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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Fr.16.05.03, 12:45 Irak am achtundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Überarbeiteter Resolutionsentwurf aus Washington:
USA wollen UN weiterhin keine große Rolle in Irak geben +++
US-Außenminister Powell: Deutsche Zustimmung für Irak-Resolution wäre hilfreich +++
Schlechte Sicherheitslage in Irak.
Rumsfeld: US-Armee wird mehr Muskeln zeigen.
Weitere 15 000 US-Soldaten sollen im Irak für Ordnung sorgen +++
Polen ersucht offiziell um Hilfe der NATO für Irak-Mission +++
Fr.16.05.03 - In dem von den USA vorgelegten überarbeiteten Resolutionsentwurf
zur Aufhebung der UN-Sanktionen gegen Irak sind die wesentlichen Streitpunkte
weitgehend unverändert geblieben. Die Vereinten Nationen sollen in Irak weiterhin
nur eine begrenzte Rollen spielen und die Machtfülle der Besatzungsmächte USA
und Großbritannien wurde nicht eingeschränkt. Die Einzige Konzession an die
US-kritischen Länder im Rat ist die Andeutung, sich anstelle einer Aufhebung der
Sanktionen mit einer Aussetzung zufrieden zu geben.
Die Funktion eines noch zu Bestimmenden UN-Koordinators werden in der
am Donnerstagabend in New York präsentierten Vorlage mit den Worten "vorantreiben" und
"koordinieren" beschrieben, bislang war von "unterstützen" die Rede. Der Entwurf sieht
zudem weiterhin vor, dass Amerikaner und Briten das Land für mindestens ein Jahr
regieren. Dazu gehört die Kontrolle über einen Entwicklungsfonds, in den das
Geld aus den Ölverkäufen Iraks fließen soll.
"Es gibt einige positive Entwicklungen", sagte Syriens UN-Botschafter Faissal
Mekdad. "Aber die meisten sensiblen Punkte sind noch nicht ausgeräumt."
Pakistans Außenminister Kursheed Kasuri sagte, ein größerer Einfluss der UN
würde die Verwaltung Iraks transparenter machen und vielen Ländern die
Zustimmung zur Resolution erleichtern. Am (diesem) Freitagnachmittag waren neue
Gespräche über den Entwurf anberaumt.
Unklar blieb zunächst, ob die USA tatsächlich von ihrer Forderung abrückten, die
Wirtschaftssanktionen aufzuheben. Dies hatte US-Außenminister Colin Powell am
Donnerstagnachmittag angedeutet. Die sofortige Aufhebung sei zwar wünschenswert,
die USA würden jedoch auch eine Aussetzung in Betracht ziehen, sagte er in Sofia. In dem
überarbeiteten Entwurf wird dagegen "ein Ende für alle Handelsverbote mit Irak sowie die
Bereitstellung wirtschaftlicher Ressourcen für das Land" gefordert. Über die Resolution
wollen die USA kommende Woche abstimmen lassen. Neben Frankreich, Russland und
China forderte auch Deutschland bislang zunächst weitere Verhandlungen.
US-Außenminister Colin Powell hat sich kurz vor seinem Treffen
mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesaußenminister Joschka Fischer
für eine Normalisierung der angespannten Beziehungen beider Staaten
ausgesprochen. Powell ließ in einem ZDF-Interview durchblicken, dass dafür eine
deutsche Unterstützung für die jüngste Irak-Resolution der USA im
UNO-Sicherheitsrat hilfreich sein könnte.
"Ich hoffe, wir können beginnen, die Unterschiede, die sich ergeben haben in
unserer Beziehung in den letzten Monaten auf Grund von Irak, zu überbrücken", sagte
Powell am Freitag im ZDF der Simultanübersetzung zufolge. Dabei sei das Thema Irak ein
großes Problem zwischen beiden Ländern, das nicht ignoriert werden dürfe.
Allerdings habe er zuletzt mehrmals in der Woche mit Bundesaußenminister Fischer
gesprochen, während Schröder und US-Präsident George W. Bush "vielleicht einmal in den
letzten Monaten" miteinander geredet hätten, sagte Powell weiter. Auf die Frage, ob das Verhältnis
zwischen Deutschland und den USA wieder so werden könne, wie es einmal war, sagte
Powell: "Ich hoffe es." Allerdings dürften die Meinungsverschiedenheiten nicht
übertüncht werden. "Es wird Zeit brauchen und wir werden Arbeit brauchen, um das
hinter uns zu bringen. Eine Möglichkeit des Beginns ist, jetzt zusammenarbeiten im
Bereichen wie zum Beispiel der UNO-Resolution, die in New York vorliegt." Die
Resolution sei eine einfache Resolution, die dem Irak helfe. "Und ich hoffe,
Deutschland wird eine Möglichkeit finden, die Resolution zu unterstützen. Ich hoffe,
wir können das rasch erreichen."
Wegen der schlechten Sicherheitslage in Irak haben die USA ein hartes Durchgreifen gegen Plünderer
angekündigt. Die US-Truppen würden künftig "stärker ihre Muskeln zeigen", sagte US-Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld in Washington. Diejenigen, die den Wiederaufbau behindern wollten, würden entweder
gefangen genommen oder getötet.
Mit 15 000 zusätzlichen Soldaten und weiteren 1000 Militärpolizisten
wollen die USA das Sicherheitsproblem im Irak in den Griff bekommen. Das erklärte
der von Präsident George W. Bush ernannte neue US-Zivilverwalter für den Irak,
Paul Bremer, in Bagdad. Das größte Problem sei derzeit die Wiederherstellung von
Recht und Ordnung. Gleichzeitig sagte Bremer einschränkend: "Dies ist kein Land,
das sich im Zustand der Anarchie befindet."
Die Schuld für die vor allem in Bagdad herrschende Gefahr auf den Straßen gab er
zum Teil Ex-Präsident Saddam Hussein. Dieser habe bei seiner Amnestie im
vergangenen Jahr alle Verbrecher freigelassen. Die Koalitionstruppen wollten nun
versuchen, diese wieder ins Gefängnis zu bringen. Allein in der Nacht zum Donnerstag
seien bei Kontrollgängen in Bagdad 92 Kriminelle festgenommen worden. Es sei
eine schwierige Aufgabe, den Irak ohne die Unterdrückungsinstrumente des Saddam-Regimes wieder
aufzubauen.
