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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mi.14.05.03, 12:45 Irak am sechsundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn:
Opfer von Irak-Krieg wollen Klage gegen US-Oberbefehlshaber Franks einreichen +++
Iraks Opposition kritisiert US-Kooperation mit Baath-Mitgliedern +++
Neuer irakischer Gesundheitsminister tritt wegen Verbindungen zur Baath-Partei zurück +++
Schiitischer Religionsführer Ayatollah Mohammed Bakir el Hakim spricht sich jetzt für demokratische Regierung aus.
Noch am Samstag hatte er sich für ein "modernes islamisches Regime" eingesetzt +++
Angesichts der unsicheren Lage in Bagdad verstärkte US-Patrouillen +++
Angeblich Schüsse ohne Vorwarnung auf Plünderer im Irak geplant +++
BBC: Riesiges Massengrab südlich von Bagdad +++
Pentagon: Erneut Mitglied von Iraks Führung gefasst +++
Cheneys Ex-Konzern Halliburton erhält Auftrag in Irak.
Enge Beziehungen zwischen US-Vize-Präsident Cheney und dem Unternehmen sollen eine Rolle bei der Auftragsvergabe gespielt haben. +++
Irak-Kurs der US-Regierung stößt laut Umfrage auf Zustimmung +++
US-Generalstabschef Myers für Rolle der NATO im Nachkriegs-Irak +++
Krieg beschert T-Online erstmals schwarze Zahlen +++
Mi.14.05.03 - Angehörige von Opfern des Irak-Kriegs wollen in Belgien Klage gegen den
US-Oberbefehlshaber Tommy Franks einreichen. Die mehrheitlich irakischen Kläger
berufen sich auf die in der belgischen Justiz verankerte universelle Zuständigkeit für
internationale Kriegsverbrechen, wie der belgische Anwalt Jan Fermon am Dienstag
mitteilte. Die rund zwanzig Anklagepunkte umfassen den Beschuss von Zivilisten
und Krankenwagen, den Einsatz von Streubomben und das mangelnde Einschreiten
gegen Plünderer. Vergangenen Monat hatte das belgische Parlament allerdings die
Rechte der Justiz eingeschränkt. Verfahren gegen Ausländer können nun an die
jeweiligen Heimatländer verwiesen werden.
Der Irakische Nationalkongress (INC) hat die USA wegen ihrer
Zusammenarbeit mit ehemaligen Mitgliedern der entmachteten Baath-Partei
kritisiert. Es sei "inakzeptabel", dass einige Baath-Mitglieder wieder wichtige ämter
in Irak einnehmen würden, sagte am Dienstag ein Sprecher des INC in Bagdad. Die
USA begingen "einen großen Fehler", indem sie Mitglieder der Baath-Partei zu
Leitern von Ministerien ernennen würden. "Die Baath-Mitglieder kommen wieder,
wenn sie nicht daran gehindert werden", sagte der Sprecher. Ehemals ranghohe
Baath-Mitglieder dürften keine führenden politischen oder sozialen ämter mehr
einnehmen.
Nach nur zehn Tagen im Amt ist der irakische Gesundheitsminister wegen Verbindungen zur
Baath-Partei des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein zurückgetreten. In einer Erklärung
der Gesundheitsbehörden hieß es am Dienstag, die USA hätten den Rücktritt von Ali Schnan el
Dschanabi angenommen. Dieser habe sich geweigert, die Baath-Partei zu verurteilen.
Die Ernennung Dschanabis zum vorläufigen Leiter des Gesundheitsministeriums hatte am 3. Mai
zu Protesten von hunderten ärzten und Apothekern geführt. Sie forderten in
Demonstrationen seine Entlassung wegen seiner Verbindungen zum alten Regime.
Der amerikanische Berater des Ministeriums vom Büro für den Wiederaufbau Iraks,
Stephen Browning, erklärte, Dschanabi sei zwar Mitglied der Baath-Partei gewesen,
sei aber nicht in Menschenrechtsverletzungen oder kriminelle Aktivitäten verwickelt.
Der schiitische Geistliche Ayatollah Mohammed Bakir el Hakim sprach sich
unterdessen für eine demokratische Regierung aus. "Weder eine islamische
Regierung noch eine säkuläre Administration wird in Irak funktionieren, sondern nur ein
demokratischer Staat, der den Islam als Religion der Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert",
sagte Hakim bei einer Pressekonferenz in Nadschaf. Noch am Samstag hatte er sich in Basra für ein
"modernes islamisches Regime" eingesetzt.
Hakim, der auch der größten schiitischen Organisation vorsteht,
dem Obersten Rat der Islamischen Revolution in Irak, war am
Wochenende nach 23 Jahren Exil im Nachbarland Iran
zurückgekehrt. Er erklärte am Dienstag, die Schiiten wünschten
sich Freiheit, Unabhängigkeit und Gerechtigkeit. Eine gewählte
Regierung müsse alle ethnischen und religiösen Gruppen vertreten.
Der Geistliche bekräftigte, Frauen sollten in der neuen Regierung an zentraler Stelle mitarbeiten. "Frauen machen die
Hälfte der irakischen Bevölkerung aus", sagte er. "Sie sollten bei Wahlen und beim Wiederaufbau eine wichtige Rolle
spielen."
Angesichts der unsicheren Lage auf Bagdads Straßen kündigten die US-Streitkräfte eine Verstärkung ihrer Patrouillen
in der irakischen Hauptstadt an. Auch der Suche nach noch scharfen Sprengsätzen solle höchste Priorität eingeräumt
werden, sagte Generalstabchef Richard Myers nach einem Besuch der amerikanischen Militärposten in Bagdad am
Montag. Die nicht explodierten Bomben seien vor allem für Kinder eine große Gefahr. Innerhalb von zwei Wochen
sollen nach Angaben von William Webster, dem stellvertretenden Kommandeur der alliierten Truppen in Irak, 1.000
weitere Militärpolizisten in Bagdad für Sicherheit sorgen. Die Patrouillen sollen dann zügig wieder zurückgefahren
werden.
Amerikanische Soldaten haben in Bagdad einen ausländischen
Kameramann angegriffen. Dieser hatte die Festnahme mehrerer Iraker durch die
US-Soldaten gefilmt. Weshalb die Männer festgenommen wurden, ist unklar. Die
Soldaten banden ihre Beine zusammen und transportierten sie in einem
Armeefahrzeug ab. Als der Kameramann die Szene filmen wollte, wurde er
niedergerungen. Ein Soldat schoss in die Luft, um Schaulustige abzuschrecken.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat den scheidenden
US-Zivilverwaltungschef Jay Garner gegen Kritik in Schutz genommen. Der
Ex-General leiste "phantastische Arbeit", sagte Rumsfeld am Dienstag in
Washington. Mehrere US-Medien hatten Garners Arbeit kritisiert und bemängelt,
Anarchie und Kriminalität in Irak dauerten an. Diese "Dummheiten in den Zeitungen"
seien unangebracht und ungerecht, kritisierte der Pentagon-Chef. Zudem sei solche
Kritik "verwirrend für die Menschen in Irak". Garner sei ein "außergewöhnlicher
Amerikaner, der eine tolle Arbeit für sein Land leistet". Rumsfeld betonte, Garners
Ablösung durch den neuen Zivilverwalter Paul Bremer sei von Anfang an geplant
gewesen.
