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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mi.30.04.03, 12:45 Zweiundvierzigster Kriegstag in Irak
US-Soldaten schießen erneut auf Demonstranten in Falluja +++
UNICEF warnt vor Trinkwassermangel im Süden von Irak +++
Deutsche Hilfsorganisationen: Medizinische Versorgung in Basra weiterhin nicht gewährleistet.
Hilfstransporte seien nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein +++
Annan hofft auf Einigung über «effektive» UN-Rolle im Irak +++
Putin lehnt Forderung nach Ende der Irak-Sanktionen ab: Unter Belassung der UN-Kontrolle solle das
Öl-für-Lebensmittel-Programm solle auszuweitet werden +++
USA ziehen ihre Truppen aus Saudi-Arabien ab +++
Irak wird möglicherweise bevorzugter US-Stützpunkt in der Region.
Mi.30.04.03 - Zum zweiten Mal innerhalb von 48 Stunden haben amerikanische Soldaten am
Mittwoch auf Demonstranten in der irakischen Stadt Falluja geschossen. Mindestens
zwei Personen wurden verletzt, berichteten Augenzeugen. Am Montagabend waren
nach Behördenangaben in der 50 Kilometer westlich von Bagdad gelegenen Stadt
13 Demonstranten von amerikanischen Soldaten getötet und 75 verletzt worden.
Das US-Zentralkommando teilte mit, die Soldaten seien zuerst aus der Menge heraus
beschossen worden.
Einwohner von Falludscha (50 Kilometer westlich von Bagdad) und die US-Armee
machten sich am Dienstag gegenseitig für den blutigen Zwischenfall verantwortlich.
Das Zentralkommando in Katar wies Darstellungen zurück, wonach die Soldaten
"unprovoziert" in die Menschenmenge geschossen hätten. Die Soldaten seien von
Irakern mit Kalaschnikows beschossen worden und hätten ihr Recht auf Selbstverteidigung
ausgeübt, heißt es in einer Erklärung vom Dienstag.
Dagegen berichteten Einwohner Falludschas dem Sender El Dschasira, dass die 200 zumeist
jugendlichen Demonstranten unbewaffnet und die Proteste friedlich gewesen seien. Die Demonstranten
hätten von den US-Soldaten die Räumung einer Schule verlangt, in der diese Quartier bezogen
hatten. Darüber hinaus hätten sie den Abzug der Truppen aus der Stadt und dem gesamten Irak gefordert.
Die US-Soldaten hätten dann das Feuer eröffnet.
Der Korrespondent von El Dschasira sprach von einer sehr aufgeheizten Atmosphäre in der Stadt, die vor zwei Tagen
erstmals von US-Soldaten besetzt worden war. Augenzeugen hätten berichtet, dass Steinwürfe auf die US-Soldaten
oder hitzige Beschimpfungen den Zwischenfall ausgelöst haben könnten.
Bei der Beerdigung der Opfer kam es am Dienstag erneut zu Protesten gegen die US-Truppen. Mehrere tausend
Iraker skandierten anti-amerikanische Losungen und schwenkten irakische Nationalfahnen. US-Kampfhubschrauber
flogen über der Stadt.
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) hat eindringlich vor
einem Trinkwassermangel im Süden von Irak gewarnt. Wenn nicht umgehend
gehandelt werde, könnte verunreinigtes Wasser unter den vier Millionen Bewohnern
dieser Region Epidemien auslösen, sagte ein UNICEF-Sprecher am Dienstag. Viele
der Pumpstation seien während des Golfkriegs zerstört und noch nicht wieder
repariert worden, fügte Marc Vergara hinzu. Besonders Chlor werde zur Reinigung
des Wassers aus den Flüssen Tigris und Euphrat benötigt.
In Irak würden die meisten Abwasser ungefiltert in die Flüsse geleitet, sagte
Vergara. Ohne Wiederaufbereitung könnte dieses Wasser zu Krankheiten wie Cholera,
Ruhr und Durchfall führen, der dieser Region tödlich sei. In einem von ihm kürzlich
besuchten Krankenhaus in Umm Qasr seien an einem Morgen 40 Kinder mit diesem
Leiden eingeliefert worden. Ein sechs Monate altes Mädchen haben wegen des
starken Flüssigkeitsverlustes nur noch drei Kilo gewogen.
Laut UNICEF werden umgerechnet etwa 2,7 Millionen Euro zum Kauf von Chlorgas
benötigt, um die Trinkwasserversorgung in dem kommenden drei Monaten
sicherstellen zu können. UNICEF will zudem die Lieferung von Wasser mittels
Tanklastwagen aus Kuwait von derzeit 20 auf täglich 50 aufstocken.
Deutsche Hilfsorganisationen weiten ihren humanitären Einsatz in Irak
aus. Vorrangiges Ziel sei es, die irakische Gesundheitsversorgung zu stabilisieren
und auszubauen, erklärte die Sprecherin der Aktion Deutschland Hilft (ADH), Janina
Niemietz-Walter, am Dienstag in Köln. Man habe immer noch keinen Überblick über
den tatsächlichen Bedarf an medizinischen Hilfsgütern, sagte sie. Die bisherigen
Hilfstransporte seien aber "nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein."
"Noch immer ist das Infektionsrisiko durch verschmutztes Trinkwasser, fehlende Impfstoffe und
Desinfektionsmittel für die Bevölkerung, besonders auch für die Kinder, außerordentlich hoch",
erklärte Niemietz-Walter. Dramatisch sei die Situation im Süden Iraks. Obwohl ein Hilfskonvoi der Johanniter
vergangene Woche in der Stadt Basra eingetroffen sei, könne die medizinische Versorgung weiterhin nicht
gewährleistet werden.
Zu der Aktion Deutschland Hilft haben sich die Organisationen Malteser Hilfsdienst, Johanniter,
Arbeiter-Samariter-Bund, Arbeiterwohlfahrt, Adra, Help, Care, Paritätischer Wohlfahrtsverband und World Vision
zusammengeschlossen, um Hilfsaktionen im Ausland besser koordinieren zu können.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hofft auf eine baldige Einigung im
Sicherheitsrat über die Rolle der Vereinten Nationen im Irak. Vor Reportern sprach
er allerdings nicht von einer bedeutenden, sondern nur noch von einer "effektiven"
Rolle der UN beim Wiederaufbau des Irak.
Die USA wollen dem Weltsicherheitsrat in den kommenden Tagen einen um die Sanktionen
gegen Irak aufzugeben und das Öl-für-Lebensmittel-Programm auslaufen zu lassen, das die
irakischen Öllieferungen unter UN-Kontrolle stellt. Damit soll die Führungsrolle der USA bei
der Gestaltung der Nachkriegsordnung im Irak völkerrechtlich abgesegnet werden.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich am Dienstag vom
britischen Premierminister Tony Blair nicht von seinem Konfrontationskurs zu den
USA abbringen lassen: Vor der von den USA geforderten Aufhebung der
UN-Sanktionen gegen Irak müsse der Beweis über die Verschrottung der irakischen
Massenvernichtungswaffen her, forderte Putin nach einem zweistündigen Gespräch
mit Blair in Moskau. Zudem könne der nachhaltige Wiederaufbau Iraks nur mit einer
starken Rolle der UN gelingen.
Putin wies darauf hin, dass die Amerikaner ihren Krieg durch die Gefahr begründeten, die
von Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen ausgegangen sei.
"Wo ist Saddam? Wo ist sein Arsenal - wenn es denn wirklich eines gab?", fragte
Putin. "Vielleicht sitzt er irgendwo in einem geheimen Bunker, um seine Waffen im
letzten Augenblick noch hoch zu jagen und Hunderte von Menschenleben zu gefährden."
Der Verbleib der Waffen müsse vor einer Aufhebung der Sanktionen geklärt werden.
