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k0304010
Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Di.01.04.03, 12:45 Dreizehnter Kriegstag in Irak
US-Soldaten erschießen sieben Frauen und Kinder +++
Krieg nimmt an Härte zu +++
Luftangriffe auf Bagdad in der Nacht und im Morgengrauen +++
Massive Kämpfe rund 80 Kilometer südlich vor Bagdad +++
Die Alliierten sind offenbar bereit, hohe Opferzahlen in Kauf zu nehmen +++
Bush sieht Fortschritte der US-geführten Truppen.
Di.01.04.03 - US-Soldaten haben an einem Kontrollposten in Zentralirak nach
offiziellen Angaben in einem Fahrzeug sieben Frauen und Kinder erschossen.
Ein Sprecher des Central Command der US-Armee in Katar teilte am
Dienstagmorgen mit, die Soldaten hätten bei dem Vorfall am Vortag nahe der Stadt
Naschaf das Feuer eröffnet, da das Auto trotz Warnschüssen auf den
Kontrollposten zugefahren sei. Die US-geführten Streitkräfte setzten ihre Luftangriffe
auf Bagdad in der Nacht und im Morgengrauen fort. Rund
80 Kilometer südlich der Hauptstadt lieferten sich US-Truppen heftige Gefechte
mit irakischen Einheiten der Republikanischen Garden. US-Präsident George W.
Bush sagte, die US-geführten Truppen machten im Irak-Krieg bedeutsame
Fortschritte.
"Als allerletztes Mittel haben die Soldaten in den Innenraum des Fahrzeugs
geschossen. In dem Fahrzeug haben sie 13 Frauen und Kinder gefunden. Sieben der Insassen waren tot.
Zwei waren verletzt. Vier waren unverletzt", sagte der Militärsprecher weiter. Zuvor hätten die Soldaten
auf den Motor des Wagens gezielt, ohne ihn jedoch stoppen zu können. Die Soldaten hätten "absolut das
Richtige getan", sagte der Vize-Chef des US-Generalstabs, General Peter Pace. Die Insassen hätten sich
ungewöhnlich verhalten.
Die USA haben stets erklärt, in dem Krieg Opfer unter der Zivilbevölkerung vermeiden zu wollen.
Der Tod der Frauen und Kindern nahe Nadschaf dürfte nicht nur in der
arabischen Welt anti-amerikanischen Protesten weiter Auftrieb geben.
Die US-geführten Truppen haben den Krieg im Irak merklich intensiviert und
Bagdad mit einem Trommelfeuer aus der Luft angegriffen.
In den vergangenen drei Tagen warfen die US-geführten Streitkräfte insgesamt 3000 Bomben
über dem Irak ab. Dadurch sei die irakische Armee erheblich geschwächt worden, berichtete CNN unter
Berufung auf das Pentagon.
Nach anhaltenden Luftangriffen in der Nacht zu Dienstag wurden die Außenbezirke Bagdads im Morgengrauen von
zwei Explosionen erschüttert. In der Nacht war unter anderem erneut ein Komplex des irakischen Präsidenten
Saddam Hussein am Tigris bombardiert worden. "Eine große, große, große Rauchwolke steigt aus dem Komplex
empor", berichtete eine Reuters-Korrespondentin. Möglicherweise seien größere Bomben als zuvor
abgeworfen worden. Die US-geführten Streitkräfte griffen auch Stellungen der Eliteeinheit Republikanische Garden an.
Laut der britischen BBC waren es die "ersten ernsthaften Zusammenstöße" mit den auf 60 000 Mann geschätzten
Garde- Truppen. Die US-Armee habe damit "die Stärke der irakischen Einheiten testen" wollen.
Im Südirak erzielten die britischen Streitkräfte im Raum Basra laut BBC ihre "bisher größten Erfolge". Die rund
200 000 Einwohner zählende Stadt As Subayr sei nach "heftigen Gefechten" jetzt unter britischer Kontrolle,
berichtete der Sender. Militärsprecher Piers Hankinson sprach von "brutalen Straßenkämpfen". Jetzt aber sei die
Herrschaft des irakischen Staatschefs Saddam Hussein in As Subayr "ein für alle Mal vorbei".
Innerhalb und im Umkreis der Stadt Nassirijah kam es nach irakischen Angaben zu schweren Gefechten. Dabei
hätten die US-geführten Streitkräfte schwere Verluste erlitten. Bei den Kämpfen sei "das Blut des Feindes in Strömen
geflossen", sagte ein irakischer Sprecher. In den vergangenen 24 Stunden seien mindestens 60 US- und britische
Soldaten getötet worden.
Die USA und Großbritannien hatten gehofft, einen Häuserkampf vermeiden zu können, da dieser auf ihrer Seite und
unter der Zivilbevölkerung zu hohen Verlusten führen könnte. Mit Blick auf Bagdad sind die US-geführten Truppen
jedoch inzwischen offenbar zum Kampf entschlossen. Aus Kreisen des US-Central Command in Katar verlautete, das
Militär sei bereit "einen sehr hohen Preis" zu zahlen, um die Stadt einzunehmen. "Wenn das bedeutet, dass es viele
Opfer geben wird, dann wird es viele Opfer geben."
Im Nordirak rückten kurdische Truppen unterdessen weiter in Gebiete vor, die von der irakischen Armee aufgegeben
wurden. Die irakischen Streitkräfte zögen sich weiter in Richtung der "Ölstadt" Kirkuk zurück, sagte der zur
Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) gehörende Kommandeur Abdulrahman Kawrini am Montag vor Journalisten
in Erbil. KDP-Sprecher Hoschyar Sibari erklärte ohne weitere Details zu nennen, die Nordfront werde bald
einsatzbereit sein und im Krieg eine entscheidende Rolle spielen. US-Kampfflugzeuge bombardierten am Montag im
Nordirak erneut mutmaßliche Stellungen irakischer Truppen.
