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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mo.14.04.03, 12:45 Sechsundzwanzigster Kriegstag in Irak
Amerikanische Soldaten laut CNN in Tikrit - Heimatstadt Saddams offenbar vor dem Fall +++
Plünderer stecken Nationalbibliothek in Bagdad in Brand +++
US-Militär will jetzt entschieden gegen die anhaltenden Plünderungen vorgehen +++
In Irak mangelt es an Wasser, Medikamenten und Lebensmitteln +++
Schicksal des irakischen Präsidenten weiter unklar +++
US-Truppen haben angeblich DNS von Saddam Hussein.
Mo.14.04.03 - Die US-Truppe haben zur Eroberung von Tikrit, der letzten Bastion des
Saddam-Regimes im Irak, angesetzt. Eine starke Streitmacht mit Panzern und
gepanzerten Fahrzeugen soll nach Angaben des US-Senders CVV am frühen
Montagmorgen in Richtung Stadtzentrum vorgerückt sein. Die US-Bodentruppen
wurden dabei aus der Luft unterstützt Der arabische Fernsehsender El Dschasira berichtete,
bereits gestern seien viele irakische Soldaten und Milizionäre geflohen. CNN zeigte
verlassene Panzer und das verwaiste Hauptquartier der bisher regierenden Baath-Partei.
Verhandlungen zwischen Clanführern und US-Soldaten über einen Waffenstillstand waren
offenbar gescheitert. 22 Stammesführer hätten angeboten, ihre Kämpfer würden die Waffen
niederlegen, wenn die Amerikaner keine Plünderungen zuließen und keine kurdischen Kämpfer
nach Tikrit einmarschieren ließen.
Die US-Verbände waren von Norden und Süden auf Tikrit vorgerückt, wo sie nach
Aussagen von Militärsprechern zunächst nur auf geringen Widerstand stießen. CNN
zeigte Bilder von Dutzenden von irakischen Truppen zurückgelassenen Panzern. In
den vergangenen Tagen hatte die US- Luftwaffe immer wieder Tikrit bombardiert.
Der US-Oberkommandierende General Tommy Franks warnte in CNN, der Krieg sei noch nicht vorbei. Es gebe im
ganzen Land noch Widerstandsnester. Gegenwehr sei vor allem von den paramilitärischen Fedajin und ausländischen
Söldnern zu erwarten. Weite Gebiete nördlich Bagdads seien noch nicht unter alliierter Kontrolle.
Das Schicksal Saddams ist weiter unklar. Sein Berater Amir el Saadi stellte sich als
erster der 55 von den USA meistgesuchten irakischen Führungskräfte dem US-Militär.
Einer der Halbbrüder Saddams soll auf der Flucht festgenommen worden sein.
Die US-Truppen haben die DNS von Saddam Hussein und anderen irakischen
Führern sichergestellt, wie der kommandiere General Tommy Franks am Sonntag
in Katar mitteilte. Sie werde nun mit DNS-Proben von Leichen verglichen,
die am Ort von Bomben- und Raketenangriffen auf die irakische
Führung gefunden worden seien. Die DNS sei ein sicheres Mittel,
um zu feststellen, ob Saddam Hussein unter den Toten sei,
erklärte Franks. Wie die US-Truppen an die DNS gelangten,
sagte er nicht. In einem Fernsehinterview erklärte er, es werde so
lange nach Saddam Hussein gesucht, bis feststehe, dass er tot sei.
Nach dem Museum für Archäologie in Bagdad ist auch die irakische
Nationalbibliothek Plünderern anheim gefallen: Nachdem die Räuber zahlreiche
Bücher gestohlen hatten, steckten sie den "Palast der Weisheit" in Brand, wie ein
Reporter der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag berichtete. In dem 1961
errichteten Gebäude, das sich gegenüber dem Verteidigungsministerium befindet,
wurden wertvolle Original-Dokumente aufbewahrt. Auch das nationale Archiv ist
darin beherbergt. Die UNESCO in Paris hat wiederholt an die alliierten Streitkräfte
appelliert, das Weltkulturerbe in irakischen Museen zu schützen. Bisher hieß es
dazu von Seiten der Briten und Amerikaner, solange es noch Kampfhandlungen
gebe, könne kein Personal für den Schutz von kulturell bedeutsamen Stätten freigestellt
werden.
In Bagdad will das US-Militär jetzt entschieden gegen die anhaltenden Plünderungen vorgehen. Von diesem Montag
an sollen nach Angaben eines US-Presseoffiziers US-Soldaten und irakische Polizisten gemeinsam patrouillieren.
Man hoffe, dass bald bis zu 3000 Beamte wieder im Dienst seien. Die USA wollen aber nur Verkehrs- oder
Kriminalpolizisten akzeptieren, nicht aber frühere Mitarbeiter der Geheimdienste oder von Saddams Sondertruppen.
Das US-Zentralkommando betonte, die Armee tue ihr Möglichstes, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Das
Militär könne aber nicht überall präsent sein. Inzwischen gehen auch bewaffnete Bürgerwehren gegen Plünderer vor. In
Basra und Fau im Südirak begannen britische Soldaten und irakische Hilfspolizisten damit, gemeinsam für mehr
Ordnung sorgen.
Im Land mangelt es an Wasser, Medikamenten und Lebensmitteln. Die meisten Krankenhäuser in Bagdad sind nach
Informationen des Roten Kreuzes nach Plünderungen weiterhin geschlossen. Hilfsorganisationen appellierten
eindringlich an die alliierten Truppen, für einen sicheren Zugang der Helfer zu sorgen und gegen Plünderer vorzugehen.
Die UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) verlangte nach Plünderungen im Irakischen
Nationalmuseum in Bagdad schnelle Schutzmaßnahmen für Kulturgüter.
Die irakische Bevölkerung wird nach den Worten von Bush bald frei über politische Führer entscheiden können, die
ihre Rechte respektieren. «Der Albtraum von Saddam Husseins Herrschaft im Irak geht zu Ende», sagte Bush in
seiner wöchentlichen Radioansprache. Das erste Treffen zur Bildung einer Übergangsregierung im Irak ist für diesen
Dienstag im südirakischen Nasirija geplant.
