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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Sa.29.03.03, 12:45 Zehnter Kriegstag in Irak
Sa.29.03.03 - Die US-Luftwaffe hat auch in der Nacht zu Samstag ihre heftigen
Angriffe auf die irakische Hauptstadt Bagdad fortgesetzt.
Kurz nach Mitternacht erschütterte eine neue Welle von Explosionen die Stadt, wie
Reuters-Korrespondent Khaled Yacoub Oweis berichtete. Eine starke Detonation
ereignete sich in der Nähe des Informationsministeriums. Am Freitag waren nach
Angaben eines irakischen Arztes mindestens 55 Menschen bei einem Luftangriff auf
einem Marktplatz in Bagdad getötet worden. Raketen und Bomben schlugen bis in
die Morgenstunden in der Umgebung der Hauptstadt ein. US-Präsident George W. Bush
bereitete seine Landsleute vor einem sich abzeichnenden Kampf um Bagdad auf weitere
eigene Verluste vor. In Kuwait-Stadt schlug nach Angaben kuwaitischer
Sicherheitskreise eine Rakete in der Nähe einer Einkaufsstraße ein.
Das Gebäude des Informationsministeriums überstand die jüngsten Angriffe offenbar. In den
Fenstern war Licht zu sehen. Luftabwehrfeuer war zu hören als US-Bomber über die Stadt flogen.
Aus den Moscheen der Stadt wurden die Gläubigen zum Gebet aufgerufen.
Arabische Fernsehsender zeigten nach der Detonation auf dem Marktplatz am Freitag Bilder von zerstörten Autos und
aufgerissenen Straßen im Stadtviertel Schula. Der Fernsehsender Abu Dhabi berichtete, US-Marschflugkörper seien
möglicherweise auf dem Marktplatz eingeschlagen. Die USA bestätigten die Berichte über den Angriff nicht.
Das US-Verteidigungsministerium hatte bereits am Mittwoch die Verantwortung für eine Explosion auf einem Markt in
Bagdad abgelehnt, bei der 14 Menschen getötet wurden. Augenzeugen in Bagdad sagten am Freitagabend, sie
hätten kurz vor dem Einschlag ein Flugzeug in großer Höhe vorbeifliegen sehen.
Bei der Explosion der Rakete in Kuwait-Stadt seien zwei Menschen leicht verletzt worden, meldete die staatliche
kuwaitische Nachrichtenagentur. Die Rakete war am Luftabwehr-Radar vorbeigeflogen und in der Nähe eines
Einkaufszentrums im Stadtbezirk Suk Schark eingeschlagen. Bei der Rakete handelte es sich nach kuwaitischen
Angaben um eine "Silkworm"-Rakete chinesischer Bauart. Seit Beginn des von den USA geführten Kriegs gegen Irak
sind aus Irak mehrfach Raketen auf Kuwait abgefeuert worden. Nach kuwaitischen Angaben wurden sie jedoch
entweder von "Patriot"-Raketen abgeschossen oder landeten in unbewohnten Gebieten.
In Basra zerstörten US-Kampfflugzeuge nach amerikanischen Angaben ein Gebäude, in dem sich 200
paramilitärische Kämpfer Iraks aufgehalten haben sollen. Die britische Regierung prüft unterdessen einen weiteren Fall
von tödlichem eigenen Feuer: Bei Basra sei ein britischer Soldat im Beschuss eines US-Kampfflugzeugs getötet
worden, meldete die britische Nachrichtenagentur PA. Seit Kriegsbeginn sind bereits vier britische Soldaten vom
Feuer der eigenen Truppen getötet worden.
Internationale Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären
Katastrophe speziell im südirakischen Basra. Tausende Zivilisten hätten versucht,
aus der belagerten Stadt zu fliehen, berichtet die BBC unter Berufung auf
Militärquellen. In weiten Teilen der Stadt gibt es nach wie vor weder Wasser noch
Strom. In Umm Kasr ist inzwischen ein Schiff mit Hilfsgütern gelandet.
Schwere Kämpfe in der Stadt Nassirijah am Euphrat dauerten an, zwei US-Kampfhubschrauber stürzten nach der
Rückkehr von einem Angriff auf Bagdad bei der Landung ab.
Im kurdischen Norden landen weitere 200 Fallschirmjäger. Sie verstärken 1.000
Soldaten, die am Vortag nordöstlich von Erbil abgesprungen waren.
Im Pentagon in Washington zogen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Generalstabschef Richard Myers eine
Bilanz vor dem Beginn des zweiten Kriegswochenende. General Myers zeigte eine Irak-Karte, derzufolge die
irakischen Streitkräfte 40 Prozent des Landes nicht mehr unter Kontrolle haben. Die alliierten Luftwaffen hätten über
95 Prozent Iraks die Lufthoheit, nur in Bagdad und Tikrit gebe es noch Flugabwehrfeuer. In den ersten neun
Kriegstagen seien 650 Tomahawk-Marschflugkörper auf Irak abgefeuert und mehr als 5.000 Bomben abgeworfen
worden.
