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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Do.10.04.03, 12:45 Zweiundzwanzigster Kriegstag in Irak
Bagdad ist gefallen +++
Irakischer UN-Botschafter räumt Niederlage ein +++
Chaos und Plünderungen in der Stadt +++
Rotes Kreuz stoppt Hilfseinsätze wegen unübersichtlicher Lage +++
Schwere Kämpfe und heftige Luftangriffe im Nordirak +++
Schicksal Saddam Husseins bleibt unklar +++
Humanitäre Lage in Irak bleibt katastrophal +++
International überwiegt Erleichterung über Zusammenbruch des Regimes in Bagdad +++
US-Verteidigungsminister: Der Krieg ist noch nicht vorbei.
Do.10.04.03 - Bagdad ist gefallen. Nach drei Wochen Krieg löste sich das irakische Regime
am Mittwoch im Chaos der Fünf-Millionen-Metropole auf. Als erster Vertreter des irakischen
Regimes hat der Botschafter bei den Vereinten Nationen die militärische Niederlage seiner Regierung
eingeräumt. "Das Spiel ist aus", sagte UN-Botschafter Mohammed el Duri am Mittwochabend in
New York. Er hoffe, das irakische Volk werde in Zukunft in Frieden leben.
Nach dem Fall von Bagdad konzentrieren sich die alliierten Truppen auf Widerstandsnester
in der irakischen Hauptstadt und den Kampf gegen verbliebene irakische Einheiten im Nordens.
Aus dem Nordirak wurden schwere Kämpfe und die heftigsten Luftangriffe seit Kriegsbeginn gemeldet.
Über der Stadt Kirkuk waren nach Angaben des britischen Rundfunksenders BBC amerikanische
Kampfflugzeuge im Einsatz. Auch aus Tikrit, der Heimatstadt von Saddam Hussein, wurden Luftangriffe
gemeldet.
Das Schicksal des irakischen Präsidenten Saddam Hussein blieb weiter unklar.
Außer dem Informationsminister ist kein Mitglied der irakischen Führung seit Tagen
mehr gesehen worden. Minister Mohammed Sajjid el Sahhaf war am Dienstag
zuletzt vor Journalisten aufgetaucht. Es gibt Gerüchte, dass Saddam Hussein in
seine Heimatstadt Tikrit geflüchtet sein könnte. Hier hat er immer noch eine größere
Machtbasis.
US-Truppen stießen in Teilen Bagdads auf sporadischen Widerstand kleinerer
Gruppen von Fedajin-Kämpfern, berichtete in der Nacht zum Donnerstag
der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf das Pentagon in Washington.
Rund um die Hauptstadt haben die Amerikaner Straßenkontrollpunkte eingerichtet.
CNN-Reporter beobachteten, wie Einwohner von Bagdad, die ihre Häuser
verlassen und vorübergehend aufs Land geflüchtet waren, in kleinen Gruppen
zurückkehrten.
Die humanitäre Lage im Irak ist nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR
auch nach dem Fall Bagdads weiterhin sehr unübersichtlich. Angesichts der mangelnden
Stabilität im Land sei die Gefahr für die Helfer noch zu groß und so werde es noch dauern,
bis humanitäre Hilfe geleistet werde könne, sagte UNHCR-Sprecher Kris Janowski am
Donnerstag im Deutschlandfunk. Das UNHCR sei aber vorbereitet und warte in den
Nachbarländern des Irak darauf, zum Einsatz zu kommen.
Nach drei Wochen Krieg hatte sich das irakische Regime am Mittwoch aufgelöst. US-Panzer rollten am 21. Kriegstag
ohne nennenswerte irakische Gegenwehr ins Zentrum der Hauptstadt. Der irakische UN-Botschafter Mohammed el
Douri sagte am Mittwochabend in New York: «Das Spiel ist aus. Ich hoffe, der Frieden wird sich durchsetzen.» Er
hoffe, dass das irakische Volk glücklich werde. Er habe keine Beziehung zu Saddam Hussein und keinen Kontakt zu
der Führungsriege.
Die USA bereiten ein Treffen irakischer Exilpolitiker und lokaler Führer als ersten Schritt zu einer irakischen
Übergangsregierung vor. Ort und Datum stünden noch nicht fest, hieß es in Washington. US- Vizepräsident Richard
Cheney hatte das Treffen zunächst für diesen Samstag in der südirakischen Stadt Nasirija 300 Kilometer südöstlich
von Bagdad angekündigt, sich später aber korrigiert. "Das wird das erste einer Serie regionaler Treffen sein", sagte
US- Außenamtssprecher Richard Boucher.
In Washington betonte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, dass der Krieg noch nicht vorbei sei. Vor allem
müssten Saddam und dessen Söhne gefunden werden. Militärexperten rechnen vor allem in Tikrit, der Heimatstadt
Saddams, noch mit größerer irakischer Gegenwehr.
Der Zusammenbruch des irakischen Regimes in der Hauptstadt Bagdad wurde international überwiegend mit
Erleichterung aufgenommen. Das Weiße Haus in Washington begrüßte die Jubelszenen in Bagdad als "historischen
Augenblick", warnte aber zugleich vor Überschwang. Rumsfeld sagte, angesichts der Jubelszenen in der irakischen
Hauptstadt fühle er sich an den Fall der Berliner Mauer erinnert. Saddam Hussein habe nun einen "rechtmäßigen
Platz" neben Hitler, Stalin und anderen Diktatoren eingenommen.
Der britische Premierminister Tony Blair äußerte sich "erfreut" über die Entwicklung in Bagdad. Bundeskanzler
Gerhard Schröder begrüßte den Vormarsch der Truppen der USA und Großbritanniens in Bagdad uneingeschränkt.
Der baldige Sieg werde erhofft und sei natürlich auch erwünscht, betonte der Kanzler. Aus Paris und Moskau lagen
keine offiziellen Reaktionen vor.
Die ägyptische Regierung warnte vor "ausländischer Einmischung" bei der Bildung einer neuen Führung im Irak. Es
sei wichtig, dass die Iraker ihre Führer und ihre Regierung selbst wählten ohne Einmischung von außen, sagte
Außenminister Ahmed Maher in Kairo.
Trotz der Einnahme weiter Teile Bagdads zeichnete sich keine Verbesserung der katastrophalen Lage in den
Krankenhäusern ab. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sprach in Genf von völlig überlastetem Personal und
schlechter Versorgung. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) stellte wegen der angespannten
Sicherheitslage in der Haupstadt die Arbeit vorübergehend ein.
Ein Sprecherin des IKRK bestätigte den Tod eines seit Dienstagabend in Bagdad vermissten Delegierten der
Organisation. Der Kanadier war schwer verletzt worden, als ein Hilfskonvoi des IKRK beschossen wurde. Bei dem
Feuerwechsel seien zwölf weitere Menschen getötet worden, sagte die Sprecherin. Es sei nicht direkt auf die beiden
Fahrzeuge des IKRK gezielt worden. (Quellen: dpa, ap)
«Irgendwie hat sich jetzt das Hussein-Regime, so wollen es uns wenigstens
das Militär, die Medien und die Bilder vermitteln, dementsprechend weitgehend in Luft aufgelöst,
fast so, als habe es nie wirklich existiert. Zurück bleiben die Ruinen, die
zerstörten Panzer, die Paläste und zahllose Bilder und Staturen von Saddam. Und
der Thron des Kaisers scheint so leer zu sein wie seine Paläste» Der gesamte Feldzug sei, so meinte gestern der britische Militärhistoriker John Keegan,
eigentlich gar kein Krieg gewesen. Trotzdem seien Schusswechsel von unerfahrenen
Journalisten, die mit an der Front dabei sein durften, als große Schlachten beschrieben
worden, und Hindernisse als Niederlagen: "In Wirklichkeit hat es fast keine Hindernisse für
den unaufhaltsamen Vorrücken der Koalition, besonders für den dramatischen Marsch der
Amerikaner nach Bagdad gegeben. Es gab auch keine großen Schlachten. Das war ein
Zusammenbruch, kein Krieg."
Unbekannt ist freilich die Zahl der Opfer unter den Militärs und den Zivilisten auf der
irakischen Seite, auf der Seite der alliierten Truppen waren die Verluste minimal.
