiedlichen
Positionen nicht der Versuch gemacht worden, "den einen oder den anderen zu überzeugen, das wäre objektiv auch
unmöglich gewesen, das war jedem klar", sagte Schröder. Am Vorabend hatten die EU-Chefs eine gemeinsame
Erklärung verabschiedet, die sich mit der Bewältigung der Kriegsfolgen in Irak, in der Nahost-Region und auf
internationaler Ebene beschäftigt.
Darin wird der EU eine Rolle für die Bewältigung der humanitären Folgen des Kriegs zugewiesen. Die UN soll eine
zentrale Rolle beim Wiederaufbau erhalten. Chirac gab zu verstehen, dass sein Land nicht die Rechnung für einen
Krieg bezahlen werde, den er nicht gewollt hat. "Wir haben nicht über den Wiederaufbau im ökonomischen Sinne
gesprochen", sagte er.
Auch Blair berichtete, gebe einen gemeinsamen Willen unter den EU-Staats- und Regierungschefs, dass Europa sich
in der humanitären Hilfe engagiere. Auch den Vereinten Nationen müsse eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau
zukommen. "Die internationale Gemeinschaft muss zusammenkommen, um die Scherben aufzukehren, die Saddams
Herrschaft hinterlassen hat." Blair forderte auch eine Wiederbelebung des transatlantischen Dialogs. "Europa sollte
den USA ein Freund und Partner sein und kein Rivale."
Angesichts des transatlantischen Zerwürfnisses startete der belgische Ministerpräsident Guy Verhofstadt eine neue
Initiative zur Stärkung der europäischen Verteidigungspolitik, die er an Deutschland und Frankreich richtete. Schröder
begrüßte die Initiative, betonte jedoch: «Es geht hier aber nicht darum, irgendjemanden auszuschließen.» Die Initiative
sei «offen für jeden». Über eine mögliche Integration der EU-Streitkräfte wollte Schröder nicht spekulieren. Dies werde
der Verlauf der Debatte zeigen. Der Kanzler betonte aber, dass mit einer Stärkung des europäischen Pfeilers auch die
NATO gestärkt würde. (Quelle: ap)
Chirac: Irak-Krieg verstößt gegen Völkerrecht
Sa.22.03.03 - Frankreichs Präsident Jacques Chirac hat den Irak-Krieg
als Verstoß gegen das Völkerrecht angeprangert. "Man
hat die internationale Rechtmäßigkeit verlassen", sagte er
nach dem Brüsseler EU-Gipfel an die Adresse der USA
und Großbritanniens. Bei dem EU-Spitzentreffen hatten
die Staats- und Regierungschefs angesichts schweren
Streits vor allem über die Nachkriegszeit in Irak beraten.
Im französisch-britischen Konflikt um die moralische Verantwortung für den Angriff
stellte sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hinter Chirac.
Chirac betonte die zentrale Rolle der Vereinten Nationen in dem Konflikt. Frankreich
werde dabei keine UN-Resolution akzeptieren, die nach Kriegsende den USA und
Großbritannien die Verwaltung Iraks übertragen würde, warnte er. Durch eine
derartige Entschließung solle der Militäreinsatz nachträglich gerechtfertigt werden;
dies sei der Lage "nicht angemessen".
Bereits in einer ersten Rede nach Kriegsbeginn hatte Chirac bemängelt, die
Zustimmung der UNO fehle. Eine Mehrheit der Staaten im Sicherheitsrat sei gegen den
Krieg. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi warf Frankreich hingegen vor, es
habe mit seiner Veto-Drohung die UNO ihres Einflusses und ihrer Glaubwürdigkeit
beraubt.
Schröder sagte, er wolle sich in den Streit zwischen Chirac und Blair "nicht als Schiedsrichter einmischen". Werde
aber versucht, Frankreich wegen seines Verhaltens im Sicherheitsrat "in irgendeiner Form" für das Scheitern der
diplomatischen Bemühungen und damit für den Irak-Krieg verantwortlich zu machen, sei dies "absurd".
