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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Sa.12.04.03, 12:45 Vierundzwanzigster Kriegstag in Irak
Öffentliche Ordnung in Irak bricht zusammen +++
IKRK ruft Alliierte zur Wiederherstellung der Ordnung in Irak auf +++
Plünderer machen sich über archäologisches Museum in Bagdad her +++
Rumsfeld äußert Verständnis für chaotische Zustände im Irak +++
Irakischer Oppositionsführer für starke Rolle der UN in Irak +++
Alliierte kontrollieren Iraks Ölfelder +++
Nur Tikrit noch nicht in alliierter Hand +++
USA: 107 US-Soldaten in Irak-Krieg getötet.
Sa.12.04.03 - Die strategisch wichtigen nordirakischen Ölstädte Mossul und Kirkuk sind nach
US-Angaben unter alliierter Kontrolle. AFP-Korrespondenten berichteten allerdings von
geringer US-Präsenz und Beschuss in Mossul. Nach Angaben des nach der Einnahme am
Donnerstag als Gouverneur eingesetzten Risgar Ali Hamgam war die Lage in Kirkuk außer Kontrolle.
Angesichts des Chaos in den irakischen Städten wurden international Forderungen an die Alliierten
nach der Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung laut. Laut US-Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld gehen die allierten Streitkräfte gegen die Plünderungen in den
irakischen Städten vor.
In Bagdad griffen Ladenbesitzer Plünderer mit Gewehren, Pistolen und Eisenstangen
an. Erstmals waren auch private Milizen als Ordnungsmacht in der irakischen
Hauptstadt zu sehen.
Die Gesundheitsversorgung in Bagdad ist nach Informationen des
Roten Kreuzes praktisch zusammengebrochen. Die Krankenhäuser in der
irakischen Hauptstadt seien geschlossen, die Patienten geflüchtet oder sich selbst
überlassen, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Freitag in
Genf mit. Auch kümmere sich niemand um die Toten. Steigende Temperaturen und
eine immer schlechtere Versorgung mit Wasser und Strom erhöhten das Risiko des
Ausbruchs von Epidemien.
Das IKRK appellierte angesichts des Chaos in Bagdad und anderen Teilen des
Landes nachdrücklich an die Streitkräfte der Verbündeten und alle anderen
Verantwortlichen, den Plünderungen und der Zerstörung von
Infrastruktur-Einrichtungen Einhalt zu gebieten. Das Rote Kreuz erinnerte die
Truppen der Koalition daran, dass sie als Besatzungsmacht nach dem Völkerrecht
für den Schutz von Einrichtungen wie Hospitälern oder der Wasserversorgung
verantwortlich sind. Sie seien auch verpflichtet, die öffentliche Ordnung und die
Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.
Die Krankenhäuser in Bagdad hätten nach Bombenschäden, Plünderungen oder
aus Angst vor weiteren Überfällen teils Bewaffneter ihre Arbeit eingestellt, hieß es
beim IKRK ferner. Weder Ärzte noch Hilfspersonal erschienen zum Dienst.
Das Rote Kreuz appellierte darüber hinaus an die Kriegsparteien, Gefangene
menschlich zu behandeln. Das IKRK habe Zugang zu den Kriegsgefangenen der
Koalitionstruppen, jedoch nicht zu denen der irakischen Seite.
Auch das weltberühmte archäologische Museum in
der Hauptstadt wurde zum Ziel von Plünderern. Wie ein AFP-Reporter berichtete,
räumte ein Dutzend Plünderer ungestört zahlreiche Gegenstände ab. Mehrere antike
Tongefäße und Statuen gingen zu Bruch, Büroräume wurden vollkommen zerstört.
Das Irak-Museum beherbergt Funde von den wichtigsten Ausgrabungsorten
Mesopotamiens, das als Wiege der Menschheit gilt. Mit der riesigen Sammlung
kann nach Angaben von Experten kein anderes vergleichbares Museum der Welt
mithalten. Zu den im Irak-Museum aufbewahrten jahrtausendealten Kunstschätzen
gehören unter anderem eine prachtvolle Leier, die auf etwa 2450 Jahre vor unserer
Zeit datiert wird. Einige der Exponate wurden vorsichtshalber bereits vor dem Krieg
ausgelagert.