Florian Rötzer, Telepolis 09.04.03
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«Ali Ismail Abbas verlor bei einem Bombenangriff seine Eltern, sieben
Familienmitglieder - und seine beiden Arme. Das grausame Schicksal des Zwölfjährigen, in britischen
Zeitungen hitzig diskutiert, könnte den zivilen Opfern des Irak-Kriegs ein Gesicht geben »
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Der zwölfjährige Ali Ismail Abbas schlief tief, als der Krieg sein Leben zerstörte.
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USA und Briten: Kein schnelles Kriegsende zu erwarten
Do.10.04.03 - Als "historischen Moment" haben die Kriegsverbündeten USA und Großbritannien am
Mittwoch die Ereignisse rund um die Einnahme der irakischen Hauptstadt Bagdad durch ihre Truppen
gewürdigt. Zugleich warnten sie davor, ein schnelles Kriegsende zu erwarten.
"Dieser Konflikt ist noch nicht vorbei", sagte der britische Premierminister Tony Blair in London und
warnte wie US-Präsident George W. Bush vor den Gefahren, die noch vor den Soldaten der Invasionstruppen
liegen könnten. Es sei nicht zu sagen, "wie schnell dieser Krieg zu Ende gehen wird", sagte auch Bushs Stellvertreter
Dick Cheney. Der Einschätzung des US-Militärs zufolge steht der Irak nun an einem Wendepunkt und die Bevölkerung
des Landes beginne zu begreifen, dass die Macht von Präsident Saddam Hussein zu Ende sei.
Die US-Truppen errangen im Laufe des Mittwochs die Kontrolle über das gesamte
Zentrum Bagdads Ein weltweites Echo lösten die Bilder vom Sturz einer Statue des
irakischen Präsidenten Saddam Hussein aus, die auf einem zentralen Platz in der
Millionenstadt stand. Bewohner tanzten auf ihren Trümmern und versuchten
sich Stücke aus dem marmornen Sockel herauszubrechen.
"Die Szenen, die die Leute im Fernsehen verfolgen, sind eindeutig ermutigende Zeichen für
den militärischen Fortschritt", sagte Fleischer unter Hinweis auf den Sturz der
Statue. "Das ist ein historischer Moment." Von einem Sieg in Irak sei erst zu sprechen,
wenn in wesentlichen Teil des Landes keine Gewalt mehr herrsche und die letzten Reste der
bisherigen Herrschaft verschwunden seien, sagte ein Sprecher Blairs.
Blair hatte zuvor vor dem Parlament davor gewarnt, dass die Invasionstruppen noch immer auf Widerstand träfen.
Dieser werde zwar nicht von der breiten Bevölkerung getragen, "aber von denjenigen aus Saddams Regime, die sich
an die Macht klammern." "Es ist zum jetzigen Zeitpunkt extrem schwer zu sagen, was von den höheren Rängen der
irakischen Führung unter Saddam noch übrig geblieben ist", fügte er hinzu.
Ein Sprecher Bushs sagte unter Hinweis auf die Fernsehbilder aus der irakischen Hauptstadt: "Was sie da sehen, ist
nur ein Teil von Bagdad. Es bleiben noch eine Menge Bereiche in Bagdad, die für unsere Soldaten gefährlich sind."
Bush bleibe sehr vorsichtig, "weil er weiß, dass noch immer große Gefahren vor uns liegen können", sagte Fleischer.
"So gut die Dinge auch laufen, befinden wir uns immer noch in einer Militäroperation, bei der Menschenleben auf dem
Spiel stehen", fügte er hinzu.
Die US-Armee bestätigte diese Einschätzung der militärischen Lage. Es gebe noch Reste der bisherigen irakischen
Führung und sie verfüge noch über bestimmte militärische Möglichkeiten, sagte Brigadegeneral Vincent Brooks im
Hauptquartier der Invasionstruppen in Katar. Der Feldzug habe nun aber einen Punkt erreicht, an dem sich in der
Bevölkerung die Gewissheit durchsetze, dass Saddams Regierung die Macht nicht mehr wie bisher ausübe.
(Quelle: rtr)
Skepsis für die Zeit nach der «Schlacht um Bagdad»
Do.10.04.03 - Skepsis über die Chance für internationale Zusammenarbeit beim Wiederaufbau des
Irak, aber auch Unsicherheit angesichts des überraschenden Verlaufs der «Schlacht um Bagdad» haben
die Reaktionen der internationalen Medien geprägt. Die Londoner «Times», ein Befürworter der
amerikanisch-britischen Invasion, sah trotz des Zusammenbruchs des Regimes keinen Grund zum Jubel:
«Die Armee wird schärfer gegen Plünderungen vorgehen müssen. Denn die Herzen und Köpfer können nicht
gewonnen werden, wenn die Diktatur durch Anarchie ersetzt wird.»
llig überrollt wurden die Journalisten der Zeitungen vom schnellen
Zusammenbruch des Regimes von Saddam Hussein: «US-Truppen rücken Straße
für Straße vor - Blutige Kämpfe in Bagdad», entnahmen die Londoner beim
Frühstück am Mittwoch der Schlagzeile des «Independent», als ihnen der Sender
BBC schon Fernsehbilder aus der Hauptstadt ohne jede Kriegshandlung, dafür aber
mit jubelnden und plündernden Irakern ins Haus lieferte.
Auf der Kommentarseite galt der Blick des Blattes aber auch schon dem
Nachkriegs-Irak. Versprechungen von US-Präsident George W. Bush bei seinem Treffen mit
dem britischen Premierminister Tony Blair in Belfast über eine «zentrale Rolle» für die Vereinten
Nationen bei der Katastrophenhilfe und beim Wiederaufbau tat der «Independent» als «wohlformulierte
Gefälligkeitsäußerungen» für den auf eine größere UN-Rolle drängenden Blair ab: «Erst
im Detail werden wir dann die wirklichen Absichten Washingtons hinter all den Phrasen von einer
Regierung der Irakis für den Irak sehen können.»
Auch der Brüsseler «Le Soir» äußerte sich überzeugt, dass Bush und Blair in Belfast nur eine «Show»
ablieferten: «Im Grunde bleiben die wirklichen Differenzen bestehen, während Washington Pläne für eine
amerikanische Verwaltung im Irak ausarbeitet.» Die niederländische «Volkskrant» warnt vor einer
möglichen Feigenblatt-Funktion für die Vereinten Nationen: «Wenn sich die UN den US-Generälen Garner und Franks
unterordnen müssen, kann dies die nachträgliche Sanktionierung des Krieges ausgelegt werden.»
Die massiv überwiegende Skepsis der tonangebenden europäischen Zeitungen gegen das Vorgehen Washingtons im
Irak zeigte sich auch in kritischen Kommentaren zum US-Beschuss von zwei Medienzentren in Bagdad mit dem Tod
von drei Journalisten als Folge. «Aftenposten» in Oslo meinte: «Die Amerikaner müssen sich der Frage stellen, ob
dies ein Terrorbeschuss war, der internationale Zeugen aus Bagdad verjagen soll, ehe der abschließende Kampf um
die Stadt beginnt. Es fällt schwer, an unglückliche Zufälle und tragische Fehlentscheidungen zu glauben.»
Im benachbarten Kopenhagen stellt die linksliberale Zeitung «Information» die Frage, was angesichts des
Kriegsverlaufs nun im Nachhinein von der alles andere überschattenden Begründung der US- Regierung für ihren
militärischen Angriff auf den Irak zu halten ist: «Wenn Saddam Husseins Regime die westlichen Invasionsstreitkräfte
nicht mit Massenvernichtungswaffen anzugreifen wünschte, ist es wohl wenig wahrscheinlich, dass es
Nachbarstaaten oder die eigene Bevölkerung damit angegriffen hätte.» Fehlende Beweise für das Vorhandensein
solcher Waffen monierte aus den USA selbst die «New York Times»: «Noch sind keine chemischen Waffen klar
identifiziert worden.» (Quelle: dpa)
Humanitäre Lage im Irak bleibt katastrophal
Do.10.04.03 - Auch nach der Einnahme Bagdads durch die Kriegskoalition
zeichnete sich am Mittwoch keine Verbesserung der katastrophalen
Lage in den Krankenhäusern ab. Die Weltgesundheitsorganisation WHO
sprach in Genf weiter von völlig überlastetem Personal und schlechter
Versorgung. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz
(IKRK) stellte wegen der angespannten Sicherheitslage in
der Haupstadt die Arbeit vorübergehend ein.
