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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ So.30.03.03, 11:30 Elfter Kriegstag in Irak
So.30.03.03 - Auch am elften Kriegstag haben die USA und Großbritannien ihre
Offensive in nahezu allen Landesteilen fortgesetzt. Die Fünf-Millionen-Stadt Bagdad
geriet auch in der Nacht zum Sonntag unter heftigen Beschuss. Detonationen wurden
auch aus der Millionen-Stadt Basra im Süden und Mossul im Norden des Landes gemeldet.
Bei ihren Bombenangriffen auf Bagdad haben die US-geführten Streitkräfte am Samstag massiv die
Schaltstellen der irakischen Führung unter Beschuss genommen. Die Luftangriffe gingen tagsüber und
am Abend weiter. In der Nähe der Stadt Kerbela lieferten sich US-Kampfhubschrauber heftige Gefechte mit den
Republikanischen Garden.
Im obersten Stockwerk des elfgeschossigen Informationsministeriums richtete eine
Explosion schwere Schäden an. Dort hatte die staatliche Internetagentur ihren Sitz.
Satellitenanlagen auf dem Dach des Hochhauses wurden beschädigt. Zahlreiche
Fensterscheiben barsten, so auch im internationalen Pressezentrum. Das Büro von
Informationsminister Mohammad Said el Sahhaf und die Räume der staatlichen
Nachrichtenagentur INA befinden sich ebenfalls in dem Gebäude.
Bei den Gefechten mit den Republikanischen Garden von Staatschef Saddam Hussein
nahe der Stadt Kerbela wurden nach US-Angaben mindestens 55 irakische Soldaten getötet.
Nach Angaben von Offizier Hugh Cate griffen Einheiten der 101. Luftlande-Brigade am
Freitagabend mit Apache-Kampfhubschraubern 40 Ziele der Medina-Division der Elitetruppe an.
Die Dritte US-Infanteriedivision steht seit Donnerstag vor Kerbela. Die heilige Schiitenstadt
gilt als wichtiger Brückenkopf für eine Belagerung der Hauptstadt Bagdad. Ein Sprecher der
britischen Armee, Al Lockwood, sagte, vor dem Vormarsch auf Bagdad müssten die alliierten
Truppen sich neu positionieren.Von einer "Pause" des Vormarsches wollte er, anders als ein
US-Kollege, allerdings nicht sprechen.
Laut britischem Verteidigungsministerium wurden seit Kriegsbeginn 23 britische Soldaten getötet, vier von ihnen im
Kampf. Die Zahl der laut Pentagon getöteten US-Soldaten erhöhte sich auf 34.
Ein Mitarbeiters des US-Verteidigungsministeriums räumte unterdessen ein, dass der Tod von 14 Zivilisten beim
Beschuss eines Wohnviertels in Bagdad am Mittwoch möglicherweise von der US-Luftwaffe zu verantworten ist. "Es
sieht so aus, als sei das möglich", sagte der Pentagon-Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden wollte.
Am Freitagabend waren bei Explosionen auf einem Marktplatz in Bagdad abermals mindestens 50 Menschen getötet
und dutzende weitere verletzt worden. Auch diesen Vorfall untersucht die US-Armee.
Zur Zahl der Toten und anderen Verlusten im Golfkrieg gibt es nur
ungefähre und kaum überprüfbare Angaben. Aus den Angaben der Kriegsparteien
ergeben sich bis Sonntag früh folgende Zahlen. Mit eingeschlossen sind
Unglücksfälle und Tote durch Beschuss aus den eigenen Reihen:
Tote in der irakischen Zivilbevölkerung: mindestens 425
Verletzte in der irakischen Zivilbevölkerung: mehr als 4.000
Tote in den irakischen Streitkräften: Keine Schätzung erhältlich
Tote in den US-Streitkräften: 36
Vermisste in den US-Streitkräften: 16
Tote in den britischen Streitkräften: 23
irakische Kriegsgefangene: 4.000
amerikanische Kriegsgefangene: 7
(Quellen: dpa, afp, ap)
Für die Truppen der USA und Grossbritanniens sind es militärische Hindernisse,
für die Schiiten heilige Stätten wie Rom oder Jerusalem: Najaf und Kerbala
Eine der folgenschwersten Fehleinschätzungen der Amerikaner und Briten bei der Planung
ihres Kriegs im Irak wurzelt in der Überzeugung, dass «der Feind meines Feindes mein
Freund» sein muss. Die irakischen Schiiten, also die grosse Mehrheit der Bevölkerung
im Süden des Zweistromlandes, hätten demnach den vorrückenden US-Einheiten lautstark
zujubeln sollen - weil sie jahrzehntelang von Saddam Hussein unterdrückt worden sind.
Es kam bekanntlich anders. Die zur Glaubensrichtung der Schia zählende Volksschicht
begrüsste die GIs keineswegs freundlich - einzelne Ausnahmen bestätigen die Regel -,
und wenige Tage nach dem Beginn des Kriegs tobten die Kämpfe auch um die den Schiiten
heiligen Städte, um Najaf und Kerbala, die eine Stadt am Tigris, die andere am Euphrat gelegen.
Wehe, wenn bei diesen kriegerischen Auseinandersetzungen die dortigen Heiligtümer beschädigt
oder gar zerstört würden - dann müssten die Invasoren, die sogenannten «Coalition Forces», mit
einem Volksaufstand der Schiiten rechnen. Rund 60 Prozent der Bevölkerung gehören im Irak zur
Glaubensrichtung der Schia, im östlichen Nachbarland Iran sind es weit über 90 Prozent.
