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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Do.15.05.03, 12:45 Irak am siebenundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Zahl der unterernährten Kinder nach Irak-Krieg fast verdoppelt +++
Neun Kinder bei Spiel mit Munition getötet +++
Massengräber im Irak lösen Schock aus +++
US-Soldaten stürmen Dorf bei Tikrit +++
EU-Parlamentarier: Ruf nach Rückkehr der Inspektoren +++
USA dringen auf Irak-Resolution nächste Woche.
Mit der Resolution sollen Verkäufe irakischen Öls unter US-Kontrolle ermöglicht werden.
Früheren UNO-Resolutionen zufolge müsste aber zuvor festgestellt werden, dass Irak keine
Massenvernichtungswaffen hat +++
Powell: Keine Einigung mit Russland in Irak-Frage +++
Do.15.05.03 - Die Zahl der unterernährten Kinder in Irak ist nach dem Golfkrieg
drastisch angestiegen, wie das Weltkinderhilfswerk UNICEF am Mittwoch mitteilte.
Laut der in Genf veröffentlichten Erhebung hat sich die Zahl der Kinder in Bagdad,
die an akuter Unterernährung leiden, binnen etwa eines Jahres nahezu verdoppelt.
Nach dem Krieg wurde in der irakischen Hauptstadt bei 7,7 Prozent der Kinder
unter fünf Jahren akute Unterernährung festgestellt, verglichen mit vier Prozent im
Februar 2002.
"Der Zustand von Kindern, die im Allgemeinen in den vergangenen Jahren auf Grund
einer verbesserten Ernährungslage normal gewachsen sind, hat sich plötzlich und dramatisch
verschlechtert", sagte der für Gesundheit und Unterernährung zuständige UNICEF-Funktionär Wisam el
Timini. "Dies fällt zusammen mit dem Krieg und dem Zusammenbruch der sozialen Dienste." Ein anderer
UNICEF-Vertreter, Carel de Rooy, sagte, es sei anzunehmen, dass die Situation in anderen Städten
Iraks genauso schlimm oder noch schlimmer sei.
Im Süden Iraks sind neun Kinder beim Spielen mit Munition
ums Leben gekommen. Sieben weitere Kinder wurden bei
der Explosion der Munition in der südöstlichen Provinz
Missan verletzt, wie ein UN-Sprecher in Basra mitteilte. Der
Vorfall ereignete sich bereits am Montag.
Nach Angaben einer Sprecherin des UN-Kinderhilfswerkes UNICEF handelte es sich
bei der Munition um eine irakische Rakete. In Irak lagerten noch tausende Waffen,
sagte sie. Der UN-Sprecher betonte, die Tragödie zeige, welch "schreckliche
Gefahr" nicht explodierte Munition aus dem Krieg bedeute.
Die Entdeckung von riesigen Massengräbern im Irak zeigt nach den Worten des
britischen Premierministers Tony Blair das "wahre Gesicht des üblen Regimes" von
Saddam Hussein. Die BBC hatte zuvor von dem Fund von inzwischen vier
Massengräbern bei der Stadt Hilla (südlich von Bagdad) berichtet, wo bisher rund
3000 Leichen ausgegraben wurden. Etwa 1500 wurden bis zum Mittwoch identifiziert.
Nach Schätzungen internationaler Hilfsorganisationen könnten in dem Gebiet um
Hilla bis zu 15 000 Opfer des Saddam-Regimes verscharrt worden sein. Die meisten
von ihnen seien Schiiten. Amnesty und die Menschenrechtsgruppe "Human Rights
Watch" kritisierten am Mittwoch die mangelnde Sicherung der Grabstätten durch
amerikanische und britische Streitkräfte in Irak.
Durch die "chaotischen" Ausgrabungen gingen möglicherweise wichtige Beweise
für künftige Strafverfahren verloren, sagte Peter Bouckaert von "Human Rights
Watch." Dagegen erklärte Rick Long von den US-Marines: "Es handelt sich hier um
ein Verbrechen gegen das irakische Volk, und nicht um ein Kriegsverbrechen."
US-Soldaten hätten die Anweisung, "im Hintergrund zu bleiben und auf Hilfeersuchen
der Bevölkerung zu reagieren."
Verzweifelte Iraker würden die Leichen in dem Ort Al-Mahawil bei Hilla zum Teil mit den
bloßen Händen ausgraben, berichtete die BBC. Der Gestank sei unerträglich. Die
Menschen würden versuchen, ihre Angehörigen anhand von vergilbten Ausweisen, Brillen
oder Kleidung zu identifizieren. "Wo ich hinschaue, sehe ich ein Meer von Plastiksäcken mit
Leichenteilen", berichtete eine BBC-Reporterin. "Sie holen immer gleich vier oder fünf Leichen auf einmal heraus."
Dorfbewohner berichteten am Mittwoch, sie hätten nach dem Schiiten-Aufstand von 1991 gesehen, wie Uniformierte
jeden Morgen Männer, Frauen und Kinder auf Lastwagen geladen hätten. Ihnen wurden vor der Hinrichtung Augen und
Hände verbunden. An einigen der ausgegrabenen Schädel waren deutliche Einschusslöcher zu erkennen, berichtete
ein dpa-Korrespondent aus Hilla.
Laut BBC handelt es sich bei den Opfern überwiegend um Schiiten, die nach einem erfolglosen Aufstand unmittelbar
nach dem Golfkrieg von 1991 vom Regime ermordet wurden. Viele von ihnen seien durch einzelne Kopfschüsse
"hingerichtet" worden, andere wurden erhängt. Unter den Opfern seien auch ganze Familien. So habe man die Leiche
einer Frau mit einem kleinen Baby an ihrer Brust gefunden.
