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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ So.23.03.03, 13:00 Vierter Kriegstag in Irak
So.23.03.03 - Die USA haben ihre nächtlichen Angriffe auf Bagdad fortgesetzt. In
den frühen Morgenstunden erschütterte eine heftige Explosion die irakische
Hauptstadt, die ganze Nacht waren Kriegsflugzeuge zu hören. Die Angriffe schienen
jedoch nicht so intensiv wie in der Nacht zuvor.
Am Samstag beschossen die USA nach Angaben des Verteidigungsministeriums Irak mit 500 Marschflugkörpern,
Raketen und Bomben. Kampfflugzeuge flogen von Flugzeugträgern und Stützpunkten in der Golfregion aus 1.000
Einsätze, teilte der US-Generalstab mit. Die Streitkräfte seien 240 Kilometer in Irak vorgestoßen und hätten damit den
halben Weg nach Bagdad geschafft. Der Euphrat sei erfolgreich überschritten worden. Pentagon-Sprecherin Torie
Clarke ergänzte, irakische Soldaten ergäben sich in großen Zahlen, darunter auch etliche Offiziere.
US-Oberbefehlshaber General Tommy Franks sagte, die alliierten Truppen lägen vor Basra, wollten aber
Kämpfe mit der irakischen Armee dort vermeiden. Die BBC hatte zuvor die Eroberung der Stadt gemeldet.
Der katarische Fernsehsender El Dschasira berichtete unter Berufung auf Krankenhäuser, bei Luftangriffen auf
Basra seien 50 Menschen getötet worden. Eine Sprecherin der US-Armee meldete zudem die Einnahme von Nasirijah
nordwestlich von Basra am Euphrat.
Parallel zur breit angelegten Bodenoffensive und der "Angst und Schrecken"(Shock and Awe)-Bombenkampagne setzt das
amerikanische Militär zusätzlich auf eine massive multimediale Propagandakampagne, um das irakische Militär zur
Aufgabe zu bewegen. Allein von Freitag auf Samstag wurden zwei Millionen Flugblätter mit Anleitungen zur
Kapitulation abgeworfen. Zugleich überflogen als fliegende Radiostationen umgebaute Hercules-Maschinen die
irakischen Truppenverbände und strahlten Sendungen über die Verschwendungssucht der Saddam-Söhne Udai und
Kusai aus.
Die Suche amerikanischer Spezialeinheiten nach Scud-Raketen sowie biologischen und chemischen Waffen ist
bislang erfolglos geblieben. Das räumte am Samstag Generalmajor Stanley McChrystal vom US-Generalstab in
Washington ein. Bislang seien keine Scuds abgefeuert worden, und die US-Einheiten, die Stützpunkte im Westen der
irakischen Wüste durchsuchten, hätten bisher keine Raketen oder Raketenwerfer entdeckt, sagte er. Irak hat
bestritten, im Besitz von Scud-Raketen und von B- und C-Waffen zu sein.
Scud-Raketen haben genug Reichweite, um Israel zu erreichen. Der Kommandeur der alliierten Golfkriegsstreitkräfte,
General Tommy Franks, hatte am Samstag erklärt, Irak müsse noch Rechenschaft über den Verbleib von zwei
Dutzend Scuds ablegen, die nach Angaben der UN-Inspektoren vom Golfkrieg 1991 übrig geblieben seien.
Nach Angaben des irakischen Gesundheitsministers Omed Medhat sind bei den Luftangriffen in der Nacht zu
Samstag drei Menschen getötet worden. Rund 200 Einwohner seien verletzt worden, darunter Kinder. Der
Regierungssitz von Präsident Saddam Hussein am Westufer des Tigris wurde beschädigt, das neunstöckige
Hauptquartier des Geheimdienstes wurde direkt getroffen.
Am Samstagabend stiegen rund 20 Rauchsäulen in Bagdad auf. Der arabische Sender El Dschasira meldete, Irak
habe Ölcontainer in Brand gesteckt, um die Luftangriffe durch den Rauch zu stören.
Iraks Machthaber Saddam Hussein ist nach den Worten des australischen Außenministers Alexander Downer
vermutlich verletzt oder tot. Die Geheimdienstinformationen seien allerdings nicht völlig sicher, sagte Downer im
australischen Fernsehen.
(Quellen: ap, afp)
Das Staatsfernsehen in Bagdad berichtet nur
sporadisch über den aktuellen Kriegsverlauf
Stunde um Stunde laufen Filme mit jubelnden Anhängern Saddam Husseins und
Kampfszenen aus vergangenen Kriegen. Dieses Programm wird für offizielle Erklärungen
der Regierung unterbrochen oder zur Sendung von Musikvideos mit den Auftritten
wohlbeleibter Sänger, während im Stadtzentrum von Bagdad Gebäude in Schutt und Asche sinken.
Mit Parolen soll die Bevölkerung auf einen siegreichen Kampf gegen die Angreifer eingeschworen werden.
Ausgebildete Sprecher verlesen die Erklärungen der Führung. Die Minister von Saddam Hussein bestreiten die
Meldungen über einen schnellen Vormarsch der Amerikaner und Briten und erwecken den Eindruck, die irakische
Gegenoffensive laufe aussichtsreich und auf Hochtouren. Um den Kampfeswillen zu fördern, hat Saddam Hussein
hohe Beträge für den Abschuss amerikanischer und britischer Flugzeuge und die Gefangennahme oder Tötung
alliierter Soldaten ausloben lassen.