Zur Frage der Zukunft der irakischen Baath-Partei, mit deren Hilfe Saddam Hussein
das Land Jahrzehnte lang in seinem eisernen Griff gehalten hatte, sagte Bremer:
"Wir werden dieses Land von den Baathisten und dem Baathismus reinigen." Kein
Parteimitglied dürfe eine Position in der neuen Übergangsregierung erhalten.
Unterdessen bestätigte das Oberkommando der US-Streitkräfte im Bundesstaat
Florida die Festnahme des ehemaligen Stabschefs der irakischen Armee, Ibrahim
Ahmed el Sattar Mohammed el Tikriti. Er ist Pik Bube im US-Kartenspiel der
meistgesuchten Iraker. Auch Fadil Mahmud Gharib, ein ehemaliger Regionalführer
der Baath-Partei befinde sich jetzt in US-Gewahrsam. Gharib ist Herz Drei im
Kartenspiel.
Die Menschenrechtsorganisation amnesty international forderte die Entsendung von
UN-Menschenrechtsbeobachtern nach Irak. Die Besatzungsmacht USA sei
offenbar mit der Aufgabe überfordert, für die öffentliche Ordnung zu sorgen.
Die britische Armee übergab Umm Kasr als erste Stadt in der britisch besetzten Zone
an eine irakische Verwaltung. Der britische Kommandeur, Oberstleutnant Peter Jones,
bezeichnete die Übergabe als "symbolhaft". Der 50-köpfige Stadtrat umfasst auch untergeordnete
Mitglieder der entmachteten Baath-Partei. Britische Truppen werden bis auf weiteres für die
Sicherheit in Umm Kasr verantwortlich sein.
Die polnische Regierung hat die NATO offiziell um Unterstützung bei
der Friedenssicherung in Irak ersucht. Nach Angaben aus Brüsseler
Diplomatenkreisen vom Donnerstag soll die NATO beim Aufbau der polnischen
Truppe helfen, die einen der drei Sektoren in Irak kontrollieren soll. Beantragt
werden dafür rund 10.000 Soldaten. Zudem soll die NATO bei der Aufklärung und
der Kommunikation helfen. Die NATO-Botschafter werden sich mit der Anfrage
voraussichtlich kommende Woche befassen. Vorbehalte seien von den anderen 18
Mitgliedstaaten bislang nicht geäußert worden, hieß es aus Kreisen der Allianz.
Polen soll bei der Sicherung Nachkriegs-Iraks einen kleinen Sektor kontrollieren.
Die beiden anderen Sektoren sollen unter der Kontrolle der USA und
Großbritanniens stehen.
(Quellen: rtr, dpa, ap, afp)
«Im Irak zeigt sich erneut, dass es leichter sein kann, einen Krieg zu gewinnen, als die komplexen Probleme einer Nachkriegsordnung zu bewältigen»
«Historisch kam bei der Stabilisierung von Staaten nach einem
militärischen Konflikt immer wieder das Protektoratsmodell zum Zuge.
Dass eine treuhänderische Verwaltung nicht unbedingt zum Ziel führt,
zeigt die Entwicklung in Bosnien-Herzegowina und im
Kosovo. Hier war das Protektoratsmodell der letzte Ausweg,
weil das Selbstbestimmungsrecht durch die ethnischen
Konflikte diskreditiert war. Doch die Oberhoheit einer
"wohlwollenden" fremden Macht kann zu einem
"Abhängigkeitssyndrom" führen, das die soziale
Reintegration eher behindert. Und sie kann nationalistische
Gefühle wiederaufleben lassen, die sich gegen die
Schutzherrn wenden. Gelingt es diesen nicht, ein
allgemeines Staatsbürgerbewusstsein zu fördern, wird jedes
Protektorat am Ende scheitern...» (Le Monde diplomatique vom 16.05.03)
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«Der Neoimperialismus der Vereinigten Staaten knüpft an die
altrömische Auffassung an, die mehr oder weniger als minderwertig
betrachteten Völker bedürften moralischer Anleitung, militärischer
Zucht und medialer Vormundschaft - natürlich auf den Grundlagen
von Freihandel, Globalisierung und westlicher Kultur»
Aus: Ignacio Ramonet -"Wehe dem Sieger",
«Rumsfeld: Neue Waffen mit thermobarischen Sprengköpfen im Irak eingesetzt»
Nach unerwartet harten, wochenlangen Kämpfen im Süden
kam der plötzliche Fall von Bagdad am 9. April 2003 ebenso
unerwartet. Was war geschehen? Die Frage, ob dieser
plötzliche Wandel mit dem Einsatz neuer, in ihrer
Zerstörungskraft demoralisierenden US-Waffen zu tun hatte,
stellte jüngst in einem Rundschreiben der "Deutsch-Arabischen
Gesellschaft" der Irak-Kenner Prof. Dr. Sommerfeld von der
Universität Marburg.
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«US-Armee will Ego-Shooter-Erfolg ausbauen»
Nach dem Erfolg des kostenlosenen Computerspiels "America's Army:
Operations" plant die US-Armee weitere Updates und Features in das
Spiel einzubauen.
Laut Projektleiter Oberst E. Casey Wardynski soll das Spiel Jugendlichen
auch das Militär als Berufsoption ins Gedächtnis bringen. Dieses Ziel sei
erreicht worden, das Spiel habe das Militär in den Bereich der Popkultur
gebracht und damit in die Wahlmöglichkeiten der
High-Shool-Absolventen, so Wardynski.
Die Armee will den Erfolg des Spieles mit neuen Updates ausbauen, die
neben Spezialtruppen (wie Ingenieure und Ärzte) in Zukunft auch
Szenarien aus dem letzten Irak-Krieg beinhalten sollen.
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Der Irak-Krieg zeigt deutliche Spuren in der deutschen Konjunktur
Fr.16.05.03 - Der Irak-Krieg zeigt deutliche Spuren in der deutschen Konjunktur. Die gesamtwirtschaftliche Leistung
der Bundesrepublik ist in den ersten drei Monaten gegenüber dem Schlussquartal 2002 saison- und kalenderbereinigt um
real 0,2 Prozent auf 496,66 Milliarden Euro zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) des 1. Vierteljahres 2002 wurde dagegen um 0,5 Prozent übertroffen.
