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k0304110
Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Fr.11.04.03, 12:45 Dreiundzwanzigster Kriegstag in Irak
Irak-Krieg verlagert sich in den Norden +++
Kurden und US-Truppen nehmen Ölstadt Kirkuk ein +++
Erste Einheiten rücken auch in Mosul ein +++
Kurdischer Vorstoß in Nordirak alarmiert die Türkei +++
In Bagdad herrschen zunehmend chaotische Zustände +++
Rund 100 000 irakische Flüchtlinge kampieren an iranischer Westgrenze +++
Bush und Blair wenden sich in TV-Ansprachen an Iraker
Fr.11.04.03 - Einen Tag nach dem Fall Bagdads haben kurdische Kämpfer unterstützt von
US-Spezialeinheiten die nordirakische Ölstadt Kirkuk eingenommen. Die Türkei warnte,
sie werde eine kurdische Kontrolle über Kirkuk nicht hinnehmen. Nach der Einnahme von
Kirkuk sind erste amerikanische und kurdische Einheiten nach US- Angaben in der Nacht
zum Freitag in Mosul einmarschiert. In Bagdad stoßen die alliierten Kräfte weiterhin vereinzelt
auf Widerstand. Mindestens ein US-Soldat starb bei einem Selbstmordanschlag in der irakischen
Hauptstadt. Die deutsche Botschaft, das französische Kulturzentrum, zahlreiche Paläste und ein Krankenhaus
wurden geplündert. Ministerien gehen in Flammen auf. US-Präsident George W. Bush und der britische
Premierminister Tony Blair richteten sich in einer Fernsehansprache an das irakische Volk.
Die Patriotische Union Kurdistans (PUK) kündigte für Freitag den Abzug ihrer
Kämpfer aus Kirkuk an. US-Außenminister Colin Powell hatte zuvor seinem
türkischen Kollegen Abdullah Gül in einem Telefonat zugesichert, dass US-Truppen
in Kürze die kurdischen Kämpfer ersetzen würden. Ankara hatte mehrfach erklärt,
die dauerhafte Einnahme der beiden Ölstädte Kirkuk und Mossul durch die Kurden
sei ein Grund für eine Intervention der türkischen Armee im Norden Iraks. Ankara befürchtet,
dass die Kurden der Region ihre Unabhängigkeitbestrebungen vorantreiben und dies auf die
in der Türkei lebenden Kurden ausstrahlen könnte.
Nach unbestätigten Berichten ergeben sich in Mosul die
irakischen Verteidiger kampflos. Der amerikanische Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld hatte zuvor am Donnerstagabend (Ortszeit) erklärt, er rechne mit einer
schnellen Einnahme der drittgrößten Stadt des Landes. Es gebe offenbar keinen
großen Widerstand seitens der irakischen Soldaten.
Die US-Luftwaffe bombardierte nach US-Militärangaben in der Nacht zum Freitag die
Residenz eines Halbbruders von Saddam Hussein im Zentral-Irak in Ar Ramadi,
rund 80 Kilometer westlich von Bagdad. Barsan Ibrahim el Tikriti soll für den Mord an
mehreren tausend Menschen verantwortlich sein.
In Bagdad herrschen zunehmend chaotische Zustände. Bei Gefechten zwischen Anhängern
Saddam Husseins, von dem jede Spur fehlte, und US-Truppen starben nach Angaben von
Augenzeugen mehrere Zivilisten und ein US-Marineinfanterist. Bei einem Selbstmordanschlag
starb mindestens ein US-Soldat. Plünderer machten sich über die Villen der irakischen Führung
ebenso her wie über die deutsche Botschaft und das französische Kulturintsitut. Bewaffnete
Plünderer überfielen das El-Kindi-Krankenhaus in dem hunderte Verletzte der jüngsten Bombenangriffe liegen.
Die US-Armee rechtfertigte sich dafür, nichts gegen die massiven Plünderungen zu unternehmen. Das oberste Ziel der
Streitkräfte sei, die "Todesschwadronen und die Spezialeinheiten der Republikanischen Garden zu finden, zu
bekämpfen und aus der Stadt zu vertreiben, sagte General Stanley McChrystal vom US-Generalstab in Washington.
Sie seien "die größte Bedrohung".
Im Zentrum von Bagdad gingen am Abend mindestens fünf Ministerien in Flammen auf. Nach Angaben von
AFP-Reportern waren keine Feuerwehrleute oder US-Soldaten im Einsatz, um die Brände zu löschen.
Im südirakischen Basra riefen die britischen Truppen nach Angaben von BBC die Einwohner zur Abgabe ihrer Waffen
auf. Die Plünderungen in der zweitgrößten irakischen Stadt seien zurückgegangen.
Rund 100 000 irakische Flüchtlinge kampieren nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur IRNA zur Zeit
an der iranischen Westgrenze. Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) nahmen ihre Arbeit
in Bagdad zwei Tage nach dem Tod eines kanadischen Mitarbeiters "in beschränktem Maße" wieder auf.
In ihrer gemeinsamen Fernsehansprache versprachen Bush und Blair den Irakern, das Schicksal des Landes bald
wieder in ihre Hände zu legen. "Die Regierung Iraks und die Zukunft Ihres Landes wird Ihnen bald gehören", sagte
Bush. Wegen Stromausfällen und mangels Fernsehgeräten konnte die Übertragung in vielen Haushalten Bagdads
nicht empfangen werden. Die Einwohner verfolgten die Rede jedoch im Radio, wie eine Sprecherin des Weißen
Hauses mitteilte. (Quellen: afp, dpa, ap, rtr)
Bush und Blair wenden sich in TV-Ansprachen an Iraker
Fr.11.04.03 - US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister
Tony Blair haben der irakischen Bevölkerung in einer TV-Botschaft versichert,
dass sie nun einer besseren Zukunft entgegengingen. Blair legte besonderen
Wert darauf, dass Amerikaner und Briten den Irak in keiner Weise ausbeuten
wollten: "Das Geld aus irakischem Öl wird Ihnen gehören", versicherte er den
Irakern. "Wir werden keinen Tag länger bleiben als nötig."
Bush sagte, die Iraker müssten jetzt nicht länger Paläste für Saddam Hussein
bauen. "Streitkräfte der Amerikaner und der Koalition operieren nun in Bagdad, und
wir werden nicht eher aufhören, als bis Saddams korrupte Bande weg ist",
versicherte er. "Die Regierung des Irak und die Zukunft Ihres Landes werden bald
Ihnen gehören." (Quelle: dpa)
Die Ansprachen von Bush und Blair an die Iraker
US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair haben sich
am Donnerstag (10.04.03) in Fernsehansprachen an das irakische Volk gewandt.
