B.O.A.-NACHRICHTEN
 last update: boa München, Di.08.04.2003 - 14:00 
  [ Übersicht ] [ Ticker ] [ Medien-Termine ] [ Medien-Nachrichten ]
 

.
 
k0304080      

Kurznachrichten                    [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ]

[ vorherige ] [ nächste ]         

+++ Di.08.04.03, 12:45        zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Zwanzigster Kriegstag in Irak

Schwere Kämpfe mitten in Bagdad +++ USA bombardieren vermuteten Aufenthaltsort Saddams in Wohngebiet +++ US-Truppen besetzten Machtzentren in der irakischen Hauptstadt +++ Für die Zivilbevölkerung in der Stadt sind die Kämpfe verheerend +++ Dramatische Lage in Krankenhäusern in irakischen Kampfgebieten +++ Bush und Blair beraten in Nordirland über ein gemeinsames Vorgehen nach dem Ende des Irak-Krieges +++ Annan: UN muss beim Wiederaufbau des Iraks wichtige Rolle zufallen.

Di.08.04.03 - Mit einem massiven Bombardement hat die US-Armee den vermuteten Aufenthaltsort des irakischen Präsidenten Saddam Hussein und seiner beiden Söhne in Bagdad angegriffen. Kampfflugzeuge griffen nach Angaben eines US-Regierungsvertreters ein Gebäude in Bagdad an, in dem auch Saddam Hussein und seine Söhne vermutet wurden. Das US-Zentralkommando in Katar bestätigte den Angriff gegen ein "Regimeziel" im Wohnviertel El Mansur. Am frühen Morgen lieferten sich US-Truppen und irakische Soldaten heftige Gefechte in der Anlage des Palastes der Republik in Bagdad.

Starke US- Panzerverbände stießen am Montag mit Luftunterstützung erstmals in die Machtzentren des irakischen Regimes in der Hauptstadt vor. Sie besetzten nach Angaben des US-Oberkommandos unter anderem den Hauptpalast von Machthaber Saddam Hussein am Westufer des Tigris und zerstörten eine große Saddam-Statue. Dabei sei es zu heftigen Bodenkämpfen mit irakischen Truppen gekommen, die den ganzen Tag über anhielten. Erstmals wurde ein deutscher Journalist im Irak-Krieg getötet.

Für die Zivilbevölkerung in der Stadt sind die Kämpfe verheerend. Ausländische Ärzte, die als Helfer unterwegs sind, berichten, sie hätten auch zerschossene und ausgebrannte Taxis gesehen. Unversehens sind seit Samstag, als die US-Truppen den ersten Vorstoß in das Stadtgebiet von Bagdad unternahmen, immer wieder einzelne Menschen oder ganze Familien mit ihren Autos zwischen die Fronten geraten. Angstvoll und hilflos schwenkten sie Kleidungsstücke oder weiße Stoffe, um ihre Harmlosigkeit zu dokumentieren. Hunderte landeten indessen schwer verletzt oder getötet in den Krankenhäusern, wie Augenzeugen bestätigen.

Währenddessen verbreitet Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf ungebrochenen Durchhalte-Optimismus. Auf dem Vordach des "Palestine", wo die Fernsehleute für ihre Berichte stehen, lädt er zur improvisierten Pressekonferenz. "Bagdad ist sicher, ich stehe ja auch hier", sagt er. Die irakischen Streitkräfte hätten die Amerikaner in den leer stehenden Palastanlagen eingekreist. "Die amerikanischen Söldner haben damit begonnen, Selbstmord an den Mauern von Bagdad zu verüben", sagt er. "Wir geben den Amerikanern eine Lektion, die sie nicht vergessen werden." Wenig später demonstriert ein Gruppe Polizisten und Milizionäre vor dem "Palestine". Sie skandieren Saddam-Parolen und schießen aus Gewehren in die Luft.

Am Montagabend trafen sich US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair zu Gesprächen über ein gemeinsames Vorgehen nach dem Ende des Irak-Krieges in Nordirland.

An den Gesprächen an diesem Dienstag nehmen auch der britische Außenminister Jack Straw, sein US-Kollege Colin Powell sowie US- Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice teil. Bush und Blair wollen auf Schloss Hillsborough bei Belfast über den Wiederaufbau des Landes nach einem Sturz von Saddam und die politischen Nachkriegsstrukturen im Irak reden. Blair strebt eine wichtige Rolle der Vereinten Nationen (UN) für den Irak an. Nach Ansicht von Rice ist es dagegen "nur natürlich, zu erwarten, dass die alliierten Kräfte die führende Rolle haben werden, nachdem sie sich an der Befreiung des Iraks beteiligt und dafür Leben und Blut geopfert haben".

Unterschiedliche Vorstellungen haben beide Regierungen offenbar hinsichtlich der Zeitspanne, für die die USA den Irak zunächst allein verwalten werden. Während der britische Außenamts-Staatssekretär Mike O'Brien von einer "relativ kurzen" Periode ausgeht, sprach US-Vize- Verteidigungsminister Paul Wolfowitz von mindestens sechs Monaten.

Nach Ansicht von UN-Generalsekretär Kofi Annan muss den Vereinten Nationen beim Wiederaufbau des Iraks eine "wichtige Rolle" zufallen. Erst die Einbeziehung der UN verleihe dem Neuaufbau des Iraks und einer Übergangsverwaltung in Bagdad jene "Legitimität, die für den Irak und die Region so nötig sind", sagte er vor Gesprächen mit den 15 Mitgliedern des Sicherheitsrats in New York. Annan will den pakistanischen Entwicklungshilfe-Experten Rafeeudin Ahmed zum Koordinator für den Wiederaufbau des Iraks ernennen.

Im Irak gingen unterdessen die heftigen Kämpfe weiter. Der amerikanische Militärsprecher Frank Thorp sagte dem US-TV-Sender CNN, Ziele des dritten "Vorstoßes" der US-Truppen in Bagdad seien vor allem "Symbole des irakischen Machtsystems» wie die Präsidentenpaläste und das Informationsministerium gewesen. Es gehe darum, dem Regime und dem Volk die US-Übermacht zu demonstrieren.

Der "Focus»"-Redakteur Christian Liebig starb in der Nähe von Bagdad bei einem irakischen Raketenangriff, wie der Chefredakteur des Münchner Nachrichtenmagazins, Helmut Markwort, am Abend mitteilte. Bei dem Einschlag wurden auch ein Reporter der spanischen Zeitung "El Mundo" und zwei US-Soldaten getötet. Nach US-Medienberichten wurden bei der Attacke auf das taktische Befehls- und Kommunikationszentrum der US-Armee in einem südlichen Vorort von Bagdad zudem 15 US- Soldaten verletzt.

