|
k0304040
Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Fr.04.04.03, 12:45 Sechzehnter Kriegstag in Irak
Bagdad wieder Ziel massiver Luftangriffe +++
US-Truppen melden Einnahme von Bagdads Flughafen +++
Heftige Straßenkämpfe in Kut +++
Amnesty verurteilt Einsatz von Streubomben durch britisches Militär +++
Fr.04.04.03 - Bagdad ist auch am frühen Freitagmorgen wieder Ziel heftiger
Luftangriffe gewesen. Die irakische Hauptstadt wurde von einer Serie von
Explosionen erschüttert, in der Luft war das Dröhnen von Flugzeugen zu hören.
Nach einem Stromausfall am Vorabend lag erstmals seit Kriegsbeginn vor zwei
Wochen die gesamte Stadt im Dunkel. Die Ursache des Ausfalls war zunächst
unklar; die US-Streitkräfte erklärten, sie hätten die Stromversorgung nicht
angegriffen.
Rund um die irakische Hauptstadt Bagdad bahnt sich die
entscheidende Phase des Kriegs in Irak an. US-geführten
Streitkräfte kontrollierten inzwischen nach eigenen Angaben den
größten Teil des internationalen Flughafens rund 30 Kilometer
südwestlich der Innenstadt. In der Stadt war heftiger Gefechtslärm
aus Richtung des Flughafens zu hören, aber auch am
nordwestlichen Stadtrand. Explosionen ereigneten sich im Zentrum.
Britische und amerikanische Spezialeinheiten hätten den
Ausfall der Energieversorgung am Donnerstagabend genutzt,
um unerkannt in die irakische Hauptstadt zu gelangen,
berichteten mehrere britische Zeitungen. "Dutzende" Einheiten des britischen Special Air Service (SAS) und der
amerikanischen "Delta Force" sollten nun das Ausmaß der Bedrohung durch die Republikanischen Garden in der
Stadt beurteilen. Laut "Daily Telegraph" wurde der Stromausfall am Abend durch "Blackout-Bomben" ausgelöst, die
mit Kohlenstoff-Staub die Stromversorgung kurzschließen. US-Generalstabschef Richard Myers hatte betont, die
alliierten Streitkräfte hätten nicht auf die Kraftwerke Bagdads gezielt. Myers sagte, Bagdad solle möglicherweise
"isoliert" werden, um der Regierung sämtliche Kontrolle über das Land zu nehmen.
Der irakische Vizeregierungschef Tarik Asis warnte in einem Interview mit dem italienischen Staatsfernsehen, Bagdad
sei "sehr gut bewaffnet und sehr gut verteidigt", und wenn sich die Koalition der Stadt nähere, werde "der Krieg mit
uns gigantisch und teuer".
Einen Tag nach Besetzung der irakischen Stadt Kut durch
amerikanische Truppen ist es dort am Donnerstag zu heftigen Straßen- und Häuserkämpfen
gekommen. Soldaten des 3. Regiments der US-Marine-Infanteristen verschanzten
sich auf Hausdächern und lieferten sich Gefechte mit irakischen Kämpfern, wie ein
Reporter der Nachrichtenagentur AP berichtete. Die US-Soldaten wurden aus
Mörsern und mit Schusswaffen angegriffen. Nach US-Militärangaben wurden drei
Marine-Infanteristen verletzt. Am Stadtrand von Kut beschossen US-Soldaten ein
Ausbildungszentrum der irakischen Streitkräfte.
Einwohner der südöstlich von Bagdad am Tigris gelegenen Stadt berichteten, dass
Frauen und Kinder in den vergangenen Tagen aus Kut herausgebracht worden
seien. Die jungen Männer seien von Milizionären zum Kämpfen gezwungen worden.
"Sie wollten uns Maschinengewehre geben", sagte der Einwohner Kassem Fasil.
"Wir sind Zivilisten, wie können wir kämpfen?" fügte er hinzu. Einige Männer, die
sich zu kämpfen geweigert hätten, seien erschossen worden.
In Nordirak gelang es kurdischen Kämpfern mit Unterstützung amerikanischer Kampfflugzeuge einen irakischen Angriff
auf eine Brücke an der Zufahrtsstraße nach Mossul abzuwehren. Bei den Gefechten wurden nach US-Angaben etwa
50 Iraker getötet. Die Kurden hatten die Brücke am späten Dienstagabend erobert. Ein US-Spezialeinheit stürmte
einen Palast Saddam Husseins in der Nähe von Tikrit, der Heimatstadt des Staatschefs. Sie fanden aber keine
Mitglieder der irakischen Führung.
In Zentralirak starb nach US-Angaben ein weiterer amerikanischer Soldat durch "Friendly fire". Der Infanteriesoldat
habe neben einem zerstörten irakischen Panzer gestanden, als er von "verbündeten Kräften" für einen irakischen
Soldaten gehalten und erschossen worden sei, teilte das US-Zentralkommando auf dem Stützpunkt El Sailijah in
Katar mit.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat den
Einsatz von Streubomben durch britische Streitkräfte bei der südirakischen Stadt
Basra scharf verurteilt. Amnesty habe sowohl die amerikanische als auch die
britische Regierung aufgefordert, wegen der Gefahr für Zivilisten auf den Einsatz von
Waffen mit "willkürlicher" Wirkung zu verzichten. Nach britischen Medienberichten
setzen sowohl US-Truppen als auch britische Verbände Streubomben ein.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Britische und US-Streitkräfte geben zu, Streubomben im Irak
eingesetzt zu haben, deren Ächtung
vor allem Menschenrechtsorganisationen wegen ihrer
verheerenden Wirkung seit langem fordern
Fr.04.04.03 - Das britische Militär hat erstmals
zugegeben, Streubomben im Irak einzusetzen. Die britische
Luftwaffe habe die Bomben auf Randgebiete der südirakischen
Stadt Basra abgeworfen, berichtete die BBC unter Berufung auf
einen Militärsprecher. Die Armee setze Streubomben in von
Zivilisten unbewohnten Gebieten ein, in denen sich viele feindliche
Soldaten aufhielten, so der Sprecher. Irakische Regierungsbeamte
hatten bereits mehrfach erklärt, die britischen und US-Streitkräfte
setzten Streubomben ein. Iraks Informationsminister al-Sahhaf
sagte, bei einem Streubombenangriff auf Bagdads Stadtteil al-Durra
seien gestern morgen 14 Menschen getötet worden.
