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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Di.15.04.03, 12:45 Siebenundzwanzigster Kriegstag in Irak
US-Truppen erstürmten Saddams letzte Hochburg Tikrit +++
Mit der Einnahme der letzten nicht besetzten irakischen Großstadt zeichnet sich Ende der heißen Kriegsphase ab +++
Pentagon rechnet nicht mehr mit größeren Kämpfen in Irak - Militärisches Hauptziel einer Entmachtung des Saddam-Regimes sei erreicht +++
US-Luftstreitmacht in der Region wird schrittweise verringert +++
In der südirakischen Stadt Nasirija beraten irakische Regimekritiker über Zukunft des Landes +++
Hälfte der Krankenhäuser in Basra geplündert +++
In Bagdad demonstrierten hunderte Menschen für mehr Sicherheit und riefen Parolen gegen die USA.
Di.15.04.03 - Dreieinhalb Wochen nach Kriegsbeginn sind US-Truppen
in das Zentrum von Saddam Husseins Heimatstadt Tikrit
eingerückt. Nach stundenlangen nächtlichen
Bombenangriffen nahmen US-Panzerverbände am Montagmorgen
weitgehend ungehindert das Zentrum der letzten noch
nicht besetzten irakischen Großstadt ein.
Die Kämpfe in Tikrit waren am Abend nach Angaben des
US-Nachrichtensenders CNN größtenteils beendet. Es habe jedoch weiterhin
kleinere, intensive Schusswechsel gegeben, berichtete der Sender unter Berufung
auf das Pentagon. Zuletzt war spekuliert worden, der entmachtete Staatschef könne
sich in einer der Bunkeranlagen seiner Geburtsstadt verschanzt haben.
Nach der Einnahme der nordirakischen Stadt Tikrit rechnet das US-Verteidigungsministerium
nicht mehr mit größeren Kämpfen im Lande. Allerdings könne es noch zu kleineren, aber heftigen
Gefechten kommen, sagte Pentagon-Sprecher General Stanley McChrystal am Montag in Washington.
Die USA sehen das Land jetzt in der "Übergangsphase zu einem langfristig stabilen Irak". Das
militärische Hauptziel, das Regime zu entmachten, sei erreicht. In vielen Teilen des Landes kehre
nach und nach "das alltägliche Leben zurück", sagte General Vincent Brooks von
US-Zentralkommando am Montag in Doha (Katar).
Angesichts des sich abzeichnenden Kriegsendes beginnen die USA damit,
schrittweise ihre Luftstreitmacht in der Region zu verringern. Wie die US-Marine
bestätigte, werden die beiden Flugzeugträger "Kitty Hawk" und "Constellation"
noch in dieser Woche mit ihren Begleitschiffen den Persischen Golf verlassen und
ihre Heimathäfen ansteuern. Jeder Flugzeugträger verfügt über etwa 80 Kampfjets,
die im Irak-Krieg eine große Rolle gespielt haben.
Einen ersten Schritt zur Bildung einer Übergangsregierung will am Dienstag der ehemalige US-General Jay Garner bei
einem Treffen mit irakischen Vertretern in Nassirijah im Süden des Iraks unternehmen. An der Zusammenkunft
nehmen rund 60 Iraker teil. Erwartet werden unter anderem Vertreter von schiitischen und sunnitische Gruppen,
Kurden und der 1958 gestürzten Monarchie. Auch der Irak-Sonderbeauftragte des US-Präsidenten, Zalmay Khalilzad,
will an dem Treffen teilnehmen. Der Vorsitzende des Irakischen Nationalkongresses (INC), Ahmed Chalabi, der als erste
Wahl des US- Verteidigungsministeriums für eine Führungsrolle im Irak gilt, entsendet nur einen Vertreter.
Aus US-Regierungskreisen verlautete, es solle danach weitere Zusammenkünfte geben, ehe eine nationale
Versammlung eine Übergangsregierung einsetzt. "Wir sprechen über Wochen und nicht über einen viel längeren Zeitraum", hieß es.
Nach Vorstellungen des britischen Premierministers Tony Blair sollen im Irak zunächst die dringenden humanitären-
und Sicherheitsprobleme gelöst werden. Schon "innerhalb von ein paar Wochen" solle dann eine "breit gefächerte
Übergangsbehörde" errichtet werden, ein Jahr später gefolgt von freien Wahlen. Blair und Bundeskanzler Gerhard
Schröder kommen an diesem Dienstag in Hannover zusammen, um über den Wiederaufbau des Iraks zu beraten.
In der südirakischen Stadt Basra sind nach Angaben einer französischen
Hilfsorganisation die Hälfte der Krankenhäuser geplündert worden. Die Organisation
Ärzte der Welt erklärte in einer Stellungnahme, ein Team sei an diesem
Wochenende mit zwei Fahrzeugen sowie Medikamenten und Ausrüstung nach Irak
zurückgekehrt. Von den 70 Gesundheitseinrichtungen der Stadt sei die Hälfte
leergeräumt worden. Viele Ärzte und Krankenschwestern seien vor den Gefechten
geflohen. Weiter hieß es, viele Kinder litten inzwischen unter Durchfallerkrankungen,
weil es nicht genug Trinkwasser gebe. Ärzte der Welt entsandte auch ein Team
nach Kirkuk, das die Bedürfnisse der Bewohner der nordirakischen Stadt
einschätzen soll. Die Organisation forderte die amerikanischen und britischen
Truppen auf, möglichst schnell die notwendigen Bedingungen für die sichere
Auslieferung von Hilfsgütern zu schaffen.
In Bagdad forderten am Montag hunderte Menschen auf einer Demonstration mehr Sicherheit. Der Zorn der
Demonstranten richtete sich dabei auch gegen die USA. "Islamischer Staat, islamischer Staat! Kein amerikanischer,
kein amerikanischer", riefen Dutzende von ihnen. Die USA hoffen, Ruhe und Ordnung mit irakischen Polizisten
herstellen zu können. Nach einem Aufruf meldeten sich mehr als 2000 Polizisten in Bagdad zum Dienst.