Der neue amerikanische Angriff auf das Bagdader Stadtgebiet hatte am 19. Kriegstag um 6.00 Uhr Ortszeit begonnen. Der arabische Fernsehsender El Dschasira berichtete, daran seien rund 65 Panzer und zahlreiche weitere gepanzerte Fahrzeuge und Infanterie beteiligt gewesen. dpa-Korrespondenten berichteten, US-Panzer hätten an verschiedenen Stellen im Regierungsviertel Position bezogen. Am Nachmittag starben laut El Dschasira beim Einschlag einer Rakete in ein Geschäftsviertel im westlichen Nobelstadtteil Mansur 14 Menschen.

Die Lage in den Krankenhäusern in den umkämpften Gebieten ist nach Angaben eines Sprechers des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) "kritisch". Im Gebiet um Bagdad sei die Situation in den Kliniken wegen der schweren Kämpfe am Wochenende sogar "dramatisch". Es werde immer schwieriger für das medizinische Personal, zu den Krankenhäusern zu gelangen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf zeigte sich am Montag besorgt über die Situation in den Hospitälern.

Die anhaltenden Bombenangriffe und die Kämpfe haben die Zahl der Opfer in Hauptstadt Bagdad und in anderen Gebieten des Iraks seit dem Wochenende sprunghaft ansteigen lassen. Mu'in Kassis, IKRK-Sprecher in Amman, sagte am Montag, die Lage in den Krankenhäusern der Städte Hilla, Kerbala und El Anbar gebe Anlass zur Besorgnis, was die Versorgung mit Medikamenten und Wasser betreffe. In Mahmudia könne das dortige Krankenhaus keine Verwundeten mehr aufnehmen, Verletzte aber auch nicht mehr nach Bagdad schicken, da dort gekämpft werde.

In Bagdad seien zeitweise stündlich "bis zu hundert und mehr Verwundete" in die Krankenhäuser gebracht worden. Allerdings sei es unmöglich, angesichts des herrschenden Chaos genaue Angaben zu machen. "Niemand führt mehr Buch darüber, wer wann in eine Klinik eingeliefert wird", meinte Kassis. Da es nicht genügend Krankenwagen gebe, müssten leichter verwundete Soldaten, aber auch Zivilisten zu Fuß zur Behandlung kommen. "Wir sind über das Ausmaß an Opfern sehr besorgt", sagte WHO- Sprecher Ian Simpson in Genf. Dabei müsse auch gesehen werden, welche katastrophalen Auswirkungen die Ereignisse auf die Kinder in der Stadt hätten.

Die IKRK-Zentrale in Bagdad wird unterdessen von Menschen bestürmt, die ihre Angehörigen im Ausland anrufen wollen, da die Telefonleitungen weitgehend zerstört sind. Das IKRK verfügt über Satellitentelefone. Die Menschen nähmen den gefährlichen Weg zu dem Büro und Wartezeiten von mehr als einer Stunde in Kauf, um ein Zweiminuten-Gespräch zu führen, erklärte die Organisation.

In Basra kontrollieren die britische Streitkräfte nach eigenen Angaben die zweitgrößte Stadt des Landes inzwischen zu 90 Prozent. Die Altstadt werde Haus für Haus durchkämmt. Die britischen Soldaten träfen noch vereinzelt auf Widerstand, bei den schiitischen Bewohnern aber überall auf Zustimmung. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon und sein US-Kollege Donald Rumsfeld gehen davon aus, dass der irakische General Hassan Ali el Madschid ("Chemie-Ali") bei Basra getötet wurde. Der Cousin von Präsident Saddam Hussein gilt als einer der Hauptverantwortlichen für Giftgasattacken gegen irakische Kurden, bei denen 1988 tausende Menschen starben.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR gibt es trotz der schweren Kämpfe in und um Bagdad noch immer keinen Flüchtlingsstrom in Richtung iranischer, syrischer oder jordanischer Grenze. «Gestern sind ganze drei Iraker über die Grenze nach Syrien gekommen», sagte UNHCR-Sprecher Peter Kessler am Montag in Amman. Er rechne selbst im Falle eines Häuserkampfs in Bagdad oder der zweitgrößten Stadt Basra im Süden nicht unbedingt mit einem Flüchtlingsstrom. «In diesem Fall werden sich die Menschen zwar in Sicherheit bringen wollen, aber eher über kurze Entfernungen.» Sollte es allerdings in den von den alliierten besetzten Städten zu Vergeltungsaktionen und Bluttaten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen untereinander kommen, könne eine Massenflucht nicht ausgeschlossen werden. Nach Angaben Kesslers gibt es bereits unbestätigte Berichte über solche Übergriffe in der Stadt Basra. (Quellen: dpa, afp, rtr)


 

 

«Sie schießen auf alles, was sich bewegt», sagt Abdullah, der erwogen hatte, mit seiner Familie Bagdad zu verlassen, sich jetzt aber damit abgefunden hat, dass es zu spät ist. «Wir hätten vergangene Woche fahren sollen. Jetzt geht es nicht mehr.»

Nicht nur das Reiseverbot der irakischen Behörden hat dazu geführt, dass die Menschen die Hauptstadt nicht verlassen. Auch das Verhalten der amerikanischen Soldaten brachte es mit sich, dass nur wenige das wagen.

"Wenn sie etwas sehen, von dem sie glauben, dass es gefährlich sein könnte, schießen sie", sagt ein Fotograf, der den amerikanischen Truppen aus Kuwait gefolgt ist.

"Ich habe gesehen, wie sie auf Kinder am Straßenrand geschossen haben. Einmal sahen wir in der Ferne eine einzelne Frau auf einem Acker. Die Amerikaner richteten die Kanone des Panzers auf die Frau und schossen sie nieder." Daraufhin seien alle Dorfbewohner in ihre Häuser geflüchtet, berichtet der Fotograf. "So fanden die Amerikaner heraus, dass es sich um Zivilisten handelte, und erschossen in diesem Dorf niemanden mehr, weil sich alle versteckt hatten. Das ist ihre Strategie. Schieß zuerst!", erzählt der Fotograf, der anonym bleiben will, weil er als "eingebetteter Journalist" in Begleitung der US-Militärs unterwegs ist. Er ist seit zwanzig Jahren als Fotograf in Kriegs- und Krisengebieten unterwegs und meint, "noch nie so schießwütige Soldaten gesehen" zu haben.

Der Journalist Yves Debay, ein französischer Verteidigungsexperte, kam Samstag in Bagdad an, nachdem er den amerikanischen Truppen aus Kuwait gefolgt war. "Als wir nach Mahmudiyah, ein Dorf südlich von Bagdad, kamen, war es fürchterlich. Die Amerikaner griffen eine Kolonne Panzer im Dorf an. Es soll mehr als zweihundert Tote gegeben haben. Natürlich hätte die irakische Armee ihre Panzer nicht inmitten der Bevölkerung haben dürfen, aber die Amerikaner gingen kein Risiko ein und schossen wie wild in das Dorf, um alles zu vernichten", erzählt Debay, der selbst eine militärische Laufbahn hinter sich hat.

