|
k0305050
Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mo.05.05.03, 12:15 Irak am siebenundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
UNO: Gefahr einer Katastrophe im Irak noch nicht gebannt +++
Erste Ernennung eines Ministeriumsverwalters stößt auf Kritik +++
USA: Irak kann Schuldendienst vorerst nicht leisten +++
Erste Wahl im Irak seit dem Sturz Saddams +++
Angeblicher irakischer Besitz von Massenvernichtungswaffen:
Bush nutzt offenbar Informationen umstrittener Pentagon-Behörde +++
Polen will bis zu 2000 Soldaten in den Irak schicken +++
Auch 3000 italienische Soldaten sollen in den Irak gehen +++
Mo.05.05.03 - Die Gefahr, dass es im Irak im Nachgang zum Krieg zu einer
humanitären Katastrophe kommt, ist nach Einschätzung der UNO noch nicht
gebannt.
Auf der ersten Pressekonferenz der Vereinten Nationen (UNO) in Bagdad nach der
Rückkehr ihrer Mitarbeiter in den Nachkriegs-Irak forderte deren Koordinator für die
Irak-Hilfe, Ramiro Lopez da Silva, deshalb rasches Handel bei der Verteilung von
Lebensmittelhilfen und bei der Wiederherstellung der im Krieg teilweise zerstörten
Wasser- und Stromversorgung.
Rund 60 Prozent der irakischen Bevölkerung waren vor dem Krieg von den
Lebensmittelrationen abhängig, die die UNO auf der Basis des Programms
"Öl für Lebensmittel" in den Irak lieferte. Seit Wochen hätten die Menschen im Irak
diese Lebensmittelhilfen nun nicht mehr bekommen, erklärten UNO-Vertreter. Zwar
hätten viele Bewohner des Iraks vor dem Krieg einige Vorräte angelegt, doch
würden die nur bis höchstens Mitte Mai reichen.
Die UNO hat angekündigt, im Laufe des Mai ihre Lebensmittellieferungen, geschützt
von den im Irak stationierten US-Truppen, wieder aufzunehmen. Nach Angaben
eines Vertreters des Welternährungsprogamms der UNO, WFP, sind für Mai
500.000 Tonnen Lebensmittel für den Import in den Irak vorgesehen, im Juni und Juli
weitere 600.000 Tonnen. Nach Angaben da Silvas sollen die Hilfen teils aus einem
Appellationsfonds, teils aus dem "Öl für Lebensmittel"-Programm finanziert werden,
das Irak vor dem Krieg den Export bestimmter Mengen Öl erlaubte, um aus dem
Erlös Lebensmittel für die Bevölkerung zu beschaffen.
Ein Kompetenzstreit zwischen der von den USA eingerichteten Administration im Irak und den UNO-Helfern scheint
allerdings programmiert. So wollen die USA als Siegermacht die für die Grundversorgung zuständigen irakischen
Ministerien reaktivieren, während die UNO die Versorgungsfrage mit eigenen Administratoren lösen will. Auf Angebote
der Kriegsgegner Frankreich und Deutschland, bei humanitären Wiederaufbau-Vorhaben mitzuwirken, haben die USA
bisher ebenfalls kühl reagiert.
Das kirchliche Hilfswerk Caritas kritisiert, dass die Amerikaner als siegreiche Kriegspartei in Irak auch die humanitäre Hilfe
kontrollieren wollten. Um Hilfsgüter nach Bagdad oder in andere Zentren des Landes zu bringen, müssten
die Hilfsorganisationen die Genehmigung der US-Streitkräfte einholen, berichtete der Leiter der Katastrophenhilfe von Caritas
International, Jürgen Lieser, und fügte hinzu: "Wir können uns selbst in Bagdad nur eingeschränkt bewegen."
Die Situation in Irak sei nach wie vor unsicher. Ausländische Helfer seien besonders gefährdet. Auch
sei bisher keine internationale Versicherung bereit, die ausländischen Hilfskräfte zu versichern.
Lieser wies darauf hin, dass schon das zehnjährige Wirtschaftsembargo die irakische Bevölkerung
verheerend getroffen habe. Infolge des Boykotts seien in den vergangenen zehn Jahren nach Schätzungen von
UNICEF etwa 400.000 Kinder in dem Land gestorben. Der Caritas-Experte nannte
die Sanktionen gegen Irak einen ethischen Skandal, weil sie falschen Menschen träfen.
Es sei nötwendig, das Programm "Öl für Nahrungsmittel" schnell wieder in Gang zu bringen. Andernfalls drohe Irak eine eine akute
Nahrungsmittelkrise. Krankenhäuser des Landes benötigten vor allem Arzneimittel und medizinische Geräte. Dagegen
verfüge Irak über hervorragend ausgebildetes medizinisches Personal, so dass dafür keine ausländischen Hilfskräfte
erforderlich seien.
Ein von der US-Armee ausgewählter irakischer Verwalter hat am
Sonntag die Verantwortung für die Arbeit des Gesundheitsministeriums in Bagdad
übernommen. Die Ernennung von Ali Schanan el Dschanabi stieß jedoch bei Ärzten
in Bagdad auf Kritik. In einem Regierungskrankenhaus hieß es, El Dschanabi sei
nicht nur Mitglied der Baath-Partei von Saddam Hussein gewesen, sondern habe
seine bisherige Position als einer von zwei Vertretern des früheren
Gesundheitsministers auch auf üble Art und Weise ausgenutzt.
Nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders El Dschasira ist der Augenarzt El
Dschanabi der erste Iraker, der von der US-Armee mit der Leitung eines Ministeriums
betraut wurde. Er hat nicht den Rang eines Ministers. Seine erste Amtshandlung war, alle
Beamte des Ministeriums zur Rückkehr an ihre Arbeitsplätze aufzurufen. Auch im
Ölministerium, dessen Gebäude beim Einmarsch der US-Armee von den Soldaten
bewacht und vor Plünderung bewahrt worden war, haben inzwischen einige Beamte wieder
ihre Arbeit aufgenommen. Über die Bildung einer Übergangsregierung beraten derzeit fünf
irakische Parteien in Bagdad.
Der Irak wird nach Einschätzung von
US-Finanzstaatssekretär John Taylor die Zins- und Tilgungsleistungen auf seine
zwischen 120 Milliarden und 130 Milliarden Dollar geschätzten Schulden in diesem
und im nächsten Jahr nicht aufnehmen können.
