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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Fr.09.05.03, 12:45 Irak am einundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Alliierte wollen Irak mindestens ein Jahr lang verwalten +++
Opposition berät mit USA über Sicherheit in Irak +++
Sondergericht für Verbrechen gegen irakisches Volk +++
US-Waffenkontrolleure werden um 2.000 weitere Experten verstärkt +++
Struck schließt Irak-Einsatz nicht aus +++
Fr.09.05.03 - Die USA und Großbritannien wollen Irak laut einem
Resolutionsentwurf mindestens für ein Jahr verwalten. Die Entschließung, die am
(heutigen) Freitag dem Weltsicherheitsrat vorgelegt werden sollte, sieht als
wichtigsten nächsten Schritt die Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen
Bagdad vor.
Wie UN-Diplomaten in New York mitteilten, soll der Sicherheitsrat die
Kriegsalliierten zunächst für zwölf Monate zur Verwaltung Iraks ermächtigen. Diese Zeit
könnte sich den Gewährsleuten zufolge allerdings beliebig verlängern, da die USA und
Großbritannien als Vetomächte jeden UN-Beschluss zur Aufhebung ihres Mandats blockieren
könnten. Aus diesem Grund könnte es starken Widerstand gegen den Resolutionsentwurf geben,
zumal viele Ratsmitglieder die Übergangsverwaltung Iraks ohnehin lieber den Vereinten Nationen übertragen wollten.
Ferner haben sich Russland und Frankreich, die gemeinsam mit Deutschland und China eine Billigung des Golfkriegs
im Sicherheitsrat verhindert hatten, gegen die Aufhebung der Sanktionen zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. Der
amerikanische UN-Botschafter John Negroponte betonte am Donnerstagabend noch einmal, dass die
Strafmaßnahmen nach dem Sturz des irakischen Staatschefs Saddam Hussein nicht mehr notwendig seien. Da das
Programm "Öl für Lebensmittel" am 3. Juni auslaufe, sei es an der Zeit für eine entsprechende Entscheidung.
Russland und Frankreich haben jedoch für eine Fortsetzung dieses Programms plädiert.
Den UN räumt der Resolutionsentwurf die Aufgabe ein, einen Sonderkoordinator für Irak zu ernennen. Dieser soll in
Zusammenarbeit mit den Alliierten vor allem für die humanitäre Versorgung der Bevölkerung zuständig sein. Beim
Aufbau neuer Verwaltungsstrukturen soll er mitwirken, aber keine Verantwortung innehaben. Angesichts dieser
umstrittenen Vorschläge rechneten Beobachter mit harten Verhandlungen im Sicherheitsrat.
In der irakischen Hauptstadt berieten Oppositionsgruppen mit der
US-Zivilverwaltung erneut über die künftige Regierung des Landes.
Die irakischen Oppositionsgruppen wollen ihre Basis erweitern und dafür weitere Mitglieder in ihren informellen Rat
aufnehmen. Bei ihrem jüngsten Treffen mit US-Vertretern beschlossen fünf langjährige Gegner Saddam Husseins, die
von Iran unterstützte Schiitengruppe El Dawa sowie den Sohn eines Demokraten der alten Garde in ihren Kreis
aufzunehmen. Dabei handelt es sich um Nasir el Tschadertschi, dessen Vater Kamel die Nationale Demokratische
Partei Iraks leitete, bis sie nach der Machtübernahme der Baath-Partei 1968 verboten wurde.
Wie der Chef des Irakischen Nationalkongresses, Ahmed Tschalabi, erklärte, wurde ferner die Gründung eines
Sicherheitsausschusses vereinbart. Dieser soll mit den Truppen der Kriegsalliierten zusammenarbeiten, um überall im
Lande für Recht und Ordnung zu sorgen. Tschalabi zufolge wurde bei dem Treffen auch das Verfahren für die Bildung
einer Übergangsregierung und eines Übergangsparlaments erörtert. Damit solle dem irakischen Volk neues
politisches Gewicht verliehen werden, sagte er.
Die USA wollen ein Sondergericht zur Ahndung von
Verbrechen gegen das irakische Volk einrichten. Der
US-Berater beim irakischen Justizministerium, Clint
Williamson, sagte in Bagdad, federführend dabei sollten die
Iraker sein. Unter anderen solle den 55 von den USA
meistgesuchten Irakern der Prozess gemacht werden.
Bislang haben die USA nach eigenen Angaben 19 von ihnen festgenommen.
Laut Williamson gibt es eine breite Übereinstimmung, dass die Verfahren der
irakischen Justiz übertragen werden sollten. "Höchstwahrscheinlich wird ein
spezielles Gericht innerhalb des irakischen Systems aufgebaut werden, bestehend
aus irakischen Richtern, mit irakischen Staatsanwälten", sagte Williamson.
Einzelheiten blieben noch zu klären.
Die ersten zwei Strafgerichte des Landes nahmen am
Donnerstag ihre Arbeit wieder auf, unter anderem wurde ein
Verfahren gegen 13 mutmaßliche Plünderer eröffnet. Die Gerichte
werden nach Angaben Williamsons irakisches Recht anwenden, einige nach der Machtübernahme von Saddam
Husseins Baath-Partei eingeführte Gesetze würden jedoch gestrichen - zum Beispiel das Verbot, den Präsidenten zu
beleidigen.
Die USA wollen für die Suche nach Massenvernichtungswaffen und Mitgliedern des
gestürzten irakischen Regimes 2.000 weitere Experten nach Irak schicken. Bislang sind dort
600 amerikanische Waffenkontrolleure im Einsatz. Wie das Pentagon am
Mittwoch mitteilte, sollen noch 1.400 Orte auf Waffen, Informationen über den Verbleib von
Regimeangehörigen oder auf Hinweise für Kriegsverbrechen untersucht
werden.