Nachfolgend Wortauszüge in einer dpa-Übersetzung:
Bush sagte unter anderem:
«In diesem Augenblick wird das Regime von Saddam
Hussein von der Macht entfernt, und eine lange Ära von
Angst und Grausamkeit geht ihrem Ende entgegen. Die Regierung des Irak und die
Zukunft Ihres Landes werden bald Ihnen gehören. Wir werden ein brutales Regime
beenden, dessen Aggression und Massenvernichtungswaffen für die Welt eine
einzigartige Bedrohung waren. Wir werden bei der Aufrechterhaltung von Recht und
Ordnung helfen. Wir werden ihre großen religiösen Traditionen respektieren, deren
Prinzipien von Gleichheit und Mitgefühl für die Zukunft des Iraks lebenswichtig sind.
Wir werden Ihnen helfen, eine friedliebende und repräsentative Regierung
aufzubauen, die die Rechte aller Bürger wahrt. Und dann werden unsere Streitkräfte
abziehen. Irak wird zu einer vereinten, unabhängigen und souveränen Nation werden,
die den Respekt der Welt verdient. Sie sind gute und begabte Menschen und die
Erben einer großen Zivilisation. Sie verdienen es nicht, in Tyrannei zu leben.
Sie verdienen es, als ein freies Volk zu leben. Der Albtraum, den Saddam
Hussein über Ihre Nation gebracht hat, wird schon bald zu Ende sein.»
Blair sagte unter anderem:
«Ich freue mich, Ihnen sagen zu können, dass das Regime von
Saddam Hussein zusammenbricht. Die Jahre von Brutalität,
Unterdrückung und Angst gehen zu Ende. Eine neue und
bessere Zukunft wartet auf das irakische Volk. Wir wollten
diesen Krieg nicht, aber Saddam ließ uns keine andere Wahl. Wir werden diesen Krieg bis zu Ende führen. Ich weiß,
dass viele von Ihnen eine Wiederholung von 1991 befürchtet hatten. Aber diesmal wird das Regime tatsächlich
verschwinden. Danach werden wir mit Ihnen gemeinsam den friedlichen, wohlhabenden Irak aufbauen, den Sie sich
wünschen und den Sie verdienen. Dieser Irak wird nicht von Großbritannien, den USA oder den Vereinten Nationen
regiert. Er wird von Ihnen regiert, dem irakischen Volk.
Saddam Hussein hat den Reichtum Ihrer Nation geplündert. Während viele von Ihnen in Armut lebten, umgab er sich
mit Luxus. Er wurde einer der reichsten Männer der Welt, mit dem Geld, das er dem irakischen Volk stahl. Das Geld
aus dem irakischen Öl wird Ihnen gehören; es wird dazu genutzt werden, für Sie und Ihre Familien Wohlstand zu
schaffen. Wir wollen Ihnen die Chance geben, ein neues Leben aufzubauen. Sie und Ihre Familien sollen eine bessere
Zukunft haben. Im Geiste der Freundschaft und des guten Willens bieten wir unsere Hilfe dabei an.»
Schiitenführer el Choei nach Rückkehr aus Exil ermordet
Fr.11.04.03 - Der moderate irakische Schiitenführer Abdel Madschid el Choei ist nach
Angaben seiner Anhänger in einer Moschee in Nadschaf ermordet worden. Wie ein
Sprecher der in London ansässigen el Choei-Stiftung und Augenzeugen am
Donnerstag berichteten, wurde der Geistliche gemeinsam mit
einem weiteren Mullah in der Imam-Ali-Moschee, eine der
heiligsten Stätten für schiitische Moslems, von einer
aufgebrachten Menge angegriffen und mit Schwertern förmlich
zerhackt.
Choei war einer der prominentesten Exil-Iraker, die in ihre
Heimat zurückgekehrt sind. Er hatte zuvor zwölf Jahre in London gelebt. Der
britische Premierminister Tony Blair, der el Choei persönlich kannte, zeigte sich
entsetzt über die Tat und sagte: "Er war ein religiöser Führer, der Hoffnung und
Versöhnung verkörperte und sich dem Aufbau einer besseren Zukunft für das
irakische Volk verschrieben hatte."
Choei war den Angaben zufolge dem vom staatlichen Religionsministerium
eingesetzten Verwalter der Moschee, Haider el Kelidar, zu Hilfe geeilt, als dieser
aus der Menge heraus attackiert worden sei. Dabei sei er selbst angegriffen worden,
hieß es in dem Bericht. Auch Kelidar sei ums Leben gekommen.
Nach Ansicht des Stiftungssprechers ist das Motiv für das Attentat die
Zusammenarbeit el Choeis mit den alliierten Truppen. Die blutige Tat geschah
demnach während eines Treffens moslemischer geistlicher Führer in der Moschee.
Choei sei aus dem Exil in die zentralirakische Stadt Nadschaf zurückgekehrt, um
nach dem Sturz Saddam Husseins beim Wiederaufbau des Landes mitzuhelfen,
hieß es weiter. Er war der Sohn von Großajatollah el Choi, dem geistlichen Führer
der irakischen Schiiten während des ersten Golfkrieges.
In Nadschaf befand sich el Choei normalerweise unter dem Schutz der Alliierten.
Die Soldaten hätten ihn jedoch nicht in die Moschee begleitet, hieß es weiter.
(Quelle: dpa)
Wissenschaftler: Krieg ist noch nicht zu Ende
Fr.11.04.03 - Der Leiter des amerikanischen Aspen-Instituts in Berlin, Jeff Gedmin, hat
nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein im Irak vor einer frühzeitigen Euphorie
gewarnt. Bei aller Freude der Menschen in Bagdad: «Dieser gefährliche Krieg ist noch
nicht vorbei», sagte Gedmin am Donnerstag in einem dpa-Gespräch in Berlin.
Für Gedmin ist der Sturz des Regimes eine Art «Kollateralerfolg», analog zu
«Kollateralschäden». «Ich war immer der Meinung, dass Krieg immer das letzte
Mittel ist», sagte er. «Es gibt immer im Krieg Menschen, die leiden und sterben».
Zugleich aber werde etwas für die Bevölkerung gewonnen. «Gäbe es diese Diktatur
noch, würden in den nächsten Jahren Tausende eingesperrt und ermordet.»