Russland, Deutschland und Frankreich hatten am Samstag zum Abschluss ihres Gipfeltreffens in St. Petersburg eine
Führungsrolle für die Vereinten Nationen bei der Nachkriegsverwaltung des Iraks gefordert. (Quellen: ap, dpa, afp)
«Ein militärischer Sieg macht aus einem falschen Krieg
Heribert Prantl , Süddeutschen Zeitung vom 12.04.03
«Etwas mehr als sechzig Prozent der Amerikaner glauben, dass der Sieg über den Irak das Unrecht vom 11. September gesühnt habe»
Der Diktator, der für die Anschläge verantwortlich
gewesen sei, habe für seine Taten büßen müssen. So ergeben
es die Umfragen unter dem amerikanischen Volk. Außerdem
haben die Umfragen zutage gebracht, dass mindestens genauso
viele Amerikaner der Meinung sind, sie würden von ihren Medien
gut informiert. "Niemand", hat Oliver Cromwell gesagt, "geht so
weit wie der Mann, der nicht weiß, wohin er geht."
«Wer ist der Nächste?»
US-Präsident Bush bekräftigt Warnung an Syrien
Mo.14.04.03 - US-Präsident George W. Bush hat Syrien am Sonntag
erneut davor gewarnt, Mitgliedern der entmachteten irakischen Führung Zuflucht zu
gewähren und das Land zur Zusammenarbeit aufgefordert.
Bush sagte in Washington zudem, die USA vermuteten Massenichtungswaffen in
Syrien. Auf die Frage von Journalisten, ob die US-Vorwürfe gegen Syrien zu einem
Krieg führen könnten, sagte Bush: "Wir sind nun hier im Irak. Und als zweiten Punkt
erwarten wir Zusammenarbeit von Syrien. Und ich bin zuversichtlich, dass wir
Zusammenarbeit erhalten." Syrien hat US-Vorwürfe zurückgewiesen, es habe die
irakische Führung um Präsident Saddam Hussein unterstützt.
"Ich denke, wir vermuten beispielsweise Massenvernichtungswaffen in Syrien",
sagte Bush. "Und jede Situation erfordert eine andere Antwort", fügte er hinzu.
"Syrien muss mit den Vereinigten Staaten und unseren Koalitionspartnern
kooperieren und darf keinem Mitglied der (irakischen) Baath-Partei, des Militärs und
anderen Personen, die zur Verantwortung gezogen werden müssen, Zuflucht
gewähren."
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, sollte sich Saddam in Syrien
aufhalten, würde das Land "einen noch größeren Fehler" begangen haben. "Die
(syrische) Regierung macht eine Menge böser Fehler", sagte Rumsfeld in einem
Interview des US-Senders CBS. Syrien gehört zu den Ländern, die sich am
entschiedensten gegen den Irak-Krieg ausgesprochen hatten.
Die US-Regierung hatte Syrien in den vergangenen Tagen wiederholt vorgeworfen, Mitgliedern der irakischen Führung
Zuflucht gewährt oder ihnen eine Flucht in andere Länder ermöglicht zu haben. Rumsfeld hatte darüber hinaus erklärt,
Syrien habe die Lieferung von Nachtsichtgeräten in den Irak erlaubt. Syrien wies die Vorwürfe zurück.
Rumsfeld sagte weiter, an den Kämpfen im Irak hätten sich auf Seiten der irakischen Verbände auch Syrer beteiligt.
"Es gibt eine gewisse Zahl von Nicht-Irakern im Land, besonders in Bagdad stoßen wir ... auf eine Menge aus Syrien,
die meisten aus Syrien, wie es scheint." Viele von ihnen seien in den Gefechten mit den US-Truppen getötet worden.
Die irakischen Verbände waren von Freiwilligen aus arabischen Ländern unterstützt worden.
Syrien gehört zu den Staaten, denen die USA vorwerfen, den internationalen Terrorismus zu unterstützen und nach
Massenvernichtungswaffen zu streben. Innerhalb der konservativen Partei Bushs gibt es Vertreter, die fordern, nach
dem Irak-Krieg sollten die USA auch einen Machtwechsel in Syrien und im Iran anstreben. Der französische
Außenminister Dominique de Villepin sagte am Sonntag bei einem Besuch im Libanon, es sei nicht der richtige
Zeitpunkt, den Druck auf Syrien zu erhöhen. "Es ist die Zeit für Beratungen, für Dialog, und wir sollten sehr vorsichtig
all unsere Energie dafür verwenden, Lösungen zu finden, weil wir schon genug Probleme haben", sagte Villepin.
«Wo marschiert die Supermacht als Nächstes ein?
(...) Angeheizt haben solche Spekulationen in jüngster Zeit bedrohlich klingende
Warnungen aus Washington, vor allem an Syrien.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat Damaskus wiederholt scharf verwarnt;
Außenminister Colin Powell hat den Zeigefinger gehoben; Bush persönlich hat gedroht.
Der Fall Syrien freilich liegt kompliziert. Als Bedrohung für die USA ist das Regime von
Präsident Bashar al-Assad noch weniger glaubhaft als der vor dem Krieg durch
UN-Sanktionen eingedämmte Irak.
Damaskus gilt in Washington zwar als aktiver
Terror-Sponsor. Allerdings richten sich diese Vorwürfe auf Aktivitäten gegen Israel. Bei der
Jagd nach islamistischen Al-Qaeda-Terroristen hat das säkulare Syrien, dies wird auch in
Washington anerkannt, konsequenter als manch anderes Land mit den USA kooperiert.
Als mutmaßlicher Proliferator von Massenvernichtungswaffen wiederum ist Syrien allenfalls
zweite Liga. Zwar glauben US-Geheimdienste, Damaskus bastle in jüngster Zeit verstärkt
an der Entwicklung biologischer und chemischer Waffen. Auch soll es angeblich Indizien
geben, dass irakische Bestände und Know-how nach Syrien gebracht wurden; ein Vorwurf,
der noch lauter erklingen dürfte, sollten die Sieger in Irak weiterhin keine verbotenen
Waffenlager finden. Angesichts des nordkoreanischen Atomprogramms aber drängt sich
Syrien nach der Präventiv-Doktrin kaum als neue Hauptsorge auf.