US-Außenminister Colin Powell wird an diesem Dienstag zu Gesprächen in Ankara erwartet, wo er die türkische
Regierung davon überzeugen will, keine Truppen in den Norden des Iraks zu schicken. Im Anschluss will er das
NATO-Hauptquartier in Brüssel besuchen.
Bush stellte in einer Rede am Montag in Philadelphia die Befreiung des irakischen Volkes als wichtiges Kriegsziel
heraus. Vor Angehörigen der Küstenwache sagte er, "die Menschen in Irak haben in dieser Albtraum-Welt mehr als
zwei Jahrzehnte verbracht. Es ist verständlich, dass Angst und Misstrauen tief sitzt". Bush hob Fortschritte der
US-geführten Truppen hervor: "Viele Gefahren stehen noch bevor, aber Tag für Tag rücken wir weiter auf Bagdad vor
und rücken dem Sieg näher." (Quellen: rtr, dpa)
Giftiger Qualm über den Schlachtfeldern
Di.01.04.03 - Giftiger Qualm steht seit Tagen über den brennenden Ölquellen
in Irak und belegt, dass der Golfkrieg auch die Umwelt massiv schädigt. "Die
Chemikalien im Rauch gefährden unmittelbar die menschliche Gesundheit,
insbesondere Kinder und Atemwegs-Kranke", warnte am Montag der Direktor des in
Nairobi ansässigen UN-Umweltprogramms (UNEP), Klaus Töpfer.
Auch Meeresbiologen schlagen Alarm: Im Schatt-el-Arab, der Wasserstraße zum
Persischen Golf, steigt bereits jetzt, knapp 14 Tage nach der Beginn der Invasion,
die Planktonproduktion rapide an. Der Grund ist nach UNEP-Recherchen, dass in
Folge defekter Klärwerke, etwa in Basra, mehr ungefilterte Abwässer ins Meer
gelangen. Auch die vielen Kriegs- und Versorgungsschiffe produzieren Müllmassen,
die das Meer verschmutzen, wie UNEP kritisierte. Nun drohe ein Fischsterben.
Glücklicherweise scheint das katastrophale Ausmaß des ersten Golfkriegs 1991
derzeit noch nicht erreicht zu sein: Jüngsten Zählungen zufolge brennen derzeit im
südirakischen Ölfeld Rumeila zwischen drei und sieben Ölquellen; in ganz Irak gibt
es rund 1.600.
Zum Vergleich: 1991 hatten die irakischen Besatzer in Kuwait mehr als 700 Quellen
angesteckt. Aus geöffneten Bohrlöchern liefen über die Monate mehrere Millionen
Tonnen Öl aus, ein großer Teil davon ins Meer. "Täglich verbrannten damals
zwischen 300.000 und 700.000 Tonnen, das entsprach drei bis acht Prozent des
damaligen weltweiten Ölverbrauchs pro Tag", bilanzierte am Montag der
Greenpeace-Experte Jörg Feddern im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.
Weite Teile des Landes waren
mit Ruß bedeckt, die Behörden registrierten kurz nach Kriegsende eine erhöhte
Rate von Atemwegserkrankungen. Außerdem seien zerstörte Chemiedepots,
Düngemittelfabriken und Pipelines zu gefährlichen Giftschleudern geworden.
Chemischer Niederschlag habe die meisten Wasservorräte verseucht, berichtete
Feddern. "Ein ähnliches Szenario ist auch diesmal nicht ausschließen, vor allem
wenn eine Kriegspartei stark in die Defensive gerät oder die Kämpfe eskalieren."
Nach Ansicht des nahe Fulda ansässigen Experten für "Ökologische Kriegsführung", Knut Krusewitz, haben die
Alliierten im Golfkrieg 1991 "sowohl durch Luftverseuchung als auch durch Wasserverseuchung landesweit Epidemien
und damit zusätzlich Schrecken unter der Zivilbevölkerung verbreitet". So wurden laut Krusewitz gezielt Wasserwerke,
Staubecken und Kläranlagen bombardiert; Cholera und Typhusfälle in Bagdad und Basra seien die Folge gewesen.
Die Zerstörung chemischer Anlagen und von Giftgasfabriken hätte zudem Gifte in der Atmosphäre verteilt, die sich
teilweise erst Monate später zersetzt haben. Angesichts dieser massiven Umweltschäden erschien es aus Sicht des
Professors bereits vor Beginn der aktuellen Invasion fraglich, "ob der ökologische Status quo ante in der Golfregion
jemals wieder hergestellt werden kann", wie es in einem Aufsatz heißt.
Verheerend war 1991 aus Sicht von Krusewitz auch der Einsatz von radioaktiv strahlender uranhaltiger Munition, die
auch diesmal verschossen werden könnte. Offiziellen Angaben zufolge wurden davon 1991 in Irak zwischen 400 und
900 Tonnen eingesetzt; langfristige Schäden sind zu befürchten, aber noch nicht endgültig erforscht.
Juristisch ist die Lage eindeutig: Seit dem massenhaften Einsatz des Entlaubungsmittels "Agent Orange" im
Vietnam-Krieg verbietet eine 1978 verabschiedete UN-Konvention jede militärische Manipulation natürlicher Abläufe,
wie etwa Klima- und Wettereingriffe, das Umleiten von Flüssen oder das Einbringen gefährlicher Stoffe in
Nahrungsketten.