Die Führung der US-Streitkräfte hatte am Mittwoch ebenfalls
zugegeben, dass Streubomben eingesetzt wurden. Die offenbar
verwendete Streubombe vom Typ CBU-105 (Cluster Bomb Units) ist
eine Neuentwicklung mit zehn an Fallschirmen auf das Ziel
niedergehenden Kleinbomben, in denen wiederum je vier von
Hitzesensoren gesteuerte Sprengsätze enthalten sind. Jeder der 40
Sprengkörper kann einen Panzer zerstören. Amnesty international
hat die USA für den Einsatz von Streubomben kritisiert, die die
US-Truppen beim Angriff auf al-Hilla verwendet haben sollen. Unter
den Toten dort sind mindestens elf, die offenbar von Streubomben
getroffen wurden.
Die UN-Kinderhilfswerk Unicef hat davor gewarnt, dass Kinder im
Irak die von den Truppen der Kriegskoalition ausgegebenen
Lebensmittelpakete mit US-Streubomben verwechseln könnten.
Unicef forderte die USA und Großbritannien auf, die Farbe der
Lebensmittelpakete zu ändern. Wegen der gleichen leuchtend
gelben Farbe bestehe für Kinder im Irak ein großes Risiko, durch
Blindgänger verletzt oder getötet zu werden. Bereits während des
Afghanistankriegs gab es mit den aus US-Flugzeugen
abgeworfenen Carepaketen ein ähnliches Problem.
Der Einsatz von Streubomben gilt als äußerst umstritten. Wegen
ihrer verheerenden Wirkung verlangen
Menschenrechtsorganisationen seit langem deren Ächtung. Vor
allem in der Nähe bewohnter Gebiete seien durch die weitflächige
Wirkung der Bomben immer wieder Zivilisten gefährdet, sagte
BBC-Korrespondentin Hilary Andersson im Südirak. Zudem
explodiere ein Teil der Bomben nicht oder nicht ganz, sodass
Zivilisten auch noch später durch Blindgänger gefährdet seien.
Auch Militärexperten kritisieren den Einsatz von CBU.
"Streubomben haben zu Recht einen sehr schlechten Ruf", sagt
Colin King, Autor von "Janes Explosive Ordonance Disposal". Eine
Streubombe katapultiere hunderte einzelner Sprengsätze über eine
Fläche von der Größe eines Fußballfelds.
Die Prinzessin-Diana-Gedenkstiftung hat den Abwurf von
Streubomben über Irak verurteilt. "Es ist empörend, dass die USA
und Großbritannien diese Bomben trotz der wohlbekannten
Probleme abwerfen", sagte Stiftungschef Andrew Purkins gestern.
Er rief die Menschen auf, Druck auf die Regierung zu machen,
diese "blinden" Waffen aus den Arsenalen zu nehmen. (Quelle: taz[epd/dpa/ap])
Wieder Zwischenfall mit Toten an US-Kontrollpunkt
Fr.04.04.03 - US-Marineinfanteristen haben erneut drei irakische Zivilisten an
einem Kontrollpunkt getötet. Unter den Opfern ist auch ein vierjähriges Kind. Nach
CNN-Angaben war ein Auto auf den Checkpoint südlich von Bagdad zugerast, die
Soldaten eröffneten das Feuer. Das schwer verletzte Kind überlebte ein
Notoperation nicht. Auch die Mutter des Jungen sei verletzt worden. Bei ähnlichen
Zwischenfällen in den letzten Tagen erschossen US-Soldaten mindestens acht
Zivilisten.
Bisher 78 Tote in den Reihen der Kriegsallianz
Fr.04.04.03 - Zur Zahl der Toten und anderer Verluste im Golfkrieg gibt es nur
ungefähre und kaum überprüfbare Angaben. Aus den Angaben der Kriegsparteien
haben sich bis Donnerstag folgende Zahlen ergeben. Mit eingeschlossen sind
Unglücksfälle und Tote durch Beschuss aus den eigenen Reihen.
Tote in der irakischen Zivilbevölkerung: etwa 500
Verletzte in der irakischen Zivilbevölkerung: mehr als 4.000
Tote in den irakischen Streitkräften: Keine Schätzung erhältlich
Tote in den US-Streitkräften: 51
Vermisste in den US-Streitkräften: 16
Tote in den britischen Streitkräften: 27
irakische Kriegsgefangene: 8.000
amerikanische Kriegsgefangene: 7
(Quelle: ap)
US-Senat billigt Kriegshaushalt von fast 80 Milliarden Dollar
Fr.04.04.03 - Der US-Senat hat am Donnerstag den von US-Präsident
George W. Bush angeforderten Kriegshaushalt in Höhe von fast 80 Milliarden Dollar
einstimmig gebilligt.
Von dem Geld sollen die Kosten des Krieges, Hilfszahlungen an Verbündete wie die
Türkei, Sicherheitsmaßnahmen in den USA gegen Anschläge sowie Hilfen für
angeschlagene Fluggesellschaften beglichen werden.
Es wird erwartet, dass das Repräsentantenhaus das Gesetz ebenfalls bald
verabschieden wird. (Quelle: rtr)
GENF -
Die Zahl der Hungernden hat nach UN-Angaben weltweit einen neuen Höchststand erreicht.
Rund 840 Millionen Menschen litten an akuter Unterernährung, sagte der UN-Berichterstatter Jean Ziegler
am Donnerstag. Fast zwei Milliarden Menschen seien von verstecktem Hunger betroffen, der durch einseitige
Ernährung verursacht werde. (epd)
Zusagen für Irak-Nothilfe weit unter Erwartungen der UN
Fr.04.04.03 - Für die geplante humanitäre Nothilfe der UN im Irak sind die
finanziellen Zusagen der Mitgliedsstaaten nicht ausreichend. Von den 2,2 Milliarden
Dollar, um die die UN- Hilfsorganisationen in einem dringenden Appell gebeten
hatten, haben Regierungen bisher wenig mehr als die Hälfte in Aussicht gestellt.