Eine Nachkriegsregelung in Irak ohne Unterstützung und Beteiligung der Vereinten Nationen werde "wohl kaum stabil,
fair und von langer Dauer" sein, sagte der Präsident an die Adresse der USA, die der UN keine bedeutende Rolle
einräumen wollen. Zum Schutz von UN-Waffeninspekteuren, die die Suche nach Massenvernichtungswaffen
durchführen müssten, schlug Putin eine Friedenstruppe vor. Weiter forderte er, das Öl-für-Lebensmittel-Programm
auszuweiten und unter UN-Kontrolle zu belassen: Genau das Gegenteil will US-Präsident George W. Bush.
Blair bezeichnete das Nachkriegsirak als "Nagelprobe" für die Fähigkeit der mächtigsten Länder, gemeinsam gegen
die Bedrohungen der Welt vorzugehen. Es müsse ein Geben und Nehmen auf beiden Seiten geben. Einerseits müsse
die Kriegskoalition den UN eine entscheidende Rolle einräumen. Andererseits sollten die Kriegsgegner einsehen,
dass die Länder, die ihre Soldaten in den Krieg schickten, die Kontrolle nicht einfach aus den Händen geben könnten.
Die USA ziehen ihre Truppen aus Saudi-Arabien ab. Das kündigte
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bei einem Besuch in Saudi-Arabien an.
Zur Begründung sagte Rumsfeld auf einer amerikanischen Luftwaffenbasis bei Riad,
die Truppen würden dort nicht mehr gebraucht, da nach dem Ende des Irak-Krieges
die Überwachung der Flugverbotszonen beendet sei. Das US- Luftkontrollzentrum
soll zum Stützpunkt El Udaid in Katar verlegt werden.
Die saudiarabische Regierung erklärte, sie habe nicht um den Abzug ersucht. Experten
sprachen von weit reichenden politischen Implikationen für die Region.
Die US-Truppen in Saudi-Arabien waren vielen Bürgern ein Dorn im Auge. "In Saudi-Arabien wurde schon sehr lang
(gegen die US-Präsenz) agitiert", sagte Charles Heyman, Redakteur des Militär-Fachblatts Jane's World Armies. "Und
es war auch eine der Hauptforderungen der El Kaida, dass ausländische Streitkräfte von dem heiligen Boden
Saudi-Arabiens entfernt werden sollen." Die USA seien damit ein riesiges Problem los. Die USA machen die
radikal-moslemische Gruppe El Kaida unter anderem für die Anschläge am 11. September 20001 verantwortlich.
Der Militärexperte Paul Beaver sagte, der Abzug "verringert die amerikanische Abhängigkeit von Saudi-Arabien und
lässt die Möglichkeit offen, dass Irak der bevorzugte amerikanische Stützpunkt in der Region wird." Insgesamt seien
die militärischen Auswirkungen vermutlich gering, die politischen dagegen immens. Der Abzug werfe die Frage auf,
wie sich die USA künftig gegenüber Saudi-Arabien verhalten werde.
In den zwölf Jahren seit Einrichtung der südlichen Flugverbotszone haben die USA rund 286.000 Einsätze von dem
Luftwaffenstützpunkt in Saudi-Arabien geflogen. Die nördliche Flugverbotszone wurde von Incirlik in der Türkei aus
überwacht. Auch von dort sollen US-Truppen abziehen. (Quellen: ap, rtr, dpa)
Iraks Nationalmuseum erhebt schwere Vorwürfe gegen USA wegen Plünderungen
Mi.30.04.03 - Das geplünderte Irakische Nationalmuseum hat
schwere Vorwürfe gegen die USA erhoben. Die US-Truppen in
Bagdad hätten die Plünderungen verhindern können, wenn sie einen
Panzer "50 oder 60 Meter weiter" vor das Museum gefahren hätten,
sagte der Forschungsdirektor des Museums, Donny George,
gestern bei einer internationalen Konferenz im Britischen Museum
in London. Mitarbeiter des Museums hätten die Truppen
"angefleht", den Panzer zu bewegen. "Das hätte das Museum
gerettet. Aber sie haben gesagt, sie hätten keine Anweisungen
dafür, und sind drei Tage weggeblieben", sagte George. Er schließe
nicht aus, dass dies "absichtlich" geschehen sei.
Die Unesco will eine internationale Datenbank aufbauen, in der alle
im Irak verschwundenen Kunstgegenstände gespeichert sind.
Polizei und Zollbehörden in aller Welt könnten dann jeweils sehr
schnell überprüfen, ob sie möglicherweise auf Schmuggelgut
gestoßen seien, teilte die UN-Organisation bei der Konferenz mit.
Dabei werde man eng mit Interpol kooperieren.
An der Konferenz nahmen Vertreter archäologischer Museen aus
dem Irak, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, den
Niederlanden und den USA teil. Die Konferenz appellierte an die
USA, die irakischen Grenzen besser zu kontrollieren, um den
Schmuggel von Kunstobjekten zu unterbinden. Den
UN-Sicherheitsrat forderten die Museenvertreter auf, Sanktionen
gegen Länder zu beschließen, die solchen Schmuggel zuließen.
John Curtis, Nahostexperte des Britischen Museums, sagte, die
Plünderer hätten nicht nur gestohlen, sondern viele Jahrtausende
alte Kunstschätze auch mutwillig zerstört, ebenso wie das Archiv
des Museums. Sein Wiederaufbau werde Monate oder Jahre in
Anspruch nehmen. (Quelle: taz [dpa])
«Die Folgen des Krieges sind im Irak noch allgegenwärtig. Brief aus Bagdad»
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«Wenn es gilt, diesen Irak-Krieg zu verteidigen, ist Hitler 'die Mutter aller Argumente'»
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«Was kommt nach dem Überfall auf den Irak? »
«Wir sind Zeugen eines monströsen Verbrechens gegen die
Menschlichkeit, eines Verbrechens gegen das irakische Volk
und gegen den einst souveränen Staat Irak. Mit ihrem
unprovozierten, völkerrechtswidrigen Überfall auf den Irak
haben die USA die vom internationalen Recht garantierte
Souveränität der Staaten, eine der wichtigsten
Errungenschaften der Neuzeit, zu Makulatur gemacht. Die
Proteste von Millionen Menschen, die weltweit gegen diese
Barbarei demonstrierten (ein bisher einmaliges Ereignis in der
Geschichte), blieben ohne Wirkung.
"Operation Iraqui Freedom" hat die Bush-Regierung ihre
Invasion zur Verwandlung des Irak in ein US-Protektorat
genannt – Ausdruck ihres grenzenlosen Zynismus. "Freiheit
heißt jetzt Massenmord!" kommentierte die indische
Schriftstellerin Arundhati Roy in der Frankfurter Allgemeinen
Zeitung (3.4.03). "Befreit" wird der Irak von seinem Öl, von
seiner Kultur und von seiner mehr als 6000 Jahre alten
Geschichte. (...)
Wer glaubt, nach dem Überfall auf den Irak sei das Schlimmste
überstanden und es werde wieder "Normalität" einkehren,
der unterliegt einer gefährlichen Täuschung...»
Aus einem Vortrag von Alexander Bahar, den er bei
einer Veranstaltung der "Initiative gegen den Irak-Krieg"
am 25. April im "Schießhaus" in Heilbronn gehalten hat.
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Rumsfeld: Haben keine geheimen Pläne gegen Syrien
Mi.30.04.03 - Die USA haben nach den Worten von Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld keine geheimen Pläne, nach dem Irak-Krieg gegen einen weiteren
Golfstaat vorzugehen.
