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k0305130
Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Di.13.05.03, 12:45 Irak am fünfundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Großbritannien mit Lage in Bagdad unzufrieden +++
Offenbar zwei weitere Saddam-Getreue in US-Gewahrsam +++
Frankreich fordert Nachbesserungen bei Irak-Resolutionsentwurf +++
Britische Ministerin verlässt wegen Irak-Politik Blairs Kabinett.
Regierungschef habe Zusagen über eine führende Rolle der UN im Nachkriegs-Irak gebrochen +++
Polen will NATO-Hilfe bei Irak-Friedenstruppe +++
Jordanien erhält von USA 700 Mio Dollar für Rolle im Irak-Krieg +++
Di.13.05.03 - Der britische Außenminister Jack Straw hat am Montag
den Stand des Aufbaus einer neuen Zivilverwaltung in Bagdad kritisiert.
"Die Lage in Bagdad ist nicht befriedigend", sagte Straw am Montag im Parlament.
Dies gelte auch für die Sicherheitslage. Es gebe noch zu viel Gewalt und
Rechtlosigkeit. Großbritannien sehe sich ebenso wie die USA in der Verantwortung,
diese Situation schnell zu ändern. Die USA sandten am Montag mit Paul Bremer
einen neuen Verwaltungschef nach Bagdad und beriefen zudem die für Bagdad
zuständige US-Koordinatorin, Barbara Bodine, ab. Die US-Truppen hatten die Stadt
vor einem Monat erobert. Als Besatzungsmacht sind sie und ihre Verbündeten nach dem
Völkerrecht verpflichtet, für Sicherheit und Versorgung der Zivilbevölkerung zu sorgen.
"Es kehren zwar immer mehr irakische Beamte an ihre Arbeitsplätze zurück", sagte
Straw in London, die Ergebnisse der ersten Wochen nach Kriegsende seien aber
hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Straw ging nicht auf den Führungswechsel in der von den USA
geführten Zivilverwaltung ein. Deren neuer Verantwortlicher würdigte am Montag trotz aller Kritik die Arbeit seines
Vorgängers, des ehemaligen Generals Jay Garner. Garner habe sehr effektiv den Nachkriegsaufbau begonnen, sagte
Bremer. Er habe zudem vor, "mit ihm in den nächsten Wochen zusammenzuarbeiten, um eine Reihe von
beträchtlichen Fortschritten zu erzielen." Damit trat er Gerüchten entgegen, Garner werde den Irak bald verlassen.
Die US-Truppen im Irak haben offenbar zwei weitere Gefolgsleute
des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein in Gewahrsam. Nach CNN-Angaben
nahmen sie den früheren Stabschef der irakischen Armee, Ibrahim el Tikriti, fest. Er
ist die Nummer elf auf der Liste der am meisten Gesuchten. Zuvor hatte das
US-Hauptquartier in Katar bestätigt, dass die Leiterin des irakischen
Biowaffenprogramms, Rihab Taha, in Gewahrsam sei. Sie erlangte unter dem
Pseudonym «Dr. Bazillus» einige Bekanntheit.
Die Absolventin der britischen Universität von East Anglia ist mit dem früheren irakischen
ölminister Amir Muhammed Raschid verheiratet. Dieser hatte sich am 28. April den US-Truppen gestellt.
Die USA haben dem Irak vorgeworfen, große Mengen verbotener biologischer und chemischer Waffen angehäuft zu
haben und unter anderem damit den Krieg gegen den Golfstaat begründet. Bislang haben US-Suchteams keine
derartigen Waffen gefunden.
Erst vor wenigen Tagen hatten US-Streitkräfte die irakische Mikrobiologin Huda Salih Mahdi Ammasch gefangen
genommen, die von westlichen Journalisten den Namen "Frau Milzbrand" erhalten hat. Ammasch soll ebenfalls
maßgeblich an der Entwicklung irakischer Waffenprogramme nach dem Golfkrieg 1991 beteiligt gewesen sein.
Frankreich hat seine Bereitschaft zu Gesprächen über die von den USA angestrebte Aufhebung der
Irak-Sanktionen bekräftigt, zugleich aber zahlreiche Nachbesserungen in dem entsprechenden Resolutionsentwurf
gefordert.
"Dieser Text ist ein Anfang", sagte Außenminister Dominique de Villepin der Zeitung "Le Monde" in einem am Montag
veröffentlichten Interview mit Blick auf den Entwurf. Die USA hatten den Entwurf mit Unterstützung Großbritanniens und
Spaniens am Freitag im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) vorgelegt. "Wir werden Vorschläge machen, die auf
eine rasche Lösung abzielen", fügte der französische Minister hinzu.
Villepin forderte unter anderem klare Regeln für den Umgang mit Einnahmen aus
den irakischen ölexporten, mit denen die USA den Wiederaufbau des Golfstaats
finanzieren wollen. Die Verwaltung der Gelder müsse einem "unumstrittenen
internationalen Gremium" unterstellt werden, sagte er. Der Resolutionsentwurf sieht
vor, dass die ölgelder in einen "Irakischen Hilfsfonds" eingezahlt werden, in dem die
UNO eine beratende Rolle übernimmt. über die Verwendung des Geldes sollen dem Entwurf
zufolge jedoch die USA gemeinsam mit Großbritannien in Konsultation mit einer irakischen
übergangsverwaltung entscheiden.
Villepin forderte zudem eine klarer definierte Rolle für einen
UNO-Koordinator im Irak. Der vorliegende Entwurf sei an dieser
Stelle zu ungenau, bemängelte er. Die UNO solle allmählich die
Kontrolle über den politischen übergangsprozess im Irak
übernehmen, wie sie dies in Afghanistan und im Kosovo getan
habe, sagte Villepin. Zudem sei es notwendig, rasch eine
legitime irakische Regierung zu etablieren, auch wenn diese nur
für einen übergang im Amt sein werde.
Nach Ansicht Villepins soll die Resolution darüber hinaus alle
drei Monate von der UNO überprüft werden. Der von den USA
vorgelegte Entwurf sieht dagegen eine überprüfung erst nach einem Jahr vor. Frankreich gehörte gemeinsam mit
Russland, Deutschland und China zu den wichtigsten Gegnern des US-geführten Irak-Krieges.
Die britische Entwicklungshilfeministeri Clare Short ist aus Protest gegen die Irak-Politik von
Premierminister Tony Blair von ihrem Amt zurückgetreten.
In ihrem Rücktrittsschreiben warf die Politikerin Blair am
Montag vor, Zusagen über eine führende Rolle der Vereinten
Nationen (UNO) im Nachkriegs-Irak gebrochen zu haben. Das
Büro Blairs teilte mit, die Staatssekretärin im Außenministerium, Baroness Amos,
werde Short ersetzen. Short galt als eine der schärfsten Kritikerinnen der Irak-Politik
der Regierung und hatte bereits vor Kriegsbeginn Blairs Politik
als rücksichtslos kritisiert und mit Rücktritt gedroht.
Trotz der Meinungsunterschiede vor dem Irak-Krieg sei sie in der Regierung Blairs
geblieben, um die Wiederaufbaubemühungen des irakischen Volkes zu
unterstützen, schrieb Short. "Leider sind die Zusicherungen, die Sie mir über die
Notwendigkeit eines UNO-Mandats für den Aufbau einer legitimen irakischen
Regierung gegeben haben, gebrochen worden", hieß es in dem Schreiben weiter.
Blairs Amt teilte mit, die Ministerin habe den Regierungschef am Morgen angerufen,
um ihn von ihrer Entscheidung zu unterrichten. Vor dem Krieg war bereits der
Geschäftsführer der Regierung im Parlament, der frühere Außenminister Robin
Cook, aus Protest gegen Blairs Kriegskurs von seinem Kabinettsposten
zurückgetreten.