Möglicherweise müsse dem Golfstaat, wie anderen Ländern nach einem Krieg ein
massiver Schuldenerlass gewährt werden, sagte Taylor der Nachrichtenagentur
Reuters am Sonntag am Rande der Jahrestagung der Europäischen Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in Taschkent. Dagegen hatte Russland am
Vortag eine sorgfältige Bestandsaufnahme der Verbindlichkeiten des Iraks verlangt, bevor
über Umschuldung oder Erlass verhandelt werde.
In Bagdad berief unterdessen die US-Zivilverwaltung nach Angaben aus Kreisen des
irakischen Ölministeriums den erfahrenen irakischen Öltechnokraten Thamir Abbas
Ghadhban als Interims-Ölminister. Zum Chef seines Beraterstabes wurde der ehemalige Chef der
US-Aktivitäten des Ölkonzerns Royal Dutch/Shell, Phillip Carroll ernannt.
Das repressive System des gestürzten Saddam Hussein müsse bei der
Feststellung der erforderlichen Entlastung des Landes mit in Rechnung gestellt
werden, sagte Taylor Reuters. In einer Rede bei der EBRD-Versammlung verwies er auf das Beispiel des ehemaligen
Jugoslawien, dem nach dem von der NATO geführten Krieg zur Entmachtung von Slobodan Milosevic ein
Schuldenerlass von 66 Prozent gewährt worden sei. "Es ist ein gangbarer Weg, andere historische Vergleiche
heranzuziehen, wie Serbien und andere Länder nach einem Krieg", sagte er. Der Pariser Club der Gläubigerländer
habe damit begonnen, Daten über die Schulden des Irak zu sammeln. Diese seien seit den 80er Jahren nicht mehr
bedient worden. Es sei wichtig, dass auch die Verbindlichkeiten des Iraks bei den Staaten des Pariser Clubs in die
Gesamtschulden einbezogen würden.
Die von den USA geführten Koalitionstruppen, die Saddam Hussein und seine Regierung von der Macht vertrieben
haben, stehen jetzt vor der Aufgabe, das Land wieder aufzubauen, über das mehr als zehn Jahre lang Sanktionen der
UNO verhängt waren und dessen Infrastruktur durch Bombenangriffe und Misswirtschaft des alten Regimes in
Mitleidenschaft gezogen wurde.
Zu den größten Gläubigern des Irak zählen Russland und Frankreich mit jeweils rund acht Milliarden Dollar. Strittig
sind rund 35 Milliarden Dollar an Krediten arabischer Golfstaaten.
Der russische Vize-Finanzminister Sergej Kolotuchin hatte am Samstag bei der EBRD-Jahrestagung erklärt, bislang
seien noch nicht einmal die Basisdaten, wie die Höhe der vom Irak dem Ausland und privaten Gläubigern
geschuldeten Beträge genau bekannt. Auch müsse zunächst Klarheit über die Ölreserven des Irak geschaffen werden,
um Schulden gegebenenfalls gegen Öllieferungen des Landes aufrechnen zu können.
Taylor sagte, es könne nicht erwartet werden, dass der Irak schon bald mit der Rückzahlung von Schulden beginnen
könne. Dies würde die Wirtschaft des Landes zusätzlich belasten. Er bekräftigte aber die Forderung der USA nach
Aufhebung der UNO-Sanktionen gegen den Irak. Zugleich äußerte er sich optimistisch, was die Belebung der
irakischen Wirtschaft durch private Investitionen angehe. Es gebe im Irak zahlreiche Möglichkeiten für private
Investitionen.
Zum ersten Mal seit dem Sturz von Präsident Saddam Hussein
findet heute (Montag) im Irak eine Wahl statt.
Eine Gruppe von mehr als 200 Delegierten verschiedener Volksgruppen stimmt über
die Zusammensetzung einer Übergangsregierung für die Stadt Mossul ab. Zudem
soll ein Bürgermeister gewählt werden. Die Wahl findet unter strengen
Sicherheitsvorkehrungen statt. Ein Sprecher des US-Militärs sagte, der Rat werde
nur so lange im Amt bleiben, bis die Wahlberechtigten erfasst seien. Bis zu einer
allgemeinen Wahl könnten bis zu zwei Jahre vergehen.
Mossul ist die drittgrößte Stadt des Irak. Neben der arabischen Mehrheit gibt es
dort eine große kurdische Minderheit und andere Gruppen. Wegen des schnellen Wiederaufbaus
bezeichnete eine US-Sprecherin die Stadt als vorbildlich. "Diese Region war die erste, in der die Schulen
wieder die Arbeit aufnahmen, in der es bewachte Tankstellen gab und in 24 Stunden wird eine
Übergangsregierung stehen", sagte sie. Die US-geführten Truppen hatten den
Irak-Krieg am 20. März begonnen. US-Präsident George W. Bush erklärte am
Donnerstag die großen Kampfhandlung für beendet.
Die Behauptungen der US-Regierung über den angeblichen irakischen Besitz
von Massenvernichtungswaffen gehen einem Pressebericht zufolge auf eine
umstrittene Geheimbehörde des US-Verteidigungsministerium zurück. Das "Büro für
Spezialpläne" (OSP) sei mittlerweile Präsident George W. Bushs hauptsächliche
Quelle von Geheimdiensterkenntnissen und habe damit den Geheimdienst CIA
abgedrängt, berichtete das Magazin "New Yorker" am Sonntag vorab aus seiner
Ausgabe am 12. Mai. Die Dienststelle liefere auch Nachrichten über angebliche
Verbindungen der gestürzten irakischen Regierung zur Terrororganisation El Kaida
und habe nunmehr erheblichen Einfluss auf die amerikanische Außenpolitik.
Polen wird nach Angaben von Staatspräsident Aleksander Kwasniewski bis zu 2000
Soldaten für eine internationale Sicherheitstruppe in den Irak
schicken und die geplante nördliche Militärzone verwalten. In
einem Radiointerview sagte Kwasniewski am Sonntag, die
Entscheidung über den Umfang des polnischen Beitrags
werden bald fallen. Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz
und Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski würden mit der
US-Regierung in dieser Woche in Washington über eine
finanzielle Unterstützung der USA für das polnische
Engagement im Irak verhandeln.