Nach Schätzungen internationaler Menschenrechtsgruppen sind unter der Herrschaft von Saddam Hussein im Irak bis
zu 200 000 Menschen "verschwunden." AI-Sprecherin Lesley Warner sagte in London, ihre Organisation wisse
definitiv von 17 000 "Verschwundenen."
Mehr als 500 US-Soldaten haben auf der Suche nach Mitgliedern des
gestürzten Regimes ein Dorf bei Tikrit gestürmt. Nach Militärangaben trafen sie bei
der Aktion am Donnerstag auf keinen Widerstand. Sie riegelten das Dorf ab und
gingen von Haus zu Haus, um zwei der 55 meistgesuchten früheren Machthaber
aufzuspüren, deren Namen zunächst nicht genannt wurden. 65 Dorfbewohner
wurden festgenommen.
Die Aktion war Wochen im voraus geplant, nachdem die Amerikaner einen Hinweis
erhalten hatten, dass sich die Gesuchten in der als Hochburg der Anhänger
Saddam Husseins bekannten Region aufhielten. In einem Haus stellten die
Sicherheitskräfte 17 Riegel Plastiksprengstoff sicher. Unter den Festgenommenen
waren auch zahlreiche Jugendliche.
Im Europaparlament haben Vertreter der
maßgeblichen Fraktionen eine Beteiligung der UNO am
Wiederaufbau Iraks und die Rückkehr der UN-Waffeninspektoren in
das Land gefordert. Bisher seien die angeblichen
Massenvernichtungswaffen nicht entdeckt worden, betonte der
Vorsitzende der liberalen Fraktion, der Brite Graham Watson. Nur
Chefinspektor Hans Blix und seine Kollegen seien international
legitimiert, um in Irak nach den Waffen zu suchen, nicht eine
"selbst ernannte Besatzungsmacht". Der Vorsitzende der
sozialistischen Fraktion, Enrique Baron Crespo, forderte ebenfalls
eine rasche Rückkehr der Inspektoren nach Irak. "Wo sind die
Massenvernichtungswaffen?", fragte auch der Chef der Fraktion der
Europäischen Volkspartei (EVP), Hans-Gert Pöttering (CDU). Diese
Frage sei ernst, weil es um die Glaubwürdigkeit der Politik gehe.
Die USA drücken bei der Resolution zur Aufhebung der
Irak-Sanktionen aufs Tempo und wollen bereits in der nächsten Woche eine
Abstimmung im UNO-Sicherheitsrat erreichen. Mit der Resolution sollen Verkäufe
irakischen Öls unter US-Kontrolle ermöglicht werden.
Nach Angaben von Diplomaten in New York haben jedoch andere Mitglieder des
Sicherheitsrats noch einen erheblichen Klärungsbedarf angemeldet, so dass sich
die Abstimmung weiter verzögern könnte. US-Botschafter John Negroponte sagte
am Mittwoch in New York, die USA würden am nächsten Tag einen modifizierten
Resolutionsentwurf vorlegen, in den einige Bedenken anderer Ratsmitglieder eingeflossen
seien.
Sein russischer Kollege Sergej Lawrow begrüßte, dass Negroponte einige früher
aufgeworfene Fragen im Rat beantwortet habe. Vor ernsthaften Verhandlungen
über die Resolution seien aber noch eine ganze Reihe von Punkten zu klären.
Der deutsche UNO-Botschafter Gunter Pleuger fasste am Mittwoch einige der
Bedenken zusammen und wies darauf hin, es lägen zwischen 40 und 50
Nachfragen von Mitgliedern des Sicherheitsrats zu dem Entwurf vor, der von den
USA sowie Großbritannien und Spanien eingebracht wurde.
Die entscheidende Frage sei, wie der politische Prozess im Irak organisiert werde,
sagte Pleuger. Großbritannien und Spanien hätten erklärt, der UNO solle im
Nachkriegs-Irak eine "vitale Rolle" zufallen. Das müsse nun mit Inhalt gefüllt werden.
Ein zweiter Punkt sei die Frage, wie der wirtschaftliche Wiederaufbau organisiert
werden solle. Transparenz des Verfahrens sei entscheidend für die Glaubwürdigkeit des Wiederaufbaus.
Die USA haben bereits deutlich gemacht, dass sie keine grundsätzlichen Veränderungen an ihrem Entwurf vornehmen
wollen - offenbar in der Erwägung, die Ratsmitglieder mit Veto-Recht würden davon in diesem Fall keinen Gebrauch
machen.
Die USA streben die weitgehende Aufhebung der 1990 wegen des irakischen Überfalls auf Kuwait gegen Irak
verhängten Sanktionen an. Nach ihren Vorstellung sollen die Einnahmen, die aus dem irakischen Ölexport stammen,
in einen Fonds fließen, über dessen weitere Verwendung die Siegermächte dann - in Abstimmung mit der irakischen
Übergangsregierung - entscheiden.
Den früheren UNO-Resolutionen zufolge müsste aber zuvor festgestellt werden, dass Irak keine
Massenvernichtungswaffen hat. Der angebliche Besitz solcher Waffen war der offizielle Kriegsgrund der USA. Bislang
wurden im Irak jedoch keine gefunden. Auch gibt es bisher keine Beweise, die den Vorwurf hätten belegen können,
der Irak habe an einem geheimen Atomwaffen-Programm gearbeitet.
US-Außenminister Colin Powell sagte nach seinem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in
Moskau, er habe keine Einigung in Sachen Irak-Resolution erzielt. Zudem bestünden die Meinungsunterschiede
zwischen beiden Staaten über die von Russland verlangte Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren in den Irak fort.