Von den 2.000 zusätzlichen US-Experten sollen 1.000 die Suche nach irakischen Massenvernichtungswaffen
unterstützen. Die andere Hälfte werde Informationen über das gestürzte Regime, über Terroristen, Kriegsverbrechen,
den irakischen Geheimdienst und Kriegsgefangene sammeln, sagte Stephen Cambone, Staatssekretär im
Verteidigungsministerium. Die Gruppe bestehe aus 1.300 Militär-Experten, zivilen Fachleuten und ehemaligen
UN-Waffeninspektoren. Hinzu kämen 800 Mann Hilfspersonal. Die Führung werde ein General des
Militärgeheimdienstes übernehmen.
Die Bekanntgabe von 17 Cholera-Fällen in Südirak löste bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) große Besorgnis
aus. Es sei zu befürchten, dass es neben den in zwei Krankenhäusern in Basra behandelten Patienten zahlreiche
weitere Fälle gebe, teilte die WHO mit.
Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hat die Prüfung eines NATO-Einsatzes im Irak befürwortet. Dies
bedeute aber nicht automatisch, dass sich Deutschland daran beteiligen würde, betonte ein Ministeriumssprecher
am Donnerstagabend. Ausschließen wollte er eine Beteiligung aber nicht. Im Kanzleramt hieß es, die USA hätten
einen deutschen Beitrag an keiner Stelle formuliert. Deshalb sei daran auf "absehbare Zeit" nicht zu denken.
In Koalitionskreisen gilt eine rot-grüne Bundestagsmehrheit für einen Irak-Einsatz als ausgeschlossen.
Nach Ansicht des SPD-Verteidigungspolitikers Reinhold Robbe wird Deutschland unter bestimmten
Voraussetzungen "mit im Boot" einer internationalen Friedenstruppe für den Irak sein. Wenn die UN eine
militärische Absicherung für den Aufbau ziviler Strukturen beschlössen, könne sich
Deutschland dem Wunsch nach einer Beteiligung kaum verschließen, sagte der
Vorsitzende des Bundestags- Verteidigungsausschusses der "Rheinischen Post" (Donnerstag).
Im Kanzleramt wurde auf die hohen Hürden für eine deutsche Teilnahme verwiesen. Voraussetzungen dafür seien
Beschlüsse der UN und des Bundestages. Während Strucks Besuch in Washington Anfang der Woche hatte es in
Regierungskreisen aber geheißen, bei einem NATO-Einsatz wäre ein UN-Mandat nicht zwingend.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Bushs Auftritt auf Flugzeugträger hat Nachspiel
Fr.09.05.03 - Der spektakuläre Auftritt von US-Präsident George W. Bush vor
einer Woche auf dem Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" hat
ein parlamentarisches Nachspiel. Parlamentarier der
oppositionellen Demokraten werfen Bush vor, die Heimkehr des
Schiffes in den Hafen von San Diego absichtlich verzögert und
damit den Steuerzahler unnötig belastet zu haben. Sie lasten
Bush auch an, das Militär als Bühne für PR-Zwecke missbraucht
zu haben. Bush verteidigte seinen Besuch der "Abraham Lincoln",
bei dem er das Ende der Kämpfe in Irak verkündet hatte, als eine
"unglaublich positive Erfahrung".
Als der Präsident am Donnerstag vergangener Woche mit einem
S-3-Viking-Kampfflugzeug auf der "USS Abraham Lincoln" landete, befand sich das
Schiff weniger als 50 Kilometer von der kalifornischen Küste entfernt. Vertreter des
Pentagon sagten der "Washington Post", dass der Flugzeugträger in Sichtweite von
San Diego gekreuzt sei, während der Präsident an Bord übernachtete, statt direkt
auf den Heimathafen zuzusteuern.
Die "USS Abraham Lincoln" habe 20 Stunden für eine Entfernung gebraucht, für die
normalerweise nur ein oder zwei Stunden gebraucht würden, hieß es aus dem
Verteidigungsministerium. Dies sei jedoch nicht wegen des Präsidenten getan worden,
sondern weil das Schiff schneller den Rückweg vom Persischen Golf zurückgelegt habe als
ursprünglich erwartet. Den am Hafen wartenden Familien der Soldaten werde "kein Gefallen"
getan, wenn das Schiff früher eintreffe, sagte ein Marinesprecher der Zeitung zur Begründung.
Kongressmitglieder der Demokraten gehen jedoch davon aus,
dass die Heimkehr des Schiffes wegen des Präsidenten verzögert wurde. Der Abgeordnete Henry Waxman forderte
das Haushaltbüro des Parlaments auf, die Kosten von Bushs Auftritt zu untersuchen. Der Präsident habe das Militär
vorsätzlich "für Wahlkampfzwecke benutzt", kritisierte er.
Einige oppositionelle Parlamentarier kritisierten auch, dass Bush in olivgrünem Pilotenanzug und mit Helm auf der
"USS Abraham Lincoln" eingetroffen war. Der Präsident war als Kopilot des Flugzeuges aufgetreten und hatte die
Maschine nach eigenen Angaben auf einfachen Strecken auch eine Weile gesteuert. Laut "Washington Post" räumte
das Weiße Haus ein, dass die Reise in dem Kampfflugzeug nicht notwendig gewesen wäre, sondern der Präsident die
Strecke auch in einem Hubschrauber hätte zurücklegen können - in diesem Fall hätte Bush nicht den Pilotenanzug
tragen müssen, in dem er vor den Kameras posierte.
(Quelle: afp)
Bush und Blair für Friedens-Nobelpreis nominiert
Fr.09.05.03 - Für ihre Irak-Politik sollen US-Präsident George W. Bush
und der britische Premier Tony Blair nach dem Willen
eines norwegischen Abgeordneten den
Friedens-Nobelpreis erhalten. Die beiden Verbündeten
hätten es "gewagt, die notwendigen Entscheidungen für
einen Irak-Krieg ohne Unterstützung der UNO zu treffen",
wurde der rechtsgerichtete Abgeordnete Jan Simonsen
von der Zeitung "Verdens Gang" zitiert. Weil die Vorschlagsfrist für die diesjährige
Preisverleihung bereits verstrichen ist, habe er Bush und Blair für den Nobelpreis
2004 nominiert.