Polen gehört zur "Koalition der Willigen" unter Führung der USA und hatte die
Invasion im Irak mit einem kleinen Kontingent Soldaten der Elitetruppe "Grom"
unterstützt. Verteidigungsminister Szmajdzinski hatte am Samstag sogar von der
Bereitstellung von bis zu 10 000 polnischen Soldaten für die Sicherheitstruppe im
Irak gesprochen.
Polen unterhält beste Beziehungen zur US-Regierung und war von Präsident George
W. Bush als "bester Freund" der USA bezeichnet worden. Warschau, seit 1999
NATO-Mitglied, hat in den Vereinigten Staaten 48 Kampfflugzeuge vom Typ F-16 im
Wert von 3,5 Milliarden Dollar bestellt und damit die europäische Flugzeugindustrie
düpiert.
Der künftigen multinationalen Stabilisierungstruppe im Irak sollen nach
Informationen aus Rom auch 3000 bis 4000 italienische Soldaten angehören. Sie
sollten nach diesen Planungen bei Basra im Südirak unter britisches Kommando
gestellt werden, berichteten italienische Medien am Sonntag unter Berufung auf
hohe Militärs.
Darunter seien Einheiten der Infanterie, der Luftwaffe, der Marine sowie Polizeikräfte.
Allerdings sei noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden, berichtete das
italienische Fernsehen. Die Soldaten sollten bis Ende Mai in den Irak gehen und
dort vermutlich mindestens sechs Monate stationiert bleiben.
(Quellen: dpa, rtr, ap, afp)
USA belohnen treue Freunde
Mo.05.05.03 - Bei der Sicherung des Nachkriegs-Iraks tritt die US-Regierung auf das Gaspedal.
Bereits bis zum Herbst wollen die USA ihre Truppen im Irak um rund 100 000
Soldaten verringern und Verbündete aus der «Koalition der Willigen» in die Stabilisierung des
Landes einbeziehen. Mit der Aufteilung in drei Militärzonen solle bereits im Mai
begonnen werden, heißt es in US- Regierungskreisen. Und bis
zum Monatsende werden die ersten Truppenkontingente aus
den befreundeten Staaten im Irak erwartet.
Skeptiker unter anderem in militärischen Kreisen sprechen von
einem ehrgeizigen, ja riskanten Plan. Die Lage im Irak sei noch weit von jenem
«sicheren Umfeld» entfernt, das zum reibungslosen Aufbau der Infrastruktur und
einer zuverlässigen neuen Regierung nötig sei, zitierte der öffentliche Radiosender
NPR einen Exgeneral.
Tatsächlich haben die USA aber mehr als einen Grund, möglichst rasch ihre
«Koalitionäre» in die Sicherheitskontrolle des Landes einzubeziehen. Zum einen will
die US-Regierung die eigenen Truppen nicht auf lange Sicht in großem Umfang in einer
einzelnen Region binden. Das könnte im eigenen Land schließlich doch Opposition
hervorrufen, nachdem Präsident George W. Bush während des Krieges immer
wieder stolz auf seine «Koalition der Willigen» verwiesen hatte.
Noch wichtiger aber: Die Iraker haben hinreichend klar
gemacht, dass sie zwar dankbar für ihre Befreiung sind, aber
die Amerikaner nun gerne wieder loswerden würden. In der
arabischen Welt insgesamt, aber auch bei anderen
Kriegsgegnern rund um den Globus wird argwöhnisch verfolgt,
ob sich die USA als langfristige Kontrolleure und Importeure
ihrer politischen Vorstellungen und Wertorientierung einnisten
wollen. Der US-Regierung ist daher daran gelegen, möglichst rasch dem Eindruck einer Besatzungsmacht
entgegenzutreten und die Lasten der Friedenssicherung auf möglichst viele andere Schultern zu verteilen.
Kommentatoren weisen auch darauf hin, dass es den USA durch eine rasche «Multinationalisierung» leichter gelingen
könnte, die Kritik an ihrem praktischen Ausschluss der UN von den Stabilisierungsbemühungen zumindest
einzudämmen. Dabei gehen die USA keineswegs die Gefahr ein, das Zepter aus der Hand zu geben. Der oberste
Zivilverwalter im Irak ist Amerikaner, der Oberbefehl über die Divisionen in den geplanten Militärzonen bleibt bei
Tommy Franks und damit bei einem US-General, und die USA behalten sich mit einer eigenen Division die Kontrolle
der wichtigsten Region Bagdad vor.
Das Konzept gibt auch einen deutlichen Hinweis auf die künftige Gewichtung der USA im Umgang mit den
europäischen Verbündeten. Polen, das von Pentagon-Chef Donald Rumsfeld am Sonntag ausdrücklich erneut als
hervorragender Freund gewürdigt wurde, soll das Kommando über eine Division im Irak übernehmen - eine enorme
Auszeichnung für das Land, das sich damit endgültig als Hauptpartner der USA im «neuen Europa»
herauskristallisiert hat.
Noch in dieser Woche will US-Präsident George W. Bush nach Angaben eines Sprechers sieben zentraleuropäische
Außenminister im Weißen Haus empfangen. Einzelheiten sind noch nicht bekannt, aber es gilt als wahrscheinlich,
dass es sich hauptsächlich um osteuropäische Vertreter handelt. Bei dem Treffen dürfte es nicht nur um eine
Beteiligung an den Stabilisierungstruppen im Irak gehen, sondern auch um finanzielle Belohnungen für treue
Gefolgschaft. «Nach dem militärischen Sieg im Irak ist es Zeit für eine Bestandsaufnahme», formulierte es ein
Regierungsbeamter. «Wir wissen nun, auf wen wir uns verlassen können.» (Quelle: dpa)
«Iraks Nationalmuseum verlor die Hälfte seiner Schätze»
Mehr unter:
«Die "neue Weltgewaltkriegsordnung" wird in Washington D. C. entschieden»
«... Mit den Entwaffnungskriegen am Hindukusch und im Irak sind die ersten Ausrufezeichen gesetzt. Mit Siebenmeilenstiefeln
nähern sich die USA ihrem historischen Auftrag, die Welt von allen Übeln zu befreien und sie nach ihren Regeln und Prinzipien
zu gestalten. Sowohl in Kirgisien und Usbekistan als auch in Georgien, Tadschikistan und Kasachstan, Regionen, die einst dem
sowjetischen Machtbereich unterstellt waren, haben sie Truppen stationiert und Stützpunkte errichtet. Nach der Eroberung
Bagdads werden sie im Mittleren Osten Fuß fassen und Militärbasen errichten. Fortan wird dort nichts mehr gegen den Willen
des neuen Rom geschehen. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Iran und zum Risikostaat Saudi-Arabien werden sie die Politik
in der Region dominieren und als Verwalter der irakischen Ölreserven die Preispolitik der OPEC künftig entscheidend
mitbestimmen...» (Aus: Rudolf Maresch -"Der Nomos der Erde", telepolis vom 04.05.03)
Mehr unter:
US-Außenminister droht Syrien mit Konsequenzen
Mo.05.05.03 - US-Außenminister Colin Powell hat Syrien mit
Konsequenzen gedroht, falls es seinen Einfluss im Nahen
Osten nach dem Sturz der irakischen Regierung nicht
"konstruktiv" nutzt. Es gehe dabei vor allem um die
Kontrolle der irakischen Grenze und um die Schließung von
Büros palästinensischer Organisationen in Damaskus, sagte Powell dem
US-Fernsehsender CBS. "Im Hintergrund warten Konsequenzen", bekräftigte der
Chefdiplomat.