Die US-geführte Zivilverwaltung im Irak will einem
Zeitungsbericht zufolge Schüsse ohne Vorwarnung auf Plünderer zulassen.
Wie die "New York Times" (Mittwochausgabe) unter Berufung auf Teilnehmer eines
Treffens unter der Leitung des neuen US-Verwaltungschefs L. Paul Bremer
berichtete, könnten entsprechende Richtlinien für die Soldaten in den kommenden
Tagen erlassen werden. "Sie werden anfangen, einige Plünderer zu erschießen,
damit sich das herumspricht", zitierte das Blatt einen Teilnehmer. Bremer
befürworte zudem die Einstellung weiterer irakischer Polizisten. Ehemalige
Mitglieder der regierenden Baath-Partei sollten von hohen Posten in der neuen irakischen
Regierung ausgeschlossen werden.
Seit dem Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein durch US-geführte Streitkräfte
ist es in vielen Teilen Iraks zu Plünderungen gekommen. Kritiker werfen den US-geführten
Invasionstruppen vor, nicht ausreichend für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen.
Nach einem Bericht der BBC ist etwa 90 Kilometer südlich von
Bagdad ein Massengrab mit mindestens 3000 Leichen entdeckt worden. An der
Fundstelle in dem Dorf Al-Mahawil (bei Hilla) könnten bis zu 15 000 Menschen
begraben sein, berichteten BBC-Korrespondenten am Dienstagabend aus Bagdad.
Nach Angaben des Senders gehen Menschenrechtsorganisationen davon aus, dass
im Irak bis zu 200 000 Menschen in Massengräbern verscharrt wurden.
Zuvor war von einem Massengrab nahe der südlichen Stadt Basra berichtet worden.
Dort wurden nach Angaben der BBC vom Dienstagabend 1000 Leichen gefunden. Die neue
Entdeckung bei Hilla geht laut BBC an Umfang und Grausamkeit aber weit über das bisher Bekannte hinaus.
So hätten Iraker die Leichen in Al-Mahawil mit Baggern und teilweise mit den bloßen Händen ausgegraben.
Der Gestank sei unerträglich. Die Menschen würden versuchen, ihre Angehörige anhand von Brillen,
Kleidungsstücken und anderen persönlichen Gegenständen zu identifizieren. "Die Kinder des Irak sehen Dinge, die sie nie
hätten sehen dürfen", sagte ein BBC-Korrespondent.
Bei dem neuen Fund handelt es sich vermutlich um politische Gefangene, die nach einem Schiiten-Aufstand gegen
Saddam Hussein 1991 erschossen oder hingerichtet wurden, hieß es in dem Bericht. Aber unter den Opfern seien
auch ganze Familien. "Wir fanden Leichen aufeinander gestapelt, wir vermuten noch viele viele mehr", sagte ein
irakischer Arzt. US-Marineinfanteristen, die sich in dem Ort aufhalten, hätten von einem "Anblick der Hölle"
gesprochen.
Die USA haben nach Angaben eines Pentagon-Mitarbeiters ein
weiteres gesuchtes Mitglied der ehemaligen irakischen
Führungsspitze gefasst. Es handle sich um Fedil Mahmud
Gharib, einen Regionalchef der Baath-Partei von Saddam
Hussein, sagte der Beamte des US-Verteidigungsministeriums in
Washington. Er sei "in den vergangenen 24 Stunden irgendwo in
Irak gefangen genommen worden".
Gharib stand auf der von den US-Fahndungsliste der 55
meistgesuchten Iraker an 28. Stelle. Der auch unter dem Namen Gharib
Muhammed Fasel bekannte Gharib war Chef der Baath-Partei im Bezirk Babel.
Die irakische Bevölkerung soll ab Juni wieder mit Lebensmittelpaketen
versorgt werden. "Die Verteilung der Lebensmittelrationen an alle irakischen
Familien wird zum 1. Juni wieder aufgenommen", kündigte ein von den USA
eingesetzter Mitarbeiter im Handelsbüro, Jussef Abdel Rahman, am Dienstag in
Bagdad an. Die Verpflegungseinheiten enthalten vor allem Weizen, Reis, Zucker, Öl
und Tee sowie Seife und Reinigungsmittel. Die Verteilung war vor zwei Monaten
wegen des Irakkrieges ausgesetzt werden. Wie Rahman sagte, hatte die irakische
Regierung zuletzt zusätzliche Rationen ausgegeben, damit die Bevölkerung für
mehrere Monate versorgt sei. In der Vergangenheit waren 60 Prozent der insgesamt
25 Millionen Einwohner von den subventionierten Rationen abhängig gewesen.
Die US-Armee teilte am Montag mit, die Halliburton-Tochter
Kellogg, Brown & Root (KBR) solle die Verteilung von Benzin
und Gas übernehmen. Der Auftrag sei Bestandteil eines
Vertrages über sieben Milliarden Dollar, den der Konzern im
März für das Löschen und Sichern von Ölquellen erhalten habe.
Eine Armeesprecherin wies Kritik der oppositionellen
Demokraten zurück, wonach Halliburton inzwischen eine lukrative und direkte Rolle
beim Wiederaufbau des Iraks habe. Das irakische Volk brauche dringend Gas zum
Kochen und Benzin, sagte sie.
In der vergangenen Woche hatte die Armee mitgeteilt, die Halliburton-Tochter habe
bislang Aufträge in Höhe von 75 Millionen Dollar erhalten. Der Gesamtumfang
werde eher bei 600 Millionen als bei sieben Milliarden Dollar liegen, wie es vor
Beginn des Krieges geschätzt worden sei.
Die Zusammenarbeit der US-Regierung mit Halliburton steht vor allem bei den
Demokraten in der Kritik. Sie vermuten, dass die engen Beziehungen zwischen
Cheney und dem Unternehmen eine Rolle bei der Auftragsvergabe gespielt haben.
Cheney war fünf Jahre lang Chief Executive des zweitgrößten
Ölindustrie-Ausrüsters der Welt. Cheney will sich im November kommenden
Jahres wieder für sein Amt unter US-Präsident George W. Bush bewerben.