Das Pentagon gab die Zahl der bis Freitag getöteten US-Soldaten mit 28 an, 22 von ihnen durch feindliche Angriffe.
US-Präsident Bush rechnet mit weiteren eigenen Verlusten im Irak-Krieg. "Wir kämpfen jetzt mit den verzweifeltsten
Einheiten der Armee des Diktators. Die schweren Kämpfe, zu denen es nun kommen wird, werden weiteren Mut und
weitere Opfer fordern. Aber wir wissen den Ausgang dieses Kampfes", sagte Bush bei einem Treffen mit
Kriegsveteranen. "Gegen diesen Feind werden wir keinen anderen Ausgang akzeptieren als einen vollständigen Sieg".
(Quellen: rtr, dpa, ap)
Heereskommandeur im Irak-Krieg räumt Fehler ein
Sa.29.03.03 - Erstes Eingeständnis: Der US-Kommandeur der Bodentruppen
im Irak-Krieg, William Wallace, hat öffentlich eingeräumt, dass die USA ihren
Gegner militärisch unterschätzt haben. Der Krieg werde wahrscheinlich länger
dauern als ursprünglich gedacht. Das Zentralkommando in Katar erklärte dazu, es
handele sich um eine individuelle Einschätzung. Dennoch wollen die USA ihre
Truppen erheblich verstärken. Weitere 100 000 US-Soldaten sollen nach
US-Medienberichten im April Richtung Irak in Marsch gesetzt werden. (Quelle: dpa)
Golfkriegsgeneral verärgert das Weiße Haus
Mit deutlichen Worten über Fehleinschätzungen im Irak-Krieg hat
der amerikanische Generalleutnant William Wallace den Zorn des Weißen Hauses
auf sich gezogen. «Der Gegner, den wir bekämpfen, unterscheidet sich etwas von
dem, den wir in unseren Kriegsspielen hatten», sagte der Kommandeur des 5.
Korps den Zeitungen «New York Times» und der «Washington Post». Dadurch habe
sich der Vormarsch auf Bagdad verlangsamt.
Sa.29.03.03 - Der General heizte damit weiter die kritische Mediendebatte in den USA an, warum
sich der Krieg entgegen ersten Erwartungen jetzt so sehr in die Länge zieht. Mangels neuer Nachrichten
von der Front wurde auch das Oberkommando der US-Streitkräfte am Golf mit Fragen nach den
Äußerungen des Generals konfrontiert. Weder Stärke noch Kampfkraft der irakischen Truppen seien
unterschätzt worden, erwiderte Brigadegeneral Vincent Brooks am Freitag im Hauptquartier der Alliierten
in Katar. Allerdings räumte er ein, dass es in jedem Krieg unerwartete Entwicklungen geben könne.
Wallace ist der strategische Kopf der Planungen für den Vormarsch der Infanterie auf Bagdad. Im Juni 2001 befördert
und mit der Führung des 5. Korps beauftragt, machte er mit rauen Tönen auf sich aufmerksam. Bei einer Übung zu
Beginn dieses Monats raunzte er einen Reporter an, dass er genug von dem langen Warten auf den Krieg habe.
Der hoch dekorierte Vietnamkriegsveteran hat konsequent an seiner Karriere gearbeitet. Er schloss die
Militärhochschule ab und nahm an Postgraduiertenkursen in Militäranalyse und internationalen Beziehungen teil. Im
Juni 1999 wurde er mit der Leitung eines Ausbildungszentrums für die Kriegsführung beauftragt. (Quelle: ap)
Deutsche Militärhistoriker prophezeien den Briten und Amerikanern im
Irak eine Niederlage
Mehr unter:
Militärexperte: Eine Stadt wie Bagdad kann man nicht erobern
Invasionstruppen offenbar nicht auf Häuserkampf eingestellt
Sa.29.03.03 - Die Invasionstruppen in Irak können nach britischen Angaben die Hauptstadt
Bagdad innerhalb weniger Tage erreichen, ihnen fehle aber die für einen Straßen- und Häuserkampf
notwendige Überlegenheit, hieß es am Freitag in britischen Verteidigungskreisen.
Die US-Streitkräfte wollten einen Häuserkampf in Bagdad
vermeiden und setzten auf Druck, damit das Regime
zusammenbreche, sagte ein britischer Militärexperte, der
nicht namentlich genannt werden wollte. Basra gebe einen interessanten
Vorgeschmack darauf, wie schwer Bagdad zu knacken sein würde. Basra, die
zweitgrößte Stadt Iraks, ist seit über einer Woche umkämpft und noch immer nicht
vollständig unter Kontrolle der Invasionstruppen.
Die US-Streitkräfte warnten unterdessen davor, dass das irakische Militär
aufgefordert worden sein könnte, ab einem bestimmten Punkt Chemiewaffen
einzusetzen. Es gebe dafür einige Hinweise, sagte US-Brigadegeneral Vincent
Brooks im Hauptquartier des US-Central Command in Katar, ohne Details zu
nennen. Es gebe aber offenbar noch keinen Befehl zum Einsatz von C-Waffen, sagt
er. (Quelle: rtr)
Kurden starten nach US-Landung in Nordirak Offensive
Sa.29.03.03 - Nach der Landung hunderter US-Fallschirmjäger und
militärischer Ausrüstung in Nordirak sind die Kurden nach
eigenen Angaben in die Offensive gegangen. Milizen seien
bis auf 16 Kilometer auf die irakisch kontrollierte Stadt
Kirkuk vorgerückt, sagte der Kurden-Kommandeur Rostam
Hamid Rahim. Tausende Kämpfer sollen zudem
Hochburgen der islamistischen Kurdengruppe Ansar el
Islam eingenommen haben.