"Dieser Krieg hat zahllose Leben gerettet", begründete Simonsen seine Wahl.
Andernfalls hätte Saddam Hussein womöglich Atomwaffen entwickelt und eine
"Katastrophe" ausgelöst, sagte er.
Vorschläge für den Friedens-Nobelpreis können weltweit alle Abgeordneten und
Minister einreichen sowie frühere Preisträger und bestimmte Professoren. Der
Gewinner wird traditionell Mitte Oktober bekannt gegeben. Eine Woche vor Beginn
des Irak-Kriegs hatte bereits der französische Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen
eine Nominierung Bushs ins Gespräch gebracht - allerdings unter der Bedingung,
dass ein Krieg hätte vermieden werden können. (Quelle: afp)
«Auch ohne das neue Militärgesetz geht die konservative spanische Regierung mit harten Bandagen gegen die
Kriegsgegner vor. Im Besonderen soll es die Webseite www.noalaguerra.org (Nein zum Krieg) treffen»
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Bush besorgt über angeblich beschleunigtes Atomprogramm in Iran
Fr.09.05.03 - US-Präsident George W. Bush hat besorgt auf Berichte über die angebliche
Beschleunigung des iranischen Atomprogramms reagiert. Die US-Regierung wolle
zunächst einen für Juni erwarteten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde
(IAEA) abwarten, sagte Bush am Donnerstag vor Journalisten in Washington. "Wir
müssen zusammenarbeiten, um die Weitergabe von Massenvernichtungswaffen zu
beenden." Dies sei "ein größeres Anliegen" für die ganze Welt, und die USA würden
dabei auch weiterhin "in Führung bleiben", betonte der Präsident. Zuvor hatte sein
Sprecher Ari Fleischer gesagt, dass sich die US-Regierung bei der IAEA "und
anderen Regierungen" dafür stark gemacht habe, das Nuklearprogramm Irans
"streng" zu untersuchen. (Quelle: ap)
«Die US-Regierung übt Druck auf die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) aus, um den Iran der Verletzung
des Atomwaffensperrvertrags zu beschuldigen. IAEA-Direktor ElBaradei fordert auch im Hinblick auf die Atommacht
Israel eine von Massenvernichtungswaffen freie Zone im Nahen Osten»
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Bush für Freihandelszone im Nahen Osten
Fr.09.05.03 - US-Präsident George W. Bush will eine Freihandelszone für den
gesamten Nahen Osten vorschlagen. Der Präsident werde dies am (heutigen)
Freitag in einer Rede an der Universität von South Carolina erläutern, verlautete aus
Regierungskreisen in Washington. Bush selbst hatte sich zuvor sehr optimistisch
über die Chancen seiner so genannten Straßenkarte für den Frieden geäußert. Der
israelische Ministerpräsident Ariel Scharon erklärte sich grundsätzlich zu neuen
Friedensgesprächen mit Syrien bereit.
Die Freihandelszone könnte binnen zehn Jahren errichtet
werden, hieß es in Washington. Sie solle insbesondere für die
Wirtschaftsbeziehungen der dortigen Staaten mit Amerika
gelten. Die Idee basiere auf den Abkommen, die Washington mit Israel und
Jordanien bereits geschlossen habe und mit Marokko derzeit aushandele. Letztes
Ziel sei eine Aufhebung aller Zölle und anderer Handelsbarrieren zwischen den USA und der
Region.
Bush erklärte vor einem Treffen mit dem Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa el Thani, er habe keinen Zweifel
bezüglich baldiger Fortschritten im Nahost-Friedensprozess. Die Palästinenser hätten mit Mahmud Abbas nun
erstmals einen Regierungschef, der der Gewalt ausdrücklich abgeschworen habe. Er werde mit den USA
zusammenarbeiten, um der Region mehr Sicherheit zu bringen, sagte Bush.
Der Ausschuss für Internationale Beziehungen im Repräsentantenhaus billigte derweil eine Vorlage, mit der für die
kommenden zwei Jahre 20 Milliarden Dollar für den Friedensprozess und die Förderung eines palästinensischen
Staates bereit gestellt werden. Wie viel die Palästinenser davon erhalten, wird vom Verlauf der einschlägigen
Verhandlungen und der Entwicklungen vor Ort abhängig gemacht. Um den Friedensprozess voranzutreiben, wollte
US-Außenminister Colin Powell am Freitagabend in den Nahen Osten reisen.
Auch Scharon erklärte in einem Interview des israelischen Fernsehens, dass er auf eine gute Zusammenarbeit mit
Abbas setze. Dieser könnte sich als echter Partner erweisen, da er Gewalt ablehne. Mit Bezug auf Syrien sagte der
israelische Ministerpräsident, neue Verhandlungen müssten ohne jegliche Vorbedingungen stattfinden.
Die Regierung in Damaskus hat bislang immer betont, die Gespräche müssten an dem Punkt beginnen, an dem sie
vor knapp drei Jahren abgebrochen wurden. Damals standen beide Seiten kurz vor einer Vereinbarung über die
Rückgabe der Golanhöhen, die Israel im Sechs-Tage-Krieg von 1967 besetzt hatte und später annektierte.
(Quelle: ap)
US-Beamte sollen Umsetzung des Friedensplans überwachen
Fr.09.05.03 - Zur Umsetzung des neuen Friedensplans für den Nahen Osten soll nach
dem Besuch von US-Außenminister Colin Powell einer seiner Beamten in Israel bleiben.
Wie der palästinensische Außenminister Nabil Schaath am Donnerstag
mitteilte, wird David Satterfield aus dem US-Außenministerium
Israelis und Palästinensern bei den ersten Schritten nach dem
Fahrplan für Frieden begleiten. Nach etwa zwei Wochen soll der
US-Gesandte für den Nahen Osten, Richard Erdman, die
Überwachung der Friedensbemühungen übernehmen.
