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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mo.21.04.03, 12:15 Dreiunddreißigster Kriegstag in Irak
Baldige Erklärung des Kriegsendes im Irak erwartet +++
Exgeneral Garner in Bagdad eingetroffen +++
Bagdads Zivilverwaltung nimmt Gestalt an +++
Rotes Kreuz warnt vor Gewalt in Irak bei ausbleibender Hilfe +++
EU-Beauftragter Javier Solana: Irakische Regierung braucht Legitimation durch die UNO +++
Ein weiterer Irakischer Minister ist gefasst +++
Zeitung: USA wollen Militärbasen im Irak langfristig nutzen +++
EU-Außenkommissar Chris Patten fordert Rückkehr der UN-Inspektoren +++
Nato prüft angeblich Einsatz zur Irak-Friedenssicherung
Mo.21.04.03 - Die Irak-Kriegsalliierten werden nach den Worten des australischen
Außenministers Alexander Downer schon in wenigen Tagen offiziell ihren Sieg erklären.
Die USA, Großbritannien und Australien hätten bereits darüber beraten, wie und auf
welche Weise dies geschehen solle, sagte Downer nach Angaben des australischen
Rundfunksenders ABC vom Sonntag.
Mit einer Erklärung des Kriegsendes sei innerhalb der nächsten Tage zu
rechnen,sagte der australische Außenminister. Die Proklamation des Sieges
müsse "rechtlich absolut akkurat" sein und "den richtigen politischen Ton treffen".
Australien ist mit rund 2000 Soldaten am Krieg gegen den Irak beteiligt.
Der von den USA mit dem Wiederaufbau Iraks beauftragte Exgeneral
James Garner ist am Montag in der irakischen Hauptstadt eingetroffen. Garner soll
eine Übergangsverwaltung leiten, die später dann Befugnisse an Iraker abgibt. Es
gebe nicht besseres, als anderen Menschen zu helfen und "das wollen wir hier",
sagte Garner bei seiner Ankunft auf dem Bagdader Flughafen. Er kam aus Kuwait.
Die neue Zivilverwaltung von Bagdad nimmt langsam Gestalt an.
Schon morgen sollen die Angehörigen der 22 Komitees, die für den Wiederaufbau
der Infrastruktur und andere drängende Probleme gebildet wurden, ihre Arbeit
aufnehmen. Ziel sei es nun, für Sicherheit auf den Straßen zu sorgen, hieß es. Nur
so könnten die US- Armee und die neue Verwaltung auch das Vertrauen der Bürger
gewinnen. Die Sicherheitsfrage sei noch wichtiger als die Versorgung mit Strom und
sauberem Wasser und der Wiederaufbau des Gesundheitswesens.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat vor Gewaltakten
gegen die US-Besatzungsmacht in Irak gewarnt, sollte sich die Versorgungslage
nicht rasch verbessern. Das größte Problem der US-Übergangsverwaltung unter
dem ehemaligen US-General Jay Garner werde "der totale Zusammenbruch der
Infrastruktur" sein, sagte IKRK-Sprecher Roland Huguenin-Benjamin am Sonntag
der Nachrichtenagentur AFP in Bagdad. Eine Zivilverwaltung funktioniere nicht,
"wenn die Stücke nicht zusammenpassen". So benötige etwa ein Arzt Sicherheit
vor Plünderern ebenso wie Elektrizität, Wasser und Medikamente. Sollten diese
Probleme nicht gelöst werden, könne es leicht zu Gewalt kommen, die Situation
könnte sich "wirklich sehr schlecht" entwickeln, betonte der IKRK-Sprecher. Die
US-Truppen hätten nach der Genfer Konvention die Pflicht, die Grundversorgung
sicherzustellen.
Eine neue irakische Regierung braucht nach Ansicht des außenpolitischen
EU-Beauftragten Javier Solana eine Legitimation durch die UNO. Die US-geführte
Kriegskoalition dürfe nicht über eine Übergangsregierung in Irak entscheiden "ohne
eine Resolution oder eine Billigung der Vereinten Nationen", sagte Solana der
spanischen Tageszeitung "ABC" (Sonntagsausgabe). Mit Blick auf einen
multilateralen Ansatz für eine politische Neuordnung betonte der
EU-Außenbeauftragte, es sei besser, "andere von dem zu überzeugen, was man
will, als es aufzuzwingen". Die Rolle der Europäischen Union müsse es sein, im
Rahmen der UNO humanitäre Hilfe zu leisten, den Wiederaufbau zu fördern und der
neuen Regierung Legitimität zu verleihen.
Der irakische Minister für Bildung und Forschung wurde von den US-Streitkräften
festgenommen. Das teilte das Zentralkommando der US-Streitkräfte mit. Außerdem
soll sich nach Angaben einer irakischen Oppositionsgruppe ein Schwiegersohn
Saddam Husseins in Syrien gestellt haben. Er werde in Kürze in Bagdad den
US-Truppen übergeben, hieß es. Mit den beiden Männern sind bereits sieben der 55
von den US-Truppen gesuchten Iraker gefasst worden.
