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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ So.06.04.03, 11:30 Achtzehnter Kriegstag in Irak
US-Flugzeuge jetzt pausenlos über Bagdad +++
Lage in in der Hauptstadt nach Panzervorstoß weiter unklar +++
Zahl der Verletzten in Bagdader Kliniken deutlich gestiegen +++
US-Truppen vor Bagdad haben laut CNN Nachschubprobleme +++
Heftige Straßenkämpfe in Kerbala +++
Bush warnt Iraks Führung
So.06.04.03 - Der 18. Kriegstag im Irak hat mit heftigen Detonationen im
Stadtzentrum von Bagdad begonnen. Außerdem war aus der Nähe des Flughafens
Artillerie-Feuer zu hören. Schon gestern hatte sich die Situation in zugespitzt.
Amerikanische Truppen waren unter erheblichem Widerstand für kurze Zeit in
südliche Stadtteile eingedrungen. Vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes
heißt es, pro Stunde würden "bis zu 100 Kriegsverletzte" in das Jarmuk-Hospital in
Bagdad eingeliefert.
Der irakische Informationsminister Mohammed Said al Sahhaf bestritt jeden Einmarsch.
Er forderte die ausländischen Journalisten in Bagdad auf, alle Stadtteile zu besuchen.
"Sie können sich diese Orte anschauen, dort ist nichts, überhaupt nichts. Alles ist
okay." Der Informationsminister widersprach auch der US-Darstellung, wonach der
außerhalb der City von Bagdad gelegene Flughafen vollständig unter Kontrolle der US-Soldaten
sei. Sahaf sprach von Hunderten amerikanischen Soldaten, die bei den Kämpfen gefallen seien,
die restlichen seien vertrieben worden. Am Abend zeigte das irakische Fernsehen
außerdem Bilder Husseins zusammen mit seinen Söhnen und Militärkommandeuren. Wann
diese Bilder aufgezeichnet wurden, blieb allerdings unklar.
US-Flugzeuge patrouillieren praktisch pausenlos über Bagdad.
Sie sollen auch in den kommenden Tagen rund um die Uhr eingesetzt werden,
sagte US-Luftwaffengeneral Michael Mosley. Nach seinen Angaben handelt es sich
zum einen um Aufklärungsflüge, aber auch um Einsätze zur Unterstützung von
Bodentruppen. Die vor Bagdad liegenden US-Soldaten haben, so wie es aussieht,
Versorgungsprobleme. Sie hätten Schwierigkeiten mit dem Nachschub an frischem
Wasser und militärischem Zubehör, berichtet ein CNN-Reporter. Ein Hauptziel der
Alliierten sei nun, eine Versorgungsroute aus dem Süden des Landes an die Front
zur 3. Infanterie-Division zu schaffen.
Bei den Bombardements der US-geführten Streitkräfte auf die südirakische
Stadt Basra am Samstag sind nach Angaben des Fernsehsenders El Dschasira 17
Zivilisten ums Leben gekommen, unter ihnen neun Kinder. Wie ein Korrespondent
des katarischen Senders berichtete, wurden die Toten am Samstagnachmittag
kollektiv beerdigt. 15 von ihnen gehörten demnach derselben Familie an. Laut El
Dschasira wurden bei dem Angriff acht Häuser getroffen.
In der zentralirakischen Stadt Kerbala haben sich am Samstag US-Truppen heftige
Straßenkämpfe mit paramilitärischen irakischen Kämpfern
geliefert. Ziel der aus vier Richtungen vorgetragenen Angriffe ist es nach Angaben
von US-Militärs, den nach Bagdad vorrückenden Einheiten den Rücken freizuhalten
und Nachschubwege zu sichern. Irakische Heckenschützen nahmen in den engen Straßen der den Schiiten
Heiligen Stadt US-Soldaten von Dächern aus mit Sturmgewehren und
Granatwerfern unter Beschuss. US-Kampfflugzeuge und Bodentruppen nahmen
ihrerseits die Stellungen der Iraker unter Beschuss.
