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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Sa.26.04.03, 12:45 Achtunddreißigster Kriegstag in Irak
Bush will offenbar am 1. Mai Ende des Irak-Kriegs verkünden +++
US-Armee warf beinahe 1500 Streubomben über Irak ab +++
UN-Menschenrechtskom- mission verurteilt irakisches Regime +++
USA wollen Führungsrolle im Irak festschreiben +++
UNHCR erwartet Rückkehr hunderttausender irakischer Flüchtlinge +++
US-Truppen halten mehrere tausend Iraker als Kriegs- gefangene fest.
Sa.26.04.03 - US-Präsident George W. Bush will nach Informationen aus
US-Regierungskreisen am 1. Mai das Ende des Irak-Kriegs bekannt geben.
Wie am Freitag aus den Regierungskreisen in Washington weiter verlautete, will
Bush dies am Donnerstag bei einem Besuch heimkehrender Soldaten auf dem
US-Flugzeugträger "Abraham Lincoln" verkünden. Bush werde sich aber zunächst
noch vom Kommandeur der Irak-Operationen, General Tommy Franks, Bericht
erstatten lassen. Einen organisierten Widerstand im Irak gibt es derzeit nicht mehr;
lediglich vereinzelte Widerstandsnester werden noch bekämpft.
Wie aus den hohen Regierungskreisen weiter verlautete, will Bush den
Truppenbesuch nutzen, um dem amerikanischen Volk über die erfolgreiche
Beendigung der Invasion zu berichten. Auch wolle Bush über die jetzt kommende
Phase des Wiederaufbaus sprechen. In den Kreisen wurde aber betont, dass die
Rede des Präsidenten noch nicht geschrieben worden sei.
Bush will in seiner Rede offenbar keinen Sieg proklamieren,
da die Streitkräfte der Alliierten wesentliche Ziele noch
nicht erreicht haben. So blieb die Suche nach
Massenvernichtungswaffen bisher erfolglos.
Präsidentensprecher Fleischer sagte dazu, die irakische
Führung habe die Waffen vermutlich kurz vor
Kriegsbeginn vernichtet. Die US-Soldaten in Irak
sammeln laut Fleischer derzeit Beweise, um diese
Theorie zu untermauern. Auch das Schicksal des
entmachteten Diktators Saddam Hussein ist noch
ungeklärt.
Fleischer erklärte, Bush werde den
Donnerstagabend auf dem Flugzeugträger, der derzeit Kalifornien ansteuert,
verbringen. Am Freitagmorgen wolle Bush dann in Santa Clara (Kalifornien) eine
Rede über wirtschaftliche und nationale Sicherheit halten.
Die US-Luftwaffe hat während des Irak-Kriegs nach Armeeangaben fast 1500
Streubomben über dem Land abgeworfen. Nur eine dieser Waffen habe Zivilisten
getötet, sagte US-Generalstabschef Richard Myers am Freitag in Washington.
Insgesamt seien einer ersten Untersuchung zufolge 26 Streubomben auf Ziele
geworfen worden, die 500 Meter oder weniger von zivilen Wohngebieten entfernt
lagen. "Das waren harte Entscheidungen, und es ist unglücklich, dass wir uns zur
Bombardierung von Zielen in zivilen Regionen entscheiden mussten", sagte Myers.
"Aber der Krieg ist nun mal keine saubere Angelegenheit, sondern ein sehr
hässliches Geschäft."
Die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen hat am Freitag
in einer Resolution das irakische Regime unter dem ehemaligen Staatschef
Saddam Hussein verurteilt. 31 Länder unterstützten die Entschließung, in der die
Unterdrückung "durch Diskriminierung und Terror" beklagt wurde. Die Kommission
konnte sich jedoch nicht auf eine Untersuchung einigen, ob die Invasion der
alliierten Truppen einen Verstoß gegen Menschenrechte darstellt.
Die USA wollen unterdessen nach Informationen der "Washington
Post" ihre Führungsrolle in der Übergangsverwaltung im Irak in einer UN-Resolution
festschreiben.
Washington will nach einem Bericht der "Washington Post" schon in der nächsten Woche in New York eine
UN-Resolution zur Aufhebung der Sanktionen gegen den Irak einbringen. Darin solle die Führungsrolle der USA im Irak
eindeutig festgeschrieben werden, schrieb die Zeitung am Freitag. Nach dem US-Vorschlag, der möglicherweise noch
modifiziert werde, soll UN-Generalsekretär Kofi Annan lediglich einen Sonderbeauftragten benennen, der mit der
amerikanischen Zivilverwaltung in humanitären und Wiederaufbau-Fragen zusammenarbeiten soll.
Auch sollen die Öl-Einkünfte des Iraks nicht mehr in das UN-Programm "Öl für Lebensmittel" fließen, sondern in
einen Fonds bei der irakischen Nationalbank. Das Geld soll dann auf Weisung des US-Zivilverwalters im Irak, Jay
Garner, oder einer irakischen Übergangsverwaltung für den Wiederaufbau genutzt werden.
Der bislang prominenteste Repräsentant des gestürzten Saddam-Regimes,
Ex-Vizeregierungschef Tarik Asis, hat sich in Bagdad den US-Truppen gestellt.
Das bestätigte das US-Zentralkommando. Von ihm erhoffen sich die USA
Hinweise auf den Verbleib Saddam Husseins und seiner
Söhne Kusai und Udai. Mit Asis sind jetzt insgesamt 12
der 55 meistgesuchten Iraker in US-Gewahrsam.