(Quellen: rtr, afp, dpa, ap)
In Bagdad herrscht das Chaos. Nachts sind Banden unterwegs und
saufen, stehlen und plündern. - Die Bevölkerung gibt den USA die Schuld
Di.15.04.03 - "Ich weiß, warum die Amerikaner dieses Chaos zulassen", sagt Khaldoun Khairi
al-Bazerkan, der Arzt in einem der Krankenhäuser von Bagdad ist. "Sie wollen,
dass alles zusammenbricht, alle Ministerien und die gesamte Verwaltung. So
allmählich werden die Leute um Hilfe rufen und sich mit allem einverstanden
erklären, nur damit wieder für Ruhe und Ordnung gesorgt wird. Sie werden den
Irak besetzen, es wird wie in Palästina. Und nächstes Mal gibt es dann Aufruhr und
Intifada", meint er.
"Ist ihnen aufgefallen, dass nur ein Ministerium nicht brennt? Nur über ein
Ministerium haben die Amerikaner die Kontrolle übernommen. Die anderen haben
sie plündern und anzünden lassen. Und in welchem Ministerium sitzen sie? Im
Erdölministerium!", beantwortet er selbst seine Frage. "Gehen sie nachsehen. Da
stehen sie, ein US-Soldat aufgereiht neben dem anderen. Das ist fast schon
überdeutlich. Wir wissen doch alle, dass sie nur wegen unseres Öls hier sind."
Immer mehr Bewohner Bagdads glauben, dass die Amerikaner etwas mit dem
Chaos bezwecken, dass sie es verhindern könnten, aber dass sie das nicht wollen.
Sie sind aufgebracht, und im Unterschied zu früher sagen sie jetzt auch ihre
Meinung. (Quelle: "Der Standard" vom 14.04.03)
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Schiitische Opposition will Irak-Treffen boykottieren
Di.15.04.03 - Die wichtigste schiitische Oppositionsgruppe im Irak hat
angekündigt, ein von den USA ausgerichtetes Treffen zur politischen Neuordnung
des Landes zu boykottieren.
Das für Dienstag angesetzte Treffen sei nicht zum Vorteil des irakischen Volkes,
sagte ein Sprecher des Hohen Rates für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI)
mit Sitz im Iran am Montag. Die Gruppe lehne jegliche Abhängigkeit ab, egal ob von
den USA oder von sonst jemandem. 60 Prozent der insgesamt 26 Millionen
Einwohner des Iraks sind Schiiten.
Ein anderer SCIRI-Sprecher sagte, die meisten anderen Gruppen würden seines
Wissens nicht an dem Treffen teilnehmen oder nur mit einer
schmalen Besetzung erscheinen. (Quelle: rtr)
«Zahllose personelle und institutionelle Verflechtungen
werfen ein trübes Licht auf die amerikanischen Pläne zur Nachkriegsordnung im Irak »
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«Machtkämpfe zwischen Schiiten im Süden -
Wer in der Stadt Nadschaf das Sagen hat, bestimmt auch im
künftigen Irak mit. Und der Einfluss aus dem benachbarten
Iran ist stark »
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USA bezeichnen Syrien als «Schurkenstaat»
Di.15.04.03 - Die USA haben Syrien als "Schurkenstaat" bezeichnet und prüfen
diplomatische und wirtschaftliche Schritte gegen das Nachbarland des Iraks.
"Syrien ist in der Tat ein Schurkenstaat", sagte der Sprecher von
US-Präsident George W. Bush, Ari Fleischer, am Montag.
Außenminister Colin Powell forderte die Führung in Damaskus
auf, ihre Haltung zu überprüfen. Die USA haben Syrien davor
gewarnt, Mitgliedern der entmachteten irakischen Regierung
Unterschlupf zu gewähren. Syrien wies dies am Montag ebenso
zurück wie Vorwürfe der US-Regierung, chemische Waffen zu
besitzen. Der britische Außenminister Jack Straw sagte, die USA und
Großbritannien hätten nicht die Absicht, nach Irak auch Syrien anzugreifen.
"In Bezug auf Syrien werden wir natürlich mögliche Maßnahmen diplomatischer,
wirtschaftlicher oder anderer Art prüfen", sagte Powell in Washington. "Im Lichte
dieser neuen Umgebung sollten sie (Syrien) ihr Vorgehen und ihr Verhalten prüfen,
nicht nur in Bezug darauf, wer Zuflucht in Syrien erhält, und auf
Massenvernichtungswaffen, sondern insbesondere auf die Unterstützung terroristischer
Aktivitäten", fügte er hinzu. US-Präsident Bush hatte Syrien am Sonntag den
Besitz von Chemiewaffen vorgeworfen. Mehrere britische und US-Politiker
haben das Land seit dem Beginn des Irak-Kriegs zudem davor gewarnt, flüchtenden
Mitgliedern der irakischen Führung Unterschlupf zu gewähren.
Fleischer forderte Syrien erneut zur Zusammenarbeit mit den USA auf. "Für das irakische
Volk gibt es eine neue Morgendämmerung, die Morgendämmerung der Freiheit, und
ich denke, Syrien muss sich in Bezug auf sein Verhalten seiner Verantwortung bewusst werden."
Er warf Syrien vor, sich im vergangenen Jahr im Ausland um Materialien für chemische Waffen
bemüht zu haben. Das Land verfüge bereits über Bestände des Nervengases Sarin, wolle aber
offenbar mehr chemische Kampfstoffe herstellen.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld warf Syrien vor, in den vergangenen zwölf bis 15 Monaten chemische
Waffen getestet zu haben. Zudem habe das Land Irakern die Flucht nach Syrien und in einigen Fällen die Weiterreise
gestattet. Er machte keine Angaben darüber, um welche Iraker es sich dabei gehandelt haben soll. Syrien habe auch
Kämpfer in den Irak einreisen lassen, sagte Rumsfeld.
