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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mo.24.03.03, 12:45 Fünfter Kriegstag in Irak
Mo.24.03.03 - Ein Bombenhagel aus Tieffliegern hat die Einwohner von Bagdad die
ganze Nacht zum Montag über in Angst und Schrecken versetzt. Gewaltige
Explosionen erschütterten die Hauptstadt, mehrere Regierungsgebäude wurden
getroffen. Es waren offenbar die schwersten Luftangriffe seit Beginn der
Großoffensive am Freitagabend. Bei den Raketenangriffen wurden nach
Koerrespondentenberichten erstmals Wohnhäuser getroffen.
Von den Bomben der Alliierten wurde auch der Alte Palast am Tigris getroffen, der
Sitz der irakischen Regierung. Dieser war bereits bei der ersten Angriffswelle auf
Bagdad am Freitagabend beschädigt worden. Auch das Planungsministerium wurde
diesmal von einer heftigen Detonation erschüttert.
Die Invasionstruppen waren am Sonntag bei ihrem Vorstoß in Richtung Bagdad auf
heftigen Widerstand gestoßen. Gleichwohl setzten sie am Montagmorgen ihren
Marsch nach Norden fort. Nach US-Angaben wurden bei Nasirijah seit Samstag neun amerikanische Soldaten getötet,
zwölf wurden vermisst. Zwei britische Piloten kamen ums Leben, nachdem ihre Maschine versehentlich von der
amerikanischen Flugabwehr getroffen worden war. Zwei weitere Briten wurden nach einem irakischen Angriff auf ihr
Fahrzeug vermisst.
Das irakische Fernsehen zeigte Bilder von mindestens vier Leichen mutmaßlicher
US-Soldaten und fünf angeblichen US-Kriegsgefangenen. Die Gefangenen wären die
ersten US-Soldaten in der Hand Iraks seit Beginn des Kriegs am Donnerstag. Aus
US-Verteidigungskreisen hieß es zu den Fernsehaufnahmen, offensichtlich seien
einige US-Soldaten vom irakischen Militär im Süden des Landes gefangen
genommen und einige sogar getötet worden.
US-Präsident George W. Bush hat am Sonntag Irak aufgefordert, Kriegsgefangene
human zu behandeln. Zuvor hatte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld
das Zurschaustellen von Kriegsgefangenen als Verstoß gegen die Genfer Konventionen
bezeichnet.
Bei der Rückkehr von seinem Wochenendsitz Camp David ins Weiße Haus sagte Bush, er kenne noch nicht alle
Details der berichteten Gefangennahme amerikanischer Soldaten. Er erwarte aber, dass Irak alle Kriegsgefangenen
«human behandelt, so wie wir auch alle irakischen Gefangenen behandeln».
US-General John Abizaid sagte bei einer Pressekonferenz am Stützpunkt des
Central Commands in Doha, bei Gefechten nahe Nassirija rund 375 Kilometer
südöstlich von Bagdad seien weniger als zehn Soldaten getötet und mehrere
Soldaten verletzt worden. Er sprach von den heftigsten Kämpfen seit Kriegsbeginn
am Donnerstag. "Es ist der Tag des härtesten Widerstands bislang." US-Präsident
George W. Bush sprach in Washington von einem harten Kampf,
der bevorstehe. "Wir sind auf Kurs und machen gute Fortschritte. Dies ist nur der
Beginn eines harten Kampfes."
Auch Reuters-Korrespondenten berichteten von heftiger Gegenwehr Iraks nahe Nassirija. Eine Guerilla-Einheit nahmen
die von Süden vorrückenden US-Soldaten am Euphrat unter starken Beschuss und stoppten ihren Vormarsch
zunächst. "Sie kämpfen den ganzen Tag mit einer Art Guerilla-Taktik", sagte ein US-Offizier. Am Samstag hatte das
US-Militär erklärt, die Stadt am Euphrat sei gefallen. Rund 200 Kilometer weiter in Richtung Bagdad berichteten
Reporter von Kämpfen nahe der Stadt Nadschaf. "Mein Eindruck nach Gesprächen mit einigen Offizieren ist, dass sie
ziemlich überrascht sind von der Stärke des Widerstands und dass nicht mehr Iraker kapitulieren", sagte
Reuters-Korrespondent Luke Baker.
Trotz des Widerstands der irakischen Soldaten sollen die von den USA angeführten Streitkräfte nach Einschätzung
aus britischen Verteidigungskreisen bald die irakische Hauptstadt erreichen. "Wir rechnen für Montagnacht oder
Dienstag mit der Bodenoffensive auf Bagdad", hieß es. Der Vormarsch der Truppen werde auch nicht durch Kämpfe
um die zweitgrößte Stadt des Landes, Basra, aufgehalten. Nach irakischen Angaben wurden bei den Gefechten um
die Stadt bereits 77 Zivilisten getötet und 366 verletzt.
Die US-Armee bestätigte den versehentlichen Abschuss eines britischen Tornado-Kampfflugzeugs durch
Patriot-Raketen über dem Persischen Golf. Zudem sei ein Soldat im Süden Iraks "bei einem Verkehrsunfall" ums
Leben gekommen und ein weiterer verletzt worden. (Quelle: dpa, rtr, afp)
«Ich frage Amerika: Ist das nicht Terrorismus?»
Schafa Hussein scharrt in den
Trümmern ihres Hauses, um nach den Luftangriffen noch
einige Fotos aus dem Staub zu retten. Sie war mit ihrem
kranken Sohn ins Krankenhaus gefahren. Als sie
zurückkehrte, lag ihr Haus im Bagdader Wohngebiet
Kadissija in Schutt und Asche. Bei den Luftangriffen der
USA und Großbritanniens am Samstagabend war es ebenso wie fünf weitere
Häuser in der Nachbarschaft zerstört worden.
