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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Do.08.05.03, 12:45 Irak am fünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Irakischer Oppositionspolitiker Paschaschi will nur nach Wahl an irakischer Regierung mitwirken +++
Mitglieder der Baath-Partei werden an irakischer Regierung beteiligt +++
US-Militär: Weiteres irakisches Führungsmitglied gefasst +++
IKRK fordert Zugang zu ranghohen gefangenen Irakern +++
WHO befürchtet Cholera-Epidemie in Basra +++
Plünderer nehmen irakische Atomanlage auseinander +++
USA wollen Vorschläge für Ende der Irak-Sanktionen bekanntgeben +++
Lockerung der US-Sanktionen gegen den Irak angekündigt. Dies erleichtert amerikanischen
Firmen und Bürgern, Geschäfte im Irak zu machen +++
Neue US-Vorwürfe gegen Gegner des Irak-Krieges +++
London will Heimkehrer aus Irak-Krieg medizinisch überwachen +++
Do.08.05.03 - Der irakische Oppositionspolitiker Adnan Paschaschi macht seine mögliche
Beteiligung an der neuen Regierung in Bagdad von einer vorigen Wahl abhängig.
Wichtig für sein Land sei nun eine Übergangsregierung, "die gewählt werden muss
und nicht von irgendjemandem ernannt werden darf", sagte der frühere
Außenminister am Mittwoch vor Journalisten in der irakischen Hauptstadt. Er selbst
werde nur dann eine Rolle übernehmen, wenn er dazu gewählt werde. In diesem Fall
wolle er sich "mit allen politischen Gruppen in Irak und außerhalb über den
Wiederaufbau des Landes" beraten. Paschaschi war am Dienstag nach 33-jährigem
Exil in seine Heimat zurückgekehrt. Der sunnitische Moslem gilt vielen als mögliche
führende Integrationsfigur in Irak.
An der neuen irakischen Verwaltung werden zahlreiche ehemalige
Mitglieder der nationalistischen Baath-Partei von Saddam Hussein mitarbeiten.
US-Zivilverwalter Jay Garner sagte am Mittwoch in Bagdad, dass wie in anderen
totalitären Staaten die meisten irakischen Regierungsbeamten in der Partei
gewesen seien. "Einige waren gut, andere böse. Jetzt kommen zunächst alle
zurück und wir können die guten und schlechten aussortieren. Es braucht Zeit."
Zum Interimschef des Außenministeriums wurde dessen vormaliger Generaldirektor
ernannt. Mohammed Amin Ahmed sagte, er glaube, alle früheren Beschäftigten
wollten wieder zur Arbeit kommen. "Wir wir alle wissen, ist das alte Regime ja weg."
Politische Fortschritte gab es am Mittwoch in der nördlichen Provinz Salah
ad-Din, in der die Geburtsstadt von Saddam Hussein, Tikrit, liegt. Die
Amerikaner ernannten den irakischen Brigadegeneral Hosin Jasem Mohamed el
Dschbouri zum neuen Gouverneur. "Wenn wir gute Arbeit machen, lernen die
Menschen hier die gute Seite der Amerikaner kennen", sagte der neue Statthalter.
Die alliierten Truppen in Irak nahmen derweil einen weiteren früheren Funktionär des Regimes fest, wie das zuständige
US-Oberkommando Mitte am Mittwoch in Doha mitteilte. Ghasi Hammud war für den Bezirk Kut zuständig. Auf der
Fahndungsliste der USA stand er auf Platz 32.
Das internationale Rote Kreuz fordert von den Alliierten des Irak-Krieges
Zugang zu den inhaftierten Mitgliedern des gestürzten Regimes. Jakob
Kellenberger, der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK),
erklärte am Mittwoch in Genf, den Personen auf der US-Liste der 55
meistgesuchten Iraker müssten entsprechend dem Völkerrecht dieselben Rechte
zugestanden werden, wie den übrigen Gefangenen. Der IKRK-Präsident äußerte
sich nach der Rückkehr von einer zweitägigen Informationsreise nach Bagdad. Er
habe die Angelegenheit mit dem US-Zivilverwalter Jay Garner erörtert, sagte
Kellenberger. Die USA haben bislang 20 Personen aus dem engeren Führungskreis
von Saddam Hussein inhaftiert.
Angesichts erster Cholera-Fälle in Basra befürchtet die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ausbruch einer Epidemie in der
südirakischen Hafenstadt. Zwei Krankenhäuser meldeten bereits 17 registrierte
Cholera-Fälle. Bei den Patienten handelt es sich um Kinder unter vier Jahren. Ein
Vertreter der WHO, Fadela Chaib, äußerte die Befürchtung, dass die Krankheit
mehrere hundert Menschen erfassen könnte. Cholera wird unter anderem durch
verseuchtes Trinkwasser verursacht.
Die frühere irakische Atomananlage El Tuwaitha im Süden
von Bagdad wird von Plünderern seit Tagen auseinander
genommen. Gruppen von Jugendlichen ließen unter
anderem Generatoren, Schläuche und Eisenplatten
mitgehen, berichtete eine AFP-Reporterin. Anwohner
kritisierten, dass die US-Armee nichts gegen die Plünderungen unternehme. In der
vergangenen Woche seien drei Menschen gestorben, die sich durch einen in der
Atomanlage gestohlenen Gegenstand kontaminiert hätten. Sie seien im Nachbardorf
Wardijah zusammen mit dem Gegenstand begraben worden. Die Angaben konnten
nicht überprüft werden.
Ein Anwohner sagte, die Bevölkerung sei vor möglichen Gefahren gewarnt worden.
Dennoch wühlten die Plünderer weiter nach möglichen Beutestücken. Die
Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte am Dienstag ihre Sorge darüber
geäußert, dass möglicherweise radioaktives Material zum Bau einer "schmutzigen
Bombe" aus irakischen Atomanlagen entwendet werden könne. Hoch
angereichertes Uran für den Bau von Atombomben habe die IAEA aber bereits bei
ihren Kontrollen vor 1998 aus Irak entfernt. Als "schmutzige Bomben" werden
konventionelle Sprengsätze bezeichnet, die mit radioaktivem Material bestückt sind.