"Ich nenne sie ,Höllenkolonnen'. Sie warten nicht einmal auf den Befehl. Es heißt einfach: ,Wer will, darf schießen!'", meint Debay. "Sie haben keine Disziplin, was das Schießen angeht. Die Initiative bleibt jedem einzelnen Soldaten überlassen, Buben, die gerade mal 20 Jahre alt sind." Die Amerikaner wollen sich offenbar für den 11. September rächen, meint der Franzose. "Ein anderer Grund ist, dass es offenbar keine Strafen oder Sanktionen gibt. Das würde sie vorsichtiger machen. Dann würden sie sich nicht wie Cowboys aufführen."

Trotzdem will Debay die Soldaten nicht anklagen. "Sie haben wahnsinnige Angst. Und die Angst wird noch größer, wenn sie Verluste erleiden. Das hat ihnen eine Tötungsmentalität gegeben. Aber das liegt nicht an ihnen, ihre Kommandanten haben ihnen keine Schützendisziplin beigebracht. Sie tragen die Verantwortung", unterstreicht der erfahrene Journalist. "Sie vergessen eines", meint Yves Debay abschließend, "den Kampf um die Herzen. Der muss auch gewonnen werden." (Aus : "Der Standard" vom 08.04.03
http://derstandard.at/?id=1264488


 

Während Amerikaner und Briten über ihre Toten Buch führen, gibt es über irakische Opfer - Soldaten wie Zivilisten - nur Schätzungen.

Britische und amerikanische Wissenschaftler und Friedensaktivisten versuchen im Rahmen des Projekts "Iraq Body Count" getötete irakischen Zivilisten zu zählen. Dabei wird auf online verfügbare internationale Medien zurückgegriffen, sofern die Angaben in mindestens zwei Quellen auftauchen.

Das Projekt (http://www.iraqbodycount.net) schätzt die Zahl ziviler Opfer auf 877 bis 1.050. Nicht mitgezählt sind bei allen Schätzungen indirekte Todesopfer. Des Weiteren gibt es Tote unter kurdischen Kämpfern und Zivilisten in Nordirak sowie unter Journalisten. "

(Quelle: taz vom 08.04.03)
http://www.taz.de/pt/2003/04/08/a0079.nf/text


 

US-Marinereservist weigert sich zu töten

Der Marine Reservist Stephen Eagle Funk, 20, ist der erste US-Kriegsdienstverweigerer des Irakkrieges. Er stand kurz davor, zum Kampfeinsatz eingezogen zu werden. Funk sagt, dieser Krieg sei unmoralisch, da die Regierung das Volk getäuscht habe.

Funk: "Dieser Krieg ist in höchstem Grad unmoralisch. Vor allem wegen der Täuschungsmanöver unserer Regierung. Es ist eine riesige Heuchelei." Funk wendet sich gegen Krieg als Mittel, Probleme zu lösen. "Krieg bedeutet Zerstörung, Gewalt und Tod. Sie lassen junge Männer die Kriege der alten Mäner kämpfen. Krieg ist keine Antwort. Er verwüstet das Land, das zum Schlachtfeld wird. Ich weiß, dass Krieg falsch ist, aber im Militär sind andere programmiert worden, zu denken Krieg sei o.k."

Funk wurde von Kriegsdienstverweigerern aus dem Golfkrieg 1991 beraten. Er gehe jetzt an die Öffentlichkeit, um anderen jungen Leuten, die die Problematik noch nicht ausreichend durchdacht haben, vom Militärdienst abzuraten. "Dem Militär geht es nur um Zahlen. Du wirst zur Nummer. Es gibt viele andere Möglichkeiten, Geld für ein Studium zu bekommen."

(Quelle: The Guardian / ZNet 02.04.2003)
http://zmag.de/article/article.php?id=559

Getting-out
http://www.getting-out.de

 


 


 

Hoffnung auf baldiges Kriegsende beflügelt Wall Street

Di.08.04.03 - Wachsende Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Irak-Krieges hat den US-Aktienbörsen am Montag kräftige Kursgewinne beschert.

Der Dow-Jones-Index legte im New Yorker Nachmittagshandel knapp zwei Prozent auf rund 8431 Zähler zu. Die US-Technologiebörse Nasdaq gewann 2,3 Prozent auf 1415 Punkte und der breiter gefasste S&P-500-Index stieg um 1,75 Prozent auf 894 Zähler.

Der Vorstoß der US-Truppen in die Innenstadt von Bagdad lasse auf ein baldiges Ende des Irak-Krieges hoffen, sagten Händler. Die Investoren hätten die als sicheren Anlagehafen geltenden festverzinslichen Papiere und Gold verkauft und sich stattdessen wieder am Aktienmarkt engagiert. "Für viele Wochen hat die Angst vor einem langen Krieg die Aktienmärkte weltweit belastet. Mit dem überraschenden Vorstoß von US-Einheiten in die Innenstadt von Bagdad, der einen kurzen Krieg signalisieren könnte, hat am Markt ein kräftiger Aufschwung eingesetzt", sagte Alan Ackerman vom Haus Fahnestock & Co. Peter Boockvar, Aktienstratege bei Miller Tabak & Co fügte hinzu: "Die Tage von (Iraks Präsident) Saddam (Hussein) sind offenbar gezählt. Alles, was darauf hindeutet, dass der Krieg bald vorbei ist, wird positiv bewertet. Wenn der Krieg beendet wird, können endlich wieder Entscheidungen getroffen werden und die Wirtschaft wird sich wieder erholen". (Quelle: rtr)


 

 

Börsianer im Kaufrausch – «US-Siegesmeldungen» entfachen Strohfeuer und lassen Kurse explodieren

"Im Ablauf der gegenwärtigen Irak-Aggression wird deutlich, wie sehr Kriege direkt den Gesetzen des kapitalistischen Wirtschaftens folgen, also fast zwangsläufig sind. Krieg heißt Umverteilung von Ressourcen, schafft Nachfrage und scheint sich erneut als praktikables Instrument zur Belebung der kapitalistischen Wirtschaft zu beweisen. " ("junge Welt" vom 08.04.03)
http://www.jungewelt.de/2003/04-08/005.php

 


 


 

US-Pläne stoßen auf Widerspruch bei irakischer Opposition

Di.08.04.03 - Die Pläne der USA für eine Nachkriegsordnung im Irak stoßen zunehmend auch auf Widerspruch bei der irakischen Opposition. Eine von amerikanischen Generälen geleitete Militärverwaltung, so heißt es unter anderem von Seiten schiitischer Oppositionsführer, sei nicht akzeptabel. Jüngsten Berichten zufolge erwägen die USA, eine amerikanische Militärverwaltung bis zu zwei Jahre lang im Irak operieren zu lassen. Sie würde auch über die Verwendung der Öleinnahmen und über die Vergabe der Aufträge zur Beseitigung der Kriegsschäden entscheiden, Iraker hätten allenfalls eine beratende Funktion. Nach Informationen der saudischen Zeitung "Al-Watan" soll die US-Regierung einem Konsortium von zwölf Firmen aus Saudi-Arabien, Jordanien, den USA, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten bereits Aufträge mit Wert von 50 Millionen US-Dollar versprochen haben.

