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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Fr.28.03.03, 12:45 Neunter Kriegstag in Irak
Fr.28.03.03 - Die Menschen in Bagdad haben in der Nacht zum Freitag
die schlimmsten Bombardements seit Beginn des Krieges
erlebt. Dutzende zum Teil sehr heftige Explosionen
erschütterten die Stadt in immer kürzeren Abständen, wie
ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete.
Zu Beginn der Bombardements am Abend wurde unter anderem ein Gebäude des
Palasts der Republik am Ufer des Tigris getroffen. Der Palast gilt als wichtiges
Symbol für die Macht von Staatschef Saddam Hussein. Welche Ziele bei den
Angriffen in Laufe der Nacht getroffen wurden, war zunächst unklar. Ein
AFP-Reporter berichtete von Rauchsäulen über der Innenstadt und den
Außenbezirken. Eine Explosion am Morgen erschütterte auch das Hotel
im Zentrum, in dem die ausländische Presse untergebracht ist.
Ein Korrespondent des arabischen Fernsehsenders El Dschasira berichtete
zudem von nächtlichen Angriffen auf die Stadt Mossul im Norden des Landes.
Bereits am Donnerstagmorgen war Mossul Ziel der Alliierten gewesen. Dabei
wurden laut El Dschasira mehr als 50 Menschen verletzt oder getötet.
Auf dem Flugplatz Tallil sechs Kilometer außerhalb von Nassirijah landete am
Donnerstag das erste Transportflugzeug der US-Streitkräfte. Der Flugplatz
soll nach Militärangaben zu einer zentralen Nachschubbasis ausgebaut
werden. Die langen Nachschubwege von Kuwaitbis zur vordersten Front sind
inzwischen 320 Kilometer lang und wegen der anhaltenden Kämpfe im Süden
nicht sicher. Das amerikanisch-britische Invasionsheer trifft in den südirakischen Städten Basra,
Nassirijah und Nadschaf weiter auf härter als erwarteten irakischen Widerstand.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld deutete im Kampf um Bagdad unterdessen eine Belagerungstaktik an.
Das Invasionsheer werde die Stadt umzingeln und die in den Außenbezirken verschanzte Elitetruppe der
Republikanischen Garde angreifen, sagte er in einer Senatsanhörung. Wenn Einheiten von Präsident Saddam
Husseins Elitetruppe zerschlagen seien, könnte sich die schiitische Bevölkerungsmehrheit zu einem Aufstand
ermutigt fühlen und das Regime stürzen.
Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums halten sich
derzeit 90.000 US-Soldaten in Irak auf. 120.000 weitere stünden
auf Basen in den Vereinigten Staaten und Europa zum Einsatz
bereit, sagte ein Vertreter des Ministeriums. In den vergangenen
Tagen seien 15.000 weitere Bodensoldaten in Irak
eingedrungen, unter ihnen die rund tausend Fallschirmjäger,
die in der Nacht zum Donnerstag in Nordirak gelandet
waren. In den vergangenen Tagen war Kritik laut geworden, die
derzeitigen Bodentruppen reichten nicht aus, um
Bagdad einzunehmen.
Nach der Landung der ersten US-Fallschirmjäger in Nordirak brachten amerikanische Transportflugzeuge am
Donnerstag weitere Soldaten und Militärgerät in die dort von Kurden kontrollierte Gebiete. Mit dem Eintreffen von 200
Soldaten einer in Italien stationierten Luftlandebrigade wurde das US-Truppenkontingent bis zum frühen Freitag auf
1.200 Mann aufgestockt. Der Befehlshaber der
US-Truppen im Norden, Brigadegeneral James Parker, sagte, die Stationierung solle nicht nur eine zweite Front gegen
die irakischen Truppen eröffnen. "Sie mag ebenso als Warnung an die türkischen Streitkräfte dienen", fügte er hinzu.
An der türkischen Grenze zu Irak sind starke türkische Truppen konzentriert worden. Die Regierung in Ankara möchte
einen unabhängigen kurdischen Staat an der Grenze mit ihrer kurdischen Bevölkerung verhindern.
Seit Beginn des Krieges wurden laut Pentagon mindestens 28 US-Soldaten getötet. 22 Soldaten seien durch
"feindliche Akte" ums Leben gekommen, teilte Pentagon-Sprecher Jim Cassella mit. Vier weitere seien bei Unfällen
getötet worden und zwei durch den Anschlag eines Kameraden in Kuwait. Sieben Soldaten werden den Angaben
zufolge als Kriegsgefangene betrachtet, wovon zwei nach dem Abschuss ihres Apache-Hubschraubers in
Gefangenschaft gerieten. Das Schicksal von 17 weiteren vermissten Soldaten sei unklar.
(Quellen: afp, ap)
Tausende Zivilisten verlassen südirakisches Basra
Fr.28.03.03 - Tausende müde und durstige irakische Zivilisten haben am Donnerstag die
umkämpfte Stadt Basra im Süden des Landes verlassen.
Reuters-Reporter beobachteten einen ständigen Strom von Menschen, die
die zweitgrößte Stadt des Landes zu Fuß über eine Brücke über den
Euphrat verließen. Jeder von ihnen frage nach Wasser.
Britische Militärvertreter sagten, binnen weniger Stunden hätten etwa 3000
Iraker, vor allem Männer, die Brücke überquert.
"Sie tragen kein Hab und Gut mit sich, sie wollen nur Familienangehörige
treffen, meist in (der nahe gelegenen Stadt) Subair", berichtet ein Reporter
der Nachrichtenagentur Reuter. Etwa 200 Menschen machten sich auf den
umgekehrten Weg nach Basra, in Sorge um
Verwandte und Freunde nach den jüngsten Luftangriffen der von den USA
angeführten Truppen.
Die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen haben sich
besorgt über die humanitäre Lage in Basra geäußert. In der Stadt herrscht
Wassermangel, seit Tagen ist der Strom ausgefallen. Vertreter des Roten
Kreuzes sagten am Donnerstag, sie hätten die Wasserversorgung teilweise
wiederhergestellt.
Britische Truppen zerstörten unterdessen 14 irakische Panzer und vier
gepanzerte Truppentransporter, die von Basra aus einen Vorstoß Richtung
Süden machen wollten. "Es war ein sehr schnelles, kurzes und scharfes
Gefecht", sagte ein britischer Militärsprecher. (Quelle: rtr)
Nach einer Woche feiert Saddam Erfolge
Der irakischen Führung ist es in der ersten Woche des Krieges weitgehend
gelungen, die öffentliche Meinung im eigenen Land und in den arabischen Staaten in ihrem
Sinne zu beeinflussen. Und das ist für den weiteren Kriegsverlauf und das «Image»
der Amerikaner in der Region nach Einschätzung arabischer Beobachter noch wichtiger als die
Frage, ob die Alliierten Bagdad nun ein zwei Tagen oder zwei Wochen erreichen.
Fr.28.03.03 - Bisher hat das Regime von Saddam Hussein erfolgreich auf folgende Faktoren
gesetzt: Der für viele überraschende Widerstand im Süden entlarvte Vorstellungen
von Irakern, die ihre «Befreier» in den Straßen von Basra bejubeln, als
Wunschdenken. «Wie wollen sie in Bagdad einmarschieren, wenn sie eine Woche
brauchen, um einen Teil von Umm Kasr und Fau unter ihre Kontrolle zu bringen»,
höhnt Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf. Angaben über Verluste
unter den eigenen Soldaten oder zerstörte militärische Anlagen unterdrückt die
irakische Führung bisher erfolgreich.