An der Nordfront im Irak rückten US-Truppen in Richtung auf die Ölstadt Mossul vor.
In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache drohte US- Präsident George W. Bush den für angebliche
Grausamkeiten verantwortlichen Führern des Iraks mit Prozessen nach dem Krieg. In der Nähe der
Stadt Basra entdeckten britische Soldaten nach eigenen Angaben in einem Lagerhaus die Überreste von
rund 200 Menschen. Gerichtsexperten sollen die Gebeine auf mögliche Verbrechen untersuchen.
(Quellen: ap, afp, dpa, rtr)
IKRK besorgt über Lage in Krankenhäusern Bagdads
So.06.04.03 - Die Krankenhäuser in Bagdad sind nach Angaben des Internationalen
Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) kaum noch in der Lage, die zahlreichen ständig
neu eintreffenden Verwundeten angemessen zu versorgen. Das Klinikpersonal sei
bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit gefordert, erklärte IKRK-Sprecher Florian
Westphal.
Westphal, sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag in Genf:
"Die Lage in Bagdad wird immer schwieriger, jetzt da in der
Stadt gekämpft wird." Die Zahl der in Hospitälern der Hauptstadt
behandelten Verletzten Iraker habe sich substanziell erhöht.
Während es in den vergangenen Tagen jeweils rund 100
gewesen seien, seien es allein am Freitag mehrere Hundert
gewesen.
Noch verfügten diese Kliniken über genügend Material für die medizinische Versorgung
der Opfer, sagte Westphal. Da der Krieg erwartet worden sei, habe man entsprechende
Vorkehrungen getroffen. Auch hätten die Krankenhäuser Generatoren, um im Gegensatz zu
den meisten anderen Gebäuden in Bagdad die Stromversorgung aufrechterhalten zu können.
Westphal kündigte für Sonntagmorgen weitere Klinikbesuche des IKRK an. Tagsüber sei es
für sein Mitarbeiter angesichts der Kämpfe zu gefährlich, ihr Quartier zu verlassen.
Das IKRK hat sechs ausländische sowie Dutzende einheimische Mitarbeiter in
Bagdad im Einsatz. Sie alle seien mittlerweile erschöpft, sagte Westphal. Nach
seinen Angaben hat das IKRK schon mehr als 3.000 irakische Kriegsgefangene besucht, die von den Alliierten
festgehalten werden. Man bemühe sich auch um Kontakte zu den von Irakern gefangen genommenen US-Soldaten.
Dies werde aber wohl erst möglich sein, wenn die Kämpfe abgeflaut seien. (Quelle: ap, rtr)
US-Arzt kritisiert Berichterstattung über Golfkrieg
So.06.04.03 - Ein amerikanischer Arzt hat den Medien vorgeworfen, die
Schrecken des Golfkriegs nicht ausreichend zu dokumentieren. Die Berichte gingen
kaum auf die schweren Verletzungen der Opfer ein, kritisierte Gene Bolles, Leiter
der neurochirurgischen Abteilung am US-Militärkrankenhaus in Landstuhl in der
Pfalz. "Wir mussten bereits verheerende Wunden behandeln - abgerissene Arme,
Beine oder Hände, Verbrennungen, schwere Hirnverletzungen und Nervenschäden",
sagte der Mediziner der im US-Staat Colorado erscheinenden Zeitung "Boulder
Daily Camera".