Kämpfer der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) hätten die Ortschaft Karah
Andschir zwischen Kirkuk und dem von der PUK kontrollierten Dschamdschamal
unter ihre Kontrolle gebracht, sagte Kommandeur Rahim. Irakische Truppen hätten
sich nach US-Luftangriffen zurückgezogen. Vermutlich als Vergeltung geriet
Dschamdschamal massiv unter Beschuss. Kirkuk war in den vergangenen Tagen
mehrfach bombardiert worden. Auch Stellungen der islamistischen Ansar el
Islam, der Washington Verbindungen zum El-Kaida-Netzwerk vorhält, waren Ziel der Angriffe.
Unterstützt von den US-Streitkräften hätten tausende Kämpfer mehrere
von der Formation kontrollierte Orte erobert, sagten
Kurdenvertreter.
Zur Verstärkung ihrer Einheiten in der Kurdenregion flogen die
US-Truppen mehrere Dutzend Militärfahrzeuge ein. Die
Geländefahrzeuge und Lastwagen wurden zu einer Landepiste
bei Erbil gebracht, wie eine AFP-Korrespondentin beobachtete.
In der Nacht zum Donnerstag waren zur Vorbereitung einer
Nordfront bereits mehrere hundert US-Fallschirmjäger in der Region eingetroffen.
(Quelle: afp)
Türkei schließt Einmarsch in Irak nicht aus
Sa.29.03.03 - Die Türkei plant keine dauerhafte Militärpräsenz in Nordirak,
schließt aber die Entsendung von Truppen nicht aus. Das sagte der stellvertretende
türkische Außenminister Abdullah Gül in einem Interview mit der «"rankfurter
Rundschau" (Samstagausgabe). "Es geht um humanitäre und Sicherheitsfragen",
sagte Gül. Um einen Ansturm irakischer Flüchtlinge, wie während des Golfkrieges
1991, zu verhindern, würden im Bedarfsfall auch Soldaten über die Grenze
geschickt.
"Allerdings höchstens 20 Kilometer weit und nur vorübergehend", zitiert die Zeitung
den Politiker. Die Türkei plane weder einen Angriff, noch wolle sie sich fremdes
Territorium aneignen. "Ich verstehe deshalb die ganze Aufregung nicht", sagte der
stellvertretende Außenminister. Die Europäische Union hatte der Türkei zu
verstehen gegeben, dass ein EU-Beitritt Ankaras gefährdet sei, wenn die Türkei in
den Krieg in Irak eingreifen würde. (Quelle: ap)
«Nebenschaden» des Irak-Kriegs in Südostanatolien
Ein türkischer Einmarsch in den Nordirak ist auf Druck von Nato, EU und
USA vorübergehend verhindert worden. Der Konflikt zwischen Kurden und
Türken gärt aber weiter. Die Lage im türkisch-irakischen Grenzgebiet ist gespannt.
Mehr unter:
Rumsfeld: Syrien versorgt Irak mit militärischer Ausrüstung
Sa.29.03.03 - US-Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld hat am Freitag Syrien vorgeworfen, dem Irak
militärische Ausrüstung wie Nachtsichtgeräte zu liefern. Dies
stelle eine Bedrohung für die im Irak kämpfenden amerikanischen
und britischen Soldaten dar, sagte Rumsfeld vor Journalisten. Er
fügte hinzu: "Wir betrachten dies als einen feindlichen Akt und
werden die syrische Regierung zur Rechenschaft ziehen."
Sowohl Syrien als auch der Irak wiesen die Rumsfelds Vorwürfe
zurück. In einer Stellungnahme des syrischen Außenministerium
hieß es, mit diesen Anschuldigen wollten die USA "ihre Verbrechen gegen Zivilisten
im Irak zudecken". Der irakische Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf
sagte, die Vorwürfe Rumsfelds seien "grundlos". Der US-Verteidigungsminister
verbreite "nach rechts und links Lügen". (Quelle: dpa)
«Willige» Regierungen geraten zunehmend unter Druck
Steigende Opferzahlen, unerwartet heftiger Widerstand der Iraker - die
enttäuschten Erwartungen der Alliierten in Irak gehen auch an der so genannten
Koalition der Willigen nicht spurlos vorbei. Mit der Hoffnung auf einen schnellen Sieg
der USA und ihrer Verbündeten schwindet auch die Unterstützung für den Krieg
selbst bei den Regierungen, die bislang fest an der Seite Amerikas standen.