Man habe Zahlungsversprechen in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar erhalten, teilte die
stellvertretende UN-Generalsekretärin Louise Frechette mit. (Quelle: dpa)
Jordanischer König verurteilt Irak-Krieg
Fr.04.04.03 - Der jordanische König Abdullah II. hat nach Druck
der Opposition den Krieg gegen das Nachbarland Irak verurteilt.
Zugleich bezeichnete er zivile irakische Kriegsopfer als "Märtyrer".
In Bagdad "hat niemand anderes als das irakische Volk das Recht,
über seine Führung zu bestimmen", sagte er der nationalen
jordanischen Nachrichtenagentur.
"Wir fühlen Schmerz und Trauer, wenn wir im Fernsehen die
zunehmende Zahl von Märtyrer unter den unschuldigen irakischen
Zivilisten sehen", sagte er laut Zeitungsberichten vom Donnerstag.
Mit Blick auf angebliche jordanische Unterstützung für US-Truppen
meinte Abdullah, er werde es nicht zulassen, "dass Jordanien zu einem
Sprungbrett für Angriffe auf den Irak wird". Er bestritt auch, dass alliierte Flugzeuge
jordanischen Luftraum benutzen.
Die Führung in Amman ist seit Kriegsbeginn unter Druck. Trotz offizieller Dementis
beharren Beobachter darauf, dass Jordanien "diskrete Hilfe" für US-Militärs
gewähre. US-Spezialeinheiten seien über Jordanien in den Westen Iraks
eingeschleust worden.
Washington sagte Amman kürzlich über eine Milliarde Dollar Hilfen zu, ein großer
Teil wurde als Militärhilfe deklariert. Jordanien leidet zudem unter schweren
wirtschaftlichen Ausfällen des Krieges. Amman ist ein Haupthandelspartner
Bagdads und erhielt Erdöl zu Vorzugspreisen. Abdullahs Vater, König Hussein,
hatte sich 1991 beim Golfkrieg auf die Seite des Iraks gestellt. (Quelle: dpa)
Frankreich: Premier kritisiert Irak-Krieg als «schweren politischen Fehler»
Fr.04.04.03 - Der französische Premier Jean-Pierre Raffarin hat den Irak-Krieg als
einen schweren Fehler der Amerikaner bezeichnet. Die USA hätten sich dreifach
geirrt: «moralisch, politisch und strategisch», sagte Raffarin im französischen
Fernsehen. Es habe eine Alternative zum Krieg und eine andere Möglichkeit der
Entwaffnung des Iraks gegeben. Es sei «ein schwerer politischer Fehler», diese
Region in Unruhen zu stürzen, sagte Raffarin. Frankreich sei aber keineswegs
solidarisch mit der Diktatur im Irak, betonte der Premierminister. (Quelle: dpa)
Spanische Künstlerinitiative «Kultur gegen den Krieg» verklagt Aznar
wegen dessen Mitverantwortung für den Irak-Krieg. Er habe sich der Kriegsverbrechen schuldig gemacht.
Kriegskurs des spanischen Regierungschefs trifft auf wachsenden Widerstand
Die Vereinigte Linke und die kleine Grüne Partei hatten José María Aznar bereits verklagt -
nun bekommt es der spanische Premier auch noch mit den Künstlern seines Landes zu tun. Das Bündnis
"Kultur gegen den Krieg" reichte am Mittwoch beim Obersten Gerichtshof Klage gegen den Regierungschef
wegen dessen Mitverantwortung für den Irak-Krieg ein. Die Initiative aus Schauspielern, Musikern und Schriftstellern
wirft dem konservativen Politiker vor, Spanien ohne die dafür notwendige Zustimmung des Parlaments in einen
militärischen Konflikt hineingezogen zu haben. Damit mache er sich der Kriegsverbrechen schuldig. Spanien
gehört neben den USA und Großbritannien zu den Hauptbetreibern des Irak-Krieges und hat drei Kriegschiffe
mit 900 Leuten Besatzung Richtung Golf geschickt. Sie sollen sich allerdings nicht an Kampfhandlungen beteiligen.
In keinem europäischen Land stößt der Irakkrieg auf solch deutliche Ablehnung wie in Spanien. Nach verschiedenen
Umfragen sind mehr als 90 Prozent der Spanier gegen diesen Krieg. Die politische Atmosphäre ist aufgeheizt wie seit
Jahren nicht mehr. Während Aznars Volkspartei (PP) nahezu einmütig hinter ihrem Vorsitzenden und dessen Kriegskurs
steht, hat sich bisher noch keine einzige bekannte Stimme erhoben, um den Angriff auf Irak zu verteidigen.
Deutlich sichtbar wurde die Antikriegsstimmung zum ersten Mal während der live übertragenen Verleihung der Goyas,
der spanischen Filmpreise, am 1. Februar, als nahezu alle Präsentatoren und Prämierten ihr "Nein zum Krieg" ins Publikum
riefen. Von diesem Moment an verging kaum ein Tag ohne Demonstrationen in irgendeiner spanischen Stadt. Am 15. Februar,
dem internationalen Tag des Protestes gegen den bevorstehenden Krieg, gingen in Spanien drei bis fünf Millionen Menschen
auf die Straße, rund zehn Prozent der Bevölkerung - so viele wie in keinem anderen Land der Welt. Kaum eine Bar, die nicht ein
Poster mit dem "No a la guerra" im Fenster hängen hat, keine Straße, keine Metrostation ohne Grafitti gegen den Krieg. Tausende
von Balkonen sind mit Transparenten gegen den Krieg behängt.
In der PP, die schon zuvor durch die Umweltkatastrophe nach dem Untergang des Öltankers "Prestige" schwer angeschlagen
war, wächst die Sorge um die Macht. Im Parlament errang sie bei der letzten Wahl noch die absolute Mehrheit, jetzt aber würden
bei Neuwahlen nur noch 36 Prozent der Spanier für sie stimmen, aber 42 Prozent für die oppositionellen Sozialisten, wie jüngste
Umfragen ergaben. Die bevorstehenden Kommunal- und Regionalwahlen am 25. Mai könnten für die PP zum Desaster werden.