Doch weil auch im laufenden Krieg wieder Umweltschäden zu erwarten sind, bereitet sich das UN-Umweltprogramm
UNEP bereits jetzt auf das Ende der Kämpfe vor. Die Experten der Vereinten Nationen sammeln derzeit Daten, um
nach Kriegsende möglichst schnell "Brennpunkte" lokalisieren zu können, die Menschen und Umwelt besonders
bedrohen. "Schnelle Reparaturen von Umweltschäden können oftmals die natürlich vordringliche humanitäre Hilfe in
entscheidender Weise unterstützen", sagt UNEP-Chef Töpfer. (Quelle: ap)
Kein Strom, kein Wasser: Irakische Bevölkerung leidet
Di.01.04.03 - Die Gefahr einer humanitären Katastrophe in
Irak ist nicht gebannt. Bundesregierung und deutsche
Hilfsorganisationen wiesen am Montag in Berlin darauf
hin, dass die Vorräte der Iraker zu Ende gehen und
Hilfslieferungen kaum ins Land kommen.
Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul
appellierte an die irakische Regierung, das UN-Programm
"Öl für Lebensmittel" nicht wie angekündigt zu
blockieren. Hilfsorganisationen lehnten es ab, sich dem
Militär unterzuordnen.
Wieczorek-Zeul erklärte, man müsse weiter vor einer humanitären Katastrophe
warnen. Die Wasserversorgung sei nicht sichergestellt. Die Nahrungsmittel reichten nur
noch für einen kurzen Zeitraum. "Die humanitäre Hilfe muss unabhängig sein", forderte die
SPD-Politikerin.
Wie andere Hilfsorganisationen auch lehnte es die Deutsche Welthungerhilfe ab, Hilfe nur
mit einer von den Militärbehörden erteilten Genehmigung zu leisten. Hilfe für Hungernde und
Flüchtlinge müsse von den Vereinten Nationen koordiniert werden,
verlangte Generalsekretär Hans-Joachim Preuß.
Nach seinen Worten benötigen Hilfsorganisationen, die von Kuwait aus Hilfe in Irak leisten möchten, eine
Genehmigung und Ausweise des Humanitarian Operation Center, einer in Kuwait ansässigen gemeinsamen
Einrichtung des US-Verteidigungsministeriums und der kuwaitischen Regierung. Die erzwungene Zusammenarbeit mit
militärischen Stellen verletze den Grundsatz, dass Hilfe "strikt neutral sein und auf zivilen Wegen koordiniert und
geleiste" müsse, sagte der Generalsekretär.
Die humanitäre Hilfe in Irak sollte auch nach Ansicht der EU-Kommission ausschließlich von
Nicht-Regierungsorganisation geleistet werden. "Wir hoffen, dass die Rolle des Militärs von Ausmaß und Dauer her so
gering wie möglich sein wird", sagte Behördensprecher Michael Curtis in Brüssel. Wenn humanitäre Hilfe von
Soldaten geleistet werde, bestehe immer die Gefahr, dass nicht alle Bedürftigen davon profitierten.
Stefan Telöken, Sprecher von UNHCR Deutschland, betonte, auch wenn bis heute keine Flüchtlingsströme an den
Grenzen aufgetaucht seien, gebe es keinen Grund für Entwarnung. Viele Iraker würden von der Flucht abgehalten,
hätten sich für die erste Zeit des Krieges mit Vorräten eingedeckt oder befürchteten, auf dem Fluchtweg für Soldaten
gehalten und angegriffen zu werden. Auch müssten bis zur Grenze 500 bis 600 Kilometer durch die Wüste
zurückgelegt werden.
Inzwischen läuft die Koordination der Hilfe für Irak auf Hochtouren. Die Schweiz hat für kommenden Mittwoch Vertreter
von 30 Ländern und 15 internationalen Organisationen zu einem zweiten Treffen über die humanitäre Notlage in Irak
nach Genf eingeladen. Auch die USA haben ihre Teilnahme zugesagt. Ein Thema soll der dringende Spendenaufruf
der Vereinten Nationen für zusätzliche Hilfe im Umfang von 2,2 Milliarden Dollar sein.
Das Rote Kreuz hat in den vergangenen Tagen damit begonnen, Hilfslieferungen direkt nach Irak zu bringen. Mit
Lkw-Konvois seien von Kuwait aus zwei Mal je 45.000 Lebensmittelpakete in den Südirak transportiert und verteilt
worden, erklärte das Deutsche Rote Kreuz. (Quelle: ap)
Vertreter von Hilfsorganisationen diskutierten am Wochenende in Frankfurt am Main
über ihre Macht und Ohnmacht in Konfliktgebieten
Di.01.04.03 - Vertreter von medico international betonten, statt den Krieg
humanisieren zu wollen, sollten Hilfswerke besser zuallererst
um seine Verhütung bemüht sein. "Vorbereitungen auf den
Ernstfall, die ihn bereits als gegeben hinnehmen und nur noch
die öffentliche Bereitstellung der benötigten Finanzmittel
einklagen, laden dazu ein, endlich mit dem Krieg zu beginnen".
Eine Hilfe, die den politischen Kontext ausblende, füge sich in
die Kriegslogik der Militärs ein und werde um so mehr für deren
Zwecke instrumentalisiert, je besser sie funktioniere. (Quelle: jw)
Mehr unter:
Bis dato gibt es keine genauen Berichte über die zivilen Opfer
des Irak-Krieges, das Projekt «Iraq Body Count» will dem "abhelfen", und auf
eine makabere Art Kritik an der Kriegspolitik äußern. In einer Datenbank werden genaue Informationen über
getötete ZivilistInnen gesammelt, ein Zähler auf der Webpage weist dann minimale und maximale Angaben
aus, da hundertprozentig zuverlässige Informationen ja nur schwer bis gar nicht zu bekommen sind.
(Quelle: info.partisan.net)
Iraq Body Count:
«Friendly Fire» löst Besorgnis in Großbritannien aus
Di.01.04.03 - Mehrere Todesfälle wegen irrtümlicher Angriffe durch US-Soldaten
haben in Großbritannien Besorgnis ausgelöst. Fünf solcher Fälle von "Friendly Fire"
aus den eigenen Reihen oder denen der US-Verbündeten haben den britischen
Streitkräften am Golf etwa ebenso viele Verluste zugefügt wie Gefechte mit
irakischen Einheiten - seit Beginn des Kriegs kamen 25 britische Soldaten ums
Leben.