(Quellen: ap, dpa, rtr, afp)
«Der Krieg ... ist ein massenmedialer Attraktor, das wussten auch im jüngsten
Kriege die Kriegsparteien, und sie wussten und wissen auch, dass das, was der Krieg
einmal gewesen sein wird (sogar sein Verlauf), von den Massenmedien wesentlich
mitbestimmt ist»
«Dabei trat ein seltsames Phänomen auf. Einerseits funktionierten die Differenzverstärker
(Aktualität, Zahlenreferenz, human interest, Moralisierung, Apokalyptisierung) problemlos
fort und wurden, wenn man so will, besser als in Nicht-Kriegszeiten bedient. Despektierlich
gesagt: Die Branche brummt in solchen Zeiten. Andererseits konfligierten die Effekte
dieser Verstärkung, als seien sie ,supercodiert' durch das Schema des Krieges. Die
Nachrichten arbeiteten gegen Nachrichten. Aktuelle Nachrichten dementierten aktuelle
Nachrichten. Es gab Nachrichten über Nachrichten, die keine Informationen beinhalten,
und die Nachricht darüber, dass auch diese Nachricht eine Nicht-Nachricht war. Zahlen
wurden gegen Zahlen eingesetzt, Tabellen gegen Tabellen, Kriegsbewegungslandkarten
gegen Kriegsbewegungslandkarten. Nachrichten über Leute (human interest) wurden zu
verschiedenen Nachrichten über dieselben Leute. Unterschiedliche Versionen derselben
Apokalyptisierung wurden miteinander konfrontiert. Bilder und Texte lagen mit Texten und
Bildern im Clinch. Die Massenmedien spiegelten nicht den Irak-Krieg, sie spiegelten ihre
Nachrichten in geborstenen Spiegeln, deren Splitter sich ihre eigenen Reflexe zuwarfen.»
Aus: Peter Fuchs - "Ins Verdoppeln verwickelt - Nachtrag zur Rolle der Massenmedien im letzten Krieg",
Frankfurter Rundschau vom 14.05.03:
US-Sicherheitsberaterin Rice warnt Iran und Syrien
Do.15.05.03 - Die USA haben Iran und Syrien vor der Rüstung mit
Massenvernichtungswaffen sowie vor einer Unterstützung des
Terrorismus gewarnt. Das Verhalten Irans sei weiterhin "zutiefst
beunruhigend und gegen die amerikanischen Interessen", sagte
die nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice. Die USA
warnten bereits seit langem vor dem iranischen
Massenvernichtungsprogramm und seinem Atomprogramm,
sagte Rice.
Ein Besuch der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Iran habe zahlreiche
Fragen "dazu aufgeworfen, was die Iraner unter ihrem so genannten zivilen
Atomprogramm treiben", sagte Rice. Washington vermute, dass dies nur eine
Tarnung für ein Atomwaffenprogramm sei. Dafür gebe es zahlreiche Hinweise.
Zu Syrien sagte Rice, Washingtons Beziehung zu Damaskus sei "problematisch
wegen Syriens Politik und seines Verhaltens - Syriens Unterstützung für den
Terrorismus". Das Verhältnis sei "sehr schwierig" und könne sich nur ändern, wenn
Syrien seine Besetzung von Libanon beende. (Quelle: afp)
«Deutsche Bank rechnet für Spätsommer mit neuem militärischem Schlag der USA»
Do.15.05.03 - Mit Unverständnis haben Experten gestern auf eine Prognose der Deutschen Bank reagiert, in der
diese davon ausgeht, dass sich die USA in vier Monaten in den
nächsten explosiven Konflikt stürzen. Für besonders
gefährdet hält die Deutsche Bank offensichtlich Syrien. Die
US-Warnungen lassen Präsident Baschar al-Assad junior nur die
Wahl zwischen einem radikalen Kurswechsel nach dem Willen
Washingtons oder einem militärischen Einmarsch.
Für die Weltwirtschaft verheißt die bleibende Unsicherheit nichts
Gutes. "Weiterhin überwiegen die Abwärtsrisiken", meint die
Großbank. Die Spannungen im Nahen Osten könnten sich wieder
verstärken, andere Konflikte wie in Nordkorea könnten sich
zuspitzen. Zudem werden die Anpassungsprozesse der privaten
Haushalte und der US-Unternehmen an die Börsenverluste und die
übermäßigen Investitionen der Neunzigerjahre noch längere Zeit in
Anspruch nehmen. (Quelle: tageszeitung vom 15.05.06)
Mehr unter:
Bush und Roh wollen keine Atomwaffen in Nordkorea dulden
Do.15.05.03 - Der südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun und US-Präsident
George W. Bush wollen keine Atomwaffen in Nordkorea dulden. Darauf
verständigten sich beide Politiker bei einem Besuch Rohs in Washington am
Mittwochabend. Gleichzeitig sprachen sie sich dafür aus, den Konflikt mit
Pjöngjang friedlich zu lösen und forderten die Länder der Region und Russland auf,
sich daran zu beteiligen.
"Wir machen gute Fortschritte in Richtung auf eine friedliche Resolution", sagte
Bush. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, Eskalierungsschritte Nordkoreas
würden nur zur weiteren Isolierung führen und die Situation für das Land noch
auswegloser machen.
Vor dem Treffen waren die USA und Südkorea über den Umgang mit Pjöngjang
unterschiedlicher Auffassung. Roh drängte die US-Regierung, keine wirtschaftlichen
Sanktionen gegen das verarmte Nordkorea zu verhängen.
Zuvor hatte der südkoreanische Staatschef die Bush-Regierung aufgefordert, ihre
Soldaten nicht aus seinem Land abzuziehen. US-Vizepräsident Dick Cheney habe
ihm diesbezüglich seine Unterstützung zugesagt, erklärte Roh. "Amerikanische
Soldaten waren in der Vergangenheit wichtig, und sie sind es jetzt", sagte er.
Cheney habe erklärt, die Truppen sollten bleiben, weil sie die Sicherheit in der
Region garantierten. Derzeit sind 36.000 US-Soldaten in Südkorea, aber das
Pentagon erwägt offenbar eine Truppenreduzierung.