Bei arabischen Staaten stößt unterdessen die geplante Rolle des ehemaligen US-Generals Jay Garner als mutmaßlicher künftiger Chef einer irakischen Militärregierung auf heftige Kritik. Vor allem wegen seiner Sympathien für israelische Likud-Politiker sei Garner für die Araber nicht akzeptabel, schrieb die regierungsnahe Kairoer Tageszeitung "Al-Akhbar" am Montag. (Quellen: br/dpa)


 

 

Die Gegner des irakischen Machthabers Saddam Hussein im Exil sind sichtlich schockiert. Nicht nur Fernsehbilder der verstümmelten Zivilisten in überfüllten Krankenhäusern Bagdads sorgen bei ihnen für Entsetzen, sondern auch die bisherigen Informationen über die Pläne für ihr Land nach Fall des Regimes.

Di.08.04.03 - Viele Regimegegner fühlen sich von den Amerikanern verraten, die im Irak nun nach eigenem Bekunden selbst eine «dominierende Rolle» spielen wollen und die Entscheidungsgewalt zumindest in der Anfangszeit weder den Vereinten Nationen noch den irakischen Oppositionsgruppen übertragen wollen. Eine von amerikanischen Generälen geleitete Militärverwaltung ist für fast alle Iraker ein «rotes Tuch».

Diejenigen, die nicht rundweg gegen die Präsenz der Amerikaner im Land sind, wollen sie allenfalls damit betrauen, so lange für Sicherheit zu sorgen, bis die Iraker selbst eine Regierung wählen und ihre Verwaltung neu aufbauen können. Dabei wünschen sich die religiösen und ethnischen Minderheiten eher ein auf religiösem Proporz basierendes System, während die schiitische Bevölkerungsmehrheit für das Prinzip «ein Bürger, eine Stimme» eintritt.

Der einflussreiche irakische Schiitenführer Ajatollah Mohammed Bakir el Hakim, der nach 23 Jahren im Exil nun so rasch wie möglich in seine Heimat zurückkehren will, ist in seiner Ablehnung der US- Pläne besonders deutlich und hat bereits Widerstand für den Fall angekündigt, dass die Amerikaner die Opposition an den Rand drängen wollen. «Wir werden die Regierung akzeptieren, wenn sie vom irakischen Volk gewählt ist, wenn die Regierung aber eine aufgezwungene ist, dann werden wir sie mit politischen Mitteln bekämpfen - und wenn uns der Kampf aufgezwungen wird, dann werden wir auch diesen Krieg durchstehen», sagt er.

Die jüngsten Berichte über eine möglicherweise bis zu zwei Jahre im Irak operierende US-Militärverwaltung, die den Irakern nur beratende Funktionen zubilligt und über die Verwendung der Öleinnahmen und die Aufträge für die Behebung der Kriegsschäden alleine entscheiden soll, übertreffen selbst die schlimmsten Befürchtungen der Opposition. Nach Informationen der saudischen Zeitung «Al-Watan» soll die US-Regierung einem Konsortium von zwölf Firmen aus Saudi-Arabien, Jordanien, den USA, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten bereits Aufträge mit Wert von 50 Millionen US-Dollar versprochen haben.

Bei arabischen Staaten stößt unterdessen die geplante Rolle des ehemaligen US-Generals Jay Garner als mutmaßlicher künftiger Chef einer irakischen Militärregierung auf heftige Kritik. Vor allem wegen seiner Sympathien für israelische Likud-Politiker sei Garner für die Araber nicht akzeptabel, schrieb die regierungsnahe Kairoer Tageszeitung «Al-Akhbar» am Montag. «Die Auswahl Garners, um den Irak zu regieren, hat in vielen Kreisen für eine Menge Erstaunen und Ablehnung gesorgt, denn normal wäre es, wenn die Iraker ihre eigenen Angelegenheiten nach einer Übergangszeit unter UN-Aufsicht selbst in die Hand nehmen würden. Doch es scheint, dass nun die Wahrheit (über die amerikanischen Absichten) an den Tag kommt.»

Über das vor rund sechs Wochen im nordirakischen Kurdengebiet von mehreren Oppositionsgruppen gewählte Führungsgremium für die Übergangszeit nach dem Sturz Saddams verliert die US-Regierung derzeit öffentlich kein Wort. Auch der Vorsitzende des von Washington finanziell unterstützten Irakischen Nationalkongress (INC), Ahmed Dschalabi, ist nach Einschätzung arabischer Beobachter nicht mehr im Rennen für eine Führungsposition. Der frühere irakische Außenminister Adnan Pachachi (80), der kürzlich noch als neues Staatsoberhaupt im Gespräch gewesen war, soll die Amerikaner inzwischen mit seinem Beharren auf einer wichtigen Rolle für die Vereinten Nationen gegen sich aufgebracht haben. (Quelle: dpa)


 

Der US-General a.D.Jay Garner ,
der den zivilen Wiederaufbau des Post-Hussein-Irak leiten soll:
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/14499/1.html


 

Wer kommt nach Saddam?

Teil 1: Die Zukunft der irakischen Oppositionsgruppen
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/14448/1.html

Teil 2: Der irakische Schiitenführer Bakr al-Hakim
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/14466/1.html

Teil 3: Die Stunde der Kurden
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/14553/1.html


 

«Der Irak ist ein Probelauf»

Frontline Interview mit Noam Chomsky
(Frontline Indien / ZNet 02.04.2003)
http://zmag.de/article/article.php?id=554

 


 


 

Kurdenführer Barsani in US-Hospital Landstuhl
Durch amerikanisches «Friendly Fire» schwer verletzt

Di.08.04.03 - Der Kurdenführer Wadschi Barsani liegt nach Informationen der Koblenzer "Rhein-Zeitung" schwer verletzt im US-Militärhospital in Landstuhl. Der 33-jährige Chef der Spezialeinheiten der Kurdenpartei KDP sei inzwischen operiert worden, berichtete die Zeitung in ihrer Dienstagsausgabe. Das Blatt berief sich auf einen Sprecher der Deutschland-Vertretung der kurdischen Regionalregierung.

Wadschi Barsani ist der Bruder von Massud Barsani, dem Vorsitzenden der Kurdenpartei KDP. Die Sprecherin der Klinik, Marie Shaw, bestätigte lediglich, dass ein Verletzter kurdischer Nationalität in der Nacht zum Montag nach Deutschland geflogen wurde. Der Verwundete liege auf der Intensivstation.