Ungeachtet der heftigen US-Luftangriffe auf Bagdad zeigt sich Iraks Staatschef Saddam Hussein
weiter in bester Stimmung. Das staatliche irakische Fernsehen zeigte am Samstagabend Bilder von einem
Treffen Saddams mit dem engsten Führungszirkel. Saddam lachte aus vollem Herzen, und auch die anderen
Anwesenden strahlten über das ganze Gesicht. Nach Angaben des Fernsehens ist der irakische Staatschef mit
der bisherigen Leistung seiner Armee, der Baath-Partei und den irakischen Volksgruppen sehr zufrieden.
An der Runde nahmen neben seinem jüngsten Sohn Kusai auch Vizepräsident Taha
Jassin Ramadan, Verteidigungsminister Sultan Haschim Ahmed,
Informationsminister Mohammed Sajjid Sahhaf und der stellvertretende
Ministerpräsident Tarik Asis teil. Es gibt keine unabhängige Bestätigung, wann die
Bilder aufgenommen wurden.
(Quelle: dpa)
IKRK prüft Berichte über «viele Verwundete»
So.23.03.03 - Nach den massiven Bombenangriffen auf Ziele in Bagdad
ist das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)
Berichten über "viele Verwundete" nachgegangen.
Mitarbeiter versuchten in den Krankenhäusern von Bagdad
die Zahl der Verletzten zu klären, sagte IKRK-Sprecher
Florian Westphal in Genf. Die Organisation bereite die
schnelle Bereitstellung humanitärer Hilfe vor. Der britische Verteidigungsminister
Geoff Hoon sagte, bei den Luftangriffen in der Nacht zum Samstag hätten sich die
Alliierten bemüht, zivile Einrichtungen zu verschonen und nur die irakische
Regierung zu treffen.
Das IKRK stehe in Kontakt mit den britischen und amerikanischen Truppen und
versuche, zu den angeblichen irakischen Kriegsgefangenen vorgelassen zu werden,
erklärte Westphal. Er appellierte an die Konfliktparteien, bei der Behandlung der
Gefangenen die Genfer Konventionen einzuhalten. Dem IKRK lagen keine
Informationen über britische oder amerikanische Kriegsgefangene auf irakischer
Seite vor.
In der südirakischen Stadt Basra wurden die Mitarbeiter vom Roten Halbmond und
Roten Kreuz angewiesen, zu Hause zu bleiben. "Wir wissen nichts über die aktuelle
Lage, aber offenbar gibt es viele Kämpfe in der Gegend", sagte Westphal. Die Mitarbeiter sollten
zuallererst auf ihre eigene Sicherheit achten.
In Nordirak flohen nach Angaben der Vereinten Nationen
300.000 bis 450.000 Menschen aus ihren Häusern. Die meisten
Menschen würden aus den Städten Kirkuk, Erbil und Dahuk
nach Sulaimanijah fliehen, erklärte das UN-Büro des
humanitären Koordinators für Irak am Freitag in Genf. In Dahuk
hätten etwa 85 Prozent der 120.000 Einwohner ihre Häuser
verlassen und in Dörfern weiter östlich Zuflucht gesucht. Rund
90 Prozent der Binnenflüchtlinge würden Schätzungen zufolge von Verwandten aufgenommen und benötigten keine
unmittelbare Hilfe. Eine Flucht in von kurdischen Rebellen kontrollierte Gebiete sei kaum möglich.
(Quelle: afp)
Pentagon spricht von Fortschritten und warnt vor harten Kämpfen
So.23.03.03 - Das Pentagon sieht "erhebliche Fortschritte" im Krieg gegen
den Irak. "Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das irakische Regime zerstört
ist", sagte Pentagon-Sprecherin Victoria Clarke am Samstag in Washington.
Gleichzeitig warnte General Stanley McChrystal vom US-Generalstab vor Euphorie.
"Wir haben noch erhebliche irakische Streitkräfte vor uns. Wir müssen uns auf
möglicherweise harte Kämpfe einstellen." (Quelle: dpa)
Sie haben es tausend Mal geübt, und doch hat es die jungen
amerikanischen Soldaten dann in der Realität tief erschüttert: Das Töten eines
anderen Menschen im Kampf. «Es war anders als jede andere Erfahrung in meinem
Leben», sagt der 20-jährige Hauptgefreite der Marineinfanterie, Daymond Geer aus
Sacramento. «Selbst als ich sah, wie der Feind getroffen wurde - nun, er wand sich im
Dreck. Es war nicht gut.». Geers Einheit war am Freitag von Kuwait aus in den Süden
Iraks einmarschiert.
(Quelle: ap)
Viele Soldaten kehren von ihren Einsätzen traumatisiert zurück. Gezeichnet von der
so genannten posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD)
Erst 1980 wurde PTSD in das Handbuch für Statistik und Diagnose
der WHO aufgenommen. Dort heißt es, die Krankheit sei eine
verzögerte Reaktion auf ein Ereignis, das intensive Angst,
Entsetzen und Hilflosigkeit ausgelöst hat. Neben Kriegserlebnissen
können auch Naturkatastrophen, Unfälle oder Vergewaltigungen
PTSD auslösen. Die Symptome sind dieselben: emotionale
Taubheit, Aggression und Autoagression. Wer unter PTSD leidet,
hat mit Schlaf- und Persönlichkeitsstörungen zu rechnen, befindet
sich permanent auf einem erhöhten Stresslevel, neigt zu
Depressionen.