Zudem sagte Rumsfeld am Dienstag in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad, die USA
hätten Syrien nicht gedroht, als sie dem Land vor rund zwei Wochen Einflussnahme im
Irak vorwarfen. Zugleich bekräftigte er die Vorwürfe. Syrien habe Vertretern der gestürzten
irakischen Regierung Zuflucht gewehrt, sagte Rumsfeld. Zuvor habe das Land Waffenlieferungen
und die Entsendung von Kämpfern in den Irak ermöglicht. Die frühere Anschuldigung, Syrien
strebe nach Massenvernichtungswaffen, wiederholte Rumsfeld nicht.
"Wir haben keine Geheimpläne", sagte Rumsfeld bei einer Pressekonferenz nach
einem Treffen mit dem saudi-arabischen Verteidigungsminister Prinz Sultan bin
Abdul-Asis. "Ich halte es für eine falsche Darstellung, dass wir Syrien gedroht
hätten. Wir drohen nicht. Es war eine Tatsache, keine Drohung."
Die Vorwürfe hatten Befürchtungen in der arabischen Welt geweckt, dass die USA
nach dem Irak-Krieg militärisch gegen Syrien vorgehen könnten. (Quelle: rtr)
Nordkorea: Müssen wegen USA Abschreckung aufbauen und einsetzen
Mi.30.04.03 - Die Politik der USA zwingt Nordkorea nach eigenen Angaben zum
Aufbau und zur Umsetzung einer Abschreckungsstrategie. Eine entsprechende
Erklärung des nordkoreanischen Außenministeriums vom Mittwoch galt als erste
öffentliche Andeutung, dass das kommunistische Land über Atomwaffen verfügen
könnte.
"Die Realität erfordert es, dass Nordkorea sich den zunehmenden Versuchen der
USA entgegenstellt, Nordkorea mit physischer Gewalt zu unterdrücken (und)
zwingen es sich für den Besitz einer notwendigen Abschreckung und deren
Umsetzung zu entscheiden", hieß es in der von der staatlichen Nachrichtenagentur
KCNA verbreiteten Erklärung.
In der vergangenen Woche hatten Vertreter der USA, Nordkoreas und Chinas über
eine Lösung des seit Monaten andauernden Streits um Nordkoreas Atomprogramm
beraten. Nach US-Angaben hatte Nordkorea bei dem Treffen erklärt, es verfüge über
Atomwaffen. Das kommunistische Land selbst hatte dazu nicht offiziell Stellung
genommen. (Quelle: rtr)
Nordkorea sagt Südkorea erneut Zusammenarbeit im Atomstreit zu
Mi.30.04.03 - Nordkorea hat bei neuen Annäherungsgesprächen mit Südkorea
erneut einer Zusammenarbeit für eine friedliche Lösung des Konflikts um sein
Atomprogramm zugestimmt. Zum Abschluss viertägiger Ministergespräche in
Pjöngjang teilten beide Seiten am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung mit,
sie "werden über ihre jeweiligen Positionen zur Nuklearfrage auf der Halbinsel
diskutieren und ihre Kooperation fortsetzen, um den Atomstreit friedlich durch
Dialog beizulegen".
Ähnliche Vereinbarungen hatten beide Koreas bereits bei den Ministerrunden im
Oktober und Januar getroffen, ohne dass Pjöngjang die von Seoul erhofften
Zugeständnisse im Atomkonflikt gemacht hatte.
Die jüngsten Gespräche über eine Verbesserung der Beziehungen erfolgten nur
wenige Tage nach dem angeblichen Eingeständnis Nordkoreas gegenüber einem
US-Gesandten, Nuklearwaffen zu haben.
Trotz der Spannungen wegen der Nuklearfrage einigten sich beide Koreas auf die Wiederaufnahme wirtschaftlicher
Kooperationsprojekte wie der Wiederherstellung von Verkehrsverbindungen und weitere Gespräche. Auch stimmten
beide Seiten einem gemeinsamen "Wiedervereinigungsfest" und neuen Zusammenführungen von getrennt lebenden
Familien im Juni zu. Außerdem solle das Projekt zum Bau eines ständigen Treffpunkts für Familien aus beiden Teilen
Koreas beschleunigt werden. Die nächsten Ministergespräche sind für den 9. bis zum 12. Juli in Seoul geplant.
(Quelle: dpa)
Ultra-konservativer Richter wird Generalstaatsanwalt von Teheran
Mi.30.04.03 - Einer der Hauptvertreter der ultra-konservativen Justiz in Iran, Richter Said
Mortasawi ist zum Generalstaatsanwalt von Teheran ernannt worden. Wie die
amtliche Nachrichtenagentur Irna am Dienstag meldete, erfolgte die Nominierung
durch Justizminister Ayatollah Mahmud Haschemi Schahrudi. Sein Amt als
Generalstaatsanwalt soll Mortasawi am 18. Mai antreten. Der Richter war in den
vergangenen drei Jahren maßgeblich an der Schließung der meisten der 95
gemäßigten Zeitungen beteiligt, die überwiegend von Anhängern des Reformkurses
von Präsident Mohammed Chatami geleitet wurden. (Quelle: afp)
(Quelle: afp)
Palästinenser-Parlament billigt neues Kabinett
Mi.30.04.03 - Das Palästinenser-Parlament hat am Dienstag das Kabinett des ersten palästinensischen
Ministerpräsidenten, Mahmud Abbas, bestätigt und damit den Weg für die Vorlage eines Nahost-Friedensplan geebnet.
Unmittelbar nach der Abstimmung in Ramallah kündigten die
USA die baldige Veröffentlichung eines von internationalen
Vermittlern ausgearbeiteten Plans an. Zuvor hatte Abbas im
Parlament seine Absicht bekräftigt, gegen militante Gruppen
vorzugehen und diese entwaffnen zu lassen. Vertreter der
Gruppen wiesen das umgehend zurück. Abbas' Regierung soll
am Mittwoch vereidigt werden.
Mit 51 zu 18 Gegenstimmen billigte das Parlament Abbas' Regierung. "Ich bin froh
über jene, die dafür und über jene, die dagegen gestimmt haben. Ich hoffe mein
Kabinett und ich werden unser Volk nicht enttäuschen", sagte Abbas, der auch
unter seinem Kampfnamen Abu Masen bekannt ist. Abbas wird wegen seines
moderaten Kurses gegenüber Israel von den USA und der Europäischen Union (EU)
als Hoffnungsträger für Fortschritte im Nahost-Friedensprozess gesehen. Das Amt eines
Ministerpräsidenten war auf ihren Druck hin geschaffen worden.
Die USA hatten dies als Voraussetzung für die Veröffentlichung eines Friedensplans benannt, den sie
gemeinsam mit der EU, den Vereinen Nationen (UNO) und Russland ausgearbeitet haben. Ein Sprecher des
US-Präsidialamts sagte, "der Präsident freut sich darauf, mit der Palästinenser-Regierung, dem palästinensischen
Volk, der israelischen Regierung und dem israelischen Volk zusammenzuarbeiten, um die Sache des Friedens im
Nahen Osten voranzubringen." Der Plan sieht die Schaffung eines palästinensischen Staates bis 2005 vor.
Abbas hatte zuvor in seiner Parlamentsrede erklärt, Waffen gehörten ausschließlich in die Hände der Regierung. "Die
Beendigung des bewaffneten Chaos', das eine direkte Bedrohung der Sicherheit der Bürger darstellt, wird eine unserer
wichtigsten Aufgaben sein." Konkrete Schritte nannte er nicht.
Die beiden größten militanten Palästinenser-Gruppen Hamas und Islamischer Dschihad erklärten, solange Israel
palästinensisches Land besetzt halte, würden sie ihre Waffen nicht ablegen. "Selbstverständlich lassen wir uns nicht
entwaffnen", sagte ein hochrangiger Hamas-Vertreter. Beide Gruppen haben zahlreiche Attentate auf Israelis verübt
und lehnen die Existenz Israels grundsätzlich ab.