Nach Angaben kurdischer Stellen war am Sonntag ein Konvoi aus einheimischen Kämpfern und US-Spezialeinheiten in Nordirak irrtümlich von der amerikanischen Luftwaffe bombardiert worden. Dabei seien mindestens 18 Menschen getötet und mindestens 45 weitere verletzt worden. Unter den Verletzten sollen sich neben Barsani auch drei weitere hochrangige Militärführer der Kurden befinden (Quelle: ap)


 

 

«Mit den Kurden wird ein falsches Spiel gespielt»

"Der Norden des Iraks ist eine Region, die von kolonialen Geistern, politischem Verrat und ethnischen Spannungen durchdrungen ist, ein Gebiet, das jetzt Gefahr läuft durch die US-Invasion in einem verheerenden Bürgerkrieg zwischen seinem Kaleidoskop von Stämmen, Menschen und angrenzenden Staaten, Feuer zu fangen."
(Conn Hallinan, Portside / ZNet 29.03.2003)

Mehr unter:
http://zmag.de/article/article.php?id=539

 


 


 

US-Militär: Kontrollieren meiste Ölquellen im Südirak

Di.08.04.03 - Die USA haben US-Militärangaben zufolge die Kontrolle über fast alle Ölquellen im Süden des Irak errungen. "Es ist uns möglich, die Kontrolle über 900 der 940 Ölquellen in den Ölfeldern südlich von Bagdad auszuüben", sagte US-Brigadegeneral Vincent Brooks in Katar. "Unsere Anstrengungen sind erfolgreich." In dem südlichen Ölfeld Rumaila ist den Angaben zufolge eines der beiden zuletzt brennenden Feuer gelöscht worden. "Es gibt noch eine brennende Ölquelle in den südlichen Ölfeldern", sagte Brooks. In dem etwa 80 Kilometer langen Ölfeld Rumaila hatten irakische Soldaten weniger als zehn Ölquellen in Bran gesteckt, bevor sie abzogen. Aus dem Feld können bis zu 1,6 Millionen Barrel Öl pro Tag gefördert werden. (Quelle: rtr)


 

 

Erstmals seit November ist der Öl-Preis am Montag unter die Marke von 24 Dollar gerutscht. Die Opec verbündeten Öl-Länder befürchten jetzt eine regelrechte Öl-Schwemme. Hinter den Kulissen gibt es ein heftiges Gerangel, wer bei der irakischen Öl-Produktion das Sagen bekommt. Nach den Planungen der US- Regierung, soll der frühere Shell-Manager Philip Carroll die irakische Produktion überwachen.

"Der Markt ist gut mit Öl versorgt und in manchen Bereichen gibt es bereits sogar ein Überangebot", sagte ein Sprecher der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) gegenüber der SZ. Zwar fehle auf der Angebots-Seite nach wie vor das irakische Öl, das zuletzt etwa drei Prozent des weltweiten Bedarfs deckte. Aber angesichts des nahenden Kriegs- Endes kämen versteckte Reserve-Aufstockungen aus den Vorkriegswochen ans Licht, heißt es bei Fachleuten. (...)

In sechs bis zwölf Wochen, so heißt es am Markt, werde auch der Irak wieder Öl exportieren können. Zwar müssen in vielen Fällen die irakischen Öl- Felder noch auf Landminen und versteckte Sprengladungen untersucht werden. Doch die Schäden an den Förderanlagen sind nach Berichten britischer und amerikanischer Militärs bemerkenswert gering. Vor diesem Hintergrund fürchtet man in Kreisen der Opec, dass "die Preise scharf nach unten gehen könnten". (...)

Die Entwicklung der Öl-Märkte hängt zu einem Gutteil davon ab, wer künftig das Sagen bei der irakischen Öl-Produktion hat. Darüber gibt es Streit. Nach den Planungen der US- Regierung, so die Washington Post, soll der frühere Shell-Manager Philip Carroll die irakische Produktion überwachen. Er soll dem Ex-General Jay Garner unterstellt werden, der im Auftrag des Pentagon die amerikanische Behörde für Wiederaufbau und humanitäre Hilfe im Irak leiten wird. Nach internationalem Recht, so machen Kritiker der US- Regierung geltend, dürfe Washington kein irakisches Öl verkaufen, solange es keine Resolution des UN-Sicherheitsrates gebe. Die beiden Veto-Mächte Frankreich und Russland dürften sich Washingtons Politik widersetzen, die irakischen Öl-Exporte unter amerikanische Kontrolle zu bekommen. Die Opec versucht, hinter den Kulissen zu verhindern, dass westliche Öl-Konzerne Einfluss auf die irakische Produktion bekommen. Dies würde zu einer Welle von Nationalismus in der arabischen Welt führen, so Opec-Vertreter.

Aus: Süddeutsche Zeitung vom 08.04.03

 


 


 

Arabische Staaten wollen Waffenstillstand in Irak

Di.08.04.03 - Mehr als zwanzig arabische Staaten wollen gemeinsam erreichen, dass sich die Vollversammlung der Vereinten Nationen für einen Waffenstillstand im Irakkrieg ausspricht. Die 22 Staaten würden am (heutigen) Dienstag in einem Brief eine Sitzung der Vollversammlung beantragen, sagte der jemenitische UN-Botschafter Abdullah Alsaidi. Nach seinen Worten werde die Gruppe eine "sehr milde" Resolution beantragen. "Darin wird ein Waffenstillstand gefordert, Respekt für die irakische Souveränität sowie die territoriale Integrität und Einheit des Landes."

Man wähle den Weg über die Vollversammlung, weil es im UN-Sicherheitsrat offenbar keine Möglichkeit für eine solche Resolution gebe,sagte Alsaidi. US-Diplomaten deuteten an, dass sie gegen das angestrebte Treffen Einspruch erheben wollen. Anders als die Entschließungen des Weltsicherheitsrates sind die Resolutionen der Vollversammlung nicht bindend. (Quelle: ap)
 


 

USA wollen irakische Führung wegen Kriegsverbrechen vor US-Gerichte stellen

Di.08.04.03 - Wegen Vergehen im Krieg mit den USA soll sich die irakische Führung nach dem Willen der Regierung in Washington vor US-Gerichten verantworten. Die Einschaltung eines internationalen Gerichts sei dazu nicht erforderlich, sagte der zuständige US-Außenamtsmitarbeiter Pierre Richard Prosper am Montag in Washington. Für die Aburteilung von Verbrechen aus der Vergangenheit kämen dagegen künftige irakische Gerichte in Frage, sagte Prosper. Zusammen mit irakischen Juristen arbeiteten die USA an geeigneten Verfahren. Die Wiedereinführung des Rechtsstaats in Irak müsse "irakische Wurzeln" haben, betonte der Experte. (Quelle: afp)
 


 