Die USA wollen nach US- Medienberichten langfristig im Irak bleiben und dort
militärische Stützpunkte errichten. Das Pentagon hoffe darauf, mit der neuen
irakischen Regierung über vier mögliche Stützpunkte verhandeln zu können,
berichtete die "New York Times" am Sonntag.
"Es wird eine Art
Langzeit-Verteidigungsbeziehung mit einem neuen Irak geben, ähnlich wie mit
Afghanistan", zitierte die Zeitung einen hochrangigen Beamten aus dem
Verteidigungsministerium. "Das Ausmaß dessen muss noch festgelegt werden." Zu
entscheiden sei noch, ob die USA umfassend ausgerüstete Stützpunkte oder nur kleine Basen
betreiben oder lediglich Zugang zu solchen bekommen sollten, hieß es in den Kreisen. Das
Verteidigungsministerium bestätigte den Bericht nicht.
Bei den anvisierten Stützpunkten gehe es um eine Basis beim internationalen Flughafen
Bagdads, eine nahe Nassirijah im Süden des Landes, eine im bislang kurdisch
verwalteten Norden sowie eine im Westen nahe einer Ölpipeline, berichtete die
Zeitung.
Im Zusammenhang mit den Anschlägen am 11. September in den USA habe die Regierung von Präsident George W.
Bush sich verstärkt um die Erlaubnis zur Nutzung von Stützpunkten in Osteuropa, im Mittelmeerraum, im Nahen
Osten und am Horn von Afrika bemüht. "Am 11. September sind wir aufgewacht und haben uns in Zentralasien
wiedergefunden. Wir fanden uns in Osteuropa als der Schwelle zu Zentralasien und dem Nahen Osten wieder wie
niemals zuvor", zitierte die Zeitung aus Ministeriumskreisen.
Der EU-Außenkommissar Chris Patten hat die umgehende Rückkehr der
UN-Waffeninspekteure in den Irak gefordert. Es sei im Interesse aller Beteiligten,
dass die Berichte der Inspekteure das höchste Maß an Glaubwürdigkeit besäßen,
sagte Patten bei einem Besuch in Australien am Ostersonntag. Die arabische und
islamische Welt würde möglichen Waffenfunden im Irak skeptisch
gegenüberstehen, wenn an der Suche nach Massenvernichtungswaffen nur Staaten der Kriegsallianz beteiligt wären,
meinte Patten. Australien unterstützt diese Forderung.
Vorher hatte bereits der UN-Chefwaffeninspekteur Hans Blix die Wiederaufnahme der Waffenkontrollen durch eine von
der Staatengemeinschaft legitimierte Spezialistentruppe gefordert. Washington will hingegen mit einem umfangreichen
Aufgebot an eigenen Waffeninspekteuren im Irak nach Massenvernichtungswaffen suchen.
Die Nato prüft nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung" offenbar die Übernahme eines Einsatzes zur Friedenssicherung
und zum Wiederaufbau im Irak.
Im Bündnis wachse die Bereitschaft, im Irak eine Rolle zu übernehmen, berichtete
die Zeitung am Samstag vorab unter Berufung auf amerikanische Diplomaten sowie
Kreise aus dem Berliner Kanzleramt und dem Außenministerium. Es bestünden
Chancen, dass Frankreich einen solchen Einsatz des Bündnisses nicht verhindern
wolle. Ein Sprecher der Bundesregierung wollte den Bericht am Samstag nicht
kommentieren.
Am vergangenen Dienstag hätten die Nato-Botschafter bei einer geheimen Sitzung
mit Generalsekretär Robertson über ein Irak-Engagement beraten, heißt es in dem Bericht. Zwar
stehe noch keine konkrete Entscheidung an, doch habe man in der Runde der Nato-Botschaft
klären wollen, "was unter den Bündnis-Mitgliedern geht und nicht geht", zitiert die Zeitung in
dem Vorabbericht Kreise aus dem Brüsseler Hauptquartier.
Zehntausende schiitischer Pilger gingen am Sonntag erstmals seit mehr als 20 Jahren auf Wallfahrt in die
zentralirakische Stadt Kerbela. In diesem Wallfahrtsort 80 Kilometer südlich von Bagdad steht die Hussein-Moschee,
die dem im Jahr 680 getöteten Enkel des Propheten Mohammed gewidmet und den Muslimen schiitischer
Glaubensrichtung besonders heilig ist. Die schiitischen Muslime begehen am Dienstag das Ende einer 40-tägigen
Trauerzeit für Hussein.
Unter der Herrschaft des entmachteten Präsidenten Saddam Hussein war die Wallfahrt nach Kerbela verboten.
Schiitische Imame erwarten nach Berichten des US-Nachrichtensenders CNN in Kerbela fünf bis zehn Millionen Pilger
aus dem ganzen Irak. Dabei könnte es nach Meinung von Beobachtern zu antiamerikanischen Demonstrationen
kommen. In Bagdad hielten unterdessen die unter Saddam ebenfalls verbotenen Kommunisten ihre erste öffentliche
Kundgebung ab.
