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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Do.17.04.03, 12:45 Neunundzwanzigster Kriegstag in Irak
Spannungen in Mosul dauern an +++
US-Soldaten erschießen Zivilpersonen in Mossul +++
Irakische Oppositionsführer in Bagdad eingetroffen +++
Befehlshaber der US-Truppen am Golf trifft US-Generäle in der irakischen Hauptstadt +++
Immer noch massive Plünderungen +++
Verwaltungschef für Bagdad gewählt +++
Dollar soll Dinar im Irak ersetzen +++
USA wollen neue Irak-Resolution +++
Bush fordert Ende der UN-Sanktionen gegen Irak +++
Do.17.04.03 - In Mossul ist es am zweiten Tag in Folge zu tödlichen Zusammenstößen zwischen
US-Soldaten und Einwohnern gekommen. Mindestens drei Zivilisten wurden dabei am Mittwoch getötet.
Am Dienstag hatten US-Soldaten sieben Stadtbewohner erschossen, die ein Regierungsgebäude stürmen wollten.
Die Soldaten in Mossul wollten nach Angaben von Militärsprecher Vincent Brooks
am Dienstag ein Regierungsgebäude sichern, als sie von einer aufgebrachten
Menge mit Steinen angegriffen wurden. Als Schüsse auf die Amerikaner abgegeben
wurden, schossen die Soldaten zurück, sagte Brooks.
Unterdessen durchsuchten US-Spezialeinheiten in Bagdad das Haus einer Mikrobiologin, die ein geheimes
Biowaffenlabor zur Herstellung von waffenfähigem Anthrax geleitete haben soll.
Soldaten trugen Unterlagen aus dem Haus der «Dr. Bakterie» genannten
Wissenschaftlerin Rahib Taha, von der offenbar jede Spur fehlt. Drei Männer wurden
abgeführt.
Ungeachtet gemeinsamer Patrouillen von US-Soldaten und irakischen Polizisten
hielten die Plünderungen in Bagdad an. Auf dem Messegelände stürmten hunderte
Menschen mehrere Lagerhäuser und schleppten Säcke mit Zucker, Tee und Mehl in
öffentliche Busse.
Nach der Entmachtung von Saddam Hussein sind die ersten
irakischen Oppositionsführer aus dem Exil in Bagdad eingetroffen.
Der von Washington als Chef einer Übergangsregierung favorisierte
Achmed Chalabi sei in der Nacht zum Donnerstag aus dem
südlichen Nassirijah in die Hauptstadt gekommen, sagte ein
Vertrauter. Auch der Chef der Nationalen Einheitsbewegung, Ijad
Allawi, traf in Bagdad ein.
Der Chef des Dachverbands Irakischer Nationalkongress (INC), Chalabi, gilt als
Favorit für das Amt eines Regierungschefs. Die Nationale Einheitsbewegung (INA)
eröffnete nach eigenen Angaben Verbindungsbüros in mehreren irakischen Städten.
Zwei Gefolgsleute Chalabis hatten sich am Mittwochabend zum Interims-Gouverneur
und zum Bürgermeister von Bagdad erklärt. Eine Versammlung aus Bürgervertretern
und Religionsführern habe ihn für das Bürgermeisteramt bestimmt, sagte Dschaudat
Obeidi.
Iraks Hauptstadt Bagdad hat einen neuen Verwaltungschef.
Repräsentanten der Stadtbezirke wählten Mohammed Mosem el Subaidi aus. Er
stammt aus dem mehrheitlich schiitischen Innenstadtbezirk Karade. Mehr ist über
el Subaidi zur Zeit noch nicht bekannt. Vor Medienvertretern im Hotel "Palestine"
sagte der neue Verwaltungschef, er wolle sich für die Wiederherstellung der
Ordnung in Bagdad einsetzen. Er forderte seine Mitbürger zur Mithilfe auf, um "ein
positives Irakbild zu schaffen".
Das Stromnetz von Bagdad soll bis Freitag wieder so weit instand gesetzt werden, dass alle Stadtteile zumindest
zeitweise versorgt werden können. Bis dahin könnten alle Wohnviertel reihum bedient werden, sagte ein Sprecher der
US-Armee. Am Mittwoch seien bereits sechs Kraftwerke wieder ans Netz gegangen.
Der Befehlshaber der US-Truppen am Golf, General Tommy
Franks, hat am Mittwoch erstmals Bagdad besucht. Er traf sich in einem
ehemaligen Präsidentenpalast von Saddam Hussein außerhalb der irakischen
Hauptstadt mit seinen Generälen. Franks bezeichnete den Besuch als
«Möglichkeit, die Leute zu treffen, die solch großartige Arbeit hier geleistet haben».
Per Videokonferenz wurde auch US-Präsident George W. Bush zugeschaltet.
Franks hatte zuvor angekündigt, er wolle dem Präsidenten und dem Nationalen
Sicherheitsrat seine Beurteilung der gegenwärtigen Lage und seine Prognose für die
nächsten sieben bis zehn Tage darlegen. Auf seine Einschätzungen ging er nicht
näher ein.
US-Präsident George W. Bush forderte ein Ende der UN-Sanktionen gegen Irak.
Nachdem Machthaber Saddam Hussein "Geschichte" und Irak "befreit" sei, sollten
die Handelsbeschränkungen fallen, sagte Bush im US-Bundesstaat Missouri vor
Angestellten des Flugzeugbauers Boeing. Nach Angaben eines Sprechers wollen
die USA eine UN-Resolution zum Stopp des Programms "Öl für Lebensmittel" in
den Sicherheitsrat einbringen, damit Irak sein Öl frei auf dem Weltmarkt verkaufen
könne. Irak sollten "normale Handelsbeziehungen" ermöglicht werden.
Im Irak gilt künftig der US-Dollar als offizielle Währung. Zumindest
vorläufig soll der Dollar den mit dem Konterfei Saddam Husseins bedruckten Dinar
ersetzen, berichteten US-Medien. Den Angaben zufolge sollen vor allem kleinere
Dollarscheine in Umlauf gebracht werden, um damit Hunderttausende Beamte und
städtische Angestellte zu bezahlen. Experten äußerten die Befürchtung, dass die
Entscheidung in der arabischen Welt auf Kritik stoßen könnte, andererseits bringe
der Dollar dem Irak aber ein Mehr an Stabilität.
