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+++ Di.25.03.03, 12:45        zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Sechster Kriegstag in Irak
Alliierte bombardieren Bagdad die sechste Nacht in Folge +++ Amerikanische und britische Truppen nähern sich Bagdad +++ Iraks Führung bestreitet Vorrücken der Alliierten +++ Widerstand der Iraker zäher als erwartet +++

Di.25.03.03 - Bagdad ist die sechste Nacht in Folge von den alliierten Streitkräften bombardiert worden. Wie Reporter der Nachrichtenangentur AFP berichteten, wurden in der Nacht zum Dienstag das Zentrum und die südlichen Außenbezirke der irakischen Hauptstadt bombardiert. In den südlichen Vororten befindet sich unter anderem der internationale Flughafen. Die irakische Luftabwehr reagierte auf die Angriffe in unregelmäßigen Abständen.

Amerikanische und britische Soldaten nähern sich angeblich weiter Bagdad. Nach Angaben des britischen Rundfunksenders BBC standen alliierte Truppen am frühen Dienstagmorgen etwa 90 Kilometer vor der Stadt. Vorrückende alliierte Verbände seien am späten Montagabend aber auf "heftigen" irakischen Widerstand gestoßen. Die Amerikaner und Briten hätten sich "massive" Gefechte mit Irakern geliefert, berichtete ein BBC-Korrespondent, der die Streitkräfte begleitet. Der Irak bestreitet das Vorrücken der alliierten Truppen auf Bagdad. Nach Medienberichten sollen inzwischen auch Saddams Elitetruppe, die Republikanische Garde, in die Kämpfe vor Bagdad eingegriffen haben.

Nach Augenzeugenberichten erschütterten in den frühen Morgenstunden Dutzende heftige Explosionen den westlichen und südlichen Stadtrand von Bagdad. Riesige Rauchwolken stiegen in den nächtlichen Himmel. Ziel des Bombardements waren nach Ansicht von Beobachtern vor Ort Stellungen der irakischen Armee und Spezialeinheiten außerhalb der Fünf-Millionen-Stadt.

B-52-Langstreckenbomber hätten auch Stellungen der Republikanischen Garde, der Elitetruppe Saddams, ins Visier genommen, berichtete die BBC. Ein irakischer Regierungsbeamter bestritt am Dienstagmorgen den Bericht der BBC.

Auch aus Mosul in Nordirak wurden Bombenangriffe gemeldet. Der arabische Fernsehsender El Dschasira berichtete von Kämpfen zwischen dem Hafen von Subair und Basra. Das Rote Kreuz befürchtet für Basra eine humanitäre Krise. Die Menschen seien durch den Stromausfall zwei Tage lang komplett von der Wasserversorgung abgeschnitten gewesen. Durch Notmaßnahmen hätten nun etwa 40 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Wasservorräten. Über Kriegsgefangene habe das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bislang noch keine Informationen.

Am Montag hatte El Dschasira irakische TV-Bilder von zwei angeblichen US-Kriegsgefangenen. Es soll sich um die Piloten eines in Kerbala abgeschossenen "Apache"-Helikopters handeln.

Im Laufe des Tages waren Gefechte rund um die Stadt Kerbela gemeldet worden - nur etwa 80 Kilometer Luftlinie südlich von Bagdad. Der britische Premierminister Tony Blair bestätigte dies und sagte in London: "Das entscheidende Ziel ist, Bagdad so schnell wie möglich zu erreichen." General Tommy Franks, der US-Oberkommandierende, berichtete von großen Fortschritten der Alliierten, rechnet aber weiter mit Gegenwehr der Iraker.

In Bagdad forderte Präsident Saddam Hussein seine Landsleute zum Widerstand auf. "Der Sieg ist nah", sagte der Staatschef in einer am Montag vom staatlichen irakischen Fernsehen ausgestrahlten Rede. Die irakischen Soldaten und Kämpfer hätten den Amerikanern und Briten bereits große Verluste zugefügt. Nach Angagen des irakischen Staatsfernsehens sind sechs Funktionäre der regierenden Baath-Partei in der südlichen Provinz Di Kar bei Kämpfen getötet worden.

Bei den Luftangriffen wurden nach Angaben der Führung in Bagdad vom Montagnachmittag binnen 24 Stunden 62 Menschen getötet und mehr als 400 irakische Zivilisten verletzt. Das IKRK konnte diese Zahlen nicht bestätigen.

Nach Darstellung der alliierten Streitkräfte vom Montagnachmittag wurden 36 britische und US-Soldaten getötet, davon 23 bei Unfällen, versehentlichem Beschuss und dem Anschlag eines US-Soldaten; 14 Soldaten würden vermisst. Am Montag wurden erstmals verletzte US- Soldaten zur medizinischen Behandlung nach Deutschland gebracht.

US-Militärs zeigten sich am Montag trotz einiger Rückschläge zufrieden mit dem bisherigen Kriegsverlauf. "Wenn man das große Bild betrachtet, läuft es ausgezeichnet", sagte General Stanley McChrystal am Montagabend in Washington. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte zuvor in London, es laufe zwar alles nach Plan, der Krieg werde aber "nicht in ein paar Tagen vorbei sein". (Quellen: afp, dpa)


 

 

Irakische Miliztruppe setzt Guerillataktik gegen US-Truppen ein

Di.25.03.03 - Wenn amerikanische und britische Truppen durch den Wüstensand preschen, stehen sie immer wieder vor einem klassischen Problem des Guerillakriegs: Wo steht der Feind? Auch in der Nähe von Kerbela, rund 80 Kilometer südlich von Bagdad, tauchen plötzlich Angreifer in Zivilkleidung auf, die ebenso plötzlich wieder in einem Dorf untertauchen. Wenn ein Lastwagen auf einem Feld steht, könnte dieser einem friedlichen Bauern gehören - oder eine Mörserbatterie unter der Plane verbergen.

Solche Guerillataktiken führten auch zu der bislang für die Amerikaner verlustreichsten Schlacht: Vor der Stadt Nassirijah näherten sich irakische Soldaten einer US-Einheit - offenbar in der Absicht, sich zu ergeben. Doch auf einmal zogen sie die Waffen und eröffneten das Feuer. Neun US-Soldaten kamen ums Leben, mehrere andere wurden gefangen genommen.

Amerikanische Offiziere machen für einige dieser Attacken die El-Kuds-Brigade verantwortlich. Diese paramilitärische Truppe wurde gegründet, um die Palästinenser im Kampf um Jerusalem zu unterstützen (El Kuds ist der arabische Name von Jerusalem). In den vergangenen Jahren hat diese Miliztruppe großen Zulauf gefunden.

