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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Do.03.04.03, 12:45 Fünfzehnter Kriegstag in Irak
Geburtsklinik bei US-Angriff auf Bagdad getroffen +++
Irakische Hauptstadt weiter Ziel massiver Luftangriffe +++
US-Truppen nach eigenen Angaben dicht vor Bagdad +++
Erstmals neue Streubombe eingesetzt +++
Amerikanisches Kampfflugzeug und ein Hubschrauber über Irak abgeschossen +++
Do.03.04.03 - US-Flugzeuge haben beim Angriff auf
Bagdad am Mittwoch nach Angaben einer Reuters-Reporterin
und von Krankenhausvertretern eine Geburtsklinik der
Hilfsorganisation Roter Halbmond sowie andere zivile
Einrichtungen getroffen. Mehrere Menschen seien getötet und
mindestens 25 verletzt worden.
Die Angriffe am Morgen überraschten zahlreiche Autofahrer, die
sich während einer Feuerpause auf die Straße gewagt hatten.
Nach den Einschlägen standen mehrere ausgebrannte und
zerbeulte Fahrzeuge auf der Fahrbahn, wie eine Reuters-Reporterin
berichtete. Die Insassen seien verbrannt. Die US-Raketen hätten vermutlich ein
nahe gelegenes Regierungsgebäude verfehlt. Außer der Klinik der Hilfsorganisation
Roter Halbmond sei auch ein Geschäftszentrum verwüstet worden. Außerdem seien
die Gebäude der Apotheker- und der Lehrergewerkschaft getroffen worden.
Brigadegeneral Vincent Brooks sagte vor Journalisten am
Hauptquartier der US-Streitkräfte am Golf in Katar, er kenne die
Angaben der Hilfsorganisation nicht und könne sie deshalb
auch nicht kommentieren.
Die von den USA geführte Invasionsstreitmacht hat am Donnerstag zwei
schwere Rückschläge erlitten: Innerhalb weniger Stunden wurden über Irak ein
amerikanisches Kampfflugzeug und ein Hubschrauber abgeschossen. Dabei wurden
sieben der elf US-Soldaten an Bord des Helikopters vom Typ Black Hawk getötet,
wie das Pentagon am frühen Donnerstagmorgen (MESZ) mitteilte. Es handelte sich
um den ersten Abschuss eines US-Kampfflugzeugs und den zweiten eines
Hubschraubers seit Kriegsbeginn.
Das Flugzeug des Typs F/A-18 Hornet sei um 22.45 Uhr MESZ von einer
irakischen Boden-Luft-Rakete getroffen worden, teilte das US-Oberkommando in Katar
mit. Über das Schicksal des Piloten der zweimotorigen Maschine, die von dem
Flugzeugträger "USS Kitty Hawk" aus gestartet war, war zunächst nichts bekannt.
Der Zangenangriff der von Kerbela am Euphrat und Kut
am Tigris vorrückenden US-Einheiten kam in der Nacht zum Donnerstag nach Militärangaben
bis auf 30 Kilometer an die Außenbezirke Bagdads heran. Die von Kerbela vorstoßende 3.
US-Infanteriedivision und die US-Marine-Infanterie entlang des Tigris stießen dabei,
wie AP-Reporter berichteten, auf wenig Widerstand. In irakischen Schützengräben
lagen zurückgelassene Waffen und Mörser. Eine Brücke bei Numanijah, 40 Kilometer westlich von
Kut, wurde fast widerstandslos erobert. Wenig später kam es dort zu einem riesigen Verkehrsstau:
Mehrere US-Kolonnen mussten auf die Überfahrt warten.
Einheiten der Republikanischen Garde des irakischen Staatschefs Saddam Hussein bewegten sich zugleich von
Bagdad aus Richtung Süden auf die Alliierten zu, wie das Pentagon mitteilte.
Die Alliierten erreichten nach US-Militärangaben die so genannte rote Zone, in der der härteste irakische Widerstand
erwartet wird. Die Sorge vor irakischen Angriffen mit biologischen oder chemischen Waffen nahm sichtbar zu: Viele
US-Soldaten tragen inzwischen fast vollständige Schutzkleidung, Kampfhubschrauberpiloten erhielten den Befehl, ihre
Schutzkleidung jederzeit bereit zu halten. Irak hat bestritten, noch Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Die
vorrückenden US-Truppen haben bisher noch keinen für das Gegenteil gefunden. Lediglich irakische Schutzkleidung
wurde entdeckt.
Bagdad war auch am Donnerstagmorgen weiter Ziel massiver Luftangriffe. Die Stadt wurde von heftigen Explosionen
erschüttert. Laut US-Angaben wurde unter anderem ein Militärlager im Bezirk El Karch getroffen. Der Fernsehempfang
fiel vorübergehend aus.
Die US-Armee hat in Irak nach eigenen Angaben erstmals eine
neue Streubombe eingesetzt. US-Kampfbomber hätten am Mittwoch sechs Munitionsbehälter vom Typ
CBU-105 über dem Landesinneren abgeworfen, teilte das Einsatzführungskommando in Katar
mit. Diese Streuwaffen könnten Wind und "widriges Wetter" ausgleichen und genau ihr Ziel ansteuern.