Najaf und Kerbala haben für die muslimischen Schiiten eine Bedeutung, die man, übertragen auf
das Christentum, mit Rom, Lourdes, Santiago de Compostela oder gar Jerusalem vergleichen könnte...
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Erster Selbstmordanschlag gegen US-Truppen in Irak
So.30.03.03 - Nach dem Selbstmordanschlag auf US-Soldaten bei der Stadt
Nadschaf hat Irak weitere Attentate dieser Art angekündigt. Der
irakische Vize-Präsident Taha Jassin Ramadan sagte in Bagdad,
dies sei "erst der Anfang". In den kommenden Tagen werde Irak
"von sämtlichen Mitteln Gebrauch machen, um den Feind zu
stoppen und den Feind zu töten". Das gesamte irakische Volk,
einschließlich seiner Frauen, werde sich in Fedajin
(Märtyrerkämpfer) verwandeln.
Das staatliche Fernsehen berichtete, der Attentäter, ein irakischer Offizier, habe
den US-Truppen eine "Lehre" nach Art der palästinensischen "Märtyrer" erteilen
wollen. Bei dem Anschlag seien elf US-Soldaten getötet worden, behauptete der
Sender.
Die US-Armee gab die Zahl der Getöteten dagegen mit vier an. Ein Sprecher des
US-Zentralkommandos in Katar korrigierte damit die zunächst angegebene Zahl von
fünf Todesopfern. Es habe keine weiteren Verletzten gegeben, hieß es. Der als
Taxifahrer getarnte Attentäter hatte die Soldaten US-Angaben zufolge an einer
Straßensperre im Norden der Stadt Nadschaf zu seinem Auto gelockt und dann
eine Bombe gezündet. Im irakischen Staatsfernsehen hieß es, der Attentäter sei
mit einem Auto voller Sprengstoff auf Panzer und Soldaten der US-Armee
zugefahren. Präsident Saddam Hussein habe dem Offizier postum zwei Ehrenmedaillen verliehen.
Ramadan teilte auf der Pressekonferenz mit, "tausende" arabische Freiwillige seien dabei, nach Irak zu kommen, um
gegen die anglo-amerikanischen Truppen zu kämpfen. Der Vize-Präsident forderte die Alliierten auf, "Irak so schnell
wie möglich zu verlassen". (Quelle: afp)
US-Magazin: Rumsfeld-Mitarbeiter kritisieren Irak-Strategie scharf
So.30.03.03 - Angesichts des stockenden Vormarsches der US-Armee in Irak sind
Mitarbeiter des Pentagon auf Distanz zur Kriegsstrategie von
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gegangen. Aus Kostengründen habe
Rumsfeld die Zahl der Bodentruppen möglichst klein halten wollen, sagten mehrere
an den Kriegsvorbereitungen beteiligte Pentagon-Experten dem Magazin "New
Yorker". Über die Warnungen seiner Berater habe sich Rumsfeld hinweggesetzt. "Er
dachte, dass er es besser weiß als wir. Er hat in jedem Stadium alleine die
Entscheidungen getroffen", zitierte die Zeitschrift einen Armeeverantwortlichen. Ein
anderer Pentagon-Berater machte den Minister persönlich für das Stocken des
Vormarsches auf Bagdad verantwortlich: "Rumsfeld selbst hat dieses Wirrwarr
verursacht, weil er nicht zu viele Bodentruppen haben wollte." Der Minister habe
trotz zahlreicher Warnungen einen "Krieg zum Sparpreis" angestrebt.
(Quelle: afp)
Die US-Regierung gerät offenbar schon nach wenigen Tagen des Krieges in
Nöten. Der Vormarsch auf Bagdad traf auf anscheinend unerwartete Hindernisse,
die Bombardements der Städte führen zu zahlreichen Toten und Verletzten unter
den Zivilisten, noch ist wenig vom Jubel der befreiten Iraker zu sehen, anders als
in Afghanistan steigt die Zahl der Opfer bei den eigenen Truppen und die
Medienöffentlichkeit ist trotz aller Vorbereitungen und zahmen amerikanischen
Medien nicht richtig in den Griff zu bekommen.
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Zunehmend politische Probleme für die USA
So.30.03.03 - Nach elf Tagen Krieg in Irak wachsen an der politischen Front die
Probleme für die USA. Vor der Invasion hatte die Regierung in Washington gehofft,
mit einem schnellen Sieg vor allem die arabische Welt davon zu überzeugen, dass
auch sie vom Fall eines autoritären Systems profitieren könne. Je länger der Krieg
aber Bilder von getöteten irakischen Zivilisten produziert, umso stärker werden die
antiamerikanischen Gefühle weltweit, warnt der frühere Terrorismusexperte im
Nationalen Sicherheitsrat, Daniel Benjamin.
Die von US-Präsident George W. Bush formulierte Perspektive, ein demokratisiertes Irak könne
zu einer positiven Neuordnung des gesamten Nahen und Mittleren Ostens
führen, stehe und falle mit einem schnellen militärischen Sieg, sagt Benjamin, der nun
beim Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington arbeitet.