Nach US-Medienberichten stellte sich der 67-jährige Asis am Donnerstag in einem
von Christen bewohnten Stadtteil Bagdads, nachdem er sich über seinen Sohn und
Freunde in den USA zuvor mehrfach über sein zu erwartendes Schicksal in
US-Gewahrsam erkundigt hatte. In Washington hieß es, das US-Militär habe
keinerlei Zugeständnisse gemacht. Die US-Regierung begrüßte die Festnahme. Es
mache die Zukunft des irakischen Volks sicherer, wenn "die Reste des Baath-
Regimes" gefasst würden oder sich stellten, sagte Präsidentensprecher Ari
Fleischer in Washington.
Nach Meldungen des arabischen TV-Senders wurde am Freitag auch ein früherer
irakischer Geheimdienstchef im Nordirak nahe der Grenze zu Syrien gefasst. Faruk
Hidschasi stand nicht auf der Liste der 55. Er steht im Verdacht, 1993 an einem
Komplott zur Ermordung des damaligen Präsidenten George Bush senior in Kuwait
beteiligt gewesen zu sein.
Unbekannt ist, wie die Anklagepunkte gegen die bislang festgenommenen
irakischen Führungsmitglieder lauten und wie ihnen der Prozess gemacht werden
soll. Nach Expertenangaben könnten ihnen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last
gelegt werden. Die US-Armee bringt die hochrangigen Gefolgsleute Saddams nach eigenen Angaben außer Landes.
Weniger prominente Gefangene würden dagegen nach wie vor in der Umgebung des Flughafens von Bagdad
festgehalten, sagte Armee-Hauptmann Jared Robbins in Bagdad.
Die von den Amerikanern festgehaltenen Mitglieder der irakischen Führungsriege müssen nach Ansicht des
Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) entweder formal angeklagt oder sobald wie möglich freigelassen
werden. "Die Liste der meistgesuchten Iraker hat keine rechtliche Bedeutung", sagte Antonella Notari, die Sprecherin
des IKRK.
Die US-Truppen im Irak halten nach Angaben des Roten Kreuzes noch mehrere tausend Einheimische als Kriegsgefangene
fest. Die Männer seien in einem Lager nahe der südirakischen Stadt Umm Kasr an der kuwaitischen Grenze untergebracht,
sagte der Sprecher der Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Bart Vermeinen, am Freitag nach einem Besuch
bei den Gefangenen. Bis Freitag habe das IKRK 2600 Mitteilungen eingesammelt,
die Zustellung habe zwei Tage zuvor begonnen. Nach Angaben von US-Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld haben die USA bislang mehr als eintausend Kriegsgefangene im Irak freigelassen. Bei den
Männern handelt es sich um einfache Soldaten, die vor ihrer Freilassung von US-Experten überprüft worden
seien, sagte Rumsfeld am Freitag in Washington. Derzeit kämen täglich hundert bis dreihundert Gefangene
frei. Mehrere der Gefangenen stammen dem Minister zufolge nicht aus dem Irak; so seien etwa mehrere
Syrer derzeit in US-Kriegsgefangenschaft. Das US-Zentralkommando hatte am Mittwoch die Zahl der
irakischen Kriegsgefangenen mit 7.300 angegeben.
Der britische Außenminister Jack Straw deutete an, dass die USA und Großbritannien nach seiner Meinung nicht
unbedingt Massenvernichtungswaffen im Irak finden müssen, um ihren Krieg zu rechtfertigen. "Die Leute versuchen
jetzt irgendwie den Eindruck zu erwecken, dass die Entscheidung für eine Militäraktion ganz davon abgehangen hat,
dass man nachher chemisches und biologisches Waffenmaterial finden würde", sagte Straw in einem Interview mit
dem britischen Sender BBC. "Das war nicht der Fall."
Straw sprach sich für die erneute Entsendung von UN-Waffeninspekteuren in den Irak aus. Das hänge aber von
Verhandlungen ab.
Rund eine halbe Million irakische Flüchtlinge könnten den Vereinten
Nationen zufolge nach dem Fall Saddam Husseins in ihr Heimatland zurückkehren
wollen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) stelle sich auf eine Massenbewegung
ein, erklärte Sprecher Ron Redmond am Freitag in Genf. Die Voraussetzungen dafür
seien aber noch nicht erfüllt. Erst müsse das politische Klima dafür stimmen, sagte
Redmond. "Wenn wir sehen, dass die Umgebung einer freiwilligen Rückkehr
förderlich ist - und ich sollte betonen, dass es bis dahin noch ein langer Weg ist -,
will das UNHCR bereit sein", erklärte er. (Quellen: rtr, br, dpa, afp, ap)
BBC-Chef kritisiert Kriegsberichterstattung der US-Medien
Sa.26.04.03 - Der Chef der BBC hat die Berichterstattung einiger US-Medien über
den Irakkrieg scharf kritisiert. Er sei schockiert darüber gewesen,
wie unkritisch Nachrichtensender in den USA über den
Irakkrieg berichtet hätten, sagte BBC-Generaldirektor Greg Dyke
der britischen Nachrichtenagentur Reuters. Patriotismus und
Journalismus seien miteinander verbunden worden. "Wenn
sich das fortsetzt, dann wird das der Glaubwürdigkeit der
elektronischen Nachrichtenmedien in den USA schaden." Dyke
kritisierte insbesondere Rupert Murdochs Nachrichtenkanal Fox
News, dermit "nahezu fanatischen Patriotismus" über den Krieg
berichtet. (Quelle: taz)
Amnesty kritisiert UN-Menschenrechtskommission
Sa.26.04.03 - Die UN-Menschenrechtskommission (UNCHR) hat
nach Auffassung von amnesty international ihre Glaubwürdigkeit
schwerwiegend untergraben. In der diesjährigen Sitzung habe sie
viele Opfer von Menschenrechtsverletzungen im Stich gelassen und
hingenommen, dass Täter straffrei ausgehen, kritisierte Barbara
Lochbihler, Generalsekretärin der deutschen ai-Sektion, gestern.