Sa.29.03.03 - Zwar hat keine ihre Zusagen zurückgenommen oder öffentlich einen
Meinungswandel verkündet - aber ganz so willig wie vor einer Woche wirken einige
Koalitionsmitglieder nicht mehr. So ist der weltweite Aufruf der Amerikaner,
irakische Diplomaten auszuweisen, bei den meisten Koalitionären auf Widerstand
gestoßen.
Er sehe keine rechtliche Grundlage für einen solchen Schritt, sagte am Donnerstag
der bulgarische Ministerpräsident Simeon Saxcoburggotski, bislang ein
entschiedener Befürworter der US-Politik in der Irak-Frage. Bulgarien hat eine kleine
Einheit, die nicht zu den Kampfverbänden zählt, an den Golf entsandt.
Neben den USA selbst haben nur acht Staaten irakische Diplomaten ausgewiesen - Australien, Großbritannien,
Italien, Jordanien, die Philippinen, Rumänien, Tschechien und Ungarn. Zu ihrer Koalition der Willigen zählt Washington
aber 45 Länder. Freilich war es von vornherein ein ungleiches Bündnis, das die USA präsentierten - sie schlossen
darin jede Regierung ein, die ihnen öffentlich irgendeine Form von Beistand zugesichert hatte.
Einige Länder waren selbst überrascht, sich auf der Liste wiederzufinden. Kroatien etwa äußerte sich geradezu
verärgert darüber, dass es zu den Willigen gezählt wurde, nur weil es den USA seinen Luftraum und Startbahnen für
zivile Flugzeuge zur Verfügung gestellt hatte. Präsident Stipe Mesic erklärte den Krieg für «illegitim», weil er ohne
UN-Mandat geführt wird.
Auch Tschechien wehrt sich gegen die Zuordnung zur Koalition der Willigen, obwohl die Regierung 400
Chemiewaffenspezialisten nach Kuwait entsandte. Seinem Missbehagen machte Präsident Vaclav Klaus in dieser
Woche mit ungewöhnlich scharfen Worten Luft: Die Vorstellung, die Demokratie lasse sich mit Gewalt nach Irak
bringen, entstamme «einem anderen Universum», sagte Klaus.
Andere Koalitionsmitglieder haben mit zunehmendem Widerstand im eigenen Land zu kämpfen. So dringt die
ungarische Opposition darauf, Budapest von der Liste der Willigen streichen zu lassen - mit dem Argument, die
Mitgliedschaft in einer Kriegskoalition schade der Glaubwürdigkeit des Landes. Vor dem Hintergrund wütender
Proteste in der Bevölkerung sah sich die niederländische Regierung genötigt, erneut zu bekräftigen, dass die zum
Schutz der Türkei an die irakische Grenze entsandten Soldaten sich nicht in Kampfhandlungen einmischen würden.
Nach den ersten Fernsehbildern von Kriegsopfern bemühte sich der dänische Ministerpräsident Anders Fogh
Rasmussen, die empörte Öffentlichkeit zu beruhigen: «Wir sehen im Moment eine Menge unangenehmer Kriegsfotos
in den Medien. Aber ich kann versichern, dass alles unternommen wird, um die Zahl der Opfer zu begrenzen»,
verteidigte der Ministerpräsident die USA - und damit seine eigene Entscheidung, ein U-Boot und ein Schiff in den
Persischen Golf zu schicken.
Noch halten die mit den USA verbündeten Regierungen dem Druck der Kriegsgegner in den eigenen Ländern also
stand. Auch Spanien schickte trotz anhaltender Massendemonstrationen 9.000 Soldaten für humanitäre Einsätze
nach Irak. (Quelle: ap)
EU und Lateinamerika für Führungsrolle der UN in Irak
Sa.29.03.03 - Die Außenminister der Europäischen Union und der
lateinamerikanischen Staaten haben sich für eine führende Rolle der Vereinten
Nationen im Nachkriegsirak ausgesprochen. Nach gemeinsamen Beratungen in
Vouliagmeni in Griechenland gaben die Minister am Freitag ihrer Hoffnung auf ein
baldiges Ende des Irak-Krieges Ausdruck. Die UN müssten "die zentrale Rolle
während und nach der gegenwärtigen Krise»"spielen, hieß es in einer Erklärung. An
dem Treffen nahmen alle 19 Außenminister aus Mittel- und Südamerika, aber nur
fünf der 15 EU-Außenminister teil. Vertreten waren neben Gastgeber Griechenland
auch Österreich, Irland, Portugal und Spanien. (Quelle: ap)
UN bitten um Milliarden-Spenden für Irak-Nothilfe
Sa.29.03.03 - Die UN haben die internationale Gemeinschaft in einem
dringenden Appell um mehr als 2,2 Milliarden Dollar (etwa 2,07 Mrd Euro) für
Nothilfe im Irak gebeten. Das Geld werde benötigt, um der vom Krieg betroffenen
Bevölkerung in den nächsten sechs Monaten das Überleben zu ermöglichen, heißt
es in dem am Freitag veröffentlichten gemeinsamen Aufruf der humanitären
Hilfsorganisationen der UN.