Die gesellschaftlichen Konsequenzen sind vor allem in den USA
unübersehbar: Ein Drittel der dortigen Obdachlosen sind
Vietnamveteranen. Nicht zuletzt deshalb wurde 1989 das National
Center for PTSD gegründet. Nach einer seiner Studien sind mehr
als die Hälfte der Vietnamveteranen von PTSD betroffen. Ihr
Drogenkonsum, die Kriminalitäts-, Scheidungs- und Suizidrate
liegen weit über dem Durchschnitt. Der vorige Golfkrieg brachte den
Oklahoma-Attentäter Timothy McVeigh und den "Sniper von
Washington" hervor. Schlagzeilen machte außerdem die bis heute
nicht restlos erklärte "Gulf War Disease", deren Symptome denen
von PTSD ähnlich sind. (Quelle: "tageszeitung" vom 22.03.03)
US-Präsident berät mit Kriegskabinett
So.23.03.03 - US-Präsident George W. Bush hat mit seinem Kriegskabinett
beraten. An dem Treffen in seinem Wochenendsitz Camp David nahmen die
Minister Donald Rumsfeld und Colin Powell, Sicherheitsberatin Condoleezza Rice,
CIA-Chef George Tenet und Generalstabschef Richard Myers teil. Bush habe auch
eine halbe Stunde mit dem britischen Premierminister Tony Blair telefoniert, so
CNN. In seiner wöchentlichen Radioansprache hatte Bush die Amerikaner erneut
darauf vorbereitet, dass der Krieg länger dauern könnte als erwartet.
Die USA wollen den Irak-Krieg nach den Worten von US-Präsident George
W. Bush mit "entschiedener Stärke" vorantreiben. Nur so und "nicht mit einem
Feldzug halbherziger Maßnahmen" könne die Dauer des Konflikts begrenzt werden,
sagte Bush am Samstag bei seiner wöchentlichen Rundfunkansprache. Zugleich
verwies er darauf, dass der Krieg sich hinziehen könne: "Ein Feldzug auf rauem
Gelände in einem großen Land könnte länger dauern und schwieriger werden, als
einige es vorhergesagt haben".
(Quellen: dpa, afp)
Nach dem
Weltrechtsprinzip können schwerste Verbrechen überall von
nationalen Gerichten geahndet werden, egal wo und von wem
sie begangen wurden. Der Angriffskrieg gehört dazu.
"In Spanien
und Belgien wetzen die Staatsanwälte schon ihre Messer", sagt
Daniel- Erasmus Khan von der Universität München. Der Fall
Pinochet könnte den Strafverfolgern dabei ein Ansporn sein.
Wird Bush auf Auslandsreisen also bald nicht mehr vor
Nachstellungen der Justiz sicher sein? Solange er Präsident ist,
dürfte ihm nichts passieren, da er Immunität genießt. Als
Pensionär könnte es für ihn aber gefährlich werden. Die
Mehrheitsmeinung im Völkerrecht neigt dazu, abgetretenen
Staatsmännern bei schwersten Vorwürfen die Immunität zu
verweigern. Chiles Ex- Präsident Augusto Pinochet hatte dies bei
seiner Verhaftung zu spüren bekommen – und das ausgerechnet
in seinem geliebten England.
Im Fall Bush stellt sich jedoch noch ein ganz anderes Problem:
Kann ihm das Verbrechen des Angriffskriegs überhaupt
vorgeworfen werden? Unter Juristen ist das heiß umstritten.
Weitgehend einig ist man sich noch, dass der Feldzug gegen den
Irak ein völkerrechtswidriger Akt der Aggression und ein Bruch
der Charta der Vereinten Nationen ist. Auch die
Völkerrechts-Berater des Auswärtigen Amts sehen das so, die
Bundesregierung traut sich wegen der politischen Folgen nur
nicht, es offen auszusprechen.
Nicht jeder Verstoß gegen das Gewaltverbot der Charta ist aber
zwangsläufig auch ein Angriffskrieg im Sinne des
Völkerstrafrechts. Das Völkerrecht regelt Rechte und Pflichten
zwischen den Staaten. Das Völker strafrecht bestimmt dagegen
über die persönliche Verantwortlichkeit einzelner Menschen,
etwa von Staatsführern und Militärs. Begriffe aus beiden
Rechtskreisen können nicht einfach gleichgesetzt werden. "Der
Begriff des Angriffskriegs ist enger als der des Verstoßes gegen
das Gewaltverbot", sagt der Kölner Völkerrechtler Claus Kreß.
Sein Münchner Kollege Khan ergänzt: "Beim Verbrechen des
Angriffskriegs muss noch ein besonderes Unwerturteil
hinzukommen, etwa ein besonders verwerfliches Ziel des
Gewalteinsatzes."
Ausgangspunkt des Definitions-Streits ist das Statut von
Nürnberg, das den Angriffskrieg als Verbrechen gegen den
Frieden bezeichnet. Später wurde das Delikt zwar immer wieder
als Kernverbrechen der Völkergemeinschaft beschrieben, aber
nicht mehr als solches verfolgt. Die Statuten des Jugoslawien-
und Ruanda-Tribunals enthalten es nicht, und im Statut des
neuen Weltstrafgerichts ist es, wie gesagt, zwar aufgeführt aber
noch nicht definiert.
Khan und Kreß gehen daher davon aus, dass das Verbrechen
nach heutigem Völkergewohnheitsrecht sehr eng definiert
werden muss. Als Täter kämen nur die politischen und
militärischen Führer in Betracht. Und diese müssen in besonders
eklatanter Weise gegen das Völkerrecht verstoßen, indem sie
zum Beispiel ein ganzes Land unterwerfen wollen.
Gewalteinsätze zur Geiselbefreiung, zum Schutz humanitärer
Aktionen wie in Somalia oder zur Beendigung schwerster,
massenhafter Verbrechen an der Zivilbevölkerung wie im Kosovo
seien daher keine Angriffskriege, sagt Khan.
Im Fall Irak sind sich die beiden Experten uneinig. Kreß gibt zu
bedenken, der Irak breche selbst seit Jahren massiv das
Völkerrecht und bedrohe, wie der UN-Sicherheitsrat mehrfach
feststellte, den Weltfrieden. Vor diesem Hintergrund sei der
Bush-Feldzug zwar völkerrechtswidrig, aber kein Verbrechen des
Angriffskriegs. Khan tendiert zur Gegenmeinung. Bush strebe die
Besetzung des ganzen Landes und einen Regimewechsel an.