"Politisches Kalkül" habe den Menschenrechtsschutz erstickt. Die
Sitzung der Kommission ist gestern in Genf zu Ende gegangen.
Der Irakkrieg habe viele Debatten beherrscht und damit verhindert,
dass schwere Menschenrechtsverletzungen weltweit angemessen
behandelt werden konnten, so amnesty weiter. Resolutionen zu
Tschetschenien, Kolumbien und Sudan seien gescheitert. Amnesty
bedauerte, dass damit auch das Mandat des
UN-Sonderberichterstatters zu Sudan, des Ex-Innenministers
Gerhart Baum (FDP), endet.
Insbesondere kritisierte die Organisation, dass die Irakresolution
nur die Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen des
Saddam-Regimes vorsieht. Die Resolution zur Siedlungspolitik
Israels in den besetzten Gebieten hingegen sei "deutlicher"
ausgefallen als in den Jahren zuvor, so amnesty.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen warf der
Kommission Versagen vor. Schwere Menschenrechtsverletzungen,
wie sie beispielsweise in China begangen würden, würden "einfach
tabuisiert". Viele Mitgliedsstaaten schützten nicht die
Menschenrechte, sondern nähmen sich lieber gegenseitig in
Schutz, so die Organisation. (Quelle: taz[epd])
Rumsfeld: Atomgespräche mit Nordkorea ohne Fortschritte
Sa.26.04.03 - Bei den Pekinger Gesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm
hat es US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zufolge keine Fortschritte auf dem
Weg zu einer diplomatischen Lösung gegeben.
Rumsfeld sagte am Freitag vor Reportern in Washington,
bei den Gesprächen zwischen den USA und Nordkorea
unter chinesischer Schirmherrschaft sei man nicht vorangekommen. Rumsfeld
betonte allerdings, US-Präsident George W. Bush und Außenminister Colin Powell
setzten weiter auf eine diplomatische Lösung. China hatte als Gastgeber der
Gespräche erklärt, es habe Fortschritte bei dem trilateralen Treffen gegeben.
Bei der Konferenz hatte Nordkorea US-Regierungskreisen zufolge erklärt, es besitze
bereits Atomwaffen. Powell sagte am Donnerstagabend, die USA hätten keine ihrer
Handlungsmöglichkeiten vom Tisch genommen. Diese Formulierung schließt eine
militärische Reaktion ein.
Nordkorea hatte bei den Gesprächen die Zusicherung erreichen wollen, dass die
USA das Land nicht angreifen. Die USA wollten hingegen eine vollständige
Einstellung der Atomprogramme Nordkoreas erreichen. Die USA haben wiederholt
erklärt, keinen Angriff auf Nordkorea zu planen. Die Spannungen zwischen beiden
Staaten hatten sich im Oktober verstärkt, als Nordkorea nach US-Angaben
eingestanden hatte, ein geheimes Programm zur Herstellung von hoch
angereichertem Uran betrieben zu haben, mit dem Atomwaffen bestückt werden
können. (Quelle: rtr)
«Durch die Auftritte der Nordkoreaner wird eine Frage allzu oft an
den Rand gedrängt: Welche Absichten verfolgt die Regierung in
Washington? »
«Das amerikanische Außenministerium und das
Pentagon liegen erkennbar über Kreuz, wie in der Nuklearkrise
weiter verfahren werden soll. Aus dem Lager von Donald Rumsfeld
dringen immer wieder Aussagen an die Presse, in denen von
Bomben auf Yongbyon oder einem wirtschaftlichen Aushungern
Pjöngjangs die Rede ist. Ein Teil der US-Regierung ist gegen jede
Lösung, die Pjöngjang Vorteile bringen könnte. Es spricht Bände,
wenn die Washington Post zu den Gesprächen in Peking zu
berichten hat, die US-Delegation habe "strikte Anweisungen gehabt,
nicht zu verhandeln". Verhandlungen also, in denen nicht wirklich
verhandelt wird? Davor muss man sich im Momentmehr fürchten als
vor jeder einzelnen Drohung aus Pjöngjang.» (Süddeutsche Zeitung vom 26.04.03)
Wahlen in Paraguay vor Hintergrund schwerer Wirtschaftskrise
Sa.26.04.03 - Inmitten der schwersten Wirtschaftskrise seit 20 Jahren finden in
Paraguay am Sonntag Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Nach 56
Jahren an der Macht scheint ein Sieg der regierenden Colorado-Partei zumindest in
Frage gestellt: Zwar liegt ihr Präsidentschaftskandidat Nicanor Duarte in den
Umfragen vorn, er hat aber starke Konkurrenten.