Der 66-Jährige verwies darauf, dass es sich bei den Opfern zumeist um sehr
junge Menschen handele. "Sie sind fürs Leben gezeichnet. Viele Leute scheinen sich
darüber überhaupt nicht im Klaren zu sein." Bis Freitag seien seit Beginn des Golfkriegs 281
US-Soldaten in sein Krankenhaus gebracht worden, doch die Fernsehberichte über ihre
Verwundungen würden in der Regel von den grausamen Details gesäubert. Bolles nannte
dies völlig inakzeptabel. (Quelle: ap)
Bush nennt Irak-Krieg Kampf für gerechte Sache
So.06.04.03 - US-Präsident George W. Bush hat den alliierten Truppen in Irak
abermals einen Kampf für eine gerechte Sache bescheinigt. Freie Staaten warteten
nicht, bis ihre Feinde neue Terroranschläge wie am 11. September 2001 verübten -
und diesmal vielleicht mit chemischen, biologischen oder atomaren Waffen, sagte
Bush am Samstag in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache. Es gehe darum,
die Sicherheit der USA zu verteidigen und das irakische Volk zugleich von einem
der grausamsten Regimes der Welt zu befreien.
Bush bereitete sich anschließend auf sein Treffen mit dem britischen
Premierminister Tony Blair in Belfast vor. Dabei sollten neben dem Irak-Krieg auch
die Konflikte in Nordirland sowie im Nahen Osten auf der Tagesordnung stehen, wie
aus Regierungskreisen verlautete. Vor allem für den Friedensprozess in Nordirland
werden von der Begegnung neue Impulse erwartet. Im Gegensatz zu seinem
Vorgänger Bill Clinton hat Bush sich bislang nicht auf diesem Gebiet engagiert.
(Quelle: ap)
Aktuelle Umfrage: Fast 80 Prozent der Amerikaner stehen hinter der Kriegsentscheidung der US-Regierung
Mehr unter:
Immer häufiger zieht die US-Regierung Parallelen zu
Drittem Reich und Zweitem Weltkrieg, um den Machthaber in
Bagdad zu dämonisieren.
Schon im Vorfeld des Irak-Krieges griff Präsident George Bush
auf den NS-Vergleich zurück. Die Strategie der Kriegsgegner
im UN-Sicherheitsrat verglich Bush mit der
Beschwichtigungspolitik des damaligen britischen Premiers
Neville Chamberlain gegenüber Nazi-Deutschland.
So sagte Bush im November vor Schülern in Prag mit Blick auf
die Lage nach der deutschen Invasion in der
Tschechoslowakei 1938: "Gefahren zu ignorieren oder die
Gewaltanwendung auszuschließen, vermeidet vielleicht
vorübergehend einen Konflikt, bringt aber keinen wahren
Frieden."
Und die Bedrohung durch Saddam Hussein und seine
vermuteten Massenvernichtungswaffen setzte er mit der
Bedrohung durch die Nazis gleich: "Wir sind heute mit
Gefahren konfrontiert, über die wir nie nachgedacht haben,
Gefahren, die wir nie zuvor gesehen haben. Sie sind genauso
groß wie jene Gefahren, mit denen Ihre Väter und Mütter und
Großväter und Großmütter konfrontiert waren."
Seit Kriegsbeginn haben sich in der US-Rhetorik die Bezüge
zum Dritten Reich noch vermehrt. Die Analogie wird seit
einigen Tagen auch bemüht, um zu erklären, warum die in
Washington erhofften Rebellionen in der irakischen
Bevölkerung und Armee gegen Saddam Hussein
ausgeblieben sind: Wie damals in Deutschland lebe die
Bevölkerung in Furcht und Schrecken vor einem
brutal-repressiven Regime, dessen Methoden „an die
Gestapo" erinnerten, so Präsidentensprecher Ari Fleischer.
Demgegenüber betont Robert Gerald Livingston vom
Deutschen Historischen Institut in Washington, dass letztlich
Unvergleichbares verglichen werde. Saddam Hussein habe
"mit dem tatsächlichen Hitler und dem Ausmaß seiner
Verbrechen wenig zu tun". (Quelle: sz/afp)
Wirtschaftliche Konsequenzen des Irak-Kriegs beunruhigen EU
So.06.04.03 - Der Europäischen Union drohen drastische ökonomische
Auswirkungen des Irak-Konflikts. "Dauert der Krieg länger,
könnte das Problem alptraumhafte Dimensionen annehmen",
sagte der Ratsvorsitzende Nikos Christodoulakis.