(Quelle: ap)
Bombenanschlag von Riad: Saudi-Arabien hörte offenbar nicht auf US-Warnungen
Do.15.05.03 - Die saudiarabische Regierung hat nach einem
Medienbericht vor den Bombenanschlägen von Riad
US-Warnungen vor einem bevorstehenden Attentat in den
Wind geschlagen. Sicherheitsexperten der US-Regierung
hätten die Wohnanlage Jedawal in Riad am vergangenen
Samstag als mögliches Anschlagsziel identifiziert und die
saudiarabische Regierung um erhöhte Sicherheitsvorkehrungen einschließlich mit
Maschinengewehren ausgerüsteten Wagen gebeten, berichtete der
US-Fernsehsender ABC. Die saudiarabische Luftwaffe, die die Wohnanlage
bewachte, habe die Bitte zurückgewiesen.
Laut ABC war in der vergangenen Woche sogar ein Vertreter des Weißen Hauses
nach Riad gereist, um vor einem unmittelbar bevorstehenden Anschlag zu warnen.
Der saudiarabische Botschafter in den USA, Prinz Bandar Bin Sultan, bestätigte
gegenüber dem Sender, die US-Botschafter habe um verstärkte Wachen für den
Wohnkomplex gegeben, "und wir haben getan, was erforderlich war". 100-prozentige
Sicherheit könne niemand garantieren.
In der Nacht zum Dienstag waren bei drei zeitgleichen Selbstmordanschlägen auf
von westlichen Ausländern bewohnte Wohnanlagen in der saudiarabischen
Hauptstadt Riad mindestens 34 Menschen getötet und 194 verletzt worden. Nach
Angaben des US-Außenministerium waren acht US-Bürger unter den Toten. Die
saudiarabische Regierung machte die Terrororganisation El Kaida für den Anschlag
verantwortlich.
Nach den Selbstmordanschlägen von Riad ziehen die
USA die meisten ihrer Diplomaten aus Saudi-Arabien ab.
Alle nicht unbedingt benötigten Botschaftsmitarbeiter und
deren Angehörige sollten das Land verlassen, erklärte das
Außenministerium in Washington. Botschaft und
Konsulate der USA in Riad, Dhahran und Dschiddah
blieben geschlossen.
Kronprinz Abdullah kündigte in einer Fernsehansprache an, Riad werde "mit eiserner Faust"
gegen Terroristen vorgehen.
Da weitere Terroranschläge drohten, sollten auch Privatleute über eine Abreise
nachdenken, empfahl das US-Außenamt.
(Quelle: afp)
«CIA-Scheinfirma im Visier - "Vinell Corporation" als Bombenziel von Riad»
«Wurden bei den jüngsten Bombenanschlägen in Saudi-Arabien
auf ausländische Büro- und Wohnanlagen nur unschuldige
Zivilisten aus den USA und anderen befreundeten westlichen
Staaten verletzt und getötet? Bei genauerem Hinsehen,
wessen Büros unbekannte Terroristen jetzt in die Luft gejagt
haben, galt das Hauptziel der Angriffe dem sogenannten
"Vinell-Block", dem Sitz des gleichnamigen US-Unternehmens,
hinter dessen Fassaden nach übereinstimmender Meinung der
anglo-amerikanischen Medien die CIA operiert.
Trotz all ihrer Bemühungen, mit diskreten
Sicherheitsmaßnahmen von der saudischen Öffentlichkeit nicht
wahrgenommen zu werden, war es in Riad dennoch ein
offenes Geheimnis, wer sich hinter der "Vinell Corporation"
versteckte, die – so die Londoner Times – unter anderem
"executive mercenaries", also "Söldner auf
Geschäftsführerniveau", für das saudische Königshaus
anheuerte...» ("junge Welt" vom 15.05.03)
Mehr unter:
«Die Bush-Regierung und al-Qaida - Hat der amerikanische Krieg gegen den Terrorismus versagt oder diesen gar gefördert?»
Dieser Frage geht Florian Rötzer im Netzmagazin "telepolis" (Ausgabe vom 14.05.03) nach:
14 Tote bei neuem Selbstmordanschlag in Tschetschenien
Do.15.05.03 - Beim zweiten Selbstmordanschlag in Tschetschenien innerhalb
von drei Tagen sind am Mittwoch mindestens 14 Menschen getötet und fast 150
verletzt worden. Der von mindestens einer Attentäterin ausgeführte Angriff richtete
sich offenbar gegen den Leiter der prorussischen Verwaltung in Tschetschenien,
Achmed Kadirow, der aber nicht verletzt wurde. Kadirow hatte auf einer
muslimischen Gedenkfeier in der Ortschaft Iliskhan-Jurt vor rund 10.000 Gläubigen
eine Predigt gehalten.
Bei der Attentäterin soll es sich um eine 46-jährige Witwe gehandelt haben, deren Mann
1999 erschossen wurde. Sie hatte die Bombe unter ihrer Kleidung verborgen und sich
Kadirow nach der Predigt genähert. Eine zweite Frau, die ebenfalls eine Bombe bei sich
trug, habe diese nicht gezündet, berichtete das russische Staatsfernsehen. Sie sei bei
der Explosion getötet worden.
Erst am Montag hatten drei Selbstmordattentäter in einem Verwaltungsviertel des
Ortes Snamenskoje einen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen zur Explosion
gebracht und acht Gebäude in Schutt und Asche gelegt. Die Zahl der Todesopfer
dieses Anschlags stieg am Mittwoch auf 59, nachdem vier weitere Personen ihren
schweren Verletzungen erlegen waren.