Zugleich wird darin betont, dass die Besatzungsmächte die Hauptverantwortung für
die Linderung der Not trügen. Sie müssten zudem die Verteilung von Lebensmitteln
und Medikamenten an die Zivilbevölkerung gewährleisten. Alle am Irak-Krieg beteiligten Seiten
wurden aufgerufen, Helfern der UN sowie anderer Organisationen ungehinderten Zugang zu
Menschen in Not zu ermöglichen.
Die erbetenen Mittel für die unmittelbare Überlebenshilfe werden nach Angaben der UN-Hilfsorganisationen
zusätzlich zu dem UN-Programm "Öl für Lebensmittel" benötigt, das aus den Einnahmen aus dem
Export irakischen Erdöls finanziert wird. Auf die Fortsetzung dieses Programms in der Regie des
UN-Generalsekretärs Kofi Annan für zunächst 45 Tage hatte sich der Sicherheitsrat in der Nacht zum Freitag geeinigt.
Aus diesem Programm stehen derzeit rund 2,5 Milliarden Dollar für die Lieferung von Lebensmitteln und
Medikamenten zu Verfügung. 60 Prozent der irakischen Bevölkerung - etwa 16 Millionen Menschen - sind auf Grund
der nach dem Überfall auf Kuwait 1990 verhängten Sanktionen seit Jahren vollständig von diesem Programm abhängig.
Der dringende Appell für zusätzliche Nothilfe sei erforderlich geworden, weil die Iraker, die in zwölf Jahren des
Handelsembargos ohnehin schon "extrem verletzlich" geworden sei, nun auch noch unter einem Krieg zu leiden
hätten, sagte die stellvertretende UN- Generalsekretärin Louise Frechette. Dem Aufruf schlossen sich die Leiter des
Kinderhilfswerks UNICEF, der UN-Nothilfekoordinierung OCHA sowie des Entwicklungsprogramms UNDP an.
Etwa 1,3 Milliarden Dollar würden voraussichtlich bis September innerhalb des Irak für die zusätzliche Bereitstellung
von Lebensmitteln und sauberem Wasser benötigt, erklärte Frechette. Auf rund 900 000 Millionen Dollar werde der
Finanzbedarf im so genannten Nicht-Lebensmittel-Bereich, darunter zur Unterhaltung von Flüchtlingslagern außerhalb
des Irak, geschätzt.
Derzeit befänden sich im Irak noch einige Lager mit Nahrungsmitteln und anderen Versorgungsgütern für wenige
Wochen. Die Lager seien im Vorfeld des Krieges so weit wie möglich aufgestockt worden. Irakische Mitarbeiter von
Hilfsorganisationen bemühten sich, mit diesen Beständen die schlimmste Not zu lindern. (Quelle: dpa)
Stichwort: Programm «Öl für Lebensmittel»
Sa.29.03.03 - Das zu Beginn des Golfkriegs ausgesetzte Hilfsprogramm «Öl
für Lebensmittel» zu Gunsten Iraks soll provisorisch fortgesetzt werden. Eine unter
deutscher Federführung ausgehandelte Resolution sieht vor, das Programm für
zunächst 45 Tage UN-Generalsekretär Kofi Annan zu unterstellen. Deutschland
wurde damit beauftragt, weil die Bundesrepublik seit dem 1. Januar dieses Jahres
den Vorsitz im Irak-Sanktionsausschuss der Vereinten Nationen hat.
Nach dem Überfall auf Kuwait hatte der Weltsicherheitsrat 1990 ein Totalembargo
gegen Irak beschlossen. Im April 1995 setzte sich der Sicherheitsrat für eine
Verbesserung der humanitären Lage ein und billigte mit dem «Oil-for-Food»-Programm
Ausnahmen von den Sanktionen: Irak durfte Erdöl exportieren und mit den
Erlösen Nahrungsmittel, Medikamente und andere humanitäre Bedarfsgüter
finanzieren.
Nach anfänglichen mengenmäßigen Begrenzungen konnte Irak
seit Ende 1999 unbegrenzt Öl ausführen. Das Gesamtvolumen des Programms seit
seiner Einführung wird auf rund 65 Milliarden Dollar beziffert. Bevor der
UN-Generalsekretär unmittelbar vor Beginn des Golfkriegs seine Mitarbeiter aus Irak
abzog, arbeiteten dort etwa 950 UN-Mitarbeiter für das Hilfsprogramm.
Nach offiziellen Schätzungen hingen vor Beginn des Kriegs etwa 60 Prozent der Bevölkerung in Irak - rund 26
Millionen Menschen - vollständig von dem Programm «Öl für Lebensmittel» ab. Seit Ausbruch der Kämpfe wird dort
weder Öl gefördert noch verkauft. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind aber aus früheren Erdölverkäufen noch
neun Milliarden Dollar auf den Treuhandkonten, die für die Beschaffung von humanitären Hilfsgütern benutzt werden
können. Da die irakischen Behörden als Ansprechpartner ausfallen, soll der UN-Generalsekretär die Beschaffung und
Verteilung der Güter organisieren.