In El Tuwaitha lagern nach Angaben der IAEA Tonnen von natürlichem Uran, die
aber nicht zum Bau "schmutziger Bomben" verwendet werden können. Für die
Bevölkerung und die Umwelt stellen sie jedoch eine große Gefahr dar.
US-Außenamtssprecher Richard Boucher hatte am Montag gesagt,
Koalitionstruppen hätten die Atomanlage und die Lager mit natürlichem und
angereichertem Uran dort gesichert. Die IAEA hatte die US-Regierung gebeten, ihr
die Entsendung von Inspekteuren zur Überprüfung der Anlage zu gestatten.
Washington gab der Forderung bislang nicht statt.
Ein neues Tonband mit der mutmaßlichen Stimme des gestürzten Herrschers sorgte derweil für Spekulationen über
dessen Schicksal. Das Band steckten Unbekannte am Montag einem Reporter der australischen Zeitung "Sydney
Morning Herald" vor dem Hotel Palestine in Bagdad zu. Darauf ruft eine dünne Stimme alle Volks- und
Religionsgruppen in Irak zum Widerstand gegen die Besatzer auf. Stimme und Intonation ähneln der Sprechweise des
gestürzten Herrschers. Nach US-Angaben konnte die Echtheit zunächst nicht bestätigt werden.
Die US-Behörden haben nach eigenen Angaben fast 40.000
Manuskripte und 700 Kunstgegenstände aus dem Nationalen Museum in Bagdad
sichergestellt. Dazu gehörten ein 7.000 Jahre altes Tongefäß sowie ein Meilenstein
mit Inschrift aus der Zeit des Königs Nebukadnezar im siebten Jahrhundert vor
Christus, wie am Mittwoch in Washington bekannt wurde. Die Kulturgüter waren bei
den Museumsplünderungen nach dem Sturz des irakischen Staatschefs Saddam
Hussein abhanden gekommen.
Die USA wollen ihre Vorschläge für ein Ende der
Irak-Sanktionen und einen Nachkriegs-Irak noch diese Woche bekannt machen.
US-Außenminister Colin Powell sagte nach einem Gespräch mit
UN-Generalsekretär Kofi Annan in New York, seine Regierung werde den
Mitgliedern des Sicherheitsrates den schon länger angekündigten
Resolutionsentwurf jetzt vorlegen.
US-Präsident George W. Bush kündigte am Mittwoch die Lockerung der
US-Sanktionen gegen den Irak an. Er supendiere die gesetzlichen Bedingungen in
den USA, die den Export bestimmter Waren in den Irak verboten hatten, sagte Bush.
Er begründete einen gemeinsamen Resolutionsentwurf zur Aufhebung der
UN-Sanktionen mit Großbritannien und Spanien damit, dass sich die Lage im
Irak geändert habe. Das Regime, gegen das sich die Sanktionen gerichtet hatten,
existiere nicht mehr. Die Suspendierung der US-Sanktionen erleichtere es
amerikanischen Firmen und Bürgern, Geschäfte im Irak zu machen.
Powell sagte am Mittwochabend vor Journalisten in New York: "Es wird eine Resolution sein, ..., die nicht die Kämpfe
der Vergangenheit fortsetzt, sondern in die Zukunft schaut". Außerdem werde sie dafür sorgen, dass die
internationale Gemeinschaft wieder zusammenfindet, um den Irakern zu einem besseren Leben und einer neuen
Regierung zu verhelfen. Laut Powell sollen die UN und Annan eine "vitale Rolle" im Nachkriegs-Irak spielen.
Nach den Worten von Powell wollen die USA "mit allen unseren Freunden, einschließlich Deutschland, Frankreich,
Russland und China zusammenarbeiten", um die Resolution verabschieden zu können. Ihren letzten
Resolutionsentwurf, mit dem sie die Zustimmung zum Irakkrieg einzuholen versucht hatten, war am Widerstand dieser
Länder und anderer Sicherheitsratsmitglieder gescheitert.
"Die Vergangenheit ist vorüber, und wir sprechen jetzt nicht mehr über Krieg, sondern Frieden", sagte er. "Es geht
um Hoffnung und darum, die Menschen im Irak zu unterstützen". Dazu gehöre vorrangig das Aufheben der bereits
1990 verhängten UN-Wirtschaftssanktionen sowie das daran geknüpfte humanitäre Programm "Öl für Lebensmittel".
Unterdessen erhoben Vertreter der US-Regierung neue Vorwürfe gegen die Irak-Kriegsgegner Deutschland, Frankreich
und Türkei. Berlin und Paris hätten während der Irak-Krise die NATO als "Geisel" genommen, sagte die
Sicherheitsberaterin des Weißen Hauses, Condoleezza Rice, der spanischen Zeitung "El País". "Es war Besorgnis
erregend, dass Deutschland und Frankreich versuchten zu verhindern, dass die NATO die Sicherheit der Türkei
stärkte." Sie betonte zugleich: "Wir bleiben weiterhin Verbündete von Paris und Berlin. Wir unterhalten eine enge
Zusammenarbeit auf verschiedenen Gebieten wie beim Kampf gegen den Terrorismus."
Der amerikanische Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz warf der Türkei mangelnde Unterstützung im
Irak-Konflikt vor und forderte Ankara auf, diesen "Fehler" einzugestehen. Wolfowitz sagte türkischen Medienberichten
zufolge am Mittwoch dem Nachrichtensender CNN-Türk, die Türkei solle zugeben: "Ja wir haben einen Fehler
gemacht. Wir hätten gegenüber den Ereignissen im Irak sensibler handeln müssen." Der türkische Ministerpräsident
Recep Tayyip Erdogan wies die Kritik scharf zurück. "Die Türkei hat keinesfalls Fehler gemacht. Sie hat die
notwendigen Schritte getan und ist ihren Weg gegangen, ohne auf jegliche Gegenleistung zu warten", sagte Erdogan
vor Journalisten.