Menschenrechtsgruppen fordern seit langem ein Verbot von Streubomben, weil die Kleinstwaffen auf einer
großen Fläche niedergehen und oft auch Zivilisten treffen. Nach Angaben der US-Organisation Human Rights
Watch wurden im Golfkrieg 1991 über 4000 Zivilisten durch Streumunition verletzt oder getötet.
Das Pentagon bemühte sich indes, Erwartungen über eine rasche Einnahme Bagdads zu dämpfen. "Wir stellen uns
auf einen sehr schweren Kampf vor Bagdad ein", sagte Sprecher Generalmajor Stanley McChrystal am Mittwoch.
"Wir rechnen nicht damit, plötzlich nach Bagdad vorstoßen und es einnehmen zu können."
(Quellen: rtr, ap, dpa, info.partisan.net)
Nach heftigen Kämpfen im Zentralirak gibt es
offenbar massive Probleme, Verletzte medizinisch zu versorgen
Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK)
erhielten erstmals Zugang zu einem Krankenhaus in der Stadt
Hilla, hundert Kilometer südlich von Bagdad. Die Helfer
berichteten, dass sie dort mindestens 280 Verletzte gesehen
hätten. Das Hospital habe "große Schwierigkeiten" gehabt, die
Menschen medizinisch zu versorgen. Bei der Ankunft in Hilla
sahen die IKRK-Helfer nach eigenen Angaben auch mehrere
Fahrzeuge mit Leichen von Männern, Frauen und Kindern. Das
IKRK geht davon aus, dass diese Menschen Opfer von heftigen
Kämpfen und Bombardements in der nahe gelegen Stadt Hindiya
wurden. "Die Erfahrungen in Hilla waren für unsere Mitarbeiter
äußerst schockierend", sagte IKRK-Sprecher Florian Westphal in
Genf. Der Fall verstärkt die Befürchtungen der Helfer, dass die
Lage in anderen umkämpften Städten wie Kerbela, Nadschaf
oder Nassirijah ähnlich, wenn nicht gar noch schlimmer sein
könnte. "Wir haben zu diesen Städten aber keinen Zugang und
keinerlei Informationen über die dortige Lage", sagte Westphal.
(Quelle: sz)
Friedensaktivistin: USA verlieren Kampf um die Herzen der Iraker
Do.03.04.03 - Im Kampf um die Herzen der Iraker haben die USA aus Sicht einer
australischen Friedensaktivistin vor Ort nur noch wenig Chancen. "Das irakische
Volk ist sehr, sehr zornig", sagte Donna Mulhearn am Mittwoch dem australischen
Radiosender ABC. Sie habe in den vergangenen zehn Tagen in Bagdad einen
"Meinungswechsel" festgestellt. Die Iraker hätten angesichts der heftigen
Bombardements eine Wut und Bitterkeit gegenüber den USA entwickelt, die so
noch vor einer Woche nicht existiert habe. "Irakische Familien, die ziemlich passiv
und ziemlich neutral gegenüber Amerika und ziemlich gleichgültig gegenüber
Saddam Hussein waren, unterstützen nunmehr voll und ganz die irakische
Regierung", sagte die 34-Jährige. (Quelle: afp)
Irakische Truppen beschießen angeblich Dörfer in der Kurdenregion
Do.03.04.03 - Irakische Truppen haben am Mittwoch nach kurdischen Angaben das
Dorf Kares am südlichen Rand der autonomen Kurdenregion im Norden des Landes
beschossen. US-Kampfflugzeuge flogen Angriffe auf das Gebiet um die Stadt Mossul.
Bilder des arabischen Fernsehsenders El Dschasira zeigten eine riesige
schwarze Rauchwolke über Mossul sowie Explosionen in einiger Entfernung.
Der kurdische Kommandeur Mola Bachtijar sagte, der irakische Angriff auf
kurdisches Gebiet habe am Dienstag begonnen. Bei Granaten- und Raketenangriffen auf
den Ort Kifrei seien drei Bewohner getötet worden, ein Dutzend weitere Menschen seien
verletzt worden, darunter auch mehrere Peschmerga-Kämpfer. Drei Viertel der Einwohner von
Kifrei seien geflohen. Das Artilleriefeuer dauerte auch am Mittwoch an, insbesondere auf einen
Bunker im nahe gelegenen Dorf Kares. Es habe sich um den ersten konzentrierten
Beschuss kurdischen Gebiets gehandelt.
Nach Angaben der Patriotischen Partei Kurdistans (PUC) verlegten die irakischen Streitkräfte
mehrere Panzer an die Front bei Kifrei. Südlich des Orts sollen zahlreiche
Soldaten zusammengezogen worden sein. Von Kifrei führen Straßen ins Ölzentrum Kirkuk, in
Saddam Husseins Heimatstadt Tikrit und nach Bagdad. Der Ort mit 27.000 Einwohnern gilt daher
als strategisch wichtig.
(Quelle: ap)
Irak zieht Satelliten-Telefone ein
Do.03.04.03 - Irak hat seine Bürger am Mittwoch aufgefordert, alle
Satelliten-Telefone abzugeben. Solche Telefone seien von Agenten genutzt worden,
um den Invasoren Hinweise für ihre Raketen- und Bombenangriffe zu geben.