Fast die Hälfte der US-Bürger glaubt laut einer Umfrage zufolge,
dass die Regierung von Präsident George W. Bush die Zahl von
Massenvernichtungswaffen in Irak zu hoch eingeschätzt hat. In einer am Dienstag
veröffentlichten Umfrage des Senders CBS News und der "New York Times" waren
49 Prozent der Befragten dieser Ansicht. Zwei Drittel von ihnen glauben zudem,
dass die Regierung die Zahl absichtlich übertrieben darstellte, um Unterstützung für
ihren Irak-Kurs zu erhalten.
64 Prozent der Befragten waren darüber informiert, dass bislang keine
Massenvernichtungswaffen gefunden wurden. 56 Prozent erklärten, der Krieg sei auch
dann richtig gewesen, wenn niemals derartige Waffen in Irak entdeckt würden oder der
ehemalige Staatspräsident Saddam Hussein niemals gefangen oder getötet werde.
Auf die Frage, wer die Führungsrolle beim Aufbau einer neuen irakischen Regierung
haben solle, zogen 45 Prozent die Vereinten Nationen vor. 34 Prozent sprachen sich für
die alleinige Vormachtstellung der USA aus, 13 Prozent wollten eine Führungsrolle für die USA mit
Unterstützung seitens der UN. Die Zustimmung zu Präsident Bush betrug 67 Prozent.
Die USA wünschen eine Rolle der NATO im Nachkriegs-Irak. Es sei
aber noch keine Entscheidung dazu gefallen, sagte US-Generalstabschef Richard
Myers bei einem Besuch im NATO- Hauptquartier in Brüssel. Die Diskussion im
Bündnis dauere an. Der Irak-Krieg hatte die NATO in eine schwere Krise gestürzt.
Umstritten war die Hilfe für das Mitgliedsland Türkei gegen mögliche Angriffe des
Iraks. Deutschland, Frankreich und vor allem Belgien hatten starke Bedenken
geäußert.
Die große Zahl informationshungriger Surfer hat dem
Internetanbieter T-Online während des Irak-Krieges die
ersten schwarzen Zahlen der Unternehmensgeschichte
beschert. Im Vergleich zum Vorjahresquartal habe das
Ergebnis vor Steuern im ersten Quartal bei einem
Umsatzplus von 22 Prozent zwei Millionen Euro erreicht,
teilte T-Online in Darmstadt mit. Von Januar bis März vergangenen Jahres hatte der
Online-Anbieter noch ein Minus von 92 Millionen Euro bilanziert.
Die positive Entwicklung verdanke das Unternehmen unter anderem der höheren und
gleichmäßigeren Auslastung der eingekauften Kapazitäten während der Ereignisse
im Nahen Osten. (Quellen: dpa, ap, afp, rtr))
Blick ins Archiv
Irak-Auftrag für US-Firma Halliburton weit größer als bislang bekannt
Mi.07.05.03 - Die Exfirma von Vizepräsident Dick Cheney ist von der Regierung
nicht nur mit der Löschung der Brände auf den irakischen Ölfeldern beauftragt
worden. Wie aus Unterlagen hervorgeht, bekam Halliburton auch den weit
lukrativeren Auftrag das Ölsystem Iraks wieder in Gang zu bringen. Mehr unter:
Dutzende Tote bei Attentaten in Saudi-Arabien
Mi.14.05.03 - Fast 24 Stunden nach den schweren Bombenanschlägen in der
saudiarabischen Hauptstadt Riad hat es am Dienstagabend noch immer keine
Klarheit über die Zahl der Todesopfer gegeben.
"Ich kann ihnen keine spezifische genaue Zahl sagen", sagte ein Sprecher des
US-Außenministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. Damit bestätigte er eine
Angabe von 91 Toten durch US-Vizepräsident Dick Cheney nicht. Ein
US-Regierungsvertreter sagte, Cheney habe mit der Zahl Presseberichte
wiedergegeben. Die saudiarabischen Behörden gingen von 29 Toten aus, darunter
sollen neun Attentäter sein. Wie US-Außenminister Colin Powell vermutete auch
US-Präsident George W. Bush die Urheber der Anschläge in der Extremisten-Gruppe El
Kaida. Bundeskanzler Gerhard Schröder versicherte den USA, Deutschland stehe im Kampf
gegen den Terrorismus solidarisch an ihrer Seite.
Die Furcht vor weiteren Anschlägen belastete Händlern zufolge die US-Börsen und trieben den Ölpreis in die
Höhe. Das saudiarabische Herrscherhaus betonte aber, die Anschläge könnten die Sicherheit des weltgrößten
Ölexporteurs nicht gefährden.
Aus US-Regierungskreisen verlautete, die Informationen aus Saudi-Arabien seien sehr widersprüchlich. "Sie (die Zahl
91) ist eine der Schätzungen, die verbreitet worden sind", sagte Powells Sprecher in Washington. Den
saudiarabischen Behörden zufolge sind sieben Amerikaner unter den 20 Toten, zudem sieben saudiarabische
Staatsbürger, zwei jordanische Kinder, zwei Philippiner, ein Libanese und ein Schweizer. 194 Menschen seien verletzt
worden. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte einer Sprecherin zufolge keine Hinweise auf Deutsche unter den Opfern.
Bush sagte in den USA: "Ich kann noch nicht sicher sagen, dass es El Kaida war, aber ich wäre nicht überrascht
davon." Zuvor hatten bereits Powell und die saudiarabischen Behörden darauf verwiesen, dass die Attentate die
Handschrift der Extremisten trügen. Die USA werfen der Gruppe unter anderem die Anschläge am 11. September
2001 vor. Die Täter hatten in der Nacht mit drei aufeinander abgestimmten Selbstmordanschlägen Autobomben in
Ausländer-Wohnvierteln der saudiarabischen Hauptstadt angegriffen. Die Bomben rissen Fassaden von den Häusern
und ließen Dächer einstürzen, Balkone brachen von vierstöckigen Appartementkomplexen ab und Autos brannten
aus.
"Bis El Kaida nicht vollständig zur Rechenschaft gezogen ist, werden sie versuchen, Amerikaner und unsere Freunde
und Verbündeten zu verletzten", sagte Bush auf einer Reise durch den US-Bundesstaat Montana. "Diese
abscheulichen Taten wurden von Mördern begangen, deren einziger Glaube der Hass ist und die Vereinigten Staaten
werden die Mörder finden und sie werden erfahren, was amerikanisches Recht bedeutet." Die Anschläge zeigten,
dass der Kampf gegen den Terrorismus weiter gehe.
Diese Einschätzung teilte auch Schröder in seinem Beileidstelegramm: "Dieser Vorfall hat erneut deutlich vor Augen
geführt, dass der Kampf gegen den Terrorismus einen langen Atem erfordert und noch nicht vorüber ist", schrieb er.