Chaotische Zustände und Plünderungen in weiten Teilen des Iraks erschweren nach
Angaben des UN-Kinderhilfswerkes UNICEF die Reorganisation der humanitären
Hilfe. Große Sorge bereitet den Helfern vor allem der Mangel an sauberem Wasser.
Das IKRK erklärte am Mittwoch in Genf, es werde seine Tätigkeit sobald wie
möglich wieder aufnehmen. Am Vortag war ein IKRK-Konvoi beschossen worden.
Seit Dienstag vermisst das IKRK einen kanadischen Mitarbeiter. Er saß in einem
Hilfskonvoi von Fahrzeugen, als dieser beschossen wurde. Es sei nicht möglich
festzustellen, ob das IKRK-Team in ein Kreuzfeuer geraten oder direkt
angegriffen wurde. Die Organisation könne wegen der Kämpfe nicht an den
Tatort gelangen.
Es wird vermutet, dass der 48 Jahre alte Mitarbeiter und Logistik-Experte schwer
verletzt wurde. Zwei weitere IKRK-Mitarbeiter, die versucht hatten, den Mann aus
den deutlich gekennzeichneten IKRK-Fahrzeugen zu bergen, hätten fliehen müssen.
Seit der Zunahme der Kämpfe in Bagdad hatte das IKRK sein Engagement im Irak, das
es als einzige Organisation noch mit Ausländern wahrnahm, bereits eingeschränkt. Das IKRK
kümmert sich vor allem um die Versorgung von Krankenhäusern und die Wiederherstellung der Wasserversorgung.
Die Notaggregate in den Krankenhäusern stünden kurz vor dem Zusammenbruch, sagte die WHO
Die Versorgung mit sauberem Wasser ist derzeit das Hauptproblem im Irak. Die Weltgesundheitsorganisation WHO
steht in Jordanien mit 23 Geräten bereit, mit denen die Wasserqualität getestet werden kann, sagte WHO-Sprecher
Ian Simpson. "Die Lage in den Krankenhäusern ist schlimmer geworden, weil sich nichts ändert", sagte Simpson.
Sauberes Wasser werde in den vollbelegten Krankenhäusern dringend für Operationen gebraucht. "Wir warten darauf,
in den Irak fahren zu können, aber diese Entscheidung wird auf der Ebene der Vereinten Nationen gefällt", sagte der
Sprecher.
Das Kinderhilfswerk UNICEF warnt seit Tagen, dass vor allem Kinder im Irak durch Wassermangel und Krankheiten
bedroht sind. UNICEF-Helfer berichten, dass die gefährlichen Durchfallerkrankungen bei Kindern im Süden des Landes
zunehmen. Die Versuche von Helfern, Not leidende Kinder und Frauen mit Nahrungsmitteln zu versorgen, seien stark
beeinträchtigt, erklärte UNICEF-Direktorin Carol Bellamy am Mittwoch.
Während in Teilen des Iraks die Lebensmittel knapp werden, läuft die Wiederaufnahme des UN-Hilfsprogramms für die
Bevölkerung nur schleppend an. Bislang konnten wegen des anhaltenden Krieges noch keine neuen Lieferungen aus
dem Programm "Öl für Lebensmittel" in das Land geschickt werden. Das geht aus einem Lagebericht hervor, den der
Direktor des Irak-Programms, Benon Sevan, am Dienstag (Ortszeit) dem Weltsicherheitsrat erstattet hatte.
Die Europäische Union gibt 9,5 Millionen Euro für humanitäre Hilfe im Irak. Das sagte ein Sprecher der
EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. Das Geld dient der Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und
medizinischer Ausrüstung vor allem in den Kriegsgebieten im Süden des Iraks. Auch Großbritannien stockt seine
Nothilfe und die Kriegskasse für den Irak kräftig auf. Im Haushalt für das Jahr 2004, den Finanzminister Gordon Brwon
am Mittwoch in London stellte, sind 240 Millionen Pfund (360 Millionen Euro) für die humanitäre Hilfe vorgesehen, die
zum Wiederaufbau des Landes nach Ende des Krieges dienen soll. Japan veranschlagt nach Presseberichten bis zu
100 Millionen Dollar an humanitärer Hilfe. (Quelle: dpa)
Sicherheitsrat strebt schnellen Beschluss zur UN-Rolle im Irak an
Do.10.04.03 - Der Weltsicherheitsrat strebt einen baldigen Beschluss zur Rolle
der Vereinten Nationen beim Wiederaufbau des Iraks an. Man hoffe, sich rasch auf
eine gemeinsame Position einigen zu können, sagte der amtierenden
Ratspräsidenten Adolfo Aguilar Zinser. Er deutete an, dass der Sicherheitsrat
intensive Verhandlungen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan führt. Dabei geht es
um mögliche Aufgaben der UN, die über die humanitäre Versorgung hinausgehen.
(Quelle: dpa)
USA planen Treffen irakischer Oppositioneller
Do.10.04.03 - Die USA planen nach Angaben der irakischen Opposition
ein Treffen von mehr als 40 irakischen Politikern zur Zukunft des Landes. Eine
große schiitische Oppositionsgruppe kündigte bereits ihren Boykott an.
Der Chef des Irakischen Nationalkongresses, Ahmed Chalabi, sagte am Mittwoch,
von den eingeladenen Politikern seien 14 im Exil gewesen, 29 weitere kämen aus
verschiedenen Gruppen des Landes. US-Vizepräsident Dick Cheney sagte, bei dem
Treffen solle mit den Planungen für eine irakische Übergangsregierung begonnen
werden. Der Sprecher des US-Außenministeriums ergänzte, es werde das erste
von einer Reihe regionaler Treffen sein, die in eine Konferenz in Bagdad münden
sollten, auf der dann eine Übergangsregierung bestimmt werden solle.
Der Londoner Vertreter des Hohen Rats für die Islamische Revolution im Irak
(SCIRI), Hamid el Bajati, kündigte an, seine Gruppe werde das Treffen
boykottieren: "Wir können uns nicht an einer Militärregierung über das Land
beteiligen", sagte er. SCIRI mit Sitz in Teheran wird von Schiiten dominiert und ist
eine der größten irakischen Oppositionsgruppen. Experten sehen die Haltung der
Schiiten als entscheidend für den Erfolg der US-Pläne im Irak. Ohne die Unterstützung
schiitischer Geistlicher und Politiker könne es schwierig werden, das Land zu regieren, hieß es.
Chalabi kritisierte, bei dem geplanten Treffen seien Stammesführer und Vertreter der Landbevölkerung
überrepräsentiert. "Stammesführer sind natürlich sehr wichtig, aber Irak ist eine überwiegend urbane Gesellschaft und
ich denke, es sollte eine stärkere Vertretung der Stadtbevölkerung geben."
Das Treffen soll Chalabi zufolge am Samstag auf einem Luftwaffenstützpunkt außerhalb der irakischen Stadt
Nassirijah stattfinden. US-Vertreter sagten, der genaue Termin hänge von der Sicherheitslage ab.
(Quelle: rtr)
London und Madrid für schnelle Selbstverwaltung
Do.10.04.03 - Spanien und Großbritannien haben sich dafür ausgesprochen, dass der Irak nach dem
Krieg so schnell wie möglich eine Selbstverwaltung erhält. Die USA, Großbritannien und Australien als
Besatzungsmächte würden ihrer Verantwortung dafür in gerechter Weise entsprechend der Genfer Konvention
nachkommen, sagte der britische Außenminister Jack Straw am Mittwoch nach einem Treffen mit seiner
spanischen Kollegin Ana Palacio in Madrid. «Wir werden hart dafür arbeiten, dass der Irak wieder eine eigene
Regierung erhält.»
London und Madrid seien sich auch darin einig, dass die Vereinten Nationen beim
Wiederaufbau des Landes eine zentrale Rolle spielen müssten. Auch solle bei der
Einrichtung einer provisorischen Verwaltung mit den UN kooperiert werden.
Angesichts der Entwicklung sei mit einem schnellen Ende des Regimes von
Saddam Hussein zu rechnen, sagten beide Minister. Wenn das geschehe, werde
dem Terror ein Ende gesetzt worden sein. Der Irak werde dann ein freieres und
besseres Land sein.