(Berliner Zeitung vom 04.04.03)
Spaniens Regierungspräsident José María Aznar
schlägt wild um sich. Die Demonstranten, die vor der
Wahlkampfveranstaltung seiner Volkspartei (PP) gegen den Krieg
demonstrieren, vergleicht er mit den Nazis. Die Forderung der
Opposition, er möge seine Unterstützung für Bush und Blairs
Irakkrieg aufkündigen, nennt er "Radikalismus". Und wenn ihm in
Interviews vorgehalten wird, dass 92 Prozent der Spanier gegen den
Krieg sind, meint er zynisch: "Ich hätte auch so geantwortet."
Um die These vom Radikalismus der Opposition gegen den Krieg
zu unterstreichen, setzt die Regierung Aznar auf die
Kriminalisierung der Friedensbewegung. Seit Kriegsbeginn kommt
es vor allem in Barcelona und Madrid immer wieder zu
Auseinadersetzungen mit der Polizei. Ein Video, das die
sozialistische PSOE dem Innenausschuss des Parlaments
vorlegte, zeigt, dass die Sondereinsatzkommandos die Gewalt
gezielt provozierten. Sie schlugen ohne Grund auf friedlich
herumstehende, jugendliche Demonstranten ein. Die PP-Mehrheit
im Innenausschuss stimmte gegen eine Vorführung der Aufnahmen
im Parlament. Am Abend darauf wurden sie dann in den meisten
Nachrichtensendungen ausgestrahlt. ("tageszeitung" vom 04.04.03)
Mehr unter:
Powell sieht wichtige Rolle für NATO im Nachkriegs-Irak
Fr.04.04.03 - US-Außenminister Colin Powell sieht eine friedenssichernde Rolle
der NATO nach Ende Irak-Krieges. Das sagte er bei einem Treffen mit seinen
NATO- und EU-Kollegen in Brüssel. Kein Bündnispartner habe widersprochen,
sagte Powell. Außenminister Joschka Fischer äußerte sich allerdings skeptisch
gegenüber diesem Plan. Die Bundesregierung will eine wichtige Rolle der Vereinten
Nationen im Nachkriegs-Irak. (Quelle: dpa)
USA wollen über Strohmänner Irak regieren
Mehr unter:
Wenn im Irak der letzte Schuss gefallen ist, beginnt für die Handelsvertreter der Rüstungskonzerne die
Hochsaison. Es geht darum, die Waffen zu verkaufen, die sich auf dem Schlachtfeld bewährt haben. Großabnehmer werden die Staaten der Golfregion bleiben, denen in der Folge des Irak-Kriegs eine instabile Lage
droht. Hiervon werden allen voran die US-Unternehmen profitieren. Die Politik der Amerikaner, die nach dem
Kuweit-Krieg konsequent ihre neuen Verbündeten am Golf mit Militärtechnologie versorgt haben, beginnt sich
auszuzahlen.
Mehr unter:
«Die Verbindung eines
immensen Militärapparates mit einer riesigen Rüstungsindustrie
stellt für Amerika eine neue Erfahrung dar. Ihr geballter Einfluss
– auf die Wirtschaft, die Politik, ja sogar das geistige Leben – ist
in jeder Stadt, in jedem Parlament und in jedem Büro der
US-Regierung zu spüren... Niemals dürfen wir zulassen, dass
diese Verbindung durch ihr Gewicht unsere Freiheit und unsere
demokratischen Prozesse gefährdet.» US-Präsident
Eisenhower in seiner Abschiedsrede an die
amerikanische Nation am 17. Januar 1961
(...) Nach vorsichtiger Schätzung des unparteiischen Center for
Responsive Politics (CRP) flossen seit 1989 72,5 Millionen
US-Dollar an Wahlkampfspenden von Rüstungsunternehmen in
die Kassen von Kandidaten und Parteien. Die tatsächliche
Summe liegt höher, da es sich bei einigen der wichtigsten
Rüstungshersteller wie Boeing und General Electric um weit
verzweigte Riesenkonzerne handelt. (Präsident Bush selbst
bekam fast 200000 Dollar von der Rüstungsindustrie für seinen
Wahlkampf im Jahr 2000.)
Außer Geld erhält die US-Regierung vom Rüstungssektor noch
eine weitere Ressource von großer Tragweite durch den regen
Austausch von Spitzenkräften. Laut dem Arms Trade Resource
Center des World Policy Institute besetzte Bush 32 wichtige
Positionen mit ehemaligen Managern, Beratern und
Großaktionären bedeutender Rüstungsbetriebe. Hinzu kommt,
dass Lynne Cheney, Ehefrau von Vizepräsident Dick Cheney, von
1994 bis Januar 2001 im Vorstand von Lockheed saß und in
dieser Zeit mehr als 500000 Dollar an später auszuzahlenden
Vergütungsansprüchen anhäufte.
Abgesehen vom Irak-Krieg traf die Bush-Regierung drei
Schlüsselentscheidungen, die der Rüstungsindustrie fette Beute
versprechen: die Stationierung eines Raketenabwehrsystems bis
2004, die Entwicklung einer neuen Generation „brauchbarerer"
Atomwaffen und die Befürwortung einer nationalen
Sicherheitsstrategie, die Präventivangriffe bei möglichen
Bedrohungen vorsieht. Die Stationierung und Erhaltung eines
Raketenschutzschildes (dessen tatsächliche Effektivität bisher
noch nicht objektiv geprüft wurde) könnte während der nächsten
zwanzig Jahre allein bis zu 238 Milliarden Dollar verschlingen.
