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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Di.06.05.03, 12:45 Irak am achtundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
USA nennen Mitglieder für Iraks Übergangsregierung +++
Bundesregierung bekräftigt Forderung nach UN-Führungsrolle in Irak +++
Polen für Beteiligung Deutschlands an Stabilisierungstruppe für Irak +++
Robertson: NATO-Einsatz in Irak zurzeit kein Thema +++
UN schicken Menschenrechtsbeobachter in den Irak +++
Saddams B-Waffen-Expertin gefasst +++
Internationale Atomenergiebehörde (IAEA): Es gab keine Rechtfertigung für einen Angriff auf Irak +++
US-Kriegsbefürworter wollen endlich Beweise für Massenvernichtungswaffen sehen +++
Atombehörde will Plünderungen von Atomanlagen im Irak prüfen +++
USA: Keine unmittelbare Rolle für UNO-Inspektoren im Irak +++
Ex-Waffeninspekteur vergleicht Irak-Krieg mit Hitlers Polen-Feldzug +++
Di.06.05.03 - Die USA wollen an einer irakischen Übergangsregierung bis zu neun Gruppen
unterschiedlicher politischer Richtungen, Ethnien und Religionen beteiligen. Ein Rat
aus "sieben, acht oder neun" irakischen Vertretern solle eine Regierung einsetzen, sagte
US-Zivilverwalter Jay Garner in Bagdad.
Als Mitglieder des Rats zur Einsetzung einer Übergangsregierung nannte Garner die
Kurdenführer Massud Barsani und Dschalal Talabani, Ahmed Tschalabi vom
Irakischen Nationalkongress, Abdel Asis el Hakim vom Obersten Rat für die
Islamische Revolution in Irak und den Chef der Nationalen Einheitsbewegung, Ijad
Allawi. Wann die Übergangsregierung gebildet werden soll, ist weiter unklar.
Die Bundesregierung forderte erneut, die UNO solle beim Wiederaufbau Iraks eine
zentrale Rolle übernehmen: Entscheidungen sollten "im Rahmen der Vereinten
Nationen getroffen werden", sagte Außenamtssprecher Walter Lindner. Dies gelte auch
für die von den USA angestrebte Aufhebung der UN-Sanktionen und für eine mögliche
Rückkehr der UN-Waffeninspekteure.
Polen setzt sich dafür ein, dass sich Deutschland an der multinationalen Stabilisierungstruppe
für Irak beteiligt. Der polnische Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski äußerte
in der "Washington Times" den Wunsch, dass sich deutsche und
dänische Soldaten mit den polnischen Truppen in Irak
zusammenschließen. Er verwies darauf, dass es innerhalb der
NATO bereits ein deutsch-polnisch-dänisches Korps gebe. Für
die Aufgabe in Irak bestehe also bereits eine "fertige
Kommandostruktur". Die USA planen, Irak in mehrere Sektoren
unter der Kontrolle der USA, Großbritanniens und Polens
aufzuteilen.
Ein NATO-Einsatz in Irak steht nach den Worten des
Generalsekretärs der Allianz, George Robertson, zurzeit
nicht zur Debatte. Es gebe dazu keine Entscheidung der
NATO, sagte Robertson in Washington. Wenn sich die
Lage in Irak kläre, werde jedoch über die Rolle der NATO
bei der Neuordnung des Landes diskutiert werden.
Die Rolle der NATO in Irak sei auch kurz Thema des Gesprächs zwischen
US-Präsident George W. Bush und Robertson gewesen, sagte ein Sprecher des
Weißen Hauses. Anfang April hatte US-Außenminister Colin Powell einen
friedenssichernden Einsatz der NATO in Irak in Erwägung gezogen.
Die UN wollen Menschenrechtsbeobachter in den Irak schicken. Eine
erste Mission solle bereits kommende Woche vor Ort sein, sagte der
UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Sergio Vieira de Mello, in Genf. Es müsse
dafür gesorgt werden, dass bei der Schaffung demokratischer Institutionen im Irak
die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen ebenso wie die zivilen und politischen
Rechte im Vordergrund stünden.
In Bagdad eröffnete Großbritannien seine erste diplomatische Vertretung seit mehr als zwölf Jahren. Die Entsendung
der Diplomaten sei ein Zeichen für das Engagement Londons, mit Irak und der dortigen Bevölkerung
zusammenzuarbeiten, sagte Geschäftsträger Christopher Segar.
In Mossul wählte eine 200-köpfige Versammlung unter US-Aufsicht einen Bürgermeister und einen Stadtrat. Der
arabische Bürgermeister hat einen kurdischen Stellvertreter. Zudem stehen ihm ein Turkmene und ein assyrischer
Christ als Assistenten zur Seite.
Die US-Streitkräfte nahmen eine für die Entwicklung von
Massenvernichtungswaffen verantwortlich gemachte Wissenschaftlerin fest.
Die festgenommene Wissenschaftlerin ist die einzige Frau auf der Liste der 55 von den USA meistgesuchten Irakern,
wo sie an drittletzter Stelle steht. Huda Sali Mahdi Ammasch befinde sich in der Hand der US-Truppen, sagte ein
Pentagon-Beamter in Washington. Nähere Angaben zu den Umständen ihrer Festnahme wurden zunächst nicht
gemacht.
Noch immer sind keine
Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden. Auch von irakischen
Wissenschaftlern waren keine neue Informationen zu erfahren. Vor
diesem Hintergrund regt sich in den USA Unmut - galten die
Massenvernichtungswaffen doch als der eigentliche Grund des
Feldzugs gegen Bagdad. "Als ein Befürworter des Krieges erwarte
ich, dass die Experten jetzt schleunigst etwas finden", sagt John
Pike von der Forschungsgruppe GlobalSecurity.org. Ähnlich äußert
sich Charles Pena vom Cato-Institut in Washington: Die
US-Regierung sei es der Welt schuldig, endlich die Beweise für die
Berechtigung des Kriegs zu präsentieren.
George W. Bush und Colin Powell bekunden zwar immer wieder
ihre Überzeugung, dass die verbotenen Massenvernichtungswaffen
in Kürze entdeckt würden. Hinter den Kulissen räumen einige
Beamte mittlerweile jedoch ein, man werde wohl höchstens
Unterlagen darüber finden, dass es ein solches Rüstungsprogramm
einmal gegeben hat. Vermutlich sei dieses jedoch später
aufgegeben worden, sodass die Waffen tatsächlich nicht mehr
existierten.
Aus Sicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) gab es keine
Rechtfertigung für einen Angriff auf Irak. Die UN-Waffeninspekteure hätten keinerlei
Hinweise dafür gefunden, dass Irak ein Atomwaffenprogramm betreibe, sagte
Behörden-Chef Mohammed El Baradei dem ZDF-Magazin "Frontal 21" laut einer
Vorabmitteilung vom Montag. Alle angeblichen Belege, die von der US-Regierung
den Inspekteuren vorgelegt worden seien, hätten sich als nicht stichhaltig erwiesen,
zum Teil habe es sich sogar um plumpe Fälschungen gehandelt.
Bei den chemischen und biologischen Waffen gebe es zwar Fragezeichen, ob Irak
diese Waffen tatsächlich zerstört habe, sagte El Baradei weiter. Aber auch hier gebe es
bis heute keinen Beweis für die Existenz solcher Waffen.