"Ich danke Gott, dass weder mein Mann noch mein Kind oder ich verletzt wurden",
sagt die 39 Jahre alte Frau. Was nun geschehen soll, weiß sie nicht. "Ich werde
aus Bagdad fliehen, aber ich weiß nicht, wohin ich gehen soll. Denn ich habe kein
Geld und keinen Ort, wo ich hin kann", sagt sie. Ihr gesamter Besitz - Möbel, Geld
und Nahrungsmittel - liegen unter den Trümmern begraben. Ihr Mann arbeitet in
einem Kraftwerk. "Ich hoffe, dass sie keine Kraftwerke bombardieren werden", sagt
sie.
Kadissija liegt im Zentrum Bagdads, rund drei Kilometer vom Präsidentenpalast
Salam, der bereits am Vortag von Luftangriffen getroffen worden war. Zahlreiche
Verletzte soll es hier in der Nachbarschaft bei dem Angriff am Samstag gegeben
haben, berichten Anwohner. Niemand sei ums Leben gekommen. Marschflugkörper
sollen hier eingeschlagen sein, sagen sie. Was das Ziel des Bombardements war,
ist unklar.
"Das ist richtiger Terrorismus", sagt einer der Anwohner von Kadissija. "Unschuldige
Leute sitzen in ihren Häusern und Bomben fallen ihnen auf dem Kopf. Ich frage Amerika: Ist das nicht Terrorismus?"
Ein anderer fragt: "Wo sind die Araber, und wo sind die Moslems? Unsere Häuser werden zerstört und unsere Kinder
getötet, und sie tun nichts dagegen." (Quelle: rtr)
«Es war die Hölle, wirklich die Hölle»
Die Mutter kommt ans Telefon und sagt: "Ich weiß natürlich, dass
das totaler Quatsch ist, aber was soll ich ihnen in solchen
Momenten auch erklären. Wir haben das Radio lauter gedreht und
angefangen zu singen und zu tanzen, um die Kinder abzulenken." (Quelle: taz)
Die meisten Reichen haben Bagdad verlassen.
«Die Gläubigen werden siegreich sein»- Durchhalterede von Saddam Hussein
Mo.24.03.03 - Der irakische Staatschef Saddam Hussein hat am Montag in einer im Fernsehen
ausgestrahlten Rede einen "baldigen Sieg" angekündigt. Unklar war, ob die 20minütige
Rede live gehalten wurde oder ob es sich um eine Aufzeichnung handelte. Wie bei den
bisherigen Fernsehauftritten des irakischen Herrschers war zudem nicht klar, ob es sich
tatsächlich um den irakischen Herrscher handelte oder um einen seiner mehr als ein
Dutzend Doppelgänger. Der erneut in Militäruniform gekleidete Saddam las ohne Brille
den Text herunter. Er schien ruhiger zu sein, als in seiner letzten Ansprache am letzten
Donnerstag nach den ersten amerikansichen Angriffen.
Saddam rief die Iraker auf, die Feinde anzugreifen, "damit das Böse besiegt wird". Die
Iraker sollten das tun, was Gott ihnen befohlen habe und die Kehlen der Angreifer
durchschneiden. "Die Gläubigen werden siegreich sein", erklärte Saddam Hussein.
"Dieses Mal haben sie ihre Infanterie geschickt. Dieses Mal sind sie gekommen, um
euer Land zu besetzen."
Der Irak bemühe sich, den Krieg in die Länge zu ziehen und bringe den Angreifern
schwere Verluste bei. Die Invasionstruppen sässen in der Falle angesichts des
"heldenhaften Widerstands" der Iraker. Saddam las auch mehrere Namen von
Offizieren seiner Armee herunter, die den Angreifern in der Hafenstadt Umm Kasr
heroischen Widerstand geleistet hätten. (Quelle: nzz)
51. Division hat nicht kapituliert
Mo.24.03.03 - Der Korrespondent des
katarischen TV-Senders al-Dschasira in Basra hat gestern den
Kommandeur der 51. irakischen Division, Chalid al-Haschimi,
interviewt. Regierungsbeamte in Washington hatten Samstag
berichtet, die 8.000 Mann starke Division habe sich im Südirak
US-Marineinfanteristen ergeben. Es habe zwar Gefangene
gegeben, seine Division habe sich aber keineswegs ergeben, sagte
al-Haschimi. Nach Angaben von Oberbefehlshaber Tommy Franks
haben die US-geführten Soldaten bereits zwischen "1.000 und
2.000" Kriegsgefangene in Irak gemacht. Tausende weitere
irakische Soldaten seien auf der Flucht, hatte er Samstag auf dem
Stützpunkt al-Sailijah angegeben. Über den Aufenthaltsort von
Saddam Hussein hätten die US-Streitkräfte keine Informationen.
"Ich habe keine Ahnung, wo er jetzt ist", sagte Franks. (Quelle: taz/afp)
«Es wird Überraschungen geben»
Bislang läuft aus amerikanischer Sicht im Golfkrieg fast alles
nach Plan. Doch die kommenden Tage könnten zu den blutigsten seit Kriegsbeginn
werden.
Nach dem angeblich weitgehend reibungslosen Start liegen jetzt die echten Herausforderungen
vor den alliierten Streitkräften: Gefechte gegen die Elitetruppen der Republikanischen Garde, der Kampf um die
Hauptstadt Bagdad und die Suche nach dem irakischen Staatschef Saddam Hussein.
«Es wird Überraschungen geben», sagte der Kommandeur der alliierten
Golfkriegsstreitkräfte, General Tommy Franks, am Samstag. «Bis jetzt kennen wir sie noch
nicht.» Als eine neue Komplikation könnte sich etwa die Sicherung von Nordirak erweisen. Am
Samstag gaben die USA den Plan auf, Stützpunkte in der
Türkei zu nutzen, um Bodentruppen in die Region zu entsenden. Bislang befinden
sich dort nur US-Sondereinsatztruppen. Doch eine Verstärkung durch reguläre
Streitkräfte wäre dringend notwendig - nicht nur zum Kampf gegen die irakische
Armee, sondern auch um einen drohenden Konflikt zwischen den dort lebenden
Kurden und der benachbarten Türkei zu verhindern.
