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+++ Mo.31.03.03, 12:45        zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Zwölfter Kriegstag in Irak

Irakische Hauptstadt unter Dauerbeschuss +++ Kaum amerikanische Geländegewinne vor Bagdad +++ Bombardements auch in Basra +++ US-Truppen rücken nach Hindijah ein +++ Irak droht mit weiteren Selbstmordanschlägen gegen amerikanisch-britische Truppen +++ Exil-Iraker kehren zur Unterstützung der irakischen Streitkräfte in die Heimat zurück.

Mo.31.03.03 - Mehrere Explosionswellen haben in der Nacht zum Montag Bagdad und seine Außenbezirke erschüttert. Auch aus Nordirak und der südirakischen Stadt Basra wurden Bombardements gemeldet. Der stellvertretende irakische Regierungschef Tarik Asis drohte den US-geführten Truppen mit weiteren Selbstmordanschlägen. US-Generalstabschef Richard Myers meldete im US-Fernsehsender CNN die Zerstörung eines Lagers in Nordirak, in dem El-Kaida-Mitglieder trainiert haben sollen.

Die meisten Luftangriffe der US-geführten Streitkräfte galten den Außenbezirken von Bagdad, wo irakische Eliteeinheiten vermutet werden. Die irakische Armee betätigte ihre Luftabwehr.

Bei den Luftangriffen auf Bagdad schlug auch ein Geschoss in dem Wohngebiet El Karrada ein. Es traf nach Angaben eines AFP-Reporters eine Straße. Verletzt wurde offenbar niemand. Der Sender El Arabija zeigte Bilder von zwei Großbränden. 25 Kilometer südöstlich von Basra wurde am Abend die Region um Abu el Chassib bombardiert, wie El Dschasira berichtete.

Die US-Streitkräfte machen vor Bagdad seit Tagen offenbar kaum Geländegewinne. Wie ein begleitender CNN-Reporter berichtet, stehen die Soldaten immer noch rund 95 Kilometer vor Bagdad. Sie liefern sich Artillerieduelle mit irakischen Soldaten, die sich in Ortschaften zurückgezogen haben. Allerdings geraten die Iraker in Nachschubschwierigkeiten, so der Bericht. Die irakischen Streitkräfte erhalten inzwischen Unterstützung durch Exil-Iraker. Schon 6000 von ihnen seien in die Heimat zurückgekehrt, so CNN.

Die amerikanischen Truppen haben sich am Montagmorgen zum Zentrum der Ortschaft Hindijah bei Karbala durchgekämpft. Dabei stießen sie in den Straßen sowie an einer Brücke über den Euphrat auf heftigen Widerstand. Bei den Kämpfen im Morgengrauen wurden nach US-Angaben mindestens 15 irakische Soldaten getötet.

Mehrere Dutzend irakische Kämpfer wurden gefangen genommen, die sich als Mitglieder der Republikanischen Garde ausgaben, der Elitetruppe von Staatschef Saddam Hussein. Wie aus dem Kampfgebiet weiter berichtet wurde, bezeichneten sich die Soldaten als Angehörige der Nebutschadnessar-Brigade, die in Saddam Husseins Heimatstadt Tikrit stationiert ist.

Hindijah, in der Nähe des antiken Babylons gelegen, befindet sich etwa 80 Kilometer südlich von Bagdad.

Britische Streitkräfte haben am Wochenende ihre Angriffe auf die regierungstreuen Truppen in der zweitgrößten irakischen Stadt Basra verstärkt. Der britische Kommandeur, Brigadegeneral Graham Binns, stellte jedoch klar, dass er vorerst keine Einnahme der belagerten Millionenstadt plane: "Ich werde mich nicht nach Basra hineinziehen lassen und für ein neues Stalingrad oder Grosny sorgen", sagte er dem "Sunday Telegraph". Eine BBC-Korrespondentin berichtete, dass aus Basra fliehende Familien am Sonntag erneut beschossen worden seien.

Nach Lockwoods Darstellung schwächen die Angriffe die örtlichen Machthaber der Baath-Partei, die Soldaten und irregulären Kämpfer in der Stadt. «Was in den letzten Tagen deutlich geworden ist, ist, dass uns die örtliche Bevölkerung in Basra und in den anderen Städten nun zu vertrauen beginnt», sagte Lockwood. Doch britische Journalisten, die sich auf eigene Faust in die Stadt wagten, zeichneten ein anderes Bild. So schilderte eine Reporterin des "Sunday Telegraph" eine den Alliierten überwiegend feindlich gesonnene Stadt.

Beim sechsten Hubschrauberunglück der US-Armee in Irak binnen einer Woche starben am Sonntagabend drei US-Marineinfanteristen. Ein viertes Besatzungsmitglied des Transporthubschraubers UH-1 Huey wurde laut Pentagon verletzt. Der Hubschrauber sei im Süden Iraks abgestürzt. Es handele sich vermutlich um einen Unfall. Ein britischer Soldat wurde bei Kämpfen auf der Halbinsel Fau nahe Basra getötet. Mehrere weitere Soldaten seien verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium in London mit.

Die Zahl der im Irak-Krieg ums Leben gekommenen britischen Soldaten stieg damit auf 24. Auf US-Seite starben 41 Soldaten. Die irakischen Behörden verweisen auf mehrere hundert getöteten Zivilisten, zu getöteten irakischen Soldaten machen sie keine Angaben.

In Nordirak nahmen die alliierten Streitkräfte die dritte Nacht in Folge irakische Stellungen unter Beschuss. Die Luftangriffe waren laut einer AFP-Korrespondentin in der von Kurden kontrollierten Stadt Kalak rund 40 Kilometer östlich von Mossul zu hören.