Gedmin warf die Frage auf, warum nicht schon vor dem Krieg in großem Stil gegen
die Menschenrechtsverletzungen im Irak demonstriert worden sei. Gegen die
Friedenskundgebungen habe er nichts, bis auf jene «merkwürdigen Schilder», auf
denen Bagdad mit Dresden und George W. Bush mit Adolf Hitler verglichen wurden.
«Das ging zu weit.»
Der Leiter des transatlantischen Instituts bedauert, wie sich das
deutsch-amerikanische Verhältnis verschlechtert hat. Misstrauen sei auf beiden Seiten vorhanden. Die USA hätten ein
«großes, ernstes Interesse» an einer Zusammenarbeit mit Deutschland. Wie das Verhältnis wieder verbessert werden
kann, vermag Gedmin nicht zu beantworten. «Ist es nicht bedauerlich, dass heute der deutsche Bundeskanzler den
amerikanischen Präsidenten nicht einfach anrufen kann?» (Quelle: dpa)
Pentagon: MOAB-Bombe wird in Golfregion verschifft
Fr.11.04.03 - Die US-Luftwaffe bringt mehrere der weltgrößten konventionellen
Bomben in die Golfregion. Mehrere der 9,5 Tonnen schweren, so genannten
MOAB-Bomben (Massive Ordnance Air Blast) würden derzeit in die Region
verschifft, teilte ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums mit. Zunächst
war unklar, warum die stärkste konventionelle Bombe in Richtung Kriegsgebiet
gebracht werden soll.
Die "Massive Ordnance Air Blast" verfügt nach US-Militärangaben über die
Sprengkraft einer kleinen Atombombe. Bei ihrer Detonation bildet sich in der
betroffenen Region wie bei einer Atombombe ein gewaltiger Explosions-Pilz. Die
Waffe wird wegen ihrer ungeheuren Zerstörungskraft und ihres Kürzels MOAB
"Mutter aller Bomben" genannt.
Die Bombe war Mitte März inmitten der Vorbereitungen für den Irak-Krieg getestet
worden. Sie stellt nach US-Militärangaben die bislang schwerste Bombe im
US-Arsenal, die BLU-82, weit in den Schatten. Im US-Militärjargon wird die BLU-82
auch als "Gänseblümchen-Mäher" (Daisy-Cutter) bezeichnet, da sie ihre
Zerstörungskraft knapp über dem Boden entwickelt. Im Gegensatz zur BLU-82 wird
die MOAB von einem GPS-Navigationssystem gesteuert. Damit soll sie ihr Ziel mit
einer geringfügigen Abweichung von höchstens 13 Metern treffen. (Quelle: afp)
Ex-NATO-Oberbefehlshaber Clark schließt Krieg gegen Syrien nicht aus
Fr.11.04.03 - Der frühere NATO-Oberbefehlshaber Wesley Clark schließt nicht aus, dass
Syrien Ziel eines US-Angriffs werden könnte. "Ich würde derzeit kein Geld in
Damaskus anlegen", sagte der frühere US-General der "Berliner Zeitung"
(Freitagsausgabe). Noch gehe es um Diplomatie, sagte Clark. "Aber Syrien muss
mit einem Angriff rechnen, wenn es seiner Regierung nicht gelingt, die
amerikanischen Bedenken auszuräumen." Dabei gehe es um die Unterstützung der
irakischen Führung, Kontakte zu Terrorgruppen sowie den Besitz von
Massenvernichtungswaffen.
Über die Rolle Syriens im Irak-Konflikt herrschen
unterschiedliche Auffassungen im US-Verteidigungs- und Außenministerium. Nach
Darstellung des stellvertretenden US-Außenministers Richard Armitage hat
Damaskus auf amerikanische Forderungen reagiert, das Regime Saddam Husseins
nicht zu unterstützen. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat dagegen die
Meinung vertreten, Syrien ignoriere bewusst die Warnungen.
In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview amerikanischer Tageszeitungen
sagte Armitage, in den vergangenen Tagen habe Syrien "recht gut auf
Warnungen und Demarchen der Koalition und der USA reagiert, seine Grenze zu
schließen."
Rumsfeld hatte Damaskus am Mittwoch vorgeworfen, höher gestellten Irakern und
ihren Familien bei der Flucht zu helfen. Es handele sich aber nicht um höchste
irakische Führer. Der Minister hatte den Syrern schon früher vorgeworfen, militärische
Ausrüstung an den Irak geliefert oder die Lieferung geduldet zu haben. Syrien hat dies
dementiert.
Zu den erklärten Zielen der USA
gehört, den irakischen Präsidenten Saddam Hussein zu stürzen. US-Vizepräsident
Dick Cheney hatte unter Hinweis auf die beiden Nachbarländer Iraks gesagt, die
USA müssten alles tun, um den Terrorismus auszulöschen. Dazu gehöre es auch,
gegen Länder vorzugehen, die ihn unterstützten.
Trotz der jüngsten Kritik der USA an Syrien und Iran setzt Großbritannien weiter auf
Zusammenarbeit mit den beiden Staaten.
"Es ist wichtig, den Dialog mit diesen beiden Ländern fortzusetzen", sagte der britische
Außenminister Jack Straw am Donnerstag im Parlament in London
"Syrien und Iran haben nun die Chance, ihren Teil zu einer besseren Zukunft Iraks
beizutragen", sagte Straw weiter und fügte hinzu: "Soweit es Syrien betrifft, hoffen
wir, dass das Land nun die Gelegenheit nutzt, mit seiner bisherigen Politik bricht und
so zu einer besseren Zukunft der gesamten Region beiträgt."
Konservative in den USA fordern schon länger, einen Machtwechsel in Syrien und Iran zur Regierungspolitik zu
machen. "Es ist Zeit, die anderen Herren des Terrors zu stürzen", schrieb Michael Ledeen vom American Enterprise
Institute kurz vor dem Fall Bagdads. Der Iran biete den USA die Möglichkeit eines "denkwürdigen Sieges", weil das
iranische Volk die Regierung dort offen hasse. "Syrien kann nicht allein gegen eine erfolgreiche demokratische
Revolution bestehen, die tyrannische Regime in Kabul, Teheran und Irak stürzt", schrieb Ledeen.