Satelliten-Telefone sind in Irak zwar ohnehin verboten, trotzdem besäßen einige
Iraker solche Geräte, sagte ein Regierungssprecher. Diese Leute sollten sie
abgeben, "bevor es zu spät ist". Die Abgabe werde quittiert und jedes Telefon nach
dem Krieg zurückgegeben. Jeden, der sein Satelliten-Telefon nicht abgebe, werde
die volle Härte des Gesetzes treffen.
Vergangene Woche hatten irakische Behörden drei Personen festgenommen, die
angeblich an der Zielführung der Bomber und Marschflugkörper beteiligt gewesen
sein sollen. Eines der bei ihnen gefundenen "Spionageinstrumente" sei ein
Satelliten-Telefon, hieß es. (Quelle: rtr)
Zweites internationales Treffen zur humanitären Lage in Irak
Do.03.04.03 - Beim zweiten internationalen Treffen zur humanitären Lage in Irak hat am
Mittwoch in Genf die Frage des Zugangs zur leidenden irakischen Zivilbevölkerung
im Vordergrund gestanden. Die Diskussion ergab, dass in Irak dringender
Handlungsbedarf besteht, die Hilfsorganisationen aber keinen Zugang haben, wie
Toni Frisch, der Leiter der Abteilung für humanitäre Hilfe in der Direktion für
Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), in Genf vor den Medien sagte.
Hier sei es wichtig, dass zwischen den humanitären Akteuren Synergien gefunden
würden. Allerdings müsse die Frage des Zugangs mit den kriegsführenden Parteien wie
auch mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) abgestimmt sein.
Frisch erinnerte dabei speziell an die Verantwortung der irakischen Regierung.
Wie der Konferenzleiter weiter sagte, sind die Bedingungen für die effektive
Wiederaufnahme des Öl-für-Nahrungsmittel-Programms der UN noch nicht erfüllt.
Er wies ferner darauf hin, dass in den besetzten
Gebieten auch die Streitkräfte der kriegsführenden Parteien humanitäre Aufgaben
erfüllen müssten. Am Folgetreffen des von Außenministerin Micheline Calmy-Rey
einberufenen "Humanitarian Meeting Iraq" nahmen am Mittwoch Vertreter aus 30
Staaten und 20 Organisationen teil. Im Unterschied zum ersten Treffen Mitte Februar
waren diesmal auch die USA vertreten. Nach wie wie vor nicht eingeladen wurde Irak.
(Quelle: ap)
UNICEF fühlt sich für Krise in Irak nicht gerüstet
Do.03.04.03 - Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) fühlt sich für die
Krise im Irak nicht gerüstet und macht die Kriegskoalition für eine drohende
humanitäre Katastrophe verantwortlich. "Dies ist kein Vergleich zu allem, womit wir
bisher zu tun hatten", sagte der UNICEF-Beauftragte für Irak, Carel de Rooy, am
Mittwoch in Madrid. Seinen Angaben zufolge hat UNICEF bisher nur zehn Millionen
Dollar an Hilfsgeldern für Irak erhalten, benötigt würden 166 Millionen allein für die
nächsten sechs Monate.
"Wir sind vollkommen unvorbereitet. Wir hatten weder die nötige Zeit noch
das Geld", sagte de Rooy. "Das einzige, was wir dem irakischen Volk jetzt geben
können, ist symbolische Unterstützung." Zwar habe UNICEF in Kuwait Vorräte an
Wasser und Grundnahrungsmitteln gelagert, die für 300.000 Menschen ausreichten.
Aber solange sich die Kriegsparteien über die Einrichtung von Korridoren für
Hilfsgütertransporte nicht einigen könnten, seien die Vorräte nutzlos.
De Rooys Besuch in Madrid ist Teil einer Reise durch verschiedene Länder, in denen er weitere Hilfsgelder
einzutreiben versucht. Die spanische Regierung, die den US-Angriff auf Irak unterstützt, hat eine Million Dollar
zugesagt. Der UNICEF-Beauftragte verwies auf die besondere Verantwortung der USA und ihrer Verbündeten: "Die
Koalitionsländer tragen eindeutig die Verantwortung für die humanitären Folgen dieses Krieges." Er verwies erneut
darauf, dass die Bevölkerung nach zwölf Jahren UN-Sanktionen und zwei früheren Kriegen bereits geschwächt sei.
Von den 24 Millionen Einwohnern Iraks sind die Hälfte unter 18. Laut UNICEF ist die Kindersterblichkeit in den letzten
zehn Jahren um 160 Prozent gestiegen. Jedes achte Kind werde keine fünf Jahre alt. (Quelle: ap)
UNICEF Deutschland:
An Kontrollpunkt erschossene Flüchtlinge suchten Schutz bei US-Truppen
Do.03.04.03 - Die an einem US-Kontrollpunkt in Irak erschossenen Flüchtlinge haben
sich nach jüngsten Presseberichten den Schutz der amerikanischen Streitkräfte
erhofft. Ein Überlebender sagte am Mittwoch einem Reporter der US-Mediengruppe
Knight Ridder, seine Familie habe einem Flugblatt vertraut, das von einem
amerikanischen Hubschrauber abgeworfen worden sei und das ihnen Sicherheit
versprochen habe. Deshalb hätten sie zu den US-Truppen zu fliehen versucht.