Syrien hatte bereits zuvor Vorwürfe der USA als unzutreffend bezeichnet. "Es gab niemals eine Zusammenarbeit
zwischen Damaskus und Bagdad", sagte eine Sprecherin des syrischen Außenministeriums der Nachrichtenagentur
Reuters. "Unsere Unterstützung galt dem irakischen Volk, das die Geißel des Kriegs durchlitten hat." Die einzigen
chemischen und biologischen Waffen in der Region besitze Israel, das seine Nachbarn bedrohe und deren Land
besetze.
Straw warf Syrien eine Zusammenarbeit mit Saddam vor. "Es ist wichtig, dass sich Syrien nach dem Ende des
Saddam-Regimes die neue Realität bewusst macht", sagte er in Kuwait-Stadt. Zuvor hatte Straw in Bahrain
Spekulationen zurückgewiesen, die Alliierten planten eine Fortsetzung ihres Feldzugs in das irakische Nachbarland.
Dem Sender BBC sagte Straw, auch Premierminister Tony Blair habe vorige Woche dem Unterhaus erklärt, das er
von Plänen über Militäraktionen gegen Syrien nichts wisse. (Quelle: rtr)
Hintergrund: Der Wüstenstaat Syrien
Syrien hat etwas über 17 Millionen Einwohner, die zu 90 Prozent Araber sind. In dem
Nahost-Land, das mit 185 000 Quadratkilometern etwa halb so groß wie Deutschland ist,
leben als Minderheit vor allem noch Kurden und Armenier. Neun von zehn Syrern
sind Muslime, die anderen überwiegend Christen. Sie leben vornehmlich vom Erdöl,
von der Landwirtschaft mit Viehzucht, von Baumwolle und Getreide.
Außerdem gibt es einige wichtige Industriebetriebe, die seinerzeit von
Ostblockländern aufgebaut wurden. Erdöl ist das bedeutendste Exportgut, das Land
aber kein OPEC-Mitglied. Für Deutschland ist Syrien der fünftgrößte Lieferant mit
7,2 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr.
Die Hauptstadt ist Damaskus mit zwei Millionen Einwohnern. Diese Metropole, die
zu den ältesten Städten der Welt gehört, hat heute exquisite Läden wie im Westen.
Für die Masse der Syrer ist ihr Angebot allerdings unerschwinglich. Bis zu 25
Prozent von ihnen leben in Armut. In dem hauptsächlich von Wüste und
Wüstensteppe geprägtem Land reichen die Niederschläge nur in den
westlichen Gebirgszügen für Baumwuchs aus.
Das Land mit den Nachbarn Israel, Irak, Libanon, Jordanien und Türkei ist seit
1973 eine Präsidialrepublik und wird - wie bis vor kurzem auch der Irak - von der
Baath-Partei kontrolliert. Diese jeweiligen Parteien waren aber seit langem
zerstritten. Staatschef ist der 37-jährige Baschar el Assad. Er hat vor knapp drei Jahren
die Nachfolge seines Vaters Hafis el Assad angetreten, der das Land seit 1971 bis
zu seinem Tod im Jahr 2000 autoritär regiert hatte. Die Assad-Familie gehört der
religiösen Minderheit der alawitischen Muslime an.
Die Amtsantritte von Baschar el Assad und des Ministerpräsidenten Mohammed
Mustafa Miro hatten in den vergangenen Jahren Hoffnungen auf Demokratisierung
und umfassende Reformen gegen Korruption und Bürokratie geweckt. Dies wurde
bislang jedoch vor allem von den alten Machteliten weitgehend blockiert.
Die Außenpolitik wird vom jahrzehntelangen Konflikt mit Israel geprägt, das 1967 die
Golanhöhen im Süden des Landes besetzt hat. Syriens Militäretat verschlingt fast ein Fünftel der Staatseinnahmen.
Kriege und Besetzung ziehen sich als roter Faden durch fast vier Jahrtausende syrischer Geschichte. Nach
griechischer und römischer Eroberung kämpften Araber, Kreuzritter und Mongolen um das Land am Mittelmeer. Vom
16. Jahrhundert bis zum Ende des Ersten Weltkrieges gehörte Syrien zum Osmanischen Reich. Dann übernahmen
die Franzosen als Mandatsmacht die Kontrolle. 1946 wurde Syrien unabhängig. (Quelle: dpa)
Assad im Visier der USA
US-Präsident George W. Bush verliert keine
Zeit, politisch Kapital aus dem Sturz Saddam Husseins zu
schlagen. Schon überzeugt davon, dass der Kriegsverlauf im
Irak das kommunistische Nordkorea zu neuer
Kompromissbereitschaft im Streit um sein Atomprogramm
bewogen hat, übt er jetzt starken Druck auf Syrien aus.
Besonders ein Bush-Satz schickte Schockwellen durch die
Region: «Wir glauben, dass es chemische Waffen in Syrien gibt.» Angebliche
Massenvernichtungswaffen im Arsenal von Saddam gehörten zu den Gründen für
den Irak-Krieg.
Dass damit eine Automatik kriegerischer Maßnahmen verbunden sei, bestreitet
Bush. «Jede Situation wird eine unterschiedliche Antwort erfordern», sagte er. Einer
langen Tradition folgend, schloss er die militärische Option zwar auch nicht aus.
Außenminister Colin Powell betonte aber bereits in der vergangenen Woche in
einem Interview der «Los Angeles Times», dass Sanktionen und eine Einschränkung
der diplomatischen Beziehungen im «Köcher» der Supermacht steckten.
Im Washingtoner Abgeordnetenhaus ist eine Vorlage eingebracht worden,
die Syrien neue Strafmaßnahmen androht. Der so genannte Syrian Accountability Act
verlangt von Damaskus, die Unterstützung terroristischer Gruppen einzustellen, seine Truppen aus dem Libanon
zurückzuziehen, Programme zur Entwicklung von Vernichtungswaffen zu beenden und die UN-Resolutionen über den
Irak einzuhalten.