"Die El-Kuds sind überall in dieser Gegend", sagt der Kommandeur des 4. Bataillons des 64. Panzerregiments, Oberstleutnant Philip DeCamp, seinen Offizieren. DeCamp berichtet, wie vorrückende Panzer in einem Geschäftsviertel plötzlich attackiert wurden. Als die Panzer ein paar Hundert Meter weiter rollten, wurden sie auf einmal von Frauen und Kindern umgeben, die aus den Häusern herauskamen und die US-Soldaten bestaunten. "Das ist schon schwer zu erkennen, wer freundlich gesinnt ist und wer es nicht ist", sagt DeCamp, der schon im ersten Golfkrieg eine Panzereinheit befehligt, den jüngeren Soldaten.

Stabsunteroffizier Bryce Ivings, Artillerieschütze im 3. Bataillon des 7. Infanterieregiments, vermutet, dass sich einige Soldaten zu sehr an ihre Rolle in der Kosovo-Truppe KFOR gewöhnt haben könnten. Dort hätten sie als Angehörige der Friedenstruppe wie Polizisten gehandelt. Aber in Irak müssten sie aggressiver sein, sagt Ivings.

Inzwischen ist das Misstrauen gewachsen. Als sich zwei Iraker in Zivilkleidung mit einer weißen Fahne nähern, stürzen sich gleich zehn Marine-Infanteristen auf sie und durchsuchen sie. "Wir haben ein ganzes Kommando ausgeschickt, um mit diesen beiden Leuten umzugehen", sagt der 21-jährige Stabsgefreite Clint Bagley. "Wir müssen einfach vorsichtiger sein." Den Zivilpersonen wird befohlen, sich auf die Straße zu legen. Die Soldaten überzeugen sich, dass sie keine Bedrohung darstellen und lassen sie dann weiterziehen. Wenn sie zwar eine weiße Fahne getragen, aber auch ein Gewehr gehalten hätten, hätten wir geschossen, sagt Bagley. "Das sind die ROE." Diese Abkürzung bezeichnet die "rules of engagement", die Gefechtsregeln.

Als Marine-Infanteristen auf der Straße nach Bagdad einige Iraker in einem Auto antreffen, werden diese befragt und dann in den Straßenrand gestoßen. Außerdem schlitzen die Soldaten die Autoreifen auf.

"Es war toll, als wir am Anfang ins Land kamen und die Leute uns zulächelten", sagt Oberstleutnant Michael Belcher. "Jetzt fragt man sich, was hinter dem Lächeln steckt und was vielleicht hinter der Menschengruppe lauert." (Quelle: ap)
 


 

TV-Bilder gefangener GIs schocken USA

Di.25.03.03 - Präsident George W. Bush hatte die Amerikaner von Anfang an gewarnt: Der Krieg könne länger dauern und härter sein als Optimisten erwarteten. Trotzdem war es ein Schock, als Aufnahmen des irakischen Fernsehens von getöteten, verletzten und angeblich gefangenen US-Soldaten auch im US-Sender CBS zu sehen waren. Sichtlich beunruhigt forderten Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Bush den Irak auf, Gefangene human zu behandeln. Offiziell räumten die USA nur ein, dass 12 Soldaten vermisst werden.

Urplötzlich wurde nach den Aufnahmen von den pausenlosen Bombenangriffen und der Gefangennahme hunderter Iraker die "andere Seite" des Krieges sichtbar. Die Regeln der Genfer Konvention, nach denen die Kriegsgefangenen jederzeit menschlich zu behandeln sind, rückten neben den Fortschritten der Invasionstruppen in den Vordergrund der Kriegsberichterstattung.

Dass die verstörenden Bilder die Unterstützung der amerikanischen Bevölkerung für den Krieg beeinträchtigen könnten, war unverkennbar eine Sorge der Verantwortlichen. Sie forderten das Fernsehen auf, sie nicht noch einmal auszustrahlen. Generalleutnant John Abizaid vom US- Zentralkommando in Doha (Katar) versicherte auf eine Frage zwar, dass die Moral der Truppen und der Amerikaner daheim davon nicht geschwächt würde. "Wir sind ziemlich harte Leute."

Aber gleichzeitig griff Abizaid den arabischen Sender El Dschasira scharf an, weil er die Bilder zeigte. "Das ist widerwärtig und völlig inakzeptabel." Dieser Appell verhallte im Internet zumindest beim "Drudge Report" ungehört. Er präsentierte Fotos, wenngleich auch nicht die vollständigen Videos, der Szenen.

Verteidigungsminister Rumsfeld verwies darauf, dass die Aufnahmen Teil der irakischen Propaganda seien und allein das Zeigen gegen die Genfer Konvention verstoße. Die Strategie der Amerikaner werde sich deswegen nicht ändern. "Oh nein, der Plan wird vorangetrieben." Ein paar Bilder ungewisser Herkunft könnten sich nicht auf die US-Streitkräfte auswirken.

Militärische Experten hatten schon vor dem Zwischenfall darauf hingewiesen, dass die USA mit ihrem "Express-Krieg" ein Wagnis eingingen. Statt eroberte Gebiete gründlich zu sichern, setzten sie den Vormarsch im Eiltempo fort. Selbst die wichtigsten Nachschublinien seien nicht völlig sicher. Die vermissten und mutmaßlich getöteten oder gefangenen GIs gehörten tatsächlich einer nachrückenden Versorgungseinheit an. (Quelle: dpa)

Genfer Konventionen:
http://www.rotkreuz.de/voelkerrecht/genfer_konventionen/


 

«Viele spüren etwas wie Stolz»
Die Stimmung in Bagdad hat sich gewandelt: Der Widerstand der irakischen Armee und die Bilder gefangener Amerikaner machen die Einwohner selbstbewusst

"Die Stimmung ist vollkommen umgeschlagen, seit im irakischen Fernsehen die Bilder von den fünf amerikanischen Kriegsgefangenen gezeigt wurden. Das habe ich sogar meine Töchter anschauen lassen, damit sie sehen, dass sie vor diesen verängstigten amerikanischen Soldaten keine Angst mehr haben brauchen. Nur bei den brutalen Bildern blutüberströmter toter US-Soldaten habe ich wegen der Kinder umgeschaltet.

Seit diese Bilder im staatlichen Fernsehen gezeigt wurden, gibt es kein anderes Thema in der Stadt. Für viele ist das Bild der unbesiegbaren US-Armee zerstört. Ich höre den arabischen Dienst von BBC und Voice of America nicht mehr. Wir wissen, dass sie alle lügen. Als ich ihnen noch zuhörte, habe ich geglaubt, die Amerikaner stünden in vier Tagen vor den Toren Bagdads. Jetzt kämpfen sie immer noch um die kleine, fast unbewohnte Hafenstadt Umm Qasr im Süden. Die Amerikaner werden Bagdad niemals erobern."

Aus einem Telefonat des taz-Korrespondenten Karim El-Gawhary mit einem Freund und dessen Familie in Bagdad.

Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/03/25/a0112.nf/text


 

Die US-Regierung appelliert an die Medien, keine Bilder der im Irak gefangenen US-Soldaten veröffentlichen. Dies verstoße gegen die Genfer Konvention. Ein Provider nahm die Aufforderung so ernst, dass er ein alternatives Nachrichtenportal kurzerhand vom Netz nahm.

Das Nachrichtenportal YellowTimes hatte die Bilder der gefangenen Amerikaner veröffentlicht - ebenso wie beispielsweise der Drudge Report. In einem Artikel nimmt die Redaktion dazu Stellung: Der Krieg sei durch die Medien von Dreck, Angst und Primitivität reingewaschen worden. Er sei so zu einem fast romantischen Unterfangen geworden - die Gesellschaft sei daher regelrecht besessen von der Gewalt, ohne die realen Auswirkungen zu kennen.

"Zweifellos wird es Eiferer aller Richtungen geben, oder vielleicht ist es auch der Mann von nebenan, der uns des Sensationalismus und der Respektlosigkeit beschuldigt, wie auch der Propaganda für die Araber, Moslems, Zionisten oder Amerikanern. Das ist zu erwarten."

Nicht erwartet hatte die Redaktion die kurze formlose Email ihres Providers. "Die Bilder müssen SOFORT entfernt werden. Wir haben Beschwerden von unserem Uplink-Provider erhalten über die Bilder auf yellowtimes.org. Wenn die Bilder wieder entfernt sind, wird der Zugang wieder freigeschaltet."

Es gab keine Bedenkzeit - der Provider hatte die Webseite direkt abgeschaltet. Erst als die Redaktion die Bilder entfernt hatte, war YellowTimes wieder zu erreichen. Herausgeber Erich Marquardt kommentiert die Situation knapp: "Diese Selbstzensur ist ein wirkliches Problem."

Doch die Website blieb nur bis gestern Abend online. Jetzt ist sie erst einmal wieder "suspended", auch der Mailaccount von Marquardt wurde deaktiviert.

Schon im Februar hatte YellowTimes Providerprobleme. Eine gezielte Denial-of-Service-Attacke zwang den Server in die Knie. Marquardt vermutete politische Gründe hinter der Attacke. Kurz zuvor war ein Artikel von Imad Khadduri erschienen, in dem der Atomwissenschaftler die Behauptungen der US-Regierung über ein irakisches Atomprogramm zurückwies. (Quelle: telepolis)
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/14455/1.html

 


 


 

Journalistenvereinigung fordert Respektierung der Genfer Konventionen

Di.25.03.03 - Die Internationale Journalistenvereinigung IJF hat die Medien dazu aufgerufen, Kriegsgefangene nicht zu filmen. Journalisten müssten im Golfkrieg die Genfer Konventionen respektieren und damit die Gefangenen schützen, hieß es am Montag in einer Erklärung der in Brüssel ansässigen Organisation.

Am Wochenende hatten mehrere Fernsehstationen nach Ansicht der USA und Großbritanniens gegen das Abkommen verstoßen, als es Bilder von fünf gefangenen US-Soldaten zeigte, die im Verhörstil befragt wurden. Das Internationale Rote Kreuz kritisierte auch die Fernsehbilder von irakischen Soldaten. Der irakische Informationsminister Mohammed Said el Sahhaf kündigte unterdessen an, Bilder von gefangenen Amerikanern weiter zeigen zu wollen. Zugleich sagte er bei der Behandlung der Soldaten die Beachtung der Genfer Konvention zu.

IKRK-Sprecher Florian Westphal erklärte, die Genfer Konventionen würden unterschiedlich interpretiert. Nach Ansicht des Roten Kreuzes sei es möglich, Kriegsgefangene zu zeigen, wenn diese nicht als Individuen erkennbar seien. So könnten Bilder eines Gefangenenlagers als Ganzes oder einer Gruppe Gefangener gesendet werden. Die einzelnen Gefangenen dürften jedoch nicht erkennbar seien.

Beide Kriegsgegner müssten sich an die Konventionen zum Schutz vor Erniedrigung oder Misshandlung von Gefangenen halten, forderte die IJF. Es sei "lebenswichtig, dass Medien nicht unachtsam einen Beitrag zur Verletzung der Völkerrechts leisten". Die Journalisten-Föderation vertritt mehr als eine halbe Million Journalisten in rund 100 Ländern. Sie warnte zudem Reporter und Redakteure vor Gefahren, die Live-Übertragungen von Kriegsschauplätzen bergen würden. Fast alle großen Fernsehstationen haben "embedded" (eingebettete) Reporter in Irak, welche die vorrückenden Verbände in der Front begleiten. (Quelle: ap)
 


 

Rotes Kreuz fordert von Kriegsparteien Informationen über Gefangene

Di.25.03.03 - Das Rote Kreuz hat die Kriegsparteien am Montag aufgefordert, der Organisation Informationen über Kriegsgefangene zu übermitteln. Eine Mitteilung Iraks über gefangene US-Soldaten sei noch nicht beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) eingegangen, erklärte eine Sprecherin in Genf

IKRK-Sprecherin Nadia Doumani sagte, die Organisation habe Kontakt zu Irak, den USA und Großbritannien aufgenommen. "Sie wissen, wie wir arbeiten, und sie kennen die Genfer Konventionen", sagte Doumani. Die Konventionen aus dem Jahr 1949 ermächtigen das IKRK, Kriegsgefangene zu besuchen und ihre Behandlung zu überwachen. Die US-Armee hält nach eigenen Angaben rund 3.000 irakische Kriegsgefangene fest.

Das IKRK ist eine der wenigen internationalen Hilfsorganisationen, die noch in Irak tätig sind. Neben Dutzenden einheimischen Helfern befinden sich noch zehn ausländische Mitarbeiter dort - sechs in Bagdad und vier in Nordirak. (Quelle: ap)
 


 

Entwicklung der humanitären Lage im Irak unklar
Hilfsorganisationen warnen vor humanitärer Katastrophe

Di.25.03.03 - Angesichts eines drohenden längeren und blutigeren Irak-Krieges haben Hilfsorganisationen am Montag vor einer humanitären Katastrophe in dem weitgehend von Nahrungsmittelhilfen der Vereinten Nationen (UNO) abhängigen Irak gewarnt.

Basra als zweitgrößte Stadt Iraks mit zwei Millionen Einwohnern stehe am Rande einer Katastrophe, nachdem durch Stromausfall 60 Prozent der Wasserversorgung nicht mehr funktionierten, hieß es beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Dem Welternährungsprogramm der UNO (WFP) zufolge, könnten zwar die Lebensmittel in Irak bis Ende April ausreichen, doch warnte die Organisation, durch eine längere Dauer des Krieges könnte das für viele Iraker lebenswichtige Programm Öl für Nahrungsmittel unerwartet lange unterbrochen bleiben. Das Programm, das Irak im Rahmen der 1990 verhängten UNO-Sanktionen erlaubt, Öl zu verkaufen und den Erlös zum Erwerb von Lebensmitteln einzusetzen, ist seit dem Beginn des Krieges am Donnerstag unterbrochen. Etwa 60 Prozent der 26 Millionen Iraker sind von dem Programm abhängig.