Unter großem Jubel kehrten am späten Samstagabend (Ortszeit) sieben aus irakischer Kriegsgefangenschaft befreite
US-Soldaten in ihre Heimat zurück. Sie landeten im texanischen Fort Bliss. Die Soldaten waren am 13. April - ebenso
wie die später spektakulär befreite Jessica Lynch - bei Nasirija im Süden des Landes in einen irakischen Hinterhalt
geraten.
Papst Johannes Paul II. rief bei der Ostermesse in Rom unter dem Beifall mehrerer zehntausend Gläubiger zum
Frieden im Irak auf. Zugleich mahnte er die Weltgemeinschaft, sich für einen "solidarischen Wiederaufbau" des
zerstörten Iraks einzusetzen. Es müsse unbedingt verhindert werden, dass der Krieg zu einem «dramatischen Konflikt
zwischen den Kulturen und den Religionen» beitrage.
Bei der Explosion eines Blindgängers sind am Samstag in Bagdad ein irakisches Kind und vier US-Soldaten verletzt
worden. Wie das US- Zentralkommando mitteilte, wollte das Kind einer US-Patrouille den Sprengkörper übergeben.
Dabei sei der Blindgänger explodiert. Nach einem Bericht des US-Fernsehsenders CNN handelte es sich um eine
Teilbombe aus einer amerikanischen Streubombe, die bis zu 200 Kleinbomben aussetzt.
In Basra nahmen britische Soldaten 57 Männer fest, die in die Zentralbank der südirakischen Stadt eingebrochen
waren. Wie der britische Sender BBC berichtete, ließen die Briten Panzer vor der Bank auffahren, um weitere
Überfälle zu verhindern.
Führende Museen der Welt wollen nach einem Bericht des «Independent on Sunday» Experten in den Irak schicken,
um bei der Wiedererlangung der dort geraubten Kunstschätze zu helfen.
(Quellen: rtr, afp, dpa, ap)
US-Armee ignorierte offenbar Warnungen von Büro für Wiederaufbau
Mo.21.04.03 - Die US-Armee hat einem Pressebericht zufolge Empfehlungen des Büros für
Wiederaufbau und humanitäre Hilfe (ORHA) ignoriert und dadurch die massiven
Plünderungen irakischer Kulturschätze in Bagdad ermöglicht. Wie die britische
Zeitung "The Observer" (Sonntagsausgabe) berichtete, empfahl das ORHA der
Armeeführung, nach der irakischen Nationalbank vor allem das Nationalmuseum zu
bewachen. Die Plünderung des Museums "würde unwiederbringliche Verluste von
für die Menschheit wichtigen Kulturschätzen herbeiführen", hieß es in dem
Schreiben, das dem "Observer" nach eigenen Angaben vorliegt. Demnach wurde der
Brief bereits am 27. März, eine Woche nach Kriegsbeginn, an mehrere Generäle
verteilt. (Quelle: afp)
Wo sind die sumerische Vase aus Uruk
Die Katastrophe war vorhersehbar und ist doch eingetreten. Im Irak-Krieg wurde ein
Teil des kulturellen Erbes der Menschheit zerstört, ein anderer Teil geriet in die
Hände skrupelloser Kunst-Dealer.
Mo.21.04.03 - Angesichts der Verwüstungen in Bagdad und an
der Wiege der Menschheit im Zweistromland herrscht bei der UNESCO hektische
Betriebsamkeit. Binnen Wochenfrist hat der japanische Chef der
UN-Kulturorganisation, Koichiro Matsuura, 30 Kunst-Experten
zusammengetrommelt. Mit einem Aktionsplan will er größeres Unheil verhindern.
"Seit dem Zweiten Weltkrieg", steht für den britischen Archäologen Alex Hunt schon
jetzt fest, habe es "keine Plünderung von diesem Ausmaß" gegeben. Auch die sumerische
Vase aus Uruk und die silberne Leier aus Ur - zwei Kulturschätze von unschätzbarem Wert -
sind spurlos verschwunden.
In Irak gehe es um "die Wiege der modernen Zivilisation" sowie die "kulturelle Identität" der
Menschheit, unterstreicht Matsuura. Daher verlangte er von Amerikanern und Briten energisch
Anstrengungen für den Schutz der Kulturstätten, richtete einen Irak-Sonderfonds ein und entwarf
einen UN-Beschluss über ein befristetes Verbot des Erwerbs von Kunstschätzen
aus Irak. Schnellstmöglich soll eine Mission vor Ort geschickt werden, um ein
genaues Inventar der Zerstörungen zu erstellen. In Washington wird das Schrillen
der Alarmglocken wohl vernommen. Die US-Bundespolizei FBI schickte Ermittler
nach Bagdad und lobte Prämien für die Rückgabe der Kunstschätze aus.
Die Szenen der Verwüstung sind schockierend. Allein das Nationalmuseum in Bagdad hütete einen Schatz von rund
170.000 Kunstgegenständen aus Mesopotamien, wo vor fünf Jahrtausenden die Reiche der Sumerer, Babylonier und
Assyrer entstanden. "Die amerikanischen Panzer standen vor dem Haupteingang, als die Plünderer durch einen
Nebeneingang eindrangen", schildert der irakische Archäologie-Professor Muadsched Said el Damergi die
dramatischen Stunden. Dutzende Plünderer wüteten in den Ausstellungsräumen. Die Amerikaner hätten "absolut
nichts unternommen", um die Plünderung zu unterbinden, erklärt Damergi.