Der Überlebende Bachat Hassan sagte, er habe zwei Töchter von zwei und fünf
Jahren, einen dreijährigen Sohn, seine Eltern, zwei ältere Brüder, deren Frauen
und zwei Nichten im Alter von 12 und 15 Jahren verloren. An einem ersten
Kontrollpunkt der US-Streitkräfte sei ihr Kleinbus noch von Soldaten
durchgewunken worden. Als sie sich dann dem Kontrollpunkt 40 Kilometer
südlich von Kerbela genähert hätten, hätten sie den Soldaten zugewunken. Diese
hätten aber zu schießen begonnen, sagte Hassan. "Ich sah, wie die Köpfe
meiner beiden kleinen Mädchen abgerissen wurden", sagte Hassans Frau Lamea.
Die US-Streitkräfte haben die Zahl der Toten mit sieben angegeben. Journalisten vor Ort berichteten aber von zehn
Toten. Hassans Vater erlag später als Elfter seinen Verletzungen im Krankenhaus.
Neue Erkenntnisse über zivile Tote im Irak.
Mehr unter:
Iraq Body Count:
Ankara erlaubt Nachschub für US-Truppen in Nordirak
Do.03.04.03 - Die USA dürfen ihre Streitkräfte in Nordirak künftig von der
Türkei aus mit Nachschub versorgen. Sein türkischer Kollege Abdullah Gül und
er hätten alle in diesem Zusammenhang noch anliegenden Probleme gelöst, sagte
US-Außenminister Colin Powell nach einem Treffen in Ankara. Die US-Truppen hätten
die Lage in Nordirak "unter Kontrolle", so dass es für die türkische Armee keinen Grund
zum Einmarsch gebe, betonte der US-Chefdiplomat. Die Polizei nahm vor dem Außenamt etwa 50
Demonstranten fest.
Die US-Truppen in Nordirak sollen aus der Türkei "hauptsächlich mit Lebensmitteln
und Treibstoff" versorgt werden, sagte Powell. Sein türkischer Kollege betonte, dass
die US-Luftwaffe in Notfällen weiterhin türkische Stützpunkte nutzen und
Verwundete über die Türkei ausfliegen dürfe. Vor seinem Flug nach Ankara hatte
Powell gesagt, dass es der Regierung in Ankara "nicht schwerfallen" sollte,
Washingtons Forderungen zu erfüllen. Die Türkei hatte wiederholt damit gedroht,
Truppen in den kurdischen Norden Iraks zu entsenden.
Powell, der von dem US-Gesandten für die irakische Opposition, Zalmay
Khalilzad, begleitet wurde, traf auf seiner ersten Europa-Reise seit Beginn
des Irak-Krieges auch mit Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer und Regierungschef Recep
Tayyip Erdogan zusammen. Auch ein Treffen mit Generalstabschef Hilmi Özkök war geplant.
Die Beziehungen zwischen Ankara und Washington sind belastet, seit
sich das türkische Parlament vor einem Monat weigerte, den Aufmarsch von 62.000 US-Soldaten auf türkischem
Territorium zu genehmigen. Dadurch waren die Pläne des Pentagons für eine Nordfront im Irak-Krieg durchkreuzt
worden.
Rund fünfzig Demonstranten, die bis kurz vor Powells Eintreffen vor dem türkischen Außenministerium gegen den
Kriegskurs der USA demonstrierten, wurden von der Polizei festgenommen. Die Kriegsgegner riefen Parolen wie
"Raus aus der Türkei" und "Mörder". (Quelle: afp)
Powell spricht mit EU und NATO über Irak
Do.03.04.03 - Erstmals seit Beginn des Irak-Kriegs trifft sich
US-Außenminister Colin Powell heute (Donnerstag) in Brüssel mit seinen Kollegen
in der Europäischen Union und der NATO. Powell wird zunächst an einer
gemeinsamen Sitzung der Außenminister der Europäischen Union und des
nordatlantischen Verteidigungsbündnisses teilnehmen, anschließend an einer
internen Beratung der NATO- Minister.
Dabei will er mit seinen Verbündeten auch über die Möglichkeit eines
NATO-Friedenseinsatzes im Irak nach Kriegsende sprechen. Vor allem Frankreich
und Deutschland sind jedoch gegen NATO-Planungen, die als Billigung der Militäraktion
verstanden werden könnten. Bei Powells Besuch in Brüssel soll auch über die
durch den Krieg belasteten transatlantischen Beziehungen gesprochen werden.
(Quelle: dpa)
Fischer und Straw für einheitliche Position zu Irak-Wiederaufbau
Do.03.04.03 - Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) und sein britischer Amtskollege
Jack Straw sind optimistisch, dass die EU eine gemeinsame Position für den Wiederaufbau
des Irak findet. Vor Beginn ihrer Gespräche am Mittwochabend in Berlin sagte Straw: Es
gebe noch einige Unterschiede zwischen den Positionen einzelner Mitgliedstaaten, diese
könnten aber überwunden werden. Beide Politiker schlossen eine Friedenskonferenz
für Irak nach dem Vorbild der Afghanistan-Konferenz nicht aus.