Palästinenser-Präsident Jassir Arafat hatte das Parlament vor Abbas' Rede zur Unterstützung des neuen Kabinetts
aufgefordert. Er hoffe, das Parlament und das neue Kabinett würden der Welt deutlich machen, dass das
palästinensische Volk seine Freiheit und Unabhängigkeit auf friedlichem Weg erreichen wolle, sagte er. Dem neuen
Kabinett gehören sowohl Kritiker als auch Anhänger Arafats an.
Der Palästinenser-Präsident hatte sich lange Zeit gesträubt, dem internationalen Druck nachzugeben und einen
Regierungschef zu benennen. Abbas gilt als Gegner des seit 31 Monaten anhaltenden bewaffneten
Palästinenser-Aufstandes, bei dem bislang mehr als 2700 Menschen ums Leben kamen. Israels Ministerpräsident
Ariel Scharon hat seine Bereitschaft erklärt, Abbas zu treffen und vage über schmerzhafte Kompromisse gesprochen,
die von Israel verlangt werden könnten. (Quelle: rtr)
Porträt: Mahmud Abbas
Mahmud Abbas (68) wird als erster Ministerpräsident der Palästinenser vor einer kaum lösbaren
Aufgabe stehen. Der Mann, der 1993 die Oslo-Verträge mit Israel aushandelte, der die bewaffnete
Intifada gegen Israel von Anfang an kritisierte, muss nun beweisen, dass er die Waffen
zum Schweigen bringen und ein friedliches Ende des unlösbar
scheinenden Nahostkonflikts herbeiführen kann.
Neun lange Jahre hatte er sich in Ramallah im Hintergrund
gehalten. Ein Ministeramt unter dem PLO-Vorsitzenden Jassir
Arafat lehnte er ab, als wollte er sich für die Zukunft bereit
halten. Jetzt hat der 1935 in Safed (heute Israel) geborene Politiker es an die Spitze
geschafft. Doch niemand beneidet ihn um sein Amt.
Abbas, der 1948 mit seinen Eltern nach Damaskus floh, war Mitbegründer der PLO
und der Fatah-Bewegung Arafats. Er gehörte von Anfang an zur
Palästinenserführung im Exil. 1980 wurde er an die Spitze des PLO-Vorstands
gewählt und gilt seither als Arafats Vize. «Abu Masen», der einen Doktortitel der
Universität Moskau im Fachbereich «israelische Politik» besitzt, gilt seit langem als
Befürworter der Aussöhnung zwischen Israel und den Palästinensern.
Abbas, der als politischer Realist gilt, genoss bisher innerhalb der PLO hohes
Ansehen, hat jedoch nicht den nötigen Rückhalt in der Fatah-Fraktion im Parlament
und in der Bevölkerung, was sich nicht zuletzt bei Umfragen immer wieder zeigt.
Beliebt ist er nicht, und geliebt, wie eins Arafat, wird er auch nicht. Kaum ein
Palästinenser traut ihm zu, ein Ende der Intifada und ein ehrenvolles
Friedensabkommen mit Israel herbeiführen zu können. Dennoch war es die Fatah,
die zuletzt darauf drängte, dass er und nicht eine «politische Marionette» zum
Regierungschef ernannt wurde, wie Arafat dies plante. «Wenn es einer schaffen
kann, dann Abu Masen», heißt es heute allenthalben in Ramallah. (Quelle: dpa)
Selbstmordanschlag fordert vier Menschenleben in Tel Aviv
Mi.30.04.03 - Nur wenige Stunden nach der Bestätigung des neuen
palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas hat ein Selbstmordattentäter
in Tel Aviv drei Menschen mit in den Tod gerissen. Wie Polizei und Rettungskräfte
am Mittwochmorgen mitteilten, wurden 55 Personen verletzt, sechs davon schwer.
Der Mann sprengte sich vor einer gut besuchten Bar an der Strandpromenade
unweit der US-Botschaft in die Luft. Die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden und die militante
Hamas-Bewegung übernahmen die Verantwortung für den Anschlag.
Ein Sprecher der Al-Aksa-Brigaden, die der Fatah-Bewegung von Präsident Jassir Arafat nahe stehen, teilte mit, die
Hamas und seine Gruppe hätten den aus Tulkarem stammenden Selbstmordattentäter nach Tel Aviv geschickt. Der
Anschlag habe zwei Ziele gehabt: Vergeltung für die Tötung ihrer Mitglieder durch Israel und eine Botschaft an Abbas,
das "niemand die Widerstandsbewegungen ohne eine politische Lösung entwaffnen kann".
Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon erklärte, der jüngste Anschlag sei ein Beweis dafür,
dass "dem palästinensischen Terrorismus kein Einhalt geboten wurde". Die neue palästinensische Regierung müsse
umgehend solche Angriffe stoppen.
Das US-Außenministerium verurteilte den Anschlag scharf. Für die Gewalt und die Terrorattacken gegen die
israelische Bevölkerung gebe es keine Entschuldigung, sagte Sprecherin Nancy Beck. (Quelle: ap)
Generalstreik lähmt öffentliches Leben in Israel
Mi.30.04.03 - In Israel hat ein Generalstreik das öffentliche Leben weitgehend zum
Stillstand gebracht. Rund 700 000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes legten die
Arbeit unbefristet nieder. Der Protest richtet sich gegen ein Sparpaket von
Finanzminister Benjamin Netanjahu, das Jobabbau, Rentenkürzungen und die
Abschaffung von Flächentarifen vorsieht. Der Nahverkehr kam am Morgen zum
Erliegen. Der internationale Flughafen Tel Aviv wurde geschlossen. Nahezu alle
Rundfunkkanäle schweigen. Die Müllabfuhr streikt ebenfalls. (Quelle: dpa)
«Wirtschaftskrise und Intifada zersetzen zunehmend die israelische Gesellschaft»
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Israel gedenkt der sechs Millionen Holocaust-Opfer
Mi.30.04.03 - Im Gedenken an die sechs Millionen jüdischen Opfer des Nationalsozialismus
hat der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon vor anhaltender antisemitischer Gewalt
gewarnt. Im vergangenen Jahr sei die Zahl derart motivierter Angriffe weltweit gestiegen, sagte
Scharon anlässlich des Holocaust-Gedenktags. Um 10.00 Uhr heulten am Dienstag in Israel die
Luftschutzsirenen und leiteten eine Schweigeminute für die Holocaust-Opfer ein. Autofahrer hielten
auf offener Straße an - ein Zeichen für die hohe Bedeutung, die dieses Gedenken in Israel hat.
Die Feierlichkeiten begannen am Montagabend in der Gedenkstätte Jad Vaschem.
Scharon erklärte dort, die antisemitische Propaganda verstecke sich oft nur leicht
verschleiert hinter einer antiisraelischen Propaganda. "Der legitime Kampf Israels
gegen den palästinensischen Terrorismus wird oft nur als Vorwand für brutale und
systematische Angriffe auf Juden und jüdische Einrichtungen in aller Welt benutzt",
sagte Scharon, der den harten israelischen Kurs in den palästinensischen
Autonomiegebieten verteidigte.
Der israelische Präsident Mosche Katzav nahm am Dienstag in Polen gemeinsam
mit Staatspräsident Aleksander Kwasniewski an einer Gedenkfeier und am drei
Kilometer langen Marsch der Lebenden teil, der vom ehemaligen
Konzentrationslager Auschwitz zu den Ruinen des Krematoriums Birkenau führt.
Dort wurden rund 1,1 Millionen Menschen umgebracht, zumeist Juden. Auschwitz
sei das Symbol schlechthin für "Grausamkeit, Leblosigkeit und das Böse", sagte
Katzav.