Das Camp der radikalislamischen Kurdengruppe Ansar el Islam sei mehrere Tage lang bombardiert worden, bevor es von US-Soldaten und kurdischen Verbündeten betreten worden sei, sagte Myers. Einige Verteidiger des Lagers, vermutlich Mitglieder von El Kaida, seien bei den Angriffen getötet, andere gefangen genommen worden. US-Außenminister Colin Powell hatte die Existenz des Lagers vergangenen Monat als Beweis für die angeblichen geheimen Verbindungen zwischen der Regierung in Bagdad und dem Terrornetzwerk von Osama bin Laden aufgeführt. Diese Verbindung wird von Experten jedoch angezweifelt.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) klagte über ein "zunehmendes Gefühl der Ohnmacht" angesichts des humanitären Leides der irakischen Bevölkerung. Rot-Kreuz-Mitarbeiter hätten Schwierigkeit. (Quellen: afp, dpa, ap)
 


 

IKRK beklagt «zunehmendes Gefühl der Ohnmacht» in Irak
US-General: Kein Zugang zu US-Kriegsgefangenen für Rotes Kreuz

Mo.31.03.03 - Das Internationale Komitee vom Roten Kreuzhat über ein "zunehmendes Gefühl der Ohnmacht" angesichts des humanitären Leides der irakischen Bevölkerung geklagt. Rot-Kreuz-Mitarbeiter hätten Schwierigkeiten, zu Städten wie Nadschaf, Nassirijah und Kerbela durchzukomen, erklärte die Hilfsorganisation am Sonntag in Genf. Berichten zufolge sei durch den Ausfall der Stromversorgung in der westlich von Bagdad gelegenen Provinz El Anbar ein ernsthafter Wassermangel in mindestens vier Städten entstanden. Weil die meisten Telefonverbindungen nicht mehr funktionierten, sei es sehr schwierig, an Informationen über die Lage vor Ort zu kommen.

Das Rote Kreuz hat nach US-Militärangaben keinen Zugang zu den von Irak festgehaltenen amerikanischen Kriegsgefangenen erhalten.

US-Generalstabschef Richard Myers sagte am Sonntag im US-Fernsehsender CBS, Irak habe Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) den Zugang zu den Kriegsgefangenen verwehrt. Myers forderte Irak auf, die Genfer Konvention zu befolgen, die den freien Zugang von IKRK-Vertretern festschreibt. Über die Zahl der US-Soldaten in irakischer Kriegsgefangenschaft gebe es keine genauen Informationen, sagte Myers. Die von den USAgeführten Truppen hätten mehr als 4000 irakische Kriegsgefangene gemacht.

Die irakischen Gefangenen seien von IKRK-Vertretern aufgesucht worden, sagte Myers. Dies hätten die US-Truppen gestattet.

Eine IKRK-Sprecherin hatte am Dienstag gesagt, es würden mit der irakischen und der US-amerikanischen Seite Gespräche über den Zugang zu den Kriegsgefangenen geführt. (Quellen: afp, rtr)
 


 

 

Amnesty ruft britische Regierung zur Achtung des Völkerrechts auf

In einer Petition hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die britische Regierung zur Achtung des Völkerrechts in Kriegszeiten aufgefordert.

Mo.31.03.03 - Amnesty-Generalsekretärin Irene Khan übergab das Papier am Sonntag im Amtssitz des britischen Premierministers Tony Blair in der Downing Street Nummer 10. Darin forderte die Organisation mehr Informationen über zivile Opfer des Krieges in Irak. Amnesty wünsche sich nähere Angaben darüber, wie die Hintergründe der Bombardierungen eines Marktplatzes und eines Fernsehsenders in Bagdad aufgeklärt werden sollten, sagte der Sprecher Neil Durkin. Außerdem erfahre die Öffentlichkeit zwar sehr viel über die Behandlung von Kriegsgefangenen durch die Iraker. Es gebe jedoch kaum Informationen, wie die Alliierten Kriegsgefangenen behandelten.

Zuvor hatte die Organisation den Regierungen von insgesamt 14 Staaten vorgeworfen, den Golfkrieg als Gelegenheit zur Verletzung der Menschenrechte auszunutzen. Seit Kriegsbeginn habe man in den 14 Ländern entsprechende Hinweise gefunden, erklärte Amnesty am Sonntag. "Die Regierungen scheinen die weltweite Konzentration auf den Krieg auszunutzen, um hinter dem Rücken der Öffentlichkeit Menschenrechte zu verletzen."

In mehreren Staaten seien Menschen davon abgehalten worden, gegen den Krieg zu demonstrieren, hieß es in einer Erklärung von Amnesty. In Belgien seien 450 Kriegsgegner vorbeugend in Haft genommen worden; in Großbritannien habe die Polizei unter Verweis auf Anti-Terror-Gesetze Aktivisten "ohne begründeten Verdacht" kontrolliert und durchsucht. Mehrfach habe die Polizei übermäßige Gewalt gegen Demonstranten angewendet. In Sudan seien drei Studenten während einer Anti-Kriegs-Demonstration in der Hauptstadt Khartum getötet worden. Den USA warf Amnesty vor, eine unbekannte Zahl von Asylsuchenden aus Irak festgenommen zu haben. Menschenrechtsverletzungen wurden auch angeprangert in Deutschland, Dänemark, Ägypten, Griechenland, Jordanien, Norwegen, Spanien, Schweden, Jemen und der Türkei. (Quelle: info.partisan.net)


 

Soldaten sollen keine Hilfen an Iraker verteilen

Mo.31.03.03 - Als amerikanische und britische Soldaten im Südirak die ersten Nahrungsmittel verteilten, brach das Chaos aus. Verzweifelte Menschen drängen sich um die Lastwagen, junge Männer reißen den Militärs die Kartons aus der Hand, die Soldaten verlieren jede Kontrolle. Es herrscht das Recht des Stärkeren, die Schwachen gehen leer aus.

Mo.31.03.03 - UN-Organisationen sind solche Szenen ein Grauen. «Man kann nicht einfach einen Lastwagen an eine Straße stellen, und auf der Rampe geben Soldaten die Nahrung aus», schimpft Khaled Mansour, Sprecher des UN-Welternährungsprogramms (WFP) am Sonntag in der jordanischen Hauptstadt Amman. «Die Folgen sind verheerend. Die gesunden jungen Männer holen sich, was sie brauchen. Die wirklich Bedürftigen bekommen nichts.» Vermutlich lande eine erheblicher Teil der Hilfen auf dem Schwarzmarkt.