Zweitens haben die irakischen TV-Berichte über Bauern und Frauen, die angeblich mit
einer einfachen Panzerfaust oder einem Gewehr den Vormarsch der Supermacht
USA behindern oder Kampfhubschrauber zum Absturz bringen, einen Heldenmythos
vom tapferen irakischen Zivilisten geschaffen, der sein Land gegen übermächtige Invasoren
verteidigt. Derartige Berichte, die das arabische Publikum an die Auflehnung der Palästinenser
gegen die israelische Besatzungsmacht erinnern, erzielen bei den Irakern und anderen Arabern einen
Solidarisierungseffekt - und das weiß die irakische Führung ganz genau. Sie geben
vielen Menschen zwischen Amman und Casablanca das Gefühl von Stolz, nach dem Motto «Seht her,
die Amerikaner können die Araber nicht einfach wie willenlose Schafe behandeln».
Drittens haben die zum Teil grauenhaften Fernsehbilder von zivilen Opfern in Basra und Bagdad die Menschen in der
arabischen Welt aufgewühlt. Und je mehr Bilder von schwer verletzten Kindern die Iraker sehen, desto
unwahrscheinlicher wird es, dass selbst Regimegegner die Alliierten als «Befreier» willkommen heißen werden. Die
Amerikaner und Briten haben an der «Propagandafront» nach Ansicht arabischer Beobachter zudem einige
entscheidende Fehler gemacht. Das Bild des Soldaten, der eine US-Fahne an der kuwaitisch-irakischen Grenze
hisste, ging um die Welt. Auch wenn die Fahne später wieder entfernt wurde - der Vorfall schien all diejenigen zu
bestätigen, die vor einer «amerikanischer Besatzung» gewarnt hatten. Auch die britische Formulierung Basra sei nun
ein «legitimes militärisches Ziel» sei nicht gerade glücklich gewesen, kommentiert die Kairoer Wochenzeitung
«Al-Ahram».
Ein großes Problem sind all diese Faktoren auch für diejenigen arabischen Führer, die in ihrer Ablehnung gegen den
Krieg etwas moderater waren als beispielsweise der syrische Präsident Baschar el Assad. Sie hatten geglaubt, die
Amerikaner bekämen die Sache schnell in den Griff und fühlen sich nun betrogen. «Die Amerikaner haben uns gesagt,
dass er (der Krieg) kurz sein würde, aber ich habe die Befürchtung, dass er lange andauern wird, was zum Tod vieler
Menschen führen würde», meint der ägyptische Präsident Husni Mubarak.
Die Amerikaner bekommen nun außerdem die Quittung für das, was sie 1991 angerichtet haben, als sie die
irakischen Kurden und Schiiten zum Aufstand ermuntert und sie anschließend der Rache Saddams ausgeliefert
hatten. Das Misstrauen ist bis heute groß. So stimmten einige Einwohner von Safwan an der Grenze zu Kuwait vor
den Kameras der arabischen Fernsehsender Lobgesänge auf Saddam an, als der kuwaitische Rote Halbmond in der
irakischen Kleinstadt Hilfsgüter verteilte. «Die Leute von der Baath-Partei sind immer noch in der Stadt - da ist man
besser vorsichtig, mit dem was man sagt», raunt einer der Einwohner der Stadt einem Zeitungsreporter zu.
(Quelle: dpa)
Irak rechnet mit Einkesselung Bagdads in fünf bis zehn Tagen
Fr.28.03.03 - Irak rechnet in etwa einer Woche mit der Einkesselung der Hauptstadt
Bagdad durch die von den USA angeführten Invasionstruppen.
Verteidigungsminister Sultan Haschim Ahmed sagte am
Donnerstag, er rechne damit, dass die US-Truppen in fünf
bis zehn Tagen Bagdad einkreisen. Dann müssten sie
aber mit einem erbitterten Straßenkampf rechnen. "Wir
errichten unseren (Haupt-)Verteidigung in Bagdad", sagte
Ahmed auf einer Pressekonferenz. Ein Vormarsch der US-Truppen bis an die
Metropole in fünf bis zehn Tagen wäre bei deren Möglichkeiten keine Überraschung.
Letztlich müssten sie aber in die Stadt hineinkommen. Auf die Frage, ob er
Straßenkämpfe in Bagdad erwarte, sagte der Minister: "Mit Sicherheit." (Quelle: rtr)
Hajj Abu Ali will sich zur irakischen Al-Quds-Miliz melden, um
zunächst sein Land gegen die amerikanischen Eindringlinge zu
verteidigen und dann Jerusalem zu befreien, erklärt er. Viele der freiwilligen Iraker gehören zur Minderheit der
Schiiten. Sie wollte George W. Bush eigentlich befreien.
Jetzt kämpfen sie gegen ihn.
Mehr unter:
Hoffnung auf schnelles Kriegsende schwindet
Fr.28.03.03 - Ohne Hoffnung auf ein rasches Ende ist der
Irak-Krieg am Donnerstag in die zweite Woche gegangen.
US-Präsident George W. Bush antwortete nach einem Treffen
mit dem britischen Premierminister Tony Blair ausweichend auf
die Frage nach der Dauer des Krieges: "Das ist keine Frage
des Zeitplans, es ist eine Frage des Sieges. Wir haben nur ein
Ziel im Sinn: den Sieg."
Bush und Blair zogen in Camp David bei Washington eine
Bilanz des bisherigen Kriegsverlaufs. Die Truppen der Allianz
machten jeden Tag neue Fortschritte, sagte Bush. Im
Mittelpunkt des Treffens standen Beratungen über die künftige Rolle der Vereinten
Nationen bei der Sicherung der humanitären Hilfe für Irak und bei der Gestaltung
einer Nachkriegsordnung.
Bush und Blair sprachen auch die fehlende Unterstützung traditioneller Verbündeter
an. "Wir haben viele Menschen auf unserer Seite, und dann sind da diejenigen, die
unsere Haltung ablehnen", sagte Blair. Er sei dennoch von der Richtigkeit des
Vorgehens in Irak überzeugt. Bush betonte vor Journalisten: "Wir haben viele
westliche Verbündete. Wir können ihnen eine Liste zeigen." (Quelle: ap)
In den USA schwindet Hoffnung auf raschen Sieg
Eine Woche nach Beginn des Irak-Krieges
muss sich die US-Regierung verteidigen - nicht nur gegen einen
unerwartet starken und entschlossenen Gegner, sondern
zusehends auch gegen Kritiker im eigenen Land.
Fr.28.03.03 - Zwar versichern das Weiße Haus und das US- Oberkommando in Katar
tagtäglich, es gehe alles nach Plan, und die amerikanisch-britische Streitmacht sei den
Herausforderungen mehr als gewachsen.
Aber es ist offensichtlich, dass der bisherige Kriegsverlauf deutlich
hinter den Erwartungen der Angreifer zurückgeblieben ist.
Einzelne Offiziere sprechen schon davon, dass der Krieg Monate dauern könnte.
So sehen es neben vielen einstigen Spitzenmilitärs und sogar Kreisen im Pentagon
auch fast alle großen US-Zeitungen. Sie sprechen immer lauter von Mängeln in der
US-Strategie und zum Teil gravierenden Fehleinschätzungen wie nicht eingeplanten
Verzögerungen. Erst eine Woche nach Beginn der Kämpfe landeten 1000
Fallschirmjäger aus Italien kommend auf einem Flugplatz im Kurdengebiet, um eine
Nordfront zu eröffnen, die Bagdad in die Zange nehmen soll.
Das übereinstimmende Fazit: Die Kriegsplanung konzentrierte
sich zu stark auf die faktisch durch nichts untermauerte
Annahme, dass die so groß propagierte Bomben- und
Raketenkampagne aus der Luft unter dem Motto «Angst und
Schrecken» Regime und Militär rasch von der
Aussichtslosigkeit einer Gegenwehr überzeugen würde. Die
erhoffte Einschüchterung sei aber ganz klar ausgeblieben.