Eher kommt dem Land bei der (von den USA) angestrebten Modernisierung Arabiens
eine Schlüsselrolle zu. Diese Strategie aber ist selbst in den Köpfen ihrer glühendsten
Verfechter langfristig angelegt und setzt keineswegs nur auf militärische Intervention.
Vielmehr hofft Washington auf eine Art Domino-Effekt: Der "befreite" Irak soll dabei als strahlender
Leuchtturm arabischer Demokratie auferstehen, als, so Präsident Bush, ein "dramatisches
und inspirierendes Beispiel der Freiheit für andere Nationen in der Region".
Die Bush-Regierung mag sich alle Optionen offen halten, dabei gegebenenfalls erneut
nachzuhelfen. Schon die aktuellen Probleme mit Chaos und Gesetzlosigkeit in Irak aber
dürften etwaige Fantasien abkühlen, mit den Truppen gleich nach Syrien oder gar Iran
durchzumarschieren. Eher stehen bei Washingtons großem Arabien-Projekt nun die Mühen
der Ebene an.
Ähnlich sieht es bei der Erstschlags-Doktrin aus. Zwar fuchtelt Rumsfeld schon wieder mit
der Keule, wenn er anderen "Schurkenstaaten" droht. Dass sich keiner im Reich des Bösen
mehr sicher fühlen kann vor dem langen Arm der USA, ist ja durchaus gewollte Folge der
Irak-Invasion. Auch hier aber hofft man in Washington im Grunde auf einen
"Demonstrations-Effekt". Irak soll als abschreckendes Beispiel für andere gelten.
Ob die Adressaten der Botschaft dieser Logik folgen, ist zwar fraglich. Nordkorea etwa hat
aus dem Irak-Krieg vor allem die Lehre gezogen, dass auch die bislang angestrebten
US-Sicherheitsgarantien künftig keinen Schutz mehr vor amerikanischen Erstschlägen
bieten. Vielmehr könne dies nur eine eigene militärische Abschreckung garantieren; ein
kaum verschlüsselter Hinweis auf Atomwaffen - und das könnte Washington zum
Eingreifen verleiten.
Ob die US-Regierung aber sofort Lust verspürt, dem ersten Präventivschlag einen zweiten
folgen zu lassen, darf man bezweifeln. So gut ist die Sache in Irak nun auch nicht
gelaufen. (Quelle: Frankfurter Rundschau vom 14.04.03)
Plünderer im Irakischen Nationalmuseum
Mo.14.04.03 - Nach drei Tagen der Plünderung bietet das Irakische Nationalmuseum in
Bagdad am Samstag ein trauriges Bild. Plünderer haben Teile des Irakischen Nationalmuseums in
Bagdad verwüstet und womöglich unzählige Ausstellungsstücke von unschätzbarem Wert gestohlen. Die Säle
des Museums boten ein Bild der Verwüstung: Auf den Böden lägen umgestürzte Statuen
und zerschlagene Krüge. In vielen Räumen seien Vitrinen eingeschlagen und ausgeräumt
worden, berichtete ein dpa-Korrespondent.
Museumsmitarbeiter äußerten die Befürchtung, weitere Plünderer könnten die noch
erhaltenen Kunstgegenstände zerstören. Unbeschädigt seien allerdings noch die Wandreliefs aus
der assyrischen Zeit. Leere, aber unbeschädigte Schaukästen deuteten zudem
auch darauf hin, dass besonders wertvolle Gegenstände womöglich schon vor dem
Krieg in Sicherheit gebracht worden waren. Unklar ist, welche Schäden genau durch
die Raubzüge und den Vandalismus angerichtet worden sind.
Die stellvertretende Museumsdirektorin Midal Amin machte die
US-Besatzungstruppen für die Plünderungen mitverantwortlich.
"Sie wissen, dass das ein Museum ist. Sie schützen das Erdölministerium,
aber das kulturelle Erbe nicht." "Da steckt Absicht dahinter", meint Amin.
Dieser Verdacht entspricht einer unter Irakern weit verbreiteten
Befürchtung. Die Amerikaner seien nicht nur gekommen, um sie
militärisch zu unterwerfen, sondern auch, um ihre Kultur und
Lebensweise zu "überfremden", glauben viele. Auch wenn in
solchen Stimmungen viel angstvolle Übertreibung mitschwingen
dürfte: Zwischenfälle wie die Plünderung des Nationalmuseums
tragen nicht dazu bei, diese auch vom Saddam-Regime geschürten
Ängste zu zerstreuen."
Das Museum beherbergt Funde der wichtigsten Ausgrabungsstätten
Mesopotamiens, das als Wiege der Menschheit gilt. Zu der Sammlung
mesopotamischer Altertümer zählen der 3500 Jahre alte geflügelte assyrische
Bulle sowie Statuen, Grabbeigaben, Keilschrifttafeln und Steintiere. Ferner gehören
Bronzetiere, Ketten, Ringe und Schmuck aus 15 Jahrhunderten zum Museumsbestand.
Der Leiter des archäologischen Museums von Lyon, Jacques Lasfargues, äußerte sich besorgt über die
Plünderungen. Er habe dort bei seinem Besuch im Jahr 2002 "kaum bekannte Elfenbein-Skulpturen, prachtvolle
Beigaben von Königsgräbern der sumerischen Stadt Ur und unschätzbare Gesetzestafeln aus Mesopotamien"
gesehen, sagte er am Samstag.
Auch das Museum von Mosul im Nordirak wurde geplündert. Der arabische Fernsehsender El Dschasira berichtete,
Diebe hätten auch dort Türen eingetreten und Ausstellungsstücke gestohlen. (Quellen: dpa, taz)
US-Kongress bewilligt Bush 80 Milliarden Dollar
Mo.14.04.03 - Beide Kammern des Kongresses in
Washington haben US-Präsident George W. Bush rund 80
Milliarden Dollar (74,5 Milliarden Euro) zusätzliche Haushaltsmittel
für den Irakkrieg und den Beginn des Wiederaufbaus genehmigt.
Das Repräsentantenhaus verabschiedete am Samstag ein
entsprechendes Ergänzungsgesetz zum bis September laufenden
Bundeshaushalt 2003. Tags zuvor hatte das Gesetz bereits den
Senat passiert.