Die Bundesregierung lehnte am Mittwoch eine deutsche Beteiligung an einer multinationalen Friedenstruppe in Irak
ab. Bundesverteidigungsminister Peter Struck erklärte nach Angaben von Regierungssprecher Béla Anda, "die
Maßstäbe" für einen solchen Einsatz seien nicht gegeben.
Der polnische Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz rechtfertigte den Vorschlag, deutsche Soldaten an der
Friedenssicherung in Irak zu beteiligen. "Wir ringen um eine möglichst breite internationale Beteiligung beim
Wiederaufbau Iraks", zitierte ihn die polnische Nachrichtenagentur PAP. "Damit wollen wir erreichen, dass auch
unsere Partner aus der EU erwünscht sind." Der polnische Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski hatte sich bei
einem Treffen mit seinem US-Kollegen Donald Rumsfeld am Dienstag in Washington für die Entsendung des
deutsch-dänisch-polnischen Korps nach Irak eingesetzt. Struck reagierte überrascht auf diesen Vorstoß.
Großbritannien will seine aus Irak heimkehrenden Streitkräfte medizinisch
überwachen und damit das Auftreten eines möglichen "Golfkriegs-Syndroms"
verhindern. Zunächst sollten Wissenschaftler des King's College in London bis zu
50 Soldaten befragen, um "auftauchende Probleme" zu erkennen und auf dieser
Grundlage einen Fragebogen zu erarbeiten, erklärte Vize-Verteidigungsminister
Lewis Moonie am Mittwoch. Dieser Bogen werde dann an eine "große
repräsentative" Auswahl der 45.000 britischen Soldaten verteilt. Auch Mitarbeiter
des Verteidigungsministeriums und von Hilfsorganisationen sowie Journalisten, die
die Truppen begleiteten, sollten an der Befragung teilnehmen.
(Quellen: afp, rtr, ap, dpa)
Irakische Frauen bangen um ihre Rechte
Do.08.05.03 - Sorgenvoll starrt Salwa el Baghdadi auf die Demonstranten, die an ihrer Bagdader Klinik
vorbeimarschieren. Die Hände hat die junge Frau in die Taschen ihres Zahnarztkittels vergraben, das braune Haar
ist unverschleiert. Eigentlich ist die 23-jährige Ärztin zuversichtlich, dass der Sturz Saddam Husseins den
Weg für eine bessere Zukunft freigemacht hat. Aber die Demonstranten machen ihr Angst: Tausende Männer, die
für den neuen Irak eine starke Rolle des Islams fordern.
Die irakischen Frauen, die bislang zu den emanzipiertesten im Nahen Osten
zählen, könnten in einem islamisch geprägten Staat zurück an den Herd
gezwungen werden, fürchtet El Baghdadi. «Dann müsste ich Irak verlassen», sagt
die 23-Jährige, «ich hänge an meiner Arbeit.» Ihre Kolleginnen nicken bestätigend.
Bei der Neuordnung Iraks haben die Frauen eine Menge zu verlieren. Im ganzen
Land, besonders in Hochburgen der schiitischen Muslime wie Nadschaf und
Kerbela, werden die Rufe nach einem islamischen Staat immer lauter. Das würde
die Einführung der Scharia bedeuten, der traditionellen islamischen Rechtsordnung.
Mit ihrer Hilfe wurde in vielen Ländern die Rolle der Frau im öffentlichen Leben stark
eingeschränkt.
In Irak, dessen männliche Bevölkerung in drei Kriegen dezimiert wurde, ist es üblich,
dass Frauen studieren und einen Beruf ausüben, in allen Branchen vom Ingenieur- bis hin zum
Gesundheitswesen. Unter Saddam Husseins Regime besuchten Mädchen sogar die
militärischen Trainingslager der Baath-Partei, mehrere wichtige Partei- und Regierungsämter waren
mit Frauen besetzt.
In den letzten Jahren allerdings bekam die angebliche Chancengleichheit deutliche Macken, weil Saddam Hussein
sich zunehmend um die islamischen Fundamentalisten bemühte. Nachdem Kriege, UN-Sanktionen und Korruption
den irakischen Mittelstand ruiniert hatten, war das Regime auf die Unterstützung religiöser Führer und traditioneller
Stämme angewiesen.
So gab es beispielsweise einen Erlass, der Frauen Auslandsreisen ohne Begleitung eines männlichen Verwandten
untersagte. Wegen der finanziellen Mehrbelastung kam dies praktisch einem totalen Reiseverbot gleich, wie mehrere
Frauen berichten. Akademikerinnen mussten erleben, dass ihnen bei der Besetzung begehrter wissenschaftlicher
Stellen Männer mit schlechteren Examina vorgezogen wurden. Wegen andauernder Belästigung sahen sich viele
Frauen gezwungen, gehobene Stellen wie die einer Abteilungsleiterin aufzugeben.
«Ich habe mein Selbstvertrauen verloren», erzählt Sahar, eine frühere Ingenieurin. Die heute 39-Jährige kündigte 1995,
weil sie den Druck nicht mehr ertrug: Man drängte sie, Bestechungsgelder anzunehmen, und die männlichen Kollegen
machten sie fertig. «Es ist sehr schwer für mich, überhaupt nur darüber nachzudenken, eine neue Stelle zu suchen»,
sagt Sahar. Die Mutter von zwei Kindern würde am liebsten das Land verlassen, denn als Christin beunruhigen sie die
Aussichten eines fundamentalistisch-islamischen Staates sehr.