Vielleicht unabsichtlich bestätigt wurde diese These vergangene Woche von
Außenminister Colin Powell, der die zunehmend USA-feindliche Stimmung weltweit
als «vorübergehendes Problem» bezeichnete. Wenn die internationale Öffentlichkeit erst einmal Bilder über den Sturz
Saddam Husseins jubelnder, befreiter Iraker zu sehen bekomme, werde das wieder umschlagen. «Wir werden die
Irak-Krise hinter uns lassen und das bessere Leben zeigen, dass auf das irakische Volk wartet», formulierte Powell.
Der Zeitfaktor wird zum Problem für die USA: Noch sind die großen und auch gewalttätigen Demonstrationen in den
arabischen Ländern noch nicht eingetreten, die viele befürchtet hatten. Länder wie Ägypten, Jordanien und
Saudi-Arabien gelingt bis jetzt die Gratwanderung, die USA so zu kritisieren, dass ihre Bevölkerung sich damit
zufrieden gibt, und zugleich stillschweigend die US-Kriegsmaschinerie zu unterstützen.
Zwei oder drei Monate Krieg könnten die Lage grundlegend verändern und die Regierungen dieser Länder zwingen,
entweder öffentlich mit den USA zu brechen oder sich mit erheblichen Unruhen konfrontiert zu sehen. Benjamin und
andere Experten sagen, dass die USA ja nicht darauf angewiesen seien, dass sie «gemocht» werden. Schwieriger
würde es aber für Washington, wenn derzeit gewährte Unterstützung wegfallen würde.
Zugleich wächst mit Fortdauer des Krieges die Gefahr, dass islamische Extremisten Zulauf bekommen. Der irakische
Vizepräsident Taha Jassin Ramadan sagte am Samstag, tausende muslimischer Freiwilliger strömten nach Irak, um
sich als «Märtyrer» im Kampf gegen die USA zu opfern. Saddam Hussein scheint seine ganze Strategie darauf
abzustellen, den Krieg mit einer Guerilla-Taktik solange wie nur möglich hinzuziehen. Militärisch kann er die USA
wohl nicht schlagen, politisch scheint der Ausgang dagegen offen. Den irakischen Versuch, doch noch auf eine
Verhandlungslösung hinzuwirken, hat Bush kategorisch freilich zurückgewiesen: Der Krieg werde solange dauern, bis
Saddam Hussein gestürzt sei, bekräftigte er erneut am Samstag. (Quelle: ap)
Mehr als 290 000 alliierte Soldaten eingesetzt
So.30.03.03 - Im Irak-Krieg sind jetzt nach Angaben des Pentagons mehr als 290 000 amerikanische
und britische Soldaten im Einsatz. Ein Drittel befinde sich auf irakischem Boden, teilte General Stanley
McChrystal am Samstag in Washington mit. Seit Kriegsbeginn seien 675 Marschflugkörper und mehr
als 6000 Präzisionsbomben abgefeuert worden.
Zugleich bestritt der General, dass es im Irak Probleme bei der Versorgung der
Soldaten gebe. "Es gibt kein Versorgungsproblem", so McChrystal. Er schloss
einzelne Lücken nicht aus, betonte jedoch: "Im Großen und Ganzen funktioniert es
sehr gut." Von der Front war berichtet worden, dass Truppenteile nur eine
Tagesration erhalten hätten. (Quelle: dpa)
Belagerung statt Blitzkrieg
So.30.03.03 - Zu Kriegsbeginn vor elf Tagen sah es nach einem schnellen
Durchmarsch des alliierten Invasionsheers nach Bagdad aus. Aber am zweiten
Kriegswochenende in Irak sah es nicht mehr nach einem schnellen Sieg der USA
und ihrer Verbündeten aus. Die Lage vor Bagdad, Nassirijah und Basra erinnert
inzwischen an mittelalterliche Belagerungen, wie Militärexperten sagen. Mit einem
Frontalangriff auf die vor Bagdad verschanzten irakischen Elitetruppen rechnen sie
nicht.
«Die Verluste wären außerordentlich», erklärt General a.D. John Abrams. «Was
immer die US-Militärstrategie sein wird - es wird ein chirurgischer, entschlossener
Prozess sein. Das kann keine improvisierte, spontane Aktion sein». Deshalb würden jetzt
erst einmal die sechs in Bagdad vermuteten Divisionen der Republikanischen Garde
von Präsident Saddam Hussein aus der Luft bekämpft - mit Raketen und Marschflugkörpern, die von
Kriegsschiffen abgefeuert werden, mit den Bomben von Kampfflugzeugen und der Feuerkraft von
Kampfhubschraubern. Der schwere Beschuss des Bagdader Informationsministeriums in den letzten Tagen
soll die Kommunikationsstränge der Führung zu ihren Fronteinheiten zerschlagen und damit verhindern, dass sie über
das Kriegsgeschehen immerauf dem Laufenden ist..
Der Oberbefehlshaber der alliierten Truppen, US-General Tommy Franks, hat in den letzten Tagen keine große Eile
mehr erkennen lassen - oder gar für notwendig erklärt. Vielen Einheiten wurde Zeit zum Neuformieren und zur
Versorgung mit Nachschub gegeben. Alles laufe nach Plan, betonte das Oberkommando in Katar und auch das
Washingtoner Verteidigungsministerium.
Dass die irakische Gegenwehr doch nicht so wie geschehen eingeplant war, sagte bisher nur ein Frontkommandant.