Rasche humanitäre Hilfen für die irakische Zivilbevölkerung - das haben US-Generäle als Teil ihrer Strategie fest eingeplant. So sollen «die Herzen der Iraker» erobert werden. Hilfsorganisationen lehnen es aber kategorisch ab, dass Soldaten Nahrung und andere Hilfsgüter verteilen. «Die Menschen müssen diejenigen, die die Hilfsmittel ausgeben, kennen und respektieren. Das können keine Soldaten sein», meint ein Sprecher des UN-Kinderhilfswerks UNICEF in Amman. «Die Armee hat damit keine Erfahrung. Wir Hilfsorganisationen arbeiten dagegen seit 20 Jahren im Irak.»

Allein Hunderttausende Kinder sind nach Angaben der UNICEF allein in der südirakischen Stadt Basra akut gefährdet. «Seit einer Woche gibt es dort Kämpfe, seit einer Woche hat bestenfalls die Hälfte der 1,5 Millionen Einwohner Zugang zu sauberen Wasser.» Nach wie vor haben Hilfsorganisationen keinen Zugang nach Basra. Am Sonntag startete ein Konvoi aus mehreren Dutzend Lastwagen mit Wassertanks aus Kuwait in den Südirak. «Ein Tropfen auf den heißen Stein», kommentiert eine UN-Helfer.

Wann tatsächlich größere Hilfslieferungen die Iraker erreichen, steht in den Sternen. Gerade mal sieben Lastwagen mit Medikamenten für den irakischen Roten Halbmond sind aus Amman in Richtung Bagdad aufgebrochen.

Zwar beschloss der UN-Sicherheitsrat die Wiederaufnahme der Nahrungshilfen für über 16 Millionen Iraker im Rahmen des Programms «Öl für Lebensmittel». Doch angesichts der Kämpfe erscheint der UN-Beschluss eher als frommer Wunsch. «Die Entscheidung der UN ist ein reines Politikum», schimpft eine deutsche Helferin in der jordanischen Hauptstadt Amman. «Niemand kann derzeit in den Irak - und wenn nicht alles täuscht, bleibt das noch über Wochen so.» Zu allem Überfluss lehnt auch Bagdad die Wiederaufnahme des Programms ab. Bereits seit Jahren hängen 60 Prozent der Iraker vom Programm «Öl für Lebensmittel» ab. «Wenn wir nicht spätestens in drei Wochen in den Irak kommen, geschieht eine Katastrophe», meint eine Helferin. Viele Helfer sehen nur eine Lösung: Die Militärs müssen Hilfskorridore schaffen, durch die die Helfer ungehindert und sicher ins Land können. (Quelle: dpa)


 

Gekappte Verbindungen

Die Zerstörung der Kommunikationstechnik in Irak wirkt sich auch auf das irakische Friedensteams (IPT) der amerikanischen Organisation «Voices in the Wilderness» aus

Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/03-31/005.php


 

Schweiz veröffentlicht Liste ziviler Opfer
des Irak-Kriegs im Internet

Mo.31.03.03 - Die Schweiz hat eine Internetseite mit Angaben zu zivilen Opfern des Irak-Krieges angekündigt. Außenministerin Micheline Calmy-Rey sagte in einem Interview mit dem SonntagsBlick, ab Montag werde auf der Seite [http://www.eda.admin.ch] des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten eine entsprechende Liste abrufbar sein. Aktuelle Informationen sollten aus verschiedenen Quellen zusammengestellt werden.

Es gebe schon neun Tage nach Kriegsbeginn viele zivile Opfer, sagte die Sozialdemokratin aus Genf, die erst seit kurzem im Amt ist und durch mehrere kriegskritische Aktionen auf sich aufmerksam gemacht hat. Die Liste soll einen eindrucksvollen Überblick geben: "Erst wenn wir die Liste sehen, wird uns bewusst, wie schrecklich das ist", meint Calmy-Rey.

Die Idee dafür sei aus der Überlegung entstanden, dass die Schweiz der Depositarstaat der Genfer Konventionen [http://www.rotkreuz.de/voelkerrecht/genfer_konventionen/] sei. Diese Konventionen regln die Art, wie ein Krieg geführt werden solle. "Das Prinzip ist, dass zwischen ziviler und militärischer Bevölkerung unterschieden wird, im Bestreben, die Zivilbevölkerung zu schützen", erklärt die Ministerin. (Quelle: heise)
 


 


 

USA kämpfen mit Nachschubproblemen

Mo.31.03.03 - Teilen der US-Marineinfanterie vor Bagdad macht nicht nur der heftige Widerstand des Feindes zu schaffen sondern auch die eigene Versorgung. Erhalten die Soldaten sonst jeden Tag zwei Essensrationen, müssen sie nun 36 Stunden damit haushalten. Bei der 3. Infanteriedivision rund 80 Kilometer von der irakischen Hauptstadt entfernt sind die Vorräte an Wasser, Treibstoff und Munition stark geschrumpft.

Fast 400 Kilometer lang ist der Nachschubweg zwischen den Ausrüstungslagern in Kuwait und den US-Bodentruppen an der Front vor Bagdad geworden. Diese Entfernung allein verursacht Lücken in den Versorgung der Kampfeinheiten. Nachschubschwierigkeiten auf Grund der Distanz haben die Kriegsstrategen allerdings erwartet: Es gehörte schließlich zum Plan, dass bestimmte Truppenteile von Kuwait aus an feindlichen «Hochburgen» vorbei in Richtung Bagdad eilen und damit der Versorgungsweg sehr lang wird. Was aber offensichtlich nicht einkalkuliert wurde, ist die Kampfentschlossenheit paramilitärischer Verbände im Süden, die aus dem Hinterhalt angreifen und den Transportvon Nachschub extrem unsicher gemacht haben.

Beide Faktoren zusammen und dazu schwere Sandstürme haben die Versorgung derart verlangsamt, dass die Taktik in Teilen geändert werden musste. So sah sich der amerikanische Befehlshaber der Bodentruppen im Irak-Krieg, William Wallace, gezwungen, Teile seiner Kampftruppen von den vorgeschobenen Positionen abzuziehen und zur Sicherung des Nachschubs in den Süden zu schicken. US-Kommandeure vor Bagdad haben zu verstehen gegeben, dass an größere Aktionen wie etwa eine direkte Konfrontation mit den Republikanischen Garden rund um die irakische Hauptstadt erst dann zu denken sei, wenn sie über Vorrate an Munition, Treibstoff, Wasser und Nahrung für zehn Tage verfügten.