Die Bundesregierung hält trotz rückläufiger Wirtschaftsleistung im ersten Quartal an der Wachstumsprognose für dieses
Jahr von plus 0,75 Prozent fest. Das bestätigten Sprecher des Wirtschafts- und Finanzministeriums. So sei die
Industrieproduktion sogar besser verlaufen als erwartet, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Laut
Finanzressort bleibt die Prognose zugleich die Grundlage für die aktuelle Steuerschätzung 2003.
Bereits im 4. Quartal 2002 war die deutsche Wirtschaft mit - 0,0 Prozent in eine Phase der Stagnation getreten. Zuletzt
war das BIP im 4. Quartal 2001 um 0,3 Prozent zurückgegangen. Danach konnten - jeweils im Quartalsvergleich - leichte
Zuwächse von 0,3 sowie 0,2 und 0,3 Prozent erzielt werden.
Die negative Entwicklung zum Jahresanfang ist in erster Linie auf außenwirtschaftliche Faktoren im Zusammenhang mit
dem Irak-Krieg zurückzuführen. Die stark gestiegenen Ölpreise sowie erhöhte Öleinfuhren zum Zwecke der
Vorratshaltung ließen im 1. Quartal die Importe deutlich schneller wachsen als die Exporte.
Daraus resultierte ein negativer Außenbeitrag für die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Das nur schwache inländische
Wachstum konnte diesen Effekt nicht ausgleichen. Das bescheidene Plus bei der inländischen Verwendung dürfte vom
privaten Konsum ausgegangen sein, da die Investitionen weiterhin nach unten tendierten.
Auch im Jahresvergleich drückte der geringere Exportüberschuss das Wachstum. "Allerdings führte der Anstieg der
inländischen Verwendung zu einem wenn auch schwachen Wirtschaftswachstum", bilanzieren die Statistiker. Das BIP
wurde im 1. Quartal von 37,9 Millionen Erwerbstätigen erbracht, 481 000 oder 1,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
(Quelle: dpa)
Frankreich wirft USA Rufschädigung durch lancierte Medienberichte vor
Fr.16.05.03 - Frankreich hat sich in einem Brief an amerikanische
Regierungsbeamte und Abgeordnete über "falsche Anschuldigungen" beschwert,
die von US-Medien erhoben worden seien. Paris vermutet hinter den mutmaßlichen
Verleumdungen eine Kampagne der Regierung von US-Präsident George W. Bush.
Damit solle der Ruf Frankreichs in den USA beschädigt werden, hieß es in Paris.
Ein Sprecher des Weißen Hauses wies die Vorwürfe am Donnerstagabend zurück.
Zuvor hatte Paris zusammen mit dem Brief des französischen Botschafters in den
USA eine Liste veröffentlicht, in der die Verleumdungen verzeichnet sind. Genannt
werden Falschmeldungen aus namhaften US-Zeitungen von der "New York Times" bis zur
"Washington Times", in denen Frankreich unter wegen Waffenlieferungen an Irak
beschuldigt wird. "Wir haben mit der Auflistung der falschen Anschuldigungen begonnen,
die in der amerikanischen Presse auftauchten und das französische Volk stark getroffen haben",
sagte Marie Masdupuy, Sprecherin des französischen Außenministeriums. In dem jüngsten
zitierten Bericht von der vergangenen Woche heißt es, Frankreich habe flüchtende Iraker mit Pässen
versorgt.
Auf die Frage, ob dahinter eine Kampagne seines Ministeriums stecke, sagte
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld: "Sicherlich nicht". Unterdessen gab
das Pentagon am Donnerstag bekannt, dass an der Pariser Flugschau, die am 15.
Juni beginnt, weit weniger Pentagon-Mitglieder und Flugzeuge teilnehmen werden
als zunächst geplant. (Quelle: ap)
USA geben CIA-Verwicklung in Guatemala-Putsch zu
Fr.16.05.03 - Das US-Außenministerium hat die Verwicklung des Geheimdiensts CIA in
den Putsch in Guatemala vor 49 Jahren in die offizielle Geschichtsschreibung der USA
aufgenommen. Das Ministerium veröffentlichte einen Band mit bislang geheim gehaltenen
Dokumenten, die die Rolle der CIA beim Sturz des linksgerichteten guatemaltekischen
Präsidenten Jacobo Arbenz 1954 dokumentieren. Der Geheimdienst habe den
Staatsstreich als Teil seines Kampfes gegen den Kommunismus geplant, geht
daraus hervor.
Bereits 1951 habe der CIA einen Plan zur Entmachtung von Arbenz ausgearbeitet,
der nach der Bodenreform von 1952 umgesetzt worden sei. Die Elite der reichen
Großgrundbesitzer in dem mittelamerikanischen Land sowie das in Guatemala
tätige US-Agrarunternehmen United Fruit hatten als Hauptbetroffene die Landreform
entschieden abgelehnt.
Ein vor 20 Jahren vom Außenministerium veröffentlichter Dokumentenband zur
Guatemala-Politik der USA hatte die Rolle des CIA bei dem Putsch verschwiegen.
Die Bände erschienen in der Reihe "Foreign Relations of the United States", in der
das Ministerium regelmäßig Dokumente zu diplomatischen Missionen und zur
Außenpolitik veröffentlicht. Darin werden auch vormals geheim gehaltene
Dokumente nach Ablauf langjähriger Fristen zugänglich gemacht. (Quelle: afp)
«Lateinamerika: Eine kurze Geschichte der US-Interventionen»
«Die Vereinigten Staaten haben in Lateinamerika nie offizielle Kolonien gehabt -
de facto jedoch gab es durchaus
Territorien, die von Washington ebenso abhängig waren wie
Kolonialgebiete. Vom Beginn des 19. Jahrhunderts an bis in
die 1930er-Jahre hinein haben US-Regierungen zudem
immer wieder - unter Berufung auf die Monroe-Doktrin von
1823 - bewaffnete Interventionen unternommen. Die führten
in der Regel zur Installation von einheimischen Diktatoren,
die letztlich als verlängerter Arm Washingtons funktionierten
- im Interesse des US-Kapitals und zum Unglück der Völker
Lateinamerikas...»