Die Europäische Union dringt zunehmend auf eine starke Rolle der Vereinten Nationen
im Nachkriegs-Irak. Der außenpolitische EU-Beauftragte Javier Solana forderte am
Mittwoch, die Tätigkeit der UN nicht auf humanitäre Hilfe zu beschränken. Auch Frankreich
sprach sich erneut für eine bedeutende Rolle der Staatengemeinschaft beim Wiederaufbau
des Iraks aus. UN-Generalsekretär Kofi Annan will beim EU-Gipfel am 16. und 17. April mögliche
Aufgaben der UN beim Wiederaufbau erörtern.
Dänemark und Australien kündigten unterdessen ihre Unterstützung einer US-geführten
Verwaltung in Bagdad an. "Die Rücksicht auf das Wohl des irakischen Volkes ist wichtiger als die
auf eine führende Rolle der UN beim Wiederaufbau", sagte der dänische Ministerpräsident Anders
Fogh Rasmussen der Zeitung "Jyllands-Posten". Australien gab die Entsendung von fünf Beamten
nach Kuwait zur Unterstützung der US-Vorbereitungen für die Nachkriegsverwaltung bekannt.
Solana sagte in einem Interview mit dem britischen Sender BBC, die UN müssten auch an der Gestaltung neuer
politischer Strukturen im Irak beteiligt werden. "Früher oder später werden die UN die Legitimität einer vorläufigen
Regierung im Irak garantieren müssen." Nach Auffassung des französischen Außenministers Dominique de Villepins
haben die Alliierten die vorrangige Verantwortung für die Sicherheit des Iraks.
US-Präsident George W. Bush hatte sich am Dienstag nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister Tony
Blair in Belfast zu einer "vitalen" Rolle der Vereinten Nationen bekannt, diese jedoch im Wesentlichen als Verteilung
von Nahrungsmitteln und Medikamenten beschrieben. In einer Erklärung hatten die beiden Kriegsverbündeten
festgehalten: "Die Vereinten Nationen haben beim Wiederaufbau des Iraks eine entscheidende Rolle zu spielen." Die
USA und Großbritannien wollen sich demnach um eine neue UN-Resolution bemühen, die "eine angemessene
Nachkriegs-Verwaltung für den Irak bestätigen" soll.
Nach Ansicht des Washingtoner Soziologen Norman Birnbaum will Bush die UN vor allem als Zahlmeister nutzen.
Bushs Ankündigung einer entscheidenden Rolle der UN halte er "für eine glatte Lüge", sagte Birnbaum am Mittwoch
in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
US-Staatssekretär John Bolton bekräftige bei einem Besuch im Vatikan am Mittwoch, die USA wollten nur so lange
im Irak bleiben, bis die Iraker selbst eine Regierung bilden könnten. "Wir waren uns einig, dass es keine
Langzeit-Präsenz der USA im Irak geben soll", sagte Bolton nach einem Treffen mit dem vatikanischen
Außenminister Jean Louis Tauran. Es war der erste Besuch eines Vertreters der US- Regierung im Vatikan seit
Beginn des Irak-Krieges am 20. März.
Hoffnungen auf baldige Demokratie in Iark sind unrealistisch
Im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Sturz von Saddam Husseins Regime ist
auf amerikanischer und britischer Seite viel von einer demokratischen Zukunft im
Irak die Rede. Shlomo Avineri hält in einem Beitrag für die Neue Züricher Zeitung (10.04.03) solche
Vorstellungen angesichts der Realitäten in andern Ländern der Region und der Erfahrungen in
Ex-Jugoslawien oder den posttotalitären Gesellschaften der früheren Sowjetunion für völlig utopisch und
unrealistisch.
Mehr unter:
Avineri ist Professor für politische Wissenschaften an der Hebräischen Universität in Jerusalem.
«Nicht nur krachende Raketen und Zerstörung
«Das Versprechen von Demokratie und Wohlstand bestimmt die
aktuelle amerikanische Rhetorik. Eine erfahrene Hand, so die
Suggestion, genüge, um diese wertvollen Güter made by America
ins Zweistromland zu katapultieren und an die Ufer des Euphrat
und Tigris zu verpflanzen. Es gehört zum Konzept, sie möglichst
ohne größeren Anpassungsaufwand in die östlichen Länder zu
transportieren. Aber bei der eifrigen Ausführung ihrer
internationalen Anliegen lassen die Amerikaner die späteren
Folgen unberücksichtigt. Sie tragen ihre Technologie in den
irakischen Krieg hinein, ohne sich Gedanken darüber zu machen,
wie diese Technologie dort wirkt und worauf sie trifft.
Heideggers Behauptung, dass die Technologie nicht denkt, findet
ihre Entsprechung im amerikanisch-britischen Krieg gegen den
Irak. Der Technologie fehlt alle Einsicht, dennoch ist sie die
stärkste amerikanische Doktrin. Bomben, Raketen und Granaten
fragen nicht nach ihrem Ziel und übergehen alle Lebensfragen
der Anderen. Die Massaker in Basra und Bagdad sind die
glaubwürdigeren Ergebnisse, denn Zerstörung ist das, was die
Militärmaschinerie vermag. Die Diktion, die sich der Begriffe
„Zivilisation", „Befreiung" und „Aufbau" bedient, erscheint
angesichts dessen, was die Kriegsjets abwerfen, als
demagogische Propaganda. Hier ist jegliche Entschuldigung im
einzelnen verfehlt, der Fehler ist die militärische Stärke selbst.
Nicht nur krachende Raketen und Zerstörung verdunkeln die
amerikanische Mission. Ihr naiver Optimismus ist zudem mit der
bitteren Erfahrung jener Völker unvereinbar, die seit
Generationen mit modernistischen und revolutionären Ideologien
gefüttert wurden, deren Versprechen sich mit der Zeit in
Katastrophen und Gräueltaten verwandelten. Die Floskel
„Demokratie" steht etwa in der Baath-Propaganda an erster
Stelle, ein gebranntes Volk wie das irakische kennt den Begriff
vor allem als Lippenbekenntnis. Zudem tragen die USA in der
allgemeinen Vorstellung der Iraker nicht das Gesicht des
demokratischen wohlstandsbringenden Befreiers. Die Iraker
brauchen nur die eigene Erinnerung zu bemühen – weder der
Streit ums Öl diente je ihrem Wohlstand, noch die britische
Unterstützung der Monarchie noch gar der amerikanische
Beistand für eine Demokratie à la Saddam Hussein.
Im politischen Weltbild der Araber bestimmt vor allem ein
Element das Bild der USA: ihre Unterstützung von
Gewaltherrschaften. So solidarisierten sich in der Regel die
Araber – gleich welcher politischen Couleur – stets mit all jenen,
die von Amerika bekriegt wurden, sei es in Vietnam, Nicaragua
oder Chile. Nichts von dem, was Amerika in der jüngeren
Geschichte tat, war dazu geeignet, dem traditionellen Hass auf
Amerika in der arabischen Welt entgegenzuarbeiten.»
Abbas Beydoun, libanesischer Dichter und Feuilletonchef der libanesischen
Tageszeitung "As-Safir", in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung vom
10.04.03.
USA: Irak-Konflikt Lehre für Iran, Syrien und Nordkorea.
Do.10.04.03 - Die USA haben am Mittwoch Syrien, den Iran und Nordkorea aufgefordert,
die "richtigen Lehren" aus dem Konflikt um die Abrüstung des Irak zu ziehen. Zugleich erneuerten
sie ihre Vorwürfe an Syrien, die irakische Führung unter Präsident Saddam Hussein zu
unterstützen.
"Im Hinblick auf die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen (...) hoffen wir, dass eine Reihe
von Regimes die richtigen Lehren aus dem Irak zieht", sagte der US-Abrüstungsbeauftragte John
Bolton in Rom und fuhr fort, "nämlich, dass das Streben nach Massenvernichtungswaffen nicht in
ihrem nationalen Interesse ist". In diesem Zusammenhang nannte er ausdrücklich Syrien, den Iran
und Nordkorea, die drei Staaten, die die USA gemeinsam mit Irak wegen der Rüstungsvorwürfe als
Teil einer "Achse des Bösen" bezeichnet hatten.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld warf Syrien am Mittwoch vor, Anhänger
Saddams bei der Flucht aus Irak zu unterstützen. "Uns liegen teilweise Geheimdienstinformationen vor,
nach denen Syrien dabei geholfen hat, die Flucht von Leuten aus dem Irak und nach Syrien zu ermöglichen",
sagte er in Washington. Seit Kriegsbeginn hatte die US-Regierung Syrien wiederholt eine militärische
Unterstützung Saddams vorgeworfen. Syrien wies die Vorwürfe zurück.