Der Weltsicherheitsrat in New York lud Chefinspekteur Hans Blix zu einer Sitzung
am 22. April ein. Die Mehrheit der Ratsmitglieder will eine neuerliche Entsendung
von UN-Waffeninspekteuren, Washington hat dagegen eigene Spezialisten ins Land
geschickt.
Die USA stufen den Terroralarm von "orange" auf "gelb" herab; "gelb" ist die
dritte von fünf Stufen. Die Gefahr von Terrorattacken nach Kriegsbeginn hat nach Angaben des Ministeriums für
Heimatsicherheit abgenommen.
Spanien, Dänemark und die Niederlande forderten die Stationierung einer internationalen Friedenstruppe in Irak. "Wir
können nicht auf eine UN-Resolution warten", sagte der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen am
Rande des EU-Erweiterungsgipfels in Athen. (Quellen: ap, afp, dpa)
«Das Ende des Irak-Krieges ist nicht der Beginn des Friedens»
«(...) Das große Schlachten fand nicht statt, es kam
jedenfalls nicht ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. Der
vermeintlich glimpflichen Folgen wegen ist aber die
Kriegs-Ablehnung nicht mehr so groß, wie sie es war. Von einem
britischen Offizier stammt zwar die Angabe, es seien
dreißigtausend irakische Soldaten getötet worden. Und wie viele
Zivilisten? Das wird nie bekannt werden. Bush kann deshalb den
Amerikanern einen glänzenden Sieg präsentieren und vor der
Welt so tun, als habe es sich beim Krieg nur um eine Hobelaktion
mit den dabei allfälligen Spänen gehandelt.
Dumm. Dumdum
Die Invasoren halten sich für Samariter, weil sie aus Bagdad kein
Karthago gemacht haben – und in der westlichen Staatenwelt ist
man gerade deshalb schon wieder ein wenig geneigt, den
Völkerrechtsbruch von Bush und Blair als lässliche Sünde zu
bewerten und nolens volens als Preis für den Sturz eines
Diktators zu betrachten. Von den Bellizisten in den Feuilletons
werden die Kriegsgegner, die vor einer Katastrophe und einem
Flächenbrand im Nahen und Mittleren Osten gewarnt hatten,
schon jetzt als Propheten des Untergangs belächelt – als ob die
Gefahren schon aus der Welt wären. In der FAZ meldet sich ein
großer deutscher Dichter zu Wort, der sich im Alter in einen
Jünger verwandelt hat, um aus dem Schaukelstuhl heraus der
Schwertmission der Briten und Amerikaner zu akklamieren. Und
all diese tun so, als sei mit dem Ende des Krieges auch schon der
Frieden gekommen – und sehen die Gefahr nicht, dass mit
diesem Frieden der Krieg schon wieder neu beginnt.
Finis belli pax est: Vor diesem Irrglauben hat Karl Kraus schon
1918 gewarnt. Er lässt einen Kriegsfreund, den er "Optimist",
und einen Kriegsgegner, den er "Nörgler" nennt, miteinander
streiten. Der Dialog geht so. Der Optimist: "Aber wenn einmal der
Frieden kommt – ". Der Nörgler: "– so wird der Krieg beginnen".
Der Optimist: "Jeder Krieg wird doch noch durch einen Frieden
beendigt". Der Nörgler: "Dieser nicht. Er hat sich nicht an der
Oberfläche abgespielt, sondern im Leben selbst gewütet. Die
Front ist ins Hinterland hineingewachsen...Darum wird er nicht
aufhören". Der Optimist: "Aber wenn nur erst der Frieden da ist –
". Der Nörgler: „"– so wird man vom Krieg nicht genug kriegen
können!" Der Optimist: "Sie nörgeln selbst an der Zukunft. Ich
bin und bleibe Optimist. Die Völker werden durch Schaden – ".
Der Nörgler: „ – dumm. Dumdum." In den letzten Kriegstagen im
Irak befinden wir uns exakt in dieser 49. Szene des Stückes
"Die letzten Tage der Menschheit"»
Aus: Heribert Prantl -"George W. Arabicus - Das Ende des Irak-Krieges ist nicht der Beginn des Friedens",
Süddeutsche Zeitung vom 17.04.03.
Bush spricht von Neudefinition der US-Kriegsführung
Do.17.04.03 - George W. Bush ist mit den jüngsten US-Kriegen zufrieden: Der
Präsident hat Afghanistan und den Irak als Beispiel für die Neudefinition der
amerikanischen Kriegsführung bezeichnet. Mit seinen Präzisionswaffen habe das
US-Militär "Terroristen und Tyrannen gezeigt, dass sie sich nicht länger hinter
Unschuldigen verstecken können", sagte Bush. In dieser neuen Ära der
Kriegsführung könnten die USA gezielt ein Regime angreifen. Bush würdigte auch
den Beitrag der Rüstungsindustrie zum Kriegserfolg.
Für den Irak-Krieg haben die USA nach Angaben des Pentagons
bislang mindestens 20 Milliarden Dollar ausgegeben. Kosten in ähnlicher Höhe
seien in den nächsten fünf Monaten zu erwarten, sagte der Haushaltschef des
US-Verteidigungsministeriums, Dov Zakheim, am Mittwoch in Washington. Ein
zusätzlicher Betrag von fünf bis sieben Milliarden Dollar werde benötigt, um die
US-Truppen in der Golfregion wieder in ihre Heimatstützpunkte zu bringen.
Aufgeschlüsselt nach Kostenbereichen gibt das Pentagon eine Summe von zehn
bis zwölf Milliarden Dollar für die "militärischen Operationen" gegen Irak an. Die
Personalausgaben werden mit etwa sechs Milliarden bezifffert, und die
Munitionskosten mit mehr als drei Milliarden Dollar.
Der Kongress hat dem Pentagon für den Irak-Krieg und Einsätze im "Krieg gegen
den Terror" zusätzliche Mittel von 62,6 Milliarden Dollar bewilligt - das reguläre
Budget des Ministeriums hat einen Umfang von 364 Milliarden Dollar im laufenden
Haushaltsjahr. Der Golfkrieg von 1991 hat die USA rund 60 Milliarden Dollar
gekostet. Diese Kosten wurden damals zum größten Teil von Verbündeten wie
Deutschland, Saudi-Arabien und Kuwait übernommen.