Blick ins Archiv
Mindestens 47 Tote bei Bombenanschlag in Tschetschenien
«Ärzte ohne Grenzen: Menschenrechtssituation in der Kaukasusrepublik Tschetschenien verschlechtert sich immer weiter»
Hintergründe zum Tschetschenien-Konflikt
Kirchner gewählter Präsident Argentiniens
Do.15.05.03 - Der argentinische Präsidentschaftsbewerber Carlos Menem
hat angesichts einer drohenden katastrophalen Wahlniederlage auf seine Kandidatur
verzichtet. Damit stand sein innerparteilicher Gegner Néstor Kirchner am Mittwoch
automatisch als 54. gewählter Präsident in der Geschichte des Landes fest.
Menem warf Interimspräsident Eduardo Duhalde und Kirchner vor, ihn durch eine
Verleumdungskampagne zum Verzicht auf die Kandidatur für die Stichwahl an
diesem Sonntag gedrängt zu haben. Damit habe Duhalde die Legitimation der Wahl
und des künftigen Präsidenten beschädigt, sagte der 72-jährige frühere Staatschef
am Mittwoch in seiner Heimatprovinz La Rioja.
Kirchner bezeichnete Menem hingegen als einen Feigling, der durch sein Kneifen vor dem
Wähler der Demokratie einen schweren Schlag versetzt habe. Der 53-jährige Politiker
aus Patagonien, der in der ersten Wahlrunde 22,24 Prozent der Stimmen erhalten
hatte, tritt am 25. Mai die Nachfolge Duhaldes an. Er soll das Land aus der tiefsten wirtschaftlichen,
institutionellen und soziale Krise seiner Geschichte führen.
Menem hatte in der ersten Wahlrunde mit 24,45 Prozent zwar die meisten Stimmen
erhalten, die für einen Sieg im ersten Anlauf notwendige Mehrheit jedoch klar
verfehlt. Viele Argentinier machen Menems Politik während seiner zwei Amtszeiten (1989-1999)
für den Niedergang des Landes verantwortlich. In letzten Umfragen vor der ursprünglich für diesen
Sonntag geplanten Stichwahl hatte Kirchner einen Vorsprung von mehr als 40 Prozent vor Menem.
Die Senatorin Ada Maza aus La Rioja kündigte an, sie werde ihren Platz im Senat in Buenos Aires Menem zur
Verfügung stellen. Damit würde der frühere Staatschef auch Immunität gegen mögliche Strafverfolgung genießen, die
ihm im Zusammenhang mit Skandalen während seiner Amtsausübung zwischen 1989 und 1999 drohen könnte.
(Quelle: dpa)
Link zum Thema Argentinien:
Bessere Umwelt- und Sozial-Standards für Kaffeebauern geplant
Do.15.05.03 - Ein Verhaltenskodex für die gesamte Kaffeebranche soll für
mehr Umweltschutz und bessere soziale Verhältnisse in
den Anbauländern sorgen: In London trafen zum ersten Mal
Vertreter der Kaffee-Erzeuger, der verarbeitenden Industrie
und des Kaffeehandels mit Gewerkschaftern und
Nichtregierungsorganisationen (NGO) zusammen, um
Regeln für den Anbau, die Verarbeitung und die Vermarktung auszuarbeiten. Damit
sollten vor allem kleine Kaffeebauern in Asien, Afrika und Lateinamerika besser vor
dem "ruinösen Preiskampf" geschützt werden, erklärte die Parlamentarische
Staatssekretärin im Entwicklungshilfeministerium, Uschi Eid.
Eid hatte die Gründung der Initiative "Common Codes for the Coffee Community" im
vergangenen Herbst angeregt und dazu den Deutschen Kaffee-Verband als Partner
gewonnen, in dem die wichtigsten Kaffee-Importeure und -Röster vertreten sind. Der
geplante Kodex solle "Basisstandards" als "ökologische und soziale Leitplanken"
enthalten und weltweit auf dem konventionellen Kaffeemarkt Gültigkeit haben, so
Eid. Vom Kaffeebauern bis zum Einzelhändler sollten alle Beteiligten einbezogen
werden.
Für die erste Gesprächsrunde wurden zwei Tage angesetzt. Beteiligt sind den
Angaben zufolge unter anderem die Kaffeekonzerne Kraft, Nestlé, Tchibo und Sara
Lee, aber auch Umwelt- und Hilfsorganisationen wie Greenpeace und Oxfam sowie
die Internationale Arbeitsorganisation (ILO). Von der Produzentenseite seien unter
anderem Kleinbauernvertreter und Exporteure aus den wichtigsten Anbaugebieten
vertreten. (Quelle: afp)
Mitglieder früherer US-Regierungen fordern Versöhnung mit Europa
Do.15.05.03 - Mit einem dringenden Appell haben prominente amerikanische
Ex-Minister am Mittwoch zu einer Beilegung transatlantischer Streitigkeiten
aufgerufen. Sie appellierten an die Regierungen in Washington und Europa, alle
Anstrengungen zu unternehmen, um die traditionell engen Beziehungen wieder
herzustellen. "Man darf nicht zulassen, dass Differenzen über den Irak-Krieg dem
entgegenstehen", hieß es in dem vierseitigen Text.
"Was für Gründe es auch immer für Verärgerung auf beiden Seiten des Atlantiks
geben mag, keine Verstimmung darf unsere Beziehungen zu unseren europäischen
Verbündeten sprengen", hieß es in dem Aufruf. "Alle Beteiligten sollten
ernsthafte Anstrengungen unternehmen, unsere Allianz mit den Ländern Europas zu
erneuern, zu sanieren und wieder aufzubauen." Die Politiker empfahlen, beim
Meinungsaustausch einen versöhnlicheren Ton anzuschlagen.
Zu den Unterzeichnern gehören
die ehemaligen Außenminister Madeleine Albright, Warren Christopher und
Alexander Haig, die ehemaligen Verteidigungsminister Harold Brown, Frank Carlucci
und William Cohen sowie der ehemalige nationale Sicherheitsberater Zbigniew
Brzezinski.