Hunderte Iraker bewerben sich um Asyl in Österreich

Di.08.04.03 - Die österreichische Botschaft in Jordanien ist in den vergangenen Tagen von einem Ansturm irakischer Asylbewerber überrascht worden. Hunderte irakische Flüchtlinge seien mit einem Mal in der Botschaft aufgetaucht, ohne dass Österreich sein Asylrecht in irgendeiner Form geändert habe, sagte Botschafter Heinrich Querner am Montag in Amman. Die ersten Flüchtlinge seien vor einigen Tagen gekommen und dann immer mehr geworden. Allein am Sonntag hätten sich 1000 Iraker um Asyl beworben. Die Botschaft berate sich mit den Behörden in Wien über das weitere Vorgehen, sagte Querner. Vorläufig würden die Asylanträge nicht abgewiesen. (Quelle: afp)
 


 

Greenpeace stoppt australisches Kriegsschiff

Di.08.04.03 - Greenpeace-Aktivisten haben am Dienstag im Hafen von Sydney ein australisches Kriegsschiff kurzzeitig zum Anhalten gezwungen. Die Fregatte HMAS Sydney lief in Richtung Golfregion aus, als sich die Umweltschützer in kleinen Booten näherten. Zwei Männer schafften es, sich am Bug und Heck des Schiffs festzumachen. Einer von ihnen entrollte ein Transparent mit der Aufschrift "No War", bevor ihn die Polizei losschnitt. Die Aktion sorgte für eine halbstündige Verspätung. Premierminister John Howard nannte die Aktivisten "Clowns". (Quelle: ap)
 


 

Gummigeschosse auf Friedensdemonstranten in Kalifornien

Di.08.04.03 - Die Polizei in Oakland im US-Staat Kalifornien hat am Montag mit Kugeln aus Gummi und Holz auf Friedensdemonstranten geschossen und dabei mindestens 18 Menschen verletzt, darunter auch sechs unbeteiligte Hafenarbeiter. 31 weitere Menschen wurden festgenommen. Eine Polizeisprecherin erklärte zur Begründung, die insgesamt rund 500 Kriegsgegner hätten zwei Zufahrten auf dem Hafengelände blockiert und zum Teil Steine und große Metallbolzen auf Polizisten geworfen. Die Demonstranten waren zum Hafen gezogen, um dort gegen eine Firma zu protestieren, die sich an Rüstungsgeschäften beteiligt. (Quelle: ap)
 


 

Kritik ägyptischer Kriegsgegner an Mubarak

Di.08.04.03 - Das ägyptische Hisham-Mubarak-Zentrum für Menschenrechte hat beim ägyptischen Generalstaatsanwalt ein Gesuch zur Durchleuchtung der Folgen der jüngsten Antikriegsdemonstrationen eingereicht. Die prominente Nichtregierungsorganisation forderte darin eine Untersuchung des harten Durchgreifens der Polizei an den verschiedenen Kundgebungen, bei denen Dutzende von Demonstranten verhaftet worden waren. Aufsehen erregte in Kairo, dass das Gesuch sich nicht auf allgemeine Vorwürfe beschränkt, sondern namentlich den ägyptischen Präsidenten Mubarak und den Innenminister al-Adly beschuldigt. Diese sollen mehrere, bereits genehmigte Antikriegsdemonstrationen verhindert und die Polizei aufgefordert haben, Störenfriede festzunehmen. (Quelle: nzz) Mehr unter:
http://www.nzz.ch/2003/04/08/al/page-article8S8MF.html
 


 

30.000 demonstrieren in Leipzig für Frieden

Di.08.04.03 - Etwa 30.000 Menschen haben am Montagabend in Leipzig an der allwöchentlichen Friedensdemonstration teilgenommen. Unter dem Motto «Kein Krieg - keine Unterstützung» protestierten sie gegen die Kämpfe in Irak. Die Menge zog im Anschluss an das traditionelle Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche zunächst durch die City, um dann über den Innenstadtring den Augustusplatz zu erreichen. Unter die Demonstranten hatten sich wieder zahlreiche prominente Teilnehmer gemischt, so etwa Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel. Es war bereits die dreizehnte Friedenskundgebung in der Tradition der Leipziger Montagsdemonstrationen des Wendeherbstes 1989, an die seit dem 13. Januar angeknüpft wird. (Quelle: ap)
 


 

B-52-Bomber fliegen über Deutschland nach Irak

Di.08.04.03 - Amerikanische B-52-Bomber überfliegen auf dem Weg zu ihren Luftangriffen auf irakische Städte auch Deutschland. Dies bestätigte das Bundesverkehrsministerium in Berlin. "Es wurden auch schon B-52-Bomber registriert", sagte ein Sprecher. Er wies zugleich darauf hin, dass die Bundesregierung den USA Überfluggenehmigungen für Militärflugzeuge pauschal und unkonditioniert erteilt habe. Daher würden auch keine Statistiken über einzelne Flugzeugtypen geführt, die das Land seit Beginn des Irak-Krieges. "Es fliegen derzeit viele Militärflugzeuge über Deutschland", sagte der Sprecher.

Der B-52 ist ein strategischer Bomber, der bis zu 31 Tonnen Bomben und Marschflugkörper laden kann. Einige dieser Flugzeuge starten vom westenglischen Stützpunkt Fairford. Bis zu ihren Zielen in Irak benötigen sie rund sechs Stunden. Das auch "Stratofortress" ("Himmelsfestung") genannte Flugzeug hat eine Reichweite von 12.000 bis 14.000 Kilometer und kann im Flug betankt werden. Der schwere Langstreckenbomber kann satellitengesteuerte Bomben (JDAM, Joint Direct Attack Munition) abfeuern. Der 49 Meter lange Bomber mit einer Flügelspanne von 56 Metern ist schon seit 1954 im Einsatz. Berüchtigt wurde er vor allem durch die US-Flächenbombardements im Vietnamkrieg. (Quelle: afp)


 

 

Friedensaktivisten rufen in offenem Brief die Bundesregierung zum Handeln gegen den Krieg auf

Im Rahmen der auch in Frankfurt am Main regelmäßig stattfindenden Montagsdemonstrationen gegen den Irak-Krieg wurde am Montag in der SPD-Zentrale ein offener Brief abgegeben. In diesem wendet sich das »Frankfurter Bündnis gegen den Krieg«, das von zahlreichen örtlichen Initiativen getragen wird, an die Mitglieder von SPD und Grünen. Das Bündnis fordert darin mit Nachdruck, dem auf diplomatischer Ebene vorgebrachten Nein zum Krieg endlich auch Taten folgen zu lassen. (...)

In seinem Schreiben ruft das Bündnis den Vertretern beider Regierungsparteien in Erinnerung, daß sich vor den Toren Frankfurts mit der US-Airbase Rhein-Main das zentrale Drehkreuz für die Logistik des Krieges befindet. Weiter wird erklärt, daß es »natürlich nicht ausreicht, allein verbal dem Krieg entgegenzutreten«. Die Bundesregierung drücke sich seit nunmehr 19 Tagen um eine klare Benennung der Tatsache, daß es sich bei dem Krieg der USA und ihrer Verbündeten nicht nur um einen schweren politischen Fehler mit verheerenden humanitären und politischen Konsequenzen handele, sondern das Ganze eine »völkerrechtswidrige Aggression, ein Verbrechen ist«.