(Quellen: dpa, ap)
«Kriege
sollten künftig mit absoluter Überlegenheit geführt werden. Dazu
wurde schon in den 80er-Jahren ein gigantisches
Aufrüstungsprogramm gestartet. In der Folge gibt die US-Regierung
heute mehr für ihr Militär aus als alle anderen großen Militärmächte
zusammen.»
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«Kriege kosten Geld und sichern Profite»
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Bush will von der UNO Ende der Irak-Sanktionen
Do.17.04.03 - US-Präsident George W. Bush hat die UNO aufgefordert, die
nach dem Golf-Krieg von 1991 verhängten Sanktionen gegen den Irak aufzuheben.
Vor Arbeitern der Kampfflugzeug-Fabrik von Boeing in St. Louis begründete Bush
die Forderung damit, der Irak sei jetzt befreit. Der Sprecher im US-Präsidialamt, Scott McClellan
teilte ergänzend mit, schon sehr bald würden die USA dem dafür zuständigen
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) einen entsprechenden
Resolutionsentwurf vorlegen.
Nach den geltenden UNO-Resolutionen sind dem Irak nur im Rahmen des
Programms "Öl für Lebensmittel" Ölausfuhren gestattet. Eine Aufhebung der
Sanktionen hängt von der vorherigen Bestätigung der UNO-Waffeninspektoren ab,
dass sich im Irak keine verbotenen Massenvernichtungswaffen befinden. Diese
durch militärische Gewalt zu beseitigen hatten die USA als eines ihrer Kriegsziele
genannt. Durch einen verstärkten Ölexport könnten unter anderem fälligen
Wiederaufbaukosten nach den schweren Bombardierungen im Irak-Krieg finanziert
werden.
Der UNO-Botschafter der USA, John Negroponte, teilte Journalisten in New York
mit, an den Einzelheiten der Frage, wie die Sanktionen aufgehoben werden sollten,
werde noch gearbeitet. Wahrscheinlich werde man auf eine schrittweise Lösung
zielen. Für die Entscheidung ist der Sicherheitsrat zuständig, in dem allerdings
Russland, Frankreich und China als ständige Mitglieder - und prominente Kritiker
des militärischen Vorgehens gegen Irak - ein Veto-Recht haben.
US-Regierungsvertreter haben erklärt, in Washington rechne man nicht damit, dass
sich die genannten Mächte als "Hindernis" erweisen würden.
Ob die USA den Inspektoren, die vor dem Krieg den Irak und ihre Arbeit dort
unvollendet hatten verlassen müssen, nun auf einmal die Rückkehr empfehlen
möchten, ist offen. Aus der Sicht anderer Ratsmitglieder würde ein von den USA
geführter Inspektionsprozess nach dem Kriegsgeschehen im Irak wohl die nötige
Glaubwürdigkeit vor der Weltöffentlichkeit fehlen.
Bush zog bei seinem Rede-Auftritt in St. Louis in Missouri erneut die Parallele
zwischen dem Irak und der von ihm propagierten weltweiten
Terrorismus-Bekämpfung: "Seit dem 11. September sind wir im globalen Krieg
gegen den Terror engagiert. (...) Dieser Krieg geht weiter, und wir sind dabei, ihn zu gewinnen", fuhr Bush unter Beifall
der Boeing-Arbeiter fort.
Missouri ist das Bundesland des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Richard Gephardt. Beobachter sehen im
Auftritt Bushs dort zugleich ein Signal im Blick auf den beginnenden Wahlkampf Bushs im Blick auf das Wahljahr
2004. (Quelle: rtr)
Syrien erklärt sich zu Kooperation mit USA bereit
Do.17.04.03 - Syrien hat sich am Mittwoch im Interesse des irakischen
Volkes zur Kooperation mit den USA bereit erklärt. Die US-Forderung nach
Schließung von Büros extremistischer Palästinensergruppen wies das Land aber
zurück.
"Syrien wird immer in Angelegenheiten kooperieren, die den Interessen des
irakischen Volkes dienen", sagte eine Sprecherin des syrischen
Außenministeriums. Das Land wünsche sich Stabilität und Sicherheit in der Region,
wolle aber die volle Wiederherstellung arabischer Rechte. Bei den Büros der
Palästinensergruppen Hamas und Islamischer Dschihad in Damaskus handele es
sich um Pressebüros. "Sie haben nur das Recht auf freie Meinungsäußerung, das
soweit ich weiß auch in den Vereinigten Staaten garantiert ist", sagte die
Sprecherin.
Die USA haben Syrien auf ihre Liste der Staaten gesetzt, die nach
US-Einschätzung den Terrorismus unterstützen. Syrien hat dies zurückgewiesen,
ebenso wie den Vorwurf, es entwickele chemische Waffen. US-Außenminister Colin
Powell hatte am Montag erklärt, die USA prüften diplomatische und wirtschaftliche
Sanktionen gegen Syrien. Die USA werfen der Regierung in Damaskus zudem vor,
sie habe Mitgliedern der gestürzten irakischen Führung Unterschlupf gewährt. Auch
dies hat Syrien bestritten.
Die Beziehungen zwischen Syrien und den USA seien besser als Medienberichte
den Anschein machten, sagte die Sprecherin des syrischen Außenministeriums.
"Die Tür ist nicht zu. Wir sind im Gespräch. Der amerikanische Botschafter trifft
unseren Vizeaußenminister alle zwei Tage - der Dialog ist im Gange", sagte sie.
Powell habe in der Vergangenheit Syrien besucht und sei weiterhin sehr
willkommen.
Angesichts der Spannungen mit Syrien zieht US-Außenminister Colin Powell eine Reise nach
Damaskus in Betracht. Ein genauer Termin liege allerdings noch nicht vor, sagte ein Ministeriumssprecher in
Washington.