Polen will sich bei der NATO um Unterstützung für eine von der polnischen Armee
angeführte Friedenstruppe im Irak bemühen.
Die NATO könne bei der operationellen Planung, beim
Aufbau von Kommunikationssystemen und bei der
Aufklärung helfen, sagte Verteidigungsminister Jerzy
Szmajdzinski am Montag im polnischen Rundfunk. Polen
soll nach US-Plänen die Führung einer 7000 Mann starken
Friedenstruppe in einer der geplanten Besatzungszonen im
Irak übernehmen. Szmajdzinski wies Berichte zurück, Polen
erwäge, die angetragene Führungsrolle auszuschlagen, weil dem Land die Erfahrung
und die Mittel für eine solche Aufgabe fehlten. Deutschland und Dänemark hatten
sich zurückhaltend zu polnischen Vorschlägen geäußert, Teile des
deutsch-polnisch-dänischen NATO-Korps im Irak einzusetzen.
Szmajdzinski sagte, Deutschland habe abgelehnt, da die deutsche Regierung
zunächst Einzelheiten über eine UNO-Resolution zur Friedenssicherung im Irak
benötige. Polen strebe zwar ein UNO-Mandat für die Friedenstruppen an. Aber auch
ohne ein solches Mandat "muss die Mission fortgesetzt werden, weil wir das
irakische Volk nicht erst befreien und dann einfach sagten können: 'weil es keine
Resolution gibt, ziehen wir ab und lassen die Dinge wie sie sind." Polen selbst will
1500 Soldaten für die geplante Friedenstruppe stellen.
Polen soll nach Szmajdzinskis Angaben eine Zone übernehmen, die zwischen
Bagdad und der südirakischen Stadt Basra liegt. Die übertragung einer Militärzone
gilt als Würdigung der polnischen Unterstützung der US-Politik im Irak.
Jordanien soll nach Angaben von Regierungsvertretern von den
USA 700 Millionen Dollar zum Ausgleich für Schäden erhalten, die durch den Krieg
im benachbarten Irak entstanden sind.
US-Außenminister Colin Powell werde ein entsprechendes Dokument zur Freigabe
der Mittel am Dienstag während seines Besuchs in Amman unterzeichnen, hieß es
in den Kreisen. Zusätzlich werde Powell ein seit 1997 aufgeschobenes
Investitions-Schutzabkommen mit Jordanien unterschreiben. Dieses soll US-Firmen
in Jordanien einen besseren Schutz gewähren und Investitionen in Unternehmen
fördern, die zollfrei auf den lukrativen US-Markt exportieren.
"Diese Hilfe ist ein Zeichen der Anerkennung für unsere Rolle (im Irak-Krieg). Sie ist zur
Verminderung der durch den Krieg im Irak verursachten wirtschaftlichen Schäden in
Jordanien gedacht", sagte ein Mitarbeiter der Regierung.
Das Königreich selbst schätzt,
dass seiner von ausländischer Hilfe abhängigen Wirtschaft durch den Irak-Krieg und dadurch verlorene
Geschäftsmöglichkeiten sowie die seit Beginn der Kampfhandlungen im März unterbrochenen Lieferungen billigen
irakischen öls Schäden in Millionenhöhe entstanden sind. Jordanien hat den von den USA angeführten Angriff, der
zum Sturz von Saddam Hussein führte, diskret unterstützt. Wegen des starken öffentlichen Widerstandes hatte sich
König Abdullah zwar öffentlich vom Krieg distanziert, zugleich aber US-Spezialeinheiten den Zugang zum West-Irak
über jordanisches Gebiet ermöglicht.
Die 700 Millionen Dollar sind Teil eines Hilfspakets über 1,1 Milliarden Dollar für den engen US-Verbündeten, dessen
Staatsgebiet eingeschlossen zwischen Israel im Westen und Irak im Osten liegt. Von der Gesamtsumme sind 400
Millionen Dollar für Militärhilfe bestimmt. Das Geld erhält Jordanien zusätzlich zu jährlichen Hilfen der USA über 450
Millionen Dollar. Jordanien ist zudem das einzige arabische Land mit einem Freihandelsabkommen mit den USA.
Das Paket für Jordanien ist Teil eines Hilfsprogramms über acht Milliarden Dollar für die Verbündeten der USA in der
Region. Dazu zählen auch ägypten, Afghanistan, Israel und Pakistan.
Mit Hilfe der USA hat sich Jordanien zudem für drei Monate kostenlose öllieferungen aus Saudi-Arabien, Kuwait und
den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gesichert. Diese sollen die Lieferausfälle aus dem Irak ausgleichen.
(Quellen: rtr, dpa, ap)
«USA erfasst Biometrie-Daten von Kriegsgefangenen»
Mehr unter:
«Eine wachsende Zahl von US-Kommunen verabschiedet
Resolutionen, die sich gegen die Antiterrorgesetze zur Wehr
setzen und die eigenen Strafverfolgungsbehörden auffordern, sich
den Forderungen von Justizministerium und FBI im Rahmen des
"Patriot Act" zu verweigern. über einhundert US-Städte haben
bislang solche Erklärungen veröffentlicht»
«Die kalifornische Stadt Arcata ging noch einen Schritt weiter. Der
Ort mit 16.000 Einwohnern - immer schon an vorderster Front,
wenn es um Resolutionen gegen Bushs Klimaschutzpolitik und den
Irakkrieg ging - verabschiedete als erste Kommune in den USA eine
Verordnung, die die Befolgung der im "Patriot Act" festgelegten
Maßnahmen verbietet. Der Beschluss werde selbst von der
örtlichen Polizei und Staatsanwaltschaft mitgetragen. Er verlangt
von allen Stadtbediensteten, dass sie jede Anfrage im Rahmen der
Antiterrorgesetze an den Stadtrat zur Entscheidung weiterleiten
müssen. Bei Nichtbefolgung drohen 57 Dollar Strafe. Damit
verstößt Arcata selbst gegen die US-Verfassung. Diesen Verstoß
habe man jedoch bewusst provoziert, sagt Stadtratsmitglied David
Meserve, um die Debatte über den "Patriot Act" zu forcieren (...)
Unbeirrt davon arbeitet das US-Justizministerium an der weiteren
Verschärfung der bestehenden Antiterror-Regelungen, dem so
genannten "Patriot Act II". Kein einziger Kongressabgeordneter,
selbst die Mitglieder der Justizausschüsse, haben den Entwurf
bislang gesehen. Einige Vorstellungen daraus sind jedoch bekannt
geworden (siehe Kasten rechts). Selbst Republikaner zeigten sich
über die Tragweite erbost. Der konservative Abgeordnete Ron Paul
aus Texas ist "alarmiert" und warnt: "Das neue Gesetz gefährdet
die Freiheiten jedes US-Bürgers und zerstört die konstitutionellen
Grundlagen unserer Republik anstatt den Terrorismus effektiv zu
bekämpfen."» (Aus der "tageszeitung" vom 13.05.03)
Mehr über die Auswirkungen der seit dem "11. September" in den USA geltenden Antiterrorgesetze unter:
Patriot Act I
Patriot Act II
Blick ins Archiv:
«überwachungsmonster USA - Die Bürgerrechtsorganisation "American Civil Liberties Union" (ACLU) [http://www.aclu.org/] warnt vor der jetzt technisch
möglichen Realisierung einer totalen überwachungsgesellschaft und einer weiteren Erosion des Schutzes der Privatstphäre»
Mehr unter:
Dutzende US-Bürger bei Anschlagsserie in Riad verletzt
Di.13.05.03 - Wenige Stunden vor dem Besuch von US-Außenminister
Colin Powell in Saudi-Arabien sind bei einer Anschlagsserie in der Hauptstadt
Riad mindestens 44 US-Bürger verletzt worden. Bei drei schweren Explosionen
vor Wohn- und Geschäftsanlagen westlicher Ausländer im
Ostteil der Stadt waren am Montagabend nach Angaben
aus Krankenhäusern und laut Zeugenaussagen mehr als 50 Menschen verletzt
worden. Laut Augenzeugen wurden mindestens drei Menschen getötet. Die
Anschläge hätten "alle Kennzeichen der El Kaida", sagte US-Außenminister Colin
Powell bei seinem Besuch in der jordanischen Hauptstadt Amman.