"Wenn das Ölministerium geschützt wird, das Archäologische Museum aber nicht, zeigt das die Haltung der Koalition
zum kulturellen Erbe", bemerkt auch der Brite Alex Hunt. Die UNESCO verweist auf die Haager Konvention von 1954,
die Kriegsparteien unabhängig von Ursache und Verlauf einer bewaffneten Auseinandersetzung zum Schutz des
Kulturerbes verpflichtet.
Nur ein Teil der Verwüstung kann auf pure Lust am Zerstören oder Wutausbrüche gegen die gestürzte irakische
Führung zurückgeführt werden. Die meisten Plünderer im Nationalmuseum von Bagdad seien offenbar "arm und
ungebildet" gewesen, sagt der irakische Archäologe Musein Kasum. Dazwischen habe es aber "auffallend gut
gekleidete" Leute gegeben, die "Anweisungen erteilten". Sie hätten genau gewusst, wonach sie suchten. Schon nach
dem Golfkrieg vor zwölf Jahren gelangte ein Teil der 4000 Gegenstände, die damals aus Irak verschwanden, auf die
Märkte in Europa. Für Hunt ist es erwiesen, dass "Querverbindungen zum Waffen- und Drogenhandel bestehen".
So könnten die sumerische Vase aus Uruk und die silberne Leier aus Ur schon in Kürze klammheimlich an
steinreiche Interessenten verkauft werden. Bei den bekanntesten Objekten ist jedenfalls nicht anzunehmen, dass sie
schnell ans Licht der Öffentlichkeit gelangen. Die UNESCO appelliert an die großen Museen der Welt und an
Auktionshäuser wie Sotheby's, verdächtige Objekte sofort zu melden. Auch schlug Matsuura eine "Polizei für das
Kulturerbe" in Irak vor. Bislang jedoch wirken die internationalen Wächter der Kultur recht hilflos. Von den 4000
Gegenständen, die nach dem Golfkrieg 1991 verschwanden, konnten nur 54 aufgespürt und an Irak zurückgegeben
werden. Der Direktor des New Yorker Metropolitan Museum, Philippe de Montebello, schlug nun sogar eine
Generalamnestie für alle Plünderer vor, die gestohlenes Kulturgut zurückgeben. (Quelle: afp)
In Krisenzeiten wird rücksichtslos geplündert
Wie in diesen Tagen in Irak, hatten die Wächter des Kulturerbes am Rande revolutionärer
Umbrüche und Kriege in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Verwüstungen zu beklagen.
Etappen der Zerstörung von Kulturgütern:
KULTURREVOLUTION IN CHINA - In der "Großen Proletarischen Kulturrevolution"
nach der Gründung der Volksrepublik China wurde die Zerstörung von Kulturgütern
geradezu zum Programm erhoben. Von 1966 bis 1976 wurden fast alle Tempel,
Kirchen und Moscheen des riesigen Reiches der Mitte verwüstet. Über Jahrzehnte
blieben die Gotteshäuser geschlossen, wenn sie nicht zu Lagern, Fabriken oder
Wohnstätten umgewandelt wurden. Millionen Rotgardisten tobten sich im
Schutz der Partei- und Staatsführung an den Kulturgütern aus. Sie verbrannten Objekte
aus der Jahrtausende alten chinesischen Kultur und Bücher von unschätzbarem Wert.
KRIEG IN KAMBODSCHA - Vom Indochina-Krieg blieb auch die Tempelanlage Angkor Wat in Kamboscha nicht
verschont. Die aus dem 12. Jahrhundert stammende Ruinenstätte, das beeindruckendste Zeugnis des alten
Khmer-Reiches, wurde zwischen 1975 und 1993 weitgehend verwüstet. Nach umfangreichen Sicherungsarbeiten zählt
Angkor Wat inzwischen zum Weltkulturerbe der UNESCO.
BALKANKRIEGE - Bei den Kriegen auf dem Balkan wurden in den 90er Jahren zahlreiche Kulturstätten zerstört. Die
kroatische Küstenstadt Dubrovnik wurde Ende 1991 gezielt mit Artillerie-Geschützen beschossen, was das
Internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag als Verstoß gegen die Haager Konvention zum Schutz von
Kulturgütern von 1954 wertet. Im August 1992 setzten serbische Angreifer die Bibliothek der bosnischen Hauptstadt
Sarajevo in Brand. Rund zwei Millionen Bücher gingen in Flammen auf. Kroatische Truppen zerstörten im November
1993 die Alte Brücke ("Stari Most") in Mostar, die inzwischen wieder aufgebaut wird.