Im Einladungsschreiben zu dem Treffen der EU-Fianzminister in Athen
führt Griechenland eine Fülle ökonomischer Risiken an. So könne es
zunehmend schwieriger werden, das doppelte Defizit der Vereinigten Staaten
bei Haushalt und Leistungsbilanz zu finanzieren.
Zudem gebe es international eine Deflationsgefahr, also das
Risiko konjunktureller Lähmung mit fallenden Preisen. Sorgen
machen Christodoulakis außerdem die Inflationsdifferenzen in
der Eurozone. In Griechenland ist die Preissteigerung auf
Jahresbasis im März auf 4,1 Prozent geklettert. In der Eurozone
beträgt sie nach Schätzungen 2,4 Prozent und liegt damit seit
einem halben Jahr über der Marke von zwei Prozent, die die Europäische
Zentralbank (EZB) für akzeptabel hält. Sowohl die Inflationsdifferenzen in der
Eurozone als auch die Trend zu höherer Inflation erschweren es
der Notenbank, auf die konjunkturelle Krise mit weiteren
Zinssenkungen zu reagieren. Dies ist auch deshalb von
Bedeutung, weil die EU nach Ansicht ihrer Finanzminister
zunächst vor allem mit Zinssenkungen und nicht mit höheren
Ausgaben auf einen kriegsbedingten Konjunkturabsturz
reagieren soll.
Vor allem die beiden größten Staaten der Währungsunion,
Deutschland und Frankreich, haben ohnehin kaum
finanzpolitischen Spielraum. Obwohl gegen beide Staaten ein
Strafverfahren wegen Überschreitung der Euro- Defizitgrenze
von drei Prozent im vergangenen Jahr eingeleitet ist, dürften sie
diese Marke auch in diesem Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit
verletzen. Auch für nächstes Jahr wird es nach Schätzungen der
Kommission für beide äußerst knapp. Damit stellt sich die Frage,
wie verpflichtend in der Euro-Zone noch die Regelung ist, sein
Neuverschuldung zu begrenzen. Luxemburgs Premier- und
Finanzminister Jean Claude Juncker will keine dauernde
Verletzung der Euro- Defizitgrenze mit Verweis auf den Krieg
dulden. "Diejenigen, die jetzt mehr Flexibilität fordern, haben
dies schon vor einem Jahr getan."
Die konjunkturellen Aussichten für Europa werden immer schlechter.
Die EU-Kommission rechnet für die zwölf Staaten der Euro-Zone 2003
nur noch mit einem Wachstum von etwa einem Prozent.
Für Deutschland geht die Kommission von 0,4 Prozent aus,
deutlich weniger als die Bundesregierung, die offiziell noch ein
Prozent erwartet. (Quelle: sz)
CDU-Chefin Merkel: USA müssen beim Wiederaufbau des Irak wichtige Rolle übernehmen
So.06.04.03 - Die USA müssen nach Auffassung der CDU-Vorsitzenden Merkel
beim Wiederaufbau des Irak eine wichtige Rolle übernehmen.
UNO-Blauhelmsoldaten könnten nicht die einzige Kraft in einem
Land sein, das auch nach dem Krieg viele Risiken bergen werde,
sagte Frau Merkel im Interview der Woche des
Deutschlandfunks. Sie erinnerte in diesem Zusammenhang an
den Bosnien-Krieg und den Völkermord in Ruanda. Dort hätten
die Vereinten Nationen versagt, erklärte die CDU-Politikerin.