"Deutschland steht dabei solidarisch an der Seite der USA." Nach Ansicht von Bundesinnenminister Otto Schily stellt
die El-Kaida-Organisation auch für Deutschland weiter eine ernst zu nehmende Bedrohung dar. Die britische
Regierung warnte vor weiteren Anschlägen auf Einrichtungen westlicher Länder in Saudi-Arabien, bei denen auch
biologische und chemische Waffen zum Einsatz kommen könnten.
Powell kündigte in Riad an, die USA würden ihre Anstrengungen verdoppeln, um in enger Zusammenarbeit mit ihren
Freunden in aller Welt die El Kaida zu jagen und den Terrorismus zu bekämpfen. Die Anschläge waren wenige
Stunden vor seiner Ankunft im Rahmen einer mehrtägigen Nahost-Reise verübt worden. Der Außenminister reiste am
Abend weiter nach Russland.
In jüngster Vergangenheit hatte es Warnungen über bevorstehende Anschläge auf Ziele von Staaten des Westens in
Saudi-Arabien gegeben. Die El Kaida hatte in ihrem Kampf für einen Abzug der US-Streitkräfte aus Saudi-Arabien
wiederholt Anschläge auf Ausländer in dem Königreich ausgeführt. Im vergangenen Monat hatte die US-Regierung den
Abzug ihrer Truppen angekündigt. Damit hofft sie, der saudiarabischen Führung gegen deren Bedrohung durch
Moslem-Extremisten zu helfen. (Quelle: rtr)
«Der Krieg gegen den Irak hat den gegen die USA gerichteten Terrorismus nicht gemindert. Zu diesem
Urteil kommt ein Papier des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London»
Das Terrornetzwerk El Kaida stellt nach Einschätzung
führender Sicherheitsexperten noch immer die größte
Bedrohung für die weltweite Sicherheit dar. Die
drängendste Sorge in Fragen der Sicherheit gelte der
Organisation von Extremistenführer Osama bin Laden,
heißt es in dem Jahresbericht des renommierten
Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London. El Kaida sei
"heimtückischer und noch genauso gefährlich wie vor dem 11. September". Zugleich
drohten nach dem internationalen Ansehensverlust der USA im Irak-Krieg weitere
Auswirkungen auf den Terrorismus, warnt die Denkfabrik.
<>Die nächtliche Serie von Selbstmordanschlägen in Riad mit Dutzenden Toten trage
"die Handschrift von El Kaida", sagte einer der Autoren der IISS-Studie, Jonathan
Stevenson.
Die Terrororganisation habe sich neu organisiert und sei inzwischen in "etwas
anderer und heimtückischerer Art und Weise aktiv", heißt es in dem Bericht.
Obwohl rund ein Drittel ihrer rund 30 Führungsmitglieder und rund 2000 ihrer
einfachen Mitglieder im Zuge der internationalen Terrorismusbekämpfung getötet
oder festgenommen worden seien, gebe es nach wie vor eine "intakte
Rumpf-Führung". Über 18.000 potenzielle Terroristen seien noch nicht gefasst, die
Anwerbung neuer Mitglieder dauere an.
Der IISS-Studie zufolge ist die El-Kaida-Führung insbesondere in pakistanischen
Großstädten wie Karachi untergetaucht. "Die einzige für El Kaida notwendige physische Infrastruktur sind konspirative
Wohnungen zum Bau von Bomben und für Waffenverstecke", heißt es in dem Jahresbericht. Neue Technologien wie
das Internet und der globalisierte Verkehr ermöglichten es der Organisation, als "virtuelle Einheit" zu funktionieren.
Mit dem Irak-Krieg habe das internationale Ansehen der USA stark gelitten, analysiert das IISS. Auch in verbündeten
Staaten lehnten viele Washingtons Außenpolitik seit dem 11. September ab. Für die USA sei es nun entscheidend,
die Auswirkungen des Irak-Kriegs auf den Terrorismus zu kontrollieren und die Annäherung zwischen dem Islam und
dem Westen voranzutreiben, mahnt das Institut.
Angesichts anhaltender Terrorangst lenken die Sicherheitsexperten aus London den Blick auch auf andere
internationale Krisenherde: Die politische Instabilität in Simbabwe und Elfenbeinküste etwa könnte zum Nährboden für
Extremisten der El Kaida werden, warnt das IISS. (Quelle: afp)
Ein weiterer Bericht zum Thema unter:
«Die Terrorbotschaft der Selbstmordattentäter
von Riad ist deutlich. Mit ihrer minutiös geplanten Anschlagserie
gegen ausländische Zivilisten wollen die Extremisten nach
Einschätzung westlicher Beobachter vor allem eines sagen: Der
US-Truppenrückzug aus Saudi-Arabien reicht uns nicht - wir
kämpfen weiter gegen die USA und ihre Verbündeten.»
Mi.14.05.03 - Die Bomben in den vorwiegend von Amerikanern bewohnten
Ausländer-Siedlungen zeigen, dass Gruppen wie El Kaida trotzt des von den USA mit
großem Aufwand betriebenen weltweiten «Kampfes gegen den Terrorismus» immer
noch größere Terroranschläge planen und ausführen können.
Dabei hatte es noch vor wenigen Tagen so ausgesehen, als hätten sich die
Regierung von Präsident George W. Bush und die Öl-Monarchen am Golf nach mehr
als einjährigen Verhandlungen endlich auf einen «Deal» geeinigt, der den
islamistischen Terroristen vom Schlage Osama bin Ladens den politischen
Nährboden entzieht und gleichzeitig das saudische Herrscherhaus stützt. Offiziell
will zwar niemand von einer derartigen Vereinbarung wissen, doch die Anzeichen
sind deutlich.
Ende April verkündete US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bei einem Besuch
in Saudi-Arabien den Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Königreich. Dies
war stets eine der Hauptforderungen der Terroristen um den El-Kaida-Anführer
Osama bin Laden gewesen, die dem saudischen Herrscherhaus vorwarfen, sie
hätten ohne Not «Ungläubige» ins Land der heiligen Stätten des Islam von Mekka und Medina geholt. Obwohl das
saudische Herrscherhaus stets betonte, es habe von den Amerikanern nie den Abzug verlangt, nimmt dieser Schritt
erheblichen politischen Druck von König Fahd und den Prinzen.
Umgekehrt kamen die Saudis aber auch den Amerikanern entgegen. Denn die Tatsache, dass 15 der
Flugzeugattentäter vom 11. September 2001 saudische Staatsbürger waren, hatte bei vielen Politikern in Washington
zu einem Umdenken geführt. Sie fragten sich plötzlich, ob die Jugend in den Schulen und Moscheen des
erzkonservativen islamischen Königreichs und den religiösen Stiftungen der Saudis im Ausland nicht zum Hass auf
den Westen und zur Missachtung der Menschenrechte erzogen wird.