Den Bemühungen um humanitäre Hilfe standen bereits vor Beginn des Krieges Hindernisse im Weg. So zögerten zunächst große Geberländer, Gelder auszuzahlen, weil sie befürchteten, sie könnten in den Ruf geraten, für den unpopulären, von der UNO nicht unterstützten Krieg zu sein. Vielen Organisationen fehlten dadurch die erforderlichen Mittel. Weitere Rückschläge mussten seit Beginn des Krieges hingenommen werden. So können Schiffe mit Hilfsgütern den einzigen Tiefwasserhafen Iraks, Um Kasr, nicht anlaufen, solange das Militär die Gewässer noch nach Minen absucht.

Die Wiederherstellung der Wasserversorgung in Basra ist nach den Worten des für die Region zuständigen IKRK-Generaldirektors Balthsar Staehelin so lange nicht möglich, bis die Mitarbeiter des Roten Kreuzes die erforderlichen Sicherheitsgarantien erhalten.

In Basra, Um Kasr und Al Nassirija treffen die von den USA geführten Einheiten noch immer auf Widerstand. Der Oberkommandierende der US-Truppen in der Golf-Region, Tommy Franks, versprach aber am Montag, Basra und Um Kasr würden bald humanitäre Hilfe erhalten.

Iraker müssen unterdessen schmutziges Wasser aus Brunnen trinken, andere durchkämmen Krankenhäuser auf der Suche nach Medikamenten, und Zivilisten geben sich als Soldaten aus und ergeben sich in der Hoffnung, von den US- und britischen Streitkräften als Gefangene etwas zu essen zu bekommen.

Staehelin sagte: "Wenn wir es nicht schaffen, die Wasserversorgung in Basra sehr schnell in ausreichendem Maß wieder herzustellen, werden wir eine humanitäre Krise erleben". Durch den Ausfall des Wafa-el-Kaed-Wasserwerkes seien 60 Prozent der Wasserversorgung Basra blockiert. Die Qualität der verbleibenden 40 Prozent sei schlecht und nicht ausreichend für eine Stadt dieser Größe. Derzeit können die Temperaturen in Basra am Tag bis auf 40 Grad ansteigen.

Angesichts der kritischen Situation für die Bevölkerung drängte auch UNO-Generalsekretär Kofi Annan auf rasche Maßnahmen zur Wiederherstellung der Wasser- und Stromversorgung in der Millionenstadt Basra. "Eine Stadt dieser Größe kann es sich nicht leisten, für längere Zeit ohne Elektrizität oder Wasser zu sein. Abgesehen davon kann man sich vorstellen, was das für die sanitäre Situation bedeutet", sagte Annan. (Quelle: rtr)


 

 

Opferangaben ohne Gewähr

Di.25.03.03 - Seit Beginn des Irakkriegs sind nach amtlichen irakischen Angaben und der US-geführten Truppen mehr als hundert Menschen getötet worden. Die Nachrichtenagentur AFP meldet, dass es aufseiten der USA und Großbritanniens nach deren eigenen Angaben mindestens 24 Todesopfer gegeben hat. Auf irakischer Seite kamen nach Regierungsangaben über 100 Menschen ums Leben, darunter vier Militärs. Dazu kommen laut Berichten aus Amman und Damaskus vier Jordanier und fünf Syrer. Zudem wurden zwei Journalisten getötet, zwei weitere gelten als vermisst, so Reporter ohne Grenzen.

Reuters meldet unter Berufung auf irakische Angaben, in der Nacht auf Montag seien 62 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt worden. Bei der Bombardierung Bagdads wurden 194 Menschen verletzt, sagte Iraks Informationsminister al-Sahaf. Von Todesopfern sprach er nicht. Babel, südlich von Bagdad, habe mit 30 die höchste Zahl an Toten zu verzeichnen. In Basra seien 14 Menschen getötet worden. Bei einem US-Luftangriff im Westirak hat eine Rakete einen Bus mit syrischen Flüchtlingen getroffen. Dabei wurden fünf Insassen getötet und zehn verletzt, meldete die syrische Nachrichtenagentur Sana. (Quelle: taz) Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/03/25/a0100.nf/text

 


 


 

Britische Bevölkerung wird auf langen Krieg eingestimmt

Di.25.03.03 - Amerikaner und Briten stimmen ihre Landsleute wegen des unerwartet heftigen irakischen Widerstandes auf einen längeren Krieg ein. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte, es laufe alles nach Plan. Er warnte aber vor zu optimistischen Erwartungen: Der Krieg werde "nicht in ein paar Tagen vorbei sein". (Quelle: dpa)
 


 

Irak-Krieg wird für London weit teurer als geplant
Regierung hat Kosten unterschätzt. Britisches Haushaltsdefizit explodiert. Im laufenden und im kommenden Jahr könnte das Budget mit umgerechnet 8,5 Milliarden Euro zusätzlich belastet werden. Hinzu kommen noch indirekte Kosten.

Di.25.03.03 - Der Irak-Krieg kommt die britischen Steuerzahler weitaus teurer als bislang von der Regierung in London kalkuliert. Er wird das ohnehin schnell anschwellende Staatsdefizit Großbritanniens noch zusätzlich vergrößern, wenn die Regierung die Abgaben nicht noch weiter erhöht. Darauf läuft eine Reihe unabhängiger Prognosen hinaus.

Bislang hat Finanzminister Gordon Brown für die Militäraktion am Golf 1,75Milliarden Pfund, umgerechnet 2,6Milliarden Euro, eingeplant. Die Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche schätzt dagegen in einer am Montag veröffentlichten Prognose, dass der Irak-Krieg das britische Budget im laufenden und im kommenden Haushaltsjahr mit jeweils zwei Milliarden Pfund zusätzlich belastet, alles in allem also mit umgerechnet 8,5 Milliarden Euro. Bezogen auf die 45.000 britischen Soldaten am Golf erscheint diese Schätzung keineswegs überzogen. Denn die amerikanische Regierung, die 250000 Mann einsetzt, rechnet ohne humanitäre Hilfe mit umgerechnet etwa 65 Milliarden Euro.