Das Meinungsforschungsinstitut First Analisis sieht Duarte bei 36 Prozent der
Stimmen, den Banker Pedro Fadul von der Vaterlands-Partei bei 24,5 Prozent und
den früheren Vizepräsidenten Julio César Franco von der Radikalliberalen
Authentischen Partei bei 19 Prozent. Die 2,4 Millionen Stimmberechtigten sind
außerdem zur Wahl von 45 Senatoren, 80 Kongress-Abgeordneten und 17
Gouverneuren aufgerufen. In dem südamerikanischen Land herrscht Wahlpflicht.
Duarte hat im Wahlkampf versprochen, die Wirtschaftskrise zu beenden, in die
Paraguay durch den wirtschaftlichen Absturz des großen Nachbarlands Argentinien
gezogen wurde. Sein Konkurrent Fadul kündigte Steuererhöhungen und
finanzpolitische Reformen an. Franco hingegen warb mit Korruptionsbekämpfung
und einer Steigerung der Sozialausgaben. Die Arbeitslosigkeit in Paraguay liegt bei
fast 18 Prozent, von den rund 5,5 Millionen Einwohnern lebt eine Million in Armut.
Seit dem Ende der Militärdiktatur 1989 wurde die junge Demokratie immer wieder
von Putschversuchen und Unruhen erschüttert. Im Februar überstand der
amtierende Präsident Luis Gonzalez Macchi nur knapp den Versuch einer
Amtsenthebung von Abgeordneten seiner eigenen Partei, die ihm Veruntreuung von
Staatsgeldern vorwarfen. (Quelle: ap)
Hunderte gedachten in Kiew der Tscheronbyl-Katastrophe
Sa.26.04.03 - Mehrere hundert Menschen haben in der Nacht zum Samstag der Opfer
der bisher schlimmsten Atomkatastrophe in Tschernobyl gedacht. Um 00.23 Uhr
jährte sich zum 17. Mal der Tag der Explosion in Reaktor vier der erst 2000
stillgelegten Anlage im Dreiländereck von Ukraine, Weißrussland und Russland.
Seit dem 26. April 1986 sind in den drei Ländern nach Schätzungen sieben
Millionen Menschen an Folgen und Spätfolgen der Verstrahlung erkrankt. Die Zahl
der Toten wird allein in der Ukraine auf 4.400 geschätzt. In der zum Gedenken an
die Opfer erbauten Kapelle in Kiew gedachten die Menschen ihrer von der
Katastrophe betroffenen Verwandten, Freunde und Kollegen. Die Glocke schlug
17 mal.
Westliche Regierungen haben der Ukraine für die Stilllegung des Atomkraftwerks 767 Millionen
Dollar vor allem für das Ersetzen des so genannten Sarkophags, einer nach russischen angaben
inzwischen maroden Betonhülle über den Unglücksreaktor, zugesagt. Bis Juni vergangenen Jahres
wurden wegen bürokratischer Verzögerungen nur 130 Millionen davon dafür ausgegeben.
(Quelle: dpa)
«Tschernobyl-Aids»
In der Nacht am 26. April 1986 ereignete sich in Tschernobyl
ein Reaktor-Gau. Die bislang größte Katastrophe in der friedlichen Nutzung der Kernenergie
traf Millionen Menschen. Die ukrainischen Behörden haben rund 4300
Todesfälle als direkte Folge des Unglücks anerkannt. Die Gesamtzahl beläuft sich
nach inoffiziellen Schätzungen auf 170000. Der Katastrophenreaktor von Tschernobyl
verseucht noch immer seine Umgebung mit radioaktiver Strahlung...
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WHO: Globales Problem, wenn China Kampf gegen SARS nicht gewinnt
Sa.26.04.03 - Der Kampf gegen die Lungenkrankheit
SARS in China wird nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation
WHO noch mehrere Monate dauern oder gar nicht mehr zu
gewinnen sein. Daniel P. Chin, Mitglied des WHO-Teams in China,
unterstrich die Schlüsselrolle des Landes im Kampf gegen das
Virus. "Wenn China die Krankheit nicht unter Kontrolle bringt, wird
SARS zum Problem für die ganze Welt."
Die Stadtverwaltung Pekings stellte inzwischen mindestens 4.000
Menschen unter Quarantäne und isolierte eine zweite Klinik
komplett. Auch zwei Studentenwohnheime wurden geschlossen.
Im Kampf gegen SARS verfügten die Behörden Schanghais
unterdessen drastische Geldbußen gegen jeden, der in der
Öffentlichkeit spuckt oder uriniert, berichtete die Zeitung Shanghai
Daily. Eine besondere Gefahr ist laut WHO die Ausbreitung der
Viren in rückständigen ländlichen Gebieten. In China gab es bis
gestern schon 2.601 Fälle und 115 Tote. Das waren 180 Erkrankte
und 5 Tote mehr als am Donnerstag.
In Hongkong stieg die Zahl der SARS-Opfer gestern auf 116. Laut
der Zeitung South China Morning Post gibt es dort nicht genügend
Schutzanzüge für das Klinikpersonal. Auch die WHO übte Kritik
am Krisenmanagement Hongkongs. "Hongkong hat teilweise sehr
gute und sehr harte Arbeit geleistet, aber sie war nicht vollkommen
zufrieden stellend", so WHO-Experte William Cocksedge.