Einige der verletzten US-Bürger seien in einem kritischen Zustand, andere durch
herumfliegende Glassplitter nur leicht verletzt worden, sagte ein Vertreter der
US-Botschaft. Angaben über tote US-Bürger gebe es bislang nicht. Die japanische
Regierung teilte mit, dass unter den Verletzten auch drei Japaner seien.
Bei den Toten handele es sich um einen Libanesen, einen Saudiaraber und einen
westlichen Ausländer, sagten Zeugen. Ein Krankenhaus gab die Zahl der eingelieferten
Verletzten mit mindestens 50 an. Vier weitere Krankenhäuser
teilten mit, dass sie ebenfalls Verletzte aufgenommen hätten.
Zeugenaussagen zufolge brach in der Wohnanlage El Hamra im
Ostteil der Stadt nach der Explosion Feuer aus. Vor und nach
den Detonationen seien Schüsse zu hören gewesen. Bewaffnete
hätten die Wächter der Anlage beschossen, bevor sie mit ihrem
Auto auf das Gelände gefahren seien und es dort in die Luft
gejagt hätten, sagte ein Zeuge der Nachrichtenagentur AFP. Ein Restuarant
und ein Freizeitcenter seien in Flammen aufgegeangen. Der saudiarabische
Satellitensender El Arabija berichtete von zahlreichen Brandverletzten, die in
Krankenhäuser transportiert worden seien.
Die beiden anderen Sprengsätze seien gegen Firmensitze ebenfalls im Osten der Stadt gerichtet gewesen, sagten
Augenzeugen und ein Angehöriger der saudischen Sicherheitskräfte. Eine Bombe explodierte demnach vor einer
Wohn- und Geschäftsanlage, in der die US-Firma Venyl eine Repräsentanz besitzt. Das Unternehmen berät die
saudische Nationalgarde unter Kronprinz Abdullah. Ein dritter Sprengsatz habe vermutlich einer Firma namens Sianco
gegolten, die ebenfalls im Umfeld der Nationalgarde angesiedelt sei und ausländische Experten beschäftige.
Eine Sprecherin des US-Außenministeriums sagte, die Reise Powells werde durch die Anschläge nicht beeinflusst.
Washington rate US-Bürger in Saudi-Arabien, ihre Häuser nicht zu verlassen. In Saudi-Arabien wohnen und arbeiten
etwa 40.000 US-Bürger.
(Quelle: afp)
Powell: Israelis haben Nahost-Friedensplan noch nicht «akzeptiert»
Di.13.05.03 - Der amerikanische Außenminister Colin Powell hat eingeräumt, dass Israel den
gemeinsamen Friedensplan der USA, der EU, Russlands und der Vereinten Nationen noch
nicht akzeptiert hat. "Die israelische Seite hat das Wort 'akzeptiert' nicht benutzt",
sagte Powell am Montag nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak
in Kairo. Ministerpräsident Ariel Scharon habe aber einige positive Schritte angekündigt.
Wichtig sei jetzt, dass beide Seiten direkte Gespräche aufnähmen. Ein Treffen
zwischen Scharon und dem palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas
sei "in naher Zukunft" geplant.
Der ägyptische Außenminister Ahmed Maher sagte: "Das Wort 'akzeptiert' ist nicht
so schwer auszusprechen". Schließlich hätten sich die Palästinenser schon bereit
erklärt, den Friedensplan des so genannten Nahost-Quartetts anzunehmen. Der
Plan sieht unter anderem einen Stopp des Siedlungsbaus vor sowie einen Abbau
von Außenposten, die ohne Genehmigung der israelischen Regierung errichtet
wurden. Mehrere arabische Regierungschefs und Politiker hatten den USA in den
vergangenen Tagen vorgeworfen, sie übten nicht genügend Druck auf Scharon aus.
(Quelle: dpa)
Scharon schließt Siedlungsstopp aus
Di.13.05.03 - Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon lehnt den
von US-Außenminister Colin Powell und im Nahost-Friedensplan geforderten Stopp des
Siedlungsbaus in den Palästinensergebieten ab. Wie aus Scharons Büro in Jerusalem
verlautete, bestand der Regierungschef am Vortag gegenüber Powell auf der
"natürlichen Ausdehnung" der Siedlungen. Die israelische Armee riegelte den
Gazastreifen nur wenige Stunden nach seiner öffnung während des Powell-Besuchs
wieder vollständig ab und tötete im südlichen Teil des Gebiets drei Palästinenser.
Powell spielte Israels ablehnende Haltung zum Nahost-Friedensplan herunter.
Scharon sagte seinem Büro zufolge, Israel werde der "Zierde seiner Jugend" nicht
verbieten, in den bereits bestehenden Siedlungen Häuser zu bauen". "Würden Sie
wollen, dass wir die Bewohnerinnen der Siedlungen zu Abtreibungen zwingen?", fragte
Scharon Powell zudem laut einem seiner Mitarbeiter. Bei einem kurzen Treffen
des Nahost-Quartetts in Jerusalem vor seiner Weiterreise nach
ägypten sagte Powell, die Umsetzung des Friedensplans dulde keinen weitere Aufschub.
Aus "Sicherheitserwägungen" sei der gesamte Gazastreifen bis
auf weiteres abgeriegelt, sagte ein Armeesprecher am Morgen. Rund 15.000 palästinensische Arbeiter sind von dieser
Maßnahme betroffen. Erst am Sonntag war ihnen wieder erlaubt worden, ihrer Arbeit in Israel nachzugehen.
Zuvor hatten Soldaten beim Einmarsch in die Stadt Rafah im südlichen Gazastreifen zwei Mitglieder der
El-Aksa-Märtyrer-Brigaden getötet. Diese bestehen aus militanten Mitgliedern der Fatah-Bewegung von
Palästinenserpräsident Jassir Arafat und Regierungschef Mahmud Abbas.
Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana führte zum Auftakt seiner Nahostreise Gespräche mit Mubarak und dessen
Außenminister Ahmed Maher in Kairo. Weitere Stationen der Reise sind Jordanien, Saudi-Arabien, Israel, die
Palästinensergebiete, Syrien und Libanon. Solana kündigte an, dass er im Gegensatz zu Powell auch mit Arafat
zusammentreffen werde. (Quelle: afp)
Rice: USA wollen über Nahost-Friedensplan nicht verhandeln
Di.13.05.03 - Der neue Nahost- Friedensplan ist den Worten von US-Sicherheitsberaterin
Condoleezza Rice zufolge nicht verhandelbar.
Anmerkungen zu der Initiative seien zwar willkommen, aber "wir
wollen keine Zeit aufwenden, über den Friedensfahrplan zu
verhandeln", sagte Rice am Montag der Nachrichtenagentur
Reuters. Die Initiative sei ein Weg, die Vision von Präsident George
W. Bush von zwei friedlich nebeneinander existierenden Staaten
umzusetzen. Die USA würden Israelis und Palästinenser dazu
drängen, mit der Umsetzung der Initiative zu beginnen, sagte Rice.