Frank Gaffney, ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums unter US-Präsident Ronald Reagan, forderte, dass ein
Regierungswechsel in diesen Staaten zur US-Politik erklärt werden solle. Dabei dürfe auch die Anwendung von Gewalt
nicht ausgeschlossen werden. "Falls die Bedrohung sich derart ausbreitet, dass wir aus unserer Sicht keine andere
Wahl als den Einsatz militärischer Mittel haben, dann müsste das eine Option sein", sagte er. Die Versuche, einen
Machtwechsel in Iran, Syrien "und vielleicht auch in anderen Teilen der Region" herbeizuführen, würden sich
vermutlich als "natürliche Entwicklung" im Krieg gegen den Terror herausstellen.
(Quellen: afp, dpa, rtr)
«Der vierte Weltkrieg hat begonnen»
«Auch wenn man dankbar sein will für ein rasches Ende des Gemetzels: Donald Rumsfeld
und George W. Bush fühlen sich nun bestätigt. Wie beim Krieg gegen die Taleban hätten die
ewiggestrigen Kritiker wieder einmal das Boot verpasst. Ein Abschlachten
kolonialen Ausmaßes.
Die Nachkriegszeit, die Zeit nach dem Krieg im Irak, wird somit wohl auch
zur Vorkriegszeit, zur Vorbereitungszeit auf den nächsten Waffengang,
abhängig allerdings von der Länge und den Problemen, die es mit der
Besatzung an Euphrat und Tigris gibt. In dieser neuen Epoche der
Weltgeschichte setzt die militärisch mächtigste Nation die Wünsche ihrer
Regierenden mit Waffengewalt durch. Der ehemalige CIA-Direktor James
Woolsey, Mitglied der offiziellen Beratungskommission des
Vereidigungsministeriums, plauderte kürzlich vor Studenten in Los Angeles
aus dem Nähkästchen. Der Vierte Weltkrieg habe begonnen; dieser habe
den Dritten - den Kalten Krieg mit seinen zahlreichen internationalen
Konflikten - abgelöst. Feinde seien neben Irak auch die religiösen
Herrscher in Iran, die »Faschisten« in Syrien und islamische
»Extremisten« wie al Qaida. Die US-Nahostpolitik werde in den
kommenden Jahren und Jahrzehnten »viele Leute sehr nervös machen«,
versprach Woolsey, zur Zeit Vizepräsident der Beraterfirma Booz Allen
Hamilton, die vergangenes Jahr Aufträge vom Pentagon im Wert von 688
Millionen Dollar bekam.
Auch die USA selber werden neu gestaltet. Der Krieg gegen den Irak,
gegen den Terrorismus, dient nebenher zur Begründung eines rapiden
Sozialabbaus (inklusive der Ausgaben für Veteranen). Es geht zu wie bei
Ronald Reagans Hochrüstungsprogrammen. Überall fehlt das Geld, die
Amerikaner werden das zu spüren bekommen, wie auch die
Repressionsmechanismen der Regierung, die Verfechtern bürgerlicher und
individueller Rechte Angst und Schrecken einjagen. Der Justizminister
träumt von einem Ordnungsstaat, in dem auch US-Staatsbürger ohne
Anklage und Prozess unbegrenzt lang eingesperrt werden dürfen. In
Oakland - Bürgermeister dort ist der liberale Demokrat und
Präsidentschaftskandidat Jerry Brown - setzt die Polizei Gummigeschosse
gegen Demonstranten ein, in San Francisco werden mehr als tausend
Menschen bei Antikriegs-Kundgebungen festgenommen. In New York geht
die berittene Polizei gegen Protestierende vor. In Oregon liegt allen
Ernstes ein Gesetzesentwurf vor, Blockadeteilnehmer als Terroristen zu
klassifizieren.»
Aus: Konrad Ege - "Ein Abschlachten kolonialen Ausmaßes - Amerika bleibt in Vorkriegsstimmung",
in der Wochenzeitung "Freitag" vom 11.04.03
Der schnelle Kollaps des irakischen Regimes erschüttert das arabische Weltbild und schürt die Angst vor einer neuen US-Hegemonie
Mit Unglauben und einer gehörigen Portion Schock
hat die arabische Welt die amerikanische Eroberung Bagdads auf
ihren Bildschirmen verfolgt. Fassungslos klebten sie vor den
Fernsehern, als US-Marines unbehelligt durch eine der größten
arabischen Städte patrouillierten und als die Statue Saddam
Husseins in amerikanisch-irakischer Kooperationsarbeit in Bagdad
vom Sockel geholt wurde. Die Schlüsselszene stellte für die
meisten Zuschauer jene Einstellung dar, als ein US-Soldat den
Kopf der Saddam-Statue für kurze Zeit mit dem US-Sternenbanner
verdeckte. Eine Szene, über die am Morgen danach jeder spricht -
sei es in Kairo, Amman, Damaskus oder Riad. Für die meisten
Araber läuft dies nicht unter der Kategorie "Befreiung". Es ruft
ungute Erinnerungen an die koloniale Vergangenheit wach. Das
arabische Grundgefühl lässt sich in einem Satz zusammenfassen:
"Kaum jemand weint Saddam Hussein tatsächlich eine Träne nach,
aber es bleibt das bittere Gefühl, dass Fremde in der Region
machen können, was ihnen beliebt. (...)
"Die meisten fragen sich immer noch, was geschehen ist und
warum der irakische Widerstand derartig zusammengebrochen ist,
nachdem im irakischen Süden wie in Umm Kasr oder Nassirija so
viel und so heftig gekämpft wurde. Das hat bei vielen vollkommen
unrealistische Erwartungen geweckt", sagt der in Jordanien lebende
politische Kommentator Mouin Rabbani. (...) Nun gebe es allerlei wilde
Theorien, etwa dass die Russen vermittelt hätten oder dass irakische
Militärführer mit den Amerikanern eine Deal eingegangen seien, erzählt
Muhammad Sayyed Said vom Al-Ahram-Zentrum für Strategische Studien in
Kairo. (Aus der "tageszeitung" vom 11.04.03)
Mehr unter:
« Selten war eine Message so manipulativ
Es war eine gute Idee, die Saddam-Statue bis zum Eintreffen der Panzer stehen zu
lassen und sie nicht vorher durch eine 500-Pfund-Bombe zu
zermahlen. So fand sich eine Gruppe Iraker, nach
Korrespondentenangaben zahlenmäßig den anwesenden
Journalisten und GIs unterlegen, zum Jubeln - so wie sie noch vor
zwei Wochen beim Auftauchen von Kameras Saddam hochleben
ließen. (...)