AFGHANISTAN - Die afghanischen Taliban um Mullah Omar ordneten im März 2001 die Zerstörung der
Buddha-Statuen von Bamijan an. Die über 1500 Jahre alten Riesen-Statuen, die vor der Gründung des Islam in den
Fels gehauen worden waren, widersprachen nach Auffassung der moslemischen Fundamentalisten dem Verbot der
Darstellung von Menschen. Seit der sowjetischen Invasion 1979 wurden große Teile des afghanischen Kulturerbes
zerstört. (Quelle: afp)
Mubarak und Assad fordern Ende der Besatzung in Irak
Mo.21.04.03 - Vor dem Hintergrund der politischen Spannungen zwischen Washington und
Damaskus haben der syrische Staatschef Baschar el Assad und sein ägyptischer
Kollege Husni Mubarak ein Ende der Besatzung Iraks durch die USA und ihre
Verbündeten gefordert. Die Präsidenten seien sich bei ihrem Treffen in Damaskus
einig bei der Beurteilung der Lage in Irak gewesen, meldete die staatliche
Nachrichtenagentur SANA am Sonntag. Die künftige irakische Regierung müsse
das gesamte irakische Volk repräsentieren. Demnach stimmten Mubarak und
Assad auch darin überein, dass die territoriale Integrität, die Unabhängigkeit und die
Souveränität Iraks bewahrt werden müssten. Die Staatschefs berieten den Angaben
zufolge auch über den Nahost-Konflikt. (Quelle: afp)
Bush mäßigt Ton gegenüber Syrien
Mo.21.04.03 - US-Präsident George W. Bush hat seinen scharfen Ton gegenüber Syrien
gemäßigt. Syrien beginnt die Botschaft zu verstehen, wie Bush am Sonntag sagte. "Ich glaube,
die syrische Regierung hat uns gehört", fügte er bei einem Besuch des Militärstützpunkts
Fort Hood in der Nähe seiner Ranch in Texas hinzu. Der syrische Präsident Baschir el Assad
hatte zuvor zwei US-Kongressabgeordneten zugesichert, mutmaßlichen
irakischen Kriegsverbrechern kein Asyl zu gewähren.
Der demokratische Abgeordnete Nick Rahall und sein republikanischer Kollege
Darrell Issa erklärten in Damaskus, Assad habe darüber hinaus zugesagt,
Gesuchte wieder auszuweisen. Syrien verfüge über eine Liste mutmaßlicher
Kriegsverbrecher, die länger sei als die von den USA vorgelegte. Das zweistündige
Gespräch der Kongressabgeordneten habe dazu gedient, das Klima zwischen
beiden Staaten vor dem geplanten Besuch von US-Außenminister Colin Powell in
Syrien zu verbessern, erklärten Rahall und Issa.
Die US-Regierung hatte Syrien vorgeworfen, Angehörige des entmachteten
irakischen Regimes zu verstecken, den Terrorismus zu unterstützen sowie
Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Syrien wies die Vorwürfe wiederholt zurück.
Regierung Blair lehnt Untersuchung zu Massenvernichtungswaffen ab
Mo.21.04.03 - Die britische Regierung sieht keinen Grund für eine parlamentarische
Untersuchung dazu, dass im Irak bisher noch keine Massenvernichtungswaffen
gefunden worden sind. Verteidigungs- Staatssekretär Lewis Moonie sagte der BBC,
er habe "keinen Zweifel" daran, dass solche Waffen noch gefunden werden werden.
Abgeordnete der Labour-Partei hatten in den vergangenen Tagen gefordert, der
Geheimdienst- und Sicherheitsausschuss des Unterhauses müsse eine
Untersuchung einleiten. (Quelle: dpa)
EKD-Ratsvorsitzender: Ethische Rechtfertigungen für Irak-Krieg nicht überzeugend
Mo.21.04.03 - Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred
Kock, hält auch nach dem Sturz des irakischen Machthabers Saddam Hussein an
seiner Kritik an dem von den USA geführten Krieg fest. Er habe den Eindruck, "dass
es mit dem Jubel nicht so weit her ist", sagte Kock am Sonntag im
Deutschlandfunk. Natürlich könne ein Land, das von einem Diktator befreit werde,
aufatmen. Dies ändere aber nichts an seinen Bedenken gegen die Begründungen für
diesen Krieg. Massenvernichtungsmittel seien bis heute nicht gefunden worden,
eine Verbindung zu dem Terror-Netzwerk El Kaida sei "sehr fragwürdig", sagte
Kock. Die ethischen Rechtfertigungen für diesen Krieg seien "eigentlich nicht
überzeugend". (Quelle: afp)
«Ein illegaler Krieg bleibt ein völkerrechtswidriger Akt,
auch wenn er zu Erfolgen führt, die normativ
wünschenswert sind»
Jürgen Habermas in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17. April 2003, Seite 33 im Feuilleton.