Alle Bekundungen wie die von Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), die sich allein gegen die USA und ihre Verbündeten richteten, »klingen, so sehr wir ihnen auch zustimmen, in unseren Ohren zunehmend um so hohler und doppelbödiger, je länger wir gleichzeitig mit ansehen müssen, wie dieses von Euren beiden Parteien regierte Land in vielfältiger Weise in den Krieg verwickelt ist«, so das Bündnis weiter. (Aus: "junge Welt" vom 08.04.03)


 

Deutsche US-Stützpunkte spielen
bei Irak-Krieg bedeutende Rolle

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303190.htm#030319_q


 

Di.08.04.03 -


 

Falscher Frieden, echte Armut - Der Zusammenhang zwischen der neuen deutschen Friedlichkeit und dem laufenden Sozialabbau

Mehr unter:
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/mein/14548/1.html

 


 


 

3,3 Millionen Opfer bei Bürgerkrieg in Kongo

Di.08.04.03 - Dem seit vier Jahren andauernden Bürgerkrieg in Kongo sind bisher schätzungsweise 3,3 Millionen Menschen zum Opfer gefallen. Die meisten starben an Mangelernährung oder Krankheiten, wie die Hilfsorganisation Internationales Rettungskomitee (IRC) am Dienstag mitteilte. Der Konflikt habe damit inzwischen mehr Todesopfer gefordert als jeder andere seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

"Dies ist eine humanitäre Katastrophe von schockierendem Ausmaß", sagte IRC-Präsident George Rapp. Die Opferzahlen überstiegen die des Golfkriegs und aller Kriege auf dem Balkan bei weitem, doch fände der Krieg in dem afrikanischem Land kaum Aufmerksamkeit bei Spendern und den Medien.

Erst vergangene Woche waren im Nordosten des Landes nach UN-Angaben fast 1.000 Menschen ermordet worden. Ungeachtet des im Dezember geschlossenen Friedensabkommens halten die Kämpfe rivalisierender Rebellengruppen im Nordosten des mittelafrikanischen Landes weiter an. In dem Abkommen hatten sich die Rebellengruppen zu einem Waffenstillstand verpflichtet. (Quelle: ap)


 

 

«Im Nordosten des Kongo entlädt sich der Hass zweier Volksgruppen – begleitet von ausländischen Armeen»

Männer, Frauen und selbst Kinder haben auf brutale Art getötet. Sie warteten am vorigen Donnerstag auf die Pfiffe ihrer Anführer und dann ging das Gemetzel im Nordosten des Kongos los. Mit Macheten, Knüppeln, Speeren, Pfeilen, Bögen und auch mit Schusswaffen und Handgranaten ermordeten sie fast 1000 Menschen. Sie rasten von Hütte zu Hütte und schlachteten die Bewohner der Gemeinde Drodro und 14 nahe gelegener Dörfer ab. Nach acht Stunden war alles beendet. 20 Massengräbern zeugen von dieser Tat. Als die UN-Beobachter tags darauf in das Gebiet kamen, fanden sie noch riesige Blutlachen und zerfetzte Kleider.

Laut dem Sprecher der Vereinten Nationen im Kongo, Mamadou Toure, ist dies "der grausamste Einzelvorfall seit Beginn des Bürgerkriegs". Im Ituri- Distrikt, an der Grenze zu Uganda, tobt seit vier Jahren ein Krieg im Krieg. Seit die Demokratische Republik Kongo im August 1998 von Uganda und Ruanda angegriffen und zur Hälfte erobert wurde, seit der zentralafrikanische Staat, der fast so groß ist wie Westeuropa, zum Schlachtfeld von insgesamt sechs ausländischen Armeen wurde, ist in Ituri auch noch ein Konflikt zwischen den Volksgruppen Hema und Lendu eskaliert. Die Hema sind Viehzüchter, die Lendu Ackerbauern.

Seit Jahrzehnten stritten sie sich um Land, doch erst mit dem Einmarsch der ugandischen Armee entluden sich die Spannungen. Allein in den vergangenen Monaten sollen laut Amnesty International 50000 Menschen ihr Leben verloren haben. Die Besatzer aus Uganda plündern die dortigen Gold- und Edelholzvorkommen und haben sich mit den Hema verbündet. In deren Auftrag, teilweise für nur einen Dollar pro Getöteten, ermorden sie Lendu. Dies führt zu ebenso brutalen Rachetaten der Lendu. Für das Massaker vom Donnerstag ist wohl diese Volksgruppe verantwortlich, denn bei den Toten handelt es sich um Hema.

Obwohl sich die Kriegsparteien im Kongo auf einen Friedensvertrag geeinigt haben, die Besatzer weit gehend abgezogen sind, gehen die Kämpfe im Nordosten mit extremer Brutalität weiter. Denn dort bekriegen sich nicht nur die beiden Volksgruppen, es gibt auch mehr als ein Dutzend verfeindeter Milizen, die vor allem Zivilisten töten und ausrauben. Erst vor kurzem stellten die UN fest, dass es zu Massenhinrichtungen, Massenvergewaltigungen und zu Kannibalismus gekommen ist.

Für die Eskalation in Ituri tragen aber auch die Vereinten Nationen eine Mitverantwortung. Deren Blauhelmsoldaten sollten nach dem vereinbarten Abzug der Besatzer das Abkommen überwachen und die Milizen entwaffnen. Doch für den Kongo stehen der Mission nur 4386 Soldaten zur Verfügung – obwohl der UN-Sicherheitsrat beschlossen hatte, die Truppe auf mehr als 8000 zu erhöhen. Da die UN befürchteten, dass nach dem Abzug der Ugander Chaos im Ituri- Distrikt entstehen könnte, kam es im Herbst zur Bankrotterklärung der UN im Kongo: Sie baten die Besatzungstruppe, in Ituri zu bleiben und für Ordnung zu sorgen. Die ugandischen Soldaten aber kümmerten sich nicht darum, sondern eroberten weitere Gebiete – was das verfeindete Ruanda nun veranlasst hat, seine Armee zurück in den Kongo zu schicken. 20000 ruandische Soldaten sollen sich wieder im Ostkongo befinden, und alle Beobachter rechnen damit, dass die Kämpfe zwischen den verfeindeten Besatzern bald neu ausbrechen. (Süddeutsche Zeitung vom 08.04.03)
 


 


 

15 Prozent der EU-Einwohner von Armut bedroht

Di.08.04.03 - Von Einkommensarmut waren im Jahr 1999 rund 56 Millionen Menschen in der Europäischen Union bedroht. Dies seien 15 Prozent der EU-Einwohner, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Montag mit. Als "armutsriskant" gelten diejenigen, die weniger als 60 Prozent des nationalen Durchschnittseinkommens verdienen.

Am geringsten ist die Armutsgefährdung demnach mit neun Prozent in Schweden. In Dänemark, Deutschland und den Niederlanden lag der Anteil bei elf Prozent. Portugiesen und Griechen hingegen sind mit mehr als 20 Prozent betroffen.