Solche Erfahrungen dürften sich im Irak nicht wiederholen. (Quelle: dr)
Berliner Grüne fordern Rücknahme der Überflugrechte für die USA
So.06.04.03 - Die Berliner Grünen verlangen von der Bundesregierung, die gewährten
Überflugrechte für die USA zurückzuziehen. Sie müsse jegliche indirekte
Unterstützung des Irak- Kriegs sofort einstellen, heißt es in einer Resolution, die mit
großer Mehrheit auf einem Landesparteitag verabschiedet wurde. Darin fordern die
Berliner Grünen auch den Abzug der deutschen Soldaten aus den
AWACS-Aufklärungsflugzeugen zum Schutz der Türkei vor irakischen Angriffen.
(Quelle: dpa)
Weniger Friedensdemonstranten in Deutschland
So.06.04.03 - Am dritten Wochenende seit Beginn des Irak-Kriegs sind deutlich
weniger Deutsche zu den Friedensdemonstrationen gekommen. Insgesamt nur
einige tausend Kriegsgegner gingen auf die Straße. An den beiden vorherigen
Wochenenden hatten jeweils mehrere zehntausend Menschen gegen den
Einmarsch der USA und Großbritanniens in den Irak protestiert. Vor dem
US-Militärstützpunkt in Heidelberg demonstrierten mehr als 2000 Menschen.
Weitere Demos gab es unter anderem in München, Köln, Bremen und Gütersloh.
(Quelle: dpa)
«Krisenzeit, Kettenbriefzeit - Wann immer die Welt in Aufruhr ist, glauben
einige Zeitgenossen mit dem ebenso wirkungslosen wie probaten Mittel der
Ketten-E-Mail dagegen angehen zu müssen. Und es finden sich immer welche, die mitmachen.
Ob es sich um die schlimmen Krankheiten von Unbekannten, oder, ganz aktuell, den Irakkrieg handelt,
eine Ketten-E-Mail ist schnell aufgesetzt und versandt.»
"Warum werden diese Schreiben (...) mit so tödlicher Sicherheit weitergeleitet? Sogar
von Leuten, die es schon aus beruflichen Gründen besser wissen sollten? Man muss kein
Psychologe sein, um zu wissen, dass diese Kettenbriefaktionen ein dringend benötigtes
Ventil bieten, in einer Zeit, in der direkte Intervention, persönliches Engagement, oder
sogar schon die bloße Reflexion auf der Basis verlässlicher Informationen unmöglich
erscheinen. Gerade diejenigen, die sich für die Welt überhaupt noch interessieren, die ihre
Verbesserung noch nicht völlig abgeschrieben haben, finden sich von dieser Ventilfunktion
der Kettenmails verführt: Mit einem Mausklick die Welt ein wenig verändern, für
Aufmerksamkeit sorgen, der tief empfundenen Pflicht zu Teilnahme und Mitgefühl zu
genügen ist eine anscheinend unwiderstehliche Versuchung.
Mit anderen Worten: Die Weiterleitung von Kettenbriefen ersetzt, vor allem in politischer
Hinsicht, eigenes Denken und Handeln, der Klick auf den "Send"-Button wirkt wie
seinerzeit der sonntägliche Groschen im Klingelbeutel der Kirchengemeinde. Vereinzelt,
zurückgeworfen auf die eigene Empörung und Hilflosigkeit, glauben die Forwarder der
Kettenbriefe daran, dass sie, ihre Freunde, und alle anderen, die schon vorher
unterschrieben haben, durch den Umlauf des betreffenden Briefs zumindest für kurze Zeit
eine Gemeinschaft der Guten bilden. Das reicht als Placebo für das gute Gewissen. (...)"