"In den Reibungen des Kriegs kommt es unvermeidlich zu solchen gelegentlichen
Fällen", sagte am Montag der britische Militärsprecher Chris Vernon dem
Rundfunksender BBC. "Das ist traurig, und ich kann die Aufregung daheim
verstehen." Die irrtümlichen Angriffe würden aber keinen Keil in das Bündnis mit den
USA treiben, sagte Vernon.
Nach dem jüngsten Zwischenfall vom Freitag warfen britische Soldaten
dem amerikanischen Piloten eines A-10-Flugzeugs rücksichtloses Verhalten
vor. Bei dem Angriff auf mehrere gepanzerte Fahrzeuge in der Nähe der südirakischen
Stadt Basra wurde ein britischer Soldat getötet.
"Er hatte keinerlei Achtung vor dem menschlichen Leben", sagte der Kommandeur der attackierten Einheit, Steven
Gerrard. Der Hauptgefreite, einer von vier bei dem Angriff verletzten Soldaten, erklärte, er könne nicht verstehen, wieso
die A-10 die britischen Fahrzeuge für ein feindliches Ziel hätte halten können. "Wir können ein Fahrzeug von
Verbündeten auf 1.500 Meter Entfernung erkennen", sagte Gerrard.
Drei britische Soldaten sind aus dem Irak in ihre Heimat
zurückgeschickt worden, nachdem sie sich über die Art der
Kriegsführung beklagt hatten. Wie die Zeitung The Guardian
gestern berichtete, hatten sich die Soldaten darüber beschwert,
dass in den Kriegshandlungen unschuldige Zivilisten getötet
würden. Die drei Soldaten der Luftwaffe, zu denen ein Gefreiter und
ein Techniker gehören, waren im Südirak stationiert und bewachten
dort Ölfelder. Die Soldaten, deren Heimatbasis sich in Colchester
befindet, erwartet nun ein Verfahren vor dem Kriegsgericht. Es sei
davon auszugehen, dass sie sich geweigert haben, bestimmte
Befehle auszuführen, so der Guardian.
(Quellen: ap, afp/epd)
Die US-Kriegsführung im Irak stößt beim britischen Militär auf
wachsenden und zunehmend öffentlichen Unmut
Mehr unter:
Briten behindern Berichterstattung
Di.01.04.03 - Das britische Verteidigungsministerium behindert
nach Zeitungsangaben Kriegsberichterstatter im Irak, die nicht zum
offiziellen Journalistentross im Gefolge der britischen und
US-amerikanischen Truppen gehören. Nach einem Bericht der
Zeitung "The Independent" von gestern werden mit der Verweigerung
von Hilfe viele Journalisten in Lebensgefahr gebracht. So seien etwa
Reporter gezwungen worden, in ihren Autos in unsicheren Straßen
zu schlafen, statt in nahe gelegenen Militärstützpunkten
übernachten zu dürfen. "Mein Job ist es, Ihnen das Leben so
schwer wie möglich zu machen", wurde ein hochrangiger
Militärsprecher zitiert. Nach Ansicht der Zeitung The Independent
wollen die Regierungen in Washington und London eine
Berichterstattung, die nicht ihrer Kontrolle unterliegt, so weit wie
möglich unterbinden. (Quelle: taz/dpa)
Kriegssimulation «Millennium Challenge 02» wird blutiger Ernst
Di.01.04.03 - Vergangene Woche hat der US-Kommandeur der Bodentruppen im
Irak-Krieg, William Wallace, öffentlich eingeräumt, dass die USA ihren Gegner
militärisch unterschätzt haben. Grund dafür seien vor allem die paramilitärischen Kräfte,
die den amerikanischen Truppen mit Guerillataktik entgegentreten.
"Der Gegner, den wir bekämpfen, unterscheidet sich von dem, den wir in
unseren Kriegsspielen hatten", klagte Wallace.
Tatsächlich haben jedoch bereits in den vorangegangenen militärischen Truppenübungen
am Computer (Millennium Challenge 02) Angriffe von Milizen eine entscheidende Rolle
gespielt.
Die damaligen virtuellen Anschläge wurden vom Pentagon jedoch als "nicht
vorschriftsmäßig" deklariert und einfach rückgängig gemacht.
Die dreiwöchige Kriegssimulation, die "Millennium Challenge 02" (MC02)
[http://www.jfcom.mil/about/experiments/mc02.htm], fand von 24.
Juli bis 15. August 2002 statt. 13.500 Soldaten der Army, Navy, Air Force und Marines nahmen an
den 17 Kriegsmanövern am PC und neun "realen" Truppenübungen teil. Das Szenario stellte einen
Krieg in einem fiktiven "Land X" am Persischen
Golf nach.
Im Rahmen des 250 Millionen USD teuren Experiments kämpften zwei
Teams, die "red force" (die Bösen) und die "blue force" (die US-Truppen),
gegeneinander. Die Roten wurden dabei vom inzwischen pensionierten
Drei-Sterne-Marinegeneral Paul van Riper befehligt.
Van Riper gelang es, die sensiblen Abhöranlagen der technisch überlegenen blauen
Truppen mit einfachen Low-Tech-Taktiken wie dem Einsatz von Motorradboten zur
Übermittlung von Befehlen auszutricksen.
Die feindlichen Roten schafften es sogar, einige Schiffe der US-Flotte zu versenken, durch
Selbstmordattentate mit Schnellbooten. An dieser Stelle wurde das Manöver
schließlich abgebrochen.
Im Dezember 2002 haben die USA einen weiteren "virtuellen
Irak-Krieg" absolviert, die groß angelegte "Internal
Look"-Kommunikationsübung. Dabei haben rund 1.000 US-Soldaten
und 400 Briten unter der Leitung von General Tommy Franks,
der auch für den Afghanistan-Feldzug zuständig ist, den Krieg
gegen den Irak auf der Kommando- und Kommunikationsebene
komplett durchgespielt.