Mit dem von den USA erfolgreich betriebenen Sturz des irakischen Präsidenten
Saddam Hussein habe sich eine gute Gelegenheit eröffnet, die Bush zu nutzen
entschlossen sei.
Rice sagte, Bush werde beide Seiten auffordern, sich eher zu fragen, was sie selbst
für den Frieden tun könnten "und sich weniger darüber zu sorgen, was der andere
gerade macht".
Die gemeinsam von den USA, der Europäischen Union (EU), den Vereinten
Nationen (UNO) und Russland vorgelegte Initiative sieht die Schaffung eines
palästinensischen Staates bis 2005 vor. Israel wird aufgefordert, den Bau jüdischer
Siedlungen zu stoppen und die Außenposten von Siedlungen aufzulösen. Von den
Palästinensern unter dem neuen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas wird verlangt,
die militanten Gruppen zu zerschlagen, die für zahlreiche Selbstmordanschläge gegen Israelis verantwortlich sind.
(Quelle: rtr)
«Die Angst der Palästinenser vor dem Mini-Staat»
Di.13.05.03 - Er steht im Zentrum des mit großen Hoffnungen verbundenen
Fahrplans für den Frieden im Nahen Osten: der Staat Palästina. Der
«palästinensische Staat in provisorischen Grenzen» unterscheidet diese
Friedensinitiative von vorangegangenen, stößt bei den Palästinensern jedoch nicht
nur auf Zustimmung. Kritiker befürchten, ein «Mini-Palästina» könnte zum
Dauerzustand werden und die Welt das Schicksal ihres Volkes vergessen lassen.
«Wir fürchten, wir werden in diesem Stadium gefangen sein», sagte der
palästinensische Arbeitsminister Ghassan Chatib. Diese Ansicht teilten
auch die meisten seiner Kabinettskollegen. Die internationalen Vermittler, die
den Friedensplan entwarfen, hoffen hingegen, den Palästinensern mit der
Schaffung eines provisorischen Staates ein Gefühl des Fortschritts in den
Verhandlungen vermitteln zu können. Die Palästinenser sollen internationale
Anerkennung erhalten und möglicherweise Mitglied der
Vereinten Nationen werden. Israel soll im Gegenzug erfahren, dass es von einem
palästinensischen Staat nichts zu befürchten hat.
Die israelische Regierung nahm den Plan wenig enthusiastisch auf. Ministerpräsident Ariel Scharon stellte in den
vergangenen Tagen eine neue Bedingung auf. Er werde einem provisorischen Staat nicht zustimmen, bis die
Palästinenser ihre Forderung nach einer Rückkehr der rund vier Millionen Flüchtlinge und ihrer Angehörigen fallen
ließen, sagte Scharon. Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas wies diese Forderung umgehend
zurück.
Der so genannte Fahrplan für den Frieden ist in der Frage des provisorischen palästinensischen Staates äußerst vage
formuliert. Es heißt jedoch, der Staat solle bis Ende 2003 durch eine internationale Konferenz beschlossen werden.
Die Grenzen sind noch nicht festgelegt, nach dem Plan sollen die Palästinenser aber zusätzlich zu den derzeit von
ihnen kontrollierten Gebieten weiteres Territorium erhalten. Derzeit besteht das palästinensische Gebiet auch aus
stark isolierten Gegenden. Der Plan fordert Israel auf, zur «maximalen territorialen Kontinuität» beizutragen.
Dies könnte auch den Abbau von jüdischen Siedlungen bedeuten. Aus Diplomatenkreisen verlautete, Israel müsse
mindestens 15 Siedlungen vollständig räumen. Der palästinensische Politikwissenschaftler Chalil Schikaki geht davon
aus, dass die Palästinenser 68 Prozent des Westjordanlands und den gesamten Gazastreifen benötigen, um ihr
Territorium zu verbinden. Scharon wird sich jedoch kaum bereit erklären, einen so großen Teil des Westjordanlands
schnell aufzugeben. Es wird daher damit gerechnet, dass die Palästinenser in einer übergangslösung zunächst die
Hälfte des Westjordanlands erhalten.
Ein palästinensischer Unterhändler erklärte, er befürchte, dass zu viel Zeit mit den Verhandlungen über vorläufige
Grenzen verschwendet werde. Beide Seiten sollten sich daher auf die Ziehung der endgültigen Grenzen konzentrieren.
Der frühere israelische Justizminister Jossi Beilin, einer der Chefunterhändler der einstigen Friedensvereinbarungen,
glaubt, dass Scharon die Idee der vorläufigen Grenzen in den Friedensplan einbrachte. «Die Scharon-Idee ist kein
provisorischer Staat, sondern ein kleiner Staat», sagte Beilin.
Ein Staat in vorläufigen Grenzen würde den Vereinbarungen zur palästinensischen Autonomie ähneln, die vor dem
Ausbruch der neuerlichen Gewalt im September 2000 galten. Seit der Gründung der Autonomiebehörde verfügen die
Palästinenser über eine eigene Regierung und eine 40.000 Mann starke Sicherheitstruppe. Der Hauptunterschied zu
früheren Vereinbarung wäre damit symbolisch: Israel würde endgültig einen palästinensischen Staat anerkennen. In
zukünftigen Friedensgesprächen wären die Palästinenser damit ein gleichwertiger Partner.
Trotz aller Einschränkungen bezeichnet der Politikwissenschaftler Schikaki einen provisorischen Staat als
wahrscheinlich einzigen Weg zum Frieden. «Wir können uns entweder weiter gegenseitig töten, oder wir können ein
Abkommen schließen, das uns auf den Weg bringt.»
(Quelle: ap)
«Rund 200 ausländische Friedensaktivisten der ISM setzen sich in Gaza für die Rechte der Palästinenser und gegen die israelische Besatzung ein»
Mehr unter:
Blick ins Archiv:
Der «Fahrplan» zum Nahost-Frieden (Nahost-Friedensplan)
Neues Blutvergießen in Ostkongo
Di.13.05.03 - Neue Stammeskämpfe haben am Montag die Menschen in der nordostkongolesischen
Stadt Bunia terrorisiert. Nach dem Massaker der vergangenen Tage seien die Krieger vom Volksstamm
der Lendu nun vertrieben worden, sagte UN-Sprecherin Patricia Lome in Kongos Hauptstadt Kinshasa.
Kämpfer des Hema-Stammes hätten die Milizen am frühen Morgen mit einer Artillerie-Offensive überrascht.
Die Lendu hatten Bunia vergangene Woche eingenommen und eine
Welle des Blutvergießens ausgelöst. Mindestens 32 Zivilisten wurden ermordet,
Tausende mussten fliehen.
Auf den Straßen der Stadt wurden nach UN-Angaben zahlreiche Leichen gefunden,
darunter auch Babys. Vertreter der UN-Mission für Kongo (Monuc) hatten bei dem
Blutbad nicht eingegriffen. Sie versuchten vergeblich, die Buschkämpfer in
Versorgungslager außerhalb der Stadt zu lotsen.
Hilfsorganisationen setzten am Montag den Abzug ihrer Mitarbeiter aus der
Unruheregion Ituri nahe der ugandischen Grenze fort. Die Deutsche Welthungerhilfe
brachte rund 60, hauptsächlich örtliche Helfer und ihre Familien in Sicherheit,
erklärte Sprecherin Iris Rolfing in Goma.
In den Kämpfen zwischen den Hema und den Lendu kamen bereits Hunderte
Menschen ums Leben, zehntausende wurden vertrieben. Ein im März
geschlossenes Friedensabkommen für die Konfliktparteien der Region ist seitdem
mehrfach gebrochen worden. Kongos Präsident Joseph Kabila drängte die
gegnerischen Milizgruppen zu Verhandlungen.