Fischer sagte, er hoffe, dass der Krieg sobald wie möglich zu Ende gehe, damit es
nicht noch mehr zivile Opfer gebe. Ziel einer Friedenskonferenz müsse sein, die humanitäre
Situation zu verbessern. Straw sagte, das Ergebnis der Afghanistan-Konferenz
sei die Übernahme der Regierung durch die afghanische Bevölkerung gewesen. Dies
müsse auch Vorbild für die Nachkriegszeit im Irak sein. Fischer und Straw wollen zudem
über den Nahost-Friedensprozess sprechen. Fischer sagte, dass die EU hier ihre
Gemeinsamkeiten voranbringen müsse.
(Quelle: ap)
Moslemische Welt demonstriert gegen Irak-Krieg
Do.03.04.03 - Auf Anti-Kriegs-Kundgebungen in Ländern der
moslemischen Welt sind erneut wütende Rufe nach einem
Glaubenskrieg gegen die USA und Großbritannien laut
geworden. In der pakistanischen Provinzhauptstadt Quetta
forderten unterschiedlichen Schätzungen zufolge 60.000 bis
hunderttausend Menschen die Ausrufung des Dschihad. Die
Demonstranten hielten Plakate mit Porträts von Saddam
Hussein und Osama bin Laden hoch; viele Teilnehmer
erklärten sich bereit, freiwillig in Irak gegen die US-geführte
Allianz zu kämpfen.
In mehreren Städten Jemens forderten tausende Demonstranten die Regierung auf,
offiziell zum Dschihad aufzurufen. In der Hauptstadt Sanaa verlangten mehrere
hundert Kriegsgegner vor der US-Botschaft den Boykott amerikanischer Waren.
In der südlibanesischen Stadt Sidon brachten etwa zehntausend Libanesen und
Palästinenser ihre Wut auf den Krieg gegen Irak zum Ausdruck. Sie verbrannten
britische und amerikanische Flaggen und übten zudem Kritik an den Regierungen
von Ägypten und Jordanien, denen sie Unterstützung der USA vorwarfen. "Nieder
mit Mubarak, nieder mit König Abdullah", war auf Transparenten zu lesen.
In Syrien bekundeten Angestellte von Flughäfen, Häfen und Staatsbetrieben mit
einem zehnminütigen Streik ihre Solidarität mit Irak. Der Chef des
Gewerkschaftsdachverbands, Mohammad Schaaban Asus, rief laut einer Meldung
der Nachrichtenagentur SANA zum Boykott britischer und amerikanischer Produkte
auf.
Die südwestafrikanische Republik Namibia erlebte ihre größte Demonstration seit
mehr als zehn Jahren. In der Hauptstadt Windhuk forderten zweitausend Menschen
einen Abzug der ausländischen Truppen aus Irak. Zu der Kundgebung hatten
Kirchen, Gewerkschaften und die Regierungspartei SWAPO aufgerufen.
(Quelle: afp)
Umfrage: Zustimmung zu Krieg sinkt in Großbritannien
Do.03.04.03 - Die Zustimmung der Briten zum Krieg im Irak sinkt. Nach einer am
Mittwochabend veröffentlichten Umfrage unterstützen erstmals seit Kriegsbeginn
weniger als 50 Prozent der Bevölkerung den Einsatz britischer und
amerikanischer Truppen gegen Saddam Hussein. Außerdem glaubt eine Mehrheit,
dass ihnen die Regierungen in London und Washington nicht die
Wahrheit über das Kriegsgeschehen im Irak berichten. Die
Umfrage wurde im Auftrag der Zeitung "Daily Mirror" durchgeführt.
Ihre Zustimmung für den Krieg gaben nach den Angaben nur 48 Prozent der gut 500
Befragten, 38 Prozent waren dagegen und 14 Prozent waren unsicher. Jedoch
wollten 78 Prozent eine Rückkehr britischer Truppen erst nach Ende des Krieges,
während nur 16 Prozent einen sofortigen Truppenrückzug befürworteten.
Bei der Glaubwürdigkeit schneiden die politischen Führer Großbritanniens und der
USA schlecht ab. Weniger als ein Siebtel der Befragten glauben, dass
US-Präsident George W. Bush die Wahrheit über das sagt, was wirklich im Irak
geschieht. Und 60 Prozent misstrauen den Aussagen Tony Blairs über den Krieg.