El Baradei forderte, die UN-Sanktionen gegen den Irak nur dann aufzuheben, wenn die Inspektoren zurück
nach Irak dürften. "So lese ich die UN-Sicherheitsrats-Resolution", sagte er. Nur die
UN-Inspekteure könnten glaubwürdig sicherstellen, dass Irak tatsächlich keine Massenvernichtungswaffen besitze.
"Schließlich war das genau der Grund, warum ein Krieg geführt wurde. Wir können das nicht einfach beiseite
schieben, nur weil es einen Regimewechsel gegeben hat", sagte der IAEA-Chef.
El Baradei bezweifelte, dass Waffenfunde durch amerikanische und britische Truppen als glaubwürdig wahrgenommen
würden. "Ich glaube nicht, dass die internationale Gemeinschaft damit zufrieden wäre, solange nicht wir, die
UN-Waffeninspekteure, dorthin gehen und die Funde überprüfen." Die Glaubwürdigkeit der Inspekteure sei
entscheidend, besonders in der arabischen und muslimischen Welt. Je länger die Suche nach
Massenvernichtungswaffen andauere, desto mehr stelle sich indes die Frage, ob Irak diese Waffen tatsächlich
besitze.
Für die Waffeninspektoren der Vereinten Nationen (UNO) ist
nach den Worten des Staatssekretärs im US-Außenministerium John Bolton
zunächst keine Rolle im Irak vorgesehen.
"Ich glaube nicht, dass es kurzfristig irgendeine Rolle für die UNO bei der Suche,
Identifizierung oder Sicherung von Massenvernichtungswaffen gibt. Aber wir
schließen nicht notwendigerweise aus, dass der UNO später irgendeine Rolle
zukommt", sagte Bolton vor Journalisten in Moskau. "Das ist eine Frage, die erst
noch beantwortet werden muss", fügte er hinzu.
Die Äußerungen stellten eine erneute Brüskierung des Chefs der UNO-Organisation
Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed ElBaradei, dar, der zusammen mit
UNO-Chefwaffeninspektor Hans Blix nach verbotenen Massenvernichtungswaffen
im Irak gesucht hatte.
Die US-Regierung hatte eine Rückkehr der UN-Waffeninspekteure wiederholt abgelehnt und statt dessen eigene
Teams mit der Suche nach Massenvernichtungswaffen beauftragt.
Die Internationale Atomenergiebehörde
will Experten in den Irak entsenden, um Berichte
über Plünderungen von Atomanlagen zu überprüfen.
Der Chef der Behörde, Mohammed ElBaradei, habe die
Vereinten Nationen (UNO) um eine entsprechende
Erlaubnis gebeten, aber noch keine Antwort erhalten,
sagte eine IAEA-Sprecherin am Montag in Wien.
Die USA hätten der Behörde zugesagt, für die Sicherheit der Atomanlagen zu
sorgen, sagte die IAEA-Sprecherin. Die Medienberichte über Plünderungen seien
beunruhigend. Die "Washington Post" hatte am Vortag berichtet, irakische Anlagen mit
großen Mengen hochradioaktiven Materials seien offenbar geplündert worden und derzeit
könne man nicht sagen, ob etwas fehle. Die IAEA verfügt über eine detaillierte Liste von
radioaktivem Material unter anderem der Forschungsanlage Tuwaitha, die von der Behörde
versiegelt worden ist. Berichten zufolge sollen US-Streitkräfte im vergangenen Monat die
Siegel gebrochen und die Anlage betreten haben.
Die IAEA-Experten sollen der Sprecherin zufolge die Ereignisse seit Kriegsbeginn
rekonstruieren. Der Großteil des radioaktiven Materials,
das die IAEA in den Anlagen gefunden hat, eignet sich nicht für den Bau von Atomwaffen. Allerdings befürchtet die
Behörde, dass das Material in die Hände von Terroristen gelangen und zum Bau von so genannten "schmutzigen
Bomben" genutzt werden könnte. Als schmutzige Bomben werden Sprengsätze bezeichnet, denen radioaktives
Material beigemischt wird.
Der frühere UN-Waffeninspekteur Scott Ritter hat den Krieg der USA in
Irak mit dem Vorgehen Adolf Hitlers in Polen verglichen. "Ich sehe keinen
Unterschied zwischen der Invasion Iraks und der Invasion Polens durch Hitler im
Jahr 1939", sagte Ritter der "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe). Hitler habe seine
Soldaten unter dem Vorwand der Selbstverteidigung einmarschieren lassen,
US-Präsident George W. Bush habe sich 2003 genauso verhalten. "Es ist dieselbe
Lüge", wird Ritter zitiert.
Bush habe die Terroranschläge auf die USA vom 11. September 2001 in der
gleichen Weise für seine Zwecke benutzt wie Hitler den Reichstagsbrand. Nach
Ansicht Ritters besitzt der Irak keine Massenvernichtungswaffen. Somit sei die
Begründung für den Krieg hinfällig: "130 Amerikaner starben in diesem Krieg für
eine Lüge", sagte Ritter dem Bericht zufolge.
(Quellen: afp, rtr, dpa, ap)
«Krieg ist gut fürs Geschäft»
Der Konzern Halliburton, dessen Direktor Vizepräsident Cheney bis zu seinem jetzigen Amt war,
verdiente gut am Afghanistan- und Irak-Krieg.
Mehr unter:
«Ist es Zufall? - Die Nationale Kommission zur Untersuchung der Ereignisse vom 11.9. hat die ersten Anhörungen
durchgeführt, die Bush-Regierung blockiert weiter die Aufklärung»
Mehr unter:
Golfkriegssyndrom erstmals von Gericht anerkannt
Di.06.05.03 - Erstmals hat ein Gericht einen direkten Zusammenhang
zwischen der Erkrankung eines Soldaten und dem so genannten Golfkriegssyndrom
festgestellt.
Die britischen Richter entschieden in einem am Montag veröffentlichten Urteil zu
Gunsten eines Soldaten, der seine Ermüdungserscheinungen,
Verdauungsschwierigkeiten und psychologischen Probleme auf die Verabreichung
bestimmter Medikamente im Rahmen eines geplanten Einsatzes im ersten Golfkrieg
zurückführte. Das Urteil gilt als erste Anerkennung des Syndroms, dessen Existenz
das britische Verteidigungsministerium verneint.
Spezielle Impfstoffe, die dem Soldaten vor dem ersten Golfkrieg 1991 verabreicht
worden seien, hätten die Knochenkrankheit Osteoporose und verschiedene andere Leiden
ausgelöst, hieß es in dem Urteil. Der Soldat war letztendlich zwar nicht in die Golfregion
entsandt worden. Trotzdem litt er wie viele von dort zurückgekehrte Soldaten unter den für das
Golfkriegssyndrom typischen Symptomen. Sowohl Großbritannien als auch die USA
sehen keine Verbindung zwischen solchen Symptomen und der Teilnahme am
Golfkrieg. Beide Länder investierten allerdings hunderte von Millionen Dollar in die
Erforschung möglicher Ursachen der Symptome.
Unter Medizinern sind die Ursachen des Golfkriegssyndroms umstritten. Als
mögliche Gründe werden neben den Impfungen auch Stress, der Rauch brennender
Ölförderanlagen oder die Handhabung von Munition mit abgereichertem Uran
genannt.
"Es gibt keinen medizinischen Beweis, dass die Impfungen Menschen geschadet haben", sagte ein Staatssekretär
des Verteidigungsministeriums dem britischen Rundfunk BBC. Das Urteil sei aus rein juristischen Gründen zu Stande
gekommen. Das Ministerium habe nicht belegen können, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Krankheit und
den verabreichten Medikamenten gebe. Eine Berufung werde das Ministerium aber nicht anstrengen.