Der Holocaust-Gedenktag fällt in diesem Jahr zusammen mit dem 60. Jahrestag
des Aufstands im Warschauer Getto. Hunderte jüdische Kämpfer hatten dort am 19.
April den Kampf gegen die deutschen Truppen aufgenommen, ihre aussichtsloser
Gegenwehr währte drei Wochen. In Polen lebten vor dem Zweiten Weltkrieg rund 3,5
Millionen Juden, 380.000 alleine in Warschau. Es war die größte jüdische
Gemeinde in Europa. Heute leben in ganz Polen rund 20.000 Juden. (Quelle: ap)
19.April 1943: Aufstand im Warschauer Ghetto
Als deutsche Truppen am 19. April 1943 alle im Warschauer
Getto lebenden Juden nach Auschwitz deportieren wollten, stießen sie
überraschend auf Widerstand. Der Aufstand der mit dem Mut der Verzweiflung
kämpfenden Frauen und Männer gegen die Waffen-SS dauerte vier Wochen bis zum
16. Mai 1943. Die letzten Überlebenden wurden in Vernichtungslager
abtransportiert...
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In früherem KZ wichtige Dokumente gefunden
Mi.30.04.03 - Auf dem Gelände des früheren Konzentrationslagers Neuengamme
bei Hamburg haben Bauarbeiter ein 59 Jahre altes Dossier ehemaliger Häftlinge
entdeckt. Wie die Gedenkstätte Neuengamme am Dienstag mitteilte, besteht das
Dokument aus 14 beidseitig beschriebenen Zetteln. Darauf sind 408 Häftlinge mit
Name, Beruf und Herkunftsort verzeichnet. Der Fund sei von enormem Wert, sagte
Jens Michelsen, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte.
Ein Großteil der Dokumente in Neuengamme sei nach dem Zweiten Weltkrieg
vernichtet worden, hieß es: "Es gibt nur ganz wenige Zeugnisse aus der KZ-Zeit."
Bei den verzeichneten Häftlingen handelt es sich um ehemalige französische
Minister, Geistliche und andere "wichtige Funktionsträger" in Frankreich, erklärte
Michelsen.
Nach Angaben der Gedenkstätte sind die französischen Gefangenen im Juli 1944
nach Neuengamme gekommen. Sie waren dort in einem abgetrennten Bereich, dem
"Prominentenlager", untergebracht. Das Dossier ist dort vermutlich bei Umbauarbeiten
versteckt worden. Im April 1945 kamen die Gefangenen nach Theresienstadt. Fast alle
haben den Krieg überlebt.
Etwa einen Meter von dem in Zeitungspapier eingewickelten Dokumenten entfernt fanden die Bauarbeiter außerdem
mehrere Lederstücke. "Wir gehen davon aus, dass sie nichts mit dem Dossier zu tun haben", sagte der Mitarbeiter.
Sie seien aber wahrscheinlich bewusst für Tauschgeschäfte dort hingelegt worden. Die beiden Fundstücke werden
nun restauriert und sollen in der Ausstellung der Gedenkstätte zu sehen sein. Die Fundstücke wurden beim Umbau
der früher von der SS genutzten Garagen entdeckt.
(Quelle: ap)
Studie offenbart mehr als 500.000 Kinderarbeiter in Guatemala
Mi.30.04.03 - In Guatemala sind nach einer internationalen Studie mehr als 500.000 Kinder
zwischen sieben und 14 Jahren als Arbeiter beschäftigt. Drei Viertel von ihnen
arbeiteten in der Landwirtschaft, teilte die Nationale Statistikbehörde am Montag
(Ortszeit) mit. Nach der Studie des UN-Kinderhilfswerkes UNICEF, der
internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Weltbank stehen in dem
mittelamerikanischen Land zudem mehr als 418.000 Jugendliche zwischen 15 und
18 Jahren in Lohn und Brot. Viele der Kinder gingen nicht zur Schule und arbeiteten
bis zu 58 Stunden pro Woche. Nach guatemaltekischem Recht ist Arbeit für Kinder
unter 14 Jahren verboten, dennoch arbeiteten mehr als 200.000 Kinder zwischen
fünf und elf Jahren. (Quelle: afp)
Amnesty beklagt Übergriffe auf ethnische Minderheiten im Kosovo
Mi.30.04.03 - Auch vier Jahre nach dem Krieg im Kosovo kommt es dort laut
der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) täglich zu Übergriffen
auf ethnische Minderheiten. Viele Täter gehen weiterhin straffrei aus, und die Opfer
warten vergeblich auf Entschädigung, wie AI am Dienstag mitteilte.
Die Straflosigkeit führe dazu, dass viele Serben, Bosnier, Roma und andere
Angehörige ethnischer Minderheiten sich nicht frei bewegen könnten. Sie seien auf
den persönlichen Schutz durch die KFOR-Truppen angewiesen. Die
Menschenrechtsorganisation fordert deshalb die internationale Übergangsregierung
und -verwaltung (UNMIK) und die Provisorische Gemeinsame Verwaltungsstruktur auf,
die Straflosigkeit effektiver zu bekämpfen und die Minderheiten besser zu schützen.
Sie sollen den Minderheiten auch soziale Grundrechte garantieren. Der Zugang zu
medizinischer Versorgung, Schulen oder Arbeit sei für Angehörige ethnischer
Minderheiten unmöglich oder zumindest erschwert. "Solange die Menschen in
Kosovo nicht in Sicherheit leben können, ist Flüchtlingen und Vertriebenen die
Rückkehr in ihre Heimat nicht möglich, und sie dürfen auch nicht zwangsweise
dahin gebracht werden", schreibt Amnesty weiter.
(Quelle: ap)
Vertriebene Zyperngriechen stürmen Pufferzone
Mi.30.04.03 - Rund 200 vor fast 30 Jahren aus Nordzypern vertriebene
Inselgriechen haben eine Pufferzone zwischen dem
griechischen Süden und dem türkisch besetzten Norden
der Insel gestürmt. Die Menschen hätten nach der
Stürmung eines UN-Kontrollpostens versucht, in ihr
früheres Heimatdorf zurückzukehren, teilten die
griechisch-zyprischen Behörden mit. Der zyprische Justizminister Doros Theodorou
bestätigte den Vorfall.
Der griechische Privatsender Mega TV zeigte, wie die Menschen östlich von Kato
Pyrgos UN-Blauhelmsoldaten überrannten und versuchten, in ihre früheren Häuser
im türkisch kontrollierten Dorf Limnitis zu gelangen.
Seit der Grenzöffnung am vergangenen Mittwoch überquerten zehntausende Zyprer
die Demarkationslinie, um den jeweils anderen Teil der Insel zu besuchen. Zypern
ist geteilt, seit türkische Soldaten 1974 in den Norden der Insel einmarschierten, um
einen Anschluss an Griechenland zu verhindern. Der EU-Beitritt der Republik Zypern
unter ihrem Präsidenten Tassos Papadopoulos ist für Mai kommenden Jahres
vorgesehen. Der türkische Volksgruppenführer Rauf Denktasch hat einen
UN-Friedensplan zur Vereinigung der beiden Inselteile abgelehnt. Die Regierung von
Denktaschs "Türkischer Republik Nordzypern" wird nur von Ankara anerkannt.
(Quelle: afp)
EZB: EU-Beitrittsländer machen Fortschritte bei Anpassung
Mi.30.04.03 - In der Anpassung ihrer Volkswirtschaften an
die Europäische Union (EU) haben die Beitrittsländer einer Analyse
der Europäischen Zentralbank (EZB) zufolge beachtliche
Fortschritte erreicht. Die Angleichung der Pro-Kopf-Einkommen
müsse aber noch stärker vorangetrieben werden.