Laut Rumsfeld patrouillierten die Koalitionstruppen in verschiedenen Städten, "und dort,
wo es Plünderungen gibt, beenden sie diese und werden diese beenden". Das Ausrauben
zahlreicher öffentlicher Gebäude sei zwar "unglücklich", es sei jedoch die Folge eines "
diktatorischen und repressiven Regimes". Auf lange Sicht müsse die Verantwortung für die
Sicherheit im Lande den Irakern selbst übergeben werden, fügte Rumsfeld hinzu.
Der irakische Oppositionsführer Adnan Pachachi hat die Vereinten
Nationen angesichts der anarchischen Zustände in Irak aufgefordert, dem Land
wieder Recht und Ordnung zu bringen. Zunächst seien aber die amerikanischen und
britischen Truppen dafür verantwortlich, wieder Ruhe in die irakischen Städte zu
bringen, erklärte der frühere irakische Außenminister Pachachi am Freitag in Kairo.
Er steht der Bewegung unabhängiger irakischer Demokraten vor, die eine
US-Militärverwaltung in Irak ablehnt.
Weil eine legitime Regierung in Irak fehle, sei der Sicherheitsrat gefordert, den
Vereinten Nationen eine wichtige Rolle bei der Wiederherstellung von Recht und
Ordnung zuzuweisen, erklärte Pachachi. Die Koalitionstruppen seien aber dafür
verantwortlich, die Sicherheit der Menschen zu garantieren, ihre Würde und ihr
Eigentum sowie die öffentlichen Einrichtungen zu schützen. Viele Exiliraker und
Araber reagierten entsetzt auf die Bilder von den Plünderungen aus Bagdad.
Ägyptens Präsident Husni Mubarak forderte in einem Anruf bei UN-Generalsekretär Kofi Annan eine Intervention der
UNO, um das Chaos zu stoppen. Annan zeigte sich "sicher", dass die US-geführten Streitkräfte in Irak sich an die
Genfer und Haager Konventionen hielten, wonach sie "für das Wohlergehen der Bevölkerung" zuständig seien.
Der Koordinator für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt, Karsten Voigt, sagte, die Sicherung
von Ruhe und Ordnung sei nach internationalem Recht die Aufgabe der "Besatzungsmacht" USA.
CNN berichtet, die USA wollten andere Länder bitten, Polizeikräfte für den
Irak bereitzustellen. An welche Länder sich die USA konkret wenden, wurde nicht
gesagt. Syrien schloss unterdessen seine Grenze zum Irak.
Mit der Einnahme der großen Städte im Nordirak durch kurdische Milizen haben die US-geführten Streitkräfte die Ölreserven
Iraks komplett unter ihre Kontrolle gebracht. Die USA hatten eine kleine Truppe von US-Soldaten in den Nordirak verlegt,
die mit Hilfe kurdischer Kämpfer eine zweite Front in dem Krieg aufgebaut hatte. Soldaten einer US-Luftlandedivision legten
am Freitag Stacheldrahtsperren auf den Zufahrtstraßen zu den Ölanlagen von Baba Gargur bei Kirkuk aus und bezogen
Wachposten. Mit der Sicherung des Ölfeldes Kirkuk, aus dem vor dem Krieg rund 40 Prozent der irakischen Öleinnahmen
erzielt wurden, haben die US-geführten Truppen faktisch die Kontrolle über alle Ölvorkommen in dem Land übernommen,
nachdem bereits seit Wochen die Ölfelder im Südirak in der Hand der Alliierten sind. Reuters-Reporter berichteten, scheinbar
brenne nur eine der mehr als 400 Ölquellen bei Kirkuk. Irak verfügt über die zweitgrößten Ölvorkommen der Welt.
Nach Angaben des türkischen Außenministers Abdullah Gül begannen die Kurden mit ihrem angekündigten Rückzug
aus Kirkuk. Auch aus Mossul würden die Peschmerga "so bald wie möglich" abziehen. Er habe dafür "Garantien" der
USA bekommen, betonte Gül. Die Türken fürchten Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden auch im eigenen Land,
wenn das staatenlose Volk die Kontrolle über die großen nordirakischen Städte behält.
Bis auf Tikrit sind im Irak alle wichtigen Städte in der Hand der
alliierten Truppen. Nach heftigen Luftangriffen auf die Heimatstadt von Saddam
Hussein haben die US-Truppen Hinweise, dass auch in Tikrit die irakischen
Verteidigungskräfte in Auflösung begriffen sind.