Mit der Begründung, die taktischen Züge von Viper wären "unvorschriftsmäßig",
wurden die Angriffe für ungültig erklärt, die blaue Flotte wieder vervollständigt und das
Spiel ohne Verluste fortgeführt.
"Der Ablauf des Krieges war so angelegt, dass die Blauen als Sieger
hervorgehen", schäumte Van Riper. "Ich durfte meine eigenen Ideen und
Taktiken einfach nicht anwenden. Manchmal mussten wir (die Roten)
sogar unseren Standort bekannt geben."
Da ihm die Hände derart gebunden wurden, zog sich der General und
passionierte "Böse" schließlich frustriert aus dem Projekt zurück.
Seine Warnung, die "Millennium Challenge" nicht als Vorlage für im
Krieg funktionierende Taktiken zu nehmen, fand im Pentagon wohl
genauso wenig Zuspruch wie seine Taktiken. (Quelle: futurezone)
Freiwillige wollen US-Invasionstruppen bekämpfen
Di.01.04.03 - In der arabischen Welt wächst offenbar die Wut über das westliche Vorgehen im Irak-Krieg.
Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak warnte am Montag, der Irak-Krieg heize die anti-westliche
Militanz in den islamischen Ländern weiter an. Offiziellen irakischen Angaben vom Sonntag
zufolge sind bereits mehr als 4000 potenzielle "Märtyrer" im Land.
Der bekannte saudiarabische Geistliche Abdul-Asis el Kassem
sagte der Narchitenagentur Reuters, viele seiner Landsleute wollten ihren irakischen
Nachbarn helfen und versuchten die Grenze zu überqueren. Er
wollte auch nicht ausschließen, dass islamische Geistliche die
Gläubigen sogar dazu aufrufen könnten, sollte der Krieg noch schlimmer werden.
Mubarak sagte vor ägyptischen Soldaten in Suez: "Statt eines (Osama) bin Laden
werden wir 100 bin Ladens haben." Ägypten gilt als Verbündeter der USA im Nahen
Osten und erhält dafür von der Regierung in Washington auch großzügige finanzielle
Hilfe.
Ein irakischer Soldat hatte beim ersten Selbstmordattentat des Krieges am Samstag vier
US-Soldaten getötet. Irak hat weitere derartige Anschläge angekündigt und erklärt, auch
ausländische Freiwillige stünden dazu bereit. "Die Mujaheddin (Freiwillige) kommen
ohne Ausnahme aus allen arabischen Ländern", sagte ein Militärsprecher. "Wir sind ein
gläubiges, ein kämpferisches Volk. Der Jihad (Heilige Krieg) ist ein Muss, eine von Gott
gegebene Pflicht."
Die irakische Botschaft in Algerien sprach vorige Woche von
mehr als 100 Freiwilligen - Familienvätern wie jungen Frauen -
die sich zum Kampf gemeldet hätten. Und in Kreisen der
irakischen Botschaft in Libanon hieß es, mehr als 20 Freiwillige seien bereits Richtung Irak abgereist, Hunderte
andere hätten Visa beantragt.
Ein Freiwilliger aus Kairo erklärt seine Motive so: "Dies ist ein Krieg für Öl und Zionismus. Wir wollen den Irakern,
nicht Saddam helfen." Er wisse, dass er sterben könne. Er wolle nicht töten, sei aber notfalls dazu bereit, "um
Menschen zu schützen wie diese Kinder, die keinen Kopf mehr haben", spielte er auf Fernsehbilder aus der
zweitgrößten irakischen Stadt Basra an, die ein Kind gezeigt hatten, dem der Kopf abgerissen worden war.
Kampfbereite Ägypter berichten, ihre Regierung versuche, sie an der direkten Reise nach Irak zu hindern. Sie
müssten den Grund ihrer Reise angeben, das schrecke sie aber nicht. "Die ägyptische Regierung erschwert Reisen
nach Irak, weil sie von Amerika abhängig ist und weil sie nicht will, dass militärisch ausgebildet Leute zurückkommen
und sie bekämpfen", sagt der Ingenieur Mahmoud aus Kairo. Er steht an der Spitze einer Gruppe von 50 Menschen,
die über Syrien nach Irak wollen. "Wir sind Moslems, und es ist unsere Pflicht zu kämpfen, wenn jemand
moslemisches Land besetzen will", pflichtet der Arbeiter Shabaan bei. Millionen Ägypter dächten wie er.
Zwar ist die Baath-Partei des irakischen Präsidenten Saddam Hussein säkular und dem islamischen
Fundamentalismus traditionell feindlich gesonnen. Dennoch hat sie die Moslems im Kampf gegen die USA zu Hilfe
gerufen. Zugleich präsentiert sich das Land als Verfechter der Sache Palästinas. Die durch Selbstmordattentate in
Israel bekannt gewordene Palästinensergruppe "Islamischer Heiliger Krieg" teilte am Samstag mit, sie habe erste
potenzielle Attentäter nach Irak geschickt.
Freiwillige aus arabischen und islamischen Ländern hatten bereits 2001 in Afghanistan gegen die US-Truppen
gekämpft. Während der 1980er Jahre hatten sie sich zudem auf Seiten der Taliban am Kampf gegen die sowjetischen
Truppen in Afghanistan beteiligt. Der Moslem-Extremist Osma bin Laden, der für die USA Drahtzieher der Anschläge
vom 11. September auf New York und Washington ist, hat die Moslems aufgerufen, sich zum Kampf gegen den
Westen zu vereinigen.
El Kassem spielte auch auf die große Wirkung von Fernsehbildern aus den umkämpften Städten Bagdad und Basra
an. "Ich sehe unter jungen Leuten eine große Bereitschaft, Irak zu helfen." Sie seien wütend über Bilder, die Opfer und
Zerstörung zeigten. Irak sei ein islamisches Land, dem seine Landsleute helfen wollten.