US-Präsident George W. Bush erneuerte seine Warnung, dass der Krieg «länger und schwieriger» werden könnte als
zuvor angenommen. Franks sprach in seiner ersten Pressekonferenz seit Kriegsbeginn von einem «Potenzial für
mehrere Tage und Wochen». Als größtes Hindernis im Großraum Bagdad könnten sich die sechs Divisionen der
offenbar kampfbereiten Republikanischen Garde herausstellen. «Wir haben noch wichtige irakische Truppen vor uns»,
räumte Generalmajor Stanley McChrystal vom US-Generalstab in Washington ein. «Möglicherweise werden sie
kämpfen.»
Amerikanische Kriegsstrategien befürchten, dass es zu Straßenschlachten in Bagdad kommen könnte. Damit wären
zahlreiche Todesopfer zu befürchten, sowohl auf Seiten der Alliierten als auch unter der fünf Millionen Einwohner
umfassenden Zivilbevölkerung. Um ein solches Szenario zu verhindern, haben die USA zunächst auf die Erstürmung
der südlichen Millionenstadt Basra verzichtet. Doch falls sich die Republikanische Garde tatsächlich auf den Kampf
einlässt, wird es in Bagdad diese Option möglicherweise nicht geben.
Millionen Menschen protestieren gegen Irak-Krieg
Mo.24.03.03 - Der Irak-Krieg hat am Wochenende Millionen Menschen rund um den Globus
zu Protesten auf die Straße getrieben. Allein in Deutschland folgten mehr als 150.000
Kriegsgegner den Aufrufen von Kirchen, Gewerkschaften und Friedensbündnissen zum Protest.
Die größten Kundgebungen gab es in Spanien, wo allein in Barcelona
eine halbe Million Menschen demonstrierten. Im pakistanischen Lahore
versammelten sich rund 200.000 Kriegsgegner. In London gingen Hunderttausende
auf die Straßen. Auch in den USA sollen die Aktionen gegen den Krieg fortgesetzt
werden.
Allein am Samstag beteiligten sich weltweit bis zu zwei Millionen Menschen an den
weitgehend friedlichen Protestkundgebungen in Asien, Nord- und Südamerika,
Europa und dem arabischen Raum. Nur vereinzelt wurden Zwischenfälle gemeldet.
In der spanischen Hauptstadt Madrid verhinderte die Polizei einen Marsch von rund
250.000 Demonstranten zum Regierungspalast, wo sie gegen den Kriegskurs von
Ministerpräsident José María Aznar protestieren wollten. Anschließend lieferten sich
die Beamte heftige Auseinandersetzungen mit rund 400 teils vermummten
Jugendlichen.
In den USA und Kanada beteiligten sich am Samstag mindestens 200.000
Menschen an Protestveranstaltungen. In New York wurden etwa 70 Demonstranten
festgenommen, aus San Francisco wurden 1600 Festnahmen in zwei Tagen
gemeldet. In der Hauptstadt Washington versammelten sich mehrere tausend
Kriegsgegner vor dem Weißen Haus und riefen "Schande über Bush" und "Kein Krieg für Öl".
Auch zahlreiche US-Kriegsveteranen demonstrierten mit. "Wir kennen den Horror, den
Schmerz, den Gestank des Krieges", sagte der 78-jährige Weltkriegsveteran Gene Glazer, als er einen Kranz
am Mahnmal für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen US-Soldaten niederlegte. Auch
zu den Gedenkstätten für die Opfer der Kriege in Korea und Vietnam marschierten
die mehreren hundert Demonstranten. Auf zahlreichen Bannern wurde deutliche
Kritik am Kurs von US-Präsident George W. Bush geübt. Zehntausende
versammelten sich zudem aus Protest gegen die nach ihrer Ansicht einseitige Berichterstattung vor der CNN-Zentrale
in Atlanta und einer CNN-Filiale in Los Angeles.
Gegen die Teilnahme australischer Truppen protestierten mehr als 40.000 Menschen in Sydney, Adelaide und
Canberra.
Mehrere hundert australische Kriegsgegner haben versucht, das
Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Canberra zu stürmen. Die
Polizei hielt etwa 400 Demonstranten zurück, die ein
Zusammentreffen mit Premierminister John Howard forderten und
den Eingang zum Parlament blockierten. Der Regierungschef
wurde bei einer Rede vor den Abgeordneten von einer Frau
unterbrochen, die von der Zuschauerbühne aus Anti-Kriegs-Parolen
rief. Howard hatte gegen den Widerstand in der Bevölkerung rund zweitausend
australische Soldaten in den von den USA angeführten Irak-Krieg geschickt. Nach
Kriegsbeginn stieg die Zustimmung in der Bevölkerung allerdings deutlich
Im ostpakistanischen Lahore folgten mehr als 200.000 Demonstranten einem Aufruf islamistischer
Gruppierungen zum Protest. Auch aus Afghanistan wurden zum ersten Mal Proteste gegen den Krieg gemeldet.
In Deutschland und Europa fanden die größten Kundgebungen am Samstag statt, für Sonntag waren vor allem
Mahnwachen geplant. Allein in Berlin gingen am Samstag 40.000 Menschen auf die Straße, ebensoviele waren es in
Paris. In London beteiligten sich nach Angaben der Polizei mindestens 200.000, nach Angaben der Organisatoren
mindestens 700.000 Menschen an den Protesten. (Quelle: afp)
Rotes Kreuz: Basra ohne Strom und Trinkwasser
Mo.24.03.03 - Die 1,9 Millionen Bewohner der südirakischen Stadt Basra
sind infolge der US-geführten Invasion seit Freitag ohne
Strom und Trinkwasser. Die Lage drohe ernst zu werden,
sagte ein Sprecher des Internationalen Komitees von
Roten Kreuz der Nachrichtenagentur AFP in Bagdad.