Vergangene Woche kündigte Außenminister Prinz Saud el Feisal an, der König wolle erstmals eine private,
unabhängige Menschenrechtsorganisation zulassen. Am Montag hieß es dann, die von führenden saudischen Prinzen
unterstützte Wohltätigkeitsstiftung El Haramein werde ihre Aktivitäten in Pakistan und Afghanistan innerhalb der
kommenden zwei Wochen einstellen. Die Organisation taucht auf einer US-Liste von Organisation auf, die den
Terrorismus fördern sollen.
Seit dem Anschlag von El Chobar 1996, bei dem eine Bombe in einem Tanklaster 19 US-Soldaten getötet und fast
400 Menschen verletzt hatte, hatte es in Saudi-Arabien keine spektakulären Terroranschläge mehr gegeben. Kleinere
Zwischenfälle der vergangenen zwei Jahre - etwa mehrere Autobombenanschläge und Schüsse gegen westliche
Ausländer - hatten die saudischen Behörden zunächst heruntergespielt und als Taten aus dem kriminellen Milieu
bewertet.
Erst vor einigen Wochen räumten die Saudis schließlich erstmals offiziell ein, dass sie ein Problem mit islamistischen
Terroristen haben. Dutzende von Verdächtigen seien festgenommen worden, hieß es. Vergangene Woche stellten die
Behörden schließlich bei der Verfolgung einer Terrorzelle, zu der 17 Saudis, ein Kuwaiter und ein Jemenit gehören
sollen, in einem Auto und einer Wohnung in Riad größere Mengen von Waffen und Munition sicher. Der Unterschlupf
der Terroristen liegt in der Nähe der Ausländer-Siedlung, in der in der Nacht zum Dienstag kurz nach 23.00 Uhr die
erste Bombe explodierte. (Quelle: dpa)
Stichwort: Saudi-Arabien
Mi.14.05.03 - Das 1932 gegründete Königreich Saudi-Arabien
ist bekannt für seinen Ölreichtum, seine tausenden Prinzen und
die heiligen Stätten des Islam in Mekka und Medina. Aus dem
islamisch-konservativen Königreich stammt Osama bin Laden,
Chef des weltweiten Terror-Netzwerks El Kaida.
Seit in den 30er Jahren Erdöl in der saudischen Wüste entdeckt
wurde, hat sich das Land zum größten Rohöl-Exporteur der Welt
entwickelt. Rund ein Drittel aller weltweit bekannten
Erdölvorkommen befindet sich im Besitz von fünf saudischen
Großfamilien.
Formelles Staatsoberhaupt und Regierungschef ist seit 1982 der etwa 80 Jahre alte
König Fahd Ibn Abdelasis. Seit Fahds Schlaganfall 1995 herrscht jedoch tatsächlich
sein Halbbruder, der etwa 79-jährige Kronprinz Abdullah Ibn Abdelasis. Die
Königsfamilie umfasst rund 30 000 Mitglieder, unter ihnen mehr als 10 000 Prinzen.
Sie erhalten bis zu 230 000 Euro monatliche Appanagen pro Prinz.
Die Herrscherfamilie in dem Wüstenland mit etwa 22 Millionen Einwohnern bekennt
sich zu einer besonders strengen Form des sunnitischen Islam, dem so genannten
Wahhabismus. Die Bewegung geht auf den Islam-Reformer Mohammed Ibn Abd el
Wahhab zurück, der im 18. Jahrhundert lebte. Die Verbreitung der Ideologie des
Wahhabismus außerhalb Saudi-Arabiens hat seit den 70er Jahren zugenommen.
Damals begannen saudische Stiftungen, weltweit religiöse Schulen zu finanzieren, an Standorten von Pakistan bis
Kalifornien.
Hauptstadt des Landes zwischen Persischem Golf und Rotem Meer ist Riad. Als Geschäftsmetropole genauso
wichtig ist jedoch die Hafenstadt Dschidda. Mit mehr als zwei Millionen Quadratkilometern Fläche ist Saudia-Arabien
nahezu so groß wie Westeuropa. In dem Land gilt die Todesstrafe. Sie wird nach Angaben von Menschenrechtlern
etwa 100 Mal im Jahr, oft öffentlich vollstreckt.
Bin Laden wurde als Sohn einer reichen Familie mit jemenitischen Wurzeln in Saudi-Arabien geboren. Die
Herrscherfamilie entzog ihm 1994 die Staatsbürgerschaft. Seinen Terrorfeldzug begründete er unter anderem mit der
Stationierung amerikanischer Truppen auf ihm als heilig geltenden saudischen Boden. Diese sollen jetzt abgezogen
werden. 15 der insgesamt 19 Attentäter vom 11. September 2001 waren saudische Staatsbürger. (Quelle: dpa)
IISS: USA wollen mit irakischem Öl Abhängigkeit von Riad verringern
Mi.14.05.03 - Die USA wollen nach einem Bericht führender Sicherheitsexperten ihre
Abhängigkeit von saudiarabischen Ölexporten mit Hilfe von irakischen Lieferungen
verringern. Mit diesem Ziel habe Washington schon seit den Terroranschlägen vom
11. September die Privatisierung des irakischen Ölsektors gefördert, heißt es in
dem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht des renommierten Internationalen
Instituts für Strategische Studien (IISS) in London. (Quelle: afp)
Chamenei gegen Wiederaufnahme von Beziehungen zu USA
Mi.14.05.03 - Das geistliche Oberhaupt in Iran, Ayatollah Ali Chamenei,
hat sich gegen eine Wiederaufnahme der diplomatischen
Beziehungen zu den USA ausgesprochen. In den
vergangenen Tagen sei bisweilen die Rede davon
gewesen, dass "die Gelegenheit" dazu nicht ungenutzt
verstreichen dürfe, hieß es in einer Rede Chameneis:
"Sich dem Feind zu ergeben, ist aber nicht die Lösung.
Dies würde ihn nur in seinen moralischen Vorstellungen, seinen Forderungen und
seiner abenteuerlichen Politik bestärken." Die Zeitung "USA Today" hatte zuvor
berichtet, Gesandte der iranischen Regierung führten geheime Verhandlungen mit
US-Diplomaten.