Generalleutnant William Wallace vom 5. Heereskorps sagte den US-Zeitungen «New York Times» und «Washington
Post», die Pentagon-Strategen hätten Ausdauer und Zähigkeit der irakischen Kämpfer unterschätzt. Insbesondere auf
fanatische paramilitärische Truppen wie die Fedajin mit ihren Überraschungsangriffen und vorgetäuschten
Kapitulationen sei man nicht vorbereitet gewesen. «Wir wussten, dass sie da waren, aber wir wussten nicht, wie sie
kämpfen», sagte Wallace. «Der Feind, gegen den wir kämpfen, ist anders als der, gegen den wir in Manövern übten.»
In Basra, Nassirijah, Kirkuk und Bagdad warten die irakischen Truppen darauf, die Angreifer in einen Kampf um jedes
Haus zu verwickeln. US-Soldaten haben das seit 1968, bei den Kämpfen um Hue in Vietnam, nicht mehr gemacht.
«Die amerikanische Doktrin ist nicht auf den Städtekampf ausgerichtet», sagt der britische Militäranalyst William
Hopkins. «Städtekampf ist sehr chaotisch und ziemlich primitiv.» Über die Iraker sagt der Forscher des Londoner
Instituts für Strategische Studien: «Wenn man selbst keine besonders hoch entwickelte Ausrüstung hat, ist es ein
Schritt in die richtige Richtung, den Gegner auf die eigene Stufe hinunter zu bringen - indem man ihn zwingt, Zimmer
um Zimmer mit Handgranaten und Gewehr zu kämpfen.»
Nach dem ersten irakischen Selbstmordangriff am Samstag hat Vizepräsident Taha Jassin Ramadan erklärt, dies
gehöre von nun an zur «normalen Militärpolitik». Bei dem Angriff auf einen US-Kontrollposten an der Autobahn nach
Nadschaf waren vier US-Soldaten getötet worden. Ramadan räumte die technologische Überlegenheit der
amerikanischen Waffensysteme ein - und setzte religiösen Fanatismus dagegen: «Ich weiß, dass der Tag kommen
wird, an dem eine einzige Märtyrer-Aktion 5.000 Feinde töten wird», sagte er.
Für John Voll, Fachmann für islamische Angelegenheiten der Georgetown University in Washington, könnte ein lang
andauernder Krieg Irak zum Magneten für islamische Extremisten aus vielen muslimischen Ländern machen. «Wenn
es eine amerikanische Besetzung gibt, wird Irak auf einen Spitzenplatz der Liste für Dschihad (Heiliger Krieg) im
internationalen Netzwerk der Islamisten rücken», sagt er. (Quelle: ap)
Ex-Außenminister Cook ruft Blair zum Rückzug aller Truppen auf
So.30.03.03 - Ex-Außenminister Robin Cook hat Premier Tony Blair aufgerufen,
alle britischen Soldaten aus dem Irak zurückzuziehen. Der Krieg sei "blutig und
ungerecht", schreibt Cook in der Zeitung "Sunday Mirror". Ein Sprecher von Blair
wies Cooks Forderung umgehend zurück.
Die britischen Soldaten müssten heimkehren, "bevor noch mehr von ihnen getötet werden",
forderte Cook.
Am Samstag waren die Leichen von zehn getöteten Soldaten nach Großbritannien überführt
worden.
Cook war aus Protest gegen den
erwarteten Krieg als Fraktionschef der Labour-Partei zurückgetreten. Er warf
US-Präsident George W. Bush vor, er habe anscheinend auf einen schnellen Sieg
gesetzt und wisse jetzt nicht mehr weiter. (Quellen: dpa, afp)
Großbritannien ist verärgert, dass die ersten Aufträge im Irak ausschließlich an US-Unternehmen vergeben werden
Im Hafen vom Umm Kasr hat am Freitag ein Schiff angelegt – das
erste seit Beginn des Irak-Krieges. Beladen mit 200 Tonnen
Lebensmitteln, Medikamenten, Decken und Wasser traf die Sir
Galahad ein. Das 140Meter lange britische Kriegsschiff kam mit
Verspätung, denn zunächst mussten Minen aus dem Kanal
geräumt werden, der Umm Kasr mit den Persischen Golf
verbindet. Nun aber fällt dem einzigen irakischen Hochsee-Hafen
eine entscheidende Rolle zu. Was an Hilfe in den Irak geschafft
wird, soll fortan zum wesentlichen Teil hier anlanden. Weil dies
ein professionelles Management erfordert, legte es die
US-Regierung in die aus ihrer Sicht nahe liegendsten Hände – in
die einer US-Firma. Das verdrießt die Briten, die Umm Kasr zwar
bewachen, aber offenbar kaum mitentscheiden dürfen.
Die britischen Streitkräfte haben nämlich ganz andere Pläne in
Umm Kasr. Sie wollten die Leitung des Hafens wieder dem
bisherigen Direktor übertragen, berichtete der Londoner
Independent. Der Mann sei bei der Einnahme von Umm Kasr in
britische Kriegsgefangenschaft geraten und werde nun sorgfältig
überprüft. Nach eigenem Bekunden möchten die Briten so ein
Zeichen setzen. Es handele sich um den „ersten großen Test des
Versprechens der Alliierten, irakische Ressourcen zum Wohle der
Iraker einzusetzen", vermerkte der Independent.
Die Amerikaner beirrt das nicht. Den Hafen-Auftrag hatte die US-
Agentur für internationale Entwicklung (USAID) bereits am 12.