Aus: Marcus Hammerschmitt - "Placebo des guten Gewissens", telepolis vom 01.04.03
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US-Friedensaktivist bei Feuergefecht in Dschenin schwer verletzt
So.06.04.03 - In Dschenin ist bei einem Feuergefecht ein amerikanischer
Friedensaktivist schwer verletzt worden. Das bestätigte ein Sprecher der
israelischen Armee. Der 24-Jährige sei von einem israelischen Geschoss am Kopf
getroffen worden, berichten Palästinenser. Gemeinsam mit anderen internationalen
Aktivisten habe er Demonstranten mit seinem Körper vor israelischen Soldaten
schützen wollen. Der Armeesprecher sagte hingegen, es habe Schusswechsel
zwischen bewaffneten Palästinensern und Soldaten gegeben. (Quelle: dpa)
Israel verlangt Änderungen am Nahost-Friedensplan
So.06.04.03 - Israel will den angekündigten Friedensplan für den Nahen Osten
nicht ohne Änderungen akzeptieren. Der Generaldirektor im Büro des israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon, Dov Weisglass, erklärte am Samstag, seine
Regierung werde keine Kompromisse in Sicherheitsfragen eingehen. Israel werde
den USA 15 Vorbehalte gegen den Plan vorlegen. Das so genannte Nahost-Quartett
aus den USA, den Vereinten Nationen, der EU und Russland hat beiden Seiten
bereits mehrere Entwürfe präsentiert.
Weisglass erklärte, Israel verlange einen Stopp der Terroranschläge und eine neue
palästinensische Sicherheitsbehörde "unberührt vom Terrorismus". "Darüber wird es keinen
Kompromiss geben, auch wenn, was Gott verhüten möge, der Preis dafür ist, höflich vom Tisch
aufzustehen und nach Hause zu gehen", sagte Weisglass. Die USA hätten zugesagt,
die israelischen Bedenken zu prüfen.
Der palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat erklärte, das Quartett habe versichert, es
werde keine weiteren Änderungen an dem Friedensplan geben. Die israelische Regierung lehne
den Plan ab und setzte gleichzeitig den Siedlungsbau und militärische Einsätze fort.
Weisglass begrüßte die Entscheidung, Mahmud Abbas zum neuen palästinensischen Ministerpräsidenten zu
ernennen. Sobald dessen Regierung vereidigt sei, werde Israel sehen, ob er den Terrorismus bekämpfe.
(Quelle: ap)
Anführer der Kosovo-Serben droht mit Bildung eigener Truppen
So.06.04.03 - Die Vereinten Nationen stoßen mit ihrem Plan zur Übertragung von
mehr Kompetenzen auf die albanischen Institutionen im Kosovo auf Widerstand.
Einer der Anführer der Kosovo-Serben, Milan Ivanovic, erklärte am Samstag, die
serbische Minderheit in der Provinz werde ihre eigenen Streitkräfte bilden, wenn der
UN-Verwalter Michael Steiner den Plan umsetze. Dieser gefährde die Stabilität im
Kosovo und werde zu Konflikten führen.
Der UN-Sprecher im Kosovo, Simon Haselock, sagte der Nachrichtenagentur AP,
Worte wie die von Ivanovic führten zu Instabilität, nicht die Übertragung von
Kompetenzen. Diese sei ein wichtiger Teil des Mandats der Vereinten Nationen, um
eine Autonomie zu schaffen. Ein anderer Anführer der Serben, Oliver Ivanovic, wies
die Äußerungen von Milan Ivanovic als lächerlich und gefährlich zurück. "Wir
werden versuchen, unsere Interessen innerhalb der Institutionen im Kosovo zu
schützen", sagte er. Das werde jedoch angesichts Steiners Plan immer schwieriger.
Bereits am Freitag hatten der serbische Ministerpräsident Zoran Zivkovic und sein Stellvertreter im Kosovo, Nebojsa
Covic, Steiner aufgefordert, den UN-Plan nicht umzusetzen.
Die UN hatten in einer Resolution die Kontrolle Belgrads über das Kosovo beendet. Die Resolution ließ jedoch den
endgültigen Status der Region offen. Die albanische Bevölkerungsmehrheit des Kosovos fordert einen eigenen Staat,
die serbische Minderheit möchte dagegen an der Zugehörigkeit zu Serbien festhalten. Die UN-Mission in Kosovo will
Gespräche über den Status der Provinz erst führen, wenn wirtschaftliche und ökonomische Stabilität hergestellt sind.