2 000 Marineinfanteristen aus Camp Lejeune (North Carolina) sollen dazu beitragen, die Schwierigkeiten zu beseitigen. Sie erhielten den Marschbefehl und sollen in Südirak den Nachschub sichern. Spezielles Augenmerk gilt dabei der Region von Nasirija mit seinen zwei Euphrat- Brücken. Diese sind zwar inzwischen unter Kontrolle der Alliierten. Guerilla-Attacken aus der Stadt heraus auf die Versorgungskonvois gehen aber unablässig weiter und gefährden vor allem den Nachschub für US-Einheiten, die sich östlich des Flusses nordwärts in Richtung Bagdad bewegen. So häufig kommen die Angriffe vor, dass US-Soldaten den südlichen Zugang zu Nasirija «Ambush Alley» getauft haben - Allee der Anschläge aus dem Hinterhalt.

Das Pentagon, zunehmender Kritik an der US-Kriegsstrategie ausgesetzt, beschwichtigte unterdessen: Es gebe zwar einzelne Störungen bei der Versorgung, so hieß es, aber im Großen und Ganzen laufe der Nachschub gut. (Quelle: dpa)


 

 

Einige Vertreter der amerikanischen Regierung und ihre Berater haben Erwartungen auf einen raschen Sieg geschürt

Vor Kriegsbeginn

"Ich glaube, die Zerstörung der militärischen Macht Husseins und die Befreiung Iraks werden wie ein Cakewalk (ein Tanz) sein. Ich sehe dafür einfache Gründe: Erstens war es ein Cakewalk beim letzten Mal; zweitens sind sie viel schwächer geworden; drittens wurden wir viel stärker; und viertens: Diesmal geht es ums Ganze."

Kenneth Adelman, Berater des US-Verteidigungsministeriums, in der "Washington Post" am 13. Februar 2002
 

"Er (Saddam Hussein) regiert mit Furcht, da er weiß, dass er keine wirkliche Unterstützung hat. Die Unterstützung für Saddam, einschließlich innerhalb seiner Militärorganisation, wird zusammenbrechen nach dem ersten Hauch von Gewehrpulver."

Richard Perle, seinerzeit Vorsitzender eines Beraterstabs des US-Verteidigungsministeriums, am 11. Juli 2002
 

"Der Militärkonflikt könnte schwierig sein. Ein irakisches Regime, das vor seiner eigenen Auflösung steht, könnte zu grausamen und ungewöhnlichen Mitteln greifen. Es gibt keinen leichten oder risikofreien Weg.

George W. Bush am 7. Oktober in einer Rede in Cincinatti
 

"Man kann nicht wissen, wie lange der Konflikt dauern wird. Er könnte sechs Tage oder sechs Wochen dauern. Ich bezweifle aber sechs Wochen."

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am 7. Februar 2003
 

"Ich denke, die Lage innerhalb Iraks ist aus Sicht des irakischen Volkes so schlecht geworden, dass wir, wie ich glaube, tatsächlich als Befreier begrüßt werden. Ich denke, es wird recht schnell gehen, eher in Wochen als in Monaten."

US-Vizepräsident Richard Cheney am 16. März in der TV-Sendung "Meet The Press"
 

"Am Vorabend des Krieges sollten die Amerikaner auf einen Krieg vorbereitet sein, der, wie wir hoffen, so präzise und kurz wie nur möglich sein wird, aber es gibt viele Unbekannte. Es könnte schon etwas dauern, wir wissen es nicht." Präsidialamtssprecher Ari Fleischer am 19. März
 

Nach Kriegsbeginn

"Ein Krieg auf dem rauen Gebiet einer Nation, so groß wie Kalifornien, könnte länger und schwieriger werden, als manche voraussagen."

George W. Bush am 20. März, kurz nach Kriegsbeginn
 

"Die Verwirrung im irakischen Regierungsapparat wächst. Ihre Fähigkeit, die Geschehnisse auf dem Schlachtfeld zu sehen und mit ihren Truppen zu kommunizieren und ihr Land zu kontrollieren, entgleitet ihnen. Das Regime beginnt die Kontrolle über das Land zu verlieren."

Donald Rumsfeld am 21. März

Quelle: rtr)
 


 


 

General Franks weist Kritik an Kriegs-Strategie zurück

Mo.31.03.03 - Der US-Oberbefehlshaber des Irak-Krieges, Tommy Franks, hat Kritik an seiner Strategie und Berichte über Gegensätze mit der zivilen Führung des Verteidigungsmininisteriums energisch zurückgewiesen. Die bisherigen Fortschritte seien "bemerkenswert", betonte der General am Sonntag vor der Presse in Doha (Katar). Der Krieg verlaufe nach Plan. Die Alliierten legten auch keine Kampfpause ein. Trotz einzelner Probleme gebe es ausreichende Vorräte an Verpflegung und Munition.

Franks sagte, er habe vor den Bodenkämpfen nicht mehr Truppen gefordert. Er reagierte damit auf Medienberichte, wonach die Militärführung zusätzliche Soldaten verlangt und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld dies verhindert habe. Rumsfeld habe den Krieg möglichst "billig" führen wollen, schrieb das Magazin "New Yorker". Der Minister sei damit ein großes Risiko eingegangen, zitierte die "Washington Post" aktive und pensionierte Offiziere.

Franks zog eine positive Bilanz des Feldzugs. Die Truppen hätten die wichtigen Ölfelder im Süden des Iraks gesichert, besäßen "Handlungsfreiheit" zu Lande und in der Luft, und die Verbündeten stünden 60 Meilen (96 km) vor Bagdad. Küste und Häfen des Iraks seien für Hilfslieferungen sicher. In Nordirak sei eine "massive terroristische Einrichtung" zerstört worden, sagte er unter Hinweis auf den Angriff auf die militante kurdische Organisation Ansar el Islam (Helfer des Islam) in Biyara.

Die im Norden des Irak gelandeten alliierten Truppen haben nach seinen Worten zusammen mit einer großen Zahl von Spezialkommandos das Wiederaufflammen historischer Fehden zwischen Türken und Kurden verhindert. Die Truppen seien zudem eine "ernste Bedrohung" für die irakischen Truppen.