Die US-Regierung erwarte nun ein "geändertes Verhalten" der syrischen Regierung,
ergänzte Powell im Sender ABC. Der amerikanische Kongress habe bereits ein
Gesetz in Vorbereitung, dass Sanktionen gegen Damaskus erlaube, falls Präsident
Baschar el Assad sich "unkooperativ" verhalte.
Solle Syrien eine gemäßigte Haltung in Fragen der Regionalpolitik einnehmen, gebe
es Vorteile für das Land, sagte Powell weiter. Die Vereinigten Staaten strebten eine
"umfassende Lösung" aller Probleme im Nahen Osten an, nicht nur des Konfliktes
zwischen Israelis und Palästinensern. Auch syrische und libanesische Interessen
seien dabei berührt.
Powell hatte am Samstag als erster US-Minister seit Beginn des Irak-Kriegs Syrien
besucht und war dabei mit Assad zusammengetroffen. Die ohnehin angespannten
Beziehungen der USA zu Syrien hatten sich in den vergangenen Wochen erheblich verschlechtert. Washington wirft
Damaskus unter anderem den Besitz von Massenvernichtungswaffen sowie Fluchthilfe für Mitglieder der entmachteten
irakischen Regierung vor. Washington übt zudem wachsenden Druck auf Damaskus wegen der Unterstützung
radikaler Palästinenser-Gruppen und der libanesischen Hisbollah-Miliz aus. Seit Jahren zählen die USA Syrien zu den
Ländern, die den internationalen Terrorismus unterstützen. (Quelle: afp)
Syrien ist umringt von US-Verbündeten
Die Rahmenbedingungen im Nahen Osten haben sich nach dem Sturz des Regimes von
Saddam Hussein im Irak nachhaltig verändert. Abgesehen von der kleinen Grenze
zu Libanon im Westen war Syrien ohnehin schon von den US-Verbündeten Türkei,
Jordanien und Israel umgeben. Jetzt wird auch beim letzten Nachbarn, dem
Irak, aller Wahrscheinlichkeit nach zunächst eine US-freundliche Regierung amtieren.
US-Außenminister Powell spricht von einer «neuen strategischen Dynamik».
«Syrien braucht keine Erklärungen von Colin Powell, um die
regionalen und internationalen Veränderungen zu verstehen. Es
reicht ein Blick auf die Landkarte, um zu sehen, dass
US-Truppen an der eigenen Grenze stehen», schreibt die
arabische Tageszeitung «al Hayat». (Quelle: dpa)
USA verschärfen Reisebeschränkungen für Kuba
Mo.05.05.03 - Die USA haben die Reisebeschränkungen für Kuba weiter verschärft.
Künftig werde es keine Sondergenehmigungen für Bildungs- oder Kulturaustausch mehr geben,
gaben die Behörden bekannt. Bereits erteilte Genehmigungen blieben gültig, würden
aber nicht verlängert. Die neue Regelung betrifft unter anderem
Studentenorganisationen, Museen und andere kulturelle Einrichtungen in den USA,
die Reisen auf die Insel organisieren.
Im Rahmen des kulturellen Austauschs reisten laut einem Bericht der "Washington
Post" seit 1999 etwa 100.000 US-Bürger nach Kuba. Viele Amerikaner umgehen die
strengen Reiserichtlinien für Kuba, indem sie beispielsweise über Kanada oder
Mexiko nach Kuba fliegen. (Quelle: afp)
Die US-Regierung beschafft sich immer mehr Daten ausländischer Bürger und greift
dabei nicht nur auf Abkommen wie die umstrittene Flugpassagierdaten-Weitergabe mit der
EU sondern auch verstärkt auf private Datenhändler zurück.
Mehr unter:
Nordkoreanischer Regierungsexperte droht USA mit Atomangriff
Mo.05.05.03 - Ein Außenpolitik-Experte der nordkoreanischen Regierung hat den USA mit
einem Atomwaffenangriff gedroht, sollte Washington neue Wirtschaftssanktionen
gegen das kommunistisch regierte Land verhängen. Nordkorea besitze
"mindestens hundert Atomsprengköpfe", sagte der Direktor des staatlichen
"Instituts für koreanisch-amerikanischen Frieden", Kim Myong Chol, am Sonntag
dem australischen Fernsehsender Channel Nine. "Alle sind auf amerikanische
Städte gerichtet." Kim sagte, er spreche offiziell im Namen der Regierung in
Pjöngjang. Die nordkoreanische Nukleartechnik sei in Pakistan getestet worden,
die Waffen schon hergestellt gewesen, bevor Pjöngjang den
Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet habe. (Quelle: afp)
US-Diplomat fordert von Israel Erleichterungen für Palästinenser
Mo.05.05.03 - Im Vorfeld des für diese Woche angekündigten
Besuchs von US-Außenminister Colin Powell hat US-Diplomat William Burns Israel
am Sonntag zu Schritten aufgefordert, die der Friedensbereitschaft der
Palästinenser förderlich sein könnten.
Burns, der am Sonntag unter anderem mit dem israelischen Außenminister Silwan
Schalom zusammentraf, ließ die israelische Regierung wissen, es liege aus der
Sicht der USA in ihrem ureigensten Interesse, über Maßnahmen nachzudenken, die
das Bemühen der palästinensischen Reform-Regierung unter ihrem neuen Chef Mahmud Abbas
unterstützen könnten, die Gewalttätigkeit der radikalen Palästinensergruppen einzudämmen.