Nach einem Appell von UN-Generalsekretär Kofi Annan sollte die Situation im Nordosten des zentralafrikanischen
Landes am Montag im Weltsicherheitsrat erörtert werden. Südafrika kündigte bereits an, es werde die UN zu
"aggressiverem Auftreten" drängen. (Quelle: dpa)
Mindestens 47 Tote bei Bombenanschlag in Tschetschenien
Di.13.05.03 - Bei einem schweren Bombenanschlag in Nordtschetschenien auf
Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes sind am Montag mindestens 47
Menschen getötet und rund 110 verletzt worden. 57 der Verletzten befänden
sich in ernstem Zustand, erklärte Generalmajor Ruslan Awtajew. Die Behörden machten
tschetschenische Rebellen für den Anschlag verantwortlich. Der russische Präsident Wladimir Putin
sprach von einem Versuch, eine politische Lösung in dem
mehr als dreieinhalb Jahre währenden Krieg zu verhindern.
Bei den meisten Opfer handelte es sich um Regierungsarbeiter, es waren aber auch sechs Kinder
darunter, wie die Behörden mitteilten. Bei dem Anschlag wurde ein mit Sprengstoff beladener
Lastwagen in einem Verwaltungsviertel des Ortes Snamenskoje in die Luft gesprengt. Die Bombe
habe die Stärke von 1,2 Tonnen TNT gehabt und einen zweistöckigen Wohnblock sowie sechs
einzelne Häuser völlig zerstört, hieß es. Die Explosion hinterließ einen fünf Meter tiefen und zehn
Meter breiten Krater.
Der stellvertretende
Generalstaatsanwalt Sergej Fridinsky sagte, drei Selbstmordattentäter hätten den Anschlag verübt, darunter auch
eine Frau.
Putin bezeichnete den Anschlag als einen Versuch von Terroristen, die Bemühungen um einen Frieden in
Tschetschenien zu sabotieren. "Wir können und werden das nicht zulassen", sagte der Präsident dem Kabinett. Er
wies den Generalstaatsanwalt und die Sicherheitsdienste an, ihn über die Ermittlungen zu informieren.
Der russische Minister für Tschetschenien, Stanislaw Iljasow, lehnte eine Verstärkung der russischen Truppen in der
Republik ab. Auch mit einer großen Zahl von Soldaten könnten terroristische Anschläge nicht verhindert werden, sagte
er. Die Terrorbekämpfung sei Sache der Geheimdienste. Derzeit sind in Tschetschenien mehrere zehntausend
russische Soldaten stationiert.
Der Norden Tschetscheniens gilt noch als stabilste Region der Kaukasusrepublik, in der russische Truppen seit 1999
Krieg gegen die Separatisten führen. Erst im Dezember wurde der Sitz der von Russland eingesetzten Regierung in
der Hauptstadt Grosny Ziel eines blutigen Anschlags: Tschetschenische Extremisten stießen mit Lastwagen auf das
Gebäude vor und brachten eine halbe Tonne Sprengstoff zur Explosion. Mindestens 70 Menschen wurden getötet.
(Quelle: ap)
«ärzte ohne Grenzen: Menschenrechtssituation in der Kaukasusrepublik Tschetschenien verschlechtert sich immer weiter»
Mehr unter:
Hintergründe zum Tschetschenien-Konflikt
Nordkorea annulliert Abkommen über atomwaffenfreie Zone
Di.13.05.03 - Nordkorea hat eine 1992 geschlossene übereinkunft mit Südkorea über
eine atomwaffenfreie Zone für nichtig erklärt. "Die Vereinbarung über eine
atomwaffenfreie koreanische Halbinsel ist wegen der bösen und feindlichen Politik
der USA gegenüber Nordkorea annulliert worden", berichtete die amtliche
nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Montag.
Solange die USA diese Politik fortsetzten, sei das Abkommen lediglich eine
"Illusion", hieß es weiter. Nordkorea werde deshalb seine militärische Schlagkraft
weiter verstärken. Pjöngjang und Seoul hatten sich im Januar 1992 dazu verpflichtet,
auf Kampfhandlungen zwischen beiden Staaten sowie auf die Entwicklung und Stationierung
von Nuklearwaffen verzichten zu wollen. Im Januar hatte das kommunistische Land seinen
Ausstieg aus dem Atomwaffensperrvertrag bekannt gegeben. Nordkorea wies zudem die Kontrolleure
der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.
Eine Sprecherin des südkoreanischen Präsidenten Roh Moo Hyun äußerte die Vermutung, die neuerliche Drohung
könne ein Verhandlungstrick nach den Gesprächen mit US-Regierungsvertretern vom vergangenen Monat sein. Derzeit
hält sich Roh zu einem einwöchigen Besuch in den USA auf. Seine Gespräche sollen vor allem einer friedlichen
Lösungen der Krise dienen. Für Mittwoch ist ein Treffen mit US-Präsident George W. Bush geplant.
Nordkorea hat nach US-Angaben im Oktober vergangenen Jahres die Arbeit an einem geheimen Atomprogramm
eingestanden, woraufhin die USA kein öl mehr an Nordkorea lieferten. Die Regierung in Pjöngjang wirft den USA vor,
einen Angriffskrieg zu planen. Der Konflikt um das Atomprogramm ist dabei nach Darstellung Nordkoreas nur der
Vorwand für eine Invasion.
(Quelle: ap)
SARS: In Taiwan steigt die Zahl der Erkrankungen dramatisch
Di.13.05.03 - Die SARS-Krise spitzt sich weiter zu. In Taiwan
wurden acht neue Todesfälle und 23 Neuerkrankungen gemeldet.
Das ist der steilste Anstieg seit Ausbruch der Lungenkrankheit vor
zwei Monaten. 8.000 Personen wurden unter Hausarrest gestellt,
die Behörden installierten Videokameras, um die
Quarantänemaßnahmen zu überwachen.
Die Zahl der Infizierten in China kletterte gestern auf mehr als
5.000. Leichte Entspannung wurde hingegen aus Honkong
gemeldet. Mit drei neuen Todesfällen und fünf Neuinfektionen lagen
die Zahlen am neunten Tag in Folge im einstelligen Bereich. Die
WHO erwägt daher eine Prüfung ihrer Reisewarnung für die
chinesische Sonderzone.
Erstmals gibt es auch in Finnland einen ernsten Verdachtsfall. Der
erste Test des Erkrankten war negativ, der zweite positiv. Für die
WHO gilt die Krankeit erst dann als bestätigt, wenn auch der dritte
Test positiv ausfällt. (Quelle: ap)
Europäer im Verzug mit Weltklima-Verpflichtungen
Di.13.05.03 - Die Emissionen der Treibhausgase sind in der EU im Jahr 2001
erneut gestiegen. Wie die Europäische Umweltagentur (EUA) in
Kopenhagen über die jüngsten verfügbaren Daten berichtete, nahm
der Ausstoß der Gase 2001 gegenüber dem Vorjahr um ein
Prozent zu. Hauptgründe waren der kalte Winter und mehr Verkehr.
Für Deutschland meldete die EUA einen Anstieg um 1,2 Prozent.
Gemessen am Referenzjahr 1990 lagen die Emissionen 2001 um
2,3 Prozent niedriger. Im Weltklima-Protokoll von Kyoto hatte die
EU zugesagt, ihre Emissionen bis zum Zeitraum 2008 bis 2012 um
acht Prozent gegenüber 1990 zu senken.