Franks äußerte sich vorsichtig zu Spekulationen, dass der irakische Machthaber Saddam Hussein nicht mehr am Leben sei. Er wisse das nicht, doch habe er keine "glaubwürdigen Beweise" für eine übergeordnete Führung gesehen. Vorhersagen über die Dauer des Krieges wollte er nicht geben. (Quelle: dpa)
 


 

US-Generalstabschef: Krieg wird noch härter

Mo.31.03.03 - Die Streitkräfte der USA und Großbritanniens können sich nach Einschätzung von Generalstabschef Richard Myers im Irak-Krieg durchaus Zeit lassen. Der härteste Teil des Krieges stehe noch bevor, sagte Myers dem britischen Fernsehsender BBC am Sonntag auf die Frage nach der Dauer des Krieges. (Quelle: rtr)
 


 

Britische Regierung weist Kritik scharf zurück

Mo.31.03.03 - Die britische Regierung hat Kritik an der Beteiligung am Golfkrieg und Forderungen nach einem Rückzug der britischen Truppen am Sonntag scharf zurückgewiesen. Das Parlament habe mit deutlicher Mehrheit für diesen Krieg gestimmt, erklärte der Staatsminister im Außenministerium, Mike O'Brien. "Ich denke, es ist jetzt nicht die Zeit, unseren Soldaten zu sagen, dass sie sich zurückziehen und Saddam Hussein an der Macht lassen sollen", sagte O'Brien.

Die Forderung nach dem Rückzug kam unter anderem von Robin Cook, der aus Protest gegen den Krieg von seinem Posten als Fraktionsführer der Labour-Party im britischen Unterhaus zurückgetreten war. Er habe genug von diesem blutigen und unnötigen Krieg, erklärte Cook in einem Artikel der Zeitung "Sunday Mirror". "Ich will unsere Soldaten wieder zu Hause sehen. Ich will sie zu Hause haben, bevor noch mehr von ihnen getötet werden." Später relativierte er diesen Standpunkt. Es gehe ihm nicht darum, jetzt das Schlachtfeld zu verlassen, sagt Cook der BBC. Er sei gegen diesen Krieg gewesen, jetzt gehe es aber darum, ihn zu gewinnen. Das schlechteste Ergebnis wäre es, wenn Saddam Hussein an der Macht bliebe. (Quelle: ap)


 

 

Kampf um Sympathie der Iraker immer schwieriger

Keine zwei Wochen nach Kriegsbeginn stellt Bagdad mit seiner Guerilla-Taktik das Ziel der Amerikaner und Briten in Frage, Verluste unter der Zivilbevölkerung so gering wie möglich zu halten. Der «schmutzige Krieg», den Saddam Hussein nach Darstellung der USA führt, droht zu einem Problem für die Alliierten zu werden.

Mo.31.03.03 -Washington will der erhofften Demokratisierung des Irak und der gesamten Nahost-Region nicht durch Hass auf die «Befreier» den Boden entziehen. Auch um die Sympathie der Iraker zu gewinnen, vergisst US- Präsident George W. Bush in keiner Rede, auf einen großen Unterschied der Kriegsparteien hinzuweisen. Während die alliierten Soldaten der irakischen Bevölkerung Respekt zollten und Menschenleben schonten, begingen die Anhänger des Regimes in Bagdad kriminelle Taten.

Doch bei jeder Aktion durch Zivilisten oder als Zivilisten getarnte Kämpfer, je nach Lesart, wächst an der Front die Versuchung, hart zurückzuschlagen. Der unerwartete Widerstand hat einige Offiziere und Ex-Militärs schon zu der Forderung veranlasst, aggressivere Luftangriffe zu fliegen. Das würde bedeuten, größere zivile Opfer in Kauf zu nehmen.

Reporter der «New York Times» haben berichtet, dass die Marineinfanterie bereits weniger Sorgfalt walten ließ, als zehn ihrer Kameraden bei einem Feuergefecht mit Gegnern getötet worden waren, die sich unter Frauen und Kinder gemischt hatten. «Jetzt geht es voll drauf», zitierte sie einen Offizier. Andere Offiziere gäben die Order aus, falls nötig militärische Ziele auch dann anzugreifen, wenn sie sich in Schulen oder Wohngebäuden befänden.

Offiziell wird eine Änderung der Taktik kategorisch verneint. US- Verteidigungsminister Donald Rumsfeld unterstreicht, die Zurückhaltung sei kein Zeichen der Schwäche. Das Gegenteil sei richtig: «Wegen unserer überwältigenden Macht und unserer Siegesgewissheit glauben wir, dass wir das Regime beseitigen und gleichzeitig unschuldiges Leben schonen können.»

Je länger der Krieg dauert und je mehr Raketen oder Bomben in Wohngebieten landen sollten, desto problematischer dürfte aber die Lage für die Angreifer werden. Militärisch sei eine Niederlage Saddams nur eine Frage der Zeit, meinte der konservative US-Kolumnist Patrick Buchanan im Fernsehen. «Politisch wird er weltweit gewinnen, desto mehr Tage verstreichen, desto mehr die Alliierten Bagdad zermalmen und desto mehr Zivilisten wir töten», sagte er.

Einer der vom Pentagon als «Armsessel-Generäle» verspotteten Ex- Offiziere meinte, die Amerikaner besäßen im Irak und Nahen Osten ohnehin keine Sympathien. Daher solle man erst einmal möglichst schnell siegen und dann die Menschen durch Taten gewinnen. Andere warnten, ein härteres Vorgehen würde das Regieren in einem besiegten Irak ungleich schwerer machen. Während des Krieges von heute dürfe der Friede von morgen nicht aus den Augen verloren werden, getreu dem Motto des preußischen Generals und Militärphilosophen Carl von Clausewitz: «Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.» Spätestens seit der Niederlage im Vietnamkrieg, in dem die Soldaten sich über die «politischen Fesseln» beklagten, ist das bei der kämpfenden Truppe nicht unbedingt populär. (Quelle: dpa)
 


 


 