Das US-Außenministerium führt Syrien seit 1979 auf einer Liste von Staaten, die den Terrorismus unterstützen. Der
amerikanische Geheimdienst CIA registriert es als ein Land, das chemische und biologische Waffen nebst
Trägerraketen besitzt oder entwickelt. Der Präsident persönlich hatte diesen Vorwurf bisher aber nicht erhoben und
löste deshalb Alarm im diplomatischen Lager aus.
Zur Sinnesänderung haben der Irak-Krieg und Beweise aus US-Sicht für eine aktive Unterstützung des Irak durch
Syrien beigetragen. Das Land dient danach nicht nur als Zufluchts- und Transitort geflohener Saddam-Leute, sondern
aus ihm kam auch die größte Zahl der ausländischen Kämpfer auf der Seite Bagdads. Aus Syrien sollen Militärgüter
und Waffentechnologie in den Irak gekommen sein, und es habe bis kurz vor Kriegsausbruch einen schwunghaften
Handel mit irakischem Erdöl gegeben. Nach Darstellung Syriens sind die Beschuldigungen haltlos und Teil einer
Kampagne.
Im Namen der Assad-Regierung hat der stellvertretende Botschafter in den USA, Imad Mustafa, strengste
Waffenkontrollen begrüßt - sofern sie in allen Nahostländern ausgeübt werden. Da wird direkt der Zusammenhang mit
Israel und dem Nahost-Konflikt hergestellt, den auch Washington im Visier hat. Bush und seine Berater wollen den
Irak zum Anstoß für eine größere Nahost-Initiative nehmen und dabei aggressiver als bisher vorgehen. Anzeichen
dafür waren nicht nur die Warnungen an Syrien, sondern auch an den Iran. Beide Saaten können eine Wiederbelebung
der Bemühungen um einen umfassenden Frieden durchkreuzen.
Die Erfahrungen im Irak haben in den Augen Washingtons bestätigt, dass sich eine feste Haltung bei der Beseitigung
der weltpolitischen Gefahrenherde auszahlt. Den Ton geben dabei die «Falken» aus dem Pentagon an. Es war
Verteidigungsminister Rumsfeld, der als erster Syrien und Iran Konsequenzen androhte, sollten sie dem
Saddam-Regime helfen. Erst dann folgten Powell und Präsident Bush. (Quelle: dpa)
Annan besorgt über wachsende US-Kritik an Syrien
Di.15.04.03 - UNO-Generalsekretär Kofi Annan ist nach Angaben eines
Sprecher besorgt, dass die zunehmende US-Kritik an Syrien und dessen Rolle im
Irak-Krieg den ohnehin instabilen Nahen Osten weiter destabilisieren könnte.
Annan habe bekräftigt, dass jeder Vorwurf einer Bedrohung der internationalen
Sicherheit und des Friedens in Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen
(UNO) behandelt werden müsse, sagte ein UNO-Sprecher am Montag.
Annan habe gemahnt, die jüngsten US-Äußerungen in Richtung Syrien dürften nicht
zu einer weiteren Destabilisierung der Region führen, die durch den Krieg gegen den
Irak bereits schwer getroffen sei, sagte der UNO-Sprecher. US-Außenminister Colin
Powell hatte zuvor in Washington gesagt: "In Bezug auf Syrien werden wir natürlich
mögliche Maßnahmen diplomatischer, wirtschaftlicher oder anderer Art prüfen."
"Syrien ist in der Tat ein Schurkenstaat", sagte ein US-Präsidialamtssprecher.
Der UNO-Sprecher sagte weiter, Annan begrüße daher die jüngsten Klarstellungen
in Bezug auf die Vorwürfe gegen Syrien. Damit habe Annan die Aussagen des
britischen Außenministers Jack Straw gemeint, nach dessen Worten die USA und
Großbritannien nicht die Absicht hätten, nach dem Irak auch Syrien anzugreifen,
verlautete aus UNO-Kreisen. Straw hatte allerdings zugleich gesagt, Syrien habe
bezüglich seiner Waffenprogramme einige wichtige Fragen zu beantworten.
(Quelle: rtr)
Euro steigt - Markt fürchtet Syrien-Konflikt
Di.15.04.03 - Der Kurs des Euro ist am Montag bei relativ dünnen Umsätzen gestiegen. Am Abend stieg
die europäische Währung auf 1,0771 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte am Nachmittag den Referenzkurs auf
1,0737 (Freitag: 1,0735) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9314 (0,9315) Euro.
Der Markt fürchte einen weiteren Militärschlag der Amerikaner - diesmal in Syrien, sagte der Chefhändler von Tempest
Asset Management, Enrico Caruso. Kaum sei der Irakkonflikt entschärft, fürchteten die Investoren, dass sich hier eine
neue "Büchse der Pandora" öffnen könnte, kommentierte er angesichts der Dollar-Schwäche.
Der britische Premierminister Tony Blair bezeichnete am Montag jedoch Spekulationen über eine mögliche Invasion in
Syrien als "wilde Gerüchte" (Quelle: dpa)
Rolle der Vereinten Nationen nach dem Irak-Krieg noch offen
Di.15.04.03 - Die Rolle der Vereinten Nationen in einer Nachkriegsordnung für
den Irak ist weiterhin offen. Im Streit um die Rolle der Vereinten Nationen nach dem Irak-Krieg
bewegt sich die Europäische Union mehr und mehr auf die USA zu. Der
französische Außenminister Dominique de Villepin sagte bei einem Treffen mit
seinen EU-Kollegen am Montag in Luxemburg, es gehe jetzt darum, eine
"gemeinsame und pragmatische" Lösung zu finden. Der deutsche Außenminister
Joschka Fischer sagte, es sei klar, dass die Alliierten jetzt für die Sicherheit in Irak
zuständig seien.