Zudem sei die "ganz überwältigende Mehrheit" der Staaten und
der Völkerrechtler der Auffassung, dass es keinerlei
Rechtfertigung für diesen Krieg gebe. Der amerikanische
Völkerrechts-Verstoß sei daher besonders eklatant.
Wer Recht behält, werden am Ende womöglich Gerichte
entscheiden müssen. Ein künftiger Ex-Präsident George W. Bush
sollte sich vor Auslandsreisen jedenfalls gut beraten lassen.
(Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 22.03.03)
Max-Planck-Direktor Rüdiger Wolfrum sieht im Vorgehen der USA
einen Bruch des Völkerrechts und einen massiven Verstoß gegen das
Selbstverständnis der Vereinten Nationen
Mehr unter:
Diskussion über die Rechtmäßigkeit des Irak-Krieges
Beim Thema Völkerrecht kneift die Bundesregierung
Weltweit protestieren wieder Hunderttausende gegen Irak-Krieg
So.23.03.03 - Nach Beginn der Militäroffensive im
Irak haben am Samstag weltweit hunderttausende Menschen
gegen den Krieg demonstriert. Allein in London gingen nach
Angaben der Organisatoren rund 150.000 Menschen auf die
Straße. Zunächst war von 500.000 Teilnehmern die Rede.
Lautstark aber friedlich zogen die Demonstranten in mehreren
Zügen zum Hyde Park. An Kundgebungen in Frankreich
beteiligten sich ebenfalls rund 100.000 Menschen, mehrere 10.000
allein in Paris. Vor der US-Botschaft in Brüssel kam es nach einer
Friedenskundgebung zu Ausschreitungen.
In zahlreichen deutschen Städten protestierten rund 150.000 Menschen gegen den
Krieg - allein 40.000 in Berlin. Jeweils rund 10.000 Kriegsgegner zählte die Polizei in
Hamburg, Jena, Köln, Nürnberg und Stuttgart. In Frankfurt am Main versammelten
sich rund 15.000 Kurden, um gegen den angeblichen Einmarsch türkischer Truppen
im Nord-Irak zu demonstrieren und ihr Frühlingsfest Newroz zu feiern. Auch in
Bielefeld, Osnabrück, München, Düsseldorf und Heidelberg gab es Kundgebungen.
Die Protestveranstaltungen verliefen den Angaben zufolge friedlich.
In Griechenland, Dänemark, Finnland und der Schweiz gingen jeweils zwischen
10.000 und 20.000 Menschen auf die Straße. Zehntausende Menschen in Kopenhagen und
anderen dänischen Städten protestierten gegen die Beteiligung ihres Landes am Irak-Krieg.
Das dänische Verteidigungsministerium hatte zuvor offiziell erklärt, das Land
befinde sich im Kriegszustand mit dem irakischen Regime von
Saddam Hussein. In Helsinki war es mit 20 000 Teilnehmern
die größte finnische Friedensdemonstration überhaupt. In
Sarajevo und Warschau protestierten jeweils mehrere hundert
Menschen.
Im Golfstaat Bahrain kam es am zweiten Tag in Folge zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen
Demonstranten und Sicherheitskräften. Bei den Anti-Kriegs-Protesten vor der britischen Botschaft in der Hauptstadt
Manama wurden nach Augenzeugenberichten am Samstag mindestens zehn Menschen verletzt. Die Polizei setzte
Tränengas und Gummigeschosse ein.
In Bangladesch riefen islamische Geistliche bei Demonstrationen zum "Heiligen Krieg" wegen der Angriffe auf den
Irak auf. Es sei eine Pflicht, die muslimischen Glaubensbrüder im Irak zu verteidigen. Tausende Palästinenser in
Lagern in Süd- und Nordlibanon riefen die Araber dazu auf, amerikanische Produkte zu boykottieren. "Mit unserem
Blut verteidigen wir die Menschen des Irak", skandierten sie.
(Quelle: dpa)
Demonstrationen für und gegen Krieg in US-Städten
So.23.03.03 - Weit über einhunderttausend Menschen haben am Samstag in
zahlreichen amerikanischen Städten gegen den Golfkrieg protestiert. In New York
zogen nach Angaben der Veranstalter bis zu 200.000 Kriegsgegner durch die
Straßen. Der Demonstrationszug ging den Broadway entlang; die Polizei sprach in
einer inoffiziellen Zählung von 120.000 Teilnehmern. Anhänger des Kriegs
demonstrierten ebenfalls in New York, sie schwenkten Flaggen und riefen "USA,
USA".
In Chicago kamen sich die jeweils mehrere hundert Menschen zählenden
Demonstrationszüge von Kriegsbefürwortern und-gegnern bis auf fünf Meter
nahe. "Mörder, Mörder, Mörder" schallte es von der einen Seite; "Idioten, Idioten,
Idioten", von der anderen.
In Washington protestierten mehrere hundert Friedensaktivisten. Sie riefen: "Kein
Blut für Öl." Auch in San Francisco gingen die Proteste weiter. Dort waren in den
vorausgegangen zwei Tagen über 2.200 Demonstranten festgenommen worden.