42 Prozent der US-Bevölkerung sind jüngsten Umfragen zufolge für einen Einsatz gegen Syrien, sollte der
westliche Nachbar des Irak Saddam unterstützen. Die Hälfte der Befragten befürwortete zudem einen Militärschlag
gegen den Iran, wenn das östliche Nachbarland des Irak seine Entwicklung von Nuklearwaffen weiter vorantreibe.
"Syrien ist ein gutes Beispiel", sagte Bolton. "Ich hoffe, es wird zu dem Schluss kommen, dass es seine Programme
an chemischen und biologischen Waffen, die es betreibt, aufgeben sollte." Priorität der USA sei "eine friedliche
Beseitigung dieser Programme", sagte Bolton weiter und fügte hinzu, dass dies das leitende Prinzip im Umgang der
USA mit Nordkorea und dem Iran sei. Der Iran hat erklärt, sein Nuklearprogramm sei auf zivilen Nutzen ausgelegt.
Nordkorea löste in den vergangenen Monaten eine internationale Krise mit der Ankündigung aus, sein Atomprogramm
wieder aufzunehmen.
Wegen des Vorwurfs, Massenvernichtungswaffen zu besitzen und nicht wie von den Vereinten Nationen (UNO)
gefordert abzurüsten, haben die USA und Großbritannien am 20. März einen Militärschlag gegen den Irak begonnen.
Am Mittwoch Truppen der Verbündeten unter dem Jubel tausender Einwohner die Kontrolle über zentrale Teile der
Hauptstadt Bagdad. (Quelle: rtr)
Cheney: US-Truppen haben Journalisten nicht gezielt beschossen
Do.10.04.03 - US-Vizepräsident Dick Cheney hat am Mittwoch
Vermutungen zurückgewiesen, US-Truppen hätten in Bagdad gezielt Journalisten
angegriffen.
"Die Idee, dass die USA Journalisten gezielt angegriffen haben, ist offensichtlich
vollkommen falsch", sagte Cheney in einem Gespräch mit Chefredakteuren in New
Orleans. "Wer das glaubt, muss schon ein Idiot sein", fügte er hinzu. In der
irakischen Hauptstadt waren am Vortag durch US-Feuer mehrere Journalisten
getötet worden, darunter ein Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters.
Internationale Journalistenvertretungen hatten Zweifel daran geäußert, dass es
sich bei den Angriffen um Versehen gehandelt habe.
Nach dem Kriegsrecht sei es den Truppen erlaubt, Feuer zu erwidern, sagte Cheney
weiter und bekräftigte Angaben der US-Armee, die Soldaten hätten auf Angriffe
reagiert und dabei die Journalisten im Hotel "Palestine" im Zentrum Bagdads getroffen.
Reporter im Hotel sagten dagegen, von dem Gebäude und seiner Nachbarschaft aus
seien ihrer Beobachtung nach keine Schüsse ausgegangen.
"Es ist schwer zu glauben, dass das nur ein Versehen war", sagte eine Nahost-Expertin des in Paris ansässigen
Verbandes Reporter ohne Grenzen. Das Komitee zum Schutz von Journalisten in New York zeigte sich überzeugt,
"dass diese Angriffe die Genfer Konventionen (zum Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegsgebieten) verletzen". Der
Deutsche Journalistenverband (DJV) stellte in einer Protestnote an die US-Regierung fest: "Heute müsse wir mit
Entsetzen zur Kenntnis nehmen, dass das Hotel Palestine in Bagdad, das Hauptquartier der Journalisten aus aller
Welt, von US-amerikanischem Militär gezielt unter Beschuss genommen wird." Auch Vertreter der Bundesregierung
forderten eine Untersuchung des Vorfalls.
Nach Angaben der US-Armee hatte ein Panzer am Dienstag eine Granate auf das Hotel "Palestine" abgefeuert. Dabei
kamen zwei Kameraleute ums Leben, mehrere Journalisten wurden verletzt. Bei US-Angriffen auf das Büro des
arabischen Fernsehens El Dschasira wurde Angaben des Sender zufolge ebenfalls ein Berichterstatter getötet.
(Quelle: rtr)
«Die Schüsse auf die JournalistInnen in Bagdad kündigen
die neue Welt-Informationsordnung von US-Gnaden an »
"Ganz offenkundig dehnt die derzeitige US-Führung ihren Grundsatz
'Wer nicht für uns ist, ist gegen uns' mittlerweile auf missliebige
Medien aus. Wo immer sich auch nur der leiseste Bezug
journalistischer Arbeit zur irakischen Kriegspropaganda herstellen
lässt, markiert das US-Militär ein neues Ziel für Bomben oder
Panzergranaten." (Tageszeitung vom 10.04.03)
Mehr unter:
Sollten wir uns in unseren Berichten nicht vor Augen
halten, dass es dieser ganzen Invasion an Legitimität mangelt ? Natürlich, die Amerikaner behaupten, dass sie nicht mehr als die
ursprüngliche UN Resolution 1441 benötigten, um in den Krieg zu ziehen. Aber wenn das der Fall ist, warum wollten die
Britten und die Vereinigten Staaten vergeblich eine zweite Resolution ? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leser und
Zuschauer diese Verlogenheit von all diesen Kunststücken bemerken, und dass wir Journalisten weiterhin dieselben Leser und
Zuschauer beleidigen, indem wir denken, dass wir sie reinlegen können. (Robert Fisk in "The Independent")
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Wegen Irak-Krieg und SARS - Airlines auf Sinkflug
Do.10.04.03 - Der Irakkrieg und die Lungenentzündung SARS
setzen die ohnehin angeschlagene Luftfahrtindustrie immer mehr
unter Druck. Nach Kürzungen in den Flugplänen setzen die Airlines
nun auch beim Personal den Rotstift an. Wegen der
Buchungseinbrüche und mangelnder Auslastung meldet die
Branche Kurzar- beit, Arbeitszeitverkürzung sowie betriebsbedingte
Kündigungen.
Bei der Lufthansa soll das Bodenpersonal in Deutschland wegen
der Buchungsrückgänge vom 15. April an ohne Lohnausgleich
eineinhalb Stunden weniger arbeiten. Das Krisenpaket schließt
außerdem Kurzarbeit für die 13.000 Beschäftigten in den Kabinen
ein.
Die australische Fluggesellschaft Qantas streicht 1.400 ihrer rund
35.000 Arbeitsplätze. Außerdem sollen 300 Vollzeitstellen in
Teilzeitjobs umgewandelt werden, so das Unternehmen.
Die italienische Fluggesellschaft Alitalia entlässt angesichts der
Verluste im ersten Quartal 2003 von 50 Millionen Euro vor allem
Flugbegleiter auf Mittel- und Langstreckenflügen. Falls sich die
Situation weiter verschlechtert, könnte es zu weiterem
Stellenabbau kommen. Anfang des Monats hatte die
niederländische KLM den Abbau von bis zu 3.000 der etwa 30.000
Arbeitsplätze angekündigt.
(Quelle: taz/dpa
Merz: Deutsche Unternehmen müssen vom Wiederaufbau profitieren
Do.10.04.03 - Der stellvertretende Unions-Fraktionschef Friedrich Merz (CDU)
will die deutsche Beteiligung am Wiederaufbau im Irak von entsprechenden
Aufträgen für deutsche Unternehmen abhängig machen.
"Natürlich wird Deutschland mit anderen einen finanziellen Beitrag leisten", sagte
Merz der "Passauer Neuen Presse" vom Donnerstag. "Und wenn wir uns finanziell
am Wiederaufbau beteiligen, müssen auch deutsche Firmen davon profitieren." Die
gesamte Region um den Irak sei "ökonomisch interessant und eine potenzielle
Wachstumsregion". Hier dürfe die deutsche Wirtschaft nicht außen vor bleiben.
Merz sprach sich zudem für eine führende Rolle der Vereinten Nationen (UNO)
beim Wiederaufbau des Iraks aus. Einen Einsatz deutscher Soldaten zur Sicherung des
Wiederaufbaus lehnte er aber ab.
Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) drang abermals darauf, die
UNO an einer Nachkriegsordnung für den Irak zu beteiligen. "Ich halte es nicht für richtig,
dass es zu einer US-Führungsrolle im Irak kommt", sagte sie am Mittwoch
abend in der ARD. "Es darf keine Besatzungsregierung der Vereinigten Staaten geben." Deutschland werde sich an
einem Wiederaufbau unter UNO-Mandat beteiligen. Bei der Finanzierung müssten die Krieg führenden Staaten sowie
die Befürworter des Krieges besonders in die Pflicht genommen werden. Sie befürchte jedoch, dass die USA bestrebt
seien, ihren Sieg Gewinn bringend umzusetzen. "Den USA geht es in der Nachkriegsordnung vor allem um ihr
Geschäft - etwa beim Öl", sagte die Ministerin. (Quelle: rtr)
Die US-amerikanische Rüstungsindustrie zählt zu den sicheren
Gewinnern des Irak-Kriegs. Beobachter rechnen mit
Einnahmen in Milliardenhöhe aus Aufträgen zur
Wiederauffüllung des US-Waffenarsenals und neuen
Absatzchancen im Ausland.
Allein in den ersten 14 Kriegstagen haben US-Streitkräfte mehr
als 8700 Bomben über dem Irak abgeworfen, darunter rund
3000 Marschflugkörper. Schon beim ersten Angriff auf Bagdad
kamen unter anderem 36 der rund eine Million US-Dollar teuren
Tomahawk-Missiles zum Einsatz. Nach Berechnungen des
US-Außenministeriums werden US-Waffenschmieden in diesem
Jahr Rüstungsgüter im Wert von 14 Milliarden Dollar verkaufen
können und damit höhere Jahreseinnahmen haben als in den
letzten zehn Jahren. 2002 lag der Verkaufserlös bei 12,5
Milliarden Dollar.
»Es ist tragisch, aber das Geschäft mit dem Krieg zahlt sich
aus«, kommentiert Douglas Mattern von der in New York
ansässigen »War and Peace Foundation«. (Aus: "junge Welt" vom 10.04.03)
Explosion der Gewalt im Nahen Osten
Do.10.04.03 - Nach drei Wochen relativer Ruhe seit Beginn des Irak-Krieges ist es in den
Palästinensergebieten wieder zu einer Explosion der Gewalt gekommen. Israelische Soldaten
töteten innerhalb eines Tages mindestens zehn Palästinenser, darunter zwei Kinder, und verletzten
Dutzende. Nur Stunden nach einem Raketenangriff in Gaza mit sieben Toten, drangen
Truppen am Mittwochmorgen in Ortschaften im nördlichen Gazastreifen vor und erschossen drei
Palästinenser.
Bei einer Bombenexplosion in einer palästinensischen Schule im Westjordanland,
zu der sich eine jüdische Gruppe bekannte, wurden bis zu 20 Schüler verletzt. Nach
Berichten über einen heftigen Machtkampf innerhalb der Palästinenserführung
gewährte Präsident Jassir Arafat dem von ihm ernannten Ministerpräsidenten
Mahmud Abbas unterdessen am Mittwoch weitere zwei Wochen zur
Regierungsbildung.
Mit bis zu 20 Panzern drangen Soldaten am Morgen in die Ortschaften Beit Chanun
und Beit Lahia ein. Bewaffnete Palästinenser stellten sich den Truppen entgegen.
Bei Feuergefechten wurden ein 19- jähriger Aktivist der radikal-islamischen
Hamas-Bewegung, ein Polizist und ein 17-Jähriger getötet. 15 weitere
Palästinenser erlitten Verletzungen.
Nach israelischen Angaben erfolgte der Vorstoß als Reaktion
auf den Abschuss von "Kassam"-Raketen auf israelische Ziele.
Militante Palästinenser hatten damit auf den tödlichen
Raketenangriff vom Vorabend reagiert, bei dem sieben
Palästinenser getötet und Dutzende verletzt worden waren.
Zwei der Opfer waren Kinder von 13 und 15 Jahren.
Es war die erste Liquidierung eines führenden Extremisten in
Palästinensergebieten seit Beginn des Irak-Krieges. Der
tödliche Angriff galt Said El Arabid, einem Führungsmitglied
des militärischen Hamas-Arms Issedin El Kassam. Er soll für zahlreiche
Anschläge in Israel mit Dutzenden Toten verantwortlich gewesen sein.
Nach übereinstimmenden Augenzeugenberichten hatte zunächst ein israelisches F-16 Kampfflugzeug eine Rakete auf
das Auto El Arabids abgeschossen. Nach der Explosion eilten zahlreiche Passanten herbei, um den Insassen zu
helfen. Daraufhin hatten Soldaten in einem Kampfhubschrauber eine zweite Rakete auf das Auto abgefeuert, die die
umstehenden Passanten tötete und zahlreiche verletzte. Die Hamas- Bewegung kündigte rasche Vergeltung an.
Arafat verurteilte den Angriff nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Joschka Fischer in Ramallah als
"unentschuldbares Verbrechen".
Arafat gewährte unterdessen dem von ihm ernannten Ministerpräsidenten Mahmud Abbas weitere zwei Wochen zur
Regierungsbildung. Er dementierte Berichte über einen Machtkampf zwischen ihm und Abbas (67). Der Präsident
nannte den Regierungschef "meinen uralten Freund und Weggefährten". Abbas war knapp drei Wochen nach seiner
offiziellen Nominierung nicht in der Lage, sein Kabinett zu präsentieren. Schuld sei Arafat, hieß es in Ramallah, der
mit allen Mitteln versuche, die Ernennung ihm unliebsamer Minister zu verhindern. Arafat sagte am Mittwoch, er
erwarte, dass Abbas sein Kabinett «innerhalb von Tagen, vielleicht am Samstag» vorstellen werde.
Unklarheit herrschte unterdessen über den Hintergrund einer Bombenexplosion in einer Schule nahe Dschenin im
nördlichen Westjordanland. 20 Kinder wurden dabei verletzt, drei davon lebensgefährlich. Eine jüdische Gruppe
namens "Rache der Kleinkinder" bekannte sich zu der Tat. Die Polizei äußerte dagegen Zweifel. Ähnliche
Behauptungen der Gruppe hätten sich in der Vergangenheit als falsch herausgestellt.
Unterdessen hat Bundesaußenminister Joschka Fischer von den Palästinensern und ihrem Präsidenten Jassir Arafat
entschiedene Reformen gefordert, um einen Neuanfang im Nahost-Friedensprozess zu ermöglichen. Es werde ein
wirklicher Durchbruch gebraucht, sagte Fischer am Mittwoch bei einem Treffen mit Arafat in Ramallah. Fischer traf
auch den von Arafat ernannten Regierungschef Mahmud Abbas und weitere führende Politiker der Palästinensischen
Autonomie-Behörde. Die israelische Regierung hatte das Treffen kritisiert.
Fischer drang auf eine schnellere Regierungsbildung, um die Reform der palästinensischen Institutionen zu
beschleunigen. «Alles hängt von der neuen palästinensischen Regierung ab», sagte Fischer vor Journalisten in
Ramallah. Arafat behindert nach Medienberichten die Bildung der Palästinenser-Regierung durch den gemäßigten
Abbas. Die Vorstellung des neuen Kabinetts ist aber Voraussetzung dafür, dass die USA den mit der EU, Russland
und den Vereinten Nationen entwickelten Nahost-Friedensplan veröffentlichen. Fischer sicherte Abbas und seinem
Kabinett die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft zu. Jeder warte nun auf die «endgültige Entscheidung»,
sagte Fischer mit Blick auf den stockenden Prozess der Kabinettsbildung.
Fischer meinte, der einzige Weg aus der Gewaltspirale sei ein Durchbruch zu neuen Verhandlungen: «Ein wichtiger
Schritt dorthin sind substanzielle Reformen der Palästinenserverwaltung.» Die Reformen müssten glaubwürdig und
transparent sein. Dies verlange auch der internationale Friedensfahrplan. Beide Seiten, auch die Israelis müssten aber
zu einem Erfolg für neue Verhandlungen beitragen. Terror und Gewalt auf beiden Seiten müssten beendet werden. "Es
gibt jetzt eine gute Gelegenheit", sagte Fischer mit Blick auf die Kabinettsbildung und die geplante Veröffentlichung
des Friedensplans.