(Quelle: dpa)
Einige britische Soldaten erwägen die Befehlsverweigerung in Irak -
aus Abscheu vor dem Kriegsverlauf und aus Protest gegen die wachsende Zahl getöteter Zivilisten,
ist aus Londoner Anwaltskanzleien zu hören. Die Betreffenden würden dem Beispiel zweier Soldaten
folgen, die im März wegen Kriegs-Boykotts nach England zurückgeflogen werden mussten: Ihnen droht
nun ein Militär-Gerichtsverfahren. (Quelle: fr)
Mehr unter
Immer mehr Franzosen sehen Alliierte bei Irak-Krieg im Unrecht
Do.03.04.03 - Im Irak-Krieg sehen immer mehr Franzosen die Alliierten im Unrecht. Nach
einer am Dienstagabend veröffentlichten Umfrage des Instituts BVA für die
Illustrierte "Paris-Match", die Regionalzeitung "La dépêche du Midi" und den
TV-Sender LCI sagten 82 Prozent der Befragten, die USA und ihre Verbündeten
befänden sich wegen des Angriffs im Unrecht. Nur noch sieben Prozent sagten, die
Alliierten befänden sich im Recht, elf Prozent fannden keine Antwort.
(Quelle: afp)
Irak-Krieg schadet Ansehen der USA bei den Deutschen
Do.03.04.03 - Der Irak-Krieg hat dem Ansehen der USA bei den Deutschen erheblich
geschadet. Nach einer am Mittwoch vom Hamburger Magazin "Stern"
veröffentlichten repräsentativen Forsa-Umfrage sind die USA für 89 Prozent der
Deutschen kein Vorbild mehr. Nur neun Prozent der Bundesbürger sehen die USA
noch als Vorbild an, zwei Prozent antworteten mit "weiß nicht".
Die Umfrage wurde laut "Stern" am 27. und 28. März durchgeführt. Die statistische
Fehlerquote wird mit plus/minus drei Prozentpunkten angegeben.
Nach Auffassung von 62 Prozent der Deutschen werden die USA laut Umfrage
geschwächt aus dem Krieg herausgehen. 19 Prozent sind gegenteiliger Ansicht,
ebenfalls 19 Prozent wollten sich nicht festlegen. Auch angesichts der
gegenwärtigen weltpolitischen Lage sprachen sich 58 Prozent der Befragten gegen
eine Erhöhung des Verteidigungsetats aus. 38 Prozent waren dafür, vier Prozent
antworteten mit "weiß nicht". (Quelle: ap)
Um gegen den
Kriegskurs von George W. Bush zu protestieren, rufen unzählige
Initiativen im Internet zum Boykott auf.
Schickt Briefe an
amerikanische Firmen, entscheidet beim Kauf für europäische
Waren, heißt es auf http://www.amerika-boykott.com. Ein Link führt zu
einer Liste mit 100 US-Firmen. Zum "Boykott gegen Kriegstreiber"
ruft auch http://www.klaus-krusche.de auf. Alle fünf Minuten gibt es zu
Protesten unter http://www.globalantiwar.org neue Nachrichten. (Quelle: taz)
Landesmedienanstalten warnen vor Missbrauch des Fernsehens
Do.03.04.03 - Die Landesmedienanstalten haben vor einem Missbrauch des
Fernsehens angesichts des Golfkrieges gewarnt. Alle TV-Veranstalter seien
verpflichtet, die Würde des Menschen zu achten, hieß es in einer am Mittwoch in
Erfurt verbreiteten Erklärung der Direktorenkonferenz der Anstalten. Auf beiden
Seiten dürfe das Zeigen von Einzelpersonen sowie von Gefangenen oder Toten nur
in dem Umfang geschehen, der notwendig sei, um ein zutreffendes Bild des Krieges
zu vermitteln.
Unabhängig davon, dass das Fernsehen eine wichtige Funktion der Informationsvermittlung
habe, bleibe es auch in Kriegszeiten in erster Linie ein Medium zur Unterhaltung
und Entspannung. Das führe dazu, dass die Informationspflicht der Sender
über das Kriegsgeschehen dazu benutzt oder missbraucht werden könne,
das Unterhaltungsbedürfnis des Publikums zu befriedigen. Umso wichtiger
sei es, dass die Sender auf alles verzichteten, was aus Berichten über den Krieg
den Krieg selbst zur Unterhaltung machen könne. Vor allem lange
Programmstrecken stünden in der Gefahr eines solchen Missbrauchs.
Weiter hieß es in der Erklärung, dass in den Programmen zwischen Meinung und Faktenvermittlung unterschieden
werden müsse. Eine Vermischung von beidem erschwere nicht nur dem Zuschauer das Urteil, sie entspreche auch
nicht den rundfunkrechtlichen Vorgaben. Der Zuschauer sei gewohnt, "für wirklich und echt zu halten, was er sieht".