(Quelle: rtr)
Der oppositionelle "Irakische Nationalkongress" (INC) scheint
bei der US-Administration mittlerweile sämtlichen Rückhalt verloren zu haben; es wurden
sogar Anschuldigungen laut, es sei den falschen Informationen dieser Seite zu verdanken,
dass sich Teile der Administration den Krieg wie "einen Spaziergang durch einen Park"
vorgestellt habe.
Mehr unter:
General Garner soll Irak nach dem Sturz von Saddam regieren
Di.01.04.03 - Nach dem Golfkrieg 1991 war er
Kommandeur der in den Kurdengebieten des Nordirak stationierten
US-Truppen, jetzt ist der zwischenzeitlich in den Ruhestand
versetzte Dreisternegeneral Jay Garner von Washington als Chef
der "Zivilverwaltung" in ganz Irak nach dem Sturz von Saddam
Hussein vorgesehen. Doch der 64-jährige Garner, Leiter der
Abteilung für Wiederaufbau und humanitäre Hilfe im Pentagon, ist
seit einiger Zeit in die Kritik geraten. Zuletzt warf ihm das britische
Wochenblatt The Observer seine Verfilzung mit der
US-Rüstungsindustrie vor. In der arabischen Welt ist Garner durch
seine Verbindungen zum rechtsgerichteten Jewish Institute for
National Security Affairs zusätzlich umstritten. Als oberster
Zivilgouverneur im Nachkriegsirak soll Garner nach dem Willen der
US-Regierung denn auch nur einige Monate im Amt bleiben. (Quelle: taz/afp)
General Garner soll den zivilen Wiederaufbau des Post-Hussein-Irak leiten.
Der Ex-Kommandeur ist Präsident von "SY Technology", das u.a. die Software für Raketen und
Raketenabwehrsysteme entwickelt, beispielsweise für Patriot- oder Arrow-Systeme. Letztes Jahr kam der
Verdacht durch einen ehemaligen Mitarbeiter der "Missile Defense Agency" auf, dass das Pentagon wegen der
guten Beziehungen zu Garner der Firma ohne Ausschreibung einen 100 Millionen Dollar
Auftrag zugeschanzt habe. (Quelle: tp)
Mehr unter:
US-Außenminister warnt Syrien und Iran
Di.01.04.03 - Die USA haben den irakischen Nachbarländern Iran und Syrien vorgeworfen, die
Regierung in Bagdad sowie "terroristische Gruppen" zu unterstützen. Außenminister Colin
Powell forderte beide Länder zu einem "verantwortungsvolleren Verhalten" auf.
Am Wochenende hatte Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld mit Blick auf Syrien von einem "feindlichen Akt"
gesprochen und der Regierung in Damaskus vorgehalten, für die Lieferung von
Nachtsichtgeräten an den Irak verantwortlich zu sein. Iran hatte er beschuldigt,
oppositionelle irakische Schiiten zu bewaffnen. Syrien und Iran wiesen die Vorwürfe
zurück.
Syrien das im Südwesten eine gemeinsame Grenze mit Israel hat, hatte im Vorfeld
des Krieges als einziges arabisches Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats an der
Seite Russlands und Frankreichs gegen den Einmarsch der von den USA geführten
Truppen in den Irak votiert. In einer Rede vor einer jüdischen Organisation sagte
Powell am Sonntag: "Syrien ... steht nun vor einer entscheidenden Wahl. Syrien
kann mit der direkten Unterstützung terroristischer Gruppen oder des sterbenden
Regimes von (Iraks Präsident) Saddam Hussein fortfahren oder es kann einen
anderen, hoffnungsvolleren Kurs einschlagen." So oder so sei das Land für seine
Entscheidungen und deren Konsequenzen verantwortlich. In ihrem Krieg gegen den
Terrorismus beobachteten die USA Staaten, deren Verhalten nicht akzeptabel sei.
Zudem müsse Iran sein Streben nach Massenvernichtungswaffen und deren
Verbreitung beenden, forderte Powell, der während des Golfkriegs von 1991
US-Generalstabschef war.
US-Präsident George W. Bush hatte neben Irak und Nordkorea auch Iran als Teil
einer "Achse des Bösen" bezeichnet und damit bei der Führung in Teheran
Befürchtungen ausgelöst, die Islamische Republik könnte das nächste Ziel der USA sein. Zudem misstrauen die USA
Syrien als einem entschiedenen Gegner Israels, der bisher anders als Ägypten und Jordanien nicht zu einer
Friedenslösung mit dem jüdischen Staat bereit war. Syrien hat historisch enge Beziehungen zu Frankreich und auch
zu Russland, einem alten Verbündeten, der während des Kalten Krieges Syrien im Konflikt mit Israel mit Waffen
versorgt hatte.
Bereits am Freitag hatte US-Verteidigungsminister Rumsfeld den Blick auf Syrien und Iran gerichtet. Die USA
verfügten über Informationen, denen zufolge Syrien für die Lieferung militärischer Ausrüstung an Irak verantwortlich sei.
Dazu gehörten Nachtsichtgeräte, mit denen die Überlegenheit der USA in Nachtkämpfen ausgeglichen werden könne.
Auf die Frage nach möglichen Militäraktionen gegen Syrien hatte Rumsfeld ausweichend geäußert, das syrische
Verhalten "kompliziert unsere Lage erheblich".