"Offensichtlich ist die humanitäre Situation für die Palästinenser im Augenblick sehr schwierig", sagte Burns,
"und wir hoffen sehr, dass konkrete Schritte ergriffen werden, dies zu ändern." Der Hinweis dürfte sich auch auf
die harten militärischen Maßnahmen Israels beziehen, die Israel offiziell damit begründet, Terroristen zu
verfolgen.
Hintergrund der diplomatischen Bemühungen der USA ist der gemeinsam mit der EU, Russland und der UNO
entwickelte Friedensfahrplan für Nahost, der zu einer Befriedung der Region, zu einem Palästinenserstaat an der Seite
Israels bis 2005 und einer Beendigung der israelischen Siedlungstätigkeit auf Palästinensergebiet führen soll.
Die konservative israelische Koalitionsregierung hat bereits wissen lassen, dass sie die Lastenverteilung, wie sie auf
der in der vergangenen Woche veröffentlichten "roadmap" erscheint, für einseitig zugunsten der Palästinenser hält.
Bevor Israel seine Soldaten aus den palästinensischen Städten abziehen könne, müsse die Palästinenserregierung
dafür sorgen, dass alle Gewalttäter eingesperrt und die sogenannten Sicherheitsdienste von radikalen Elementen
gesäubert worden seien, hieß es in Jerusalem.
Auch Schalom bekräftigte die harte Haltung Israels, indem er darauf hinwies, Israel werde sich nicht selbst in Gefahr
bringen, indem es seine Soldaten aus den Palästinensergebieten abziehe, so lange die militanten Organisationen
noch nicht neutralisiert seien. "Ich habe Burns sehr deutlich kommuniziert, dass wir von den Palästinensern die
Zerstörung der Terror-Infrastruktur erwarten", sagte Schalom nach dem Treffen mit Burns.
Burns wollte am Sonntag noch mit Scharon und Verteidigungsminister Schaul Mofas zusammenkommen und am
Montag den neuen palästinensischen Ministerpräsidenten Abbas und Sicherheitsminister Mohammed Dahlan treffen.
(Quelle: rtr)
EU-Vorgaben für Schulen geplant
Mo.05.05.03 - Die Bildungsminister der 15 EU-Staaten wollen heute über
Zielvorgaben für die Schulen und Hochschulen in Europa entscheiden. Alle
Mitgliedstaaten wollen dem EU-Plan zufolge dafür sorgen, dass im Jahr 2010 mehr
als 90 Prozent aller Schüler einen Schulabschluss schaffen. Die Universitäten
sollen zugleich den Anteil der Absolventen in technischen und
naturwissenschaftlichen Fächern sowie Mathematik auf mindestens 15 Prozent
steigern.
(Quelle: dpa)
Kanada will Neonazi Zündel nach Deutschland abschieben
Mo.05.05.03 - Die kanadischen Behörden wollen den deutschen Rechtsextremisten
und Holocaust-Leugner Ernst Zündel abschieben. Der 63-Jährige wurde am
Donnerstag in Toronto von den Einwanderungsbehörden zum nationalen
Sicherheitsrisiko erklärt. Die Entscheidung, die alle Einwanderungsformalitäten
beendet, muss noch von einem kanadischen Bundesgericht bestätigt werden. Dann
kann der Verleger neonazistischer Publikationen sofort aus Kanada abgeschoben
werden.
Zündel verfügte in Kanada über einen Status als Flüchtling, vergleichbar mit
politischem Asyl. Nach langem Rechtsstreit über die von ihm vertriebene
antisemitische Literatur ging er 2001 in den US-Staat Tennessee. Nachdem sein
Visum abgelaufen war, schoben die amerikanischen Behörden Zündel jedoch
wieder nach Kanada ab. Nach Ansicht der kanadischen Sicherheitsbehörden
unterstützt Zündel mit seinen Publikationen Rassisten und neonazistische Gruppen und
Einzelpersonen. In Deutschland erwarten Zündel Anklagen wegen Aufstachelung
zum Rassenhass. Auf seiner Homepage leugnete er die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die
Nationalsozialisten. In einem anderen Gerichtsprozess im US-Staat Ontario hatte sich Zündel als Kämpfer für die
Menschenrechte bezeichnet, der dem deutschen Volk helfe. Zündel betrieb seinen neonazistischen Verlag seit den
70er Jahren in Toronto. (Quelle: ap)
Deutschland: Union legt Zwist über sozialpolitischen Kurs bei
Mo.05.05.03 - Die Union hat ihren Zwist über den künftigen Kurs in der
Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik beigelegt und verzichtet offenbar auf einige
einschneidende Vorschläge.
Die Präsidien von CDU und CSU hätten ein Kompromisspapier von CSU-Chef
Edmund Stoiber und seiner CDU-Kollegin Angela Merkel ohne Gegenstimmen bei
zwei Enthaltungen gebilligt, sagte der Chef der bayerischen Staatskanzlei, Erwin
Huber (CSU), am Sonntagabend nach mehr als dreistündiger Sitzung in München.
Die Union habe einschneidende Maßnahmen beschlossen, um die
Lohnnebenkosten zu senken und Arbeit billiger zu machen, ergänzte
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer. Einzelheiten wollen beide Parteien am
Montagmorgen vorstellen.
Ein Kernpunkt ist nach Worten des CSU-Sozialexperten Horst Seehofer, dass bei der Rente
künftig die Beitragsjahre und nicht das Lebensalter entscheidend sein sollen.
Zudem solle die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes zwar verringert werden, entgegen
Stoibers ursprünglicher Forderung bei langjährigen Beitragszahlern aber bis zu
maximal 24 Monaten gezahlt werden. Außerdem solle die Sozialhilfe bei Arbeitslosen um 30 Prozent gekürzt werden
- allerdings nur bei Leistungsempfängern, die einen Arbeitsplatz ablehnten. In der CDU waren Überlegungen aus der
CSU auf Kritik gestoßen, die Sozialhilfe pauschal um ein Viertel zu kürzen.
Zwischen CDU und CSU hatte seit längerem ein Zwist über die Richtung in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik
geschwelt. Stoiber hatte im Bundestag Vorschläge ohne Rücksprache mit der CDU vorgelegt, die härter als die der
Schwesterpartei waren.