Auch in zahlreichen amerikanischen Kleinstädten gab es Demonstrationen von
Pazifisten und Kriegsbefürwortern. (Quelle: ap)
Umfrage: Zustimmung zu Bushs Irak-Politik auf Rekordhoch
So.23.03.03 - Unmittelbar nach Beginn des Irak-Kriegs ist die Zustimmung der US-Bürger
zur Irak-Politik von Präsident George W. Bush auf ein Rekordhoch gestiegen. 70
Prozent der Amerikaner stimmen Bushs Haltung zu Irak inzwischen zu, wie eine
am Samstag von der "New York Times" veröffentlichte Umfrage ergab. Dies ist ein
Anstieg um 19 Prozentpunkte binnen zehn Tagen. Der Anteil der Befragten, die
Bushs Irak-Politik ablehnten, sank um 15 Prozentpunkte auf 27 Prozent. Die
Umfrage war am Donnerstagabend vorgenommen worden, einen Tag nach Beginn
der Angriffe auf Bagdad. (Quelle: afp)
Strafanzeigen gegen Aznar wegen Irak-Kriegs
So.23.03.03 - Der Vorstandssprecher der spanischen Grünen,
José María Mendiluce, hat wegen des Irak-Krieges Strafanzeige
gegen Ministerpräsident José María Aznar und Außenministerin
Ana Palacio gestellt. Er begründete dies nach Presseberichten
vom Samstag damit, dass die spanische Regierung mit der
Unterstützung des Angriffs auf den Irak gegen die spanische
Verfassung verstoßen habe. Zuvor hatte der Ermittlungsrichter Baltasar Garzón
angekündigt, Aznar vor den internationalen Gerichtshof zu bringen.
Auch Vertreter der Vereinten Linken haben am Donnerstag den Regierungschef
angezeigt und fordern alle auf, sich ihrer Initiative anzuschließen um den "Absolutisten"
zu stoppen.
Der in der Anzeige der spanischen Grünen zitierte Passus des Strafgesetzbuches sieht
für Regierungsmitglieder, die gegen die Verfassung verstoßen,
Haftstrafen zwischen 15 und 20 Jahren vor. Mendiluce ist bei den Kommunalwahlen
am 25. Mai Kandidat der Grünen für das Amt des Bürgermeisters in Madrid.
Die spanischen Gewerkschaften planen, aus Protest gegen den Krieg einen
Generalstreik auszurufen. Die großen Gewerkschaftsverbände CC.OO.
(Arbeiterkommissionen) und UGT sind nach Angaben der Zeitung "El País" die
einzigen in Europa, die einen solchen Schritt erwägen. Ein Streikbeschluss sei
allerdings noch nicht getroffen worden, berichtet das Blatt. Die Gewerkschaften
hätten noch nicht entschieden, wie ein Generalstreik rechtlich abgesichert werden
solle.
In Barcelona beteiligten sich nach Angaben der
Veranstalter eine halbe Million Menschen an einer Anti-Kriegs-Kundgebung. Die
Demonstranten verlangten nicht nur eine sofortige Beendigung des Krieges, sondern
auch den Rücktritt des spanischen Ministerpräsidenten José María Aznar. Aznar ist
im Irak-Krieg enger Verbündeter der USA.
In Madrid kam es am Freitagabend zu schweren Auseinandersetzungen zwischen
Anti-Kriegs-Demonstranten und der Polizei. 50 Menschen wurden verletzt, darunter 5 Polizisten. Die Beamten hatten
die Demonstranten gewaltsam daran gehindert, zum Parlament und zur Zentrale der Regierungspartei PP
(Volkspartei) zu ziehen.
Mehr zu den Protesten in Spanien gegen den Krieg und die eigene Regierung:
Laut Umfrage jetzt deutliche Mehrheit der Briten für den Krieg
So.23.03.03 - In Großbritannien sind jetzt nach einer Umfrage deutlich mehr
Menschen für als gegen den Irak-Krieg. 56 Prozent der Bevölkerung halten es
demnach für gerechtfertigt, dass die USA und Großbritannien militärische Gewalt
anwenden. Wenn die Ergebnisse richtig sind, ist die Stimmung in der britischen
Bevölkerung seit Kriegsbeginn umgeschlagen. Vor dem Krieg hatten Umfragen
ergeben, dass bis zu 90 Prozent der Bevölkerung gegen ein militärisches Eingreifen
ohne zweite UN-Resolution seien.
Nach den massiven Luftangriffen im Irak haben in London bis zu
500 000 Menschen gegen den Krieg protestiert. Lautstark, aber friedlich zogen sie
durch die Straßen der Metropole zum Hyde Park. Die Polizei sprach zu Beginn der
Protestmärsche von 100 000 Teilnehmern, die Organisatoren später von einer
halben Million.
(Quelle: dpa)
Aufruhr, Wut und Proteste in der arabischen Welt
So.23.03.03 - Am Samstagmorgen wirkte Kairo wie eine besetzte Stadt: Entlang den ins Zentrum führenden
Hauptachsen standen schwarz gekleidete Bereitschaftspolizisten. Wo die Strassen am «Tahrir»,
am Platz der Befreiung, zusammentreffen, ballten sich Tausende Sicherheitskräfte mit Schilden
und Helmen, bewaffnet mit Schlagstöcken, zusammen. Im Stadtzentrum stehen, nur wenige Meter
voneinander entfernt drei Gebäude, die seit dem Angriff auf den Irak die seit langem schwelende
Wut der Kairoer auf sich gezogen haben: die Botschaften der Vereinigten Staaten und Grossbritanniens
und der Sitz der Arabischen Liga. Nur Stunden nach den ersten Luftangriffen auf Bagdad hatten zumeist
Studenten versucht, die Gebäude zu stürmen.
Sie wurden nur allzu rasch von prügelnden Polizisten zurückgedrängt. Demonstrationen sind durch das
seit 1981 herrschende Notstandsrecht in Ägypten verboten. Wenn überhaupt, finden sie innerhalb der
Universitäten statt, wie auch an diesem Samstag in Alexandria und in der Deltastadt Zagazig. Die scharfen
Sicherheitsmassnahmen galten am Samstag nicht den gegen den amerikanischen Präsidenten Bush
protestierenden Studenten, sondern dem einfachen Volk. Seit den Brotunruhen von 1977 sind die Kairoer
Bürger nicht mehr auf die Strasse gegangen. Nun haben ihre Demonstrationen vom Freitag vor der
Azhar-Universität in der Altstadt der Regierung offenbar Angst und Schrecken eingejagt. (...)