Bush zeigte sich zufrieden. Die zusätzlichen Geldmittel
ermöglichten es, "den Krieg zu gewinnen und dauerhafte Freiheit
und Demokratie für das irakische Volk zu sichern", erklärte er. Der
Präsident muss das Gesetz nur noch unterzeichnen, damit es in
Kraft tritt. Bush hatte ursprünglich 74,7 Milliarden Dollar für Krieg
und Wiederaufbau verlangt. Nach Verhandlungen im
Vermittlungsausschuss von Senat und Repräsentantenhaus
stockte der Kongress diese Mittel sogar noch auf. Eingefügt
wurden unter anderem drei Milliarden Dollar als Hilfe für die ohnehin
gebeutetelte US-Luftfahrtunternehmen, die durch in Folge des
Krieges gesunkene Passagierzahlen in neue Schwierigkeiten
geraten sind.
Das ursprüngliche Vorhaben des Repräsentantenhauses,
Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, Russland und Syrien
wegen der Opposition ihrer Regierungen gegen den Irakkrieg von
US-Investitionen in den Wiederaufbau auszuschließen, wurde auf
Druck des Weißen Hauses fallen gelassen. (Quelle: taz [afp])
US-Büro für Wiederaufbau in Irak bereits im Einsatz
Mo.14.04.03 - Das US-Büro für Wiederaufbau und humanitäre Hilfe (ORHA) ist
bereits in Irak im Einsatz. Das ORHA habe mehrere Büros im
Land eingerichtet, sagte der Chef des US-Zentralkommandos,
Tommy Franks, dem US-Fernsehsender ABC. Damit solle
sichergestellt werden, dass "während der Übergangsphase
zwischen den letzten Kämpfen" und dem Beginn amerikanischer
Hilfe für eine irakische Regierungsbildung die dringendsten
Bedürfnisse erfüllt werden könnten. Das ORHA wird von dem
ehemaligen US-General Jay Garner geführt, der nach
Vorstellungen Washingtons eine Übergangsverwaltung in Irak leiten soll.
(Quelle: afp)
Mehr über den umstrittenen US-General a.D.Jay Garner unter:
IWF und Weltbank entsenden Vertreter nach Irak
Mo.14.04.03 - Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) wollen
so schnell wie möglich Vertreter nach Irak entsenden. Weltbankpräsident James
Wolfensohn sagte am Sonntag in Washington, die Mission zur Einschätzung der
Kosten für den Wiederaufbau solle beginnen, sobald die Bedingungen in Irak sicher
seien. IWF und Weltbank gaben damit einer Forderung der Vereinigten Staaten
nach. Einige europäische Länder hatten sich gegen die Mission ausgesprochen,
weil sie eine Dominanz der USA beim Wiederaufbau Iraks fürchten.
Die Vereinigten Staaten hatten zuvor eine UN-Resolution zum Wiederaufbau
unterstützt. Darin sollen unter anderem die Beiträge der Weltbank und des IWF
festgelegt werden. Damit wurde ein Streit zwischen den USA und anderen Ländern
über die Rolle der Vereinten Nationen beigelegt. Washington hatte ursprünglich eine
Unterstützung des Wiederaufbaus durch IWF und Weltbank ohne UN-Resolution
gefordert. Vor allem Frankreich und Deutschland lehnten dies ab. Sie wollten, dass
die Finanzorganisationen sich erst dann in Irak engagieren, wenn die Rolle der UN
beim Wiederaufbau Iraks geklärt ist.
Im Gegenzug setzten sich die USA mit der Forderung durch, Gespräche über den
Erlass zumindest eines Teils der irakischen Schulden aufzunehmen. Die größten
Gläubiger Iraks sind Russland, Frankreich und Deutschland. Insgesamt sollen sich
die Auslandsschulden des vom Krieg zerstörten Landes auf 60 bis 100 Milliarden
Dollar (56 bis 93 Millionen Euro) belaufen. (Quelle: dpa)
«Der Irak ist gegenüber dem Ausland so hoch verschuldet,
dass er trotz riesiger Ölreserven ohne einen Schuldenerlass in Teilen nie wieder
kreditwürdig werden könnte»
«Es war eine jener Nettigkeiten, die in
den vergangenen Wochen zwischen den Vereinigten Staaten
einerseits und Deutschland und Frankreich andererseits
üblich geworden sind.
Der stellvertretende amerikanische Verteidigungsminister
Paul Wolfowitz forderte Russland, Frankreich und
Deutschland auf, dem befreiten Irak die Schulden zu
erlassen. Und zwar denke er an jene Summen, "die diese
Länder Saddam Hussein geliehen haben, um Waffen und
Instrumente zur Unterdrückung zu kaufen und Paläste zu
bauen", sagte Wolfowitz vor dem Streitkräfteausschuss des
amerikanischen Senats.
Der Satz zeugt von einiger Chuzpe. Tatsächlich schuldet der
Irak Deutschland etwa vier Milliarden Euro – genau so viel
wie den Vereinigten Staaten. Russland und Frankreich haben
Außenstände von jeweils knapp acht Milliarden Euro.
Zumindest die Forderungen der westlichen Staaten stammen
aus jener Zeit, in der Saddam Hussein noch der Verbündete
des Westens war. Amerikaner, Franzosen und Deutsche
haben also, um die Worte von Wolfowitz zu verwenden, in
den achtziger Jahren gemeinsam Saddam geholfen, Waffen
und Instrumente zur Unterdrückung seines Volkes zu kaufen.
Immerhin kann man dem Minister zugute halten, dass er ein
ernstes Problem angesprochen hat: Der Irak ist gegenüber
dem Ausland so hoch verschuldet, dass das Land trotz seiner
riesigen Ölreserven ohne einen Schuldenerlass in Teilen nie
wieder kreditwürdig werden könnte.
Dabei sind die Schulden gegenüber Deutschland, Frankreich
und den USA eine zu vernachlässigende Größe und schon
deshalb irrelevant, weil der Irak seit dem Golfkrieg von 1991
keinen Schuldendienst mehr leistet.