Februar ausgeschrieben, mehr als einen Monat bevor
amerikanische und britische Soldaten Umm Kasr eroberten.
Ergattert hat das Geschäft im Wert von 4,8 Millionen Dollar (5,4
Millionen Euro) das Unternehmen Stevedoring Services of
America (SSA) in Seattle, ein weltweit operierender
Hafenspezialist. Interessiert gewesen war freilich auch das
britische Unternehmen P&O. Im Irak wollen die Engländer eben
nicht nur mitkämpfen, sondern auch beim Wiederaufbau
mitverdienen.
Nicht erfreut sind sie daher über die Vergabe-Richtlinien für acht
Aufbau-Aufträge, die USAID ausgeschrieben hat. „Wenn die
ganze Mühe, die wir in diesen Krieg stecken, nicht zu Handel für
Großbritannien führt, werden die Leute ziemlich sauer sein",
zitiert die Times Colin Adams von einer Lobby-Gruppe am
Irak-Geschäft interessierter Unternehmer. Auch die Australier, mit
2000 Soldaten drittstärkste Kraft in Bushs Koalition der Willigen,
wollen im Interesse ihrer „Unternehmen und Exporteure
argumentieren", wie es Handelsminister Mark Vaile formulierte.
Wirklich großen Eindruck scheint das auf die US-Regierung bisher
nicht zu machen. Deren Hilfsagentur USAID stellt für den
Wiederaufbau 1,9 Milliarden Dollar bereit. Dieses Geld soll unter
anderem in die Bereiche Flugverkehr, Gesundheitswesen,
Infrastruktur und Schulen fließen – zuvor aber in die Kassen
amerikanischer Unternehmen. Seine Agentur sei gesetzlich
verpflichtet, US- Firmen zu beauftragen, rechtfertigt das der
USAID-Verwaltungschef Andrew Natsios und verweist darauf, es
handele sich um amerikanisches Steuergeld.
Aus der Summe von 74,7 Milliarden Dollar, die US-Präsident
George Bush beim Kongress zusätzlich für den Irak-Krieg
beantragt hat, erhält USAID für den Wiederaufbau und akute
humanitäre Hilfe insgesamt 2,4 Milliarden Dollar. „So viel Geld
haben wir in der 40-jährigen Geschichte von USAID niemals in
einem Jahr für ein Land ausgegeben", schwärmte Natsios
kürzlich während einer Pressekonferenz in Washington.
Vergleichbar sei das nur mit dem Marshall-Plan nach dem
Zweiten Weltkrieg. Und keineswegs werde die ganze Summe nur
an US- Firmen gehen, versicherte er. Schließlich könnten die
Amerikaner ausländische Subunternehmer beauftragen.
Um das wirklich große Geld geht es freilich erst beim
Wiederaufbau des ganzen Landes. Dieser könnte, so wird
spekuliert, bis zu 100 Milliarden Dollar verschlingen. Geld, das
nicht der amerikanische Steuerzahler aufbringen muss, sondern
die irakische Ölindustrie. (Süddeutsche Zeitung vom 29.03.03)
Irak lehnt Programm Öl für Nahrungsmittel ab
So.30.03.03 - Die irakische Führung hat die vom UN-Sicherheitsrat beschlossene
Fortführung des Programms "Öl für Nahrungsmittel" abgelehnt. Alles, worüber die
irakische Regierung nicht selbst entschieden habe, werde nicht ausgeführt, sagte
Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf am Samstag in Bagdad.
Sahhaf beschuldigte die Vereinten Nationen, das Programm mit Geld zu
finanzieren, das dem Irak zuvor gestohlen worden sei. Der Irak finanziere die
Gehälter von UN-Mitarbeitern, die für das Land nicht hilfreich, sondern schädlich
seien. "Sie (die Vereinten Nationen) nennen das Programm humanitär. Es ist
aber nicht humanitär", sagte Sahhaf.
Der UN-Sicherheitsrat hatte am Freitag die Fortführung des Programms für weitere
45 Tage beschlossen. Das seit 1995 laufende Programm, auf das rund 60 Prozent der irakischen
Bevölkerung angewiesen sind, war mit Beginn der amerikanisch-britischen
Angriffe in der vergangenen Woche ausgesetzt worden. Derzeit verfügt das Programm, das
aus den Einnahmen aus dem Export von irakischem Erdöl finanziert wird, über Hilfsgüter im Umfang von rund 2,5
Milliarden Dollar. (Quelle: dpa)
Stichwort: Programm «Öl für Lebensmittel»
Mehr unter:
Laut Blix weiter keine Beweise für Massenvernichtungswaffen in Irak
So.30.03.03 - Die alliierten Streitkräfte haben nach Einschätzung von
UN-Chefinspekteur Hans Blix in Irak nach wie vor keine Beweise für die Existenz
von Massenvernichtungswaffen gefunden. Zwar seien noch Fragen offen über
kürzlich in einem irakischen Krankenhaus entdeckte Schutzanzüge und
Gasmasken, sagte Blix am Samstag im schwedischen Rundfunk. "Aber mann
muss sich fragen, wie alt diese Kleidungsstücke sind. Möglicherweise lagen sie
schon lange Zeit dort."