Zehn der 15 Mitgliedstaaten hätten ihren vereinbarten Anteil am Stabilisierungsziel
für Treibhausgase bei Weitem nicht erfüllt, so die Agentur. Dies treffe auf
österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Griechenland, Irland, Italien, die
Niederlande, Portugal und Spanien zu. In österreich und Finnland seien dafür auch
geringere Regenfälle verantwortlich gewesen, wodurch die Wasserkrafterzeugung in
beiden Ländern abnahm und beide Länder stärker auf fossile Brennstoffe für die
Strom- und Wärmeerzeugung zurückgriffen. Irland, Spanien und Portugal seien am
weitesten davon entfernt, ihren Anteil am EU-Ziel zu erfüllen.
Irlands Emissionen lagen im Jahr 2001 um 31 Prozent über dem Stand von 1990
und damit mehr als doppelt so hoch als der bis zur Zielperiode 2008/2012 zugestandene Zuwachs von 13 Prozent.
Von allen Mitgliedstaaten verzeichnet Luxemburg die größte prozentuale Senkung der Treibhausgas-Emissionen,
nämlich um 44 Prozent seit 1990. Deutschland, der größte Treibhausgas-Emittent, hat im Kyoto-Protokoll bis zur
Zielperiode einen Senkung um 21 Prozent zugesagt. Der größte Teil dieser Zusage ist bereits eingelöst: 2001 lagen
die deutschen Emissionen laut Umweltagentur schon um gut 18 Prozent unter dem Stand von 1990.
Die EUA wird die Analyse über Emissionszahlen und Trends sowie aktuelle Prognosen für 2010 im Herbst
dieses Jahren publizieren. Der aktuelle Bericht findet sich zum Download unter:
Blick ins Archiv:
«Jenseits von Kyoto»
«..Mit 993 Millionen Tonnen Emissionen im Jahr 2001 ist Deutschland zwar noch immer der größte Klimaverschmutzer in der gesamten EU, der Ausstoß wurde gegenüber
1990 aber bereits um 18% vermindert und nähert sich so der von der Bundesregierung angepeilten Marke von 21% bis 2010.
Kritische Stimmen wie die vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung schreiben diese positive Tendenz allerdings nicht
allein einer fortschrittlichen Umweltpolitik zu, und sie halten auch das deutsche Sonderziel, die CO2-Emissionen bis 2005 um
volle 25% zu senken, für schlichtweg utopisch. Das DIW konstatierte deshalb bereits im Februar diesen Jahres:
Um eine Reduktion in dieser Größenordnung zu erreichen, müssten die temperaturbereinigten CO2-Emissionen in
den nächsten drei Jahren jeweils um rund 30 Millionen Tonnen oder um 3,8% reduziert werden. Eine derart hohe
Rate gab es bisher nur einmal Anfang der 90er Jahre als Folge des drastischen wirtschaftlichen Einbruchs in den
neuen Bundesländern. In der Periode von 1991 bis 2002 betrug die jahresdurchschnittliche Emissionsminderung
nur knapp 1%. Vor diesem Hintergrund erscheint die Verwirklichung des für 2005 genannten Zieles als
aussichtslos. Selbst das im Rahmen des europäischen 'burden sharing' vereinbarte Ziel, die
Treibhausgasemissionen bis 2008/2012 gegenüber 1990 um 21 % zu mindern, könnte verfehlt werden, wenn die
klimaschutzpolitischen Anstrengungen nicht konsequent fortgesetzt werden."
Dieser Einschätzung entspricht der aktuelle Bericht der Europäischen Umweltagentur. Schlimmer noch: Er konstatiert im
Vergleich der Jahre 2000 und 2001 auch in Deutschland einen Anstieg der Treibhausgasemissionen um 1,2%.»
(Aus Thorsten Stegemann - "Jenseits von Kyoto", telepolis vom 11.05.03)
UN-Klima-Konvention (1998,
Buenos Aires, COP 4)
Dritter Weltklimagipfel
in Kyoto 1977 (COP 3)
Kyoto 1997 - Vorreiter,
Bremser, Schlupflöcher, Official Summary
Kyoto-Protokoll gefährdet
das Klima
Weitere Links zum Thema "Klima"
"In jeder Hauptstadt und in allen Kommunen sollten die Alarmglocken läuten"
UN-Bericht: Noch in diesem Jahrhundert steht dramatische Klimaveränderung bevor.
UN-Wissenschaftler befürchten weit stärkere Erderwärmung als bisher
angenommen. Der Grad der Klimaveränderung in diesem Jahrhundert ist größer als
der in den vergangenen zehntausend Jahren. Mehr unter:
Mehr als 47.000 kommunale Beschäftigte streiken in Schweden
Di.13.05.03 - In Schweden sind am Montag mehr als 47.000 Beschäftigte von 60
Kommunen in einen einwöchigen Streik getreten. Der um Mitternacht begonnene
Ausstand ist der vierte und größte innerhalb von vier Wochen im öffentlichen Dienst.
An dem Arbeitskampf beteiligen sich sich sowohl Krankenhausmitarbeiter als auch
Angestellte der kommunalen Müllentsorgung.
Am Wochenende waren Gespräche zwischen Schlichtern und den Tarifparteien
erneut ohne Ergebnis geblieben. Die Gewerkschaften fordern eine Lohnerhöhung von
5,5 Prozent, die kommunalen Arbeitgeber wollen nur 3,2 Prozent zahlen. "Es sind
die gleichen Streiks wie zuvor, nur mit einer stärkeren Beteiligung", sagte
Gewerkschaftsvertreter Haakan Pettersson. Unter anderem werde in einigen
Kommunen kein Müll eingesammelt, in sozialen Bereichen würde es zu verkürzten
Arbeitszeiten kommen.
(Quelle: ap)
Streiks in Frankreich gegen geplante Rentenreform
Di.13.05.03 - In ihrem Protest gegen die geplante Rentenreform der
konservativen Regierung haben die französischen Gewerkschaften für heute
(Dienstag) zu einem landesweiten Streik aufgerufen.
Am Dienstag werden sich Gewerkschaftsangaben zufolge die Mitarbeiter von Bahn
und U-Bahn, der öffentlichen Busunternehmen und der Flughäfen beteiligen. Lehrer
lassen den Unterricht ausfallen, Mautstellen an den Autobahnen bleiben unbesetzt
und Stromversorger müssen auf Notfallpläne zurückgreifen. Der Streik wird einer am Montag veröffentlichten Umfrage
zufolge von 60 Prozent der Franzosen unterstützt.
Die staatliche Bahngesellschaft SNCF geht davon aus, dass zwei Drittel aller Züge auf den Hauptstrecken nicht fahren
werden. Paris rechnet damit, dass 90 Prozent aller U-Bahn-Züge und zwei Drittel aller öffentlichen Busse in den
Depots bleiben. Die Fluglinie Air France kündigte an, dass ein Drittel ihrer Kurz- und Mittelstreckenflüge nicht
stattfinden werden. Die Gesellschaft gehe jedoch davon aus, dass die Langstrecken wie geplant geflogen werden
können.
Der Streik wird sich auch auf die Verkehrsverbindungen in die Nachbarländer auswirken. Die deutsche Lufthansa
kündigte an, dass am Dienstag 94 Flüge nach und von Frankreich ausfallen. Davon seien rund 4300 Passagiere
betroffen. Die Deutsche Bahn geht davon aus, dass der Zugverkehr nach Frankreich vollständig zum Erliegen kommt.