Villepin betonte: "Wir müssen in die Zukunft sehen." Es dürfe keine Zeit verloren
werden. "Wir alle sind besorgt über die Sicherheitslage in Irak." Es gebe zwar noch
Hindernisse, die aber schnellst möglich aus dem Weg geräumt werden müssten. Fischer
sagte, die Europäer wünschten eine zentrale Rolle der UN in Irak. Klar sei, dass die humanitäre
Hilfe im Vordergrund stehe. Klar sei aber auch, "dass die Alliierten für die Sicherheit
sorgen müssen", damit die Hilfe die Menschen auch erreichen könne.
In Luxemburg berieten die EU-Außenminister erstmals über die Zeit nach dem
Krieg. Schlussfolgerungen verabschiedeten sie nicht. Fischer verwies auf die
Bedeutung eines Treffens der EU-Staats- und Regierungschefs mit
UN-Generalsekretär Kofi Annan am Mittwoch in Athen. In diplomatischen Kreisen
hieß es, die EU wolle nun wissen, welche Rolle sich die UN selbst vorstelle. Ihre
eigene Rolle werde die EU dann voraussichtlich bei einem informellen Treffen der
EU-Außenminister Anfang Mai im griechischen Olympia definieren.
Die EU-Staats- und Regierungschefs unterzeichnen am Mittwoch in Athen die
Beitrittsurkunden für die Erweiterung um zehn Länder. An einem Abendessen soll
auch Annan teilnehmen. Zudem wird nach Angaben aus diplomatischen Kreisen der
russische Präsident Wladimir Putin erwartet.
Besonders die Kriegsgegner Deutschland und Frankreich hatten bislang erklärt, sie
wollten den Wiederaufbau Iraks unter dem Dach der Vereinten Nationen wissen. Die
US-Regierung hat dagegen mehrfach betont, dass die Kriegsalliierten die
Verwaltung Iraks in die Hand nehmen würden. Zudem müsse das Land schnellstmöglich wieder an eine irakische
Regierung übergeben werden. Die UN sollen allenfalls dabei helfen, die Bemühungen um eine Linderung des
menschlichen Leids zu koordinieren.
Nach den scharfen Tönen der USA an die Adresse Syriens rief Fischer die Regierung in Washington zur Mäßigung
auf. "Wir sollten uns darauf konzentrieren, den Frieden zu gewinnen, und nicht in eine neue Konfrontation geraten."
Zudem müsse der gesamte Nahost-Friedensprozess wiederbelebt werden.
Der am 29. April geplante Vierer-Gipfel Deutschlands, Frankreichs, Belgiens und Luxemburgs zur Sicherheits- und
Verteidigungspolitik stieß bei den anderen EU-Staaten unterdessen auf Kritik. Besonders Spanien und Großbritannien
äußerten ihren Unmut, wie aus diplomatischen Kreisen verlautete. So habe es auch kein Einvernehmen darüber
gegeben, dass an dem Treffen in Brüssel der EU-Außenbeauftragte Javier Solana und die griechische
Ratspräsidentschaft teilnehmen.
Fischer betonte nach Angaben aus Teilnehmerkreisen, dass das Treffen für alle EU-Staaten offen sei. Eine engere
Absprache in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik sei im Lichte der Erfahrungen mit den Irak-Konflikt erforderlich.
Deshalb sei eine Teilnahme Solanas und des griechischen Außenministers Georgios Papandreou wünschenswert.
(Quelle: ap)
Erste irakische Ölverkäufe binnen drei Monaten erwartet
Di.15.04.03 - Ein britischer Militärvertreter erwartet binnen drei Monaten die
ersten irakischen Öllieferungen. Brigadegeneral Tim Cross sagte am Montag in
Kuwait: "Ich habe das Gefühl, dass wir binnen drei Monaten Ölförderung und
-verkäufe sehen werden".
Das US-Militär hatte zuvor erklärt, man versuche im Süden des Iraks binnen 15
Wochen eine Förderung zwischen 200.000 und 800.000 Barrel (1 Barrel = 159 Liter)
täglich zu erreichen. Irak hatte vor dem Krieg im Rahmen des UNO-Programms "Öl
für Lebensmittel" etwa 1,7 Millionen Barrel Öl täglich exportiert.
(Quelle: rtr)
Blix will Inspekteure wieder in den Irak schicken
Di.15.04.03 - Vier Wochen nach dem Abzug der UN-Inspekteure aus dem Irak will
Chefinspekteur Hans Blix mit dem Weltsicherheitsrat über die mögliche Rückkehr
seiner Experten beraten. Das Gespräch, die erste Zusammenkunft beider Seiten seit
Kriegsbeginn, könnte bereits am Dienstag stattfinden, sagte sein Sprecher Ewen
Buchanan am Montag. Unterdessen haben zwei ehemalige Waffeninspekteure zahlreiche
dem Sicherheitsrat vor dem Krieg vorgelegte US-Beweise als "irreführend" und "hochgradig falsch"
bezeichnet.
Die Abrüstungsexperten der UN-Waffenkommission UNMOVIC hatten das Land aus
Sicherheitserwägungen zwei Tage vor Beginn des Irak-Krieges verlassen. Die
meisten seien wieder in ihren Heimatländern. Sollte der Sicherheitsrat sich für die
erneute Entsendung von Inspekteuren entscheiden, wären etwa 30 entsprechend
ausgebildete UN-Mitarbeiter in der Lage, jederzeit nach Bagdad aufzubrechen,
sagte Buchanan.
Der Sicherheitsrat hatte in den vergangenen zwölf Jahren etliche Irak-Resolutionen
verabschiedet, die völkerrechtlich bis heute gültig sind. Danach können
die Sanktionen gegen den Irak erst dann aufgehoben werden, wenn die
UN-Waffeninspekteure das Land frei von Massenvernichtungswaffen erklärt haben. Die
gleiche Bedingung ist an den freien, uneingeschränkten Export des irakischen Öls geknüpft.