Durch die Kämpfe seien die Hochspannungsleitungen
zerstört worden. Dadurch seien die Stromversorgung der Stadt und der
Trinkwasser-Pumpstation ausgefallen. Die Stadt sei nurmehr mit Brauchwasser
versorgt, das jedoch nicht trinkbar sei.
Seine Organisation stehe in Verhandlung mit den Kriegsparteien, damit ein Team
von Technikern die Pumpstation wieder in Gang setze, sagte der Sprecher. Bislang
seien die Gespräche jedoch erfolglos. Seinen Angaben zufolge befindet sich das
Wasserwerk nahe dem von den alliierten Streitkräften besetzten Flughafen von
Basra. (Quelle: afp)
Hilfsorganisationen besorgt um Helfer und Bevölkerung in Irak
Mo.24.03.03 - Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche hat sich besorgt
gezeigt um die Zivilbevölkerung in Irak und die Katastrophenhelfer. Die Leiterin der
Diakonie Katastrophenhilfe, Hannelore Hensle, erklärte am Sonntag in Stuttgart:
"Wir bangen mit den Menschen in Not und mit denen, die versuchen, die
Versorgung mit dem Nötigsten sicherzustellen."
Die Diakonie hat nach eigenen Angaben zusammen mit dem mittelöstlichen
Kirchenrat und lokalen Gemeinden Schulen, Kirchen und Moscheen als
Hilfsstätten vorbereitet. Dort könnten Menschen mit Lebensmitteln, Trinkwasser
und Medikamenten versorgt werden. Brunnen sei gebohrt und mit Pumpen ausgestattet
worden.
Größere Flüchtlingsströme
seien bislang ausgeblieben, erklärte die Diakonie. In Jordanien und Syrien werde
aber in den nächsten Tagen mit einer großen Zahl von Flüchtlingen gerechnet, hieß es. Die Partner der Diakonie
Katastrophenhilfe beteiligten sich im Bedarfsfall an der Verteilung von Lebensmitteln und Trinkwasser in den geplanten
Auffanglagern.
Von zahlreichen Flüchtlingen in Nordirak berichtete der Malteser Hilfsdienst. Sid Johann Peruvemba, zuständig für die
Nothilfe im Malteser Auslandsdienst, erklärte, aktuelle Schätzungen gingen von derzeit bis zu 500.000 Flüchtlingen
aus. Den Angaben zufolge sollen etwa 85 Prozent der Bevölkerung die Städte Mossul, Kirkuk und Dohuk verlassen
haben und versuchen, die sicheren Bergregionen zu erreichen. Dort seien sie für Hilfsorganisationen aber nicht
erreichbar, erklärte der Malteser Hilfsdienst. (Quelle: ap)
Hilfsorganisationen rufen zu Spenden auf
Spendenkonten unter:
Angriffe auf Ölstädte in Irakisch-Kurdistan
In den vergangenen Tagen sind die nordirakischen
Ölstädte Mosul und Kirkuk immer wieder Ziel von Angriffen der
Kriegskoalition geworden.
Gestern Mittag wurden erneut Raketen
auf Mosul abgefeuert. Wie der Korrespondent von al-Dschasira
berichtete, trafen Geschosse auch Ziele in der Nähe des
Stadtzentrums.
Die Ölvorräte in der Region von Mosul und Kirkuk sollen rund ein
Drittel der irakischen Reserven ausmachen. Beide Städte liegen in
Kurdistan, jedoch außerhalb der autonomen Zone. Im Zuge der
Arabisierungspolitik des Regimes wurden zahlreiche Kurden aus
Kirkuk vertrieben. Diese hoffen jetzt auf die Rückkehr - in Häuser, in
denen inzwischen andere Familien leben. (Quelle: taz)
Kirkuk und der Kampf ums mesopotamische Öl
Hintergrundwissen:
Trotz UN-Sanktionen und veralterter Technik spielt der Irak nach wie vor eine
Hauptrolle in der Welt des Öls.
Mehr unter:
Das schwarze Gold ist ein zentrales Objekt der Begierde im Irak-Krieg. Doch schon seit Jahren zeichnet
sich ein anderer Rohstoff ab, der ein mindestens ebenso großes Konfliktpotenzial
besitzt: Wasser, sauberes Trinkwasser.
Mehr unter:
Bush will Kongress um 80 Milliarden Dollar für Irak-Krieg bitten
Mo.24.03.03 - Die US-Regierung schätzt, dass der
Irak-Krieg 80 Milliarden Dollar kosten wird. US-Präsident
George W. Bush wolle den Kongress am Montag um die
Bewilligung dieser zusätzlichen Mittel bitten, berichtete die
"Washington Post" am Sonntag.
In dem Budget seien 60 Milliarden Dollar für die direkten
Kriegskosten und die ersten unmittelbaren Aufbauarbeiten
enthalten. Der Rest sei für den Heimatschutz in den USA,
humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe vorgesehen. Die
US-Regierung hatte sich seit Monaten geweigert, eine Schätzung über die
Kriegskosten abzugeben. (Quelle: dpa)
Niemand vermag zu sagen, welche Kosten der Krieg den Volkswirtschaften aufbürden wird
Mehr unter:
Bush warnt Türkei vor Einmarsch
Mo.24.03.03 - US-Präsident George W. Bush hat die Türkei eindringlich vor
einem Einmarsch in den Nordirak gewarnt. Die amerikanische Haltung sei da sehr
klar, so Bush. Ein möglicher Einmarsch türkischer Soldaten hat auch in Berlin und
Brüssel Besorgnis ausgelöst. Dagegen machte der türkische Ministerpräsident
Recep Tayyip Erdogan deutlich, dass Ankara an seinen Plänen zur Entsendung
eigener Truppen festhalte. Der Türkei gehe es darum, in einem "begrenzten Streifen
jenseits der irakischen Grenze" Flüchtlingsströme zu kontrollieren.