Das Zentrum für strategische und internationale Studien
(CSIS) in Washington schätzt die Auslandsschulden des Irak
im engeren Sinne auf 62 bis 130 Milliarden Dollar. Die
Bandbreite dieser Schätzung ist deshalb so groß, weil es
zwischen Saddams Irak und dessen Gläubigern Streit darüber
gab, was als Forderung anzuerkennen war und was nicht.
Die größten Gläubiger sind laut CSIS die Golf-Emirate, Kuwait,
Ägypten und Marokko. Auf 57,2 Milliarden Dollar schätzt CSIS
die Außenstände aus nicht abgewickelten Verträgen vor allem
über Öllieferungen, wobei der überwiegende Teil russische
Forderungen sind.
Weiter sollen sich die noch offenen
Entschädigungsforderungen an den Irak aus der Besetzung
Kuwaits 1991 auf 172 Milliarden Dollar belaufen; der größte
Teil der Forderungen kommt hier naturgemäß aus Kuwait
selbst, aber auch die USA und Deutschland sind beteiligt.
Insgesamt kommt CSIS auf eine Finanzlast von 383 Milliarden
Dollar. Selbst unter den optimistischsten Annahmen fällt der
Irak damit in die Kategorie der am höchsten verschuldeten
Staaten der Welt.
In der CSIS-Studie „Für einen klügeren Frieden", heißt es, die
US-Regierung solle umgehend die Irak-Gläubiger
zusammenrufen, um eine „schnelle und effektive
Umstrukturierung" zu erreichen. Die geeigneten Foren
könnten der Internationale Währungsfonds sein oder der
Pariser Club der staatlichen Gläubiger. Für diese multilaterale
Lösung setzt sich auch die Bundesregierung ein; dies
entspricht internationalen Gepflogenheiten. Auf jeden Fall, so
CSIS, sollten die Gläubiger ein fünfjähriges
Schuldenmoratorium beschließen, so wie dies 2001
Jugoslawien eingeräumt wurde. »
Süddeutsche Zeitung vom 12.04.03
Deutschland in intensiven Gesprächen zu Hilfseinsätzen im Irak
Mo.14.04.03 - Deutschland steht nach Regierungsangaben derzeit in intensiven
Gesprächen über eine Beteiligung an humanitären Hilfseinsätzen im Irak.
"Es gibt Gespräche mit allen Beteiligten, um schnelle humanitäre Hilfseinsätze zu
leisten", sagte ein Regierungssprecher in Berlin auf Anfrage. Deutschland habe
immer seine Bereitschaft betont, einen substanziellen Beitrag zu leisten. Zu Umfang
und Ausgestaltung der Hilfe könne er sich jedoch nicht äußern.
Die "Leipziger Volkszeitung" hatte am Wochenende unter Berufung auf
Regierungskreise berichtet, die britische Regierung habe Deutschland beim
Wiederaufbau der irakischen Hafenstadt Basra um Hilfe gebeten. Erste Ergebnisse
könnten womöglich bereits beim Treffen von Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) mit dem britischen Premierminister Tony Blair am Dienstag in Hannover
besprochen werden. Der Regierungssprecher sagte dazu lediglich, es liege keine
offizielle Anfrage Großbritanniens vor.
Nach Informationen der "Leipziger Volkszeitung" soll es bei der Hilfe um die
Unterstützung des zivilen Wiederaufbaus und bei Sicherheitsaufgaben in der Region
rund um Basra gehen. Dabei könnten uniformierte und nicht uniformierte deutsche
"Fachleute" eingesetzt werden. (Quelle: rtr)
Antikriegsproteste in den USA gehen weiter
Mo.14.04.03 - Während die US-Fernsehsender CNN und Fox-News die
Einnahme Bagdads durch US-Truppen feiern, gehen die
Proteste in der US-amerikanischen Bevölkerung unter
Polizeiüberwachung weiter. In Washington und San Francisco
protestierten am Samstag Zehntausende gegen die Besatzung
des Irak. Die Demonstranten trugen Transparente mit
Losungen wie "Kämpft gegen den neuen Kolonialismus" und
wandten sich gezielt gegen die Berichterstattung der
amerikanischen Medien.
"Wir fordern den sofortigen Rückzug der amerikanischen
Truppen. Wir sind gegen eine unnötige Besatzung Iraks, die
gegen den Willen der ganzen Welt stattfindet", sagte Tony
Murphy, ein Sprecher der Antikriegskoalition International
Answer, die die Demonstrationen organisierte."Wir werden
weiterkämpfen, weil wir wissen, daß der Krieg selbst mit einer
Unterwerfung des Irak nicht zu Ende ist. Bush hat bereits
damit gedroht, den Krieg nach Syrien, dem Iran und
Nord-Korea weiterzutragen." (Quelle: jw) Mehr unter:
«Bislang jedenfalls zeigten sich die amerikanische Bevölkerung nach Umfragen zufrieden mit
dem Krieg und der Berichterstattung»
Bei einer Umfrage zwischen dem 2. und 7. April
des Pew Research Center sagten zwar 39 Prozent, dass der Krieg andere wichtige
Themen aus den Nachrichten zu sehr verdränge, aber 74 Prozent fanden die
Berichterstattung "gut" (42%) oder gar "ausgezeichnet" (32%) - womit vor allem das
Fernsehen gemeint ist. Über 60 Prozent fanden die Berichterstattung gerade richtig, für 23
Prozent gingen die Medien gar zu kritisch mit dem Militäreinsatz um. 58 Prozent finden das
Konzept der "eingebetteten" Journalisten gut. Was die Themen im Einzelnen betrifft, so
meinen jeweils über 60 Prozent, dass ausreichend über eigene Verluste und
Bombardierungen berichtet wurde. Für 51 Prozent traf das auch für die irakischen Opfer
zu, obgleich 28 Prozent sagten, das sei zu wenig geschehen.
Aber bislang haben, so kritisiert Eric Boehlert in Salon, die Amerikaner viele
Bilder gar nicht gesehen, die zeigen, was Krieg ist und was er anrichtet.
(Quelle: telepolis)
«Viele Medien hadern im Krieg mit der eigenen Rolle»
«Mit dem Krieg ist der Konjunktiv ausgebrochen. Agenturen und
Zeitungen beweisen ihre kritische Haltung durch "sei" und "habe".