Worte und Taten der USA sollten in Europa nicht so interpretiert werden, als stelle
Washington seine Unterstützung für ein vereinigtes und starkes Europa in Frage,
hieß es in dem Aufruf. Die Europäer müssten gleichzeitig deutlicher machen, dass
die USA in der Union weiterhin willkommen sind. "Einige Europäer stellen zu viel
von dem, was im EU-Kontext erreicht wird, als Europas neue Fähigkeit dar, die
USA herauszufordern."
Die Politiker kritisierten die niedrigen Verteidigungsausgaben in Europa und
verlangten Vereinbarungen über ein Mindestrealwachstum der entsprechenden Budgets. «"an sollte sich klar
machen, dass eine Fortsetzung der derzeitigen Trends negative politische Konsequenzen für das Bündnis haben
werden". Die Umgruppierung von US-Truppen in Europa dürfe nicht als Strafmaßnahme oder mangelndes
Engagement missverstanden werden.
"Europas Anti-Amerikanismus tut weh", schrieben die Politiker. Dies untergrabe die Möglichkeiten der USA,
gemeinsame Werte zu verbreiten und zu verteidigen. (Quelle: dpa)
Giscard schlägt Rededuell zur EU-Verfassung in Stuttgart vor
Do.15.05.03 - Stuttgart soll nach einem Vorschlag von EU-Konventspräsident Valery
Giscard d'Estaing der Schauplatz eines Rededuells zwischen ihm und
Kommissionspräsident Romano Prodi über die künftige EU-Verfassung werden.
Baden-Württembergs Regierungschef Erwin Teufel (CDU)
habe angeboten, die Aussprache in Stuttgart zu
veranstalten, schrieb Giscard d'Estaing in einem der Nachrichtenagentur Reuters
vorliegenden Brief an Prodi. Der französische Ex-Präsident tritt für eine starke
Stellung der EU-Regierungen in der künftigen Union ein. Die Kommission hatte nach
inzwischen abgemilderten Vorschlägen Giscards eine teilweise Entmachtung
befürchtet und kritisiert weiterhin den Vorschlag für einen hauptamtlichen
Vorsitzenden des Rats der Regierungen.
Prodi hatte auf einen ersten Brief Giscards zurückhaltend reagiert, in dem Giscard
eine öffentliche Debatte vorgeschlagen hatte. Die Debatte solle im
Verfassungskonvent stattfinden, hatte Prodi erwidert. Doch dies lehnte Giscard nun
ab. Auch komme Brüssel als Sitz der meisten EU-Institutionen nicht in Frage.
Europa sei viel größer und es gelte, die EU-Bürger für die Debatte zu interessieren.
Er habe deshalb Teufels Einladung nach Stuttgart akzeptiert, schrieb Giscard und
forderte Prodi, zu dem ihm eine höchst distanzierte Haltung nachgesagt wird, als
"Herrn Präsidenten und lieben Freund" auf, ebenfalls zuzusagen.
(Quelle: rtr)
EU-Parlament besteht auf Verursacherprinzip bei Umweltschäden
Do.15.05.03 - Verursacher von Umweltschäden sollen künftig in der EU nach dem
Verursacherprinzip zur Kasse gebeten werden. Darauf zielt ein Richtlinienentwurf
ab, der am Mittwoch vom Europaparlament in erster Lesung verabschiedet wurde.
Mit den Stimmen vor allem linker und grüner Abgeordneter verschärfte die
EU-Volksvertretung eine entsprechende Vorlage der Kommission in mehreren
entscheidenden Punkten: So soll die Haftungspflicht auch für die Atomwirtschaft,
bei Umweltverschmutzungen durch die Freisetzung gentechnisch veränderter
Organismen (GVO) und für Meeresverschmutzungen - etwa durch Öltanker - gelten.
Die Mitgliedsstaaten müssen laut Richtlinie dafür sorgen, dass die Unternehmen
Versicherungen zur Deckung von Umweltschäden abschließen. (Quelle: afp)
Deutsche Wirtschaft im ersten Quartal überraschend geschrumpft
Do.15.05.03 - Die deutsche Wirtschaft ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres überraschend
geschrumpft.
Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im ersten Quartal saison- und kalenderbereinigt verglichen mit dem
Schlussquartal 2002 um 0,2 Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit.
Im Vergleich zum ersten Quartal 2002 habe das reale BIP um 0,5 Prozent höher gelegen. Allerdings habe das erste
Vierteljahr 2003 einen Arbeitstag mehr gehabt. Ohne diesen Effekt wäre das BIP zum Vorjahr nur um 0,2 Prozent
gestiegen. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt vor allem wegen der zum
Jahresbeginn unerwartet starken Produktionsdaten mit einem Wachstum von 0,1 Prozent zum Vorquartal und 0,6
Prozent zum Vorjahresquartal gerechnet. Für die BIP-Entwicklung im vierten Quartal 2002 bestätigte das Statistikamt
eine Stagnation zum Vorquartal (rote Null) und einen Zuwachs von 0,5 Prozent zum Vorjahr.
Für den Rückgang zum Vorquartal habe der negative Wachstumsbeitrag des Außenbeitrags gesorgt, da die Importe
stärker gestiegen seien als die Exporte, teilte das Amt weiter mit. "Die nur leichte Erhöhung der inländischen Verwendung
gegenüber dem Vorquartal konnte dies nicht ausgleichen." Das Statistische Bundesamt präsentierte die Eckdaten zum BIP
früher als bislang üblich.
Experten erwarten, dass die deutsche Wirtschaft auch im laufenden Quartal nicht wächst. Für das Gesamtjahr gehen
die meisten Volkswirte bislang von allenfalls einem halben Prozent Wachstum aus, die offizielle Regierungsprognose
liegt bei 0,75 Prozent.