Aus: Maurice Lemoine - "Lateinamerika: Eine kurze Geschichte der US-Interventionen",
Le Monde diplomatique vom 16.05.03:
Weltbank-Fonds für indigene Projekte
Fr.16.05.03 - Die Weltbank, deren Finanzierung großer
Explorationsprojekte der Umwelt und der Lebensgrundlage von
Ureinwohnern schweren Schaden zugefügt hat, hat einen
Sonderfonds vorgestellt. Dieser soll erstmals bescheidenen
Entwicklungsprojekten indigener Gruppen zum notwendigen
Startkapital verhelfen. Der Fonds mit dem Titel "Grants Facility for
Indigenous People" ist mit 700.000 US-Dollar ausgestattet und
könnte noch vor Ende Juni zur Verfügung stehen. Die Weltbank
hofft, dass er durch freiwillige Beiträge ausgestockt wird. "Viel Geld
ist dies ja nicht", räumt Ian Johnson, Vizepräsident der Weltbank
und Chef des Weltbanknetzwerks für umweltverträgliche und
nachhaltige Entwicklung, ein. "Aber es soll unsere Beziehung zu
den indigenen Völkern symbolisieren." Das Programm ziele darauf
ab, Partnerschaften zwischen der Weltbank und Ureinwohnern
aufzubauen, die sich um Entwicklung bemühen. Die ersten 150.000
Dollar sollen an das ständige UN-Forum für die Belange von
Ureinwohnern gehen. (Quelle: taz [ips])
Weiterer Bericht zum Thema unter:
Zehntausende Menschen flüchten vor Gefechten in Kongo
Fr.16.05.03 - Mehrere zehntausend Menschen haben im Nordosten von Kongo die
Flucht aus der Stadt Bunia ergriffen, in der bei ethnischen Kämpfen bisher
mindestens 100 Einwohner ums Leben gekommen sind. Eine Sprecherin der
britischen Hilfsorganisation Oxfam schätzte am Mittwoch die Zahl der in
südwestliche Richtung fliehenden Menschen auf 30.000 bis 60.000.
In Bunia sind mehr als 10.000 verängstigte Einwohner rund um die Vertretung der
Vereinten Nationen und am nahe gelegenen Flugplatz zusammengekommen, um
dort den Schutz von 625 UN-Soldaten aus Uruguay zu suchen. UN-Vertreter haben vor
einem möglichen Völkermord in Bunia und anderen Orten der Provinz Ituri gewarnt. Auslöser
der Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen der Hema und der Lendu war Anfang Mai
der Abzug der letzten ugandischen Truppen aus der Region, die zuvor auf Seiten
der Regierung im Bürgerkrieg des Landes interveniert hatten.
Die Hema, traditionelle Viehzüchter, und die
überwiegend aus Ackerbauern bestehenden Lendu streiten seit Jahrhunderten um
das Land im Nordosten Kongos. Zusätzlich angeheizt wurde der Konflikt durch die
Entdeckung von Goldvorkommen in der Umgebung von Bunia.
Die Vereinten Nationen bemühen sich um eine 24stündige Feuerpause, um die
Bevölkerung der Stadt zu versorgen, wie UN-Sprecher Fred Eckhard in New York mitteilte. In der tansanischen Stadt
Daressalam nahmen der kongolesische Präsident Joseph Kabila und Vertreter verschiedener Volksgruppen
Gespräche mit dem Ziel auf, das Blutvergießen zu kämpfen. «Wir sind bereit, mit jedermann zu verhandeln, sagte der
Anführer einer Hema-Miliz, Thomas Lubanga. Die Hema werfen der Regierung Kabila jedoch vor, ihre Rivalen vom
Stamm der Lendu zu unterstützen. (Quelle: ap)
Israelische Soldaten erschießen Palästinenser bei Rafah
Fr.16.05.03 - Israelische Soldaten haben am Donnerstagabend im Gazastreifen einen
Palästinenser erschossen. Wie die Streitkräfte mitteilte, rannte der Mann auf einen
israelischen Militärstützpunkt bei Rafah an der ägyptischen Grenze zu. Es war
zunächst nicht bekannt, ob er bewaffnet war.
Wenige Stunden zuvor waren bei der größten israelischen Militäraktion im
Gazastreifen seit Monaten fünf Palästinenser getötet worden. Panzer und
Planierraupen drangen in der Nacht in das palästinensische Autonomiegebiet ein
und zerstörten in der Ortschaft Beit Hanun mehrere Häuser. Die israelische
Militäroffensive erfolgte am 55. Jahrestag der "Katastrophe", wie die Palästinenser
den Beginn der Vertreibungen ihrer Landsleute nach der Gründung des Staates
Israel im Jahre 1948 nennen. (Quelle: ap)
Putin plant Amnestie für tschetschenische Rebellen
Fr.16.05.03 - Russland Präsident Wladimir Putin hat einen Gesetzentwurf
vorgelegt, der eine Amnestie für tschetschenische Rebellen
vorsieht. In einem Schreiben an Parlamentspräsident Gennadi
Selesnjow bezeichnete der Kreml die Vorlage als "humanitäre
Geste", die den Boden für ein "friedvolles Zusammenleben" in
der abtrünnigen Kaukasusrepublik bereiten solle. Allen Rebellen,
die bis zum 1. August ihre Waffen niederlegten und ihre
Aktivitäten stoppten, solle Straffreiheit gewährt werden.
Ausgenommen seien Morde, Entführungen und andere schwere Verbrechen sowie
ausländische Kämpfer. In den Reihen der tschetschenischen Rebellen kämpfen
zahlreiche Söldner, die Mehrheit von ihnen ist arabischstämmig.