Powell warnt Iran und Syrien

Mo.31.03.03 - US-Außenminister Colin Powell hat Warnungen an den Iran und Syrien gerichtet. Er forderte beide Länder in einer Rede in Washington auf, sich gegen den Terrorismus und für den Frieden zu entscheiden. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte Syrien zuvor vorgeworfen, Militärausrüstung an den Irak zu liefen. Powell sagte weiter, er habe "volles Vertrauen" in die US-Strategie im Irak-Krieg. Es gebe keinen Zweifel an einem Sieg der Alliierten und der Befreiung des irakischen Volkes. (Quelle: dpa)
 


 

Unions-Politiker fordern Merkel zu Kurswechsel bei Irak-Frage auf

Mo.31.03.03 - Unions-Politiker haben CDU-Chefin Angela Merkel zu einem Kurswechsel in der Irak-Politik aufgefordert. Der langjährige außenpolitische Sprecher der CDU, Karl Lamers, kritisierte Merkel scharf: "Ich verstehe Angela Merkel nicht, dass sie sich so vorbehaltlos an die Amerikaner hängt. So werden wir ein passives Anhängsel, nicht Subjekt politischen Handelns", sagte Lamers der "Rheinischen Post". CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer und der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wiesen dies zurück.

Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler monierte, das Verhältnis der Union zu den USA dürfe "keine unkritische Ja-und-Amen-Beziehung» sein. Gauweiler verwies in der "Bild"-Zeitung darauf, dass die Unions-Anhänger kein Verständnis für die Haltung Merkels hätten.

Meyer verteidigte Merkel. Auch sie tue "sich sehr schwer damit", betonte Meyer am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Merkel eine strikt pro-amerikanische Haltung vorzuwerfen, sei falsch. Auch Koch stellte sich erneut hinter die CDU-Chefin. "Ich glaube, dass es historisch richtig ist, zu signalisieren, dass nicht ganz Deutschland vergessen hat, was wir in den letzten 50 Jahren mit Amerika zusammen getan haben", sagte Koch im Deutschlandfunk. (Quelle: dpa)
 


 

Schröder: Stärkung Europas zentrale Lehre aus Golfkrieg
Hessische SPD fordert UN-Sanktionen gegen die USA und ihre Verbündeten. Streit bei den Grünen über die Gewährung von Überflugrechten

Mo.31.03.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Stärkung Europas als zentrale Lehre aus dem Golfkrieg bezeichnet. Es gehe dabei aber nicht darum, einen Gegenpol zu den USA zu schaffen, sagte er in der ARD. Am Wochenende sprach Schröder mit dem britischen Premierminister Tony Blair über den Irak-Konflikt. Unterdessen forderte die hessische SPD in einem Parteitagsbeschluss UN-Sanktionen gegen die USA und ihre Verbündeten. Bei den Grünen hielt der Streit über die Gewährung von Überflugrechten an.

Schröder sagte in der ARD: "Wir leiden in Europa nicht unter zu viel Amerika, sondern unter zu wenig Europa. Das müssen wir abstellen."

In dem Telefonat zwischen Blair und Schröder ging es nach Angaben eines britischen Regierungssprechers "um eine ganze Reihe" von Fragen bezüglich des Irak-Konflikts. Das Gespräch sei sehr konstruktiv verlaufen. In Berlin hieß es, Blair habe über sein Treffen mit dem US-Präsidenten George W. Bush am vergangenen Donnerstag berichtet. Der britische Regierungschef telefonierte am Wochenende auch mit dem spanischen Ministerpräsidenten José Maria Aznar, dem australischen Ministerpräsidenten John Howard und dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac. In Paris hieß es, Blair und Chirac seien sich über die wichtige Rolle der Vereinten Nationen nach dem Golfkrieg einig gewesen.

In der Anti-Kriegs-Resolution, den der hessische SPD-Parteitag in Rüsselsheim gegen den Widerstand der anwesenden Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul verabschiedete, heißt es: "Damit die Vereinten Nationen ihre Glaubwürdigkeit erhalten können, müssen die USA und ihre Verbündeten durch den Weltsicherheitsrat im Rahmen der UN-Charta sanktioniert werden."

Wieczorek-Zeul wandte sich erneut mit deutlichen Worten gegen die Politik der USA. "Dies ist ein schändlicher Krieg", sagte sie. Die Behauptung der US-Militärs, es gebe "schlaue Bomben" habe sich in blutiger Wirklichkeit aufgelöst. Notwendig sei das sofortige Ende der Kampfhandlungen. Eine Aufforderung an die Bundesregierung, den USA die Überflugrechte zu entziehen, fand auf dem Parteitag keine Mehrheit.

Auch die baden-württembergischen Grünen stellten sich bei einem Landesparteitag in Villingen-Schwenningen hinter die Zusagen der Bundesregierung an die USA. Rund 175 von 200 Delegierten stimmten für einen Antrag in dem heißt, angesichts der schwierigen transatlantischen Lage dürften die Überflugrechte "aus politischen Erwägungen" nicht versagt werden. Die Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen hatte im vergangenen Dezember in Hannover noch mit großer Mehrheit gegen die Erfüllung von Bündnisverpflichtungen im Falle eines "präventiven Angriffskriegs der USA" gestimmt.

Die Grünen-Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele und Winfried Hermann stellten die Gewährung der Überflugrechte erneut in Frage. Überflüge von britischen B-52-Bombern seien für Kriegsgegner unerträglich, sagte Hermann laut "Welt am Sonntag". Ähnlich äußerte sich Ströbele: "Wenn B-52 über Deutschland gegen Irak fliegen, um dort zu bombardieren, dann ist das verfassungswidrig." (Quelle: ap)
 


 

Möglicherweise doch Grundgesetzänderung zu Bundeswehreinsätzen im Innern

Mo.31.03.03 - Die Koalition will die gesetzliche Klarstellung zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren offenbar weiter fassen als bisher geplant. Bei SPD und Grünen gebe es Überlegungen, nicht nur für den Einsatz der Luftwaffe, sondern auch für die Beteiligung der Marine an der Terrorabwehr eine neue Rechtsgrundlage zu schaffen, sagte Verteidigungsminister Peter Struck am Sonntag im Deutschlandfunk. Auch eine Grundgesetzänderung sei weiter möglich.