Seehofer sagte, die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes solle nicht pauschal verkürzt werden. Wer 40 Jahre Beiträge
zahle, solle bis zu 24 Monate Arbeitslosengeld bekommen. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos hatte vor der
Sitzung zudem angekündigt, die Union wolle den Kündigungsschütz bei Betrieben mit weniger als 20 Mitarbeitern
stark lockern. Nach früheren Angaben aus Unionskreisen soll es dies aber nur bei Neueinstellungen geben.
Stoiber und Merkel waren nach tagelangen Beratungen mit einem gemeinsamen Vorschlag in die Sitzung gegangen.
"In der Sache haben wir uns geeinigt", sagte der bayerische Ministerpräsident vor der Sitzung, ohne Einzelheiten zu
nennen. Klar sei, dass Arbeit billiger werden und die Lohnnebenkosten unter 40 Prozent sinken müssten. Merkel
sagte, es werde eine gemeinsame Linie bei den Reformplänen geben. "Sie können davon ausgehen, dass unser
Gegner die SPD ist, und wir die SPD treiben werden."
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz bezeichnete die Vorschläge der Union als sozialen Kahlschlag. "Arbeitslosengeld
nach einem Monat Karenzzeit, ABM abschaffen, Weiterbildung für Arbeitssuchende streichen, 300 Euro
Selbstbeteiligung für die Gesundheitsversicherung, Zahnbehandlung auf Privatrechnung: Herzog, Merkel, Stoiber & Co
sind nicht in der Lage, den Umbau des Sozialsystems ausgewogen zu gestalten", erklärte Scholz in Berlin. Reformen
seien zwar notwendig, doch müsse dies mit Augenmaß geschehen. Für eine solche Politik stehe die Agenda 2010
von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), die sich wohltuend von der Kürzungsorgien der Union abhebe.
(Quelle: rtr)
Widerstand bei SPD/Grünen offenbar stärker
Mo.05.05.03 - Der Widerstand in den Bundestagsfraktionen von SPD und
Grünen gegen die geplanten Sozialreformen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist einem
Pressebericht zufolge größer als bisher bekannt. Mindestens acht Parlamentarier der Grünen und 20
SPD-Abgeordnete lehnten die "Agenda 2010" ab, sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Irmingard
Shewe-Gerigk der "Bild"-Zeitung.
Auf Ablehnung stoße vor allem eine geplante generelle Verkürzung der
Bezugsdauer von Arbeitslosengeld. Hierfür müsse es nach Ansicht der ablehnenden
Parlamentarier ein Stufenmodell geben, sagte Schewe-Gerigk weiter. (Quelle: )
Grünen-Rebellen organisieren Widerstand gegen Reformagenda
Mo.05.05.03 - Neben den SPD-Linken verstärken auch die Reformkritiker der
Grünen ihren Widerstand gegen die Agenda 2010 von Bundeskanzler Gerhard
Schröder. Vertreter aus 40 Kreisverbänden beschlossen am Wochenende bei einem
Treffen in Münster, auf dem Sonderparteitag Mitte Juni gemeinsam Front gegen die
Regierungspläne zu machen und ein Alternativprogramm vorzulegen. Gleichzeitig
riefen sie dazu auf, sich an den Protestaktionen der Gewerkschaften zu beteiligen.
Mit ihrem Antrag für den Parteitag am 14. und 15. Juni in Cottbus wollen die
Grünen-Rebellen gegen fast alle wesentlichen Punkte der Reformagenda vorgehen:
Abschaffung der Arbeitslosenhilfe, Lockerung des Kündigungsschutzes, Kürzung
des Arbeitslosengeldes, Einschnitte bei der Krankenversicherung und Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre. An
dem Treffen in Münster nahmen 70 Vertreter aus 12 Landesverbänden, darunter mehrere Landtagsabgeordnete und
der Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele teil. Die Agenda 2010 soll auch auf den anstehenden
Landesparteitagen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern thematisiert werden.
Auch für den SPD-Sonderparteitag am 1. Juni sind bereits mehrere Gegenanträge zur Agenda 2010 in Vorbereitung.
Die Parlamentarische Linke in der SPD-Fraktion meldete sich am Wochenende mit einer Erklärung zu Wort, in der sie
erneut Änderungen an den Reformplänen fordert. Die Agenda müsse sozialverträglich sein, die Lasten gerecht
verteilen und eine Fortschrittsperspektive aufzeigen. Gleichzeitig traten die Abgeordneten dem Vorwurf mangelnder
Reformbereitschaft entgegen. Die Parlamentarische Linke verstehe sich als "Gestaltungslinke", die sich den
notwendigen Reformen nicht verschließe. (Quelle: ap)
DGB-Chef Sommer fordert aktive Wirtschaftspolitik in Agenda 2010
Mo.05.05.03 - DGB-Chef Michael Sommer wird am Dienstag erneut mit
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) über die umstrittenen Pläne zur
Sozialreform sprechen und will dem Kanzler dabei auch Zugeständnisse zu mehr
staatliche Ausgaben abringen.
"Der Kanzler wäre gut beraten, wenn er die Reformagenda um eine aktive
Wirtschaftspolitik erweitern würde", sagte Sommer am Wochenende der
Nachrichtenagentur Reuters. Damit sollten Konsum und Investitionen wieder voran
gebracht werden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat wiederholt staatliche
Programme zur Ankurbelung der Konjunktur verlangt, die auch über eine höhere
Verschuldung finanziert werden könnten.
Schröder und Sommer wollen sich nach DGB-Angaben am Dienstag im Kanzleramt
treffen. Der DGB lehnt die Reformpläne zu Änderungen bei Arbeitslosengeld, Kündigungsschutz und Krankengeld und
ab. Auch in der SPD trifft Schröder hier auf Widerstand. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) machte
deutlich, die Regierung werde auch bei dem geplanten Gespräch mit Sommer nicht von ihrer Linie abweichen. "Es
geht nicht um zurückrudern, es geht darum, sich auszutauschen", sagte Clement.