Die Türkei will trotz internationaler Kritik und notfalls auch
gegen den Willen der USA Truppen in den Norden Iraks
schicken. Die Regierung in Ankara bestritt zwar, dass
bereits zusätzliche Truppen über die Grenze nach Irak
geschickt worden seien, bekräftigte zugleich aber ihren
Anspruch auf eine militärische Präsenz im Nachbarland.
Die USA gaben das Projekt eines groß angelegten
Einmarsches über die Türkei nach Nordirak auf und begannen mit der Verlegung
kleinerer Verbände per Flugzeug in die Region. Auf diese Weise soll die so
genannte Nordfront gegen Bagdad doch noch zustande kommen.
Die Türkei hatte nach der Parlamentsentscheidung zur Öffnung ihres Luftraumes für
die US-Kampfflugzeuge Ende vergangener Woche die Umsetzung des Beschlusses
verzögert, um eine amerikanische Zustimmung zum türkischen Einmarsch in
Nordirak durchzusetzen. Schließlich erklärte der türkische Außenminister Abdullah
Gül, alle Probleme mit den USA seien gelöst: "Türkische Soldaten werden nach
Nordirak gehen".
Mehreren türkischen Medienberichten zufolge rückten in der Nacht zum Samstag
rund 1500 türkische Soldaten in den Norden Iraks ein, wo bereits seit Monaten
türkische Einheiten stehen. Die britische Regierung bestätigte die Anwesenheit der
türkischen Soldaten in dem Gebiet. Dagegen dementierte der türkische Generalstab
die Truppenverlegung, unterstrich aber gleichzeitig, dass die Armee jederzeit bereit sei, Soldaten in den Norden Iraks
zu verlegen. Ankara besteht auf dem Truppeneinmarsch, um die Entstehung eines Kurdenstaates in Nordirak
verhindern zu können.
Die Berichte über die zusätzliche Truppenverlegung verstärkten auch die Befürchtung Washingtons, dass es im
Norden Iraks Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden geben könnte. Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld sagte, eine starke türkische Truppenpräsenz im Norden Iraks wäre "nicht hilfreich". Ursprünglich war
geplant, dass amerikanische und türkische Soldaten gemeinsam nach Nordirak einrücken. Von dort aus wollte die
US-Armee weiter Richtung Bagdad marschieren. Dieser Plan scheiterte aber am Nein des türkischen Parlaments zur
Stationierung amerikanischer Bodentruppen.
Deshalb begannen die USA damit, Elitesoldaten per Flugzeug in Nordirak abzusetzen. Nach kurdischen Angaben
trafen die ersten 300 US-Soldaten in der Nähe der Stadt Suleimanijah ein. Erster Gegner der US-Soldaten soll die
radikal-islamische Organisation Ansar el Islam sein, die in der Gegend aktiv ist. Die Gruppierung unterhält nach
Angaben der US-Regierung Verbindungen sowohl zum Terrornetzwerk El Kaida als auch zur Regierung des irakischen
Staatschefs Saddam Hussein. (Quellen: dpa, afp)
Verheugen warnt die Türkei vor Beteiligung an Irak-Krieg
Mo.24.03.03 - EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen hat die Türkei
eindringlich davor gewarnt, sich aktiv an Kampfhandlungen in Irak zu beteiligen.
"Wenn die Türkei das tut, ist der Schaden wahrscheinlich größer als der, den sie
selber erleidet", sagte Verheugen mit Blick auf das Kurdenproblem in der
ARD-Sendung Sabine Christiansen am Sonntag. Der SPD-Politiker wollte sich den
US-geführten Irakkrieg nicht als völkerrechtswidrig bezeichnen. Er stellte aber fest:
"Eine zweite legitimierende UN-Resolution für diesen Krieg liegt nicht vor."
Militärische Aktionen in Nordirak würden einen Beitrag zu mehr Instabilität in der
Region darstellen, betonte Verheugen. (Quelle: ap)
Belgischer Außenminister: Beitritt zur Europäischen Union könnte in Frage stehen
Mo.24.03.03 - Ein Einmarsch der Türkei in Nordirak könnte den türkischen
Beitritt zur Europäischen Union (EU) in Frage stellen. Der belgische Außenminister Louis Michel
forderte am Sonntag, großen Druck auf Ankara auszuüben, um eine türkische Intervention zu verhindern. "Es
ist undenkbar, dass die Türkei der EU beitritt, wenn sie in Kurdistan einmarschiert", sagte Michel im
Fernsehsender RTL-TVi. Der belgische Ministerpräsident Guy Verhofstadt sagte am Samstagabend im
flämischen Fernsehen, im Fall eines Einmarsches müssten die Maßnahmen der NATO zum Schutz der
Türkei überdacht werden. "Sollte die Türkei Kriegspartei im Irak werden, würde eine neue Lage entstehen, die
(...) zum Abzug der deutschen Soldaten aus den NATO-Awacs-Flugzeugen führen wird", sagte
BRD-Außenminister Fischer am Samstag. (Quelle: info.partisan.net)
Zentralrat der Muslime ruft zu Besonnenheit auf
Mo.24.03.03 - Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat alle Muslime
zu Besonnenheit und stärkerem Engagement gegen den Krieg und für den Frieden
aufgerufen. "Lasst bei Eurem Auftreten deutlich werden, dass Euer Ruf für den
Frieden nicht Unterstützung der Tyrannei, und dass Euer Protest gegen den Krieg
nicht Hass und Feindschaft gegen andere Völker bedeuten", erklärte der
ZMD-Vorsitzende Nadeem Elyas am Sonntag in Eschweiler.