(Quelle: ap)
USA stellen 21 Millionen Dollar für Irak-Hilfe zur Verfügung
Sa.29.03.03 - Die USA haben den Hilfsorganisationen der
Vereinten Nationen weitere 21 Millionen Dollar (19,5
Millionen Euro) für ihre Maßnahmen im Zusammenhang
mit dem Irak-Krieg zur Verfügung gestellt. Das Geld geht
an das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, das
Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und der
Föderation vom Roten Kreuz und Roten Halbmond und
der Organisation für Migration, die sich um Vertriebene
aus so genannten Drittstaaten kümmert, wie etwa Gastarbeiter. Das gab die
US-Botschaft bei den Vereinten Nationen am Freitag in Genf bekannt.
Alle Organisationen beklagen seit langem, dass ihnen nicht ausreichend Mittel zur
Verfügung gestellt werden, um ihre Hilfsmaßnahmen zu planen. Viele Länder hatten
die insgesamt von den UN verlangten 123 Millionen Dollar zurückgehalten, weil sie
einem Kriegsbeginn keinen Vorschub leisten wollten. Von den Geldern, die bisher
eingegangen sind, stammt der Großteil nach Angaben der Hilfsorganisationen
zumeist aus den USA.
Auch die Bundesregierung wird nach Auskunft der grünen Bundestagsabgeordneten
Claudia Roth ihre Spenden erheblich steigern. So seien bereits fünf Millionen Euro
an das IKRK und das UNHCR gegangen. Eine Ausweitung deutscher Hilfe auf 40
Millionen Euro sei möglich, sagte Roth am Freitag in Genf. (Quelle: dpa)
UNICEF erwartet «sehr viele traumatisierte Kinder» in Irak
Sa.29.03.03 - Mehr als eine halbe Millionen irakische Kinder könnten nach dem
Golfkrieg auf psychologische Hilfe angewiesen sein, fürchtet das Kinderhilfswerk der
Vereinten Nationen (UNICEF). "Es gibt 5,7 Millionen Grundschulkinder in Irak, und
wir glauben, dass mindestens zehn Prozent von ihnen Hilfe brauchen", sagte der
UNICEF-Vertreter für Irak, Carel de Rooy, am Freitag in Genf.
Er berichtete von einem irakischen Kollegen, dessen Sohn kürzlich nach dem
Einschlag einer Rakete in der Nähe des Hauses hysterisch wurde und mit
Medikamenten ruhig gestellt werden musste. "Wir wissen nicht genau,
was wir bei der Rückkehr in das Land vorfinden werden", sagte de
Rooy. "Aber wir erwarten sehr viele traumatisierte Kinder."
UNICEF kümmerte sich bei früheren Konflikten oder Katastrophen um die
psychologische Betreuung der Kinder; in Osttimor, Mosambik, nach dem
Hurrikan "Mitch" in Mittelamerika. Die UN-Organisation bringt älteren
Kindern bei, in Spielen mit den kleineren Kindern die furchtbaren Erfahrungen zu verarbeiten und wieder mit
dem Alltagsleben klar zu kommen. "Wir können umfangreiche Hilfe anbieten, wenn wir das Geld dazu haben", sagte
de Rooy. Für jedes Kind braucht das Hilfswerk rund 20 Euro. Einige Kinder brauchen auch individuelle Hilfe.
Alle nichtirakischen UNICEF-Mitarbeiter wurden vor dem Krieg evakuiert, die verbliebenen 200 Iraker sind
hauptsächlich in Bagdad. In Kuwait stehen 40 Lastwagen mit Trinkwasser für die Kinder in Basra. Dort muss die
Hälfte der Bevölkerung ohne sauberes Wasser auskommen. "Wir warten auf grünes Licht, um dorthin fahren zu
können", sagte de Rooy. "UNICEF kann auch während des Krieges arbeiten. Wir wollen so schnell wie möglich
zurück." (Quelle: ap)
Italien verhängt wegen Irak-Krieg Ausnahmezustand
Sa.29.03.03 - Die italienische Regierung hat am Freitag wegen des Irak-Krieges
einen nationalen Ausnahmezustand verhängt.
"Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat heute ein Dekret unterzeichnet, das einen
nationalen Ausnahmezustand verhängt ... in Zusammenhang mit der angespannten
internationalen Lage, die aus dem Konflikt in Irak herrührt", hieß es in einer
Stellungnahme der Zivilschutzbehörden. Eine Behördensprecherin sagte, es gebe
keine konkrete Bedrohung, auf der der Ausnahmezustand beruhe. Dieser sei eine
reine Vorsichtsmaßnahme. "Das bedeutet, dass vorsorglich bereits existierende
Sicherheitskontrollen verstärkt und verbessert werden", sagte die Sprecherin.
Berlusconi ist einer der engsten Verbündeten der USA, die vor allem mit britischer
Unterstützung gegen die irakischen Truppen kämpfen. In Italien haben zahlreiche
Menschen gegen den Irak-Krieg protestiert. (Quelle: rtr )
Offenbar ist die italienische Regierung unter starker Bedrängnis durch die
wachsende Protestbewegung. Mehr unter:
Italiens Städte schmücken sich mit der Regenbogenfahne
Von rund 2,5 Millionen Balkonen hängt in Italien die
"Pace"-Fahne herunter. Auch in Deutschland ist die
Friedensfahne schon ein Verkaufsschlager
Mehr unter:
Kriegsgegner machen weiter mobil
Sa.29.03.03 - Auch in der zweiten Woche des Irak- Krieges reißen die Proteste gegen die
amerikanisch-britischen Angriffe nicht ab. Auf dem Petersplatz in Rom landete am Freitag ein
österreichischer Pazifist mit einem Motorsegler. Er wurde nach der Protestaktion festgenommen.