Großbritannien hatte wie in diesem Jahr auch im ersten Golfkrieg 1991 an der Seite der USA gegen den Irak
gekämpft.
(Quelle: rtr)
140 Bundeswehrsoldaten kehren aus Kuwait zurück
Di.06.05.03 - Die Zahl der Bundeswehrsoldaten in Kuwait wird wieder
reduziert. Wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums
in Berlin mitteilte, entschied Verteidigungsminister Peter
Struck (SPD), "noch in dieser Woche" die deutschen
ABC-Abwehreinheiten auf 60 zu reduzieren. 140 Soldaten
kämen nach Deutschland zurück. Zwei Spürpanzer vom Typ Fuchs würden weiter in
ständiger Einsatzbereitschaft gehalten.
Einen Bericht der "Leipziger Volkszeitung", nach dem rund hundert Soldaten des
Kommando Spezialkräfte (KSK) aus Afghanistan abgezogen und durch reguläre
deutsche Fallschirmjäger ersetzt würden, bestätigte der Sprecher nicht. Zu
operativen Fragen äußere sich die Bundeswehr nicht.
Im Rahmen der US-geführten Anti-Terror-Operation "Enduring Freedom" waren vor
Beginn des Irak-Krieges rund 90 Bundeswehrsoldaten mit sechs Panzern vom Typ
Fuchs in Kuwait stationiert. Der technisch hoch entwickelte Spürpanzer ist eine Art
rollendes Labor. Er verfügt über die Fähigkeit, atomare, biologische oder chemische
Verseuchungen zu erkennen, zu markieren und Proben für Feinanalysen zu
nehmen. Kurz vor Beginn des Irak-Krieges war die Anzahl der Soldaten auf 200
erhöht worden. Bis zu 100 KSK-Soldaten können sich mit dem Mandat "Enduring
Freedom" in Afghanistan aufhalten. (Quelle: afp)
Struck sieht nach Treffen mit Rumsfeld positive Anzeichen
Di.06.05.03 - Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) sieht die
angespannten deutsch-amerikanischen Beziehungen auf
dem Weg zur Normalisierung. Nach einem Treffen mit
seinem US-Kollegen Donald Rumsfeld und
Vize-Außenminister Richard Armitage in Washington
sagte Struck, die Gespräche seien in "freundlicher
Atmosphäre" verlaufen. In Berlin empfängt Struck heute seine französische Kollegin
Michèle Alliot-Marie. Bei dem Treffen dürften unter anderem das weitere Vorgehen in
Irak und die transatlantischen Beziehungen zur Sprache kommen.
Nach dem Ende des Irak-Krieges sind beide EU-Partner um eine Verbesserung der
angespannten Beziehungen zu den USA bemüht. Die französische
Verteidigungsministerin wird auch an einer Anhörung des
Bundestags-Verteidigungsausschusses teilnehmen.
Washington und Berlin seien "ein gutes Stück auf dem Weg zur Normalisierung
zwischen beiden Staaten" vorangekommen, sagte Struck nach dem Treffen mit
Rumsfeld am Montag. Von Seiten Washingtons habe es keine "konkreten
Anforderungen" gegeben, was eine deutsche Beteiligung in Irak angehen würde.
Deutschland und Frankreich ebenso wie alle anderen NATO-Mitglieder hätten aber
"sicherlich überhaupt nichts dagegen", wenn jetzt militärische Überlegungen für die
Nachkriegsphase in Irak angestellt würden. Was die Beiträge einzelner Staaten betreffe, sei dies jedoch "eine
jeweilige nationale souveräne Entscheidung".
Struck war der erste deutsche Minister, der seit Ende des Irak-Krieges die USA besuchte.
(Quelle: afp)
Nordkorea will Dialog mit USA womöglich abbrechen
Di.06.05.03 - Nordkorea will die Gespräche mit den USA abbrechen, falls
Washington nicht auf sein Angebot eingeht, als Gegenleistung
für den Stopp seines Atomprogramms wirtschaftliche und
politische Zugeständnisse zu machen. Im Zentralorgan der
regierenden Kommunistischen Partei hieß es, die
US-Regierung mache die Lage dadurch noch komplizierter,
dass sie Nordkorea weiter auf der Liste der den Terrorismus
unterstützenden Staaten führe. Auf das Kompromissangebot
der nordkoreanischen Regierung vom vergangenen Monat sei die US-Regierung
bislang nicht eingegangen.
Die USA verlangen von der Demokratischen Volksrepublik Nordkorea den
überprüfbaren Abbau ihrer Atomanlagen als Vorbedingung für umfassende
Verhandlungen. Pjöngjang besteht dagegen auf vorherige Sicherheitsgarantien. Die
US-Tageszeitung "New York Times" berichtete, innerhalb der US-Regierung gebe es
Überlegungen, wonach künftig vor allem die Ausfuhr von atomwaffentauglichem
Material durch Nordkorea unterbunden werden solle. Am Sonntag hatte der Direktor
des nordkoreanischen Instituts für koreanisch-amerikanischen Frieden, Kim Myong
Chol, erklärt, Nordkorea besitze "mindestens hundert Atomsprengköpfe", die
sämtlich auf Städte in den USA gerichtet seien.
(Quelle: afp)
Pakistan bietet unter Bedingungen Verzicht auf Atomwaffen an
Di.06.05.03 - Pakistan hat seinen Verzicht auf Atomwaffen unter der
Voraussetzung angeboten, dass auch Nachbar und Erzrivale Indien atomar
abrüstet.
Wenn Indien bereit sei, nuklear abzurüsten, sei Pakistan glücklich, es auch zu tun,
sagte ein Sprecher des pakistanischen Außenministers am Montag in Islamabad.
"Wir können darüber reden, aber es muss beiderseitig geschehen." Die USA haben
in der vergangenen Woche außer Nordkorea und den Iran auch Südasien als eine
Bedrohung für den Weltfrieden bezeichnet. Sie werfen Nordkorea und Iran vor,
Atomwaffen zu entwickeln oder bereits zu besitzen und möglicherweise an
internationale Extremisten weiterzugeben. Mit dem Vorwurf begründeten sie auch
ihren Militärschlag gegen den Irak.
Pakistan besitzt Experten zufolge zwischen 25 und 50 atomare Sprengköpfe, Indien
zwischen 100 und 150. Beide Staaten haben zudem verschiedene Raketensysteme, um
die Sprengköpfe einzusetzen. Vor einem Jahr hatte sich der Konflikt der
Nachbarn um die Region Kaschmir im Himalaya so weit
zugespitzt, dass sich Millionen Soldaten auf beiden Seiten der
Grenze und der Waffenstillstandslinie in Kaschmir gegenüber
standen und Gefechte lieferten.
(Quelle: rtr)
Kolumbianische Guerilla tötet zehn Geiseln
Di.06.05.03 - Die kolumbianische FARC-Guerilla hat zehn Geiseln getötet,
unter ihnen zwei Politiker. Die Rebellen töteten den früheren
Verteidigungsminister Gilberto Echeverry und den Gouverneur
der Provinz Antioquia, Guillermo Gaviria, sowie acht entführte
Soldaten. Die beiden Politiker waren vergangenes Jahr an
Ostern verschleppt worden, als sie sich an einem
Friedensmarsch im Norden des Landes beteiligten. Echeverry
war der Friedensbeauftragte der Regierung für die Provinz
Antioquia.