Das International Institute for Strategic Studies beziffert die britischen Kosten mit 3,5 Milliarden Pfund, was Londons Ausgaben für den Golfkrieg im Jahr 1991 entspräche. Andere Auguren schätzen die britische Belastung auf drei bis vier Milliarden Pfund. Viele Institute wollen sich derzeit freilich noch überhaupt nicht äußern, weil die Länge der Kampfhandlungen noch nicht absehbar ist. Hinzu kommen noch indirekte Kosten: Auch London verstärkt sichtlich den Aufwand für die innere Sicherheit. Speziell die Tourismus-Branche, auf die sechs Prozent des britischen Sozialprodukts entfällt, hat bereits im Vorfeld des Kriegsausbruchs gelitten. Zwar sind die Flugzeuge etwa zwischen Deutschland und London noch sehr gut gefüllt, aber die Zahl der Reisenden aus den USA schrumpft. Überdies war London traditionell ein beliebter Treffpunkt für die arabische Oberschicht.

Deloitte & Touche schätzt vor diesem Hintergrund, dass die britische Netto-Kreditaufnahme im nächsten Etatjahr auf 34 Milliarden Pfund, umgerechnet 50 Milliarden Euro, explodiert. Das entspräche 3,2 Prozent des Sozialprodukts und läge damit bereits über den Maastricht-Regeln. Noch nicht enthalten sind „versteckte" Kreditaufnahmen, etwa durch die quasi-staatliche Eisenbahngesellschaft. Die Regierung hatte noch vor einem Jahr mit einer Kreditaufnahme von nur 13 Milliarden Pfund gerechnet.

Der anfangs von der Wirtschaft sehr geschätzte Finanzminister stößt inzwischen bei vielen Managern geradezu auf Entsetzen. Man könne nicht Riesen- Defizite machen, wenn der Beschäftigungsstand auf Rekordhöhe und die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordtief liege, heißt es halblaut. (Quelle: sz)
 


 

Sorgen vor langem Irak-Krieg treiben Ölpreis in die Höhe
Auch Märkte in Fernost belastet.

Di.25.03.03 - Die Enttäuschung über die voraussichtlich längere Irak-Kriegsdauer haben die Rohölpreise rasant in die Höhe getrieben. Damit hat sich an den Ölmärkten nach der Euphorie über einen raschen Sieg der Amerikaner und Briten ohne große Schäden an den irakischen Ölfeldern eine Wende gezeigt. Rohöl zur Auslieferung im Mai ist an der New Yorker Warenterminbörse um 1,75 Dollar oder 6,5 Prozent auf 28,66 Dollar je Barrel gestiegen. Das war der stärkste Preisanstieg seit 15 Monaten.

Schwindende Hoffnungen auf ein schnelles Kriegsende haben am Dienstag auch die Finanzmärkte in Fernost belastet. Der Tokioter Aktienmarkt verbuchte im Sog der Kursverluste der Wall Street vom Vorabend ein Minus von mehr als zwei Prozent. Der Dollar gab zum Euro leicht nach. Die Preise für Gold und Öl zogen leicht an.

"Letzte Woche haben die Märkte einen perfekten Krieg in den Kursen berücksichtigt und offenbar ist es anders gekommen. Die US-geführten Truppen werden zwar gewinnen, aber dafür muss ein Preis bezahlt werden", sagte Alan Wills, Händler bei Forsyth Barr Frater Williams in Neuseeland. (Quellen: dpa, rtr)


 

 

Bush «kapituliert» im Kampf um den Kriegshaushalt

Überschattet vom Krieg im Irak hat in Washington seit einiger Zeit eine Schlacht um die Kosten der Invasion getobt. Das Weiße Haus schwieg beharrlich. Erst nach Kriegsbeginn und erst nachdem beide Häuser des US-Kongresses den nächsten Staatshaushalt verabschiedetet hatten, bekennt US-Präsident George W. Bush nun Farbe.

Di.25.03.03 - Seine Regierung schätzt, dass der Krieg und seine unmittelbaren Folgen rund 80 Milliarden Dollar (75,6 Milliarden Euro) kosten werden. Für das bis Ende September laufende Etatjahr 2003 wird sie im Kongress einen Nachtragshaushalt von 62,6 Milliarden Dollar beantragen.

In Anbetracht steigender Defizite hatte der Senat aber schon den Haushaltsentwurf der Regierung für das Jahr 2004 um 100 Millionen Dollar gekürzt, nicht gerade zum Vergnügen des Präsidenten. Denn diese Summe wurde von den 726 Milliarden Dollar abgezogen, die Bush für Steuersenkungen über einen zehnjährigen Zeitraum vorsieht.

Da das Repräsentantenhaus dem Chef im Weißen Haus dieses «Notopfer Irak» nicht abverlangte, muss endgültig noch ein Vermittlungsausschuss entscheiden. Mit einer Schätzung der Kriegskosten hat die Regierung aber bessere Chancen, die Kürzungen zu begrenzen, als die Parlamentarier weiter im Dunkeln tappen zu lassen. Die oppositionellen Demokraten verdächtigten ihn bereits, so lange gewartet zu haben, um den bei einem Krieg wachsenden Patriotismus vor den Etat-Karren zu spannen. Auch der republikanische Senator John McCain beklagte sich: «Wir können keine Steuern kürzen und die Ausgaben erhöhen, ehe wir die Kosten des Krieges kennen.»

Nach Prognosen von Regierungsbeamten wird der Krieg zunächst 62,6 Milliarden Dollar verschlingen, die Hälfte allein für den Truppen- und Waffentransport. Der Rest müsste dann für den Heimatschutz und andere Maßnahmen aufgebracht werden. Die Kriegskosten lägen damit etwa auf der Höhe des Golfkrieges von 1991, der 61 Milliarden kostete, was nach heutiger Kaufkraft etwa 76 Milliarden wären.

Davon trug Washington nur 7 Milliarden Dollar oder 12 Prozent der Gesamtkosten, während die Verbündeten Saudi-Arabien 29 Prozent, Kuwait 26, Deutschland 16, Japan 10 und Großbritannien 7 Prozent der Kosten übernahmen. An derart zahlungsbereiten Verbündeten fehlt es diesmal.

Kongressstellen, Denkfabriken und einzelne Experten in den USA schätzen, dass auch ein kurzer Militäreinsatz mit anschließenden Maßnahmen sich am Ende auf 100 bis 200 Milliarden Dollar belaufen könnte. Abgesehen von der humanitären Hilfe werde der Wiederaufbau zwischen 25 und 100 Milliarden Dollar kosten, veranschlagten Experten unter Führung des Ex-Botschafters und Nahostfachmanns Edward P. Djerejian. Diese Zahlen legen den Schluss nahe, dass Bushs Nachtragshaushalt nicht das letzte Wort ist. (Quelle: dpa)
 

Niemand vermag zu sagen, welche Kosten der Krieg den Volkswirtschaften aufbürden wird

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303230.htm#030323_y
 

Eine Schweizer Bank hat sich bereit erklärt, der US-Regierung irakisches Vermögen zu überweisen

Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/03/25/a0102.nf/text
 


 

Ökonomen rechnen mit Kriegskosten
von bis zu 1,9 Billionen Dollar

Solange es sich um einen kurzen Krieg handelt, mag die Rechnung des Pentagons aufgehen. Doch die US-Regierung hat ein Problem, wenn es nicht nach Plan läuft", meint Robert Reich, Ex-Staatssekretär des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton.