Immer machen sie darauf aufmerkam, woher sie ihre Informationen
beziehen. Stets nennen sie ihre Quellen: Tommy Franks, der
Oberkommandierende der Koalitionsstreitkräfte, verkündet den Fall
von Basra. Und al-Dschasira berichtet, dass von einer vollständigen
Kontrolle der Stadt durch die Briten keine Rede sein könne.
Das ist schön, denn auf diese Art kann sich jeder Leser sein
eigenes Bild machen. Und was sollen die Medien auch machen,
wenn fast nur Informationen aus recht parteilichen Quellen zu
haben sind? Vermelden eben - und als parteilich kennzeichnen. Ihr
Vorgehen wird selbst zum Thema: Fast alle Medien haben auf ihren
Zwiespalt und ihr redliches Bemühen hingewiesen. Wahlweise
zitieren die selbstkritischen Analysten den Churchill-Spruch von der
Wahrheit im Krieg und deren Leibwache aus Lügen oder den von
der Wahrheit, die im Krieg angeblich zuerst stirbt.
Aber wie immer gilt: Was erst mal gemeldet ist, das ist auch ein
bisschen wahr. Zumal, wenn das Bemühen um Skepsis nicht über
Konjunktiv und Quellenangabe hinausgeht. Wenn britische Militärs
einerseits behaupten, "Chemical Ali" in Basra tot gefunden zu
haben, und andererseits die Identität der gefundenen Leiche stehe
nicht fest, geht die Nachrichtenagentur Agence France Presse
(AFP) zu Recht in Habachtstellung: Sie spricht vom "offenbar bei
einem Luftangriff der US-Streitkräfte getöteten" Chemie-Ali. Aber in
ihrer Vorsicht bleibt die Agentur nicht konsequent. Schon im ersten
Satz der Nachricht "galt" Chemie-Ali als einer der treuesten
Weggefährten Saddam Husseins - in der Vergangenheitsform, die
einem Toten gebührt.
In Großbritannien behandeln Journalisten die Gemengelage aus
militärischer Selbstdarstellung, Zensur und "Einbettung" offensiver
als in Deutschland. Die englische Tageszeitung The Guardian hat
eine Kontrollinstanz über die Berichterstattung eingerichtet
(media.guardian.co.uk - "War Watch"). Alle Widersprüchlichkeiten
listet sie auf ihrer Website auf, nach Themen sortiert. Vierzehn eng
bedruckte Seiten kommen so zusammen. Sie zu sammeln bedurfte
nicht mehr als des Vergleichs der Aussagen von "eingebetteten"
Korrespondenten mit denen der Armeesprecher.» (Quelle: taz vom 14.04.03)
Mehr unter:
Nordkorea zeigt Bereitschaft zum multilateralen Dialog
Mo.14.04.03 - Im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm hat sich die Regierung in Pjongjang
erstmals unter bestimmten Bedingungen zu multilateralen Verhandlungen bereit erklärt.
Zu einer Aufgabe seines Atomprogrammes ist Nordkorea aber weiterhin nicht bereit.
Falls die Vereinigten Staaten zu einer Änderung ihrer Nordkorea-Politik bereit seien,
werde Pjongjang nicht auf einer bestimmten Form des Dialogs bestehen, sagte am Samstag
ein Sprecher des nordkoreanischen Aussenministeriums. Bislang hatte Nordkorea darauf
beharrt, direkte Gespräche mit Washington über einen Nichtangriffspakt zu führen.
Positive Reaktion Südkoreas
"Die Lösung der Frage hängt davon ob, was die wahren Absichten der USA sind", sagte
der Aussenamtssprecher laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA.
Eine Lösung sei möglich, wenn die USA zu einem ehrlichen Dialog bereit seien. Der
südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun begrüsste die Äusserungen. Er sei
sich sicher, dass die Krise durch Gespräche und Diplomatie friedlich gelöst werden könne,
sagte Roh am Sonntag.
Der Staatschef hatte zuvor angekündigt, dass er bei seinem Besuch in den USA im kommenden
Monat mit dem amerikanischen Präsidenten Bush über eine Unterstützung des kommunistischen
Landes sprechen wolle, wenn Nordkorea tatsächlich seine Bereitschaft zum Dialog zeige. Ein
Sprecher des amerikanischen Aussenministeriums teilte mit, man habe die Äusserungen aus
Nordkorea aufmerksam verfolgt. Er erwarte, dass die diplomatischen Kanäle auf geeignete Weise
genutzt werden.
Pjongjang hat den USA wiederholt vorgeworfen, sie planten eine Invasion in Nordkorea, und
vor einem Atomkrieg gewarnt. Die USA lehnten bilaterale Gespräche mit Nordkorea ab und
erklärten, die Krise müsse gemeinsam mit anderen Ländern der Region gelöst worden. So seien
auch Russland, China, Japan und Südkorea bedroht, wenn Nordkorea Atomwaffen baue.
Nordkorea hatte am Freitag erklärt, es werde sein Atomprogramm niemals aufgeben. Uno-Inspektionen
lehnte die Regierung ab, weil diese Washington einen Vorwand zur Invasion lieferten.
(Quelle: nzz [ap]
Dossier der Neuen Züricher Zeitung : "Der Atomstreit mit Nordkorea"
Im Nahost-Konflikt zeichnet sich Bewegung ab
Mo.14.04.03 - In den festgefahrenen Nahost-Friedensprozess kommt offenbar wieder Bewegung: Für ein
Friedensabkommen mit den Palästinensern ist Israel nach den Worten von Regierungschef Ariel Scharon
unter bestimmten Bedingungen zur Auflösung von mehreren Siedlungen im Westjordanland bereit. Der designierte
palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas hat unterdessen weiter Schwierigkeiten bei der Zusammenstellung
seines Reformkabinetts.
Scharon knüpfte seine Bereitschaft zur Auflösung von Siedlungen an die Bedingung,
dass die Palästinenser zuvor ihre Forderung nach der Rückkehr von Flüchtlingen
aufgeben. Das sagte Scharon in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der
israelischen Tageszeitung "Haaretz". Ein Sprecher der Siedler, Joschua Mor-Josef,
nannte den Vorschlag Scharons einen Verrat an den Siedlern.