Iran und USA hatten 1980 ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen, nachdem
iranische Studenten nach dem Sturz des Schahs die Teheraner US-Botschaft
gestürmt und mehr als ein Jahr lang Dutzende Geiseln gefangen gehalten hatten. Im
vergangenen Jahr bezeichnete US-Präsident George W. Bush das Land als Teil der
"Achse des Bösen". Die USA werfen Iran unter anderem die Entwicklung eines
geheimen Atomwaffen-Programms vor. (Quelle: afp)
Vier Palästinenser bei Militäraktion im Gaza-Streifen getötet
Mi.14.05.03 - Bei einer israelischen Militäraktion im Gaza- Streifen sind am
frühen Morgen vier Palästinenser getötet worden. Wie der israelische Rundfunk
unter Berufung auf palästinensische Angaben berichtet, befinden sich unter den
Opfern drei palästinensische Polizisten. Sie seien getötet worden, als israelische
Soldaten das Feuer auf eine Polizeistation eröffneten. Aus israelischen
Sicherheitskreisen verlautete hingegen, dass die vier Palästinenser Granaten auf
eine Armeepatrouille geworfen hätten.
Am späten Dienstagabend drangen israelische Truppen mit
Panzern bei Chan Junis in den südlichen Gazastreifen ein.
Ein Krankenhaussprecher erklärte, 30 Menschen seien verletzt
worden, als ein Hubschrauber eine Rakete auf eine Menschenmenge in einem
Flüchtlingslager abgefeuert habe. Der israelische Kommandeur erklärte, der
Hubschrauber habe auf Palästinenser gefeuert, die israelische Truppen aus
Gewehren und mit Panzerabwehrgranaten beschossen hätten.
Planierraupen rissen in dem Flüchtlingslager fünf Häuser nieder und beschädigten
vier weitere, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete. Das Lager
liegt in der Nähe jüdischer Siedlungen. Der palästinensische Gouverneur Husni
Soarub sagte, 60 Menschen seien obdachlos geworden. Nach drei Stunden hätten
sich die israelischen Truppen am frühen Mittwochmorgen wieder zurückgezogen. Der
israelische Kommandeur sagte, die Häuser seien wiederholt zu terroristischen
Aktivitäten benutzt worden.
Aus israelischen Militärquellen verlautete, Ziel der Aktion sei
gewesen, den Abschuss von Raketen und Mörsergranaten zu
unterbinden. Am Dienstag waren bei palästinensischen
Mörserangriffen auf einen Stützpunkt in Gaza zehn israelische
Soldaten verletzt worden. Drei Israelis wurden zudem bei einem
palästinensischen Raketenangriff verletzt.
Bewohner berichteten darüber hinaus von Explosionen und
Schüssen, die in der Nacht nördlich von Gaza in der Gegend von
Beit Lahija zu hören gewesen seien. Die Armee erklärte, dort sei keine Aktion im Gang. Möglicherweise hätten
Soldaten Warnschüsse abgegeben.
Der derzeitige EU-Ratspräsident Georgios Papandreou ignorierte unterdessen den von den USA und Israel gegen
Jassir Arafat verhängten diplomatischen Boykott und sprach in Ramallah mit dem palästinensischen Präsidenten. Der
griechische Außenminister traf am Dienstagabend zwar zunächst mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten
Mahmud Abbas, später dann aber auch mit Arafat zusammen. "Wir wollen in Frieden mit unserem Nachbarn Israel
leben", sagte Arafat. "Das ist unsere klare Entscheidung."
Er habe mit Papandreou darin übereingestimmt, dass Israel den Fahrplan für den Frieden akzeptieren müsse, damit
der Frieden vorankomme. Papandreou folgte mit dem Besuch seinem amerikanischen Kollegen Colin Powell, der
Israel am Montag ohne eine Stellungnahme der Israelis zu dem Friedensplan wieder verlassen musste.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon machte unterdessen deutlich, dass er auch in der zentralen Frage der
jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten nicht bereit ist nachzugeben, womit er ein Kernelement des
internationalen Friedensplans in Frage stellte. (Quelle: ap)
Del Ponte hält Völkermord in Kongo für möglich
Mi.14.05.03 - UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte befürchtet einen
Völkermord in der ostkongolesischen Provinz Ituri. Angesichts wiederaufgeflammter
Kämpfe flüchteten sich dort in der Stadt Bunia mehr als 10.000 Menschen in zwei
UN-Stützpunkte. "Nach allem, was wir wissen, könnte sich dort ein Völkermord
abspielen", sagte Del Ponte am Dienstag in New York. UN-Generalsekretär Kofi
Annan bemühte sich unterdessen, eine internationale Schutztruppe zu organisieren,
die das Blutvergießen beenden sollte.
Auch Kreisen des Sicherheitsrats verlautete, Annan habe Frankreich um die
Bereitstellung eines Bataillons mit rund 700 Soldaten gebeten. Annan erklärte, Paris habe
sich prinzipiell zur Entsendung einer solchen Truppe bereit erklärt, sofern es dafür ein
klares UN-Mandat gebe. Ferner müssten sich auch andere Staaten beteiligen. Darum bemühe
er sich, sagte Annan.
Wie eine UN-Sprecherin, Patricia Tome, am Dienstag berichtete,
begaben sich die Menschen am Flughafen von Bunia und in
einem UN-Stützpunkt in den Schutz der Vereinten Nationen. In
Bunia kämpfen wieder mit Mörsern und Granatwerfern bewaffnete
Milizen der Stämme der Hema und der Lendu um die Vorherrschaft. Papst Johannes Paul II. beklagte, dass bei den
jüngsten Kämpfen auch zwei Priester und mehrere Menschen getötet worden seien, die in einer Kirche Zuflucht
gesucht hätten. Nach Angaben aus dem Vatikan sollen in der Kirche 48 Menschen getötet worden sein. In der
Ituri-Region drohe eine Katastrophe wie 1994 in Ruanda, hieß es.
Die Kämpfe in Ituri begannen am 7. Mai, nachdem Uganda 6.000 Soldaten aus der Provinz abgezogen hatte. In
Bunias sind 625 UN-Soldaten stationiert, ihnen stehen in der Provinz schätzungsweise 25.000 bis 28.000
Stammeskämpfer gegenüber. (Quelle: ap)
Genua: Verfahren gegen 93 G-8-Gipfel-Demonstranten eingestellt
«Beinahe zwei Jahre nach dem blutigen G-8-Gipfel in Genua im Juli 2001 haben italienische
Ermittlungsbehörden nun die Strafverfolgung gegen 93 Demonstranten, die bei einer nächtlichen
Razzia festgenommen worden waren, eingestellt. Die jungen Leute, darunter sehr viele Deutsche hätten
sich keinerlei Aggression zuschulden kommen lassen, berichtete die italienische Zeitung La Repubblica über
den Grund für die Einstellung
Der Vorfall war als "chilenische Nacht" in die italienische Polizeigeschichte eingegangen. In den frühen
Morgenstunden nach dem Gipfeltreffen, bei dem es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen
Globalisierungskritikern und der Polizei gekommen war, drangen seinerzeit Polizisten in eine Schule ein,
die den Demonstranten als Medienzentrum und Schlafplatz gedient hatte. Die Polizisten prügelten die 93
Globalisierungskritiker aus dem Haus und schlugen die Leute auch noch später auf der Wache - danach
waren die Rume der Schule blutbeschmiert, 60 der Verhafteten erlitten Verletzungen, einige fielen sogar
vorübergehend ins Koma. Während der Misshandlungen auf der Polizeiwache sollen zeitweise auch
Minister der damals gerade frisch gewählten Regierung von Silvio Berlusconi im Hause gewesen sein.