Trotz der weltweit schwachen Konjunktur wiesen die meisten
Beitrittsländer 2002 eine positive Wirtschaftsentwicklung aus, heißt
es in dem am Dienstag veröffentlichten EZB-Jahresbericht für 2002.
Die Wachstumsdifferenzen zum Euro-Raum seien zum Teil sogar
ausgebaut worden, während die Inflation beachtlich gebremst
worden sei. So haben sich in den zehn Beitrittsländern die Inflationsraten von rund
zehn Prozent um die Jahrtausendwende bis zu einem Stand von 3,5 Prozent Ende
2002 verringert und damit dem Durchschnitt der Euro-Zone von 2,3 Prozent
angenähert.
Für niedrige Inflationsraten zu sorgen, wie es eines der Kriterien zur Aufnahme in
die Währungsunion verlangt, wird nach Einschätzung der EZB jedoch in Zukunft
nicht einfach sein. Reformen und Produktivitätszuwachs dürften weiterhin für
Unterschiede bei den Teuerungsraten sorgen. "Schließlich könnten auch
die in einigen Beitrittsländern jüngst verzeichneten haushaltspolitischen
Zielverfehlungen die hart erarbeiteten Fortschritte bei der Stabilisierung und
Disinflation gefährden", warnt die EZB in dem Bericht, den sie ausdrücklich nicht
als formale Konvergenzbeurteilung für den Beitritt der Länder zur Euro-Zone
verstanden wissen will.
Mitte April haben zehn Länder - die drei Baltenrepubliken
Estland, Lettland und Litauen, Ungarn, Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Zypern und Malta - die Verträge zum
EU-Beitritt im Mai 2004 unterzeichnet. Da zum Aufnahmetest in die Währungsunion eine mindestens zweijährige
Teilnahme am Europäischen Wechselkursmechanismus gehört, können sich die ersten Länder voraussichtlich von
2007 an der Euro-Zone anschließen.
Großen Nachholbedarf sieht die EZB noch bei der realen Konvergenz, die allerdings kein offizielles Zutrittskriterium
ist. Damit ist das Pro-Kopf-Einkommen und die Angleichung wirtschaftlicher Strukturen gemeint. Das
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner entsprach zuletzt erst 44 Prozent des Durchschnitts im Euroraum. "Das
Wirtschaftswachstum und die Reform des Rechtssystems und der Institutionen müssen mit unvermindertem Tempo
fortgesetzt werden, um den Aufholprozess bei den Realeinkommen zu beschleunigen", heißt es in dem Bericht.
(Quelle: rtr)
«Gats: Die EU präsentiert ihr Angebot an liberalisierbaren Dienstleistungen. Neu ist eine geplante Quotenregelung für ausländische Arbeitnehmer. Arbeit ohne Grenzen»
Die Gewerkschaften warnen seit geraumer Zeit vor den
Gefahren des Gats-Abkommens, weil sie ausländische Dumpingarbeiter
fürchten, die das heimische Lohnniveau und die Sozialstandards
drücken.
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Gats-Kritik:
«Wissenschaftler gegen europäische Software-Patente»
Eine Gruppe namhafter europäischer Wissenschaftler hat sich in einer Petition an das Europäische Parlament klar gegen
die befürchtete Einführung eines Patentschutzes für Software ausgesprochen. Allgemeine Software-Algorithmen sowie
grundlegende Datenverarbeitungs- und -darstellungsmethoden sollen nach dem Willen der Wissenschaftler von
Patentansprüchen grundsätzlich ausgeschlossen und ein gleichlautender Passus im Gemeinschaftsrecht der Europäischen Union
verankert werden. (Quelle: heise)
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EU soll Militäreinsätze ohne NATO-Hilfe führen
Mi.30.04.03 - Die EU will militärische Einsätze künftig auch ohne Hilfe
der NATO planen und führen können. Ein entsprechendes
Planungszentrum soll bis Juni 2004 aufgebaut sein und
bei Einsätzen unter UN-Mandat aktiv werden. Diesen
Vorschlag machten Deutschland, Frankreich, Belgien und
Luxemburg den EU-Partnern bei ihrem Vierer-Gipfel in
Brüssel. Damit solle die EU-Sicherheits- und
Verteidigungspolitik eine glaubwürdigere militärische Komponente erhalten, sagte
der belgische Ministerpräsident Guy Verhofstadt. Die US-Regierung hat die
Brüsseler Verteidigungsinitiative mit Skepsis aufgenommen.
Verhofstadt, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Frankreichs Staatspräsident
Jacques Chirac und der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker
waren nach dem Treffen sichtlich bemüht, ihre Initiative nicht als Schwächung der
transatlantischen Beziehungen darzustellen. Es sei "nicht unser Verständnis", mit
einer Stärkung der europäischen Verteidigung einen Gegenpol zu den USA
aufzubauen, sagte Schröder. "Wir haben innerhalb der NATO nicht zuviel Amerika,
sondern zu wenig Europa", fügte der Kanzler hinzu.
Die Vorschläge richten sich sowohl an den EU-Reformkonvent,
der bis zum Somnmer einen Verfassungsentwurf ausarbeitet, als
auch an die anderen EU-Staaten. Diskutiert werden soll die
Initiative erstmals bereits beim EU-Außenministertreffen ab
Freitag in Griechenland.
Die vier Länder schlagen vor, künftig im EU-Vertrag eine
allgemeine Klausel über Solidarität und gemeinsame Sicherheit
aufzunehmen, an die alle Mitgliedstaaten gebunden sind. Eine
europäische Agentur soll für Entwicklung und Beschaffung militärischer Fähigkeiten sowie die Kompatibilität der
Armeen zuständig sein. Nach dem Konzept einer Europäischen Sicherheits- und Verteidigungsunion (ESUV) sollen
sich integrationswilligere Staaten zum Beistand bei jeder Art von Gefahr verpflichten.
Der britische Premierminister Tony Blair hat die Pläne Deutschlands, Frankreichs,
Belgiens und Luxemburgs für eine gemeinsame Verteidigungspolitik kritisiert.
Der Sieben-Punkte- Plan habe die EU im Kern gespalten, sagte Blair am Dienstag
am Rande eines Besuchs in Russland. «Ich will ein einflussreiches und starkes Europa,
aber ich will es einflussreich und stark an der Seite der USA, nicht als ihr
Rivale.»
Auch US-Außenminister Colin Powell äußerte sich kritisch zur der
Verteidigungsinitiative. In einer Kongressanhörung in Washington sagte Powell, die
EU sollte sich auf eine Verbesserung ihrer militärischen Fähigkeiten konzentrieren
statt ein neues Kommando zu schaffen. Die Einrichtung einer solchen militärischen
Zentrale könne nicht die Lücken innerhalb der NATO bei den Ausgaben für die
Streitkräfte und deren Ausrüstung wettmachen. "Was wir brauchen sind nicht
weitere Hauptquartiere", sagte Powell wörtlich. "Was wir benötigen sind bessere
Fähigkeiten und das Anspecken der existierenden Strukturen und Kräfte mit der
Ausrüstung, die sie brauchen." (Quellen: afp, dpa)
(Quelle: afp)
«Die neue Bundeswehr soll auch gegen "weltweit operierende Terrororganisationen" kämpfen, der Landesverteidigung wird keine große Bedeutung mehr eingeräumt»
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Blick ins Archiv:
Bundeswehr: Pläne für Präventivschläge
Deutschland:
Wirtschaft warnt Kanzler vor Abstrichen an Reformagenda
Mi.30.04.03 - Vor den Gewerkschaftsprotesten zum Tag der Arbeit haben
Spitzenvertreter der Wirtschaft erneut an Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
appelliert, seine Reformpläne ohne Abstriche durchzusetzen.