Nach einem Bericht der "New York Times" vom Montag ist die
US- Regierung geneigt, diese Vorschriften völkerrechtlich
bindender Resolutionen zu ignorieren. Das gelte auch für einen
möglichen Fund illegaler Waffen im Irak, der nach
internationalem Recht jeweils von unabhängigen Experten der
Vereinten Nationen bestätigt werden müsste.
Die Zeitung zitierte einen hohen Mitarbeiter des Pentagon, nach dessen Aussage "bisher keine Zusammenarbeit mit
einer internationalen Organisation (der UN) geplant ist". Er schließe jedoch nicht aus, dass Washington in dieser
Frage noch seine Meinung ändere, sagte der Experte des US-Verteidigungsministeriums.
Zwei UN-Waffeninspekteure haben Berichte der US-Regierung über irakische Massenvernichtungswaffen in Frage
gestellt. Die beiden waren drei Monate lang in der UN-Waffenkontrollkommission (UNMOVIC) im Irak im Einsatz. Sie
hatten kurz vor Kriegsbeginn am 20. März das Land verlassen. Zu ihren Aufgaben gehörte die Überprüfung von
US-Geheimdienstinformationen über angeblich versteckte irakische Massenvernichtungswaffen.
Bei den Inspekteuren handelt es sich um einen deutschen Computerexperten, der namentlich nicht genannt werden
wollte, und um den Norweger Jörn Siljeholm, zu dessen Fachgebiet biologische und chemische Waffen zählen.
Übereinstimmend bezeichneten beide in einem am Montag gesendeten Interview des ARD-Politikmagazins "Report
Mainz" eine Vielzahl der US-Informationen über Massenvernichtungswaffen und deren vermutete Verstecke als
Fehlinformationen.
So habe US-Außenminister Colin Powell vor dem Weltsicherheitsrat am 5. Februar 2003 Satellitenfotos präsentiert,
die irakische Fahrzeuge mit Spezialgeräten zur Entgiftung eigener Truppen nach einem Giftgaseinsatz zeigen sollten.
Damit habe bewiesen werden sollen, dass der Irak tatsächlich verbotene C-Waffen besitze. Es habe sich aber nicht
um Spezialfahrfahrzeuge gehandelt. "Es war eben nicht so, dass wir die Lastwagen nicht gefunden hätten. Wir haben
sie gefunden. (...) Es war (aber) nie ein Dekontaminationslaster, auch wenn die CIA dies behauptet hat."
Auch Ventilationssysteme auf Fabrikdächern, die laut US-Regierung Rückschlusse auf die Produktion von
Chemiewaffen zulassen, hätten sich als harmlos herausgestellt. Eine Produktion verbotener Waffen habe in den
betreffenden Gebäuden nicht stattgefunden. "Wir haben gesucht nach den Dingen auf den Fotos, und dann stellte
sich heraus, dass es nichts mit Massenvernichtungswaffen zu tun hatte", sagte Siljeholm. Powells Rede bewertete er
als "irreführend" und "hochgradig falsch". (Quelle: dpa)
Anwälte wollen Untersuchung etwaiger Kriegsverbrechen der Alliierten
Di.15.04.03 - Menschenrechtsanwälte aus den USA und Großbritannien haben eine
Untersuchung möglicher Kriegsverbrechen ihrer Regierungen in Irak angekündigt.
"Wir werden eine unabhängige Untersuchung in Gang bringen um herauszufinden,
ob in Irak Kriegsverbrechen begangen wurden", sagte der Jurist Phil Shiner von der
britischen Bürgerrechtsgruppe Public Interest Lawyers am Montag in New York. Der
Vorsitzende des US-Zentrums für Verfassungsrechte, Michael Ratner, warnte
Washington und London vor Siegerjustiz in Irak: "Nicht nur Saddam Husseins
Verbrechen müssen untersucht werden."
(Quelle: afp)
Amnesty fordert Menschenrechtskommission für Irak
Di.15.04.03 - Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) hat
für Irak die sofortige Einrichtung einer Expertenkommission der Vereinten Nationen
gefordert. Diese solle bestehende Verwaltungsstrukturen auswerten und ein
umfassendes Reformprogramm für das irakische Justizsystem entwickeln. Zudem
müssten Menschenrechtsverletzungen systematisch und unabhängig aufgearbeitet
werden, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung.
Zivilisten oder Soldaten, die gegen internationales Recht verstoßen haben, dürften
nicht vor ein Militärtribunal gestellt werden, hieß es in der Erklärung. Keinem
Angeklagten dürfe die Todesstrafe drohen. Alle Verbrechen müssten in fairen
Verfahren untersucht, die Opfer umfassend entschädigt werden.
"Die Vereinten Nationen verfügen über die notwendige Expertise, um Vorschläge für
eine umfassende Reform des Justizwesens zu erarbeiten. Die Einbindung von
Vertretern der irakischen Zivilgesellschaft sollte hierbei eine zentrale Rolle spielen",
sagte Ruth Jüttner, Irak-Expertin von amnesty. Eine weitere Aufgabe der
UN-Expertenkommission solle es sein, Empfehlungen für die strafrechtliche
Verfolgung der Täter in der Übergangszeit zu geben. "Vorschläge über die
Einrichtung von Tribunalen der Alliierten bergen das Risiko, als 'Siegerjustiz'
wahrgenommen zu werden", warnte Jüttner.
(Quelle: ap)
UNESCO fordert Polizeitruppe für irakische Kulturgüter
Di.15.04.03 - Nach den Plünderungen irakischer Museen hat die UNESCO als wichtigste
Sofortmaßnahme eine Polizeitruppe für den Schutz von Kulturgütern gefordert. Die
internationale Gemeinschaft sollte sich an der Finanzierung einer solchen Polizeitruppe
beteiligen, sagte der stellvertretende Generaldirektor der UN-Organisation für Erziehung,
Wissenschaft und Kultur, Mounir Bouchenaki, in Paris. Zahlreiche Prominente, unter
ihnen der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper, Daniel Barenboim, zeigten
sich über die Zerstörungen entsetzt.