Dass die militärisch
hundertfach überlegene Supermacht das irakische Militär besiegen
würde, hatte niemand bezweifelt. "Goodbye, Saddam Hussein",
hätte man auch schon bei Kriegsbeginn titeln können, aber das
wäre zu Recht als Verherrlichung des Krieges ausgelegt worden.
Was hat sich geändert, außer der Erkenntnis, dass das irakische
Regime - und ergo auch die von ihm angeblich ausgehende
kriegsbegründende Bedrohung - noch schwächer war als erwartet?
Das spricht eher dafür, dass es auch mit politischen Mitteln leichter
als gedacht möglich gewesen wäre, die Diktatur zu Fall zu bringen,
ohne Krieg. Im Übrigen: Ein Blick in Iraks Krankenhäuser
widerspricht dem Eindruck, dass der Krieg gar nicht so schlimm
war - tausende verletzter und verstümmelter Menschen haben den
20.000 Tonnen abgeworfener Bomben nicht entgehen können. Und
das sind die Überlebenden.
Der Krieg wird geführt, weil die Neokonservativen in Washington
das so wollten. Dass er entschieden ist, macht ihn nicht gerechter.
Und erinnert sich noch jemand, dass es angeblich einmal um
Massenvernichtungswaffen ging? ("tageszeitung" vom 11.04.03)
Blix bezweifelt erklärtes US-Motiv
Fr.11.04.03 - Vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Irak-Krieges
werden nach Auffassung von UN-Chefinspektor Hans Blix mehr Staaten versuchen,
in den Besitz von Atomwaffen zu gelangen. So strebe Nordkorea nach Atomwaffen, um
mögliche Angreifer besser abschrecken zu können, sagte Blix der spanischen
Tageszeitung El País. Der Krieg der USA und Großbritanniens gegen Irak könne Befürchtungen
wecken, dass, wer UN-Inspektoren ins Land lässt, am Ende angegriffen werde.
Blix beklagte, der Krieg habe genau in dem Moment eingesetzt, als die irakischen Behörden
begonnen hätten, die Inspektoren aktiv zu unterstützen. Er äußerte sich zugleich sehr skeptisch
über die von den USA gelieferten angeblichen Beweise über Massenvernichtungswaffen in
Irak. "Wir haben nichts gefunden, was damit zu tun gehabt hätte", sagte er.
Das Finden und die Zerstörung von Massenvernichtungswaffen sei als Begründung für die
militärische Intervention nebensächlich geworden und "an die vierte Stelle" gerückt, sagte
Blix der Zeitung. Wenn es in Irak Massenvernichtungswaffen gäbe, hätten die US-amerikanischen
und britischen Truppen diese inzwischen finden müssen. Sollten letztlich keine Massenvernichtungswaffen
gefunden werden, wäre das Ergebnis des Krieges, dass der Machthaber Saddam Hussein beseitigt worden
sei. "Dafür wäre dann ein hoher Preis an Menschenleben und Zerstörung eines Landes bezahlt worden."
(Quelle: fr [epd, dpa])
Verstärkte Bemühungen um eine Nachkriegsordnung im Irak
Fr.11.04.03 - Nach dem Fall von Bagdad gibt es verstärkte internationale
Bemühungen um eine Nachkriegsordnung im Irak. US- Finanzminister John Snow
will den Wiederaufbau und die Schuldensituation des Landes zum zentralen Thema
des G-7-Treffens in Washington machen. "Der Irak hat 25 Jahre wirtschaftliches
Missmanagement hinter sich", sagte Snow am Donnerstagabend in Washington.
Die Schuldensituation sei ein wichtiges Thema.
Die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben wichtigsten Industrieländer
tagen am Samstag in Washington. Direkt im Anschluss beginnt die Frühjahrstagung
von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank. Der IWF schätzt
die Auslandsschulden des Iraks auf 65 bis 100 Milliarden Dollar. Dazu bestehen
Reparationsforderungen in dreistelligem Milliardenbereich. Snow warnte vor Hoffnungen
auf einen schnellen Beginn des Wiederaufbaus. Im Irak werde noch gekämpft und die
Finanzlage des Landes sei völlig unklar.
IWF-Direktor Horst Köhler warnte vor einem Streit über die geplante
Übergangsverwaltung für den Irak. "Jeder Streit verzögert die Hilfe für den Irak",
sagte Köhler in Washington. Fortgesetzte "Grabenkämpfe" über die Rolle der Vereinten
Nationen behinderten auch den weltweiten Konjunkturaufschwung. "Wenn der Streit weitergeht,
verhindert das, dass sich in der Weltwirtschaft wieder Vertrauen aufbaut".
Die USA wollen eine Zivilverwaltung unter der Leitung des pensionierten US-Generals Jay Garner in Bagdad aufbauen.
Sie soll innerhalb von Monaten von einer irakischen Übergangsregierung abgelöst werden. Mehrere Länder haben die
Legitimität einer US- Zivilverwaltung in Frage gestellt.
Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz hat
im Washingtoner Senat die Pläne des Pentagons für eine Nachkriegsordnung in Irak
vorgestellt. Demnach soll es bis zur Bildung einer Übergangsregierung parallel von
Amerikanern und Irakern geführte Ministerien geben. Die Verantwortung für
öffentliche Dienstleistungen wie die Gesundheits- und Stromversorgung solle
allmählich von den US-geführten Ministerien auf die irakisch geführten übergehen,
sagte Wolfowitz am Donnerstag vor dem Streitkräfteausschuss.
Einen Zeitrahmen bis zur Bildung einer Übergangsregierung nannte Wolfowitz nicht.
Auch sagte er nicht, wie viele US-Soldaten und andere US-Bürger nach dem Krieg
wie lange in Irak bleiben sollen. Die Pläne könnten sich im Laufe der Zeit noch
ändern, sagte er. Die Rolle der Vereinten Nationen werde von der Kriegskoalition, dem
irakischen Volk und den UN-Mitgliedstaaten bestimmt, sagte der Minister. Doch könnten
die UN nicht tonangebend sein und die Hauptverantwortung tragen.
Der Minister beschrieb einen aus drei Phasen bestehenden Prozess zum Aufbau einer irakischen Regierung. Die
erste Phase werde vom Amt für Wiederaufbau und humanitärer Hilfe geleitet, dem US-General a.D. Jay Garner
vorstehen und das unter Aufsicht des US-Oberkommandos Mitte stehen soll. Das Amt soll die Grundversorgung der
Bevölkerung sicherstellen und die öffentlichen Bediensteten bezahlen. Wolfowitz betonte aber, es stelle keine
provisorische Regierung dar. Bereits in der kommenden Woche würden Versammlungen auf örtlicher Ebene
einberufen, um potenzielle Führungspersönlichkeiten zu bestimmen.