Der Krieg gegen Irak habe in der Region die Tür zu "neuen Möglichkeiten" eröffnet,
sagte der Regierungschef. "Die arabische Welt im Allgemeinen und die
Palästinenser im Besonderen sind erschüttert worden." Er sehe nun die große
Chance auf ein baldiges Friedensabkommen, sagte Scharon. Allerdings müssten
die Palästinenser erst ihre Führung auswechseln und den Terrorismus bekämpfen. Die Wahl von Abbas zum
palästinensischen Ministerpräsidenten könnte der Schlüssel zu einem Friedensabkommen werden, sagte der
Regierungschef.
Scharons Büroleiter Dov Weisglass brachte in Washington 15 Bedenken der israelischen Regierung gegen den so
genannten Fahrplan vor, den die EU, die USA, Russland und die Vereinten Nationen nach der Vereidigung der neuen
palästinensischen Regierung vorlegen wollen. Scharon sprach vor allem von Sicherheitsbedenken. Zudem wolle Israel
den Fahrplan Schritt für Schritt umsetzen. Erst wenn ein Punkt geklärt sei, könne zum nächsten übergegangen
werden, sagte Scharon. Außerdem sei das in dem Plan geforderte Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge aus
dem Krieg von 1948 ein Problem für Israel. Dieser Punkt war einer der entscheidenden Gründe, weshalb die
Friedensverhandlungen im Juli 2000 gestoppt wurden und die zweite Intifada begann.
Der von Abbas zusammengestellten Regierungsmannschaft müssen noch die Fatah-Bewegung von Präsident Jassir
Arafat und das Parlament zustimmen. Dabei gibt es weiter Probleme. Die Fatah verschob kurzfristig eine für
Sonntagabend anberaumte Beratung über das neue Kabinett, zudem lehnten drei für Ministerposten Nominierte ihre
Beteiligung an der Regierung ab, wie aus palästinensischen Kreisen verlautete.
Nach Angaben von Gewährsleuten sollte im neuen 20-köpfigen Kabinett nur ein Mitglied der bisherigen
Regierungsmannschaft seinen Posten behalten, nämlich Finanzminister Salam Fajjad. Wie es hieß, werden einige
der Schlüsselpositionen von Reformern und Unabhängigen besetzt. Abbas selbst übernimmt in Personalunion das
Amt des für die Sicherheit zuständigen Innenministers. Außerdem ernannte er den ehemaligen Sicherheitschef im
Gazastreifen, Mohammed Dahlan, zum Staatsminister des Innern. Unklar blieb jedoch die Kompetenzabgrenzung zu
Abbas in Sicherheitsfragen. Sowohl Abbas als auch Dahlan haben sich in der Vergangenheit gegen die Anschläge
gegen Israelis gewandt und haben die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft.
(Quelle: ap)
Deutschland: Schröder jetzt für Sonderparteitag zu Reformplänen
Mo.14.04.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) will nun doch einen
SPD-Sonderparteitag zu den geplanten Sozialreformen der
Bundesregierung. Schröder werde dies als SPD-Parteichef am
Montag dem Präsidium vorschlagen, sagte SPD-Generalsekretär
Olaf Scholz. Die "Agenda 2010" werde nur zum Erfolg, wenn sie
von der Partei breit unterstützt werde, hieß es. Bislang hatten
Partei- und Fraktionsspitze die von mehreren Landesverbänden
erhobene Forderung nach einem SPD-Sonderparteitag
abgelehnt. Am Nachmittag hatte auch der Landesverband
Schleswig-Holstein einen Sonderparteitag der Bundes-SPD zu dem Thema
gefordert.
Ein entsprechender Antrag wurde auf dem Landesparteitag in Bad Segeberg
verabschiedet. Die Delegierten wählten zudem den Reform-Kritiker Claus Möller
(SPD) zum neuen Landesvorsitzenden.
Der 61-jährige Möller sagte vor den Delegierten unter starkem Applaus: "Das
Markenzeichen sozialer Gerechtigkeit muss als roter Faden unserer Identität
sichtbar bleiben." Möller hatte sich im Gegensatz zu seinem Vorgänger Franz
Thönnes, der parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium
ist, für einen Sonderparteitag ausgesprochen.
In dem Antrag für einen SPD-Sonderparteitag heißt es, über weitreichende
Einschnitte wie die in der "Agenda 2010" vorgeschlagenen müsse die gesamte
Partei entscheiden. Bisher haben sich zudem die SPD in Hessen und Hamburg für
einen Sonderparteitag ausgesprochen. Der saarländische SPD-Landeschef Heiko
Maas kündigte an, sein Landesverband werde auf einem eigenen Sonderparteitag
"Gegenvorstellungen zur Agenda 2010" entwickeln.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD), die auf dem Landesparteitag zur Spitzenkandidat für
die Landtagswahl 2005 nominiert wurde, rief die Partei in der Reformdebatte zur Geschlossenheit auf. Die SPD dürfe
sich "nicht wieder im Klein-Klein verheddern", sagte sie vor den Delegierten.
Trotz der Ankündigung eines SPD-Sonderparteitags wollen die parteiinternen Kritiker der Reformpläne von
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) an einer Mitgliederbefragung festhalten. "Ein Sonderparteitag wird
nicht ausreichen, um den Unmut der Mitglieder zu dämpfen", sagte SPD-Vorstandsmitglied Sigrid
Skarpelis-Sperk der "Bild"-Zeitung. Die Politikerin, die zu den Initiatoren des
Mitgliederbegehrens gehört, warf der Parteiführung vor, den "Ärger der Basis" zu
unterschätzen: "Viele altgediente Mitglieder werfen uns ihre Parteibücher vor die
Füße."
Auch der Vize-Sprecher der Gruppe "Demokratische Linke 21" in der SPD, Detlev
von Larcher, sprach sich für das Mitgliederbegehren aus. Die Initiative sei mit der
Zusage für den Sonderparteitag nicht gegenstandslos geworden, sagte von Larcher
der in Chemnitz erscheinenden "Freien Presse". Nach seiner Einschätzung sind
Kernpunkte der von Schröder geplanten Sozialreformen in der SPD nicht
durchsetzbar. Von Larcher nannte dabei die Absenkung der Arbeitslosenhilfe, die
Verkürzung der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld und die Privatisierung des
Krankengelds. Die Parteiführung betreibe Sozialabbau "Kohlschen Ausmaßes",
kritisierte der Parteilinke.