«Der militärische Sieg
macht den Krieg (...) nachträglich weder legal noch legitim. Und der Friede
ist dadurch nicht sicherer, sondern der nächste Krieg wahrscheinlicher
geworden»
Friedrich Schorlemmer in der Berliner Zeitung vom 19.04.03:
Völkerrechtler zweifeln, ob der Irak-Krieg rechtmäßig ist. Mehr unter:
Max-Planck-Direktor Rüdiger Wolfrum sieht im Vorgehen der USA
einen Bruch des Völkerrechts und einen massiven Verstoß gegen das
Selbstverständnis der Vereinten Nationen. Mehr unter:
Beim Thema Völkerrecht kneift die Bundesregierung
Ostermarschierer weiter unterwegs
Mo.21.04.03 - Mit Gottesdiensten, Wanderungen und Fahradkorsos hat die
Friedensbewegung am Sonntag ihre traditionellen Ostermärsche fortgesetzt. Unter
anderem ging zwischen Essen und Bochum der dreitägige Ruhr-Ostermarsch weiter,
und auch die Fahrradstafette von Leipzig nach Nordhausen war erneut
unterwegs. In Bergen-Belsen war an der Gedenkstätte eine Kranzniederlegung anlässlich
der Befreiung des Konzentrationslagers geplant. Am Samstag hatten sich bundesweit
mehr als 10.000 Kriegsgegner in rund 60 Städten an den Ostermarsch-Aktionen
beteiligt.
Zentrales Anliegen der Demonstranten war die Ächtung des Golfkriegs, wie
das Ostermarschbüro in Frankfurt am Main erklärte. Zudem dürfe die Bundeswehr
nicht zu einer Interventionsarmee aufgerüstet und umgebaut werden. "Wir brauchen
keine Milliarden für den Krieg, sondern Millionen für den Frieden", hieß es in der
Mitteilung.
Bundeswehr: Pläne für Präventivschläge
Mehr unter:
3.000 Teilnehmer bei Ostermarsch zum «Bombodrom»
Mo.21.04.03 - Mehr als 3.000 Friedensdemonstranten haben am Sonntag in
Brandenburg mit einem Osterspaziergang gegen den Irak-Krieg und eine erneute
militärische Nutzung des als "Bombodrom" bekannten Schießplatzes protestiert.
Am Rande des Bombenabwurfplatzes in der Kyritz-Ruppiner Heide ließen sie
Hunderte an Luftballons befestigte Papier-Kraniche aufsteigen, um ein Zeichen für
Frieden zu setzen. Redner kritisierten den Irak-Krieg als völkerrechtswidrig und
nannten eine Nutzung des «Bombodroms» durch die Bundeswehr militärisch
unnötig.
Als völkerrechtswidrigen Angriffskrieg kritisierte Hans-Christian Ströbele,
Bundestagsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen, den Irak-Krieg. Weder seien
Massenvernichtungswaffen gefunden worden, noch habe der Irak eine Bedrohung
dargestellt. Die US-Regierung wolle in Wahrheit die Welt nach ihren Interessen neu
ordnen. Der Ex-Bürgerrechtler Wolfgang Ullmann nannte es das Verdienst der
Friedensbewegung, die offiziellen Begründungen für den Irak-Krieg als vorgeschoben
enthüllt zu haben. Der Krieg werde nur mehr Terror zur Folge haben, sagte der
stellvertretende Ministerpräsident und Umweltminister Mecklenburg-Vorpommerns,
Wolfgang Methling (PDS).
Das "Bombodrom" sei nicht nur militärisch unnötig, es gefährde auch Tausende
Arbeitsplätze in der Region, sagte Methling. Seine Regierung habe deshalb eine
klare ablehnende Haltung gegen eine militärische Nutzung und prüfe rechtliche
Schritte, falls das Verteidigungsministerium eine Betriebserlaubnis erteilen sollte.
Als «friedensstörend» bezeichnete Ströbele den Truppenübungsplatz. Die Grünen
würden alles tun, um eine Wiederinbetriebnahme zu vermeiden.
Mehr als ein Dutzend Gemeinden, Organisationen und Unternehmen würden klagen, falls das
Bundesverteidigungsministerium eine Betriebserlaubnis erteilen würde, erklärte der Vorsitzende der Bürgerinitiative
"Freie Heide" Helmut Schönberg. Die Bürgerinitiative kämpft seit der Wende gegen eine militärisch Nutzung des 144
Quadratkilometer großen Geländes im Norden Brandenburgs. Ein Gericht untersagte 1999 der Bundeswehr den
Betrieb, weil Anliegergemeinden nicht ausreichend gehört worden waren.
Eine Nutzung noch vor dem Sommer stehe allerdings nicht befürchten, erklärte Schönberg.
Bundesverteidigungsminister Peter Struck wolle sich Anfang August mit Vertretern der Anliegergemeinden treffen.
Davor werde es keine Wiederinbetriebnahme geben. In jüngster hatte es vermehrt Spekulationen gegeben, unmittelbar
nach Ostern würde die Bundeswehr wieder das Gelände wieder nutzen. (Quelle: ap)
Über Ostern 20 Tote und 15 Entführte in Kolumbien
Mo.21.04.03 - Der Bürgerkrieg in Kolumbien hat über Ostern 20 Menschen das
Leben gekostet. Weitere 15 Menschen seien entführt worden, teilten die Behörden
mit. Unbekannte Bewaffnete landeten unterdessen mit Schnellbooten auf einer
Ferieninsel der Karibikküste und verschleppten acht Touristen. In der Provinz
Guajira entführten FARC-Rebellen an einer Straßensperre weitere sieben Urlauber.