Der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe bat Frankreich, im Rahmen eines
Gefangenenaustausches zwischen Regierung und Rebellen Guerilleros
aufzunehmen. Der Austausch solle unter Vermittlung der UNO stattfinden. Die
Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) müssten im Gegenzug alle Geiseln
freilassen.
Medienberichten zufolge töteten die Rebellen die Geiseln, als sie bemerkten, dass
Militärmaschinen das Gebiet überflogen, in dem die Verschleppten gefangen
gehalten wurden. Die zehn seien bei Kämpfen zwischen Rebellen und Armee getötet
worden, als diese versuchte, die Geiseln zu befreien, sagte hingegen ein FARC-Sprecher
einem Radiosender in Medellín. Gaviria und Echeverry standen
auf einer Liste mit Geiseln, die die FARC gegen gefangene
Guerilleros austauschen wollte.
Etwa 800 Menschen befinden sich derzeit in der Gewalt der
Guerillaorganisation. Das prominenteste Opfer ist die
ehemalige Präsidentschaftskandidatin der Grünen, Ingrid
Betancourt, die im Februar 2002 entführt worden war.
Angesichts einer Serie von Gewalttaten hatte Präsident Uribe
unmittelbar nach seinem Amtsantritt Mitte August vergangenen
Jahres den Ausnahmezustand verhängt und der Armee weit
reichende Vollmachten im Kampf gegen die Guerilla erteilt. Das
Verfassungsgericht in Bogotá machte eine zweite Verlängerung des Ausnahmezustandes Ende April rückgängig.
Die linksgerichteten Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), mit 17.000 Kämpfern die größte
Guerillaorganisation Lateinamerikas, kämpfen seit 1964 gegen die Regierung in Bogotá. In dem seit fast vier
Jahrzehnten andauernden Konflikt zwischen der Guerilla, ultrarechten paramilitärischen Gruppen und der Armee
kamen bislang mehr als 200.000 Menschen ums Leben. (Quelle: afp)
Massengrab mit Bürgerkriegsopfern in Guatemala entdeckt
Di.06.05.03 - Anthropologen haben in Guatemala ein Massengrab mit 18
Bürgerkriegsopfern gefunden. Die Leichen seien kürzlich in Nebaj, 120 Kilometer
nördlich der Hauptstadt Guatemala-Stadt entdeckt worden, teilte die Organisation
der Kriegerwitwen am Montag mit. Unter den Toten waren vier Kinder und sechs
Frauen. Der guatemaltekische Bürgerkrieg, in dem rund 200.000 Menschen getötet
wurden oder verschwanden, ging 1996 nach 34 Jahren mit der Unterzeichnung eines
Friedensabkommens zu Ende.
(Quelle: ap)
China nennt Lage wegen SARS noch immer Besorgnis erregend
Di.06.05.03 - Im Kampf gegen die lebensgefährliche Lungenkrankheit SARS
hat die Hauptstadt Peking nach den Worten des chinesischen Ministerpräsidenten
Wen Jiabao Fortschritte gemacht, die Lage sei aber noch immer Besorgnis
erregend.
Es bleibe noch viel Arbeit zu tun, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua
Jiabao am Dienstag. Der Ministerpräsident habe sich am Vortag beim Besuch
eines Notkrankenhauses in Peking geäußert. In China sind offiziellen Angaben
zufolge 206 Menschen an SARS gestorben und fast 4300 infiziert. Wegen der
Krankheit will die Universität von Kalifornien in Berkeley mehrere hundert asiatische
Studenten nicht aufnehmen.
Jiabao warnte bei seinem Besuch des Xiaotangshan-Krankenhauses die Behörden davor, im
Kampf gegen SARS nachzulassen. "Ein große Menge anstrengender Arbeit ist noch zu erledigen, um
die Epidemie bald unter Kontrolle zu bringen", sagte Jiabao.
Das Krankenhaus war
innerhalb von sieben Tagen am Stadtrand von Peking errichtet worden, um die
zahlreichen Erkrankten behandeln zu können. Derzeit lägen in dem Hospital 324
Patienten, berichtete die staatliche Zeitung "China Daily". Nach offiziellen Angaben
starben allein in der Hauptstadt 103 Menschen an dem Schweren Akuten
Atemwegssyndrom (SARS), fast 1900 Menschen haben sich damit angesteckt.
Um eine Ausbreitung der Krankheit zu vermeiden, sind Xinhua zufolge in der
14-Millionen-Stadt Peking fast 16.500 Menschen unter Quarantäne gestellt worden.
Der Mobilfunkhersteller Motorola hat seine größte Vertretung in Peking geschlossen, nachdem ein Mitarbeiter an
SARS erkrankt war. Rund 1000 Beschäftigte würden bis 12. Mai von zu Hause aus arbeiten, teilte das Unternehmen
mit. Motorola (NYSE: MOT - Nachrichten) ist der zweitgrößte Mobiltelefonhersteller weltweit und einer der größten
Investoren in China.
Weltweit haben sich nach offiziellen Angaben fast 7000 Menschen mit SARS infiziert, 464 erlagen der Krankheit.
Nach China sind vor allem Hongkong und Singapur betroffen, der Schwerpunkt der Ausbreitung liegt in Ostasien.
Studenten aus China, Hongkong, Taiwan und Singapur werden an der Universität Berkeley in den USA nicht mehr
aufgenommen. Die Entscheidung sei nach Rücksprache mit den Gesundheitsbehörden der Stadt gefällt worden, teilte
Berkeleys Kanzler Robert Berdahl am Montag auf der Website der Universität mit. (Quelle: rtr)
«Studie: Übertragung des SARS-Virus auch über infizierte Gegenstände. Neue Unruhen in China, sinkende
Ansteckungsrate in Hongkong»
Das SARS-Virus ist ansteckender als
zunächst angenommen. Eine Studie der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergab, dass das Virus stärker
und widerstandsfähiger ist als andere Viren der gleichen Familie.
Deshalb könne der Erreger nicht nur von Mensch zu Mensch
übertragen werden, sondern überlebe beispielsweise bei
Zimmertemperatur auf Plastikflächen länger als 24 Stunden.
"Auch niedrige Temperaturen von unter null Grad können ihm kaum
etwas anhaben", sagte SARS-Expertin Maria Ching gestern in
Genf. Jedoch vertrage das Virus keine Hitze und könne
Temperaturen über 56 Grad nicht überstehen. Im menschlichen
Stuhlgang könne es sich sogar bis zu vier Tage halten. "Die gute
Nachricht ist, dass sich der SARS-Virus mit gewöhnlichen
Desinfektionsmitteln abtöten lässt, wie wir jetzt herausgefunden
haben", erklärte Ching. (Quelle: taz)
Silvio Berlusconi wegen Bestechung vor Gericht
Di.06.05.03 - Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat am Montag vor einem
Gericht in Mailand die gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe
zurückgewiesen.
Mit seinem damaligen Angebot zur Übernahme eines
staatlichen Unternehmens habe er allein im Interesse
Italiens gehandelt, sagte Berlusconi zu seinem Vorgehen
im Jahr 1985, einem Zeitpunkt vor seiner politischen
Karriere. Dem Milliardär und jetzigen Regierungschef wird vorgeworfen, Richter
bestochen zu haben, um den Zuschlag für die staatliche Firma zu erhalten.