Nicht nur in Ägypten, sondern auch in vielen anderen arabischen Ländern hat der Angriffskrieg auf den Irak
Aufruhr, Wut und ungewöhnlich starke Proteste ausgelöst. In Damaskus, Beirut, Sanaa und Amman gingen
jeweils mehrere zehntausend Personen auf die Strasse. Um Unterstützung für Saddam Hussein geht es dabei
den wenigsten, vielen aber um Mitgefühl mit den Irakern, die jetzt mit der effizientesten Kriegsmaschinerie der
Welt konfrontiert sind. (Quelle: nzz) Mehr unter:
Papst verurteilt Irak-Krieg als Bedrohung für die Menschheit
So.23.03.03 - Papst Johannes Paul II. hat am Samstag den Irak-Krieg als Bedrohung
für die Menschheit verurteilt.
"Wenn Kriege, wie der jetzt in Irak, das Schicksal der
Menschheit bedrohen, ist es noch dringlicher für uns, mit
klarer und entschlossener Stimme zu sagen, dass nur
Frieden der Weg ist, um eine gerechtere und sorgsamere
Gesellschaft zu bilden", sagte der Papst. Vor Mitarbeitern
eines katholischen Fernsehsenders fügte das Kirchenoberhaupt hinzu: "Gewalt und
Waffen können niemals die Probleme der Menschheit lösen." Er äußerte sich
erstmals in der Öffentlichkeit seit Ausbruch des Kriegs am Donnerstag. Der Papst
hatte sich zuvor wiederholt gegen den seit Monaten von den USA und
Großbritannien angedrohten Militärschlag ausgesprochen. (Quelle: rtr)
Verwirrung um türkischen Einmarsch in Nordirak
So.23.03.03 - Informationen über den angeblichen Einmarsch türkischer
Soldaten in das von Kurden bewohnte Nordirak haben für
Verwirrung gesorgt. Die türkische Armee dementierte einen
Bericht des Senders CNN-Türk, rund tausend Soldaten seien auf
irakisches Territorium vorgedrungen. Großbritannien bestätigte
dagegen die Präsenz einer "kleinen Zahl" von türkischen
Soldaten in der Region. London wisse, dass einige türkische
Soldaten in dem Gebiet seien, sagte Verteidigungsminister Geoff
Hoon. Kurdenvertreter bestätigten den angeblichen Einmarsch
Nordirak bisher nicht. Die NATO gab keinen Kommentar ab.
Berichte, wonach türkische Soldaten über Nacht in Nordirak einmarschiert seien,
"sind nicht wahr", erklärte der türkische Generalstab. Hoon sagte, die Zahl der
Soldaten entspreche einer Einheit der Grenzpolizei. Die türkische Seite habe
London versichert, dass es sich lediglich um eine Aktion zur Bewachung der
Grenze und zur "Verhinderung von Instabilität in der Grenzregion" handele. London
sehe die Gegenwart türkischer Soldaten in Nordirak "entspannt", solange
es sich um begrenzte Einsätze handele.
Ein kurdischer Militärkommandeur in der irakischen Grenzregion
zur Türkei dementierte den Bericht von CNN-Türk. Ein Sprecher
der Kurdenpartei DKP, die das Gebiet beherrscht, konnte die
Berichte zunächst ebenfalls nicht bestätigen. CNN-Türk hatte
berichtet, die türkischen Soldaten sollten die Ankunft weiterer
Einheiten vorbereiten, die gegen die Kämpfer der kurdischen
Arbeiterpartei PKK vorgehen sollten.
Ankara hatte den USA am Freitagabend nach langem Streit
endgültig Überflugrechte über türkisches Territorium für den Kriegseinsatz
in Irak gewährt. Die Türkei wollte im Gegenzug die Zustimmung der USA zu einem
Vormarsch türkischer Truppen nach Nordirak bekommen. Der türkische
Außenminister Abdullah Gül sagte, "alle Probleme mit den USA" seien
gelöst: "Türkische Soldaten werden nach Nordirak gehen".
Washington lehnt einen weiteren Aufmarsch türkischer Soldaten ab, weil es einen parallelen Krieg zwischen Kurden
und Türken fürchtet. Offiziell will die Türkei mit der Truppenpräsenz eine Massenflucht der Kurden auf ihr Territorium
vermeiden. Vor allem aber will Ankara die Gründung eines unabhängigen Kurdenstaats in Nordirak in Folge des
Irak-Krieges verhindern, da dies kurdische Unabängigkeitsbestrebungen im Südosten der Türkei wiederbeleben
könnte. (Quelle: )
Ernste Minen zum kurdischen Neujahrsfest
So.23.03.03 - Feier-Atmosphäre herrscht nur auf den ersten Blick. Trotz Musik,
strahlendem Sonnenschein, zahlreichen Menschen und einem
eigentlich freudigem Anlass: dem kurdischen
Neujahrsfest. Doch die Gesichter zehntausender Kurden
in der Frankfurter Innenstadt sind ernst am Samstag, dem
dritten Tag der amerikanisch-britischen Angriffe auf den
Irak und angesichts der aktuellen Meldungen über den
Einmarsch türkischer Truppen in den von Kurden
bewohnten Norden des Landes.
Während die Organisatoren von rund 50.000 Teilnehmern aus ganz Europa sprachen,
ging die Polizei nur von der Hälfte aus. Die Veranstaltung verlief ohne
Zwischenfälle. Auf Transparenten und in Sprechchören forderten die
Kurden Freiheit für ihren Führer Abdullah Öcalan, Freiheit für Kurdistan und ein
Ende des Irak-Krieges.