Am Dienstagabend hatte sich Fischer bei einem Essen mit Israels Außenminister Silwan Schalom vorsichtig
optimistisch geäußert, dass nach dem Ende des Irak-Krieges Schwung in den Nahost-Friedensprozess komme.
"Vielleicht wird sich ein Fenster nach dem Irak-Krieg öffnen", sagte Fischer. (Quelle: dpa)
Elf Menschen sterben durch fehlgeleitete US-Bombe in Afghanistan
Do.10.04.03 - Elf Zivilisten sind am Mittwoch von einer fehlgeleiteten US-Bombe im
Osten von Afghanistan getötet worden. Die von einem US-Kampfflugzeug
verursachte Bombardierung traf nach Angaben der US-Streitkräfte ein Haus in den
Außenbezirken der Stadt Schkin nahe der pakistanischen Grenze. Bei den Opfern
handelt es sich laut Augenzeugen überwiegend um Frauen und Kinder. Die
Streitkräfte sprachen von einem "tragischen Vorfall".
Bei dem letzten größeren Zwischenfall waren im Juli vergangenen Jahres 48 afghanische Hochzeitsgäste bei dem
Einschlag einer amerikanischen Rakete getötet worden. 117 Personen wurden verletzt, als ein US-Kampfflugzeug
offenbar die Freudenschüsse der Hochzeitsgesellschaft mit einem Feuergefecht verwechselte.
(Quelle: ap)
Verurteilung Nordkoreas am Widerstand Moskaus und Pekings gescheitert
Do.10.04.03 - Eine Verurteilung Nordkoreas wegen des Ausstiegs aus dem
Atomwaffensperrvertrag im Januar ist im Weltsicherheitsrat am Widerstand Chinas
und Russlands gescheitert. Das Gremium äußerte sich aber am Mittwoch in New
York besorgt über das nordkoreanische Atomprogramm. Nordkorea nannte die
Beratungen des Weltsicherheitsrats "ein Vorspiel zum Krieg".
Weiter bezeichnete der staatliche Rundfunksender in Pjöngjang die auf Antrag der
USA erfolgten Beratungen als "schwere Provokation, die die Bemühungen um einen
Dialog unterbrechen und die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel erhöhen".
Sollte der UN-Sicherheitsrat für eine feindselige Politik gegenüber Nordkorea benutzt
werden, müsse das Land sein Potenzial mobilisieren, "Abschreckungsmittel" zu
erlangen. Nähere Angaben wurden dazu nicht gemacht. Die nordkoreanische
Regierung hatte den Vereinten Nationen vor der Sitzung des Sicherheitsrates
für den Fall von Strafmaßnahmen mit einer Eskalation des Streits gedroht.
Der amerikanische UN-Botschafter John Negroponte äußerte sich zufrieden mit dem Verlauf der eineinhalbstündigen
Sitzung hinter verschlossenen Türen. Die US-Regierung strebe nach wie vor eine friedliche Beilegung des Streits an
und hoffe, dass Pjöngjang sich diplomatischen Bemühungen zur Erörterung seines Atomprogramms nicht
verschließe, sagte Negroponte. Der russische UN-Botschafter Sergej Lawrow sagte, Verurteilungen wären nicht
hilfreich. Der chinesische UN-Botschafter Wang Yingfan erklärte, die Bemühungen um einen politischen Dialog
würden fortgesetzt. (Quelle: ap)
Griechenland und Türkei wollen Zypern-Gespräche fortsetzen
Do.10.04.03 - Die Ministerpräsidenten von Griechenland und der Türkei wollen die
festgefahrenen Gespräche über die Wiedervereinigung Zyperns wieder in Gang
bringen. "Wir sind beide er Ansicht, dass eine Lösung notwendig und das politische
Problem gelöst werden muss", sagte der griechische Regierungschef Konstantinos
Simitis am Mittwoch nach einer fast zweistündigen Unterredung mit seinem
türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan am Rande des Südosteuropa-Gipfels in
Belgrad.
Simitis betonte, dass eine Lösung der Zypern-Frage nur auf der Grundlage des von
den Vereinten Nationen vorgelegten Plans möglich sei. Die Ministerpräsidenten
kündigten Gespräche ihrer Außenminister über die Beilegung des Zypern-Streits
an.
Gespräche über den UN-Plan zur Wiedervereinigung der geteilten Mittelmeerinsel
zwischen dem Führer der türkischen Zyprer, Rauf Denktasch, und dem Präsidenten
der griechischen Zyprer, Tassos Papadopoulos, waren im März gescheitert.
UN-Generalsekretär Kofi Annan wies die Schuld am Scheitern Denktasch und der Türkei zu.
(Quelle: ap)
EU-Parlament ebnet Weg für historische Erweiterung
Do.10.04.03 - Mit sehr großer Mehrheit hat das Europaparlament den
Weg für die historische Erweiterung der EU geebnet. Die
Straßburger Versammlung billigte mit 458 gegen 68
Stimmen und bei 41 Enthaltungen die Aufnahme von zehn
neuen Ländern im Mai 2004, die die Teilung Europas
endgültig überwinden soll. Gegen dieses Vorhaben stimmten vor allem
Rechtsextreme und Euroskeptiker. Das Parlament ratifizierte zugleich jeden
einzelnen der Beitrittsverträge und ebnete damit den Weg für deren Unterzeichnung
durch die Staats- und Regierungschefs beim EU-Gipfel am 16. April in Athen.
Mit der Aufnahme der baltischen Republiken Estland, Lettland und Litauen sowie
Maltas, Polens, Sloweniens, der Slowakischen Republik, Tschechiens, Ungarns
und Zyperns wird die EU 25 Mitgliedsstaaten umfassen. Vertreter aller
maßgeblichen Fraktionen sprachen von einem wichtigen historischen Akt. Nun
werde ein Schlussstrich unter das Europa der Nationalstaaten und die Zeit der
Konflikte gezogen, betonte der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses,
Elmar Brok (CDU). "Wir wollen die Länder Europas so zusammenführen, dass sie
nie wieder gegeneinander Krieg führen".
"Wir sind am Ende eines langen Weges", freute sich der
deutsche EU-Kommissar Günter Verheugen, der die
jahrelangen Beitrittsverhandlungen geleitet hatte. Vor allem die
Länder in Mittel- und Osteuropa hätten diesem Tag "mit
unendlich viel Hoffung entgegengesehen". Verheugen versprach
eine zügige Fortsetzung der Beitrittsverhandlungen mit
Bulgarien und Rumänien, deren Aufnahme frühestens 2007
erfolgen soll. Die Türkei rief er auf, auf Europakurs zu bleiben.
Ende 2004 werde die EU die Fortschritte des Landes "fair und objektiv bewerten" und über die Aufnahme von
Verhandlungen entscheiden.
Unter die freudigen Kommentare mischten sich auch kritische Stimmen. Er sei "ohne Wenn und Aber" für die
Ost-Erweiterung, betonte der französische Grüne Daniel Cohn-Bendit. Doch die EU sei darauf nicht vorbereitet.
Nach dem Europaparlament müssen noch die nationalen Parlamente der 15 EU-Staaten sowie der zehn
Kandidatenländer der Erweiterung zustimmen. Sie werden jeoch nur das gesamte Abkommen zu billigen haben und
nicht jeden einzelnen Beitrittsvertrag.
(Quelle: afp)
IWF besorgt über deutsche Wirtschaftsschwäche
Do.10.04.03 - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine
Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft in diesem Jahr um einen halben
Prozentpunkt auf 3,2 Prozent nach unten korrigiert. Wie der IWF am Mittwoch bei
seiner Halbjahrestagung in Washington mitteilte, ist der Ölpreisanstieg Ende
vergangenen und zu Beginn diesen Jahres dafür verantwortlich. Für Deutschland
rechnet der IWF mit einer Stagnation.
Sollte der Golfkrieg nicht schnell beendet werden, so warnte der IWF, dann werde
selbst ein globales Wachstum von 3,2 Prozent gefährdet. IWF-Chefvolkswirt
Kenneth Rogoff sagte, auch angesichts eines schnellen Endes der Irak-Krise stehe
die Weltwirtschaft vor großen Risiken: Das Platzen der Börsenblase habe nach wie
vor hemmende Auswirkungen, zugleich drohe in den USA schon eine neue Blase.
Immerhin rechnet der IWF mit einer Erholung der Weltwirtschaft im kommenden Jahr. 2004
werde ein Wachstum von 4,1 Prozent erreicht, wenn der Ölpreis weiter sinkt und die
globalen Finanzmärkte nach lang anhaltenden Kursverlusten wieder anziehen.