(Quelle: rtr)
Schätzer sehen deutlich höhere Steuerausfälle als Bund
Do.15.05.03 - Die Steuerschätzer rechnen nach Angaben von Teilnehmern
mit Steuerausfällen, die weit über den Annahmen der Bundesregierung liegen.
Es sei nicht auszuschließen, dass die Mindereinnahmen des Staates im laufenden
Jahr die Marke von zehn Milliarden Euro überschreiten werde, erfuhr die
Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch am Rande der Steuerschätzung im
brandenburgischen Lübbenau. Nach Aussagen der Grünen Haushaltsexpertin Anja
Hajduk führen die Ausfälle und die steigenden Sozialausgaben zu einem
Konsolidierungsbedarf im Bundeshaushalt 2004 in zweistelliger Milliardenhöhe.
CSU-Chef Edmund Stoiber und der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionvorsitzende
im Bundestag, Friedrich Merz (CDU), warnten ihre Parteien vor Diskussionen über
Steuererhöhungen.
Die aktuelle Diskussion unter den Schätzern gehe in der Tendenz darum, ob die
Marke von zehn Milliarden Euro leicht unter- oder überschritten werde,
berichteten Teilnehmer der Steuerschätzung. Die Ausfälle seien in jedem Fall höher als von der
Bundesregierung in ihrer Vorlage angenommen.
Der Bund hatte die Ausfälle gegenüber der Steuerschätzung vom vergangenen
November auf rund neun Milliarden Euro beziffert. Dem stünden aber erwartete
Mehreinnahmen aus Steuerrechtsänderungen von zwei Milliarden Euro gegenüber,
hatte Reuters aus Schätzerkreisen erfahren. Bundesfinanzminister Hans Eichel
(SPD) will das Ergebnis des Arbeitskreises am Donnerstag veröffentlichen. Bereits
zu Beginn der Beratungen war es zu Auseinandersetzungen in der Runde
gekommen, weil die Institute die für die Schätzung zu Grunde gelegte
Wachstumsannahme des Bundes von 0,75 Prozent als zu optimistisch bezeichnet
hatten.
Der "Financial Times Deutschland" sagte Hajduk, der Konsolidierungsbedarf alleine im Bundeshaushalt liege im
kommenden Jahr bei mindestens zehn Milliarden Euro. "Nur so gehen wir sicher, dass der Bund seinen Anteil dazu
beiträgt, dass Deutschland 2004 das Drei-Prozent-Kriterium schafft." Ohne Konsolidierung drohe auch im kommenden
Jahr eine Neuverschuldung von rund 30 Milliarden Euro. Es müsse unter anderem über die Bezüge der Rentner, die
Steinkohle-Subventionen und die Eigenheimzulage geredet werden.
Auch Eichel sagte, bei den Ausgaben müsse für 2004 alles auf den Prüfstand. In einem Interview mit der "Frankfurter
Rundschau" (Donnerstagausgabe) sagte er, es müsse die Frage gestellt werden, was der Staat in einer alternden
Gesellschaft noch bezahlen könne.
Eichel hat angekündigt, dass Deutschland die europäisch vereinbarte Defizitgrenze von drei Prozent des
Bruttoinlandproduktes im laufenden Jahr verletzen wird. Ob er den angekündigten Nachtragshaushalt noch vor der
Sommerpause oder danach einbringen werden, habe er noch nicht entschieden, sagte Eichel der "Frankfurter
Rundschau". 2004 werde Deutschland das Kriterium wieder eingehalten. In die Berechnung fließen neben der
Neuverschuldung des Bundes auch die der Länder, Gemeinden und Sozialkassen. Sollte Deutschland das
Defizitkriterium 2004 erneut reißen, drohen dem Land nach Worten von Währungskommissar Pedro Solbes 2005
Geldbußen. In einem Interview des Magazins "Capital" forderte er die Bundesregierung auf, sie solle in Zukunft "mehr
unnötige Ausgaben kürzen, statt Abgaben zu erhöhen."
Stoiber forderte die Union in der "Bild"-Zeitung auf, Schluss mit der unerträglichen Steuerdiskussion zu machen. "Wir
brauchen keine Steuererhöhungen, sondern für die nächsten fünf Jahre verlässlich festgelegte Steuersenkungen." Er
reagierte damit unter anderem auf Äußerungen des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer
(CDU), der für eine höhere Mehrwertsteuer plädiert hatte, wenn gleichzeitig die Lohnnebenkosten sänken. Merz sagte
der "Bunte", "niemand in der Union käme - weder im Vollrausch noch im Tiefschlaf auf die Idee, die Steuern zu
erhöhen. Das Gerede darüber muss endlich aufhören."
(Quelle: rtr)
Neue Sozialeinschnitte wegen schlechter Haushaltslage geplant
Do.15.05.03 - Die Bundesbürger müssen sich auf ein weiteres Sparpaket einstellen.
Grüne und FDP fordern angesichts der prekären Haushaltslage einen verstärkten
Abbau von Subventionen. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hat eine
Verschärfung des Sparkurses angekündigt und plant neue Sozialeinschnitte. Für
das laufende Jahr gehen Politiker von einer Haushaltslücke beim Bund von bis zu 20
Milliarden Euro aus.
Die "Berliner Zeitung" (Donnerstag) berichtete unter Berufung auf Regierungskreise,
in der Planung für den Bundeshaushalt 2004 klaffe ein Loch von 16 Milliarden Euro.
Der Wirtschaftsexperte der Grünen im Bundestag, Fritz Kuhn, betonte in der Zeitung,
die Subventionsliste des Bundes müsste ohne Tabus durchgegangen werden. Er
nannte die Eigenheimzulage, Agrar- und Kohlesubventionen und schloss auch eine
Kürzung der Steuererleichterung für Nacht- und Sonntagsarbeit nicht aus.