Beim ersten Golfkrieg 1991 kamen die USA vergleichsweise glimpflich davon. Damals übernahmen die engsten Verbündeten, darunter Deutschland und Frankreich, einen erheblichen Teil der Gesamtkosten von 61 Milliarden Dollar. Doch wegen des transatlantischen Zwists werden sich die USA diesmal nicht auf die Zahlmeister Berlin und Paris verlassen können.

William Nordhaus, Ökonomieprofessor an der renommierten Yale- Universität, kritisiert, dass sich die Bush-Regierung um die Folgekosten des Krieges nicht gekümmert habe. Ein besiegter Irak werde den USA noch lange Zeit auf der Tasche liegen, ist Nordhaus überzeugt. Für die humanitäre Hilfe für Flüchtlinge müssten ebenso Finanzmittel eingeplant werden wie für den Wiederaufbau und die Besetzung des Landes mit mehreren zehntausend Soldaten.

Der Ökonom Nordhaus rechnet bei einem langen Krieg mit Kosten von bis zu 1,9 Billionen Dollar über zehn Jahre. Die eigentlichen Kriegskosten seien relativ gering. Der Löwenanteil entfällt auf Wiederaufbau und die Folgen für Börsen und Ölmärkte. Die 1,9 Billionen setzen sich wie folgt zusammen: 140 Milliarden Dollar Militärkosten, 500 Milliarden Dollar für Friedenseinsätze, 105 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau, zehn Milliarden Dollar humanitäre Hilfen, 778 Milliarden Dollar Verluste an den Ölmärkten, 391 Milliarden Dollar für den Schock an Börsen und in Unternehmen.

Ein kurzer Krieg würde laut Nordhaus immer noch mehr als 150 Milliarden Dollar verschlingen, davon 50 Milliarden für den Krieg selbst und 100 Milliarden für Wiederaufbau und wirtschaftliche Folgen. Allerdings würden positive Effekte an der Börse und den Ölmärkten diese Kosten auf rund 99 Milliarden Dollar senken. Um den Irak in einen demokratischen Staat zu verwandeln, sind laut Nordhaus mindestens zehn Jahre nötig.

Die australischen Ökonomen Warwick McKibbin und Andrew Stoeckel rechnen bei einem langen Krieg mit fünfjähriger Besatzung und ebenso langem Wiederaufbau mit Kosten von 1,47 Billionen Dollar für die US-Wirtschaft und 3, 57 Billionen für die Weltwirtschaft. Ein kurzer Krieg mit einjähriger Besatzung und zweijährigem Wiederaufbau würde die US-Wirtschaft bis zum Jahr 2010 insgesamt 491 Milliarden Dollar kosten.

Lehrreich ist ein Blick zurück in die amerikanische Geschichte: Der Vietnam-Krieg (1964 bis 1972) wurde rund zehnmal so teuer wie geplant. Er verschlang zwölf Prozent des amerikanischen Sozialprodukts oder 495 Milliarden Dollar, umgerechnet auf das aktuelle Preisniveau. Und darin sind noch nicht einmal die Behandlungskosten für verletzte Vietnam-Veteranen berücksichtigt. (Quelle: sz)
 


 

Wieczorek: Kriegsparteien müssen Last für Wiederaufbau tragen

Die USA und Großbritannien müssen nach Auffassung von Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) den Großteil der Kosten für den Wiederaufbau Iraks nach dem Krieg übernehmen.

Di.25.03.03 - "Wer zerstört hat, trägt die Hauptlast beim Wiederaufbau", sagte Wieczorek-Zeul am Dienstag im ARD-Fernsehen. Es dürfe keinen Unterschied geben zwischen denen, die den Krieg führten und jenen, die sich hinterher finanziell am Neuaufbau Iraks beteiligten. Dabei müsse der Wiederaufbau Iraks unter Oberhoheit der Vereinten Nationen (UNO) stehen. "Ein US-Protektorat darf es nicht geben", forderte die SPD-Politikerin und sprach von einem "schändlichen Krieg". Das Wichtigste sei nun ein Ende der Bombenangriffe auf Ziele in Irak. Die Bombardements seien "zerstörerisch und mörderisch". Es drohe eine humanitäre Katastrophe. (Quelle: rtr)
 


 


 

Arabische Liga fordert Ende des Irak-Krieges
Alliierte Truppen sollen bedingungslos abziehen

Di.25.03.03 - Die Arabische Liga hat mit der Ausnahme Kuwaits einen sofortigen und bedingungslosen Abzug der alliierten Truppen aus dem Irak gefordert. Zugleich verlangten die Außenminister der 22 Mitglieder der Organisation am Montag in Kairo die Einberufung einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates oder der UN- Generalversammlung.

Alle arabischen Länder wurden aufgefordert, sich aus Militäraktionen gegen den Irak herauszuhalten. Zudem wird der Krieg gegen den Irak als Aggression und Verletzung der UN-Charta verurteilt. Kuwait stimmte der Abschlusserklärung als einziges arabisches Land nicht zu.

Der irakische Außenminister Nadschi Sabri sagte nach dem Treffen, die Erklärung sei "das Geringste, was die Araber tun konnten". Sie hätten große ökonomische und finanzielle Möglichkeiten sowie Häfen und Luftraum. Sabri drohte indirekt Kuwait. Jeder, der dem Irak in den Rücken falle, werde das sehr bedauern und bringe sich in eine Linie mit Amerikanern, Briten und Zionisten, sagte er.

Der libysche Außenminister Ali Abdelsalam el Treiki, der den Vorsitz der Außenministerkonferenz hatte, sprach von einem ungerechten und nicht legitimen Krieg. Treiki sagte, er salutiere vor dem seltenen Heroismus der irakischen Armee und des irakischen Volkes.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, wünschte den "lieben Brüdern im Irak" Erfolg. Mussa machte auch deutlich, dass die Genfer Konventionen nicht nur auf US-Kriegsgefangene, sondern auch auf Zivilisten angewendet werden müssten. Er wies in diesem Zusammenhang auf die Folgen der US-Luftangriffe auf die irakische Bevölkerung hin.