Die amerikanischen Verteidigungsausgaben nähern sich im
laufenden Fiskaljahr 400 Milliarden Dollar gegenüber 329
Milliarden bei Bushs Amtsantritt. Die US-Regierung hat es so eilig,
der Rüstungsindustrie Geld hinterher zu werfen, dass sie für
Waffensysteme aus der Zeit des Kalten Krieges hohe
fortlaufende Ausgaben eingeplant hat. Laut dem World Policy
Institute sieht der Haushalt 2003 17 Milliarden Dollar für so
veraltetes Material wie den Air Force F-22 Raptor
(Haupthersteller Lockheed Martin, Boeing und United
Technologies) sowie den F-18E/F Navy-Fighter (Boeing, GE und
Northrop Grumman) vor. Einem neuen Bericht es US-
Rechnungshofes zufolge hinkt das F-22-Fighter-Programm hinter
dem Zeitplan her, und Versuche der Air Force, die Kosten
einzudämmen, scheitern kläglich.
Und dann ist da dieser Krieg. Als Kongressmitglieder im Oktober
2002 Präsident Bush per Abstimmung weit reichende
Vollmachten zum Einsatz von Gewalt im Irak erteilten, standen
sie unter Einfluss vieler Faktoren. Sie hörten von ihren Wählern,
von Experten, Regierungsbeamten und sie hörten auf ihr eigenes
Gewissen. Zu behaupten, Wahlkampfspenden von
Rüstungsunternehmen hätten ihre Stimmabgabe entscheidend
beeinflusst, wäre zu weit gegriffen. Dennoch muss der enge
Zusammenhang zwischen der Spendenpraxis der US-Industrie
und dem Wahlverhalten der Abgeordneten dringend
durchleuchtet werden.
Mitglieder des Repräsentantenhauses, die für den Gewalteinsatz
stimmten, hatten etwas mehr als doppelt so hohe Zuwendungen
aus dem Rüstungssektor erhalten als diejenigen, welche mit Nein
stimmten. Die 296 Abgeordneten, die mit Ja stimmten, wurden im
Wahlkampf 2003 im Durchschnitt mit je 19000 Dollar unterstützt,
während jene, die mit Nein stimmten, durchschnittlich 9000 Dollar
erhalten hatten. Von den 150 Abgeordneten, die mindestens
10000 Dollar von der Rüstungsindustrie erhalten hatten,
stimmten 123 mit Ja, 25 mit Nein. Im Senat, wo das
Abstimmungsergebnis deutlicher ausfiel (77:23), war der
Zusammenhang beinahe ebenso auffallend. Insgesamt wurden
von der Rüstungsindustrie 2001/02 6,9 Millionen Dollar an
Abgeordnete des Repräsentantenhauses und weitere 2,6
Millionen an Senatsmitglieder gezahlt.
Wir wollen den Abgeordneten nicht unterstellen, sie hätten dem
Präsidenten aufgrund von Wahlkampfspenden die von ihm
gewünschten Kriegsvollmachten erteilt. Niemand lässt sich seine
Stimme in dieser Sache für 10000 Dollar, auch nicht für 60000
Dollar abkaufen. Das Problem hier ist nicht die Korruption des
Einzelnen, sondern das System als Ganzes, an dem etwas faul
ist. Das finanzielle Gewicht der Rüstungsindustrie sowie anderer
Lobbyisten, die zu den großzügigen Spendern zählen, bleibt nicht
ohne Einfluss auf die Zusammensetzung der beiden Kammern im
Kongress. Volksvertreter, die ähnliche Positionen wie die
Industrie vertreten, sind im Vorteil gegenüber Kandidaten mit
abweichenden Überzeugungen hinsichtlich der Rolle Amerikas in
der Welt. Letztere müssen sich in einem wesentlich
begrenzteren Universum spendierfreudiger Geldgeber auf
Spendenjagd begeben, um genügend Zuschüsse für einen Erfolg
versprechenden Wahlkampf aufzutreiben.
Schließlich werden Boeing oder Lockheed kaum jemanden
unterstützen, der das Verteidigungsbudget kürzen möchte. Zu
bedenken ist, dass von den 435 Abgeordneten des
Repräsentantenhauses alle bis auf 73 in den Genuss finanzieller
Zuwendungen aus der Rüstungsindustrie kamen. Im Senat
waren es 95 von 100. Millionen Amerikaner – laut Umfragen war
es fast die Hälfte der Bevölkerung – standen während der
Kriegsdebatten dem Aufruf der US- Administration zur
militärischen Konfrontation mit dem Irak skeptisch gegenüber.
Allein des fehlenden Geldes wegen sind sie in Washington
unterrepräsentiert und fanden mit ihren Sorgen im Kongress
nicht das entsprechende Gehör. In einer Dollar-Demokratie sind
Menschen mit Geld eben leider gleicher als andere.
Aus: Micah L.Sifry - "Geld, Politik und Krieg", Süddeutsche Zeitung vom 03.04.03
Micah L.Sifry ist Mitherausgeber von „The Iraq War Reader:
History, Documents, Opinions".
Verfassungsrechtler fordert Stopp von Rüstungsexport in die USA
Fr.04.04.03 - Ein Hannoveraner Verfassungsrechtler hat den Stopp deutscher
Rüstungsexporte in die USA gefordert, weil die Gefahr bestehe, dass das
Kriegsmaterial gegen Irak eingesetzt werde. Das berichtete das ARD-Magazin
"Monitor" in einem am Donnerstagabend zur Ausstrahlung vorgesehenen Beitrag.
Demnach vertritt der Rechtsprofessor Volker Epping die Ansicht, die
Bundesregierung dürfe zurzeit keine Rüstungsexporte in die USA genehmigen, denn
die USA führten einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg.
Einen Handlungs- oder Interpretationsspielraum für die Bundesregierung sehe
Epping nicht. "Das Kriegswaffenkontrollgesetz ist da sehr eindeutig. Es
sieht sogar so aus, dass erteilte Genehmigungen zu widerrufen wären." Das
zuständige Bundeswirtschaftsministerium habe "Monitor" allerdings
jede Stellungnahme verweigert. Der verteidigungspolitische Sprecher der
SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, lehnte einen Rüstungsexportstopp ab: Die
Vereinigten Staaten seien ein befreundetes Land. "Wenn Freundschaft bestehen bleiben soll,
dann darf man ihnen nicht auch noch Steine in den Weg rollen."