In Deutschland besteht nach Einschätzung des
Robert-Koch-Instituts (RKI) derzeit kein Grund, wegen SARS
besorgt zu sein. "Wir werden jedoch mit weiteren Einschleppungen
der Krankheit nach Deutschland rechnen müssen", sagte
RKI-Präsident Reinhard Kurth gestern.
Weltweit gab es laut WHO bis Donnerstag 4.439 Fälle mit 263
Toten. Den Anstieg der registrierten SARS-Fälle in China führt
Kurth auf die offenere Informationspolitik des Landes zurück.
"Außerdem sind sie eine Quittung für das anfängliche
Wegschauen. Wären die Krankheitsfälle von den chinesischen
Behörden bereits Anfang des Jahres eingedämmt worden, hätte
sich SARS nicht so rasch ausbreiten können", meinte er.
Experten rechnen mit zunehmender Verbreitung von SARS
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Polnische Arbeiter protestieren gegen Regierung
Sa.26.04.03 - Rund 20.000 polnische Arbeiter haben am Freitag gegen die
Beschäftigungspolitik der Warschauer Regierung protestiert. Sie zogen mit
Trillerpfeifen und heulenden Sirenen vor das Büro von Ministerpräsident
Leszek Miller in der Innenstadt. Zu der Demonstration hatte die Gewerkschaft
Solidarnosc aufgerufen. Arbeiter reisten aus dem ganzen Land an und
zeigten Plakate mit Aufschriften wie "Hilfe" oder "Diebe".
Der Solidarnosc-Vorsitzende Janusz Sniadek warf der Regierung Wahlbetrug vor.
"Die Arbeitslosigkeit steigt, die Einkommen sinken. Es gibt Familien, die nichts zu
essen haben", sagte er in einem Rundfunkinterview. Vor dem Hintergrund der
anhaltenden Wirtschaftskrise sank Millers Popularität in den jüngsten Umfragen auf
ein Rekordtief. Demnach äußerten sich nur noch zehn Prozent der Polen zufrieden
über die Arbeit der Regierung; im Vormonat waren es noch 17 Prozent gewesen.
(Quelle: asp)
Deutschland: IG Metall droht mit Arbeitskampf im Osten
Sa.26.04.03 - Die IG Metall hat mit einem Arbeitskampf in Ostdeutschland gedroht. Im
Interview der "Berliner Zeitung" (Freitagausgabe) forderte der Bezirksleiter der
Gewerkschaft für Berlin, Brandenburg und Sachsen, Hasso Düvel, die ostdeutschen
Metallarbeitgeber ultimativ auf, noch vor Ende der Friedenspflicht in Verhandlungen
den Weg für die Einführung der 35-Stunden-Woche freizumachen. Anderenfalls
werde die IG Metall mit Arbeitskampfmaßnahmen eine Einigung erzwingen müssen.
"Wenn die Arbeitgeber keine Kompromissbereitschaft zeigen, werden die
Beschäftigten in der ostdeutschen Metall- und Stahlindustrie in zwei
Warnstreikwellen im Mai zeigen, wie ernst es ihnen mit der 35-Stunden-Woche ist",
sagte Düvel. Er warnte die Arbeitgeber vor einer Kraftprobe. "Das wäre absolut
kontraproduktiv für die Unternehmen." Die Friedenspflicht in der ostdeutschen
Metall- und Elektroindustrie, in der gegenwärtig rund 310.000 Mitarbeiter beschäftigt
sind, endet am 30. April.
Zwei Verhandlungsrunden von Gewerkschaft und Arbeitgebern waren bislang ohne
Ergebnis geblieben. In der ostdeutschen Metallbranche liegt die wöchentliche
Arbeitszeit drei Stunden höher als in Westdeutschland. Düvel betonte, es sei ein
"Gebot der sozialen Gerechtigkeit in Deutschland, dass 13 Jahre nach der
deutschen Einheit auch gleiche Arbeitsbedingungen in Ost und West vereinbart
werden". (Quelle: ap)
Stichwort: 35-Stunden-Woche
Der Kampf um die 35-Stunden-Woche in der westdeutschen
Metallindustrie vor fast 20 Jahren gehört zu den härtesten
Tarifauseinandersetzungen, die die IG Metall jemals geführt hat. Nun will die
Gewerkschaft in Ostdeutschland die schrittweise Absenkung der Arbeitszeit von 38
auf 35 Stunden pro Woche bei vollem Lohn- und Gehaltsausgleich durchsetzen -
notfalls mit Streik. Ab dem 5. Mai sind erste Warnstreiks geplant, Urabstimmungen
über einen längerfristigen Streik könnten Ende Mai beginnen.
Für die 35-Stunden-Woche im Westen streikten 1984 in Baden-Württemberg und
Hessen rund 56.000 Metaller bis zu sieben Wochen lang. Mehr als 150.000
Arbeitnehmer wurden ausgesperrt. Fünf Verhandlungsrunden waren zuvor
verstrichen, ohne dass die Arbeitgeber ein Angebot vorlegten. Auch zwei
Spitzengespräche brachten keine Annäherung. Nach zermürbenden Warnstreiks
mit insgesamt mehr als einer Millionen Metaller und einem Marsch der
Gewerkschafter zur damaligen Bundeshauptstadt Bonn boten die Arbeitgeber
immerhin die 38-Stunden-Woche an.