"Jetzt ist nicht die Zeit für Blockaden und Verwässerungen", sagte
Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt der "Berliner Zeitung" vom Mittwoch. Wenn es
nicht gelinge, den wirtschaftlichen Abschwung zu stoppen, werde Deutschlands
Wettbewerbsfähigkeit weiter sinken. Die Gewerkschaften sollten ihren Beitrag zu
mutigen Reformen leisten, anstatt zu protestieren. Auch BDI-Präsident Michael
Rogowski forderte die Regierung erneut eindringlich auf, die Reformen "auch
gegen Widerstände der Besitzstandswahrer und ewig Gestrigen durchzusetzen".
Wie Hundt sprach sich der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI)
dafür aus, über die geplanten Vorhaben hinaus weitere Reformschritte auf den Weg
zu bringen.
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) warnte den Kanzler davor, sich
durch eine "Drohkulisse der Gewerkschaften" von seinen Reformplänen abbringen zu
lassen. "Die in der Agenda 2010 enthaltenen Reformen im Sozialbereich sind
notwendig für eine Belebung der Wirtschaft und damit auch des Arbeitsmarktes", sagte ZDH-Generalsekretär
Hanns-Eberhard Schleyer.
Im SPD-internen Reformstreit hatte sich der rechte Parteiflügel hinter Schröder gestellt, aber Härtefallregeln bei den
Einschnitten beim Arbeitslosengeld und bei der Lockerung des Kündigungsschutzes angemahnt. Vertreter der
Parlamentarischen Linken in der SPD-Fraktion haben ein Mitgliederbegehren gegen die Reformagenda auf den Weg
gebracht. Die Gewerkschaften haben für den Maifeiertag unter anderem Proteste gegen Einschnitte in die sozialen
Sicherungssysteme geplant und zudem angekündigt, eine Woche vor dem SPD-Sonderparteitag zur Agenda 2010
einen Aktionstag gegen die Pläne zu veranstalten. IG-Metall-Chef Klaus Zwickel kritisierte, die Reformpläne belasteten
einseitig Arbeitnehmer.
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte der Zeitung, die SPD müsse sich Reformnotwendigkeiten stellen,
um zu überleben. "Wer das Bestehende verteidigt, muss beweisen, dass es hilft. Es wird ihm nicht gelingen", sagte
Thierse. (Quelle: rtr)
Keine Zugeständnisse vom Kanzler an die SPD-Basis
Mi.30.04.03 - Auf Zugeständnisse hofften die Kritiker von Gerhard
Schröder vergeblich. Der Kanzler wich nicht von seinem Kurs ab, als er am Montagabend
bei der ersten von vier SPD-Regionalkonferenzen um Unterstützung für die geplanten
Reformen auf dem Arbeitsmarkt und in den sozialen Sicherungssystemen warb.
Wie in der Sitzung des SPD-Parteivorstands stellte der Kanzler
die Machtfrage. Es gehe bei den Reformen «um die Regierungs-
und Gestaltungsmacht» der SPD, mahnte Schröder die rund
750 SPD-Funktionäre und Parteimitglieder aus
Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.
Für Schröder war der Auftritt in der alten Bundeshauptstadt fast ein Heimspiel.
Während vor dem Hotel etwa 300 Gewerkschafter gegen die Reformpläne
demonstrierten, wurde der Kanzler im Saal mit anhaltendem Beifall empfangen. In
seiner rund 30-minütigen Rede zeigte sich Schröder kämpferisch. Immer wieder
ballte er die rechte Hand zur Faust, seine Stimme nahm schnell den rauen Ton aus
Wahlkampfzeiten an. Viel Beifall am Ende für den Kanzler, nur vereinzelt mischten
sich Pfiffe in den Applaus. Der Großteil der Basis stellte sich
hinter den Parteivorsitzenden und sein umstrittenes Reformpaket.
Doch als Ottmar Schreiner, der Wortführer der Kanzler-Kritiker,
ans Rednerpult trat, schien die Stimmung zu kippen. Das
Schröder- Programm werde nicht zu weniger, sondern zu mehr
Arbeitslosigkeit führen, warnte er. Allein die Änderungen beim
Krankengeld würden die Kaufkraft der Bevölkerung um vier
Milliarden Euro verringern. Die Jusos im Saal feierten den
Mitinitiator des Mitgliederbegehrens mit lauten "Zugabe-,
Zugabe-Rufen". Schon während der Rede des Kanzlers hatten
sie Plakate mit dem Aufdruck "Wort halten, Gerd" hoch
gehalten.
Die SPD-Prominenz warf sich schnell für den Kanzler in die
Bresche. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer
Steinbrück, sein Mainzer Amtskollege Kurt Beck, NRW-SPD-Chef Harald Schartau und Bundesgesundheitsministerin
Ulla Schmidt unterstützten den Kurs des Kanzlers. Kein Land setze so viel Geld für die Arbeitslosigkeit ein wie
Deutschland, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement.
Kritiker wie Norbert Fabian blieben in der Minderheit. Schröder habe etwas hinbekommen, was bisher kein
sozialdemokratischer Bundeskanzler erreicht habe, kritisiert Fabian. "Er hat mit der Agenda 2010 erstmals die breite
Zustimmung der deutschen Unternehmerschaft bekommen." Und Günther Stohmann kritisiert: "Wir sind zu einer
Diskussion über ein Fertigprodukt eingeladen worden, an dem es keine Änderungen geben wird."
Ein junger Zwischenrufer versuchte immer wieder, sich Gehör zu verschaffen. Bis zum Rednerpult gelangte er nicht,
dafür aber ins Fernsehen. Für viele Genossen endete der Abend in Bonn mit einer Enttäuschung. Denn die meisten
der mehr als 50 Wortmeldungen wurden aus Zeitmangel nicht mehr aufgerufen. Zu viele Prominente seien zu Wort
gekommen, war nach der Konferenz vereinzelt zu hören.
Keine Rolle spielte in Bonn Oskar Lafontaine. Nur Kurt Beck erlaubte sich einen Seitenhieb, ohne den abtrünnigen
Ex-Parteichef beim Namen zu nennen. Er habe die Nase voll von einem, der ihn vor wenigen Jahren noch vor
Interviews in Springer-Zeitungen gewarnt habe. "Jetzt erklärt er uns über diese Zeitungen ständig, wie die Welt
eigentlich geordnet werden sollte", rief Beck in den Saal und erhielt viel Beifall.
Nordrhein-Westfalens SPD-Chef Schartau zog am nächsten Morgen ein positives Fazit der ersten Regionalkonferenz:
"Die Partei beginnt sich zusammenzuraufen und den Eindruck aus der Welt zu räumen, dass wir uns in der
Öffentlichkeit gegenseitig das Gesicht zerkratzen." (Quelle: dpa)
«Die Revolte wird noch kommen – dann, wenn die Arbeitslosenzahl, trotz
der Opfer, die Schröder den kleinen Leuten abverlangt, die fünf
Millionen-Grenze übersteigt»
«Die Revolte wird kommen, wenn sich
als richtig herausstellt, was Bundespräsident Rau vor eineinhalb
Wochen im Manuskript seiner Rede in Rostock stehen hatte, aber
dann, um nicht in die aktuelle Politik einzugreifen, sich nicht mehr zu
sagen traute: Wer behauptet, der Umbau des Sozialstaates senke
entscheidend die Massenarbeitslosigkeit, "der führt die Öffentlichkeit
wider besseres Wissen in die Irre". Der Sozialstaat muss aus ganz
anderen Gründen umgebaut werden: Er ist in der bisherigen Form
nicht mehr finanzierbar, weil er mit der Finanzierung der deutschen
Einheit überfordert wurde; er ist kein ewiges Brünnlein.