Für die deutsche Rüstungsindustrie seien die USA in den zurückliegenden Jahren der wichtigste Handelspartner
geworden, berichtete "Monitor". Jährlich genehmige die Bundesregierung Rüstungsausfuhren im Wert von mehr als
500 Millionen Euro in die USA. Vor allem im Bereich der Hoch- und Präzisionstechnologie spiele Deutschland für die
US-Armee eine wichtige Rolle.
(Quelle: ap)
Transatlantischer Streit um UN-Rolle in Irak
Fr.04.04.03 - In den transatlantischen Beziehungen bahnt sich ein neuer Streit über die Rolle
der Vereinten Nationen nach Ende des Irak-Kriegs an. US-Außenminister Colin
Powell sagte nach einem Treffen mit seinen NATO- und EU-Kollegen am Donnerstag in
Brüssel, nach dem Krieg müssten zunächst die Alliierten für Stabilität sorgen. Die
europäischen Außenminister forderten dagegen einhellig eine "zentralen Rolle" der UN.
Auch Großbritannien schloss sich dem an.
Powell stellte klar, dass unmittelbar nach dem Krieg die Generäle der USA und
Großbritanniens zunächst dafür verantwortlich seien, die Region zu stabilisieren. Die
Schritte danach müssten geprüft werden. Klar sei auch, dass die Vereinten Nationen eine Rolle spielen
müssten. "Welche Rolle dies sein wird, das bleibt abzuwarten", sagte Powell.
Die Außenminister Deutschlands und Frankreichs, Joschka Fischer und Dominique de Villepin,
indes sagten, die UN hätten als einzige die Legitimation und die Erfahrung, eine Krise
wie jetzt in Irak zu bewältigen. Darin habe es "große Übereinstimmung bei den
Europäern" gegeben, sagte Fischer. Mit den USA müsse diese Diskussion
allerdings weitergeführt werden.
Der amtierende EU-Ratsvorsitzende und griechische Außenminister Georgios
Papandreou sagte: "Die EU will eine starke Rolle der Vereinten Nationen in allen
Phasen der irakischen Krise sehen." Der britische Außenminister Jack Straw
erklärte, es sei wichtig, "dass das Land so schnell wie möglich wieder an das
irakische Volk übergeben wird". Die UN müssten dabei eine zentrale Rolle spielen. Straw sagte aber auch, eine
militärische Präsenz für den Übergang könnte notwendig werden und verwies in diesem Zusammenhang auf
Afghanistan. "Wir müssen unsere Erfahrungen ausschöpfen."
Nach ihrem monatelangen Streit vor Ausbruch des Golfkriegs begannen die NATO-Staaten aber damit, über eine
Aufgabe der Allianz im Nachkriegs-Irak zu beraten. Generalsekretär George Robertson machte zwar deutlich, dass
konkrete Überlegungen dazu verfrüht seien. Es habe von den Ministern aber "keinen Widerspruch" gegen solche
Überlegungen gegeben.
Auch nach den Worten Powells sehen alle NATO-Staaten es als Möglichkeit an, dass die Allianz in den
Wiederaufbau Iraks eingebunden wird. Fischer und Villepin nannten solche Überlegungen allerdings verfrüht und
spekulativ. Ein Sprecher Fischers betonte, dass der Minister in der Runde seine Skepsis zu Überlegungen zum
Ausdruck gebracht habe, wonach die NATO eine Friedenstruppe in Irak stationieren solle. Dies sehen Überlegungen
der USA vor, wie die spanische Außenministerin Ana Palacio sagte.
Am Mittag waren die NATO-Außenminister zunächst mit ihren EU-Kollegen zusammengekommen, die der Allianz
nicht angehören. Am Nachmittag trafen sich die Minister des Bündnisses unter sich. Fischer wie auch eine Vielzahl
seiner europäischen Kollegen begrüßten das Treffen mit Powell, das auf dessen Initiative hin zu Stande gekommen
war. Wichtig sei, dass die Gespräche mit den Partnern intensiviert würden, sagte Fischer. "Wir müssen die
Diplomatie wieder nach vorne bringen."
Robertson sagte, es zeichne sich ab, dass die transatlantischen Spannungen abgebaut würden. "Es gab
Unterschiede in der Vergangenheit, ich sehe aber einen wachsenden Konsens für die Zukunft." (Quelle: ap)
Deutschland: Kanzler legt Plan für Nachkriegsordnung vor
Fr.04.04.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat in einem Vier-Punkte-Plan
Grundzüge für eine Nachkriegsordnung im Irak vorgelegt. Die Vereinten Nationen (UN)
sollen dabei die Hauptrolle spielen. In einer Regierungserklärung vor dem
Bundestag warnte der Kanzler am Donnerstag aber davor, schon nach zwei Kriegswochen
über Einzelheiten eines möglichen Wiederaufbaus des Irak zu spekulieren.
Wichtigste Konsequenz für Schröder aus der Irak-Krise ist schon jetzt: Europa brauche eine
Sicherheits- und Verteidigungsunion. Ihr sollen nach Schröders Vorstellungen
nicht nur Länder angehören, die gegen den Irak-Krieg sind, sondern auf jeden Fall
auch Großbritannien.
In der knapp dreistündigen und ohne persönliche Schärfen geführten Debatte waren
sich Regierung und Opposition grundsätzlich einig, dass der Wiederaufbau des
Landes nur unter dem Dach der UN in die Wege geleitet werden könne. CDU-Chefin
Angela Merkel warf der Regierung unter dem Protest der rot-grünen
Regierungsparteien erneut vor, wegen ihres Taktierens eine Mitschuld am Irak-Krieg
zu tragen.
Schröders Vier-Punkte-Plan sieht unter anderem den Erhalt der territorialen
Integrität des Iraks und die Wiederherstellung der politischen Souveränität vor.
Die Ölvorkommen müssten unter der Kontrolle des Volkes bleiben und im Nahen
Osten müsse ein politischer Stabilisierungsprozess in Gang kommen.
Zurückhaltend zu Aufbauplänen äußerte sich Außenminister Joschka
Fischer (Grüne) in Brüssel vor einem Treffen mit seinen Kollegen aus der EU und
der NATO, darunter auch US-Außenminister Colin Powell. "Darüber kann ich nur
sehr abstrakt spekulieren, solange die Kämpfe anhalten." Ähnlich hatte sich
Schröder im Parlament geäußert.