«Zahlreiche Regierungsgebäude und militärische Einrichtungen
mögen in Schutt und Asche liegen», formulierte es zum
Beispiel die «Washington Post» in einer Bilanz. «Nicht aber die
Bagdader Führungsstruktur und Entschlossenheit zur
Gegenwehr.» Auch der frühere NATO-Oberbefehlshaber Wesley
Clark räumt ein, dass die «Befreiung des Irak von seinem
Diktator nicht ganz so abläuft wie man dachte». Vor allem Fähigkeiten und Kampfentschlossenheit von Saddam
Husseins paramilitärischen Truppen seien unterschätzt worden.
Tatsächlich hatten die US-Regierung und die militärischen Spitzenplaner gehofft, nach einer Woche Krieg den Süden
und Norden Iraks fest im Griff und damit - falls nötig - alle Kräfte für den Sturm auf Bagdad und für die rasche
Anlieferung von Hilfsgütern für die Zivilbevölkerung frei zu haben. Aber diese Rechnung ging nicht auf. Zwar konnte die
amerikanisch-britische Koalition viele wichtige Ölfelder sichern und schließlich den Hafen Umm Kasr einnehmen. Aber
in Basra hat der unerwartet starke Widerstand vor allem der Paramilitärs die Zahl der Opfer auf beiden Seiten schon in
den ersten Tagen in die Höhe getrieben.
Die Lage im Süden hat die USA nach Angaben von Regierungsbeamten und Militärvertretern mittlerweile zu einer
Strategieverschiebung gezwungen. Danach sollen sich die Boden-Aktionen weiterhin vorrangig auf den Süden
konzentrieren, was eine Schlacht um Bagdad verzögern dürfte. Auch die Entwicklung im Norden, die ohnehin durch
das türkische Nein zur Nutzung des NATO-Landes als Aufmarschgebiet zurückgeworfen wurde, wird nach
Einschätzung von Militärexperten durch die Bindung der Kräfte im Süden vorerst weiterhin hinter dem Erwartungen
zurückhinken.
Viele dieser Fachleute meinen, dass Pentagon-Chef Donald Rumsfeld von vornherein mehr als die jetzt eingesetzten
rund 250 000 US- Soldaten hätte entsenden müssen. Er habe außerdem zu stark auf moderne Technologien gesetzt
anstatt mehr schwere Ausrüstung wie eine überwältigende Panzermacht einzusetzen. Trotzdem zweifelt nach wie vor
niemand daran, dass Amerikaner und Briten früher oder später siegen werden - aber, wie es derzeit aussieht, später
als früher. (Quelle: dpa)
US-Verteidigungsminister lehnt Waffenstillstand im Irak-Krieg ab
Fr.28.03.03 - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat einen
Waffenstillstand im Irak-Krieg entschieden abgelehnt.
Die Militäraktionen würden erst dann gestoppt, wenn der irakische Präsident
Saddam Hussein entmachtet sei, sagte Rumsfeld am Donnerstag vor dem
Bewilligungsausschuss des Senats. Dort wurde der Minister auf Berichte
angesprochen, wonach Frankreich oder ein anderes Land die Vereinten Nationen
(UNO) dazu drängen könnten, eine Waffenruhe zu unterstützen. Rumsfeld sagte
dazu: "Ich habe keine Ahnung, was irgendein Land vorschlagen könnte, aber es wird
keinen Waffenstillstand geben." Frankreich gehört zu den schärfsten Kritikern des
von den USA geführten Krieges gegen Irak.
Nach den Worten Rumsfelds verläuft der Krieg nach Plan. Wann der Konflikt zu
Ende sein werde, könne er nicht sagen. "Ich kenne niemanden auf Erden, der das
wissen kann", sagte der Minister.
Rumsfeld rechnet mit einem harten Kampf
um Bagdad. Die Republikanischen Garden seien zwischen 70 und 80 Kilometer um
die irakische Hauptstadt postiert und an diesem Verteidigungsring werde es
"wahrscheinlich die härtesten Kämpfe" geben, sagte Rumsfeld am Donnerstag in
Washington. Wann diese Phase beginnen werde, könne er nicht sagen, hatte
Rumsfeld zuvor vor dem Haushaltsausschuss des Senats gesagt. Die US-geführten
Streitkräfte befänden sich allerdings noch immer "näher am Anfang als am Ende"
des Krieges. (Quellen: afp, rtr)
USA wollen angeblich über 100 000 zusätzliche Soldaten einsetzen
Fr.28.03.03 - Die USA wollen mehr als 100 000 zusätzliche Soldaten auf
irakischem Boden einsetzen. Das berichten US-Medien unter Berufung auf
Pentagon-Beamte. Eine offizielle Bestätigung des Verteidigungsministeriums gibt
es aber noch nicht. Zuletzt hatten weitere 30 000 Soldaten ihren Marschbefehl
erhalten - darunter die wegen ihrer High-Tech-Ausrüstung berühmte 4.
Infanteriedivision aus Fort Hood in Texas. Zu den geplanten Verstärkungen soll
auch die in Bad Kreuznach stationierte 1. Panzerdivision gehören. (Quelle: dpa)
Gebete sollen US-Truppen göttliche Hilfe sichern
Fr.28.03.03 - Ein offizieller Gebets- und Fastentag soll den
US-Soldaten in Irak nach Auffassung der Abgeordneten in
Washington göttlichen Beistand sichern. Mit 346 gegen
49 Stimmen verabschiedete das Repräsentantenhaus
einen Aufruf an Präsident George W. Bush, einen solchen
Tag der Einkehr anzusetzen. "Ein Tag des Fastens und
des Gebetes ist notwendig, um den Segen und den
Schutz der göttlichen Vorsehung für das Volk der Vereinigten Staaten und unsere
Streitkräfte während des Konfliktes in Irak und der Bedrohung durch den
Terrorismus zu Hause zu sichern", heißt es in dem Text.
Beide Kammern des Kongresses wiesen darauf hin, dass ähnliche Appelle auch in
anderen schweren Zeiten ergangen seien. So habe Präsident Abraham Lincoln 1863
während des amerikanischen Bürgerkriegs das Volk aufgefordert, "vor Gott Buße für
die Sünden der Nation" zu tun. Der Aufruf der Parlamentarier dürfte bei Bush auf
offene Ohren stoßen: Der Staatschef bekannte Anfang des Monats, er bete jeden
Tag für den Frieden. (Quelle: afp)
Weit mehr als 200 Festnahmen bei Protesten in New York
Fr.28.03.03 - Tausende Gegner des Irak-Krieges haben am Donnerstag den
Verkehr auf der Fifth Avenue in New York für eine Stunde lahm gelegt. Trotz eines
massiven Polizeieinsatzes setzten Demonstranten ähnliche "Aktionen des zivilen
Ungehorsams" später an anderen Ecken des Bezirkes Manhattan fort. Bis
Donnerstagabend wurden nach US-Medienberichten weit mehr als 200 Kriegsgegner
festgenommen.
Allein auf der Fifth Avenue führten Polizisten etwa 215 Teilnehmer eines so
genannten "Die-In" in Handschellen ab. Sie hatten sich vor dem Rockefeller Center
auf die Straße gelegt. Damit sollten die Toten des Krieges symbolisiert werde, erklärten
Sprecher der Organisation M27, eines Bündnisses unterschiedlicher New Yorker
Friedensgruppen.