Ein Schlichtungsverfahren unter Vorsitz des früheren SPD-Verteidigungsministers
Georg Leber erreichte schließlich eine Einigung. Das Ergebnis sah eine stufenweise
Absenkung der wöchentlichen Arbeitszeit von 40 auf 35 Stunden bei vollem
Lohnausgleich vor: Zunächst arbeiteten die Metaller 38,5 Stunden pro Woche. Am
1. Oktober 1995 war die 35-Stunden-Woche dann in der gesamten westdeutschen
Metallindustrie durchgesetzt. Die IG Metall beziffert die Gesamtausgaben für die
Auseinandersetzung - also Streikgelder, Plakate und übrige Kosten - auf rund 300
Millionen Mark (rund 150 Millionen Euro).
Unter dem Motto «Im Osten geht die Sonne auf» werden die Verhandlungen über
die Einführung der 35-Stunden-Woche für die rund 310.000 Arbeitnehmer der
ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie sowie rund 9.000 Beschäftigte der
Stahlindustrie bislang einzeln in den unterschiedlichen Tarifgebieten geführt.
(Quelle: ap)
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Stichwort: Streikrecht
Das Streikrecht ist durch Artikel 9 Absatz 3 des
Grundgesetzes verfassungsrechtlich geschützt. Als Druckmittel in Tarifkonflikten
sichert es die Durchsetzungsfähigkeit der Gewerkschaften. Vor einem Streik
werden die betroffenen Gewerkschaftsmitglieder in einer Urabstimmung gefragt, ob
sie für ihre Forderungen auch streiken wollen. Mindestens 75 Prozent müssen
zustimmen.
Streiks dürfen laut Grundgesetz nur von Gewerkschaften organisiert werden und
müssen die «Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen»
zum Ziel haben. Streiks mit generell-politischen Zielen oder wilde Streiks in
einzelnen Betrieben ohne die Beteiligung von Gewerkschaften sind daher illegal.
Schon während der Verhandlungsphase - aber erst nach Ablauf der im Tarifvertrag
vereinbarten Friedenspflicht - sind so genannte Warnstreiks zulässig, die aber nur
wenige Stunden dauern dürfen. Wird das endgültige Scheitern der
Tarifverhandlungen erklärt, darf ein regulärer Streik vorbereitet werden. Während des
Streiks ruhen die Arbeitsverhältnisse der Streikteilnehmer. Die Streikenden haben
keinen Anspruch auf Lohn oder Gehalt und auch nicht auf Arbeitslosengeld. An
organisierte Beschäftigte wird Streikunterstützung durch die zuständige
Gewerkschaft gezahlt. Sie beträgt im Schnitt zwei Drittel des Bruttoeinkommens.
Bei Warnstreiks wird keine Streikunterstützung gezahlt.
Unternehmen können als Antwort auf den Arbeitskampf die Aussperrung veranlassen. Dann werden Arbeitswillige
nicht in die Betriebe gelassen. Dies setzt die Gewerkschaften unter Druck, weil den betroffenen
Gewerkschaftsmitgliedern dann Streikunterstützung gezahlt werden muss.
Das nach einem Arbeitskampf gefundene Ergebnis wird den Mitgliedern in einer zweiten Urabstimmung vorgelegt.
Nach dem Ende eines Streiks wird in der Regel eine Klausel mit dem Inhalt vereinbart, dass Arbeitnehmer, die sich
am Streik beteiligt haben, nicht gemaßregelt werden dürfen und dass Schadensersatzansprüche entfallen. (Quelle: ap)
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SPD streitet weiter um Einschnitte bei Reformen
Sa.26.04.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement
(beide SPD) wollen angeblich die von ihnen geplante Lockerung des Kündigungsschutzes auf
voraussichtlich fünf Jahre befristen. Damit wollten beide den Kritikern ihrer Reformagenda 2010
in der SPD entgegenkommen, berichtete die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf
Angaben aus SPD- und Regierungskreisen. Zuvor hatte Juso-Chef Niels Annen Clements Rücktritt
gefordert. Unterdessen sprachen sich Vertreter der rot-grünen Koalition sowie der Wirtschaft
gegen wesentliche Änderungen an dem Reformpaket aus.
Die Fünf-Jahres-Frist solle in den Gesetzentwurf zu Reformen am Arbeitsmarkt
eingefügt werden, den Clement vermutlich am Dienstag kommender Woche vorlegen
werde, berichtet die Zeitung weiter.
Der Gesetzentwurf sieht demnach vor, dass Kleinbetriebe mit bis zu fünf
Beschäftigten künftig unbegrenzt befristet Beschäftigte einstellen können, ohne
dass der gesetzliche Kündigungsschutz für alle Mitarbeiter greift. Dies war in
SPD und Gewerkschaften auf teilweise heftige Kritik gestoßen, da damit der
Kündigungsschutz de facto durch befristete Arbeitsverträge in unbegrenzter Zahl
unterlaufen werden könne.
Annen hatte zuvor den Rücktritt Clements wegen dessen Vorschlägen zum Kündigungsschutz
gefordert. Schröder und die Koalitionsfraktionen dürften dessen Verhalten nicht länger
akzeptieren, "sonst entwickelt sich der Super-Minister zum Super GAU", hieß es in dem Text weiter,
mit dem sich Annen vor allem gegen mögliche Einschränkungen der Ansprüche
gekündigter Arbeitnehmer auf eine Abfindung wendet.