Hinzu kommt das allgemeine Elend der Bevölkerung. Das Leben in Irak «ist eine Tragödie, die Männer und Frauen
gleichermaßen erfasst», sagt die 60-jährige Sabirha. Das Gesicht der Schiitin ist nach alter Tradition mit blauen
Stammeszeichen bemalt, ihre fünf Töchter und Schwiegertöchter aber sind moderne Frauen - Lehrerinnen und
Ingenieurinnen mit akademischen Abschlüssen. Nur die 42-jährige Karima hat noch keinen, eigentlich war ihre
Magisterprüfung für Donnerstag angesetzt worden. Das war allerdings vor dem Krieg.
Dass die Prüfung - der krönende Abschluss für Karimas Karriere als Militäringenieurin - jetzt stattfindet, scheint
unwahrscheinlich. «Ich hatte alles andere bestanden», sagt Karima, «Alles war fertig, bis auf die Prüfung morgen».
Dass sie eine Stelle findet, glaubt sie erst recht nicht - im Moment lebt die ganze Familie vom Einkommen eines
Taxifahrers. (Quelle: ap)
Zahlreiche irakische Kulturgüter sichergestellt
Do.08.05.03 - Die US-Behörden haben nach eigenen Angaben fast 40.000
Manuskripte und 700 Kunstgegenstände aus dem Nationalen Museum in Bagdad
sichergestellt. Dazu gehörten ein 7.000 Jahre altes Tongefäß sowie ein Meilenstein
mit Inschrift aus der Zeit des Königs Nebukadnezar im siebten Jahrhundert vor
Christus, wie am Mittwoch in Washington bekannt wurde. Die Kulturgüter waren bei
den Museumsplünderungen nach dem Sturz des irakischen Staatschefs Saddam
Hussein abhanden gekommen.
Den Angaben zufolge brachte ein Iraker nach Verkündung des Amnestieplans der Manuskripte
auf Papier und Pergament zurück. Ein weiterer Landsmann habe insgesamt 46 antike
Kunstgegenstände abgegeben, darunter eine Vase, die vermutlich aus dem Jahre 5000
vor Christus stamme. Amerikanische Zollbeamte hätten noch zehn weitere wertvolle Stücke sichergestellt.
Dazu gehöre auch eine teils zerbrochene Statue eines assyrischen Königs aus dem
neunten Jahrhundert vor Christus.
Wie es weiter hieß, wurden viele vermisst geglaubte Kulturgüter in den Kellern des Museums wieder gefunden. Sie
seien offenbar bei Kriegsbeginn aus Sicherheitsgründen dorthin ausgelagert worden. Die US-Truppen in Irak arbeiteten
nun mit den Direktoren und Angestellten der diversen Museen zusammen, um eine Liste der tatsächlich fehlenden
Gegenstände zu erstellen. (Quelle: ap)
Frankreich: Länger arbeiten bei weniger Rente
Do.08.05.03 - Länger arbeiten - weniger Rente erhalten. Das ist die
Quintessenz der Rentenpolitik, mit der die französische Regierung
das Loch in den Sozialkassen stopfen will. Gestern stellte
Arbeitsminister François Fillon erste Teile seines Rentengesetzes
im Ministerrat vor. Zunächst hat er die 5,5 Millionen Beamten im
Visier. Ihre Arbeitszeit will er von 37,5 auf 40 Jahre verlängern - wie
es in der Privatwirtschaft bereits 1993 geschah. Doch schon ab
2008 sind sämtliche Beschäftigte betroffen. Im Fünfjahresrhythmus
soll ihre Lebensarbeitszeit verlängert werden. Die Regierung will ihr
Vorhaben im Eiltempo durchpauken. Nachdem sie monatelang
gezögert hat, Einzelheiten bekannt zu machen, soll das Parlament
jetzt noch vor der Sommerpause über das Rentengesetz
abstimmen.
In seltener Einmütigkeit rufen derweil sechs Gewerkschaften für den
13. Mai zu einem Streik gegen das Regierungsvorhaben auf. (Quelle: taz)
Mehr unter:
Deutschland: DGB präsentiert Agenda-Gegenentwurf
Do.08.05.03 - Nach harter Kritik an der Reform-Agenda von Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) stellt der Deutsche Gewerkschaftsbund heute sein Gegenkonzept
vor. DGB-Chef Michael Sommer will in Berlin ein Programm vorlegen, das laut
Wochenzeitung "Die Zeit" die Neuverschuldung um 7,5 Milliarden Euro erhöhen
würde. Durch milliardenschwere Investitionsprogramme solle ein um bis zu 1,5
Punkte höheres Wirtschaftswachstum erreicht werden.
Auf der dritten von vier SPD-Regionalkonferenzen verteidigte der Kanzler am
Mittwochabend in Hamburg erneut sein Reformprogramm. Die SPD stehe vor
"unglaublichen Herausforderungen", sagte er vor 1000 Parteimitgliedern, die
die Rede mit Beifall und Pfiffen aufnahmen. In Berlin will der Koalitionsausschuss
von SPD und Grünen heute Mittag über das weitere Verfahren bei den Sozialreformen
sprechen und einen zeitlichen Fahrplan aufstellen.
Schröder kritisierte den Ton von Teilen der Gewerkschaften
im Streit um die Sozialreformen scharf. Bei der Regionalkonferenz griff Schröder vor
allem ver.di-Chef Frank Bsirske an. "Der ver.di- Vorsitzende ist ein grüner Politiker, der die Zeichen der Zeit nicht
verstanden hat", sagte der Kanzler. Er rief die Gewerkschafter auf, die Auseinandersetzung nicht auf der persönlichen
Ebene zu führen. "Mäßigt eure Sprache", sagte Schröder.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, warnte eindringlich
vor Planspielen, im Streit um die Sozialreformen auch einen Sturz von Schröder in Kauf zu nehmen. "Ein Kanzlersturz
kann nicht im Interesse der Gewerkschaften liegen." Das könne aber für Schröder "kein Freibrief sein, dass er
machen kann, was er will", sagte Möllenberg der "Berliner Zeitung" (Donnerstag).