Von einem "Verbrechen an der Menschheit" sprach der Präsident des
Internationalen Rates für Denkmalpflege (ICOMOS), Michael Petzet. Es sei
"vollkommen unverständlich, wie die amerikanische Armee dem zusehen kann",
sagte Petzet am Montag im DeutschlandRadio Berlin. Sie hätte die Plünderungen
mit wenigen Soldaten verhindern können. "Wenn man einen Krieg monatelang
vorbereitet, muss man auch auf so etwas vorbereitet sein." Ähnlich äußerte sich
Barenboim im dpa-Gespräch: "Ich bin schrecklich irritiert darüber, dass
amerikanische Soldaten meinten, nicht in der Lage gewesen zu sein, das zu
verhindern." Das Museum mit den unschätzbaren Kunstschätzen sei über
Jahrhunderte aufgebaut worden. Bagdad und das Zweistromland Mesopotamien
hätten eine uralte Tradition und verkörperten nicht nur moslemische und arabische
Kulturgeschichte.
Die UNESCO will zur Einschätzung der Schäden eine Experten- Delegation in den
Irak entsenden. Der Zeitpunkt einer Reise sei noch nicht festgesetzt, sagte
Bouchenaki. In dieser Woche werde über die Zusammensetzung der Delegation
beraten. "Wir benötigen Experten für die Ausgrabungsstätten, für Museen und für
Monumente", sagte er. Die UNESCO hatte in einem dringenden Appell britische und amerikanische Behörden
aufgefordert, Sofortmaßnahmen zum Schutz irakischer Kulturgüter zu ergreifen.
Bouchenaki warnte vor dem Ankauf gestohlener Kunstschätze aus dem Irak. "Wir haben alle Kulturministerien der
Nachbarländer des Iraks alarmiert, damit die Polizeikräfte an den Landesgrenzen auf möglichen Schmuggel
gestohlener Kunstschätze achten", sagte der UNESCO- Kunstexperte in einem dpa-Gespräch. Internationale
Polizeibehörden seien zur Mitarbeit aufgefordert worden, "damit keine gestohlenen Objekte neue Besitzer finden".
Auch die Museumskonservatoren der westlichen Länder und die internationale Vereinigung der Kunsthändler seien
angeschrieben worden. "Die seriösen Händler und die wissenschaftliche Gemeinschaft sind auch ohne diese
Warnungen für gestohlene Objekte aus dem Irak sensibilisiert." Für eine genaue Bestandsaufnahme der Schäden
nach den Plünderungen des Nationalmuseums in Bagdad sei es noch zu früh. "Erst muss sich die Lage beruhigen
und eine Verwaltung eingerichtet werden", erst dann könne man sich einen Überblick verschaffen.
Nach Angaben des französischen Auktionshauses Drouot in Paris wird scharf auf die Herkunft der angebotenen
Kunstschätze geachtet. Das Auktionshaus habe mehrere Experten für orientalische Kunst und die Auktionatoren
seien nach den Plünderungen in Bagdad informiert, auf derartige Gegenstände zu achten. "Für
Versteigerungs-Angebote aus dem Irak ist es noch zu früh", sagte ein Sprecher. «Die Herkunft der Objekte wird in
jedem Fall genau überprüft.»
Die Auktionshäuser Christie's und Sotheby's versicherten am Montag in London, sie würden die Herkunft aller
Auktionsgegenstände genau überprüfen. "Mit geraubter Kunst haben wir wirklich nichts zu tun", sagte ein
Sotheby's-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. "Wir lehnen es ab, weiter dazu Stellung zu nehmen."
Eine Sprecherin von Christie's sagte, das Interesse an Kunstgegenständen aus dem Irak liege seit Jahren in etwa
auf dem gleichen Niveau. Bisher habe Christie's nicht feststellen können, dass mehr Gegenstände auf dem Markt
aufgetaucht seien.
Nach deutschen Medienberichten sollen nach dem Golfkrieg von 1991 Tausende von Kunstwerken aus dem Irak
geschmuggelt und auf dem internationalen Kunstmarkt angeboten worden sein noch bis Mitte der 90er Jahre. "Man
wird sehen, was nächstes Jahr alles in den Auktionshäusern auftauchen wird, in der Schweiz, in London und New
York", wurde Prof. Jane Waldbaum, Direktorin des American Institute of Archeology, in der "Frankfurter Allgemeinen
Zeitung" zitiert. (Quelle: dpa)
USA wollen Suche nach gestohlenen Kunstgegenständen unterstützen
Di.15.04.03 - Die USA wollen Irak bei der Suche nach Kunstgegenständen aus
den geplünderten Museen des Landes helfen. US-Außenminister Colin Powell
erklärte nach einem Treffen mit seinem kuwaitischen Kollegen Mohammed El
Sabah in Washington, er bemühe sich um die Zusammenarbeit mit der
Europäischen Union und der UNESCO, der UN-Organisation für Erziehung,
Wissenschaft und Kultur. Mit der internationalen Polizeiorganisation Interpol gebe
es bereits Kontakte, sagte Powell.
Plünderer räumten in den vergangenen Tagen zahlreiche Gebäude in der irakischen
Hauptstadt Bagdad leer, darunter auch das Nationalmuseum. Der Sprecher des
US-Außenministeriums, Philip Reeker, erklärte, das amerikanische Volk wisse um
die Bedeutung des archäologischen und kulturellen Erbes Iraks, das mehr als
10.000 Jahre der Entwicklung der Zivilisation dokumentiere.
(Quelle: ap)
15.000 demonstrieren in Leipzig für Frieden
Di.15.04.03 - Rund 15.000 Menschen haben am Montag in Leipzig an der vorerst
letzten Demonstration für Frieden und gegen den Krieg teilgenommen. "Mit 18
Teilnehmern haben wir zu Weihnachten begonnen, um schließlich mit bis zu 45.000
Menschen gegen den Irak-Krieg zu protestieren", sagte Christian Führer, Pfarrer der
Nikolaikirche bei der Abschlusskundgebung auf dem Augustusplatz. Nach Angaben
des Leipziger Aktionskreises Frieden, der die Proteste mit organisiert hatte, haben
seit Mitte Januar insgesamt rund 300.000 Menschen an den
Montagsdemonstrationen teilgenommen.