US-Außenminister Powell will am Wochenende mit dem
israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon und dessen palästinensischem
Kollegen Mahmud Abbas über die so genannte Straßenkarte für den Frieden
beraten. Der Friedensplan wurde vom so genannten Nahost-Quartett aus USA, UN,
Europäischer Union und Russland entwickelt.
Die USA sollen die Erfüllung der beiden wichtigsten Forderungen des Plans
überwachen - die Beendigung palästinensischer Anschläge in Israel und einen
Baustopp für die israelischen Siedlungen in den palästinensischen
Autonomiegebieten. Die Europäische Union soll die Reform der palästinensischen
Autonomiebehörde unterstützen und humanitäre Hilfe leisten. Israelis und Palästinenser
haben sich mit dieser Arbeitsteilung einverstanden erklärt.
Unterdessen töteten israelische Soldaten wieder ein
hochrangiges Mitglied der palästinensischen
Untergrundorganisation Hamas. Nach Angaben von
Hamas-Aktivisten feuerten Kampfhubschrauber drei Raketen auf
das Auto von Ijad el Beack ab, einen Mitarbeiter eines vor
kurzem von der israelischen Armee getöteten
Hamas-Kommandeurs. Drei Passanten wurden leicht verletzt,
wie Augenzeugen berichteten. Hamas-Sprecher Abdul Asis
Rantisi kündigte Vergeltung an.
Gleichzeitig verdichteten sich die Hinweise darauf, dass der am vergangenen Freitag getötete britische
Fernsehjournalist von der israelischen Armee erschossen wurde. Das Nationale Forensik-Institut meldete, James
Miller sei von vorne erschossen worden. Dieser Befund stützt die Aussagen von Augenzeugen, nach denen israelische
Soldaten den Journalisten erschossen, als er sich mit einer weißen Fahne ihrem Panzer näherte. Die Armee hatte am
Sonntag erklärt, Miller sei in den Rücken geschossen worden, möglicherweise von einem palästinensischen
Scharfschützen.
In der Nähe einer jüdischen Siedlung im Gazastreifen wurde am Donnerstag die Leiche eines weiteren Palästinensers
gefunden. Der Tote war mit Schrapnellwunden übersät, die nach Angaben von palästinensischen Ärzten von
Panzergranaten stammten. Die israelische Armee erklärte, Soldaten hätten in der Nähe der Siedlung Neve Dekalim
auf einen Mann gefeuert, der auf die Aufforderung, stehen zu bleiben, nicht reagiert habe.
Im größten palästinensischen Flüchtlingslager Libanons läuft offenbar ein Machtkampf zwischen Mitgliedern der
Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat und militanten Gruppen. Am Donnerstagmorgen wurde ein
Fatah-Mitglied durch zwei Schüsse verletzt, eine Stunde später explodierte eine Handgranate auf dem Gemüsemarkt
des Lagers. In den vergangenen Wochen gab es eine Reihe von Anschlägen, nachdem am 2. März der Polizist und
Fatah-Angehörige Nasi Schreidi getötet worden war. (Quelle: ap)
Mehr als 20 Tote bei Unruhen in Kongo
Fr.09.05.03 - Wenige Tage nach dem Rückzug von 6.000 ugandischen
Soldaten aus Kongo ist es am Mittwoch und Donnerstag in der Stadt Bunia im
Nordosten zu blutigen Unruhen gekommen. Augenzeugen berichteten, Kämpfer vom
Stamm der Hema hätten beim Versuch, die Hauptstadt der Provinz Ituri zu erobern,
mindestens 21 Einwohner getötet und Tausende in die Flucht getrieben.
Am Donnerstag herrschte Chaos in der Stadt. Nach dem Abzug der ugandischen
Truppen sind die Polizeikräfte der kongolesischen Armee und ein kleines Kontingent
UN-Soldaten aus Uruguay augenscheinlich nicht in der Lage, die öffentliche Ordnung
zu gewährleisten. Krieger vom Stamm der Lendu, die mit den Hema verfeindet sind,
kontrollierten mit Macheten, Speeren und Gewehren die Straßen. 2.000 Einwohner
suchten Schutz auf dem Gelände der UN-Mission für Kongo (MONUC). Nach Angaben
eines Mitarbeiters der Menschenrechtsgruppe Justice Plus (Mehr Gerechtigkeit) wurden
sie abgewiesen.
Derweil verabredeten die Präsidenten von Ruanda und Uganda am Donnerstag in London,
bei der Umsetzung des Friedensprozesses in Kongo zusammenzuarbeiten. In einer
gemeinsamen Erklärung forderten sie alle Parteien auf, die Bewaffnung von Rebellengruppen im Nordosten
einzustellen und eine Übergangsregierung zu etablieren.
Der Bürgerkrieg in Kongo brach im August 1998 aus, als neben anderen Ländern auch Ruanda und Uganda Rebellen
beim Aufstand gegen den damaligen kongolesischen Präsidenten Laurent Kabila mit eigenen Soldaten unterstützten.
Die meisten ausländischen Soldaten haben das Land verlassen, die Kämpfe zwischen den Rebellen dauern an.
Zuletzt hatten Lendu-Krieger am 3. April beim Überfall auf ein Hema-Dorf bis zu 1.000 Personen umgebracht.
(Quelle: ap)
«Die Gleichstellung der Frau ist ein Thema, das sogenannte
Dritte-Welt-Länder noch lange beschäftigen wird. Nach dem
jüngsten Berichts des UN-Entwicklungsfonds für Frauen
(UNFEM) hat sich die Situation in nur drei von 133
Entwicklungsländern verbessert: in Argentinien, Costa Rica
und Südafrika»
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Umweltverbände rufen zum Protest gegen EU-Verfassung auf
Fr.09.05.03 - Deutsche Umweltverbände haben zum Protest gegen die Integration des
Euratom-Vertrages in die EU-Verfassung aufgerufen. Die ökonomische
Privilegierung der Atomkraft müsse abgeschafft werden und der Euratom-Vertrag
spätestens bis 2007 auslaufen, erklärten die Umweltschutzorganisationen am
Donnerstag in Berlin. Der Vertrag über die Europäische Atomgemeinschaft
(Euratom) gehört zu den Gründungsverträgen der Europäischen Gemeinschaft.