SPD-Fraktionschef Franz Müntefering kritisierte die Gewerkschaften erneut. Sie "hängen zum Teil Illusionen nach,"
sagte er am Mittwochabend in der ARD-Sendung "Gabi Bauer". Die Gewerkschaften konzentrierten die Diskussion
"auf das Verteilen von Geldern, die wir nicht haben. Das geht nicht und das machen wir nicht mit."
Schröders Reformprogramm gefährdet nach Auffassung von IG Metall-Vize Jürgen Peters das traditionell enge
Verhältnis zwischen Gewerkschaften und Sozialdemokraten. Sollte die Partei das Reformprogramm unverändert
beschließen, "bleibt nichts so, wie es ist", sagte Peters dem «Handelsblatt».
In der "Bild"-Zeitung äußerte sich Peters zu den Rücktrittsdrohungen des Kanzlers. "Wer die Treue zur Person höher
stellt als die Treue zur sozialen Sache, tut der SPD keinen Gefallen. Wenn das so gemacht wird, hat das nichts mit
demokratischer Streitkultur zu tun."
Der Vorsitzende der IG Bergbau Chemie Energie, Hubertus Schmoldt, rief die Gewerkschaften auf, das Gespräch mit
der Bundesregierung über die Reformagenda 2010 wieder zu suchen. Schröder dürfe nicht daran gelegen sein, "mit
den Gewerkschaften im Dauerkonflikt zu stehen", sagte Schmoldt und verwies auf die "gemeinsamen Wurzeln" von
Gewerkschaften und SPD.
(Quelle: dpa)
Ruf nach stärkerem Engagement der Wirtschaft bei Reformen
Do.08.05.03 - In der Debatte um Sozialreformen wird der Ruf nach mehr
Engagement der Wirtschaft lauter. Der Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang
Tiefensee (SPD) appellierte an die Unternehmen, mehr Gegenleistungen als Antwort
auf die Agenda 2010 der Bundesregierung zu erbringen. Zuvor hatte bereits
CSU-Chef Edmund Stoiber die Wirtschaft zum Umdenken aufgefordert, falls es
tatsächlich zu Reformen kommen sollte.
"Heute klagen die Unternehmer zurecht, aber wenn die Politik endlich agiert, muss
das Klagen auch aufhören», sagte Stoiber der "Süddeutschen Zeitung"
(Donnerstagausgabe). "Es kann nicht sein, dass alle den Gürtel enger schnallen müssen
und einige Spitzenmanager jetzt erst recht absahnen", sagte Stoiber weiter. Der
CSU-Chef sprach sich dafür aus, Managergehälter künftig wie in den USA stärker an die
Börsenkurse zu koppeln: "Wer sich von den USA in guten Zeiten hohe Gehälter
abgeguckt hat, muss auch bereit sein, in schlechten Jahren zu verzichten."
Tiefensee erklärte in der "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe): "Das Land braucht jetzt eine klare, nachprüfbare
Aussage der Wirtschaft. Wir brauchen namhafte Unternehmenschefs, die versprechen: Jetzt sind wir bereit, mehr in
den Standort Deutschland zu investieren."
Der SPD-Politiker verwies auf die Entlastungen, die die Reformpläne den Unternehmen bringen würden. Die Senkung
der Lohnnebenkosten und die Lockerung des Kündigungsschutzes bedeuteten spürbare Erleichterungen. Im
Gegenzug sollten die Unternehmen sich dazu verpflichten, innerhalb von zwei Jahren einen Teil ihrer Betriebsstätten
aus Billiglohnländern nach Deutschland zurückzuverlagern. Außerdem sollten sie mehr Steuern zahlen.
"Mir geht es darum, dass den kleinen Leuten im Lande signalisiert wird, dass auch die Unternehmer bereit sind,
etwas zu tun. Deswegen wünsche ich mir, dass die Agenda 2010 des Bundeskanzlers auf diese Weise durch eine
Agenda 2010 der Wirtschaft ergänzt wird", sagte Tiefensee. (Quelle: ap)
«Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung
(DIW) hat in seinem neuesten Wochenbericht gefordert, das
Sozialhilfeniveau für Erwerbsfähige deutlich abzusenken, um mehr
Anreize zur Jobaufnahme zu schaffen»
Mehr unter:
«Auch bisher wurde bei den sozial Schwachen gekürzt, und
die Linken schwiegen. Die Schieflage wurde geschickter
kaschiert. Jetzt ist Schröder ehrlich - daher der Widerstand»
Mehr unter:
Arbeitslosenverband kritisiert Reformpläne
Do.08.05.03 - Der Arbeitslosenverband Deutschland hat die von Bundesregierung
und Union geplanten Sozialreformen scharf kritisiert. Die von beiden Seiten
vorgesehene Zusammenlegung von Arbeits- und Sozialhilfe würde einen
"erheblichen Einschnitt in die Lebensqualität" der Arbeitslosen bedeuten, sagte
Verbandschef Matthias Dittmann am Mittwoch im Deutschlandfunk.
"Sowohl die Agenda 2010 als auch die Vorschläge der CDU/CSU werden nicht das
bringen, was erwartet wird - es werden nämlich Wirtschaftsstärke und Arbeitsplätze
erwartet und beide Vorschläge werden dem nicht gerecht werden."
(Quelle: dpa)
Arbeitslosigkeit weiter auf Rekord-Niveau
Do.08.05.03 - Die Arbeitslosigkeit in Deutschland bleibt auf Rekord-Niveau. Die Zahl der
Erwerbslosen ging im April zwar saisonbedingt um 112 700 auf 4 495 200 zurück.
Dies ist jedoch der höchste April-Wert seit der Wiedervereinigung. Im Vergleich zum
Vorjahr waren 471 100 mehr Menschen ohne Beschäftigung. Das bedeutet den höchsten
Zuwachs im Jahresvergleich seit neun Jahren.