Die Bundesregierung hatte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eine Arbeitsgruppe zur Sicherheit im Luftraum eingesetzt, die sich auch mit der Rolle der Bundeswehr beim Schutz vor Terrorakten befasst. In dem Gremium sind neben dem Verteidigungsministerium und dem Kanzleramt die Ressorts Inneres, Justiz und Verkehr vertreten. Das Bundesinnenministerium hatte Anfang März erklärt, die Grundgesetzänderung zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren, für die sich neben der Union zwischenzeitlich auch Struck eingesetzt hatte, sei vom Tisch. Bundesinnenminister Otto Schily hatte bereits zuvor ein "Luftpolizeigesetz" angekündigt.

Struck sagte jetzt, die Frage einer Verfassungsänderung sei noch offen. "Mir kommt es nicht darauf an, ob der Artikel 35, Absatz 3, geändert wird oder es ein Luftpolizeigesetz gibt, sondern mir kommt es darauf an, dass wir wirklich Rechtssicherheit für die Soldaten haben."

In der SPD-Fraktion aber auch bei den Grünen gebe es zudem Überlegungen, es nicht bei einer Regelung zum Schutz vor Terrorangriffen aus der Luft zu belassen, sagte Struck. Möglicherweise müsse auch die Frage geklärt werden, ob auch Angriffe zu Wasser nur von der Marine bekämpft werden können. "Aber wir werden dort innerhalb des nächsten halben Jahres eine Klarheit haben", sagte der SPD-Politiker.
 


 

Rot-Grün weitet Militärhilfe für US-Truppen aus

Mo.31.03.03 - Trotz des Streits über den Irak-Krieg prüft die Bundesregierung, ob sie auf Wunsch der USA Raketen-Schnellboote nach Gibraltar schicken kann. Die Schiffe sollen gemeinsam mit Patrouillenbooten aus Norwegen und Dänemark Angriffe von Terroristen auf den internationalen Seeverkehr verhindern, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, zunächst müsse die Nato darüber entscheiden, welches Land an der Operation zur Terrorabwehr teilnehmen solle. Nach Angaben von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) steht der Einsatz in "keinem Zusammenhang mit der Situation im Irak".

Die Bundesregierung prüfe, ob und wie viele Schnellboote zur Verfügung gestellt werden könnten, sagte der Sprecher. Der Einsatz würde nach seinen Worten den Geleitschutz für alliierte Kriegsschiffe einschließen, die sich auf dem Weg an den Golf befinden. Über die Beteiligung der Bundesmarine werde voraussichtlich in der kommenden Woche entschieden. Ein Einsatz vor Ort sei für den Fall einer positiven Entscheidung frühestens nach Ostern möglich. Derzeit befinde sich bereits die Fregatte "Augsburg" im Rahmen der Nato-Mission im östlichen Teil des Mittelmeers.

Seit Herbst 2001 kontrolliert die Nato den Schiffsverkehr im östlichen Mittelmeer, über 25 000 Schiffe wurden kontrolliert. Anfang März 2003 hatte die Nato auf Anfrage der USA entschieden, die Operation auf das westliche Mittelmeer auszuweiten. Die Schiffe sollen in der Meerenge zwischen Spanien und Marokko den alliierten Schiffsverkehr eskortieren. Ein neues Bundestagsmandat soll laut Spiegel für den Schnellboot-Einsatz nicht erforderlich sein, da er formal zur bereits genehmigten Anti-Terror-Operation "Enduring Freedom" gehöre.

Die Meldung über eine Verstärkung des deutschen militärischen Engagements kommt zu einem Zeitpunkt, da die Kritik an der Unterstützung der US-Truppen durch die Bundesrepublik bei den Protestveranstaltungen spürbar zunimmt. Deutschland unterstütze mit insgesamt 4 600 Soldaten indirekt den Angriff auf Irak und sei damit die viertgrößte Kriegspartei, hieß es etwa in einer Erklärung, die bei einer Veranstaltung von Kriegsgegnern vor dem Einsatzführungskommando in Geltow bei Potsdam verlesen wurde. Als Kriegshilfe werteten sie unter anderem die ABC-Abwehrkräfte in Kuwait, die Awacs-Überwachungsflüge über der Türkei, die 3 700 zur Bewachung von US-Militäreinrichtungen in Deutschland eingesetzten Bundeswehrsoldaten sowie die 600 Marinesoldaten am Horn von Afrika. Diese böten den US-Streitkräften und deren Seetransporten Geleitschutz auf ihrem Weg zum Golf, hieß es. Wegen der Überflug- und Transitrechte sowie der US-Militärbasen sei Deutschland zudem das Drehkreuz für Nachschub und Logistik der alliierten Armeen in Irak. (Quelle: blz)
 


 

Hunderttausende demonstrieren weltweit gegen Irak-Krieg

Mo.31.03.03 - In zahlreichen Ländern sind am Sonntag erneut Hunderttausende Menschen gegen den US-geführten Krieg gegen Irak auf die Straßen gegangen.

"Selbstmordattentate bringen die Freiheit", riefen Demonstranten während eines Protestzuges von rund 150.000 Menschen in der marokkanischen Hauptstadt Rabat. "Amerika, Amerika: Terrorist, Terrorist", hallte es durch die Straßen von Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens. Mehr als 100.000 Menschen demonstrierten in dem größten moslemischen Staat der Welt gegen den seit dem 20. März geführten Militärschlag der USA und Großbritanniens gegen Irak. In der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar verbrannten Demonstranten Puppen, die US-Präsident George W. Bush und den britischen Premierminister Tony Blair darstellen sollten.

Demonstranten in Rabat warfen den USA, Großbritannien und dem nicht am Irak-Krieg beteiligten Israel vor, die Kontrolle Iraks an sich reißen und anschließend weitere Staaten im Nahen Osten angreifen zu wollen. Während der Proteste kam es zu Handgemengen zwischen der Polizei und Demonstranten, bei denen Berichten zufolge ein Polizist schwer verletzt wurde. Die Polizei löste die Kundgebung später vorzeitig auf.

"Wir sind mit euch, Söhne Iraks", hieß es auf Spruchbändern in Peshawar. Die Anti-Kriegs-Demonstration war dort die größte des Landes seit Beginn des Irak-Kriegs. "Nieder mit Amerika", rief ein Demonstrant, "Heiliger Krieg! Heiliger Krieg!", ein anderer. Die Demonstration war von mehreren islamischen Parteien organisiert worden.