Nach dem Willen der Regierung sollen die Franzosen in Zukunft länger als bisher in das staatliche Rentensystem
einzahlen, um einen Anspruch auf eine volle Rente zu erwerben. Bei Beschäftigten des öffentlichen Dienstes soll der
Zeitraum schrittweise von 37,5 auf 42 Jahre angehoben werden, in der Privatwirtschaft von 40 auf 42 Jahre. Damit soll
die Zahlungsfähigkeit des Rentensystems bis 2020 sichergestellt werden.
Vor acht Jahren waren Pläne zu einer umfassenden Reform des Rentensystems am Widerstand der Gewerkschaften
gescheitert. Die Auseinandersetzung schwächte die damalige Mitte-Rechts-Regierung so stark, dass sie kurz darauf
die Wahl verlor.
(Quelle: rtr)
Erneut Streiktag in österreich gegen Rentenreform
Di.13.05.03 - Mit einem weiteren Aktionstag wollen die österreichischen
Gewerkschaften heute gegen die von der Regierung
geplante Rentenreform protestieren. Der österreichische
Gewerkschaftsbund (öGB) rief 100.000 Lehrer zum Streik
auf und kündigte eine Massenkundgebung auf dem
Wiener Heldenplatz an, zu der rund 200.000 Teilnehmer
erwartet werden. Zehn Sonderzüge und rund 1000 Busse sollen die Demonstranten
aus ganz österreich in die Hauptstadt bringen.
Am vergangenen Dienstag hatten die Gewerkschaften mit dem größten Streik seit
über 50 Jahren gegen die geplante Reform protestiert. Die Regierung aus öVP und
FPö will das Rentenalter schrittweise auf 65 Jahre anheben und die Frührente nach
und nach abschaffen. (Quelle:afp)
EU-Kommission pocht auf Einhaltung der Defizitgrenze 2004
Di.13.05.03 - In der Debatte um die gescheiterten deutschen Haushaltsziele pocht die
EU-Kommission auf eine strikte Einhaltung der Defizitgrenze im kommenden
Jahr. "Wir erwarten, dass das Defizit unter drei Prozent (vom Bruttoinlandsprodukt) bleibt",
sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Pedro Solbes am Montag in Brüssel.
Dieses Ziel habe Bundesfinanzminister Hans Eichel
gegenüber der Kommission bestätigt. Die Aussicht, dass Deutschland auch im
laufenden Jahr die Defizit-Grenze von drei Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP)
überschreite, habe in Brüssel nicht überrascht.
Ein überhöhtes Defizit 2003 verstoße nicht gegen die Verpflichtungen, die Berlin bei
der formellen Eröffnung des Brüsseler EU-Strafverfahrens Ende Januar akzeptiert
habe. Die EU-Kommission rechnet im laufenden Jahr mit einer Neuverschuldung von
nominal 3,4 Prozent vom BIP nach 3,6 Prozent im vergangenen Jahr.
Eichel habe Solbes' Vorschlag aufgegriffen, mit den Amtskollegen des Eurolandes
am Montagabend in Brüssel über die Aussichten der deutschen Haushaltspolitik zu
sprechen. Die Sitzung ist eine Routineveranstaltung und schon seit Monaten geplant.
Eichel wird laut EU-Diplomaten mit kritischen Fragen von
Partnern der Euro-Gemeinschaftswährung konfrontiert. "Das wird
lebhafte Diskussionen geben." Im Mittelpunkt der Befürchtungen
stehe das Jahr 2004. Falls es Berlin dann im dritten Jahr in Folge
nicht gelinge, die Neuverschuldung unter drei Prozent vom BIP zu
halten, entstehe "eine kritische Situation", sagte ein Diplomat.
Konkrete Entscheidungen stehen bei der Sitzung nicht an.
Der Sprecher von Solbes sagte, Deutschland müsse die
beabsichtigen Reformen auf den Weg bringen, die zur
Haushaltskonsolidierung beitragen. Berlin sei auf gutem Wege,
die Ende Januar ausgesprochene Vorgabe einzuhalten, das
konjunkturbereinigte Defizit im laufenden Jahr um einem Prozentpunkt zu senken.
Die Pflicht, den Haushalt bis 2006 nahezu auszugleichen, bestehe weiterhin. Die EU-Kommission lege jedoch bei
diesem mittelfristen Ziel auch das konjunkturbereinigte Defizit zu Grunde; der Wert für Deutschland liege im laufenden
Jahr bei etwa 2,5 Prozent. Bei dieser Größe blenden die EU-Statistiker Einflüsse konjunktureller Schwankungen bei
der Neuverschuldung aus. Deutschland müsse von 2004 an das konjunkturbereinigte ("strukturelle") Defizit pro Jahr
um mindestens 0,5 Prozentpunkte senken.
Auf die Frage nach Sanktionen gegen Deutschland sagte der Sprecher: "Der nächste Schritt sind nicht Bußgelder,
sondern detaillierte Empfehlungen (zur Haushaltssanierung) an die Regierung." Im laufenden Strafverfahren wegen
Verletzung des Euro- Stabilitätspaktes drohen in letzter Konsequenz hohe Geldbußen von bis zu 0,5 Prozent des
BIP. Für Deutschland wären das bis zu zehn Milliarden Euro.
(Quelle: dpa)
SPD-Politiker fordern schärferen Reformkurs
Di.13.05.03 - Als Reaktion auf die katastrophale Finanzlage mehren sich in
der SPD Forderungen nach tiefer gehenden Reformen über die
Agenda 2010 hinaus. "Nach der Agenda 2010 ist nicht
Schluss: Sie ist erst der Beginn von notwendigen
Strukturreformen", sagte der Vorsitzende des
Wirtschaftsausschusses des Bundestags, Rainer Wend.
Weiter gehende Reformen forderte auch der frühere Hamburger
Bürgermeister Ortwin Runde (SPD): "Es ist völlig klar, dass es
nicht mit einer einmaligen Kraftanstrengung geht." Die SPD müsse über die
Veränderung der Arbeitswelt diskutieren.
Wend sagte "Financial Times Deutschland" weiter: "Aus meiner Sicht werden mit
der Agenda 2010 vor allem die notwendigen Schritte am Arbeitsmarkt getan.
Danach stehen weitere Schritte bei den sozialen Sicherungssystemen an." Wend
forderte zudem, langfristig "den Faktor Arbeit zu entlasten, indem wir
versicherungsfremde Leistungen nicht mehr über Abgaben, sondern über Steuern
finanzieren". Runde fügte hinzu: "Bei der Rente zum Beispiel müssen wir überlegen,
ob die private Vorsorge nicht obligatorisch werden muss." (Quelle: afp)
DIHK bestätigt Negativtrend auf dem Lehrstellenmarkt
Di.13.05.03 - Der von der Bundesanstalt für Arbeit gemeldete Negativtrend auf dem
Lehrstellenmarkt ist vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK)
bestätigt worden. Wie die Organisation am Montag in Berlin berichtete, wurden von
Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe im April 93.200 neue Lehrverträge und
damit 6,2 Prozent weniger als im selben Monat des Vorjahres abgeschlossen. Der
Rückgang betrage in den alten Bundesländern 8,3 Prozent, während es im Osten
einen erfreulichen Zuwachs von 11,2 Prozent gebe.
Unterdessen schuf die CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Montag die
Voraussetzungen für eine neue Berufsbildungsdebatte im Parlament. Sie brachte einen
Antrag ein mit der Aufforderung an die Bundesregierung, auf die Ausbildungsplatzabgabe zu
verzichten, die die Regierung für den Fall eines unzureichenden Lehrstellenangebotes
angekündigt hat. Zur Begründung heißt es unter anderem, eine solche Abgabe
wäre Gift für das wirtschaftliche Wachstum. Dies könnte finanzschwache
Unternehmen entmutigen, während sich finanzstärkere Firmen gegen Zahlung der
Umlage aus der Lehrlingsausbildung ganz verabschieden könnten.