Schröder hatte zuletzt am 1. Mai auf der zentralen Kundgebung des DGB für seine Reformpläne geworben und war
dabei ausgepfiffen worden. DGB-Chef Sommer wie auch der künftige IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters haben
massiven Widerstand gegen die Reformpläne des Kanzlers angekündigt. Die Vize-Fraktionschefin der Grünen, Thea
Dückert, forderte die Gewerkschaften zur Mitarbeit an den Sozialreformen auf. Dieses sollten jetzt stärker
mitgestalten, "als immer nur die rote Karte zu zeigen", sagte Dückert im NDR.
Clement verteidigte in Dortmund erneut die Agenda 2010 als alternativlos und lehnte Änderungen ab. "Jeder Schritt
dort muss getan werden." Die Reformen würden niemanden in der Gesellschaft überfordern. "Niemand stürzt sozial
ab", versprach der Minister.
Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt
Göring-Eckardt sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Montagausgabe), mit der Agenda 2010 werde nur das gemacht,
was schon lange hätte gemacht werden müssen. "Die großen Veränderungen stehen aber noch bevor." Dabei müsse
die Selbstbestimmung des Einzelnen in ein neues Verhältnis zur Verantwortung für das Ganze gebracht werden.
"Jeder muss die Chance haben, etwas beizutragen, und jeder soll das, nach seinen Möglichkeiten, auch tun."
Der SPD-Politiker Florian Pronold, der zu den Initiatoren des SPD-Mitgliederbegehrens gehört, sagte im NDR, bis jetzt
seien rund 12.000 Unterstützer-Formulare zu dem Begehren aus dem Internet herunter geladen worden. "Das ist
mehr, als wir erwartet haben." Benötigt werden die Unterschriften von zehn Prozent der etwa 670.000 SPD-Mitglieder.
Pronold zeigte sich zuversichtlich, dass Schröder auf Änderungswünsche der Kritiker noch eingeht. Er bekräftigte, es
gehe bei der Kritik an den Reformplänen nicht darum, den Kanzler oder die SPD zu schwächen. (Quelle: rtr)
Warnstreiks in der ostdeutschen Metallindustrie haben begonnen
Mo.05.05.03 - In Ostdeutschland hat die IG Metall in der Nacht zum Montag mit
Warnstreiks in der Metall- Industrie begonnen, um ihrer Forderung nach einer
schrittweisen Einführung der 35-Stunden-Woche Nachdruck zu verleihen.
Im Opel-Werk in Eisenach hätten rund 350 Beschäftigte für eine Stunde die Arbeit
niedergelegt und seien vor das Werkstor gezogen, teilte die Gewerkschaft am
Montag mit. Für den weiteren Tagesverlauf seien Warnstreiks in weiteren Betrieben
geplant, unter anderem in den sächsischen VW-Werken in Chemnitz, Mosel und
Dresden. Darüber hinaus seien in den kommenden Tagen weitere Ausstände
vorgesehen.
Die IG Metall will erreichen, dass im Osten die Wochenarbeitszeit auf das
Westniveau von 35 Stunden von derzeit 38 Stunden gesenkt wird.
Die Arbeitgeber haben erklärt, die längere Arbeitszeit sei der letzte
Wettbewerbsvorteil für Ost-Betriebe und der Großteil der Betriebe würde einen mit
der Verkürzung verbundenen Kostenschub nicht verkraften können. Die IG Metall
hatte indes den Arbeitgebern Unaufrichtigkeit vor geworfen, da bereits mit der
Lohnrunde im Mai 2002 klar gewesen sei, dass über einen Stufenplan zur
Arbeitszeitverkürzung verhandelt werden. Das hätten die Arbeitgeber auch
unterschrieben und nun täten sie so, als ob dies nicht möglich sei. (Quelle: rtr)
Stichwort: 35-Stunden-Woche
Stichwort: Streikrecht
Der 2. Mai 1933 - Ein Rückblick auf Krise und Zerschlagung der deutschen Gewerkschaftsbewegung 1930–1933
Mehr unter:
Jugend blickt trotz unsicherer Aussichten optimistisch in die Zukunft
Mo.05.05.03 - Trotz Sorgen um ihre finanzielle Absicherung im Alter blickt
Deutschlands Jugend eher optimistisch in die Zukunft. Die Generation der 14- bis
25-Jährigen geht dabei schon heute von einer verlängerten Lebensarbeitszeit aus
und wäre im Gegensatz zur älteren Generation auch bereit, zur Sicherung der
Leistungsfähigkeit des Staates auf Vermögen zu verzichten. Das sind die
Ergebnisse einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage von Infratest München im
Auftrag des Südwestrundfunks (SWR).
Befragt wurden in der zweiten Aprilhälfte 300 Jugendliche zwischen 14 und 25
Jahren sowie 400 Personen im Alter über 65 Jahren. Lediglich 36 Prozent der
Jungen halten demnach den Wohlstand zwischen den Generationen für gerecht
verteilt. Um die Leistungsfähigkeit des Staates zu sichern, würde knapp die Mehrheit (54
Prozent) von ihnen auch auf Vermögen verzichten. Bei den über 65-Jährigen wären
dazu nur 34 Prozent bereit.
Während 70 Prozent der Rentner ihr Einkommen im Alter für "hinreichend
gesichert" halten, glauben das nur 58 Prozent der Jugendlichen. Gleichzeitig fürchten die meisten jungen Menschen,
dass die Alterssicherung nicht ausreicht. Knapp zwei Drittel (65 Prozent) der bis zu 25-Jährigen gehen schon heute
von einer verlängerten Lebensarbeitszeit aus. Ebenso meint die Mehrheit (56 Prozent), dass man in der Schule nicht
"das Richtige fürs Leben lernt". Insgesamt sehen Jugendliche zu 71 Prozent ihre Zukunft deutlich "eher
zuversichtlich" gegenüber 52 Prozent bei den Älteren.
82 Prozent der Jugendlichen schätzen sich als "konsumorientiert" ein. Die Einstellungen gegenüber der jeweils
anderen Generation sind sehr unterschiedlich: Einerseits geht die Mehrheit der Generationen von einem
rücksichtsvollen Umgang miteinander aus, nur zwölf Prozent der über 65-Jährigen hält junge Menschen für
rücksichtslos. Allerdings zweifelt der Nachwuchs in ganz erheblichem Maße (57 Prozent) an der Toleranz der Älteren,
während sich 74 Prozent der Senioren selbst für tolerant gegenüber der Jugend halten. Insgesamt empfinden 62
Prozent aller 14- bis 25-Jährigen das Verhältnis zwischen älterer und jüngerer Generation als "eher angespannt".