Syrien legte indes im UN-Sicherheitsrat einen Reolutionsentwurf für einen von
Massenvernichtungswaffen freien Nahen Osten vor. Israel sei das einzige Land der
Region, das den entsprechenden internationalen Abkommen nicht beigetreten sei,
sagte der syrische UN-Botschafter Michail Wehbe vor Journalisten in New York. Der
Resolutionsentwurf soll im Laufe des Tages zunächst auf Expertenebene von den
Mitgliedern des Sicherheitsrats diskutiert werden. US-Botschafter John Negroponte
sagte, ihm bereiteten die "Massenvernichtungswaffen Sorgen, die Syrien selbst
besitzt."
Der syrische Vorschlag, der von den Ländern der Arabischen Liga unterstützt wird,
ist nicht neu. In den 70er Jahren hatten sich bereits Iran und Ägypten für einen von Atomwaffen freien Nahen Osten
eingesetzt, 1980 schloss sich die UN-Generalversammlung der Forderung an. Ihre Durchsetzung scheiterte bislang an
der israelischen Weigerung, den Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen. Den Besitz von Atomwaffen hat Israel nie
offiziell eingeräumt. (Quellen: rtr, afp)
Iran: USA müssen Drohungen gegen Syrien unterlassen
Do.17.04.03 - Der iranische Präsident Mohammad Chatami hat die USA
aufgefordert, ihre Drohungen gegen Syrien zu unterlassen.
"Unser Ratschlag an die Amerikaner ist, solche Drohungen zu unterbinden", sagte
Chatami am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung in Teheran. "Wir lehnen
US-Drohungen und Behauptungen über uns ab, und ich denke, so geht es auch
Syrien". Chatami fügte hinzu, er rechne nicht mit einem Militärschlag der USA
gegen Syrien. "Es ist unwahrscheinlich, dass die USA dazu in der Lage sind und es
ist unwahrscheinlich, dass die Welt eine Wiederholung von dem zulässt, was im
Irak geschah", sagte der Präsident mit Verweis auf den Irak-Krieg, den die
US-geführten Streitkräfte am 20. März begonnen hatten.
US-Außenminister Colin Powell sagte am Dienstag, es
gebe "keine Kriegspläne" für Syrien oder Iran, obwohl die USA davon ausgingen,
dass beide Ländern nach Massenvernichtungswaffen strebten. US-Präsident George
W. Bush hatte Iran zusammen mit Irak und Nordkorea als "Achse des Bösen"
bezeichnet.
Der Iran hatte den Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein begrüßt, aber
gleichzeitig den US-Militärschlag gegen den Irak als Angriff auf den Islam und alle
Moslems bezeichnet. "Wir hoffen, dass die Besatzer den Irak bald verlassen", sagte
Chatami. (Quelle: rtr)
Spannungen zwischen Kurden und Turkmenen
Do.17.04.03 - Eine Schiesserei in der nordirakischen Stadt Kirkuk hat zu erhöhten Spannungen
zwischen Turkmenen und Kurden geführt. Vertreter der beiden Volksgruppen
streiten sich darüber, wer die Bevölkerungsmehrheit in der Stadt bildet. Amerikanische
Soldaten versuchen, die aufgeheizte Stimmung durch verstärkte Präsenz zu entschärfen.
(Quelle: nzz) Mehr unter:
«Demokratische Verhältnisse im Irak? - Ungünstige Rahmenbedingungen für eine Transformation»
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UNESCO berät über Rettung irakischer Kulturgüter
Do.17.04.03 - Nach den Plünderungen zahlreicher irakischer Kulturstätten
während des Krieges versuchen rund 30 Irak-Experten eine
Bestandsaufnahme vorzunehmen. Bei dem Treffen am Sitz der
UN-Kulturorganisation UNESCO in Paris soll auch eine Strategie
beraten werden, um die noch unbeschädigten Güter zu sichern
und möglichst viele der geplünderten oder zerstörten
archäologischen Schätze zu retten.
Allein im berühmten Museum für Archäologie in Bagdad sollen rund 170.000 teils
aus Abrahams Zeiten stammende Stücke gestohlen oder zerstört worden sein. So
schnell wie möglich wollen UNESCO-Fachleute nach Irak reisen. Zu den in Paris
erwarteten Experten zählt der Direktor des Britischen Museums, Neil MacGregor.
(Quelle: afp)
Plündern nach Plan? - Bagdads Bewohner angeblich von US-Armee zu Zerstörungen angestiftet
Mehr unter:
Neue Proteste gegen Irak-Krieg am Rande von EU-Gipfel in Athen
Do.17.04.03 - Am Rande des EU-Erweiterungsgipfels in Athen haben am
Mittwochnachmittag erneut tausende Menschen gegen den Irak-Krieg demonstriert.
Mit Parolen wie "Amerikaner, Völkermörder!" und "Nein zur Besetzung Iraks" zogen
mehrere tausend Menschen durch die Straßen der griechischen Hauptstadt bis zur
US-Botschaft. An den Botschaften Großbritanniens, Spaniens und Italiens machten
sie zwischendurch Halt. Auf Schildern wurden der britische Premierminister Tony
Blair sowie die Regierungschefs Spaniens und Italiens, José María Aznar und Silvio
Berlusconi, als "Kriegsverbrecher" bezeichnet. Die Demonstranten waren einem
Aufruf der kommunistischen Partei gefolgt.
Bei Demonstrationen gegen den EU-Gipfel ist es zu gewalttätigen
Ausschreitungen in Athen gekommen. Laut Polizei warfen maskierte Jugendliche
Molotow-Cocktails auf Geschäfte und Autos. Sicherheitskräfte gingen mit
Tränengas gegen die Randalierer vor. (Quellen: afp, dpa)
EU besiegelt größte Erweiterungsrunde ihrer Geschichte
Do.17.04.03 - Die Europäische Union (EU) besiegelte am Mittwoch in Athen die
größte Erweiterungsrunde ihrer Geschichte. Die 15 EU-Staaten und die zehn neuen Mitglieder
unterzeichneten in einer feierlichen Zeremonie die Beitrittsverträge am Fuße der Akropolis - dem
Symbol der demokratischen Vergangenheit Griechenlands. Einhellig würdigten die 25 Staats- und
Regierungschefs das Ereignis als historisch. Die EU wächst damit auf einen Wirtschaftsraum mit 450
Millionen Menschen.
Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Slowenien,
Malta und Zypern treten der EU offiziell am 1. Mai 2004 bei. Bis dahin müssen die
nationalen Parlamente die Verträge ratifizieren. Es stehen auch noch Referenden in
einzelnen Beitrittsstaaten aus. Die zehn Staaten nehmen künftig an allen
EU-Beratungen teil, wenn auch noch ohne Stimmrecht.
Viele Staats- und Regierungschefs verglichen die Vertragsunterzeichnung mit dem
Fall des "Eisernen Vorhangs". Bundeskanzler Gerhard Schröder würdigte den Mut
der Völker Ost- und Mitteleuropas auf dem Weg zur Demokratie. "Europa ist für
Deutschland und die Deutschen weit mehr als nur ein Markt", sagte Schröder.
"Erst heute ist die Berliner Mauer wirklich eingestürzt", sagte der amtierende
niederländische Regierungschef Jan-Peter Balkenende.
Stellvertretend für viele seiner Kollegen aus Ost- und Mitteleuropa sagte der tschechische Ministerpräsident Vladimir
Spidla: "Der Vertrag schließt ein Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte. Ein blutiges Kapitel."
Auch die Staats- und Regierungschefs der "alten" EU erinnerten an das Leid der Staaten Ost- und Mitteleuropas
unter kommunistischer Herrschaft. Der dänische Regierungschef Anders Fogh Rasmussen nannte den
Ungarn-Aufstand von 1956 und den Prager Frühling von 1968, die blutig niedergeschlagen worden waren. "Lassen sie
mich Ihnen Tribut zollen - Sie haben harte Arbeit geleistet", wandte sich Rasmussen an die Völker der neuen
Mitglieder.
Der spanische Regierungschef José Maria Aznar sagte: "Wir beenden heute einen Prozess, der 1989 mit dem Fall
der Berliner Mauer und der totalitären Regime begonnen hat."
Der französische Staatspräsident Jacques Chirac hob hervor, dass die EU auf der Weltbühne deutlich an Gewicht
gewinnen werde. "Wenn wir diesen historischen Augenblick zu nutzen wissen, um das politische Projekt Europas auf
eine neue Grundlage zu stellen, wird diese Erweiterung gelingen", sagte Chirac.
Nach österreichischen Angaben nahm der türkische Außenminister Abdullah Gül nicht an der Zeremonie in der
historischen Stoa des Attalos teil. Die Türkei war von Griechenland ausdrücklich eingeladen worden. Die Türkei ist
zwar EU-Kandidat, mit ihr wird aber noch nicht über einen Beitritt verhandelt. Auch die Kandidaten Rumänien und
Bulgarien müssen noch länger auf einem Beitritt warten.
Überschattet wurden die Feierlichkeiten von dem anhaltenden Streit über die notwendigen Reformen, die das
Funktionieren einer EU mit 25 Mitgliedern garantieren soll. Bei einer Debatte vor der Unterzeichnung lehnten sich vor
allem die kleineren und mittleren Mitglieder dagegen auf, dass die EU einen dauerhaft amtierenden Präsidenten
bekommen soll. Dieser Vorschlag kommt von den großen Staaten wie Frankreich, Spanien, Großbritannien. Die
kleineren Partner fürchten um ihren Einfluss und eine Schwächung der EU-Kommission.
(Quelle: dpa)
Streit um künftige Führungsspitze der EU
Do.17.04.03 - Die bald auf 25 Mitglieder erweiterte Europäische Union bleibt bei der notwendigen
Reform ihre Führungsspitze zerstritten. Beim Sondergipfel der EU am Mittwoch in Athen lehnten vor
allem die kleineren Länder den Vorschlag ab, künftig einen hauptamtlichen Präsidenten des Rats der
Staats- und Regierungschefs zu berufen. Sie sehen darin eine Schwächung der
EU-Kommission, die vor allem für einen Ausgleich zwischen Groß und Klein in der
Gemeinschaft sorgen soll.
Auch als Folge des Streits um den Irak-Krieg, der die EU tief gespalten hatte, gab
es dagegen weit gehende Übereinstimmung zur die Schaffung eines
EU-Außenministeramtes. Der EU-Außenminister soll sowohl im Rat der EU-Staaten
als auch in der Kommission integriert sein. Der Präsident des
EU-Verfassungskonvents, der frühere französische Staatspräsident Valéry Giscard
d'Estaing, will ungeachtet der noch offenen Fragen Ende des Monats seinen
Vorschlag für die neue EU-Verfassung vorlegen. Die Ergebnisse der
Konvent-Beratungen, an der Delegierte von allen alten und neuen EU-Staaten
teilnehmen, sollen dann dem Gipfel in Thessaloniki am 20. Juni präsentiert werden.
Bundesaußenminister Joschka Fischer rechnet weiterhin mit einer breiten
Übereinstimmung in allen noch strittigen Verfassungsfragen. "Die noch
unterschiedlichen Positionen sind alle überbrückbar". Er warb darum, jetzt auch die
strittigen Entscheidungen zu treffen und dafür die derzeitige "politische Dynamik"
zu nutzen. Auch in der Frage der "Doppelspitze" mit einem EU-Ratspräsidenten
neben dem Kommissionschef sieht Fischer noch Kompromissmöglichkeiten.
Er versuchte auch die Kritik an dem für Ende April geplanten "Mini-Gipfel" von
Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg über eine Verteidigungsunion zu
entschärfen. Dieses Treffen bewege sich im Rahmen der EU-Verfassungsdebatte.
"Wenn damit die europäische Säule in der NATO gestärkt wird, so ist das auch Ziel unserer Politik."
Die kleineren Länder der bisherigen und der erweiterten EU hatten sich in Athen zunächst separat getroffen und ihre
Positionen abgestimmt, die dann der luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker in der großen Runde
vortrug: "Wir sind gegen einen EU-Präsidenten außerhalb des Rates. (...) Das Gleichgewicht der Institutionen muss
erhalten bleiben." Chirac und Blair sprachen sich dagegen deutlich für einen neuen EU-Präsidenten aus.
Giscard zeigte in dieser Frage keine Kompromissbereitschaft. "Was von Giscard als Konsens gesehen wird, ist noch
kein Konsens", sagte Juncker. Giscard selbst sprach von "mittleren Wegen", die sich bei dem Streit um einen
EU-Präsidenten und bei der künftigen Zusammensetzung der Kommission abzeichneten.