Eichel sagte der "Frankfurter Rundschau" (Donnerstag), 2004 sei es absolut zwingend, einen
"verfassungsgemäßen Haushalt" aufzustellen und die europäische
Verschuldungsgrenze einzuhalten. Dabei denke er auch an Sozialeinschnitte, unter
anderem bei der Rente. Für 2003 erwartet der Minister eine Neuverschuldung des
Bundes von mehr als 30 Milliarden Euro. Fachleute der Koalition gehen nach
dpa-Informationen inzwischen von knapp 40 Milliarden Euro aus. Damit liegt der
Haushalt weit über der von den geplanten 26,7 Milliarden Investitionen gezogenen
Verfassungsgrenze.
Der stellvertretende FDP-Fraktionschef im Bundestag, Carl-Ludwig Thiele, forderte in
der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag) zur Sanierung der Finanzen eine
drastische Kürzung der Ausgaben von Staat und Sozialversicherungen. So müssten
alle Steinkohle-Subventionen "innerhalb weniger Jahre ganz gestrichen, alle
anderen Subventionen schnellstmöglich pauschal um zehn Prozent gesenkt
werden". Thiele sprach von "einem doppelten Versagen" der Bundesregierung und
meinte: "Als Ausweg bleiben nur noch Neuwahlen."
Bund, Länder und Gemeinden müssen noch mit weit größeren Steuerausfällen
rechnen als nach letzten Vorberechnungen des Bundesfinanzministeriums zu
erwarten. Das war am Mittwoch aus der laufenden amtlichen Steuerschätzung in
Lübbenau bekannt geworden. Heute (Donnerstag) wollen die Steuerexperten ihre
Schätzzahlen auf den Tisch legen.
Rau fordert dringend Hilfe für die finanziell bedrängten Städte
Do.15.05.03 - Bundespräsident Johannes Rau hat sich auf die Seite der finanziell bedrängten
deutschen Städte gestellt. Vor der Hauptversammlung des Deutschen Städtetags in
Mannheim mahnte er am Mittwoch dringend Hilfe für die Kommunen an und warnte vor
Schäden für das Fundament der demokratischen Ordnung. Bauminister Manfred Stolpe sagte
dem Städtetag Unterstützung der Bundesregierung bei der anstehenden Gemeindefinanzreform zu.
Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel
deutete aber an, dass die vorliegenden Pläne am Widerstand
der unionsregierten Länder im Bundesrat scheitern könnten. Zu dem zweitägigen
Kongress unter dem Motto "Städte sind Zukunft" kamen rund 900
Oberbürgermeister, Bürgermeister und weitere Kommunalpolitiker aus dem
gesamten Bundesgebiet zusammen.
Die amtierende Städtetagspräsidentin Petra Roth beklagte, den Städten gehe es
"so schlecht wie niemals zuvor seit Bestehen der Bundesrepublik". Auch Rau
kritisierte, dass den Kommunen immer mehr Aufgaben auferlegt würden, ohne für
die Erstattung der Ausgaben zu sorgen. "Die Verschiebebahnhöfe, auf denen
der Bund und die Länder Lasten auf die Gemeinden zurollen lassen, gehören
stillgelegt", fügte er hinzu. Ohne die Städte sei kein Staat zu machen, von ihnen hänge
Deutschlands Zukunft ab.
Heute aber seien die Kommunen finanziell überlastet, ihre Einnahmen stockten oder drohten
gar zu versiegen. Neben den Pflichtaufgaben bleibe kaum noch Spielraum für Investitionen -
mit gravierenden Folgen für die Bürger. "Landauf, landab findet man Straßen voller Schlaglöcher,
Schulen am Rande der Baufälligkeit und öffentliche Gebäude, der versperrt sind",
sagte Rau. All das signalisiere der Bürgerschaft auf fatale Weise: "Mit uns geht's bergab. Öffentliche
Einrichtungen sind uns nichts wert."
Bauminister Stolpe räumte ein, dass die derzeitige Finanzkrise die Handlungsfähigkeit der Kommunen bedrohe. Der
SPD-Politiker betonte, die Kommunen könnten sich auf das Wort von Bundeskanzler Gerhard Schröder verlassen,
dass es zum 1. Januar 2004 eine Reform der Gemeindefinanzen geben werde. Dabei soll der Forderung des
Städtetags gemäß die Gewerbesteuer als wichtigste Einnahmequelle der Städte und Gemeinden erhalten und
reformiert werden.
Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Roth, die am Donnerstag auch offiziell zur Städtetagspräsidentin gewählt werden
soll, begrüßte die Zusagen der Bundesregierung. Zugleich stellte sie aber weiter gehende Forderungen. Dazu gehöre
vor allem die Rücknahme der Erhöhung bei der an Bund und Länder abzuführenden Gewerbesteuerumlage. Klar
bekannte sich Roth zu Erhalt und Modernisierung der Gewerbesteuer, für die es als eigenständiger Einnahmequelle
der Kommunen keinen Ersatz gebe.
Dagegen bekannte sich der CDU-Politiker Teufel zu dem vom Bundesverband der Deutschen Industrie vorgelegten
Gegenmodell, das eine Abschaffung der Gewerbesteuer vorsieht. Als Ersatz sollen die Kommunen stattdessen eigene
Zuschläge auf die Lohn- und Einkommen-, sowie die Körperschaftsteuer erheben können. Dies hätte den Vorteil, dass
mit dem Wegfall einer ganzen Steuerart Bürokratie abgebaut und zugleich die Abhängigkeit der Kommunen von den
großen Betrieben verringert werde, argumentierte er. Dem widersprachen die CDU-Politikerin Roth sowie der
sozialdemokratische Städtetags-Vizepräsident und Oberbürgermeister von Hannover, Herbert Schmalstieg, noch vom
Podium aus. (Quelle: ap)
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