(Quelle: ap)
Deutschland: Regierung streitet laut «Spiegel» über Sozialreformen
So.06.04.03 - In der Bundesregierung ist nach einem Bericht des
Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" ein Streit über die geplante Zusammenlegung
von Arbeitslosen- und Sozialhilfe ausgebrochen.
Der Staat solle nach Willen von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) keine
Rentenbeiträge für die künftigen Empfänger des Arbeitslosengeld II zahlen, heißt es
in einem am Samstag vorab veröffentlichten Bericht des Magazins. Sozialministerin
Ulla Schmidt (SPD) setze sich hingegen für eine solche Zahlung ein. In einem
Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" lehnte Eichel es zudem erneut ab,
Leistungen aus den Sozialversicherungen über den Bundeshaushalt zu finanzieren:
"Der Haushalt kann praktisch nichts tragen."
Sprecher der beiden Ministerien wollten sich nicht zu einem möglichen Streit
über die Rentenversicherungsbeiträge äußern. Eine Sprecherin des Sozialministeriums
sagte, die mit der Erarbeitung eines Konzepts zur Zusammenlegung
von Arbeitslosen- und Sozialhilfe beauftrage Arbeitsgruppe werde in dieser Frage weiter nach Lösungen suchen.
Nach den Plänen der Regierung sollen das Arbeitslosengeld II vom kommenden Jahr an rund 1,5 Millionen Bezieher
der bisherigen Arbeitslosenhilfe und etwa eine Million erwerbsfähige Sozialhilfeempfänger erhalten. Bislang sind die
Arbeitslosenhilfeempfänger durch den Staat rentenversichert. Würde das Konzept wie von Schmidt gewollt auf das
Arbeitslosengeld II übertragen, müsste der Bund pro Bezieher - je nach Modell - zwischen 78 und 98 Euro
Rentenbeitrag im Monat zahlen. Nach Angaben des "Spiegel" würde dies den Bund nach mindestens eine Milliarde
Euro im Jahr kosten. In der mit der Zusammenlegung beauftragten Arbeitsgruppe hatte der Vorschlag jedoch keine
Mehrheit gefunden.
Ein Konflikt zwischen den beiden Ministern besteht in zentralen Fragen der Sozialreformen. Eichel widersprach erneut
Vorschlägen Schmidts, so genannte versicherungsfremde Leistungen über Steuern zu finanzieren. Durch eine
Finanzierung einzelner Leistungen aus dem Sozialversicherungsbereich durch die Bundeskasse sei nichts gewonnen.
"Es geht vorrangig um Strukturprobleme. Die müssen gelöst werden", sagte Eichel. Alle Leistungen müssten auf den
Prüfstand, bevor über die Frage geredet werde, ob sie mit Steuern finanziert würden. Eine Ausnahme gebe es lediglich
beim Mutterschaftsgeld. Dies belaste den Haushalt mit 600 Millionen Euro. Hier habe sich Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) festgelegt. (Quelle: rtr)
Personal-Service-Agenturen bislang kaum erfolgreich
So.06.04.03 - Die Vermittlung von Arbeitslosen durch
Personal-Service-Agenturen (PSA) läuft offenbar deutlich
schlechter als geplant. Wie der Finanzvorstand der Nürnberger
Bundesanstalt für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, dem "Focus"
sagte, rechnet die Bundesanstalt für dieses Jahr nur noch mit
25.000 vermittelten Arbeitslosen. Der Chef der Behörde, Florian
Gerster, war im Februar dagegen laut "Focus" noch von 50.000
PSA-Beschäftigten ausgegangen. Weise sagte, "auch die
Zeitarbeit insgesamt ist durch die Konjunktur betroffen, deshalb wird man die
ursprünglichen Erwartungen nicht erfüllen können."
Die PSA sind im Zuge der Hartz-Reformen entstanden. Die Agenturen beschäftigen
als Zeitarbeitsfirmen Arbeitslose und vermitteln diese befristet an Unternehmen.
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