In einer nächsten Phase solle eine Übergangsbehörde gebildet werden, in der die Volksgruppen des Landes vertreten
sein sollen. Sie solle gesetzgeberische und exekutive Macht erhalten. Garners Amt für Wiederaufbau übernehme
damit zunehmend eine beratende Funktion. Die Übergangsbehörde werde mit der Vorbereitung von Wahlen und der
Ausarbeitung einer neuen Verfassung betraut, so dass schließlich ein neues Regierungssystem entstehe.
Die US-Regierung werde in der kommenden Woche Gespräche mit potenziellen irakischen Regierungsvertretern
aufnehmen, sagte Wolfowitz. Die Verhandlungen in mehreren irakischen Städten solle General Tommy Franks leiten,
der Kommandeur der US-Streitkräfte am Golf. Die UN und Vertreter anderer Staaten würden als Beobachter
eingeladen.
Wolfowitz hat Deutschland, Frankreich und Russland am Donnerstag
vorgeschlagen, dem Irak die Schulden ganz oder teilweise zu erlassen, um den
Wiederaufbau des Landes zu unterstützen. Die drei Staaten hatten den
US-geführten Krieg gegen Irak abgelehnt und wollen am Freitag und Samstag im
russischen St. Petersburg über die Zukunft des Landes beraten.
Wolfowitz sagte, die drei Staaten sollten über die Schulden des Irak aus der
Regierungszeit von Präsident Saddam Hussein beraten, die von Krediten für den
Kauf von Waffen, den Bau von Palästen und für Unterdrückungsinstrumente
stammten. Wolfowitz ist einer der stärksten Befürworter des US-Kurses
zum Sturzes Saddams.
"Ich meine, sie (Frankreich, Russland und Deutschland) sollten es in Erwägung
ziehen, ob es nicht angemessen sei, die Schulden teilweise oder ganz zu erlassen, so dass die
neue irakische Regierung davon unbelastet ist", sagte Wolfowitz vor dem US-Senatsausschuss für die Streitkräfte.
Sie könnten damit viel erreichen. Irak schuldet Russland und Frankreich je rund acht Milliarden Dollar. Der größte Teil
des Geldes stammt aus den 1980er Jahren, als der Irak Krieg gegen seinen Nachbarn Iran führte. Die damalige
Sowjetunion war der größte Lieferant für Rüstungsgüter an den Irak.
Wolfowitz sagte weiter, Frankreich müsse einigen Konsequenzen seiner Ablehnung der US-Invasion im Irak Rechnung
tragen, vor allem der Verzögerung von NATO-Schutz für die Türkei. Frankreich habe der NATO in mancher Hinsicht
geschadet, sagte Wolfowitz. Gemeinsam mit Deutschland und Belgien hatte Frankreich bis Mitte Februar wochenlang
NATO-Planungen zum Schutz der Türkei im Kriegsfall blockiert und die Allianz dadurch in eine Krise gestürzt. Die drei
Länder hatten ihre Ablehnung damit begründet, dass sie nicht einen Krieg vorbereiten wollten, vor dem Ende der
diplomatischen Bemühungen um seine Vermeidung. Die Türkei grenzt als einziger NATO-Staat an den Irak und hatte
die Allianz um Schutz vor einem irakischen Angriff bei einem US-geführten Krieg gegen das Land gebeten.
(Quellen: dpa, ap, rtr)
FAO: Iraks Kornkammer steht vor dem Aus
Fr.11.04.03 - Die UNO Welternährungsagentur FAO http://www.fao.org warnt davor,
dass Iraks Kornkammer vor dem Aus steht. Derzeit leben die knapp 25 Mio. Iraker zu zwei
Dritteln von Hilfslieferungen aus dem FAO-Projekt "Oil for Food". Wenn die Winterernte
nicht eingefahren werden kann, droht dem Land eine Hungersnot. Die UN-Organisation
fürchtet, dass der Krieg die gesamte ländliche Infrastruktur völlig zerstören könnte und
hat einen Notplan mit 86 Mio. Dollar zugestimmt. (Quelle: info.partisan.net)
Annan und Blix wollen Rückkehr der Waffeninspekteure
Fr.11.04.03 - UN-Generalsekretär Kofi Annan und Chefinspekteur Hans Blix haben sich
für die baldige Rückkehr der internationalen Waffenkontrolleure in den Irak ausgesprochen.
Das Mandat des Sicherheitsrates für die Irak-Inspektionskommission UNMOVIC sei nach wie
vor gültig, erklärten Annan und Blix am Donnerstag in separaten Gesprächen mit
Reportern im UN-Hauptquartier.
UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte, allein die UN seien verantwortlich für die
Abrüstung des Irak. Nachdem es in Bagdad keine funktionierende Regierung mehr
gebe, müsse jetzt der Sicherheitsrat klären, wie die UN mit dieser Situation umzugehen
hätten. Das betreffe auch die Frage der nach wie vor existierenden UN-Sanktionen.
Blix wies darauf hin, dass niemand unter Umgehung der UN legal Öl aus dem Irak kaufen
könne, solange die Sanktionen in Kraft seien. Voraussetzung für die Aufhebung des Embargos
sei nach den geltenden Resolutionen des Sicherheitsrates die Bestätigung durch die
UN-Inspekteure, dass es im Irak keine Massenvernichtungswaffen gibt.
"Es dürfte sehr schwierig sein, diese Festlegung zu umgehen."
Die UN-Inspekteure könnten nun wieder ihre Arbeit im Irak aufnehmen, sagte Blix. Nachdem sie vor dem Beginn des
Krieges keine Massenvernichtungswaffen entdeckt hätten, seien sie jetzt genauso gespannt wie Amerikaner und
Briten, ob sich nach dem Sturz des Regimes in Bagdad derartige Waffen finden würden. (Quelle: dpa)
UN untersuchen Spätfolgen von Uran-Munition
Fr.11.04.03 - Die amerikanische und die britische Armee verwenden auch im
Irak-Krieg Uran-Munition. Initiativen zum Verbot dieser Waffen
waren erfolglos, obwohl die Auswirkungen des umstrittenen
Materials auf Gesundheit und Umwelt nicht ausreichend geklärt
sind. Die Militärs wiesen die Kritik von Ärzten und
Menschenrechtsorganisationen zurück. Auch die erschreckend
hohe Zahl von krebskranken und missgebildeten Kindern in der
Millionenstadt Basra seit dem Golfkrieg 1991 beeindruckte sie
nicht.