Stundenlang waren die jungen Leute in jener Nacht verhört und später noch tagelang festgehalten worden.
Teilweise wurden sie dann mit der Auflage entlassen, niemals mehr nach Italien einzureisen.
Die Polizei hatte stets behauptet, in der Schule Molotow-Cocktails und andere waffenartige Werkzeuge
gefunden zu haben. Doch bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass derlei Gegenstände von den Ordnungshütern
selbst in die Schule mitgebracht worden waren. Ein Polizeifahrer hatte nach monatelangem Schweigen eingeräumt, die
Dinge auf Befehl zu dem Einsatz in der Schule mitgebracht zu haben. Auch die Behauptung, dass die Demonstranten
bei ihrer Verhaftung Widerstand geleistet hatten, brach offenbar in sich zusammen. Die mit dem Fall betraute
Ermittlungsrichterin wertete den polizeilichen Einsatz nach dem Repubblica-Bericht jedenfalls als "brutale Gewalt",
noch dazu "in Abwesenheit von irgendwelchen Formen des Widerstands". Bei den blutigen Demonstrationen in
Genua war zuvor ein Demonstrant durch einen Polizisten getötet worden. Ein Strafverfahren gegen den Schützen
wurde bereits vor einiger Zeit eingestellt.» (Süddeutsche Zeitung vom 14.05.03)
Blick ins Archiv
«Demokratische Finsternis» G-8-Gipfel 2001 | Genua, Italien
Polizeistaatlicher Auftritt der Staatsmacht anläßlich des Treffens der G-8 in Genua.
Massive Angriffe auf die Menschenwürde, auf Freiheit, auf körperliche Integrität.
Nachrichten, Berichte, Hintergrund-Informationen
Europäische Union: Gifte am Arbeitsplatz gefährden Millionen
Mi.14.05.03 - Chemikalien und andere gefährliche Substanzen am
Arbeitsplatz gefährden in der Europäischen Union Millionen
von Menschen und verursachen Kosten in Milliardenhöhe.
Darauf weist die EU in einer Informationskampagne hin, die
in Straßburg gestartet wurde. Nach einer Erhebung der
EU-Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz (OSHA)
sind rund 32 Millionen Menschen in der EU - jeder fünfte Erwerbstätige - bei ihrer
Arbeit Krebs erregenden Stoffen ausgesetzt; 22 Prozent der Beschäftigten atmen
täglich mindestens 15 Minuten lang giftigen Rauch oder Gase ein.
Die Behörde verweist auf Studien, wonach schätzungsweise vier Prozent der
Krebsfälle und zehn Prozent der Hauterkrankungen auf den Umgang mit
gefährlichen Substanzen am Arbeitsplatz zurückzuführen sind. Demnach müssen
beispielsweise Friseure und Fliesenleger häufig wegen Allergien den Beruf
wechseln, die durch chemische Substanzen in Haarfärbemitteln und Fliesenzement
hervorgerufen wurden.
Mindestens zwei Drittel der rund 30.000 regelmäßig verwendeten Chemikalien seien
bislang nicht auf ihre toxischen Eigenschaften hin untersucht worden, heißt es in
dem Bericht weiter. Dies berge erhebliche Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz,
zumal nur zwölf Prozent aller Unternehmen die einschlägigen nationalen und EU-weiten Arbeitsschutzvorschriften
genau beachteten.
Ein "großer Teil" der 350 Millionen von Arbeitstagen, die jährlich in der EU durch Erkrankungen der Beschäftigten
verlorengehen, gehe auf das Konto gesundheitsgefährdender Stoffe, erläuterte Anna Diamantopoulou,
EU-Kommissarin für Soziales, bei der Vorstellung des Berichts. Dies verursache Kosten in Milliardenhöhe. Allein
berufsbedingte Allergien und Hauterkrankungen kosteten jährlich 600 Millionen Euro, die Behandlung von
berufsbedingtem Asthma verschlinge pro Jahr bis zu 800 Millionen Euro.
Vergangene Woche hatte die EU-Kommission den Vorentwurf für eine Verordnung vorgelegt, die auf strengere
Kontrollen im Umgang mit Chemikalien abzielt. Nach diesen Plänen sollen bis zu 30.000 Substanzen nach einem
einheitlichen Verfahren registriert, bewertet und getestet werden. Für besonders gefährliche Stoffe, die Krebs
erzeugen, das Erbgut verändern und die Fortpflanzung einschränken können, ist außerdem ein einheitliches
Zulassungsverfahren geplant. Dieses Vorhaben stößt vor allem in Deutschland auf erbitterten Widerstand bei der
chemischen Industrie. (Quelle: afp)
Massenprotest gegen die Rentenreform in Frankreich
Mi.14.05.03 - :Bei den Demonstrationen in Frankreich gegen die geplante Rentenreform sind
am Dienstag nach Angaben der Gewerkschaften insgesamt zwei Millionen
Menschen auf die Straße gegangen. Die Polizei sprach dagegen von rund einer
Million Demonstranten, wie eine Zählung der Nachrichtenagentur AFP in 106 von
115 betroffenen Städten ergab. Den Organisatoren zufolge nahmen 250.000
Menschen an der Großkundgebung in Paris teil, in Marseille waren es 200.000. Die
Polizei gab für Paris 70.000, für Marseille 45.000 Menschen an. Zwischen 60.000
und 100.000 Menschen protestierten demnach in Toulouse.
Die größte Streikwelle seit acht Jahren legte fast das ganze Land lahm. Tausende Flüge wurden
gestrichen, Busse und Bahnen blieben im Depot.
Sozialminister François Fillon erklärte sich gesprächsbereit. Am
Kernpunkt seiner Reform, der Verlängerung der
Lebensarbeitszeit, will er aber nicht rütteln lassen. Fillon setzt
am Mittwoch die Beratungen mit den Gewerkschaften fort, die
durch die hohe Mobilisierung gestärkt aus dem Aktionstag hervorgingen.
Nach dem bedeutendsten Arbeitskampf seit den erfolgreichen Streiks gegen die
Reformpläne des damaligen Premiers Alain Juppé im Winter 1995 riefen einzelne
Gewerkschaften zu einer Fortsetzung des Ausstands bei der Staatsbahn SNCF,
den Pariser Verkehrsbetrieben RATP und in den Schulen auf.