Dem Vernehmen nach könnte einer der Kompromisse sein, dass der Rat der Staats- und Regierungschefs nur noch
auf wesentliche Grundsatzfragen beschränkt wird und weiterhin im Vorsitz alle sechs Monate rotiert. Dagegen würden
die Räte der Fachressorts mehr Aufgaben bekommen.
Die "Doppelspitze" für die Führung der künftigen EU war Teil des deutsch-französischen Kompromissvorschlags für
den Konvent. Im Gegenzug hatte Frankreich der Wahl des Kommissionschefs durch das EU- Parlament zugestimmt.
Zur Position der "Kleinen" in der EU sagte der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, es gehe ihnen
"nicht um das Beharren auf dem status quo (...). Wir glauben vielmehr, dass die rotierende Präsidentschaft absolut
sinnvoll ist und erhalten werden muss". (Quelle: dpa)
UNO verurteilt Nordkorea wegen Menschenrechtsverletzungen
Do.17.04.03 - Die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen (UNO) hat
erstmals das kommunistische Nordkorea wegen Menschenrechtsverletzungen
verurteilt.
Nordkorea habe die Menschenrechte in den vergangenen Jahrzehnten häufig und in
schwerer Weise verletzt, urteilte die Menschenrechtskommission der UNO am
Mittwoch in Genf. Sie warf der Führung in Pjöngjang "Folter und andere grausame,
unmenschliche und entwürdigende Behandlung und Bestrafung" Andersdenkender
vor. Zudem werde in Nordkorea die Meinungs- und Religionsfreiheit massiv
eingeschränkt, hieß es.
Die Resolution war von der Europäischen Union (EU) und den USA eingebracht
worden und und mit 28 zu zehn Stimmen bei 14 Enthaltungen angenommen
worden. Nordkorea wies die Vorwürfe zurück und warf der EU ein politisch
motiviertes Vorgehen vor. "Der Entwurf ist voller Erfindungen. Die EU handelt immer
arrogant", sagte der nordkoreanische Botschafter Ri Tcheul.
Menschenrechtsorganisationen sagten, die Verurteilung sei überfällig gewesen.
(Quelle: rtr)
USA sprechen mit Nordkorea und China über Atomkrise
Do.17.04.03 - Erstmals seit Beginn der Atomkrise vor einem halben Jahr
treffen sich hochrangige Vertreter der USA und
Nordkoreas kommende Woche zu gemeinsamen
Gesprächen mit China. Regierungsvertreter der drei
Staaten wollen vom 23. bis 25. April in Peking über den
Streit um das nordkoreanische Atomprogramm sprechen,
wie das US-Außenministerium in Washington bestätigte. Pjöngjang hatte auf
bilateralen Gesprächen bestanden, zuletzt aber eingelenkt. Trotz dieses ersten
Durchbruchs zeigte sich Washington wenig zuversichtlich, dass bereits in der
kommenden Woche eine Einigung erzielt werde.
Nordkorea hatte sich monatelang gegen den US-Vorschlag gewehrt, andere Staaten
der Region an den Gesprächen zu beteiligen. Schließlich stimmte Pjöngjang einem
Kompromissvorschlag Pekings für Dreier-Gespräche zu, wie der südkoreanische
Außenminister Yoon Young-Kwan in Seoul sagte. Sükorea sei auf Wunsch des
Nachbarlandes ausgeschlossen worden.
Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi begrüßte die Aufnahme von
Gesprächen, wie die Nachrichtenagentur Jiji meldete. Er hoffe, die USA würden
Nordkorea drängen, die Teilnahme Japans zu akzeptieren, sagte der
Regierungschef. US-Diplomaten zufolge soll während der Gespräche täglich
Rücksprache mit Seoul und Tokio gehalten werden.
Die nordkoreanische Zeitung "Minju Joson" schrieb, die Krise könne beigelegt
werden, wenn Washington sie "ernsthaft und ehrlich" angehe. Pjöngjang sei zu
jeder Form des Dialogs bereit. Die USA müssten aber ihre feindliche Haltung
aufgeben. Pjöngjang wirft der Regierung von US-Präsident George W. Bush vor,
einen Atomangriff auf das isolierte und verarmte Land zu planen.
"Wir rechnen nicht mit einem schnellen Durchbruch", sagte ein Vertreter des
US-Außenamtes. Peking soll nach US-Angaben bei dem angekündigten Treffen eine aktive Rolle übernehmen. China
pflegt traditionell freundschaftliche Beziehungen zu Nordkorea. Die US-Delegation wird den Angaben zufolge vom
Abteilungsleiter für Asien im US-Außenamt, James Kelly, geleitet.
Kellys letzter Besuch in Pjöngjang im Oktober 2002 hatte die Krise ausgelöst. Er hatte Pjöngjang vorgeworfen, trotz
eines seit 1994 geltenden Verbotes ein Atomprogramm wieder aufgenommen zu haben.
(Quelle:afp)
Nordkorea bittet Südkorea um Reis und Dünger
Do.17.04.03 - Die nordkoreanische Regierung hat Südkorea am Donnerstag um Reis
und Düngemittel gebeten, wie das Rote Kreuz mitteilte. Tags zuvor war bekannt
geworden, dass die USA und Nordkorea erstmals seit Beginn ihres
sechsmonatigen Streits um das nordkoreanische Atomprogramm zu
Verhandlungen zusammenkommen wollen. (Quelle: ap)
US-Armee versprühte in Vietnam weit mehr Dioxin als bislang angenommen
Do.17.04.03 - Die US-Armee und ihre südvietnamesischen Verbündeten haben
im Vietnam-Krieg weit größere Mengen des hochgiftigen Entlaubungsmittels Agent Orange
eingesetzt als bislang bekannt. Millionen von Vietnamesen seien direkt mit Dioxin-haltigen Mitteln
besprüht worden, heißt es in einem aktuellen Beitrag des britischen Wissenschaftsmagazins "Nature" nach
der Auswertung von US-Militärarchiven.