Nach Angaben der US-Streitkräfte verfügen neben den
Abrams-Panzern auch die A-10-Kampfflugzeuge, die derzeit
Einsätze über Bagdad fliegen, über Panzer brechende Granaten
mit Urankern. In jeder Granate sind meist mehrere hundert
Gramm abgereichertes Uran enthalten. Es entsteht als
Abfallprodukt, wenn im Natururan das Verhältnis zwischen dem
Uran-Isotop U-238 und dem spaltbaren U-235 verändert wird.
Die Anreicherung ist nötig, um das Uran in Atomkraftwerken
verwenden zu können. Zurück bleibt DU (depleted uranium).
Schon im Golfkrieg von 1991 hatten die alliierten Streitkräfte
insgesamt 320 Tonnen DU-Munition eingesetzt.
Die Militärs profitieren von der hohen Durchschlagskraft dieser
Munition, die aus größerer Entfernung auf die Panzer abgefeuert
werden kann. Beim Aufprall der Geschosse auf gepanzerte Ziele
verformt sich der pfeilartige Urankern, die gewaltige
Aufschlagsenergie erhitzt das Uran, und es fängt an zu brennen.
Giftiges, schwach strahlendes Uranoxid wird so freigesetzt. Die
Militärs betonen, dass die Strahlung – hauptsächlich Alpha- und
Betastrahlen – sich leicht abschirmen lasse, schon ein Blatt
Papier genüge.
Anders jedoch ist es, wenn man den Uranstaub einatmet oder
über das Trinkwasser aufnimmt. Der Staub ist so
mikroskopisch-fein gekörnt, dass er tief in die Lungenflügel
eindringen kann. Mögliche Langzeitfolgen sind Krebs, aber auch
ein Zusammenhang mit dem „Golfkriegs-Syndrom" ist nicht
auszuschließen. Ende März legte die UN-Umweltorganisation
Unep ihre dritte Studie zu den Folgen von DU-Munition auf dem
Balkan vor. Darin wird zwar betont, es gebe derzeit keine akute
Gefahr durch Verstrahlung und Vergiftung. Doch gleichzeitig war
man überrascht, noch sieben Jahre nach dem Einsatz von
DU-Munition Uranstaub in der Luft zu messen. Deshalb hat an
diesem Montag die Unep eine neue Studie im Irak angemahnt, in
der erstmals Langzeitfolgen aus dem letzten Golfkrieg untersucht
werden sollen, wie Unep-Sprecher Michael Williams der
Süddeutschen Zeitung berichtete. (Quelle: sz)
Spanische Gewerkschaften protestieren mit Streik gegen Krieg
Fr.11.04.03 - Spanische Arbeiter haben mit kurzzeitigen Streiks
gegen den Golfkrieg protestiert. Eine der größten Gewerkschaften des Landes
hatte zu mehreren Arbeitsniederlegungen im Laufe des Donnerstags aufgerufen. Ihr
Protest richtete sich gegen den Krieg und seine wirtschaftlichen
Nachteile für die Arbeiter in aller Welt. Die zweite große Gewerkschaft rief ihre
Anhänger lediglich zu einem 15-minütigen Streik auf.
In Madrid kam es am frühen Donnerstagmorgen zu einem
zweistündigen Verkehrsstopp. In Valencia legten die Arbeiter der
Autofabrik Ford für eine Stunde ihre Arbeit nieder. Der Flugverkehr wurden nicht
behindert. Der stellvertretende spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy
bezeichnete die Streiks als "töricht". Das Mittel sei lediglich zur Durchsetzung von
Arbeitnehmerrechten geeignet. (Quelle: ap)
Attac will an Anti-Kriegs-Protesten festhalten
Fr.11.04.03 - Das globalisierungskritische Netzwerk Attac hat davor
gewarnt, auf Grund der Jubelbilder aus Bagdad die wahren Kriegsziele aus den
Augen zu verlieren. "Ein völkerrechtswidriger Krieg wird auch durch einen
militärischen Sieg nicht nachträglich legitimiert", hieß es am Donnerstag in einer
in Frankfurt am Main verbreiteten Erklärung der Organisation. Sowohl die
Militärintervention als auch die anschließende Besatzung blieben nach wie vor
ein Bruch internationalen Rechts.
Ziel der US-Intervention seien nicht die Menschenrechte und die Befreiung des
Landes, sondern der Zugang zu Rohstoffen und Märkten sowie die militärische
Vorherrschaft im Nahen Osten gewesen, hieß es weiter. Tausende Zivilisten seien
getötet, verwundet und obdachlos gemacht und die Infrastruktur des Landes
sei zerstört worden.
Der Verlauf des Krieges habe zudem gezeigt, dass es sich bei der
Behauptung, der Irak sei eine Gefahr für den Weltfrieden, weil
er über Massenvernichtungswaffen verfüge, um reine
Propaganda gehandelt habe. Äußerungen amerikanischer
Politiker verstärkten zudem die Befürchtung, dass US-Präsident George
W. Bush seinen Hegemonialfeldzug im Nahen Osten und in anderen Teilen
der Welt fortsetzen werde, hieß es. Die Organisation will daher weiter gegen den
Krieg und die Besatzung des Irak protestieren.
(Quelle: ap)
Die Toten bleiben ungezählt
«Wie viele Menschen im Krieg gegen Irak getötet wurden wird
möglicherweise niemals jemand erfahren. Weder die irakische Führung,
noch die Alliierten sind an einer genauen Zahl interessiert. (...)