Vorsorglich waren mehrere tausend Polizisten aus verschiedenen Bundesländern im
Einsatz, am Ende machten die Behörden den Kurden aber ein Kompliment für ihre
«sehr sehr friedliche Demonstration».
Die Stadt Frankfurt hatte die Veranstaltung der Kurden zunächst verboten und damit
auch beim Frankfurter Verwaltungsgericht Erfolg, der Hessische
Verwaltungsgerichtshof hob dieses Urteil später jedoch letztinstanzlich wieder auf.
Das auf einer alten persischen Tradition beruhende Naurus-Fest - auch Nauroz oder
Newroz geschrieben - wird am ersten Frühlingstag in Afghanistan, Iran und Zentral-Asien begangen. In der Türkei wird
es überwiegend von der kurdischen Bevölkerung gefeiert. In den vergangenen Jahren war es wiederholt Auslöser
gewalttätiger Auseinandersetzungen. (Quelle: ap)
Bei Wiederaufbauhilfe für Irak ist Deutschland gespalten
So.23.03.03 - In der Frage einer Beteiligung am Wiederaufbau Iraks nach Kriegsende
sind die Deutschen gespalten. Nach einer am Samstag veröffentlichten
Dimap-Umfrage sind 51 Prozent der Deutschen für eine finanzielle Beteiligung am
Wiederaufbau des Landes. 46 Prozent sind dagegen, drei Prozent machten keine
Angaben, wie die Befragung im Auftrag der «Welt am Sonntag» ergab.
Die Zustimmung ist in Westdeutschland mit 53 Prozent höher als im Osten, wo nur
44 Prozent dafür sind. Überwiegend für eine deutsche Irak-Hilfe sind Anhänger der
SPD (65 Prozent), der Grünen (72 Prozent), der FDP (79 Prozent) und der PDS (60
Prozent). Anhänger der Unionsparteien lehnen die Hilfe mit 52 Prozent überwiegend
ab.
(Quelle: ap)
FDP reicht AWACS-Klage beim Bundesverfassungsgericht ein
So.23.03.03 - Wegen des Einsatzes von Bundeswehrsoldaten in AWACS-Flugzeugen
hat die FDP am Samstag eine Klage beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht.
Dies teilte die Partei am Abend in Berlin mit. Die FDP will prüfen lassen, ob für den
Einsatz der Soldaten in der Türkei ein Mandat des Parlaments erforderlich ist oder nicht.
Nach Ansicht der Bundesregierung ist die Zustimmung des Bundestages nicht nötig.
Der Gang nach Karlsruhe war am Freitag von der FDP-Fraktion beschlossen worden.
Der Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt hatte erklärt, der Einsatz deutscher
Soldaten in diesen fliegenden Radarstationen gehe wegen der
NATO-Bündnisverpflichtungen gegenüber der Türkei sowie wegen der vom
türkischen Parlament beschlossenen Teilnahme am Irak-Krieg auf Seiten der USA
"über einen Routineauftrag hinaus". In diesem Fall sei die Bundesregierung
verpflichtet, für den Einsatz bewaffneter Streitkräfte die "konstitutive Zustimmung
des Bundestages einzuhole!. Am Donnerstag waren die Liberalen im Bundestag
mit ihrem Antrag gescheitert, ein eigenes Parlamentsmandat für die Soldaten in den
Aufklärungsmaschinen zu erreichen. (Quelle: ap)
Stoiber warnt vor «Alleingang» bei AWACS-Abzug
So.23.03.03 - CSU-Chef Edmund Stoiber hat die Bundesregierung vor einem
«Alleingang» bei einem eventuellen Abzug deutscher Soldaten aus den
AWACS-Aufklärungsflugzeugen in der Türkei gewarnt. "Wird die Türkei wirklich
Kriegspartei, dann muss die Entscheidung über die AWACS-Maschinen innerhalb
der NATO fallen. Vorerst sollten die deutschen Soldaten aber an Bord bleiben",
sagte er der "Bild am Sonntag" zufolge.
Ähnlich äußerte sich der CDU-Politiker Volker Rühe. "Wenn die Türkei in den Krieg
eingreift, dann sollte die Bundesregierung über den Verbleib der deutschen Soldaten auf den
AWACS-Flugzeugen nicht im Alleingang entscheiden. Sie muss darüber im Rahmen der
NATO befinden", wird er zitiert.
Zuvor hatte Außenminister Joschka Fischer in Berlin
erklärt, sollte die Türkei Truppen nach Irak verlegen, würden die deutschen Soldaten
aus den AWACS-Aufklärern der NATO abgezogen. An Bord der vier
AWACS-Aufklärungsflugzeuge über der Türkei stellt Deutschland ein Drittel der
Besatzungen. Ohne die insgesamt rund 20 Radar- und Elektronikspezialisten wären
die Aufklärer nicht einsatzfähig.
(Quelle: ap)
Protest gegen Bundeswehr auf Buchmesse
So.23.03.03 - Rund 150 Kriegsgegner in Leipzig haben gegen die Anwesenheit der
Bundeswehr auf der Buchmesse protestiert. Unter dem Motto "Bücher statt
Bomben" forderten sie die Messeleitung auf, die Militärs nicht mehr zur Buchmesse
zuzulassen, die dort den größten Stand angemietet haben. Die Bundeswehr
präsentiert auf der Buchmesse das interaktive Rollenspiel "POL&IS" (Politik und
internationale Sicherheit), bei dem Schüler in die Rollen von Ministern schlüpfen
können. Die Kriegsgegner nahmen insbesondere daran Anstoß, dass das Spiel
auch militärische Lösungskomponenten anbiete.