In Tschetschenien tobt seit Mitte der 90er Jahre ein blutiger Konflikt zwischen den
für die Unabhängigkeit von Moskau kämpfenden Rebellen und der russischen
Armee. Während Menschenrechtsorganisationen den russischen Soldaten
Massaker an Zivilisten vorwerfen, verüben Rebellen zunehmend Selbstmord- und
Bombenanschläge. Seit Montag wurden bei zwei Selbstmordanschlägen insgesamt
mehr als siebzig Menschen getötet. (Quelle: afp)
Blick ins Archiv
Mindestens 47 Tote bei Bombenanschlag in Tschetschenien
14 Tote bei neuem Selbstmordanschlag in Tschetschenien
«Ärzte ohne Grenzen: Menschenrechtssituation in der Kaukasusrepublik Tschetschenien verschlechtert sich immer weiter»
Hintergründe zum Tschetschenien-Konflikt
Weiter kein Konsens im EU-Reformkonvent
Fr.16.05.03 - Fünf Wochen vor Fristende zur Abgabe eines Entwurfs für eine
Europäische Verfassung zeichnet sich im EU-Reformkonvent kein Konsens ab. Erstmals
berieten die 105 Delegierten am Donnerstag in Brüssel über die Vorschläge des Präsidiums
zur Ausgestaltung der einzelnen Institutionen. Streit gibt es besonders über die Frage, ob der
EU künftig ein auf mehrere Jahre gewählter Ratspräsident vorsitzen soll, wie es der
Vorschlag von Konventspräsident Valery Giscard d'Estaing vorsieht.
Für den Entwurf liegen 1.500 Änderungsanträge vor. Nach dem Vorschlag des
Präsidiums soll der Ratspräsident von den Mitgliedstaaten mit qualifizierter Mehrheit für
zweieinhalb Jahren gewählt werden. Ein Kandidat muss aus dem Kreis der Staats- und
Regierungschefs kommen oder dem Europäischen Rat mindestens zwei Jahre
angehört haben.
Der Vertreter der Bundesregierung im Konvent, Außenminister Joschka Fischer, bezeichnete den
Entwurf als "gute Arbeitsgrundlage". Der Europäische Rat dürfe aber nicht in Konkurrenz zur
EU-Kommission treten. Die Wahl eines EU-Vorsitzenden bezeichnete Fischer als
sinnvoll, insofern die Balance der einzelnen Institutionen gewährleistet sei. Auch der
Vertreter des Bundesrates im Konvent, der baden-württembergische
Ministerpräsident Erwin Teufel, begrüßte die Vorstellungen Giscards.
Dagegen äußerten mehrere andere Redner ihre Kritik an einem
EU-Ratsvorsitzenden. So bekräftigte der frühere Kommissionspräsident Jacques
Santer im Namen der drei Benelux-Staaten seine Ablehnung eines solchen Amtes.
Besonders die kleineren Mitgliedstaaten fürchten dadurch eine Schwächung der
EU-Kommission.
Auch das Amt eines EU-Außenministers ist in dem Entwurf vorgesehen. Dieser soll von den Mitgliedstaaten mit
qualifizierter Mehrheit und mit Zustimmung des EU-Kommissionspräsidenten gewählt werden. Der Außenminister soll
die Gemeinsame EU-Außen- und Sicherheitspolitik leiten und Vize-Präsident der EU-Kommission sein. Als Kandidat
wird seit langem Bundesaußenminister Fischer gehandelt, der selbst darauf angesprochen bislang aber geschwiegen
hat.
Giscard rief dazu auf, den Zeitplan einzuhalten: "Es wird sehr schwierig sein, eine Perfektion bis zum 20. Juni zu
erreichen, aber die Deadline ist da." Nach einem Beschluss der EU-Staats- und Regierungschefs soll der Konvent
dem EU-Gipfel in Saloniki am 20. Juni den Verfassungsentwurf vorlegen. Darauf verwies am Donnerstag auch der
amtierende EU-Ratsvorsitzende, der griechische Außenminister Georgios Papandreou.
Auch Fischer mahnte, dass die Arbeit bis zum 20. Juni abgeschlossen sein müsse: "Ich glaube, wenn wir nicht im
Zeitplan bleiben, dann schaffen wir ein Problem, das sehr schwierig zu lösen zu sein wird." Dennoch kritisierten
mehrere Konventsmitglieder den Zeitdruck. Der CDU-Europa-Abgeordnete Elmar Brok forderte eine Verlängerung bis
in den Juli hinein. Papandreou sagte, der Konvent könne der Entscheidung des Rats nicht vorweggreifen: "Wir werden
das aber auf jeden Fall zur Kenntnis nehmen."
Über den Verfassungsentwurf werden die Mitgliedstaaten anschließend in einer so genannten Regierungskonferenz
beraten. Ziel ist, die Verfassung am Jahresende zu beschließen. Sie soll die EU fit für die Aufnahme der zehn neuen
Mitglieder zum 1. Mai 2004 machen. Der EU-Vertrag von Nizza erwies sich dafür als ungenügend.
(Quelle:ap )
ETA ruft Basken zur Abgabe leerer Stimmzettel auf
Fr.16.05.03 - Die Untergrundorganisation ETA hat die Wähler im spanischen
Baskenland aufgefordert, aus Protest gegen den Ausschluss von Kandidaten der
baskischen Nationalisten bei der bevorstehenden Kommunalwahl leere Stimmzettel
abzugeben. Die Abgabe unausgefüllter Wahlzettel sei ein Votum für die Würde und
den Kampf des baskischen Volkes, erklärten am Donnerstag drei maskierte Männer
im baskischen Fernsehsender ETB.
Das spanische Verfassungsgericht hat vorigen Freitag mehreren hundert
baskischen Nationalisten verboten, bei der Kommunalwahl am 25. Mai zu
kandidieren. Es stützte damit ein entsprechendes Verbot des Obersten Gerichts. Demnach
sind von der Wahl in drei baskischen Provinzen und dem benachbarten Navarra fast
1.500 Politiker ausgeschlossen, die verdächtigt werden, der Partei Batasuna nahe zu stehen.
Nach Ansicht der Obersten Richter haben die betroffenen Politiker nach dem Verbot der
Batasuna, des politischen Arms der Untergrundorganisation ETA,
im März neue Parteien gegründet. Im Kampf der ETA für einen eigenen Staat sind
seit Ende der 60er Jahre mehr als 800 Menschen getötet worden.