In dem seit drei Wochen andauernden Irak-Krieg sind nach Angaben der
US-Regierung bislang 107 US-Soldaten getötet worden.
Zehn Soldaten würden zudem vermisst, sieben seien in irakischer Kriegsgefangenschaft,
teilte das US-Verteidigungsministerium am Freitag in Washington mit. 95 Soldaten seien
im Kampfeinsatz getötet worden, zwölf bei Unfällen oder Vorfällen ohne Feindeinwirkung.
Insgesamt seien 399 US-Soldaten verletzt worden.
Nach Angaben des US-Militärs wurden mehr als 2300 irakische Soldaten getötet.
Die irakischen Behörden hatten zuletzt am 3. April die Zahl der getöteten Zivilisten
mit rund 1300 angegeben, mehr als 5000 Zivilisten seien verletzt worden.
(Quellen: afp, dpa, rtr)
Bush: Irak-Krieg noch nicht vorbei - Saddam aber entmachtet
Sa.12.04.03 - US-Präsident George W. Bush hält es nach eigenen
Worten für verfrüht von einem Ende des Irak-Kriegs zu sprechen. Allerdings sei der
irakische Präsident Saddam Hussein entmachtet, sagte Bush am Freitag beim
Besuch von verwundeten US-Soldaten in Bethesda. Zugleich warnte er den
irakischen Nachbarn Syrien davor, Anhänger Saddams aufzunehmen.
"Dieser Krieg wird zu Ende sein, wenn unsere Befehlshaber an der Front mir sagen,
dass die Ziele erreicht sind", sagte Bush im medizinischen Zentrum der Marine in
Bethesda im Bundesstaat Maryland. Mit Blick auf Saddam sagte Bush: "Ich weiß
nicht, ob er tot ist oder lebt. Ich weiß aber, er ist nicht länger an der Macht."
Saddam war am Montag erneut das Ziel eines US-Luftangriffes. Sein Verbleib wie
der anderer irakischer Führungsmitglieder war am Freitag weiter unklar.
Bush besuchte die verletzten Soldaten gemeinsam mit seiner Frau Laura und
vergab zehn Purple-Heart-Abzeichen für Verwundungen im Kampf.
Der US-Präsident warnte Syrien, Mitgliedern der irakischen Führung und Anhängern
Saddams zur Flucht zu verhelfen. "Syrien muss nur wissen, dass wir volle
Zusammenarbeit akzeptieren und wir es dringend auffordern, Mitgliedern der
Baath-Partei oder Saddams Familie oder Generälen auf der Flucht ... keinen
sicheren Zufluchtsort zu bieten", sagte Bush. Die USA erwarteten von der Regierung
in Damaskus, dass sie alles Mögliche tue, damit keiner der Gesuchten nach Syrien
fliehen könne. Falls es einigen doch gelänge, müssten diese ausgeliefert werden.
Zuvor hatte eine Sprecherin des US-Außenministeriums gesagt, Syrien habe die
Grenze zum Irak bis auf Transporte für humanitäre Hilfe geschlossen. Die USA
begrüßten diese Entscheidung. Die US-Regierung hatte in den vergangenen
Wochen Syrien mehrmals vorgeworfen, die irakische Führung zu unterstützen.
Ein US-Militärsprecher sagte am Freitag, Mitglieder der irakischen Führung versuchten ins Ausland zu fliehen. Den
US-Truppen im Irak sei eine Liste mit den Namen von 55 Mitgliedern der Führungsspitze ausgehändigt worden, die
entweder gefangen genommen oder getötet werden sollten.
Der irakische Botschafter bei den Vereinten Nationen (UNO) in New York, Mohammed Alduri, verließ am Freitag die
USA in Richtung Syrien. Er wolle sein Land nicht unter britischer und US-Besetzung repräsentieren. "Wenn die
Besetzung endet...werde ich der erste sein, der in mein Land als ein freies Land zurückkehrt", sagte Alduri in einem
gemeinsamen Interview von Reuters-TV und dem in Dubai ansässigen Sender El Arabija.
Die USA haben gemeinsam mit Großbritannien den Irak am 20. März angegriffen, um nach eigenen Angaben die
Abrüstung der Massenvernichtungswaffen des Landes durchzusetzen und Saddam zu stürzen.