Blix erklärte weiter, offenbar hätten die USA und Großbritannien die militärische
Stärke Iraks unterschätzt. "Man kann sich nur schwer des Eindrucks erwehren,
dass sie auf viel mehr Widerstand stoßen, als sie es erwartet haben", sagte er.
"Es scheint, als würde es länger dauern, als die Streitkräfte angenommen
haben." Blix leitet seit November die UN-Abrüstungskommission UNSCOM, die
am 20. März kurz vor Kriegsbeginn aus Irak abgezogen wurde. Der Schwede wird
Ende Juni, wenige Tage nach seinem 75. Geburtstag, aus dem Amt scheiden.
(Quelle: ap)
Mit «Knüppeln und Steinen» gegen die High-Tech-Armee
Mit einfachen Waffen setzen die irakischen Truppen den mit
modernsten Mitteln ausgerüsteten amerikanischen Streitkräften hart zu. Dabei
setzen die Iraker bislang nicht viel mehr ein als das, was in der
High-Tech-Kriegsführung des 21. Jahrhunderts geradezu als «Knüppel und Steine»
gilt: Gewehre und Granaten.
So.30.03.03 - Es sind nicht die atomaren, chemischen oder biologischen Waffen, die Bagdad
nach Darstellung der USA besitzt, sondern es sind simple konventionelle Waffen,
die den als Sturmlauf geplanten Vormarsch der Alliierten verzögert haben. Irak
besitzt nach Einschätzung von Experten seit dem Golfkrieg von 1991 mindestens 40 Fabriken, in
denen konventionelle Waffen produziert werden. Finanziert wurden sie unter anderem
durch den illegalen Schmuggel von Rohöl. So hat das gewöhnlich gut informierte Fachmagazin «Oil
Daily» im vergangenen Monat berichtet, Syrien wolle im März 230.000 Barrel Öl aus Irak importieren.
Der irakische Staatschef Saddam Hussein hat
genügend Kämpfer und Kugeln, um einen Guerillakrieg zu führen, der ihn bislang vor einer Niederlage bewahrt und ihm
einen propagandistischen Sieg beschert hat. «Jetzt ist es leichter für Saddam Husseins Leute zu sagen: Schaut her,
die Amerikaner können geschlagen werden», erklärt der amerikanische Geheimdienstexperte Richard Betts. «Wir
haben Saddam Hussein alle Zeit der Welt gegeben, damit er seine Vorbereitungen treffen konnte.» Es gebe in der
Militärgeschichte wohl keinen Angriff, der im Voraus öffentlich so klar angekündigt worden sei. «Da ist es kein
Wunder, dass er (Saddam Hussein) sich ein paar Tricks ausgedacht hat.»
Der Golfkrieg von 1991 und die anschließenden UN-Sanktionen haben den irakischen Streitkräften arg zugesetzt; das
Heer hat kaum Luftunterstützung, die Kampfpanzer sind veraltet, und Raketen sind rar. Saddam Hussein hat seine
verbliebene Macht in den Städten konzentriert, wo die irakischen Truppen ihre hauptsächlich aus Kleinwaffen und
Granaten bestehenden Trümpfe am besten ausspielen können.
Die Kämpfe in Basra sind ein Beispiel für die irakische Strategie, sich in Städten zu verschanzen. Dort ist es für die
Iraker leichter, die eigenen Truppen zu versorgen, und die Wirksamkeit ihrer technisch unterlegenen Waffen zu
erhöhen.
«Die Republikanische Garde, die sich in und um Bagdad herum eingegraben hat, wird gut mit Munition versorgt sein»,
erwartet William Hopkinson vom Königlichen Institut für Strategische Studien in London. «Ich glaube nicht, dass ihnen
in den nächsten ein oder zwei Wochen die Munition ausgeht.»
Eine Belagerung Bagdads ist ein Albtraum-Szenario für die Alliierten. Kleine Guerilla-Einheiten können in der Stadt
über Jahre hinweg Verwüstungen anrichten. «Man braucht keine großen Waffen, um einen Vormarsch in die Stadt
aufzuhalten und zu erschweren», erklärt Betts. «Wenn man aus einem Gebäude beschossen wird, was macht man
dann: das Haus stürmen und versuchen, den Heckenschützen zu stellen, oder einfach das Gebäude dem Erdboden
gleichmachen?» Zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung, Hunger und Seuchen würden dem ohnehin schon
angekratzten Image der USA in der Welt einen verheerenden Schlag versetzen.
(Quelle: ap)
Papst warnt vor Spaltung der Weltreligionen in Folge des Kriegs
So.30.03.03 - Papst Johannes Paul II. hat den Krieg gegen Irak als eine
"menschliche Tragödie" bezeichnet. Dieser Krieg dürfe nicht dazu führen, dass sich
Christen und Moslems gegenseitig bekämpften, was eine "religiöse Katastrophe"
auslösen könnte, warnte das katholische Kirchenoberhaupt am Samstag.
Gerade in einer Zeit erhöhter Spannungen in der Welt seien gute Beziehungen
zwischen den Religionsgemeinschaften von besonderer Bedeutung, sagte der Papst
während eines Besuchs indonesischer Bischöfe im Vatikan. "Wir dürfen es nicht
zulassen, dass eine menschliche Tragödie zu einer religiösen Katastrophe wird",
fügte er hinzu.