(Quelle: ap)
«Es war wohl der Lohn für die spanische Unterstützung für
den Irakkrieg: die baskische Separatistenorganisation ETA
steht nun offiziell auf der internationalen Terroristenliste der
USA»
«Im Baskenland geht der Kampf weiter wie gehabt: Die
ETA hält Hinrichtungen von missliebigen Journalisten,
Politikern und sogar von Vermittlern bei Friedensgesprächen
für ein legitimes Mittel im Kampf der "europäischen
Ureinwohner" gegen die "Kolonialmacht Spanien", während
die Zentralregierung in Madrid auf alles einprügeln lässt, was
baskisch-national denkt. Die Partei Herri Batasuna,
politischer Arm der ETA, wurde verboten; auch deren
Nachfolgepartei AuB darf keine Kandidaten in die Wahlen
schicken...» (Le Monde diplomatique vom 16.05.03)
Mehr unter:
«Testgelände Baskenland - Aznar setzt auf die abschreckende Wirkung staatlicher Gewalt und verbreitet Angst»
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Heftiger Streit um Reformpläne in Deutschland
Fr.16.05.03 - Opposition und Gewerkschaften setzen ihren Widerstand gegen die
Reformpläne der Bundesregierung fort und bestehen auf Korrekturen. Die
CDU-Vorsitzende Angela Merkel nannte es in der "Stuttgarter Zeitung" besonders
ärgerlich, "dass mit dem, was Rot-Grün macht, keine Idee, keine Vorstellung über
das künftige Deutschland verbunden ist". Aber auch in den Reihen der Grünen
rührte sich Kritik an der geplanten Reform-Agenda.
Unterdessen soll nach einem Zeitungsbericht der Leitantrag für den
SPD-Sonderparteitag zu den geplanten Sozialreformen abgeschwächt werden. Die
SPD-Arbeitsgruppe zur sozialen Sicherheit habe sich darauf verständigt, mit einer
schrittweisen Erhöhung der Altersgrenze nicht automatisch 2011, sondern erst bei "einer
spürbaren Reduzierung der Arbeitslosigkeit» zu beginnen, berichtet das Düsseldorfer
"Handelsblatt" unter Berufung auf Teilnehmerkreise. Auch die Forderung nach einer neuen
Rentenformel solle deutlich abgeschwächt werden.
Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Werner Schulz, pochte in der
Zeitung "Die Welt" (Freitag) auf grundlegende Änderungen: "Wenn diese Agenda
wie geplant durchgeführt wird, schaffen wir Armutsängste in der neuen Mitte, gerade
bei Älteren, weil man aus der Arbeitslosigkeit relativ schnell ins Bodenlosen fallen
kann."
Merkel betonte die Notwendigkeit, soziale Errungenschaften aufzugeben. So müsse die Lebensarbeitszeit länger und
der Kündigungsschutz gelockert werden, sagte sie. Beides will auch die SPD.
Im Gegensatz zu seinem Parteichef Edmund Stoiber stellte CSU-Generalsekretär Thomas Goppel der
Bundesregierung die Zusammenarbeit der Union in Aussicht. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) könne mit der
Union sofort seine Agenda 2010 durchsetzen, sagte er der "Kölnischen/Bonner Rundschau". Das tue er aber nicht,
weil er Probleme mit dem eigenen Lager habe.
IG-Metallchef Klaus Zwickel sagte dem "Handelsblatt", die geplanten Reformen seien weder sozial noch gerecht. Die
IG Metall müsse daher Druck für eine andere Politik machen. "Wir erwarten von den Abgeordneten, dass sie im
Bundestag deutliche Korrekturen der Agenda 2010 durchsetzen", betonte Zwickel. (Quelle: dpa)
Lafontaine wirft Schröder Wortbruch vor
Fr.16.05.03 - Der frühere SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine hat der
Parteiführung um Bundeskanzler Gerhard Schröder Wortbruch vorgeworfen. Auf
einem kleinem Parteitag der SPD Saar forderte Lafontaine am Donnerstagabend in
Saarbrücken, die von Schröder vorgeschlagene Agenda 2010 "sofort zu kassieren
und zu sozialdemokratischer Politik zurückzukehren. Die Agenda enthalte "uralte
Ladenhüter der Unternehmerverbände" und lasse die Reichen ungeschoren,
kritisierte Lafontaine.
Außerdem könne bisher niemand erklären, wie die Kürzung von Arbeitslosengeld
oder die Lockerung des Kündigungsschutzes zu mehr Wachstum und Beschäftigung
beitragen sollten. Der einzige Weg, um aus der Krise herauszukommen, sei die
Ankurbelung der Konjunktur durch direkte Investitionsprogramme des Staates für die
Gemeinden, sagte Lafontaine. Zur notwendigen Reform des Sozialstaates müsse man alle
zur Beitragszahlung Verpflichteten und sämtliche Einkommensarten heranziehen.
Das gegenwärtige Tief der SPD bei Meinungsumfragen führte Lafontaine darauf
zurück, dass viele Wähler nicht mehr wüssten, was die SPD von der Union oder der
FDP unterscheide. "Wenn wir sozialdemokratische Gerechtigkeit nicht mehr
erklären können, verlieren wir unsere Seele, und das sollten wir vermeiden", rief
Lafontaine unter dem Beifall der rund 100 Delegierten.
(Quelle: ap)
Innenminister weitgehend einig über Flüchtlingspolitik
Fr.16.05.03 - Kriegsflüchtlinge aus Afghanistan, Irak und dem
Kosovo müssen nach übereinstimmender Auffassung der
Innenministerkonferenz (IMK) in überschaubaren Zeiträumen
wieder in ihre Heimatländer zurückkehren. Zwangsrückführungen
nach Irak und Afghanistan kommen derzeit aber noch nicht in
Betracht, sagte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) zum
Abschluss der zweitägigen IMK-Frühjahrskonferenz am
Donnerstag in Erfurt.
Auch im Kosovo herrsche für Roma und serbische Minderheiten
derzeit noch keine sichere Lage, um ihre Rückkehr zu ermöglichen.
Schily betonte, nach den europäischen Richtlinien für Kriegsflüchtlinge
gehe es um einen vorübergehenden Schutz für die Zeit, in der eine
Gefahrensituation bestehe. Wenn sich
die Gefahr verflüchtigt habe, müsse auch die Rückkehr gesichert sein. Gemeinsam
mit dem auswärtigen Amt werde die Situation in den betreffenden Ländern sehr
sorgfältig beobachtet, um dann je nach Sachlage zu entscheiden. Priorität habe die
Hilfe vor Ort, sagte Schily. Mit Vorrang sollten aber diejenigen zurückgeführt werden,
die in Deutschland eine Straftat begangen hätten.