(Quelle: rtr)
«Falken in US-Administration planen offenbar schon neue Kriege in Golfregion»
Mehr unter:
«USA suchen Gründe für einen Angriff »
Noch vor kurzem wäre jeder als völlig verrückt erklärt
worden, der einen US-Angriff auf Syrien prophezeit hätte,
heute gehört er bereits in den Bereich des Denkbaren.
Auffällig ist jedenfalls, dass ziemlich genau dieselben Leute
in den USA Drohungen gegen Syrien ausstoßen, die als
Erste öffentlich die Irakinvasion propagiert haben: Wenn
das nur keine Versuchsballons sind, um die öffentliche
Meinung zu testen. ("Der Standard" vom 11.04.03)
Mehr unter:
«Der Krieg nimmt kein Ende - die Friedensbewegung wird noch gebraucht »
Der Krieg ist noch lange nicht vorbei. Und geht es nach George W.
Bush und seinen neokonservativen Beratern, wird das es auf viele
Jahre hinaus so bleiben. Nicht nur der Krieg im Irak. Auch der ist
natürlich längst nicht beendet. Sollte irgendwann eine neue
Regierung installiert sein, dann wird jede Opposition dagegen
einfach zur terroristischen Organisation erklärt und der Krieg geht
eben in anderer Form weiter. Die Zeit der Gefahren für den Irak und
für die Region, vor denen die Gegner dieses Krieges gewarnt
haben, hat also gerade erst begonnen. Das wurde schon offenbar,
wenn man in den letzten zwei Tagen die Berichte aus Bagdad
verfolgte. ("tageszeitung" vom 12.04.03)
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Laut el Baradei im Irak kein Beweise für Massenvernichtungswaffen
Sa.12.04.03 - UN-Chefwaffeninspekteur Mohammed el Baradei bezweifelt, dass
der Irak noch Massenvernichtungswaffen hat. Bisher läge dafür kein Beweis vor,
sagte er der "Bild am Sonntag". Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde
fordert eine baldige Rückkehr der Inspekteure in den Irak.
"Sobald die Kampfhandlungen beendet sind, müssen die UN(O)-Inspektoren ihre
Arbeit im Irak fortsetzen - entsprechend den Vorgaben des Weltsicherheitsrats",
sagte ElBaradei in einem am Samstag veröffentlichten Vorabbericht der "Bild am
Sonntag". "Sollten verbotenen Waffen gefunden werden, haben nur die Vereinten
Nationen die Autorität, sie zu beseitigen - und nicht die USA." Allerdings sei der
Beweis, dass der Irak noch über Massenvernichtungswaffen verfügt, bislang nicht
erbracht worden.
"Es reicht nicht aus, wenn gefundene verdächtige Substanzen in amerikanischen
Labors getestet werden", sagte ElBaradei. "Die Ergebnisse müssen von den
UN-Waffeninspektoren überprüft werden. Nur so können glaubwürdige Aussagen
über möglicherweise noch vorhandene Massenvernichtungswaffen getroffen werden."
Die USA und Großbritannien haben den Irak am 20. März angegriffen, weil sie dem
irakischen Präsidenten Saddam Hussein vorwerfen entgegen der UNO-Auflagen
Massenvernichtungswaffen gelagert und entwickelt zu haben. UNO-Experten unter
Leitung von ElBaradei und Chefwaffeninspektor Hans Blix hatten bis kurz vor
Kriegsbeginn nach verbotenen Waffen im Irak gesucht. Der UNO-Sicherheitsrat
hatte sich in der Frage über Krieg und Frieden im Irak-Konflikt nicht einigen können.
Falls keine Massenvernichtungswaffen gefunden werden, stünde das Weiße Haus nach Ansicht von US-Medien vor
einem enormen Glaubwürdigkeitsproblem, das wiederum auf das Nachkriegs-Irak ausstrahlen würde. Denn die
Beseitigung dieser Waffen war ein wesentliches Kriegsziel. Schließlich hatte Bagdad nach US-Darstellung bei den
Vereinten Nationen nicht Rechenschaft abgelegt über 25 000 Liter Anthrax, 38 000 Liter Botulinum, 500 Tonnen Sarin,
Senfgas und Nervengas sowie 30 000 für C-Waffen geeignete Geschosse. Die Bush- Administration gibt sich
zuversichtlich, dass sie aufgespürt werden. Rumsfeld hat aber schon vermutet, dass die Materialien aus dem Land
gebracht worden sein könnten.