(Quelle: ap)
Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden: Knoblock nennt Golfkrieg unausweichlich
So.23.03.03 - Nach Ansicht der Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden in
Deutschland, Charlotte Knobloch, war der Golfkrieg notwendig. Saddam Hussein
habe die Vereinten Nationen getäuscht, man sollte ihm so schnell wie möglich das
Handwerk legen, und da sei leider ein Krieg unausweichlich, sagte sie am Samstag
im ZDF-Morgenmagazin.
"Krieg - Ja oder Nein - diese Frage sollte sich eigentlich gar nicht stellen, sondern
es sollte sich in erster Linie die Frage stellen, wie kann ich ein Volk schützen, nicht
nur vor Bomben, sondern auch vor einem Diktator, der ein Massenmörder ist",
erklärte Knobloch laut ZDF. (Quelle: ap)
Medienexperte mahnt zu vorsichtigem Umgang mit Kriegsberichten
So.23.03.03 - Der Medienpsychologe Jo Groebel hat einen vorsichtigen Umgang mit
Bildern aus dem Golfkrieg angemahnt. Zuschauer unterstellten bei Fernsehbildern
zunächst einmal "Echtheit und Authentizität", sagte er am Samstag im
ZDF-Morgenmagazin. Journalisten müssten deswegen immer wieder klar machen,
dass sie abhängig sind von dem, was sie an Bildern aus bestimmten Quellen
bekommen. Es erhöhe nicht die Wahrheit, "nur aus Sicht der amerikanischen
Soldaten diesen Krieg zu zeigen".
Entscheidend sei die Auswahl der Bilder. Die Macht eines einzelnen Bildes kann
Groebels Auffassung nach zum Umschlagen der öffentlichen Meinung führen. Das
hätten Vietnamkrieg oder Somalia gezeigt. Sollte das Bild des "klinischen Krieges"
von Bildern des Schreckens und Bildern von Toten abgelöst werden, werde das die
gesamte Meinung verändern, sagte der Medienpsychologe. (Quelle: ap)
Cyberaktivisten protestieren gegen den Irak-Krieg und noch berichten auch
unabhängige Beobachter direkt aus Bagdad
Mehr unter:
Embedded Journalism -- neue Form der Kriegsberichterstattung
Niemand vermag zu sagen, welche Kosten der Krieg den Volkswirtschaften aufbürden wird
Da wären zunächst die direkten Ausgaben der US-Regierung. Deren
Höhe ist bei den Experten umstritten. Nur eins ist sicher: Mit den
61 Milliarden Dollar, die der Golfkrieg 1991 laut offiziellen Angaben
gekostet hat, ist es diesmal nicht getan. "Im besten Fall 99
Milliarden, im schlimmsten Fall 1,9 Billionen Dollar", sagt der
amerikanische Ökonom Wiliam Nordhaus voraus. Die eigentlichen
Kriegskosten sind dabei mit 140 Milliarden Dollar relativ gering. Der
Löwenanteil entsteht mit 778 Milliarden durch die Verluste an den
Ölmärkten. An den Börsen wird der Krieg laut Nordhaus 391
Milliarden Dollar vernichten.
Die australischen Ökonomen Warwick McKibbin und Andrew
Stoeckel rechnen bei einem langen Krieg mit fünfjähriger
Besatzung mit Kosten von 3,57 Billionen Dollar für die
Weltwirtschaft. Und der Bremer Professor Rudolf Hickel geht davon
aus, dass der Wiederaufbau bis zu 605 Milliarden Dollar kosten
könnte.
Weltwasserforum: Aufruf zum Kampf gegen Wasserknappheit
So.23.03.03 - Mit dem Aufruf zum Kampf gegen die Wasserknappheit in vielen
Ländern der Erde ist am Sonntag das dritte Weltwasserforum der UN zu Ende
gegangen. Minister aus fast 100 Staaten nahmen an dem einwöchigen Treffen teil,
das aber nach Einschätzung von Delegierten mehr dem Meinungsaustausch als der
Verabredung konkreter Maßnahmen gedient hat.
In der Abschlussdeklaration wird Wasser als Schlüssel für eine nachhaltige
Entwicklung und der Ausrottung von Hunger und Armut bezeichnet. Viele
Delegierte, darunter auch aus der EU, kritisierten die Deklaration als unzureichend
und forderten den Beschluss konkreter Maßnahmen.
In einem Bericht hatten die Vereinten Nationen den Mitgliedsländern während der
Konferenz vorgeworfen, seit dem letzten Wasserforum in Den Haag im Jahr 2000 so
gut wie keines der gesteckten Ziele umgesetzt zu haben. Nach UN-Angaben sind
zwei Milliarden Menschen ohne sauberes Wasser und mehr als 200 Millionen
erkranken jährlich wegen verseuchten Wassers, etwa an Cholera. Zwischen zwei
und fünf Millionen Menschen sterben pro Jahr an den Folgen, wie es in dem Bericht
weiter hieß. Wasserwissenschaftler sagen, 70 Prozent allen Nutzwassers werde für
die Landwirtschaft verwendet, oft mit ineffizienten Bewässerungssystemen.
Nach Angaben von Experten sind 100 Milliarden Dollar (93 Milliarden Euro)
zusätzlich zu den jährlich 80 Milliarden Dollar notwendig, damit insbesondere die
Länder der Dritten Welt die Probleme in den Griff bekommen. Am größten ist die
Wasserknappheit in den südlich der Sahara gelegenen afrikanischen Staaten. In
Asien gibt es die schmutzigsten Flüsse der Welt. In Europa sind nur fünf der 55
größten Flüsse sauber. (Quelle: ap)
Wasser als Menschenrecht oder als Handelsgut?
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