In der ägyptischen Hauptstadt Kairo versammelten sich nach den traditionellen Freitagsgebeten der
Muslime 50 000 bis 80 000 Menschen. Wie in Israel blieben jedoch auch dort die befürchteten
Ausschreitungen aus. Dagegen kam es in Iran und in Sri Lanka bei Protestmärschen vereinzelt zu
Krawallen.
In New York legten am Donnerstag (Ortszeit) tausende Kriegsgegner den Verkehr
auf der Fifth Avenue für eine Stunde lahm. Dabei wurden mehr als 200
Demonstranten nach US-Medienberichten festgenommen.
In der iranischen Hauptstadt Teheran gingen nach dem Freitagsgebet Tausende auf
die Straße. Bei der staatlich organisierten Kundgebung bewarfen einige
Demonstranten nach Augenzeugenberichten die britische Botschaft mit Steinen. Im
Inselstaat Sri Lanka setzte die Polizei Tränengas ein, um einen Marsch auf die
US-Botschaft zu verhindern. In der Hauptstadt Colombo protestierten nach Schätzungen 6000 Muslime.
In Jerusalem, wo sich auf dem Tempelberg 12 000 Muslime zum
Gebet versammelt hatten, kam es zu einem Handgemenge
zwischen Kriegsgegnern und Sicherheitskräften. Friedliche
Anti-Kriegs-Kundgebungen gab es auch im Westjordanland, in
Jordanien, Pakistan und Südkorea.
Auch in Deutschland trieb der Irak-Krieg Menschen zu
Protesten auf die Straße. Erneut demonstrierten mehrere
tausend Schüler für den Frieden. Zu Demonstrationen und
Mahnwachen werden am Wochenende zehntausende
Kriegsgegner erwartet. Mit einer rund 50 Kilometer langen
Menschenkette zwischen Münster und Osnabrück wollen die
Friedensforen beider Städte am Samstag gegen den Krieg protestieren.
In Berlin, Hamburg, München und zahlreichen
anderen Städten sind ebenfalls Aktionen geplant.
Bereits am Freitag versammelten sich im bayerischen Würzburg mehr als 2500 Schüler zu einem friedlichen
Protestmarsch. Im brandenburgischen Angermünde gingen rund 500 Schüler gegen den Krieg auf die Straße. Große
Demonstrationen sind am Samstag in Berlin und Hamburg geplant. Vergangenen Samstag hatten 40 000 Menschen
in der Hauptstadt ihren Unmut über den Waffengang gegen den Irak bekundet. Seit Kriegsbeginn haben
deutschlandweit hunderttausende Bürger ein Ende der Kämpfe im Irak gefordert.
Zur Menschenkette zwischen Münster und Osnabrück erwarten die Veranstalter gut 40 000 Teilnehmer. Insgesamt
rechnet das nordrhein- westfälische Innenministerium am Wochenende mit gut 20 Veranstaltungen gegen den
Irak-Krieg. Die Hamburger Polizei erwartet zusätzlich zu den täglichen Mahnwachen einige tausend Demonstranten.
Am Montag war es in der Hansestadt am Rande einer Schülerdemonstration zu Krawallen gekommen. In Rostock und
Dresden haben Friedensbündnisse für Samstag zu Protesten aufgerufen.
Auch US-Militäreinrichtungen werden am Samstag erneut das Ziel von Demonstranten sein. In einer Menschenkette
wollen nach Schätzungen der Veranstalter rund 6000 Teilnehmer die Kommandozentrale der US- Streitkräfte in
Europa (EUCOM) in Stuttgart «umzingeln». Vor dem US- Luftwaffenstützpunkt Frankfurt/Main soll es eine
Sitzblockade geben.