Das Treffen hatte mit stundenlanger Verzögerung begonnen. Die Außenminister der 22 Mitglieder der Arabischen Liga hatten sich nicht darauf einigen können, ob die Raketenangriffe des Iraks auf Kuwait verurteilt werden sollten. (Quelle: dpa)


 

 

Der Krieg im Irak wird nicht nur von westlichen Journalisten verfolgt und kommentiert. Auch arabische Medien berichten umfassend über den Krieg und versuchen ihn einzuordnen. Dabei wird keineswegs blind Partei für Saddam Hussein genommen. Die Kommentare in verschiedenen Zeitungen drücken deutlich aus, dass es sich bei Saddams Herrschaft um ein Unrechtsregime handelt. Gleichzeitig wird ebenso klar gesagt, dass der Krieg gegen den Irak auf keiner legalen Basis beruhe.

Mehr unter:
http://www.nzz.ch/2003/03/24/al/page-newzzDDOHRW9B-12.html

 

Die arabischen Nachrichtenkanäle haben mehr die Zivilbevölkerung im Blick

Alle großen arabischen Sender haben jetzt zur Verstärkung weitere Reporter nach Bagdad geschickt. Dort können sie sich freier bewegen als ihre westlichen Kollegen. Viele der Reporter sind selbst Iraker, und so bekommen die arabischen Zuschauer einen sehr viel klareren Eindruck davon, was der Krieg für die Zivilbevölkerung bedeutet: Al-Arabija war am ersten Tag des Krieges bei einem bekannten irakischen Fussballspieler und seiner Familie, zeigte, wie der Star sich auf den Krieg vorbereitet hat. Al-Dschasira weiß, in welchem Krankenhaus die Verletzten der Luftangriffe liegen, und sendet die Bilder, die es eigentlich in diesem Krieg nicht geben sollte. (Quelle: taz) Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/03/25/a0165.nf/text
 

al-Dschasira stellt englischsprachige Webseite online

"Objektive, ausbalancierte Berichterstattung und Analyse" verspricht die gestern online gestellte englischsprachige Webseite des katarischen Senders al-Dschasira, der während des Afghanistan-Feldzugs unabhängige Berichte zu produzieren imstande war und damit weltweit Aufmerksamkeit gewann. Mehr unter:
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/14462/1.html
http://english.aljazeera.net/?tag=nl
 

Salam Pax postet wieder

Der Blogger, der angeblich in Bagdad lebt und somit der einzige irakische Augenzeuge wäre, der online vom Alltag berichtet, ist wieder da und führt weiterhin seine geheimnisvolle Internet-Existenz. Mehr unter:
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/on/14456/1.html
http://dear_raed.blogspot.com

 


 


 

EU-Kommission warnt Ankara vor Kriegseintritt
Nach Einschätzung der russischen Regierung sind bereits erste türkische Armee-Einheiten in den Norden Iraks einmarschiert.

Di.25.03.03 - Wegen ihrer Einmarschpläne in die kurdisch bewohnten Gebiete Nordiraks steht die Regierung in Ankara unter steigendem Druck. Die EU-Kommission in Brüssel warnte, dass ein Einmarsch in Irak zu "zusätzlichen Komplikationen" auf dem türkischen Weg in die EU führen würde. Der britische Premier Tony Blair sagte, ein Einmarsch der Türkei in Nordirak wäre "völlig inakzeptabel". Nach Einschätzung der russischen Regierung sind bereits am Samstag erste türkische Armee-Einheiten in den Norden Iraks einmarschiert. Die Regierung in Ankara hat dies bislang nicht bestätigt.

Ein Kommissionsprecher sagte, die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union hätten beim Gipfel vergangene Woche ein klares Signal für die Türkei und die anderen Nachbarstaaten gegeben. Alle Länder in der Region seien demnach aufgerufen, keine Aktionen zu unternehmen, "durch die die Instabilität noch erhöht werden könnte." Das sei eine klare Botschaft, die hoffentlich ausreichend sei.

"Jeglicher Einmarsch wäre völlig inakzeptabel", sagte Blair vor dem britischen Unterhaus zu den türkischen Plänen. London und Washington hätten dies der türkischen Regierung und der Armee "sehr, sehr klar" gemacht. "Ich glaube, sie haben verstanden", sagte Blair. US-Präsident George W. Bush hatte die Türkei zuvor vor einem Einmarsch in den Norden Iraks gewarnt. Die USA und Großbritannien fürchten einen Konflikt zwischen Kurden und Türken. Sie hoffen auf die Unterstützung der Kurden im Kampf gegen den irakischen Machthaber Saddam Hussein.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow sagte der Nachrichtenagentur Interfax, ihm lägen Informationen über den türkischen Truppenvormarsch nach Nordirak vor. Er warnte vor der Gefahr einer "unkontrollierbaren Kettenreaktion". Am Samstag hatten türkische Medien berichtet, die Armee sei in der Nacht zu Samstag nach Nordirak vorgerückt.

Die Türkei bekräftigte, dass sie im Norden Iraks intervenieren wolle, um eine Flüchtlingskatastrophe wie beim Golfkrieg 1991 zu vermeiden. Die derzeitige und künftige Armeepräsenz in Irak sei die Folge humanitärer Überlegungen und der Sorge vor terroristischen Aktivitäten, sagte ein Regierungssprecher in Ankara. Er betonte, Washington und Ankara seien sich in dieser Angelegenheit einig. (Quelle: afp)
 


 

 

Ein Abzug der deutschen Soldaten von den AWACS-Frühwarnflugzeugen der NATO in der Türkei könnte den gesamten Einsatz in Frage stellen, der erst nach einer Zerreißprobe des Bündnisses zustande gekommen war.

Di.25.03.03 - Zwar könnten die deutschen Soldaten an Bord der vier in die Türkei verlegten Flugzeuge rein rechnerisch durch Soldaten der anderen elf an der NATO-AWACS-Einheit beteiligten Länder ersetzt werden, sagen NATO-Militärexperten. Praktisch sei dies aber kaum möglich. Wenn Deutschland seine Soldaten aus den AWACS-Flugzeugen im Falle eines umfangreichen Einmarschs der Türkei nach Irak abziehe, sei der AWACS-Auftrag zum Schutz des türkischen Luftraumes kaum noch zu erledigen.

Die Türkei hat in der NATO immer wieder versichert, sie plane keine umfangreiche Truppenpräsenz in Irak. "Wenn es einen groß angelegten Einmarsch der Türkei geben sollte, wäre dies für die NATO ein Problem", sagte ein NATO-Diplomat. Das Sicherheitskabinett der Bundesregierung hatte am Wochenende beschlossen, die deutschen Besatzungsmitglieder aus den Aufklärungsflugzeugen abzuziehen, falls die Türkei mit einem großen Truppenaufgebot in den überwiegend von Kurden bewohnten Norden Iraks eindringen und damit Kriegspartei werden sollte.