Nach dem Vorschlag des Präsidiums des EU-Konvents solle Euratom unverändert
in Form eines Protokolls in die europäische Verfassung aufgenommen werden,
kritisieren die Umweltverbände. Dies bedeute, dass die EU und die Mitgliedstaaten
sich dazu verpflichteten, die Atomkraft ohne demokratische Kontrolle durch
nationale Parlamente oder das europäische Parlament zu fördern.
Die Mehrheit der derzeitigen EU-Mitgliedsstaaten wolle aber aus der risikoreichen
Kernenergie aussteigen oder komme bereits ohne sie aus, erklärte der
atompolitische Sprecher des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND), Klaus Traube. "Es kann nicht sein, dass Frankreich, England, Spanien
und Finnland ihre Atompolitik gegen den Willen der EU-Bürger durchsetzen."
Europa benötige "eine zukunftsfähige Energiepolitik mit rationeller Energienutzung und erneuerbaren Energien".
Auf der Homepage des BUND (http://www.bund.netstellen die Organisationen einen Protestbrief bereit, der per E-Mail an die deutschen
Mitglieder des EU-Konvents verschickt werden kann. Die Mail-Aktion wird von BUND, Greenpeace, Naturschutzbund
(NABU), WWF, Robin Wood, Eurosolar und anderen Organisationen getragen.
Derzeit wird in dem 105 Mitglieder zählenden EU-Konvent unter dem Vorsitz des ehemaligen französischen
Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing über einen europäischen Verfassungsentwurf beraten, der im Juni den
Staats- und Regierungschefs der EU vorgelegt werden soll.
«Umstrittener Reaktor Garching II (FRM II) geht in Betrieb.
Nach jahrelangem Tauziehen hat das bayerische Umweltministerium dafür die dritte und
abschließende atomrechtliche Genehmigung erteilt. Wegen seiner Menge an hoch
angereichertem Uran gilt der Reaktor als besonders unsicher»
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DGB-Reformkonzept fordert Milliarden-Investitionen
Fr.09.05.03 - Mit einem Alternativkonzept zu der umstrittenen SPD-Reformagenda geht der
Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) verstärkt auf Konfrontationskurs zur rot-grünen
Regierungspolitik. Das Programm, das DGB-Chef Michael Sommer am Donnerstag in Berlin
vorstellte, setzt auf eine Stärkung der inländischen Kaufkraft sowie staatliche Investitionen in
Milliardenhöhe. Zugleich wird eine höhere Neuverschuldung in Kauf genommen.
Gegen die Pläne von Bundeskanzler Gerhard Schröder will der
DGB mit zahlreichen Aktionen bis zum SPD-Sonderparteitag am
1. Juni seinen Protest noch verstärken. Das Regierungskonzept ziele auf Abbau von
Arbeitnehmerrechten und deutlichen Verschlechterungen für sozial Schwache, hieß
es.
Sommer nannte das DGB-Papier eine Diskussionsgrundlage nach innen und
außen. Er betonte, die Gewerkschaften seien trotz der Meinungsunterschiede über
die Absage eines Gesprächs mit Schröder am vergangenen Dienstag inhaltlich einer
Meinung. Der DGB sei handlungs- und durchsetzungsfähig, versicherte Sommer.
"Da sollte sich niemand täuschen."
Der Aufruf des Kanzlers an die Gewerkschaften, sich zu
mäßigen, verschärfe das Klima eher noch, sagte Sommer. Er sei
überzeugt, dass die Agenda 2010 nicht erfolgreich sein könne
und werde das auch immer wieder deutlich machen. Dennoch
seien die Gewerkschaften "nicht in der Rolle des Nein-Sagers.
Wir haben Alternativen." Die SPD reagierte äußerst
zurückhaltend. Das seien keine "Vorschläge, die bei den
anstehenden Reformen weiterhelfen", sagte
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz.
Um die Wirtschaftskrise zu bekämpfen, schlägt der DGB ein
kurzfristiges Programm zur Förderung des Wachstums vor, das
den Bund rund 15 Milliarden Euro kosten würde. Mit Finanzhilfen
sollen Investitionen der Kommunen und der gewerblichen Wirtschaft gefördert werden. Teile der für 2004 geplanten
Steuerreformstufe sollen vorgezogen werden und eine Steuerförderung für Altbausanierung weitere Investitionen
auslösen.
Wegen der Effekte für das Wachstum und sinkenden Ausgaben für Sozialtransfers müsse die Neuverschuldung im
Bundeshaushalt aber nicht um den ganzen Betrag sondern nur um 7,5 Milliarden Euro steigen. "Das ist angesichts
der Dauerkrise eine vertretbare Größenordnung", sagte Sommer.
Die sozialen Sicherungssysteme müssten mittelfristig stärker über die öffentlichen Haushalte finanziert werden.
Versicherungsfremde Leistungen wie Mutterschaftsgeld oder der Aufbau Ost müssten aus dem System
herausgenommen und aus öffentlichen Kassen gezahlt werden. Der Versichertenkreis müsse ausgedehnt werden. Der
DGB schlägt ferner - analog zum Steuerrecht - auch bei den Sozialversicherungen einen Grundfreibetrag vor: Die
Beiträge für die ersten 250 Euro Verdienst sollen aus Steuern finanziert werden.