Die Aussicht für Europa bis zum Jahresende sind nach Ansicht des IWF alles andere als rosig. Daran sei vor allem
die Stagnation in Deutschland schuld, hieß es am Mittwoch. Dies umso mehr, als es keine Anzeichen für einen
Umschwung gebe: "Produktion, Konsumentenvertrauen und Einzelhandelsergebnisse sinken weiter, und die
Arbeitslosigkeit ist auf einem Dreijahreshoch."
Die Indikatoren ließen für Europa nur eine schwache Erholung vermuten. In Zahlen ausgedrückt prognostiziert der IWF
ein Wachstum von 1,1 Prozent, dass sind 1,25 Prozentpunkte weniger als im September. Neben den
Kriegsauswirkungen fürchtet der IWF, dass viele Firmen ihre Bilanzen weiter anpassen müssen mit der Folge von
weniger Investitionen sowie Arbeitsplatzabbau. (Quelle: ap)
Milliarden-Sparpaket belastet Kranke
Do.10.04.03 - Im Streit um das Not-Sparpaket für das Gesundheitswesen haben
Regierungsparteien und Union im Vermittlungsausschuss einen Kompromiss erzielt.
Danach werden die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen dieses Jahr
eingefroren. Im Gegenzug wird, wie von der Union gefordert, die Nullrunde für die
Krankenhäuser teilweise gelockert. Die Rürup-Kommission präsentierte
unterdessen ihre Vorschläge zur Reform der Kassenfinanzierung: Für eine
drastische Senkung der Kassenbeiträge sollen die Patienten künftig noch tiefer in die
Tasche greifen.
Mit höheren Zuzahlungen - etwa bei Arztbesuchen und Medikamenten - sollen die
gesetzlichen Kassen von 2004 an um 24 Milliarden Euro entlastet werden. Eine
Grundsatzentscheidung für eine umfassende Reform der Kassenfinanzierung traf die
Kommission nicht.
Kommissionschef Bert Rürup sagte zu den Vorschlägen seines Expertengremiums in Berlin, die kurzfristigen
Sparmaßnahmen könnten den durchschnittlichen Beitragssatz von derzeit 14,4 Prozent um 2,4 Prozentpunkte
senken. Für die langfristige Finanzierung schlug die Kommission zwei Alternativen vor, zwischen denen die Politik
noch in diesem Jahrzehnt eine «Werteentscheidung» fällen müsse. SPD und Grüne ließen offen, was sie von den
Kommissions-Vorschlägen übernehmen wollen. Zum Teil heftige Kritik kam von Opposition, Gewerkschaften und
Versicherern.
Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen könnten die Lohnnebenkosten auf deutlich unter 40 Prozent gebracht werden,
sagte Rürup. Krankengeld soll demnach künftig zusätzlich bei den gesetzlichen Krankenkassen versichert werden.
Beim Arztbesuch sollen die Bürger 15 Euro Gebühr bezahlen. Ausgenommen davon sind unter anderem Kinder und
Unfallopfer. Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschutz sowie Haushaltshilfen, Sterbegeld und
Kinderkrankengeld sollen steuerfinanziert werden. Insbesondere frei verkäufliche Medikamente sollen komplett selbst
bezahlt werden. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will die einzelnen Punkte noch unter sozialen
Gesichtspunkten prüfen.
Der CSU-Gesundheitspolitiker Horst Seehofer warf der Kommission Versagen vor. Die Kranken würden einseitig mit
über zehn Milliarden Euro belastet. Der FDP-Gesundheitsexperte Dieter Thomae nannte die Vorschläge in der
"Rhein-Zeitung" (Donnerstag) den "Flop des Jahres in der Gesundheitspolitik". Volle Unterstützung äußerte
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Die stellvertretende DGB- Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer lehnte den Großteil
der Vorschläge ab. Die Auslagerung des Krankengeldes etwa sei "falsch und unnötig".
Eine Umstellung der ausschließlich lohnabhängigen Finanzierung ist nach Ansicht der Kommission innerhalb der
nächsten zehn Jahre unumgänglich. Dafür steht zum einen das von Rürup empfohlene Modell
einkommensunabhängiger Gesundheitsprämien mit steuerlichen Hilfen für Arme zur Debatte. Dabei zahlen alle
Erwachsenen monatlich beispielsweise 200 Euro. Nach einem Alternativmodell sollen alle Erwerbstätigen gesetzlich
versichert sein und die Beitragsbemessungsgrenzen steigen. Die Kommission will beide Modelle bis Ende Mai
ausformuliert präsentieren.
Nicht einig wurde sich der Vermittlungsausschuss am Mittwoch bei der Festbetragsregelung für
Nachahmer-Präparate, mit dem die Regierung 300 bis 500 Millionen Euro einsparen wollte. Man habe aber verabredet,
dass dies bei den Gesprächen über die Strukturreform erneut auf den Tisch kommen soll, hieß es von
Regierungsseite. (Quelle: dpa)
Experten fordern nach IGLU-Studie Aus für Hauptschule
Do.10.04.03 - Die Ergebnisse der Grundschul-Lesestudie IGLU haben die Debatte über das
deutsche Schulsystem neu entfacht. Nach Expertenmeinung sollte die Grundschulzeit auf
sechs Jahre verlängert und die Hauptschule aufgelöst werden. Der Verband Bildung und
Erziehung (VBE) in Nordrhein-Westfalen forderte am Mittwoch eine Grundschule bis zur
zehnten Klasse. Dagegen sprachen sich die Verantwortlichen für die Schulpolitik in Hessen
und Niedersachsen, Karin Wolf (CDU) und Bernd Busemann (CDU),
gegen längere Grundschulzeiten als Folge von IGLU aus.
Es sei falsch, aus den IGLU-Ergebnissen ein Allheilmittel für die weiterführenden
Schulen abzuleiten, sagte Busemann in Hannover. Wolf sieht kein Argument für
Gesamtschulen oder für mehr Austausch zwischen den Schulformen. Bayerns
Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) kritisierte in München eine «unnötige
Scheindebatte», die weder den Kindern noch der Unterrichtsqualität etwas bringe.
Bei der internationalen Untersuchung IGLU hatten die deutschen Viertklässler einen
Platz im oberen Drittel der 35 Teilnehmerstaaten erreicht. Beim internationalen
PISA-Test der 15-Jährigen hatten die deutschen Schüler dagegen miserabel
abgeschnitten.
Der Leiter des deutschen Teils der IGLU-Studie, Wilfried Bos, sagte der Wochenzeitung
"Die Zeit": "In Deutschland ist das große Problem die Sekundarstufe I." Die
Stärken des Grundschulunterrichts lägen vermutlich darin, dass dort fachübergreifend und
experimenteller als in der Unter- und Mittelstufe gelehrt werde.
"Das Ergebnis der IGLU-Studie ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Aufteilung von
Schülerinnen und Schülern auf die verschiedenen Schulformen mehr als in Frage zu stellen ist",
sagte der VBE-Landesvorsitzende Udo Beckmann. Er befürwortet «ein gemeinsames Lernen bis
zur Mittleren Reife".
Der Leiter des Instituts für Schulentwicklungsforschung der Universität Dortmund, Hans-Günther Rolff, sagte in einem
Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa: "Der Vergleich der Ergebnisse von IGLU- und PISA-Studie zeigt, dass die
Grundschule gute Leistungen bei geringer sozialer Auswahl bringt. Bei den 15-Jährigen in der Sekundarstufe ist es
genau umgekehrt." "Damit steht die Sekundarstufe auf dem Prüfstand, weil sie unterdurchschnittliche Leistung bei
höchster sozialer Auswahl produziert", fasste der Schulentwicklungsforscher Rolff zusammen.
Unterdessen kam eine Untersuchung im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes zu dem Ergebnis, dass sich jeder
zweite Lehrer durch den besonderen Stress in seinem Beruf im Übermaß belastet fühlt. Nahezu jeder dritte zeigt
Anzeichen von Selbstüberforderung und Resignation. Die Studie wurde vom Potsdamer Psychologie-Professor Uwe
Schaarschmidt in Berlin vorgestellt. Dabei wurde die Stressbelastung von mehr als 7000 Lehrerinnen und Lehrer in
Deutschland untersucht.
(Quelle: dpa)
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