"Die Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt hat sich fortgesetzt", bekannte der
Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Florian Gerster, am
Mittwoch in Nürnberg. Die Arbeitslosenquote sank von 11,1 auf 10,8 Prozent
(Vorjahr: 9,7).
Auf Grund geringerer Beitragseinnahmen und höherer Ausgaben wird die BA nach
Angaben von Finanzvorstand Frank Weise in diesem Jahr einen Bundeszuschuss
zwischen 6,5 und 7,5 Milliarden Euro benötigen. Auch die Kosten für die Förderung
Jugendlicher sowie für Reha- Maßnahmen seien weiterhin hoch. Ursprünglich wollte
die BA ohne Zuschuss auskommen. In den ersten vier Monaten lag das Defizit nach
Angaben Gersters jedoch bei 3,65 Milliarden Euro.
Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sei nach wie vor Folge der gesamtwirtschaftlichen
Schwäche, sagte Gerster. Saisonbereinigt nahm die Arbeitslosenzahl in Deutschland im
April erneut stark zu. Die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl stieg um
44 000 auf 4,460 Millionen. Diese Zuwachsrate werde aber seit zwei Monaten etwas geringer,
sagte Gerster: "Das ist ein Hoffnungsschimmer."
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnet
inzwischen mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl im
Jahresdurchschnitt von 4,06 auf rund 4,4 Millionen. "Im zweiten Halbjahr dürfte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt
stabilisieren", prognostizierte das IAB. So werde die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl dann erstmals seit der
Jahreswende 2000/2001 nicht mehr steigen.
Der BA-Chef sprach sich wiederholt dafür aus, die von der Bundesregierung angekündigten Reformen zügig
umzusetzen. "Wir sind sehr einverstanden mit der Agenda 2010 und hoffen, dass sie möglichst ohne Abstriche und
bald zu gesetzlicher Wirkung kommt", sagte Gerster. In diesem Zusammenhang begrüßte er, dass Arbeitslose
künftig auch Minijobs annehmen müssen und dafür einen Teil ihres Arbeitslosengeldes behalten dürfen. Auch die
vorgesehene Verkürzung der Dauer des Arbeitslosengeldbezugs von älteren Menschen findet Gersters Zustimmung.
Heftige Kritik übte er an CDU/CSU-Fraktionsvize Friedrich Merz, der der BA und ihrem Vorstand am Dienstag
"Untätigkeit" vorgeworfen hatte. "Herr Merz sollte unsere Arbeit nicht durch pauschale, unqualifizierte und negative
Urteile erschweren", sagte Gerster.
In Westdeutschland gab es im April 2 811 000 Arbeitslose. Das waren 68 900 weniger als im März, aber 363 000
mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote betrug 8,6 Prozent nach 8,8 Prozent im März und 7,5 Prozent im April
2002. In Ostdeutschland sank die Zahl der Arbeitslosen um 43 800 auf 1 684 200, im Vergleich zum Vorjahr waren
das 108 100 mehr. Die Quote betrug 19,1 Prozent nach 19,6 Prozent vor einem Monat und 17,8 Prozent vor einem
Jahr.
Erfreulich ist nach den Worten Gersters, dass in den ersten vier Monaten dieses Jahres trotz der angespannten
Arbeitsmarktsituation drei Prozent mehr Arbeitslose einen neuen Job gefunden haben als im gleichen Zeitraum des
Vorjahres. Unerfreulich sei hingegen die steigende Arbeitslosigkeit bei Schwerbehinderten. (Quelle: dpa)
70 000 bleiben ohne Ausbildungsplatz
Do.08.05.03 - Die Bundesanstalt für Arbeit fürchtet, dass in diesem Herbst
70 000 Schulabgänger ohne Lehrstelle bleiben. Dies werde eintreten, wenn sich
die Ausbildungsbereitschaft der Wirtschaft nicht deutlich
erhöht, sagte Arbeitsamts-Präsident Florian Gerster am Mittwoch in Nürnberg.
Nach der neuen Lehrstellen-Statistik waren Ende April -
vier Monate vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres - bei
den Arbeitsämtern noch immer 325 735 Jugendliche als "unversorgt" registriert. Für
sie gibt es derzeit bundesweit noch 164 446 freie Lehrstellen.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Wilhelm Schmidt sagte,
die Ankündigung von gesetzlichen Maßnahmen sei keine leere Drohung. Wenn die
Wirtschaft nicht mehr Lehrstellen anbiete, werde die Koalition noch im Sommer
reagieren. Auch SPD-Fraktionschef Franz Müntefering hatte am Vortag eine
entsprechende Ankündigung gemacht, ohne aber Einzelheiten zu nennen. In der
SPD wird derzeit wieder über eine Ausbildungsabgabe diskutiert.
Die CSU-Abgeordnete Marion Seib warnte vor einer solchen Abgabe. Sie sei "Gift"
für die Ausbildungsmotivation der Betriebe. Verantwortlich für die fehlenden
Lehrstellen sei die schwierige Wirtschaftslage, sagte Seib in einer Erklärung.
Bis Ende April hatten die Unternehmen den Arbeitsämtern insgesamt 404 617 betriebliche Lehrstellen zur Vermittlung
angeboten. Das sind 57 238 oder 12,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Bundesanstalt wirbt derzeit mit einer
Kampagne "Ohne Nachwuchs sehen wir alt aus" um mehr Lehrstellen.
(Quelle: dpa)
Bund und Ländern drohen Milliarden-Steuerausfälle
Do.08.05.03 - Bund und Länder müssen nach Informationen des
"Handelsblattes" in diesem Jahr mit Steuerausfällen von
rund 15 Milliarden Euro rechnen. Wie die Zeitung vor der
Veröffentlichung der amtlichen Steuerschätzung
kommende Woche unter Berufung auf
Steuerschätzerkreise berichtet, dürften die Einnahmen von Bund, Ländern und
Gemeinden in diesem Jahr statt der erwarteten 458,5 Milliarden Euro nur 448 bis
450 Milliarden Euro betragen. Bleibe das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr unter
der Regierungsprognose von 0,75 Prozent, fehlten "weitere Milliarden".