Als ersten Schritt einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungsunion kann
sich Schröder gemeinsame europäische Blauhelm-Einsätze bei UN-Missionen
vorstellen. In der Debatte nach seiner ersten Regierungserklärung seit Kriegsbeginn wandten sich Redner der
Opposition allerdings gegen dieses Vorhaben. Der Kanzler sprach sich auch für ein Entsendegesetz zum
Auslandseinsatz deutscher Soldaten aus, um die Genehmigung für solche Einsätze der Bundeswehr zu
beschleunigen. Diese Diskussionen sollten allerdings erst nach dem Krieg geführt werden.
In seiner 40-minütigen Regierungserklärung war der Kanzler auch bemüht, versöhnliche Signale in Richtung
Washington auszusenden. Erstmals in dieser Deutlichkeit formulierte er die Hoffnung auf einen baldigen Sturz des
Diktators in Bagdad.
Nach Merkels Ansicht wird ohne eine gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik die europäische Einigung
scheitern. Der "entscheidende Dissens» mit Rot-Grün sei derzeit jedoch, dass die Union an der Seite derjenigen
stehe, die im Irak für die Demokratie kämpften. Die Regierung habe mit ihrer Haltung den Krieg dagegen
«wahrscheinlicher" gemacht und trage deshalb eine Mitschuld.
Entwicklungsministerin Heidi Wieczorek-Zeul (SPD) wies diesen Vorwurf als "Diffamierung" zurück. Die
Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Roth (Grüne), sprach von einer "Schamlosigkeit".
FDP-Chef Guido Westerwelle warnte davor, die transatlantischen Beziehungen für eine Achse mit Paris und Moskau
preiszugeben.
Fischer hatte im "Handelsblatt" dafür plädiert, eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU notfalls auch
mit einer kleineren Gruppe von Staaten zu beginnen. Dieser "Mini-Gipfel", an dem neben Deutschland und Frankreich
auch Belgien und Luxemburg teilnehmen wollen, soll am 29. April stattfinden. CSU- Landesgruppenchef Michael Glos
meinte, ein solches Treffen löse nur Misstrauen bei den anderen Ländern aus.
(Quelle: dpa)
Literaturkritiker Karasek für Golfkrieg
Fr.04.04.03 - Als einer der ersten deutschen Intellektuellen hat
sich der Literaturkritiker Hellmuth Karasek eindeutig für den
Golfkrieg ausgesprochen. "In einem Krieg zwischen Saddam
Hussein und den Amerikanern kann ich nur auf der Seite der
Demokratie sein", sagte er dem "Hamburger Abendblatt"
(Donnerstagausgabe). Saddam Hussein habe den Krieg
"provoziert". Bundeskanzler Gerhard Schröder sei mit seinem
Friedenskurs "der UN in den Rücken gefallen".
Der Krieg "muss jetzt für die Amerikaner erfolgreich beendet
werden", erklärte der 69-Jährige, der Herausgeber des
"Tagesspiegels" in Berlin ist und Jahrzehnte beim "Spiegel"
die Kulturberichterstattung geprägt hatte. Der jetzige
Krieg "verhindert vorbeugend schlimmere Kriege", erklärte er.
Schon im ersten Golfkrieg 1991 sei es ein Fehler gewesen, "nicht
bis zur Beseitigung des Regimes" gegangen zu sein.
Karasek begründete seine Ansicht unter anderem mit seiner
Einstellung zu den USA: "Die Amerikaner waren für mich
diejenigen, die das Deutschland aufgebaut haben, in dem ich
gerne lebe. Das allein würde mich schon veranlassen,
jetzt an der Seite der USA zu stehen."
(Quelle:ap)
UNO-Vertreter: Nordkorea-Krise könnte zum Krieg eskalieren
Fr.04.04.03 - Der Atomstreit zwischen Nordkorea und den USA könnte nach
den Worten eines UNO-Vertreters zu einem Krieg eskalieren.
"Es gibt ein reales Potenzial dafür, dass er (der Streit) in einen Konflikt eskaliert",
sagte der UNO-Gesandte für Nordkorea, Maurice Strong, am Donnerstag vor der
Presse in London. "Ich denke, ein Krieg ist unnötig, in seinen Konsequenzen
unvorstellbar, aber dennoch absolut möglich", fügte er hinzu.
Der UNO-Sicherheitsrat soll in der kommenden Woche über den Atomstreit mit
Nordkorea beraten. Das Treffen des Rates am 9. April findet drei Monate nach der
Aufkündigung des Atomwaffensperrvertrages durch Nordkorea statt und mehr als
einen Monat, nachdem die Internationale Atomenergiebehörde IAEA den Fall an den Rat
verwiesen hatte.
Die USA wollen von den 15 Mitgliedern des Rates eine Verurteilung Nordkoreas, weil
es seine völkerrechtlichen Verpflichtungen verletzt habe. China hatte sich bislang
gegen eine Debatte darüber im Sicherheitsrat gesperrt und einen Dialog zwischen Nordkorea und den USA zur
Beilegung des Streits favorisiert.
Die USA werfen Nordkorea vor, ein geheimes Atomwaffenprogramm zu betreiben und damit ein Abrüstungsabkommen
von 1994 zu verletzen. Nordkorea hat erklärt, Atomenergie nur friedlich nutzen zu wollen. Seit Dezember hat
Nordkorea sich aus dem Atomwaffen-Sperrvertrag zurückgezogen und Inspektoren der IAEA des Landes verwiesen.
(Quelle: rtr)
Deutschland: 4,6 Millionen Arbeitslose im März
Fr.04.04.03 - Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt bleibt auch nach Ende des Winters frostig.
Die übliche Frühjahrsbelebung ist im März nur schwach ausgefallen. Nach Angaben der Bundesanstalt
für Arbeit (BA) sank die Zahl der Arbeitslosen im vergangenen Monat witterungsbedingt nur um
98 300 auf 4 607 900. Dies ist der geringste Rückgang der März-Arbeitslosigkeit seit fünf Jahren.