Das Rockefeller Center sei als Schauplatz gewählt worden, weil es Sitz mehrerer
Konzerne ist, die vom Krieg profitierten. Zudem gebe es dort Büros von Medien wie
dem Fernsehsender NBC, deren Berichterstattung nicht das wahre Bild des Krieges im
Irak vermittle und die Kriegsziele der USA verschleiere. Mehrere
Festnahmen gab es später auch vor dem New Yorker Studio
des Senders CNN, der einige Straßen weiter seinen Sitz hat, sowie vor dem Juweliergeschäft Tiffany.
Während die Polizei eine Reiterstaffel und Hubschrauber einsetzte, riefen Demonstranten in Sprechchören immer
wieder "Hey-ho, Bush's war has to go" und "Peace Now!". Am Abend fanden an mehreren Orten Diskussionsforen
mit prominenten Kriegsgegnern statt. Auf einer Veranstaltung forderte der Autor und Regisseur Michael Moore den
Widerstand gegen den Krieg zu verstärken. Moores Dokumentarfilm "Bowling for Columbine" war am vergangenen
Sonntag mit einem Oscar ausgezeichnet worden.
New Yorks Polizeichef Ray Kelly erklärte, bei der Demonstration sei "das Gesetz gebrochen worden". Störungen des
Verkehrs hätten nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun. Demonstrationen gegen den Krieg kosteten die Stadt
Millionen von Dollar für Überstunden von Polizisten und beeinträchtigten zudem die Einsätze zur Abwehr
terroristischer Gefahren. (Quelle: dpa)
Radio- und Fersehsender streichen Antikriegs-Songs aus dem Programm
Die konservativen Radio-Netzwerke in den USA trommeln für den Krieg am
Golf. Musiker mit anderer Anschauung laufen Gefahr, nicht mehr gespielt zu
werden. Zahllose Stars reagieren darauf, indem sie ihre Protestsongs im Netz
veröffentlichen.
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Kompromiss für Irak-Hilfsprogramm der UN
Fr.28.03.03 - Nach einwöchigen Verhandlungen ist im UN- Sicherheitsrat ein Kompromiss über die
Fortsetzung des Irak- Hilfsprogramms "Öl für Lebensmittel" erzielt worden. Wie der Verhandlungsführer,
der deutsche UN-Botschafter Gunter Pleuger, am Donnerstagabend (Ortszeit) erklärte, könne ein entsprechender
Resolutionsentwurf noch an diesem Freitag im Konsens angenommen werden.
Zeitgleich mit der Erklärung Pleugers traf der britische Premierminister Tony Blair
mit UN-Generalsekretär Kofi Annan zusammen. Dabei sei es neben dem
unmittelbaren humanitären Hilfsprogramm der UN um eine künftige Rolle der
Vereinten Nationen bei der Verwaltung und dem Wiederaufbau des Nachkriegs-Iraks
gegangen, hieß es in diplomatischen Kreisen. Blair hatte sich zuvor bei einem
Treffen mit US-Präsident George W. Bush für eine stärkere Rolle der UN im Irak
eingesetzt, als sie bislang von den USA gewünscht wird.
Die von der Bundesrepublik vorgelegte Resolution sieht vor, dass Annan
bevollmächtigt wird, das Programm für zunächst 45 Tage in eigener Regie
weiterzuführen. Formulierungen in einem früheren Entwurf, die als
Bezug auf die USA und Großbritannien als De-facto- Besatzungsmacht verstanden
worden waren, sind in dem jetzt vorgelegten Text nicht mehr
enthalten. Stattdessen ist nur noch die Rede davon, dass
Annan das Programm "mit der erforderlichen Koordinierung"
umsetzen solle.
Vor allem Russland hatte darauf bestanden, dass die
Resolution nicht als Anerkennung einer amerikanisch-britischen
Besatzungsmacht und damit als nachträgliche Legitimierung
des Irak-Krieges verstanden werden dürfe. Annans Beauftragte
sollen nach Annahme der Resolution so schnell wie möglich im
Irak "nach alternativen Orten" für die Verteilung humanitärer
Hilfslieferungen an die Bevölkerung suchen. Dass sie dabei auf
die Kooperation der amerikanischen und britischen Truppen angewiesen seien, müsse «stillschweigend in Kauf
genommen werden», sagten UN-Diplomaten. Es sei klar, dass «in dem deutschen Text nicht alle Bedenken und
Forderungen auf allen Seiten berücksichtigt» worden seien.
Jeder im Sicherheitsrat habe die Notwendigkeit verstanden, rasch zu einem Ergebnis zu kommen, sagte Pleuger. Die
Resolution ermögliche alle erforderlichen Anpassungen des Programms "Öl für Lebensmittel" an die gegenwärtige
Lage im Irak. Jetzt sei es wichtig, sie anzunehmen und zu verwirklichen, «um ein humanitäres Desaster» zu
vermeiden. Wann wieder ausländische UN-Helfer in den Irak reisen und vor allem in Notstandsgebieten wie der Stadt
Basra die Versorgung in Gang bringen könnten, müsse der UN-Generalsekretär entscheiden. Er müsse einschätzen,
ob die Lage für die Helfer sicher genug ist.
Nach Angaben des deutschen UN-Botschafters, der das Irak-Komitee des Sanktionsausschusses des
Sicherheitsrates leitet, stehen dem Programm "Öl für Lebensmittel" derzeit Hilfsgüter im Umfang von rund 2,5
Milliarden Dollar zur Verfügung. Die Verteilung müsse im Interesse der Not leidenden Menschen rasch organisiert
werden. Über eine künftige, darüber hinaus gehenden Rolle der UN im Irak werde der Sicherheit erst noch diskutieren
müssen. (Quelle: dpa)
«Hilfsorganisationen werden missbraucht»
(...) im Irak (...) verhindern Briten und Amerikaner, dass die
internationalen Hilfsorganisationen unabhängig arbeiten.
Stattdessen entscheiden Militärs, wann jetzt endlich Lebensmittel
geliefert werden und welche Patienten behandelt werden dürfen. Die
Maßnahmen koordiniert ein "Humanitarian Operations Center", das
die Verbündeten in Kuwait eingerichtet haben. Das ist schon im
Vorfeld des Krieges zu Recht von Organisationen wie Medico
International kritisiert worden. Denn mit der Arbeit unter Leitung des
Militärs werden die neutralen Organisationen zu Kombattanten
gemacht. Ihnen bleibt keine Wahl: Sie müssen mitmachen, um den
Opfern zu helfen.
Die USA und Großbritannien verstoßen mit ihrem Verhalten erneut
gegen das Völkerrecht. Ja, sie benutzen die Hilfsorganisationen in
einem Maße, wie das in keinem Krieg bisher geschehen ist. Die
Helfer sind für sie nicht mehr dazu da, das menschliche Leid zu
lindern, geschweige denn, sich gegen den Krieg als Ursache dieser
humanitären Katastrophe zu engagieren. Im Gegenteil: Sie sollen
den Krieg scheinbar humanisieren. Dies ist eine skandalöse
Instrumentalisierung der Hilfsorganisationen und eine Militarisierung
der Hilfe. Die fatale Folge: Im Grunde müssen die Helfer die
Kriegsführung legitimieren.
Im Irakkrieg wird außerdem ein Strukturwandel von Hilfe offenbar,
mit dem sich alle Hilfsorganisationen auseinander setzen müssen.
Statt einer Hilfe, die dazu dient, die Ursachen von Not und
Unmündigkeit zu überwinden, droht Hilfe zum Reparaturbetrieb
globaler Sicherheitspolitik zu verkommen.