Die Steuerschätzer gehen der Zeitung zufolge davon aus, dass allein der Bund
gegenüber der letzten Steuerprognose vom November 2002 ein Minus von bis zu
sechs Milliarden Euro verkraften muss. (Quelle: afp)
Abgeordnete fordern Solarminister
Do.08.05.03 - Sozialdemokratische und grüne Energiepolitiker haben Einrichtung
eines Solarministeriums gefordert. "Rot-Grün muss ein Solarministerium schaffen,
so wie es früher ein Atomministerium gegeben hat", erklärten der Träger des
Alternativen Nobelpreises, Hermann Scheer (SPD), und der energiepolitische
Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Hans-Josef Fell, in der Wochenzeitschrift
"Die Zeit" (Donnerstagausgabe).
Die bisherige Energiepolitik der Bundesregierung sei ein Ausdruck "schlichten
Versagens" sagten die Bundestagsabgeordneten der "Zeit". Daher forderten
Scheer und Fell ein eigenes Solarministerium, das den Übergang in das
Solarzeitalter vorbereiten soll.
Statt in die Energiewende investiere die Bundesregierung dreistellige
Millionenbeträge in die Forschung zur Kernfusion, kritisierte Scheer. Die
Koordination der Energieforschung laufe der Regierung aus dem Ruder, sagte Fell.
Die Zuständigkeiten seien über zahlreiche Ministerien verteilt. (Quelle: ap)
PDS-Chefin verkündet Rückzug von der Parteispitze
Do.08.05.03 - Nach langen Querelen hat PDS-Chefin Gabi Zimmer ihren
Rückzug von der Parteispitze angekündigt. "Ich selbst
werde als Parteivorsitzende nicht wieder antreten", sagte
Zimmer in Berlin. Sie habe vorgeschlagen, Ende Juni einen
Sonderparteitag abzuhalten. Darüber sollte der
PDS-Vorstand am Freitag entscheiden. Als Grund für ihren
Rückzug gab Zimmer an, einen Neustart der PDS nicht
blockieren zu wollen. Die aktuelle Führungskrise war durch
den Streit zwischen Zimmer einerseits und ihrem
Stellvertreter Diether Dehm sowie Bundesgeschäftsführer Uwe Hiksch andererseits
ausgelöst worden.
Auch für den Parteivorstand will Zimmer nicht mehr kandidieren. Allerdings werde
sie den Parteitag vorbereiten, der am 28./29. Juni in Berlin stattfinden solle,
kündigte sie nach einem Treffen mit den Vorsitzenden der ostdeutschen
Landesverbände an. Auf Fragen nach ihrer politischen Zukunft verwies Zimmer auf
ihr Mandat im Thüringer Landtag. Sie gehe davon aus, "dass ich auch politisch in
der PDS engagiert bleibe". In welcher Form, sei noch nicht klar. Zimmer war seit Oktober
2000 Parteivorsitzende.
Die aktuelle Führungskrise der PDS war durch die Weigerung
des Parteivorstandes ausgelöst worden, ein von Zimmer
verfasstes Papier zu Sozialreformen überhaupt nur zu beraten.
Diese Mehrheitsentscheidung wurde dem links-dogmatischen
Flügel im Vorstand zugerechnet. Daraufhin warf Zimmer dem
Vorstand Blockadehaltung vor und plädierte für einen baldigen
Sonderparteitag mit Neuwahl des Führungsgremiums.
Der frühere Vorsitzende der PDS-Fraktion im Bundestag, Roland
Claus, reagierte zurückhaltend auf den angekündigten Rückzug
Zimmers. "Es war ihre Entscheidung", sagte er gegenüber tagesschau.de. Claus zeigte sich besorgt, wie es nach Zimmers
Rückzug innerhalb der PDS weitergehen soll. "Man braucht jetzt einen Lösungsansatz, der eine wirkliche Chance hat
und keine ausufernde Personaldiskussion."
Der langjährige PDS-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch, der nach der Wahlniederlage bei der Bundestagswahl
sein Amt abgab, betonte gegenüber tagesschau.de die politische Verantwortung, die Zimmer mit ihrem
angekündigtem Rücktritt wahrgenommen habe. "Mit ihrer Entscheidung leistet Gabi Zimmer einen Beitrag dazu, dass
die PDS aus ihrer Krise herauskommen kann", sagte Bartsch, der als einer ihrer schärfsten Kritiker in der Partei gilt
(Quelle: afp)
An Hamburgs Hochschulen Frauenförderung abgeschafft
Do.08.05.03 - Hamburgs Hochschulen brauchen sich künftig
bei der Besetzung von Professuren nicht mehr um die Einhaltung
einer Frauenquote zu kümmern. Ein Paragraf im Hochschulgesetz,
der vorschreibt, dass bei gleicher Qualifikation eine Frau zu
bevorzugen ist, solange der Professorinnenanteil unter 50 Prozent
liegt, wurde gestern mit den Stimmen der Rechtskoalition von CDU,
FDP und Schill-Partei abgeschafft. Die Hochschulen können künftig
selber entscheiden, ob sie diese Regel wollen. Derzeit hat die
Hamburger Universität lediglich zu 14,8 Prozent
HochschullehrerInnen, an der Technischen Universität sind es
sogar nur 4,8 Prozent. Man wolle die Hochschulen zur Frauenquote
nicht "zwingen" erklärten die drei wissenschaftspolitischen
Sprecher von FDP, CDU und Schill-Partei zur Begründung." (Quelle: taz)
Staatliche Überwachung nimmt zu
Do.08.05.03 - Die Überwachung der Bundesbürger durch staatliche Behörden nimmt
weiter zu. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Joachim Jacob bemängelte am
Mittwoch in Berlin vor allem die drastische Ausweitung der Telefonüberwachung und
den Ausbau der Gendatenbank beim Bundeskriminalamt. In seinem
Tätigkeitsbericht verlangte er zudem einen Verzicht auf groß angelegte
Rasterfahndungen und warnte vor der Gefahr des "gläsernen Kunden" durch
Speicherung persönlicher Daten zu kommerziellen Zwecken.