Führer dankte den Demonstranten: Sie hätten mit ihrer Teilnahme an den
Protesten gezeigt, was Demokratie bedeute. Dies sei überall im Lande vernommen
worden, sagte der Nikolaikirchenpfarrer. "Die Leipziger Montagsdemonstranten sind
mit der Olympia-Bewerbung belohnt worden. Völker, hört die Signale", zitierte Führer
aus einem Brief, den er aus Stuttgart erhalten hatte. "Wenn wir diesen Gedanken weiterdenken,
dann fallen London und New York bei der internationalen Bewerbung schon einmal aus", rief Führer.
er Krieg führe, könne keine Olympischen Spiele ausrichten.
Nach den Worten des Nikolaipfarrers wird der Protest in anderer Form fortgeführt. So werde es in den nächsten
Wochen nach den montäglichen Friedensgebeten in seiner Kirche jeweils 30-minütige Mahnwachen geben. Der
Widerstand müsse und werde weitergehen bis keine Regierung der Welt es mehr wage, Krieg zu führen.
Das vorläufige Ende der Proteste in der Tradition der Leipziger Montagsdemonstrationen des Wendeherbstes 1989 traf
nicht bei allen Teilnehmern auf Zustimmung. "Demo-Stopp ist ein Flop", hatte einer auf sein Plakat geschrieben.
Andere mahnten: "Bleibt wachsam: Irak war nur der Anfang!" Und auch über die Nachkriegsordnung in der Golfregion
hatten sich die Leipziger Friedensdemonstranten Gedanken gemacht: "Frieden im arabischen Raum nur mit Hilfe der
UNO - Ami go home" hieß es auf einem Transparent. (Quelle: ap)
Jugendkonferenz der «Schüler gegen Krieg» in Berlin: Heftige Kritik an Politik von SPD und Grünen
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«Schüler sind rigoroser als Studenten»
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Reformdebatte spaltet SPD
Di.15.04.03 - Der SPD-interne Streit um die Sozialreformen nimmt an Schärfe
zu. Die Sprecherin der Partei-Linken, Andrea Nahles, erklärte, die Konfrontation sei
von oben an die Parteibasis herangezogen worden. Dagegen warf die
baden-württembergische SPD-Chefin Ute Vogt den Gegnern der Reformvorschläge,
sie wollten sich profilieren. Der parlamentarischer Geschäftsführer der
Bundestagsfraktion, Wilhelm Schmid, warnte gar vor einem Sturz von
Bundeskanzler Gerhard Schröder.
Nach massivem Druck der Basis hatte das SPD-Präsidium am Montag für den 1.
Juni einen außerordentlichen Parteitag in Berlin einberufen, grundlegende
Änderungen an dem Konzept jedoch abgelehnt. Schröder will den
SPD-Sonderparteitag zur Reformpolitik zu einer Vertrauensabstimmung über seinen
Kurs machen.
Die Bundesregierung und vor allem Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hätten
mit den Kürzungsvorschlägen im Sozial- und Gesundheitsbereich «den
Fehdehandschuh geworfen», sagte Nahles der «Berliner Zeitung»
(Dienstagausgabe). «Entweder man kapituliert, und das werden wir nicht tun, oder
man nimmt die Konfrontation an. Nahles plant für den Parteitag ein Gegenkonzept
zu den Reformen.
Vor internem Streit warnte die baden-württembergische SPD-Chefin Vogt. "Ich
glaube nicht, dass es da allen Wortführern um die Sache geht", sagte sie dem
"Mannheimer Morgen" (Dienstagausgabe). Der Parteitag werde zeigen, dass die
am lautesten schreien würden, in der Minderheit seien.
Der parlamentarische Geschäftsführer Schmidt verglich die parteiinterne Situation
mit dem Machtverlust von Bundeskanzler Helmut Schmidt 1982. Breite Kreise der
Partei wollten derzeit nicht wahrhaben, wie groß die ökonomischen Probleme seien, in denen das Land stecke, sagte
er der "Rheinpfalz" (Dienstagausgabe). Allerdings gebe es auch handwerkliche Fehler im Reformprozess. So habe
der von der Regierung bestellte Sozialexperte Bert Rürup mit seinen Vorschlägen der Regierung schwer geschadet.
Unterstützung erhielt Schröder von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Das Reformkonzept Agenda 2010 dürfe auf
keine Fall verwässert werden, sagte der der Chemnitzer "Freien Presse" (Dienstagausgabe). Die Vorschläge gingen
an manchen Stellen nicht einmal weit genug. "Wir benötigen endlich ein Durchbrechen der Blockaden und ein
Zeichen für entschlossenes Handeln", sagte er. (Quelle: ap)
München: Anwalt legt bei EU Beschwerde gegen neues Stadion ein
Di.15.04.03 - Die Europäische Kommission prüft die
Beschwerde einer Münchner Anwaltskanzlei, wonach der
Bau des Fußball-Stadions in Fröttmaning unzulässig
subventioniert sein soll. Die Kanzlei sieht in den
staatlichen Zuschüssen zur Infrastruktur des Stadions
eine einseitige Begünstigung der beiden Münchner
Bundesligisten, da das Stadion keinen Nutzen für die
Allgemeinheit erfülle. Deshalb soll die EU jetzt
sämtliche finanzielle Beihilfen für das Stadion verbieten
und die Vereine zwingen, sich an den Infrastrukturkosten
zu beteiligen. (Quelle: br)
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