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck, kritisierte die
Beschlüsse der IMK. Beck sagte auf RADIOmultikulti, es sei unzumutbar für
Flüchtlingsfamilien aus Afghanistan und Irak, die teilweise bis zu zwölf Jahre in Deutschland gelebt hätten, in ihre
Heimat zurückzuschicken. Solchen langjährig Integrierten müsse ermöglicht werden, in Deutschland zu bleiben. Die
bundesweite Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge, Pro Asyl, warf der IMK vor, sich von einer seriösen Politik zu
verabschieden, da sie weder die Realität vor Ort noch die internationale Diskussion zur Kenntnis nähmen.
(Quelle: ap)
Menschenfeindliche Praxis - Bayrischer Flüchtlingsrat berichtet über erste Erfahrungen mit dem neuen «Ausreisezentrum» in Fürth
«Seit einem guten halben Jahr ist das euphemistisch
"Ausreisezentrum" genannte Abschiebelager im fränkischen
Fürth in Betrieb. Das Musterlager des bayrischen
Innenministers Günther Beckstein (CSU) sei nicht nur
"praktizierte Menschenfeindlichkeit", sondern selbst bezogen
auf die Absichten des bayerischen Innenministers ein Flop, so
das Resümee des Bayrischen Flüchtlingsrates am Donnerstag
vor Journalisten in München.
Mit einer "Zermürbungstaktik", so hatte Lagerleiter Christoph
Hammer erläutert, sollten rückkehrunwillige Flüchtlinge mit
Duldungsstatus zur Ausreise bewegt werden. Zu den hierzu
angewandten Repressalien zählen regelmäßige Verhöre,
Zimmerdurchsuchungen, Anwesenheitskontrollen,
Meldepflichten, Arbeitsverbote, der Entzug von Bargeld, die
Beschränkung der Bewegungsfreiheit und die Kontrolle des
von Gittern und Stacheldraht umgebenen Lagers durch einen
privaten Wachdienst. Betroffen von diesen Maßnahmen sind
Flüchtlinge, deren Identität aufgrund fehlender Papiere nicht
nachgewiesen oder von den Konsulaten nicht bestätigt
werden kann. » (Quelle: "junge welt" vom 16.05.03)
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Telefonüberwachung soll nicht eingeschränkt werden
Fr.16.05.03 - Die drastische Ausweitung der Telefonüberwachung ist nach Ansicht von
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries gerechtfertigt. Die Abhöraktionen seien ein
"unverzichtbares und effizientes Mittel zur Strafverfolgung", sagte die
SPD-Politikerin am Donnerstag bei der Vorstellung eines Gutachtens der
Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. Einzelne Punkte der bestehenden Regelungen
müssten allerdings verbessert werden. Die Grünen mahnten dagegen "dringenden
Reformbedarf" an.
Die Zahl der Abhöraktionen hat sich seit 1995 nahezu verfünffacht. Im vergangenen
Jahr wurden 21.874 Telefonanschlüsse überwacht. Die Bundesregierung hatte bereits in
der vergangenen Legislaturperiode die Max-Planck-Gesellschaft damit beauftragt, ein
Gutachten zur Effizienz der Abhöraktionen zu erstellen.
In der Studie wird die drastische Zunahme auf den Handy-Boom zurückgeführt. Im
Verhältnis zur Gesamtzahl der Anschlüsse ergebe sich sogar ein Rückgang bei der
Telefonüberwachung. Während 1997 noch 46 von 100.000 Handys überwacht wurden,
seien es 2001 nur noch 32 gewesen. Im europäischen Vergleich liege Deutschland im Mittelfeld.
Während in Italien, den Niederlanden und der Schweiz ein weitaus größerer Bevölkerungsanteil
von Lauschangriffen betroffen sei, würden in Frankreich, Großbritannien und
Österreich deutlich weniger Abhöraktionen angeordnet.
Zypries betonte, dass die Telefonüberwachung überwiegend bei schweren Straftaten
wie Rauschgifthandel, Verstößen gegen das Kriegswaffenkontroll- und
Außenwirtschaftsgesetz, Menschenhandel, Raub oder Erpressung eingesetzt
werde. Als Mittel der Strafverfolgung habe sie sich durchaus bewährt. Die
Anklagequote bei Verfahren, in denen Telefonüberwachung angewendet worden sei,
liege mit 58 Prozent etwa doppelt so hoch wie bei sonstigen Verfahren.
Defizite machte die Justizministerin nur in zwei Punkten aus. Die richterlichen Anordnungen zur Überwachung von
Telefonüberwachungen seien in zu vielen Fällen nur unzureichend begründet. "Wir werden deshalb prüfen, wie die
Gesetzeslage verbessert werden kann." Zudem werde die gesetzliche Pflicht, die Betroffenen nachträglich über
Abhöraktionen zu informieren, nur in 27 Prozent der Fälle erfüllt. Hier müsse die Praxis stärker in die Pflicht
genommen werden, sagte Zypries.
Die Grünen legten dagegen einen umfassenden Reformkatalog vor. Die Liste der Straftaten, bei denen die
Telefonüberwachung zulässig ist, müsse gekürzt werden, sagte der Grünen-Innenexperte Jerzy Montag. Zudem
müsse die Höchstdauer der Abhöraktionen von drei auf einen Monat gekürzt werden. Für einige Berufsgruppen wie
Rechtsanwälte oder Geistliche sollte die Telefonüberwachung ganz verboten werden. "Durch diese Maßnahmen
wollen wir die Telefonüberwachung auf die Fälle konzentrieren, in denen sie wirklich erforderlich und Erfolg
versprechend ist", sagte Montag.