(Quellen: dpa, rtr)
USA: Konferenz über Zukunft des Irak am Dienstag in Nassirijah
Sa.12.04.03 - Die USA planen für Dienstag im südirakischen Nassirijah
eine Konferenz irakischer Vertreter, auf der über die Zukunft des Irak beraten werden
soll.
"Wir erwarten, dass dies das erste einer Reihe von Regionaltreffen sein wird, die
Irakern ein Forum geben werden, um ihre Zukunftsvision und ihre Vorstellungen über
die irakische Übergangsregierung zu erörtern", sagte ein Sprecher des
US-Außenministeriums am Freitag. Die USA hofften, dass diese Zusammenkünfte
in einer nationalen Konferenz münden würden, die in Bagdad stattfinden könnte. Sie
solle das Ziel haben, eine irakische Übergangsregierung zu bilden.
Unter den Teilnehmern würden "Iraker aus den jüngst befreiten Gebieten" im Irak
sowie Mitglieder der irakischen Opposition sein. Auch Iraker, die an einem
Langzeit-Projekt des US-Außenministeriums zur Nachkriegsordnung in dem
Golfstaat teilgenommen hätten, sollten vertreten sein, sagte der Sprecher. Sie seien
von dem Oberkommandierenden der US-Streitkräfte im Irak, Tommy Franks,
eingeladen worden. An dem Treffen werde auch eine US-Delegation teilnehmen, die
von dem Sondergesandten Zalmay Khalilzad angeführt werde.
Unklar war zunächst, ob der Chef der Oppositionsgruppe Irakischer
Nationalkongress (INC), Ahmed Chalabi, an der Konferenz teilnehmen würde. Ein
US-Militärsprecher sagte, er könne dies nicht bestätigen.
Am Wochenende hatten das US-Militär Chalabi zusammen mit 700 weiteren
Mitgliedern der Organisation nach Nassirijah gebracht. Der Nachrichtenagentur
Reuters hatte er gesagt, er werde sich am Samstag mit anderen Oppositionellen
außerhalb der Stadt auf einem Stützpunkt treffen, um über die Zukunft des Landes
zu sprechen. Die irakische Opposition gilt als zerstritten. Eine große schiitische
Oppositionsgruppe kündigte bereits an, sie werde das von Chalabi angesprochene
Treffen wegen des Einflusses der USA boykottieren.
Den USA schweben drei Stufen der Nachkriegsordnung im Irak vor: eine Militärregierung
im direkten Anschluss an das Ende der Kämpfe, eine Übergangsregierung, in der britische
und US-Vertreter mit Irakern zusammenarbeiten sollen, und schließlich eine neue gewählte
irakische Regierung. Wie diese aussehen soll, ist noch unklar. (Quelle:rtr)
«Irakische Oppositionelle reagierten irritiert, als US-Präsident
George W. Bush bei seinem letzten Ultimatum an Saddam
Hussein Tagen das Wort "Demokratie" überhaupt nicht in den
Mund nahm »
Auch die wenigen Erfahrungen, die aus dem Nahen
und Mittleren Osten mit US-amerikanischem Eingreifen zu Gunsten
von Demokratie vorliegen, stimmen pessimistisch. Da war zunächst
Kuwait, dessen Bevölkerung der damalige US-Präsident Bush
senior demokratische Verhältnisse versprach, wenn die US-geführte
Koalition erst Saddams Besatzungstruppen aus dem Öl-Emirat
vertrieben habe. Kürzlich verstand ein Pentagon-Vertreter die
Journalistenfage, was daraus geworden sei, überhaupt nicht: Man
habe dort schließlich "die legitimen Herrscher" wieder eingesetzt.
Gewählt haben die Kuwaitis das Herrscherhaus der al-Sabah
allerdings nie. Bis heute gibt es nur ein beratendes
Scheinparlament ohne jegliche Legislativfunktion.
Auch ein paar tausend Kilometer weiter östlich, in Afghanistan,
sieht es nicht viel besser aus... (taz vom 12.04.03)
Mehr unter:
Putin, Schröder und Chirac wollen «zentrale Rolle» für UN
Sa.12.04.03 - Russland, Deutschland und Frankreich haben ihre Forderung
nach einem Wiederaufbau Iraks unter dem Dach der UN bekräftigt. Den Vereinten
Nationen müsse eine "zentrale Rolle" zukommen, erklärten der russische
Präsident Wladimir Putin, Bundeskanzler Gerhard Schröder und der französische
Präsident Jacques Chirac am Freitag nach einem Gipfeltreffen in St. Petersburg.