Muslime sollten sich mit Friedensinitiativen in ihrer Nähe in Verbindung setzen,
an Friedensdemonstrationen, Friedensgebeten und Lichterketten teilnehmen
sowie auch andere Menschen ihres Glaubens dazu motivieren. Bei allen Aktionen
sollten jedoch Gesetzmäßigkeit und Friedfertigkeit der Mittel gewahrt bleiben. Zum
Kriegsbeginn hatte der Zentralrat der Muslime in Deutschland den Angriff auf Irak aufs
Schärfste verurteilt. Der Angriffskrieg stelle "einen eklatanten Bruch mit allen Maßstäben
des Völkerrechts, der Menschlichkeit und der ethischen Gebote aller Religionen dar", hieß es.
(Quelle: ap)
Immer mehr Kritik an Kriegsberichterstattung
Mo.24.03.03 - Die Berichterstattung über den Golfkrieg ist in die Kritik
geraten. Der Medienpsychologe Jo Groebel mahnte am Wochenenende zu einem
vorsichtigen Umgang mit Bildern. Dem Zuschauer müsse klar gemacht werden,
dass Journalisten vom ihnen zur Verfügung gestellen Material abhängig seien. Der
ARD-Korrespondent auf der US-Basis Doha in Katar, Peter Puhlmann, beklagte,
dass Journalisten dort systematisch von Informationen ausgeschlossen würden.
CNN-Chef Chris Cramer verteidigte die Arbeit seiner Reporter vor Ort.
Der Hamburger Journalistik-Professor Siegfried Weischenberg warf
ARD und ZDF in der "Bild am Sonntag" vor, zu viele Sendeplätze mit zu wenig
Informationen zu besetzen. Das ermüde die Zuschauer. Der ehemalige Vorsitzende des Deutschen
Journalistenverbandes (DJV) wies außerdem darauf hin, dass es aus Irak nur
zensierte Filme gebe. Aber auch die Bilder von Journalisten bei US-Truppen würden
vom Militär ausgewählt. Weischenberg riet dazu, möglichst viele Informationsquellen
zu nutzen und sich nicht allein auf das Fernsehen zu verlassen.
Dagegen rügte der niedersächsische DJV-Präsident Michael Konken vor allem die Berichterstattung vieler privater
Fernsehsender. Namentlich kritisierte er RTL, wo sogar während Unterhaltungssendungen die Dauereinblendung
"Krieg gegen Irak" als Werbung für die eigene Berichterstattung zu sehen gewesen sei. "Journalismus in
Kriegszeiten ist nicht die Jagd nach dem sensationellsten Bild oder Nachricht, sondern die ausgewogene
Übermittlung von nachprüfbaren Fakten", sagte Konken.
Der Präsident von CNN International, Cramer, sagte in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Montagausgabe): "Wir
vermitteln kein Hochglanzbild des Krieges. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand die letzten Tage vor dem
Fernseher gesessen hat und nicht entsetzt ist über das, was er sieht. Das ist kein Reality-TV. Das ist Realität im
Fernsehen." Derzeit berichteten rund 20 "eingebettete" CNN-Teams direkt von der Front und dem Vormarsch der
US-Truppen, sagte er. Kritik, dass dies zu einer einseitigen, distanzlosen Berichterstattung führen könnte, wies er
zurück. "Das ist echter, purer Journalismus, das ist Kriegsberichterstattung."
Medienpsychologe Groebel betonte die Macht der bewegten Bilder. Zuschauer unterstellten bei Fernsehbildern
zunächst einmal "Echtheit und Authentizität", sagte er am Samstag im ZDF-Morgenmagazin. Entscheidend sei die
Auswahl der Bilder. Die Macht eines einzelnen Bildes kann Groebels Auffassung nach zum Umschlagen der
öffentlichen Meinung führen. Das hätten Vietnamkrieg oder Somalia gezeigt. Sollte das Bild des "klinischen Krieges"
von Bildern des Schreckens und Bildern von Toten abgelöst werden, werde das die gesamte Meinung verändern, sagte
der Psychologe.
"Skandalöse Zustände" beklagte ARD-Korrespondent Puhlmann im Pressezentrum auf der US-Basis in Doha.
Journalisten, deren Länder nicht zur "Koalition der Willigen" gehörten, würden von Informationen systematisch
ausgeschlossen. Das führe dann zu der grotesken Situation, dass Journalisten andere von den Streitkräften
informierte Journalisten interviewten über einen Krieg, der ein paar Hundert Kilometer weit weg sei. (Quelle: ap)
«In der Irak-Krise sind die Sender Megafone der Regierungsvertreter»
US-Medien berichten live von der Front und haben wenig Platz für kritische Berichte
«Junge, die Iraker sollten besser einsehen, dass dies eine
gewaltige Militärmacht ist!» schreit der US-Reporter aufgeregt in sein Mikrofon. Er
sitzt auf einem Truppentransporter, um ihn herum donnern hunderte Kampfpanzer,
Jeeps und Geländewagen durch die staubige irakische Wüste in Richtung Norden.
«Keine Frage, die Jungs sind so heiß loszulegen, das wird alles ratz-fatz gehen»,
berichtet begeistert Oliver North, Ex-Oberst und 1986 in die Iran-Contra-Affäre
verwickelt. Er berichtet für den Nachrichtensender Fox News direkt von der Frontlinie.
«Es ist ein Augenblick der Geschichte, und wir haben einen Platz in der ersten
Reihe», lobt ein CNN-Reporter an Bord eines Flugzeugträgers.
Bilder von der anderen Seite des Krieges sind auf den US-
Fernsehschirmen Mangelware. Über Ängste der irakischen Bevölkerung erfährt der
Zuschauer so gut wie gar nichts, die Antikriegsproteste in aller Welt werden klein
gefahren. Mit der Einladung, mehr als 600 Journalisten in den vorpreschenden
Truppen «einzubetten», hat das Pentagon sichergestellt, dass die Sender rund um
die Uhr mit genügend dramatischen Bildern von US-Seite versorgt sind.