Die Bundesanstalt hatte für April für die gesamte Wirtschaft einen
Angebotsrückgang um zwölf Prozent festgestellt. Sie schätzt, dass bis zum Beginn
des neuen Ausbildungsjahres am 1. Oktober 140.000 Lehrstellen fehlen werden, wenn nichts Entscheidendes
geschieht.
Angesichts von rund 38.000 Insolvenzen im letzten Jahr und der dramatischen wirtschaftlichen Lage könne der
Einbruch nicht überraschen, erklärte der DIHK. Er widersprach der Auffassung, dass sich immer mehr Betriebe der
Ausbildung verweigerten. 55 Prozent aller zur Ausbildung berechtigten Betriebe bildeten auch aus. Dieser Anteil habe
zuletzt sogar um sechs Prozentpunkte zugenommen. Die in diesen Tagen anlaufende IHK-Lehrstellenoffensive solle
die Ausbildungsbeteiligung noch weiter steigern.
Als unverständlich kritisierte der DIHK die Drohung mit einer Ausbildungsplatzabgabe. Vielmehr müssten die von den
Gewerkschaften blockierten Berufe mit zweijähriger Lehrzeit endlich durchgesetzt werden, um betriebliche Lehrstellen
insbesondere für lernschwache Jugendliche und die rund 80.000 Jugendlichen ohne Schulabschluss zu schaffen.
(Quelle: ap)
Bund und Länder unterschreiben Vertrag für mehr Ganztagsschulen
Di.13.05.03 - Bund und Länder haben am Montag die Vereinbarung über den
Ausbau von mehreren tausend Ganztagsschulen unterzeichnet. Der Bund zahlt
dafür den Ländern bis 2007 vier Milliarden Euro Investitionshilfen.
Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) versicherte, das Programm
werde trotz der angespannten Haushaltslage des Bundes nicht gekürzt. Die
Einführung der Ganztagsschule zähle mit zu den wichtigsten Reformprojekten der
Bundesregierung.
Auf Druck der Länder wurde allerdings die vom Bund zunächst angestrebte Zahl von
10 000 Ganztagsschulen aus der Vereinbarung herausgenommen. Stattdessen
ist jetzt von einem "bedarfsorientierten Ausbau" die Rede. Bisher bieten in
Deutschland erst gut 2000 der 46 000 Schulen ganztägig Unterricht an. Die Präsidentin
der Kultusministerkonferenz, Hessens Schulministerin Karin Wolff (CDU), sagte, die Länder
müssten nach der Einrichtung anschließend für die hohen Personalkosten aufkommen.
Ganztagsschulen seien teilweise doppelt so teuer wie herkömmlichen Halbtagsschulen.
Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) verwies auf die hohe Akzeptanz der Ganztagschulen
bei Eltern, Schülern und auch Lehrern. Das Geld des Bundes gebe den Initiativen in den Ländern "zusätzlichen
Schub". Ganztagsbetreuung ermögliche Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und biete zugleich
mehr Zeit, schwächere wie besonders begabte Kinder individuell zu fördern.
übereinstimmend unterstrichen die Bildungsminister von Bund und Länder, die Ganztagsschule sei "kein
Allheilmittel" zur Lösung der mit den internationalen Vergleichstests TIMSS, PISA und IGLU aufgedeckten deutschen
Schulprobleme. Wohl könne sie aber einen wichtigen Beitrag zu mehr Schulqualität leisten. Bulmahn sagte, in
Deutschland dürfe nicht länger die soziale Herkunft eines Kindes über seinen Bildungserfolg entscheiden. Auch Wolff
sagte, Ganztagsschulen könnten denjenigen Kinder helfen, die im Elternhaus nicht die notwendige Förderung
erhielten. Gleichwohl wolle sie dabei "die Eltern nicht aus ihrer Verantwortung entlassen".
Speziell für die neuen Bundesländer ist in der Vereinbarung vorgesehen, dass auch bestehende Horte von dem Geld
des Bundes profitieren können, sofern sie eng mit benachbarten Schulen zusammenarbeiten. Sachsen-Anhalts
Kultusminister Jan-Hendrick Olberts (parteilos) sagte, bei einem Schülerrückgang von fast 50 Prozent im Osten sei an
einem Neubau von Ganztagsschulen kaum zu denken. Das Ganztagsschulprogramm zielt insbesondere auf die
Klassen eins bis zehn ab. Olberts sagte, er strebe auch Ganztagsprojekte in der gymnasialen Oberstufe an.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Der deutsche Ableger von McKinsey hat das Bildungssystem
durchleuchtet und kommt zu einem überraschenden Schluss: Deutsche Kinder
beginnen zu spät zu lernen, sie werden zu früh auf getrennte Schulen verteilt und sie
stehen nicht im Mittelpunkt des Lernens
Mehr unter:
Deutsche Schüler bei UNICEF-Studie im hinteren Feld.
Mehr zum Thema Pisa-Studie unter:
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung - PISA-Studie:
Experten fordern nach IGLU-Studie Aus für Hauptschule
Bleiberechtsregelung für Flüchtlinge verlangt
Di.13.05.03 - Die Flüchtlingsräte der Länder haben ihre Forderung nach
einer umfassenden Bleiberechtsregelung bekräftigt. Im Vorfeld der am Mittwoch in
Erfurt beginnenden Frühjahrstagung der Innenministerkonferenz (IMK) verlangen sie
vor allem für die Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus Afghanistan und
Irak, die bisher in Deutschland Schutz fanden, eine Lebensperspektive in der
Bundesrepublik, wie Norbert Grehl-Schmitt vom niedersächsischen Flüchtlingsrat
am Montag sagte.
Die Rückkehr von Flüchtlingen aus diesen Ländern ist ein Thema der IMK, in deren
Mittelpunkt die Herausforderungen im Zusammenhang mit der inneren Sicherheit stehen, wie
der IMK-Vorsitzende, der thüringische Innenminister Andreas Trautvetter, in Erfurt
mitteilte. Weitere Themen sind den Angaben zufolge unter anderem die Aufarbeitung der
Bluttat vom Erfurter Gutenberg-Gymnasium und die Gewaltprävention an den Schulen, die Bekämpfung von
Lebens- und Futtermittelkriminalität und die technischen Systeme zur
Warnung der Bevölkerung vor Gefahren.
Grehl-Schmitt sagte, viele Flüchtlinge denen die Abschiebung drohe, seien
weitgehend integriert. Die IMK dürfe die nach wie vor bestehende Gefahrenlage und
die desolate Situation in vielen Herkunftsländern nicht ignorieren. "Es wäre fatal, wenn die Innenminister eine
Bleiberechtsregelung nur für einen kleinen Personenkreis nach reinen Nützlichkeitserwägungen ausgestalten würden",
sagte Grehl-Schmitt.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) erklärte, für die Minderheit der Roma sei eine gefahrlose und humanitär
verantwortbare Rückkehr ins Kosovo vorläufig nicht denkbar. Ihnen sollte dringend ein Flüchtlingsstatus in
Deutschland zuerkannt werden, der ihnen eine Lebensplanung ermögliche. Auch vor einer Rückführung der Aschkali
und ägypter ins Kosovo warnte die GfbV dringend.
(Quelle: ap)
«Betrugsskandal erschüttert eine der angesehendsten Zeitungen der Welt.
Ein Reporter der "New York Times" hat offenbar über Jahre seine Berichte ganz oder teilweise gefälscht»
Mehr unter:
Der "Fake-Journalismus" wie in der New York Times Reporter praktizierte ist kein Einzelfall, sondern womöglich nur die Spitze eines Trends,
vermutet "telepolis". Mehr unter:
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