Im Londoner Unterhaus hatte der britische Premier Tony Blair Chirac wegen seines Irak-Kurses scharf angegriffen. Er
hatte Frankreich unterstellt, den Weg für eine neue UN-Resolution verbaut zu haben, die den irakischen Staatschef
Saddam Hussein in letzter Sekunde zum Einlenken hätte bewegen können. (Quelle: afp)
Deutschland arbeitet Konzept für UN-Hilfe im Irak aus
Sa.22.03.03 - Deutschland arbeitet im Auftrag des Weltsicherheitsrates ein
Konzept aus, das die humanitäre Versorgung der irakischen Bevölkerung während
des Krieges sicherstellen soll. Das teilte der deutsche UN-Botschafter Gunter
Pleuger nach Beratungen des Sicherheitsrates mit UN-Generalsekretär Kofi Annan
am Freitag in New York mit. Laut Pleuger ist sich der Sicherheitsrat darin einig,
dass die Vorräte und Mittel aus dem "Öl-für-Lebensmittel"-Programm
genutzt werden sollten, um die Not der Iraker zu lindern.
Ein deutsches Expertenteam werde schon am Samstag beginnen, die von Annan
unterbreiteten Vorschläge und weitere Anregungen aus dem Sicherheitsrat
zusammenzufassen und auf
ihre Durchführbarkeit zu überprüfen. Das Problem sei, die Lebensmittel trotz
militärischen Geschehens an die Grenzen zum Irak zu bringen und dann landesweit
sowie unter den irakischen Flüchtlingen in Nachbarländern zu verteilen. Deshalb soll
Deutschland, das seit Jahresbeginn das Sanktionskomitee für den Irak leitet und damit für die Überprüfung des
"Öl-für-Lebensmittel"-Programmes verantwortlich ist, jetzt praktikable Lösungen anbieten.
Annan hatte dem Sicherheitsrat vorgeschlagen, das Anfang der Woche abgebrochene "Öl für
Lebensmittel"-Programm in abgewandelter Form wieder neu zu beleben. Aus diesem Programm sind UN-Angaben
zufolge Lebensmittel im Wert von 2,4 Milliarden Dollar (2,27 Milliarden Euro) umgehend verfügbar. Er wolle auch dafür
sorgen, dass Güter im Wert von 8,9 Milliarden Dollar aus bereits abgeschlossenen Verträgen in die Region geschickt
und über das gesamte Land verteilt würden, hatte Annan dem Rat schriftlich mitgeteilt.
Der amerikanische UN-Botschafter John Negroponte äußerte die Hoffnung, dass die Deutschen in Kürze einen Plan
vorlegen, der dann als Resolution verabschiedet werden kann. Er sei erfreut, dass der Sicherheitsrat wieder bereit sei
zusammenzuarbeiten. Negroponte erklärte auf Anfrage von Journalisten, seine Regierung werde sicher stellen, dass
"natürlichen Ressourcen des Irak, einschließlich der Ölquellen, vollständig in der Hand der Iraker bleiben".
Der Irak-Krieg wird für die humanitären Organisationen zu einem "logistischen Albtraum", wie Christiane Berthiaume
vom Welternährungsprogramms (WFP) am Freitag in Genf sagte. Wenn der Krieg länger als vier Wochen dauere,
werde die ganze irakische Bevölkerung auf Lebensmittelhilfe angewiesen sein. 23 Prozent der Kinder unter fünf Jahren
seien bereits jetzt unterernährt.
Diese Operation werde mehr als eine Milliarde Dollar kosten, sagte Berthiaume. Die UN-Organisationen haben bislang
erst 50 Millionen Dollar von den im Februar geforderten 123,7 Millionen Dollar erhalten.
(Quelle: dpa)
Hilfsorganisationen rufen zu Spenden auf
Spendenkonten unter:
Irakische Flüchtlinge müssen keine Abschiebung fürchten
Sa.22.03.03 - Irakische Flüchtlinge müssen vorerst keine Abschiebung aus
Deutschland befürchten. Bundesinnenminister Otto Schily bat am Freitag die
Bundesländer, einen Abschiebestopp zu erlassen. Zudem wies der SPD-Politiker
das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge an, die Asylverfahren
für Iraker auszusetzen. Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Claudia
Roth, nannte das Vorgehen Schilys ein "ganz wichtiges Signal".