Berlusconi ist der erste Ministerpräsident Italiens, der in eigener Sache vor Gericht
erscheinen muss. Im Falle einer Verurteilung hat der Regierungschef rasche
Neuwahlen in Aussicht gestellt.
Berlusconi berief sich in einer rund einstündigen Erklärung vor dem Gericht auf den
damaligen sozialistischen Ministerpräsident Bettino Craxi und griff den heutigen
Kommissionspräsidenten der Europäischen Union (EU), den Italiener Romano Prodi
scharf an. Craxi habe ihn aufgefordert, für das Lebensmittelunternehmen SME zu
bieten, um eine "Ausplünderung" des Staates zu verhindern. "Er hat mich persönlich
gebeten, ein Angebot abzugeben, das höher ist als das in dem Vertrag mit
(dem Industriellen Carlo) De Benedetti." Berlusconi war zu dem Zeitpunkt ein enger Freund Craxis.
SME war von der staatlichen IRI-Holding zum Verkauf angeboten
worden. Deren Chef war Prodi, dem Berlusconi vorwarf, den
Verkauf laienhaft betrieben zu haben. Prodi hatte dem Verkauf
von SME an De Benedetti zunächst zugestimmt. Craxi
bezeichnete den vereinbarten Preis jedoch als zu gering und
ordnete an, den Verkauf zu prüfen. Rund einen Monat später
reichte die Investoren-Gruppe um Berlusconi ihr höheres Angebot
ein und De Benedetti versuchte daraufhin, die ursprüngliche
geplante Übernahme gerichtlich durchzusetzen. Sein Antrag wurde jedoch von dem Richter zurückgewiesen, dem nun
vorgeworfen wird, die Bestechungsgelder kassiert zu haben. SME wurde zu Beginn der 90-er Jahre schließlich
aufgespalten und und an verschiedene Lebensmittelkonzerne verkauft.
Berlusconi hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Vorfeld der Verhandlung als Ausdruck einer politisch
motivierten Hexenjagd bezeichnet. Seine Regierung, die in beiden Parlamentskammern über eine Mehrheit verfügt, hat
angekündigt, für führende staatliche Repräsentanten wieder eine Immunität einführen. Ein Urteil in dem Mailänder
Prozess wird im Sommer erwartet - für Berlusconi ein besonders ungünstiger Zeitpunkt, übernimmt Italien doch im Juli
die EU-Präsidentschaft.
In der vergangenen Woche war ein enger Vertrauter Berlusconis wegen Bestechung von Richtern in einem anderen
Fall zu elf Jahren Haft verurteilt worden. (Quelle: rtr)
Österreich: Wegen Rentenreform erster Generalstreik seit 50 Jahren
Di.06.05.03 - Aus Protest gegen die Rentenreform der Wiener Regierung rollt am
(heutigen) Dienstag eine beispiellose Streikwelle durch Österreich. Erstmals seit
Jahrzehnten werden Arbeitnehmer aller Branchen zumindest teilweise die Arbeit
niederlegen, meldete die österreichische Nachrichtenagentur APA am Montag. Die
von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel vorgeschlagene Reform sieht in einigen
Fällen Rentenkürzungen von mehr als 30 Prozent vor.
Der morgendliche Berufsverkehr soll nach dem Aktionsplan der Gewerkschaften
ruhen, meldete APA. Bereits am Montag streikten die Drucker, so dass am Dienstag
nur wenige Zeitungen erscheinen dürften. Der Herausgeber der "Vorarlberger
Nachrichten", Eugen Russ, charterte Hubschrauber, um die Zeitungen an den
Streikposten vorbei ausliefern zu können. Mehrere Dienstagausgaben dürften aber
nur im Internet erscheinen, schrieb APA.
Betriebsversammlungen gebe es am Dienstag fast im
gesamten Öffentlichen Dienst: Besonderes Aufsehen errege dabei der Protest der
Polizei, die von sieben bis zehn Uhr nur einen Notdienst versehe. Die
Außendienstpräsenz werde auf «dringende Fälle» beschränkt. In den
Krankenhäusern beschränkten sich die Maßnahmen darauf, den Patienten eine
eingeschränkte Menü-Auswahl anzubieten.
Am 13. Juni haben die Gewerkschaften zu einer Großkundgebung aufgerufen. Die Verabschiedung der
Pensionsreform steht am 4. Juni auf der Tagesordnung des Parlaments in Wien. (Quelle: ap)
Deutschland: Neuer Warnstreik der Metaller im Osten
Di.06.05.03 - Mit einem Warnstreik in einem brandenburgischen
Elektrostahlwerk hat die IG Metall am Dienstag ihren Arbeitskampf für die
35-Stunden-Woche in Ostdeutschland fortgesetzt. An der Arbeitsniederlegung ab
06.00 Uhr beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft zunächst rund 150
Beschäftigte der Henningsdorfer Elektrostahlwerke. Die Aktion sollte bis 08.00 Uhr
dauern.
Die Warnstreikwelle hatte am Montag mit Arbeitsniederlegungen bei Opel und
Volkswagen in Thüringen und Sachsen begonnen. Insgesamt beteiligten sich laut
Gewerkschaft mehr als 6.000 Beschäftigte an den Aktionen, die in den kommenden
Tagen ausgeweitet werden sollen. Die IG Metall will damit für die rund 310.000
Beschäftigten in den neuen Bundesländern eine stufenweise Senkung der
Arbeitszeit von 38 auf 35 Stunden wie im Westen bei vollem Lohn- und
Gehaltsausgleich erreichen.
(Quelle: ap)
Union setzt auf massive soziale Einschnitte
Di.06.05.03 - CDU und CSU haben am Montag ein gemeinsames Reformkonzept für
den Arbeitsmarkt vorgelegt, das über Bundeskanzler Gerhard Schröders Agenda 2010
hinaus geht. Mit tiefen Einschnitten bei Arbeitslosengeld, Frührente, Sozialhilfe und
Kündigungsschutz will die Union die Grundlage für neue Arbeitsplätze schaffen. Die
CDU-Vorsitzende Angela Merkel warb in München für diese "neue Solidarität mit
den Arbeitslosen, die sonst keine Chance haben". Die
Union biete der Regierung ein gemeinsames Vorgehen an, erwarte aber komplizierte
Verhandlungen.
Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber drängte: "Wir brauchen diese
Strukturreformen schnell, denn es wird dauern, bis sie greifen." Das Konzept der
Union fußt im Kern auf Vorschlägen der CSU. Es steht unter dem Motto "Für
Wachstum - Sozial ist, was Arbeit schafft" und wurde von den Präsidien beider
Parteien am Sonntagabend in München ohne Gegenstimme beschlossen.
Danach soll das Arbeitslosengeld im ersten Monat pauschal um ein Viertel gekürzt
werden. In der Regel soll es nur noch ein Jahr lang, an Arbeitslose mit mindestens
40 Beitragsjahren bis zu zwei Jahre lang gezahlt werden. Gleichzeitig würde der
Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 6,5 auf unter 5 Prozent gesenkt. Merkel erklärte, das
mache Arbeit billiger und erhöhe den Anreiz, rasch wieder eine Stelle anzunehmen.