Humanitäre Hilfe muss unparteiischen Organisationen überlassen
bleiben, und die Konfliktparteien müssen ihnen so bald wie möglich
Zugang zur irakischen Bevölkerung ermöglichen. Jahrelang hat
Saddam Hussein unabhängige Hilfe für die Menschen im Irak fast
unmöglich gemacht, jetzt scheinen die Amerikaner und Briten in
ihrem schmutzigen Krieg das Gleiche zu tun. ("tageszeitung" vom 28.03.03)
UNICEF warnt vor Wassermangel für kurdische Flüchtlinge in Nordirak
Fr.28.03.03 - Hunderten kurdischen Familien, die wegen der Kämpfe in Nordirak aus ihren
Heimatdörfern geflohen sind, fehlt es an Wasser und sanitären Anlagen. Zahlreiche
Familien seien in Schulen und anderen Gebäuden in ländlichen Gebieten Nordiraks
untergekommen, sagte ein Sprecher des UN-Kinderhilfswerks (UNICEF) am
Donnerstag in Amman. In der Region Suleimanijah im Südosten des Kurdengebiets
hätten UNICEF-Mitarbeiter damit begonnen, Wasser an Bedürftige zu verteilen
sowie Toiletten für 450 Familien zu bauen. (Quelle: afp)
«Falke» Perle reicht Rücktritt als Pentagon-Spitzenberater ein.
Fr.28.03.03 - Richard Perle, einer der lautstärksten Befürworter des Irak-Kriegs
in den USA, ist von seinem Amt als einer der führenden Pentagon-Berater
zurückgetreten. Als Grund für den Schritt gab der insgesamt als ausgesprochener
"Falke" geltende Perle die anhaltende Debatte um seine Beziehungen zum Pleite
gegangenen Telekommunikationsunternehmen Global
Crossing an, wie am Donnerstag offiziell bestätigt wurde.
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld würdigte in einer
kurzen Erklärung die Verdienste Perles, der unter anderem auch zu den schärfsten
Kritikern der deutschen Haltung im Irak-Konflikt zählt.
Der 61-Jährige war unter dem damaligen Präsidenten Ronald Reagan
Pentagon-Abteilungsleiter und wurde beim Amtsantritt von Rumsfeld Leiter des
Defense Policy Board, eines Berater-Gremiums im Ministerium. Diesen Posten gab
er jetzt nach Schlagzeilen um einen möglichen Interessenkonflikt auf. Er wird aber
weiter dem Gremium angehören.
Die Debatte drehte sich darum, dass Perle neben seiner bisherigen Beratertätigkeit
im Pentagon auch als Berater von Global Crossing arbeitet. Das Unternehmen
bemüht sich bei der US-Regierung um grünes Licht für den Verkauf an zwei
asiatische Firmen, von denen eine angeblich enge Verbindungen zu China hat. Für
den Fall eines Zustandekommens des Handels sollen Perle 600 000 Dollar als
Belohnung zugesagt worden sein.
Perle wies den Medien zufolge in seinem Rücktrittsschreiben Vorwürfe eines
Interessenkonflikts zurück. Er habe sich dennoch zum Rückzug entschlossen, da
er das Ministerium zu Kriegszeiten nicht mit der Debatte um ihn belasten wolle.
Mehr zum Thema unter:
Keine Irak-Entschließung des EU-Parlaments
Fr.28.03.03 - Das Europäische Parlament hat sich am Donnerstag in Brüssel nicht
auf eine Entschließung zum Irak-Krieg verständigen können. Ein von den Fraktionen
der Sozialdemokraten, Grünen und Liberalen eingebrachter Entwurf erhielt nicht die
erforderliche Mehrheit. 218 Abgeordnete stimmten dafür, 255 dagegen und 46
enthielten sich. Besonders die konservativen Fraktionen lehnten die Vorlage ab. In
dem Entwurf wurde der Angriff auf Irak ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats
kritisiert. Zudem wurde gefordert, den NATO-Beistand für die Türkei im Falle eines
Einmarsches in Nordirak aufzuheben. Die drei Fraktionen plädierten auch dafür, das
UN-Programm Öl-für-Lebensmittel zur Versorgung der irakischen Bevölkerung
wieder aufzunehmen. Schließlich wurde in dem Entwurf eine
Nahost-Friedenskonferenz gefordert. (Quelle: ap)
US-Experte will für Irak Mobilfunknetz nach US-Standard
Fr.28.03.03 - Noch vor einem Ende des Irak-Krieges deutet sich ein Streit
zwischen den USA und Europa um den zukünftigen Mobilfunkstandard für das Land
an. Die USA müssten sich frühzeitig für eine Entscheidung zu Gunsten des
amerikanischen Standards CDMA anstelle des europäischen GSM einsetzen,
forderte der kalifornische Rechtsexperte Darell Issa in einem Brief an
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld einem Bericht des «Wall Street Journal» von
Donnerstag zufolge. Von einem GSM-Netz würden anderenfalls nur europäische
Mobilfunkausrüster profitieren.
"Die US-Regierung wird bald für den Aufbau eines irakischen Mobilfunknetzes
die Dollar amerikanischer Steuerzahler über Frankreich, Deutschland und andere
europäische Mobilfunk-Unternehmen ausschütten", zitiert die Zeitung den Republikaner.
Issa fordert deshalb, der Technologie amerikanischer Unternehmen wie etwa
Qualcomm den Vorrang zu geben. Irak, Nordkorea und
Afghanistan gehören zu den letzten großen Ländern, die noch über kein Mobilfunknetz verfügen.
Die GSM-Technologie (Global System for Mobile Communication) wurde von einem Konsortium europäischer
Unternehmen, darunter Nokia und Ericsson entwickelt. Sie ist in Europa und im Mittleren Osten die am meisten
verbreitete Technologie. Insgesamt gibt es rund 331 Millionen
Nutzer weltweit. Das unter anderem in den USA genutzte CDMA-Netz (Code Division Multiple Access) mit derzeit
rund 67 Millionen Nutzern geht auf eine Entwicklung der Alliierten Militärs aus dem Zweiten Weltkrieg zurück.
(Quelle: dpa)
Ein weiterer Beitrag zum Thema unter:
Deutschland: Protestwelle gegen Irak-Krieg reißt nicht ab
Fr.28.03.03 - Die Protestwelle gegen den Golfkrieg reißt auch in Deutschland
nicht ab. In Kiel demonstrierten am Donnerstag rund 3.500 Schüler, in Potsdam
gingen rund 2.500 Schüler auf die Straße. In Eisenhüttenstadt brachen rund 20
Frauen unter dem Motto «Mütter gegen den Krieg» zu einem viertägigen Fußmarsch
nach Berlin auf. Für das Wochenende kündigte die Friedensbewegung Dutzende
Aktionen an. Die Hamburger Polizei sieht sich nach den Ausschreitungen bei der
Friedensdemonstration von Schülern mit schweren Vorwürfen konfrontiert.
Die Demonstration der Kieler Schüler verlief Polizeiangaben zufolge friedlich. Die
Beteiligung war doppelt so hoch wie erwartet. Mit Trillerpfeifkonzerten,
Transparenten und Sprechchören protestierten die Jugendlichen gegen den
Krieg. Die Potsdamer Schüler stellten ihre Demonstration unter das Motto "Eine Woche
Krieg ist eine Woche zu viel" und forderten auf Transparenten die sofortige
Einstellung der Kämpfe.
Die Mütter aus Eisenhüttenstadt wollen am Sonntag zu einer Kundgebung vor der US-Botschaft in der 150 Kilometer
entfernten Hauptstadt ankommen und dort eine Friedensstafette abgeben. Sie fordern ein sofortiges Ende des Krieges
sowie den Verzicht auf Massenvernichtungswaffen. Die Initiative hatte sich 1999 während des Kosovo-Konfliktes
gebildet.