Nach Schätzungen der Bundesbeauftragten für Migration, Flüchtlinge und
Integration halten sich derzeit rund 75.000 irakische Flüchtlinge in der
Bundesrepublik auf. Zwischen 60 und 70 Prozent sind Kurden. Seit 1995
stiegen die Flüchtlingszahlen mehr und mehr an, und seit
dem Jahr 2000 stellen die Iraker unter den Asylbewerbern in Deutschland die größte
Gruppe.
"Pro Asyl" hatte vor Kriegsbeginn den Umgang mit irakischen Asylbewerbern in Deutschland als unverantwortlich
kritisiert. Die Flüchtlingshilfsorganisation warf der Bundesregierung eine gezielte Strategie mit dem Ziel vor,
Deutschland als Zufluchtsland für Flüchtlinge aus der Kriegsregion so unattraktiv wie möglich zu machen.
(Quelle: ap)
Deutsche Soldaten in Kuwait verstärkt
Sa.22.03.03 - Die deutschen ABC-Abwehreinheiten in Kuwait sind
verstärkt worden. Wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam
mitteilte, flogen "gut 100" Soldaten vom Militärflughafen Köln/Wahn nach Kuwait ab. Sie sollten ohne
Zwischenstopp am Abend in Kuwait eintreffen. Bundesverteidigungsminister Peter
Struck (SPD) hatte die Verstärkung Mitte der Woche angekündigt und mit der
Notwendigkeit eines zusätzlichen Schutzes begründet, falls US-Soldaten aufgrund
des Krieges in Irak dorthin abgezogen werden sollten.
Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin hob hervor, dass die Soldaten
"aus Gründen des Selbstschutzes" verlegt worden seien. Die Männer vor Ort seien
eng eingebunden in die Arbeit der Behörden und der US-Kollegen vor Ort. Sie seien
am Donnerstag, nachdem irakische Raketen in Kuwait eingeschlagen waren,
mehrfach alarmiert worden. Zum Selbstschutz und zur Untersuchung von Gelände
seien sie zum Einsatz gekommen, um zu überprüfen, ob chemische Kampfstoffe
verwendet worden seien. Sie seien mit Schutzmasken und -kleidung ausgerüstet
gewesen. Zu keiner Zeit habe Gefahr für das Leben oder die Gesundheit der Soldaten
bestanden. Dies sei für sie ein "Routinevorgang".
Im Rahmen der US-geführten Anti-Terror-Operation "Enduring Freedom" sind derzeit etwa 85 Bundeswehrsoldaten
mit sechs Panzern vom Typ Fuchs in Kuwait stationiert. Der technisch hoch entwickelte Spürpanzer ist eine Art rollendes
Labor. Er verfügt über die Fähigkeit, atomare, biologische oder chemische Verseuchungen zu erkennen, zu markieren
und Proben für Feinanalysen zu nehmen.
Die Bundesregierung hob hervor, dass auch die Überprüfung von eingeschlagenen irakischen Raketen durch das
Bundestagsmandat für die Anti-Terror-Mission gedeckt sei. "Ich glaube, das Mandat ist eindeutig, unmissverständlich
un klar", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Die Soldaten hätten für den Irak-Krieg keinerlei
Funktion. Sie nähmen aber eine Schutzfunktion und eine humanitäre Aufgabe wahr. Es gebe keinen Grund, über
Änderungen oder Weiterungen des Mandats nachzudenken. Auch der Sprecher des Verteidigungsministeriums wies
darauf hin, dass die Kommandostrukturen für die Anti-Terror-Mission und den Irak-Krieg völlig unterschiedlich seien.
(Quelle: afp)
Streit um deutsche Hilfe im Irak-Krieg verschärft
Sa.22.03.03 - Der Streit über die Rechtmäßigkeit der deutschen Hilfe im Irak-Krieg kommt
nun vor das Bundesverfassungsgericht: Die FDP kündigte für nächste
Woche eine Klage wegen der Einsätze von Bundeswehrsoldaten in AWACS-Aufklärungsflugzeugen
zum Schutz des NATO-Landes Türkei gegen irakische Angriffe an. Außer bei den
AWACS-Flügen gibt es auch beim Einsatz deutscher ABC-Abwehrsoldaten in
Kuwait und bei der Gewährung der Überflugrechte für die USA Zweifel, ob
Deutschland damit nicht bereits in den Krieg verwickelt ist. In der Bevölkerung hält
unterdessen der Protest an.