Wie Schröder will auch die Union die Arbeitslosenhilfe mit der
Sozialhilfe zusammen legen. Die Sozialhilfe für Arbeitsfähige,
die Stellenangebote ablehnen, will die Union um 30 Prozent
kürzen. Dafür wird die Möglichkeit anrechnungsfreier
Zuverdienste erweitert: "Wer schlecht bezahlte Jobs annimmt,
darf künftig einen Teil der Stütze behalten. Wer arbeitet, soll
mehr Geld in der Tasche haben als wer nicht arbeitet", sagte
Stoiber. Merkel erklärte: "Das wird Schwarzarbeit reduzieren."
Der Kündigungsschutz in Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten soll für neu einzustellende Beschäftigte ganz
abgeschafft werden. Alle Unternehmen sollen mit neuen Mitarbeitern vereinbaren können, statt Kündigungsschutz eine
gesetzliche Abfindung zu vereinbaren. In Existenzgründer-Firmen soll es in den ersten vier Jahren keinen
Kündigungsschutz geben.
Frührenten will die Union mit höheren Abschlägen belasten und so das tatsächliche Rentenalter von derzeit
durchschnittlich 60 Jahren erhöhen. Arbeitnehmer mit über 45 Beitragsjahren sollen allerdings nicht schlechter gestellt
werden. Die Rentenkassen würden damit um 13 Milliarden Euro oder 1,5 Prozentpunkte entlastet, sagte Stoiber.
Während die SPD weiter über eine Sozialreform streite, habe die Union ihre Querelen beigelegt, "volle Einigkeit
erzielt" und ein mehrheitsfähiges Konzept vorgelegt, sagte Stoiber. Merkel sah die Union als Motor der notwendigen
Reformen. Nun erwarte sie die Gesetzentwürfe der Regierung in Bundestag und Bundesrat. "Etwas Vernünftiges
machen wir mit", kündigte sie an, aber "es wird kompliziert werden." Sie fürchte, dass die SPD nach ihrem
Sonderparteitag am 1. Juni "wieder ermattet zu Boden sinkt". Es sei aber "ein Irrglaube zu meinen, die wenigen
Schritte würden reichen, den Arbeitsmarkt zu verändern".
Die CDU-Chefin bestritt, dass sich die CSU gegenüber der größeren Schwesterpartei durchgesetzt habe. Das
Konzept sei ein Kompromiss, "beide Seiten haben sich aufeinander zubewegt." (Quelle: ap)
«CDU/CSU-Reformpapier - Projekt Tellerwäscher»
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Hintergrund: Reform-Konzepte von Union und SPD
Deutschland braucht Reformen. Darüber sind sich SPD und
Union einig, nicht aber über das Ausmaß der Veränderungen. Nachdem sich CDU
und CSU auf ihrer Klausurtagung in München nun auf Maßnahmen für den
Arbeitsmarkt und die Sozialhilfe geeinigt haben, sind in diesen Punkten die
Konzepte vergleichbar.
Fazit: Im Kern will die Union mehr Änderungen als die SPD-Spitze, die ihre Pläne in
einem umstrittenen Leitantrag zum Sonderparteitag am 1. Juni festgeschrieben hat.
Bei Rente und Gesundheit sind die Vorstellungen auf beiden Seiten weniger
konkret.
ARBEITSLOSEN- UND SOZIALHILFE: SPD und Union wollen die
Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammenlegen. Die Union will, dass dies auf dem
Niveau der Sozialhilfe geschieht. Bei der SPD heißt es lediglich: «Wir wollen eine
armutsfeste Regelung.» Die Sozialdemokraten wollen
Empfängern, die zumutbare Arbeit ablehnen, die Leistungen
kürzen - «bis hin zum Wegfall der Leistungen». Bei der Union
heißt es: «Die Sozialhilfe wird für Arbeitsunwillige pauschal um
30 Prozent gekürzt. Als arbeitsunwillig gilt schon der, der ein
Arbeitsangebot ablehnt. Im Zweifel müssen die Kommunen
Arbeit nachweisen. Der Begriff der Zumutbarkeit taucht hier nicht mehr auf.
ARBEITSLOSENGELD: Hier sind die Volksparteien im Kern einig. In der Regel soll das Arbeitslosengeld nur noch
zwölf Monate gezahlt werden. Ziel: Die Beiträge für die Arbeitslosenversicherung sollen gesenkt werden. Nach dem
SPD-Antrag, der hier klar der Vorgabe von Bundeskanzler Gerhard Schröder folgt, sollen nur über 55-Jährige 18
Monate Geld erhalten. Die Union will dies an die Zahl der Beitragsjahre koppeln. Beide Seiten wollen die Änderung
nicht über Nacht einführen und sprechen von Übergangsregelungen. Die Union will zudem, dass das Arbeitslosengeld
im ersten Monat der Erwerbslosigkeit um 25 Prozent gekürzt wird, um aktuell arbeitslos Gewordene zu einer
schnellen Arbeitsaufnahme zu bewegen.
KÜNDIGUNGSSCHUTZ: Hier gehen die Pläne auseinander. Die SPD schreibt: «Der Kündigungsschutz bleibt
erhalten.» Das Kündigungsschutzgesetz soll weiter in Betrieben mit mehr als fünf Beschäftigten gelten. Ausnahme:
Die weitere Anstellung von befristet Beschäftigten soll ermöglicht werden, ohne dass damit das Gesetz automatisch
eingreift. Bei betriebsbedingten Kündigungen soll die Möglichkeit einer Abfindung festgeschrieben werden. Nach dem
Unions- Konzept soll dagegen künftig der Kündigungsschutz bei Neueinstellungen nicht mehr für Unternehmen gelten,
die weniger als 20 Mitarbeiter beschäftigen. Außerdem sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei Anstellung eine
Abfindung vereinbaren können, die den Kündigungsschutz ersetzt.
BETRIEBLICHE BÜNDNISSE FÜR ARBEIT: Zur Beschäftigungssicherung soll nach dem Willen der Union durch
Vereinbarung auf Betriebsebene von den Tarifverträgen abgewichen werden können. Schröder hatte in seiner
Regierungserklärung am 14. März an die Tarifparteien lediglich appelliert, Öffnungsklauseln zu schaffen.
RENTE: Dieses Thema wurde auf der CDU/CSU-Präsidiumsklausur nur am Rande gestreift. Anreize zur
Frühverrentung sollen aber abgeschafft werden. Die Deutschen sollen möglichst bis zum gesetzlichen
Renteneintrittsalter von 65 Jahren arbeiten. Auch die SPD will nach dem Leitantrag die Frühverrentung beenden.
Darüber hinaus wird entsprechend der Rede des Kanzlers angekündigt, dass die Rentenzuwächse künftig geringer
ausfallen könnten. Ein abgeschlossenes Konzept liegt hier noch nicht vor.
GESUNDHEIT: Hier wartet die Union auf die Ergebnisse der Kommission unter Leitung von Alt-Bundespräsident
Roman Herzog. Im Leitantrag wird bereits Schröders Ankündigung umgesetzt, das Krankengeld aus der
gemeinsamen Finanzierung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu nehmen. Außerdem sollen versicherungsfremde
Leistungen künftig aus Steuermitteln erbracht werden. (Quelle: dpa)
Kanzler und Union sind offen für Reformgespräche
Di.06.05.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist bei den Sozialreformen grundsätzlich für eine
Zusammenarbeit mit der Union offen. Der Kanzler sei gesprächsbereit, nachdem es bei CDU/CSU eine
"erfreuliche Hinwendung" zur Übernahme von mehr Verantwortung gebe, sagte Regierungssprecher Bela
Anda am Montag in Berlin. Ein konkreter Termin für ein Treffen mit CDU-Chefin Angela Merkel stehe aber noch
nicht fest. Merkel hatte bei der Vorstellung des Unions-Konzepts in München der SPD ein entsprechendes
Verhandlungsangebot gemacht.