SPD-Generalsekretär Scholz wies die Vorwürfe zurück und
bezeichnete die von Annen erhobene Rücktrittsforderung als "abwegig". Die Arbeit von Clement sei "äußerst wichtig
für die SPD, die Bundesregierung und das Land", erklärte Scholz.
Schröder hatte sich am Donnerstagabend mit Scholz, SPD-Fraktionschef Franz Müntefering und Kanzleramtschef
Frank-Walter Steinmeier getroffen, um über die Reformagenda zu sprechen. Danach wies Scholz die Kritik an seiner
Arbeit im Zusammenhang mit den geplanten Sozialreformen zurück. Er habe alles Notwendige unternommen, um eine
breite Unterstützung innerhalb der Parteibasis für die Agenda 2010 zu sichern, sagte Scholz.
Der Grundansatz der Agenda 2010 sei "alternativlos", betonte Bundesfinanzminister Hans Eichel.
Grünen-Fraktionschefin Krista Sager forderte die Reformgegner zum Einlenken auf. Auch Arbeitgeberpräsident Dieter
Hundt bekräftigte seine Unterstützung für die Pläne Schröders. Die Agenda 2010 beinhalte "Schritte auf dem richtigen
Weg", sagte Hundt.
(Quelle: afp)
DGB und Verbände kündigen Widerstand gegen Rentenpläne an
Sa.26.04.03 - Die Rentenvorschläge der Rürup-Kommission stoßen auf massive Kritik.
Gewerkschaften und Seniorenverbände kündigten am Freitag Widerstand gegen die
Pläne an, das Rentenalter von 2011 an schrittweise von 65 auf 67 Jahre zu erhöhen und
die Rentenzuwächse weiter zu dämpfen. Lob kam dagegen vom Verband Deutscher
Rentenversicherer (VDR). Dessen Geschäftsführer Ruland nannte die Vorschläge einen
"möglichen Weg". Der Union gehen die Rürup-Ideen nicht weit genug.
Der Sozialverband VdK warf den Experten vor, Millionen
Rentner "in die Armut schicken" zu wollen. "Die Rentner sollen erneut die
Sparschweine der Nation werden." VdK-Präsident Walter Hirrlinger drohte Rot-Grün
mit einem Denkzettel der 18 Millionen Rentner bei Wahlen. Die Regierung ließ
jedoch offen, ob sie die Rentenreform überhaupt noch vor der Bundestagswahl 2006
angehen will. Kommissionschef Bert Rürup hatte geraten, die Rentenformel "so
bald wie möglich" zu ändern, um den Beitragssatz in Schach zu halten.
Die DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer, die selbst der Rürup-Kommission angehört,
lehnte die von den Experten mehrheitlich beschlossenen Vorschläge strikt ab. "Im
Durchschnitt scheiden heute Arbeitnehmer mit 60 aus und kriegen aber erst die
richtige Rente mit 65 Jahren und müssen in der Zwischenzeit erhebliche Abschläge
hinnehmen", kritisierte sie im ARD-Morgenmagazin.
Die Rürup-Kommission will die Altersgrenze für die Rente von 2011 an jährlich um
einen Monat anheben. Vorzeitiger Rentenbezug mit Abschlägen wäre nicht mehr
mit 62, sondern erst ab 64 Jahren möglich. Außerdem soll ein neuer Kürzungsfaktor
in die Rentenformel eingebaut werden, um die Rentenzuwächse zu dämpfen. Dieser
soll das Verhältnis von Rentnern und Arbeitnehmern berücksichtigen.
VdK-Präsident Walter Hirrlinger forderte, die "Rürup-Kommission in die Wüste zu schicken". Auch der Ost-Sozial-
und Seniorenverband Volkssolidarität lehnte die Vorschläge als "untauglich" ab und sagte den Gewerkschaften
Unterstützung im Kampf gegen die Pläne zu.
Von der Union kamen Lob und Kritik. Unions-Sozialexperte Andreas Storm begrüßte im "Südwestrundfunk", dass die
Experten die Rentenformel um eine Art demographischen Faktor ergänzen wollen. Die "Grundidee" sei richtig.
Allerdings sprängen die Experten zu kurz. So würden die Rentenbeiträge dennoch auf bis zu 22 Prozent steigen.
Zurückhaltend bewertete Storm eine Heraufsetzung des Rentenalters. Ein solcher Schritt sei von der Arbeitsmarktlage
abhängig. Sollten sich die Jobchancen für Ältere verbessern, könne man darüber diskutieren.
Der Chef der CDU-Sozialausschüssen (CDA), Hermann-Josef Arentz, lehnte die Vorschläge dagegen in der
"Chemnitzer Freien Presse" (Freitagausgabe) als unverantwortlich ab. Was die Kommission unterbreitet habe, sei
eine "Rürup'sche Rentenlüge". (Quelle: dpa)
Linke Gruppen demonstrieren gemeinsam am 1. Mai
Sa.26.04.03 - Unter dem Motto "Krieg dem Krieg nach Außen und Innen" wollen linke
Gruppen erstmals gemeinsam die 1.-Mai-Demonstration in Berlin durchführen.
Geplant sei unter anderem ein Protestzug durch den Stadtteil Kreuzberg, die um
15.00 Uhr beginnen solle, teilten die Veranstalter am Freitag in Berlin mit. Zugleich
distanzierten sich die Organisatoren von Gewaltaufrufen. In den vergangenen Jahren
war es während den 1.-Mai-Demonstrationen in Berlin immer wieder zu
Ausschreitungen gekommen.