Die FDP stellt nicht die deutsche Beteiligung an AWACS-Flügen in Frage. Ihr geht
es nach eigenen Angaben um einen Beschluss des Bundestages, damit die
Soldaten mehr Rechtssicherheit bekommen. Die rot-grüne Regierung hält das für
überflüssig, weil es sich nicht um einen Kampfeinsatz, sondern um die Erfüllung von
NATO-Pflichten handele. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte, die
FDP nehme mit ihrer Klage ein Recht wahr. "Man wird sehen, was daraus wird." Die
Union wird sich der Klage nicht anschließen.
(Quelle: dpa)
Stichwort: Bündnisverpflichtungen
Sa.22.03.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte der USA im November
vergangenen Jahres für den Fall eines Irak-Kriegs Überflug- und Transitrechte, die
Nutzung ihrer Militärbasen und den Schutz ihrer Stützpunkte in Deutschland
zugesichert. Nach Beginn des Waffengangs am Golf bekräftigte Schröder die
Zusagen unter Hinweis auf Bündnisverpflichtungen. Umstritten ist, ob
Deutschland dazu rechtlich verpflichtet sei.
Der Aufenthalt von NATO-Streitkräften in Deutschland ist im NATO-Truppenstatut
geregelt. Eine 1993 vereinbarte Änderung dieses Statuts sieht vor, dass Land-
und Luftübungen der Entsendestaaten außerhalb ihrer Stützpunkte der
Zustimmung der Bundesregierung bedürfen.
Eine weit gefasste Ausnahmeregelung erlaubt es den Vertragsstaaten, mit
Fahrzeugen aller Art ein- und auszureisen und sich in und über dem Bundesgebiet
zu bewegen. Während einige Juristen darin eine Generalvollmacht sehen,
beschränkt sich die Ausnahmeregelung nach Auffassung von anderen
Völkerrechtlern nur auf die im NATO-Rahmen stationierten Truppenteile. Danach
dürften andere Truppenbereiche ohne NATO-Auftrag deutschen Luftraum nur mit
einer ausdrücklichen Sondergenehmigung benutzen.
Dass die Überflugrechte zudem noch in einem bilateralen deutsch-amerikanischen Vertrag aus der Zeit des ersten
Golfkrieges geregelt sind, macht die Rechtslage komplizierter. Ein juristisches Gutachten vom Wissenschaftlichen
Dienst des Bundestages kommt zu dem Ergebnis, dass die Regierung bei einem amerikanischen Alleingangs nicht
verpflichtet sei, die Nutzung des Luftraums und der Militärbasen zu erlauben.
Zwischen Regierung und Opposition ist umstritten, ob der Einsatz von AWACS-Aufklärungsflugzeugen über der Türkei
zur normalen Bündnisverpflichtung im Rahmen der NATO gehöre. Während die in Militärfragen stets skeptischen
Grünen einen solchen Einsatz für legitimiert halten, fordert die Opposition ein Bundestagsmandat dafür.
Die Befürworter eines Mandats vertreten unter Berufung auf das Bundesverfassungsgericht die Meinung, die
Aufklärungsmission lasse sich operativ nicht von einem Kriegseinsatz trennen und müsse daher vom Parlament
genehmigt werden. Die Gegner betonen, dass die deutschen AWACS definitiv keine Feuerleitfunktion für einen
US-Angriff übernehmen dürften. Die FDP-Fraktion im Bundestag will zur Klärung des Streits in der kommenden
Woche das Bundesverfassungsgericht anrufen. (Quelle: ap)
CDU wirft Rot-Grün Doppelzüngigkeit vor
Sa.22.03.03 - CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer hat der rot-grünen
Bundesregierung "Doppelzüngigkeit" in ihrer Irak-Politik vorgeworfen. So verurteile
Bundeskanzler Gerhard Schröder zwar lauthals das Vorgehen der US-Truppen,
"aber er macht militärisch genau das, was die Amerikaner von ihm verlangen",
sagte Meyer der Chemnitzer "Freien Presse" (Samstagausgabe). Dazu
gehörten die Gewährung von Überflugrechten, die Beteiligung an den
Awacs-Aufklärungsflügen und die Bewachung der US-Kasernen in Deutschland.