Der Datenschutz in Deutschland habe sich in den vergangenen zwei Jahren kaum
verbessert, sagte Jacob. "Die Lage ist noch lange nicht zufrieden stellend." Die Zahl
der Telefonüberwachungen habe im vergangenen Jahr erneut um zehn Prozent auf
21.874 zugenommen. Seit 1995 verfünffachten sich die Abhöraktionen sogar. Eine
nachvollziehbare Erklärung für den Anstieg gebe es nicht, erklärte Jacob. "Wir dürfen
nicht zulassen, dass sich in unserem Land schleichend und fast unbemerkt eine
Überwachungskultur entwickelt, deren tatsächliche Effizienz und Notwendigkeit nicht nachgewiesen sind."
"Erhebliche Bedenken" äußerte Jacob auch gegen Bestrebungen, die Hürden für die Speicherung genetischer Daten
weiter abzusenken. "Immerhin wird hier der Kernbereich der Privatsphäre angegriffen." Die vor fünf Jahren beim
Bundeskriminalamt eingerichtete DNA-Analysedatei umfasse inzwischen 250.000 Datensätze. Jacob forderte eine
gesetzliche Regelung für die Durchführung von DNA-Massentests. Bundesinnenminister Otto Schily hatte sich Anfang
April für einen Ausbau der zentralen Gendatenbank zur Verbesserung der Verbrechensbekämpfung eingesetzt.
Jacob warnte auch vor unangemessenen Eingriffen in die Privatsphäre durch die von der Bundesregierung geplante
Gesundheitskarte. Jeder Patient müsse selbst entscheiden, welche Daten auf der Karte gespeichert werden.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt will mit der Gesundheitskarte eine bessere Behandlung der Patienten
gewährleisten und unnötige Kosten etwa durch Doppelbehandlungen vermeiden.
Auch in der Privatwirtschaft geht der Trend nach Angaben Jacobs zu umfangreichen Datensammlungen und
Datenverbänden. So würden zu Zwecken der Markt- und Meinungsforschung immer mehr Kundendaten
zusammengetragen, um zu immer ausgefeilteren Kundenprofilen zu kommen. "Solche Profilbildungen halte ich hier
wie auch in anderen Bereichen generell für fragwürdig."
Scharfe Kritik übte Jacob an der Rasterfahndung nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Es sei
"außerordentlich bedenklich", dass die bundesweite Aktion erst im März 2003 abgeschlossen worden sei. "Schon
dieser lange Verfahrensablauf zeigt die Problematik der Maßnahme und fordert die Frage heraus, wie effizient dieses
Instrument tatsächlich für die Bekämpfung des Terrorismus genutzt werden kann." Das Bundeskriminalamt sollte
künftig auf eine massenhaften Erhebung personenbezogener Daten verzichten.
Positiv bewertete Jacob die Anti-Terror-Gesetzgebung nach den Anschlägen vom 11. September. Mit den beiden
Sicherheitspaketen von Bundesinnenminister Schily sei ein "tragbarer Kompromiss" gefunden worden, mit dem die
Balance zwischen den Sicherheitsinteressen des Staates und den Freiheitsrechten des Einzelnen gewahrt werde.
Positiv bewertete Jacob vor allem die Befristung mehrerer Gesetze auf fünf Jahre, sowie die Kontrollmöglichkeiten
durch das Parlamentarische Kontrollgremium und die G10-Kommission. (Quelle: ap)
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Journalisten kritisieren CSU-Abhörpläne
Do.08.05.03 - Journalisten, Rechtsanwälte und Steuerberater haben am Mittwoch
auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in München gegen eine von der CSU
geplante Ausweitung der Telefonüberwachung in Bayern protestiert. Damit würden
grundlegende Bürgerrechte beeinträchtigt, sagte der Vorsitzende des Bayerischen
Journalistenverbands, Wolfgang Stöckel. Die CSU-Landtagsfraktion will das
Gesetzesvorhaben dem Vernehmen nach auf die Zeit nach der Landtagswahl im
September verschieben.
Der Entwurf zur Änderung des Polizeiaufgabengesetzes sieht vor, dass die Polizei
künftig Telefonverbindungen nicht mehr nur bei Straftaten abhören darf, sondern auch zur
Vorbeugung gegen Kriminalität. Die Überwachung soll auf Berufsgruppen mit
Zeugnisverweigerungsrecht ausgedehnt werden, darunter Journalisten, Ärzte,
Drogenberater, Pfarrer, Anwälte, Steuerberater.
"Wenn wir unsere Informanten nicht mehr schützen können, kriegen wir auch keine
Informationen mehr", kritisierte Stöckel. Es sei zu befürchten,
dass eine Ausweitung der Telefonüberwachung in Bayern die Arbeit von Journalisten
in der ganzen Bundesrepublik beeinträchtigen werde. Die Voraussetzungen für die
präventive Telefonüberwachung seien "niedrigschwellig und nebulös".
Stöckel verwies auf eine Studie der Universität Bielefeld, wonach in Deutschland jedes Jahr rund eine Million
Anschlüsse abgehört werden. In den USA seien es nur 25.000. Die Studie lege zudem den Verdacht nahe, dass die
Datenschutz-Bestimmungen nicht eingehalten würden.
Die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen hatten den Gesetzentwurf ebenfalls kritisiert. Die SPD brachte am
Mittwoch einen Dringlichkeitsantrag im Landtag ein und forderte eine Anhörung. (Quelle: ap)
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