Sie ließen aber offen, wie weit diese Rolle genau gehen soll.
Chirac sagte, nur die Vereinten Nationen hätten die Legitimität, die "riesige
Aufgabe" des Wiederaufbaus Iraks zu übernehmen. Schröder sagte, über die
Einzelheiten werde man mit den Alliierten reden müssen. "Aber das Dach muss klar
sein."
Putin äußerte scharfe Kritik an den Alliierten. Bis heute sei nicht bewiesen, dass
Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besessen habe. "Wie wir wissen, wurde
nichts gefunden", sagte er. "Da stellt sich die Frage der Zweckmäßigkeit einer
solchen Militäraktion." Gleichzeitig warnte er davor, auch in anderen Ländern
Regimewechsel militärisch herbeizuführen und die "kapitalistisch-demokratische
Revolution zu exportieren".
Schröder sandte dagegen versöhnliche Signale in Richtung der USA und
Großbritannien. Es komme jetzt darauf an, aus einem militärischen Sieg einen
Gewinn für das irakische Volk zu machen. "Angesichts dieser Frage will ich es mir
verkneifen, über die Vergangenheit zu reden."
Die Bedeutung des Gipfels bewerteten die drei Staats- und Regierungschefs
unterschiedlich. "Wir haben eine gemeinsame Vision von der Welt von morgen",
sagte Chirac. Diese bestehe darin, Unilateralismus zu verhindern. Putin sprach von
einem "historischen" Treffen. Die Beziehungen zwischen Deutschland, Russland
und Frankreich seien von großer Bedeutung für die europäische und internationale
Stabilität. Schröder äußerte sich dagegen zurückhaltend und wandte sich dagegen,
die Konsultationen zwischen den drei Ländern als Achsenbildung zu bewerten.
Die Reise Schröders nach St. Petersburg war bereits seit Wochen geplant. Am Dienstag hatte Putin überraschend
Chirac zu einem Dreier-Gespräch eingeladen. Deutschland, Frankreich und Russland hatten sich gemeinsam
vergeblich darum bemüht, den Golfkrieg zu verhindern.
(Quelle: ap)
G-7-Minister und -Notenbankchefs beraten über Wiederaufbau in Irak
Sa.12.04.03 - Die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden
Industriestaaten (G7) sind am Freitagabend (Ortszeit) in Washington
zusammenkommen, um über den Wiederaufbau in Irak und die Perspektiven der
Weltwirtschaft nach dem erwarteten Ende des Krieges zu sprechen. Die USA
wollten ferner das Thema der irakischen Auslandsschulden auf die Tagesordnung
bringen. Die G-7-Vertreter berieten im Vorfeld der Frühjahrstagungen von
Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank, die an diesem Wochenende in
der US-Haupstadt stattfinden. (Quelle: afp)
EU-Kommission drängt Außenminister zu gemeinsamer Irak-Position
Sa.12.04.03 - Nach den gravierenden Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Europäischen
Union (EU) zum Irak-Krieg sieht die EU-Kommission in der Nachkriegsordnung für den Irak jetzt
eine Chance für neue Einigkeit. Die Kommission drängt die EU-Außenminister deshalb zu einer
gemeinsamen Position, was die europäische Rolle dabei angeht.
"Wenn die EU in der Lage wäre, frühzeitig zu klären, welche Rolle sie im Irak nach
dem Konflikt spielen will, könnte sie möglicherweise Einfluss auf den Inhalt einer
UNO-Resolution zu dem Prozess nehmen", heißt es in einem Diskussionspapier
von Außenkommissar Chris Patten für ein EU-Außenministertreffen am Montag in
Luxemburg. Neben Irak dürften vor allem Pläne Belgiens, Deutschlands, Frankreichs
und Luxemburgs für eine EU-Verteidigungsunion im Mittelpunkt des Treffens stehen.
Strittig ist unter anderem, wie unabhängig EU-Militäreinsätze von der Nato geführt
werden sollen.
Hochrangige EU-Diplomaten erwarten keine konkreten Ergebnisse dieser ersten
Beratungen der Außenminister nach der Besetzung Bagdads durch US-Truppen.
Während die USA und EU-Mitglied Großbritannien als wichtigster US-Verbündeter
auf eine starke Rolle der Kriegskoalition unter Beteiligung der UNO drängen, sehen
Frankreich und Deutschland in der UNO den Schlüssel zur Nachkriegsordnung im
Irak.