Der Papst hatte den Krieg, den die sogenannte "Koalition der Willigen" mit den USA
an der Spitze gegen den Irak führt, von Anfang an abgelehnt. Es sei dies kein
gerechter Krieg. (Quelle: rtr)
Hunderttausende protestieren gegen den Krieg
So.30.03.03 - Der Krieg gegen Irak treibt die Leute weiterhin überall auf der Welt auf die Strasse.
In mehreren Ländern kam es zu Ausschreitungen. Mit 100'000 Personen demonstrierten
am meisten Menschen in Deutschland.
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Kriegsgegner blockierten Auslandszentrale der Bundeswehr
So.30.03.03 - Aus Protest gegen die ihrer Meinung nach umfangreiche deutsche
Beteiligung am Golfkrieg haben etwa 200 Kriegsgegner am Samstag die
Bundeswehrzentrale für Auslandseinsätze blockiert. Mitglieder der Kampagne
gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär, die zu der Aktion vor den Toren des
Einsatzführungskommandos in Geltow bei Potsdam aufgerufen hatten, forderten den
Abzug deutscher Soldaten aus den AWACS-Überwachungsflugzeugen über der
Türkei und den Rückzug der deutschen ABC-Spürpanzer aus Kuwait. In
Sprechchören und einer Rede forderten sie die Soldaten zum Desertieren auf.
Deutschland unterstütze mit insgesamt 4.600 Soldaten indirekt den Angriff auf Irak
und sei damit die viertgrößte Kriegspartei, hieß es in einer
Erklärung. Als Unterstützung des Krieges werteten die Demonstranten unter anderem
die ABC-Abwehrkräfte in Kuwait, die AWACS-Überwachungsflüge
über der Türkei, die 3.800 zur Bewachung von US-Militäreinrichtungen in
Deutschland eingesetzten Bundeswehrsoldaten sowie die 600 Soldaten der
Bundesmarine am Horn von Afrika.
Diese böten den US-Seestreitkräften und deren Seetransporten Geleitschutz auf
ihrem Weg zum Persischen Golf, hieß es. Wegen der uneingeschränkten Überflug-
und Transitrechte sowie der US-Militärbasen sei Deutschland zudem das
internationale Drehkreuz für Nachschub und Logistik der alliierten Armeen in Irak.
Polizei und Feldjäger der Bundeswehr hatten einen Sicherheitsabstand vor dem Tor
der Henning-von-Tresckow-Kaserne abgesperrt. Dahinter ließen sich die
Demonstranten für eine halbe Stunde nieder. Danach zogen sie mit Musik und
Transparenten zurück nach Potsdam. Die Aktion verlief friedlich. (Quelle: ap)
100 Festnahmen bei Blockaden an Frankfurter US-Airbase
So.30.03.03 - Bei einer Blockade des US-Luftwaffenstützpunkts am
Frankfurter Flughafen hat die Polizei am Samstagnachmittag rund 100 Kriegsgegner
vorläufig festgenommen. Weitere 300 Personen wurden in Gewahrsam genommen.
Die Veranstalter von der Kampagne Resist hatten aus Protest gegen den Golfkrieg
zu einer 24-stündigen Blockade der Airbase-Tore aufgerufen. Zuvor waren bereits am
nahe gelegenen Frankfurter Kreuz 17 Autofahrer vorläufig festgenommen worden, die
extrem langsam fuhren - offenbar um damit die Straßen zu blockieren.
Zu einer Kundgebung im Wald am Bahnhof Zeppelinheim waren vormittags knapp 2.000
Friedensaktivisten gekommen. "Army go home" war auf Plakaten zu lesen, auf
T-Shirts stand "Schluss mit Bush" oder "Weil wir Menschen sind". Bei einer
Kundgebung forderten Redner ein Ende des Krieges und sprachen von einer "wild
gewordenen Bush-Administration". Die Bundesregierung riefen sie auf, den Krieg führenden
Parteien die Überflugrechte im deutschen Luftraum zu entziehen und die Nutzung ihrer hiesigen Stützpunkte zu
verbieten.
Die Kampagne "Resist the war" (sich dem Irakkrieg widersetzen) wird von verschiedenen Friedensinitiativen
getragen. Zu ihren Unterstützern zählt auch die globalisierungskritische Organisation Attac. Seit Beginn des
Irak-Krieges ruft die Kampagne bundesweit zu entschlossenen und massenhaften Aktionen zivilen Ungehorsams auf.
Der Angriffskrieg trete die Charta der Vereinten Nationen mit Füßen, lautet ein Hauptargument. Die Gewährung von
Überflugrechten durch die Bundesregierung stelle zudem einen eklatanten Bruch des Grundgesetzes dar.
Die Blockade des US-Luftwaffenstützpunktes am Samstag war die dritte seit der Zuspitzung des Irak-Konflikts.
Bereits vor Beginn der amerikanisch-britischen Angriffe hatten am 15. März und am 22. Februar mehrere tausend
Friedensaktivisten vor der Airbase protestiert und das Haupttor für mehrere Stunden blockiert.
Die Airbase im Süden Frankfurter Flughafens zählt zu den wichtigsten Stützpunkten der US-Luftwaffe in der
Bundesrepublik und gilt als logistische Drehscheibe für den Transport von Truppen und Material an den Golf. Seit
Ende Februar wird der US-Stützpunkt auf Bitten der Amerikaner von deutschen Bundeswehr-Soldaten bewacht.