Das liberale Washingtoner FAIR-Institute (Fairness and Accuracy in Reporting) sorgt sich um die einseitige
Berichterstattung. «In der Irak-Krise sind die Sender Megafone der Regierungsvertreter», kritisiert das Zentrum in einer
Studie zur Medienberichterstattung vor Ausbruch des Krieges. In dem zweiwöchigen Untersuchungszeitraum Mitte
März waren Dreiviertel derjenigen, die in vier großen Sendern zu Wort kamen, Regierungsvertreter. Weniger als ein
Prozent der Gäste kam aus Kriegsgegner-Gruppen. (Mehr zur FAIR-Studie unter: http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/14432/1.html)
Von allen Sendern hält FoxNews, der Sender mit den höchsten Einschaltquoten, die Fahne der Patrioten am
höchsten. Wenn US- Soldaten in den Krieg ziehen, sei jeder Zweifel an ihrem Tun Verrat am Vaterland, ist die Devise
des ultrakonservativen Kommentators Bill O'Reilly. Scharf kritisierte er den «Los Angeles Times»-Reporter Robert
Scheer, der gegen den Krieg ist: «Seine moralische Bestürzung und sein unverhohlener Anti-Amerikanismus sind
Ekel erregend», beschied O'Reilly. Wegen des französischen Widerstands gegen eine neue UN-Irak-Resolution
forderte er die Zuschauer in seiner allabendlichen Sendung immer wieder zum Boykott französischer Produkte auf.
Das konservative «Media Research Institute» will sogar beim Fernsehsender ABC einen «dramatischen Hang» zu
zuviel Kritik an der US-Politik ausgemacht haben. Star-Moderator Peter Jennigs habe Frankreichs Position in der
UN-Debatte gelobt, irakische Propaganda verbreitet und radikale Kriegsgegner hochgelobt, schimpfte der Direktor für
Medienanalyse, Tim Graham. Er tadelte ABC- Nachrichtenveteran Ted Koppel, der mit den Truppen unterwegs ist, für
den Hinweis, dass es sich bei dem Irak-Vormarsch um eine Invasion handele, der kein Angriff auf die USA
vorausgegangen sei.
In den amerikanischen Kabelnetzen bringt einzig der Sender C-Span ein Kontrastprogramm. In den Abendstunden
zeigt er ausländische Nachrichtensendungen, darunter in dieser Woche auch die Berichterstattung über den Irak-Krieg
aus Libanon, Israel und Kanada. «Schade, dass die amerikanischen Journalisten sich nicht auch in irakischen
Familien eingebettet haben», meinte ein kanadischer Moderator unter Anspielung auf US-Reporter, die
Kampfeinheiten ihres Landes begleiten. (Quelle: dpa)
"As I write, I can hear explosions in the distance. Clouds of smoke are
billowing in every direction. We've heard that last night's
casualty list includes 207 wounded, four of whom died in hospitals."
Die irakische Hauptstadt wird seit Tagen bombardiert --
und doch schaffen es die Aktivisten verschiedener Friedensinitiativen, auf der Homepage von Electroniciraq.net [http://electroniciraq.net/news/index.shtml] einen
aktuellen Eindruck vom Leben und Schrecken in Bagdad zu vermitteln. Seit dem 8. Februar ist die Site eine Quelle für
Entwicklungen im Irak, Hintergründe, die Rolle der Medien im Konflikt und Berichten über die Antikriegsbewegung weltweit --
ein Gegengewicht zur Berichterstattung der Medienkonzerne (siehe auch "Unabhängige Irakberichterstattung online" [http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/14439/1.html])
in Telepolis.
Eine andere Nachrichtenquelle ist mittlerweile versiegt. Wer versucht, die Homepage von "Salam Pax" aufzurufen, erhält eine
Fehlermeldung. Bis Freitag hatte er Nachrichten aus Bagdad berichtet. Allerdings war die Authentizität der Site nie zweifelsfrei
geklärt, da niemand weiß, wer sich hinter dem Pseudonym "Salam Pax" verbarg.
Wer sich jenseits des Medien-Mainstream über den Irak-Krieg informieren will, der sollte -- neben dem Telepolis-Special [http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/]
-- das Independent Media Center [http://www.indymedia.org/] besuchen, einen Zusammenschluss unabhängiger Journalisten und Organisationen. Eine
gute Übersicht zu Informationen aller Art über den Golfkrieg II liefert die Link-Sammlung [http://www.journalismus.com/irak/irakkrieg_2003/index.html] bei Journalismus.com.
(Quelle: heise)
Zahlreiche Tote nach Kämpfen im Nigerdelta
Mo.24.03.03 - Bei anhaltenden Kämpfen zwischen zwei rivalisierenden Stämmen und
der Armee im Süden Nigerias sind bis zum Sonntag Dutzende von Zivilisten und
zehn Soldaten getötet worden. Örtliche Behördensprecher berichteten, Hunderte von
Dorfbewohnern seien vor den brutalen Ausschreitungen zwischen Angehörigen der
Stämme der Ijaw und der Itsekiri südlich der Hafenstadt Warri geflohen.
Nach Shell und Chevron Texaco stellte am Samstag auch der Ölkonzern
TotalFinaElf seine Förderarbeit im Westen des ölreichen Nigerdeltas vorerst ein.
Durch die Schließung der Ölanlagen werden rund 13 Prozent der üblichen
Tagesproduktion an Rohöl nicht gefördert.
Präsident Olusegun Obasanjo hatte in der vergangenen Woche mehr als 1000
Soldaten in die Unruheregion entsandt. Der Staatschef fürchtet, die Unruhen
könnten den friedlichen Ablauf der für April angesetzten Präsidentenwahlen
gefährden. Augenzeugen berichteten, die Armee brenne ganze Dörfer nieder.