Die Revolte in der SPD wird kommen, wenn die Partei sich der
gebrochenen Versprechen schämt, die den Weg ihres Kanzlers
säumen. Und dieses Gefühl der Scham wird sich, so ist das halt,
spätestens dann gegen den Parteivorsitzenden Schröder entladen,
wenn, womit zu rechnen ist, die Wahlen für die SPD reihenweise
verloren gehen...» (Süddeutsche Zeitung vom 29.04.03)
Stoiber wirft Schröder soziale Unausgewogenheit vor
Mi.30.04.03 - CSU-Chef Edmund Stoiber hat Kanzler Gerhard Schröder wegen
seiner seine Reform-Agenda scharf attackiert. Schröder erwecke den Eindruck, als
wolle er nur die Arbeitnehmer belasten, sagte Stoiber in Ansbach. Anders als die
SPD setze sich die CSU für eine Selbstverpflichtung der großen
Kapitalgesellschaften ein, die Entwicklung der Vorstandsbezüge und -abfindungen
an die Löhne und Abfindungen bei Arbeitnehmern anzupassen. Von den
Gewerkschaften verlangte Stoiber zugleich mehr Reformbereitschaft.
(Quelle: dpa)
Peters kritisiert Reformen als Systemwechsel
Mi.30.04.03 - IG-Metall-Vize Jürgen Peters sieht in den Reformplänen der
Bundesregierung eine Fortsetzung der Politik der CDU-FDP-Regierung. Die SPD
müsse begreifen, dass sie nicht eine Schieflage korrigiere, sondern die Schieflage
verschärfe, die die Vorgängerregierung verursacht habe, sagte Peters am Mittwoch
im ZDF-Morgenmagazin. "Was hier vorgelegt wird, ist keine sozialdemokratische
Erneuerung, sondern ein Schritt in die Vergangenheit." Bei den geplanten Protesten
der Gewerkschaften gehe es nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um einen
nötigen Politikwechsel.
Die Bundesregierung werde mit ihren Plänen keine Sanierung,
etwa des Gesundheitswesens,erreichen, sondern lediglich
eine Umschichtung, erklärte Peters. Notwendig sei eine
"Effizienzsteigerung, nicht einfach eine Kostenverlagerung
weg von den Arbeitgebern, hin zu den Arbeitnehmern". Mit
der geplanten Reform des Arbeitslosengeldes würden
Opfer zu Tätern gemacht, beim Krankengeld werde eine
Systemveränderung vorgeschlagen, die Vorschläge der Gewerkschaften blieben
unberücksichtigt. "Wenn unsere Vorschläge offenbar kein Gehör finden, muss man
sich doch nicht wundern, wenn wir den 1. Mai nutzen, um unseren Argumenten
Beine zu machen", sagte Peters.
Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe erklärte, er habe "viel Verständnis" für die Gewerkschaftsproteste. Die
Reformen seien "alles andere als ein populärer Schritt, aber ein zwingender Schritt". Wenn die SPD darauf verzichte,
«"ann würden wir selber mithelfen, dass der Sozialstaat Deutschland kaputt geht", erklärte der SPD-Minister.
Ansonsten gebe es "in wenigen Jahren ganz brutale Maßnahmen, die wirklich nichts mehr mit sozialer Gerechtigkeit
zu tun haben". Stolpe, der auch für den Aufbau Ost zuständig ist, betonte allerdings, dass soziale Härten speziell in
strukturschwachen Gebieten vermieden werden müssten. Hier gebe es aber "klare Aussagen", dass bei den
Reformen Vorsorge getroffen werde. (Quelle: ap)
Gewerkschaftsdemos gegen Regierungspolitik im Mai
Mi.30.04.03 - Die Gewerkschaften planen für Mai Demonstrationen gegen die
Gesundheitspolitik der rot-grünen Bundesregierung. Die Proteste würden derzeit
vom Deutschen Gewerkschaftsbund vorbereitet, sagte der
Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank
Bsirske, am Dienstag in Berlin. Für den 7. Mai sei eine
vorbereitende Konferenz der Bezirksvorsitzenden
einberufen. Die Politik der Bundesregierung bedeute eine
Fortsetzung des Sozialabbaus, der aus der Zeit der Kohl-Regierung bekannt sei;
daher müsse der öffentliche Druck erhöht werden.
Die Auseinandersetzung mit der Regierungspolitik werde auch in den Betrieben
geführt. Zudem werde eine Unterschriftensammlung für Reformen im Sozialsystem,
aber gegen "blanken Sozialabbau" organisiert.
Bsirske geht nicht davon aus, dass sich Bundeskanzler Gerhard Schröder bei der
Umsetzung seiner Agenda 2010 vom jetzt eingeschlagenen Weg abbringen lässt.
Zwar werde Schröder beim SPD- Sonderparteitag am 1. Juni eine Mehrheit erhalten,
doch das Herz der meisten Grünen und Sozialdemokraten "schlägt nicht für diese
Art Politik". Diese Politik "steht der FDP näher als der eigenen Parteibasis". (Quelle: dpa)
PDS stürzt erneut in schwere Führungskrise
Mi.30.04.03 - Die PDS ist erneut in eine schwere Führungskrise
gestürzt: Parteichefin Gabi Zimmer warf der Mehrheit des
Parteivorstandes eine Blockadehaltung vor, nachdem das
Gremium am Wochenende die Beratung eines von ihr
vorgelegten Papiers über Reformalternativen zur Politik von
Rot-Grün mehrheitlich abgelehnt hatte. Damit erweise sich
der Vorstand als derzeit handlungsunfähig. Zimmer erwägt
nunmehr die Einberufung eines Sonderparteitages. Sie ließ offen, ob sie künftig
weiterhin Parteivorsitzende bleiben will.
Bei der Vorstandssitzung am Wochenende hatte ein Papier von Zimmer auf der
Tagesordnung gestanden, in dem konkrete Reformalternativen zu der von Rot-Grün
erarbeiteten Agenda 2010 vorgeschlagen werden. Auf Initiative des dem linken
Parteiflügels zugerechneten Parteivize Diether Dehm lehnte es das
Führungsgremium mit knapper Mehrheit ab, das Papier überhaupt nur zu beraten.
Unterstützt wurde diese Vorgehensweise auch vom Bundesgeschäftsführer der
Partei, Uwe Hiksch. Als Konsequenz aus diesem Vorgang haben unter anderem
die PDS-Bundestagsabgeordnete Petra Pau und mehrere Landesvorsitzende einen
Sonderparteitag gefordert, auf dem ein neuer Vorstand gewählt werden soll.
Zimmer sagte: "Ich werde es nicht zulassen, dass eine Gruppe
im Vorstand dazu beiträgt, die PDS über einen längeren Zeitraum
zu blockieren." Sie räumte zugleich ein, dass es innerhalb des
Parteivorstandes schon seit längerem Differenzen gebe. Der
Vorgang setze nur den "i-Punkt" auf eine seit längerem
andauerndem Entwicklung. Zugleich werde deutlich, dass es seit
der Schlappe bei der Bundestagswahl nicht gelungen sei, "die Partei aus der Krise zu führen".
Zimmer kündigte an, sie werde auf einer PDS-Veranstaltung am 7. Mai ihr Reform-Papier als Minderheiten-Votum zur
Diskussion stellen. Es gehe ihr darum, Alternativen aufzuzeigen, die in der derzeitigen politischen Situation auch
umsetzbar seien. Ob es einen Sonderparteitag geben werde oder auf andere Weise nach Auswegen gesucht werde,
hänge von den bevorstehenden Beratungen innerhalb der Partei ab. Es gehe nun darum, das "letzte Quentchen einer
Chance" für die PDS zu nutzen. Auch der Europa-Abgeordnete André Brie ging hart mit der PDS ins Gericht: "Seit
einem halben Jahr ist diese Partei nicht mehr mit Politikangeboten in der Öffentlichkeit", sagte Brie, der auch
PDS-Wahlkampfmanager ist.
(Quelle: afp)
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