(Quelle: ap)
Weiterer Beitrag zum Thema unter:
Digitale Videoüberwachung breitet sich weltweit aus
«...Videoüberwachung gilt als Wachstumsmarkt. ... So sehr die Videoüberwachung auf die Erzeugung sicherer oder
auch Wiedergewinnung unsicherer Räume zielt und sich damit ihre Legitimation verschafft, sie erzeugt letztendlich
eine Atmosphäre des Misstrauens, die sich räumlich durch die Asymmetrie von Sehen und Gesehenwerden
ausdrückt und zeitlich durch die vollkommene Relativierung von Gegenwart durch die andauernde und lauernde
Erwartung eines künftigen Ernstfalls beschreiben lässt...»
Aus: Andrea Naica-Loebell -"Wie eine Seuche",
Blick ins Archiv
Telefonüberwachungen nehmen immer mehr zu
«...Im Bundesverfassungsgericht gibt es neuerdings die
Tendenz, die Pressefreiheit nicht besonders ernst zu nehmen. Ein
Exempel war das Urteil vom 12. März 2003, in dem es die
Verfassungsrichter der Polizei und der Staatsanwaltschaft unter
relativ dürftigen Voraussetzungen erlaubten, Telefone und Handys
von Journalisten abzuhören und die Verbindungsdaten der
Telefonkontakte abzufragen...» (Süddeutsche Zeitung vom 03.05.03
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Große Raubfischarten zu 90 Prozent dezimiert
Fr.16.05.03 - Die Bestände der großen Raubfischarten sind durch die
übermäßige Befischung innerhalb weniger Jahrzehnte zu
90 Prozent dezimiert worden. Das ergibt sich aus der
ersten umfassenden Untersuchung der weltweiten
Fischbestände, die von einem kanadischen Forscherteam
im Wissenschaftsmagazin "Nature" vorgestellt wird.
Demnach gibt es inzwischen von Fischarten wie dem Kabeljau, dem Rochen, dem
Heilbutt, dem Weißen Marlin, dem Thunfisch und dem Weißen Hai nur noch ein
Zehntel der Bestände im Vergleich zum Stichjahr 1952.
Es sei bereits weithin bekannt, dass die Bestände einzelner Fischarten durch die
industrielle Hochseefischerei bedroht seien. Nun sei aber erstmals generell
nachgewiesen, dass die Bestände quer durch die verschiedensten
Meeres-Ökosysteme "stark rückläufig" seien, heißt es in der Studie von Ransom
Myers und Boris Worm von der Dalhousie-Universität in Halifax. Der Rückgang bei
den großen Raubfischarten sei darüber hinaus ein Hinweis darauf, dass auch die
kleineren Fischarten und die gesamte Meeres-Biomasse abnähmen. In der Studie
wurden die verfügbaren Daten über die Fischbestände der Welt für den Zeitraumm
1952 bis 1999 zusammengetragen.
Die heutzutage gefangenen großen Raubfische, wie etwa die Marline, haben den
Forschern zufolge nur noch ein Fünftel bis die Hälfte des Gewichts früherer Zeiten.
"Der Druck durch die intensive Befischung ist so groß, dass sie sich nicht einmal
mehr vermehren können", heißt es in der Studie. "Es muss uns klar werden, dass
einige kurz vor der Ausrottung stehen." Bei den am schlimmsten betroffenen Arten
müsse eine Herabsetzung der Fangquoten um mindestens die Hälfte erreicht
werden. "Einst gab es in den Ozeanen beeindruckende Fische, regelrechte
Meeresmonster. Mit Harpunen wurden drei Meter lange Schwertfische in die
Fischerboote gezogen", erinnert sich der US-Biologe Jeremy Jackson. "Das war
einmal, es war die Zeit von Hemingways 'Der alte Mann und das Meer'."
(Quelle: afp)
Weiterer Bericht zum Thema
Wale und Delfine vor dem Aussterben
Fr.16.05.03 - Wissenschaftler des IUCN, der World Conservation Union
(http://www.iucn.org) , warnen davor, dass viele Meeressäuger, insbesondere Wale
und Delfine die kommenden zehn Jahre nicht überleben werden. Beispiele für
extrem gefährdete Spezies gebe es nach Ansicht der Forscher genügend. Die
IUCN-Experten haben jetzt einen Bericht über die Schutzmaßnahmen für die
gefährdeten Delfine, Tümmler und Wale vorgelegt.Besonders gefährdet sind
Kleinwale und Delfine wie etwa der Baiji-oder Yangtse-Delfin (Lipotes
vexillifer) oder auch der Ganges-Delfin (Platanista gangetica). Beide Arten
werden nach Ansicht der Forscher die kommenden zehn Jahre nicht überleben.
Insgesamt sind auf der Liste der vom Aussterbenbedrohten Arten 86 Wal-Spezies, darunter
befinden sich Hochseetiere und die immer seltener gesehenen Süßwasser-Arten in Südasien und
Lateinamerika. "In den vergangenen 15 Jahren ist dies bereits der dritte Bericht, der konkrete
Schutzprogramme für die Tiere vorschlägt", erklärt Randall Reeves,
Cetacea-Experte bei IUCN. Besonders betroffen sind neben den großen
Bartenwalen wie dem Blau-, Sei- und Buckelwal auch zahlreiche Tümmler."
Am Schlimmsten sieht es mit dem Yangtse-Delfin aus. Von dieser Art wurden in den
vergangenen Jahren nur noch rund 25 Tiere gesichtet", erklärt der Experte. 1985
schätzten Forscher die Zahl des Delfins, der im chinesischen Yangtse-Fluß lebt,
noch auf rund 300 Exemplare. Auf der roten Liste steht auch der Vaquite (Phocoena
sinus), ein Tümmler, der im Golf von Kalifornien lebt.Obwohl einige Verbesserungen
das Leben einiger Wale gerettet haben, sieht die Zukunft der Tiere düster aus. Zerstörte Habitate, immer weniger
Nahrungsangebot sowie chemische Verunreinigungen führen zur Katastrophe. Auch militärische Einrichtungen wie
Sonarsysteme machen den empfindlichen Meeressäugern das Leben zur Hölle. "Es gibt aber auch einige
Hoffnungsschimmer", so William Perrin von der IUCN. Einige der Populationen haben sich gut erholt. Dennoch müsste
als erster Schritt etwas für die besonders gefährdeten Süßwasser-Arten unternommen werden. Nach Ansicht von
Perrin würden Änderungen der Fischereimethoden die Tiere zumindest nicht unmittelbar gefährden.
(Quelle: pte)
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