Der Staat soll außerdem verpflichtet werden, in Zeiten des Aufschwungs ab einem Wirtschaftswachstum von 2,5
Prozent für Abschwungphasen vorzusorgen. Die Gewerkschaften prüften zudem, ob der Normalsatz der
Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte angehoben werden könne und ein erhöhter Satz für Luxusgüter rechtlich
möglich sei, sagte Sommer. Zugleich plädierte er für Wiedereinführung einer Börsenumsatzsteuer. "Es kann nicht
sein, dass beim Kauf eines Stückes Butter sieben Prozent Mehrwertsteuer bezahlt werden müssen, der Handel mit
Aktien aber nicht besteuert wird." (Quelle: dpa)
Gegenvorschläge des DGB zur Agenda 2010
Fr.09.05.03 - Die Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hat am
Donnerstag ihre Gegenvorschläge zur Agenda 2010 von Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) vorgestellt. Im Grundsatz wird das Konzept vertreten, über eine
Stärkung der Binnennachfrage die Konjunktur anzukurbeln und so die steigenden
Sozialausgaben zu finanzieren. Das Konzept sieht Mehrausgaben des Bundes in
zweistelliger Milliardenhöhe vor.
KONJUNKTURPOLITIK:
Der DGB fordert, Kommunen und Unternehmen mit einem Konjunkturprogramm in
Höhe von 15 Milliarden Euro zu unterstützen. Zum einen sollen Teile der für 2004 geplanten
Steuerreform rückwirkend zum 1. Januar vorgezogen werden (Senkung des Eingangssteuersatzes auf 17
Prozent, Anhebung des Grundfreibetrags). Zusätzlich sollen die Kommunen investitionsgebundene
Finanzhilfen in Höhe von fünf Milliarden Euro und die Unternehmen Investitionszulagen in Höhe von
bis zu drei Milliarden Euro erhalten. Daneben wird eine Steuerförderung der Altbausanierung im Volumen zwei bis drei
Milliarden Euro gefordert. Zur Finanzierung der Maßnahmen fordert der DGB eine Anhebung der Neuverschuldung um
7,5 Milliarden Euro. Der Rest soll durch Steuermehreinnahmen gedeckt werden, die aus der angekurbelten Konjunktur
erwachsen. Insgesamt sollen die Maßnahmen ein Wachstum von 1,5 bis zwei Prozentpunkte bringen. Die
Bundesregierung lehnt dagegen eine höhere Neuverschuldung und ein Vorziehen der Steuerreform ab.
SOZIALSYSTEME:
Mittelfristiges Ziel ist die Senkung der Sozialabgaben um 8,5 Prozentpunkte von derzeit 42 Prozent. Dazu soll in der
nächsten Phase konjunktureller Belebung ein Freibetrag für die Sozialsysteme in Höhe von 250 Euro monatlich
eingeführt werden, der niedrige und mittlere Einkommen sowie lohnintensive Betriebe stärker entlasten würde. Die
Kosten in Höhe von 30 bis 40 Milliarden Euro sollen durch eine Reform der Körperschaftssteuer, eine höhere
Erbschaftssteuer sowie die Einführung einer Börsenumsatz- und einer Vermögensteuer gegenfinanziert werden.
Alternativ prüft der DGB entgegen der Position der Bundesregierung eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwei
Prozentpunkte von derzeit 16 Prozent.
Die von der Bundesregierung geplanten Sozialkürzungen lehnt der Gewerkschaftsbund ab. Unterstützt wird dagegen
die geplante Gesundheitsstrukturreform. Mehr Wettbewerb könne die Ausgaben im Gesundheitssystem um 25
Prozent verringern, heißt es.
ARBEITSMARKT:
In der Arbeitsmarktpolitik befürwortet der DGB befristete niedrigere Einstiegslöhne für ehemalige Langzeitarbeitslose.
Daneben wird geprüft, inwieweit Tarifverträge bei angeschlagenen Unternehmen zu flexibilisieren sind. Zudem wird die
Idee aufgegriffen, Teile des Entgelts in Weiterbildungsansprüche, Arbeitszeitregelungen oder Firmenbeteiligungen
umzuwandeln. Generell wird die Notwendigkeit gesehen, "die Flächentarifverträge den veränderten gesellschaftlichen
und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen." (Quelle: rtr)
Hintergrund: Reform-Konzepte von Union und SPD
Parteien und Unternehmer bemängeln DGB-Reformpläne
Fr.09.05.03 - Der DGB-Gegenentwurf zur Agenda 2010 ist auf breite
Kritik bei Parteien und Unternehmerverbänden gestoßen.
Abgelehnt wurde vor allem die Ausweitung der
Staatsschulden, die in dem Konzept vorgesehen ist, das
DGB-Chef Michael Sommer in Berlin vorstellte. Der DGB
will die Neuverschuldung um 7,5 Milliarden Euro erhöhen,
um damit ein Wachstum von einem bis 1,5 Prozentpunkten anzuregen. Berichte
über einen Richtungsstreit innerhalb der Gewerkschaften wies Sommer zurück.
Gleichzeitig kritisierte er Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der die
Gewerkschaften bei der SPD-Regionalkonferenz in Hamburg hart angegangen war.
"Das sind keine Vorschläge, die bei den anstehenden Reformaufgaben
weiterhelfen", sagte SPD-Generalsekretär Olaf Scholz in Berlin. Die Wirkung der
vom DGB vorgeschlagenen Konjunkturprogramme sei "ausgesprochen zweifelhaft".
Nach Ansicht der stellvertretenden Grünen-Fraktionsvorsitzenden Thea Dückert
greift der DGB-Vorschlag "finanzpolitisch zu kurz". Steuerentlastungsprogramme
könnten die Agenda 2010 nicht ersetzen, erklärte sie. "Die Gewerkschaften unterliegen
immer wieder dem Irrtum, wir könnten Strukturreformen vermeiden, wenn wir nur mehr
Geld in die Systeme pumpen würden."
Die DGB-Vorschläge seien "unbrauchbar, um Deutschland aus
der tiefen und langanhaltenden Wachstumskrise
herauszuführen", erklärte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Sie
seien keine "Alternative zu nachhaltigen Strukturreformen und zu
den ohnehin nur zaghaften Reformansätzen der Agenda 2010".
Der DGB sei "weit weg von der wirtschaftlichen Notwendigkeit",
erklärte CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer. Der
stellvertretende FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende Rainer
Brüderle erklärte, bis auf das Vorziehen der Steuerreform verbreite der DGB "wieder
einmal verteilungspolitischen Muff von vorgestern".