(Quellen: afp, afp)
Immer mehr Beamte gehen immer früher in Pension
Mo.14.04.03 - Die Zahl der Frühpensionierungen von Beamten ist weiter
angestiegen, wie die "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) unter Berufung auf einen
Bericht der Bund-Länder-Gruppe zur "Eindämmung von Frühpensionierungen"
meldet. Wie es heißt, gehen fast 40 Prozent aller Beamten vorzeitig in Pension. Sie
würden auch wesentlich früher in den Vorruhestand versetzt als noch 1999. Im
vergangenen Jahr seien 30 Prozent der Frühpensionäre jünger als 55 Jahre
gewesen, weitere 40 Prozent hätten den Dienst im Alter von 55 bis 59 Jahren
quittiert.
Als häufigste Ursache würden psychosomatische und psychische Erkrankungen
sowie Krankheiten des Nervensystems genannt, schreibt die Zeitung. Rekordhalter
unter den Frühpensionären sind weiter die Lehrer. Dem Bericht zufolge arbeiten 55
Prozent der Lehrer und 70 Prozent aller Lehrerinnen nicht bis zum regulären
Ruhestandsalter. Quelle: ap)
Menschliches Erbgut zu 99 Prozent entziffert
Mo.14.04.03 - Genom-Forscher aus sechs Ländern haben das menschliche
Erbgut zu 99 Prozent entziffert und stellen ihr Ergebnis heute in Washington vor.
Die endgültige Version von der Abfolge aller drei Milliarden DNA-Bausteine im
Genom des Menschen ist ein Resultat 15-jähriger Arbeit. Die Daten werden bei
einer Feierstunde symbolisch an die Öffentlichkeit übergeben. Sie sollen helfen, die
Erbanlagen für Krankheiten zu identifizieren und effektiv zu bekämpfen.
(Quelle: dpa)
Fast 3000 Fälle: Rätselhaftes SARS weitet sich aus
Mo.14.04.03 - Angesichts der schnellen Ausbreitung von SARS erwägt Hongkong
drastische Maßnahmen zur Eindämmung der Lungenkrankheit. Bei abfliegenden
Passagieren soll nach Angaben der Gesundheitsbehörden künftig Fieber
gemessen werden, um Reisende mit Symptomen aufzuspüren.
Die Umsetzung der Pläne blieb zunächst aber unklar. Von der
chinesischen Sonderzone aus fliegen jeden Monat eine Million
Passagiere ab. 119 Menschen seien gestorben. Ein Verdachtsfall
in Hamburg bestätigte sich am Sonntag jedoch nicht.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf hat weltweit 2960
Fälle, davon 6 in Deutschland registriert. Kanadische Wissenschaftler haben nach
eigenen Angaben das Genom des Virus entziffert, das für die Krankheit
verantwortlich gemacht wird. Die Entzifferung könne zu einem "sicheren
Diagnose-Verfahren" beitragen, sagte der Forschungsdirektor des Michael Smith
Genome Sciences Centre in Vancouver, Marco Marra, nach Angaben kanadischer
Medien. An diesem Montag will das Hamburger Biotech-Unternehmen artus einigen
Laboratorien ein SARS-Testsystem zur Verfügung stellen, das mit dem Hamburger
Tropeninstitut entwickelt wurde.
Am Sonntag meldeten die Behörden in Hongkong 5 weitere Tote durch das Schwere
Akute Atemwegsyndrom (SARS). Damit sind dort 40 Menschen an SARS
gestorben. Die Zahl der Erkrankungen stieg um 42 auf 1150. Erstmals registrierte
China auch 2 SARS-Todesfälle in der Inneren Mongolei. In der 450 Kilometer
nordwestlich von Peking gelegenen Stadt Hohot hätten sich 8 Menschen mit der
Krankheit angesteckt, berichtete die staatliche chinesische Nachrichtenagentur
Xinhua.
In Vietnam starb ein fünfter Patient. Dabei handele es sich um einen französischen Arzt vietnamesischer
Abstammung. In Singapur stieg die Zahl der SARS-Toten um 2 auf 12. Nach Mitteilung der Gesundheitsbehörden sind
151 Erkrankungen registriert.
Die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific wies Berichte zurück, nach denen die Einstellung aller Flüge überlegt
werde. Wegen ausbleibender Passagiere hat die Fluggesellschaft ihre Kapazität um rund 40 Prozent zurückgefahren.
Malaysia Airlines kündigte die Streichung von 716 Flügen bis zum Juni an. Am stärksten betroffen seien
Verbindungen nach Singapur, Hongkong und China, hieß es.
Der CSU-Rechtsexperte im Bundestag, Norbert Geis, sprach sich in der «Bild am Sonntag» für ärztliche
Untersuchungen an deutschen Flughäfen von Reisenden aus der Region Hongkong aus. Thomas Schade, Mediziner
an der Flughafenklinik in Frankfurt/Main, sagte dazu laut "BamS", es sei unmöglich, 40 000 Passagiere pro Woche
aus den betroffenen Ländern zu untersuchen. Da es keine SARS-Schnelltests gebe, sei die Krankheit ohnehin nicht
nachzuweisen.
Die Mehrheit der Deutschen (58 Prozent) hat keine Angst vor SARS. In einer Umfrage des Nachrichtenmagazins
"Focus" sagten 41 Prozent, sie fürchteten sich vor der ansteckenden Krankheit. Ein britischer Geschäftsmann ist der
sechste mögliche SARS-Fall in Großbritannien. Es sei der erste Fall eines Infizierten, der nicht im Ausland gewesen
sei, hieß es.
Die Eigner des Luxus-Passagierschiffes "The World" sagten eine geplante Fahrt nach Singapur sowie eine Kreuzfahrt
in Asien ab. Das Schiff soll jetzt von Australien in Richtung USA aufbrechen.
(Quelle: dpa)
Auf dem Campus der Uni Wien tagte am Wochenende unter dem Motto «Recht auf Rausch»
der «Offene utopische nonprohibitionistische Kongress».
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