Für das kommende Wochenende kündigte allein das "Netzwerk Friedenskooperative" fast 50 Demonstrationen,
Mahnwachen, Menschenketten und Kundgebungen in ganz Deutschland an. Eine der größten ist für Samstag in
Berlin geplant: Unter der Losung «Stoppt den Krieg sofort!» sollten zwei Demonstrationszüge zu einer
Abschlusskundgebung an der Siegessäule ziehen, berichtete die Sprecherin der Friedenskooperative, Laura von
Wimmersperg. Mit rund 500.000 Teilnehmern fand am 15. Februar in Berlin die bislang größte Friedenskundgebung
der Bundesrepublik statt.
Die "Hamburger Morgenpost" berichtete, junge Teilnehmerinnen einer Demonstration hätten sich auf der Polizeiwache
ausziehen müssen. Außerdem hätten die Demonstranten während der Einkesselung durch die Polizei am Montag
nicht ihre Eltern anrufen dürfen. "Wir wissen nichts von solchen Vorfällen", sagte eine Polizeisprecherin. Bei der
Friedensdemonstration von über 20.000 Schülern war es zu schweren Krawallen gekommen. Dabei setzte die Polizei
auch Schlagstöcke und Wasserwerfer ein. 21 Personen waren vorläufig festgenommen worden. Teilnehmer hatten
berichtet, dass einige Schüler mit Schlagstöcken verprügelt worden seien.
Die Hamburger Schulbehörde reagierte mit rechtlichen und pädagogischen Maßnahmen auf die Ausschreitungen. Mit
einer Aufklärungsoffensive sollen Lehrer und Schüler über die Rechtslage bei Demonstrationen aufgeklärt werden. Die
Senatsbehörde forderte von den Schulleitern einen Bericht an. Darin sollen sie auch angeben, ob Lehrer an der
Demonstration teilgenommen oder dazu aufgerufen haben. (Quelle: ap)
Termine der Friedensbewegung unter:
Das Bild des unpolitischen Jugendlichen
Fr.28.03.03 - Die Massenproteste empörter Schüler gegen den Golfkrieg
zeigen aus Sicht von Jugendforschern, dass die heutige Teenager-Generation nicht
so unpolitisch ist wie oft behauptet. Eine ganz neue Friedensbewegung sei aber
auch nicht im Kommen, sagte der Berliner Protestforscher Dieter Rucht am
Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Nach seiner
Einschätzung werden sich vielmehr einige der neu aktivierten Kriegsgegner schon
bald mit bereits bestehenden globalisierungskritischen Netzwerken wie Attac
verbünden.
«Die aktuelle Protestbewegung wird, was ihre Masse angeht, verebben. Auf Dauer treten
Ermüdungszustände ein», prognostiziert der Sozialwissenschaftler. Bemerkenswert findet
Rucht, dass so viele Schüler auf die Straße gehen. Seine Erklärung: Gerade jüngere
Leute treffe die Frage von Krieg oder Frieden empfindlich, «besonders
wenn ethische Werte und die machtpolitische Realität
knallhart kollidieren». Jugendliche empörten sich über solche Zustände. «Sie sind
weniger abgebrüht, während Ältere oftmals eine zynische Haltung einnehmen.»
Auch wenn die Massenproteste abflauen werden, gibt es nach Ruchts Analyse
nicht zu unterschätzende Langzeiteffekte: «Viele Schüler verlieren derzeit ihre
politische Naivität. Die erwachte Skepsis wird nun biografisch verankert, es setzt
sich quasi ein kritisches Bewusstsein über die Zustände in dieser Welt fest.»
Den Reintyp des «unpolitischen Jugendlichen» habe es ohnehin nie gegeben,
meint Rucht. Die desinteressierte «Generation Golf» sei eine Stilisierung der
Medien, denn immer habe es auch politisch engagierte Jugendliche gegeben, etwa
in Umwelt-, Dritte-Welt- und Menschenrechtsgruppen.
Ähnlich sieht es der Magdeburger Jugendforscher Roland Roth: «Das Bild des unpolitischen Jugendlichen muss völlig
revidiert werden.» Kinder und Jugendliche seien in hohem Maße sensibel für Themen wie Krieg und Frieden,
Umweltzerstörung und soziale Gerechtigkeit - stärker als viele Erwachsene. Die jüngste Shell-Studie habe gezeigt,
dass über 80 Prozent der Jugendlichen sich mit Folgeproblemen der Globalisierung auseinander setzen. «Aus ihrer
Sicht leben wir in einer sehr ungerechten Welt, in der die reichen Nationen die Armen in den Entwicklungsländern
ausnutzen», konstatiert der Experte.
Gerade deshalb wahren laut Roth viele Teenager skeptisch Distanz zur Parteien- und Regierungspolitik; zudem
misstrauten sie der Problemlösungs-Kompetenz der heute Erwachsenen. «Aber gerade deshalb ist Protest für sie
umso dringlicher.» Die Schüler engagieren sich nach Roths Beobachtung auch dann, wenn die Hoffnung auf schnelle
Veränderung gering ist. «Sie haben nicht so ein abgeklärtes und taktisches Verhältnis zu Protesten.» Auf lange Sicht
sei eine bestimmte Form der Politisierung zu erwarten, meint Roth: «Die junge Generation lernt für die Zukunft, dass
Protest eine gute Möglichkeit politischen Handelns ist.»
Nach Einschätzung beider Wissenschaftler wird der Irakkrieg der globalisierungskritischen Bewegung in den nächsten
Monaten nochmals einen starken Zulauf bescheren. Laut Rucht liegt dies auf der Hand: «Es gibt natürlich
Verbindungslinien zwischen der rein militärischen Seite und der globalen, ökonomischen, machtpolitischen Seite, wie
sie sich schon jetzt vordergründig in dem Slogan «Kein Blut für Öl» ausdrücken.»
Die Anti-Kriegskampagne Resist, die schon zwei Mal die Frankfurter US-Airbase blockiert hat, freut sich über die
Unterstützung der Schüler. «Die Jugendlichen haben ein gutes Gespür dafür, dass mit diesem Krieg womöglich
entscheidende Weichen für ihre Zukunft gestellt werden», sagt Resist-Sprecher Clemens Ronnefeldt. Während der
Kriege in Afghanistan und im Kosovo hätten sich viele Menschen mit Protesten zurückgehalten, weil die offizielle
Kriegspropaganda nicht so leicht zu widerlegen war. «Aber diesmal hat es die öffentliche Meinung geschafft, die
Lügen von Bush und Blair relativ schnell zu demaskieren.» (Quelle: ap)
Proteste gegen Irak-Krieg in arabischen Staaten
Fr.28.03.03 - Abertausende Kriegsgegner sind in mehreren arabischen
Ländern erneut gegen den Irak-Krieg auf die Straße
gegangen. Mehr als 100.000 Menschen versammelten
sich in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Die Menge
rief Parolen wie "Für den Dschihad von Sanaa bis
Bagdad". Ein Vertreter der islamischen El-Islah-Partei
forderte von den Führern der arabischen Staaten, der irakischen Armee
beizustehen. Die jugendlichen Demonstranten rief er dazu auf, in einen "Heiligen
Krieg" zur Unterstützung des irakischen Volkes zu ziehen.
Auch in Ägypten kam es erneut zu Protesten: In der nördlichen Stadt Sagasig
versammelten sich mehr als zehntausend Kriegsgegner vor dem örtlichen Stadion.
Die Demonstranten trugen nach Angaben aus Polizeikreisen Plakate mit
Aufschriften wie "Nein zum Krieg in Irak" und "Das ägyptische Volk steht an der
Seite seiner irakischen Brüder". Die Proteste blieben friedlich.
In mehreren Städten Algeriens gingen ebenfalls tausende Menschen auf die Straße.