Zugleich hatte Rumsfeld Iran vorgeworfen, "Hunderte" schiitische Kämpfer und Saddam-Gegner nach Irak
eingeschleust zu haben. Sie sollten sich den US-geführten Truppen nicht in den Weg stellen, warnte er. Syrien und
Iran wiesen die Vorwürfe zurück. Damit wollten die USA nur von ihren "Kriegsverbrechen" gegen die irakische
Zivilbevölkerung ablenken, erklärte das Außenministerium in Damaskus. (Quelle: rtr)
US-General widerspricht angeblicher syrischer Lieferung an Irak
Di.01.04.03 - Ein hochrangiger Kommandeur der US-Truppen am Golf hat nach eigenen
Angaben keine Kenntnis über syrische Lieferungen von Nachtsichtgeräten an Irak - ein
Vorwurf, den US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gegen die Regierung in Damaskus
erhoben hatte.
US-Brigadegeneral Vincent Brooks sagte am Montag auf
einer Pressekonferenz des US Central Command in Katar, ihm sei nichts darüber
bekannt, dass bislang solche Geräte entdeckt worden seien. Rumsfeld hatte von
einem "feindlichen Akt" gesprochen, für den Syrien zur Verantwortung gezogen
werden könne. Brooks sagte auf die Frage, was die USA zu der Warnung an Syrien
bewogen haben könnte, dafür seien "Hauptstädte und nicht dieses Kommando"
zuständig. (Quelle: rtr)
«Vorboten der nächsten Kriege: Washington führt ein Sündenregister für Syrien und den Iran»
Drohende Worte fand US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld,
dann auch Außenminister Colin Powell: Syrien und der Iran sollten
aufhören, den Terrorismus zu unterstützen. Zudem dürfe Syrien
keine Waffen mehr an die irakische Regierung schicken und der
Iran keine Milizionäre gegen sie ausbilden. Außerdem müsse
Teheran die Versuche stoppen, sich atomare Waffen zu
verschaffen. Anderenfalls hätten beide Länder die Konsequenzen zu
tragen. Sie stünden vor einer "kritischen Entscheidung".
Eine Menge Vorwürfe. Die Warnungen scheinen zur Unzeit zu
kommen. Welches Interesse kann die US-Regierung daran haben,
gerade jetzt, da der Irakkrieg ins Stocken geraten und die
öffentliche Meinung in der arabischen Welt so US-feindlich ist, auch
noch die latenten Konflikte mit Syrien und dem Iran anzuheizen?
Vielleicht wollte Rumsfeld von der Diskussion über die
US-Kriegsstrategie ablenken. Powell wäre ihm dann zur Seite
gesprungen, um Spekulationen über Zerwürfnisse in der
US-Regierung gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Wahrscheinlicher aber hat die US-Regierung bereits die nächsten
Fronten im Auge. Syrien und der Iran sind neben dem Irak die
beiden Länder, denen die Vordenker des "Projektes für ein neues
amerikanisches Jahrhundert" seit Mitte der 90er-Jahre den Kampf
angesagt haben. ("tageszeitung" vom 01.04.03)
«Wir können irakische Flüchtlinge nicht daran hindern,
in ihre Heimat zurückzukehren.» Mit diesen Worten hat der
iranische Außenminister Kamel Charrasi auf die amerikanische
Warnung an Teheran reagiert, das irakische Regime nicht mit
Kämpfern oder Kriegsmaterial zu unterstützen.
Mit dem Ausdruck
"Flüchtlinge" dürfte Charrasi die Mitglieder der Brigade Badr
gemeint haben, einer militärischen Formation von irakischen
Schiiten, die sich aus Sorge vor Verfolgung im Irak nach Iran
gerettet haben. Die Brigade zählt 10000 bis 15000 Mann und
untersteht dem Hohen Rat für die islamische Revolution im Irak
unter Ayatollah Mohammed Bakr al-Hakim. Der Rat hat seinen
Sitz in Teheran.
Die Truppe wurde gebildet, nachdem sich die Schiiten im Süden
des Irak 1991 unter dem Eindruck der Niederlage Saddams im
zweiten Golfkrieg erhoben hatten. Von den iranischen
Revolutionsgarden ist die Brigade ausgebildet und – nicht sehr
großzügig – bewaffnet worden. Sie stand in der südlichen
iranischen Erdölprovinz Chusistan. Die natürliche Aufgabe der
Brigade wurde darin gesehen, gestützt auf die schiitische
Bevölkerung des irakischen Südens am Sturz von Saddam
Hussein mitzuwirken.
Stattdessen wurden zumindest Teile der Brigade Badr noch vor
Ausbruch des jetzigen Krieges nach Norden verlegt.
Badr-Soldaten tauchten im irakischen Kurdistan auf und hielten in
Suleymania eine Parade ab. In der überwiegend sunnitischen
Bevölkerung dort haben sie keine Basis. Eine politische Rolle
können die bewaffneten Schiiten in dem von kurdischen Milizen
und den Amerikanern kontrollierten Gebiet nicht spielen. Ob sie
in einem eventuellen Kräftemessen zwischen verschiedenen
Kurdenparteien, Amerikanern, Kurden oder Türken als
verlängerter Arm Teherans wirksam werden könnten, ist
ungewiss.
Dass Kämpfer anderer Art oder Waffen für das irakische Militär
über die iranische Grenze sickern, halten diplomatische Quellen
in Teheran für äußerst unwahrscheinlich. Die Iraner bewahren
über ihre Grenze strikte Kontrolle. In Übereinkunft mit
Saddam-feindlichen Kurden entscheidet Teheran, wer oder was
hinübergeht. Dabei entspricht es nicht im geringsten den
Interessen der Iraner, Washington zu provozieren. Da sie weder
ein Überleben des Baath-Regimes noch die Errichtung dauernden
amerikanischen Einflusses im Irak wünschen, sind sie zu einem
schwierigen Balanceakt gezwungen. Nach iranischer Vorstellung
soll im künftigen Irak die schiitische Mehrheit so viel wie möglich
zu sagen haben. Die Iraner fördern deshalb sowohl den Hohen
Rat unter Hakim als auch die fundamentalistische Bewegung
Ad-Daua. Das Maximalziel ist für Teheran, über die iranischen
Schiiten eine Art Vetorecht bei der Gestaltung des
Nachkriegs-Irak zu gewinnen.