In der ostindischen Stadt Kalkutta protestierten schätzungsweise 150.000 Menschen gegen den Krieg, der nach US-Angaben unter anderem die Beseitigung irakischer Massenvernichtungswaffen zum Ziel hat. "Ich sehe keinen Grund für diesen Krieg, in dem unschuldige Menschen getötet werden", klagte der 14-jährige Mohammad Nasim. "Wo sind die Massenvernichtungswaffen, von denen Amerika gesprochen hat? Bush sollte es uns sagen."

Neben den überwiegend moslemischen Demonstranten gingen in Jakarta auch Christen auf die Straßen und zitierten dabei Papst Johannes Paul II., der sich mehrfach gegen den Krieg gewandt hatte. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche sagte am Sonntag in seiner wöchentlichen Ansprache auf dem Petersplatz in Rom, der Krieg untergrabe die Hoffnung der Menschheit auf eine bessere Zukunft.(Quelle: rtr)


 

 

«Bush, wie er leibt und lebt»

Abgeschnittene Zungen, ausgestochene Augen, öffentliche Vergewaltigungen: George W. Bushs Berichte über mutmaßliche Gräueltaten in Irak werden immer drastischer. Unermüdlich beschimpft der US-Präsident das Regime in Bagdad als «mörderisch», «grausam» und «brutal». Im Bemühen, die öffentliche Meinung im In- und Ausland zu schärfen, fährt er immer härtere verbale Geschütze auf. Nach Ansicht von Experten steht dahinter der zunehmende Druck, angesichts der steigenden Zahl amerikanischer Opfer den Krieg noch zu rechtfertigen.

Mo.31.03.03 - Vor wenigen Tagen berichtete Bush in Camp David: «Wir haben gestern Berichte über einen Dissidenten gehört, dem die Zunge herausgeschnitten und der auf einem öffentlichen Platz an einen Pfosten gefesselt wurde. Er ist verblutet. So hält sich Saddam Hussein an der Macht.» Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erzählte dieselbe Geschichte wenig später vor Journalisten in Washington. Weder er noch Bush machten genauere Angaben dazu.

Ein Geheimdienstmitarbeiter erklärte am Freitag, es habe «glaubhafte Berichte» über das Schicksal des Dissidenten gegeben. Politikwissenschaftler verwundert diese Quelle der Information nicht: «Ohne Zweifel wird er (Bush) von seinen Geheimdienstbehörden mit einer drastischen Anekdote nach der anderen versorgt», sagt Larry Sabato von der University of Virginia. «Er verfügt über jede Menge Material.»

In einer seiner jüngsten Radioansprachen erklärte Bush: «Wir wissen von Menschenrechtsgruppen, dass Dissidenten in Irak gefoltert und verhaftet werden, manchmal verschwinden sie auch einfach. Ihre Hände, Füße und Zungen werden abgeschnitten, ihre Augen ausgestochen, und weibliche Verwandte werden in ihrer Gegenwart vergewaltigt.» Auch die Familie von Staatschef Saddam Hussein griff der US-Präsident an: «Seine Söhne sind brutale, brutale Menschen.»

In Friedenszeiten könnte sich Bush nach Ansicht von Kommunikationsforschern einen solchen Krieg der Worte kaum erlauben. In Zeiten des Kriegs genössen Staats- und Regierungschefs in dieser Hinsicht jedoch größerer Freiheit, meint Kathleen Hall Jamieson vom Annenberg-Zentrum für Politikwissenschaft an der Universität von Pennsylvania. «Bush will den Eindruck wiederbeleben, dass Saddam böse ist. Das ist besonders wichtig, wenn das Land Verluste erleidet», sagt die Wissenschaftlerin.

Ziel von Bushs drastischen Beschreibungen ist es nach Überzeugung von Jamieson zum einen, die amerikanische Öffentlichkeit hinter seinem Kriegskurs zu halten. Zum anderen wolle er sich jedoch auch für die Zeit nach dem Krieg schützen. «Wenn man einen Teil des Bodens unter den Füßen verliert, muss man rechtzeitig für neuen Halt sorgen», sagt die Forscherin. «Wenn dieser Krieg zu dem Ergebnis führt, dass es keine Hinweise auf Massenvernichtungswaffen gibt, wird das Argument immer noch stehen, dass dies ein Mensch war, der sein eigenes Volk gefoltert hat.»

Einige Geschichten über angebliche Gräueltaten haben sich in der Vergangenheit jedoch schon als falsch erwiesen. Als sich die USA Anfang der 90er Jahre auf ihren ersten Krieg gegen Irak vorbereiteten, sorgte die Aussage eines kuwaitischen Mädchens vor dem US-Kongress für Entsetzen. Sie erklärte, in ihrer Heimat würden irakische Soldaten Säuglinge aus Brutkästen reißen und dem Tod überlassen. Die Darstellung ging rasch in die Regierungskampagne ein, mit der der damalige US-Präsident George Bush um öffentliche Unterstützung für den Krieg warb: «Babys werden aus den Brutkästen gezogen und wie Brennholz auf den Boden geworfen», sagte Bush. Erst nach dem Krieg stellten sich die Behauptungen als unwahr heraus, und die Identität der Zeugin wurde bekannt: Sie war die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA.

Bushs Sprecher Ari Fleischer versicherte am Freitag, Bushs Berichte über Gräueltaten dienten nicht Propagandazwecken. Der Präsident unterrichte die Öffentlichkeit bereits seit Monaten über die Gewalt in Irak. «Es geht darum, die schreckliche Realität zu beschreiben, der Saddam Hussein sein Volk aussetzt», sagte Fleischer. «Es ist immer wichtig, für diejenigen zu sprechen, die nach Freiheit streben.»

Stephen Hess von der Washingtoner Brookings Institution sieht das etwas anders. Hinter einem Teil der verbalen Kriegsführung stehe einfach «Bush, wie er leibt und lebt». Außerdem sei dem Präsidenten daran gelegen, dass die Amerikaner die Argumente für den Krieg stets vor Augen hätten. «Was die öffentliche Meinung angeht, läuft alles nach seinen Wünschen», sagt der Wissenschaftler. «Und in dieser Position will er vermutlich auch bleiben.» (Quelle: ap)
 


 
 
 
 

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