Nach Angaben des vietnamesischen Roten Kreuzes leiden noch
heute mehr als eine Million Menschen an den Folgen des Chemikalien-Einsatzes. Hunderttausende Kinder
wurden mit Missbildungen geboren. Dem "Nature"-Bericht zufolge muss allein die Agent-Orange-Bilanz des
Vietnam-Kriegs auf 52 Millionen Liter heraufgesetzt werden. Einschließlich anderer Mittel wurden demnach
mindestens 83 Millionen Liter Umweltgifte eingesetzt, um in den damals von den Nord-Vietnamesen
kontrollierten Gebieten Wälder zu entlauben und landwirtschaftliche Produkte zu verseuchen. Die
Schätzungen für die dabei verwendete Dioxin-Menge wurden beinahe verdoppelt.
Das Gift setzten die
US-Armee und die Süd-Vietnamesen in der Zeit von 1961 bis 1971 ein. Wie aus den Militärarchiven
hervorgeht, wurden die Mittel bei insgesamt 19.905 Flugeinsätzen versprüht. Vor allem in der ersten
Kriegsphase (1962-65) seien extrem schädliche Entlaubungsmittel eingesetzt worden, erklärte das Team um
Jeanne Mager Stellman von der Columbia-Universität in New York. Auch sei das Gesamtgebiet, in dem die
Mittel zum Einsatz kamen, größer als bislang dokumentiert. Die New Yorker Wissenschaftler gehen davon
aus, dass dort während des Agent-Orange-Einsatzes 4,8 Millionen Menschen lebten.
(Quelle: info.partisan.net)
Internationale Friedensaktivisten und israelische Journalisten konfrontieren
die Gesellschaft Israels mit den täglichen Verbrechen der Besatzungsmacht
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Deutschland: Parlamentarische Linke will bei Reformen deutliche Änderungen
Do.17.04.03 - Die Linken der SPD-Fraktion im Bundestag haben im Streit mit
Bundeskanzler Gerhard Schröder Reformen nicht grundsätzlich in Frage gestellt,
jedoch Änderungen gefordert.
Die SPD-Gruppe Parlamentarische Linke verlangt nach einem ARD-Bericht von der
Parteiführung gravierende Änderungen am geplanten Reformpaket. So
lehnten es die Abgeordneten in einem Positionspapier ab,
das Krankengeld künftig allein von den Arbeitnehmern
finanzieren zu lassen, berichtete die "Tagesschau" am Mittwoch.
Außerdem solle das Arbeitslosengeld für über 55-Jährige länger als 18 Monate
gezahlt werden. Die Arbeitslosenhilfe solle zudem nach der Zusammenlegung mit
der Sozialhilfe über dem heutigen Sozialhilfeniveau liegen, heißt es in dem Papier.
Das Papier sei am Dienstag dem Parteichef, Bundeskanzler Gerhard Schröder,
sowie SPD-Fraktionschef Franz Müntefering zugeleitet worden, hieß es weiter. Nach
einem Bericht der "Rheinschen Post" will sich Schröder Anfang kommender Woche
mit den Verfassern treffen. Zur Parlamentarischen Linken zählen sich mehr als 100
Bundestagsabgeordnete.
Ihr Sprecher, Fraktionsvize Michael Müller, sagte der Tageszeitung "Die Welt":
"Unser Papier ist ein klares Bekenntnis zum Reformbedarf. Zugleich legen wir
Verbesserungsvorschläge vor, um soziale Härten zu vermeiden." Er bestätigte, dass
es um Modifizierungen zu den von Schröder geplanten Regelungen zur
Arbeitslosenhilfe und beim Krankengeld gehe.
Zwölf SPD-Bundestagsabgeordnete hatten ein Mitgliederbegehren in der SPD ins
Leben gerufen, um den ihrer Ansicht nach geplanten Sozialabbau zu verhindern. Ein
nicht genannter Mitunterzeichner sagte dem Berliner "Tagesspiegel", inzwischen
hätten auch andere SPD- Parlamentarier ihr Interesse an der Aktion bekundet. Der Mitinitiator des
Mitgliederbegehrens, der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel, kündigte gegenüber der "Bild"-Zeitung an: "Wir
werden jetzt versuchen, bis zum Sonderparteitag (am 1. Juni) so viele Unterschriften wie möglich zu sammeln, um
unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen."
Der frühere SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine unterstützt das Mitgliederbegehren. Lafontaine sagte der
"Bild"-Zeitung: "Der SPD laufen die Wähler und Mitglieder davon, daher ist ein Kurswechsel dringend erforderlich."
Der niedersächsische SPD-Fraktionschef Sigmar Gabriel kritisierte das Mitgliederbegehren scharf. "Die Initiatoren
negieren vollständig den Reformdruck in Deutschland und betreiben somit eine Oppositionsstrategie", sagte Gabriel
der "Berliner Zeitung»" Aber auch die Strategen an der Parteispitze agierten falsch, indem sie den Sonderparteitag zur
Kanzlerfrage stilisierten. Der breite Wunsch nach einer Kursbestimmung in der SPD dürfe nicht übergangen werden.
Der Vizevorsitzende der IG Metall, Jürgen Peters, erneuerte seine Kritik am Schröders Reformplänen. Sie würden "die
soziale Schieflage, die die Kohl-Regierung durchgesetzt hatte" noch verstärken, sagte er der "Frankfurter
Rundschau". Auch Peters wandte sich dagegen, dass Arbeitnehmer die Krankengeld-Versicherung künftig allein
bezahlen sollen.
Im Gegensatz zur IG Metall will der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) seine SPD-Mitglieder nicht zu einer
Beteiligung an dem Mitgliederbegehren aufrufen. "Das ist eine Angelegenheit der Partei. Der DGB fährt einen
eigenständigen Kurs", sagte DGB-Sprecher Markus Franz der "Financial Times Deutschland" (FTD). Auch der Verdi-
Bundesvorstand und die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) winkten ab. "Wir mischen uns grundsätzlich nicht in
die inneren Angelegenheiten einer Partei ein", sagte ein Sprecher der FTD.
Industriepräsident Michael Rogowski stellte sich erneut hinter Schröders Projekt. Das Frühjahrsgutachten habe
gezeigt, dass der Bundeskanzler nicht locker lassen dürfe. "Er muss die Agenda 2010 eins zu eins umzusetzen",
forderte Rogowski im "Handelsblatt". (Quelle: dpa)
Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), rät Kanzler Schröder, im Kampf gegen die SPD-Reformkritiker knallhart zu bleiben.