Schröder warb am Abend bei einer weiteren Regionalkonferenz in Nürnberg bei der
SPD-Basis um Unterstützung für seine geplanten Sozialreformen. Der Kanzler will
nach Angaben Andas zugleich den Kontakt mit den Gewerkschaften nicht abreißen
lassen und trifft an diesem Dienstag erneut mit DGB-Chef Michael Sommer
zusammen. Am festen Willen des Kanzlers, seine Vorschläge auch durchzusetzen,
habe sich nichts geändert, sagte Anda. Deshalb könne es bei dem Treffen mit dem
DGB auch nicht darum gehen, diese Pläne "aufzuweichen".
Schröder sagte in Nürnberg, die Zeiten des Überflusses und
des stetigen Wachstums seien vorbei. Vor den Veränderungen
wegzulaufen sei kein Konzept. "Wenn wir die notwendigen
Dinge nicht tun, werden die Notwendigkeiten sich andere
Mehrheiten suchen." Der Kanzler wurde wurde von den rund
800 Parteifunktionären aus Bayern, Baden- Württemberg und
Hessen mit viel Beifall empfangen.
Zuvor hatte SPD-Generalsekretär Olaf Scholz versichert, dass
das rot-grüne Regierungsbündnis ungeachtet der kritischen
Stimmen aus den eigenen Reihen bei der Abstimmung über die
Sozialreformen im Bundestag über eine eigene Mehrheit
verfügen wird. "Wir diskutieren jetzt", sagte Scholz zur
aktuellen Debatte in der SPD. "Am 1. Juni entscheidet der
Parteitag der SPD und es gibt gar keinen Anlass anzunehmen, dass Abgeordnete unserer Partei das für sich nicht als
verbindlich betrachten", sagte Scholz. Meldungen über bis zu 20 Abweichler in der SPD-Fraktion wies Scholz als
Spekulation zurück.
Der bayerische SPD-Landtags-Fraktionschef Franz Maget appellierte unterdessen an die Parteispitze, die Agenda
2010 nicht als Dogma zu betrachten. Insbesondere bei den Vorschlägen zu den Reformen im Gesundheitswesen, des
Arbeitsmarktes sowie bei der Zusammenführung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe müssten die vorhandenen
Spielräume für die Ausgestaltung genutzt werden, sagte Maget der dpa kurz vor der zweiten Regionalkonferenz der
SPD.
Auch die hessische SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti forderte eine Kompromisslösung im parteiinternen
Streit. Von 30 Punkten des Kanzler-Konzepts seien 25 völlig unstrittig, sagte sie im DeutschlandRadio Berlin. Es
gehe darum, an fünf strittigen Punkten Korrekturen durchzuführen.
Während Schröders Sprecher die Vorschläge der Union zum Umbau des Sozialstaats zunächst nicht bewerten wollte,
äußerte sich Scholz kritisch. "Die Union überzieht" und lasse dabei "soziale Sensibilität" vermissen, sagte der
SPD-Generalsekretär. Ihre Forderung nach Beschränkung des Kündigungsschutzes auf Betriebe ab 20 Beschäftigten
würde beispielsweise dazu führen, dass es künftig für 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland keinen sozialen
Schutz mehr gebe. Auch sei die Unionsabsicht, das Arbeitslosengeld im ersten Monat um 25 Prozent zu kürzen,
"nicht sehr durchdacht". Die Reform der Gemeindefinanzen werde zudem von der Union auf die lange Bank
geschoben.
Scholz schloss aber zugleich bei einzelnen Reformen ein gemeinsames Vorgehen nicht aus. Dazu zählte er die
Gesundheitspolitik. Für die dabei vorgesehenen Reformen benötigt die Koalition die Zustimmung des Bundesrates, in
dem die Union die Mehrheit hat. (Quelle: dpa)
Wirtschaft fordert «große Kooperation» bei Sozialreformen
Di.06.05.03 - Nach der Vorlage der Unions-Reformvorschläge hat die Wirtschaft
Regierung und Opposition zur Zusammenarbeit beim Umbau der Sozialsysteme und
des Arbeitsmarkts aufgefordert. "Deutschland braucht eine große Kooperation, um
die nötigen Reformen in der Wirtschaftspolitik umzusetzen", sagte der Präsident
des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, der
"Berliner Zeitung" (Dienstag).
"Die Unterschiede zwischen den Konzepten von Rot-Grün und CDU/CSU sind nicht
so groß, als dass sie sich nicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen könnten",
sagte er. Jetzt müsse gehandelt werden.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte der Zeitung, das Unions- Konzept enthalte
gute und richtige Vorschläge. Die Union habe damit ihre Reformbereitschaft bewiesen.
Im "Handelsblatt" (Dienstag) bezeichnete er aber den Vorschlag zum Arbeitslosengeld als "halbherzig". Bei einer
Verkürzung der Bezugsdauer für Arbeitslosengeld von 32 auf
zunächst nur 24 Monate bleibe ein Anreiz zur Frühverrentung.
Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer hielt der Union vor, ihre Chance verpasst zu haben, bei der
Regierungs-Agenda 2010 als soziales Korrektiv zu wirken. Er kritisierte in einer Mitteilung: "Die meisten Fehler der
Regierung will die Union nicht vermieden, sondern vergrößert sehen." Es sei bedauerlich, dass sich CSU-Chef
Edmund Stoiber mit "seinem Konfrontationskurs gegen den Sozialstaat" vorerst durchgesetzt habe.
Der Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse, Hermann-Josef Arentz akzeptiert das Unions-Sozialprogramm, ist aber
mit den Vorschlägen zur Lockerung des Kündigungsschutzes - er soll erst bei Betrieben mit 20 Mitarbeitern eintreten
- nicht ganz zufrieden. In der in Düsseldorf erscheinenden "Westdeutschen Zeitung" (Dienstag) forderte er zudem
eine Strategie für mehr Wachstum. Auch das Unions-Konzept schaffe keine neue Arbeit.
Positiv reagierte die stellvertretende Vorsitzende der SPD- Bundestagsfraktion, Gudrun Schaich-Walch, auf die
Unions-Vorschläge zur Rentenreform. "Die Problemdiagnose teile ich mit der Union", sagte sie der "Financial Times
Deutschland" (Dienstag). "Wir müssen die Anreize zur Frühverrentung ein ganzes Stück wegnehmen."
In dem gemeinsamen Programm, das die Unionsspitze am Sonntagabend verabschiedete, sind massive Abstriche bei
Arbeitslosengeld, Kündigungsschutz und Sozialhilfe vorgesehen. (Quelle: dpa)
Behinderte sehen Einschnitte im Recht auf Arbeit
Di.06.05.03 - Mit Aktionen im gesamten Bundesgebiet haben rund 100.000
Behinderte und Nicht-Behinderte am Montag gegen anhaltende Ungleichbehandlung
demonstriert. "Ziel ist es, eine Gleichstellung von behinderten Menschen zu
erreichen, wie es im Grundgesetz ja auch angelegt ist", sagte Dieter Gutschick,
Geschäftsführer von Aktion Mensch anlässlich des Europäischen Protesttages zur
Gleichstellung behinderter Menschen. Die Aktion Mensch berichtete von
Kundgebungen und Veranstaltungen in über 150 Städten und Gemeinden.