Pro Jahr werden in Kolumbien etwa 3000 Entführungsfälle bekannt. Fast immer geht
es um Lösegelderpressung.(Quelle: dpa)
Streit um palästinensisches Kabinett eskaliert
Mo.21.04.03 - Der Streit um die Zusammenstellung des neuen palästinensischen Kabinetts
ist eskaliert. Der designierte Ministerpräsident Mahmud Abbas verließ am Samstag ein
Treffen mit Präsident Jassir Arafat nach einem Streit über Personalfragen, wie ein Teilnehmer
der Sitzung mitteilte. Abbas habe mit seinem Rücktritt gedroht, falls Arafat die von ihm
vorgelegte Kabinettsliste nicht akzeptiere. Abbas und Arafat trafen am Sonntag zu getrennten
Gesprächen mit Mitgliedern der Fatah-Bewegung zusammen.
Arafat soll mittlerweile entschlossen sein, ein anderes hohes
Fatah-Mitglied mit der Regierungsbildung zu beauftragen, wenn Abbas dies bis
Mittwoch nicht gelingen sollte. Mehrere Beobachter äußerten am Sonntag ihre
Zweifel, ob Abbas, der auch unter dem Namen Abu Masen bekannt ist, Erfolg haben
wird. "Es gibt eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass Abu Masen nicht erfolgreich
sein wird", sagte etwa der Abgeordnete Sufian Abu Saida.
Dies wäre ein schwerer Rückschlag für die friedliche Beilegung des
israelisch-palästinensischen Konfliktes. Die USA und Israel lehnen Arafat als
Verhandlungspartner ab und haben Abbas mehrmals als ihren Wunschkandidaten
für das Amt des Ministerpräsidenten genannt. Auch das Nahost-Quartett, dem
neben den USA Russland, die Europäische Union und die Vereinten Nationen
angehören, hat die Präsentation des Fahrplans zur Gründung eines
palästinensischen Staates von seiner Ernennung abhängig gemacht.
Im Mittelpunkt des Streits steht dem Vernehmen nach der ehemalige
Sicherheitschef im Gazastreifen, Mohammed Dahlan. Abbas hat ihn als
Innenminister nominiert. Er wäre damit auch für Sicherheitsfragen zuständig.
Führende Mitglieder von Arafats Fatah-Bewegung sollen erklärt haben, Dahlan
könne jedes Amt in der Regierung übernehmen, wenn es nur nichts mit Sicherheitsfragen zu tun habe.
Unterdessen sind in einer der größten Militäraktionen der letzten 30 Monate israelische Truppen in der Nacht zum
Sonntag mit Panzern und Kampfhubschraubern in das Zentrum des Flüchtlingslagers Rafah im Gazastreifen
eingerückt. Bei den Gefechten wurden fünf Palästinenser und ein israelischer Soldat getötet, mindestens 40
Palästinenser wurden verletzt. Die israelischen Streitkräfte erklärten, zwei Tunnel seien zerstört worden, durch die
Waffen über die ägyptische Grenze geschmuggelt worden seien.
Die Truppen hätten sich vor Tagesanbruch zurückgezogen. Palästinensische Ärzte erklärten, unter den Toten seien
ein 15-jähriger Junge, drei junge Männer und ein Polizist. Augenzeugen berichteten, 35 Panzer und gepanzerten
Fahrzeuge seien von drei Richtungen in das von rund 60.000 Menschen bewohnte Lager eingerückt.
In einer Stellungnahme der Streitkräfte hieß es, Soldaten hätten das Haus eines Führers der militanten Hamas
gesprengt. Die Truppen suchten zudem nach zwei Frauen, die ein Selbstmordattentat planten. Beide wurden
festgenommen. Als Reaktion feuerten Palästinenser drei Kassam-Raketen auf die israelische Ortschaft Sderot ab.
Dabei wurde mindestens eine Frau verletzt.
Bei einem weiteren Zwischenfall nahe Kalkilja im Westjordanland erschossen israelische Soldaten einen
palästinensischen Jugendlichen. In Nablus wurde am Samstag ein Kameramann der Fernsehnachrichtenagentur
APTN von einem israelischen Soldaten erschossen. Insgesamt starben damit am Wochenende elf Palästinenser und
ein Israeli. (Quelle: ap)
Deutschland:
Initiatoren des SPD-Mitgliederbegehrens sauer auf Müntefering
Mo.21.04.03 - Die Initiatoren des SPD-Mitgliederbegehrens gegen den Reformkurs
der Bundesregierung haben verärgert auf ihre Maßregelung durch Fraktionschef
Franz Müntefering reagiert. Müntefering hatte ihnen in einem Brief an alle
SPD-Bundestagsabgeordneten vorgeworfen, ihn hintergangen zu haben, die Partei
"an den Rand der Handlungsfähigkeit" zu bringen und ihre Regierungsfähigkeit zu
gefährden.
Einer der zwölf Initiatoren, der bayerische Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel,
sagte der Zeitung "Welt am Sonntag": "Wir werden uns auf diesen Stil der
Auseinandersetzung nicht begeben. Äußerungen wie die Münteferings in seinem
Brief verletzen nicht nur die Abgeordneten, sondern all jene, die nicht
hundertprozentig von der Agenda 2010 überzeugt sind und sich darüber hinaus
ernsthaft mit sinnvollen Wegen aus der Arbeitslosigkeit beschäftigen."