Zentrales Streitthema für die EU dürfte nach Einschätzung von Diplomaten nun
werden, welche Rolle die UNO wirklich wahrnehmen soll und wie sehr die EU ihr
Engagement im Irak nach Kriegsende davon abhängig machen soll.
Für die EU geht es beim Wiederaufbau Iraks sowohl um ihr internationales Gewicht
als auch um Aufträge für ihre Wirtschaft. Die EU-Kommission hat bereits
angekündigt, milliardenschwere US-Aufträge für den Wiederaufbau auf ihre Vereinbarkeit mit den Regeln der
Welthandelsorganisation (WTO) zu überpfüfen, soweit nur US-Firmen zum Zuge kämen.
"Bei humanitärer Hilfe werden viele über ihren Schatten springen" - und sich notfalls den US-Regeln unterwerfen, sagte
ein hochrangiger EU-Diplomat. Es gebe aber nur sehr wenige Länder, die bereit seien, sich bei der Irak-Hilfe
vollständig dem US-Kommando unterzuordnen.
Die EU-Kommission dringt in ihrem Diskussionspapier auf eine starke Rolle der UNO zu einem frühen Zeitpunkt. Dies
sorge für Legitimität der Entscheidungen über die künftige Führung Iraks. Bei früheren Konflikten habe die
UNO-Einbindung die EU auch zu großzüger Hilfe veranlasst, heißt es in dem Papier weiter.
Patten schlägt den Außenministern eine Reihe von Grundprinzipien für die EU-Rolle im Nachkriegs-Irak vor. Unter
anderem regt er eine Resolution des UNO-Sicherheitsrates und eine "zentrale Rolle" für die UNO im gesamten
Übergangsprozess an. Die USA und Großbritannien wollen die UNO zwar mitwirken lassen, haben sich auf deren
Rolle aber noch nicht festgelegt. Frankreichs Präsident Jacques Chirac hatte dagegen eine führende Rolle der UNO
verlangt. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesaußenminister Joschka Fischer hatten ein "Dach der UNO" für
den Wiederaufbau verlangt.
Thema der Außenminister wird Diplomaten zufolge auch das Gipfeltreffen Belgiens, Frankreichs, Luxemburgs und
Deutschlands am 29. April für eine engere Verteidigungsunion sein. Vor allem in Großbritannien sind die Pläne auf
Kritik gestoßen, die auf eine engere Zusammenarbeit nur einiger EU-Staaten bei der Verteidigung hinauslaufen
könnten.
Die vier Länder seien sich in den meisten Fragen einig, berichteten Diplomaten. Nicht ausgeschlossen wurde in
EU-Kreisen, dass auch Italien oder die Niederlande als weitere EU-Gründungsmitglieder teilnehmen werden.
Großbritannien werde von Deutschland regelmäßig informiert, hieß es in deutschen Regierungskreisen.
EU-Diplomaten betonten jedoch, die engere Verzahnung der Verteidigungspolitik bis hin zu einem EU-eigenen
Hauptquartier dürfe nicht von britischer Zustimmung abhängen. Mit dem EU-Hauptquartier könnte es erstmals
EU-Kommandostrukturen außerhalb der Nato geben. Die Verteidigungsunion solle auch für weitere Länder offen
stehen. (Quelle: rtr)
Welteke - Ende des Irak-Kriegs entlastet Weltwirtschaft
Sa.12.04.03 - Bundesbankpräsident Ernst Welteke rechnet bei dem sich abzeichnenden Ende des
Irak-Kriegs mit der Entlastung der Weltwirtschaft von vielfältigen Unsicherheiten.
Welteke sagte am Freitagabend am Rande der Frühjahrskonferenz des Internationalen Währungsfonds (IWF) in
Washington: "Ich glaube, dass jetzt ... ein großer Teil von Unsicherheiten und Spekulationen weicht." Damit würden
aber die strukturellen Probleme der westlichen Volkswirtschaften, vor allem der deutschen, wieder in den Vordergrund
rücken. Welteke sprach sich daher für die Umsetzung der von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) geplanten und
weiteren Strukturreformen aus. Das Ziel der Haushaltskonsolidierung mit dem Ziel ausgeglichener Haushalte sollte
auch kurzfristig aufrechterhalten werden, sagte er. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stehe einem
höheren Wachstum bei gleichzeitiger Preisstabilität nicht entgegen.