Der Abstand zum Vorjahresmonat erhöhte sich gleichzeitig auf
451 900. Zum letzten Mal hatten die Arbeitsämter einen solch
starken jahresbezogenen Anstieg kurz nach der Wiedervereinigung registriert. Die
Arbeitslosenquote ging im März von 11,3 auf 11,1 Prozent zurück. Vor einem Jahr
hatte sie noch bei 10,0 Prozent gelegen.
Der Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt, Florian Gerster, sprach angesichts
der Zunahme der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl um 52 000 auf 4,414 Millionen
von einer anhaltenden Verschlechterung der Lage. "Wirtschaftlicher Stillstand und
weltpolitische Unsicherheit sind keine Basis für eine Erholung des Arbeitsmarktes",
unterstrich der BA-Chef.
Für das laufende Jahr rechnet Gerster selbst bei einem Anspringen des Konjunkturmotors in der zweiten Jahreshälfte
nicht mehr mit einer durchgreifenden Belebung des Arbeitsmarktes. Damit sei wohl auch die BA-Prognose von 4,1
Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt 2003 nicht zu halten, meinte der BA-Chef.
Die hohe Arbeitslosigkeit stellt inzwischen auch ein steigendes Risiko für den Bundesanstalts-Haushalt dar. Damit
gerate auch das Ziel der Behörde in Gefahr, in diesem Jahr ohne Bundeszuschuss auszukommen. "Die
Wahrscheinlichkeit, dass die Bundesanstalt einen Bundeszuschuss braucht, wächst zweifelsfrei", sagte Gerster. Ob
man die Bundesgelder am Ende wirklich benötige und wenn ja, in welchem Umfang, könne man aber erst im Sommer
sagen. "Alle jetzigen Voraussagen wären unseriös", unterstrich der Behörden-Chef.
Immer deutlicher zeichnet sich die Neuorientierung der Bundesanstalt bei der Aktiven Arbeitsmarktpolitik ab. So hat
die "direkte Förderung beruflicher Maßnahmen", wie Trainingsmaßnahmen, Mobilitätshilfen und
Eingliederungszuschüsse, zu Lasten traditioneller Maßnahmen um 23,4 Prozent im Vergleich zum Februar
zugenommen. Dagegen ging die Zahl der ABM-Maßnahmen um fast 20 Prozent, der beruflichen Weiterbildung um
knapp 18 Prozent und der Strukturanpassungsmaßnahmen um 17,3 Prozent zurück.
Die Arbeitslosigkeit im Osten verharrte im März auf hohem Niveau. Nach Bundesanstalts-Angaben waren 1 728 300
Männer und Frauen ohne Arbeit. Das waren 27 500 weniger als im Februar, aber 99 400 mehr als vor einem Jahr. Im
Westen sank die Zahl der Arbeitslosen den Angaben zufolge um 70 800 auf 2 879 900 Menschen.
Auch dieser Rückgang war deutlich schwächer als der März-Rückgang der Vorjahre. Im Jahresvergleich lag die Zahl
der Erwerbslosen im Westen um 352 500 über dem Niveau des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote im Westen lag bei
8,8 Prozent, im Osten bei 19,6, Prozent. (Quelle: dpa)
Regierung plant Änderungen auch bei Sozialhilfe
Fr.04.04.03 - Nach den Einschnitten bei der Arbeitslosenhilfe plant die Bundesregierung
auch Änderungen bei der Sozialhilfe. Dazu könne im Herbst ein Vorschlag vorgelegt
werden, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums. Die Sozialhilfesätze
sollten geprüft werden, ebenso die Möglichkeit der Pauschalierung von Leistungen.
Die Sprecherin betonte: "Es ist keine Kürzung beabsichtigt." Die "Süddeutsche Zeitung"
berichtete, es sei ein Einfrieren der Sozialhilfesätze oder ein langsamerer Anstieg im
Gespräch. Die Grünen warnten vor einem Einfrieren der Sozialhilfe.
Ministerin Ulla Schmidt (SPD) setze damit ein "falsches Signal".
Gesundheits-Staatssekretär Franz Thönnes verwies darauf, dass vor
allem Verwaltungsvereinfachungen wie die Pauschalierung von
Leistungen angestrebt würden. Auch solle nach Wegen gesucht
werden, möglichst viele Kinder aus der Sozialhilfe zu bekommen.
Die "Süddeutsche" hatte berichtet, im Umfeld von Wirtschaftsminister
Wolfgang Clement (SPD) heiße es, die Sozialhilfesätze sollten
"entweder eingefroren oder zumindest langsamer erhöht
werden". Regionale Unterschiede könnten dabei berücksichtigt
werden. Bisher ist geplant, die Arbeitslosenhilfe auf das Niveau
der Sozialhilfe für Erwerbsfähige abzusenken. In Deutschland
gibt es etwa 1,4 Millionen Menschen, die nicht arbeiten können
und daher weiter unter die klassische Sozialhilfe fallen würden.
Für sie würden die bei der Sozialhilfe geplanten Änderungen
gelten.
Die Grünen-Sozialpolitikerin Thea Dückert verwies darauf, dass
der Anstieg des Regelsatzes der Sozialhilfe seit Jahren
unzureichend sei. Ziel der Sozialhilfe müsse sein, das
soziokulturelle Existenzminimum der Betroffenen zu sichern,
erklärte Dückert. Gerade in strukturschwachen Regionen gehe
es darum, Verelendung zu zu verhindern.
Gesundheitsministerin Schmidt wies im ZDF-Morgenmagazin
den Vorwurf zurück, sie wolle allein die Arbeitnehmer sowie Kranke
und Arme die Sozialreformen finanzieren lassen. Viele Unternehmer
trügen bereits heute mindestens 42 Tage lang ganz alleine das Krankengeld
über die Lohnfortzahlung, andere Tarifverträge gingen noch weiter", sagte
Schmidt. Um den Faktor Arbeit zu entlasten, könne das Krankengeld aus der
paritätischen Finanzierung herausgenommen werden.
(Quelle: afp)
|
|
|
| home | home(no frame) |
B.O.A.-Künstlerkooperative
Gabelsbergerstr.17, D-80333 München, Telefon/Fax
: 089- 280621,
boa-kuenstlerkooperative@t-online.de