Die laut Generalmajor Stanley McCrystal abgefeuerten 80.000 Bomben
und 750 Marschflugkörper haben sicher tausende, wenn nicht
zehntausende Menschen umgebracht. "Bei der Bombardierung der
verschiedenen Divisionen waren die Zerstörungen furchtbar", sagte ein
ungenannt bleiben wollender Militär der «NYT». "Komplette Divisionen
wurden vernichtet. Viele liefen nach Hause, aber viele wurden auch
getötet. Möglicherweise wissen wir nach dem Krieg, wie viele es waren,
sicher ist das nicht."» (Netzzeitung vom 10.04.03)
Mehr unter:
«In den letzten Wochen wurde nicht gezeigt, mit welchen technischen
Hilfsmitteln, ob mit Klappspaten oder mit Bulldozern, Amerikaner und Briten
die vielen gegnerischen Toten unter die Erde bringen, um das Schlachtfeld zu
bereinigen. Aber auf welch erbärmlich feige Weise diese Leichen produziert
wurden, wird aus den Bildern, die um die Welt gingen, durchaus klar:
Urangeschosse, die aus todsicherer Entfernung vierzig Jahre alte Panzer
knacken. Lasergesteuerte Bomben auf Infanteristen, die den Feind, der sie in
Stücke reißt, bis zuletzt nicht zu Gesicht, geschweige denn vor die rostige
Kalaschnikow bekommen haben.
Das große Hightech-Massaker im Irak ist noch nicht zu Ende...»
Aus der Berliner Zeitung vom 10.04.03:
«Wer jetzt zur Tagesordnung übergeht, kapituliert vor dem nächsten Krieg »
«Wie schmal (...) der Grat zwischen Anmaßung und Barbarei sein kann,
haben Amerikaner und Briten seit dem 20. März im Irak mit einer solch
archaischen Wucht vorgeführt, das es kaum noch verwundern konnte,
wenn diese Tötungsmaschine fast täglich auch die eigenen Leute
überrollte. Die zuverlässigsten Wegweiser nach Bagdad sind dieser Tage
die Leichenfelder an seiner Peripherie. Dreitausend irakische Soldaten, die
am Wochenende in nur 24 Stunden getötet wurden, empfehlen sich als
Unterbau einer neuen Gesellschaftspyramide, deren Credo lautet:
Durchsiebt ihre Körper und nennt das Ganze Befreiung und
Demokratisierung. Und vergesst nicht, es gibt Schlimmeres als Kriege, die
so geführt werden.
Bestürzend ist, wie viel in Deutschland bereits öffentlich über die irakische
Nachkriegordnung und den eigenen Part dabei nachgedacht wird und wie
wenig über den Umgang mit dem Kolossalverbrechen dieses Feldzuges,
der mit der geballten Entladung militärischen Vernichtungswahns und
imperialen Hochmuts seinesgleichen sucht. Sollte es noch irgendeinen
Sinn haben, im Namen von Recht und Gerechtigkeit einen Internationalen
Strafgerichtshof aufrechtzuerhalten, dann nur, falls dort die
Kriegsverbrechen der Bush, Blair und anderer wenigstens in Form von
Klageschriften dokumentiert werden, auch wenn es nie einen Prozess gibt.
Die rot-grüne Regierung in Berlin hat sich weder dazu durchringen können,
den Überfall auf einen souveränen Staat als Aggression zu bezeichnen,
noch als Bruch des Völkerrechts zu verurteilen. Auch der inzwischen
zweifelsfrei nachgewiesene Einsatz der international geächteten
Streubomben trifft auf das stoische Schweigen derer, die ansonsten um
ihrer gesinnungsethischen Tugend und ihres zivilisatorischen Anspruchs
willen humanitären Interventionen - man denke an den Krieg gegen
Jugoslawien 1999 - viel abgewinnen können.
Warum hat es keine humanitäre Intervention des Kanzlers oder seines
Außenministers gegen den Abwurf von Cluster-Bomben über irakischen
Wohnvierteln gegeben? Menschenrechte und Moral wären mit ihnen
gewesen. Blieb ein solche Intervention aus, weil das für die Beziehungen
zu den USA und den Zustand der NATO »noch schlimmer« gewesen wäre
als der Krieg selbst? Wie pervers muss Logik heutzutage eigentlich noch
sein, um als politisch qualifiziert zu gelten? Und was überhaupt sind diese
Bündnisse künftig wert, wenn es sich um Allianzen mit Kriegsverbrechern
handelt? Als am 20. März die ersten Raketen auf Bagdad flogen, war die
Zeit reif, alle logistischen Hilfsdienste für die Amerikaner sofort
einzustellen. Hier nicht im Sinne der Verfassung gehandelt zu haben, darin
liegt die Mitverantwortung der Berliner Regierung für den Krieg und seine
Opfer. Wer meint, eine solches Urteil verlasse das Feld des politisch
Realistischen, der sagt auch, dass Realpolitik derzeit ohne Inhumanität
nicht mehr auskommt....»
Aus der Wochenzeitung "freitag" vom 11.04.03:
«Das Pentagon arbeitet an der Abschaffung des Zufalls.
Die neuen Kriege sollen geführt werden wie eine Supermarktkette»
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«Nahost-Quartett» will Frieden in drei Stufen erreichen
Fr.11.04.03 - Das so genannte Nahost-Quartett - EU, UN, USA und
Russland - will einen Frieden zwischen Israel und Palästinensern in drei Stufen
erreichen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) veröffentlicht in ihrer
Freitagsausgabe Einzelheiten aus dem im Dezember vergangenen Jahres
beschlossenen Friedensplan. Die Autoren hatten angekündigt, den im Dezember
2002 beschlossenen Plan nach Amtsantritt des neuen palästinensischen
Ministerpräsidenten Machmud Abbas (Abu Masen) und seines Kabinetts zu
veröffentlichen.
Nach Angaben der FAZ ist danach vorgesehen, dass zunächst die
palästinensische Führung "Israels Recht auf Existenz auf Frieden und Sicherheit"
bekräftigt und eine Beendigung von Gewalt und Terrorismus durchsetzt.
Israel soll sich im Gegenzug eindeutig auf eine Zwei-Staaten-Regelung festlegen
und sich aller Aktionen enthalten, die die Vertrauensbildung untergraben könnten.
Dazu werden Deportationen, Angriffe auf Zivilisten oder die Zerstörung palästinensischer
Wohnungen gezählt. Gleichzeitig sollen alle Siedlungsaktivitäten im
Palästinensergebiet eingefroren werden.
In einer Übergangsphase, die bis zum Ende dieses Jahres geplant ist, ist die
Entstehung eines "unabhängigen palästinensischen Staates" mit freien Wahlen
vorgesehen. Die Kernprobleme des Konflikts sollen schließlich in den Jahren 2004
und 2005 gelöst werden. Zum Auftakt der Phase ist eine Nahost-Konferenz
vorgesehen. Festgeschrieben werden sollen die Grenzen der israelischen
Siedlungen, der Status von Jerusalem und das Flüchtlingsproblem.
(Quelle: dpa)
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