In Berlin bildeten demnach rund 800 Menschen eine Kette vom Bundesfinanzministerium bis
zum Gesundheitsministerium und forderten die Umsetzung bereits bestehender gesetzlicher
Zielvorgaben zur Verbesserung der Situation von Behinderten. In Nürnberg demonstrierten etwa 500
Menschen vor der Bundesanstalt für Arbeit gegen den Rückzug der Behörde aus der Förderung
von Behinderten-Einrichtungen.
Mit ihrer Finanzpolitik gefährde die Bundesanstalt das Recht behinderter Menschen
auf Arbeit, sagte Eleonore Gramse vom bayerischen Landesverband der
Lebenshilfe.
BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt widersprach dem Vorwurf der Kürzungen. Er wies allerdings darauf hin, dass die
Förderstrategie der Behörde die Basis für eine nachfolgende Beschäftigung legen müsse. Auch etablierte Träger
müssten sich mit der Frage auseinander setzen, ob ihr Maßnahmeangebot tatsächlich zur Integration führe, sagte Alt.
Angaben der Bundesanstalt für Arbeit zufolge befanden sich Ende März dieses Jahres 145.300 Teilnehmer in
beruflichen Reha-Maßnahmen. Dies sei eine Steigerung um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zugleich seien die
Pflichtleistungen um 210 Millionen auf 2,5 Milliarden Euro, die Ermessensleistungen um 60 Millionen auf über 500
Millionen Euro gestiegen. "Es besteht also kein Anlass zur Befürchtung, dass in diesem Bereich mit drastischen
Einschnitten zu rechnen ist", sagte Alt.
Die IG Metall kritisierte die Bundesregierung wegen des angeblich geplanten Abbaus der Rechte von
Schwerbehinderten. Die neuesten Pläne des Gesundheitsministeriums zur Behindertenpolitik verschärften den
Arbeitsplatzabbau und die Langzeitarbeitslosigkeit behinderter Menschen, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Horst
Schmitthenner am Montag in Frankfurt am Main. Nach Angaben der IG Metall sollen die Arbeitgeber generell nur noch
auf fünf statt ursprünglich sechs Prozent der Arbeitsplätze für Schwerbehinderte zur Verfügung stellen müssen.
Anlässlich des Protesttages wollte die Aktion Grundgesetz, ein Zusammenschluss von mehr als 100 Behinderten-
und Selbsthilfeorganisationen unter dem Dach der Aktion Mensch, bundesweit überprüfen, inwieweit zentrale
Lebensbereiche barrierefrei zugänglich sind. "Ein Mensch mit einer Gehbehinderung muss, genauso wie ein
Nichtbehinderter, in den ICE kommen oder in die Straßenbahn. Ein Mensch, der blind oder sehbehindert ist, muss
genauso wie ein Nichtbehinderter die Angebote im Fernsehen oder auch im Internet nutzen können", sagte Christian
Schmitz von der Aktion Mensch.
(Quelle: ap)
Umstrittene Diätenerhöhung in Schleswig-gestoppt
Di.06.05.03 - Wegen der massiven öffentlichen Kritik haben die Fraktionen von SPD und
CDU in Schleswig-Holstein die geplante Diätenerhöhung für die
Landtagsabgeordneten gestoppt. Die Sprecher der SPD- und CDU-Landtagsfraktion,
Lothar Hay und Martin Kayenburg, erklärten nach Sitzungen ihrer Fraktionen am
Montagabend in Kiel, im Moment sehe man keine Möglichkeit zur Vermittlung der
Reform. Deshalb hätten beide Fraktion beschlossen, die Strukturreform nicht weiter
zu verfolgen.
Besonders die geplante drastische Anhebung der Diäten zum 1. Juni 2003 von
3.927 Euro auf 5.700 Euro im Monat hatte zu heftigen Protesten inner- und
außerhalb der Parteien geführt. Hay und Kayenburg schlossen dennoch aus,
Fehler gemacht zu haben. Kayenburg sagte, er glaube nicht, "dass wir unglücklich
agiert haben". Ob auch die geplante Verkleinerung des Parlaments damit vollständig
vom Tisch sei, ließen die Politiker allerdings offen. Ab Mittwoch wolle sich der Landtag
mit den Konsequenzen der Entscheidung auseinander setzen.
Der SPD-Landesvorsitzende Claus Möller kritisierte
SPD-Fraktionschef Hay scharf und sagte, er begrüße die
Entscheidung "außerordentlich". Die Pläne seien "weder für den Bürger, den Wähler noch die Partei" nachvollziehbar
gewesen. Die Erhöhung war mit einer deutlichen Mehrheit aus SPD und CDU gegen die Stimmen von FDP, Grünen
und dem dänisch orientierten SSW zu Stande gekommen. Die FDP hatte an den Kieler Landtag appelliert, auf seine
umstrittene Diätenerhöhung zu verzichten. Auch die Grünen lehnten die Anhebung ab.
Kernstück neben der geplanten Diätenerhöhung sollte aber auch der Wegfall von zahlreichen Funktionszulagen sein.
Sitzungsgelder sollten entfallen, und für unentschuldigtes Fehlen sollte ein Strafgeld fällig werden. (Quelle: ap)
Gedenken an die Befreiung des KZ Mauthausen
Di.06.05.03 - Mit zahlreichen Gedenkfeiern hat Österreich am Montag den Jahrestag
der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen am 5. Mai 1945 begangen.
Bundespräsident Thomas Klestil, Regierung und Abgeordnete, die Spitzen der
Israelitischen Kultusgemeinde sowie Abordnungen des Bundesheeres nahmen im
Parlament an einer Dichterlesung teil. Gleichzeitig ließen Schüler am Wiener
Heldenplatz 80.000 weiße Luftballons in den Himmel steigen - versehen mit Briefen
an die 80.000 österreichischen NS-Opfer.
Klestil erinnerte in seiner Rede daran, wie wichtig es sei, die Erinnerung an die
Schrecken jener Zeit wach zu halten. Parlamentspräsident Andreas Khol rief dazu auf,
Gewalt und Rassismus auch heute an der Wurzel zu bekämpfen, damit sich die
damaligen Vorfälle nicht wiederholen könnten. Der Schauspieler Miguel
Herz-Kestranek, ein Sohn jüdischer Emigranten jener Zeit, verlas Texte
österreichischer Autoren, die vor den Nationalsozialisten
geflüchtet waren und über ihr Leben im Exil berichteten.
Ein weiterer Höhepunkt der Gedenkfeiern war das Projekt "A Letter to the Stars" (Ein Brief an die Sterne oder auch an die
Stars), an dem sich rund 15.000 österreichische Schüler beteiligten. Sie "adoptierten" jeweils einige der 80.000
Opfer, erforschten deren Lebensgeschichte und schrieben ihre Gedanken in Form von Briefen nieder. Diese wurden
dann mit den Ballons in den Himmel geschickt.
Das Projekt geht auf die österreichischen Journalisten Alfred Worm, Josef Neumayer und Andreas Kuba zurück, wie
die Nachrichtenagentur APA berichtete. Beobachter sprachen von einem seltenen öffentlichen Bekenntnis, dass viele
Österreicher seinerzeit Komplizen der deutschen Nationalsozialisten waren. Dem Regime fielen rund 65.000
österreichische Juden sowie 15.000 weitere Menschen zum Opfer.
(Quelle: ap)
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