"Mehr würde eine Unionsregierung auch nicht tun", betonte Meyer in dem
Interview. Die CDU habe von Anfang an eine klare Position vertreten. Auch nach dem
Einmarsch stünden die Christdemokraten an der Seite der Amerikaner, da ansonsten
kein Diktator der Welt eine Drohung noch ernst nehmen würde.
Rot-Grün hoffe hingegen, dass ihre Wähler und Anhänger nicht merkten, "wie weit Worte und Taten bei ihnen
auseinander klaffen". Faktisch sei Deutschland längst am Irak-Krieg beteiligt, unterstrich der CDU-Generalsekretär.
(Quelle: ap)
Anzeigen gegen Schröder wegen Golfkrieg vom Tisch
Sa.22.03.03 - Die rund 120 Strafanzeigen gegen die Bundesregierung im
Zusammenhang mit dem Golfkrieg sind vom Tisch. Generalbundesanwalt Kay Nehm
erklärte am Freitag in Karlsruhe, er werde nicht gegen Bundeskanzler Gerhard
Schröder und Mitglieder seines Kabinetts wegen des Verdachts auf Vorbereitung
eines Angriffskrieges ermitteln. Ausdrücklich ließ Nehm offen, ob der Irak-Krieg ohne ein
erneutes UN-Mandat völkerrechtswidrig ist.
Die Bundesanwaltschaft erklärte, die Regierung verstoße nicht gegen das zentrale Anliegen, dass
von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen solle. Die bloße Gewährung von Überflug-
oder Transportrechten erfülle nicht den Tatbestand der Vorbereitung eines Angriffskrieges, sondern
bedeute eine bloße Nichtverhinderung von Angriffshandlungen.
Es liege fern, reine Duldungs- oder Unterlassungshandlungen als Kriegsbeteiligung
zu bewerten, heißt es weiter. Diese seien vom deutschen Strafrecht nicht erfasst.
Auch die Mitwirkung an AWACS-Einsätzen diene nicht einer völkerrechtswidrigen
Aggression, sondern ersichtlich dem Schutz der türkischen Staatsgrenze im
Rahmen der Bündnisverpflichtungen.
In rund 120 Strafanzeigen war Bundeskanzler Schröder (SPD), Außenminister
Joschka Fischer (Grüne) und Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) ein Verstoß
gegen das Strafrecht vorgeworfen worden, weil Deutschland Überflugrechte für die
USA und die Teilnahme an AWACS-Aufklärungsflügen über der Türkei zugesagt
hatte. Die Anzeigenerstatter - darunter die PDS - bezogen sich auf Paragraf 80 des
Strafgesetzbuches. Der bestimmt eine Mindeststrafe von zehn Jahren bis hin zu
lebenslanger Freiheitsstrafe, wenn ein Angriffskrieg vorbereitet wird, "an dem die
Bundesrepublik Deutschland beteiligt sein soll".
Das Grundgesetz erklärt in Artikel 26 sogar alle Handlungen für verfassungswidrig, die "geeignet sind und in der
Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören". Das Grundgesetz bestimmt
auch, dass solche Handlungen, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges, unter Strafe zu stellen sind.
Nehm erklärte, die strafrechtliche Bewertung sei nicht von der Beantwortung der Frage abhängig, ob der Golfkrieg
völkerrechtswidrig sei. Die Entscheidung des Generalbundesanwalts, keine Ermittlungen einzuleiten, ist endgültig.
Eine Beschwerde vor Gericht ist nicht möglich.
Regierungssprecher Thomas Steg erklärte in Berlin, die Entscheidung "deckt sich völlig mit unserer Überzeugung und
Einschätzung". Die Experten verträten unterschiedliche Auffassungen, ob der Golfkrieg völkerrechtswidrig sei oder
nicht. Nach Abwägung der Argumente habe die Bundesregierung "eine eindeutig politische Entscheidung" getroffen.