Die diesjährige 1.-Mai-Demonstration finde zu einer Zeit statt, in der es Kriege
sowohl außerhalb als auch innerhalb Deutschlands gebe, sagte Moré Keskin vom
Revolutionären 1.-Mai-Bündnis. Dazu zähle der von den USA und Großbritannien
geführte Krieg gegen den Irak ebenso wie der Generalangriff der rot-grünen Bundesregierung
gegen seit Jahrhunderten erkämpfte soziale Rechte. Mit dem gemeinsamen Bündnis verschiedener
linker Gruppen solle gezeigt werden, dass radikale linke Politik kein Relikt der Vergangenheit sei.
Insgesamt seien drei Veranstaltungen in Berlin am 1. Mai geplant, sagte Keskin. Zunächst solle um 10.00 Uhr die
angemeldete Demonstration von rechten Gruppen mit einer Gegenveranstaltung verhindert werden. Um 13.00 Uhr solle
dann eine Kundgebung auf dem Oranienplatz in Kreuzberg stattfinden, bevor um 15.00 Uhr von dort aus der
eigentliche Demonstrationszug starte. Gegen 16.30 Uhr sei die Abschlusskundgebung auf dem Heinrichplatz geplant.
Befürchtungen, dass es zu Ausschreitungen während der Demonstration kommt, wiesen die Veranstalter zurück. Die
Auseinandersetzungen mit der Polizei habe es in den vergangenen Jahren immer nach Ende der Demonstrationen
gegeben, sagte Keskin. "Wir halten uns an das Demonstrationsrecht." Wenn es jedoch "Überfälle" auf den
Protestzug gebe, würden sich die Demonstranten wehren.
Michael Kronewetter von der Antifaschistischen Linken Berlin sagte, das Bündnis rufe allerdings zu keiner Gewalt auf
und distanziere sich zugleich von jeglichen Gewaltaufrufen. Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass es auch in den
Reihen der Polizei bekannte Gewalttäter gebe. Ziel sei es in jedem Fall, eine Eskalation schon im Vorfeld zu
vermeiden. "Wir sind Veranstalter einer Demonstration und keine Veranstalter von Krawallen." (Quelle: ap)
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BigBrotherAward geht an Bayer
Sa.26.04.03 - Unzufriedene Investoren ist man bei Aktionärsversammlungen gewohnt, nun bekam es die Bayer AG auch noch mit
unzufriedenen Datenschützern zu tun. Auf der ordentlichen Hauptversammlung des Pharma- und Chemie-Konzerns in Köln
überreichte der Foebud (Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs e.V.) den Big-Brother-Award.
Die Auszeichnung erhalten in jedem Jahr Firmen, Organisationen und Personen, die in besonderer Weise und
nachhaltig die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen. Bereits im vergangenen Oktober war Bayer der Negativ-Preis im
Bereich Arbeitswelt zuerkannt worden, weil sich Bewerber für einen Ausbildungsplatz einem Urintest unterziehen
müssen. Der Konzern hatte aber nicht reagiert, weshalb sich der Foebud mit Unterstützung der Coordination gegen
Bayer-Gefahren zu einem Besuch der Aktionärsversammlung entschloss.
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CSU plant mehr Überwachung in Bayern
Sa.26.04.03 - In Bayern sollen die Möglichkeiten zur Telefonüberwachung nach dem Willen
der CSU-Landtagsfraktion massiv ausgeweitet werden.
Was sich als Prolog zum Orwellschen "Big Brother" liest, soll künftig Standard werden.
Festnetz- und Handyverbindungen sollen demnach nicht nur bei der Verfolgung von Straftaten
kontrolliert werden dürfen, sondern auch schon vorsorglich zur Abwehr von Gefahren. Außerdem
soll erlaubt werden, Autokennzeichen automatisch zu erfassen und mit den Daten im Fahndungscomputer
der Polizei abzugleichen. Das sieht ein am Donnerstag in München vorgestellter Gesetzesentwurf vor.
"Schritte zum Überwachungsstaat" wolle die CSU selbstverständlich keine gehen, sondern "die moderne Technik
für die Polizei nutzbar machen", sagte CSU-Fraktionsvize Joachim Herrmann.
Der CSU-Sicherheitsexperte Herbert Kempfler betonte, man habe
dem Datenschutz voll Rechnung getragen. Voraussetzung für die
Telefonüberwachung soll "der Verdacht auf eine Straftat von
erheblicher Bedeutung" sowie eine richterliche Anordnung sein.
Letztere könne nur "bei Gefahr im Verzug" nachgereicht werden,
sagte Kempfler, der jedoch einräumte, dass die Auslegung des
geänderten PAG "natürlich im Einzelfall verschieden" sein könne.
Der Datenschutzbeauftragte Reinhard Vetter kritisierte den
CSU-Entwurf. Die Novelle, sagte Vetter, lasse "wesentliche
Forderungen" unberücksichtigt. So seien die Voraussetzungen für
den Eingriff in das Telefongeheimnis "zu weit gefasst". Insbesondere
fehle eine klare Festlegung, welche Straftaten die präventive
Überwachung rechtfertigten. Auch lege sich der Entwurf bei der
Weiterverwendung der Daten nicht fest. Es sei "viel zu weitgehend",
wenn die Ergebnisse zur allgemeinen Strafverfolgung weiter
verwendet würden, kritisierte Vetter. (Quellen: futurezone, sz)
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