Bei Arbeitslosen müsse gespart werden, egal ob dies zu neuen Jobs führt oder nicht. Das bisherige Leistungsniveau sei auf jeden Fall zu teuer
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Umweltschützer wollen gegen FRM II klagen
Do.17.04.03 - Die Zustimmung des Bundesumweltministeriums zum Betrieb des
Garchinger Forschungsreaktors stößt bei Umweltverbänden auf
heftige Kritik. Die "Bürger gegen Atomreaktor Garching" kündigen
an, dass sie gegen die Betriebsgenehmigung "juristisch
vorgehen und Klage erheben" wollen. Man dürfe die "Heimat"
nicht "Atomsturköpfen überlassen". Er sei "schockiert", dass der
Bund dem jahrelangen Druck der bayerischen Staatsregierung
nun doch nachgegeben habe, sagt Hubert Weiger, Vorsitzender
des Bundes Naturschutz in Bayern. Wegen möglicher Störfälle
stelle der Reaktor eine unkalkulierbare Gefahr für die Menschen
im Großraum München dar. Aus Sicht der Naturschützer gebe es
"keine wissenschaftliche Notwendigkeit" für die Neutronenquelle.
Auch die Stadt München wird voraussichtlich klagen, schließlich
hatte dies der Stadtrat beschlossen.
Das Bayerische Umwelt-Ministerium prüfte gestern die 100-seitige
Stellungnahme aus Berlin. Erst heute will Bayerns Umweltminister
Werner Schnappauf mitteilen, ob ihm die Auflagen zu streng und
damit unerfüllbar sind. Schon in einer Woche will Schnappauf die
Betriebsgenehmigung für den eine halbe Milliarde teuren Reaktor
erteilen.
Ob die Klagen aufschiebende Wirkung haben, ist fraglich. Die
Klagen gegen die erste und zweite Teilgenehmigung waren
gescheitert. Schon in zwei Monaten soll der Reaktor angefahren
werden. Christine Kamm, Spitzenkandidatin der schwäbischen
Grünen für die Landtagswahl im September, kritisiert Trittin: "Ich
bezweifle, dass der Umweltminister alle seine Mittel ausgeschöpft
hat." (Quellen: sz, taz)
Naturschützer schlagen Alarm:
FRM II-Reaktor gefährdet Bevölkerung im Ballungsraum München
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Zahl der rechtsextremistischen Gewalttaten offenbar gestiegen
Do.17.04.03 - Die Zahl der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten ist einem
Zeitungsbericht zufolge im vergangenen Jahr wieder gestiegen. Laut "Hamburger
Abendblatt" (Donnerstagausgabe) wurden 2002 insgesamt 772 Fälle registriert.
2001 seien es 709 Gewalttaten gewesen. Die Zeitung zitiert den niedersächsischen
SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy mit diesen Zahlen aus der
Statistik des Bundesinnenministeriums. Edathy leitet die Arbeitsgruppe
Rechtsextremismus seiner Fraktion.
Insgesamt stieg demnach die Zahl der politisch motivierten Straftaten, die als
extremistisch eingestuft werden, von 12.562 auf 12.759. Davon werden 10.903 Fälle
den Rechtsextremisten zugeordnet. "Das Problem hat an Schwere und
Gewichtigkeit nicht verloren", zitiert das Blatt den SPD-Politiker.
(Quelle: ap)
Am 19. April: Sechzig Jahre Warschauer Getto-Aufstand
Als deutsche Truppen am 19. April 1943 alle im Warschauer
Getto lebenden Juden nach Auschwitz deportieren wollten, stießen sie
überraschend auf Widerstand. Der Aufstand der mit dem Mut der Verzweiflung
kämpfenden Frauen und Männer gegen die Waffen-SS dauerte vier Wochen bis zum
16. Mai 1943. Die letzten Überlebenden wurden in Vernichtungslager
abtransportiert.
Im Herbst 1940 pferchte die deutsche Besatzungsmacht in der polnischen
Hauptstadt mehr als 400.000 Juden in einem später durch Mauern abgetrennten
Stadtviertel ein. In den folgenden zwei Jahren starben dort rund 100.000 Bewohner
an Hunger und Seuchen. Zwischen Juli und September 1942 wurden 300.000
Getto-Insassen in das Konzentrationslager Treblinka deportiert und getötet. Vor
allem junge Juden bildeten daraufhin im Getto Kampfgruppen. Unter enormen
Schwierigkeiten schmuggelten sie Waffen und Munition ein.
Als im Januar 1943 weitere 6.000 Menschen in die Vernichtungslager transportiert
und 1.000 im Getto erschossen wurden, entschlossen sich viele Bewohner zur
Gegenwehr gegen den deutschen Terror. Eine Zentrale Jüdische Kampforganisation
bereitete den Widerstand der etwa 60.000 noch verbliebenen Menschen vor. Es
wurden Tunnel gegraben und Erdbunker gebaut.
Als am 19. April 1943 schwerbewaffnete SS- und Polizeitruppen die Bewohner abholen wollten, begann ein erbitterter
Straßenkampf. Die Deutschen brachen den Widerstand Haus um Haus, unter Einsatz von Artillerie und Panzern. Am
8. Mai fiel der Hauptbunker der Kampforganisation. Am 16. Mai meldete der SS- und Polizeiführer Jürgen Stroop das
Ende der «Großaktion», bei der mehr als 56.000 Juden getötet wurden und eine unbekannte Zahl bei Bränden und
Sprengungen oder verzweifelten Sprüngen aus Fenstern ums Leben kamen. Die Überlebenden wurden nach
Auschwitz gebracht und vergast. Das Getto wurden dem Erdboden gleich gemacht.
Im ehemaligen Zentrum des Gettos wurde nach dem Krieg ein Mahnmal für die jüdischen Opfer errichtet. Als im
Dezember 1970 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt vor dem Mahnmal niederkniete, um die Opfer des
Warschauer Getto-Aufstandes zu ehren, ging dieses Bild um die Welt.(Quelle: ap)
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