Gemäß ihrer Bündnispflichten gewähre sie den Amerikaner Überflug- und Transitrechte.
Der Grünen-Abgeordnete Winfried Hermann sieht im Golfkrieg weiter einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, der auch
Konsequenzen für Deutschlands Verpflichtungen in der NATO haben müsse. CSU-Generalsekretär Thomas Goppel
forderte deshalb in München: "Schröder muss endlich klar bekennen, wie die rot-grüne Bundesregierung den Krieg im
Irak rechtlich bewertet."
(Quelle: ap)
Unabhängige Irakberichterstattung online
Mehr unter:
Israels Militär zensiert Websites
Sa.22.03.03 - Israels Zensurbehörde hat Websites des Landes gewarnt, "heikle" Informationen zu veröffentlichen.
Die Chefin der israelischen Militär-Zensur
Rachel Dolev habe sich in einem Brief an Online-Angebote wie
Rotter.net
und Fresh.co.il gewandt, der Anweisungen enthält, wie sich die Macher vor der Veröffentlichung von Informationen
verhalten zu haben. Sie müssen zuvor eine Erlaubnis einholen, wenn die Information die Sicherheit des Staates Israel und
seiner Bürger betreffe, heißt es in Medienberichten.
Betroffen sind beispielsweise Nachrichten über eventuelle Raketeneinschläge in Israel oder Beratungen der Regierung. Die
beiden genannten Online-Angebote sind laut den Berichten beliebt und ziehen Israelis aus aller Welt an. In den dortigen Foren
könnten sich Nachrichten schneller verbreiten als über herkömmliche Wege. Daher würden die Mitarbeiter der Zensurbehörde
derartige Online-Angebote ständig überprüfen.
UN-Gesandter für Nordkorea warnt vor Krieg mit USA
Sa.22.03.03 - Der UN-Sondergesandte in Pjöngjang, Maurice Strong, hat
vor einem Krieg zwischen den USA und Nordkorea gewarnt. "Keiner will den
Krieg, und doch könnte er eintreten, wenn die betroffenen Parteien keinen Weg
finden, ihre Meinungsverschiedenheiten diplomatisch
beizulegen", sagte Strong nach einem Besuch in
Nordkorea. Angesichts des Irak-Kriegs habe die Führung in Pjöngjang ihre Sorge
erkennen lassen, zum Ziel künftiger Interventionen der USA zu werden. Deshalb sei
auch in Zukunft mit "Provokationen" durch Nordkorea zu rechnen, sagte Strong.
Zuvor hatte Nordkorea die Einstellung der Gespräche zur wirtschaftlichen
Zusammenarbeit mit Südkorea verkündet. Grund sei die Unterstützung des
Irak-Kriegs durch Seoul, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap
das nordkoreanische Radio Pjöngjang. Die innerkoreanischen Gespräche hätten
nächste Woche in Pjöngjang stattfinden sollen. Nordkorea hatte die USA am Vortag
beschuldigt, im Schatten des Irak-Krieges auch Nordkorea angreifen zu wollen.
Seoul unterstützt den Krieg und will unter anderem Spezialisten wie Bauingenieure
nach Irak entsenden.
Die jüngste Entscheidung Nordkoreas ist ein weiterer Rückschlag für die
Bemühungen Seouls, den isolierten Norden in die internationale
Staatengemeinschaft zu integrieren. Die Beziehungen zwischen
Nordkorea und den USA sind seit der Ankündigung Pjöngjangs vom
Oktober, sein Atomprogramm wieder aufzunehmen, stark angespannt.
(Quelle: afp)
+++ E I L M E L D U N G +++ Fr.21.03.03 - 20:00 Uhr +++ Bagdad +++
Nach
Informationen des arabischen Fernsehsenders El
Dschasira gibt es auch heftige Luftangriffe auf die
Ölstädte Mosul und Kirkuk im Nordirak. US- und britische
Militärkreise haben die Großoffensive unter dem Namen
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B.O.A.-Künstlerkooperative
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