Vor US-Kasernen im hessischen Hanau wollen 600 rechtsextreme "Junge Nationaldemokraten" unter dem Motto
«Schluss mit der US- Tyrannei» gegen den Krieg protestieren. Das Verwaltungsgericht Frankfurt hob am Freitag ein
Verbot der Stadt Hanau auf. Die Polizei stellte sich auf mögliche Konfrontationen zwischen dem NPD-Nachwuchs und
Gegendemonstranten ein. (Quelle: dpa)
Die Neue Mitte, mit der Schröder seine erste Wahl gewann und die
sich zwischenzeitlich enttäuscht von ihm abgewandt hatte - auf den
Montagsdemonstrationen in Leipzig, bei den Kundgebungen am
Brandenburger Tor hat er sie wieder getroffen. Die junge
Generation, die wegen der Rentenpolitik schon längst ein
Betrugsverfahren gegen seine Regierung hätte einleiten müssen,
feiert ihn als ihr Idol: "Dranbleiben, Ché Guerhard". Ein alle
Wohlstandgefälle und Gerechtigkeitslücken überbrückender
Konsens wird durch den Nenner Georg W. Bush gebildet. Der
Widerwille gegen den US-Präsidenten bringt Armani und Attac,
Grass und Gauweiler zusammen. Kein Zweifel, hinter den
Transparenten mit der weißen Friedenstaube macht sich eine neue
Stärke breit, von der sich zwar noch nicht so genau sagen lässt,
wohin sie führt, wohl aber, was sie hinter sich lässt. (Dieter Rulff in der "tageszeitung" vom 28.03.03)
Mehr unter:
Arzt lehnt wegen Golfkrieg Behandlung von Amerikanern ab
Sa.29.03.03 - Aus Protest gegen den Irak-Krieg weigert sich
ein Hautarzt aus Schleswig-Holstein, Amerikaner, Briten und
Befürworter des Krieges zu behandeln. "Ich verwehre Bürgern
aus den USA und Großbritannien sowie anderen Befürwortern
des Krieges den Zustritt zu meiner Praxis", sagte der 61-jährige
Eberhard Hoffmann, Facharzt für Haut- und
Geschlechtskrankheiten in Rendsburg, am Freitag im Gespräch
mit der Nachrichtenagentur AP.
Mit einem großen handgeschriebenem Schild an der Eingangtür
zur Praxis in der Rendsburger Innenstadt macht der Arzt seine
Einstellung deutlich. Dort steht: "Wenn es je eine deutsche
Kollektiv-Schuld gegeben hat, bin ich nicht bereit Amerikaner,
Briten und ihre Sympathisanten zu behandeln.»
"Dieser Krieg im Irak ist ein Verbrechen", sagt Hoffmann. Er sehe es nicht ein,
Verbrecher zu behandeln, schon gar keine Kriegsverbrecher. Den Hinweis auf den
Hippokratischen Eid lässt der Mediziner nicht gelten: "Ich bin lediglich verpflichtet,
in Notfällen zu helfen, ansonsten steht es mir frei, Leute rauszuwerfen".
Ein Bundeswehrarzt habe ihn schon bei der Ärztekammer angezeigt, berichtet
Hoffmann. Dieser Arzt habe ferner damit gedroht, dass keine Bundeswehrsoldaten
mehr in seine Praxis kämen. "Sympathisanten behandle ich sowie so nicht", sei
seine Antwort gewesen.
Die Ärztekammer in Bad Segeberg hat inzwischen die Staatsanwaltschaft auf den
Fall aufmerksam gemacht und den Arzt aufgefordert, das Plakat umgehend zu entfernen: "Das ist ein unmögliches
Verhalten, das wir nicht hinnehmen können", erklärte Hauptgeschäftsführer Werner Ratschko für die Ärztekammer.
"Wir sind hier alle sehr betroffen über dieses Verhalten", sagte Ratschko weiter. Das Recht auf freie
Meinungsäußerung müsse nicht unbedingt in Zusammenhang mit der Berufsausübung eines Arztes praktiziert
werden.
"Ich lasse mir von der Kammer den Mund nicht verbieten", reagierte Hautarzt Hoffmann. Er habe Stapel von Faxen,
die von Patienten und Ärzten kämen und Zustimmung signalisierten. In Interviews diverser Rundfunk- und
Fernsehstationen bekräftigte der Arzt am Freitag seine Auffassung.
(Quelle: ap)
Struck gegen Blauhelm-Einsatz im Irak
Sa.29.03.03 - Verteidigungsminister Peter Struck lehnt die Entsendung
deutscher Blauhelmsoldaten nach Ende des Irak-Kriegs ab. Der "Bild am Sonntag"
sagte Struck, die Bereitstellung von Soldaten sei "nicht die Frage". Jetzt gehe es
um die humanitäre Hilfe, um sauberes Wasser und Nahrungsmittel für die
Menschen, so der Minister. Für den Wiederaufbau des Irak seien keine Soldaten
gefragt. Bei der politischen Neugestaltung des Irak müsse die UN eine Rolle
spielen, forderte Struck. (Quelle: dpa)
Schily will derzeit keine Iraker in Deutschland aufnehmen
Sa.29.03.03 - Innenminister Otto Schily sieht derzeit keine Notwendigkeit für die
Aufnahme irakischer Flüchtlinge in Deutschland. Schily sagte der "Bild"-Zeitung,
den Flüchtlingen müsse heimatnah geholfen werden. Dann könnten die Menschen
auch schnell in ihr Land zurück, wenn sich die Situation wieder verbessere.
Gleichzeitig hob Schily dem Bericht zufolge das deutsche Engagement bei der
Betreuung der Flüchtlinge hervor. Deutschland leiste bei der humanitären Hilfe in der
Krisenregion einen großen Beitrag. (Quelle: dpa)
Der Irak-Krieg ist nur eine Etappe auf dem Weg zur Weltherrschaft
Mehr zum inneren Machtzirkel, der Bush führt, und sein «Projekt für ein
neues amerikanisches Jahrhundert»
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