Sommer wies Berichte über einen Richtungsstreit innerhalb des DGB wegen des am Dienstag geplatzten
SPD-Gewerkschaftsrates zurück. Die Einzelgewerkschaften seien nicht inhaltlich, sondern "taktisch auseinander"
gewesen. Der DGB sei "handlungs- und auch durchsetzungsfähig".
Der Kanzler sei nicht "gut beraten", die Gewerkschaften so scharf anzugehen wie in Hamburg und dabei
Einzelpersonen herauszuheben, sagte Sommer. "Das sollte er lassen, das verschärft nur das Klima." Schröder hatte
bei der SPD-Regionalkonferenz vor allem den Chef der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, kritisiert.
(Quelle: afp)
DGB-Chef wirft Schröder «Wortbruch» vor
Fr.09.05.03 - DGB-Chef Michael Sommer hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
wegen seiner Reformpläne "Wortbruch" vorgeworfen. Zugleich kündigte er in der Zeitung
"Die Welt" (Freitag) an, den Druck auf die Bundesregierung massiv zu erhöhen. Für den Herbst
drohte Sommer mit "Massenprotesten im großen Stil".
Die IG Metall hält sogar einen Bruch mit der SPD für möglich.
Der Chef des IG-Metall-Bezirks für Niedersachsen und
Sachsen-Anhalt, Hartmut Meine, warnte die Sozialdemokraten in
der "Neuen Presse" (Hannover/Freitag), es im Streit um die
Sozialreformen nicht auf eine Belastungsprobe ankommen zu lassen.
DGB-Chef Sommer sagte, die Reformpläne widersprächen in weiten Teilen der
Koalitionsvereinbarung und dem SPD-Wahlprogramm. "Insofern hat der
Bundeskanzler mit der Agenda 2010 Wortbruch begangen." Man werde versuchen,
auf das Gesetzgebungsverfahren im Herbst Einfluss zu nehmen. "Wenn die
Bundesregierung zusammen mit der Union im Bundesrat die Tarifautonomie
beschneidet, dann provoziert sie einen absoluten Großkonflikt, wo die
Gewerkschaften kämpfen werden."
Sommer sagte weiter: "Ich erwarte, dass die Agenda 2010 der Bundesregierung
noch nicht der Schlusspunkt sein wird und der Sozialabbau in Deutschland weiter
verschärft wird." Als Grund nannte Sommer, dass die Reformpolitik Schröders das
Grundproblem der Massenarbeitslosigkeit nicht beseitige.
Der DGB-Chef kündigte zugleich engere Kontakte zwischen Union und
Gewerkschaften an. "Wir haben die Arbeitskontakte zur Union bereits ausgebaut,
und wir werden sie weiter intensivieren. Wir wissen, dass die große Volkspartei CDU/CSU gewerkschaftlichen
Positionen in einigen Punkten näher steht, als man denkt." (Quelle: dpa)
«Statt Unternehmen sollen Beschäftigte zahlen -
Wirtschaftsverbände wollen die Gewerbesteuer abschaffen
und durch eine höhere Einkommensteuer ersetzen»
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Drastische Tabaksteuer-Erhöhung für Gesundheitsreform
Fr.09.05.03 - Zur Finanzierung der Gesundheitsreform wird die Tabaksteuer um einen
Euro pro Schachtel erhöht. Dies beschloss die rot-grüne Koalition am Donnerstag.
Zudem werden Kassenmitglieder durch die getrennte Absicherung des
Krankengelds und neue Selbstbehalte mit Milliardenbeträgen belastet. Rentner
sollen höhere Beiträge leisten. Ziel sei es, die Kassen um "über 20 Milliarden Euro"
zu entlasten und damit die Beiträge auf unter 13 Prozent zu senken, erklärten
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz und Grünen-Chef Reinhard Bütikofer.
Nach der Einigung im Koalitionsausschuss habe man "alles zusammen eine
vernünftige Reform" des Gesundheitswesens, sagte Scholz. "Der Prozess der
Umsetzung (der Reformagenda) schreitet voran."
Wichtigster Streitpunkt war zuletzt noch die Finanzierung der so genannten
versicherungsfremden Leistungen der Krankenkassen aus Steuermitteln.
Finanzminister Hans Eichel hatte sich dem Vernehmen nach gegen eine
Steuererhöhung gewandt. Durchgesetzt hat sich jedoch Sozialministerin Ulla
Schmidt, die sich laut Scholz für die Erhöhung der Tabaksteuer um einen Euro
stark gemacht hatte. Das gesamte Aufkommen der Erhöhung solle in die
gesetzliche Krankenversicherung fließen.
Wie viel aus der Steuer zusammenkommt und wie viel zur Finanzierung welcher
Leistungen gebraucht wird, wollten Scholz und Bütikofer nicht sagen. Das werde
noch durchgerechnet. Eichel habe gewarnt, man solle ein nicht zu großes
Finanzvolumen annehmen, weil viele Raucher bei derart hohen Preisen aufhören
könnten. Rechnerisch ergibt sich bei derzeitigem Konsum ein Volumen von etwa
sieben Milliarden Euro. Die versicherungsfremden Leistungen - darunter Leistungen
bei Schwanger- und Mutterschaft, künstliche Befruchtung, Sterilisation und Sterbegeld - werden mit vier bis fünf
Milliarden Euro angegeben.
Zumindest künstliche Befruchtungen und Sterilisationen werden jedoch als Kassenleistung gestrichen und müssen
künftig privat finanziert werden, wie Scholz sagte. Beim Sterbegeld werde dies noch geprüft.
Auf alle 71 Millionen Versicherten in der gesetzlichen Krankenkasse kommen erhebliche Lasten zu. So müssen
Arbeitnehmer künftig das Krankengeld, für das die Kassen rund sieben Milliarden Euro ausgeben, ohne Unterstützung
des Arbeitgebers allein in den gesetzlichen Krankenkassen absichern.