Für den Irak hält Welteke nach eigenen Angaben IWF-Kredite für möglich. Bedingung dafür sei aber, dass es einen
geeigneten Ansprechpartner in Form einer handlungsfähigen Regierung in dem Land gebe, sagte er. (Quelle: rtr)
US-Veteranen wollen deutsche Firmen verklagen
Sa.12.04.03 - Der US-Anwalt Gary Pitts will nach Informationen der
"Stuttgarter Zeitung" (Samstagausgabe) 31 Firmen, darunter 14 deutsche, auf
Schadenersatz in Milliardenhöhe verklagen, weil sie in den 80-er Jahren beim
Aufbau des irakischen Chemiewaffenprogramms geholfen haben sollen. Sie trügen
die Mitschuld am so genannten Golfkriegssyndrom, begründete der Anwalt den
Angaben zufolge seine Klage. An der mysteriösen Krankheit leiden Zehntausende
US-Veteranen: Sie sollen bei der Zerstörung von Chemiewaffen nach dem ersten
Krieg gegen Irak 1991 dem Nervengas Sarin ausgesetzt worden sein.
Pitts glaube, an Hand neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse beweisen zu können,
dass dies der Auslöser der Krankheit gewesen sei, schrieb die Zeitung. Er beziehe
sich dabei auf eine angebliche Zuliefererliste aus Irak. Die Unterlagen stimmten
offenbar mit denen des ersten UN-Waffeninspektionsteams (UNSCOM) überein, die
in New York unter Verschluss gehalten würden.
UNSCOM-Sprecher Ewen Buchanan wird in der "Stuttgarter Zeitung" mit den
Worten zitiert: "Ich habe keinen Grund, die Echtheit von Pitts Liste zu bezweifeln."
Pitts kündigte an, er werde im Namen von 5.000 Veteranen Klage einreichen, falls
man sich nicht außergerichtlich einige. Der US-Anwalt habe die Unternehmen in
dieser Woche schriftlich über seine Absichten informiert, hieß es. (Quelle: ap)
Indianer wollen 25 Milliarden Dollar Entschädigung von US-Regierung
Sa.12.04.03 - Sechs Indianer vom Volk der Sioux haben eine
Entschädigungsklage über 25 Milliarden Dollar gegen die US-Regierung wegen
geistiger, körperlicher und sexueller Misshandlung von Schülern in Internaten für
Ureinwohner eingereicht. Die sechs Kläger fordern die Entschädigung im Namen
aller indianischen Schüler, die im 20. Jahrhunderts landesweit in den Internaten
misshandelt worden sein sollen. Die meisten der Schulen wurden von Kirchen oder
Religionsgemeinschaften betrieben.
Die Kläger im US-Staat South Dakota machen geltend, die Regierung habe ihre
Fürsorgepflicht verletzt. In Verträgen mit verschiedenen Indianervölkern habe die
Regierung zugesichert, Ureinwohnern Wiedergutmachung für Schäden zu zahlen, die
Nicht-Indianer ihnen zugefügt hätten, heißt es in der Klageschrift. Weitere Klagen
würden gegen die Betreiber der Internate eingereicht. Die Kläger wurden nach eigenen
ngaben in den Schulen von Priestern oder Nonnen geschlagen und sexuell misshandelt.
Sie fordern die Einstufung ihrer Klage als Sammelklage. Sprecher des US-Innen- sowie
des Justizministeriums wollten azu am Freitag zunächst nicht Stellung nehmen.
(Quelle: ap)
Israelische Soldaten töten britischen Friedensaktivisten
Sa.12.04.03 - Israelische Soldaten haben am Freitag in Rafah im Gazastreifen einen
britischen Friedensaktivisten erschossen. Ein Augenzeuge berichtete, der 24-Jährige
habe zwischen den israelischen Truppen und einer Gruppe von palästinensischen Kindern
gestanden, als die Soldaten das Feuer eröffneten. Der Brite habe gerade versucht, mit
anderen Mitgliedern seiner Gruppe ein Zelt an einer Straße aufzubauen.
Bei dem Opfer soll es sich um einen Mitarbeiter der Organisation International
Solidarity Movement (ISM) handeln. Der Aktivist wurde von einer Kugel in den Kopf
getroffen. (Quelle: ap)
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B.O.A.-Künstlerkooperative
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