Offiziell ist Iran für eine Beendigung der Kämpfe und einen
Rückzug der Amerikaner und Briten. Tatsächlich schließt ein
längerer und für die Alliierten schwieriger Krieg für Teheran den
Vorteil ein, dass er einen Angriff auf Iran unwahrscheinlicher
macht. Das iranische Regime hat nicht ein Haupt und eine
herrschende Partei wie der Irak. Eine Beseitigung des "Mullah-
Regimes" ist anders als die Vertreibung Saddams kein Kriegsziel,
das sich leicht konkretisieren lässt. Ferner rechnet Teheran
darauf, dass die USA für eine Operation gegen Iran noch weniger
internationalen Rückhalt hätten als im gegenwärtigen Krieg. Die
Briten, so glaubt Teheran zu wissen, würden nicht mitmachen.
(Süddeutsche Zeitung vom 01.04.03)
Rau kritisiert Bush scharf
Di.01.04.03 - Bundespräsident Johannes Rau hat US-Präsident George W. Bush
wegen des Irak-Kriegs scharf angegriffen. Wenn Bush von einer göttlichen
Mission spreche, die ihn zu diesem Krieg antreibe, unterliege er einem "grandiosen
Missverständnis", sagte Rau am Montagabend in der n-tv-Sendung
"Maischberger". "Ich glaube nicht, dass ein Volk einen göttlichen Hinweis erhält,
ein anderes Volk zu befreien." Nirgends in der Bibel werde zu Kreuzzügen aufgerufen.
Es gebe zwar Situationen, in denen Krieg unvermeidlich sei, "aber dies war im Irak
nicht der Fall". Mit Blick auf die Entwaffnung des Iraks ergänzte Rau: "Die
UN-Inspekteure hätten diese Aufgabe auch ohne dieses Leid erledigt. Das wäre der
richtige Weg gewesen."
Ihm sei der Strategiewechsel der USA unverständlich, die nun für ihr Handeln statt
der Entwaffnung des Iraks die Absetzung Saddam Husseins als Hauptgrund nennen.
Viel dringlicher als der Irak-Krieg wäre Rau zufolge eine Lösung des
israelisch-palästinensischen Konflikts gewesen. "Aber darum kümmert sich die
amerikanische Administration leider viel zu wenig". Chancen, den Krieg
diplomatisch zu beenden, sehe er kaum. Der Schaden scheine grenzenlos zu
werden, sagte Rau und forderte die Politik auf, das Leid der Menschen im Irak zu
lindern. (Quelle: dpa)
Wer US-Präsident Bush als Kriegsverbrecher bezeichnet,
droht wegen Beleidigung belangt zu werden
Mehr unter:
Wieder gut 45.000 Anti-Kriegs-Demonstranten in Leipzig
Di.01.04.03 - In Leipzig haben am Montag erneut gut 45.000
Menschen für den Frieden demonstriert. Sie forderten ein
sofortiges Ende des Kriegs in Irak. Es war die zwölfte
Friedenskundgebung in der Tradition der Leipziger
Montagsdemonstrationen des Wendeherbstes 1989, an die seit
dem 13. Januar angeknüpft wird.
Der Protestmarsch durch die Innenstadt startete im Anschluss
an das Friedensgebet in der Nikolaikirche. Dort hatte Pfarrer
Christian Führer die Bundesregierung aufgefordert, auch "keine
mittelbare Kriegshilfe" zu leisten. Dazu gehörten auch
Überflugrechte. An US-Präsident George W. Bush wandte er
sich mit dem Appell, nicht länger mit "pseudo-religiösen
Vokabeln" den Krieg zu rechtfertigen.
Bei der Abschlusskundgebung auf dem Augustusplatz sagte die 93-jährige US-Amerikanerin Amelie Boyton
Robinson, sie überbringe den Leipziger Montagsdemonstranten die Grüße der Amerikaner. "90 Prozent der Bürger in
den USA sind gegen den Krieg", sagte die einstige Wegbegleiterin Martin Luther Kings. "Die bösen Geister, die den
Krieg in Irak führen, haben King damals als Unruhestifter und Kommunisten bezeichnet", sagte sie. Dieser habe sich
dennoch stets für seinen Traum der Gleichheit der Menschen in aller Welt eingesetzt. Man habe versucht, diesen
Traum zu zerstören. "Aber wir sind hier, um die Stücke aufzusammeln und den Traum wieder zusammen zu fügen",
unterstrich Robinson.
(Quelle: ap)
Kriegsgegner rufen für 12. April zu Großdemo auf
Di.01.04.03 - Die deutsche Friedensbewegung hat für den 12. April
bundesweit zur Beteiligung am internationalen Aktionstag
gegen den Irak-Krieg aufgerufen. Hierzu werde in Berlin
eine Großdemonstration stattfinden, teilte der
Bundesausschuss Friedensratschlag in Kassel mit.
Überall in Deutschland werde die Friedensbewegung den Tag zudem für dezentrale
Aktionen nutzen. Weltweit hatten auch am vergangenen Wochenende erneut
hunderttausende Menschen gegen den Irak-Krieg demonstriert.
Der Friedensratschlag forderte in einem am Sonntag in Kassel beschlossenen
Appell die Bundesregierung auf, "den Krieg als völkerrechtswidrige Aggression
eindeutig zu verurteilen und sich aktiv für eine Resolution der
UN-Generalversammlung einzusetzen, in der die Angreifer zum Rückzug
aufgefordert werden". Zudem sollten den Militärflugzeugen der USA und
Großbritanniens von Deutschland keine Überflugrechte mehr gewährt werden.
(Quelle: afp)
Aktionen der Friedensbewegung unter:
Hintergrundtexte der Informationsstelle Militarisierung (IMI)
Link-Auswahl zum Thema Irak-Konflikt:
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