Patienten sollen beim Facharzt eine "Praxisgebühr" und in der Apotheke erhebliche Zuzahlungen in einer
Größenordnung von bis zu zehn Euro leisten. Umgehen können sie dies nur, wenn sie sich immer zuerst an ihren
Haus-, Kinder- oder Frauenarzt wenden. Die Höhe der Zuzahlungen und der Praxisgebühr ließen Scholz und Bütikofer
offen. Entschieden ist nach ihren Angaben, dass Patienten praktisch alle rezeptfreien Medikamente selbst zahlen
sollen. Ausgenommen sind nur Kinder.
Rentner sollen auf Einkünfte neben der gesetzlichen Rente - etwa Betriebsrenten - nicht mehr den halben, sondern
den vollen Beitrag leisten. Sie werden nach Angaben von Bütikofer so mit 1,5 bis zwei Milliarden Euro belastet.
Von der Zigarettenindustrie kam sofort Protest gegen eine Tabaksteuererhöhung. Schon ein Aufschlag von 60 Cent,
wie er zunächst erwogen worden war, sei "jenseits von gut und böse", sagte ein Sprecher von British American
Tobacco in Hamburg. (Quelle: ap)
Die Kernpunkte der Gesundheitsreform
Fr.09.05.03 - Die Gesundheitsreform, auf die sich SPD und Grüne am Donnerstag
einigten, bringt tief greifende Veränderungen und für gesetzlich Versicherte deutlich
mehr Kosten. Dafür soll der durchschnittliche Beitragssatz zur gesetzlichen
Krankenversicherung unter 13 Prozent sinken.
Associated Press dokumentiert im Folgenden einige Kernpunkte der geplanten
Reform von Sozialministerin Ulla Schmidt:
Veränderungen für Versicherte:
- Arbeitnehmer müssen künftig das Krankengeld - die Entgeltzahlungen bei langer Krankheit - ohne Beteiligung
des Arbeitgebers allein absichern. Damit zahlen sie nicht mehr die Hälfte des - dann gültigen - Beitragssatzes,
sondern 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte mehr. Der Arbeitgeber zahlt entsprechend weniger.
- Rentner zahlen den vollen Beitrag auf Einkünfte neben der
gesetzlichen Rente, zum Beispiel Betriebsrenten, und steuern
damit 1,5 bis zwei Milliarden Euro zusätzlich ins System.
- Patienten müssen in der Regel mehr zuzahlen,
schlimmstenfalls bis zu zwei Prozent ihres Bruttolohns. Wer
ohne Rücksprache mit dem Hausarzt direkt zum Facharzt geht,
zahlt dort bei jedem Besuch 15 Euro und in der Apotheke für verschriebene Medikamente je nach Packungsgröße bis
zu zehn Euro dazu. Wer sich immer zuerst an den Hausarzt wendet, kann die Eigenbeteiligung auf ein Minimum
drücken.
- Patienten müssen rezeptfreie Medikamente aus eigener Tasche zahlen. Die Kasse übernimmt sie nur noch für
Kinder.
- Patienten können sich nach schweren Krankheiten, für Spezialuntersuchungen oder bei einem Mangel an
Fachärzten in ihrer Gegend auch zur ambulanten Behandlung an ihr Krankenhaus wenden.
- Patienten sollen alle Behandlungen, Überweisungen durch Ärzte, Rezepte und Notfalldaten auf einer elektronischen
Patientenkarte speichern lassen. Der Arzt soll ihnen per Patientenquittung Aufschluss über die Kosten ihrer
Behandlung geben.
Veränderungen für die Krankenkassen:
- Die Finanzierung eines Teils der so genannten versicherungsfremden Leistungen der Kassen - darunter Leistungen
bei Schwanger- und Mutterschaft - übernimmt der Staat. Dafür wird die Tabaksteuer um einen Euro pro
Zigarettenpackung erhöht. Andere Leistungen wie Sterilisationen und künstliche Befruchtungen sowie womöglich auch
das Sterbegeld werden ersatzlos gestrichen. Damit kann der Beitragssatz um 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte sinken.
- Kassen sollen sich leichter zusammenschließen können. Damit soll die Zahl von heute noch 325 Krankenkassen
verringert und Verwaltungskosten gespart werden.
Veränderungen für Ärzte:
- Hausärzte sollen die «Lotsen» im Gesundheitswesen werden. Sie sollen über bessere Beratungshonorare den
Patienten besser aufklären und nötige Untersuchungen beim Facharzt veranlassen. Ziel ist es, Doppeluntersuchungen
zu vermeiden.
- Fachärzte, die sich neu niederlassen, sollen Einzelverträge mit den Krankenkassen abschließen. Bisher handeln die
Kassenärztlichen Vereinigungen Kollektivverträge für alle Kollegen aus. Ziel der Neuerung ist mehr Wettbewerb
zwischen den Medizinern und bessere Qualität.
- Alle Ärzte sollen gezwungen werden, sich regelmäßig an neutraler Stelle fortzubilden. Druckmittel ist eine
Kassenzulassung auf Zeit.
Veränderungen für Apotheken:
- Der Handel mit Medikamenten soll künftig auch übers Internet möglich sein.
- Das so genannte Mehrbesitzverbot wird gelockert: Ein Apotheker darf bis zu fünf Filialen betreiben, muss allerdings
in jeder mindestens einen Apotheker anstellen.
- Die Preise für Medikamente werden so neu geregelt, dass für die Apotheker eine Beratungspauschale auch bei
billigen Medikamenten möglich wird. Dies soll ein Anreiz sein, die günstigsten Arzneien einer Gruppe zu verkaufen
und trotzdem zu beraten.
Veränderungen für die Pharmabranche:
- Ein Zentrum für die Qualität in der Medizin soll Medikamente auch nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis prüfen.
Damit sollen teure so genannte Scheininnovationen - hohe Kosten, kaum Zusatznutzen gegenüber bekannten Mitteln -
aus dem Markt gedrängt werden. Das Institut soll auch Behandlungsmethoden prüfen und verbraucherverständliche
Informationen darüber veröffentlichen.
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