Die oppositionellen Sozialisten appellierten an die
Regierung, angesichts des Erfolg des Aktionstags ihre Reformpläne grundlegend zu überarbeiten.
Der Rechtsliberale Raffarin will den Gesetzentwurf noch vor der Sommerpause durchs Parlament bringen. Kernpunkt
seiner Reform ist die Anhebung der Lebensarbeitszeit. Bis 2008 sollen die Beitragszeiten im öffentlichen Dienst von
jetzt 37,5 Jahren an die 40 Jahre in der Privatwirtschaft angeglichen werden. Alle Beschäftigten sollen dann ab 2012
41 Jahre und ab 2020 knapp 42 Jahre lang für eine Vollrente einzahlen müssen. Nach Regierungsangaben würde die
Rentenversicherung wegen der demographischen Entwicklung sonst schon in zwei bis drei Jahren ins Minus rutschen.
2020 läge das Defizit bei 15 Milliarden Euro. (Quellen: afp
Österreich: Großdemo gegen Pensionspläne
Mi.14.05.03 - Mehr als 100.000 Menschen haben am
Dienstagabend auf dem Heldenplatz in Wien gegen die geplante Rentenreform der
österreichischen Regierung demonstriert. Zu der Kundgebung hatte der Österreichische
Gewerkschaftsbund (ÖGB) aufgerufen. Außerdem legten im ganzen Land die Lehrer aus Protest gegen
die Kürzungspläne der schwarz-blauen Koalition die Arbeit nieder.
Wie die österreichische
Nachrichtenagentur APA am frühen Abend unter Berufung auf die Polizei meldete, versammelten sich
mehr als 100.000 Menschen auf dem Heldenplatz. Die Demonstranten zogen bei starkem Regen und
Hagel in Sternenmärschen vom West- und vom Südbahnhof auf den Platz. Auf Transparenten war unter
anderem zu lesen "Nein zu schwarz-blauen Pensionsraub". Bereits eine Woche zuvor protestierten die
Österreicher mit dem ersten Generalstreik seit Jahrzehnten gegen die Rentenreform. (Quelle: info.partisan.net)
Deutschland: Mehr gewaltbereite junge Rechte
Mi.14.05.03 - Die rechte Jugendszene wird immer militanter. Der neue Verfassungsschutzbericht verzeichnet
bei Skinheads und anderen rechtsextremistischen Gruppen wachsenden Zulauf von gewaltbereiten
Jugendlichen. Auch die Zahl rechter Gewalttaten - von der versuchten Tötung über Brandstiftung bis hin zu
Sprengstoff-Anschlägen - stieg 2002 um knapp neun Prozent auf 772. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD)
sagte bei der Vorlage des Berichts am Dienstag, er sehe diesen seit Mitte der 90er
Jahren ungebremsten Zulauf in der Skinheads-Szene mit Sorge.
Anders als im Vorjahr verzeichnet der Bericht für 2002 auch mehr politisch
motivierte Gewalttaten von Rechts als von Links. Schily bezeichnete die
Skinheads-Szene mit ihrem harten Kern von rund 10 700 Mitgliedern als
"Einstiegsdroge Nummer eins in das gewaltbereite Milieu". Beobachtet würden
auch vermehrt "Mischszenen" von Neonazis und Skinheads.
Insgesamt sind dem Bericht zu Folge jedoch Mitgliederzahlen und Anhängerschaft
aller anderen links- wie rechtsextremistischen Gruppen in Deutschland leicht
rückläufig. Gleiches gilt für militante Ausländerorganisationen. Ihre Zahl erhöhte sich im
vergangenem Jahr zwar von 65 auf 69. Gleichzeitig sank nach Beobachtung der
Verfassungsschützer ihre Anhängerschaft insgesamt um knapp 2000 auf 57 350. Dabei
bleibt die in Köln ansässige "Islamische Gemeinschaft Milli
Görüs" mit 26 500 Mitglieder weiter die größte Gruppierung.
Bei rund 7,3 Millionen in Deutschland lebenden Ausländern liege
jedoch der Anteil von "extremistischen Ausländern" seit Jahren
unter einem Prozent, sagte Schily. Nach den Verboten des
Kalifatsstaats (ebenfalls Köln) und des der Hamas
zugerechneten Spendenvereins Al- Aqsa (Aachen) werde er vor weiteren Aktionen nicht zurückschrecken.
Ungeachtet des vor dem Verfassungsgericht gescheiterten NPD- Verbotsverfahrens sieht Schily die Partei
geschwächt. Ihre Mitgliederzahlen seien weiter zurückgegangen. Dennoch bleibe sie "die auffälligste
rechtsextremistische Partei" und werde auch in Zukunft "unter aufmerksamer Beobachtung der Sicherheitsbehörden
stehen". Für die NPD hätten nach wie vor alle drei Säulen ihrer Strategie "Kampf um die Straße", "Kampf um die
Köpfe" und "Kampf um die Parlamente" Bestand. Zu ihren Demonstrationen mobilisiere sie auch wieder Skinheads
und Neonazis.
Auch nach weiteren Verlusten bleibt dem Bericht der Verfassungsschützer zufolge die "Deutsche Volksunion" (DVU)
des Münchner Verlegers Gerhard Frey mitglieder- und finanzstärkste Organisation im Rechtsextremismus. Sie ist
noch im Brandenburger Landtag und in der Bremer Bürgerschaft vertreten.
Zum linksextremistischen Spektrum zählen die Verfassungsschützer rund 31 100 Personen, darunter auch etwa 1500
Anhänger der "Kommunistischen Plattform der PDS". Die PDS selbst werde weiter "offen" beobachtet, nicht mit Hilfe
verdeckter Ermittler.
Mit 385 linksextremistischen Gewalttaten hat sich die Zahl dem Bericht zufolge gegenüber dem Vorjahr nahezu
halbiert. Dabei gab es die meisten noch bei Auseinandersetzungen «Links gegen Rechts» während gewaltsame
Aktionen von Kernkraft- oder Globalisierungsgegnern stark rückläufig waren.
Keine abschließenden Erkenntnisse gibt es nach Angaben von Fromm darüber, wo die drei bekannten Attentäter des
11. September, die vorübergehend auch in Hamburg lebten, ihre Flugzeugentführungen und den Anschlag auf das
World Trade Center in New York planten. Schily sagte, man wisse nur von ihren Aufenthalten in Deutschland,
Großbritannien und Frankreich und auch von der Pilotenausbildung in den USA. Mit Blick auf die Anschläge in Djerba
(Tunesien) und Bali (Indonesien), bei denen auch deutsche Touristen ums Leben kamen, sagte Schily, die
verbliebenen El Kaida-Strukturen seien auch für die Bundesrepublik weiter eine Bedrohung. (Quelle: dpa)
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