Im aktuellen Krieg gegen Irak spielt die Frankfurter US-Basis nach Einschätzung der Kriegsgegner erneut eine
zentrale Rolle für Transporte. Laut Deutscher Flugsicherung starten und landen dort derzeit jeden Tag zwischen 60
und 80 Maschinen, überwiegend vom Typ Galaxy (C5) und Starlifter (C141). (Quelle: ap)
Resist the war:
Deutsche US-Stützpunkte spielen
Mehr unter:
Erneut Protest gegen Golfkrieg vor dem EUCOM
So.30.03.03 - Vor dem Oberkommando der amerikanischen Streitkräfte in Europa (EUCOM) in
Stuttgart haben am Samstag über 1.000 Menschen gegen
den Irak-Krieg demonstriert. Die Demonstranten wollten
unter dem Motto "EUCOM (um)schließen" eine
Menschenkette um das weiträumige Militärgelände im
Stadtteil Vaihingen bilden. Dazu sind nach
Veranstalterangaben 6.000 Friedensaktivisten notwendig.
In dem Aufruf zum Protest hieß es, dass EUCOM sei eine von fünf
US-Kommandozentralen weltweit, die einzige außerhalb der USA und zuständig für
93 Länder in Europa, Afrika und Nahen Osten. Die Veranstalter rechneten mit der
größten Aktion, die je vor den Patch Barracks stattgefunden habe. Die Polizei
setzte früheren Angaben zufolge rund 500 Beamte ein. (Quelle: ap)
«Die im Vorfeld des Irak-Kriegs wieder erwachte Friedensbewegung muss
hierzulande aufpassen, dass sie nicht schon anderthalb Wochen nach Beginn des
Kreuzzugs gegen das Regime Saddam Husseins wieder friedvoll einschlummert.
Zwar gingen auch am Samstag wieder zehntausende Menschen gegen die
Bomben auf bundesdeutsche Straßen. Doch es waren auch schon mal
Hunderttausende. Zudem hat die bunte Gemeinde der Demonstranten zwischen
Berlin und Stuttgart noch keine gemeinsame Sprache, kein verbindendes
Ausdruckselement gefunden und bleibt damit eher farblos. » (Telepolis vom 30.03.03)
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Israel zu neuen Verhandlungen mit Palästinensern bereit
So.30.03.03 - Israel ist nach Angaben seines Außenministers Silwan Schalom zu neuen
Verhandlungen mit den Palästinensern bereit. Schalom betonte am
Samstag in einem Gespräch mit dem israelischen Rundfunk, zunächst
müsse der neue Ministerpräsident Machmud Abbas jedoch seine Regierungsbildung
abschließen und erfolgreich gegen Terroraktivitäten vorgehen. Die palästinensische
Autonomiebehörde forderte unterdessen am Samstag die sofortige
Umsetzung des Friedensplans für eine Lösung des
Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern.
Schalom, der sich zu Gesprächen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan und
US-Außenminister Colin Powell in den USA aufhält, betonte, Israel lehne jegliche
Verknüpfung zwischen dem Irak-Krieg und dem Konflikt zwischen Israel und den
Palästinensern ab. Inhalt der Gespräche Schaloms in den USA ist der so genannte
Nahost-Fahrplan, der unter anderem die Errichtung eines unabhängigen
Palästinenserstaates bis 2005 vorsieht.
Der palästinensische Planungsminister Nabil Schaath sagte der palästinensischen
Zeitung "Al Ajam" vom Samstag, der "wahre Test" sei die Umsetzung, nicht die
Veröffentlichung des Plans. Der Plan des Nahost-Quartetts (USA, Europa, UN und Russland)
soll veröffentlicht werden, nachdem Abbas sein Kabinett gebildet hat.
"Das Problem ist, dass die Umsetzung des Plans für die US-
Regierung Druck auf Israel und eine Konfrontation mit der
jüdisch- christlichen Lobby bedeutet", sagte Schaath dem Blatt.
Er hoffe, dass der britische Premierminister Tony Blair den
US-Präsidenten George W. Bush zu einer raschen
Verwirklichung des Plans drängen werde.
Auch der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat äußerte Skepsis und bezeichnete die Äußerungen Bushs
und Blairs zur geplanten Veröffentlichung des Plans als reines "schmerzstillendes Mittel". Nach der inoffiziellen
Vorlage des Plans an beide Seiten hätten die Palästinenser ihn bereits akzeptiert. Israel habe den Lösungsvorschlag
jedoch zurückgewiesen. Die Veröffentlichung des Fahrplans sei in vier Monaten bereits sechs Mal verschoben worden,
was dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon erlaubt habe, die Palästinenser vor vollendete Tatsachen zu
stellen und seine Siedlungspläne durchzuführen.
Abbas traf am Samstag im Rahmen seiner Sondierungsgespräche im Gazastreifen mit dem Sicherheitschef Amin el
Hindi sowie mit Repräsentanten der radikalen Oppositionsgruppen zusammen. Die Ergebnisse dieser Kontakte waren
zunächst unklar.
Unterdessen erschossen israelische Soldaten am Samstag in Nablus im nördlichen Westjordanland einen 17-jährigen
Palästinenser und verletzten einen weiteren schwer. Nach palästinensischen Angaben eröffneten die Soldaten das
Feuer auf eine Gruppe steinewerfender Jugendlicher. Dabei wurde einer von ihnen tödlich getroffen. Die Armee teilte mit,
der Jugendliche habe einen Brandsatz geworfen. (Quelle: dpa)
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