Proteste gab es nach Angaben der algerischen Nachrichtenagentur APS unter
anderem in Oran im Westen des Landes, in Annaba und Constantine im Osten
sowie in südöstlichen Regionen. Auch Vertreter der Regierungspartei FLN und
islamischer Parteien nahmen Augenzeugen zufolge an den Kundgebungen teil. Eine
Kundgebung in der Haupstadt Algier war von den Behörden untersagt worden.
(Quelle: afp)
Online-Protest blockiert die Website der spanischen Regierungspartei
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83 Prozent der Deutschen gegen Irak-Krieg
Fr.28.03.03 - Die Mehrheit der Deutschen lehnt den Irak-Krieg weiterhin ab.
Gleichzeitig befürworten aber die meisten eine mögliche deutsche Beteiligung am
Wiederaufbau. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag
des MDR. 83 Prozent der Befragten sind demnach gegen den Krieg. Nur 12 Prozent
halten ihn für gerechtfertigt. Für eine deutsche Beteiligung am Wiederaufbau des
zerstörten Landes sprachen sich knapp zwei Drittel aller Befragten aus.
Fast jedem zweiten Deutschen (46 Prozent) wird im Fernsehen zu
viel über den Golfkrieg berichtet. Für 43 Prozent allerdings ist die Menge der
Berichterstattungen "gerade richtig", wie die "Bildwoche" am Donnerstag unter
Berufung auf eine repräsentative Emnid-Umfrage in Hamburg berichtete. Fünf
Prozent der Befragten hätten gerne mehr Informationen. Gerade Männer empfanden
die Berichterstattung als zu umfangreich: 53 Prozent der befragten Männer waren
dieser Meinung, bei den Frauen waren es nur 40 Prozent.
Bei der Qualität vertrauen die Deutschen den Öffentlich-Rechtlichen und hier ganz
besonders der ARD. So gaben zwei Drittel der Befragten (61 Prozent) einer
repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag von "TV-Today" zufolge an,
dass die ARD am besten über den Krieg berichte. Platz 2 belegte das ZDF mit 54
Prozent und Platz 3 RTL mit 36 Prozent.
(Quellen: dpa, ap)
Merkel verteidigt Irak-Krieg
Fr.28.03.03 - Eine Woche nach Beginn des Irak-Kriegs hat CDU-Chefin Angela Merkel
noch klarer als bislang ihre Unterstützung für die USA und Großbritannien herausgestellt.
Trotz der weit verbreiteten Bedenken an der CDU-Basis und in
der deutschen Bevölkerung verteidigte Merkel den
amerikanisch-britischen Angriff ausdrücklich als unumgängliche
Schadensbegrenzung. Nach Irritationen zu Wochenbeginn
bewegte sich der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber
(CSU) auf die Position Merkels zu. Der stellvertretende
CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz rief indes zu kritischen Diskussionen mit
der US-Regierung über den Irak-Krieg auf.
"Man hatte einen Punkt erreicht, an dem Krieg unvermeidbar geworden war", sagte
Merkel am Mittwochabend in der ARD-Sendung "Gabi Bauer" nach Angaben des
WDR. "Bei einem Nichthandeln wäre der Schaden noch größer gewesen" Bislang
hatte Merkel - in Übereinstimmung mit Fraktions-Mehrheit und der Parteiführung -
erklärt, die Union stehe an der Seite der USA, weil Deutschland und die Vereinigten
Staaten in einer Wertegemeinschaft stünden.
Merkel sagte in der Sendung, selbstverständlich seien die militärischen
Auseinandersetzungen und die Folgen für die Zivilbevölkerung
"extrem bedauerlich" und die täglichen Bilder "gehen auch an
mir nicht spurlos vorbei". Doch dürfe man die USA und
Großbritannien jetzt nicht zu Schuldigen machen. Wer wie
Saddam Hussein 17 Resolutionen der Vereinten Nationen nicht
beachte, dürfe nicht auf unbegrenztes Verständnis hoffen.
In den vergangenen Monaten hätten jedoch alle Seiten, auch die
Amerikaner, große Fehler gemacht, sagte Merkel weiter. "Die
US- Regierung hat durch ihre Wortwahl den Eindruck erweckt,
als wenn sie auf niemanden angewiesen wäre. Das war absolut
falsch", sagte Merkel. Merz sagte nach einem USA-Besuch,
auch wenn seine Partei die USA in ihrer Haltung gegenüber dem
Irak unterstütze, sehe er es doch als problematisch an, dass die US-Regierung im Alleingang handele. Nach
Gesprächen mit Senatoren in Washington habe er festgestellt, dass es dort ebenfalls Skepsis und Besorgnisse gebe,
weil sich Bush auch der eigenen Partei gegenüber abschotte.
Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) kritisierte hingegen offen die Haltung der Unionsführung.
"Gerade in dieser schwierigen Frage sind Differenzierungen notwendig", sagte Süssmuth der Tageszeitung "Die
Welt". "Die Stimme Europas ist genauso ernst zu nehmen wie die amerikanische."
Stoiber sagte in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit", in der jetzigen Situation gebe "keine Neutralität
mehr". Er bezeichnete den Krieg als völkerrechtlich vertretbar. Nun müsse aber alles getan werden, "damit das
atlantische Bündnis nicht weiter Schaden nimmt. Nicht, dass wir Nicht, dass wir alles billigen müssen. Wir müssen die Spaltung
Europas überwinden und auf das Bündnis mit den USA setzen...". CDU-Bundesvize Christoph Böhr rief seine Partei
zu einer einheitlichen Haltung zum Irak-Krieg auf. Die CDU müsse sich solidarisch mit den USA zeigen und das
Vorgehen gegen den Irak unterstützen, erklärte der rheinland-pfälzische CDU-Chef in Mainz. (Quelle: dpa)
Der Chef des Bundesverbands der Industrie (BDI), Miachael Rogowski, ist zuversichtlich, dass deutsche Firmen am Wiederaufbau in Irak verdienen werden. Er hoffe, dass der
Wiederaufbau ähnlich wie in Afghanistan im Rahmen einer internationalen Geberkonferenz beschlossen
werde, sagte Rogowski am Donnerstag in Berlin dem TV-Sender N24. "Und dann wird und muss sich
Deutschland beteiligen
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Streit um Erhöhung des Wehretats
Fr.28.03.03 - Trotz der Pläne für eine Stärkung der europäischen
Militärkraft kann die Bundeswehr vorerst nicht mit mehr Geld
rechnen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) schraubte am
Donnerstag von ihm selber geweckte Erwartungen zurück.
Zunächst müsse die Reform der Bundeswehr abgewartet
werden, sagte er in Berlin. Erst am Mittwoch hatte Schröder als
Konsequenz aus dem Irak-Krieg eine Erhöhung des Wehretats
in Aussicht gestellt, aber keine konkreten Fristen genannt. Auch
Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) rechnete nicht mit
einer Erhöhung seines Budgets. Die Grünen-Spitze lehnte eine
Aufstockung zum jetzigen Zeitpunkt entschieden ab.
Schröder sagte vor Journalisten in Berlin: "Wir müssen erst einmal die Schrittfolge
einhalten." Zunächst komme die Reform der Bundeswehr. Struck habe ihm
versichert, dass die Ressourcen für die neuen Herausforderungen der Streitkräfte
bislang ausreichend seien. Erst wenn feststehe, dass dies nicht der Fall sei, müsse
man über eine Erhöhung des Verteidigungsetats reden, betonte Schröder. Mehr
habe er nicht angekündigt, fügte er hinzu.