Jugendliche töteten nach Berichten des Rundfunksenders BBC zwei Zivilisten und
zwei Soldaten auf einer Förderstation von Elf.
Ijaw und Itsekiri fordern eine gerechtere Verteilung der Öleinnahmen. In der völlig
vernachlässigten Region werden täglich rund zwei Millionen Barrel Rohöl gewonnen.
90 Prozent aller Deviseneinnahmen des Landes stammen daher. Der lokalen
Bevölkerung kommt dieser Erlös jedoch nicht zugute. (Quelle: dpa)
Ruanda und Uganda drohen einander mit Krieg
Im Schatten des Irakkonflikts eskalieren die Spannungen im
Afrika der Großen Seen. UN-Mission im Kongo besorgt. Mehr unter:
Im Kongo fließt das Blut für Öl
Mehr unter:
Israel will Grenzzaun in Richtung Westjordanland verschieben
Mo.24.03.03 - Das israelische Verteidigungsministerium will den Grenzzaun zum
Westjordanland weiter nach Osten verlegen und so weitere jüdische Siedlungen
einbeziehen. Auch die zweitgrößte jüdische Siedlung im Westjordanland, das rund
20.000 Einwohner zählende Ariel, läge dann auf der Israel zugewandten Seite der
Grenze. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums bestätigte am Sonntag
einen Bericht der Zeitung "Haaretz" über entsprechende Pläne.
Der palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat beschuldigte Israel, mit dem
Vorhaben die internationalen Friedensbemühungen zu untergraben. Dabei nutze es
Israel aus, dass die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit derzeit auf Irak gerichtet
sei.
Israel begann im vergangenen Jahr mit der Errichtung des Sicherheitszauns, der
das Land vor palästinensischen Eindringlingen und damit vor etwaigen Anschlägen
schützen soll. Nach dem ursprünglichen Plan sollte der Zaun entlang der so
genannten Grünen Linie verlaufen, der Demarkationslinie vor der israelischen
Einnahme des bis dahin jordanischen Westjordanlandes 1967. Einige Abschnitte
sollten weiter östlich verlaufen und mehrere palästinensische Dörfer mit 11.000
Einwohnern umfassen. Eine Verschiebung des Zauns hätte zur Folge, dass weitere
40.000 israelische Siedler und 3.000 palästinensische Dorfbewohner dem
israelischen Gebiet zufallen würden. Zum Bau des Zauns wurden bereits etliche
Hektar palästinensischen Landes der Enteignung zugeführt.
Der Plan werde in den kommenden Tagen Ministerpräsident Ariel Scharon
vorgestellt, hieß es. Laut "Haaretz" unterstützt Scharon das Vorhaben prinzipiell.
Er wolle den Zaun als Grenze eines provisorischen Palästinenserstaats betrachtet
wissen, der nach dem Plan des Nahost-Quartetts bis Ende des Jahres entstehen soll.
Die Grenze Israels zum Westjordanland ist 365 Kilometer lang. Die israelische Regierung
will im Prinzip entlang der gesamten Strecke einen
Zaun errichten, hat den Verlauf aber noch nicht überall festgelegt.
Israelische Truppen marschierten unterdessen am frühen Sonntagmorgen in die Stadt Dschenin im Westjordanland
und ein nahe gelegenes Flüchtlingslager ein. Sie verhängten eine Ausgehsperre und durchsuchten palästinensischen
Augenzeugenberichten zufolge Gebäude nach Verdächtigen. Dabei hätten sich die Soldaten offenbar mit Sprengstoff
Zutritt zu versperrten Häusern verschafft. Die Armee erklärte, die Soldaten gingen gegen eine terroristische
Infrastruktur in der Gegend vor.
Bewaffnete Palästinenser beschossen an der Zufahrt zur israelischen Stadt Katzir israelische Fahrzeuge. Dabei
wurden auch Granaten geschleudert, wie der israelische Rundfunk unter Berufung auf die Polizei berichtete. Bei dem
Angriff am Sonntag wurde niemand verletzt. Die Polizei fahndete nach den Tätern. (Quelle: ap)
Palästinensischer Ministerpräsident Abbas beginnt Regierungsbildung
Mo.24.03.03 - Der neue palästinensische Ministerpräsident
Machmud Abbas (Abu Masen), hat erste Sondierungen für die
Bildung einer neuen Regierung aufgenommen. Nach Berichten
vom Sonntag erwägt der 67-Jährige unter anderem die
Ernennung von Mohammed Dachlan, dem früheren
Sicherheitschef des Gazastreifens, zum neuen Innenminister.
Der einflussreiche Dachlan, der jahrelang als möglicher
Nachfolger von Palästinenserführer Jassir Arafat galt, hatte sich
im vergangenen Jahr nach einem Zerwürfnis mit dem
Präsidenten aus der Politik zurückgezogen. Abbas war von
Arafat in der vergangenen Woche offiziell zum ersten Regierungschef der
Autonomiebehörde ernannt worden. Zuvor hatte das Palästinenserparlament dies
mit einer Grundgesetzänderung beschlossen. Vom Zeitpunkt seiner Ernennung an
hat er drei Wochen Zeit bis zur Vorstellung seines Kabinetts.
Wie die Tageszeitung "Haaretz" am Sonntag berichtete, haben die USA Abbas
informiert, dass sie den Nahost-Friedensplan des so genannten Nahost-Quartetts
vermutlich erst nach Abschluss der Regierungsbildung oder sogar erst nach
Beendigung des Irak-Krieges veröffentlichen werden. US-Präsident George W. Bush
hatte die Veröffentlichung des Plans, der die Errichtung eines unabhängigen
Palästinenserstaates bis Ende 2005 vorsieht, unter der Voraussetzung zugesagt,
dass die Palästinenser einen Ministerpräsidenten ernennen. (Quelle: dpa)
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