Sozialleistungen verringern das Armutsrisiko deutlich, wie vor allem in Schweden und Dänemark festgestellt wurde. Zwischen Armutsrisiko und Langzeitarbeitslosigkeit besteht nach Angaben der EU-Statistiker ein enger Zusammenhang. (Quelle: taz/dpa)
 


 

Deutschland: Schily will Einsatz von genetischem Fingerabdruck ausweiten

Di.08.04.03 - In der Bundesregierung gibt es Pläne, in der Verbrechensbekämpfung den Einsatz von DNA-Analysen auszuweiten.

Innenminister Otto Schily (SPD) sagte am Montag in Berlin, der Kreis der zu erfassenden Personen solle ausgeweitet und die rechtlichen Voraussetzungen zur Speicherung des so genannten genetischen Fingerdabdrucks abgeschwächt werden. Die Ressortabstimmung über eine Neuregelung laufe bereits unter Federführung von Justizministerin Brigitte Zypries (SPD). Die Grünen lehnen eine Ausweitung von Gen-Analysen ab. Der Bund deutscher Kriminalbeamter unterstützte dagegen Schilys Vorstoß. Die Gewerkschaft der Polizei kritisierte, ohne mehr Personal werde ein größerer rechtlicher Spielraum nichts bringen.

Derzeit können DNA-Analysen bei Beschuldigten erhoben werden, die einer schwer wiegenden Straftat verdächtigt werden. Hierzu zählen Tötungsdelikte, Sexualverbrechen, gefährliche Körperverletzung oder Diebstahl in besonders schwerem Fall, Erpressung und die Gefahr einer Wiederholungsstraftat. Das Bundeskriminalamt (BKA) verfügt über 265.000 DNA-Datensätze. Monatlich kommen bis zu 7000 weitere hinzu.

Schily zufolge sind seit dem ersten Einsatz der DNA-Analyse vor fünf Jahren immer mehr Verbrecher mit Hilfe der Methode überführt worden. "Allein im Jahre 2002 sind durch diese Methode 66 Tötungsdelikte, 135 Sexualstraftaten und mehr als 3000 Eigentumsdelikte aufgeklärt worden", sagte der Minister. DNA-Analysen hätten einen eindeutigen Abschreckungseffekt. Eine möglichst umfassende Nutzung sei sinnvoll.

Ströbele sagte dagegen, die Grünen lehnten eine Ausweitung aus rechtlichen und praktischen Gründen ab. Die sensiblen DNA-Daten seien nur bei konkretem Bedarf und in "unerlässlichem Umfang" zulässig. So könne nicht etwa jeder Ladendiebstahl oder Autounfall mit fahrlässiger Körperverletzung unter die DNA-Analyse fallen. "Das ist kriminialistisch nicht begründbar, uferlos, mangels finanz- und Laborkapazitäten praktisch undurchführbar (...) und durch das Grundgesetz untersagt. Die innenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Silke Stokar, sagte der "Financial Times Deutschland": "Es gibt überhaupt keinen Anlass, jetzt über eine Ausweitung des Personenkreises bei der Speicherung von DNA-Daten zu diskutieren", sagte Nach Stokars Worten muss angesichts von 225 000 Datensätzen in der DNA-Analysedatei des Bundeskriminalamts vielmehr über eine Begrenzung der Datenerfassung gesprochen werden. "Datenspeicherung auf genetischer Grundlage ist ein schwerwiegender Eingriff in Persönlichkeitsrechte."

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter forderte dagegen, den Richtervorbehalt bei DNA-Analysen gänzlich zu streichen.

Der Präsident der Europäischen Polizeigewerkschaften (UISP), Hermann Lutz, hat sich für eine europaweite Vernetzung der DNA-Datenbänke ausgesprochen. Es dürfe nicht weiter europäische Kleinstaaterei in der Verbrechensbekämpfung betrieben werden, sagte Lutz der Chemnitzer "Freien Presse" (Dienstagausgabe).

Was in Deutschland und Großbritannien zu einer Erfolgsgeschichte bei der Eindämmung der Kriminalität geworden sei, "kann nur ein erster Schritt sein", sagte Lutz nach Angaben der Zeitung. Das genetische Material müsse über die EU-Länder hinaus allen nationalen Ermittlungsbehörden in Europa offen stehen. Er forderte Bundesinnenminister Otto Schily auf, sich im Brüsseler Rat der Innen- und Justizminister für die Dateienvernetzung stark zu machen.

Zugleich warnte Lutz davor, den Gentest zur Pflicht eines jeden Bürgers zu machen, egal, ob er sich strafbar gemacht habe oder nicht. Auch dürften nicht einfache Delikte wie etwa Ladendiebstahl zu einer DNA-Analyse führen. "In die DNA-Datei sollten nur Körperverletzungen oder Sexual- und schwere Eigentumsdelikte aufgenommen werden", zitierte die "Freie Presse" den Gewerkschaftschef. (Quellen: rtr, ap, dpa)
 


 

DIHK-Chef Braun für deutliche Kürzung der Lehrlingsgehälter

Di.08.04.03 - Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fordert angesichts des steigenden Lehrstellenmangels eine deutliche Kürzung der Lehrlingsgehälter.

"In wirtschaftlich schwierigen Zeiten könnte man sicherlich viele Unternehmen bewegen, zusätzliche Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, wenn man ihnen erlaubt, Abschläge von zehn oder zwanzig Prozent vorzunehmen", sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun der Hannoverschen "Neuen Presse" vom Dienstag. Die Tarifparteien sollten diesen Vorschlag diskutieren. Braun wandte sich gegen eine Ausbildungsabgabe für Unternehmen, die sich nicht an der Schaffung neuer Lehrstellen beteiligten.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte am Wochenende erklärt, in Deutschland fehlten in diesem Jahr bis zu 140.000 Lehrstellen. Diese müsse die Wirtschaft schaffen. Die Regierung hat angekündigt, mit zinsverbilligten Krediten an Unternehmer die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen zu wollen. Arbeitgeber können danach für jeden neu eingestellten Auszubildenden ein Darlehen von bis zu 100.000 Euro beantragen.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit hat sich die Jugendarbeitslosigkeit im März erneut deutlich erhöht. Zum Monatsende waren 561.800 Arbeitslose jünger als 25 Jahre, 56.7000 mehr als ein Jahr zuvor.
 
 
 
 

mehr Kurznachrichten...


[ vorherige ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   



 

PicoSearch

| Nachrichtenticker | Nachrichten der vergangen Tage |

 | kunst&kult | philosophie | wissenschaft | gesellschaft | diverses | öko | medien | links

| home | home(no frame) |

B.O.A.-Künstlerkooperative
Gabelsbergerstr.17, D-80333 München, Telefon/Fax : 089- 280621,
boa-kuenstlerkooperative@t-online.de