Struck sagte der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstag): "Ich richte
mich auf die vereinbarte Größenordnung für die mittelfristige Finanzplanung
ein." Dies sei entsprechend der Koalitionsvereinbarung ein Finanzrahmen von 24,4
Milliarden Euro bis 2006. Zusätzliche Mittel für die Umstellung der Bundeswehr
auf eine Einsatzarmee wolle er durch größere Effizienz und die
Senkung der Betriebskosten erwirtschaften. An diesem Freitag
müssen die Inspekteure von Heer, Luftwaffe und Marine dem
Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan Kürzungsvorschläge machen.
Grünen-Parteichefin Angelika Beer nannte eine Erhöhung des Wehretats "überflüssig". Gerade in einer Zeit, wo auf
Grund der anstehenden Reformen massive Einschnitte auf die Menschen im sozialen Bereich zukämen, "kann man
nicht einfach den Verteidigungsetat erhöhen". In der SPD wurde darauf verwiesen, dass Außenminister Joschka
Fischer (Grüne) selbst die Debatte angestoßen habe. Dieser hatte die Staaten Europas zu einer Stärkung ihrer
militärischen Kraft aufgefordert. Auch Schröder hatte der Wochenzeitung "Die Zeit" (Donnerstag) gesagt, die
Irak-Krise habe gezeigt, dass eine stärkere europäische Verteidigung notwendig sei.
Nach Ansicht von Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hilft der knappe Verteidigungsetat, die Umstrukturierung der
Bundeswehr voranzutreiben. Dieser übe einen "enormen, aber auch heilsamen Reformdruck aus, den wir nicht
verringern sollten", sagte Trittin der "Badischen Zeitung" (Donnerstag).
Die Fraktionen von SPD und Grünen wollen über eine Aufstockung des Wehretats erst nach Ablauf des Finanzplans
2006 reden. "Ab 2006 muss der Deckel vom Topf genommen werden", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der
SPD-Fraktion, Rainer Arnold, der "Financial Times Deutschland" (Freitag). "Langfristig muss der Wehretat wieder
wachsen." Auch der Grünen-Haushaltsexperte Alexander Bonde sagte: "Sollte es bei einer EU-Verteidigungspolitik
zu konkreten Vorschlägen kommt, können wir mittelfristig über die Finanzierung reden."
Struck stellte klar, dass die Bundesregierung keinen Einsatz von deutschen UN-Blauhelmsoldaten im Irak nach dem
Ende des Krieges plant. Während auch Trittin einen möglichen deutschen Blauhelmeinsatz im Irak skeptisch
beurteilte, plädierte die Union für einen solchen Beitrag Deutschlands zum Wiederaufbau. Der außenpolitische
Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Friedbert Pflüger (CDU), sagte der dpa: "Natürlich müssen wir uns beteiligen."
(Quelle: dpa)
Bagdad, Basra, Mossul, Nord- und Südfront, Bomben- und Bodenkrieg, Tote,
Verletzte und Verstöße gegen die Genfer Konvention - wer den Massenmedien in
diesen Tagen allzu sehr vertraut, mag den Eindruck bekommen, das gewalttätige
Potenzial der Menschheit habe sich vollständig am Persischen Golf versammelt.
Doch dieser Eindruck ist - selbstredend - falsch, denn die vielen anderen
Konflikte, die vor dem Irak-Krieg schon mal größere Schlagzeilen wert waren,
sind in den letzten Tagen keineswegs friedlich beigelegt worden. Dass sie derzeit
allenfalls noch zu Randnotizen taugen, hat an der weltweiten Bedrohungslage
nichts geändert. (Telepolis vom 28.03.03)
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Scharon schaut mit Bangen dem Nahost-Fahrplan entgegen
Fr.28.03.03 - Während die Armee der Koalition im Irak Krieg führt, haben ihre Führer, Präsident
Bush und Ministerpräsident Blair, begonnen, den sogenannten Nahost-Fahrplan
wieder aus dem Winterschlaf zu erwecken. Bush hatte versprochen, den Friedensplan
zu veröffentlichen, sobald der neue palästinensische Ministerpräsident seine
Regierung präsentiert habe. Dieser Zeitpunkt rückt nun näher, und die konservative
Regierung von Ministerpräsident Sharon sieht ihm mit einigem Bangen entgegen.
Die Meinung in Israel ist, dass Blair die Erneuerung der Nahost-Initiative vorantreibt,
um die Beziehungen zu arabischen und muslimischen Staaten zu verbessern.
Unter diesem Blickwinkel ist nach Ansicht von Stimmen aus dem
Regierungslager auch die Bemerkung des englischen Aussenministers
Jack Straw zu sehen, dass die unterschiedliche Anwendung der Uno-Resolutionen
im Falle von Israel und dem Irak korrigiert werden müsse. Gegen derartige
Vergleiche lehnt sich Israel mit Nachdruck auf. Wenn überhaupt Parallelen
gezogen werden sollen, meinte ein Sprecher des Aussenministeriums, so
zwischen dem irakischen und dem palästinensischen Volk, die beide von
korrupten Diktatoren, die den Terror unterstützten, befreit werden müssten.
Ein Rechtsberater des Aussenministeriums erklärte, dass die Resolutionen
des Sicherheitsrates zum Irak unter Kapitel 7 der Uno-Charta entstanden, die
Resolutionen zu Israel aber unter Kapitel 6. Erstere seien rechtlich bindend,
während Kapitel-6-Resolutionen bloss empfehlenden Charakter hätten und
keinerlei Sanktionen vorsähen. Auch Resolutionen der Vollversammlung
haben keinen rechtlich bindenden Charakter. Ausserdem liessen die Resolutionen,
die Israel betreffen, verschiedenartige Interpretationen zu und legten den arabischen
Staaten ebenfalls Verpflichtungen auf - zum Beispiel die Anerkennung und die
Sicherheit Israels -, denen diese bis anhin nicht nachgekommen seien.
In ihrem Leitartikel vom Donnerstag betonte die liberale Tageszeitung "Haaretz",
dass es für Straw beschämend sei, Israel im selben Atemzug zu nennen wie
Saddam Husseins Irak. Solche unbedachten Äusserungen bestärkten bloss
diejenigen Kräfte in Israel, die unter dem Argument, dass die ganze Welt
sowieso gegen den jüdischen Staat eingestellt sei, jegliche Intervention und
Initiative von aussen ablehnen. Die Äusserungen des englischen Aussenministers
sind aber ein ominöses Zeichen für das, was auf Israel noch zukommen wird. Ein erster
konkreter Hinweis auf die angeblich neue Einstellung ist, dass England die Kontrollen
über Lieferungen von Kampfmitteln nach Iran gelockert habe, während das Embargo
über Waffenexporte nach Israel unverändert bestehen bleibt.
Aussenminister Shalom wird in den kommenden Tagen nach Washington reisen,
wo Treffen mit seinem Amtskollegen Powell, Vizepräsident Cheney, Sicherheitsberaterin
Rice und möglicherweise auch mit Präsident Bush vorgesehen sind. Israel hatte vor einigen
Wochen durchblicken lassen, dass es nicht weniger als hundert Änderungen am Nahost-Fahrplan
anbringen wolle, und hatte sich damit harsche Kritik der Amerikaner eingehandelt. Um dem
Anschein entgegenzuwirken, dass es die Umsetzung des Friedensplanes mit allen Mitteln
verzögern wolle, reduzierte Israel daraufhin die Vorbehalte und Änderungswünsche auf eine
Liste von etwa zwanzig sogenannten roten Linien. Vor allem könne der endgültige Status des
palästinensischen Staates erst nach der vollständigen Zerstörung der Infrastrukturen extremistischer
Organisation sowie einem bilateralen Abkommen festgelegt werden. In der Zwischenzeit dürfe ein
solches Staatengebilde bloss innerhalb temporärer Grenzen entstehen. (Quelle: nzz)
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