Die NATO verfügt insgesamt über 17 eigene AWACS-Flugzeuge und kann notfalls noch auf sieben ähnliche Maschinen Großbritanniens zurückgreifen. Doch nicht alle 17 Besatzungen seien jederzeit einsatzbereit, sagte ein Militärexperte. Es gebe deshalb keine festen Teams. Vielmehr würden diese für jeden Einsatz neu zusammen gestellt.

Mit einem Abzug der Deutschen, die rund ein Drittel des AWACS-Personals stellen, würden die militärischen Planer vor große Probleme gestellt.

In jedem AWACS-Flugzeug fliegen nach NATO-Angaben 17 jeweils auf bestimmte Aufgaben spezialisierte Soldaten. 13 von ihnen bedienen die Überwachungs- und Aufklärungsgeräte an Bord der Flugzeuge, vier halten als Piloten und Bordtechniker die umgebaute Boeing 707 in der Luft. Die Funktionen der Experten seien so spezialisiert, dass sie jeweils eine spezielle Schulung erforderten. (Quelle: rtr)
 


 


 

Italienische Schüler und Lehrer protestieren gegen Krieg
Sechzig Prozent der Schulen geschlossen

Di.25.03.03 - Tausende Schüler und Lehrer haben am Montag in Rom, Mailand und weiteren italienischen Städten den Unterricht bestreikt und stattdessen gegen den Golfkrieg demonstriert. Der Streik war Wochen zuvor als Protest gegen eine Schulreform und gescheiterte Vertragsverhandlungen der Lehrer geplant. Nach Angaben von Gewerkschaftsvertretern blieben 60 Prozent der Schulen im ganzen Land geschlossen. Demonstriert wurde auch in Turin, Venedig, Neapel, Bologna und Palermo. (Quelle: ap)
 


 

Deutschland : Wieder Zehntausende gegen Krieg auf der Straße
Bis zu 50.000 Teilnehmer bei Leipziger Montagsdemonstration. Schüler-Proteste gegen Krieg reißen nicht ab.

Di.25.03.03 - In Deutschland reißen die massiven Proteste gegen den Krieg im Irak nicht ab. Allein in Hamburg zogen am Montag rund 20 000 Jugendliche durch die Stadt und forderten ein Ende der Kämpfe. Bei Krawallen am Rande der Demonstration wurden mehrere Menschen verletzt. Die Polizei nahm 36 Demonstranten unter anderem wegen Körperverletzung und schwerem Landfriedensbruch fest, weitere 125 Teilnehmer wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen.

In Leipzig gingen bis zu 50.000 Menschen für den Frieden auf die Straße. Die Teilnehmer forderten ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen in Irak. Die Polizei sprach von gut 25.000 Demonstranten. Es war die elfte Friedenskundgebung in der Tradition der Leipziger Montagsdemonstrationen des Wendeherbstes 1989, an die seit dem 13. Januar angeknüpft wird.

Der Protestmarsch durch die Innenstadt startete im Anschluss an das Friedensgebet in der Nikolaikirche. Nikolaipfarrer Christian Führer hatte im Friedensgebet von einem «völkerrechtswidrigen Angriffskrieg» gesprochen, den er einen Rückfall in die Steinzeit nannte. Zudem mahnte der Pfarrer zu friedfertigem Verhalten bei der Demonstration. Er verwies darauf, dass es in anderen Ländern bei Anti-Kriegs-Protesten zu Ausschreitungen gekommen sei. Eine solche Radikalisierung der Demonstrationen müsse verhindert werden, mahnte Führer.

Der Nikolaipfarrer rief die Leipziger auf, sich auch an den täglichen Mahnwachen vor der Kirche zu beteiligen. Seit dem vergangenen Freitag versammeln sich jeweils von 17 bis 18 Uhr Menschen an dem Gotteshaus, um sich für Frieden einzusetzen. Außerdem wurde vor dem Eingang der Kirche eine «Friedenssäule» aufgestellt, auf der jeder seine Gedanken zum Krieg am Golf hinterlassen kann.

Rund 1.500 Schüler haben Montagmittag in Jena gegen den Krieg gegen Irak protestiert. Die Demonstration dauerte nach Polizeiangaben von 12.00 bis etwa 14.00 Uhr. Der Leiter des Staatlichen Schulamtes Jena, Frank Schenker, sagte auf Anfrage der AP, eine Freistellung vom Unterricht sei nicht beantragt worden. Dennoch habe sein Amt bei der ersten größeren Aktion von Schülern in der Stadt "relativ viel Verständnis" gezeigt.

Wichtig sei, dass mit den Kindern und Jugendlichen über ihre Ängste gesprochen werde, wozu auch Schulkonferenzen genutzt werden könnten.

Auch in Wiesbaden, Kiel und Städten Mecklenburg- Vorpommerns gab es größere Schüler-Demonstrationen. (Quellen: dpa, ap)


 

 

Der ehemalige UN-Koordinator für humanitäre Hilfe im Irak, Hans-Christof Graf von Sponeck, tritt für eine Klage gegen die USA und Großbritannien wegen Verstoßes gegen nationales Recht und gegen das Völkerrecht ein.

"Ich hoffe, dass es zu solchen Verfahren kommt. Dieser Krieg ist ein purer Völkerrechtsbruch." Der deutsche Diplomat weist im Gespräch mit dem Standard darauf hin, dass Völkerrechtler dabei seien, wegen des Irakkriegs ein Gerichtsverfahren einzuleiten. Es sei "schon ungeheuerlich und zynisch, dass man sich im britischen Unterhaus noch vor der ersten Bombe darüber unterhalten hat, wie viel Mittel man für den Wiederaufbau im Irak zur Verfügung stellen sollte".

Scharf kritisiert Sponeck die Kriegsführung. "Dieser hoch technisierte Krieg der USA ist ein Krieg der Feiglinge: Bomben werfen und dann die Bodentruppen rein." Sponeck, der Kontakt mit Irakern hält, sieht diese im Schockzustand: "Alle wissen, es wird Tausende Tote geben." Die Versorgung sei nicht mehr sichergestellt. Zur künftigen Entwicklung der Vereinten Nationen meint der langjährige UN-Mitarbeiter: "Ich bin nicht der Meinung, dass dies das Ende der UN ist." Europa, Russland und China müssten darauf drängen, das "Gewaltmonopol der nur einen Macht" aufzubrechen. "Sonst sind wir der Anarchie ausgeliefert." (Quelle: info.partisan.net)
 
 

Völkerrechtler zweifeln, ob der nun ausgebrochene Krieg rechtmäßig ist

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303200.htm#030320_p
 

Max-Planck-Direktor Rüdiger Wolfrum sieht im Vorgehen der USA einen Bruch des Völkerrechts und einen massiven Verstoß gegen das Selbstverständnis der Vereinten Nationen

Mehr unter:
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/14438/1.html
 

Beim Thema Völkerrecht kneift die Bundesregierung

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303190.htm#03031912

 


 
 
 
 

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