Bei vielen Bilder vom Krieg stelle sich jedoch die Frage, "ob sie wirklich zeigen, was man sieht". Dieses Problem
existiere auch dann, wenn auf die Fragwürdigkeit einzelner Bilder ausdrücklich verwiese werde, hieß es. (Quelle: ap)
«Und täglich grüßt der Wahnsinn»
Auswahl besonders informativer Web-Quellen
Ebenfalls hoch informativ:
Israels Armee nimmt fast 2000 palästinensische Männer fest
Do.03.04.03 - Die israelische Armee hat am Mittwoch bei einem Vorstoß in das Flüchtlingslager von
Tulkarem im Westjordanland bis zu zweitausend Palästinenser vorübergehend auf einem Schulhof
festgehalten. Die Männer im Alter von 15 bis 40 Jahren seien auf ihre Identität überprüft worden, teilten
Augenzeugen und palästinensische Sicherheitskräfte mit. Die Soldaten hätten das Lager außerdem mit
Absperrungen in mehrere Sektoren unterteilt und Häuser durchsucht. Am Morgen war den Angaben zufolge
eine gepanzerte israelische Fahrzeugkolonne unter dem Schutz zweier Armeehubschrauber in das Lager im
nördlichen Westjordanland eingedrungen. Nach Angaben eines Armeesprechers suchten die Soldaten
nach mutmaßlichen Extremisten, die Terroranschläge gegen Irsaelis planten. (Quelle: dpa)
Außenminitser Fischer: Gemeinsame EU-Außenpolitik auch mit kleiner Gruppe
Do.03.04.03 - Außenminister Joschka Fischer (Grüne) will eine gemeinsame Außen- und
Sicherheitspolitik der Europäischen Union (EU) notfalls zunächst auch in einer
nicht alle Mitgliedstaaten umfassenden Gruppe verwirklichen.
Die Europäer müssten mehr Gemeinsamkeiten innerhalb
der EU-Verträge vereinbaren, sagte Fischer in einem vorab
veröffentlichten Interview mit dem "Handelsblatt" vom
Donnerstag. "Wenn das nicht gehen sollte, dann muss wie beim
Schengen-Abkommen eben notfalls eine Gruppe von Ländern vorangehen,
außerhalb der Verträge." Im Schengener Abkommen wurde unter anderem die
Aufhebung der Grenzkontrollen vereinbart. "Es gibt eine alte Grundregel in der EU:
Keiner muss wollen; aber die, die wollen, müssen dürfen", sagte Fischer.
Am Donnerstag will Kanzler Gerhard Schröder (SPD) eine Regierungserklärung zum
Irak-Krieg und zur Europapolitik abgeben. Am Wochenende hatte er erklärt: "Wenn
wir wollen, dass wir stärker gehört werden in den internationalen Organisationen,
aber auch handlungsfähiger werden zur friedlichen Lösung von Krisen, dann müssen
wir Europas Kraft zusammenbringen. Dann müssen wir eine gemeinsame Außen-
und Sicherheitspolitik nicht nur auf dem Papier anstreben, sondern auch in der
politischen Praxis."
(Quelle: rtr)
Großbritannien schränkt Bürgerrechte ein
Do.03.04.03 - Großbritannien hat per Gesetz die Bürgerrechte eingeschränkt.
Briten mit doppelter Staatsbürgerschaft werde künftig die
britische Staatsbürgerschaft aberkannt, wenn sie gegen die
Interessen des Landes handelten, teilte das Innenministerium
mit. Diejenigen, die die britische Staatsbürgerschaft durch
"Betrug" erlangt hätten oder gegen "vitale Interessen"
Großbritanniens verstießen, dürften sie nicht behalten, erklärte
Innenminister David Blunkett.
Mit den am Dienstag wirksam gewordenen Gesetzesänderungen, die eine radikale
Abkehr von der bisherigen Bürgerrechts- und Einwanderungspolitik darstellen, will
London ferner den Einwanderungsbehörden mehr Rechte verschaffen. Auf diese
Weise sollen mehr illegale Arbeiter ausfindig gemacht werden und Asylbewerber
schneller abgeschoben werden. (Quelle: afp)
Die britische Regierung hat durch die Hintertür das bisherige
Duldungsrecht für Flüchtlinge abgeschafft.
Mehr unter:
Deutschland: DGB-Chef Sommer startet Kampagne gegen Sozialabbau
Do.03.04.03 - Mit scharfen Angriffen gegen die Bundesregierung hat der DGB am
Mittwochabend in Hamburg seine bundesweite Kampagne gegen die
Reformvorhaben der Bundesregierung gestartet. DGB-Chef Sommer übte dabei
heftige Kritik an den Plänen von Bundeskanzler Gerhard Schröder. "Wir lassen uns
unsere sozialen Errungenschaften nicht kaputt machen, wir wollen den Kampf
aufnehmen", sagte Sommer auf einer Podiumsveranstaltung vor rund 500
Gewerkschaftern.
Im «Hamburger Abendblatt» (Donnerstag)
nannte Sommer die geplante Neuregelung beim Krankengeld «unsozial und
unmoralisch». «Mit sozialdemokratischer Politik hat das, was Gerhard Schröder im
Moment will, nichts zu tun», so Sommer. Die Gewerkschaften in Deutschland seien
gezwungen, «weiter Druck zu machen». Sommer forderte staatliche
Investitionsprogramme und Investitionsprämien, um neue Arbeitsplätze zu schaffen.
IG-Metall-Chef Klaus Zwickel kritisierte besonders die geplante Absenkung der
Arbeitslosenhilfe auf das Niveau der Sozialhilfe. "Das ist ein klarer Bruch eines
Wahlversprechens", sagte er. "Der Kanzler hat keine Perspektive für eine
solidarische und soziale Zukunft Deutschlands", betonte Zwickel.
Zum Start der Kampagne "Menschlich modernisieren, gerecht gestalten, das
machen wir" warfen mehrere Gewerkschafter ihren Organisationen Anbiederung
bei der Bundesregierung vor. Dem widersprachen Zwickel und Sommer vehement.