Enquête-Vorsitzender dämpft Gentechnik-Euphorie
Mo.05.05.03 - Vor überzogenen Erwartungen an die Gentechnik hat der
Vorsitzende der neuen Enquête-Kommission des Bundestags zur Biomedizin
gewarnt. "Wir werden nicht in der Lage sein, eine Gesellschaft ohne Leid zu erreichen",
sagte der SPD-Abgeordnete René Röspel. 95 Prozent
aller Behinderungen entstünden nach der Geburt, durch
Unfall oder Krankheit. "Selbst wenn man alle gentechnischen Chancen nutzen
würde, wäre dagegen letztlich nichts auszurichten. Die leidfreie Gesellschaft ist ein
Trugbild." Die neue Enquête-Kommission des Bundestags zu "Recht und Ethik in
der modernen Medizin" tritt am Montag erstmals zusammen.
Als wichtige Themen nannte Röspel in den "Stuttgarter Nachrichten" neben der
Biotechnologie die Sterbebegleitung sowie das Verhältnis zwischen Arzt und
Patient allgemein. Der Diplombiologe bekräftigte sein Votum gegen den Import
embryonaler Stammzellen zu Forschungszwecken. "Wenn die jetzt aus dem
Ausland bezogenen embryonalen Stammzellen irgendwann einmal nicht mehr
ausreichen, wird die Forderung nach mehr Zellen laut", warnte er. "Man wird dann
darüber nachdenken, auch in Deutschland Embryonen zu töten, um Stammzellen
zu gewinnen." Die Wissenschaft solle sich stattdessen auf adulte Stammzellen
konzentrieren, die ein ganz ähnliches Potenzial hätten.
Die erste Enquête-Kommission war im März 2000 eingesetzt worden, um zu Fragen
der Entwicklung und Anwendung der Biotechnologie eine "grundlegende und
vorbereitende Arbeit" für Entscheidungen des Bundestags zu leisten. Im Mai 2002
hatten sich die Kommissionsmitglieder mehrheitlich gegen eine Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID)
ausgesprochen. (Quelle: afp)
WHO-Experte: Chancen für rasches Ende der SARS-Epidemie sinken
Mo.05.05.03 - Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Ausbreitung der SARS-Epidemie durch
entschiedene Quarantänemaßnahmen schwindet nach Einschätzung des WHO-Experten Wolfgang Preiser von
Tag zu Tag.
Er sagte dem Nachrichtensender "n-tv" am Samstag, der
Schlüssel für die weitere Entwicklung der
lebensgefährlichen Lungenkrankheit liege in China. Von dort
und Hongkong, die weltweit am schwersten von SARS
betroffen sind, wurden neue Infektions- und Todesfälle
gemeldet.
Der SARS-Virus war bereits vergangenen November in Südchina entdeckt
worden. Reisende hatten ihn von dort aus in rund 30 Länder verbreitet. In China
haben sich seither nahezu 4000 Menschen damit infiziert, rund 190 kamen ums
Leben. Weltweit starben an der Krankheit mehr als 430 Menschen. Rund 6500
infizierten sich mit dem Virus.
"Wir müssen damit rechnen, dass wir für ein halbes Jahr oder
länger mit SARS konfrontiert werden, und wenn es ungünstig
verläuft, müssen wir für immer mit Einschleppungen rechnen",
sagte der SARS-Experte der Weltgesundheitsorganisation
(WHO), Preiser, dem Sender weiter. In der Millionenmetropole
Peking habe es "bedauerliche Verzögerungen" im Kampf gegen
die Krankheit und dadurch einen starken Anstieg der Zahl der
SARS betroffene Stadt.
Preiser zufolge sind Europa und insbesondere Deutschland im
Prinzip gut auf SARS vorbereitet. Allerdings müsse auch hier
mit sporadischen Einschleppungen von SARS und weiteren Infektionen gerechnet werden. "Aber ich glaube nicht,
dass es zu einer größeren SARS-Ausbreitung in Europa kommt", sagte der Virologe der Universität Frankfurt (Main).
In Deutschland sind nach WHO-Angaben bislang sieben SARS-Verdachtsfälle aufgetreten.
Die Befürchtungen der WHO richteten sich aber vor allem auf weniger entwickelte Regionen der Welt, sagte Preiser.
"Wir haben die Furcht, wenn schon innerhalb Chinas so gewaltige Probleme mit SARS auftreten, wie es erst sein
würde, falls der Virus in afrikanischen oder südasiatischen Ländern auftaucht, wo das Gesundheitswesen sicherlich
der Lage nicht gewachsen ist."
Nach Angaben des chinesischen Gesundheitsministeriums sind in China weitere neun Menschen an SARS
gestorben, 181 infizierten sich mit der Krankheit. Die Behörden in Peking hatten am Freitag berichtet, die
SARS-Epidemie habe in Peking ihren Höhepunkt erreicht. Es sei jedoch zu früh zu sagen, wann die Krankheit in der
chinesischen Hauptstadt unter Kontrolle gebracht werden könne.
Etliche Schulen in der chinesischen Hauptstadt Peking bleiben wegen
der andauernden Gefahr durch die Lungenkrankheit SARS für zwei weitere
Wochen geschlossen. Das Ende der Maiferien werde für Grund- und
Mittelschulen um 14 Tage verlängert, meldete die amtliche Nachrichtenagentur
Xinhua am Sonntag. Der Unterricht in den Schulen war am 21. April vorläufig
beendet worden, um die Ansteckungsgefahr für die mehr als 1,3 Millionen
Schüler in der chinesischen Hauptstadt möglichst gering zu halten.
Auch aus Hongkong wurden neun weitere Tote und zehn Neuinfektionen mit SARS gemeldet. Nach Einschätzung der
Gesundheitsbehörde der ehemaligen britischen Kronkolonie, könnten weitere SARS-Patienten sterben, da viele sich
nach wie vor in kritischem Zustand befänden. Am Freitag hatten Wissenschaftler berichtet, der Virus habe in
Hongkong eine Mutation durchlaufen, was eine Behandlung von Infizierten erschwere.
(Quellen: rtr, afp)
|
|
|
| home | home(no frame) |
B.O.A.-Künstlerkooperative
Gabelsbergerstr.17, D-80333 München, Telefon/Fax
: 089- 280621,
boa-kuenstlerkooperative@t-online.de