Sein Fraktionskollege Rüdiger Veit bedauerte, "dass aus dem persönlichen
Gespräch, das wir am Dienstag mit Müntefering geführt haben, offenbar nicht haften
geblieben ist, dass wir ihm nicht misstrauen".
Der Abgeordnete René Röspel sagte, er hoffe, Müntefering ziehe "beim
Sonderparteitag nicht die Alles- oder Nichts-Karte". Die Partei dürfe "nicht zu
einem Kanzlerwahlverein verkommen, das ist das Schlimmste, was uns passieren
kann". (Quelle: dpa)
Der Fahrplan des SPD-Mitgliederbegehrens
Mo.21.04.03 - Die Unterschriftenaktion gegen den Reformkurs von Bundeskanzler
Gerhard Schröder (SPD) muss von zehn Prozent aller Parteimitglieder getragen
werden, um in der ersten Runde Erfolg zu haben. Die Initiatoren haben sich
vorgenommen, 70 000 der bundesweit knapp 690 000 SPD-Mitglieder für ihr
Anliegen zu gewinnen.
Für das Sammeln der Unterschriften ist nach den Richtlinien der Partei drei Monate
Zeit, also bis zum 11. Juli. Ziel ist nach Angaben des Mitinitiators und bayerischen
Bundestagsabgeordneten Florian Pronold, bereits bis zum Sonderparteitag am 1.
Juni in Berlin eine «deutliche Wasserstandsmeldung» vorzulegen.
Für die Organisation des Mitgliederbegehrens sind die Initiatoren selbst
verantwortlich, die Unterschriftenlisten dürfen aber in allen SPD-Geschäftsstellen
ausgelegt werden. Jedes Mitglied darf nur auf den Listen des eigenen Unterbezirks unterschreiben.
Schafft das Begehren die Zehn-Prozent-Hürde, muss sich der Parteivorstand innerhalb eines Monats mit dem
Anliegen befassen. Nimmt er es unverändert an, ist das Mitgliederbegehren erfüllt.
Andernfalls kommt es innerhalb von drei Monaten zu einem abschließenden Mitgliederentscheid. Einen
entsprechenden Abstimmungstag muss der Vorstand festlegen. Dann sind alle SPD- Mitglieder aufgerufen, in ihrem
jeweiligen Ortsverein persönlich ihr Votum abzugeben. «Der Entscheid ist wirksam, wenn die Mehrheit derjenigen, die
ihre Stimme abgegeben haben, mindestens aber ein Drittel der stimmberechtigten Parteimitglieder zugestimmt
haben», heißt es in Paragraf 39 des SPD-Organisationsstatuts. (Quelle: dpa)
Wir sind die Partei!
Parlamentarische SPD-Linke und Forum dl21
Mo.21.04.03 - Die Parlamentarische Linke (PL) hat Gewicht. Mehr als 100 der 251
SPD-Abgeordneten gehören dem Zusammenschluss der SPD- Linken im
Bundestag an. Die Gruppierung ist damit deutlich die stärkste Flügelorganisation in
der SPD-Fraktion. Weit weniger zählen zum Seeheimer Kreis, der eher rechten
Stütze von Bundeskanzler Gerhard Schröder im Plenum, oder zum Netzwerk, der
Vertretung der ebenfalls meist Schröder-treuen Truppe von jüngeren Abgeordneten
der Neuen Mitte.
Die PL, die seit langem von dem inzwischen zu einem der Fraktions- Vize
aufgestiegenen Abgeordneten Michael Müller aus Düsseldorf geleitet wird, trifft
sich meist einmal in jeder Sitzungswoche des Bundestags. Häufig spricht
auch der Kanzler mit der PL-Spitze, um sich deren Positionen und Änderungswünsche zu
Gesetzesvorhaben anzuhören. Als aufstrebender Abgeordneter in Bonn gehörte auch
Schröder zu der damals noch wesentlich radikaler auftretenden Linksformation. Vor allem wenn
Personalentscheidungen anstehen, achtet die PL genau darauf, dass ihre Vertreter nicht zu kurz
kommen. Aus dem Kabinett zählen etwa die Ministerinnen Heidemarie Wieczorek- Zeul (Entwicklung)
und Edelgard Bulmahn (Bildung) zur PL.
Die außerparlamentarische Repräsentanz der SPD-Linken ist das Forum Demokratische Linke 21 (dl21). Diese im
Juni 2000 gegründete Organisation ist aus dem Frankfurter Kreis hervorgegangen, in dem sich vor allem in die SPD
eingetretene Linke der 68er-Generation engagierten. Der Nachfolgeverein hat sich davon scharf abgegrenzt. Die Linke
dürfe nicht länger den «Sündenbock oder den dummen August» in der SPD spielen, lautete der Anspruch im
Gründungsaufruf. Trotz des großen Engagements der früheren Bundestagsabgeordneten Andrea Nahles, die dem
Forum vorsitzt, ist der Einfluss der Gruppe in der SPD aber bislang kaum spürbar. (Quelle: dpa)
Forum Demokratische Linke 21
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