"Wir fahren keinen Schmusekurs", betonte der DGB-Chef. Zwickel betonte,
nach dem Scheitern des Bündnisses für Arbeit gebe es "keine Fesseln mehr für die
Gewerkschaften". Sommer räumte allerdings ein, dass der Widerstand gegen die
Pläne der Bundesregierung schwierig werde. "Es wird ein harter Gang für uns,
Veränderungen durchzusetzen".
Der Vorsitzende des Bundestagswirtschaftsausschusses, Rainer Wend (SPD),
warnte die Gewerkschaften vor den Konsequenzen eines Scheitern der
Reformpläne. Die Alternative seien "Neuwahlen oder eine andere Koalition", sagte
Wend dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Ein Treffen im SPD-Gewerkschaftsrat hatte im
Streit um den Reformkurs der Regierung am Dienstagabend keinerlei Annäherung
gebracht. (Quellen: dpa, ap)
«Die Gewerkschaften haben schon verloren, noch bevor sie
das erste Protestplakat schwenken»
Ihre Kundgebungen werden niemanden überzeugen, vielleicht nicht einmal
die eigenen Mitglieder. Die Entscheidung ist gefallen: Die meisten Wähler sind
bereit, bei den Arbeitslosen zu sparen; man findet sich damit ab,
das Krankengeld künftig selbst zu versichern.
Die Devise lautet: "Gürtel enger schnallen." Viele Deutsche
glauben, dass Opfer zu bringen sind, damit es wieder aufwärts
geht. Dabei scheint es eher zu beruhigen als zu bestürzen, dass
die Opfer einseitig ausfallen und die Arbeitgeber entlastet werden.
Es herrscht eine Art Kinderglauben: Wenn wir nur brav genug sind
und uns stark genug einschränken, dann werden wir belohnt, weil
wir es uns verdient haben. Dann werden die Unternehmer viele neue
Jobs schaffen. Die Gewerkschaften können aufgeben - gegen diese
paradoxen Erwartungen sind sie machtlos: Die Wähler wissen
schon, dass es ungerecht zugeht, aber das ist ja gerade das Gute.
In ihren strategischen Zirkeln hoffen die Gewerkschaftsführer
zumindest auf späte Einsicht der Massen. Wenn die
Arbeitslosigkeit in einem Jahr immer noch bei real fünf Millionen
Menschen liegt, dann muss doch einfach jeder merken, dass
Kürzungen bei den Sozialleistungen nichts bringen! Doch dieser
Optimismus dürfte unbegründet sein. Ganz im Gegenteil werden
sich die meisten Bürger denken, dass die Opfer eben noch nicht
hoch genug waren. Schon jetzt ist abzusehen, dass als Nächstes
die Unfallversicherung aus dem Leistungskatalog der
Krankenkassen gestrichen wird. Und wieder würden die
Unternehmer profitieren. Hinzu kommt noch die Steuerreform, die
mit ihren zwei weiteren Stufen vor allem die Spitzenverdiener
entlastet.
Gleichzeitig klagen alle, dass die "Binnennachfrage" in
Deutschland stagniert. Die Wirtschaft wächst kaum, da sich immer
weniger finden, die die hergestellten Waren kaufen. Wenn die
unteren Schichten nun immer neue Opfer bringen müssen,
verschlimmert das die Lage nur. Zu besichtigen ist ein kollektiver
Wahnsinn. ("tageszeitung" vom 03.04.03)
Neue Studie des gewerkschaftlichen Forschungsinstituts WSI
und von Infratest rechnet mit den Legenden der Unternehmerschaft zum Kündigungsschutz ab
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Rio de Janeiro von Umweltkatastrophe bedroht
Do.03.04.03 - Der brasilianische Bundesstaat Rio de Janeiro ist von einer Umweltkatastrophe
bedroht: Mehr als 20 Millionen Liter giftige Substanzen seien nach einem Unfall in
einer Zellulose-Fabrik im weiter nördlich gelegenen Nachbarstaat Minas Gerais am
Samstag in den Fluss Pomba und von dort aus weiter in den Paraiba do Sul
geflossen, teilte die Gouverneurin von Rio, Rosinha Matheus, mit. Das verseuchte
Wasser treibe nun auf mehrere Kommunen im Norden des südöstlichen
Bundesstaates Rio zu. In der Region bis zur Stadt Campos wurde der
Ausnahmezustand ausgerufen.
In Minas Gerais müssen bereits 540.000 Einwohner von sechs Gemeinden auf ihr
Trinkwasser verzichten, das sie bislang aus dem Fluss Pomba bezogen. Die
örtlichen Behörden riefen die Bevölkerung auf, kein Wasser aus den verschmutzten
Flüssen zu schöpfen und auf Fischen zu verzichten. Zahlreiche Fische starben
bereits. Die Behörden von Minas Gerais schlossen das Unternehmen Cataguases
Papel, das die Umweltschäden ausgelöst hatte. Die Firma war bereits 1995 wegen
Umweltverschmutzung verurteilt worden.
(Quelle: afp)
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